mapefue

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    Cover des Buches Junger Mann (ISBN: 9783455008586)

    Bewertung zu "Junger Mann" von Wolf Haas

    Junger Mann
    mapefuevor 2 Tagen
    Kurzmeinung: Es lächelt leise die feine Melancholie.
    Köstlicher Wortwitz mal zum Weinen, mal zum Lachen

    Wolf Haas lässt seinen namenlosen Ich-Erzähler, einen übergewichtigen Zwölfeinhalbjährigen, den JUNGEN MANN von der Gewichtsabnahme um 13 kg auf 80 „träumen“. Besser wären 72.

    In den Sommerferien arbeitet er als Tankwart, erblickt die Zwanzigjährige Elsa, selbstredend für ihn die schönste Frau mit dem schönsten Namen. Er ist total verknallt und muss aufpassen, dass der Reißverschluss seiner Hose dem inneren Druck standhält. Aber er hat ein klitzekleines Problem, sie ist nämlich mit Trucker Tscho verheiratet. Tscho lädt ihn zu einer Fahrt nach Griechenland ein. Beginn eines abenteuerlichen Roadmovies. Und einer neuen Freundschaft?

    Österreich 1973, Schilling als Währung und die Jugoslawische Volksrepublik ist noch existent. Ražnjići, Ćevapčići oder ein halbes Brathendl, das die Kellnerin auf den Tisch knallt, es ist halt das kommunistische Jugoslawien.

    Köstlicher Wortwitz mal zum Weinen, mal zum Lachen mit viel Empathie erzählt:

    • Das Gescheiteste im Leben ist, gar nicht zu singen und nur den Mund zu bewegen.
    • Rückwärts durch die Beine betrachtet ist/war die Welt immer am interessantesten.
    • Es war schwierig im Leben, nicht in einen falschen Verdacht zu kommen.
    • Dem jungen Mann war schon öfter aufgefallen, dass er dummerweise nicht verrückt war.

    Eine „Coming of Age“-Geschichte, vielleicht steckt hinter dem namenlosen jungen Mann ein gewisser Wolf H.

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    Cover des Buches Long Bright River (ISBN: 9783406748844)

    Bewertung zu "Long Bright River" von Liz Moore

    Long Bright River
    mapefuevor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Ergreifende Familiengeschichte und packender Thriller in einem
    Ein großartiger, tief bewegender Roman

    jetzt 2018. Stadtviertel Kensington in Philadelphia. Das Cover zeigt die Benjamin Franklin Bridge über den Delaware River, den Long Bright River. Dort spielt sich eine Familiengeschichte ab, mit bedrückend erschütternden Rückblicken in die Kindheit zweier Schwestern -damals: von Mickey, der 32 Jahre alten Streifenpolizistin und ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Kacey und deren Entfremdung, weil Mickey Kacey mehrmals festgenommen hatte; sie sprechen seit fünf Jahren nicht mehr miteinander. Kacey ist verschwunden. Parallel zur Geschichte die gefährliche Jagd nach einem Frauenmörder.

    Zutiefst verstörendes und zugleich trauriges Schlaglicht auf den Mikrokosmos Familie und das urbane kriminelle Philadelphia, spannend, geschickt konstruiert und einfühlsam erzählt mit einer psychologischen Studie der alleinerziehenden Mickey.

    Geschliffenes Deutsch durch beste Übersetzung auf einem sehr hohen literarischen Niveau. Extraklasse.

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    Cover des Buches Mord in der Sonntagsstraße (ISBN: 9783737100168)

    Bewertung zu "Mord in der Sonntagsstraße" von Peter Englund

    Mord in der Sonntagsstraße
    mapefuevor 6 Tagen
    Kurzmeinung: Ein realer Kriminalfall, der Schweden erschütterte, im Jahre 1965
    Realer Mordfall aus dem Jahr 1965, mit einer beeindruckenden Anatomie der gesellschaftlichen Entwicklung Schwedens

    Historiker Peter Englund hat in seine Jugend in Stockholm verbracht, seziert einen aufsehenerregenden, weil realen Mordfall aus dem Jahr 1965, mit einer beeindruckenden Anatomie der gesellschaftliche Entwicklung Schwedens bis zur idyllischen Vorstadt mit neun unterschiedlichen Haustypen im Stil der „Volksheimatarchitektur“ und ebendort geschah der Mord.


