sparklesandherbooks

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    Cover des Buches A Fire Between Us (ISBN: 9783426526682)

    Bewertung zu "A Fire Between Us" von Nina Bilinszki

    A Fire Between Us
    sparklesandherbooksvor 7 Tagen
    Kurzmeinung: eine angenehme, mitreißende Geschichte für Zwischendurch mit wichtigen Themen, aber auch einigen Längen
    angenehm und mitreißend

    „Red dich nicht immer klein.“ 

    (Lizzys Schwester zu Lizzy in A fire between us)


    Worum geht’s?

    Schon seit er sie das erste Mal gesehen hat, ist Basketballstar Kayson von Lizzy fasziniert. Doch Lizzy zeigt ihm immer wieder die kalte Schulter. Denn das schlagfertige Mädchen hat schon immer ein Problem mit ihrem Gewicht gehabt und wurde in der Highschool deswegen auch gemobbt. Und jetzt soll ausgerechnet der Supersportler Interesse an ihr haben? Als sie sich bei der Arbeit im Tierheim immer näher kommen, fasst Lizzy den Entschluss, abzunehmen. Doch der Weg, den sie wählt, bringt sie im Gefahr und könnte Kayson für immer vergraulen…

     A fire between us ist Band 2 der Between-Us-Reihe. Das Buch ist in sich geschlossen, die Charaktere des Vorgänger- und Folgebandes kommen jedoch vor, sodass Inhalte gespoilert werden könnten. 


    Schreibstil / Gestaltung

    Das Cover ist in verschiedenen Rosa- und Orangetönen gehalten, in Anlehnung an das Fire vom Titel. Es ist ein hübsches Cover, ein glitzernder Hingucker und zugleich recht dezent. Das Buch wird linear von Lizzy und Kayson aus der Ich-Perspektive erzählt. Es gibt keine Rückblenden. Der Schreibstil ist locker-leicht und gut verständlich. Es sind Intimszenen enthalten.

    Meine Meinung

     Nach einem nicht so glanzvollen Start mit An ocean between us bin ich mit zwiegespaltenen Gefühlen an Band 2 gegangen. Band 1 war vorhersehbar, die Charaktere waren für mich blass und es gab viel zu viel drumherum. Da mich die Thematik von Band 2 mit Lizzys Gewichtssorgen aber sehr ansprach, wollte ich der Reihe noch eine Chance geben. 

     

    Im Fokus stehen dieses Mal Lizzy und Kayson. Die beiden kennen sich über ihren gemeinsamen Freundeskreis und haben bereits öfter Zeit miteinander verbracht. Kayson ist schon länger von Lizzy fasziniert und auch Lizzy findet den sympathischen Basketballspieler toll. Doch Lizzy ist sehr geprägt von ihrem Körperbild, für das sie sich schämt. Zwar wird im Buch nie explizit eine Kilozahl genannt, aber ihre Gedanken werden sehr präsent eingeführt. Verschiedene Diäten sind schon fehlgeschlagen, ihre Mutter schickt ihr immer wieder neue und tief in ihr wirken auch noch die Mobbingerfahrungen nach. Als beide zufällig anfangen, im örtlichen Tierheim zu arbeiten, beginnen sie, auch miteinander mehr Zeit allein zu verbringen und sich näher zu kommen. Lizzy weist Kayson aber immer wieder ab, Kayson lässt sich hiervon aber nicht beeindrucken. Und so entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte. Bis Lizzy eine Entscheidung trifft, die zu einem besseren Körper führen soll, aber auch dazu führt, dass sie ihren Freundeskreis belügen muss. 

     

    Gleich vorweg: A fire between us hat mich deutlich mehr überzeugen können als Band 1. Wirklich. Das liegt nicht daran, dass das Buch jetzt unvorhersehbar ist (tatsächlich hält die Handlung erneut sehr wenig Überraschungen bereit), jedoch wurde dieses Mal auch nicht mit einem großen Geheimnis gearbeitet, was erfrischend war. Von Anfang an waren die Problempunkte eigentlich klar und dann geht’s nur noch um wenige Punkte: Schafft Lizzy abzunehmen? Kann Kayson sie für sich gewinnen? Wird Lizzys Abnehmweg auffliegen? Und ganz ehrlich: Das hat mir gereicht als Handlung. Denn so entwickelt sich eine wirklich angenehme Geschichte, die man gut zwischendurch lesen kann. Sie verläuft nahezu undramatisch, keine größeren Streitereien, keine sich überschlagenden Ereignisse. Die Autorin hat sich viel Zeit genommen, Lizzys Leidensweg zu beschreiben und ich finde, dass ihr das gut gelungen ist. Ich konnte mich in vielen Punkten mit Lizzy identifizieren, auch wenn nie offengelegt wird, was für ein Gewicht sie hat. Das passt vielleicht sogar noch besser, weil sich so noch mehr Leute angesprochen gefühlt haben werden. Zwar ist es durch den eher handlungsarmen Hintergrund hin und wieder so, dass viele Seiten vergehen, bei denen man sich fragt, ob man sie nicht hätte kürzen können. Und ich bin auch ehrlich, wenn ich sage, dass es hier wieder jede Menge drumherum gibt (vor allem hinsichtlich der Band, in der Lizzy ist), aber es war zum Großteil doch angenehm und mitreißend. 


     Die Liebesgeschichte war echt niedlich. Vor Anfang an ist ein Interesse der beiden Protagonisten zu vernehmen, was ich im Laufe des Buches noch weiterentwickelt. Man merkt, dass da eine gewisse Anziehungskraft gibt und wie aus diesem zarten Pflänzchen mehr wird, auch durch die gemeinsamen Tierheimbesuche. Gleichzeitig war es aber auch so, dass ich nie das Gefühl hatte, dass da mehr als eine gewisse Verliebtheit im Raum stand. Kayson ist ein Schwiegermuttertraum und auch Lizzy ist eine tolle Partie, aber der finale Funken ist bei mir leider nicht übergesprungen. Dennoch waren sie mir deutlich sympathischer als Avery und Theo in Band 1 und es wirkte auch deutlich glaubwürdiger. 

     

    Das Buch behandelt auch durch Lizzy und Kayson wieder wichtige Themen. Es wird Bezug genommen auf Kaysons Vergangenheit im Trailerpark und auch das anhaltende, gegenwärtige Problem mit seiner drogensüchtigen Mutter. Ich muss gestehen, dass ich mir hier auch wirklich mehr gewünscht hätte. Es war so, dass Kaysons Geschichte hinter der von Lizzy hintenansteht, was ich schade fand. Denn beide Geschichten haben ihre Existenzberechtigung, vielleicht ist Lizzys sogar etwas zu überpräsent. Lizzys Gedankengänge, ihre Gefühle und ihr Frust wurden sehr facettenreich eingebracht. Die vielfältige Form, wie ihr Gewichtsfrust sich auf sie auswirkt, war wirklich greifbar dargestellt und ich hatte wirklich ein wenig Mitleid mit ihr. Es tat mir Leid, was für Erfahrungen sie machen musste (wobei diese kaum thematisiert werden) und musste zunächst schlucken, als sich der Weg auftat, für den Lizzy sich entschieden hat. Ich muss sagen, dass ich hier auch etwas Sorge hatte, ob die Botschaft gerade für jüngere Leserinnen nicht gefährlich werden könnte, aber durch den Abschluss des Buches und das Thematisieren der Folgen bin ich doch recht zufrieden gestimmt. Für einige könnte das permanente Einbringen von ihrer Diät aber auch zu viel sein. 

     

    Mein Fazit

     A fire between us hat mich im Großen und Ganzen überzeugen können. Es ist eine süße, angenehme Geschichte für Zwischendurch, die aber auch mit wichtigen Themen daherkommt. Das Buch kann im puncto Vorhersehbarkeit zwar leider wieder nicht begeistern, gleichzeitig war dies beim seichten Handlungsverlauf aber auch nicht nötig. Das viele Drumherum wirkt manchmal ablenkend und gibt dem Buch leichte Längen, dennoch war es fesselnd und mitreißend. 


     [Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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    Cover des Buches Love is Bold – Du gibst mir Mut (ISBN: 9783492062251)

    Bewertung zu "Love is Bold – Du gibst mir Mut" von Kathinka Engel

    Love is Bold – Du gibst mir Mut
    sparklesandherbooksvor 9 Tagen
    eine seichte Fortsetzung

    „Die erste große Liebe hatte ich schon. Und sie hat mich ein bisschen zerstört. Ich bin bereit für einen Neuanfang.“
     (Jasper in Love is bold) 


    Worum geht’s?

    Vor 4 Jahren hat Jasper die Liebe seines Lebens und die Mutter seiner Kinder verloren. Seitdem lebt der Witwer nur noch für seine Kinder und die Band, in der er mit dem Bruder seiner verstorbenen Frau Blythe spielt. Und mit Bonnie, seiner guten Freundin, die die beste Freundin von Blythe war. Was Jasper nicht ahnen kann: Bonnie ist seit über 13 Jahren in ihn verliebt. Als Jasper merkt, dass er sich zu Bonnie hingezogen fühlt und er bereit ist, neuanzufangen, kann Bonnie ihre Gefühle nicht zulassen. Ist es Verrat, den Mann seiner besten Freundin zu lieben?

    Love is bold ist Band 1 der „Love is“-Reihe. Die Geschichte ist in sich geschlossen, die Protagonisten aus Band 1 und 3 sowie die alles verbindende Band „After hours“ kommen jedoch vor.

    Schreibstil / Gestaltung

    Das Cover ist mit seinen vielseitigen Verzierungen und bunten Farben sehr ansprechend und fröhlich. Die Gestaltung passt gut zu dem Handlungsort New Orleans. Das Cover ist ein Hingucker und erregt Aufmerksamkeit. Die Geschichte wird wechselnd durch Jasper und Bonnie in der Ich-Perspektive erzählt. Die Geschichte verläuft linear, es gibt jedoch zahlreiche Rückblenden auf die 13 Jahre vor der Gegenwart. Der Schreibstil ist locker, angenehm lesbar und kann einen mitreißen. Das Buch enthält mehrere Intimszenen.

    Meine Meinung

     Love is loud war für mich eine wahre Überraschung. Ein mitreißendes Buch voller Energie, Liebe zur Musik und Einblicke in das lebendige New Orleans. Umso größer war die Freude auf Band 2, denn eine Friends to Lovers Geschichte, über die die dunkle Wolke des Verlusts hängt? Das klingt vielversprechend. Nur leider konnte mich das Buch nicht so begeistern. 

