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    Cover des Buches Das platte Kaninchen9783941087170

    Bewertung zu "Das platte Kaninchen" von Baldur Oskarsson

    Das platte Kaninchen
    neenchenvor 4 Monaten
    „Das platte Kaninchen“ von Bárður Oskarsson (2013)

    Der Tod gehört zum Leben dazu und spätestens, wenn das erste Haustier stirbt oder die geliebte Oma, wird es auch für Kinder zum Thema. Wie also können Kinderbücher helfen, auf diesem Thema vorzubereiten? „Ente, Tod und Tulpe“ machte es auf sehr ernste Art. Der Kinderbuchautor Bárður Oskarsson wählt einen anderen Ansatz und arbeitet in seinem Kinderbuch „Das platte Kaninchen“ (OT: „Flata kaninin“, 2013) vor allem mit Humor. 


    Hund und Ratte finden ein plattgefahrenes Kaninchen auf der Straße. Sie sind sich sogar sicher, dass es das Kaninchen aus Haus Nummer 34 ist. Was sollen sie jetzt tun? Da liegen lassen kann man es auf keinen Fall. Also überlegen sie sich einen Plan.


    Der färingische Autor und Illustrator Bárður Oskarsson (*1972) nähert sich mit seinem Buch „Das platte Kaninchen“ dem ernsten Thema an, mit dem sich jedes Kind irgendwann beschäftigen muss. Wie geht man also ein Geschichte über den Tod an? Der Autor entscheidet sich dafür in die Tierwelt einzutauchen, die in einer menschlichen Umgebung agiert. Seine Charaktere sind Ratte und Hund und eben das platte Kaninchen, übertragen auf Tiere, wo das Thema Tod greifbarer ist, vor allem wenn es um so etwas wie überfahrene Geschöpfe auf der Straße angeht. Gleichzeitig packt er das Thema mit Humor an und schafft es trotzdem das Wichtigste überhaupt zu vermitteln: den richtigen, respektablen Umgang mit den Toten. Die Kinder sollen angeregt werden über das Thema nachzudenken und auch mit Mama und Papa darüber zu reden, doch das funktioniert erst mit Kinder ab circa fünf Jahren richtig gut. Im Bestfall kann das Buch zu einem guten Diskurs anregen. Die Wucht des Themas wird neben dem Humor auch durch die Illustrationen abgemildert. Die in Pastellfarben getauchten Bilder besitzen etwas Störrisches, sogar etwas nicht Kindgerechtes. Doch trotzdem funktionieren sie gut, mit ihren Tiercharakteren und dem amüsanten Look. Im Gesamten ist „Das platte Kaninchen“ ein besonderes Kinderbuch, das nicht als reine Unterhaltung gedacht ist, sondern mit Absicht etwas störrisch ist und zu Diskussionen anregen will. 


    Fazit: Bárður Oskarssons „Das platte Kaninchen“ ist ein außergewöhnliches Kinderbuch. Zum einen besitzt es eine störrische Optik mit etwas zu viel Pastell und zum anderen wählt es als sein Thema den Tod. Doch die Geschichte von Ratte, Hund und Kaninchen funktioniert gut, ist berührend und eignet sich wunderbar dafür mit seinen Kindern ins Gespräch zukommen.    


    Doreen Matthei - testkammer.com

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    Cover des Buches Ab ins Bett, Nils9783314015908

    Bewertung zu "Ab ins Bett, Nils" von Marcus Pfister

    Ab ins Bett, Nils
    neenchenvor 6 Monaten
    Entzückende Geschichte über die alltäglichen Abläufe zwischen Eltern und Kindern

    Welche Mutter oder welcher Vater kennt das nicht – die Kleinen ins Bett zu kriegen ist stets ein kleiner Kampf. Der bekannte Kinderbuchautor Marcus Pfister setzt sich in seinem Vorlesebuch „Ab ins Bett, Nils“ (2008) mit dieser Problematik leichtfüßig und ansprechend auseinander.

    Der Nilpferd-Papa ruft zur Schlafenszeit. Doch der kleine Nils, möchte lieber noch spielen. So versucht er alles um das Ins-Bett-Gehen hinauszuzögern und so wird zwischen Zähneputzen und Gutenachtlied noch schnell Fangen gespielt. Am Ende des Abends ist nicht nur der kleine Nils im Bett, sondern der Papa ist ebenfalls ko.

