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parden

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parden hat gelesen…
38 Bücher im Jahr 2026

Cover des Buches Die Auster (ISBN: null)
Buch wurde am
10. August beendet
Cover des Buches Wirf einen Schatten (ISBN: null)
Buch wurde am
08. August beendet
Cover des Buches Die acht großen Lehren der Natur (ISBN: null)
Buch wurde am
06. August beendet
Cover des Buches Die gute Fee mit der schlechten Laune (1). Der Wunschperlen-Auftrag (ISBN: null)
Buch wurde am
26. Juli beendet
Cover des Buches Nicht (ISBN: null)
Buch wurde am
19. Juli beendet
Cover des Buches Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist? (ISBN: null)
Buch wurde am
16. Juli beendet
Cover des Buches Juli im Land der Zeitgeister (ISBN: null)
Buch wurde am
11. Juli beendet
Cover des Buches Ein Königreich für eine Schnecke (ISBN: null)
Buch wurde am
10. Juli beendet
Cover des Buches Die hundert Jahre von Lenni und Margot (ISBN: null)
Buch wurde am
08. Juli beendet

Rezensionen und Bewertungen

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Cover des Buches Die Auster (ISBN: 9783446284593)

Bewertung zu "Die Auster" von Yael Inokai

parden
Kurzmeinung: Ein Mord dient als Ausgangspunkt eines ungewöhnlichen, leisen und gleichzeitig sehr eindringlichen Romans - die Charaktere stehen im Fokus.
Ein Blick hinter die Fassaden...

EIN BLICK HINTER DIE FASSADEN...

Der Geschäftsführer eines legendären Kaufhauses wird ermordet aufgefunden. Doch bis die Polizei am Tatort eintrifft, hat Leonora Bloch alle Spuren beseitigt, so diskret und gründlich, wie sie schon seit 45 Jahren als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett jeder Form von Unordnung begegnet. Als die Ermittlungen in die Austernbar in der fünften Etage führen, ist man schon mittendrin im Mikrokosmos dieses Kaufhauses, das von der paradoxen Sehnsucht nach vergangener Pracht und erschwinglichem Luxus lebt. Und niemand scheint sich in dieser Welt, wo Glanz und Elend, Armut und Reichtum so entwaffnend aufeinandertreffen, besser auszukennen als die 73-jährige Leonora. Doch kennt sie wirklich alle Geheimnisse und welche hütet sie selbst? (Verlagsbeschreibung)

Was macht eine 73-jährige Reinigungskraft, wenn sie ihren langjährigen Arbeitgeber ermordet auffindet? Sie putzt erst einmal. Leonora Bloch beseitigt akribisch das Blut, bringt Ordnung in das Chaos und ruft erst danach die Polizei. Allein diese Szene sagt bereits viel über ihre Figur aus: Leonora handelt überlegt, pragmatisch und mit einer Selbstverständlichkeit, die gleichzeitig irritiert und neugierig macht. Dieser ebenso absurde wie konsequente Einstieg macht schnell klar, dass dies kein gewöhnlicher Kriminalroman ist.

Der Mord an Dr. Bronstett bildet zwar den Ausgangspunkt der Geschichte, doch der eigentliche Mittelpunkt ist Leonora selbst. Seit 45 Jahren arbeitet sie für den Kaufhausbesitzer und kennt dessen Welt besser, als man zunächst vermuten würde. Sie ist eine Frau, die gelernt hat, sich unsichtbar zu machen. Sie beobachtet viel, spricht wenig und bewahrt ihre Gedanken und Erinnerungen sorgfältig für sich. Gerade diese Verschlossenheit macht sie so interessant. Leonora ist weder die klassische Ermittlerin noch die typische sympathische Hauptfigur. Sie bleibt sperrig, manchmal eigenwillig und auf Distanz – doch gerade dadurch wirkt sie glaubwürdig.

Besonders spannend fand ich, wie sich nach und nach ihr eigenes Leben hinter dieser scheinbar unauffälligen Fassade zeigt. Ihre Erinnerungen an ihren verstorbenen Sohn Sebastian, ihre Einsamkeit, ihre langjährigen Beziehungen zu Menschen aus dem Kaufhaus, und ihre ganz eigene Sicht auf die Welt machen deutlich, dass hinter der "unsichtbaren“ Reinigungskraft eine Frau mit einer bewegten Vergangenheit steckt. Leonora weiß sehr viel über andere Menschen – und gleichzeitig gibt sie nur ungern etwas von sich selbst preis. Gemeinsam bilden die präsentierten Figuren ein feines Geflecht aus Beziehungen, Abhängigkeiten und unausgesprochenen Konflikten.

Gedanken, Erinnerungen und Beobachtungen Leonoras fügen sich hier allmählich zu einem Bild zusammen. Das verlangt Aufmerksamkeit, belohnt aber genaues Lesen. Die Spannung entsteht deshalb weniger durch spektakuläre Wendungen oder klassische Ermittlungsarbeit, sondern durch die Frage, was hinter den Menschen und ihren Geschichten steckt. Ein langsamer Roman, der stückchenweise das Bild der Charaktere und ihrer Lebensumstände schärft, nebenbei Spuren des Mordfalls freigibt und Einblicke in eine Welt hinter den Kulissen des berühmten Berliner Kaufhauses gewährt: der frühere Glanz und der allmähliche Verfall.

Gerade der Mikrokosmos des Kaufhauses bildet interessante Details ab: Oben die Austernbar und der erschwingliche Luxus, unten die Menschen, die dafür sorgen, dass dieser Luxus überhaupt funktioniert. Glanz und Armut, Macht und Abhängigkeit treffen hier unmittelbar aufeinander. Yael Inokai macht die sozialen Unterschiede sichtbar, ohne sie mit dem erhobenen Zeigefinger auszustellen. Dieser Gegensatz zwischen dem schönen Schein und dem, was dahinter verborgen liegt, zieht sich durch den kompletten Roman.

Ich habe dieses schmale Buch wirklich gern gelesen. Inokais Sprache ist präzise, reduziert und gleichzeitig ausgesprochen atmosphärisch. Vieles wird nicht erklärt, sondern lediglich angedeutet. Sprachlich ausgefeilt haben mich manche Sätze richtig erfreut, der schwarze Humor traf bei mir genau ins Schwarze, dabei wird nichts ins Lächerliche gezogen. Die eigenwillige Mischung aus Melancholie (Einsamkeit), Pragmatismus und Humor hat mich jedenfalls sehr angesprochen. 

