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lauravoneden

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lauravoneden hat gelesen…
30 Bücher im Jahr 2026

Cover des Buches Summer Heat (ISBN: null)
Buch wurde am
08. Mai beendet
Cover des Buches Häftling: Ein absolut süchtig machender Psychothriller voller Twists (ISBN: null)
Buch wurde am
08. Mai beendet
Cover des Buches Party of Liars (ISBN: null)
Buch wurde am
04. Mai beendet
Cover des Buches The Sea Sisters (ISBN: null)
Buch wurde am
04. Mai beendet
Cover des Buches Der Fjord (ISBN: null)
Buch wurde am
28. April beendet
Cover des Buches Missing Page - Tödliche Worte (ISBN: null)
Buch wurde am
21. April beendet
Cover des Buches Dein letztes Fest (ISBN: null)
Buch wurde am
21. April beendet
Cover des Buches Meeresdunkel (ISBN: null)
Buch wurde am
17. April beendet
Cover des Buches Die Touristin (ISBN: null)
Buch wurde am
16. April beendet

Rezensionen und Bewertungen

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Cover des Buches Summer Heat (ISBN: 9783864933738)

Bewertung zu "Summer Heat" von Solveig-Marie Kastner

lauravoneden
Kurzmeinung: Ein eher lauer Sommerthriller, der trotz guter Grundidee seine Längen hat
Summer Heat

Mia tritt ihren neuen Job in einem luxuriösen Sommerresort an, das mit Sonne, Leichtigkeit und perfekter Urlaubsstimmung lockt. Für sie ist es die Chance auf einen Neuanfang fernab ihres bisherigen Lebens. Vor Ort lernt sie Yanis kennen, der schon länger Teil des Teams ist und sich scheinbar mühelos in die Abläufe und das künstlich erschaffene Paradies eingefügt hat. Während Mia noch versucht, sich zurechtzufinden und ihren Platz zu behaupten, hat sie ein Auge auf Yanis geworfen. Doch je länger Mia im Resort bleibt, desto mehr beginnt die glänzende Fassade zu bröckeln. Hinter dem Dauerlächeln und den perfekt inszenierten Abläufen zeigen sich erste Risse. Mitarbeitende verhalten sich teilweise seltsam und viele Situationen wirken irritierend und zunehmend bedrückend. Schritt für Schritt kippt die Stimmung und aus der anfänglichen Leichtigkeit wird eine spürbare Beklemmung, die sich durch das gesamte Resort zieht…

Der Thriller ist in vier Teile gegliedert, die auch entsprechend gekennzeichnet sind. Diese Struktur hat sich mir jedoch nicht erschlossen. Zu Beginn hatte ich den Eindruck, dass die vier Teile klare Abgrenzungen der verschiedenen Perspektiven bilden könnten. Tatsächlich wird die Geschichte aber unabhängig von dieser Einteilung aus mehreren POVs erzählt. Im Mittelpunkt stehen Mia und Yanis, später kommen noch weitere Perspektiven hinzu. Die Wechsel finden dabei auch innerhalb der einzelnen Teile statt, sodass ich keinen echten Mehrwert in dieser Unterteilung gesehen habe. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Mia und Yanis fand ich dennoch interessant, weil sie zeigen, wie verschieden ein und dieselbe Situation interpretiert werden kann.

Atmosphärisch hat das Buch seine starken Momente. Dieses Gefühl, dass die anfängliche Sommerleichtigkeit nach und nach bröckelt und sich eine unterschwellige Anspannung ausbreitet, ist gut eingefangen. Man merkt deutlich, wie die Figuren zunehmend unter Druck geraten und wie das künstliche Dauerlächeln im Resort zur Belastung wird. Besonders gut gefallen hat mir auch die Kulisse. Das Setting mit der sommerlichen Atmosphäre und dem Portugal Flair sorgt für ein stimmiges Gesamtbild und passt gut zu einem Thriller dieser Art.

Was mich allerdings gestört hat, ist der offizielle Klappentext. Er liest sich zwar spannend, nimmt aber meiner Meinung nach zu viel vorweg. Einige Sachen, die dort drin stehen, treten erst sehr spät im Buch auf. Ein weiteres Problem waren für mich die Nebenfiguren. Viele von ihnen wirken eher wie Statisten, ohne wirklich zur Geschichte beizutragen. Das macht es etwas unruhig, weil zwar viele Personen auftauchen, aber nur wenige davon ausgearbeitet sind.

Leider ist auch die Spannungskurve eher flach. Über lange Strecken passiert mir einfach zu wenig. Es wird immer wieder etwas angedeutet, ohne konkret zu werden, was das Ganze unnötig in die Länge zieht. Die Auflösung wiederum wirkte nicht ganz stimmig im Vergleich zum restlichen Erzähltempo und ehrlich gesagt einfach völlig deplatziert. Einfach komplett aus dem Nichts konstruiert.

Insgesamt hatte „Summer Heat“ eine interessante Grundidee und eine beklemmende Atmosphäre, konnte mich erzählerisch aber nicht überzeugen. Vor allem der Mangel an durchgehender Spannung und das unausgewogene Tempo haben dafür gesorgt, dass mich der Thriller nicht richtig packen konnte.

Kurzmeinung: Absolut guter Snack für Alle, die ihren Stil mögen
Häftling

Freida McFadden ist zurück und ihr neues Werk „Häftling“ erscheint nicht wie gewohnt im Heyne Verlag, sondern im Bookouture Verlag. Ein Verlag, den ich ohnehin empfehlen kann, wenn man auf der Suche nach internationalen Thriller-Perlen ist. Gerade im Bereich Psycho-Thriller findet man dort wirklich spannende Titel. Umso schöner, dass dieses Buch dadurch direkt bei Kindle Unlimited verfügbar ist. Ein echter Pluspunkt, der die Leserschaft sicherlich noch mehr erweitert.

