rumble-bee

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Der Corona-Effekt - Zwischen Shutdown und Neubeginn: Was wir jetzt über uns lernen können (ISBN: 9783749900930)

    Bewertung zu "Der Corona-Effekt - Zwischen Shutdown und Neubeginn: Was wir jetzt über uns lernen können" von Christine Eichel

    Der Corona-Effekt - Zwischen Shutdown und Neubeginn: Was wir jetzt über uns lernen können
    rumble-beevor 4 Tagen
    Kurzmeinung: Inhaltlich ein guter Überblick, stilistisch ein wenig verstiegen.
    Zwischen Essay und Glosse



    Ein „Buch“ kann man dieses Werk kaum nennen – eher ein Büchlein. Gedruckt wäre es etwa 96 Seiten lang. Stilistisch ist es ein Mittelding zwischen Glosse und Essay, in 8 Kapiteln. Ich vermute auch, dass die Idee zu diesem Buch genau so entstanden ist – in einzelnen Essays, und dass erst später ein Buch daraus wurde. Daraus würde sich auch erklären, dass sich manche Formulierungen und Gedanken durchaus wiederholen.


    Schon allein aufgrund der Kürze lässt es sich gut „weglesen“. Aber auch vom Inhalt her ist es recht „griffig“, wobei mir manche Kapitel besser gefallen haben als andere. Am meisten mochte ich Abschnitt 6, in dem es um den unerklärlichen „Volksgehorsam“ während der Pandemie geht. Das war teils scharfsinnig und bissig beobachtet, und hat Spaß gemacht!


    Die Autorin ist ganz unverkennbar Akademikerin, und Publizistin. Das schlägt sich im Text nieder. Sie kann es nicht lassen, hin und wieder „name dropping“ zu betreiben. Die Erwähnung manches historischen oder literarischen Zitates war für die Argumentation eher unnötig – es wirkte so, als zitiere sie nur, „weil sie es konnte“. 


    Auch Satzbau und Vokabular haben mich teilweise stutzig gemacht. An wen richtet sich dieser Text eigentlich? Wenn sie ein breites Umdenken bewirken will, dann geht der Text stilistisch an ihrer Absicht vorbei. Denn, so leid es mir tut, aufgrund des teils verstiegenen Sprachniveaus wird der Text keine Breitenwirkung haben. Das wird nicht jeder lesen (wollen). Sprich, diejenigen Menschen, die mit dem Text gut zurecht kommen, haben sich vermutlich die enthaltenen Gedanken schon selber gemacht. Und die es beträfe, über deren Köpfe geht es hinweg. Überhaupt, wenn ich schon Begriffe lese wie „Diskurs“, „Narrativ“ und „sich verorten“… dann gehe ich innerlich ein wenig auf Abstand. Das ist gestelzt.


    Interessant fand ich die Breite der Beobachtungen. Ein Skandälchen hier, ein missliebiger Tweet dort, ein „Aufreger“ eines Politikers, eine Umfrage, eine Äußerung eines Virologen… das habe ich alles überhaupt nicht mitbekommen. Ich persönlich habe mir während der Pandemie ein „Nachrichtenverbot“ auferlegt, um mich vor Aufregung und Panikmache zu schützen. Und offenbar hatte ich Recht. Man erfährt das Wichtigste hinterher sowieso.


    Das Buch inhaltlich zu bewerten, fällt mir schwer. Wir sind alle noch viel zu nah dran am Geschehen. Das merkt man auch im Buch, besonders im letzten Kapitel. Die Beobachtungen, welche Schlüsse nun zu ziehen seien, und was sich verändern werde oder müsse, verbleiben sehr im Ungefähren. Das Buch punktet für mich vor allem auf der Ebene der zusammenfassenden Rückschau. Und gelegentlich im Bereich Humor. Ein Ausblick oder eine Handlungsanleitung kann (und will es vermutlich) auch gar nicht sein.





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    Cover des Buches Schwarzer August (ISBN: 9783462052695)

    Bewertung zu "Schwarzer August" von Gil Ribeiro

    Schwarzer August
    rumble-beevor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Wirklich tolle Mischung aus Spannung, originellen Charakteren und Lokalkolorit!
    Obrigado, Senhor Lost!



    Ich hatte zuerst Bedenken, mich an dieses Buch zu trauen, da ich die drei Vorgängerbände noch nicht kenne. Aber die Bedenken waren unbegründet. Das Buch ließ sich auch als Neueinsteiger gut lesen und verstehen. Ich vermute nur, dass einem die Entwicklung im Team, die Leander Lost wohl durchmacht, als Dauerleser noch mehr Spaß machen würde. Aber auch so wurde ich bestens unterhalten – nach einem eher verhaltenen Anfang wurde ich so richtig in das Buch „hineingezogen“, und hatte es in zwei Tagen durch.


    Ein anderer Grund für Skepsis war für mich das Thema Autismus. Es scheint eine kleine Mode geworden zu sein, Autisten in den Medien als Serienhelden darzustellen. Oft aber gerät das nur zu einer Art allgemeinen Belustigung, ohne dem wirklichen Charakter dieser Menschen Rechnung zu tragen. Ich kenne eigentlich bisher nur ein Buch, in dem ein Autist realistisch und packend dargestellt wird – nämlich in „The curious incident of the dog in the night-time“ von Mark Haddon (ich glaube, auf Deutsch heißt das „Supergute Tage“). Doch ich war positiv überrascht. Leander Lost ist in diesem Buch ein vollwertiger Charakter, über den niemand lacht – auch der Leser nicht. Geschmunzelt habe ich hingegen schon das eine oder andere Mal; wie die Portugiesen sicher auch. Aber Leander hat mich auch unglaublich beeindruckt. Gleich zwei Mal riskiert er in diesem Buch haarscharf sein Leben – weil er als Einziger die logischen Konsequenzen sachlich bedenkt. Er hat mich ein wenig an Spock aus „Raumschiff Enterprise“ erinnert.