    Der routinierte Kinderbuchautor und Illustrator Marcus Pfister (*1960), der vor allem durch das Kinderbuch „Der Regenbogenfisch“ (1992) bekannt wurde und insgesamt schon über 50 Bücher verfasst hat (u.a. „Mats und die Wundersteine“ (1997)), schuf mit „Ab ins Bett, Nils“ eine Alltagsgeschichte ausschließlich mit Nilpferden. Das Vorlesebuch, was sich für Zuhörer ab drei Jahren eignet, schildert mit viel Humor das Zubettgeh-Prozedere, das wohl jede Mama und jeder Papa kennt. Auch der Schluss ist aus dem Leben gegriffen und trifft ins Schwarze. Ebenso wird sich jedes Kind in dem kleinen Hippo wieder erkennen. Hinzu kommen die ansprechenden Illustrationen. In einer Umgebung, die von einem immer gleichen Blumenmuster in vielen verschiedenen Variationen lebt, sind Papa und Kind Nilpferd wunderbar eingefangen. Gerade der kleine Nils ist putzig und man schließt ihn sofort ins Herz. Der Zeichner Pfister findet die richtige Balance zwischen kindlichen Charme und dem tierischen Original. Zusammen mit der entzückenden Geschichte ist „Ab ins Bett, Nils“ ein gelungenes Kinderbuch, das zwar keine tiefgreifenden moralischen Botschaften enthält, aber eine gelungene, liebenswerte Alltagsgeschichte erzählt. 2009 wurde sogar ein Spiel, für Kinder ab 3 Jahren, nach dem Buch geschaffen.      

    Fazit: Marcus Pfister schuf mit „Ab ins Bett, Nils“ eine entzückende Geschichte über die alltäglichen Abläufe zwischen Eltern und Kindern. Verkörpert werden sie von zwei liebenswerten Nilpferden, die man mit ihrem putzigen Aussehen sofort ins Herz schließt. Die schönen Illustrationen begleiten Leser und Zuhörer durch das Kinderbuch und bringen diese oft zum Schmunzeln. Ein entzückendes Buch, das nicht viel braucht, um zum Vorleseliebling zu avancieren.   

    Doreen Matthei - testkammer.com

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    Cover des Buches Du schon wieder!9783848901692

    Bewertung zu "Du schon wieder!" von Jory John

    Du schon wieder!
    neenchenvor 6 Monaten
    Wunderbare humorvolle Parabel auf das Eltern-Kind-Zusammenleben

    Der amerikanische Kinderbuchautor Jory John lieferte mit seiner ersten Geschichte von der Ente und dem Bären eine wunderbare Parabel auf das Eltern-Kind-Zusammenleben ab, aber mit der richtigen Portion Humor und wundervollen Illustrationen von Benji Davies.

    Der Bär freut sich so sehr auf sein Bett. Als er sich bereits hingelegt hat, kommt auf einmal seine Nachbarin, die Ente, vorbei. Ihr ist langweilig und sie möchte unbedingt noch was spielen, backen oder unternehmen. Doch Bär will einfach nur schlafen.

    Der amerikanische Autor Jory John erzählt in „Du schon wieder“ (OT: „Goodnight Already!“, 2014), dem ersten Teil seiner Bären-Ente-Reihe von dem alltäglichen Prozess des  Schlafen ehens. Die wache Ente, die unbedingt noch was machen will, ist hier die Verkörperung der Kinder, die man einfach nicht ins Bett bekommt. Mit viel Humor und amüsant erzählt er seine Geschichte (erinnert an Marcus Pfisters „Ab ins Bett, Nils“ (2008)) bis zur logischen Konsequenz und kann damit nicht nur die Kinder sondern auch die Vorleser zum Schmunzeln bringen. Das liegt auch an den wunderbaren Illustrationen von Benji Davies, der mit vielen starken Farben, einem Blick für Details und einer wunderbaren Ausgestaltung der Hauptcharaktere überzeugt. Im Gesamten ist „Du schon wieder!“ ein großer Spaß, der mit seinen wunderbaren Illustrationen und der aus dem Alltag gegriffenen Geschichte viel Freude bereitet. 