In „Häftling“ geht es um Brooke Sullivan, die neu als Krankenschwester in einem Hochsicherheitsgefängnis arbeitet. Für ihren Job gelten klare Regeln. Keine persönlichen Informationen preisgeben, Abstand zu den Insassen halten und sich unter keinen Umständen emotional verstricken. Doch Brooke ist längst tiefer verstrickt als zulässig ist. Denn einer der gefährlichsten Häftlinge dort ist Shane Nelson, ihr früherer Highschool-Freund. Und ausgerechnet Brookes eigene Aussage hat ihn hinter Gitter gebracht.

Freida McFadden ist aktuell aus dem Thrillerbereich kaum wegzudenken. Noch gar nicht so lange im deutschsprachigen Raum präsent, erscheinen ihre Bücher bzw. die Übersetzungen inzwischen in einem Tempo, bei dem man kaum hinterherkommt. Und ich muss sagen, mich freut das total. Ihre Geschichten sind für mich absolute Wohlfühl-Thriller. Schnell, direkt, ohne große Umwege erzählt. Keine komplizierten Satzkonstruktionen, kein unnötiger Ballast, dafür aber genau das, was ich mir von diesem Genre wünsche. Spannung, Tempo und Unterhaltung.  

Natürlich bringt sie auch ihre typischen Elemente mit. Naive Protagonistinnen, die wirklich jede Red Flag übersehen, Wendungen, die man teilweise erahnen kann, und ein Schreibstil, der einen einfach durch die Seiten trägt. Entweder man liebt genau das oder man kann damit nichts anfangen. Ich gehöre ganz klar zur ersten Kategorie.

Auch Brooke ist eine klassische McFadden-Protagonistin. Schon als Teenager war sie unsicher, beeinflussbar und in vielerlei Hinsicht ziemlich naiv und hat das alles auch ins Erwachsenenleben mitgenommen. Wie so oft fragt man sich mehrfach, was sie eigentlich macht und ob sie wirklich so blind sein kann. Und trotzdem liest man weiter, weil man unbedingt wissen will, wohin das führt.

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Wir begleiten Brooke in der Gegenwart im Gefängnis und gleichzeitig ihr jüngeres Ich in der Highschool. Ich liebe solche Konstruktionen und auch hier funktioniert das richtig gut. Die Kapitel sind kurz, die Wechsel sorgen für Tempo und die kleinen Cliffhanger am Ende jedes Abschnitts machen genau das, was sie sollen, nämlich zum Weiterlesen animieren. Genau dieser typische Pageturner-Effekt, den man von ihr kennt.  

Natürlich gibt es auch hier wieder einige Twists und vielleicht sogar einen mehr, als man zunächst erwartet. Wer schon mehrere Bücher der Autorin gelesen hat, wird relativ schnell eigene Theorien entwickeln. Und ja, einige davon treffen vermutlich auch zu. Aber ganz ehrlich? Für mich ist das inzwischen fast schon Teil des Konzepts.

„Häftling“ ist ein klassischer Popcorn-Thriller. Schnell gelesen, extrem unterhaltsam und perfekt für ein paar Stunden Abschalten. Vielleicht nicht ihr stärkstes Buch, aber definitiv eines, das genau das liefert, was man von Freida McFadden erwartet und ich finde es hat die teils harsche Kritik nicht verdient.

Cover des Buches Party of Liars (ISBN: 9783757701895)

Bewertung zu "Party of Liars" von Kelsey Cox

lauravoneden
Kurzmeinung: Langsame Story, mehrere Perspektiven und ein sehr schnelles Ende
Party of Liars

Für ein luxuriöses Geburtstagsfest versammelt sich eine sehr gemischte Gesellschaft in einem exklusiven Anwesen. Zwischen Champagner und Small Talk treffen vier Frauen aufeinander, die mehr miteinander verbindet, als es zunächst scheint. Dani, frisch Mutter geworden, ringt mit ihren eigenen Gedanken. Kim, die Ex-Frau, bringt unausgesprochene Spannungen mit. Die junge Mikayla beobachtet aufmerksam, was um sie herum geschieht. Und Órlaith, das Kindermädchen, ist näher an den Familiengeheimnissen, als den meisten lieb ist. Und zum Ende des Abends ist Jemand tot…

Kelsey Cox war mir vor diesem Buch kein Begriff. Tatsächlich handelt es sich bei „Party of Liars“ um ihr Debüt. Entsprechend gespannt war ich auf ihren Stil und die Umsetzung der vielversprechenden Idee. Das Cover hat mich sofort angesprochen und auch der Klappentext klang genau nach der Art von Thriller, den ich gerne lese.

Erzählt wird die Geschichte aus den vier Ich-Perspektiven von Dani, Kim, Mikayla und Órlaith. Ergänzt wird das Ganze durch eine Vorher-Nachher-Struktur, die von Beginn an deutlich macht, dass etwas passieren wird und dass es eine Leiche gibt, ohne zu verraten, wen es trifft. Das hat mich in diesem Punkt an „Big Little Lies“ erinnert, weil der Plot dort auch so anfing und lange offen blieb, wer stirbt und warum. Die Perspektiven ließen sich überraschend gut auseinanderhalten, da die Figuren sehr unterschiedlich angelegt sind.

Durch die Ich-Perspektive ist man extrem nah an den Figuren dran. Man ist direkt in ihren Gedanken und bekommt alles ungefiltert mit. Genau das wurde für mich aber auch zum Problem. Streckenweise besteht das Buch fast nur endlosen Gedankengängen. Es wird sehr viel erklärt und eingeordnet, aber wenig wirklich gezeigt. Dieses dauerhafte Im-Kopf-Sein war teilweise anstrengend und hat das Tempo spürbar rausgenommen. Dazu kommt, dass gleich mehrere Figuren als unzuverlässige Erzählerinnen angelegt sind, mit Erinnerungslücken, verzerrter Wahrnehmung und Selbstzweifeln. Das verstärkt zwar die Unsicherheit, wirkt aber in der Häufung eher ermüdend.