Wer einen temporeichen Krimi mit intensiver Polizeiarbeit und zahlreichen Wendungen erwartet, könnte hier enttäuscht sein. Für mich liegt gerade darin seine Stärke. Der Mord ist der rote Faden, doch eigentlich erzählt Yael Inokai von Menschen, die übersehen werden, von Einsamkeit und Zugehörigkeit, von Macht und Abhängigkeit und von den Geheimnissen, die jeder Mensch mit sich trägt.

Dieser Roman ist leise, eigenwillig und manchmal skurril – aber gerade dadurch entwickelt er einen ganz eigenen Sog. Ein Roman, der hinter die Fassaden blickt - hinter die Fassaden seiner Charaktere, aber auch hinter die glänzende Fassade eines berühmten Berliner Kaufhauses -  und dabei zeigt, dass die interessantesten Geschichten oft dort verborgen liegen, wo man zunächst nicht hinsieht.


© Parden 

Kurzmeinung: Literarischer Coming-of-Age Roman, der gesellschaftskritische Themen mit einer berührenden Freundschaftsgeschichte verbindet...
Moderner Jugendroman mit Tiefgang...

MODERNER JUGENDROMAN MIT TIEFGANG...

Manchmal beschließt man mit fünfzehn, woran man nicht mehr glauben will. Issa hat der romantischen Liebe längst abgeschworen, zu laut sind die Geldsorgen ihrer Familie, zu deutlich die gescheiterten Träume der Eltern. Issa besucht ein Gymnasium voller Rich Kids, während zu Hause jeder Euro zählt. Halt gibt ihr nur Grace: forsch und überzeugt davon, dass Geld vor allem ein lösbares Problem ist. Als Issas Familie in eine existenzielle Notlage gerät, beschließen die beiden Freundinnen, selbst aktiv zu werden. Gleichzeitig hat auch Grace ein Problem, wenngleich ein medizinisches: Ihre Brüste sind zu groß, sie hat Schmerzen und schämt sich. Doch die Krankenkasse will nicht zahlen. Die beiden begeben sich auf eine monetäre Odyssee, die sie zwingt, Grenzen zu überschreiten – moralische ebenso wie gesellschaftliche. (Verlagsbeschreibung)


"Ständig war ich eingeklemmt zwischen den Dingen, die viel drängender waren als meine. Für mich selbst, schien es, blieb überhaupt kein Platz. Schon gar nicht für so was Luxuriöses wie - Liebe" 


In diesem Jugendroman stehen die 15-jährigen Freundinnen Issa und Grace vor ganz unterschiedlichen Problemen, die letztlich doch auf dieselbe Frage hinauslaufen: Wie kommt man an Geld, wenn man es dringend braucht?

Issas Familie kommt finanziell kaum über die Runden. Ihre alleinerziehende Mutter bemüht sich darum, sie über Wasser zu halten, kann Issas Einschätzung nach aber nicht wirklich gut mit dem Geld haushalten. Ihre jüngere Schwester Livvie spricht seit der Trennung der Eltern nicht mehr, weshalb die Mutter sich vor allem um sie sorgt; Issa ist dagegen oft auf sich allein gestellt. Als plötzlich eine schulische Zahlung im Raum steht und unklar ist, ob der Sozialfonds einspringen wird, wächst der Druck. Gleichzeitig leidet Grace unter ihrer plötzlich stark gewachsenen Brust, die ihr nicht nur peinlich ist, sondern auch Schmerzen bereitet. Eine Brustverkleinerung könnte Abhilfe schaffen, doch die Kostenübernahme ist nicht so einfach - abgesehen davon zeigt sich Graces ebenfalls alleinerziehende Mutter mit einem solchen Eingriff auch nicht einverstanden. Also beschließen die beiden Freundinnen, selbst nach einer Lösung zu suchen – und überschreiten dabei nach und nach Grenzen.

Issa und Grace haben mir als Figuren gut gefallen, gerade weil sie so unterschiedlich sind. Issa ist eher ruhig, bedacht und bodenständig, während Grace deutlich selbstbewusster, direkter und risikofreudiger auftritt. Trotzdem oder gerade deshalb funktionieren die beiden als Freundinnen sehr gut. Beide tragen ihre eigenen Sorgen mit sich herum und geben einander Halt, auch wenn sie nicht immer wissen, wie sie die Probleme der anderen tatsächlich lösen können. Ihre Freundschaft bildet für mich den emotionalen Mittelpunkt der Geschichte.

Der Aufbau gestaltet sich dadurch interessant, dass die Geschichte nicht ausschließlich aus Issas Perspektive erzählt wird. Neben der eigentlichen Handlung gibt es eingestreut Auszüge aus Graces "ABC des Geldes" sowie Livvies Tagebucheinträge. Diese Einschübe lockern die Erzählung auf und erweitern die Perspektive. Gleichzeitig wird dadurch das zentrale Thema Geld immer wieder aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

Überhaupt steckt in dem Roman deutlich mehr als eine typische Coming-of-Age-Geschichte. Themen wie Freundschaft, soziale Ungleichheit, Geldnot, Erwachsenwerden, Körperbild, Kapitalismus und feministische Fragestellungen werden hier miteinander verbunden. Besonders gut herausgearbeitet fand ich den Gegensatz zwischen den Jugendlichen aus finanziell privilegierten Familien und denen, für die selbst kleinere Ausgaben zum Problem werden können. Die Geschichte zeigt ziemlich eindrücklich, wie unterschiedlich die Ausgangsbedingungen sein können. Insgesamt gibt es hier jedoch vielleicht etwas viele Themen, die bei der Kürze des Romans oft nur angerissen werden können.

Etwas kritischer sehe ich zudem den Umgang mit Graces Brustverkleinerung. Dass ihre körperlichen Beschwerden und die damit verbundenen Unsicherheiten für sie eine enorme Belastung darstellen, wird nachvollziehbar vermittelt. Auch die Problematik der Kostenübernahme ist ein spannender Ansatz. Die weitere Entwicklung empfand ich allerdings stellenweise als etwas konstruiert. Gerade bei einem Thema, das so stark mit Körperbild, Selbstbestimmung und medizinischer Notwendigkeit verbunden ist, hätte ich mir (vor allem angesichts der eigentlichen Zielgruppe: Jugendliche ab 14 Jahre) an manchen Stellen etwas mehr Differenzierung gewünscht. Die Geschichte wirft hier wichtige Fragen auf, beantwortet sie für mich aber nicht immer ganz überzeugend bzw. ausreichend. 