    Fazit: Das amerikanische Kinderbuch „Du schon wieder“, übersetzt von Ebi Naumann, aus der Hand von Jory John ist ein gelungenes Vorlesebuch, was nicht nur den jungen Zuhörern gefällt. Wunderbar bebildert von Benji Davies ist es ein farbenfrohes Kinderbuch, das auch beim wiederholten Vorlesen viel Freude bereitet.

    Doreen Matthei - testkammer.com

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    Cover des Buches Hase hat Hunger9783836960113

    Bewertung zu "Hase hat Hunger" von Claudia Rueda

    Hase hat Hunger
    neenchenvor 6 Monaten
    „Hase hat Hunger“ von Claudia Rueda (2019)

    Was gibt es besseres als ein schönes Vorlesebuch am Abend? Jedes Kind würde die Frage wie folgt beantworten: Ein Buch, bei dem man selbst mitmachen kann. Solche Bücher werden schnell zum Favoriten der Kinder und gewinnen die Herzen der großen und kleinen Leser. „Hase hat Hunger“ (OT: „Hungry Bunny“) von Claudia Rueda ist so ein Buch und Kinder ab drei Jahren werden es lieben.

    Der Hase hat Hunger. Doch an die leckeren roten Äpfel am Baum kommt er nicht heran. Vielleicht können wir ihm dabei helfen?

    Die kolumbianische Autorin und Illustratorin Claudia Rueda (*1965), deren Bücher bereits mehrere Preise gewinnen konnten, hat schon über 30 Kinderbücher geschrieben und begeistert mit diesem Buch die kleinen und großen Leser mit der Geschichte über einen hungrigen Hasen. In einfachen, aber ansprechenden Illustrationen stellt sie ihren Helden vor. Seine Umgebung ist nur mit wenigen Strichen festgehalten, bietet aber genug zu entdecken um die jungen Zuschauer in die Geschichte zu ziehen. Die Geschichte selbst handelt vom Alltag des Hasens, doch dadurch, dass der Hase auf die Hilfe der Leser angewiesen ist und diese auch direkt anspricht, wird die Apfel-Beschaffung zu einem gemeinsamen Abenteuer. Dazu muss das Buch geschüttelt, gedreht und mit dem Lesezeichen Brücken gelegt werden. Das bereitet viel Vergnügen und macht es garantiert zu einem Favoriten im Bücherschrank, denn Mitmachen ist immer besser als nur Zuschauen. Die einfach gehaltenen Zeichnungen, der charmante Look, die Geschichte an sich und das Mitmach-Erlebnis machen „Hase hat Hunger“ zu einem wunderbaren Kinderbuch, so dass man sich auch als Eltern darüber freut, dass es noch einen zweiten Band mit dem Hasen gibt: „Hase fährt Ski“ (OT: „Bunny slopes“, 2016). 

    Fazit: Das Vorlesebuch „Hase hat Hunger“ der kolumbianischen Kinderbuchautorin Claudia Rueda erzählt eine einfache, aber charmante Geschichte. Der Held ihrer Geschichte richtet sich dabei an die Kinder, welche das Buch vorgelesen bekommen, und fordert sie zum Mitmachen auf. Das bereitet allen viel Freude und lädt zum wiederholten Mal Lesen ein.

    Doreen Matthei - testkammer.com

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    Cover des Buches Das Buch ohne Bilder9783764505561

    Bewertung zu "Das Buch ohne Bilder" von B.J. Novak

    Das Buch ohne Bilder
    neenchenvor 8 Monaten
    „Das Buch ohne Bilder“ von B. J. Novak (2016)

    Welches Kind liebt Vorlesebücher nicht? Gerade aufgrund der vielen, meist fantastischen Bildern, welche die Geschichten immer vervollständigen? Jetzt kommt der Schauspieler und Autor B. J. Novak mit einem ganz andere Kinderbuch um die Ecke. „Das Buch ohne Bilder“ (OT: „The Book with no Pictures“, 2014) erzählt eine Geschichte ganz ohne Bilder, aber dafür mit einer Menge Spaß für die kleinen Zuhörer.

    Ein Vorlesebuch ohne wirklich erkennbaren roten Faden, der die Erwachsenen einfach dazu verleitet seltsame Geräusche zu machen, witzige Ding zu sagen oder ein absurdes Lied zu singen und so ihren jungen Zuhörer eine große Freude zu machen.