Grundsätzlich fand ich die Idee der Geschichte wirklich gut. Allerdings passiert über eine sehr lange Strecke hinweg erstaunlich wenig. Man liest sich zwar gut durch das Buch, weil der Schreibstil an sich zugänglich ist, aber man braucht einen langen Atem, um wirklich zum Ziel zu kommen. Das Finale fand ich dann durchaus gelungen, aber im Verhältnis zur langen Hinführung war es nicht ganz so wirkungsvoll, wie es hätte sein können und stellenweise etwas zu konstruiert.

Unterm Strich ist „Party of Liars“ ein solider Thriller mit einer starken Grundidee, der aber vor allem im Mittelteil deutlich an Tempo verliert. Ich würde durchaus noch einmal etwas von der Autorin lesen, weil das Potenzial klar da ist, würde mir aber beim nächsten Mal eine straffere Umsetzung wünschen.

Cover des Buches The Sea Sisters (ISBN: 9783423221740)

Bewertung zu "The Sea Sisters" von Lucy Clarke

lauravoneden
Kurzmeinung: Neuauflage ihres Debüts, der Vibe ist ein anderer als in ihren aktuellen Büchern
The Sea Sisters

Nachdem ihr Vater sie früh verlassen hat und nun auch noch ihre Mutter verstorben ist, sind die beiden Geschwister Katie und Mia auf sich gestellt und raufen sich mehr oder weniger zusammen. Bis Katie eines Tages die Nachricht erhält, dass Mia während ihrer Weltreise auf Bali verunglückt ist. Die zurückgebliebene Katie folgt nun ihren Spuren, um zu verstehen, was passiert ist. Anhand ausführlicher Tagebucheinträge taucht sie immer tiefer in die Vergangenheit ein und reist Schritt für Schritt dieselben Stationen ab wie ihre Schwester, um herauszufinden was passiert ist…

Wenn ich mich an die letzten Werke von Lucy Clarke erinnere, dann waren das für mich immer klassische Destinations-Thriller. Atmosphärische Settings, besondere Orte, ein Todesfall, Geheimnisse und dieses unterschwellige Miträtseln. Genau das habe ich hier auch erwartet. Und ja, auch hier reisen wir durch verschiedene Orte, aber diese Destinationen haben eine ganz andere Funktion. Sie sind eher Mittel zum Zweck und tragen kaum zur Spannung oder zur eigentlichen Handlung bei, wie ich es sonst von ihr gewohnt bin.

Man darf außerdem nicht vergessen, dass es sich um eine Neuauflage ihres Debüts von 2012 handelt. Im Vergleich zu ihren neueren Büchern merkt man, dass hier noch nicht ganz die gleiche erzählerische Routine und Dynamik vorhanden ist. Trotzdem ist das ein starker früher Roman, der zeigt, was sie schon damals konnte.

Außerdem ist dieses Buch als Roman eingeordnet und eben nicht als Thriller. Und das merkt man deutlich. Während zwar andere Bücher von ihr trotz Roman-Einordnung oft eine spürbare Spannung hatten, ist „The Sea Sisters“ deutlich ruhiger. Die Geschichte lebt nicht von Nervenkitzel, sondern von Emotionen, Erinnerungen und der Dynamik zwischen den Schwestern.

Für mich war das ehrlich gesagt eine ziemliche Umstellung. Diese Unterzeile unter dem Buchtitel, die etwas in Richtung Geheimnisse und Spannung andeutet, weckte bei mir Erwartungen, die das Buch so nicht erfüllen konnte. Es gibt zwar eine gewisse Form von Spannung, aber nicht die, die man sucht, wenn man sonst hauptsächlich Thriller liest. Es ist kein Buch, das einen durch Plot-Twists antreibt, sondern eines, das sich langsam entfaltet.

Was sich für mich durch das ganze Buch zieht, ist diese bittersüße Schwere. Es gibt schöne Momente, in denen man mitfühlt und auch mal lächelt. Gleichzeitig liegt aber von Anfang an ein Schatten über allem, weil man weiß, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Das Wissen um das Ende von Mia macht das Lesen stellenweise schwer und melancholisch. Und dafür muss man einfach in der richtigen Stimmung sein. Ich habe beim Lesen gemerkt, dass ich das nicht war. Ich wollte Spannung und einen Thriller mit Sommerfeeling. Stattdessen habe ich ein emotionales Familiendrama bekommen.

Am Ende ist „The Sea Sisters“ ein gutes Buch, aber hat eben meine Erwartungen nicht erfüllt. Es hat eine ganz eigene, ruhige Intensität und wird definitiv seine Leserschaft finden. Wer emotionale, eher schwermütige Geschichten mit Fokus auf Beziehungen und Vergangenheit mag, wird hier sicherlich viel herausziehen können. Wer allerdings einen klassischen Lucy Clarke Thriller erwartet, sollte wissen, dass dieses Buch in eine ganz andere Richtung geht.