     

    Bei Love is bold stehen Bonnie und Jasper im Vordergrund. Beide haben vor 4 Jahren Blythe verloren, die an Krebs gestorben ist. Jasper lebt seitdem allein mit den Kindern und einem riesigen Schuldenberg. Er spielt in der Band „After hours“ und gibt Klavierstunden. Bonnie spielt ebenfalls in der Band und kennt Jasper schon seit Ewigkeiten. Streng genommen war sie sogar vor Blythe schon in Jasper verliebt, hat ihrer besten Freundin aber den Vortritt gelassen. Doch jetzt scheint sich das Blatt zu wenden, denn langsam fängt Jasper an, in Bonnie mehr als nur eine gute Freundin zu sehen. In Rückblenden wird auch immer wieder erzählt, wie beide in der Vergangenheit schon ihre Momente miteinander hatten. Und so entwickelt sich ein seichtes Hin und Her, bei dem vor allem Bonnie sich immer wieder vor ihren Gefühlen verschließt und von sich selbst verlangt, nicht glücklich zu sein, weil es Verrat an Blythe wäre.

     

    Während Love is loud mich mit seiner lebhaften Art wirklich sehr mitrissen hat und es Spaß gemacht hat, das Buch zu lesen, konnte Love is bold deutlich ruhiger daher. Das ergibt auch Sinn, da die Thematik gefühlvollerer Natur ist und auch viele Problematiken mitbringt. Mir hat sehr gefallen, wie einfühlsam die Autorin mit dem Thema umgegangen ist. Sie hat facettenreich beleuchtet, in welchem Zwiespalt Jasper steht zwischen Weitermachen und Abschließen, wie gepeinigt Bonnie von ihrem mutmaßlichen Verrat ist. Bei Love is bold geht es um mehr als zwei Freunde, die ihre Liebe zueinander finden. Es geht um Hoffnung und darum, auch in dunklen Zeiten ein Licht zu finden, um weiterzumachen. Die Liebesgeschichte der beiden ist wirklich schön, zugleich aber eben auch sehr zurückhaltend und ruhig. 

     

    Das führte bei mir vor allem dazu, dass ich das Gefühl hatte, dass das Buch kein Ende nimmt. Es passiert sehr wenig, es entwickelt sich sehr langsam und oftmals kam es mir vor, als sei alles in die Länge gezogen. Es ist nicht so, dass das Buch keine Freude macht. Oh doch, es ist schön, wieder zur Band „After hours“ zurückzukehren und auch das Thema Musik kommt in diesem Buch nicht zu kurz. Es gibt tolle Einblicke in die Entstehung von Songs, in die Hintergrundgeschichte der Band und auch Hugo aus Band 1 spielt wieder eine Rolle. Hugo ist und bleibt hierbei einfach ein absolutes Highlight und der beste Charakter der Reihe. Denn der ruppige alte Mann hat wieder zahlreiche weise Sprüche und schrullige Verhaltensweisen parat. Aber mehr bringt das Buch leider nicht mit. Die Leichtigkeit aus Band 1, das schillernde Leben in New Orleans, das humorvolle Verbinden von Tradition mit Freilebigkeit hat mir so gut gefallen, dass ich fast schon enttäuscht war, wie normal und unspektakulär die Geschichte war. Und so verginge Seite um Seite und ich hofft, dass das Offensichtliche endlich passiert und das Buch seinen Abschluss findet. Es ist ein nettes Wohlfühlbuch mit tollen Charakteren, ein wenig Tiefe und auf jeden Fall auch jeder Menge Gefühl, aber es konnte mich nicht wirklich abholen. Vielleicht lag es auch an den vielen Zeitsprüngen, die mal die Jugend, mal die Hochzeit und mal den Tod von Blythe betrafen, die aber auch mehr als einmal dafür gesorgt haben, dass ich aus dem Konzept gekommen bin, weil sich die Sprünge wirr angefühlt haben und oft auch willkürlich waren. Es ist einfach so, dass diese Hauptproblematik um Bonnie und Jasper einerseits aufgebauscht wirkt, andererseits aber auch nur so halbgar umgesetzt wurde. Auch die Auslöser für bestimmte Entwicklungen, insbesondere Jaspers Erkenntnissen, wirkten teilweise willkürlich und nicht greifbar. Somit kam das Buch einfach nicht über das Level seichte Liebesgeschichte für Zwischendurch mit etwas Musikbezug hinaus, was auch mit einem vorhersehbaren Ende ohne jegliche Up and Downs erneut unterstrichen wurde.


    Mein Fazit

     Love is bold kann leider nicht mit seinem Vorgänger mithalten. Die seichte Liebesgeschichte ist zwar durchaus schön zu lesen, entwickelt sich aber auch sehr zäh. Es gab viele gute Ideen, die sich aber etwas lauwarm entwickeln. Die Geschichte ist etwas handlungsarm, das Buch hat Längen und ich hätte mir einfach mehr gewünscht. Für Zwischendurch ist das Buch aber eine gute Wahl. 


     [Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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    Cover des Buches Fuck you, Dreams : Band 3 (Storm & Floyd) (ISBN: B08FL9ZKHL)

    Bewertung zu "Fuck you, Dreams : Band 3 (Storm & Floyd)" von Daniela Hartig

    Fuck you, Dreams : Band 3 (Storm & Floyd)
    sparklesandherbooksvor 10 Tagen
    Kurzmeinung: ein gewohnt kompliziertes Buch, das wehtut, aber in einigen Punkten leider auch nicht so begeistern kann
    ein guter Reihenabschluss, der wehtut

     „Wir waren fest davon überzeugt, wir wären über das alles erhaben, weil unsere Liebe etwas Besonderes und mit dem Rest der Welt nicht zu vergleichen ist. Dachten wir. Und haben uns bitter getäuscht.“
     (Floyd in F*ck you dreams)


    Worum geht’s?

    Nach einer wahren Achterbahnfahrt der Gefühle und einer mehr als schwierigen Beziehung ist bei Storm und Floyd endlich Ruhe eingekehrt. Seit Jahren sind die beiden verheiratet und leben mit ihrer Tochter Billie, die mittlerweile im Teeniealter ist, zusammen. Doch der Alltag geht auch an der Ehe nicht spurlos vorbei. Aus dahingesagten Worten werden Streitereien, aus Verabredung wird ein Versetzen und dann geht Storm einen Weg, der die brüchige Ehe endgültig zerfallen lässt. Werden Storm und Floyd es schaffen, den Scherbenhaufen wieder zu kitten?

     Dieses Buch ist Band 3 einer Trilogie. Zum besseren Verständnis werden Vorkenntnisse aus Band 1 und 2 benötigt. 

     

    Schreibstil / Gestaltung

    Dieses Mal ist das mit Blumen verzierte Cover in verschiedenen Blau- und Rosa-Tönen gehalten. Es passt wieder hervorragend zu Band 1 und 2 und gefällt mir gestaltungstechnisch am meisten. Dieses Mal führt neben Storm und Floyd auch Billie als Ich-Erzähler durch die Geschichte. Zwischendurch gibt es zahlreiche Rückblenden auf Ereignisse in der Zeit zwischen Band 2 und 3. Auch gibt es Zeitsprünge nach vorne. Der Schreibstil steht den Vorgängern in nichts nach und ist erneut locker, lässt sich gut lesen und kann mitreißen. Dieses Mal gibt es weniger explizite Sprache.

    Meine Meinung

     Das große Finale. Was wird aus Storm und Floyd, die auf einem derart holprigen Weg zueinander gefunden haben, dass man sich bereits beim Lesen des Klappentextes fragt, wie der Alltag ihre Beziehung zerstört, was bisher andere Sachen nicht geschafft haben. Ich war wirklich gespannt, was die Autorin für das Buch bereithält. Und Am Ende muss ich gestehen, dass ich mehr als ratlos bin, wie mir das Buch gefallen hat.

     

    Einige Jahre sind erneut vergangen und in der Zwischenzeit hat sich viel entwickelt und einiges ist passiert. So haben in der Zeit zwischen Band 2 und Band 3 Storm und Floyd geheiratet, Floyd arbeitet als erfolgreicher Streetworker und Storm hat eine steile Karriere im Architekturbereich hingelegt. Auch ihre gemeinsame Tochter Billie ist mittlerweile im Teeniealter und stellt ihre Eltern stark auf die Probe. Und irgendwie, zwischen dem ganzen Alltag, haben sich Floyd und Storm auseinandergelegt. Vergessene Verabredungen, Vorwürfe, Einsamkeit, Ambitionen statt Annährung – es liegt auf einmal so viel zwischen den beiden, die einst so stark waren und gegen den Rest der Welt gekämpft haben. Jetzt kämpfen sie nur noch gegeneinander und das in einer Art, wie es einem eiskalt den Rücken runterlaufen lässt. Als dann auch noch eine gigantische Bombe platzt, müssen sich beide fragen, ob ihre Liebe noch eine Chance hat. Und während die beiden Erwachsenen sich bekriegen und aufeinander einschlagen, entgleitet ihnen ihre Tochter vollständig. Denn Billie erträgt den Scherbenhaufen nicht mehr länger…

     Man nehme ein Pärchen, was über die Jahre schon unglaublich viel durchmachen musste. Was sich auf denkbar schreckliche Weise kennengelernt hat. Was sich immer fragen musste, ob und wie Vergebung möglich ist. Ein Pärchen, was – im wahrsten Sinne des Wortes – durch die Hölle gegangen ist. Ein Pärchen, bei dem man mehr als nur einmal dachte, dass es vielleicht besser wäre, wenn sie nicht zusammensind – und am Ende trotzdem gebangt hat, dass sie ihr Glück finden. Und das haben sie. Verheiratet, mit Kind, in einer tollen Wohnung, mit guten Jobs, die ihnen Freude bereiten. Doch der Schein trügt. Denn unter der Oberfläche brodelt es mehr als gewaltig. Das erfährt der Leser direkt auf den ersten Seiten, wo Storms großes Geheimnis direkt als erstes gelüftet wird und man weiß schon, dass es nur knallen kann. Je weiter man kommt, desto mehr lernt man, wie wenig von der starken, unzerstörbaren und ungewöhnlichen Beziehung noch übrig geblieben ist. Storm und Floyd kommunizieren nicht mehr miteinander, sondern nur noch aneinander vorbei. Hinter jedem Satz verstecken sich Vorwürfe und Ängste. Im Grunde genommen ist die Beziehung nur noch ein Scherbenhaufen, ein Schatten, ein Überbleibsel. Doch warum? Diese Frage beantwortet die Autorin auf den über 500 Seiten und zugleich auch nicht. Denn auf der einen Seite gibt es Einblicke in das Erlebte und die Gedanken der Charaktere, es wird erklärt, wie sich sie entwickelt haben und wie der aktuelle Stand ist. Und auf der anderen Seite steht die Erkenntnis, dass Liebe offenbar nicht ausreicht, um eine stabile Beziehung zu führen. Beim Lesen fragt man sich permanent, wie Storm und Floyd es so weit haben kommen lassen können. Wie konnte diese Beziehung, die das Vergangene überstanden hat, an so etwas Banalem zugrunde gehen: Dem Alltag.