    Schweden sah sich zwar gerne als ein Land, in dem gesellschaftliche Klassen genauso tot waren wie die Ideologien was den sozialen Aufstieg einfacher machen sollte.


    Die 18-Jährige Eva Marianne Granell, Spitzname Kickan, war in jenem Sommer im Bett ihres Elternhauses in der Sonntagsstraße, dem Söndagsvägen 88 im Stockholmer Vorort Hökarängen tot aufgefunden worden. Gerade war sie von einer mehrwöchigen Urlaubsreise mit ihrem Verlobten aus Spanien zurückgekehrt. Anfangs vermutete man einen Selbstmord der jungen Frau, weil Spuren von Fremdeinwirkung fehlten. Der Spurensicherer Lange erkennt im Tatortfundbericht eine kühl registrierende Prosa, die bestimmende Eigenschaft des gesamten Romans, sachlich und humorbefreit oder sollte hier etwas lustig sein.


    Es wird über die Geschichte Stockholmer Vororts Hökarängen, die Verdächtigungen gegen den Svensson, den Verlobten von Kickan, den ermittelnden Kriminalkommissar GW Larsson, Kickans Nachbarin Lillian, die aufkommende Methode der Erstellung von Täterprofilen, dem sogenannten Profiling, die Bedeutung des Starts des Fernsehens, der Medien, des großen Detektivs Öffentlichkeit und nicht zuletzt über die Polizei-Dienstkleidung im Detail berichtet.


    Peter Englunds höchst eigenartige persönliche Motivation: Es geht um seinen alten Traum, an einem Thema zu arbeiten, das noch in Erinnerung der Menschen ist. Rein technisch gesehen beschäftigt sich der Historiker nicht mit der Vergangenheit, sondern er studiert die Hinterlassenschaften der Vergangenheit, so Englund. Er interpretiert (im Nachhinein) Untersuchungsergebnisse mit dem verhafteten Verdächtigen auf seine eigene Weise.


    Mit Prolog, sechs Kapiteln, Epilog, Nachwort und Anmerkungen, eine akribische Arbeit des Historikers Englund. Die 110 Fußnoten sind ein unwiderlegbarer Beleg dafür, dass die Geschichte dieses Verbrechens keine Fiktion ist, aber für die Verbrechensanalyse manchmal banal bis irrelevant. Es hat den Anschein, dass sich der Historiker Englund, gewohnt wissenschaftlich stichhaltig zu veröffentlichen, mit seiner Geschichte eines Verbrechens nur „austoben“ wollte. Sollte ein Programmdirektor des Fernsehens dieses Drehbuch für eine seiner „True-Crime“-Serie entdecken, wollte er frohlocken. Das Nachwort gibt Zeugnis von der unglaublichen Detailarbeit des Autors: Versuch, ein Bild von Schweden zur fraglichen Zeit zu entwerfen und er konstatiert eine abgrundtiefe Kluft in den Unterhaltungskrimis zwischen Schein und Wirklichkeit.


    Das Gefühl der Bedrohung (Kalter Krieg, Berlin-Krise 1961 und Kubakrise 1962) sei oft unterdrückt worden, sublimiert, aber nach Art sublimierter Ängste tendierte es dazu, an anderer Stelle wieder an Tage zu treten, zum Beispiel in Situationen wie nach der Ermordung Kickans. Auf diese Schlussfolgerungen kann nur ein Historiker kommen. Eine fragwürdige Feststellung betrifft die Vermutung, dass Menschen selten als Mörder debütieren, sondern in der Regel zunächst mit anderen, kleineren Verbrechen angefangen haben.


    Die Kombination aus True-Crime, Englunds Kindheitserinnerungen, zum Zeitpunkt des Verbrechens war er 8 Jahre alt und seinen sorgfältigen Recherchen ergeben einen sehr lesenswerten Roman. 