Cover des Buches Der Fjord (ISBN: 9783404196647)

Bewertung zu "Der Fjord" von Sarah Goodwin

lauravoneden
Kurzmeinung: Solider Thriller in schöner Kulisse
Der Fjord

Amelia reist unter falscher Identität nach Norwegen, um auf einem luxuriösen Anwesen an einer exklusiven Feier teilzunehmen. Zwischen wohlhabenden Gästen, oberflächlichen Gesprächen und einer perfekt inszenierten Fassade wirkt zunächst alles wie ein gewöhnliches, wenn auch dekadentes Zusammentreffen. Doch Amelia ist nicht ohne Grund hier. Ein Jahr zuvor ist ihre Schwester genau auf dieser Feier spurlos verschwunden und seitdem lässt sie die Frage nach dem, was damals wirklich passiert ist, nicht mehr los. Amelie will endlich Antworten, nachdem die Polizei schon längst nicht mehr ermittelt. Während sie versucht, unauffällig zu bleiben und ihre Rolle glaubhaft zu spielen, beginnt sie, hinter die Fassade der Reichen zu schauen und erkennt, dass hier wohl mehr Geheimnisse vergraben liegen als sie zunächst dachte…

Ich freue mich jedes Jahr auf ein neues Buch der Autorin. Mit „Der Fjord“ legt Sarah Goodwin allerdings einen Thriller vor, der sich spürbar von ihren bisherigen Werken unterscheidet. Während Bücher wie „Stranded“ oder „Die Yacht“ stark von einem ausgeprägten Survival-Aspekt und einer intensiven Gruppendynamik lebten, wirkt das Setting hier zwar weiterhin abgeschottet, gleichzeitig aber deutlich offener.

Gerade dieser Unterschied ist beim Lesen deutlich spürbar. In ihren früheren Geschichten lag der Fokus stark auf kleinen Gruppen, in denen sich die Dynamik immer weiter zuspitzte und der Mensch selbst zur größten Bedrohung wurde. Dieses beklemmende Gefühl, das sich langsam aufbaut und schließlich kippt, gehört für mich zu den größten Stärken der Autorin. In „Der Fjord“ ist dieser Aspekt zwar in Ansätzen vorhanden, tritt aber deutlich in den Hintergrund.

Durch die Vielzahl an Figuren, insbesondere die vielen Partygäste, entsteht ein anderes Lesegefühl. Viele von ihnen bleiben eher im Hintergrund und wirken fast wie Statisten, die zwar präsent sind, aber kaum Tiefe entwickeln. Dadurch fehlt es an einigen Stellen an der Intensität, die ihre anderen Bücher für mich so besonders gemacht hat.

Auch Amelia als Hauptfigur fügt sich in dieses Bild ein. Sie ist klar motiviert und verfolgt einen Plan, der von Anfang an sehr zielgerichtet wirkt. Ihr Antrieb ist zwar emotional absolut nachvollziehbar, gleichzeitig erscheinen einige ihrer Entscheidungen aber stark auf die Handlung zugeschnitten. Ich hatte das Gefühl, dass hier oft Dinge passend gemacht wurden, damit es für den Plot passt.

Auch der Aufbau der Geschichte ist eher langsam. Nach einem Einstieg, der zwar neugierig macht und die Ausgangssituation klar absteckt, entwickelt sich die Handlung dann vergleichsweise langsam. Das vorsichtige Vorgehen von Amelia ist zwar zur Situation passend, sorgt aber dafür, dass sich einige Passagen etwas ziehen. Gleichzeitig hab ich leider eigentlich alle zentralen Entwicklungen und größere Enthüllungen relativ früh erahnen können, wodurch ein Teil der Spannung verloren ging.

Gerade im Vergleich zu den anderen Büchern von Sarah Goodwin fehlt hier für mich ein Stück weit das, was ihre Geschichten sonst so besonders macht. Dieses intensive Spiel mit Gruppendynamik, das langsame Kippen von Situationen und die daraus entstehende Beklemmung mussten zugunsten einer stärker geplanten, auf den Plot ausgerichteten Handlung weichen. Auch die Auflösung wirkt stellenweise eher konstruiert und nicht ganz so rund, wie ich es mir gewünscht hätte.

Liegt es vielleicht daran, dass das Buch im Original unter dem Pseudonym Amy Cunningham erschienen ist? Es wirkt tatsächlich so, als hätte die Autorin hier bewusst mit ihrem gewohnten Stil gebrochen und sich in eine etwas andere Richtung ausprobiert. Der Originaltitel des Buches („The Serial Killer’s Party“) ist übrigens so viel knackiger als unser deutscher „Der Fjord“, zudem es im Buch auch eine Figur namens Ford gibt, und meine Augen öfters mal darüber gestolpert sind.

Das alles macht „Der Fjord“ keineswegs zu einem schlechten Buch. Die Grundidee ist spannend, das Setting atmosphärisch und die Geschichte insgesamt gut lesbar. Im direkten Vergleich mit ihren anderen Werken ist dieser Thriller aber leider nicht mein liebster. Insgesamt ist es ein solides, unterhaltsames Buch, das mich gut durch die Seiten getragen hat, aber nicht ganz an die Intensität und Stärke ihrer bisherigen Geschichten heranreicht.

Cover des Buches Missing Page - Tödliche Worte (ISBN: 9783846603024)

Bewertung zu "Missing Page - Tödliche Worte" von Katie Kento

lauravoneden
Kurzmeinung: Nicht nur für junge Leserinnen!
Missing Page

In einem abgelegenen, altehrwürdigen Anwesen findet ein exklusives Schreibseminar für junge Talente statt. Hier sollen Geschichten entstehen, die unter die Haut gehen und der berühmte Autor R.E. Giffard möchte einen ebenbürtigen Nachfolger finden. Die 17-jährige Toni reist nach Schottland, um an diesem Workshop teilzunehmen. Gemeinsam mit anderen Nachwuchstalenten möchte sie dort mehrere Tage lang an ihren eigenen Texten arbeiten. Gleich zu Beginn sorgt der exzentrische Gastgeber für Aufsehen, denn er kündigt an, sein Vermögen demjenigen zu hinterlassen, der ihn mit seinem schriftstellerischen Talent am meisten überzeugt.