     

    Auch Band 3 ist wieder sehr mitreißend und ergreifend, vor allem aber auch schmerzhaft und erschütternd. Generell ist es das ruhigste Buch der Reihe und ich würde lügen, wenn ich sage, dass es viel Handlung gibt. Ganz im Gegenteil empfand ich es als handlungsärmsten Buch. Dafür stehen die Emotionen komplett im Fokus und das hat mir gut gefallen. Ich habe wirklcih gelitten. Ich war sauer auf Floyd, der - durch die Augen von Storm erzählt – so oft unterwegs war und sich um seine Schützlinge gekümmert hat, während zuhause ein Teenie rebelliert, seine Frau auf ihn wartet und seine eigene Familie ihn braucht. Doch Floyd scheint immer noch getrieben von seiner Schuld zu handeln und versucht, schlichtweg die Welt zu verbessern und zu retten. Er verliert dabei nur eben seine Familie irgendwie komplett aus den Augen. Storm hingegen ist ungewohnt ernst geworden, arbeitet als erfolgreiche Geschäftsführerin, hat teilweise fast schon spießige Tendenzen und hat zwar an Bissigkeit nichts eingebüßt, ist aber gleichzeitig nicht mehr die Storm, die der Leser kannte. Als Storm dann auch noch einen Weg einschlägt, der das Kartenhaus endgültig zusammenfallen lässt und an ihren eigenen Schuldgefühlen beinahe erstickt, ist klar, dass dieses Chaos nur noch in einer Katastrophe enden kann. Man möchte Storm und Floyd schütteln, schlagen, aufwecken. Aber sie sind so gefangen in ihren Welten. Und das wirkt sich auch auf Billie aus.

     

    Billie ist dieses Mal als Erzählerin mit dabei und berichtet, wie ihre Eltern auf sie wirken und wie verzweifelt sie selbst ist. Langsam driftet sie ab und der Leser ahnt Böses. Frei nach dem Motto, dass sich Geschichte immer wiederholt, legt sie nämlich ähnliche Verhaltensweisen wie ihre Eltern an den Tag. Blöd nur, dass diese davon wenig bis gar nichts mitkriegen, denn sie sind mit ihrem eigenen Weltkrieg zu sehr beschäftigt. Und man sitzt als Leser daneben und fragt sich wirklich, was da eigentlich schiefgelaufen ist. Fassungslosigkeit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit. Auch hier wird die Palette der Emotionen wieder gut abgearbeitet und ich kann definitiv sagen, dass sicher 80-90% des Buches mir unter die Haut gegangen sind. Erst die letzten Irrungen und Wirrungen, die finalen Entwicklungen, konnten mich gar nicht abholen. Ich bin auf jeden Fall fasziniert, wie Storm und Floyd es schaffen, nach 2 Bänden innerhalb weniger Seiten so viele Sympathiepunkte zu verspielen und von Lieblingen zu meinen Wutobjekten zu werden. Das meine ich dabei auch gar nicht negativ, denn es zeigt viel mehr, wie solide die Autorin ihre Charaktere mit der Zeit aufgebaut hat. Und genau diese beiden Charaktere fängt man jetzt an zu hassen. Dafür, was sie sich gegenseitig antun, denn das ist mehr als unterirdisch und traurig mit anzusehen. Dafür, was sie ihrer Tochter antun, die teilweise fast komplett von ihrem Radar verschwindet, bis das unvermeidliche Übel passiert. Dieses Buch ist wirklich ein Höllentrip, ein Kriegsfeld, eine Atombombe, ein riesiger Scherbenhaufen. Und gleichzeitig stellt sich aber das Gefühl ein, sich permanent im Kreis zu drehen. Die Konflikte werden mal offen, mal verdeckt aufgetragen. Kurzzeitig gibt es Besserung, nur damit dann Floyd oder Storm wie ein Bulldozer wieder alles plattmacht. Es sind aber auch so Fragen wie: Warum konnte Storm Floyd verzeihen, aber Floyd Storm jetzt so schwer? Was hat die beiden jemals verbunden und was ist davon noch übrig geblieben? Unschlüssig blieb ich bis fast zum Schluss, ob ich möchte, dass beide wieder zueinander finden oder es lieber endgültig in Flammen aufgeht. Eigentlich war ich eher jemand, der für ein Unhappy End gestimmt hätte, aber zunehmend auch ein Happy End gut gefunden hätte. Alles war offen, vielen war möglich. Ich war ratlos, zwiegespalten, emotional etwas getroffen und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, nicht vorwärts zu kommen. Und dann kam der letzte Teil des Buches…

     

    Es folgen im weiteren Spoiler zum Ende des Buches.

     

    Am Ende hat mich das Buch leider gar nicht abholen können. Nach so vielen Tiefschlägen, so vielen Verletzungen, einfach so vielem, was passiert ist, wird hier ein Weg gegangen, der zwar schon in Ordnung ist, aber der mich von den Wendungen her nicht begeistern konnte. Denn es ist mir nicht klar geworden, wie sich vor allem Floyds Denkweise plötzlich ändert und so verkommt das Ende für mich zu einem zurechtkonstruierten Happy End, was dann mit einem positiven Schwangerschaftstest noch gekrönt wird. Es bleiben extrem viele Fragezeichen, was vielleicht aber auch am Aufbau liegen könnte (zB hinsichtlich der Schwangerschaft, denn gefühlt ist eine Ewigkeit vergangen, seitdem beide im Bett waren). Aus irgendwelchen Gründen habe ich mich vom Ende überrumpelt gefühlt, es war mir zu schnell, zu viel, zu gewollt. Es war ein Ende, was sich nicht richtig angefühlt hat, nichtmal notwendig hat es sich angefühlt. Nach dem harten Weg, den man mit Floyd und Storm gegangen ist, mag es schön sein, dass alles wieder gut ist. Aber irgendwie hat es für mich nicht gepasst und entsprechend zwiegespalten und unbefriedigt war ich, als ich das Buch zuklappte.

    Mein Fazit

    Auch Band 3 war auf jeden Fall wieder eine Herausforderung. Die Autorin schafft es, jedem Buch seine eigene Geschichte zu geben, ohne dass es wirkt, als würde man wieder und wieder das gleiche durchleben. Es ist ein interessanter Abschluss der Reihe, der in vielen Punkten überzeugen kann (insbesondere auf einer schmerzhaften, verzweifelten Ebene), aber gleichzeitig fühlt sich einiges auch nicht so rund an. Das Ende konnte mich leider nicht begeistern, aber zumindest die 500 Seiten davor waren es definitiv wert.


     [Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

     

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    Cover des Buches Hiding Hurricanes (ISBN: 9783426525548)

    Bewertung zu "Hiding Hurricanes" von Tami Fischer

    Hiding Hurricanes
    sparklesandherbooksvor 12 Tagen
    Kurzmeinung: gute Fortsetzung mit interessanter Thematik, aber eher schwacher Liebesgeschichte
    unterhaltsam und interessant

     „Er will nur Daisy. Kein anderes Mädchen. Schon gar nicht mich.

    (Lenny in Hiding Hurricanes)


    Worum geht’s?

     Lenny führt ein Doppelleben. Während sie tagsüber an der Flechter Universität studiert, verwandelt sie sich abends mit Perücke und Maske in die Stripperin Daisy, die sich in Flechter bereits einen Namen gemacht hat. Tanzen ist ihr Leben und als Daisy kann sie diese Facetten ohne Leitungsdruck und mit viel Selbstbewusstsein ausleben. Doch dann taucht ausgerechnet ihr bester Freund Creed auf und scheint sich in Daisy zu verlieben. Lenny ist sich sicher, dass sie nie wieder so nah wie Daisy an Creed kommt und als beide sich küssen, ist das Chaos perfekt…


     Hiding Hurricanes ist Band 3 der Flechter University-Reihe. Das Buch ist in sich geschlossen und unabhängig lesbar, es kommen jedoch Charaktere vor, die man bereits aus Band 1 und 2 kennt. Zudem werden auch Charaktere aus Folgebänden bereits vorgestellt.


    Schreibstil / Gestaltung

    Das Cover in dieses Mal in grau-blau gehalten und zeigt einen verdüsterten, wolkengehangenen Himmel. Wie sie Vorgänger verfügt auch dieses Buch als verbindendes Element über die goldenen Partikel. Das Cover passt stimmungstechnisch zum Buch und Titel. Das Buch wird wechselnd aus Sicht von Lenny, Daisy und Creed erzählt, wobei Lenny und Daisy überwiegen. Es gibt gelegentlich Rückblenden, die entsprechend ausgewiesen sind. Sprachlich passt das Buch für junge Erwachsene. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm zu lesen. Es wird gelegentlich geflucht und das Buch enthält wenig intimen, nicht sehr expliziten Content.

    Meine Meinung

     Nach einem eher mauen Start mit Burning Bridges, aber einer überzeugenden Fortsetzung Sinking Ships war ich sehr gespannt, was mich bei Hiding Hurricanes erwartet. Die Grundgeschichte klang sehr vielversprechend und Lenny war mir in den Vorgängerbänden schon recht sympathisch. Und tatsächlich vermochte mich das Buch zum Großteil doch begeistern.

    Der Einstieg in das Buch gelang mir gut und schnell. Bereits von Anfang an wird der Leser in Lennys Doppelleben als Daisy eingeführt, was auch dazu führt, dass einige Kapitel von Lenny und einige von Daisy erzählt werden – zumindest anfänglich. Während Lenny sich in ihrem Freundeskreis und an der Uni bewegt und zudem Einblicke in die Vergangenheit und das Kennenlernen mit Creed gewährt, entführt Daisy in die Welt des edlen Nachtclubs, in dem sie arbeitet und regelmäßig an der Stange und auf der Bühne tanzt. Als Daisy kann sie nicht nur ihre Leidenschaft zu tanzen ausleben, sondern ist auch eine ganz andere Person, fast so, als wäre sie frei. Doch langsam kollidieren die Welten, denn Lennys bester Freund Creed kommt regelmäßig in den Club, um Daisy zu sehen. Daisy, die natürlich weiß, dass es Creed ist, fühlt sich begehrt. Denn als Lenny ist sie überzeugt davon, für Creed nur eine Freundin zu sein. Creed versucht hingegen, sich mit seiner Faszination für Daisy vor seinen Gefühlen gegenüber Lenny zu retten. Denn schon länger scheint er auf seine beste Freundin zu stehen, die ihn aber mehr als einmal gefriendzoned hat. Und schon gibt es ein Liebesdreieck, was eigentlich eine Linie ist. Nur wie soll Lenny Creed reinen Wein einschenken, ohne ihre zweite Identität offenzulegen?

