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martina_turbanisch

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    Cover des Buches Nachttod (ISBN: 9783453425804)

    Bewertung zu "Nachttod" von Johanna Mo

    Nachttod
    martina_turbanischvor einer Stunde
    Kurzmeinung: Nachttod von Johanna Mo ist sicher kein üblicher Krimi, aber trotzdem fand ich ihn außergewöhnlich fesselnd.
    Ungewöhnlich und spannend

    Nach vielen Jahren in der Großstadt Stockholm kehrt Hannah Duncker zurück nach Öland, obwohl sie keine guten Erinnerungen an ihre alte Heimat hat. Hier ist Hannah vor allem als die Tochter von Lars Duncker, dem Mann der einen grausamen Mord begangen hat, bekannt. Mittlerweile ist Hannah diejenige die Verbrecher jagt, trotzdem hat sie keinen leichten Stand in ihre alten Heimat. Nicht jeder hier ist erfreut über ihre Rückkehr  und die Umstände ihres ersten Falles machen die ganze Sache auch nicht leichter.

    Irgendwann entdeckt er das Licht. Einen Punkt, der allmählich zu einem Viereck wächst. In seinem Kopf hämmert es, Übelkeit überkommt ihn stoßweise, lässt das Licht schwanken. Er versucht, sich mit dem Blick daran zu klammern. Dorthin muss er. Nachttod, S. 7

    Mein Eindruck:

    Schweres Erbe

    Rückkehr

    Hannah Rückkehr auf die Insel Öland ist nicht ganz einfach. Sie ist nicht nur hier aufgewachsen, auch ihr Vater wurde hier zum Mörder. Er wurde gefasst, verurteilt und starb letztlich in der Haft, so dass die Geschichte im Bewusstsein der Bevölkerung zu verblassen begann. Hannahs für viele unerwartete Rückkehr lässt so manches wieder hochkochen, was sich auch in anonymen Drohungen ihr gegenüber äußert.

    Joel

    Ihr erster Fall hat es dann auch noch gewisse persönliche Bezüge zu Hannah, denn das Opfer ist Joel, der Sohn von Rebekka, die einst zu ihren engsten Freunden gehörte. Das macht die Gesamtlage nicht wirklich einfacher, denn Hannah sitzt zwischen allen Stühlen. Sie möchte der ehemaligen Freundin natürlich auch vermitteln, dass sie immer noch ihre Freundin ist, was die Ermittlungen nicht einfacher macht. Aber Rebekka schließt in ihrer Trauer ohnehin einfach alle Menschen um sich herum aus.

    Ausgrenzungen

    Neben den Kapiteln mit Ermittlungen und Befragungen gibt es auch immer wieder Kapitel aus Joels Sicht, die mir nach und nach Einblick in Joels letzte Tage gewähren. Seine Angst und seine Unsicherheit sind so eindringlich geschildert, dass ich mühelos mit ihm fühlen kann. Sich in so einer kleinen Gemeinschaft nicht angenommen zu fühlen und außerhalb derselben zu stehen muss sehr schmerzhaft sein. Irgendwie kollidieren diese Ausgrenzungen die Joel erlebt mit meinem Bild eines sehr toleranten Schweden - aber ich kenne Schweden auch eher aus Fernsehberichten und nicht als Einwohnersicht.

    Perspektivwechsel

    Die Perspektiven in dieser Geschichte wechseln immer mal wieder und dadurch lerne ich z. B. auch Hannas Kollegen Erik besser kennen. Er versucht für Hannah da zu sein, da er ihre Problematik kennt und versteht - aber Hannah ist viel zu reizbar um das wahrzunehmen. Mir tat das manchmal schon fast ein bisschen leid für den armen Kerl. Aber neben dem sehr aufreibenden aktuellen Fall versucht Hannah auch immer noch ihre Vergangenheit und alles das, was  damals passiert ist, aufzuarbeiten.

    Ungewöhnlich

    Insgesamt ist Nachttod eine sehr zurückhaltende, aber trotzdem sehr spannende, Geschichte über menschliche Schicksale.Das Opfer Joel wird als junger Mann auf der Suche nach seiner Identität dargestellt und alles befasst sich mehr mit dem Verlust, den sein Tod darstellt, als mit dem reinen Verbrechen. Die Autorin hat es geschafft, alle vorkommenden Charaktere sehr präzise und voller unterschiedlicher Facetten zu beschreiben so dass ich mich immer weiter in die Geschichte hineingezogen fühlte.

    Mein Fazit:

    Nachttod von Johanna Mo ist sicher kein üblicher Krimi, aber trotzdem fand ich ihn außergewöhnlich fesselnd. Ich mochte die zurückhaltende Schreibweise und die Tatsache, dass es mehr um das Opfer als um den oder die Täter ging. Ich bin gespannt, wie diese Reihe weitergeht.

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    Cover des Buches Blutrote Tulpen (ISBN: 9783453425576)

    Bewertung zu "Blutrote Tulpen" von Ibon Martín

    Blutrote Tulpen
    martina_turbanischvor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Blutrote Tulpen von Ibon Martín ist ein superspannender Thriller, der mich wirklich vollkommen begeistert hat.
    Superspannender Thriller

    An einem sonnigen Freitag bereitet Santi die Abfahrt seines Zuges vor und bewundert die Schönheit seiner Umgebung. Nachdem er ewig lange die U-Bahn in Bilbao durch die dunkle Schächte gefahren hat, darf er jetzt die nach dem Reserva de la Biosfera de Urdaibai benannte Bahnlinie befahren. Er freut sich seines Lebens, denkt an seine Frau und glaubt an eine Halluzination als sie plötzlich vor sich auf der Bahnstrecke auf einem Stuhl gefesselt sieht. Er versucht zu bremsen - aber nichts kann verhindern, dass er mit voller Wucht seine eigene Frau überfährt.