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    Cover des Buches Die Berglöwin (ISBN: 9783038200727)

    Bewertung zu "Die Berglöwin" von Jean Stafford

    Die Berglöwin
    mapefuevor 16 Tagen
    Kurzmeinung: Coming-of-Age-Geschichte
    Kindliche Unschuld und drängende Jugend in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts:

    In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts:

    Die achtjährige Molly und Ralph, ihr zehnjähriger Bruder, sind unzertrennlich. Gemeinsam setzen sie sich gegen die nervigen Routinen des Schulalltags zur Wehr, gegen ihre überkorrekte Mutter und die zimperlichen älteren Schwestern. Und vielleicht sogar gegen den Rest der Welt. Eines Sommers werden sie aus ihrem vornehmen Vorort von Los Angeles nach Colorado geschickt, wo ihr Onkel eine Ranch besitzt. Dort lernen die Kinder eine hinreißende neue Welt kennen – wild, schön und ungezähmt.

    Als ihrer beider Kindheit zu Ende geht, träumt Molly vom Erwachsensein und davon, Schriftstellerin zu werden, während Ralph seine wachsende Männlichkeit verspürt. Kindliche Unschuld und drängende Jugend stürzen unausweichlich auf ein verheerendes Ende zu (DÖRLEMANN Verlag).

    „Es ist eine Geschichte von der Unmöglichkeit, erwachsen zu werden, und der Unmöglichkeit, ein Kind zu bleiben.“ (Kathryn Davis)

    Coming-of-Age-Geschichte.

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    Cover des Buches Sühne (ISBN: 9783453272675)

    Bewertung zu "Sühne" von Steffen Jacobsen

    Sühne
    mapefuevor 21 Tagen
    Kurzmeinung: Rasanter Erzählstil mit knochentrockenem Humor in exzellenter Qualität. Es fällt schwer, das Buch wegzulegen, ein hochklassiger Pageturner
    Von machtbesessenen und skrupellosen Agitatoren der Pharmaindustrie

    So wie Steffen Jacobsen die Schmerzen des krebskranken Pharmaunternehmers Frank Linden beschreibt, tun sie dem Leser weh. Dieser Schreibstil nimmt den Leser von Beginn an in Beschlag.


    Eine Operatorin, beschönigende Bezeichnung für eine Auftragskillerin mit Ausblick aus ihrer Wohnung auf die Kopenhagener Marmorkirche und dem Kater Belphegor, bezeichnenderweise der Name eines Dämons und einem Waffenraum; Mit diesem Mädel ist nicht zu spaßen – Begegnungen könnten tödlich enden. Die Operatorin und ein Vollstrecker mit einer goldenen Regel: „Two in the heart and one in the head, and you know, they are dead.”


    Michael Sander, Freelancer, verheiratet mit Kommissarin Lene Jensen – wie Mr. & Mrs. Smith.


    Die Plot-Konstellation zum Zeitpunkt des Begräbnisses von Frank Linden ist an nichtgefühlter Spannung übersättigt, könnte jederzeit explodieren und überhaupt wird eine fast unerträgliche Atmosphäre erzeugt, die einem Gänsehaut erzeugen lässt.   


    Bedrückend schaurig das gezeichnete Portrait der Operatorin, wie die Charaktere des Ehepaares Jensen und Sander. Beeindruckend das Verhältnis der Blutsbrüder Blythe und Sander.


    Zum Plot: Von den kriminellen Machenschaften der machtbesessenen und skrupellosen Agitatoren der Pharmaindustrie möchte man als Leser lieber nichts wissen.


    Rasanter Erzählstil mit knochentrockenem Humor in exzellenter Qualität. Es fällt schwer, das Buch wegzulegen, wahrlich ein hochklassiger Pageturner.

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    Cover des Buches Winterfest (ISBN: 9783426306222)

    Bewertung zu "Winterfest" von Jørn Lier Horst

    Winterfest
    mapefuevor 24 Tagen
    Kurzmeinung: Der angenehm Schreibstil fördert die Leselust, ruhig treibt der Plot die Spannung hoch bis zum überraschenden Finale.
    Hartnäckiger Wisting lässt sich nicht überlisten

