ninchenpinchen

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    Cover des Buches Verschollen in Palma (ISBN: 9783608504606)

    Bewertung zu "Verschollen in Palma" von Mons Kallentoft

    Verschollen in Palma
    ninchenpinchenvor 2 Tagen
    Kurzmeinung: Schattenstaat auf Spanisch: Dieser Story kann man sich wirklich unmöglich entziehen, diese Qualität hatte ich bei Weitem nicht erwartet.
    Sommer, Sonne und Verbrechen in Magaluf

    Sommer, Sonne und Verbrechen in Magaluf 

    Irgendwie hatte ich bei diesem Klappentext zunächst immer an die verschwundene Maddie gedacht, obwohl Maddie in Portugal verschwunden ist und nicht auf Mallorca. Und Emme, die verschollene Protagonistin, war ja auch schon sechzehn Jahre alt zum Zeitpunkt ihres Verschwindens.

    Beim Schreibstil des Romans fühlte ich mich an Don Winslow erinnert: kurz und knapp, meistens im Präsenz und nur das Nötigste, das aber ungebremst. Auf die Gefühle des Lesers wird keine Rücksicht genommen und möglicherweise macht gerade das den Reiz aus. Die Perspektiven wechseln zwischen „ICH“ und der dritten Person Singular. Perfekt gemacht!

    Die dunklen Wolken auf dem Cover verkünden schon das Unheil, das hier passieren wird. Obwohl sich Palmas Kathedrale so schön und unschuldig im Meer spiegelt, als wäre alles in der allerbesten Ordnung.

     Mons Kallentoft, der Schwede, der auf Mallorca weilt, der diese atemberaubende, vielschichtige Insel auf sich wirken ließ und immer noch lässt und dabei einen Krimi schrieb: Das klingt wahrlich verführerisch und ich wurde nicht enttäuscht.

    Alles wirkt so unglaublich realistisch. Denn auch auf Mallorca, auf dieser Insel, wo auch wir mal anderthalb Jahre gelebt haben, leistet offensichtlich der Deep State ganze Arbeit, hat alles im Griff, und das halte ich nicht für die reinste Fantasie des Autors. Alle – fast alle Protagonisten – in diesem Roman – sind korrupt. Alle Vorkommnisse hängen miteinander zusammen, sind verflochten, wie vorm Tourismusboom die Fischernetze.

    Die unablässige Suche nach Emme, der so heiß geliebten, verschwundenen Tochter, zieht sich durch den Roman wie ein roter Faden. Tim Blanck, ihr Vater, hat sein ganzes Leben zugunsten der Suche umgekrempelt, lebt jetzt als Detektiv auf Mallorca, seine Ehe ging in die Brüche, wie die meisten Ehen in die Brüche gehen, wenn ein Kind verschwindet.

    Seite 328: „Sie (die von Tim beobachtete Frau des Millionärs) starrte ins Nichts. Er (Tim) starrte sie an. Er schaute sie viel zu lange an, das ist ihm jetzt klar. Ein Blick darf nicht zu lange auf gewissen Dingen verweilen, sonst weiß er zum Schluss nicht mehr, was er sieht.“

    Seite 348: „Ich finde, das war richtig, dass Sie sie haben fahren lassen. (Dieses Zitat bezieht sich auf die elterliche Erlaubnis für Emme, mit ihren Freundinnen allein nach Mallorca fliegen zu dürfen.) Die Welt soll man kennenlernen, wenn man jung ist. So ist es nun einmal. Auch wenn es nicht alle schaffen.“

    Seite 351: „Es scheint, als werde alles, was passiert ist, was passiert, in ein schwarzes Loch gesogen, in dem die Zeit gesammelt wird und alles gleichzeitig geschehen kann und dann vielleicht deutlich wird.“ (Tim beim Recherchieren im Zeitungsarchiv des Diario de Mallorca – gibt es wirklich!)