Ein kleiner Kritikpunkt bezieht sich außerdem auf das Ende. Die wesentlichen Fragen werden zwar beantwortet, trotzdem hätte ich mir etwas mehr Raum für den Ausklang gewünscht. Nach der Entwicklung der Geschichte wirkte das Ende doch etwas plötzlich.

Der Schreibstil ist modern, klar und flott, ohne sich im Jugendsprech zu verlieren. Die Geschichte lässt sich leicht hören, ohne oberflächlich zu wirken, und trotz der teilweise ernsten Themen gibt es immer wieder humorvolle Momente. Birte Schnöink trifft mit ihrer angenehmen, jugendlich klingenden Stimme den Ton der Geschichte und verleiht Issas Erzählung eine passende Mischung aus Nachdenklichkeit und Leichtigkeit. Auch die unterschiedlichen Textformen lassen sich durch ihre Interpretation gut voneinander abheben. Mit 4 Stunden und 33 Minuten hat die ungekürzte Fassung zudem eine angenehme Länge und lässt sich gut in wenigen Etappen hören.

Ein moderner Jugendroman, der wichtige gesellschaftliche Themen aufgreift und dabei nicht nur für Jugendliche interessant ist. Vor allem die Freundschaft von Issa und Grace sowie die Frage, wie sehr Geld darüber bestimmt, welche Möglichkeiten einem im Leben offenstehen, konnten mich überzeugen.


© Parden

Cover des Buches Wirf einen Schatten (ISBN: 9783257073904)

Bewertung zu "Wirf einen Schatten" von Elena Fischer

parden
Kurzmeinung: Ruhiger, atmosphärischer Roman mit inneren Erdbeben rund um Einsamkeit, Verlust, Schuld, Hoffnung und Neuanfang. Klare Leseempfehlung!
Innere Erdbeben...

INNERE ERDBEBEN...

Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den Sechzigerjahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis' ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie – sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben. (Verlagsbeschreibung)

Manche Bücher tun nicht weh, weil sie laut oder dramatisch sind. Sie tun weh, weil sie so still erzählen, dass man irgendwann merkt, wie viel Einsamkeit zwischen den Zeilen steckt. "Wirf einen Schatten“ von Elena Fischer ist für mich genau so ein Buch.

Joseph lebt Anfang der 1960er-Jahre auf einem abgelegenen Hof. Seine Frau Lis hat ihn mit dem gemeinsamen Sohn verlassen, und eigentlich ist da nicht mehr viel, das ihn am Leben festhält. Er funktioniert, arbeitet, schweigt – und frisst seine Ängste und seine Verzweiflung in sich hinein. Bis Birdie vor seiner Tür steht. Eine junge Frau auf der Flucht, die selbst Hilfe braucht und dadurch ausgerechnet Joseph wieder ins Leben zurückholt. An ihrer Seite stehen Lis und ihre Schwester Ada – drei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise wissen, was sie wollen, und die Joseph schließlich helfen, seinen eigenen Weg zu finden.

Was mich an diesem Roman besonders beeindruckt hat, ist Elena Fischers Einfühlungsvermögen in ihre Hauptfigur. Joseph ist ein Mann, der Gefühle nicht ausdrücken kann, der nie gelernt hat, über das zu sprechen, was in ihm vorgeht. Und trotzdem gelingt es der Autorin, seine innere Welt sehr unmittelbar erfahrbar zu machen. Gerade weil Joseph als männlicher Protagonist im Mittelpunkt steht, fand ich diese Perspektive bemerkenswert feinfühlig.

Doch tatsächlich sind auch Lis, Ada und Birdie wichtige Figuren in dieser Geschichte. Sie stehen nicht nur durch ihre Namen für etwas Modernes und Aufbrechendes – sie verkörpern es auch. Jede von ihnen hat ihre eigenen Verletzungen und ihre eigene Vergangenheit, aber sie haben gelernt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Joseph muss das erst noch lernen. Gemeinsam helfen sie ihm dabei, aus seinem inneren Gefängnis herauszutreten.

Besonders gelungen fand ich den Aufbau mit den beiden gegenläufigen Zeitsträngen. Während die Gegenwart chronologisch voranschreitet, bewegen sich die Rückblicke immer weiter zurück in Josephs Vergangenheit. So setzt sich Stück für Stück das Bild eines Mannes zusammen, der lange geglaubt hat, für ihn könne das Leben nur aus Pflichterfüllung und Schweigen bestehen. Diese Erzählstruktur stellt für mich eine der großen Stärken des Romans dar - neben der beeindruckenden Sprache: poetisch, bildhaft und durchzogen von einer steten Melancholie – aber niemals rührselig. Elena Fischer präsentiert hier eine leise Erzählung über Einsamkeit, Verlust, verpasste Chancen und die Möglichkeit eines Neuanfangs. 

Eine kleine Kritik gibt es allerdings auch: Die Verortung in einem deutschsprachigen Bergdorf der 1960er-Jahre hat für mich nicht durchgehend funktioniert. Manche Figuren und ihr Verhalten wirkten auf mich eher modern als wirklich in dieser Zeit und diesem Umfeld verwurzelt. Auch erschienen mir einige Entwicklungen ein wenig zu konstruiert. Das sind durchaus Punkte, die ich beim Lesen wahrgenommen habe – und trotzdem haben sie mein Leseerlebnis kaum geschmälert. 

Denn im Grunde wollte ich vor allem Joseph folgen. Joseph, der nie der Mensch sein durfte, der er eigentlich sein wollte. Joseph, der sich selbst kaum kennt, weil er sein ganzes Leben damit verbracht hat, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Die drei Frauen machen ihm deutlich, dass er seinen eigenen Weg finden und ihn dann auch gehen muss. Das mag auf den ersten Blick fast ein wenig schlicht wirken. Für mich hat es aber funktioniert – gerade in Verbindung mit der poetischen Sprache und den vielen kleinen, zitierwürdigen Gedanken.