     

    Zugegeben, die Idee ist nicht neu. Freunde, die sich unbewusst friendzonen und beide davon überzeugt sind, dass der andere nichts von einem will. Das gab’s oft und trotzdem wird es nie langweilig zu sehen, wie sich die Beteiligten abrackern und wie blind sie durch die Welt laufen, während alle es wissen oder zumindest ahnen. Auch die Idee, dass jemand ein Doppelleben führt und sich der andere in die zweite Identität verliebt, gab es schon oft. Aber auch sie wird zumeist nicht unbedingt langweilig. Womit Hiding Hurricanes aber für mich überraschend daherkommt: Die Protagonistin als Stripperin, in die sich der Love Interest verliebt. Und so hat mich das Buch schon schnell wirklich catchen können. Es sind die Einblicke in Daisys Leben, Lennys Schwierigkeiten beide Leben miteinander in Einklang zu bringen, aber auch Lennys Ausflüchte, die sich in Daisy ein wenig versteckt. Seit Kindertagen an liebt Lenny das Tanzen, was ihr aber durch die Familie und Leistungsdruck kaputt gemacht wurde. Das Strippen – und das Poledancing – sind ihre Art, wieder zu tanzen ohne Druck, aus Spaß und vollkommen selbstbestimmt. Und naja, Geld kann sie dabei auch noch gut machen. Es ist auf jeden Fall eine Thematik, die mir so vor allem in einem New Adult Roman noch nicht untergekommen ist und auch wenn ich anfangs skeptisch war, funktioniert die wirklich gut. Es war mal etwas Anderes, etwas Herausforderndes, aber auch was Interessantes. Leider geht Lennys Hintergrundgeschichte etwas unter und hätte für mich mehr thematisiert werden können, es funktioniert aber auch mit den recht spärlichen Infos gut. Hiding Hurricanes ist etwas lebhafter und energiegeladener als Sinking Ships, aber nicht so überdreht wie Burning Bridges. Nach hinten hinaus muss ich sagen, dass ich das Gefühl hatte, die Story zieht sich etwas. Es ist nicht so, dass der Handlungsverlauf große Überraschungen bereithält. Es ist eher vorhersehbar und das ist auch okay, da der Weg zum Ziel dennoch Spaß macht. Dennoch wirkt es ab einem gewissen Punkt langgezogen und ich hatte das Gefühl, dass man schon längst hätte Schlussmachen können, aber als würde die Autorin unbedingt noch dies und das und kleinere Hürden einbauen wollen. Letztendlich war Hiding Hurricanes aber so oder so eine runde Sache, die sich angenehm und auch interessant hat lesen lassen.

     

    Im Fokus steht definitiv Lennys Doppelleben. Hierunter leidet vor allem die Verbindung zu Creed, da ich das Gefühl hatte, er geht ziemlich unter. Er kommt immer nur in den Club, denkt über Daisy nach und ist ein wenig mit seinem besten Freund Ches unterwegs. Mehr gibt es aber zu ihm nicht, er bleibt für mich bedauerlich blass und eindimensional. Das fand ich schade. Es gibt ein wenig Drumherum mit der Clique, der Entlassung von Ches Bruder und Creeds Freund Maxx, ein kleines bisschen Unileben, aber abgesehen davon konzentriert sich eigentlich alles auf Daisy und Lennys Bemühungen, Daisy gemeinzuhalten. Zunehmend habe ich dabei aber leider auch festgestellt, dass die ganze Clique und ihre Zusammengehörigkeit für mich wenig greifbar ist und bleibt. Es wirkt eher so, als seien alle lose Bekannte, die mal Zeit miteinander verbringen.

     

    Ich muss aber sagen, dass mir die ganze Thematik um das Strippen und Tanzen sehr gut gefallen hat. Ich finde, der Autorin ist es gut gelungen, eine angemessene und offene Darstellung des Themas umzusetzen. Sie gibt Einblicke in Daisys Routinen, die Idee hinter dem Club, spricht gängige Vorurteile, aber auch gängige Probleme der Branche an. Die Darstellungen sind sehr niveauvoll und gleichzeitig sehr stark. Einige werden vielleicht sagen, dass die Art, wie Lenny ihr Geld verdient, billig ist oder in einem Buch nicht so „gefeiert“ werden sollte. Ich finde aber, dass die Autorin dem Thema viel Respekt gegenüberbringt und auch die Aspekte sehr beleuchtet. Es geht nicht darum, seinen Körper zu verkaufen, sondern mit seinem Körper und seinem Können Geld zu verdienen. Auch beleuchtet sie sehr intensiv, wie viel harte Arbeit dahinter steht und dass insbesondere Poledancing auch einen sehr sportlichen Charakter hat, der ohne Training und viel Vorbereitung nicht funktioniert. Ich war vor den ganzen Darstellungen und Einblicken wirklich angetan und fand sie interessant und würdevoll dargestellt. Das merkt man auch, wenn Lenny mit ihrem Umfeld und ihren Kolleginnen drüber redet und sie mit einigen Vorurteilen aufräumt.

     Dafür empfand ich die Liebesgeschichte als etwas wackelig. Im Grunde genommen geht es um eine lose Bekanntschaft, aus der Freundschaft wird und mit der Zeit mehr, während beide Stein und Bein schwören, dass da nichts ist bzw. der jeweils andere kein Interesse hat. Jahre vergehen und beide springen nie über ihren Schatten, bis Creed sich in Daisy verguckt und Lenny erst recht überzeugt ist, dass Creed nur Daisy und nicht sie selbst mag. Creed hingegen kann sich seine Anziehung zu Daisy nicht erklären, sieht sie aber als willkommene Ablenkung zu seinen Gefühlen für Lenny. Leider kommen die Erkenntnisse dann irgendwie sehr schnell und ratzfatz ist das Problem nach Jahren gelöst. Das fand ich etwas schwer greifbar und hätte mir mehr gewünscht, was die Entwicklungen erklärbar macht. Dennoch war es irgendwie unterhaltsam, wie beide umeinander getanzt sind und es kein Vor und Zurück gab. Die Liebesgeschichte würde ich daher als solide betiteln, aber leider auch nicht unbedingt als mehr.


    Mein Fazit

    Insgesamt hat mir Hiding Hurricanes bisher wohl am besten gefallen. Es ist ein interessantes Buch, was einige Standardelemente des Genres mit dem Einblick in eine ungewöhnliche Arbeitswelt verbindet. Die Liebesgeschichte ist dafür etwas mau und auch hier und da hätte es sicher mehr Tiefe haben können. Dennoch macht das Buch Spaß und lässt sich gut lesen. Ich bin gespannt, was die Autorin für Band 4 bereithält.


     [Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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    Cover des Buches Forever Mine - San Teresa University (ISBN: 9783736313309)

    Bewertung zu "Forever Mine - San Teresa University" von Kara Atkin

    Forever Mine - San Teresa University
    sparklesandherbooksvor 15 Tagen
    Kurzmeinung: eine gute Grundidee, die in der Umsetzung leider nicht so überzeugt. Es bleibt oft zu oberflächlich und an anderen Stellen zu ausufernd
    eine gute Geschichte, die leider oberflächlich bleibt

    „Dafür, dass er ein niemand ist, wirkst du ganz schön traurig, wenn man dich nach ihm fragt.“
     (Kates Oma zu Kate in Forever mine)


    Worum geht’s?

     Kate ist eine bekannte Fashionsbloggerin, die an der San Theresa Universität studiert. Ihr Blog SouthSideGirl ist bekannt und viele haben ein Auge auf sie. Das wird ihr zum Verhängnis, als sie mit dem Schwimmstar Alec einen One-Night-Stand hat und ein Foto von den beiden auf der Gossipseite der Uni landet. Sofort schlägt die allgemeine Stimmung gegen Kate und sie muss plötzlich hunderte Hasskommentare ertragen. Als sie dann auch noch ihr Zimmer in der Studentenverbindung verliert, steht sie vor einem Scherbenhaufen ihrer Karriere. Doch Alec zeigt sich plötzlich von einer ganz anderen Seite. Und Kate muss sich fragen, ob dieser harte Fall nicht vielleicht auch der Start von etwas ganz Neuen sein kann…


     Forever Mine ist Band 2 der San Theresa University Reihe. Das Buch ist in sich geschlossen und kann unabhängig gelesen werden. Da es jedoch um einige Freunde geht, sind Vorkenntnisse aus Band 1 hilfreich.

     

    Schreibstil / Gestaltung

     Das in rosa gehaltene Cover mit einigen Palmenwedeln passt zur Örtlichkeit der Universität und zu den anderen Teilen der Reihe. Das Cover ist ansprechend, gibt aber auch keine Infos über den Inhalt Preis. Die Geschichte startet mit einem kurzen Prolog, in dem Kate einen Livestream startet. Anschließend springt die Geschichte 6 Monate zurück und wird linear erzählt bis zum Ende, an dem wieder der Livestream steht.  Es wird wechselnd aus der Ich-Perspektive von Alec und Kate erzählt. Der Schreibstil ist sehr angenehm und gut lesbar, er passt sprachlich zum Alter der Protagonisten.


    Mein Meinung

    Forever Mine ist eines dieser Bücher, wo mich der Klappentext einfach extrem neugierig gemacht hat. Social Media und Blogger sind in Büchern immer noch ein selten vertretenes Thema, dabei bringen diese Themengebiete sehr viele Möglichkeiten mit sich. Daher war ich auf das Buch sehr gespannt. Doch wie war es am Ende?

     

    Man nehme eine nicht nennenswerte Mücke, aus der eine Onlinegefolgschaft einen gigantischen Elefanten macht. So in etwa könnte man die grundlegende Idee von Forever Mine beschreiben. Es geht um Kate, eine bekannte Fashionbloggerin, Vorbild, unnahbare Inspiration – aber eben doch nur ein Mensch mit Freizeit, Freunden und Gefühlen. Seit Jahren bloggt Kate und hat sich eine große Fanbase aufgebaut, für die sie perfekt sein möchte. Sie verbietet sich bestimmtes Essen, weil es nicht zu ihren Kooperationen passt. Sie vernachlässigt ihre Unipflichten und ihre Schwesternschaft, weil die Zeit fehlt. Und Schlaf? Das ist Mangelware. Und dann fliegt ihr eines Tages alles um die Ohren. Was ist passiert? Tja, die Mücke kam. Denn Kate hat es gewagt, mit dem unibekannten Playboy Alec (den schon x Mädchen und Jungen im Bett hatten) einen One-Night-Stand zu haben, was direkt brühwarm online breitgetreten wurde. Und schneller als sie gucken kann, wird Kate zur Persona non grata. Sie wird beleidigt, schräg angeguckt, teilweise sogar bedroht und verliert rasant ihre ganzen Follower, die sie sich mühsam aufgebaut hat. Als dann noch Werbekunden abspringen und auch ihre Schwesternschaft sie fallen lässt, ist von Kate und Southsidegirl nichts mehr übrig. Mühsam versuchen ihre Freunde – und auch Alec – sie wieder ans Licht zurückzuholen. Doch wie ist es, wenn jeder deiner Schritte von hunderttausend Leuten beobachtet, bewertet und online zerlegt wird? Für Kate auf jeden Fall ein Alptraum.