    Seite 362: „Der ewige Schatten. Das hier ist die beste aller Welten und gleichzeitig die schlechteste, und ich weiß selbst, zu welcher der beiden ich gehöre.“ (Tim denkt nach, was er bis jetzt erreicht hat.)

    Seite 378: „[…] man kann nie wissen, ob das stimmt, was man hört oder sieht oder warum jemand das tut, was er tut.“ (Tim stellt Fragen über Fragen und zweifelt, ob er dem Befragten vertrauen kann.

    Fazit – Schattenstaat auf Spanisch: Dieser Story kann man sich wirklich unmöglich entziehen, diese Qualität hatte ich bei Weitem nicht erwartet. Ein dickes fünffaches Wow!

     

     

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    Cover des Buches Das Haus der Frauen (ISBN: 9783103900033)

    Bewertung zu "Das Haus der Frauen" von Laetitia Colombani

    Das Haus der Frauen
    ninchenpinchenvor einem Monat
    Kurzmeinung: Leider nur ein Blender – wenn auch mit sooo wunderschönem Cover
    Leider nur ein Blender – wenn auch mit sooo wunderschönem Cover

    Schade! Was hab ich mich auf dieses Buch gefreut! Und was war ich glücklich, als ich dieses wunderschöne Buch dann in Händen hielt! Hatte mir doch „Der Zopf“ so gut gefallen, dass ich dafür leidenschaftliche 5 Sterne vergab.

    Aber jetzt? Es gibt nicht viele Bücher, die ich nicht zu Ende lese, aber dies war eins davon. Was da passiert ist? Ich weiß es nicht. Vielleicht hat der Verlag die Autorin so unter Druck gesetzt, damit schnell ein Nachfolger vom Zopf kam, um die Erfolgswelle beizubehalten. Aber das war dann mal ein großer Satz mit X!

    Bis Seite 175 habe ich mich durchgequält und dann aufgegeben. Für den Rest war mir meine Lebenszeit dann doch zu schade.

    Die historischen Kapitel von der „mutigen“ Frau, Blanche Peyron, die vor rund hundert Jahren, also 1926, diesen „Schutzort“ schuf, die fand ich unerträglich. Öde und unrealistisch. Also, Blanche, ständig krank, bekommt aber Kinder am laufenden Band und rennt mit Fieber in ihrer Heilsarmeeuniform auf der Straße rum und vollbringt ein Wunder nach dem anderen. Das schafft kaum ein gesunder Mensch ohne Kinder und zu der Zeit schon gar nicht!

    Und die Anwältin Solène der Jetzt-Zeit? Diese Kapitel fand ich nicht ganz so unerträglich wie die historischen Kapitel, hatte mir aber dennoch wesentlich mehr davon versprochen.

    Fazit: Mehr möchte ich auch dazu gar nicht schreiben, denn das Buch ist bei mir komplett durchgefallen. Den zweiten Stern bekommen das wunderbar gestaltete Cover und die edle Aufmachung mit Lesebändchen.

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    Cover des Buches Die Perlenfarm (ISBN: 9783471360156)

    Bewertung zu "Die Perlenfarm" von Liza Marklund

    Die Perlenfarm
    ninchenpinchenvor einem Monat
    Kurzmeinung: Die Perlenfarm erinnert latent an „Der englische Patient“, hat aber enorm viel zu bieten.
    Kommt als Wolf im Schafspelz daher: „Die Perlenfarm“

    Obwohl ich dieses Buch ursprünglich – mehr oder weniger – für eine Liebesgeschichte hielt, und ich lese normalerweise keine Liebesgeschichten, musste ich es unbedingt haben. Und wow, meine Gefühle haben mich nicht getäuscht, denn dieser Roman ist alles andere als bloß eine simple Liebesgeschichte. Liza Marklund schreibt ja ansonsten mit großem Erfolg Krimis.