Und am Ende wirft Joseph tatsächlich einen Schatten, wie es der Buchtitel fordert. Nicht mehr den Schatten eines Mannes, der sich zurückzieht, schweigt und seine Probleme allein mit sich ausmacht. Er tritt hervor, wird sichtbar. Er wird zu einer Persönlichkeit, wendet sich der Gemeinschaft zu und wird Teil von ihr. 

Denn eigentlich erzählt dieser Roman keine spektakuläre Geschichte. Es ist vielmehr eine schmerzhafte, stille und sehr bewegende Geschichte über Einsamkeit, Selbstbestimmung, Verletzungen und darüber, dass es manchmal andere Menschen braucht, um wieder zu sich selbst zu finden. Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich über die genannten kleinen Schwächen hinwegsehen konnte: Dieses Buch hat mich emotional erreicht.

Eine klare Leseempfehlung für einen leisen Roman, der auch noch nach seinem Ende nachhallt.


© Parden

Kurzmeinung: Wie aus einem arroganten Naseweis ein richtig nettes Mädchen wird - auch Band 3 der Hörspieladaption ist wieder sehr liebevoll konzipiert...
Weitere Abenteuer aus dem Zauberwald...

WEITERE ABENTEUER AUS DEM ZAUBERWALD...

Elfen und Kobolde gibt es nicht! Da ist sich Connie ganz sicher - und sie weiß schließlich immer alles besser! Im dritten Teil der Hörspielreihe von Enid Blyton sind Jo, Bessie und Fanny nicht gerade begeistert, dass das hochnäsige Mädchen bei ihnen zu Besuch ist. Ihr Gast zeigt sich von den "Landeiern", wie Connie die Geschwister nennt, auch herzlich wenig beeindruckt. Doch als die drei sie mit in den Zauberwald nehmen und Connie hautnah den Wunderweltenbaum und seine magischen Bewohner erlebt, ändert sich alles. Aus dem arroganten Naseweis wird ein richtig nettes Mädchen, das den Zauberwald am liebsten gar nicht mehr verlassen würde. (Verlagsbeschreibung)

Nachdem ich vor einigen Monaten den ersten und zweiten Band der mir bisher unbekannten vierteiligen Hörspielreihe gehört und für gut befunden habe, musste natürlich auch Band drei her. Und wieder stellten sich bei mir nostalgische Gefühle ein - Enid Blyton hat mich durch meine gesamte Kindheit begleitet.

Jo, Bessie und Fanny leben mit ihren Eltern auf dem Land, das Geld ist knapp, alle müssen mit anpacken, um über die Runden zu kommen. Auch die Kinder sind tagein tagaus fleißig und helfen in Haushalt und Garten. Dass sie nicht zur Schule gehen, stößt schon etwas auf, aber: andere Zeiten, anderen Sitten. Und da es hier in der Erzählung sowieso fantastisch-märchenhaft zugeht, sei das auch gleich wieder verziehen. 

Diesmal kommt Connie zu Besuch, die Tochter einer Freundin von Jos, Bessies und Fannys Mutter. Begeistert sind die Kinder nicht gerade, denn Connie ist ein verwöhntes Einzelkind, das von ihrer Mutter jeden Wunsch erfüllt bekommt und besserwisserisch und hochnäsig daher kommt. Natürlich glaubt Connie den Kindern kein Wort, als diese ihr vom Zauberwald und dem Wunderweltenbaum erzählen, und selbst als sie das Mädchen mitnehmen zu ihren Waldfreunden, reagiert Connie ablehnend und trotzig. 

Durch den Besuch der fremden Welten, die über dem Wunderweltenbaum auftauchen, wird Connie dann allerdings etwas zugänglicher und freundlicher. Trotzdem wird es auch diesmal immer wieder richtig gefährlich, weil Connie gar nicht daran denkt, auf die Ratschläge der anderen zu hören, sondern das zu machen, wonach ihr gerade der Sinn steht. Da braucht es oft viel Einfallsreichtum und Mut, um wieder heile aus den fremden Welten herauszukommen. Besonders bedrohlich wird es allerdings, als klar wird, dass der Wunderweltenbaum  offenbar stirbt. Wenn es allen zusammen nicht gelingt, den Baum zu retten, ist diese Welt unrettbar verloren! Die Verzweiflung ist groß...

Das Buch wirkt nicht nur durch das Märchenhafte wie aus der Zeit gefallen. Die Rollenbilder entsprechen denen vor 80 Jahren, entsprechend der Entstehungszeit des Kinderbuchs, und die Angepasstheit der Kinder, die nie aufmucken und ihren Eltern widerspruchslos gehorchen, wirkt auch nicht mehr zeitgemäß. Dennoch hat mir der Ausflug in "alte Zeiten" wieder gut gefallen, und die Hörspieladaption (4 Stunden und 4 Minuten) finde ich auch diesmal wieder sehr liebevoll konzipiert und gut gelungen.

Einen weiteren Band habe ich nun noch vor mir. Ich freue mich darauf!


© Parden

Cover des Buches Die acht großen Lehren der Natur (ISBN: 9783423282246)

Bewertung zu "Die acht großen Lehren der Natur" von Gary Ferguson

parden
Kurzmeinung: Was in menschlichen Gemeinschaften oft nur mit Mühe funktioniert, klappt in der Natur mit größter Selbstverständlichkeit - interessant...
Was wir von Tieren und Pflanzen lernen können...

WAS WIR VON TIEREN UND PFLANZEN LERNEN KÖNNEN...