    Sechs aufgebrochene Hütten im Süden Norwegens, ein Toter in einer der Ferienhütten eines bekannten Fernsehtalkmasters, Wisting wird von einem Mann niedergeschlagen, der mit seinem Auto davonfährt. Die Leiche kommt nicht in der Rechtsmedizin an: Ein Fall mit Kompliziertheit. Es wird in die Sommerhütten eingebrochen und ausgeraubt, Tote werden hinterlassen und später Leichen gefunden. Es klappt nicht ganz nach Wunsch der Dänen und Norweger mit dem Austausch Geld gegen Kokain. Und dann fallen noch Vögel tot vom Himmel. Irgendetwas Falsches müssen sie gefressen haben; aber was? Es bleibt zunächst völlig unübersichtlich. Wir können jedoch darauf vertrauen, dass Jørn Lier Horst, lange Jahre selbst Kommissar bei der norwegischen Kripo, seinen Protagonisten William Wisting akribisch, unaufgeregt arbeiten lässt und er immer sachlich bleibend an seinem Ermittlungsziel festhält. Zweifel räumt er aus, weil er von sich überzeugt ist: Wisting kommen bei den Ermittlungen Bedenken: „Bewegt sich der Fall auf einen katastrophalen Endpunkt hin?“

    Tommy und Line, Wistings Tochter, Journalistin, können nicht mehr: Was will ein versniffter Däne mit einer toughen Norwegerin? 

    Der angenehm Schreibstil fördert die Leselust, ruhig treibt der Plot die Spannung hoch bis zum überraschenden Finale.

    Norwegens preisgekrönter Krimiautor hat noch weitere Wisting-Abenteuer für uns geschrieben, die es wert erscheinen, gelesen zu werden.

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    Cover des Buches Die Wächter (ISBN: 9783453272217)

    Bewertung zu "Die Wächter" von John Grisham

    Die Wächter
    mapefuevor einem Monat
    Kurzmeinung: John Grisham seziert ein System, dem die Ungerechtigkeit immanent ist.
    Hochklassiger Justizthriller, ein sehr routiniert geschriebener Pageturner und bestsellerverdächtig.

    Der nächste hochklassige Justizthriller von John Grisham DIE WÄCHTER; der englische Originaltitel THE GARDIANS, weist bereits auf das zentralen Thema des Romans hin, den Guardian Ministries, eine von Vicki Gourley gegründete Organisation, die unschuldig einsitzende Häftlinge freizubekommen - zu rehabilitieren - versucht und dem engagierten Mitarbeiter Cullen Post, ehemals Rechtsanwalt, dann von Gott zum Priester berufen. Noch zwei Mitarbeiter im Team: François („Frankie“) Tatum, der erste Häftling, dem Cullen Post aus dem Gefängnis befreit hatte, ein unsichtbarer Spürhund und Mazy Ruffin, Leiterin der Prozessabteilung und Braintrust.

    Für zwei Fälle - Duke Russell, Vergewaltiger und der Mordfall Keith Russo mit Quincy Miller - beanspruchen die Mitarbeiter von Guardian Ministries besonders. Inzwischen sitzt der 51-jährige Quincy Miller seit 22 Jahren unschuldig im Gefängnis. Ihre intensiven Recherchen sind sehr zeitaufwendig, decken Korruption und den latenten Rassismus, die Manipulationsmöglichkeiten der Polizei und Staatsanwaltschaft, gefälschte Beweise, erlogene Gutachten auf und sind zudem lebensgefährlich. John Grisham, ehemaliger Rechtsanwalt schildert authentisch das System der US-Strafverfolgung: Nicht Recht zu sprechen, sondern zu verurteilen, denn jemand, der angeklagt ist, muss auch schuldig sein. 

    Die schönsten und emotionalsten Zeilen je gelesen: Als Duke Russell mit Handschellen in den Gerichtssaal des Berufungsgerichts geführt wird und die Richterin das erste Urteil und damit die Verurteilung aufhebt und zu Quincy sagt: „Mr. Russell, Sie können gehen.“

    Die Zutaten zum Mordfall Keith Russo mit Quincy Miller: Eine Drogengang und auch noch ein mexikanisches Drogenkartell, ein korrupter Sherif, die Ermordung eines Anwalts an seinem eigenen Schreibtisch, ein Fehlurteil und ein versuchter Auftragsmord, um eine Rehabilitierung zu verhindern - kein alltäglicher Fall.

    Für die US-Richter ist jeder, der angeklagt wird, schuldig und muss ins Gefängnis, und der Gerechtigkeit wird immer Genüge getan. John Grisham seziert ein System, dem die Ungerechtigkeit immanent ist.