    Santi wirft einen letzten Blick in den Rückspiegel, bevor er die Türen der Waggons schließt; auf dem Bahnsteig ist niemand mehr. Dann fährt der Zug los, und schnell liegen die letzten Häuser Gernikas hinter ihm. Blutrote Tulpen, S. 5

    Mein Eindruck:

    Eine perfide Geschichte

    Schockmoment

    Das unvermutete Auftauchen von Santis Ehefrau auf den Gleisen trifft mich als Leser beinahe mit derselben Wucht wie den armen Santi. Auch ich kann dem, was da nun kommt nicht mehr ausweichen, allerdings habe ich natürlich keinen persönlichen Bezug zum Opfer. Aber meine voyeuristische Ader will dem peinlicher auch gar nicht ausweichen - denn dafür kaufe ich mir ja solche Thriller. Das Opfer, die Ehefrau des Lokführers, heißt Natalia Etxano und ist eine genauso bekannte wie umstrittene Journalistin bei Gernikas Radiosender. In ihre Händen finden die Ermittler eine festgeklebte rote Tulpe, die für diese Jahreszeit in der wir uns hier befinden nicht gerade typisch ist.

    Livestream

    Schon bald entdecken die Ermittler aber noch etwas - sowohl der Mord an der Journalistin als auch die ersten Ermittlungen der Kripo werden live auf Facebook übertragen. An einem der Pfosten für die Oberleitung entdecken die Ermittler bald das Telefon, dass alles dorthin gestreamt hat. Die Kripobeamten sind genauso geschockt wie die Bevölkerung über diese unglaubliche Tat und deren Umstände und alle wollen wissen, wer sich so etwas krankes ausgedacht hat.

    Sondereinheit

    Das dieses Verbrechen keine Tat wie jede andere ist, ist allen Beteiligten schnell klar und es wird eine Spezialeinheit für besonders schwerwiegende Mordfälle gegründet, die Unidad Especial de Homicidios de Impacto. Mir ist nicht ganz klar, ob diese Spezialeinheit eine dauerhafte Einrichtung sein sollen - dann wundert mich das schnelle Einrichten - oder ob es eine Einheit ist, die nur für bestimmte Fälle jedes mal neu eingerichtet wird. Aber grundsätzlich finde ich den Ansatz eine Truppe aus mehreren Polizeiwachen, einer Psychologin usw. zu gründen wirklich gut. Das unsere Protagonistin Ane Cestero mit ihren Mitstreitern hier ein Fall mit vielen Wendungen, alten Geheimnissen und vielen Überraschungen erwartet ist von Anfang an klar.

    Zeitenwechsel

    Die Geschichte pendelt zwischen der Gegenwart, also hier das Jahr 2018, und verschiedenen Zeitphasen in der Vergangenheit - wobei 1985 wohl am weitesten von der Gegenwart entfernt ist. Die Sprachstil ist zwar vergleichsweise einfach, aber durch viele wirklich lebensnahe Dialoge und ein allgemein ziemlich flottes Tempo nimmt die Geschichte schnell an Intensität zu. Zusätzlich schafft der Autor es aber auch ein sehr detailliertes Bild der Region um Gernika zu erschaffen und mich gedanklich immer mitten im Geschehen zu halten. Die oft sehr eindringlich geschilderte Schönheit des Gegend lässt das Verbrechen noch viel grausamer erscheinen.

    Charaktere

    Alle Charaktere des Buches sind sehr gut gezeichnet und ich kann mir jeden von ihnen bildlich vor meinem geistigen Auge vorstellen. Auch die Beziehungen im Team untereinander werden glaubhaft und nachvollziehbar geschildert, auch wenn Ane und Julia ganz unbestritten dieses Team anführen. Die männlichen Kollegen des Teams sind ebenfalls sehr zielstrebig und arbeiten sehr effektiv und setzen immer wieder einen Kontrapunkt zu Anas etwas unorthodoxen Methoden. Selbst der Bösewicht der Geschichte ist sehr gut gewählt, auch wenn ich bis kurz vor der Lösung keine Ahnung habe, wer hinter den Beschreibungen steht.

    Wendungen

    Insgesamt hat mich Blutrote Tulpen auf ganzer Linie begeistert und mich immer wieder total in Erstaunen versetzt. Es gab so viele Wendungen, so viele Verdachtsmomente, so viele Momente in denen ich sprachlos auf die Seiten starrte - ich fand es einfach grandios. Ich mochte das Ermittlerteam, ich mochte die Landschaft und gelegentlich mochte ich sogar den einen oder anderen Verdächtigen. Jetzt muss ich erst mal schauen, ob es von diesem Autor noch weitere, auf deutsch übersetzte, Bücher gibt.

    Mein Fazit:

    Blutrote Tulpen von Ibon Martín ist ein superspannender Thriller, der mich wirklich vollkommen begeistert hat. Wer Thriller liebt sollte sich dieses Buch auf keinen Fall  entgehen lassen.

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    Cover des Buches Old Bones - Das Gift der Mumie (ISBN: 9783426524206)

    Bewertung zu "Old Bones - Das Gift der Mumie" von Douglas Preston

    Old Bones - Das Gift der Mumie
    martina_turbanischvor 12 Tagen
    Kurzmeinung: Old Bones - Das Gift der Mumie ist meiner Meinung nach zwar ein bisschen schwächer als der erste Teil, aber trotzdem super spannend.
    Ein bisschen unübersichtlich

    Die noch unerfahrene FBI Special Agent Corrie Swanson ist untröstlich als ihr ein bei einer Verhaftung ein - ihrer Meinung nach - unverzeihlicher Fehler unterläuft. Corries Chef, Supervisory Special Agent Hale Morwood sieht das zwar anders, weist ihr aber erst einmal einen etwas merkwürdigen Fall zu. In der etwas außerhalb gelegenen Geisterstadt High Lonesome hat der örtliche Sheriff einen vermeintlichen Reliqienjäger erschossen und bei der nachträglichen Besichtigung des Tatortes eine mumifizierte Leiche entdeckt. Vermutlich liegt der leichnam hier schon mehr als siebzig Jahre und Corrie soll sich nun um die Bergung der Mumie kümmern und feststellen, ob hier ein Verbrechen vorliegt.