     

    Und schon ist man mittendrin in der Haupthandlung von Forever Mine: Onlinemobbing, Beleidigungen, reale tätliche Übergriffe, Sensationsgier, die berühmten 5 Minuten Fame, die Schnelllebigkeit von Social Media und wie schnell man in der Gunst fallen kann. Auf dem anderen Blatt der Geschichte steht aber Kate, die an dem Druck der Perfektion fast erstickt ist, sich extrem eingeschränkt hat und jetzt durch die zwangsweise Neuorientierung plötzlich merkt, wie schön das Leben eigentlich sein kann. Langsam legt sie ihren Panzer der Perfektion ab und erkämpft sich ein ganz neues Leben. Und nicht nur das: Sie merkt, dass in Alecs Gegenwart ihr Herz schneller schlägt. Nur muss sich über ihren Schatten springen und sich davon lösen, was andere online über sie sagen. Immerhin war es ihre Nacht mit Alec, die alles zerstört hat. Ein Fehltritt, sofern man ihn überhaupt so nennen mag. Denn Kate hat nichts Verbotenes getan. Sie hatte einen One-Night-Stand, als Single, mit einem Single-Mann, nicht in der Öffentlichkeit, ohne Sextape – einfach einen ganz normalen One-Night-Stand. Interessant ist hierbei aber auch, dass nur auf Kate die Reaktionen zurückfallen und ihre Karriere schaden nimmt.

     

    Und hier wird es für mich schwierig. Denn einerseits konnte mich viele Punkte an dem Buch wirklich begeistern. Es lässt sich sehr angenehm lesen, man ist schnell drin und die Freunde von Alec und Kate sind einfach fantastisch. Man fühlt die positive Energie im Freundeskreis, die Liebe zueinander. Ich fand sie wirklich alle sympathisch und bin vor allem auch auf Band 3 sehr gespannt. Mit Alec, der ein bekannter Schwimmer ist, und auch April und Dean, die ebenfalls im Schwimmteam sind, hat man zudem noch ein wenig Sport drin. Auch die Uni-Inhalte kommen am Rande immer wieder vor, es ist eine gute Mischung und kann begeistern. Auf dem anderen Blatt steht für mich viel verschenktes Potenzial, jede Menge Übertreibungen und ein innerer Zwiespalt. Das Buch ist mit über 450 Seiten eher dicker und dennoch gibt es inhaltlich über weite Stecken wenig her. Anfangs wird thematisiert, wie schwer das Bloggen für Kate manchmal ist, wie ihr die Zeit für viele Dinge fehlt und auch, wie ihre Schwesternschaft ihr gegenüber kritisch ist, weil sie sich wenig beteiligt. Kate fühlt sich irgendwie ihren Kappa Schwestern zugehörig, gleichzeitig macht sie aber nie Anzeichen, sich mit denen auseinanderzusetzen. Als sie später ihre Zugehörigkeit verliert, wirkt sie erschüttert und für mich stand das alles leider im starken Widerspruch. Nach ihrem Auszug wird das Thema dann auch nie wieder angesprochen. Das Bloggen spielt auch nur in der ersten Hälfte eine Rolle, anfangs durch den Druck, später durch die Folgen des One-Night-Stands. Die zweite Hälfte könnte eine fast x-beliebige College-Story sein, wo Kate anfängt, ihr Leben zu leben, sich in Alec zu verlieben und hier und da einige kleine Lektionen mitzunehmen.

     

    Meine größte Kritik? Es wirkt alles recht oberflächlich. Hier und da wird es angesprochen, sowohl das Bloggen als auch das Onlineverhalten, aber es erhält für mich einfach wenig Tiefe. Das viel größere Problem ist aber. Auf der einen Seite finde ich die Thematik mit dem Onlinemobbing sehr wichtig und gut gelungen. Es wird darauf Bezug genommen, wie schwer es Kate trifft, wie anstrengend es ist, wenn überall die Leute auf deinen Fehltritt warten. Kate verliert unnormal rasant ihre Follower in hunderttausender Schritten, ihre Kooperationen. Und dann sitze ich da und denke. Hm, sie hatte einen One-Night-Stand. Mit einem Typen, den viele an der Uni schon hatten. Wo ist da der Knalleffekt? Ich muss gestehen, dass mir die Onlinereaktionen (teilweise bis zu Todeswünschen) doch etwas zu überzogen, übertrieben und unnatürlich vorkamen. Ich verstehe die Intention dahinter und manchmal kann ein wenig Übertreibung etwas auch besser untermalen, in diesem Fall konnte es mich aber eher nicht abholen und führte im Gegensatz etwas zu Glaubwürdigkeitsproblemen. Es wirkt einfach zu konstruiert, zu gewollt. Immer wieder wird betont, wie normal das Verhalten ja an der Uni ist. Kate ist eine Fashionbloggerin, der viele wegen ihrer Mode folgen. Wieso sollten die sich an ihrem Sexleben stören? Ist ja nicht so, dass sie einen Livestream vom One-Night-Stand gepostet hat und nebenbei noch irgendwelche Verschwörungstheorien rausposaunt hat. Kates und Alecs Gedanken waren mir außerdem oft zu schnell abgehandelt, während zeitgleich ausufernde Momente mit Freunden, beim Schwimmtraining und viel Drumherum seitenlang geschildert wurden. Ich möchte nicht sagen, dass das Buch Längen hat, weil es mir zumindest so nicht vorkam (was auch an dem leichtfüßigen Umfeld liegt), aber es wirkte für mich oft unfokussiert Das wirkte sich auch auf die Liebesgeschichte aus…

     

    Denn die Liebesgeschichte war für mich etwas holprig. Alec und Kate haben unbestritten Chemie und es knistert von Anfang an. Im Verlauf ist es aber so, dass man merkt, dass Alec Kate nicht aus dem Kopf kriegt, Kate in Alec aber vor allem die Ursache für ihr Verderben sieht. Deshalb hält sie ihn anfangs auf Abstand. Alec hingegen kann nicht damit leben, dass Kate so niedergeschlagen ist und er gibt sich große Mühe, sie aus ihrem Tief herauszuholen. Das macht er auch wirklich toll und ich mochte die Momente sehr. Gleichzeitig ist es aber so, dass es für mich wenig greifbar war, wann sich Gefühle entwickelt haben, die über Freundschaft und Anziehung hinausgehen. Gerade zum Ende hin geht alles sehr schnell, es gibt ein wenig Drama und jede Menge Momente, wo ich dachte: Man hatte über 400 Seiten, um etwas Solides aufzubauen – wieso geht auf einmal alles auf 50 Seiten so schnell? Vor allem enttäuscht hat mich das im Hinblick auf Alces „Geheimnis“, was immer wieder erwähnt wurde und dann gegen Ende auch endgültig offengelegt wird. Es ist jetzt kein großer Plottwist, was mir gut gefallen hat. Es zeigt nur nochmal die grausamen Facetten von Social Media und die weitreichenden Folgen. Nur leider wird Alecs Geschichte, die ich weitaus intensiver fand, auf wenigen Seiten abgehakt. Alec verkommt so definitiv eher zum Supporting Act statt zum Hauptcharakter, was er gar nicht verdient hat. Ich wünschte einfach, man hätte sich mehr Zeit für die Liebesgeschichte gelassen. Dann hätte das Ende vielleicht auch nicht so überrumpelnd gewirkt.

     

    Das Ende war wirklich zu schnell. Nach so vielen Seiten, die die Geschichte ehrlich gesagt eher entspannt war, passiert jetzt viel. Zwar nichts sonderlich Dramatisches, was zum Buch auch nicht gepasst hätte, aber vor allem bei Alec entstehen einige Gedankenprozesse, die spannend gewesen wären, aber nicht eingebunden wurden. Auch, wo Kates Gefühle herkommen und woher Alecs Gedankenwandel kommt, blieb für mich verborgen. Es ist ein schönes, sehr idealistisches Ende. Aber eben auch eins, wo ich das Gefühl habe, dass es zu gehetzt war und man es zu rund und perfekt machen wollte. Es sind zwar auch gute Botschaften enthalten und ich mag, wie sich Kate entwickelt hat. Aber gleichzeitig fühle ich mich, als hätte noch einiges gefehlt und einiges blieb leider auch ungeklärt, etwa auch im Hinblick auf die Studentenverbindung von Kate.


    Mein Fazit

     Am Ende muss ich sagen, dass Forever Mine gewissermaßen ein sehr angenehmes Buch für Zwischendurch war, welches mit leichter Sozialkritik und einigen Einblicken in die Schattenwelt der sozialen Medien den Zeitgeist sehr gut trifft. Leider empfand ich das Buch als recht oberflächlich und hätte mir deutlich mehr Tiefe gewünscht, vor allem was Kates Druck als Bloggerin angeht. Zudem steht für mich die One Night Stand Geschichte auf wackligen Beinen, da die Reaktionen für mich zu übertrieben und unstimmig wirken. Dennoch ist das Thematisieren von Onlinemobbing durchaus gut gelungen. Manchmal verrennt sich das Buch allerdings in dem vielen Drumherum, was dazu führt, dass es für mich so anfühlte, als würde der Fokus von den Hauptpunkten abgelenkt werden und damit auch die Liebesgeschichte etwas zu wenig greifbar macht. Dennoch hatte ich Freude beim Lesen und mochte Kate, Alec und ihre Freunde sehr.

     

    [Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

     

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    Cover des Buches Fuck you, Hope (ISBN: 9783746012391)

    Bewertung zu "Fuck you, Hope" von Daniela Hartig

    Fuck you, Hope
    sparklesandherbooksvor 16 Tagen
    Kurzmeinung: eine intensive Fortsetzung, die etwas ruhiger daherkommt, aber wieder eine heftige Achterbahn darstellt
    kompliziert und wehtuend - eine intensive Fortsetzung

     „Sie ist gebrochen, ich bin gebrochen. Zwei Menschen, die nicht mehr weiterwissen.“
     (Floyd über Storm in F*ck you hope)


    Worum geht’s?