    Positive Erwartungen hatte ich durchaus – und zwar an den Autor. Ich kenne ihn aus „Die Toten von Marnow“, und weiß ausserdem, dass er Drehbuchautor ist. Das merkt man auch hier wieder sehr deutlich. Die Szenen sind sehr gut proportioniert, die Perspektiven wechseln sich ab. Es geht eben nicht nur um Leander Lost! Sondern um ein echtes Team. Die Handlung empfand ich als ziemlich realistische Polizeiarbeit. Zuerst ein wenig zäh, doch dann sich beinahe überschlagend, mit einem rasanten Ende, das jedem Fernsehkrimi Ehre macht.


    Zur Handlung habe ich bisher gar nichts gesagt, wobei ich auch sagen muss, dass ich sie als für diese Rezension nebensächlich empfinde. Es ist ein wirklich guter Krimi, mit einem überzeugenden Motiv, und nur wenigen falschen Fährten. Das halb offene Ende hat mir auch gut gefallen! Eine Winzigkeit könnte man als unlogisch anmerken – dass nämlich Leander Lost als Einziger die versteckten Palindrome in den Briefen des Bombenlegers entziffert. Nur, die sind auf Deutsch! Und das Ganze spielt in Portugal… Kurz, es ist schon seltsam, warum in einem portugiesischen Erpresserbrief ausgerechnet das deutsche Wort „Gier“ verschlüsselt sein soll. Aber vielleicht bin ich da überkritisch.


    Hingegen haben mir wirklich viele Dinge wirklich gut gefallen! Es ist nämlich auch kein überbetonter Regionalkrimi. Land und Leute kommen vor, ebenso die (köstlichen!) portugiesischen Essgewohnheiten. Aber eben nicht übertrieben, sondern dezent am Rande. Die Spanier bekommen als Volk ordentlich ihr Fett weg, nämlich in der Figur des einzigen Spaniers im Team, Miguel Duarte! Hier habe ich schon sehr gelacht. Es gibt eine offene und eine versteckte Beziehung im Team – beides fand ich schön geschildert. Überhaupt, wie mit der Liebe umgegangen wird. Auch die Struktur des Buches war gut durchdacht – nach „Tagen“ eingeteilt, und innerhalb dieser wiederum nach Kapiteln. Das hat für einen guten Lesefluss gesorgt.


    Kurzum, ich bin so ziemlich begeistert von diesem Buch, und kann es nur empfehlen. Mit dem Hinweis, dass sich sicher auch die ersten drei Bände (und alle weiteren) lohnen!


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    Cover des Buches Das Gewicht der Worte (ISBN: 9783957131966)

    Bewertung zu "Das Gewicht der Worte" von Pascal Mercier

    Das Gewicht der Worte
    rumble-beevor 11 Tagen
    Kurzmeinung: Sicher nichts für die gefällige Unterhaltung. Man muss Zeit mitbringen.
    Schwebende Bilder mit Botschaft



    Eine Vorbemerkung muss ich machen. Mir ist entgangen, dass neuerdings Hörbücher im mp3-Format hergestellt werden, nicht mehr im Audio-Format. So auch dieses Hörbuch. Das hat einerseits den praktischen Vorteil, dass es bei einer ungekürzten Lesung wie dieser weniger CDs sind. Andererseits hatte es für mich persönlich einen Nachteil, da ich mp3  nur direkt am Rechner hören kann. Und wer setzt sich im Frühjahr und Sommer bei schönem Wetter schon gern an den Schreibtisch…? Aber das ist wohl mein persönliches Problem.


    In vielerlei Hinsicht war dieses Hörbuch eine ganz ausgezeichnete Wahl! Gerade Stoffe von Pascal Mercier eignen sich hervorragend, um vorgelesen zu werden – weil es weniger um Plot, als um Stimmungen und Atmosphären, um Gedanken, geht. Weil alles so „schwebend“ ist. Der Sprecher Markus Hoffmann trägt dem in beispielhafter Weise Rechnung. Er zeichnet alles in ruhigem, betontem, federleichtem Stil. Er liest es weniger wie eine fortlaufende Geschichte, sondern wie eine Reihe von Bildern. Er hat den Text geradezu poetisch verinnerlicht. Es war ein wahrer Hörgenuss!


    Ein wenig ungewöhnlich fand ich, dass die Hörversion keine Kapitel hatte, nur einzelne Tracks. Ich habe mir hingegen sagen lassen, dass die Druckversion sehr wohl Kapitel haben soll. Das war manchmal ein wenig unpraktisch, da ich nur ungefähr springen konnte, wenn ich zum Beispiel  den Faden wiederfinden musste. Andererseits passte es gut zu dieser Geschichte. Das „Gewicht der Worte“ enthält viele, viele Binnenerzählungen, viele „Geschichten in der Geschichte“. Insofern konnte man durchaus an fast jeder beliebigen Stelle wieder einsteigen.


    Ich habe hier viele Themen aus früheren Büchern von Pascal Mercier wiedergefunden. Es geht um die Liebe zur Sprache, um das Übersetzen, ein wenig auch um den Wissenschaftsbetrieb. Um Entscheidungen, die ein Leben verändern. Und um den Verlust einer Ehefrau, welcher den Erzähler nachhaltig zeichnet.


    Simon Leyland ist Übersetzer und Verlagsinhaber, als er eines Tages eine tödlich scheinende Diagnose erhält. Er reist nach London, weil er dort ein Haus geerbt hat. Dort will er sich über sein weiteres Leben klar werden – und das wird noch sehr unverhoffte Wendungen nehmen.