    Seit sie acht Monate zuvor ihr Studium an der FBI-Academy abgeschlossen hatte, hatte Special Agent Corrie Swanson gelernt, mit fast allem zu rechnen. Allerdings hatte sie nicht erwartet, Haftbefehle zuzustellen oder flennenden Teenagern zu begegnen. Während sie mit den anderen Mitgliedern des FBI-Teams durch die Berge zurückfuhr, war sie erleichtert, dass dieser schwierige Tag fast vorbei war Old Bones - Das Gift der Mumie, S. 7

    Mein Eindruck:

    Ein bisschen unübersichtlich

    Lost Places

    Die Geisterstadt High Lonesome spielt auf jeden Fall eine  der Hauptrollen in dieser Geschichte. Ihre Schilderung gleich zu Beginn beschwört in sekundenschnelle Bilder aus längst vergessenen Westernklassikern wie z.B. High Noon mit dem smarten Gary Cooper oder was man sich als unwissender Europäer halt unter eine Geisterstadt so vorstellt vor meinem inneren Auge. Auf jeden Fall gibt es dabei recht viele Klischees und etliche umherrollende Sträucher, sogenannte Steppenläufer, die mir irgendwie viel Freude bereiten.

    Zickenkrieg

    Aber die eigentlichen Hauptrollen sind in Old Bones sind natürlich weiblich besetzt und heißen Nora Kelly und Corrie Swanson und zicken sich gerne mal an. Bei der Begutachtung der Mumie erkennt Corrie schnell, dass hier die Expertise und die Fähigkeiten eines Archäologen gefragt sind und so wendet sie sich an Dr. Nora Kelly, mit der sie schon einmal einen Fall gelöst hat. Allerding haben sie sich dabei nicht so wirklich gut verstanden und so ist auch die Zusammenarbeit im vorliegenden Fall etwas belastet.

    Volles Set

    Allerdings tauchen auch jede Menge andere Charaktere auf und ist es schwer zu bestimmen, wer genau der Böse und wer der Gute ist. Jeder Charakter hat eine gewisse Tiefe und spezielle Eigenschaften und ich finde sie alle durchweg spannend. FBI-Spezialist Brad Huckey; General McGurk, Jesse Gower (ein Meth-Süchtiger und der einzige Nachkomme des Toten); oder Charles Fountain, Rechtsanwalt und Lokalhistoriker - und das sind nur ein paar Beispiel von noch viel mehr Figuren die die Geschichte zwar beleben, aber auch gerne mal überfrachten.

    Kernfrage

    All diese Figuren bringen natürlich auch eine Geschichte mit die meist zumindest angerissen wird und manchmal fällt es mir schwer mich noch auf die eigentliche Handlung zu konzentrieren. All diese kleinen Dramen und Nebenhandlungen lenken mich ab und der eigentliche Punkt ist doch: Was hat dieser Mann, der jetzt mumifiziert in der Rechtsmedizin liegt, vor sieben Jahrzehnten in einer Geisterstadt gemacht und wieso musste er sterben? Bei einer der Antworten kommt es allerdings zu einer etwas sehr überzogenen Wendung - der Tote starb an einer Strahlenvergiftung durch eine Atomexplosion? Vor mehr als siebzig Jahren?

    Wendungen

    Zeitlich könnte er durchaus ein Kollateralschaden des sog. Trinity-Tests sein, der am 16. Juli 1945 stattfand. Damals wusste man nicht viel über das, was Atombomben verursachen und schon gar nichts über die Langzeitfolgen.  Ich kenne Fernsehbilder, bei denen tatsächlich Zuschauer auf Podien sehr nah diese Tests verfolgen. Allerdings ist mir diese Wendung wirklich zu überzogen und zu weit hergeholt. Aber Preston & Child sind Meister darin Szenarien zu entwerfen, die auf den ersten Blick so gar keinen Mehrwert oder Sinn haben, sich aber am Ende der Geschichte als wirklich wichtig erweisen und deshalb verfolge ich auch diese wilde Wendung mit einem gewissen Wohlwollen.

    Charakterunterschiede

    Ansonsten beschäftigt sich die Geschichte aus meiner Sicht aber vor allem mit Corrie und ihrem etwas stacheligen, explosiven Charakter. Sie neigt zu unkontrollierten Ausbrüchen und ich finde sie oft sehr egoistisch. Sie ist zwar noch jung, aber auch kein unreifer Teenager mehr und mir ist sie eher ein bisschen unsympathisch. Aber ich mag Nora Kelly, die trotz all dem Stress den sie im Archäologischen Institut von Santa Fe so hat und der Tatsache, dass sie von Corrie ziemlich genervt ist, mit Enthusiasmus ihre Arbeit verfolgt. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich immer ein bisschen neidisch auf Leute mit diesem Beruf bin und selber eher auch zu den ruhigeren Menschen gehöre.

    Mein Fazit:

    Old Bones - Das Gift der Mumie  von Douglas Preston und Lincoln Child ist meiner Meinung nach zwar ein bisschen schwächer als der erste Teil, aber trotzdem immer noch spannend, witzig und mit vielen interessanten realen Details gespickt. Ich hoffe im nächsten Teil können sich die Protagonisten dann wieder mehr auf Fall und weniger auf die Selbstfindung konzentrieren

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    Cover des Buches Mord in Parma (ISBN: 9783499002427)

    Bewertung zu "Mord in Parma" von Dani Scarpa

    Mord in Parma
    martina_turbanischvor 17 Tagen
    Kurzmeinung: Mord in Parma von Dani Scarpa ist ein spannender und gleichermaßen unterhaltsamer Krimi, der in der italienischen Emilia Romagna handelt.
    Gründlichkeit vs. Lebensfreude

    Paolo Ritter ist so etwas wie ein freier Mitarbeiter beim LKA Bayern und sein Fachgebiet ist die Fallanalyse und Tathergangsrekonstruktion. Sein Erfolg in diesem Bereich kann man sicher zu einem großen Teil seinem außergewöhnlichen episodischem Gedächtnis zuschreiben - aber so hilfreich das im Job ist, so hinderlich ist es im privaten Bereich, wenn man nichts vergessen kann. Aktuell soll er in München aufgefundene NS-Raubkunst nach Parma überstellen, was ihm so überhaupt nicht gefällt, aber da ausgerechnet seine Verlobte Julia, Kriminaloberkommissarin bei der Münchner Kripo, ihn darum bittet kann er schlecht ablehnen.