    Wer das 52-seitige Buch vorliest, kommt aufgrund der Schriftgröße und ähnlichem nicht umhin, es in einer besonderen Weise vorzulesen. Hinzu kommen absurde oder entlarvende Texte und Wörter wie BLORK oder BLuuRF. Der Vorleser wird selbst überrascht, was er da liest und genau das macht den Charme aus. Kinder werden es lieben, wenn sie es vorgelesen bekommen und ihre Eltern sich dabei zum Obst machen. Ausgedacht hat sich das B. J. Novak (*1979), den man u.a. als Darsteller bei „Inglourious Basterds“ (2009) von Quentin Tarantino gesehen hat. Mit dem „Buch ohne Bilder“ gibt er sein Debüt als Kinderbuchautor und trifft genau ins Schwarze. Auch die Gestaltung, trotz fehlender Bilder, ist sehr ansprechend. Das Buch hat nichts wirklich Didaktisches an sich, aber es bereitet den jungen Zuhörern einen Hochgenuss. Der alberne Text wird vermutlich zum Favoriten im Leseschrank mutieren, wie das dann die Eltern finden, ist eine andere Frage. Aber wenn es einmal zu viel wird, legt man die beiliegende CD ein, auf der ein anderer das Vorlesen übernimmt. 

    Fazit: Ein Kinderbuch ohne Bilder: Das kann man sich als Erwachsener noch besser vorstellen als die jungen Zuhörer. Doch mit seinen albernen Text, der Eltern viel Dummes erzählen lässt, bringt „Das Buch ohne Bilder“ von B. J. Novak Kinderaugen zum Leuchten und macht allen Beteiligten so viel Freude, dass man es mit Sicherheit noch häufig aus dem Schrank zum Vorlesen holen darf.

    Doreen Matthei - testkammer.com

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    Cover des Buches Mond9783845818917

    Bewertung zu "Mond" von Britta Teckentrup

    Mond
    neenchenvor 8 Monaten
    „Mond: Eine Reise durch die Nacht“ von Britta Teckentrup (2017)

    Die fleißige Kinderbuchautorin Britta Teckentrup, die oft auch die Illustrationen mitgestaltet, schuf mit ihrem Kinderbuch „Mond: Eine Reise durch die Nacht“ ein informatives und träumerisches Vorlesebuch zugleich.

     Der Mond zieht seine Bahnen und geht dabei über den verschiedensten Landschaften auf und wieder unter. Die Leser begleiten ihn auf seinen Weg um die ganze Erde.

    In „Mond: Eine Reise durch die Nacht“ wählt die Autorin Teckentrup (*1969) einen Mittelweg zwischen Kinder- und Sachbuch. Dabei stellt sie die Mondphasen korrekt dar. Doch statt sie wissenschaftlich zu erläutern, entscheidet sich die Autorin und Illustratorin für gereimte Zeilen, die eine nächtliche Stimmung einfangen sollen. Doch die Stärke liegt hier nicht in dem geschriebenen Worten, die vermutlich auch den Kindern nach der Vorlesestunde nicht im Gedächtnis bleiben werden, sondern in den Illustrationen. Auf den 12 Doppelseiten fängt sie das nächtliche Treiben in verschiedenen Landschaften ein. Dabei sind diese mit vielen Tieren bevölkert und laden zum Entdecken und Kennenlernen ein. So verschlägt es die Leser in den Wald, in den Dschungel, ans Meer und in die Antarktis. Wir treffen Vögel, Füchse, Bären, Schildkröten, Pinguine und auch exotische Tiere wie Schlangen und Skorpione. Mit jeder Doppelseite kann das Buch entzücken. Auch ein haptisches Element wurde eingebaut und wird vor allem jüngere Leser erfreuen. Der Mond ist auf jeder Seite ausgestanzt und bietet so immer ein fühlbares Erlebnis. Zusammengenommen überzeugt „Mond: Eine Reise durch die Nacht“ zwar nicht unbedingt mit seiner Geschichte und Texten, aber mit den wunderbaren, träumerischen Zeichnungen, die voller Leben stecken.  

