marion_gallus

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    Cover des Buches Yasemins Kiosk - Eine bunte Tüte voller Lügen (ISBN: 9783894256777)

    Bewertung zu "Yasemins Kiosk - Eine bunte Tüte voller Lügen" von Christiane Antons

    Yasemins Kiosk - Eine bunte Tüte voller Lügen
    marion_gallusvor 11 Tagen
    Locker, flockig und ein bisschen böse - Teil 2

    Yasemin, die Kioskbesitzerin, ist inzwischen Mama geworden. Nina, ist nach wie vor nicht wieder im Polizeidienst und Doro, die alte Dame mit viel Herz und Verstand, die traut sich zwar immer noch nicht auf die Straße, hilft aber im Kiosk mit aus, was ein großer Fortschritt ist.

    Yasemin selbst steht derzeit nicht hinterm Tresen, denn sie konzentriert sich voll und ganz auf ihre Tochter, meint alles perfekt machen zu müssen, weil sie auch den Vater ersetzen muss und entwickelt sich dadurch eher zu einer Glucke, die Nina und Doro damit so ab und an auch auf die Nerven geht.

    Da kommt die Abwechslung nur gelegen, als Erika in den Kiosk kommt und den beiden erzählt, dass jemand mit einer üblen Rufmordkampagne versucht, ihrem Neffen Pascal das Leben zur Hölle zu machen und dadurch die Existenzen seines Feinkostladens und Catering-Services auf dem Spiel stehen. Erika bittet die drei um Hilfe, sie mögen sich doch noch einmal als Detektivinnen zusammentun und dem Drama ein Ende bereiten. Doro und Nina sind nicht abgeneigt, nur heißt es jetzt, Yasemin mit ins Boot zu nehmen und das ist im Moment eher schwer. Doch sie können Yasemin überzeugen, dass ein wenig Abwechslung gut tut, Spaß macht und man Erika helfen kann.

    Die drei machen sich also an die Arbeit, den Strippenzieher aufzuspüren und dem Rufmord ein Ende zu bereiten.

    ***

    Bielefeld ist die Stadt, in der die Handlung spielt. Einheimische werden ihre wahre Freude haben. Aber auch Ortsfremde können der Geschichte natürlich folgen und die Örtlichkeiten vor ihrem geistigen Auge sehen.

    Locker, flockig, rasant, witzig und oft flapsig, so kommt die Handlung des zweiten Teils um die Kiosk-Reihe daher. Es macht Spaß, die drei Freundinnen zu begleiten und Teil ihrer Ermittlungen und Recherchen zu sein. Man schließt sie ins Herz, die drei ungleichen Frauen. Wobei mir persönlich Yasemin oft doch beinahe auf die Nerven ging. Ihr Charakter war mir schon fast zu überzogen. Nina mit ihrer oft fast schroffen und kühlen Art ist mir da schon lieber. Aber meine Favoritin ist eindeutig Doro, die Älteste im Bunde, die mit viel Einsatz, Grips und dennoch Ruhe und Bedachtsamkeit agiert.

    Es gibt auch Handlungssprünge hinüber zum „bösen Part“ des Romans, die mir  sehr gut gefallen haben. Der Leser ist hier Zuschauer, wenn jemand, der offensichtlich Rache sucht, seine Boshaftigkeiten auslebt.
    Normalerweise ist es ja eher so, dass es in heftigen Thrillern immer Szenen gibt, die den Leser zur Ruhe kommen lassen sollen. Momente, die kurz Zeit zum Durchatmen geben. Hier ist es genau umgekehrt. Bei soviel „Frauenpower“ habe ich es wirklich genossen, diese dunklen Szenen zu lesen.

    Der Krimi ist trotz allem Witz und Humor in einem guten Stil geschrieben. Für mich ist es aber dennoch ein Frauenroman, halt als Krimi verpackt. Eine leichte Urlaubslektüre, die schnell und leicht lesbar ist, ablenkt und ein bisschen zum miträtseln einlädt.

    Ich habe im Zusammenhang zu diesem Buch bei einem anderen Blogger den Begriff „Cosy-Crime“ aufgeschnappt. Mir stellen sich die Nackenhaare hoch, wenn ich im Zusammenhang von deutscher Literatur mit immer mehr englischen Begriffen bombardiert werde. Ich finde es schade, dass Umschreibungen nicht mehr durch die deutsche Sprache ausgedrückt werden, nur weil es „in“ ist, alles zu verenglischen. Nun, Wikipedia erklärt Cosy-Crimi als „Kuschelkrimi“, ja, dass passt.

    Fazit: Leichte, lockere Lektüre, die von drei Protagonistinnen lebt, die sich prima ergänzen. Die düsteren Szenen sorgen für Spannung und Abwechslung.

    © Marion Brunner_Buchwelten 2020

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    Cover des Buches Ein letzter Grappa (ISBN: 9783894256388)

    Bewertung zu "Ein letzter Grappa" von Gabriella Wollenhaupt

    Ein letzter Grappa
    marion_gallusvor einem Monat
    Ein Abschied ...