Angestachelt von dieser Aussicht stürzen sich die Jugendlichen ehrgeizig in die Schreibaufgaben. Doch die Situation vor Ort entwickelt schnell eine eigene Dynamik. Ein aufziehender Sturm schneidet das Anwesen von der Außenwelt ab, das Verhalten des Personals wirkt zunehmend merkwürdig, und in den nächtlichen Gängen scheint sich jemand herumzutreiben. Als es auch noch zu einem ominösen Einbruch kommt, wächst die Unruhe innerhalb der Gruppe. Toni, die seit ihrer Kindheit schlafwandelt und von intensiven Albträumen geplagt wird, verliert dabei immer mehr den sicheren Halt zwischen Traum und Wirklichkeit. Was geht hier vor und wem kann man eigentlich trauen?

Im Zentrum steht Toni, aus deren Perspektive wir den Großteil der Geschichte erleben. Sie ist neugierig, reflektiert und bringt genau die richtige Mischung aus Unsicherheit und Entschlossenheit mit, um die Dynamik innerhalb der Gruppe glaubhaft einzufangen. Die übrigen Teilnehmenden des Schreibseminars sind individuell eingefangen und erfüllen weit mehr als nur die Funktion von Nebenfiguren. Jede einzelne Person bringt ihre eigene Geschichte, Beweggründe und auch Geheimnisse mit. Genau das macht die Gruppendynamik so interessant. Niemand ist einfach nur „da“ und schmückendes Beimwerk, sondern jede Figur trägt ihren Teil zum großen Ganzen bei.

Der Roman lebt stark von seiner besonderen Struktur. Neben der klassischen Erzählperspektive aus Tonis Sicht werden immer wieder Texte, Notizen und Auszüge aus den Arbeiten der Figuren eingeflochten. Besonders toll fand ich die visuellen Elemente wie Raumskizzen, Übersichten der Etagen oder auch scheinbar beiläufige Notizzettel und Listen. Ich liebe solche Details und verbringe gerne viel Zeit damit, diese Seiten zu studieren und auch gerne immer wieder dort hin zu blättern.

Der auch im Buch vorkommende Vergleich mit dem Spiel Cluedo passt hier hervorragend. Wie bei einem Rätsel setzt sich die Wahrheit Stück für Stück zusammen, während man gleichzeitig versucht, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Generell kein großer Fan bin ich von Traumsequenzen, bei denen man immer erstmal rätseln muss, ob das nun real oder geträumt ist.

Was diesen Jugendthriller besonders macht, ist seine Komplexität. Die Geschichte besteht aus vielen ineinandergreifenden Elementen, die sich nach und nach zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Der Beginn des Buches hat mich sofort eingefangen. Das Setting, die Figuren und die ersten Andeutungen von Gefahr greifen sofort ineinander und machen neugierig auf mehr. Im Mittelteil gibt es eine kleine Phase, in der die Spannung etwas abflacht und sich die Handlung weniger dynamisch anfühlt. Das fällt jedoch vor allem deshalb auf, weil der Rest des Buches dann wieder Fahrt aufnimmt. Die einzelnen Handlungsstränge laufen überzeugend zusammen und rückblickend ergibt vieles Sinn und ich hatte einige Aha-Momente.

Ein von mir immer wieder geliebtes Instrument ist das abgeschlossene Setting. Das Anwesen ist durch einen Sturm abgeschnitten, die Telefone gehen nicht und es entsteht ein Gefühl von Enge und Misstrauen. Gleichzeitig sorgt der Schreibkurs als Rahmenhandlung für eine spannende Ebene, da sich Realität und Fiktion immer wieder überschneiden. Der Schreibstil ist für einen Young Adult Thriller angemessen zugänglich, aber keineswegs simpel.

Insgesamt überzeugt „Missing Page“ von Katie Kento als überraschend komplexer Jugendthriller mit vielen clever verwobenen Handlungssträngen. Besonders die kreative Aufmachung mit Skizzen, Notizen und Textauszügen macht das Buch zu einem echten Erlebnis und hat echt Spaß gemacht. Trotz eines kleinen Spannungstiefs im Mittelteil bleibt die Geschichte durchaus fesselnd und entwickelt dann zum Ende hin wieder eine starke Dynamik. Die Figuren wirken authentisch und handeln nachvollziehbar, ohne in typische Klischees zu verfallen und verhalten sich auch nicht zu kindisch. Auch wenn der Roman offiziell im Jugendbuchbereich angesiedelt ist, eignet er sich definitiv ebenso für erwachsene Thriller-Leserinnen. Wer Freude an rätselhaften Geschichten, detailverliebten Gestaltungen und einem Hauch von Cluedo-Feeling hat, wird hier auf seine Kosten kommen.

Cover des Buches Dein letztes Fest (ISBN: 9783492065689)

Bewertung zu "Dein letztes Fest" von Jason Rekulak

lauravoneden
Kurzmeinung: Anders als "Schlafenszeit", aber dennoch absolut gelungen!
Dein letztes Fest

Frank Szatowski hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu seiner Tochter Maggie. Nach einem Zerwürfnis herrschte drei Jahre lang komplette Funkstille, bis sie sich plötzlich aus dem Nichts wieder bei ihm meldet. Ihre Nachricht kommt überraschend und überrumpelnd zugleich, denn Maggie hat nicht nur einen neuen Partner, sondern lädt Frank direkt zu ihrer bevorstehenden Hochzeit ein. Trotz der spürbaren Distanz zwischen ihnen macht sich Frank auf den Weg, fest entschlossen, diese zweite Chance nicht zu vergeigen.