    Paolo ging grundsätzlich zu Fuß zur Arbeit. Weil er keinen Führerschein hatte. Und weil öffentliche Verkehrsmittel nicht nur Tausende von Menschen, sondern auch Milliarden von Bakterien transportierten. Allerdings barg auch der Gang zu Fuß seine Risiken. Mord in Parma, S. 14

    Mein Eindruck

    Gründlichkeit und Lebensfreude

    Krieg

    Gleich beim Einstieg in die Geschichte erfahre ich das eine oder andere zur Herkunft des Bildes um das sich in diesem Buch alles dreht. Enzo und Anna Molinari, ein älteres Ehepaar in einem italienischen Dorf, wollten sich damit ihr Überleben beim Einmarsch der deutschen Truppen im September 1943 erkaufen. Allerdings haben sie die Grausamkeit der deutschen Soldaten unterschätzt. Jahrzehnte später wechselt besagtes Bild dann auf nicht minder illegalen Wegen erneut den Besitzer.

    Macken

    Hier kreuzen sich dann auch die Wege von Paolo Ritter und dem begehrten Gemälde Correggios. Grundsätzlich erinnert Paolo Ritter mich an Adrian Monk, einen neurotischen Mitarbeiter des San Francisco Police Department mit ähnlichen Macken und Phobien. Auch Paolo lebt in ständiger Sorge vor Viren, Bakterien und möglichen Ansteckungsgelegenheiten und auch er hat einen eher zwanghaften Ordnungssinn. Natürlich gibt es auch hier eine Art Vorgeschichte zu all dem und natürlich erfahre ich diese auch so nach und nach.

    Freunde

    Als sich Paolos Aufenthalt in Parma überraschenderweise verlängert, beschließt er sich einigen Teile dieser Vorgeschichte zu stellen. Er hat von seinem verstorbenen Bruder, der ihm immer wieder zwischendurch als kleiner Junge in einer roten Badehose erscheint, ein Hotel in Cervia nahe Parma geerbt, das er nun, wo er sowieso vor Ort ist, verkaufen möchte. Das gestaltet sich zwar nicht ganz so einfach wie erhofft, aber bei seinen Bemühungen das Hotel in gute Hände zu geben findet er dann doch neue Freunde, die er auch prompt brauchen kann.

    Krimiteil

    Rund um das allseits begehrte Gemälde geschieht bald ein Mord - ein zweiter folgt und plötzlich ist Paolo der Hauptverdächtige. Er und seine neuen Freunde haben alle Hände voll zu tun um alles aufzuklären, was natürlich am Ende auch klappt. Der Krimiteil in dieser Geschichte dient zwar eher dazu, mir als Leser Paolo, seine Macken und seinen Hintergrund näher zu bringen, trotzdem ist er spannend konstruiert und wartet mit der einen oder anderen überraschenden Wendung auf.

    Störungen

    Ob mir nun Paolo Ritter als tragender Charakter in diesem Fall reicht kann ich ehrlicherweise noch gar nicht wirklich sagen. Fand ich die vielen Macken bei Adrian Monk noch recht sympathisch, hat mich bei Paolo Ritter so mancher Tick genervt. Grundsätzlich fand ich es schon bei Monk immer ein bisschen fragwürdig  psychische Störungen als eine Art lustiges oder niedliches Accessoire zu verkaufen - bei Paolo störte mich das mehr.  Aber vielleicht muss ich mich auch einfach erst mal mit Paolo Ritter anfreunden.

    Mein Fazit:

    Mord in Parma von Dani Scarpa ist ein spannender und gleichermaßen unterhaltsamer Krimi, der in der italienischen Emilia Romagna handelt. Vielleicht sollte ein zweiter Band etwas weniger auf den psychischen Eigenheiten der Protagonisten aufbauen.

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    Cover des Buches Der Nachlass (ISBN: 9783453440883)

    Bewertung zu "Der Nachlass" von Jonas Winner

    Der Nachlass
    martina_turbanischvor 21 Tagen
    Kurzmeinung: Das Buch hält für mich nicht, was es verspricht. Ich mochte den Schreibstil und die Wendungen, aber es fehlt eine nachvollziehbare Handlung
    Am Ziel vorbei

    Hedda Laurent liegt im Sterben und versammelt noch einmal ihre Kinder um sich. Einige haben sich schon seit Jahren nicht mehr gesehen und stehen sich recht mißtrauisch gegenüber. Doch bei allem Mißtrauen und bei aller Trauer sind eine Erbmasse von rund 70 Millionen Euro ein wirklich guter Grund sich zusammenzureißen. Aber Hedda hat so ihre ganz eigene Vorstellung, wer was erben soll und das wird auch ganz schnell deutlich.



    Der alte Mann konnte nicht mehr gut gehen, deshalb saß er meist in seinem Rollstuhl. Früher hatte er darauf geachtet, dass sein Haar immer modisch geschnitten war. Inzwischen ließ er es nur noch notdürftig von dem Marokkaner stutzen, der ihm in Paris den Haushalt führte. Der Nachlass, S. 9

    Mein Eindruck:


    Die Kunst Rache zu nehmen


    Familiengeheimnisse


    Zu Beginn werden erst einmal die verschiedenen Familienmitglieder vorgestellt. Vor allem ihre Schwächen, kleinen Geheimnisse und ihr Verhältnis untereinander. Dazu gibt es immer mal wieder Rückblicke in die Kindheit der Geschwister und schon da war halt nicht immer alles so wirklich rosig. Einige dieser Streitpunkte haben sich dann auch bis in die Gegenwart gehalten und vergiften das Familienleben nach wie vor.


    Perspektivwechsel


    Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, was ich ja grundsätzlich schon mal mag. Aber neben den Zeitsprüngen in die Vergangenheit gibt es auch so etwas wie Ausblicke in die Zukunft, die mich dann am Ende doch verwirrt haben. Die entsprechenden Kapitel sind mit “einem Tag/ drei Tage usw. vor Totensonntag“ betitelt sind, während die Kapitel in der Vergangenheit mit Jahreszahlen gekennzeichnet sind.


    Verwirrspiel


    Die Kapitel die in der Gegenwart angesiedelt sind sind einfach nur mit der Kapitelnummer versehen und irgendwie hat mich dieses “durcheinander” etwas verwirrt. Alles in allem dauert dieses Verwirrspiel schon recht lange, bis die Geschichte dann endlich mal an den Punkt kommt, auf den ich warte - die Verteilung des Erbes.