    In Bierstadt ist es alles andere als ruhig. Arabische Clans machen sich in der Stadt breit, terrorisieren Bürger, verursachen tödliche  Unfälle und die Polizei schaut weg. Zu groß ist der Einfluss dieser Clans. Die Bürger laufen vor lauter Frust und Enttäuschung zu den Neonazis, die mit Ihrer Gruppe „Sturmbund 18“ ihren eigenen Krieg gegen die Clans ausfechtet. Und wer ist wieder mal mittendrin? Natürlich: Maria Grappa. Sie recherchiert die Fälle und versucht dabei, neutral zu bleiben. Doch dann werden von ihrem Redaktions-Account aus E-Mails verschickt, die darauf hinweisen, dass sie in einen brutalen Polizistenmord verwickelt ist …

    ***

    Meinen ersten fortlaufenden „Grappa“ habe ich erst 2013 gelesen, es war der Band „Grappa und die Toten vom See“. Dies war bereits der 24. Teil der Reihe und sofort ist mir die Protagonistin sehr ans Herz gewachsen. Maria Grappa besitzt einen einzigartigen Charakter. Sie ist so echt, schlagfertig, wortgewandt, bissig und ehrlich. Sie zeigt jedoch immer Gefühl und Einfühlungsvermögen. Die Themen der Krimis sind immer sehr aktuell, hintergründig, ausgeklügelt und ehr gut recherchiert. Trotzdem immer voller Witz, toller Situationskomik und frechem Humor.
    Die Romane sind aber immer in einem unglaublich hohen Sprachniveau geschrieben, die Wortwahl und Ausdrucksweise sehr gut ausformuliert und niemals flach oder gar trivial. Natürlich gibt es umgangssprachliche Dialoge, aber immer wieder finden sich auch sehr philosophische Passagen und Abschnitte in den Geschichten. Worte, die berühren und mitten ins Herz treffen.
    Gabriella Wollenhaupt hat mit ihrer Grappa-Reihe einfach eine geniale Mischung und Gratwanderung erschaffen. Mir fallen da zum Beispiel Romane ein, die nach Griechenland und in die Provence führten. Der Leser lernt die Landschaft, die Geschichte und Kultur dieser Länder und Menschen kennen. Und niemals zu vergessen, die kulinarischen Genüsse. Denn Maria Grappa liebt das Essen, guten Wein und starke Männer. Und daran haben wir als Leser teil, beziehungsweise hatten teil. Maria Grappa ist mir eine gute Freundin geworden, eine Frau, mit der man Pferde stehlen kann, die einfach immer echt und niemals Püppchen ist.

    Ich glaube, der geneigte Leser liest aus meinen Zeilen, dass ich ein großer Fan bin. Und als ich im Verlagsprogramm las, dass mit diesem 30. Band Schluss ist, war ich wirklich traurig. Das war also der letzte Grappa und natürlich verstehe ich, dass  es auch mal vorbei sein muss. Aber ich habe tatsächlich einige Tränen verdrückt, als ich zum Ende dieses letzten Bandes kam. Es hat mir gut gefallen, auch wenn es ein Abschied ist.

    Das einzige, was mich tröstet, ist, dass mir mein Mann zu Weihnachten 2018 sämtliche fehlenden Teile geschenkt hat, so dass ich die komplette Sammlung in unserer Bibliothek habe. Gerade lese ich „Grappa im Netz“. Anneliese Schmitz hat darin gerade erst ihren zweiten Auftritt. Das erste Mal erschienen ist sie im Vorgänger „Grappa und die acht Todsünden“, wo sie sogar Anneliese Scholz hieß ;-). Ich habe also noch einige Bände vor mir, die ich noch nicht einmal kenne, begleite also Maria Grappa noch eine Weile. Und eines ist gewiss. Ich werde immer wieder zu einem „Grappa“ greifen. Sie machen einfach Spaß. Und das sage ich, die selten ein Buch zweimal liest.

    Ich hoffe sehr, dass Gabriella Wollenhaupt weiterschreibt. Sie liebt historische Romane und hat auch bereits in diesem Genre veröffentlicht. Aber eine Journalistin, auch im Ruhestand, die solange schreibt und mit Worten arbeitet, die kann es (hoffentlich) sowieso nicht lassen.

    Wer Gabriella Wollenhaupt und Maria Grappa noch ein wenig näher kennenlernen möchte, der kann hier auf Buchwelten diverse Rezensionen lesen.

    Ebenso hat Gabriella Wollenhaupt eine Homepage und die Verlagsseite beim Grafit Verlag ist auch einen Besuch wert.

    Auf Wiedersehen, Maria Grappa, genieße Deinen Ruhestand und danke für die unzähligen Abenteuer sagt

    Marion Brunner von Buchwelten am 30.06.2020.

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    Cover des Buches Kill Katzelmacher! (ISBN: 9783894256753)

    Bewertung zu "Kill Katzelmacher!" von Martin Calsow

    Kill Katzelmacher!
    marion_gallusvor 2 Monaten
    Guter Krimi, der im München der Nachkriegszeit spielt und ein interessantes Ermittlerduo liefert

    Deutschland zur Nachkriegszeit im Jahre 1948. In der bayerischen Landeshauptstadt versucht man unter amerikanischer Besatzung wieder eine gewisse Normalität in das Leben der Bevölkerung zu bringen.

    Ehemalige Wehrmachtsoldaten bauen gemeinsam mit amerikanischen Offizieren einen  neuen Polizeiapparat auf. Der Schwarzmarkt blüht, es gibt nach wie vor Armut, Hunger und Leid.

    Im schönen München tauchen Leichen auf, die auf grausame Weise zur Schau gestellt werden: Die Toten sind teilweise gehäutet, dies geschah offensichtlich bei lebendigem Leibe. Es stellt sich heraus, dass die Toten etwas gemeinsam haben:  Sie waren ehemalige SS-Soldaten. Wer ist der Mörder? Ein Überlebender des Holocaust, der Rache an den Peinigern seines Volkes nimmt?