    Auch jetzt noch, nach der Lektüre, bin ich tief beeindruckt und werde dieses Buch bestimmt nicht so schnell vergessen.

    Ich war schon mal in der Südsee, auch von daher war ich interessiert.

    Zum Inhalt: Kiona, die Protagonistin, ist Apnoetaucherin, sie kann für etwa sieben Minuten ohne Geräte unter Wasser bleiben. Sie lebt mit Bruder und Schwester und ihren Verwandten auf Manihiki, einer Insel im Südpazifik, im Verbund der Cook Inseln, die unabhängig sind und in „freier Assoziierung“ zu Neuseeland gehören. (Quelle Wikipedia) Papa Tane, ihre Schwester Moana und ihr Bruder Nikau bewirtschaften die titelgebende Perlenfarm. Und wir erfahren sehr viel Wissenswertes über die Perlenmuscheln und die Perlenernte.

    Eines Tages zerschellt ein Boot am Riff von Manihiki und die Bewohner können kurz vorm Versinken der Yacht einen schwerverletzten Schweden, den einzigen Passagier, retten, und ein paar seiner Habseligkeiten. Mama Evelyn, die „importierte“ Krankenschwester, und Kiona pflegen den Schweden Erik so gut sie können, mit den Möglichkeiten, die sie haben. Ein Röntgengerät gehört leider nicht dazu.

    Liza Marklund hat hier einen so spannenden Roman komponiert, der einen kaum Luft schöpfen lässt, so überzeugend sind die Figuren, die exakt recherchierten Schauplätze, die eingeflochtenen, brisanten politischen Themen, der Ablauf mit dem dicken roten Faden, an dem sich die Geschichte gekonnt entlang hangelt. Kiona entwickelt sich im Verlauf der Handlung vom einfachen Naturkind zur ausgebufftesten Spurenverwischerin, die man sich nur vorstellen kann. Im Prolog gilt sie schon als ertrunken und der ganze Roman handelt davon, wie es dazu kam.

    Clay, die neue Freundin und Begleiterin auf der großen Reise spricht oft mit Kiona und anderen ihr Anbefohlenen über diverse Themen, so auch hier, Zitat Seite 413:

    „Der Humanismus betet den Menschen an […] Der Humanismus behauptet, der Homo sapiens sei allem anderen im Universum überlegen und dürfe sich daher alles andere nach Lust und Laune zunutze machen. Tiere können ihr Leben lang in engen Käfigen eingesperrt, ihrer Nachkommen beraubt und dann getötet werden, weil wir glauben, das Recht zu haben, immer zu essen, was wir wollen. Pflanzen und Tiere in der Natur haben keine Rechte, wenn der Mensch beschließt, ein Stück Land urbar machen zu müssen. Alle, die diese Weltordnung infrage stellen und bekämpfen, gelten als gefährlich und destruktiv …“

    Fazit: Die Perlenfarm erinnert latent an „Der englische Patient“, hat aber enorm viel zu bieten. Eine brillante Recherche trifft hier auf wahrhaft spannende Berichterstattung. Viele Themen werden behandelt, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Und ich finde hier zwei meiner Lieblingsbücher quasi in einem Roman vereint: „Die gläserne Frau“ und „Die Insel der fünf Frauen“. Große Erzählkunst und ein dickes Lob an die Übersetzerin Katrin Frey. 

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    Cover des Buches Das Holländerhaus (ISBN: 9783827014177)

    Bewertung zu "Das Holländerhaus" von Ann Patchett

    Das Holländerhaus
    ninchenpinchenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein ungewöhnliches Buch mit perfektem Titel und ebenso perfektem Cover
    Über die Lebenszeit, die wir haben, wie wir darüber denken und wie wir sie nutzen

    Ann Patchett erschafft in „Das Holländerhaus“ eine bedrohliche Atmosphäre, die im Untergrund zwischen den Zeilen schwingt, ohne dass dies deutlich zum Ausdruck käme. Der Leser spürt, wie sich kommendes Unheil zusammenbraut – in einem Vorstadium sozusagen.