    Fazit: Das Kinderbuch „Mond: Eine Reise durch die Nacht“ von Britta Teckentrup ist ein Vorlesebuch, das sich für Zuhörer ab vier Jahren eignet. Diese haben, während die Eltern die gereimten Texte vorlesen, viel auf den Doppelseiten zu entdecken. Diese zeigen die Nacht an vielen Orten und deren Geschöpfe. Das sieht nicht nur wunderbar aus und ist verträumt, sondern bereitet viel Freude beim Entdecken.

    Doreen Matthei - testkammer.com

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    Cover des Buches Kramer gegen Kramer9783498008499

    Bewertung zu "Kramer gegen Kramer" von Avery Corman

    Kramer gegen Kramer
    neenchenvor 10 Monaten
    Leicht lesbarer auch heute noch wertvoller Roman

    Vor über 40 Jahren kam der kluge Roman „Kramer gegen Kramer“ des Schriftstellers Avery Corman auf den Markt. In den Jahren des gesellschaftlichen Aufbruchs gab er Männern und Frauen eine Stimme, die in alten Beziehungsmuster gefangen waren und darin nicht ihr Glück finden konnten.

    Als Ted und Johanna ihren Erstgeborenen Billy bekamen, war die Rollenverteilung klar. Ted arbeitete weiter und sorgte dafür, dass genug Essen auf dem Tisch stand und Johanna blieb natürlich bei Billy zu Hause. Mit den Jahren möchte Johanna wieder anfangen zu arbeiten, doch Ted verbietet es ihr. Eines Tages kommt er nach Hause und Johanna ist gegangen und hat Billy dagelassen. Freunde und Familie wissen ebenfalls nichts. Doch statt sich weiter um den Verbleib von Johanna zu sorgen, muss Ted jetzt einen Weg finden als alleinerziehender Vater in New York seinen Sohn versorgen. 

    Der 1935 in New York geborene Schriftsteller Avery Corman verfasste nicht nur fleissig Theaterstücke, Drehbücher und Zeitungsartikel, sondern 1977 auch seinen Debütroman „Kramer gegen Kramer“. Dieser mauserte sich schnell zum Bestseller und wurde deshalb zwei Jahre später mit Dustin Hoffman und Meryl Streep in den Hauptrollen unter der Regie von Robert Benton verfilmt. Warum dieses Buch damals und auch noch heute so gut funktioniert, ist der messerscharfe Blick auf etablierte Familienstrukturen. Auf den ersten Blick wirken Ted und Johanna wie ein modernes Paar, aber sobald sie ein Kind erwarten, fallen sie in die klassische Rollenverteilung zurück. Doch Johanna ist keine Frau, die nur Mutter sein will. Aus ihrer Perspektive erfährt man die Sicht einer unglücklichen Frau, die gefangen zu sein scheint. Das müsste zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches ein Novum gewesen sein. Der Autor schafft es, dass man sich schnell auf Johannas Seite schlägt und die Ungerechtigkeit spürt, die sie empfindet, so dass jeder Leser den radikalen Schritt ihrerseits unterstützt. Danach gelingt ihm ein Kniff, der mit dem Verschwinden der Mutter einsetzt, womit sich Ted als Alleinerziehender behaupten muss. Nach wenigen Kapiteln ist der Leser überzeugt, dass alles so seine Richtigkeit hat und Johannas erneutes Auftauchen wie ein Eindringen wahrgenommen wird. Hier findet ein starker Sympathieübergang statt. Neben den beiden Perspektiven, die hier dargelegt werden, spricht der Roman noch andere wichtige, gesellschaftliche Themen an, wie Arbeitslosigkeit, ein fehlendes soziales Auffangsystem und die Wahrnehmung von alleinerziehenden Personen in der Gesellschaft. All das schreibt Avery Corman in seinem schmalen Büchlein mit klarer, äußerst sachlicher Sprache und kommt ohne Umschweife zum Punkt. In diesen Schreibstil, der abgeklärter als seine Geschichte wirkt, muss sich der Leser zwar erst hineinversetzen, aber das funktioniert nach kurzer Zeit recht gut. Doch nicht die sprachliche Ausgestaltung macht dieses Buch so eindringlich, sondern, dass es sich traut Themen anzusprechen, die ansonsten im Privaten verborgen bleiben. 