    Erbmasse


    Angesichts des Umfangs der Erbmasse - immerhin über 70 Millionen Euro - hat die die Erblasserin etwas besonderes einfallen lassen. Die zukünftigen Erben sollen sich in 27 Wettkämpfen miteinander messen und je nach Erledigung gibt es eine gewisse Anzahl Punkte oder eben Minuspunkte. Derjenige mit den meisten Punkten wird der Alleinerbe über das gesamte Vermögen sein.


    Wettkämpfe


    Als es dann an die eigentlichen Wettkämpfe ging wurde ich bitter enttäuscht. Ich dachte ehrlich diese Wettkämpfe stünden ab diesem Punkt im Mittelpunkt der Geschichte, aber die meisten wurden nur in ein paar kurzen Nebensätzen abgehandelt. Allerdings hätte ich wohl auch von den Wettkämpfen à la Dschungelcamp dann am Ende doch nicht so viel wissen wollen. Wer am meisten erbrechen kann interessiert mich nun mal so gar nicht.


    Wendungen


    Es gab sicher den eine oder andere überraschende Wendung in der Geschichte, ich mochte den Schreibstil des Autors und auch das Ende fand ich sehr gelungen - aber das reichte mir dann doch nicht um mich zu begeistern. Die Morde, die selbstverständlich auch hier vorkommen, sind sehr detailliert und sehr blutig geschildert - ein bisschen mehr Detailliebe bei der Charakterzeichnung der Protagonisten wäre  mir lieber gewesen.


    Mein Fazit:


    Der  Nachlass von Jonas Winner hält für mich nicht, was er verspricht. Ich mochte den Schreibstil und die unerwarteten Wendungen, aber das alles nützt nichts, wenn eine gute stringente Handlung fehlt.

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    Cover des Buches Der Lohn des Verrats (ISBN: 9783426525012)

    Bewertung zu "Der Lohn des Verrats" von Mathias Berg

    Der Lohn des Verrats
    martina_turbanischvor 24 Tagen
    Kurzmeinung: Lohn des Verrats von Mathias Berg ist der zweite Teil dieser Reihe und hat mir tatsächlich noch ein bisschen besser gefallen als der Erste
    Vergangene Taten

    Im April 1993 verschwindet der junge Abiturient Fabian Küster plötzlich spurlos aus seinem Elternhaus. Kurz darauf findet die Mutter im Briefkasten einen Abschiedsbrief von Fabian, in dem er sich von seiner Familie lossagt. Sie hält das Schriftstück für eine Fälschung, aber der Polizei genügt es, um die Ermittlungen einzustellen. 2003 stirbt Fabians Vater und auf der Trauerfeier fällt der trauernden Witwe ein anonymer Trauerkranz auf - auf der Schleife stehen Fabian Initialen. Lupe und Otto nehmen sich des Falles an und schon bald stoßen sie auf Ungereimtheiten und neue Spuren tauchen auf.

    Wir kehren manchmal zu den Orten der Vergangenheit zurück. Besonders zu jenen, von denen wir dachten, dass wir sie nie wiedersehen würden. Lohn des Verrats, S. 13

    Mein Eindruck:

    Was ist wirklich wahr?

    Verzweiflung

    Die Ermittlungen beginnen mit dem Besuch einer verzweifelten Mutter bei Otto Hagedorn und Lupe Svensson. Sie schildert die vergebliche Suche der Polizei vor 10 Jahren von der Einstellung der Suche, nachdem ein Abschiedsbrief gefunden wurde. Ein erwachsener Mensch hat das Recht ohne Gruß und ohne Hinweis sein altes Leben hinter sich zu lassen und das schien Fabian Küster getan zu haben.

    Teamentscheidung

    Lupe und Otto lesen sich ein bisschen in den Fall ein, schildern den anderen ihre Eindrücke und gemeinsam beschließt das Team weiter Nachforschungen anzustellen. Im Großen und Ganzen bestehen diese Nachforschungen auch Gesprächen mit den unterschiedlichsten Menschen aus Fabians Umfeld. Als Leser bekomme ich so einen ganz guten Eindruck von dem Vermissten und ich mag diese Art Gespräche.

    Perspektivwechsel

    Die Perspektive wechselt immer mal wieder in die Vergangenheit, ungefähr in die Zeit von Fabians Verschwinden und der Gegenwart.  Nach und nach bastel ich mir - analog zu Lupe und Otto - einen ungefähren, möglichen Tathergang zusammen, den ich aber immer wieder umschmeißen oder ergänzen muss. Mir macht das viel Spaß, auch wenn ich am Ende feststellen muss, dass alles ganz anders war. Aber immerhin haben sich meine beiden Lieblingsermittler auch geirrt …

    Privatleben

    Das Privatleben der beiden ist auch in diesem Band ein Thema, aber nur ein kleines. Lupe hat sich von Dauerfreund Raffis getrennt - oder doch eher Raffi von Lupe? So wirklich glücklich ist Lupe damit nicht und da helfen Erkans Anmachsprüche auch nicht weiter. Otto hat dagegen etwas mehr Glück, denn er bandelt offenbar erfolgreich mit seiner Nachbarin an und ich wünsche ihm, dass diese neue Beziehung hält. Ich mag die eher sporadischen, untergeordneten privaten Informationen.

    Mein Fazit:

    Lohn des Verrats von Mathias Berg ist der zweite Teil der Reihe um Lupe Svensson und Otto Hagedorn und hat mir tatsächlich noch ein bisschen besser gefallen als der erste Band.Spannend, authentisch und ein bisschen frech - so darf es gerne weitergehen.

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    Cover des Buches Buona Notte - Ein Lago-Maggiore-Krimi (ISBN: 9783651000995)

    Bewertung zu "Buona Notte - Ein Lago-Maggiore-Krimi" von Andrea Di Stefano

    Buona Notte - Ein Lago-Maggiore-Krimi
    martina_turbanischvor einem Monat
    Kurzmeinung: Buona Notte von Andrea Di Stefano ist vielleicht mehr Roman als Krimi, lässt sich aber ganz wunderbar lesen.
    Ein bisschen verwirrend

    Ex-Zeugenschützer Lukas Albano Geier hat am romantischen Lago Maggiore eine neue Heimat gefunden und sich ein neues Leben aufgebaut. Er ist jetzt Musiker und hat gleich mit seinem ersten Song so viel Erfolg, das er super davon leben kann. Aber so ganz scheint ihn sein altes Leben nicht loszulassen, denn eines Morgens findet er seinen Gitarristen tot im Studio vor und ruft  pflichtbewusst die Polizei. Seine Ex-Freundin Christina Conte ist bei der zuständigen Polizeidirektion in Varese und um so erstaunter ist er, als statt ihrer irgendwelche Kollegen auftauchen.