    Schnell sollen die Morde aufgeklärt werden, denn die Währungsreform steht kurz bevor, München ist im Aufbau. Die Ermittler, die den Fall aufklären sollen, können unterschiedlicher nicht sein: Ein amerikanischer  jüdischer Offizier und ein ehemaliger Münchner Wehrmachtsoldat …

    ***

    Mich hat an diesem Krimi gereizt, dass er in München spielt. Ich liebe diese Stadt und kenne doch so einige Ecken dort und auch die Umgebung. Dann war für mich die Zeit der Handlung, nämlich 1948, als der 2. Weltkrieg vorbei war, natürlich auch sehr interessant. Die Stadt liegt in Trümmern, die amerikanischen Besatzer sind vor Ort. Zuletzt verspricht natürlich die Kombination der beiden Ermittler eine gewisse Brisanz.

    Ich wurde nicht enttäuscht. Mir hat der Krimi sehr gut gefallen. Das Miteinander der beiden Protagonisten macht diesen Roman überwiegend aus. Aber auch die Stimmung in der Stadt und der damaligen Zeit kommt sehr gut rüber. Ich sah das alte München vor mir, war mittendrin.

    Wie sehr sich doch unterschiedliche Menschen ergänzen und zusammenraufen, das bringt der Autor sehr gut zum Ausdruck. Das Miteinander der Protagonisten trägt diesen Roman. Als dann die beiden weiblichen Charaktere die Handlung noch bereicherten, war das der Höhepunkt. Die Szenen mit den Vieren haben mir wirklich Spaß gemacht. Die Dialoge waren einfach klasse und ich fühlte mich sehr wohl mit ihnen allen.
    Komischerweise sind diese Passagen viel mehr in meinem Hirn haften geblieben, als die eigentliche Auflösung des Falls, der für mich dann eher zweitrangig war. Wobei dieser Handlungsfaden um den Täter auch gut und vor allem hintergründig war.

    Der Autor Martin Calsow (Unterfranke und Polizistensohn) liefert einen spannenden Kriminalroman, der im Nachkriegsbayern spielt und nicht nur an bekannte Handlungsorte entführt, sondern auch von ungewöhnlichen Morden und einem noch ungewöhlicheren Ermittlerduo erzählt.

    Von Martin Calsow sind im Grafit Verlag bereits einige Romane erschienen. Schaut euch doch mal um: Lieferbare Bücher von Martin Calsow im Grafit Verlag

    © Buchwelten 2020

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    Cover des Buches Im Namen der Lüge (ISBN: 9783453439665)

    Bewertung zu "Im Namen der Lüge" von Horst Eckert

    Im Namen der Lüge
    marion_gallusvor 3 Monaten
    Ein toller Einstieg einer neuen Protagonistin. Horst Eckerts Romane kann man einfach nur empfehlen.

    Melia Khalid, uneheliche Tochter eines Spitzenpolitikers und Leiterin des Referats für Linksextremismus bekommt ein geheimes Dokument zugespielt, dass die Gründung einer neuen RAF ankündigt. Melia Khalid zweifelt jedoch an diesen Informationen, eckt damit aber gehörig an. Ihr Chef stellt sie kalt.

    Vincent Che Veih hat den Mord an einem der „RAF-Rentner“ aufzuklären. Kürzlich haben die drei im Norden des Landes selbst Überfälle auf Geldtransporte getätigt. Und nun wird ein Mitglied dieser Gruppe in Düsseldorf gefunden. Es gibt Hinweise auf einen alten Fall, denn bestimmte Merkmale an der Leiche weisen Gleichheiten auf. Der damalige Täter ist aber in Verwahrung.

    .

    Mit diesem Roman bringt Horst Eckert seine neue Protagonistin ins Spiel: Melia Khalid, eigentlich Amelie, ist die uneheliche Tochter eines Spitzenpolitikers. Ihre Mutter, eine damalige Flüchtige aus Somalia, hat sie zu einer starken und selbstbewussten Frau erzogen, da sie damals Folter und Peinigungen ertragen musste.

    Aber Melia hat es nicht leicht. Als erstes, weil sie als Frau in einer Führungsposition tätig ist, und dann auch noch als Mischling. Vincent Che Veih hat es als Ermittler auch nicht leicht. Die RAF-Vergangenheit seiner Mutter und sein zweiter Vorname werfen ihm auch immer wieder Steine in den Weg.

    In dieser hochbrisanten, absolut verzwickten und spannenden Handlung kreuzen sich (natürlich) die Wege dieser beiden interessanten Menschen, und als sich ihre Fälle miteinander verflechten, arbeiten sie zusammen und spielen sich die Bälle gegenseitig zu. Die beiden ergänzen sich sehr gut und es macht großen Spaß, sie zu begleiten.

    Das Thema ist sehr politisch und Horst Eckert schafft es immer wieder, eine solch umfangreiche Handlung zu erschaffen, dass es mir als Leser trotz voller Konzentration doch ab und an schwindelig wird. Ich muss gestehen, dass ich doch ab und an einige Namen verwechselt habe und es nicht so leicht hatte, der Handlung konkret zu folgen. Wenn man aufgrund von Arbeitstag und Familie nicht mehr so viele Lesestunden zur Verfügung hat, dann ist solch eine Handlung doch oft kompliziert.

    Die Story war aber dennoch sehr spannend, dramatisch und absolut fesselnd. Man merkt, dass der Autor selbst zu dieser Generation, in deren Zeit die Handlung spielt, gehört. Er schreibt, als sei er selbst ein Teil der Handlung. Ich war damals noch ein Kind und vielleicht tue ich mich daher etwas schwer.

    Aber all diese „Kritikpunkte“ hindern mich keineswegs daran, zu sagen, dass ich erneut fesselnde Lesestunden gemeinsam mit Veih und Khalid verbracht habe, und ich mich auf die Fortsetzung freue. Horst Eckerts Romane kann man einfach nur empfehlen.