    Fazit: Der mittlerweile über 40 Jahre alte Roman „Kramer gegen Kramer“ erzählt nicht nur von einem vergangenen New York und wirft wichtige Fragen auf, um zum Umdenken zu animieren. Sondern er funktioniert auch in heutiger Zeit noch, vor allem als kluge Familienstudie. Der Autor Avery Corman erzählt hier in seinem Debütroman von den Schwierigkeiten einer Familie und schaut hinter die Fassade der klassischen Rollenverteilung. Er schafft es, die Sympathien richtig zu verteilen, so dass der Leser selbst zwischen den Stühlen steht. Das macht Cormans „Kramer gegen Kramer“ auch heute noch zu einem wertvollen Roman, der auch leicht lesbar ist.   

    Doreen Matthei - testkammer.com

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    Cover des Buches Die Insel der besonderen Kinder9783426510575

    Bewertung zu "Die Insel der besonderen Kinder" von Ransom Riggs

    Die Insel der besonderen Kinder
    neenchenvor einem Jahr
    Packende Fantasy-Geschichte mit Geschichte

    Der Spielfilm „Die Insel der besonderen Kinder“, in der Hauptrolle mit Eva Green und Asa Butterfield, aus der Hand von Tim Burton basiert auf dem Debütroman von Ransom Riggs. Im Jahr 2013 brachte er mit „Die Insel der besonderen Kinder“ (OT: „Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“) einen Jugend-Fantasy-Roman heraus, welcher es schaffte, sich ganz wie nebenbei mit der historischen Vergangenheit zu beschäftigen, während er eine packende Fantasy-Geschichte erzählt.

    Jacob Portman und sein Großvater Abraham waren ein Herz und eine Seele. Jacob liebte die abenteuerlichen Geschichten aus der Kindheit des Opas, in denen er von besonderen Kindern, einer Insel und bösen Monstern sprach. Mittlerweile ist Jacob älter geworden und die beiden haben sich entfremdet, doch als sein Opa auf seltsame Weise stirbt, fallen ihm die Geschichten wieder ein. Nachdem er ein paar weitere Hinweise erhält, macht er sich auf die Suche nach der Insel und scheint dem Rätsel des besonderen Waisenhauses immer mehr auf die Spur zu kommen.

    Der amerikanische Tausendsassa Ransom Riggs (*1979), der u.a. in der Filmproduktion und als Fotograf tätig ist, lieferte 2013 mit dem 416-seitigen Roman „Die Insel des besonderen Kindern“ den Auftakt einer vierbändigen Reihe. Dementsprechend, mit einer Fortsetzung im Sinn, lässt er sich Zeit, seine Geschichte aufzubauen. Dabei lernen wir Jacob besser kennen, begleiten ihn bei seinen Recherchen und ersten Erkundungstouren über die Insel. Dies gibt dem Plot die Möglichkeit mehr Spannung aufzubauen und den Leser tiefer in die Fantasy-Welt versinken zu lassen. Das Tempo wird erwartungsgemäß im letzten Drittel des Buches angezogen und viele Fragen lösen sich immer weiter auf. Auch wird den Lesern im Verlauf der Geschichte der Zusammenhang zwischen Weltkrieg und der Fantasy-Geschichte klar. Riggs findet eine deutliche Sprache für die Greueltaten, welche zwar in der Vergangenheit liegen, aber niemals vergessen werden sollten und auch heute noch die nachfolgenden Generationen belasten. Wunderbar ist es, wie Riggs die Parallelen zwischen der damals realen Bedrohung und dem Monster der Fantasy-Geschichte zieht. Diese heißen auch nicht von ungefähr Hollows (Kurzform für Hollowgasts), was an das Wort Holocaust erinnert. Das Verfolgt-Werden und das Flucht-Motiv fängt der Autor ebenfalls stimmig ein. Neben diesen actionreichen Elementen, lässt sich er sich vor allem Zeit für seine besonderen Charaktere und ihr einmaliges Zuhause. Für sein Buch hat er 41 antiquierte Fotografien zusammengestellt, die an Freakshows und Horrorfilme erinnern. All diese echten Fotografien dienten ihm als Ideenlieferant und regen auch die Fantasie der Leser an. Trotz einer gewissen Faszination dieser Bilder, hätte das Buch auch ohne sie funktioniert. Die leicht lesbare, aber den Leser niemals für dumm verkaufende Ausdrucksweise sowie die konsequente Erzählperspektive aus Jakobs Sicht sind ansprechend. Für junge Leser ist Jakob, ein durchschnittlicher Junge, die perfekte Identifikationsfigur. Mit ihm zusammen gelangt man in eine fantastische Welt, welche mit vielen Details und Parallelen zur Realität wunderbar faszinieren kann. Ob es einen filmischen Nachfolger geben wird, ist ungewiss, aber glücklicherweise kann man sich die weiteren Bücher der Romanreihe zu Gemüte führen.