Gary Ferguson präsentiert uns die Natur als ein System, in dem auf faszinierende Weise alles mit allem zusammenhängt und merkwürdig miteinander verwoben ist. So anschaulich wie leidenschaftlich sensibilisiert er uns für allerlei Wunder und Mysterien, für das, was sich nicht erklären lässt, aber dennoch ganz selbstverständlich funktioniert. Welche Bedeutung hat ein einzelner Baum im Gesamtkomplex Wald? Wie können Wurzeln miteinander kommunizieren? Woher wissen Vögel, dass sie ihre lange Reise vom Sommer- zum Winterquartier im Formationsflug besser bewältigen als alleine? Diesen und vielen anderen Fragen geht der Autor nach. Er zeigt, wie fürsorglich und mitfühlend sich Wölfe im Rudel verhalten und wie zärtlich sich Elefanten von einem Artgenossen verabschieden, wenn sie merken, dass er im Sterben liegt. Immer wieder schlägt er eine Brücke von der unvorstellbar großen Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Kleinstlebewesen zu menschlichen Gesellschaften, die ebenfalls umso produktiver und kreativer agieren, je bunter sie zusammengesetzt sind. Was in menschlichen Gemeinschaften oft nur mit Mühe funktioniert, klappt in der Natur mit größter Selbstverständlichkeit. Wir sollten aus den Lektionen lernen, die sie uns in puncto Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit, Loyalität, Kooperation und Diversität erteilt. (Verlagsbeschreibung)

Dies ist weniger ein klassisches Sachbuch als vielmehr eine Einladung, die Welt um uns herum wieder bewusster wahrzunehmen. Ferguson betrachtet die Natur nicht als Ansammlung voneinander unabhängiger Lebewesen, sondern als ein riesiges, fein abgestimmtes Netzwerk, in dem alles miteinander verbunden ist. Genau dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Gut gefallen haben mir die vielen kleinen und großen Beispiele aus der Tier- und Pflanzenwelt: Wurzeln, die miteinander kommunizieren, Vögel, die im Formationsflug Energie sparen, Wölfe, die füreinander sorgen, oder Elefanten, die von einem verstorbenen Artgenossen Abschied nehmen – Ferguson schafft es immer wieder, vermeintlich Bekanntes aus einer neuen Perspektive zu zeigen. Dabei wird deutlich, wie viel wir über Zusammenarbeit, Empathie, Anpassungsfähigkeit und Gemeinschaft von der Natur lernen können. Vor allem die Gedanken über Diversität und Vernetzung sind bemerkenswert: Ein Ökosystem wird nicht trotz seiner Vielfalt stabil, sondern gerade durch sie. Diese Erkenntnis ließe sich durchaus auf menschliche Gemeinschaften übertragen.

Ferguson erzählt anschaulich, stellenweise beinahe poetisch und mit spürbarer Begeisterung. Allerdings konnte mich nicht jede der acht Lehren gleichermaßen erreichen, und manche Gedankengänge waren mir auch etwas zu weit ausgeholt - die gesellschaftlichen Exkurse wirkten da auf mich nicht wirklich zwingend. Hier hätte ich mir stellenweise etwas mehr Fokus auf die eigentlichen Naturbeobachtungen gewünscht. 

Trotzdem überwiegt für mich eindeutig das Positive. „Die acht großen Lehren der Natur“ vermittelt Wissen, ohne trocken zu sein, und regt zum Nachdenken an, ohne dabei ständig mit erhobenem Zeigefinger aufzutreten. Vor allem aber erinnert es daran, dass wir Menschen kein vom Rest der Natur getrenntes System sind, sondern selbst Teil dieses großen Netzwerks. Es ist höchste Zeit, uns daran zu erinnern!


© Parden

Kurzmeinung: Eine warmherzige, witzige und kluge Geschichte über Freundschaft, Vorurteile und das Gefühl, dazuzugehören - gelungene Autorenlesung!
Freundschaft will gelernt sein...

FREUNDSCHAFT WILL GELERNT SEIN...

Freunde finden ist gar nicht so leicht. Und wenn man dann noch Grause heißt und Hörner hat, spitze Eckzähne oder gar unsichtbar ist, wird es noch komplizierter. Und noch viel komplizierter wird es, wenn man nur dreizehn Tage Zeit dafür hat und dies eine Anweisung vom Institut für andersartige Wesen ist. Zum Glück hat die Familie Grause bereits ihre kleine Nachbarin zur Freundin: Ottilie Schmidt . Sie wird sicher dafür sorgen, dass keiner in der Sackgasse Nummer 13 leer ausgeht. Aber was ist mit dem Kind in Nummer 3, auf dessen Hausdach auf einmal eine Krähe sitzt? (Verlagsbeschreibung)

Nach ihrem ersten Abenteuer steht die ungewöhnliche Familie Grause nun vor ihrer nächsten Bewährungsprobe: Das Institut für andersartige Wesen gibt ihnen genau 13 Tage Zeit, damit jedes Familienmitglied eine Freundin oder einen Freund findet. Klingt einfach – wäre da nicht die Tatsache, dass die Grauses alles andere als gewöhnlich sind. Wolfi ist ein kleines Werwolfmädchen, Muh ein Dildapp mit Hörnern, Husch ein unsichtbares Geistermädchen, Mutter Olga ein Dschinn mit einer Vorliebe für Flaschen, Vater Holger eine ausgesprochen sensible Elfe und Opa Grause ein Schrat mit einer Vorliebe für Käfer und Würmer. Selbst der lebhafte Familienhund entpuppt sich eigentlich als Wischmop. Zum Glück gibt es Nachbarskind Ottilie Schmidt, die bereits mit allen Grauses befreundet ist – sie unterstützt die Familie nicht nur bei der Freundessuche, sie könnte am Ende auch als Joker fungieren, falls jemand von ihnen keine Freundin oder Freund findet. 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Frage, was Freundschaft eigentlich ausmacht. Reicht es, Zeit miteinander zu verbringen? Muss man dieselben Interessen haben? Oder geht es vielmehr darum, sich gegenseitig anzunehmen und füreinander da zu sein? Sabine Bohlmann zeigt auf kindgerechte Weise, dass echte Freundschaften auf Gegenseitigkeit beruhen. Sie greift dabei auch schwierige Themen auf, etwa Beziehungen, in denen nur eine Seite gibt, während die andere lediglich nimmt. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass aus den unwahrscheinlichsten Begegnungen oft die schönsten Freundschaften entstehen können – gerade mit Menschen, die auf den ersten Blick so gar nicht zu einem passen.

Etwas langatmig fand ich den Einstieg. Die Handlung plätschert zunächst eher gemächlich dahin, und bis die eigentliche Freundesmission richtig Fahrt aufnimmt, vergeht einige Zeit. Im weiteren Verlauf gewinnt die Geschichte jedoch deutlich an Tempo und entfaltet ihren liebenswerten, schrägen Humor und spart nicht mit chaotischen Ereignissen. Besonders der Grillabend bei Ottilies Familie gehört für mich zu den absoluten Höhepunkten des Hörbuchs. Die unterschiedlichen Eigenarten der Grauses sorgen hier für zahlreiche herrlich komische Situationen, die mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht haben.