    „Das heißt nichts Gutes für uns, Danny“, sagt sie. „Das solltest du wissen.“ (Seite 54)  Hier spricht Maeve, Dannys ältere Schwester.

    Seite 57: „Ich sehe die Vergangenheit ja, wie sie tatsächlich war […] Aber wir neigen dazu, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu überlagern. Wir betrachten sie durch die Linse unseres heutigen Wissens, sodass wir nicht die Menschen sehen, die wir damals waren, sondern die wir inzwischen sind, und das bringt eine radikale Veränderung der Vergangenheit mit sich.“

    Ab Seite 110 platzt dann die Bombe. Gewaltig.

    Danny, der jüngere Bruder von Maeve verliert seine Mutter, bevor er sie überhaupt richtig wahrnehmen konnte. Die Mutter verlässt das Holländerhaus und damit ihre beiden Kinder – einfach so – ohne irgendwem etwas zu sagen. Die Gründe, die sie wirklich hatte, erfahren wir erst viel später. Als der Vater, Cyril Conroy, erneut heiratet, ergibt sich eine Aschenputtel-Situation, denn die neue Frau bringt zwei Töchter mit in die Ehe und ins Holländerhaus. Danny und Maeve verstehen sich ganz gut mit den neuen (jüngeren) Stiefschwestern, aber nicht mit Andrea, deren Mutter. Es gibt liebevolles Personal im Holländerhaus: Sandy und Jocelyn. Cyril Conroy, der Vater, ist auf dem Immobiliensektor tätig und macht viel Geld, besitzt viele Häuser, nicht nur das Holländerhaus. Als er nach nur vier Jahren Eheleben stirbt, wirft Andrea die fremden Kinder aus dem Haus. Schnell und unbarmherzig. Sie hat im Vorfeld umfassend, mit Anwalt, und sehr, sehr rechtzeitig dafür gesorgt, dass nun alles ihr gehört. Für Maeve und Danny bleibt lediglich ein Ausbildungsfond.

    Ann Patchett spielt mit den Zeiten, aber meistens erkennt der Leser schon am ersten Satz, in welcher Ära man sich befindet, mich hat das nicht gestört und es hat auch den Lesefluss keineswegs beeinträchtigt. Die Personen, ihre Befindlichkeiten, Tätigkeiten und ihre Verstrickungen untereinander werden gekonnt dargestellt, auch die jeweilige Umgebung spielt eine große Rolle. Allem voran natürlich das Holländerhaus im Wechsel der Zeiten, der Bewohner und Besitzer.

    Fazit: Ein besonderes Buch zum Nachdenken, wie die Protagonisten mit den Situationen umgehen. Werden sie wütend oder fühlen sie sich als Glückspilze? Also: Wer mal Ungewöhnliches lesen möchte, fernab vom Üblichen, der wird hier vorzüglich bedient.

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    Cover des Buches Schwestern im Tod (ISBN: 9783426282380)

    Bewertung zu "Schwestern im Tod" von Bernard Minier

    Schwestern im Tod
    ninchenpinchenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Eine rätselhafte Frau, ein ungewöhnlicher Kommissar und jede Menge durchgeknallte Protagonisten
    Eine rätselhafte Frau, ein ungewöhnlicher Kommissar und jede Menge durchgeknallte Protagonisten

    Schwestern im Tod – Erstellungsdatum 10.06.2020

    Eine rätselhafte Frau, ein ungewöhnlicher Kommissar und jede Menge durchgeknallte Protagonisten

    Das ganz in Blau gehaltene Cover symbolisiert die Nacht, 1988, als alles beginnt. „Gewaltig, ungeheuerlich erstreckte sich der Wald vor ihnen …“ Gemeint sind hier die Schwestern, die den ultimativen Kick suchen bei einem Rendezvous mitten in der Nacht, im Wald. Und sie ahnen nicht, dass ihre Verabredung, Erik Lang, schon längst dort ist und sie beobachtet. Sie spielen mit dem Feuer, ganz bewusst, diese Teenager, und es geht auch ein paar Jahre lang gut, aber dann müssen sie zu jung sterben. Gemeinsam, Seite an Seite.