    Fazit: Ransom Riggs Debütroman „Die Insel der besonderen Kinder“ ist ein Fantasy-Buch, was zwar für jugendliche Leser konzipiert wurde, aber mit seiner gelungenen Geschichte, angesiedelt zwischen Realität und Fantasie, auch ältere Leser ansprechen kann. Darüber hinaus bietet es nicht nur Unterhaltung, sondern kann die Leser für die Vergangenheit sensibilisieren. Verfasst in einer leicht lesbaren Sprache, mit einem langsamen Spannungsanstieg und gut ausgearbeiteten Charakteren überzeugt das Buch auf ganzer Länge, so dass man gespannt auf die Nachfolger sein kann.

    Doreen Matthei - testkammer.com

    Diese Rezension erschien zuerst auf https://testkammer.com/2019/05/14/die-insel-der-besonderen-kinder-von-ransom-riggs-2013/

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    Cover des Buches In meiner Erinnerung war mehr Streichorchester9783864060915

    Bewertung zu "In meiner Erinnerung war mehr Streichorchester" von Julia Hoße

    In meiner Erinnerung war mehr Streichorchester
    neenchenvor einem Jahr
    Gelungenes Debüt verbindet eigene Erinnerungen durch einen wunderbaren Stil

    Die Graphic-Novel „In meiner Erinnerung war mehr Streichorchester“ ist das gelungene Debüt der deutschen Comiczeichnerin Julia Hoße. Sie bindet die  in einen erzählerischen Kosmos ein.

    In ihrer Graphic-Novel erzählt sie fragmentarisch von den Erinnerungen der Frauen ihrer Familie. Sie selbst erinnert sich dabei an einen Tag mit ihrer Schwester im Dinopark, deren Einschulung und gibt die Geschichten ihrer Mutter und ihrer Oma wieder. Dabei reflektiert sie für ihre Mutter einen Tag am Strand, als diese ein Kind war und berichtet von der Flucht der Großmutter im Zweiten Weltkrieg.

    Die gelernte Illustratorin Julia Hoße (*1989) bringt mit ihrer ersten Graphic Novel mit dem sehr langen aber wunderbaren Titel „In meiner Erinnerung war mehr Streichorchester“ ihren Erstling im Selbstverlag heraus. Dieser besticht mit einer fragmentarischen Erzählung, welche sich nicht nur selbstreflexiv mit der eigenen Geschichte beschäftigt, sondern auch allgemein gültig mit dem Erinnern beschäftigt. Dabei kann sich der Leser in den fremden Erinnerungen wiederfinden und geht der Wichtigkeit des Erinnerns auf die Spur. Wie prägen uns vergangene Erlebnisse und wie verändert sich der Blick über die Jahre darauf? Diese Fragen wirft Hoße auf. Sie gibt darauf nicht unbedingt Antworten, schafft es aber mit ihrem Panoptikum an Erinnerungen und Erzählungen, vor allem auch wegen der fragmentarischen Struktur, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, der die Schwermut des Erinnerns gut einfängt. Dazu tragen auch die Zeichnungen sehr viel bei. Die einzelnen Kapitel sind unterschiedlich gestaltet und das gesamte Buch überrascht immer wieder mit ganzseitigen Bildern oder schnellen Abfolgen. So folgen auch die Zeichnungen des 176-seitigen Werkes dem Rhythmus und Tempo von Erinnerungen. In diesem Debütwerk von Julia Hoße gehen Geschichte und Zeichnungen Hand in Hand und heben das Buch ab von standardisierter Comic-Kost.