     Nichts ist mehr, wie es einmal war. Floyd und Storm haben nach der Enthüllung am Ende von Band 1 keinen Kontakt mehr und sich jahrelang nicht gesehen. Während Floyd leidet, muss er immer noch an Storm denken, seine große Liebe und das Mädchen, was er mit seiner Tat zerstört hat. Von Schuldgefühlen zerfressen befindet sich Floyds Leben in einer Abwärtsspirale. Bis er eines Tages als Schwimmlehrer spontan einspringt und ausgerechnet auf die eine Person trifft, die er nie vergessen konnte: Storm. Doch gibt es eine zweite Chance für ihre Liebe?


     Dieses Buch ist Band 2 einer Trilogie. Zum besseren Verständnis werden Vorkenntnisse aus Band 1 benötigt.

    Schreibstil / Gestaltung

    Das Cover des Buches ist in weiß mit verschiedenen Blumen Rosa gehalten, hat somit Ähnlichkeit zum Vorgänger, hebt sich farblich jedoch etwas ab. Die verspielte Gestaltung wirkt einladend, steht zugleich aber auch im krassen Kontrast zum Buchinhalt. Das Buch wird dieses Mal sowohl aus Sicht von Floyd als auch aus Sicht von Storm erzählt, wobei Floyds Anteile etwas überwiesen. Es gibt einige Rückblenden auf die Ereignisse zwischen den Büchern, diese werden jedoch immer entsprechend übertitelt. Hiervon abgesehen verläuft das Buch linear. Der Schreibstil ist erneut recht locker, es wird nicht so häufig geflucht wie im Vorgänger. Potenziell triggernde Inhalte sind jedoch auch hier enthalten. Das Buch ist sprachlich für (junge) Erwachsene angemessen.

    Meine Meinung

    Nach einem wirklich mehr als intensiven Band 1 und dem schockierenden Ende war klar, dass ich ganz schnell weiterlesen möchte. Was wird aus Storm und Floyd? Wie werden die Wunden der Vergangenheit sich auf die Zukunft auswirken? Ich hatte viele Ideen, große Hoffnungen und jede Menge Fragen. Ob Band 2 der Reihe meine Erwartungen erfüllen konnte? Zum Großteil absolut. Aber von Anfang an…

     Nach dem erschütternden Ende von F*ck you love sind einige Jahre vergangen. Storm und Floyd sind getrennte Wege gegangen, haben sich seitdem weder gesehen noch voneinander gehört. Floyds Leben gleicht mittlerweile einem Scherbenhaufen, denn nach einigen Suchteskapaden und einem Selbstmordversuch ist Floyd gerade erst wieder dabei, seinen Weg aus der Dunkelheit zu finden. In einer WG mit einer Freundin namens Nisha wohnend hat er wenig Kontakt zu seinen Eltern, konzentriert sich auf sein Masterstudium und hat gleichzeitig seinem alten Leben in gewisser Weise abgeschworen. Keine Frauen, keine flüchtigen Bettbekanntschaften, kein Alkohol. Zu viel ist in die Brüche gegangen. Neben seinem Studium arbeitet er als Schwimmlehrer für ein Jugendzentrum. Und genau dieser Job ist es, der sein Lebe erneut auf den Kopf stellt. Denn als er hier für einen Schwimmkurs einspringt, trifft er auf sie: Seine Storm. Ebenfalls als Vertretung eingesprungen ist sie mit einer Kindergartenklasse vor Ort. Und es ist, als würde plötzlich alles Kopf stehen. Doch Storm will von Floyd nichts wissen, während Floyd sie nicht mehr vergessen kann. Als er anfängt, ihr etwas hinterherzuspionieren, erfährt er allerdings Dinge, die sein Leben endgültig auf den Kopf stellen. Denn Storm hütet ein Geheimnis. Ein Geheimnis, was Floyd retten oder ihn endgültig zerstören könnte.


     Kompliziert. Mitreißend. Ergreifend. Zerstörerisch. Verwirrend. Sprunghaft. Verletzlich. Hoffnungsvoll. Fesselnd. Mit diesen Attributen hatte ich Band 1 beschrieben. Und ich werde sie uneingeschränkt auch für Band 2 verwenden. Und dennoch ist diese Fortsetzung so anders, hebt sich von Band 1 stark ab und schlägt zugleich doch in ähnliche Kerben. Dadurch, dass einige Zeit vergangen ist, haben sich sowohl Storm als auch Floyd stark weiterentwickelt. Oder vielleicht auch eher zurückentwickelt? Denn tatsächlich hat sich das Blatt doch sehr gewendet. Während Floyd in Band 1 eine sehr gefestigte Persönlichkeit hatte, wirkt er in diesem Buch unsicher und schwer angeschlagen. Zerfressen von Schuldgefühlen, aber auch angeschlagen vom Verlust seiner großen Liebe tingelt er durch sein Leben. Zwar hat er einige gute Schritte gewagt und sich auch etwas von dem Rich Kid Standard gelöst, zugleich plagen ihn aber stark seine Dämonen und man merkt, dass es ihm nicht sonderlich gut geht. Sein Umfeld hat da zwar ein Auge drauf, ist zugleich aber machtlos. Und dann tritt Storm wieder in sein Leben und alles wird ordentlich durcheinandergewirbelt. Beide sind noch nicht übereinander hinweg, das merkt man. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Und zugleich gibt es so viel, was zwischen ihnen steht. Floyd, der sich seine Schuld nicht verzeihen kann. Storm, die nicht weiß, ob sie Floyd nochmal vertrauen kann und soll. Es ergeben sich unglaublich interessante Problempunkte, etwa auch die Frage, ob Storm Floyd seine Tat verzeihen darf. Der Leser wird bei diesem Buch auf jeden Fall wieder ordentlich herausgefordert, über den Tellerrand hinweg die Situation zu betrachten. Besonders hilfreich sind hierbei auch die Nebencharaktere, vor allem Nisha und auf Storms Seite Martha. Beide bringen immer wieder Impulse ein, die für Storm, Floyd und den Leser gleichermaßen hilfreich sind.

     

    Im Fokus der Geschichte steht somit die Frage nach Vergeben, Vergessen, Nach-Vorne-Schauen und zweite Chancen. Doch da es zu einfach ist, Storm und Floyd einfach dazu zu zwingen, sich ihren Gefühlen zu stellen, hat die Autorin noch einen schockierenden Knackpunkt in die Geschichte eingebaut: ein zerstörerisches Geheimnis, was Storm jahrelang hütet und was in der Gegenwart dazu führt, dass Storm und Floyd eben nicht einfach wieder getrennte Wege gehen können. Denn von Anfang an zweifelt man als Leser daran, ob man eine Neuauflage der Beziehung möchte. Nicht, weil man es den beiden nicht gönnt. Nicht, weil beide sich nicht weiterentwickelt haben. Nein, schlichtweg, weil man beiden das Beste wünscht und daran zweifelt, ob es der jeweils andere ist. Denn am Anfang zeigt Floyd recht schnell beinahe eine Besessenheit für Storm, die übergriffig und beängstigend ist. Aber auf dem anderen Blatt steht eben auch das Geheimnis und die Bedeutung dessen für Floyd. Storm hingegen scheint einfach nicht angetan zu sein, sich mit Floyd wieder auseinandersetzen zu müssen. Sie liebt ihn definitiv noch, ist aber auch davon beeinflusst, wie sie sich ihrer Vorstellung nach fühlen muss, Floyd wiederzusehen. Es ist eine Mischung aus Wut, Verzweiflung, Angst und Trotz, mit der sie Floyd begegnet. So kommt es auch öfter dazu, dass sie verbal und physisch ausfallend und verletzend Floyd gegenüber wird, was aber nur die traurige Wirklichkeit der Situation zeigt. Innere Zerrissenheit spielt in diesem Buch eine große Rolle. Ich möchte damit teils gewalttätige Momente sicher nicht kleinreden, aber zugleich muss man vor dem Hintergrund der ganzen Geschichte auch erkennen, wie es um Storm und Floyd steht. Man versucht sich irgendwie zu arrangieren, aber es ist wahnsinnig schwer. Storm zieht Floyd an, stößt ihn weg, ist dann wieder sauer auf ihn, weil er sich wegstoßen lässt. Floyd hingegen will nur eins: Nie wieder eine von Storms Grenzen überschreiten, auch wenn es bedeutet, sich von ihr verletzen zu lassen. Es ist und bleibt kompliziert und dank des Geheimnisses wird es einfach noch deutlich komplizierter.

     

    Besonders interessante Einblicke kriegt der Leser aber vor allem dadurch, dass die Autorin ihre Charaktere Selbstgespräche mit ihren Gedanken führen lässt. Ihren Gedankenstimmen könnten dabei nicht unterschiedlicher sein. Floyds Stimme wirkt eher rücksichtslos und versucht ihn zu pushen, dass er sich auf Storm konzentriert, während Floyd selbst sehr reflektiert wirkt und sich viel Mühe gibt, empathisch zu sein und keine Grenzen zu überschreiten. Bei Storm ist es genau andersherum. Ihre Stimme ruft sie immer wieder dazu auf, vernünftig zu sein, das Kriegsbeil liegen zu lassen und Floyd eine Chance zu geben. Doch Storm wehrt sich gegen ihre Gefühle, gegen ihre Emotionen und die an ihr nagende Angst macht es ihr auch nicht einfacher. Im Vergleich zum Vorgänger ist dieses Buch deutlich ruhiger gehalten und die Sprunghaftigkeit der Charaktere empfand ich dieses Mal nicht als so extrem. Man merkt, dass beide erwachsen geworden sind und teilweise vor ganz anderen Problemen stehen wie noch vor einigen Jahren. Vor allem Storm wirkt nicht mehr so unvorhersehbar und zerstörerisch wie in Band 1, hat aber an ihrer Schlagkraft definitiv nicht eingebüßt. Sie wandelt regelmäßig zwischen Auflehnung und Resignation. Es ist eine Situation, aus der sie irgendwie raus möchte, aber nicht raus kann, aber vielleicht auch nicht wirklich raus will. Es sind zu viele unausgesprochene Worte, aber zugleich zu viele gesagte Sätze zwischen Floyd und Storm. Und so steht ihre Liebesgeschichte erneut auf sehr wackligen Beinen, wenn auch dieses Mal anderer Natur. Das gewohnte Hin und Her, Auf und Ab, Vor und Zurück gibt es hier auf jeden Fall wieder, aber auf einer seichteren Ebene. Leider führte es aber auch dazu, dass ich Storm oftmals übertrieben fies, kratzbürstig und zeitweise unfair fand. Ich fühle mich schlecht dabei, so etwas zu sagen, denn man darf den Hintergrund nicht vergessen. Doch zugleich hat sie mich als Leserin mit ihren Worten und Taten manchmal leider etwas angenervt, denn hin und wieder wirkt es so, als würde sie es darauf anlegen, Floyd verletzen zu wollen, entweder um die Ernsthaftigkeit seiner Absichten zu testen – oder eben, weil sie es kann und will. Und diese Böswilligkeit hat mich teilweise leicht abgeschreckt. Es führt aber vor allem auch dazu, dass einige Entwicklungen für mich nicht tief genug aufgearbeitet waren und so die finalen Entscheidungen etwas überstürzt wirkten.