    Nach und nach tauchen Briefe und andere Hinterlassenschaften auf, mit denen niemand gerechnet hätte.

    Dieser Psychothriller kann sich durchaus sehen lassen. Wir haben drei Zeitebenen: 1988, 1993 & 2018. Martin Servaz ermittelt hier in seinem ersten und in seinem fünften Fall.

    Der Kommissar hat einen kleinen Sohn, Gustav, der bereits Schweres durchmachen musste. Die dazugehörige Mutter (vermutlich Marianne, Servaz‘ große Liebe aus Bernard Miniers Thriller „Nacht“) taucht in dieser Geschichte nicht auf. Auch Freundschaften scheint es keine zu geben, allerdings eine gewisse Nähe zu seinem polizeilichen Stellvertreter Espérandieu aus der Gegenwart und zu dessen Frau Charlène, die abwechselnd mit einem Babysitter auf Gustav aufpasst.

    Einige Zitate fand ich erwähnenswert, so auf Seite 275, als Servaz‘ Vater ihm einmal, als er noch keine zehn Jahre alt war, gesagt hatte: „Es ist gefährlich zu handeln, ohne nachzudenken, Martin. Aber es nutzt nichts, nachzudenken, ohne zu handeln.“

    Oder beim Nachdenken über die vergangenen 25 Jahre, auf Seite 309: „Schon bald würden Roboter ihre Aufgaben übernehmen […] Die Frage war nur, wer dann wem gehorchen würde: die Roboter den Menschen oder die Menschen den Robotern. Es gab bereits jetzt Milliarden Menschen, die sich nicht von ihrem Handy und ihren technologischen Spielereien trennen konnten, während die Handvoll Firmen, die sie herstellte, mit jedem Tag mächtiger und tyrannischer wurden und die schlafwandelnden Völker ihr Schicksal in die Hände von immer weniger Menschen legten.“

    Es gibt viele falsche Fährten und Wendungen in diesem Buch und wie – eingangs erwähnt – jede Menge durchgeknallte, sehr gut gezeichnete Protagonisten, aber es gibt auch eingefügte Geschichten, die einen zu Tränen rühren und sehr, sehr nachdenklich machen. Auf die zahlreichen eingestreuten Fremdworte (Skarifizierungen, Urophilie, Somatisierung, Pleonasmus u. a.) hätte ich allerdings gut verzichten können. Im Original „Sœurs“ mag es anders sein.

    Fazit: Diesen Commandant Martin Servaz-Thriller Nr. 5 kann man unabhängig von den Vorgängern lesen und ja – ich würde durchaus noch mehr von diesem Autor lesen wollen. Und ich liebe es, wenn sich der reale Autor einen abgründigen Fantasie-Kollegen ausdenkt!

     

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    Cover des Buches Long Bright River (ISBN: 9783406748844)

    Bewertung zu "Long Bright River" von Liz Moore

    Long Bright River
    ninchenpinchenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Drogenkonsum im Land der unbegrenzten Möglichkeiten
    Drogenkonsum im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, diesmal in Philadelphia

    Diesen Roman von Liz Moore wollte ich unbedingt haben und lesen. Im Nachhinein kann ich gar nicht mehr so genau sagen – warum? Auf jeden Fall wurde ich nicht enttäuscht. Long Bright River – gemeint ist damit hier der Delaware River – liest sich flüssig, gleichbleibend spannend und man bleibt am Ball und kann sich auch auf einige Überraschungen gefasst machen. Ich würde diesen Roman dennoch eher thematisch als Familiengeschichte einordnen, obwohl die Protagonistin Mickey bei der Polizei ist, im Streifendienst, und es auch etliche Leichen gibt.