    Die Erzählung enthält viele Textgattungen. So hält Simon Leyland viele innere Monologe ab – wenn er über etwas nachdenkt. Es gibt auch zahlreiche Rückblicke. Zu früheren Reisen, ins Krankenhaus, in die Anfangszeit seiner Ehe. Dann wieder beginnt er, Briefe an seine verstorbene Frau zu schreiben. Es gibt Auszüge aus anderen Romanen, die andere Menschen schreiben. Es gibt halbe Lebensgeschichten – zum Beispiel die von dem Russen Kusmin, oder die des Nachbarn und ehemaligen Apothekers Burke. Hier könnte man dem Autor – nur vielleicht – einen Vorwurf machen, weil alle diese Textsorten nicht so ganz trennscharf unterschieden sind. Sie sind alle in einem ähnlichen Ton verfasst. Aber ich fand es wunderbar! Man konnte sich in diesem Buch herrlich „verlieren“.


    Nicht zuletzt hat das Buch auch eine Botschaft. Wie lebt man sein Leben, wenn man eine zweite Chance erhält…? Simon Leyland geht hier seinen ganz eigenen Weg. Und auch andere Figuren stehen vor dieser Frage – wie will ich mein Leben leben, wenn ich im mittleren Alter stecke und herausfinde, dass ich schon zu lange dasselbe getan habe? Das Buch regt deutlich zum Nachdenken an.


    Jeder, der schon den „Nachtzug nach Lissabon“ mochte, wird auch dieses Buch lieben. Für neue Leser hätte ich eventuell Bedenken – weil eben die Erzählung in sehr gemächlichem Tempo voranschreitet. Wer atemlose Spannung sucht, ist hier fehl am Platze. Aber das wissen die treuen Leser von Pascal Mercier ja bereits.



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    Cover des Buches Das kann uns keiner nehmen (ISBN: 9783455009248)

    Bewertung zu "Das kann uns keiner nehmen" von Matthias Politycki

    Das kann uns keiner nehmen
    rumble-beevor 13 Tagen
    Kurzmeinung: Wich deutlich von dem ab, was ich erwartet hatte. Zäh und langatmig.
    Falscher Klappentext



    Für die Lektüre dieses Buches habe ich ungebührlich lange gebraucht – ganz gegen meine Gewohnheit. Von der reinen Seitenzahl her ist das sicher nicht zu rechtfertigen. Es war eher so, dass das Buch fast vollständig an meinen Erwartungen vorbei ging – und ich keinen der Protagonisten wirklich sympathisch fand, eher das Gegenteil. Nun muss man Romanhelden zwar nicht lieben – aber Charaktere, die derart im Ungefähren und Widersprüchlichen verbleiben, erleichtern die Sache auch nicht gerade. Ich gebe zu – wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich es abgebrochen. Weil ich irgendwann nur noch zum Ende kommen wollte.


    Noch dazu finde ich, dass der Klappen- und Umschlagtext (bewusst?) falsche Erwartungen schürt. Ich hatte den Eindruck, es handele sich um ein Bergsteigerdrama mit fatalem Ausgang. Doch weit gefehlt. Um das Bergsteigen geht es nur in den allerersten Kapiteln. Danach mutiert die Geschichte zu einem Roadmovie mit offenem Ausgang. Und bekommt im letzten Drittel auch noch eine Lebensbeichte aufgedrückt, die der Gesamtgemengelage nicht gut getan hat. Das Buch lässt sich nicht wirklich klassifizieren. Und in der Mitte hat es arge Längen. All dies hat mir den Lektüregenuss erheblich erschwert. Hinzu kommt, dass das Buch keine Kapitel hat – nur Absätze. Das machte es für mich zäh.


    Auf einer Urlaubsreise in Tansania trifft der etwas steife Hans auf den Bayer Tscharli – ausgerechnet am Gipfel des Kilimandscharo. Durch einen Schneesturm bedingt, müssen sich die beiden zusammenraufen. An den Fuß des Berges zurückgekehrt, überredet der vorgeblich schwer kranke Tscharli den Hans, ihn auf einer „letzten Reise“ zu begleiten, die durch diverse Nachbarländer und bis nach Sansibar führt. Am Ende bleibt Tscharli im Krankenhaus, und Hans fliegt heim.


    Ich konnte diesen Tscharli leider auf den Tod nicht leiden – inwieweit das vom Autor bewusst geschürt ist, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls ging mir dieser falsche Bayer gründlich auf die Nerven, mit seinen unerträglich platten Zoten, seiner Einstellung zu den Afrikanern (zu den Frauen insbesondere!), seinem Imponiergehabe. Ich habe überhaupt nicht verstanden, warum Hans, der ihn zuerst ebenso wenig mochte, überhaupt mit ihm auf diese Reise geht. Ihn sogar zum Schluss ins Krankenhaus begleitet.


    An dieser Widersprüchlichkeit krankt meiner Meinung nach das ganze Buch. Der Autor/ Erzähler nimmt zu den Geschehnissen einfach keine klare Haltung ein. Erst recht nicht will mir einleuchten, warum er dem Tscharli ganz zum Schluss noch seine schmerzhafte Lebensgeschichte erzählt – das hätte ich nur bei einem sehr guten Freund getan. Und ob der Tscharli für ihn einer war, wird nicht wirklich klar.


    Erst hinterher fiel mir auf, dass es für das Rezensionsexemplar ein Vorwort gab – worin beschrieben ist, dass das Buch auf wahren Erlebnissen aufbaut. Was die Reisen und die Krankheiten betrifft. Der Tscharli als Person ist wohl hinzuerfunden – und genau das war für mich das Quäntchen zu viel. Dann hätte der Autor meiner Meinung nach lieber einen Reisebericht „seines“ Helden verfasst, und die Beichte mit eingearbeitet, vielleicht in Rückblicken, wie man das heute so macht. So hat sich das Buch leider unnötig gezogen – immer wieder dieselben Szenen, dieselben Kneipen, der Tscharli ordert Bier, flirtet mit den Afrikanerinnen, der Hans schämt sich, und am nächsten Tag alles von vorn.