     

    Neben der Hauptgeschichte zwischen Floyd und Storm gibt es noch einige Nebenschauplätze, so wird etwa thematisiert, was aus Storms Vater geworden ist. Ich hätte mir hier etwas mehr gewünscht, generell hätte ich gern hier und da etwas drumherum gehabt. Auch Floyds Beziehung zu seinen Eltern, vor allem seinen Vater, wird angesprochen und macht einige Entwicklungen durch. Doch auch diese waren davon geprägt, für mich sehr schnell abgehakt worden zu sein. Vor allem auch im Hinblick auf Floyds frühen Selbstmordversuch, der zwar immer wieder erwähnt wurde, aber der für mich auch zugleich wenig wirklich thematisiert wurde, hätte für mich mehr Raum verdient. Vielleicht werden dies aber auch Sachen, die im dritten Teil noch einmal angesprochen werden. Zu hoffen wäre es, einfach weil diese Themen für die Charakterentwicklung in meinen Augen relevant sind.

     

    Kommen wir zum Ende, wozu ich noch ein wenig sagen möchte. Während mich in Band 1 das Ende wirklich begeistert hat, ging es mir hier deutlich zu schnell. Es ist ein Ende, was mir durchaus gut gefällt, aber die Ausarbeitung konnte mich nicht so abholen. Es passiert zu viel auf einmal und wird dann auch zu schnell wieder abgehakt. Der Epilog konnte mir zwar noch ein zufriedenes Schmunzeln entlocken und es wäre ein Ende, womit ich auch als Buchreihenende gut leben kann, aber zeitgleich wirkte es für Storm und Floyd nicht so ganz stimmig. Ich kann es nur ganz schwer erklären, aber nach so viel Streit, Verzweiflung, Wut und Verletzung braucht es für mich mehr als einen kurzen Knall, um das Ganze wieder zu kitten. Für meine innere Zufriedenheit hätte es schon noch so etwas wie eine Aussprache geben dürfen, andererseits passt das impulsive, plötzliche Verhalten und die Schockwirkung unglaublich gut zu Floyd und Storm.

    Wie auch Band 1 wird in diesem Buch einiges an triggernden Inhalten thematisiert, wenn auch für mein Gefühl nicht so umfassend wie beim Vorgänger. Die Vergewaltigung wird am Rande öfter erwähnt, insbesondere auch durch Storms Beschreibung ihrer Empfindungen, zudem spielen Floyds Suchtmittelmissbräuche und sein Selbstmordversuch eine Rolle. Vor allem die erste Hälfte des Buches hat daher eine gewisse Intensivität.

    Mein Fazit

     Auch die Fortsetzung kann wieder in vielen Punkten sehr überzeugen und zeichnet ein komplexes Bild einer mehr als komplizierten Beziehung. Es geht um Vertrauen, Vergebung und auch Verzweiflung. Aber es geht auch um Hoffnung. Vor allem durch das Element, was Floyd und Storm zwangsweise verbindet und für beide zum wichtigsten Punkt wird, hat das Buch eine einzigartige Dynamik. Dennoch konnte es mich emotional nicht so abholen wie Band 1, was vor allem an Storm und ihrer teilweise sehr kratzbürstigen, fiesen Art lag. Es bleibt jedoch dabei: Storm und Floyd sind mitreißend, aber auch zerreißend. Ein starkes Buch, wenn auch dieses Mal nicht so unvorhersehbar und deutlich ruhiger. Ich bin gespannt, was die Autorin für Band 3 bereithält.


     [Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

     

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    Cover des Buches Madly (ISBN: 9783736312975)

    Bewertung zu "Madly" von Ava Reed

    Madly
    sparklesandherbooksvor einem Monat
    Kurzmeinung: angenehme Geschichte für Zwischendurch mit etwas Humor und viel Charme, leider aber auch mit wenig Tiefe
    angenehmes Wohlfühlbuch

    „Ich hoffe, irgendwann bin ich der Erste, den du fragst, wenn du Hilfe brauchst. Deine Wahl, nicht dein letzter Ausweg.“

    (Mason zu June in Madly)


    Worum geht’s?

     Mason treibt June in den Wahnsinn. Immer wieder macht er ihr Geschenke und fragt sich um ein Date, doch June hat kein Interesse. Nicht weil Mason nicht toll wäre, oh doch, dessen ist sich June bewusst. Aber June hat ein Geheimnis und durch dieses fühlt sie sich in der Gegenwart anderer unwohl und denkt, jemand so perfektes wie Mason könnte sie eh nicht lieben. Blöd nur, dass er zu ihrer Clique gehört und sie zudem noch ein Praktikum in seinem Club anfangen muss, dabei will sie sich doch von ihm fernhalten. Vielleicht gilt ja die Devise „einmal ist keinmal“ und Mason lässt sie endlich in Ruhe, wenn sie mit ihm einmal in der Kiste war?


     Madly ist Band 2 der In Love-Reihe, kann unabhängig gelesen werden und in sich geschlossen. Jedoch kommen die Charakter aus Band 1 und Band 3 vor, was für Spoiler sorgen könnte und bereits Fragen für die Folgebände aufwirft. Zum besseren Verständnis sollte man die Reihenfolge einhalten.


    Schreibstil / Gestaltung

    Das Cover ist in weiß gehalten und zeigt den Titel, der widerum mit einigen roten und blauen feder- und rauchähnlichen Elementen verziert ist. Das Cover ist recht abstrakt, aber sehr schön und ansprechend, es passt vor allem auch gut zu Band 1 und 3 der Reihe. Nach einem Prolog springt die Geschichte zeitlich zurück und entwickelt sich fortan linear, wobei einige ausgewiesene Zeitsprünge vorkommen. Mason und June führen beide wechselnd als Ich-Erzähler durch die Geschichte. Jedes Kapitel startet mit einem kurzen Statement, das inhaltlich zum Kapitel und zu June und Mason passt. Der Schreibstil ist locker, humorvoll und leicht, das Buch lässt sich gut und angenehm lesen. Es werden zahlreiche Begrifflichkeiten aus dem Gaming verwendet. Das Buch enthält keine explizite Sprache, jedoch einige semiexplizite erotische Szenen.

    Meine Meinung

     Man nehme eine verrückte Clique, einige Liebschaften und jede Menge Humor – schon hat man eine gute Grundlage für die In Love-Reihe. In Band 2 geht es um Mason und June, die bereits in Band 1 mehr als ein Aufeinandertreffen hatten, was Mason verzaubert und June verzweifelt hat. Ich war sehr gespannt, was die Autorin in diesem Teil für die beiden bereithält.

     

    Bereits von Anfang an ist klar: June wird es Mason nicht einfach machen. June trägt ein Geheimnis, was sie vor der Welt versteckt und was sie durch schlechte Reaktionen in der Vergangenheit so geprägt hat, dass sie nicht aus ihrer Haut kann. Schnell ist klar, dass dies auch einer der Hauptgründe ist, wieso sie Mason ständig von sich stößt. Denn der gutaussehende, nette Clubbesitzer hat viel Charme, ist verständnisvoll und so ganz anders als der Macho, wie ihn June sich vorgestellt hat. Nur kann June nicht glauben, dass jemand sie lieben könnte, wenn sie ihr Geheimnis offenlegt. Mason hingegen gibt alles, um June von einem Date zu überzeugen. Doch immer lässt sie ihn abblitzen. Auch als sie widerwillig in seinem Club als Praktikantin anfängt und beide mehr als einmal in eine kritische Situation geraten, zieht June jedes Mal den Stecker. Dabei ist Mason immer bemüht, sie nie unter Druck zu setzen oder zu aufdringlich zu sein. Was hat er an sich, dass June ihn so wegstößt? Er weiß es nicht. Und vor lauter Verzweiflung kommt ihm eine perfide Idee: Er will June eifersüchtig machen, damit sie merkt, wie sie wirklich über ihn denkt. Doch ist das eine gute Idee oder wird June ihn danach erst recht hassen?

     

    Madly ist eines dieser Bücher, in das man einfach nur abtauchen kann. Von Seite 1 an kann es einen mitreißen, es einen gut unterhalten und es macht einfach nur Spaß, Seite um Seite zu lesen. Es ist keine schwere Kost, bei der es darum geht, möglich kompliziert die Herzen zu brechen oder mit vielen Twists für heftige Überraschungen zu sorgen. Nein, Madly ist eher darauf ausgelegt, dass man sich wohlfühlt, als würde man mit seinen Freunden abhängen und von ihnen ihre neusten Lebensgeschichten erzählt kriegen. Eine derart leichtfüßige, teils echt witzige Geschichte hatte ich nicht erwartet. Junes Geheimnis, was der Leser von Anfang an erfahren darf, schwebt zwar etwas über der Geschichte, es bestimmt aber meistens nicht die Handlung. Es geht viel eher um Wortgefechte zwischen June und Mason, zwischen Anziehung und June, die Mason immer wieder den eiskalten Wassereimer übern Kopf schüttet – metaphorisch gesehen, wobei bei ihrem Temperament definitiv auch mehr drin wäre. Man ist dabei, wie June sich im Club einfindet, ihr Praktikum absolviert und immer wieder in Versuchung gerät, wahlweise über Mason herzufallen oder ihn umzubringen. Wer jetzt mehr erwartet und sich mit so einer entspannten Story nicht zufriedengeben mag, der sollte vielleicht nicht zu diesem Buch greifen. Denn viel mehr kommt hier nicht. Es macht Spaß, es ist mitreißend und es ist unterhaltsam. Aber es ist kein Buch, was vor Tiefe und Herzschmerz trieft, auch wenn wichtige Themen angesprochen werden. So geht es etwa um Vergeben und Vergessen, aber auch um Selbstliebe und Selbstzweifel. Das Buch geht so schnell rum, man kann regelmäßig lachen und schmunzeln, man fiebert etwas mit und manchmal möchte man June auch schütteln. Doch vor allem hat man einfach eines: Spaß!