Die liebevoll gezeichneten Figuren entwickeln sich weiter und wachsen einem mit ihren kleinen Unsicherheiten und Eigenheiten noch mehr ans Herz. Die warmherzige Botschaft über Freundschaft und Akzeptanz, das Thema Andersartigkeit und Vorurteile sowie das Plädoyer Ottilies gegen Ausgrenzung bieten eine gelungene Mischung, die mir gut gefallen hat. 

Sabine Bohlmann liest die ungekürzte Hörbuchausgabe (3 Stunden und 29 Minuten) auch in diesem zweiten Band wieder selbst und beweist einmal mehr, dass eine Autorenlesung hervorragend funktionieren kann. Mit viel Wärme, Gefühl und perfektem Timing verleiht sie jeder Figur eine eigene Stimme und Persönlichkeit. Ohne übertrieben zu wirken, wechselt sie mühelos zwischen den Charakteren, transportiert Humor ebenso überzeugend wie die leisen, nachdenklichen Momente und macht das Zuhören so zu einem echten Vergnügen. Besonders Opa Grause mit seinem ewigen "baaahh" gewinnt so noch zusätzlich an Charme...

Alles in allem eine warmherzige, witzige und kluge Geschichte über Freundschaft, Vorurteile und das Gefühl, dazuzugehören. Empfehlenswert nicht nur für Kinder (ab 7 Jahren), sondern auch für Erwachsene, die fantasievolle Familiengeschichten mit Tiefgang mögen. Ich halte nun gerne auch noch nach dem dritten Band Ausschau!


© Parden

Kurzmeinung: Vom Zauber des Lesens - kindgerecht verpackt mit Magie und Fantasie. Frau Honig verzaubert wieder alle...
Vom Zauber des Lesens...

VOM ZAUBER DES LESENS...

Für Frau Honig gehören Bücher zu den wunderbarsten Dingen der Welt. Nicht so für die Bewohner der kleinen Stadt. Denn hier wird lieber am Computer gesessen, das Lesen von Büchern gilt als Zeitverschwendung. Charly allerdings, ein kleiner Einzelgänger, flüchtet sich in seine Bücherwelt. Und Frau Honig bemerkt schnell, dass der schüchterne Junge eine ganz besondere Gabe hat: Er kann unglaublich gut vorlesen. Ob es Frau Honig mit seiner Hilfe gelingen wird, die Menschen zum Lesen einzuladen und den Buchladen vor der Schließung zu retten? (Verlagsbeschreibung)

Elsa Honig ist Kindermädchen aus Leidenschaft. Ihre Lieblingsfarbe ist Gelb, daher trägt sie ausschließlich gelbe Kleider, Röcke und Strumpfhosen, dazu meist einen sehr besonderen Hut. Und Frau Honig steckt voller Überraschungen: Sie ist eine wahre Meisterin im Spielen, Erfinden und Geschichtenerzählen. Den Tisch deckt sie, indem sie die Teller wie Frisbee-Scheiben wirft, und überall, wo sie auftaucht, lässt sie Blumen wachsen. Frau Honig kann nicht nur ihre eigene Kindheit aus ihren großen Manteltaschen ziehen und mit Kindern über den eigenen Schatten hüpfen, sie ist auch nie um einen guten Rat verlegen. Für jedes Problem hat sie hoppladihoppo eine Lösung parat - egal, ob es sich um Erziehungsstress oder rigide Schulstrukturen handelt. 

Diesmal gerät sie in eine verzwickte Situation. Sie bietet ihre (kostenfrei) Dienste als Kindermädchen einer Buchhändlerin an, deren einziger Sohn Charly ein netter Junge ist, der allerdings sehr alleine zu sein scheint und sich gern in die Welt der Bücher flüchtet. Am liebsten zieht er sich in seine Lesehöhle in einem Iglu aus Büchern zurück. Leider läuft die Buchhandlung sehr schlecht, denn es werden kaum noch Bücher gekauft - die Rechnungen häufen sich, es droht die Schließung. Für Charly wäre das eine Katastrophe, aber ebenso für seine Mutter Emma Fink und die Angestellte Ilse Knüller, die ein ganz eigenes Geheimnis verbirgt. Wie eine hoffnungslos scheinende Situation gewendet wird, hat Frau Honig in den vorherigen Bänden bereits eindrucksvoll bewiesen. Diesmal jedoch scheint es aussichtslos. Wie soll man eine ganze Stadt dazu bewegen, wieder mehr zu lesen?! Doch Frau Honig wäre nicht Frau Honig, wenn ihr nicht auch da etwas einfiele...

Auch Band vier der Kinderbuchreihe (Altersempfehlung 7-10 Jahre) punktet wieder mit Magie, Humor und Fantasie und lässt einen mit einem schönen Gefühl zurück, auch wenn Frau Honig wieder verschwindet, sobald alles in gute Bahnen gelenkt wurde. Die Autorin liest die leider gekürzte Hörbuchfassung erneut selbst (2 Stunden und 59 Minuten), was auch diesmal wieder mehr als gelungen ist.

Jedes Kind sollte eine Frau Honig haben - und ich bin gespannt auf den Folgeband!


© Parden


Kurzmeinung: Netter Reihenauftakt mit einer originellen Grundidee und einer liebenswert unangepassten Heldin - trotzdem konnte nicht alles überzeugen...
Netter Reihenauftakt mit Luft nach oben...

NETTER REIHENAUFTAKT MIT LUFT NACH OBEN...