    Dass der Autor Schreibtalent hat, sei unbestritten. Die Sprache zeugt schon von Können – wenngleich gerade im letzten Drittel die „gehobene Grammatik“ oft fehl am Platz war. Mir war der Autor allerdings vorher unbekannt, und ich bin nicht sicher, ob ich ihn weiter kennenlernen möchte. Für mich ein klassischer Fall von „leider nichts für mich“.


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    Cover des Buches Das Netz: Ein Reykjavik-Krimi (Die Island-Trilogie 1) (ISBN: B08234TVZZ)

    Bewertung zu "Das Netz: Ein Reykjavik-Krimi (Die Island-Trilogie 1)" von Lilja Sigurdardottir

    Das Netz: Ein Reykjavik-Krimi (Die Island-Trilogie 1)
    rumble-beevor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Eher derb und düster, aber sehr spannend!
    Eine spannende Neuentdeckung



    Für mich war das Buch eine gute Entdeckung im Bereich „Kriminalliteratur“ aus Island. Ein wenig habe ich mich schon mit isländischen Autoren beschäftigt, und insgesamt scheint mir, sie sind alle ein wenig direkter, derber, ungeschönter. So eben auch Lilja Sigurdadóttir. 


    Das Thema fand ich gut gewählt. Eine Mutter, die um das Sorgerecht für ihren Sohn kämpft, gerät auf die berühmte „schiefe Bahn“ und wird zur Drogenschmugglerin. Man kann gut mit Sonja mitfühlen. Sie ist schon sehr einfallsreich, und gewieft im Umgang mit den „großen Jungs“. Schritt für Schritt erkennt sie erst, in welch aussichtslose Lage sie sich da manövriert hat.


    Alle Hauptpersonen finde ich interessant! Es sind sperrige und lebendige Charaktere. Da wäre zum Beispiel noch Agla, die Freundin/Beziehung von Sonja. Sie trinkt zu viel, und hat beruflich (als Bankerin) wohl so einigen Dreck am Stecken. Drittens wäre da der Zollbeamte Bragi, kurz vor der Pensionierung, und mit schwerem privatem Schicksal. Seine Frau leidet an Alzheimer, und lebt in einem Heim – womit er kreuzunglücklich ist. Hier habe ich wirklich mitgelitten!


    Die Handlung baut sich langsam auf, und entwickelt langsam immer mehr „Fahrt“ - genau so sollte es in einem Krimi sein! Man erlebt die Geschehnisse hauptsächlich aus der Sicht von Sonja, man weiß zu (fast) keinem Zeitpunkt mehr als sie. Nur ganz zum Schluss, in den letzten Kapiteln, ging es mir etwas zu schnell. Hier hätte ich mir mehr Kapitel gewünscht. Es las sich so, als sei gekürzt worden…?


    Auch fand ich manche Handlungsaspekte unausgegoren. Es hätte meiner Meinung nach gereicht, die intime Beziehung von Sonja und Agla und all ihre Schwierigkeiten zu schildern. Warum Agla dann ausgerechnet noch Geld hinterzogen haben soll, war für das Buch und die Handlung eigentlich nicht nötig. Hiervon war ich auch eher verwirrt, und konnte nicht immer folgen. Auch von Bragi und seiner Tätigkeit beim Zoll hätte ich gerne mehr gelesen! Ich fand es spannend, wie er seine Instinkte entwickelt, und worauf er als Beamter achtet.


    Man sollte das Buch nicht lesen, wenn man zart besaitet ist. Die Schilderungen der intimen Szenen zwischen Sonja und Agla lassen wirklich fast nichts aus. Mich hat das schon überzeugt, ich fand das für die Charakterisierung der Frauen wirksam. Agla zweifelt die ganze Zeit, und redet sich ein, „sie sei ja gar nicht so“. Wohingegen Sonja einfach nur „genießt“.


    Auch was das Drogenmilieu betrifft, ist das Buch nicht zimperlich. Was da an Methoden und Einschüchterungsversuchen aufgefahren wird, war nicht von Pappe. Leider stimmt es, soweit ich das aus meiner Sicht beurteilen kann. So etwas hat man verschiedentlich schon gehört.


    Insgesamt lande ich bei vier sehr wohlwollenden Sternen! Ich habe das Buch gerne gelesen, und würde auch in weitere Bände der Autorin hineinschnuppern.


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    Cover des Buches Find Your Magic (ISBN: 9783833873485)

    Bewertung zu "Find Your Magic" von Conni Biesalski

    Find Your Magic
    rumble-beevor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Überdreht und zusammengewürfelt. Brachte mir nicht viel Neues.
    Für mich eher lauwarm



    Ich bin überrascht, wie viele 5-Sterne-Bewertungen dieses Buch schon hat. Ich gönne von Herzen jedem Leser seine Meinung, und auch der Autorin ihren Erfolg. Nur leider kann ich nicht anders, als ehrlich zu sein. Ich kenne mich bei Sachbüchern, auch und gerade bei solcher Art von Ratgebern, eben schon ein wenig aus. Und von daher kann ich nur sagen, ich habe hier nicht viel Neues gefunden. Und auch die Autorin war mir leider nicht sympathisch.


    Find Your Magic – erstens hat mich dieser Titel schon genervt. Warum muss man eigentlich simple Tatsachen derart „verdenglischen“? Der Sachverhalt ist schon tausendfach beschrieben worden; von manchen Autoren übrigens sehr viel besser. Ich sage ja nur Louise Hay und Dale Carnegie. Welche die Autorin übrigens nicht einmal erwähnt! Obwohl es Klassiker sind. Überhaupt hat mich die Tendenz der Autorin genervt, eine überbetont „hippe“, mit englischen Worten aufgepeppte Sprache zu verwenden. Ihr ganzer Tonfall war irgendwie übernervös. Bei mir kam es zumindest so an. Ich mag in einem Sachbuch einfach nicht wie ein Kumpel angeredet werden.