    Grisham geht in diesem Justizthriller sehr ins Detail des US-Rechtssystems, das muss man aushalten, nichtsdestoweniger wird hohe Spannung erzeugt; nicht unbedingt eine literarische Hochleistung, doch ein sehr routiniert geschriebener Pageturner und bestsellerverdächtig.

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    Cover des Buches Tod im Februar (ISBN: 9783453271982)

    Bewertung zu "Tod im Februar" von Alan Parks

    Tod im Februar
    mapefuevor einem Monat
    Kurzmeinung: Grenzen von Gut und Böse verschwimmen, geradlinig und spannend erzählt, mit einem Schuss Noir,
    Zupackend, brutal und authentisch

    Nach »Blutiger Januar« ist »Tod im Februar« Alan Parks zweiter Roman um den jungen Detective Harry McCoy.

    10 Tage im Februar 1973 in Glasgow, eine Orgie aus Blut und Gewalt, aber nicht nur.

    Bereits nach zwei Seiten wird klar, warum »Tod im Februar« bei HEYNE HARDCORE erschienen ist – HARDCORE KRIMINALROMAN.

    Der junge 22jährige Charlie Jackson, Linksfuß bei Celtic Glasgow wird getötet und in seine Brust wird „BYE BYE“ geritzt, dass das Blut in hohem Bogen in die Pfütze klatscht; und als das noch nicht genug wäre, hat ihm der Täter sein bestes Stück abgeschnitten und in den Mund gesteckt, abgesehen vom Schuss ins Auge, der den Hinterteil seines Schädels wegsprengte. Prost und Mahlzeit. McCoy übergibt sich, hat gerade zwei Dosen Pale Ale intus und einen halben Joint. Der Umgangston zwischen den Polizisten untereinander und ihren Klienten ist obszön und vulgär, zwischen Anwalt und seinen Klienten um es vornehm auszudrücken „ungesittet“. Hardboiled Roman. Kalt und nass im winterlichen Glasow, pervers die Akteure, schroff die Dialoge und ungeschönt die Realität.

    Murray, McCoy und Wattie auf der einen Seite, die Unterwelt von Glasgow auf der anderen mit Hauptdarsteller Stevie Cooper. Bei McCoy weiß man das nicht so genau.

    Wer die Morde begangen hat steht fest, nur finden muss ihn die Polizei. Dabei werden Stevie und Harry von ihrer Vergangenheit im Kinderheim gejagt. Zu guter Letzt dreht sich der Plot in eine unerwartete Richtung. Nicht unbedingt befriedigend, aber das ist ein Wesensmerkmal von HARDCORE KRIMINALROMANen.

    Grenzen von Gut und Böse verschwimmen, geradlinig und spannend erzählt, mit einem Schuss Noir, das dem Leser die Überlegung abringt, ob das wirklich das Genre ist, das er bevorzugen soll oder will.

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    Cover des Buches Das wilde Leben der Vögel (ISBN: 9783406749780)

    Bewertung zu "Das wilde Leben der Vögel" von Walter A. Sontag

    Das wilde Leben der Vögel
    mapefuevor einem Monat
    Kurzmeinung: Von Nachtschwärmern, Kuckuckskindern und leidenschaftlichen Sängern
    Lesenswert für alle Ornithologen und solche, die es noch werden wollen

    Von Nachtschwärmern, Kuckuckskindern und leidenschaftlichen Sängern

    Persönlichkeiten mit ausgeprägten Eigenheiten gibt es keineswegs nur unter Menschen und anderen Säugetieren, sondern auch im Vogelreich. Der in Wien lebende und in aller Welt forschende Ornithologe Walter A. Sontag berichtet in diesem leidenschaftlichen Buch über die erstaunlichsten Vogelbeobachtungen und spektakulärsten Vogelexperimente und zeigt, wie viel Individualität sich in jedem Vogel entdecken lässt.