    Die einzelnen Kapitel wechseln sich ab zwischen „jetzt“ und „damals“. Mickey hat eine drogenabhängige jüngere Schwester, Kacey, und Kacey verschwindet eines Tages spurlos. Natürlich ist Mickey – nicht nur als Polizistin, auf ihrer Spur und versucht verzweifelt, sie zu finden. Diese Suche ist der rote Faden, an dem sich die Geschichte entlang spinnt. Bei jeder neuen Toten hofft Mickey, dass es nicht Kacey ist, die der Serienmörder erwischt hat. Denn alle Opfer sind schwer drogenabhängig und die Jagd nach dem Mörder gestaltet sich genauso schwierig, wie die Suche nach Kacey.

    Mickey, die Ich-Erzählerin, denkt oft über Kacey nach, warum sie so geworden ist, warum es ihr einst so bezauberndes Lachen praktisch nicht mehr gab, warum sie ständig wie weggetreten wirkte, mit glasigen Augen und geröteten Wangen. „Wenn ich sie so sah, hatte ich oft den Impuls, vor ihrem Gesicht laut in die Hände zu klatschen. Sie ganz fest zu umarmen, um diese unheimliche Dunkelheit aus ihr herauszupressen, deretwegen sie ihr Leben so vollständig betäuben wollte.“ Seite 155.

    Mickey hat einen kleinen Sohn, Thomas, und – seitdem der Vater, Simon, keinen Unterhalt mehr bezahlt, gibt es finanzielle Schwierigkeiten. Mickey verkauft notgedrungen ihr kleines Haus, Thomas muss aus der teuren, so geliebten Kita raus, die neue Nanny am neuen Ort ist unzuverlässig und Mickey ist ständig im Stress zwischen Dienst und Aufsichtspflicht. Zudem weiß sie nicht so recht, was sie von ihrer Vermieterin halten soll.

    Dabei fing alles so gut an. Simon ist auch Polizist, später Detective. Er kümmert sich in den Anfängen sehr gut um Mickey und das Kind. Beim Sex hat sie das Gefühl, dass ihre Haut strahlt, wenn Simon sie betrachtet. (Seite 184) Leider sind die guten Gefühle seinerseits nicht von Dauer und es gibt eine besonders entsetzliche Szene, die ich an dieser Stelle nicht verraten möchte.

    Fassungslos machten mich die so überaus realistischen Schilderungen der (meist jungen) Drogenabhängigen beiderlei Geschlechts, die überall – auch auf den Straßen – herumliegen und es die Passanten nicht interessiert, ob sie schon tot oder nur bloß ohnmächtig sind.

    Fazit: Wen das wirkliche Amerika interessiert mit all seinen (meist verschwiegenen) Schattenseiten, dazu in einer wirklich guten Schreibe „verpackt“, der ist hier genau richtig.

     

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    Cover des Buches Die Kunst des stilvollen Wanderns - Ein philosophischer Wegweiser (ISBN: 9783959674829)

    Bewertung zu "Die Kunst des stilvollen Wanderns - Ein philosophischer Wegweiser" von Stephen Graham

    Die Kunst des stilvollen Wanderns - Ein philosophischer Wegweiser
    ninchenpinchenvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Von der Suche nach dem Glück im Freien und vom Zauber vergangener Tage
    Vom Zauber vergangener Tage

    Die Kunst des stilvollen Wanderns – Ein philosophischer Wegweiser – Erstellungsdatum 23.04.2020

    Vom Zauber vergangener Tage

    Ich halte gerade diesen bezaubernden Wanderratgeber in der Hand und freue mich immer wieder über die liebevolle Gestaltung dieses kleinen Büchleins. Es fühlt sich so schön an und passt in jeden Rucksack. Ich werde es aufbewahren und immer wieder darin lesen.