    Zweitens fand ich die Struktur des Buches nicht gut gemacht. Es hat mehrere Abschnitte – im ersten Anlauf war ich einfach nur verwirrt, und habe den „roten Faden“ nicht gefunden. Im zweiten Durchgang fiel mir dann auf, nein, ich täusche mich nicht. Es wiederholt sich einfach unendlich Vieles. Man hätte die wirklichen Inhalte dieses Buches meiner Meinung nach auf einen einzigen Abschnitt herunterkürzen können.


    Drittens. Als Lebensgeschichte fand ich das Buch recht interessant! Unter diesem Gesichtspunkt könnte ich mir eventuell vorstellen, dass das Buch Gewinn bringt. Nämlich als eine Art Biographie einer „digitalen Nomadin“. Nur leider ist sie mir dadurch persönlich nicht sympathisch geworden. Ich kann mit diesem Lebenskonzept nichts anfangen. Für mich liest sich das so, als mag sie sich einfach nur nicht festlegen in ihrem Leben. Und das ist für mich weder ein Zeichen von Reife, noch von Erfolg. Auch das Konzept von „Erfolg“, dass sie vertritt, finde ich fragwürdig. Es ist naiv zu glauben, jeder einzelne Leser könne noch einmal so wie sie etwas „ganz Neues“ erfinden. Und was ist überhaupt mit simpler Zufriedenheit?? Ich brauche nicht ständig einen „Kick“, und auch keine großen finanziellen Erfolge!


    Einzig die Abschnitte über Meditation und Glaubenssätze fand ich gut gemacht. Hier hätte ich sogar gerne etwas mehr gelesen. Sie hat offenbar über längere Zeit Kurse in einem Buddhistischen Zentrum besucht. Das schildert sie gut und glaubhaft. Aber mich macht es eben traurig, wenn Meditation lediglich verstanden wird als etwas, was „das eigene Leben besser“ und mich selbst „erfolgreicher“ macht. Dafür war die Methode ursprünglich nicht gedacht. Aber nun ja. 


    Die Literaturliste am Schluss fand ich sehr kurz, und sehr unzusammenhängend zusammengestellt. Wie bereits weiter oben erwähnt, hat sie die wirklichen Klassiker komplett ausgelassen. Erwähnt sie im Text aber immer mal wieder am Rande! Und das finde ich unseriös.


    Ich bin sehr unentschlossen, wie ich dieses Buch bewerten oder wem ich es empfehlen würde. Für einen Neueinsteiger in die Thematik – eventuell okay. Aber bitte mit Vorsicht zu lesen, aufgrund der verkürzten Darstellung. Für Menschen, die sich für ungewöhnliche Biographien interessieren – auch okay. Ich lande bei sehr mulmigen drei Sternen von fünf.



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    Cover des Buches Eiskalte Augenblicke (ISBN: 9783462320077)

    Bewertung zu "Eiskalte Augenblicke" von Viveca Sten

    Eiskalte Augenblicke
    rumble-beevor einem Monat
    Kurzmeinung: Kurzweilig und spannend. Voller überraschender Wendungen.
    Spannende Ergänzung zu den Romanen



    Ich mag Kurzgeschichten, und ich mag die Krimis von Viveca Sten. Mit diesem Band habe ich also einen Volltreffer gelandet! Im Nachwort steht, die Autorin habe ihn sozusagen nur „auf Nachfrage“ von vielen Lesern verfasst, die sich für die Vor- und Nebengeschichten zu Nora und Thomas‘ Leben interessierten. Das Buch kann aber meiner Meinung nach völlig zu Recht als eigenständiges Werk gelten! Alle einzelnen Geschichten sind spannend, ungewöhnlich, und lebendig. Allerdings profitiert man als Leser deutlich davon, wenn man die Krimi-Reihe kennt. Dann werden so manche Bezüge erst deutlich!


    Die geschilderte Zeitspanne reicht vom Teenager-Alter von Nora und Thomas, also lange bevor sie in den Romanen auftauchen, bis hinein in die Gegenwart mit jeweils neuer Partnerschaft und eigenen halbwüchsigen Kindern. Auch etliche Freunde der beiden tauchen auf. Man versteht, wie ihr Leben wirklich verlaufen ist. Mehrere Male finde ich das sogar ausgesprochen gruselig… weil auch jemand vorkommt, der in einem der Romane der Täter war! Aber mehr verrate ich natürlich nicht!


    Toll finde ich die „Verzahnung“ der Geschichten untereinander. Auch wenn man die Romane nicht kennen würde, so beziehen sich doch die Geschichten dieses Buches auf einander. Micke zum Beispiel wurde mit Thomas und Nora konfirmiert. Später wird er zu einem komplizierten Ehemann.  Tante Signe hatte ein viel spannungsreicheres Leben, als man dachte. Und so weiter. 


    Schlicht großartig finde ich Viveca Stens schriftstellerisches Talent! In der Kurzform kommt es sogar noch besser zur Geltung. Die Geschichten wimmeln nur so von überraschenden Wendungen. Sehr oft sind es die Frauen, die viel hinterlistiger sind, als man es ihnen zutraut! Und in vielen Geschichten geschieht die entscheidende Wendung, der Cliffhanger sozusagen, erst im letzten Satz oder im letzten Absatz, so dass man die Geschichte eigentlich gleich von vorne lesen müsste. Faszinierend! Ich habe an den Seiten förmlich geklebt!