    Die kleine Kirche La Croce d’Oro steht auf einem Felsplateau, das wie ein Sprungbrett aus dem Bergmassiv ragt. Ich bin zu Fuß hier hochgestiegen, wollte die Unruhe aus meinem Körper laufen – die Unruhe und die Angst vor der Begegnung, die mir heute bevorsteht. Buona Notte, S. 5

    Mein Eindruck:

    Ein bisschen verwirrend

    Angst

    Gleich zu Beginn wird mir eine recht unheimliche, bedrückende Szene vorgesetzt. Ein Mensch ist in einer Kirche und betet, weil er vor irgendetwas Angst hat. Ich weiß zwar nicht genau wovor, trotzdem scheint mir seine Angst beinahe greifbar und so ist er an den Ort zurückgekehrt, an dem er offenbar schon als Kind gebetet hat. Aber bei aller Angst hat er offenbar doch auch Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden wird.

    Schwermütig

    Beim Protagonisten dieses Buches hat sich schon offenbar schon vieles zum Guten gewendet. Er hat sich hier am See nicht nur ein neues Leben, sondern auch eine neue Karriere aufgebaut und ist darin auch sehr erfolgreich. Allerdings lässt ihn sein ehemalige Arbeit als Polizist auch nicht wirklich los - aber ich schätze das geht sicher vielen ehemaligen Polizisten so. Trotzdem finde ich Lukas schon wirklich sehr schwermütig, beinahe etwas depressiv

    Verinnerlicht

    Viele dieser einst verinnerlichten Verhaltensweisen als Polizist brechen dann auch wieder durch, als er zum einen seinen Gitarristen Tod im Tonstudio vorfindet und dann feststellen muss, dass seine Ex-Freundin plötzlich spurlos verschwunden ist. Zwar findet er Christina recht schnell wieder, doch als man sie dann wegen Mordes an ihrem Bruder anklagt, weiß er, dass er was etwas tun muss.

    Vorleben

    Viel mehr kann und will ich gar nicht zum Krimiplot des Buches verraten, denn der scheint mir auch im Buch eher Nebensache zu sein. Sehr viel mehr Energie wird auf Lukas Albano Geiers Vorgeschichte gelegt und die ist auch durchaus interessant. Der zweite Fokus wird auf die Landschaftsbeschreibung und die Atmosphäre gelegt und beides ist es auch wirklich wert. Liebevoll und sehr ausführlich wird alles so beschrieben, dass ein detailliertes Bild vor meinem inneren Auge entsteht.

    Urlaubskrimi

    Grundsätzlich bin ich ja ein Fan von guten Urlaubskrimis. Ich mag üppige und durchaus etwas ausufernde Landschaftsbeschreibungen und das gewisse Lokalkolorit - ein bisschen mehr Krimi hätte in diesem Fall aber nicht geschadet. Mir war hier ein bisschen wenig Spannung, was vielleicht auch an der wirklich sehr, sehr ruhigen Erzählweise liegen mag. Ich habe jetzt den ersten Band nicht gelesen, vielleicht hätte mir das irgendwie weitergeholfen, aber das bezweifle ich.

    Mein Fazit:

    Buona Notte von Andrea Di Stefano ist vielleicht mehr Roman als Krimi, mir fehlte jedenfalls die Spannung im Krimi-Teil. Allerdings habe ich das Buch trotzdem gerne gelesen weil das Autorenduo hinter Andrea di Stefano mir mit seinen Beschreibungen ein Stück “Urlaub am See” beschert hat.

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    Cover des Buches Shalom Berlin – Gelobtes Land (ISBN: 9783492062565)

    Bewertung zu "Shalom Berlin – Gelobtes Land" von Michael Wallner

    Shalom Berlin – Gelobtes Land
    martina_turbanischvor einem Monat
    Kurzmeinung: Shalom Berlin – Gelobtes Land von Michael Wallner hat für mich weder als Krimi, noch als Familienroman funktioniert.
    Nicht wirklich rund

    In Berlin verschwinden schon seit Monaten Kinder und irgendwann später tauchen ihre Leichen wieder auf. Acht Kinderleichen wurden nun schon gefunden und der öffentliche Druck auf die Polizei steigt - auch dadurch, dass die Mütter der Opfer auf die Straße gehen und lautstark Ermittlungsergebnisse fordern und sich immer mehr Menschen diesen Protesten anschließen. Aber Ermittler Alain Liebermann bleibt bei seinen unorthodoxen Ansätzen und setzt nach und nach ein Täterprofil zusammen. Dieses Profil führt ihn und sein Team ausgerechnet nach Israel, wo sie selber Opfer eines Anschlags werden.

    Einige Gäste nahmen das als Stichwort, die Gläser klingen zu lassen. Die Liebermanns kannten die biblische Länge von Chaijms Ansprachen und warteten erst mal ab. Shalom Berlin - Gelobtes Land, S. 5

    Mein Eindruck:

    Nicht ganz einfach

    Dünnes Buch

    Ich hatte schon zu Beginn leichte Zweifel, ob ein Buch mit der - für meine Verhältnisse jedenfalls - geringen Seitenzahl von gerade einmal 288 Seiten all dem gerecht werden kann, was ich mir von ihm erwarte. Vor allem und zuallererst erwarte ich bei einem Krimi aber eine spannende Handlung, ein ausgeklügeltes Verbrechen und einen Ermittler bzw. ein Ermittlerteam das genau dieses Verbrechen aufklärt.

    Jüdisch

    In Shalom Berlin – Gelobtes Land stand der Ermittler und seine Glaube sehr im Fokus was mir bei diesem Titel schon klar war und an sich fand ich den Gedanken auch ganz spannend. Ich weiß recht wenig über jüdisches Leben und auch meine Kenntnisse über entsprechende Sitten und Gebräuche sind sehr rudimentär und vermutlich ziemlich klischeebehaftet. Allerdings hatte ich dann auch nicht den Eindruck, dass es dem Autor dieses Buches wesentlich anders ging als mir

    Fremd

    Mir gelang es auch nicht, zur Hauptperson der Geschichte irgendeine Beziehung zu entwickeln. Es gibt Bücher, da bin ich beinahe ein kleines bisschen verliebt in den Protagonisten oder aber ich hassen ihn - aber Alain Liebermann weckte so gar keine Emotionen in mir. Er blieb mir fremd, ich fand ihn irgendwie vollkommen nichtssagend und überhaupt nicht greifbar.