Gute Feen sind die allerfröhlichsten Wesen. Sie essen Zuckerwatte zum Frühstück, streuen Glitzer und verbreiten mit ihrem ansteckenden Glockenlachen überall nichts als Freude. Das ist für alle guten Feen die einfachste Sache der Welt. Bis auf eine: Molli. Ihr Lachen klingt nicht wie ein Glöckchen, sondern wie eine rostige Fahrradklingel. Statt Zuckerwatte würde sie lieber Zwiebelsuppe essen, und sich immer brav an ALLE Feenregeln halten, findet sie schnarchlangweilig! Und von Langeweile bekommt Molli schlechte Laune. Gegen die hilft nur ein kleines Abenteuer, am besten ein Ausflug in die Menschenwelt! Damit Molli dabei keinen Unsinn anstellt, bekommt sie einen Aufpasser: Wandelwicht Pepito in Gestalt eines Königspudels. Der ist supereingebildet und weiß alles besser. Doch auch er kann nicht verhindern, dass die beiden von einem Schlamassel ins Nächste schlittern… (Verlagsbeschreibung)

Molli ist eine besondere Fee, denn ihr fällt es schwer, sich in all dem Glitzer, der guten Laune und dem glockenhellen Lachen in der Feenwelt einfach nur wohl zu fühlen. Ihr wird es so schnell langweilig, und dann hat sie eben schlechte Laune. Sie liest (verbotenerweise) gerne Kinderbücher aus der Menschenwelt und würde nur zu gern selbst einmal ein Abenteuer erleben. Sie hofft daher auf den Tag, an dem sie selbst gemeinsam mit etlichen anderen Elfen zum ersten Mal in die Menschenwelt reisen darf. Doch dann kommt alles anders als gedacht. Beinahe hätte sie es aufgrund eines Regelbruchs total vermasselt, und als sie dann doch mitkommen darf, bekommt sie den miesepetrig-klugscheißerischen Wandelwicht Pepito an die Seite gestellt, der aufpassen soll, dass Molli zumindest in der Menschenwelt keinen Unsinn anstellet. Doch Pepito hat nicht mit Mollis Einfallsreichtum gerechnet...

Gerade ihre freche, lebhafte Art macht die Elfe Molli zu einer sympathischen, abenteuerlustigen Hauptfigur, die trotz ihrer oftmals schlechten Laune das Herz am rechten Fleck hat. Zusammen mit dem eingebildeten Wandelwicht Pepito stolpert sie bei ihrem Ausflug in die Menschenwelt von einem Schlamassel ins nächste, was für einige witzige aber auch klitzekleine spannende Momente sorgt. Man erhält zudem einen netten Einblick in die Feenwelt, und die originellen Kapitelüberschriften machen neugierig aufs Weiterlesen.

Trotzdem konnte mich das Buch nicht vollständig überzeugen. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten und wirkte auf mich selbst für die Zielgruppe ab acht Jahren stellenweise etwas zu schlicht. Dazu kommt die sehr verspielte Gestaltung: ständig wechselnde Schriftarten und -farben, häufig eingestreute fettgedruckte oder kursive Wörter in verschiedenen Schriftgrößen, zahlreiche recht einfach gehaltene Illustrationen von Pernille Ørum – die sich teilweise sogar wiederholen – sowie etliche zusammengesetzte Kunstwörter wie mucksmäuschennachtschattenstill oder drahtseilüberdemabgrundgefährlich. Ob das Kindern der genannten Altersgruppe gefällt, weiß ich nicht - mir war auf den Seiten jedenfalls oft einfach zu viel los, sodass der Lesefluss eher gestört wurde.

Auch verlor die kleine Fee Molli für mich mit der Zeit etwas von ihrem anfänglichen Charme. Ihre Regelbrüche wiederholen sich doch recht häufig, sodass ich sie irgendwann eher als anstrengend denn als herrlich frech empfand. Das Ende kam zudem sehr abrupt und hat mich nicht ganz überzeugt. Nach all den Regelverstößen hätte ich zumindest mit kleinen Konsequenzen für Molli gerechnet. Stattdessen wird sie letztlich sogar noch gelobt und gefeiert, was mich dann doch überrascht hat.

Insgesamt ist dieser erste Band von „Die gute Fee mit der schlechten Laune“ ein netter Reihenauftakt mit einer originellen Grundidee und einer liebenswert unangepassten Heldin. Meiner Meinung nach richtet sich das Buch aber eher an jüngere Kinder - für so manches achtjährige Kind wäre die Handlung vielleicht schon nicht mehr aufregend genug. Vor allem kleine Feenfans – und wahrscheinlich eher Mädchen, die Freude an der konsequent lila-rosa Gestaltung haben – werden hier wohl gut unterhalten. 

Meine Neugierde auf den Fortgang der Reihe hält sich jedenfalls in Grenzen. Schade...


© Parden

Cover des Buches Tee? Kaffee? Mord! - Waidmannstod (ISBN: 9783785787533)

Bewertung zu "Tee? Kaffee? Mord! - Waidmannstod" von Ellen Barksdale

parden
Kurzmeinung: Eigentlich recht spannend, aber die Positionierung von Nathalie und ihren Freunden gegen die Jagd erscheint mir sehr überzogen und belehrend
Der weiße Hirsch...

DER WEISSE HIRSCH...

Nathalie ist entsetzt: Im »Black Feather« haben sich Jäger einquartiert - sie wollen den weißen Hirsch jagen, der angeblich rund um Earlsraven gesichtet worden ist! Nathalie und ihre Freunde sind entschlossen, es nicht so weit kommen zu lassen und folgen den Männern in den Wald. Doch schnell wird klar, dass es bei dieser Jagd nicht mit rechten Dingen zugeht - und die Jäger in Wahrheit die Gejagten sind... (Verlagsbeschreibung)

Dies ist bereits der 27. Band der bisher 40bändigen Reihe englischer Kurzkrimis, bei Audible als ungekürzte Hörbuchfassung (4 Stunden und 22 Minuten) erhältlich. Vera Teltz trägt mit ihrer gewohnt angenehmen Interpretation dazu bei, dass das Hörbuch kurzweilig bleibt. Sie gibt den vertrauten Figuren eine unverwechselbare Stimme und sorgt dafür, dass man sich in Earlsraven sofort wieder zu Hause fühlt. 

Nach dem eher ruhigen Einstieg entwickelt sich Waidmannstod zu einem durchaus spannenden Fall, was durch den steten Wechsel der Perspektiven verstärkt wird. Neben Nathalie und ihren Freunden begleitet man immer wieder auch die kleine Jagdgesellschaft sowie den Täter. Dadurch erhält man zwar Einblicke, die den Ermittlern zunächst fehlen, dennoch bleibt lange offen, worauf die Ereignisse tatsächlich hinauslaufen. Bis kurz vor Schluss ist das eigentliche Motiv kaum zu erahnen, sodass die Auflösung letztlich eine Überraschung bietet.