    Toll fand ich auch, wie schwedische Lebensart und die Beschreibung der Schären hier eingeflochten wird. Sommer auf einer Touristen-Insel – wunderbar hintersinnig geschildert. Mittsommer, Krabbenfest, endlose Familientafeln, Segelregattas… man möchte am liebsten sofort hinfahren!


    Das ist ein Buch, das ich nicht nur Fans der Reihe empfehle. Es ist durch und durch gelungen. Spannende Unterhaltung mit vielen Überraschungseffekten. Und aufgrund der literarischen Qualität durchaus mehrfach lesbar.


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    Cover des Buches Dunkles Lavandou (ISBN: 9783548291277)

    Bewertung zu "Dunkles Lavandou" von Remy Eyssen

    Dunkles Lavandou
    rumble-beevor einem Monat
    Kurzmeinung: Sehr flüssig zu lesen. Tolle Beschreibungen. Als Krimi okay.
    Gefällig geschrieben



    Dies war meine erste Begegnung mit dem Autor, und mit der Reihe. Ich bin generell ein wenig skeptisch bei diesen ganzen Regional- und Frankreich-Krimis. Allzu oft scheinen sie mir nur geographische Sehnsucht wecken zu wollen, die Autoren wollen sozusagen mit ihrer Landeskenntnis ein wenig „angeben“ und Reiselust wecken. Die Fälle geraten da oft in den Hintergrund.


    Ich bin einigermaßen positiv überrascht! Das Buch ist sehr „gefällig“ und flüssig geschrieben. Man gerät sehr leicht in einen „Lesesog“, der einen durch eine abwechslungsreiche und durchaus spannende Handlung begleitet.


    Allerdings muss ich schon sagen, dass ich den Verdacht habe, dass man sich an dieser Reihe leicht „überfressen“ könnte. An manchen Stellen habe selbst ich als Neuling in der Reihe gemerkt, dass hier auf einen früheren Band umständlich angespielt wurde. Und manche Szene war erkennbar nur darum so und genau so geschrieben, um dem Leser die Zusammenhänge zu erläutern. Etwas, was mich zum Beispiel auch bei den späteren Bänden von „Harry Potter“ immer gestört hat! Ellenlang wurden Dinge wiederholt, nur um sicherzugehen, dass es auch „neue Leser“ verstehen!


    Doch gehen wir mal systematisch vor. Helden bzw. Protagonisten sind hier Leon Ritter, Gerichtsmediziner aus Deutschland, und seine Partnerin Isabelle, die „Capitaine“ bei der Polizei ist. Das erlaubt es dem Autor, private und offizielle Ermittlungen geschickt zu verknüpfen. Allerdings führt es auch zu der kuriosen Situation, dass der eigentliche Ermittler, Polizeichef Zerna, mehr und mehr wie eine Witzfigur aussieht, weil er eigentlich nur vorkommt, um Isabelles und Leons Ergebnisse zu „verwalten“.


    Den „Fall“ an sich fand ich schon spannend. Ich mag es, wenn mittelalterliche Motive mit aktuellen Gräueltaten verknüpft werden. Und wenn das nur zufällig, durch einen aufmerksamen Mitarbeiter, herauskommt. In diesem Falle durch Leon Ritter. Er entdeckt, dass hinter den toten Frauen Misshandlungen religiös-rituellen Charakters stecken.


    Leon und Isabelle bleiben für mich als Menschen leider ein wenig farblos… die Schilderungen beschränken sich zumeist auf gemeinsames Essen, Ausflüge, oder stundenlange Fahrten durch die Natur. Einen Nebenstrang, mit einer potenziellen schweren Erkrankung, fand ich sogar ausgesprochen überflüssig und konstruiert. Die beiden führen einfach eine in meinen Augen zu sehr „geglättete“ Beziehung.


    Ausserdem merkt man schon sehr stark, dass der Autor hauptsächlich Drehbücher schreibt. Die Szenen sind alle gefühlt exakt gleich lang, und Szenen mit Leon oder mit Isabelle wechseln sich mit schöner Gleichmäßigkeit ab. Das wirkt wiederum konstruiert. Eine Fahrt über Land. Eine Ermittlung. Eine private Szene. Und wieder von vorne im genau gleichen Rhythmus. Das Buch könnte man fast 1:1 verfilmen. Es ist sehr „visuell“ geschrieben.


    Die Schilderungen von Natur und kulinarischen etc. Gewohnheiten sind allerdings toll! Das Buch macht unbedingt Lust darauf, die Gegend zu besuchen. Besonders geschmunzelt habe ich bei der Schilderung eines lokalen Heiligen-Festes, bei dem man sehr deutlich merkte, wie sehr Folklore oft an den Geschmack der Touristen angepasst wird! Andererseits hat mich der Wein-Tick der Südfranzosen fast wieder genervt. Wein zu allen möglichen und unmöglichen Tageszeiten. Zumal ich persönlich mir nichts aus Wein mache.


    Gestört haben mich ansatzweise auch die eingestreuten französischen Ausdrücke. Ein „merde alors“ hin und wieder geht ja noch klar. Aber wie oft hier von den „flics“ gesprochen wurde, das war deutlich übertrieben. Es kam gefühlt auf fast jeder Seite vor! Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Franzosen wirklich sooo schlecht über ihre Gesetzeshüter denken.


    Dann wieder gab es hin und wieder Nebenschauplätze, die unnötig grausam oder übertrieben waren. Die Szene mit dem Schweinetransporter ist einfach nur scheußlich! Und sie war unnötig! Und warum muss ausgerechnet ein wichtiger Zeuge ein Ehebrecher sein? Das ist doch reinstes Klischee!