    Fazit: Die Graphic-Novel „In meiner Erinnerung war mehr Streichorchester“ ist das Debüt der deutschen Zeichnerin Julia Hoße. Sie verarbeitet dabei eigene Erinnerungen und die ihrer Familie und schuf so ein stimmungsvolles Buch über das Erinnern selbst. Das weiß sie perfekt in Szene zu setzen, durch die Wahl der zeichnerischen Mittel sowie den Wechsel von Stil, Rhythmus und Tempo in den einzeln Kapiteln. Dieses Buch zu entdecken bereitet süßliche Schwermut und besitzt alles, was eine gute Graphic-Novel braucht.  

    Doreen Matthei - testkammer.com

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    Cover des Buches Wunder9783423086547

    Bewertung zu "Wunder" von R.J. Palacio

    Wunder
    neenchenvor einem Jahr
    Herzensgute Geschichte voller außergewöhnlicher Charaktere

    Der 2017 erschienene Film „Wunder“ von Stephen Chbosky basiert auf dem Roman „Wunder“ (OT: „Wonder“, 2013) der Autorin Raquel J. Palacio, welche sich damit über 28 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times halten konnte und eine Geschichte mit viel Gefühl und Lebensfreude erzählt.

    August ‚Augie‘ Pullman hat das seltene Treacher-Collins-Syndrom, durch das er schon mit jungen Jahren 27 Operationen benötigte und trotzdem merklich anders aussieht als gleichaltrige Kinder. Trotzdem entschließt sich der 10-jährige in diesem Jahr zum ersten Mal in die 5. Klasse einer Schule zu gehen. Dort scheint er mit Jack und Summer auch schnell Freunde gefunden zu haben, aber leider ist er auch oft dem Spott der Anderen ausgesetzt. Doch mit dem starken Rückhalt seiner Eltern und seiner Schwester Via schafft er es bestimmt, dieses turbulente erste Schuljahr zu meistern.

    Der amerikanische Schriftstellerin und Verlegerin Raquel Jaramillo (*1963) veröffentlichte unter ihrem Pseudonym Raquel J. Palacio 2013 den Roman „Wunder“. Nachdem sie zusammen mit ihren Kindern einem Mädchen mit dem Treacher-Collins-Syndrom begegnet ist, spürte sie die Hilflosigkeit, wie man auf so etwas angemessen reagiert. Darauf beschäftigte sich mit der seltenen Erbkrankheit und schrieb den Roman dazu. Dieser gibt den Menschen, welche mit diesem Syndrom leben, nicht nur ein Gesicht und eine Stimme, sondern ist gleichzeitig noch ein warmherzige Coming-of-Age und Familiengeschichte. Durch den eingebauten Perspektivwechsel – insgesamt wechselt der Erzähler acht Mal, fängt die Autorin viele Sichtweisen ein und umgeht eine einseitige Darstellung. Dabei weiß jedes Kapitel mit Gefühl und auch Humor zu überzeugen, so dass eine enorme Sogwirkung entsteht. Die Kernbotschaft des Buches ist einfach und wunderbar: Seid freundlich zueinander. Faszinierenderweise wirkt das überhaupt nicht plakativ oder aufgesetzt, sondern bestechend logisch und zeigt, wie dadurch eine bessere Welt entstehen könnte. Zusätzlich liefert Palacio auch einen kleinen Guide, wie man in bestimmten Situationen reagieren kann und bringt einer breit gefächerten Leserschaft eine seltene Erkrankung näher. All das verfasst sie in einen angenehmen, leicht zu lesenden Schreibstil, welcher sich für Jugendliche wie Erwachsene gleichermaßen eignet. Im Gesamten ist „Wunder“, der sich zu Recht von Dezember 2012 bis August 2013 auf der wöchentlichen Bestsellerliste der New York Times hielt, ein Wohlfühl-Buch im besten Wortsinne, bei dem aufgrund vieler Emotionen kein Augen trocken bleibt, aber man auch ständig schmunzeln kann.

    Fazit: Der Roman „Wunder“ von Raquel J. Palacio ist eine herzensgute Geschichte voller außergewöhnlicher Charaktere, welche die Botschaft des Buches mühelos vermitteln und zeigen wie eine Welt aussehen könnte, man wann offener und freundlicher miteinander umgehen würde. Ein Buch voller Gefühl, aber trotzdem leichtfüßig und amüsant – so wünscht man sich Wohlfühlliteratur.

    Doreen Matthei - testkammer.com

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