Doch das Wiedersehen verläuft anders als erhofft. Die Hochzeit soll auf dem abgelegenen Anwesen der wohlhabenden Familie ihres Verlobten stattfinden, und schon kurz nach seiner Ankunft beschleicht Frank ein ungutes Gefühl. Die Familie wirkt kontrollierend, die Dynamiken sind schwer zu durchschauen, und hinter der makellosen Fassade scheint sich mehr zu verbergen, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Während Frank versucht, die verlorene Verbindung zu seiner Tochter wiederherzustellen, wächst in ihm gleichzeitig die Sorge, dass sie sich in einer Situation befindet, die gefährlicher ist, als sie selbst ahnt…

Schon mit seinem Debüt „Schlafenszeit“ konnte Jason Rekulak mich komplett überzeugen. Für mich war das damals eines meiner absoluten Highlights des Jahres, weshalb ich mich natürlich umso mehr gefreut habe, dass weiterer Nachschub angekündigt wurde. Entsprechend groß war die Vorfreude auf „Dein letztes Fest“, und ich habe wirklich darauf hingefiebert, bis das Buch endlich auf Deutsch erschienen ist. Wichtig ist aber, dass man hier nicht den Fehler macht, beide Bücher zu stark miteinander zu vergleichen. Zwar merkt man natürlich die Handschrift des Autors, aber der Vibe ist ein völlig anderer und auch das Lesegefühl unterscheidet sich deutlich.

Im Mittelpunkt steht Frank, ein Vater, der es nicht immer leicht hatte und der vor allem versucht, für seine Tochter da zu sein, auch wenn ihm das nicht immer perfekt gelingt. Gerade diese Unvollkommenheit macht ihn aber so greifbar und menschlich. Seine Beziehung zu Maggie ist ein zentraler Bestandteil der Geschichte und wird sehr authentisch dargestellt, mit all den Spannungen, Missverständnissen und der tiefen Verbundenheit, die Frank zu seiner Tochter empfindet. Frank ist kein Held im klassischen Sinne, sondern jemand, der Fehler macht, zweifelt und trotzdem immer wieder versucht, das Richtige zu tun. Wirklich eine der sympathischsten Figuren, die mir in letzter Zeit begegnet sind.

Erzählt wird die Geschichte komplett aus Franks Sicht, was ich als sehr gelungen empfunden habe. Dadurch ist man nah an seinen Gedanken, erlebt seine Unsicherheiten mit und wird regelrecht mit hineingezogen in dieses stetig wachsende Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Was man hier aber wirklich wissen sollte, ist, dass sich die Geschichte sehr viel Zeit lässt. Über weite Strecken passiert erst einmal gar nicht so viel im klassischen Sinne. Stattdessen begleitet man Frank beim Beobachten, beim Einordnen, beim Grübeln. Vieles wird detailliert beschrieben, Situationen werden eher eingefangen als vorangetrieben, und man läuft im Grunde einfach neben ihm her, ohne genau zu wissen, worauf das Ganze hinausläuft.

Gerade diese ruhige, fast schon entschleunigte Erzählweise sorgt aber dafür, dass sich dieses ungute Gefühl immer weiter steigert. Es ist von Anfang an da, leise, unterschwellig, und wird mit jeder Seite ein bisschen stärker. Ich fand das teilweise fast ein wenig zermürbend, weil ich nicht abschätzen konnte in welche Richtung sich diese Story bewegt. Ich wusste nicht, wohin ich es einordnen soll, was genau hier eigentlich schiefläuft, und genau das hat mich gleichzeitig auch total gepackt. Ich habe in alle möglichen Richtungen gedacht, aber das, was letztendlich passiert, hatte ich so nicht auf dem Schirm.

Man sollte sich außerdem darauf einstellen, dass „Dein letztes Fest“ weniger ein klassischer Thriller ist, als man vielleicht erwartet. Übernatürliche Elemente, wie sie in „Schlafenszeit“ eine Rolle gespielt haben, sucht man hier vergeblich. Stattdessen bewegt sich die Geschichte stärker in Richtung Spannungsroman mit deutlichen Einschlägen eines Familiendramas. Die Thriller-Elemente sind zwar vorhanden, lassen aber lange auf sich warten.

Die Auflösung selbst hat mir gut gefallen. Sie ist vielleicht im Vergleich zum Debüt weniger brachial, aber auf eine andere Art eindringlich und definitiv wirkungsvoll. Wenn man den direkten Vergleich zieht, kommt „Dein letztes Fest“ für mich nicht ganz an „Schlafenszeit“ heran. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass der Autor mit seinem ersten Thriller die Messlatte einfach extrem hoch gelegt hat.

Für sich genommen ist „Dein letztes Fest“ ein wirklich gelungener Spannungsroman mit einem tollen Schreibstil, einer starken Hauptfigur und einer Atmosphäre, die einem konstantes Unwohlsein beschert. Frank trägt die Geschichte mit seiner sympathischen, oft auch angenehm humorvollen Art und macht das Lesen zu einem echten Erlebnis. Jason Rekulak bleibt für mich ein Autor, den ich definitiv im Blick behalten werde, und ich freue mich jetzt schon darauf, was als Nächstes von ihm kommt.

Cover des Buches Meeresdunkel (ISBN: 9783499017193)

Bewertung zu "Meeresdunkel" von Till Raether

lauravoneden
Kurzmeinung: Ich wollte es wirklich mögen, aber es war für mich leider zu sperrig im Zugang
Meeresdunkel

Die Ferienzeit steht an und uns verschlägt es ganz klassisch nach Mallorca. Zwei Familien reisen unabhängig voneinander in ein etwas heruntergekommenes Ferienhaus, nur um vor Ort festzustellen, dass eine Doppelbuchung vorliegt. Zähneknirschend arrangieren sie sich und teilen sich das Haus, auch wenn niemand so recht glücklich mit der Situation ist. Während sie versuchen, das Beste daraus zu machen, wird die Stimmung immer Haus immer dunkler und passend dazu zieht ein Sturm auf, der die Finca von der Außenwelt abschneidet. Die ohnehin fragile Stimmung kippt endgültig, als ein Familienmitglied tot aufgefunden wird…

Auf der einen Seite stehen Henrike und Hans, deren Ehe von Spannungen und unausgesprochenen Vorwürfen geprägt ist. Der Urlaub soll eine kleine Wiedergutmachung sein, die sich vor allem Henrike gönnen will, nachdem Hans sich scheinbar einen Fehltritt erlaubt hat. Als kleiner Puffer zwischen den Eheleuten ist außerdem auch Henrikes Bruder Freddy mitgekommen. Auf der anderen Seite haben wir Samuel und Marie, deren eigene Dynamiken und Rollenbilder ebenfalls nicht so stabil sind. Vor allem zwischen den Erwachsenen entstehen unterschwellige Reibungen, während die Kinder, allen voran Juri, eine ganz eigene Perspektive auf das Geschehen einbringen. Ein schönes Zusammenspiel aus familiären Erwartungen, unausgesprochenen Konflikten und gegenseitigen Projektionen sorgt dafür, dass irgendwie gar keiner zur Ruhe kommt und der Urlaub maximal unangenehm wird.