    © Buchwelten 2020

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    Cover des Buches Die Lieferung (ISBN: 9783499275173)

    Bewertung zu "Die Lieferung" von Andreas Winkelmann

    Die Lieferung
    marion_gallusvor 7 Monaten
    Spannend aber ich habe bessere von ihm gelesen

    Die junge Altenpflegerin Viola lebt in ständiger Angst. Unentwegt hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden. Sie fühlt sich nur noch sicher, wenn sie an ihrem Arbeitsplatz  ist oder sich ihre Freundin Sabine in ihrer Nähe befindet. Sabine ist lustig, tough, mutig und sie glaubt Viola. Doch eines Abends meldet sich sich nicht mehr. Viola ist verunsichert, bleibt daheim.

    Jens Kerners aktueller Fall ist seltsam. Im Hamburger Wald lief einer Jägerin plötzlich eine Frau vor die Flinte. Bleich, fast haarlos und wirr. Wie ein Albino wirkte diese seltsame Gestalt. Wo kam sie her? Was trieb sie in den Wäldern? Leider kommt Jens Kerner nicht mehr dazu sie zu befragen, denn sie stirbt.

    Jens Kerners Arbeitskollegin Rebecca sitzt im Rollstuhl. Während einer Reha erzählt ihr eine Pflegerin, dass ihre Tochter seit 2 Jahren vermisst ist. Sie hofft auf Rebeccas Hilfe.

    Jens Kerner und Rebecca Owald haben eine Menge Ermittlungsarbeit zu leisten. Zuviele lose Fäden, die zusammengeführt werden müssen.

    .

    Andreas Winkelmann liefert einen guten und spannenden Thriller ab, in dem er viele verschiedene Fäden auswirft und jede Menge Fährten legt, um dem Leser einen langen Nervenkitzel zu bescheren.

    Er erzählt die Geschichte in verschiedenen Handlungssträngen: Da gibt es den um Viola, die Altenpflegerin in ständiger Angst. Dann geht es um Rebecca Oswald und Jens Kerner, das ungleiche Ermittlerduo. Und es gibt zwei Rückblenden-Stränge. Einmal den um die gefangene Frau, die im Wald auftaucht. Und den letzten schließlich um den Täter, den wir in seine Kindheit begleiten.

    Wie erwähnt ist die Spannung da und die Lektüre ist auch fesselnd. Ich selber finde jedoch, dass es bessere Romane von Andreas Winkelmann gibt (z.B. „Die Zucht“).

    Das ungleiche Ermittlerpaar erinnert mich ein wenig an das Team von Robert Galbraith (das Pseudonym von J.K. Rowling). Ihrem Detektiv Cormoran Strike (Veteran mit Beinprothese) steht die bezaubernde Robin Ellacott zur Seite. Also ein ähnlich ungleiches Paar, nur umgekehrt. Ein anderer, immer wiederkehrender Bestandteil der Handlung erinnerte mich an den Film „Hereditary“. Leser werden wissen, was genau ich meine.

    .

    Fazit: Ein spannender Thriller, der fesselt. Für mich ein bisschen überzogen in den (falschen) Fährten und ständigen Wendungen, aber das ist Geschmackssache.
    Bei einer 5 Sterne Skala erhält „Die Lieferung“ eine 4.

    ©2020 Marion Brunner – Buchwelten

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    Cover des Buches The Beautiful Ones – Deutsche Ausgabe (ISBN: 9783453204881)

    Bewertung zu "The Beautiful Ones – Deutsche Ausgabe" von Prince

    The Beautiful Ones – Deutsche Ausgabe
    marion_gallusvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Für Fans ein Traum
    Für Fans ein Traum ....

    Einige Monate vor seinem Tod hat Prince Rogers Nelson einen Co-Autor gesucht, der gemeinsam mit ihm seine Autobiografie schreibt. Es sollte etwas ganz Besonderes werden. Doch dazu kam es leider nicht mehr. Einige Male haben Prince und Dan Piepenbring (beratender Redakteur bei The Paris Review) sich getroffen und über das Projekt gesprochen und sich ausgetauscht.

    Einen ersten Teil hatte Prince bereits handschriftlich verfasst. Er begann mit den Erinnerungen an seine Kindheit und seinen Eltern, die er sehr liebte. Dan Piepenbring hat kurz vor Prince’ Tod noch einen Anruf von ihm erhalten, in dem er ihm sagte, dass alles okay mit ihm sei. Er sei zwar ein bisschen krank, aber es ginge ihm soweit gut. Sie haben sich über den ersten, bereits geschriebenen Teil am Telefon ausgetauscht und weitere Ideen besprochen. Zu mehr kam es dann aber nicht mehr. Am 21. April 2016 wurde Prince Rogers Nelson in einem Aufzug seines Hauses in Chanhassen tot aufgefunden ….

    ***

    Ich weiß gar nicht so genau, wo ich anfangen soll. Vielleicht damit, dass Prince DAS Idol meiner Teenager-Zeit war. Ich sah und hörte „Purple Rain“ (mit 14 ) und da war es um mich geschehen. Ich kaufte die alten Alben: For You, Prince, Controversy, 1999. Ich hörte Prince rauf und runter. Meine Wände waren mit allem beklebt was ich von Prince finden konnte. Ich übersetzte seine Texte und hatte das Glück ihn zweimal live zu sehen.

    Doch irgendwann verlor ich ihn aus den Augen. Das Hin und Her um „The Symbol“ und „TAFKAP“, das war mir alles zuviel in meiner damaligen Welt, als ich gerade Mutter geworden war und andere Dinge um die Ohren hatte. Als Prince dann starb war ich geschockt. Ich hatte ihn nie mit Drogen oder Alkoholexzessen in Verbindung gebracht. Für mich war er immer scheu, zurückhaltend und ein Musikjunkie, der sich der Musik verschrieben hat.