     Vögel leben in polaren Eiswüsten genauso wie in üppigen Tropenwäldern, auf fernsten Inseln und in unseren urbanen Ballungsräumen. Ihrer Formenfülle entspricht eine ebenso spektakuläre Vielfalt von Lebens- und Verhaltensweisen. Doch damit nicht genug: Ein Vogelleben ist höchst individuell und steckt häufig voller Überraschungen. Unter Blaumeisen etwa finden sich Langschläfer genauso wie Frühaufsteher oder Nachteulen. In Afrika lassen sich Bienenfresser von Trappvögeln herumkutschieren; die langbeinigen Laufvögel dienen ihnen als Aussichtswarte und mobile Startplätze für Jagdausflüge. Und Heckenbraunellen leben mitten in unseren Gärten in einer Beziehungsvielfalt, die mit jeder modernen Gesellschaft mithalten kann. 

     Durch das Wuchern der urbanen Umwelt stehen aber auch die intelligentesten Vögel neuen Herausforderungen gegenüber. Wie bewältigen sie die vom Menschen verursachten Veränderungen? Wie gelingt es manchen Arten, manchen Individuen, und warum scheitern andere? Und wie reagiert der Mensch auf das Auftreten der Vogelkreatur in seiner Umgebung, oder wie sollte er reagieren? (C.H.BECK Literatur Sachbuch Wissenschaft)


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    Cover des Buches Letzter Tanz (ISBN: 9783734105326)

    Bewertung zu "Letzter Tanz" von Jeffery Deaver

    Letzter Tanz
    mapefuevor einem Monat
    Kurzmeinung: Der Plot dreht komplett und die finale Auflösung ist genauso überraschend wie genial
    Einer der intelligentesten und spannensten Thriller - ever.

    Nach dem „The Bone Collector“ (1997), deutsche Version „Der Knochenjäger“ (2000) nun der zweite Thriller aus der Rhyme/Sachs-Reihe „Letzter Tanz“. Viel phantasieanregender ist der englische Originaltitel „The Coffin Dancer“, jemand, der vor dem Sarg tanzt. Der Serienmörder oder besser der Berufskiller hat nämlich ein Tattoo am Oberarm: Der Sensenmann, der vor einem Sarg mit einer Frau tanzt.

    Ein Learjet 34A explodiert beim Landeanflug. Dabei kommt ein Zeuge ums Leben, den der New Yorker Staatsanwalt für den Prozess gegen Hansen, Drogenschmuggler … brauchte; getötet von einem Auftragskiller.

    Lincoln Rhyme analysiert ein paar Sandkörner mit einem Durchmesser von 0,05 mm. Der genialste Forensiker des Landes, in seiner Art atemberaubend wie einschüchternd, ist nach einem Arbeitsunfall C4 querschnittsgelähmt.

    Doch der nicht unbekannte Auftragskiller mit seinem außergewöhnlichen Tattoo ist mit einem Mordauftrag in der Stadt: Der „Totentänzer“, der „Coffin Danzer“. Rhyme muss in fangen – aus ganz persönlichen Motiven. Die Jagd nach ihm beginnt; mit Amelia Sachs, seiner „Lieblingstatortspurensicherin.“

    Zwei Erzählstränge wechseln sich ab: Die Suche nach dem Mörder und der Mörder selbst in seinen phantastischen Selbstgesprächen. Aus Stephans Killerhandbuch: „Du infiltrierst die Umgebung deines Opfers. Evaluierst die Hindernisse für den Mord und die mögliche Abwehr. Du delegierst den Job, jedermanns Aufmerksamkeit vom Opfer abzulenken – lässt es so aussehen, als ob du aus einer anderen Richtung angreifst und in der Zwischenzeit hast du dich von hinten an das Opfer herangeschlichen. Dann isolierst und eliminierst du es.“ Wie man sieht, killen kann ganz schön anstrengend sein. Das Match lautet Stephen Kall (Killer) gegen Lincoln Rhyme (Forensiker).

    An Spannung kaum zu überbieten: Die Schilderung des Flugs eines Learjets mit einer Bombe mit Höhenzünder an Bord; wie überlebt Pilotin und Copilot die Landung, wenn das Flugzeug nicht unter 1500 Meter sinken darf, um nicht zu explodieren?

    Als sich der Leser auf der Zielgeraden bereits mit einer glatten Lösung - was den Täter betrifft - abzufinden schein, müssen diese Überlegungen verworfen werden, der Plot dreht komplett und die finale Auflösung ist genauso überraschend wie genial. Was bei Jeffery Deaver eigentlich zu erwarten war.

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