    Mein deutlichster Kritikpunkt betrifft – das Motiv des Täters! Es ist – schlicht nicht vorhanden! Mir bleibt völlig verschlossen, WARUM der Täter so gehandelt hat. Keine Erklärung seiner Vorgeschichte. Kein Trauma, kein Frauenhass, kein religiöser Wahn… das muss man sich als Leser alles selbst zusammenreimen. Und wie hat er sich seine Opfer überhaupt geangelt?? Oder hat etwa in der elektronischen Fassung ein Kapitel gefehlt…?? Jedenfalls endet das Buch für mich ziemlich abrupt mit der Ergreifung des Täters auf frischer Tat. 


    In der Summe lande ich bei diesem Buch bei etwa 3,5 Sternen von 5 möglichen. Wie gesagt, es lässt sich wunderbar flüssig „weglesen“. Allerdings sollte man dabei keinen allzu ausgefeilten Krimi erwarten. Der Autor hat das Genre eben nicht neu erfunden.




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    Cover des Buches TRUE CRIME ENGLAND I Wahre Verbrechen – Echte Kriminalfälle aus Großbritannien  I: schockierende Kurzgeschichten über Mord, Raub, Entführung, Missbrauch und Diebstahl I (ISBN: B085GMSY4J)

    Bewertung zu "TRUE CRIME ENGLAND I Wahre Verbrechen – Echte Kriminalfälle aus Großbritannien I: schockierende Kurzgeschichten über Mord, Raub, Entführung, Missbrauch und Diebstahl I" von Adrian Langenscheid

    TRUE CRIME ENGLAND I Wahre Verbrechen – Echte Kriminalfälle aus Großbritannien I: schockierende Kurzgeschichten über Mord, Raub, Entführung, Missbrauch und Diebstahl I
    rumble-beevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Gut zu lesende Sammlung mit großer Bandbreite. Nur gelegentlich zu emotional.
    Fesselndes "Lesebuch"



    Mit dem Genre „True Crime“ befasse ich mich noch nicht sehr lange, und auch nicht sehr intensiv. Für mich sind das vor allem Ferdinand von Schirach, und der eine oder andere Mark Benecke. Die sehe ich als die „Großen“ ihres Fachs an. Wohingegen mir das kürzlich erschienene Buch des YouTubers Jarow so gar nicht gefallen hat. Für das Buch von Adrian Langenscheid hatte ich mich interessiert, weil es sympathisch angekündigt wurde, als „Kurzgeschichten“. Ich wollte wissen, was dahinter steckt, und wie es sich in die „Szene“, so weit ich das beurteilen kann, einfügt.


    Ich bin einigermaßen positiv überrascht! Ich habe es gerne gelesen, und bescheinige ihm Flüssigkeit und Engagement. Zudem hat der Autor an einer Leserunde teilgenommen, und ich konnte feststellen, dass er tatsächlich engagiert und leserfreundlich ist. 


    „Kurzgeschichten“ sind es in der Tat insofern, als eben die Lesbarkeit als Ganzes im Vordergrund steht. Die Texte haben einen deutlich erzählenden Ton. Der Autor tritt auch als solcher auf – als Erzähler und Vermittler. Es gibt zumeist eine kurze Einleitung, danach eine Chronologie der Ereignisse. Der Ton ist menschlich, und bemüht sich, Hintergründe und Gefühle zu erläutern. Es wird jeweils das Umfeld der Tat geschildert, mögliche Ermittlungswege, und auch Urteilsbegründungen, sowie Folgen für Opfer und / oder Hinterbliebene. 


    Es ist der dritte Band einer Reihe – diesmal handelt es sich um Fälle aus England. In den ersten beiden Bänden waren es Deutschland und die USA. Ich kann es nicht genau beurteilen, habe aber den Eindruck, dass der Autor mit jedem Band an Sicherheit und Versiertheit gewonnen hat. Das Buch enthält 20 Fälle, die fast alle aus der jüngeren Vergangenheit stammen, und eine große Bandbreite abdecken. Nur ein Fall fällt aus dem Rahmen; es handelt sich um den „Großen Postraub“ aus dem letzten Jahrhundert, ein echter Klassiker! Doch ausgerechnet Fred und Rosemary West fehlen, die ich aber unbedingt erwartet hätte. 


    In den restlichen 19 Fällen findet man fast alles, was man sich unter dem Stichwort „Verbrechen“ vorstellen kann. Kindesmissbrauch, Misshandlung, Vampirismus, spontane Gewalt, Verwahrlosung, eine vorgetäuschte Entführung, Eifersucht, Erpressung, Serientäter, und dysfunktionale Beziehungen aller Art. 


    Mein Urteil ist insgesamt, wie gesagt, gut. Jedoch habe ich durchaus Kritikpunkte. Da sind zum einen doch etliche Schreib- und Druckfehler. Dann wiederum rutscht der Erzählton gelegentlich (in meinen Augen) ab, und begibt sich auf das Niveau einer Gazette. Manche Sätze hätte ich ersatzlos gestrichen! Schade auch, dass manche Gelegenheit versäumt wurde, Hintergründe zu beleuchten. Zum Beispiel den Einfluss von frühkindlichen Erlebnissen auf das spätere Verhalten. Warum man sich in dysfunktionalen Gemeinschaften so oft „Opfer“ sucht. Wie man überhaupt zum Täter wird. Die Rolle des Internets. Und noch einiges mehr. Aber es sind eben „Kurzgeschichten“, und das, was ich erwartet hätte, mag auf meinen persönlichen Vorlieben beruhen.


    Insgesamt würde ich das Buch empfehlen, und zwar für Leser, die eine große und gut lesbare Sammlung suchen, und diese als Ausgangspunkt nehmen möchten, sich selber Gedanken zum Thema Verbrechen zu machen. Vermutlich sollte man sich auch die ersten beiden Bände zulegen, um besser vergleichen zu können.