    Schreibstil

    Das mag sicher auch am Schreibstil liegen, der mir so überhaupt nicht gelegen hat. Kurze, oft irgendwie abgehackt wirkende Sätze mögen modern sein, aber sie sind nicht meins. Gerade bei den gelegentlichen Beschreibungen von Bettgeschichten dachte ich mir, wenn der Sex so war wie die Beschreibung, ist kein Sex die bessere Alternative. Ich muss da nicht irgendwelchen Kitsch lesen, aber ein bisschen gefühlvoller oder leidenschaftlicher sollte es schon sein.

    Konstruiert

    Angesichts dessen, das es in diesem Buch um das Privatleben des Ermittlers geht, seine ziemlich üppig ausfallende und sehr feierfreudige Familie und um die politischen Verhältnisse in Deutschland und in Israel - da bleibt bei den ohnehin recht wenigen Buchseiten für den Krimi-Plot nicht viel übrig. Vermutlich wirkt er deshalb an vielen Stellen auf mich recht konstruiert, nicht wirklich durchdacht und wurde am Ende ziemlich lieblos aufgeklärt.

    Mein Fazit:

    Shalom Berlin – Gelobtes Land von Michael Wallner hat für mich weder als Krimi noch als Familienroman funktioniert. Entweder hätte man der Familiengeschichte viel mehr Raum und Zeit geben müssen, was mir gut gefallen hätte,  oder aber dem Krimi. So ist es nichts Halbes und nichts Ganzes.

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    Cover des Buches Tod in Weißen Nächten (ISBN: 9783499001673)

    Bewertung zu "Tod in Weißen Nächten" von G.D. Abson

    Tod in Weißen Nächten
    martina_turbanischvor einem Monat
    Kurzmeinung: Tod in weißen Nächten von G.D. Abson hat mich mit seinem beinahe grobkörnigen und etwas rauem Charme wirklich einfangen und begeistert.
    Innenansichten

    In St. Petersburg verschwindet Zena Dahl, die Adoptivtochter  des schwedischen Milliardärs und Geschäftsmannes Thorsen Dahl. Da dieser Fall zu diversen politischen Verwicklungen führen kann, wird die Kommissarin Natalya Iwanowa beauftragt die Sache schnell und diskret zu klären. Normalerweise ist sie eher für Fälle häuslicher Gewalt zuständig und deshalb besonders motiviert das Verschwinden der Studentin aufzuklären. Mit viel Ehrgeiz und ohne Angst in irgendeines der tausend Fettnäpfchen, die so eine Sache mit sich bringt, zu treten, beginnt sie mit den Ermittlungen.



    Ob sie ihn womöglich falsch eingeschätzt hatte? Bei Tageslicht war es kaum vorstellbar, dass es eine Stadt gab, die heller leuchtete als Sankt Petersburg mit seinem Winterpalast und dem Mariinski-Theater, doch es hatte auch eine dunkle Seite. Diese Stadt fraß junge Männer wie Sascha und Wowa bei lebendigem Leib auf, verwandelte sie in aufgedunsene Leichen, noch bevor sie ihre besten Jahre erreicht hatten. Tod in weißen Nächten, S. 9

    Mein Eindruck:


    Verwirrend, fremd und spannend


    Flucht


    Der Einstieg in die Geschichte ist ein bisschen verwirrend. Zuerst lerne ich Kristina kennen, eine junge Frau, deren Mann offenbar im Gefängnis ist und die - warum auch immer - von zwei Männern dauerhaft bewacht wird. Sie versucht mit ihrer kleinen Tochter Xenija und einem anderen Mann zu fliehen aber Fluchtwagen verunglückt unterwegs, was allerdings mit den Insassen passiert - wer weiß? Diese Flucht spielt sich Silvester 1999 ab, denn im Autoradio läuft die Nachricht, das Boris Jelzin zurückgetreten sei und Wladimir Putin kommissarisch die Regierung übernimmt.


    Party


    Als nächstes lerne ich Zena Dahl und ihre Freundin Julija kennen, die eine rauschende oder eher berauschende Partynacht erleben. Das Ende ist eher weniger berauschend, denn Zena wird irgendwann begrapscht, überfallen, vergewaltigt und dann von einem ihr fremden Mann gerettet. Der Fremde kennt ihren Namen, was darauf schließen lässt, dass er gar nicht so fremd ist. Mich beschleicht der Gedanke, dass die Schwedin Zena vielleicht das kleine Mädchen Xenija aus dem Fluchtwagen ist? Aber was will dann ihr angeblicher Retter von ihr?


    Natalya


    Nach diesen beiden kleinen “Vorgeschichten” kommt dann endlich Kommissarin Natalya Iwanowa ins Spiel. Üblicherweise ist sie für Fälle von häuslicher Gewalt zuständig, wird nun aber, auch für sie überraschend, auf die verschwundene schwedische Studentin angesetzt. Natalya sorgt nun dafür, dass ich mich im mir völlig fremden Russland ein bisschen zurecht finde. Ich lerne etwas über Einkaufs-, Koch- und Essgewohnheiten, aber auch über das ständige Misstrauen dem Staat und seinen Einrichtungen gegenüber kennen. Natalyas  Mann Mikhail ist ein höherer Dienstgrad bei der Polizei und der beste Freund ihres stellvertretenden Offiziers Rogow und selbst in diesem relativ kleinen Kreis traut Natalya noch nicht einmal ihrem Mann.


    Misstrauen


    Dieses allgemeine Misstrauen ist auch sicher in weiten Teilen berechtigt, denn im Hintergrund lauert überall der FSB, also quasi der etwas modernerer KGB. Sie beobachten anscheinend alles und jeden. Langsam aber sicher bekomme ich ein Gefühl für das wirklich komplizierte Leben in Russland. Mikhails Anton aus erster Ehe soll z. B. studieren - also musste erstmal die Schule bestochen werden für das Abitur, dann der Leiter der Universität für einen Studienplatz - kann man das nicht, dann muss der Nachwuchs halt zum Militär. Selbst für eine simple medizinische Behandlung muss man jemanden Geld in die Hand drücken.