    „The Beatiful Ones“ ist keine fertiggestellte Autobiografie, aber sie ist die Erfüllung eines Traums oder eine große Schatzkiste für jeden Fan. Damals, Ende der 70er oder in den 80ern, gab es kein Internet. Da bekamen wir Videos oder Fotos nicht zu Gesicht. Wir konnten nicht googlen, wie Prince lebte oder was er privat machte. Wir mussten die Berichte nehmen, die wir irgendwie kriegen konnten.

    Dieses Buch liefert so viel Schönes, Interessantes und lässt uns Fans Einblick nehmen in das Leben und Schaffen von Prince Rogers Nelson.

    Im ersten Teil lesen wir die Aufzeichnungen, die Prince selbst verfasst hat und eine ausführliche Einführung von Dan Piepenbring. In den weiteren Teilen sehen wir dann viele Fotos und Texte aus den Anfängen von Prince. Die Arbeit am ersten Album, das er komplett allein produziert hat. Weiterhin gibt es handschriftliche Aufzeichnungen zum Drehbuch des späteren Films „Purple Rain“. Die handgeschriebenen Teile wurden zusätzlich noch einmal abgeschrieben und leserlich gemacht. Es gibt Auszüge aus Interviews und Storyboards zu Videoclips. Am Schluss des Buches gibt es einen Anhang mit ausfühlrlichen Erklärungen und Erläuterungen zu jeder Seite, jedem Foto und jedem Text.

    Fakt ist, dass dieses Buch ein wirkliches Prachtstück ist, dass einen außergewöhnlichen Einblick in das Leben und Schaffen eines außergewöhnlichen Künstlers gibt. Es ist sehr aufwendig gemacht, schwer (also gewichtstechnisch) und mit dem Einband und goldenem Leseband wirklich sehr edel. Ich werde ganz bestimmt noch öfters darin blättern.

    Ich habe noch viel über Prince gelernt, soviel Interessantes gelesen und jede Seite genossen. Die Fotos und Bilder sind einfach fantastisch, und als ich zum Ende kam,  war ich wirklich traurig. Man bleibt zurück mit einem Kloß im Hals.

    Als ich im Anschluss nach der Lektüre ein wenig im Internet gestöbert habe, stieß ich auf ein Video, das Beamte in Paisley Park nach Prince’ Tod gemacht haben. Das bestätigte, was das Buch bereits erkennen ließ: Prince war ein bescheidender Mensch, der sicher wohlhabend war, aber in einem Haus lebte, das einem normalen Haushalt doch sehr ähnelte (in den Wohnräumen). Warum er gestorben ist, werden wir wohl nie erfahren. Aber zumindest erhalten wir einen ausführlichen, liebevollen und würdevollen Rückblick auf sein Leben, seine Musik und seine Lebenseinstellung, denn das alles beschert uns „The Beautiful Ones“.

    Danke, dass ihr, die ihr alle daran beteiligt wart, es durchgezogen und publiziert habt!

    © Marion Brunner – Buchwelten 2019

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    Cover des Buches Das Institut (ISBN: 9783453272378)

    Bewertung zu "Das Institut" von Stephen King

    Das Institut
    marion_gallusvor 9 Monaten
    Spannend, fesselnd, traurig und dramatisch

    Mitten in der Nacht kommt der dunkle SUV in den kleinen Vorort von Minneapolis. Die Insassen schlüpfen lautlos in das Haus von Luke Ellis und dessen Eltern. Alle schlafen nichtsahnend in ihren Betten. Luke wird betäubt und entführt. Seine Eltern brutal ermordet.

    Als Luke erwacht befindet er sich in einem Zimmer, das aussieht wie seines. Alles ist identisch, bis auf eines: Das Fenster fehlt. Wo ist er? Was ist geschehen?

    Luke befindet sich im „Institut“, welches versteckt in Maine liegt. Dort leben weitere Kinder verschiedenster Herkunft, Hautfarbe und Alter. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie besitzen telepathische oder telekinetische Fähigkeiten. Die einen mehr, die anderen weniger. Die einen haben das eine, die anderen das andere oder sogar beides. Jedenfalls sind sie alle auf irgendeine Weise paranormal veranlagt und dies macht sich das „Institut“ zunutze. Aber wozu? Luke lernt seine Mitinsassen kennen: Kalisha, den rebellischen Nick, und den schüchternen und ängstlichen 10-jährigen Avery. Derzeit leben sie alle noch im „Vorderbau“, wo sie Untersuchungen und Test unterzogen werden, ansonsten aber eigentlich einen den Umständen entsprechend angenehmen Aufenthalt haben. Man munkelt, dass es im „Hinterbau“, dem Teil des Instituts, wohin sie nach einer Weile verlegt werden, richtig übel zugeht. Aber so genau weiß es keines der Kinder, denn es kam noch nie jemand von dort zurück. Luke will fliehen und versucht alles, um dem Institut zu entkommen, damit er Hilfe holen und seine Freunde retten kann …

    ***

    Stephen King steigt in die Handlung des Romans ein, indem der Leser zunächst den ehemaligen Cop Tim Jamieson kennenlernen lässt, der aus einem Bauchgefühl heraus seinen gebuchten Sitzplatz im Flugzeug gegen Bargeld einem Regierungsmitarbeiter überlässt. Tim trampt los und landet schließlich in einem kleinen Ort namens DuPray, wo er als „Nachtklopfer“ anheuert und dort irgendwie hängenbleibt. Er fühlt sich  einfach wohl in dem kleinen Örtchen … und bleibt dort.