„Meeresdunkel“ wird uns durch drei wechselnde Perspektiven erzählt, hinzu kommt außerdem ein recht umfassender Rückblick in die 90er Jahre. Diese Rückblenden bleiben lange in ihrer Verbindung zur Gegenwart unklar, was zwar Spannung aufbauen soll, für mich aber eher zusätzliche Distanz geschaffen hat. Auch insgesamt arbeitet der Roman mit einer Erzählweise, die immer wieder zwischen Nähe und Distanz schwankt. Mal ist man sehr nah an den Gedanken und Gefühlen der Figuren, dann wieder wirkt das Geschehen beinahe beobachtend und kommentierend. Für mich hat genau dieses Wechselspiel den Einstieg und auch das weitere Lesen deutlich erschwert, weil sich kein stabiler Zugang zu den Figuren eingestellt hat. Besonders die Perspektive des jungen Juri hat für mich nicht funktioniert, seine Stimme wirkte auffallend erwachsen und hat mich dadurch eher aus der Geschichte herausgeholt. Insgesamt blieben mir die Figuren dadurch emotional sehr fern. Sympathie oder Mitgefühl wollten sich nicht einstellen, obwohl die Themen des Buches das eigentlich hergeben würden.

Was die Handlung betrifft, fand ich die Grundidee und die Ausgangssituation sehr reizvoll. Der Thriller beginnt vielversprechend und baut eine interessante Atmosphäre auf, verliert für mein Empfinden im Verlauf jedoch etwas an Klarheit. Einige Entwicklungen wirkten auf mich eher konstruiert. Zusammen mit der insgesamt als sperrig empfundenen Erzählweise hat das dazu geführt, dass sich das Buch für mich nicht wirklich „flüssig“ lesen ließ.

Umso bedauerlicher ist es, dass mich „Meeresdunkel“ trotz seiner starken Prämisse nicht erreichen konnte, denn die Ausgangsidee, das Setting und auch die thematische Anlage hätten großes Potenzial gehabt. Ich wollte dieses Buch wirklich mögen, habe aber keinen Zugang gefunden. Gleichzeitig kann ich mir gut vorstellen, dass der Roman Leserinnen findet, die gerade diese besondere Erzählweise und die distanziertere Figurenzeichnung zu schätzen wissen. Für mich persönlich hat es jedoch nicht funktioniert.

Cover des Buches Die Touristin (ISBN: 9783746642901)

Bewertung zu "Die Touristin" von Jess Ryder

lauravoneden
Kurzmeinung: Slow Burn Thriller - Ideale Strandlektüre
Die Touristin

Juno reist auf eine griechische Insel, die für viele den Luxusurlaub schlechthin bedeutet ist. Sonne, Meer und scheinbar unberührte Idylle. Doch sie ist nicht aus Urlaubslust hier. Sie ist auf der Suche nach ihrem Vater, den sie nie kennengelernt hat. Was als sehr persönliche Reise beginnt, wird schnell von einem unterschwelligen Gefühl begleitet, dass auf dieser Insel etwas nicht stimmt. Zwischen touristischem Glanz und Geheimnissen stößt Juno auf Spuren, die tiefer reichen als erwartet und die Vergangenheit näherbringen, als ihr lieb ist.

Auf das Buch aufmerksam geworden bin ich tatsächlich sofort durch das Cover, das ein absoluter Eyecatcher ist. Besonders schön finde ich, dass es stilistisch stark an das Buch aus dem Vorjahr von Jess Ryder angelehnt ist. Dadurch war der Wiedererkennungswert direkt da und ich habe auf den ersten Blick erkannt, dass es sich um ein neues Buch der Autorin handelt. Genau solche Details mag ich sehr, weil sie nicht nur optisch ansprechend sind, sondern auch eine gewisse Kontinuität schaffen.

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Zum einen befinden wir uns in den Sommern 1984 und 1985 und begleiten Estelle in einer Phase, in der sich die Insel zunehmend touristisch entwickelt. Zum anderen gibt es die Gegenwart rund 40 Jahre später, in der wir Juno folgen. Durch diese beiden Perspektiven entsteht nach und nach ein Gesamtbild, bei dem sich Vergangenheit und Gegenwart immer stärker miteinander verweben.

Juno ist die Figur, über die wir in die Geschichte eintauchen. Ihre Motivation ist klar, sie möchte endlich Antworten und mehr über ihre eigene Herkunft erfahren. Dabei wirkt sie suchend, aber gleichzeitig auch entschlossen, sich der Wahrheit zu stellen. Estelle hingegen erleben wir in einer ganz anderen Zeit und Lebenssituation. Ihre Geschichte gibt Einblicke in die damaligen Geschehnisse auf der Insel und in persönliche Verstrickungen, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen. Beide Figuren ergänzen sich sehr gut, da sie unterschiedliche Blickwinkel auf dieselben Ereignisse ermöglichen.