    Hinten finden wir ein Foto vom Autor Stephen Graham (1884 – 1975), der rauchend vorm Kamin sitzt und in seinem feinen Anzug und auf seinem antik geschwungenen Stuhl so gar nicht nach Wandern aussieht. Und vor allem sieht er nicht nach Übernachten im Freien aus. Aber offensichtlich hat ihm die viele frische Luft sehr gut getan, denn als Mann 91 Jahre alt werden zu dürfen, ist nicht jedem vergönnt.

    Sicherlich gibt es heutzutage noch praktischere Wandergarderobe nebst Kochutensilien, als 1926, wo dieses Büchlein entstanden ist.

    Vor allem imponiert hat mir, wo Herr Graham überall gewandert ist, und was er mit seinen damals 42 Jahren schon für Erfahrungen hatte, die er hier mit uns teilt. Und wie belesen er war, denn es gibt viele Fußnoten und ein umfangreiches Register zum Nachschlagen am Ende.

    Nach dem Vorwort von Alastair Humphreys dürfen wir in 26 Kapiteln erfahren, was für ein Gefühl es ist, unter freiem Himmel zu schlafen, wie gruselig (nicht nur) die Übernachtung in leerstehenden Häusern sein kann und wie erfrischend der am Lagerfeuer gekochte Kaffee oder Tee mundet. Hin und wieder verspeist er auch ein Huhn „Huhn mit einem Hauch von Holzrauch ist ein Festschmaus!“ (S. 136) oder einen selbst gefangenen Fisch. „Sie nehmen Ihren Fisch, schuppen ihn und nehmen ihn aus (was ein schmutziges Geschäft ist, aber man gewöhnt sich daran), waschen und braten ihn.“ (S. 133) So möchte man gern neben ihm am Feuer verweilen und von seinen umfangreichen Erfahrungen profitieren. „Was für eine eigenartige und fantastische Suche nach dem Glück.“ (S. 55)

    Am besten fangen wir mal mit einem Picknick draußen an, nehmen dieses wunderbare Büchlein mit und träumen von der langen Wanderung oder der Übernachtung im Freien, die wir in Kürze realisieren möchten.

    Fazit: Ein wunderbares „stilvolles“ Wohlfühl-Geschenk für alle Wander- und Naturfreunde. Ich kann es wärmstens empfehlen und es bekommt einen Ehrenplatz in meinem Bücherschrank.

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    Cover des Buches Three Women – Drei Frauen (ISBN: 9783492059824)

    Bewertung zu "Three Women – Drei Frauen" von Lisa Taddeo

    Three Women – Drei Frauen
    ninchenpinchenvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Geht runter wie Bier mit Sprite an einem heißen Sommertag.
    Die Sehnsucht sucht was Leiden schafft – oder vier Jahre Liebeskummer

    Lisa Taddeo three women / drei frauen – Erstellungsdatum 01.04.2020

    Die Sehnsucht sucht was Leiden schafft – oder vier Jahre Liebeskummer

    Immerhin hat es dieses Buch vollbracht, von mir in einem Stück gelesen zu werden. Und dies vollbringen wenige Bücher. Denn oft ist es einfach zu verlockend ein neues oder anderes Buch währenddessen anzufangen.

    Meistens gibt es auch Morgen-Lektüre und Abend-/Nacht-Lektüre. Three women z. B. zählt zur Kategorie Abend-/Nacht-Lektüre.

    Dieser Roman ist erotisch, ja, das ist er. Aber darum geht es hier nicht. Es geht also nicht um die Erotik, sondern um die Wege, die diese drei Frauen zur Erotik hinführen. Um die Sehnsucht. Um das Verlangen. Um die wenigen glücksverheißenden Momente, hinter denen alles zurückbleibt, was immer danach folgen könnte: die Demütigungen, die Verachtung, die Eifersucht,  die Erniedrigung, die Ausgrenzung, der gesellschaftliche Absturz, Scheidung, Unverständnis, Verurteilung, Zurückweisung, Depression.