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    Cover des Buches Der Kaufmann und der Rinpoche (ISBN: 9783424351002)

    Bewertung zu "Der Kaufmann und der Rinpoche" von Aljoscha Long

    Der Kaufmann und der Rinpoche
    rumble-beevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Detailreicher und lebendiger Roman über eine Männerfreundschaft, verbunden mit Religion und Geschichte Tibets.Wundervoll!
    "Narziss und Goldmund" auf Tibetisch



    Dieser feine, komplexe Roman hat mir ausnehmend gut gefallen. Und das gleich aus mehreren Gründen. Denn hier verbinden sich gekonnt gleich drei Aspekte. Zum einen ist das Buch eine detaillierte (und korrekte!) Darstellung des (überwiegend tibetischen) Buddhismus. Zweitens enthält es aber auch noch eine Romanhandlung über eine Männerfreundschaft, in einem Land, in dem das bei weitem nicht selbstverständlich ist und war. Drittens schließlich findet der interessierte Leser hier einen geschichtlichen Abriss über die Geschehnisse im Tibet des letzten Jahrhunderts, von der Feudalzeit über Mao und die Invasion der Chinesen bis hin zur Gegenwart.


    Es ist schon kein kleines Kunststück, eine Romanhandlung mit Religion und Geschichte so zu verbinden, dass es angenehm zu lesen, unterhaltend, aber auch noch bereichernd ist! Die beiden Autoren sind zwar, so weit ich das recherchieren konnte, selber keine Buddhisten, befassen sich aber ausführlich mit fernöstlichen Lehren, u. a. als     Meditations- und QiGong-Lehrer. Ich war naturgemäß, als Buddhistin, skeptisch, ob das alles nicht „zurechtgestutzt“ worden war. Doch nein. Ich konnte keinen Fehler in der Darstellung finden, bin aber gleichwohl der Meinung, dass das Buch für Nicht-Buddhisten eventuell ob seiner Detailfülle etwas überfordernd ist.


    Es geht um die beiden Tibeter Dorjee und Sonam, die beide zunächst als einfache Hirtenjungen aufwachsen, und sich anfreunden. Schon früh bemerkt man ihre unterschiedlichen Charaktere. Dorjee ist nicht wirklich gläubig (in Tibet ein bemerkenswertes Faktum!), und träumt von Erfolg und Karriere. Sonam hingegen ist Buddhist durch und durch, und möchte am liebsten Mönch werden. Dorjee sieht in Tibet alles, was schlecht ist (Armut und Feudalherrschaft), Sonam hingegen konzentriert sich auf die kulturelle und religiöse Überlieferung. Wir begleiten die beiden ihr ganzes Leben hindurch. Dorjee wird tatsächlich reicher Kaufmann, Sonam Mönch, ja sogar ein „Rinpoche“ (ein fortgeschrittener Meister). Insofern hat mich das Buch eben doch an „Narziss und Goldmund“ von Hesse erinnert. Auch hier werden zwei Figuren eingeführt, die für zwei Aspekte der gleichen Zeit (oder der gleichen Persönlichkeit) stehen.


    Das Buch ist strukturell sehr gut aufgebaut; man muss sich aber durchaus konzentrieren. Es beginnt mit dem Sterben Dorjees. Trotz seines lebenslangen Unglaubens bittet er seinen alten Freund Sonam, ihm während seiner „Übergangsphase“ das Tibetische Totenbuch, das „Bardo Thödol“, vorzulesen. Denn nach tibetisch-buddhistischer Überlieferung soll dies dem Verstorbenen helfen, entweder Erleuchtung zu erlangen, oder eine günstige Wiedergeburt. Also liest Sonam. Die rezitierten Abschnitte stammen original aus dem Tibetischen Totenbuch! Die Lesungen wechseln sich ab mit Rückblicken in die Jugend der beiden Helden. Wie sie sich kennenlernten. Wie jeder schließlich seinen eigenen Weg einschlug. Und wie die komplexe Geschichte Tibets die beiden fast entfremdet hätte – denn Dorjee hatte zwischenzeitlich durchaus mit den Chinesen sympathisiert!

    Wie es endet, werde ich nicht verraten – es hat mir jedoch ein sehr warmherziges Schmunzeln entlockt!


    Schön finde ich die bildhafte, eingängige Sprache. Beide Protagonisten füllen ihre „Rollen“ in diesem Buch ganz wunderbar aus. An Dorjee sieht man deutlich, wie Skeptizismus und weltlicher Erfolg den Glauben untergraben können. Zugleich ist das sehr eingängig beschrieben. Durch Dorjees Zweifel hindurch kommt der Leser dem Buddhismus näher. Denn Dorjees Glauben wird durch die Wanderung im „Zwischenreich“ durchaus auf die Probe gestellt. Aber auch Sonam wird in seiner Glaubensfestigkeit geprüft. Je länger die Begleitung seines Freundes dauert, muss er Standfestigkeit bewahren. Und durch das Erinnern an ihrer beider Geschichte fragt er sich des öfteren, wer es von ihnen wohl besser im Leben hatte.


    Das Buch will in keiner Weise missionieren. Aber es bringt dem Leser eine fremde Lebenswelt sehr einfühlsam näher. Und es erlaubt ihm, seine eigenen Rückschlüsse zu ziehen. Sich zum Beispiel zu fragen, ob die internationale Gemeinschaft nicht mehr für Tibet hätte tun können. Wie man sich selber in den Wirren der Zeiten verhalten hätte. Ich habe mit Dorjee vor den Gottheiten des Zwischenreiches gezittert, aber gleichzeitig mit Sonam gelächelt. Mir sind beide gleich ans Herz gewachsen! Und ich wage durchaus nicht zu sagen, wer es nun „besser“ hatte. Ich wünsche diesem Buch noch viele Leser. Und ich werde es sicher noch mehrfach lesen.


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