Der Spannungsaufbau erfolgt bewusst ruhig und eher leise. Es handelt sich hier nicht um einen klassischen, temporeichen Thriller, sondern um eine Geschichte, die sich Zeit nimmt. Die Atmosphäre steht klar im Vordergrund. Immer wieder werden kleine Hinweise gestreut, Andeutungen gemacht und ein Gefühl erzeugt, dass etwas nicht stimmt, ohne dass man es sofort konkret greifen kann. Genau dieses konstante, unterschwellige Unbehagen zieht sich durch das gesamte Buch.

Besonders gelungen ist für mich das Setting, das weit mehr ist als nur Kulisse. Die Insel und ihre Entwicklung spielen eine zentrale Rolle und bringen auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Auswirkungen des Tourismus mit sich. Sowohl positive als auch negative Seiten werden hier aufgegriffen, was der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht.

Zum Ende hin zieht die Spannung dann deutlich an und spitzt sich auf wenigen Seiten zu. Die Auflösung war für mich überraschend, gleichzeitig aber absolut stimmig und schlüssig. Es wirkte nicht konstruiert, vielmehr fügt sich alles rund zusammen.

Insgesamt ist „Die Touristin“ ein atmosphärischer, eher ruhiger Thriller, der vor allem durch seine Stimmung und das besondere Setting überzeugt. Die Mischung aus persönlicher Suche, geheimnisvoller Inselkulisse und unterschwelliger Bedrohung macht das Buch zu einer idealen Urlaubslektüre. Für mich ein rundum gelungenes Leseerlebnis.

Cover des Buches Bachelorette Party (ISBN: 9783423264556)

Bewertung zu "Bachelorette Party" von Camilla Sten

lauravoneden
Kurzmeinung: Eines der besten ersten Kapitel, die ich je gelesen habe!
Bachelorette Party

Eine Freundesgruppe von vier Frauen trifft sich regelmäßig zu gemeinsamen Ausflügen, um ihre Freundschaft trotz des stressigen Alltags aufrechtzuerhalten. Doch der letzte Ausflug auf eine kleine Insel endet damit, dass alle vier spurlos verschwinden.

Zehn Jahre später trifft Tessa sich auf eben jener Insel mit alten Schulfreundinnen, um einen Junggesellinnenabschied zu feiern. Was als ausgelassene Feier beginnt, entwickelt sich zunehmend in eine angespannte Richtung, weil alte Dynamiken, unausgesprochene Konflikte und verborgene Wahrheiten an die Oberfläche drängen. Und eigentlich ist Tessa nicht nur wegen der Feier auf der Insel, sondern möchte unbedingt das Rätsel um das verschwinden der vier Frauen lösen. Als dann eine von der Frauen tot aufgefunden wird, ahnt Tessa, dass sie der richtigen Spur folgt.

Was mich direkt gepackt hat, war das erste Kapitel. Das hatte für mich fast schon Slasher-Vibes und war so intensiv und verheißungsvoll, dass ich sofort komplett drin war. Genau so ein Einstieg sorgt dafür, dass man eigentlich gar keine Pause mehr machen will, und mit unter 400 Seiten liest sich das Buch dann auch wirklich schnell weg. Schön war auf der Aufbau  mit den zwei Zeitebenen, so dass ein regelmäßiger Wechsel der Perspektive stattgefunden hat, auch wenn wir hauptsächlich Tess in der Gegenwart begleiten.

Nach diesem starken Start nimmt sich die Geschichte erstmal etwas zurück und tastet sich eher langsam an das heran, was da eigentlich im Hintergrund brodelt. Es entsteht dieses unterschwellige Gefühl, dass etwas nicht stimmt, dass jederzeit etwas kippen könnte. Gerade auf dieser abgelegenen Insel, die natürlich noch zusätzlich von der Außenwelt abgeschnitten wird, funktioniert das Setting für mich einfach immer. Ich mag das total, wenn Figuren nirgends hin können und die Situation dadurch immer auswegloser wird.

Tessa als Hauptfigur fand ich ebenfalls interessant angelegt. Es wird relativ früh angedeutet, dass in ihrer Vergangenheit etwas Schlimmes passiert ist, ohne dass es sofort konkret benannt wird. Ich hatte dabei recht schnell eine leise Vermutung, in welche Richtung es gehen könnte, und die hat sich später auch bestätigt. Trotzdem war dieser Handlungsstrang gut aufgebaut und hat sich stimmig in die Gesamtgeschichte eingefügt.

Was mir allerdings gerade zu Beginn etwas schwergefallen ist, war die Zuordnung der Figuren. Durch die zwei Zeitlinien mit jeweils einer Gruppe von vier Frauen hatte ich anfangs ein bisschen Probleme, die Namen direkt richtig einzuordnen. Das hat sich im Verlauf zwar gelegt, aber ich finde, nicht alle Charaktere sind so klar und tief ausgearbeitet, dass sie sofort greifbar sind. Da hätte ich mir stellenweise etwas mehr Differenzierung gewünscht.

Der Weg zum Finale war für mich nicht durchgehend gleich spannend. Nach dem starken Einstieg gab es zwischendurch ruhigere Passagen, in denen eher Atmosphäre aufgebaut wurde als echte Spannung. Dafür zieht die Geschichte gegen Ende nochmal deutlich an. Besonders interessant fand ich, dass im Nachhinein einige kleine Hinweise erkennbar sind, die man beim Lesen vielleicht schon registriert, aber nicht sofort einordnen kann. Ganz überraschend war die Auflösung für mich dadurch nicht mehr, aber sie hat trotzdem funktioniert und das Gesamtbild gut abgerundet.

Für mich ist „Bachelorette Party“ ein sehr solider Thriller mit starkem Einstieg, stimmiger Atmosphäre und einem Setting, das genau meinen Geschmack trifft. Kleine Längen konnte ich gut verschmerzen, weil mich die Geschichte insgesamt gut unterhalten hat. Ich habe definitiv Lust bekommen, noch mehr von Camilla Sten zu lesen.

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