    All das Obengenannte nehmen die drei Frauen in Kauf für diese eine knappe halbe Stunde * - oder – um es mit Paolo Coelho zu sagen: Für diese „Elf Minuten“.

    (* Seite 318, Zitat: Später wird sie ihm in einer SMS schreiben: „Danke, dass du gekommen bist und heute so viel Zeit mit mir verbracht hast.“ – Wenn man sie fragt, wie lange es war, wird sie antworten: „Puh, ich würde sagen, so eine knappe halbe Stunde.“)

    Frauen wie ich lesen dieses Buch, dabei sollten es vor allem Männer lesen. Die Männer, denen es wirklich darum geht, zu begreifen, wie Frauen ticken. Um Verantwortung zu tragen für ihre Taten. Denn diese Geschichten sind wahr, das hab ich gleich gedacht, schon zu Anfang. So was denkt frau sich nicht aus!

    Fazit: Sehr lesenswert, geht runter wie Bier mit Sprite an einem heißen Sommertag.

     

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    Cover des Buches Das Geheimnis von Shadowbrook (ISBN: 9783458178163)

    Bewertung zu "Das Geheimnis von Shadowbrook" von Susan Fletcher

    Das Geheimnis von Shadowbrook
    ninchenpinchenvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Viel Rauch um nichts, da hilft das wunderschöne Cover auch nicht wirklich weiter ...
    Kommentare: 6
    Cover des Buches Die Unsterblichen (ISBN: 9783442758197)

    Bewertung zu "Die Unsterblichen" von Chloe Benjamin

    Die Unsterblichen
    ninchenpinchenvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Faszinierende Figuren im langen Zeitraum von einundvierzig Jahren
    Über sich selbst erfüllende Prophezeiungen

    Über sich selbst erfüllende Prophezeiungen – Erstellungsdatum 18.02.2020

    Dieser Roman „Die Unsterblichen“ beginnt in New York im Jahr 1969. OT „The Immortalists“.

    An einem Tag gehen die vier jüdischen Geschwister Gold zu einer Wahrsagerin. Die Wahrsagerin lässt sie einzeln herein und verkündet jedem Geschwister seinen genauen Todestag. Zu diesem Zeitpunkt sind sie noch Kinder. Die Älteste, Varya, ist gerade mal dreizehn Jahre alt. Daniel ist elf, Klara neun und Simon sieben.

    Die Lebenswege dieser Kinder entwickeln sich höchst unterschiedlich. Simon wird Tänzer, Klara zaubert privat und auf der Bühne, Daniel wird Militärarzt und Varya betätigt sich als studierte Wissenschaftlerin in der Altersforschung. Der Vater, Saul, stirbt früh und die Mutter Gertie lebt später im Alter bei Daniel und seiner Frau Mira.

    Chloe Benjamin hat offensichtlich hervorragend recherchiert. Das wird (nicht nur) in ihrer Danksagung am Ende deutlich. So kann der Leser sich nicht nur genau in die jeweiligen Zeiten einfühlen, sondern auch in die Figuren und in ihre Berufe oder Berufungen. Die jüdischen Gebräuche, die Gertie, die Mutter, versucht ihren Kindern vorzuleben, sogar stellenweise aufzuzwingen, ohne sie überhaupt von Grund auf zu verstehen oder zu hinterfragen, das kennen sicher viele von uns „Christen“ auch. Leider.

    Die Geschichte umspannt einen langen Zeitraum von einundvierzig Jahren. Viele Weisheiten und Mysterien sind darin verborgen, ein echter literarischer Schatz also.

    Fazit: Ein wunderschöner Roman, mit einem so liebevoll gestalteten Cover und wahrlich faszinierenden Figuren. Fünf Sterne, voll verdient!



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    • weiblich
    • 01.06.2017

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