    Erst nach diesem Teil lernen wir den eigentlich Hauptcharakter Luke Ellis kennen, den Jungen, der mit 12 Jahren einen so hohen IQ hat, dass er sich gleich in zwei Colleges einschreiben kann und will. Doch dazu kommt es leider nicht mehr.

    Stephen King hat bereits mehrfach über das Thema übersinnliche Kräfte bei Kindern und Teenagern  geschrieben  (z.B. „Carrie“ oder „Der dunkle Turm“). Es reizt ihn offenbar nach wie vor. Zusätzlich hat den Autor wohl auch die Serie „Stranger Things“ inspiriert, deren großer Fan er bekanntlich ist.

    Der Roman hat mich sehr gefesselt, nachdem ich „warmgelaufen“ war. Ich muss gestehen, dass die ersten Seite um Tim Jamieson mir zunächst etwas langweilig vorkamen, was aber rückblickend dann aber nicht mehr stimmt. Denn genau diese Einleitung, dieses Kennenlernen, ist sehr wichtig.

    Sehr schnell sind mir die Charaktere der Kinder ans Herz gewachsen und ich habe mit ihnen gelitten. Das Schlimme ist, dass die eigentlichen Absichten des Instituts  vermeintlich gut sein sollen. Dennoch werden Kinder gequält, benutzt und kaputt gemacht. Es ist wirklich alles sehr erschreckend und real dargestellt, sodass die Existenz eines solchen Instituts gar nicht abwegig erscheint. Eine wirkliche Ähnlichkeit zu „Stranger Things“ sehe ich allerdings gar nicht so sehr, da sich die Story der Serie doch vollkommen anderes entwickelt. Eines jedoch haben beide gemeinsam: Die unheimliche Kraft, die die Kinder erzeugen. Und die ist so stark, dass sie hörbar, spürbar und auch sichtbar wird.

    Mehr will ich gar nicht verraten, denn es wäre zu schade, der Handlung des Romans vorzugreifen. Dieses Buch ist wieder komplett anders als zum Beispiel die „Mr. Mercedes“-Reihe, „Sleeping Beauties“ oder „The Outsider“, aber doch irgendwie wieder typisch der „neue“ King. Einfach nur spannend, fesselnd, traurig und dramatisch. Zum Leben erweckt mit wunderbaren Charakteren (auch den bösen!) und einem Schreibstil, der die Bilder zum Geschehen und den Handlungsorten einfach perfekt ins Gedächtnis teleportiert ☺.

    © Buchwelten 2019

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    Cover des Buches Vernichtung (ISBN: 9783453271005)

    Bewertung zu "Vernichtung" von David Lagercrantz

    Vernichtung
    marion_gallusvor 10 Monaten
    Teil 6 der Reihe und schon Teil 3 von David Lagercrantz

    Auf der Straße wird ein toter Bettler gefunden. An sich nicht so außergewöhnlich, doch der Mann fiel den Anwohnern und Passanten zu Lebzeiten dadurch auf, dass er immer mit einer außerordentlich geraden Haltung und sehr würdevollen Art an seinem Platz saß. Gefunden wird der Mann mit der Telefonnummer von Mikael Blomkvist in seiner Daunenjacke. Eigentlich wäre das alles nicht bekannt geworden, denn der Mann hatte keine Angehörigen. Aber die Gerichtsmedizinerin Fredrika Nyman nimmt sich dem toten Mann an. Irgendetwas an ihm fasziniert sie. Sie möchte mehr über ihn erfahren. Wer war er, warum starb er in allein in Schweden, wo er aussieht, als käme er von weit her? Sie forscht und untersucht und findet ein Super-Gen, das darauf hinweist, dass der Mann im Himalaja gelebt haben muss. Sie nimmt Kontakt zu Blomkvist auf.

    Lisbeth Salander lebt derweil in Moskau, wo sie ihre Schwester Camilla observiert. Jeder der Lisbeth Salander kennt, weiß, dass sie das sehr gründlich und ausgiebig kann. Das muss sie auch, denn sie plant einen Anschlag auf ihre verhasste Schwester.

    Blomkvist bittet Salander um Hilfe bei der Spurensuche nach dem toten Obdachlosen in Stockholm. Sie hilft, wenn auch erst widerwillig, und findet heraus, dass der Mann ein Sherpa war. Ein Führer bei einer Himalaja Expedition, zuletzt im Jahre 2008 …

    ***

    +++ Ich werde die Jägerin sein und nicht die Gejagte +++

    … so lauten Lisbeth Salanders Worte. Hier in diesem sechsten Teil der Millennium-Reihe gibt es recht wenig Worte von Lisbeth Salander. Sie war immer wortkarg und immer schon schwierig und verbittert (die Leser wissen, warum), aber meinem Gefühl nach wird sie immer stummer. Es gibt nach wie vor die interaktive Kommunikation zwischen ihr und Blomkvist, aber gefühlt ist alles weniger geworden. Das Interagieren der beiden fehlt mir ein wenig.

    Drei Teile hat Stieg Larsson selbst geschrieben. Und nun auch bereits drei Folgebände David Lagercrantz. Er kann es, und er macht es gut. So wirklich merke ich als Leserin den Unterschied nicht, außer eben die oben erwähnten. Aber Lisbeth hätte sich auch bei Larsson dahingehend verändern können. Mikael Blomkvist ist hingegen immer noch der gleiche. Oft einsam und traurig, dennoch in eine Geschichte verbissen und neugierig und er kommt immer wieder in Gefahr.

