miss_fry

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Auflaufend Wasser (ISBN: 9783423144117)

    Bewertung zu "Auflaufend Wasser" von Astrid Dehe

    Auflaufend Wasser
    miss_fryvor 5 Jahren
    Du stehst auf einer Plat. Bei auflaufend Wasser. Im Nebel.

    Nach einer wahren Begebenheit erzählt "Auflaufend Wasser" die Geschichte vom Baltrumer Navigationsschüler Tjark Evers, am 23. Dezember 1866 auf dem Weg von der Navigationsschule auf dem Festland auf die Heimatinsel. Aber weder er noch die Ruderer, die ihn morgens in tiefem Nebel am Oststrand Baltrums absetzen und sofort wieder verschwunden sind, bemerken im ersten Moment ihren Fehler: Sie haben nicht die Insel erreicht, sondern nur eine Sandbank. Tjark hat keinen Kompass mitgenommen. Es ist neblig. Und die Flut kommt.
    Um die im Januar 1867 in einer Zigarrenkiste auf Wangeroog angespülten Tagebuchaufzeichnungen herum, die Tjark Evers an seine Familie richtete, hat das Autorenduo Dehe/Engstler die letzten Stunden des EInundzwanzigjährigen rekonstruiert. Das ist auf 120 Seiten beklemmend real und so intensiv, dass man den Geruch des Meeres förmlich aus den Seiten saugen kann. Dabei ist der Text nie dramatisch, nie zu fantastisch, nie abgehoben. Er skizziert vielmehr das Inselleben des 19. Jahrhunderts, klar und häufig fast nüchtern und erfasst eindrucksvoll das Leben an und mit der See: Respekt vor einem Element, gegen das der Mensch machtlos war und es immer noch ist, das drei Viertel unseres Planeten bedeckt und "kommt nicht und geht, sondern atmet, ein urzeitliches, über die Erde hingestrecktes Tier".
    "Auflaufend Wasser" wird dabei zu einem Kammerspiel: der junge Mann und das Meer, das hier beinahe den zweiten Protagonisten darstellt; die See als Tier, als zornvoller Dämon, unberechenbar, unersättlich, von Menschen nicht kontrollierbar.
    Dehe und Engstler umschiffen hierbei geschickt die Klippe zu Kitsch und Tränendrüse. Ihr Tjark tobt und wütet nicht gegen sein Schicksal, sondern ist ihm ergeben. Respektiert die See, der er als Seemann und Insulaner ohnehin gehört, und ob sie ihn nun früher oder später zu sich holt, überlässt er letztendlich ihr, muss er ihr überlassen, kann sich ihr nicht widersetzen, findet sich mit seinem Schicksal ab. Den Fehler hat er gemacht, und er sieht ihn ein: kein Kompass, keine Bitte des Wartens an die Ruderer, bis er die Dünen des Oststrandes erreicht hat. EIn Gefühl von Sieg, es ohne Hilfsmittel nach Hause geschafft zu haben. Gegen die See, gegen den Nebel. Bei auflaufend Wasser.

    Bis ans Ende des Buches halten sich die Autoren an ihre schlichten, klaren Schilderungen, spekulieren realistisch und nachvollziehbar über Tjarks Innenleben und seine Gedanken, aber überzeichnen ihn nie.
    Die nachdrücklichsten Aussagen überlassen sie ohnehin seinen eigenen  Aufzeichnungen: "Ich habe das Wasser jetzt ans Knie. Ich will mich gleich ertränken, denn Hilfe ist nicht mehr da. Es ist 9 Uhr. Ihr geht gleich zur Kirche. Betet nur für mich Armen, daß Gott mir gnädig sei. Ich grüße euch zum letzten Mal".

    Kommentare: 1
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    Cover des Buches Das größere Wunder (ISBN: 9783423143899)

    Bewertung zu "Das größere Wunder" von Thomas Glavinic

    Das größere Wunder
    miss_fryvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Lieblingsbuch. Absolutes Lieblingsbuch.
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    Cover des Buches Am Ende schmeißen wir mit Gold (ISBN: 9783827011480)

    Bewertung zu "Am Ende schmeißen wir mit Gold" von Fabian Hischmann

    Am Ende schmeißen wir mit Gold
    miss_fryvor 5 Jahren
    Cover des Buches Less Than Zero (ISBN: 9780330539326)

    Bewertung zu "Less Than Zero" von Bret Easton Ellis

    Less Than Zero
    miss_fryvor 5 Jahren

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