Weniger gelungen fand ich dagegen den Umgang mit dem Thema Jagd. Dass Nathalie den weißen Hirsch schützen möchte, passt durchaus zu ihrer Figur. Die kompromisslose Ablehnung der Jagd durch nahezu den gesamten Freundeskreis wirkte auf mich jedoch reichlich überzogen (auch wenn ich diese Einstellung im Grunde teile!). Gerade weil im Black Feather selbstverständlich auch Fleischgerichte serviert werden und keineswegs alle Beteiligten als Vegetarier auftreten, hinterließ diese Haltung einen etwas heuchlerischen Eindruck, was den Einstieg unnötig belehrend wirken ließ. 

Zum Glück rückt dieser Aspekt im weiteren Verlauf mehr in den Hintergrund, und der eigentliche Fall steht im Fokus. Die Geschichte entwickelt sich schließlich zu einem unterhaltsamen und durchaus spannenden Cosy Crime mit einigen unerwarteten Wendungen und der gewohnt angenehmen Atmosphäre.  Besonders gefallen hat mir dabei erneut das Zusammenspiel von Nathalie und ihren Freunden aus Earlsraven. Jeder trägt seinen Teil bei, und erst das Zusammenwirken aller führt schließlich zur Aufklärung des Falls. Gerade diese Dynamik gehört für mich zu den größten Stärken der Reihe. 

Insgesamt ist auch diese Folge wieder ein unterhaltsamer Cosy Crime mit liebgewonnenen Figuren sowie mit einem bis kurz vor dem Ende nicht vollständig durchschaubaren Fall. Die für meinen Geschmack zu einseitige und überzogen wirkende Darstellung des Themas Jagd verhindert allerdings eine bessere Bewertung. 

Ein solider Reihenband, der Spaß gemacht hat, für mich aber nicht zu den stärksten Fällen aus Earlsraven zählt. Trotzdem freue ich mich auf die Fortsetzung!


© Parden 

Cover des Buches Der Totengräbersohn 1 (ISBN: B074DXSLY6)

Bewertung zu "Der Totengräbersohn 1" von Sam Feuerbach

parden
Kurzmeinung: Gelungener Auftakt zu einer vielversprechenden Mittelalter-Saga mit einem gehörigen Schuss Fantasy...
Gelungener Reihenauftakt...

GELUNGENER REIHENAUFTAKT...

Er ist der Letzte, der sie berührt. Sie wäscht. Sie schminkt. Ein Grund, warum sie ihn verachten. Sein Geheimnis behält er für sich - es würde ohnehin niemand glauben. Rätselhafte Fremde tauchen im Dorf auf. Morde geschehen. Niemand erwartet, dass er die Hütte der Hexe aufsucht. Niemand verlangt, dass er ihrem Vermächtnis die Stirn bietet. Niemand ahnt, dass die Finsternis näher rückt. (Verlagsbeschreibung)

Dieses Hörbuch ist für mich ein gelungener Auftakt zu einer vielversprechenden Mittelaltersaga mit einem ordentlichen Schuss Fantasy. Dieser erste Band der vierteiligen Reihe von "Der Totengräbersohn" dient vor allem dazu, die Welt, ihre Figuren und die Hintergründe kennenzulernen – entsprechend werden die verschiedenen Handlungsstränge noch nicht zusammengeführt. Das hat mich aber nicht gestört, sondern eher neugierig auf die Fortsetzung gemacht.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt, was mir sehr gut gefallen hat. Im Mittelpunkt steht Farin, der 18-jährige Totengräbersohn, der als Außenseiter seines Dorfes mit den Toten in Berührung kommt und dabei auf geheimnisvolle Weise in den Besitz eines besonderen Amuletts gelangt. Daneben begleiten wir die 14-jährigen Waise Aros, die unter noch härteren Bedingungen aufwächst, sowie Vigo, den Ersten Ritter des Königs. Die drei Erzählstränge unterscheiden sich deutlich voneinander und sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Zwar laufen sie in Band 1 noch überwiegend nebeneinander her, aber gerade das weckt die Neugier darauf, wie sie später zusammenfinden werden.

Besonders gefallen hat mir die dichte mittelalterliche Atmosphäre. Das harte Leben der einfachen Menschen, Aberglaube, Standesunterschiede und die allgegenwärtige Furcht vor Hexen und übernatürlichen Mächten wirken glaubwürdig und schaffen eine stimmige Kulisse. Nach und nach hält auch das Fantastische Einzug. Vor allem der Dämon, dessen Einfluss sich zunächst eher schleichend bemerkbar macht, verleiht der Geschichte eine spannende, düstere, aber auch humorvolle Note. Farin nennt den Dämon der Einfachheit halber Ekel, und seine Rolle macht neugierig auf das, was in den kommenden Bänden noch folgen wird.

Mit der Sprache hatte ich dagegen ein paar Schwierigkeiten. Einerseits verwendet Sam Feuerbach immer wieder altertümliche Begriffe, die gut zur Zeit passen und das Setting unterstützen. Andererseits fallen zwischendurch recht moderne oder flapsige Sprüche, die für mich nicht so recht in die mittelalterliche Welt passen wollten. Das hat mich zwar nicht ständig gestört, aber doch immer wieder kurz aus der Geschichte herausgerissen. Der Humor selbst hat mir hingegen gut gefallen. Er lockert die oft düstere Stimmung auf und sorgt dafür, dass die Figuren sympathisch und nahbar bleiben.

Robert Frank liest die ungekürzte Hörbuchausgabe (11 Stunden und 6 Minuten) ausgesprochen angenehm und versteht es, den unterschiedlichen Figuren eigene Stimmen und Charakter zu verleihen. Gerade durch seine lebendige Interpretation kommen sowohl die ruhigen als auch die spannenden Szenen sehr gut zur Geltung und die Perspektivwechsel sind jederzeit leicht nachzuvollziehen.

Insgesamt ist Der Totengräbersohn ein atmosphärischer und vielversprechender Auftakt einer Fantasy-Saga. Band 1 legt in erster Linie das Fundament für die weitere Geschichte, überzeugt aber bereits mit interessanten Figuren, einer geheimnisvollen Handlung und einer gelungenen Mischung aus Mittelalter, Fantasy und dezentem Humor. Trotz kleiner Schwächen bei der Sprache freue ich mich darauf, die Reihe weiterzuverfolgen. 


© Parden

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