    Ich fand den Roman teilweise zu spionagelastig und ab und an wusste ich nicht genau, welcher Name gerade wieder zu welchem bösen Russen oder Schweden gehört.
    Was mir hingegen sehr gut gefallen hat, war die Forschung um den toten Sherpa. Zunächst im Rahmen der Genforschung etc. und dann zu erfahren, wo er herkam und was er in Schweden suchte. Die Zusammenhänge waren dann wiederum manchmal ein bisschen wirr.
    Im letzten Teil des Romans war man durch die Rückblenden ins Jahr 2008 dann wieder etwas näher dabei und konnte der Erzählung um einiges besser folgen. 

    Der Strang um Lisbeth hingegen war nicht schwer zu verstehen. Wut, Rache und der Versuch, die Schwester endlich auszulöschen. Punkt. Salander eben. Das hat mir sehr gut gefallen, trotz Lisbeths Wortkargheit war das wieder typisch Millennium.

    Und das Finale war dann so richtige pure Action. Ich habe diese Szenen als exzellente Filmszenen vor meinem geistigen Auge gesehen und ich flog nur so durch die Seiten. Mehr möchte ich nicht verraten, denn lest den Roman am besten selbst. Aber der Schluss ist schon sehr gut gelungen und es bleibt abzuwarten, ob nun wirklich Schluss ist oder es doch noch weitergeht.

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    Cover des Buches Grappa und der Sonnenkönig (ISBN: 9783894255930)

    Bewertung zu "Grappa und der Sonnenkönig" von Gabriella Wollenhaupt

    Grappa und der Sonnenkönig
    marion_gallusvor einem Jahr
    Grappa ist die Größte ...

    Die „Sommer-Pott“-Festspiele in Bierstadt stehen kurz bevor, als das große „MeToo“- Thema die Theaterwelt erschüttert. Die junge Schauspielerin Liane Licht, die ihre erste Hauptrolle im diesjährigen Musical singt, wendet sich an Maria Grappa und erhebt gegen den bekannten Intendanten der Festspiele Adalbert Engels schwere Vorwürfe: Er soll sexuelle Dienste von ihr erzwungen haben, indem er sie gefügig gemacht hat.

    Natürlich streitet Engel dies ab und weist sämtliche Vorwürfe von sich. Die Sängerin würde ihn schlecht machen wollen. Liane Licht nimmt sich daraufhin das Leben und Grappa wäre nicht Grappa, würde sie dies auf sich beruhen lassen.

    Sie ermittelt, nein „O-Ton Maria Grappa“: sie recherchiert, und das in gewohntem Maße. Tief, gründlich, mit Biss und Mut. Sie findet bald heraus, dass es bereits andere Frauen gab, die von dem Ekelpaket Adalbert Engel zu sexuellen Diensten gezwungen wurden. Alle schwiegen. Aus Angst, ihre Rollen zu verlieren oder dass ihnen keiner glaubt.

    Doch Adalbert Engel, selbsternannter Sonnenkönig, tritt selbst ab, und zwar in einer silikonlastigen Umgebung ….

    ***

    Ich habe munkeln hören, dass nach dem 30. Band Schluss sein soll. Ich kann Gabriella Wollenhaupt auf der einen Seite natürlich gut verstehen, auf der anderen wäre/bin ich natürlich als Leserin und Fan der Romane sehr traurig.

    Die Protagonistin Maria Grappa hat die Herzen der Leser mit ihrer toughen, frechen und ganz eigenen Art erobert . Grappa ist eine Marke für sich und ganz gewiss steckt ein großer Teil Wollenhaupt darin, was mir die Autorin umso sympathischer macht.

    Bierstadt ist gleich Dortmund und viele Themen hat Wollenhaupt in ihren Büchern beschrieben, die schlimm, krass und dramatisch sind, doch durch den unvergleichbaren Schreibstil immer mit Schwung, Spannung, Witz und Humor verarbeitet sind. Die Menschlichkeit ihrer Figuren kommt nie zu kurz, immer erleben wir auch viel Privates. Seien es die Besuche bei Anneliese Schmitz in deren Bäckerei, wo Grappa so gern ihren Kaffee trinkt und Mandelhörnchen isst. Oder sie frühstückt dort mit ihrem Lebensgefährten Friedemann Kleist, der immer mehr Zeit bei Grappa verbringt. Ja, man wird älter und ruhiger, das spürt auch Grappa. Sie liebt immer noch das gute Essen und einen schönen Wein. Aber soviel Stress, dass braucht sie eigentlich auch nicht mehr.

    In diesem Roman gibt es auch weitere bekannte Personen, die Kollegen aus der Redaktion, die sich dieses Mal so sehr angiften, dass es einen Mediator braucht. Das ist so extrem, dass sogar Grappa genervt ist. Und das soll schon etwas heißen.

    Ich lese ja derzeit parallel  die alten Teile der Reihe und habe inzwischen bis inkl. Teil 6 (glaube ich) gelesen und somit noch einige vor mir. Das freut mich, denn die älteren Teile stehen in Qualität des Schreibstils und der Charaktere den Neueren in nichts nach. Somit werde ich noch eine Weile meine Freude haben an Bierstadt und Maria Grappa, selbst wenn denn nach Band 30 tatsächlich Schluss sein sollte. Dies ist der 29. Fall von Maria Grappa, die als Radioreporterin begann und nun beim Bierstädter Tageblatt im Polizeiressort schreibt.

    Aber vielleicht macht es Maria Wollenhaupt ja so, wie man es Maria Grappa ständig ans Herz legt: Sie schreibt einen Krimi 😉. Ich meine einen wirklich langen, richtig dicken Schmöker, in dem eventuell auch eine rothaarige Maria Grappa eine kleine Rolle spielt.