    Hilfe


    Natalya Iwanowa sticht als Protagonistin aus diesem Meer aus Korruption und Bestechung weitestgehend hervor - was allerdings nicht förderlich für ihre Karriere ist. Allerdings ist sie auch keine Superheldin, sondern eine ganz normale Frau mit all den Sorgen und Nöten einer ganz normalen Frau. Ich finde sie sehr sympathisch und durchaus bodenständig in ihrem Bestreben ihren Instinkten und nicht den Vorgaben des FSB zu folgen. Aber auch ihr Mann ist gar nicht so übel, wie Natalya es manchmal glaubt und hilft ihr eher unauffällig dabei herauszufinden was mit Zena passiert ist.


    Ende


    Für mich ist, zumindest in diesem ersten Teil der Serie, das hervorstechendste die Atmosphäre die der Autor aufbaut. Aber auch der Krimianteil ist natürlich nicht zu verachten und umfasst eine riesige Spanne an Themen wie Korruption, beinahe alltägliche häusliche Gewalt, Bandenkriminalität, Schießereien und Verfolgungsjagden. Etliche Drehungen und Wendungen lassen mich im Verlauf den etwas langatmigen Start in die Geschichte vergessen und führen zu einem für mich passenden Ende.


    Mein Fazit:


    Tod in weißen Nächten von G.D. Abson hat mich mit seinem beinahe groben und etwas rauem Charme wirklich einfangen und begeistert. Ich freue mich auf jeden Fall auf eine Fortsetzung

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    Cover des Buches Zeit der Schuld (ISBN: 9783442316199)

    Bewertung zu "Zeit der Schuld" von Gianrico Carofiglio

    Zeit der Schuld
    martina_turbanischvor einem Monat
    Kurzmeinung: Zeit der Schuld von Gianrico Carofiglio ist ein interessantes Werk über Moral, Schuld, Unschuld, Anstand, Werte, Recht und Gerechtigkeit
    Erinnerungen können täuschen

    Lorenza Delle Foglia war in ihrer Jugend eine wahre Schönheit, sie war weltgewandt, sie war klug und sie war charmant. Sie war einfach der Schwarm aller Männer und auch der italienischen Anwalt Guido Guerrieri war, lange bevor er Anwalt wurde, dieser Schönheit verfallen. Jetzt, viele Jahre später, sitzt vor ihm eine Frau, die zwar denselben Namen trägt wie sein damaliger Schwarm aber sonst keinerlei Ähnlichkeiten mit dem strahlenden Bild in seiner Erinnerung hat. Sie bittet ihn um Hilfe für ihren Sohn Jacopo, der ihren Ausführungen zufolge, unschuldig hinter Gittern sitzt. Ohne lange nachzudenken sagt Guerrieri zu.

    Mit der üblichen, fast ein wenig feierlichen Gebärde blätterte Pasquale durch seinen unvermeidlichen Spiralblock. Wir alle haben etwas an uns, das typisch für uns ist oder das wir, sofern es uns bewusst ist, als für uns typisch empfinden. Bei Pasquale ist es der Notizblock.   Zeit der Schuld, S. 5

    Mein Eindruck:

    Erinnerungen können trügerisch sein

    Zahn der Zeit

    Ziemlich ernüchtert stellt Guido Guerrieri fest, dass die Zeit keineswegs spurlos an der schönen Lorenza Delle Foglia vorbeigegangen ist. In seiner Erinnerung hat er sie beinahe idealisiert und diese müde und irgendwie abgestumpfte Frau, die hier vor ihm sitzt passt so gar nicht zu diesem Idealbild Nachdem er kurz nachgerechnet hat, das besagte Jacopo nicht sein Sohn sein kann, sagt er ihr zu ihn zu verteidigen.

    Zufälle

    Tatsächlich versucht er sein Bestes um den jungen Mann von der Mordanklage zu befreien, aber das erweist sich als gar nicht so einfach. Es gibt so viele Zufälle in dem Tatgeschehen, dass ihm zur Last gelegt wird, das Guerrieri seine Schuld ausschließt. Andererseits macht das eben auch die Beweislage für den Ankläger erdrückend und bald muss sich Guerrieri dann doch fragen, ob seine nostalgisches Gefühle für Lorenza nicht auch seine Urteilskraft beeinträchtigen.

    Moral

    Zusätzlich zu dem zweifellos spannenden Fall geht es hier auch im weitesten Sinn um das Verhältnis zwischen Ethik, Recht und Gerechtigkeit. Das hört sich hier recht trocken und theoretisch an, aber Carofiglio schafft es, diese Dinge wirklich sehr fesselnd und durchaus auch faszinierend zu schildern. Anhand der persönliche Verstrickungen des Anwaltes Guerrieri und deren Schilderungen werde ich als Leserin recht unterhaltsam in diesen Widerstreit eingebunden und quasi gezwungen, mir meine eigenen Gedanken zu diesem Thema zu machen.

    Wunschvorstellungen

    Nach Ansicht des Anwalts Guido Guerrieri (oder Autors Gianrico Carofiglio)  muss ein Richter stets darauf achten, dass aus realen Menschen vor Gericht nicht einfach nur Aktennummern und Fallakten werden. Er muss Konflikte zwischen Sichtweisen, Werten und Weltbildern nach bestem Wissen und Gewissen lösen. Keine einfache Sache und nach meinen eigenen Erfahrungen haben unsere Gerichte da noch einen gewissen Nachholbedarf.

    Ende

    Das Ende der Geschichte ist recht überraschend - jedenfalls für mich - aber im Grunde ist die Geschichte hier auch gar nicht so wirklich wichtig. Es geht eher um das bereits geschilderte moralische Dilemma von Anwälten und Richtern. Das war alles recht spannend und unterhaltsam geschildert, hatte aber für meinen Geschmack etwas zu viel erhobenen Zeigefinger im Gepäck.

    Mein Fazit:

    Zeit der Schuld von Gianrico Carofiglio ist ein interessantes Werk über Moral, Schuld, Unschuld, Anstand, Werte, Recht und Gerechtigkeit  und wie man das alles in Einklang bringen kann.

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