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    Cover des Buches Grappas Versuchung (ISBN: 9783894250348)

    Bewertung zu "Grappas Versuchung" von Gabriella Wollenhaupt

    Grappas Versuchung
    marion_gallusvor einem Jahr
    Grappa, Grappa 1,2,3… / Eine Zusammenfassung – Gabriella Wollenhaupt

    In „Grappas Versuchung“ gerät Maria Grappa, seinerzeit Radiomoderatorin, in die Ermittlung von gleich zwei Todesfällen: Zunächst wird ein junger, schöner Italiener in Einzelteilen von den Gleisen gesammelt und die Bürgermeisterin Lisa Korn nimmt sich angeblich das Leben.  Grappa kommt im Zuge der Schnüffelei körperlich selbst zu Schaden, erlebt aber auch sehr angenehme Stunden.

    Im zweiten Teil der Reihe stößt Maria Grappa auf Fälle von Kinderpornografie. Eltern stellen ihre Kinder für ekelhafte Videos zur Verfügung und verschachern sie regelrecht an ihre Freier. Grappa ist schockiert und lässt nicht locker.

    Im dritten Fall „Grappa macht Theater“ kommt u.a. ein bissiger Rezensent der Theaterwelt ums Leben . Die Spuren führen zu einer geheimnisvollen Loge, aber auch ein Kollege des Rezensenten scheint Nutzen aus dessen Ableben zu ziehen ….

    ***

    Ich bin ja erst spät zu den Romanen der Grappa-Reihe gekommen. Und weil ich so begeistert von diesen Krimis bin und immer große Freude  habe, sobald ein neues Werk von Gabriella Wollenhaupt um die bissige, schlagfertige, toughe und liebenswerte Journalistin Maria Grappa erscheint, hat mir mein Mann zum letzten Weihnachtsfest alle Bände der Reihe geschenkt, die mir noch fehlten. Somit lese ich nun rückwirkend alle Bände nacheinander.

    Ich war natürlich neugierig, ob Maria Grappa sich im  Laufe der Jahre verändert hat und auch, ob die Autorin gleich zu Beginn den Schreibstil abgeliefert hat, der die Grappa-Reihe für mich ausmacht. Und ich muss sagen: Sie hat gleich zu Beginn den besonderen Charme der Protagonistin geschaffen, der frech, humorvoll, schlagfertig und oft schroff ist. Aber Grappa hat nun einmal ihren eigenen Charme. Man muss sie einfach lieben, mit ihrer eigenen, besonderen Art. Gleich zu Beginn hat die Autorin hier ihre Krimis in einem extrem hochwertig formulierten Schreibstil abgeliefert, der, kombiniert mit Ironie, Humor und Bissigkeit einfach nur fesselt.

    Maria Grappa war gleich zu Beginn die rothaarige Furie, die ich später kennengelernt habe. Auch war sie schon immer von schönen Männern angetan, gerne auch Machos, die sie aber in ihrer ganz eigenen Art zu packen weiß. Sie liebte damals schon die gehobene, italienische Küche, deren Weine und kennt sich hier auch sehr gut aus. Ich habe erfahren, wie sie zu Ihrem Nachnamen kam, weil sie nämlich eine Kurzzeitehe führte. Sie war im ersten Band noch Radiomoderatorin, im zweiten war sie dann bereits zum Bierstädter Tageblatt gewechselt und in Teil 3 war sie dann Polizeireporterin.

    In meinem Roman, den ich derzeit lese, macht Grappa eine Bildungsreise nach Griechenland. Hier erfährt man viel über die griechische Mythologie, was wieder einmal vom großen Wissen und der guten Recherche der Autorin zeugt. Ich finde es so erstaunlich, wie viel in den ja immer auch humorvollen und rasanten Krimis drinsteckt. Der Hintergrund ist meist sehr dramatisch und erschreckend real, kommt aber trotzdem sehr salopp daher. Man merkt, dass die Autorin Redakteurin und Journalistin ist. Sie liebt die Sprache und spielt mit ihr. Zwischen den Buchdeckeln dieser recht dünnen Romane bekommt der Leser eine so qualitativ hochwertige Sprache, wie es in vielen dicken Büchern oder angeblichen Bestsellern nicht annähernd der Fall ist.

    In diesem 4. Band gibt es eine Mitreisende in der Gruppe: Die 66 jährige Martha Maus. Sie wird von Gabriella Wollenhaupt als „nette, alte Dame“ bezeichnet. Als sie den Roman schrieb, war Wollenhaupt Mitte vierzig. Nun ist sie selbst 66 Jahre alt und ich wette, wenn man sie als „alte Dame“ bezeichnen würde, würde sie in Grappa-Manier reagieren .

    Anneliese Schmitz, die gute Seele der Bäckerei gibt es in diesen ersten Bänden noch nicht, auch die Kollegen vom Blatt und die Fotografen wechseln, doch eine bleibt immer die gleiche: Maria Grappa. Von Beginn an die, die sie heute noch ist und was diese Krimireihe auch ausmacht.

    Ich wünsch mir mehr davon. Liebe Gabriella Wollenhaupt, bitte nicht aufhören!

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    Ich bin eine lebenslustige aber ehrgeizige Person, die gerne mit ihren wichtigen, lieben Menschen ihre Zeit verbringt. Ich bin glücklich verheiratet mit dem Autor Wolfgang Brunner, ein bisschen schnix drauf, kann aber sehr wohl auch ernst sein...ich stecke oft mit meiner Nase hinter einem Buch und lausche dabei guter Musik...und ich führe gerne lange, gute Gespräche. Fernsehen wurde bei mir/uns schon lange abgeschafft. Mein Mann und ich leben gemeinsam mit meinen drei Kindern und unserem gemeinsamen 1-jährigen Sohn am schönen Niederrhein

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