     

    June und Mason sind zwei wirklich sympathische Charaktere, die aber auch ziemlich unterschiedlich sind. Mason ist das, was sich viele vermutlich als Bookboyfriend vorstellen. Gutaussehend, kommt aus reichem Haus, wollte sich aber lieber selbst etwas aufbauen. Er ist sportlich, liebevoll, herzlich und kümmert sich sehr um seine Freunde. Immer wieder versucht er, June von sich zu überzeugen und versteht nicht, wieso sie ihn abweist. Denn anders als in vielen Büchern ist Mason kein Weiberheld, der 20 Frauen an der Hand hat. Ganz im Gegenteil wird hiermit sogar von der Autorin noch vermehrt gespielt während der Geschichte. Mason konnte mich von Anfang an überzeugen, ich mochte ihn und seine Handlungen, sein reflektiertes Denken und die Art, wie er sich manchmal auch zum Hampelmann macht, um June von sich zu überzeugen. Herrlich erfrischend, dass in einem New Adult Buch mal der Typ das Mädchen erobern muss. June hingegen hat es mir gelegentlich etwas schwer gemacht. Sie ist etwas widersprüchlich ausgestaltet, so leidet sie sehr unter ihrer Unsicherheit und meidet Menschen, zugleich ist sie sehr outgoing, selbstbewusst und fast schon vorlaut. Es gab einige Szenen im Buch, wo ich sie ehrlich gesagt etwas anstrengend und teils kratzbürstig fand und ihr Handeln nicht immer nachvollziehen konnte. Da machte es mir oft nicht leicht, für sie mitzufiebern. Sicher gab es so einige lustige Situationen und auch Mason musste ordentlich schwitzen, aber manchmal wirkte es auch ungewollt kindisch und trotzig. Ich mochte Junes Art, sich wenig sagen zu lassen und für sich selbst einzustehen, aber manchmal was es für meinen Geschmack etwas zu überdosiert.

     

    Die Lovestory zwischen Mason und June hat mir insgesamt gut gefallen. Sie ist davon geprägt, dass June „hard to get“ ist, weil sie einfach zu sehr davon überzeugt ist, dass niemand sie lieben könnte. Das denkt sie sich nicht aus, sondern es basiert auf einem Trauma aus ihrer Vergangenheit. Ich war so gespannt, ob und wie Mason ihren Panzer knacken kann. Mason ist sehr bemüht und lässt keine Möglichkeit aus, ohne dabei super aufdringlich zu sein. Diese Waage ist der Autorin wirklich gut gelungen. Man merkt die Anziehung zwischen den beiden und es fliegen die Fetzen, aber sprühen zugleich auch die Funken. Auch wenn June dann recht überstürzt ihre Ansicht wechselt, war es für mich glaubwürdig, nachvollziehbar und wirkte auch nicht, als wäre es von 0 auf 100. Zugleich aber merkt man eben auch, dass es eher um Anziehung und Verknalltsein, als um Liebe geht, weil hierfür einfach die Tiefe fehlt.

     

    Denn im Wesentlichen beschränkt sich die Tiefe der Geschichte auf Junes Geheimnis und Junes und Masons Familienprobleme. Junes Geheimnis wird vor allem am Anfang und am Ende thematisiert, die Familienprobleme in der Mitte. Beide nehmen sich da recht wenig, denn die Familienverhältnisse sind kompliziert und vor allem von Desinteresse geprägt. Junes Eltern spielen hierbei eine noch untergeordneter Rolle, dass ich mir oft einfach gewünscht hätte, dass es mehr zur Sprache kommt und nicht nur hinsichtlich Junes Geheimnis angesprochen wird. Hier hätte für mich auf jeden Fall etwas gelegen, was mehr Aufmerksamkeit kriegen sollte, denn es verkommt etwas und wird irgendwann auch recht schnell durch Junes Entscheidung gegraben. Bei Mason spielt es eine größere Rolle, was vermutlich aber auch daran liegt, weil er sonst gar keinen Background gehabt hätte. Die Entwicklung der Geschichte um Masons Vater hat mir gut gefallen und auch hier hat mich wieder das reflektierte Verhalten sehr begeistern können, auch wenn hier genauso schnell ein Haken hinter gesetzt wird. Es ist etwas schade, weil im Buch so häufig über Junes Liebe zu Essen geredet wird, aufgeführt wird, was sie alles isst, wie oft mit dem Hund Socke gegangen wird, wie an der Bar gearbeitet wird, wie dort Veranstaltungen stattfinden – es gibt wahnsinnig viel Drumherum, was auch begeistern kann, vor allem auch was die Clique mit den anderen Protagonisten aus Band 1 und 3 betrifft. Zeitgleich ist der Fokus so aber auf eher belanglosen Dingen, während die treibenden Themen für mich etwas verkommen. Das Gleichgewicht hat für mich persönlich nicht so ganz gestimmt. Manchmal hatte das Buch Längen, was aber dazu führt, dass andere Parts zu schnell abgehandelt werden, so fühlte es sich zumindest an.


     Etwas überfahren habe ich mich vom Ende gefühlt. Ich bin es gewohnt, dass immer auf den großen Konflikt hingearbeitet wird und so ist es natürlich auch hier. Doch das Tempo, mit dem die Autorin den Konflikt aufbringt, sich entwickeln lässt und ihn dann löst, das war etwas schnell. Wenn man bedenkt, dass das Buch zwischendurch immer wieder sehr entspannte Phasen und viel umfangreiches Drumherum hat, so kommt die Entwicklung doch zu kurz. Auch vor dem Hintergrund, dass auf wenigen Seiten fast eine komplette Wende durchgeführt wird und für June eine gigantische Entscheidung im Raum steht, die dann aber so undramatisch verläuft, wie der Leser es von Anfang an erwartet, muss ich sagen, dass ich das etwas mau fand. Von 0 auf 100 auf 0 zurück in wenigen Sekunden, das hätte das Buch gar nicht nötig gehabt.

     

    Mein Fazit


     Für mich war Madly ein richtig angenehmes Buch, welches mich mitreißen und gut unterhalten konnte. Es ist kein Buch, was mit einer übermäßig überraschenden Geschichte, vielen Twists oder überdurchschnittlicher Tiefe daherkommt, sondern vielmehr ein unterhaltsames, teils humorvolles und wirklich unterhaltsames Wohlfühlbuch um eine witzige Clique. Macht Spaß und ist toll für Zwischendurch!


     [Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, was mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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    Cover des Buches Making Faces (ISBN: 9783736312814)

    Bewertung zu "Making Faces" von Amy Harmon

    Making Faces
    sparklesandherbooksvor einem Monat
    Kurzmeinung: eine schöne Geschichte, die einen poetischen Schreibstil, aber leider auch irgendwie wenig Tiefe hat
    schön, aber auch stumpf

    „Vielleicht stellt jeder von uns ein solches Puzzleteil dar. Wir alle fügen uns zu diesem Gesamtbild zusammen, das wir Leben nennen.“
     (Fern in Making Faces)


    Worum geht’s?

     Fern, Bailey und Ambrose sind drei Teenager in Amerika, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Fern wird von Unsicherheiten wegen ihres Aussehens und ihrer kleinen Größe geplagt, Bailey hat eine seltene Muskelkrankheit, sitzt im Rollstuhl und wird jung sterben. Ambrose hingegen ist der große Ringer-Star an der Highschool, der wunderschöne Ambrose, der Großes erreichen kann. Doch dann erschüttern die Anschläge des 11. September 2001 die Staaten und das Leben von Fern, Ambrose und Bailey wird sich für immer verändern...

     

    Making Faces ist ein Einzelband und in sich geschlossen.


    Schreibstil / Gestaltung

    Das Cover ist sehr abstrakt gehalten und zeigt verschiedene Wasserfarben, die ineinander verschwimmen. Es ist sehr hübsch und spricht definitiv das Auge hat, gibt jedoch zu Inhalt und Story wenig Auskunft. Das Buch wird durch einen Erzähler berichtet, der das Leben der drei Protagonisten verfolgt. Hierbei verläuft die Geschichte linear, es gibt aber immer wieder Rückblicke auf die Vergangenheit, die entsprechend ausgewiesen und in Kursivdruck gehalten sind. Der Schreibstil ist sehr ungewöhnlich und vor allem durch eine regelrecht poetische Art gekennzeichnet. Es lässt sich dennoch sehr gut und angenehm lesen, ist sprachlich manchmal aber vielleicht auch etwas ungewöhnlich und anspruchsvoller. Im Buch werden verschiedene möglicherweise triggernde Themen wie Krieg, Verlust und häusliche Gewalt angesprochen.

    Mein Meinung

    Ich würde lügen, wenn ich sage, dass Making Faces mich nicht zuerst mit seiner Coverschönheit gefangen genommen hat. Was wahnsinnig ironisch ist, weil eine der wichtigsten Botschaften im Buch lautet, dass es nicht auf äußere Schönheit ankommt und vor allem die inneren Werte zählen. Doch nach dem Klappentext habe ich auch hier erwartet, sehr begeistert zu sein. Doch konnte das Buch meine Ansprüche erfüllen?

    Das Buch startet mitten in der Highschool, im September 2001. Der Leser lernt vor allem Fern und Bailey kennen. Die beide sind Cousins und seit der Geburt miteinander befreundet. Fern ist die Tochter des Pastors und seiner Frau, über die vor allem als eine Art hässliches Entlein geredet wird wegen ihrer Haarfarbe und ihrer Größe, während Bailey als Sohn des Ringerteam-Trainers mit einer Muskelschwäche auf die Welt kam, die dazu führt, dass er im Verlauf seines Lebens in den Rollstuhl kam und auch nur eine geringe Lebenserwartung hat. Doch Bailey lässt sich seinen Lebensmut hiervon nicht nehmen, während Fern versucht, unsichtbar zu sein. An der Schule gibt es zudem den großgewachsenen, starken Ambrose, der als Superstar verehrt wird und jeden auf die Matte legt. Es werden Einblicke in das Leben dieser jungen Leute gegeben, welches sich am 11.09.2001 schlagartig verenden wird. Denn Ambrose fällt nach den Anschlägen eine Entscheidung, die für viel Angst, Bewunderung und später viel Schmerz sorgen wird. Und als einige Jahre später ebendiese Entscheidung Ambroses Leben verändert, ist es ausgerechnet fern, die den gefallenen Helden liebevoll zurück ins Leben holen will…


     Making Faces ist eines dieser Bücher, wo man beim Klappentext denkt, es wird eine traurig-schöne Liebesgeschichte. Doch hiermit würde man das Buch unfairerweise und unrichtigerweise reduzieren auf etwas, was es nicht ist und nicht sein sollte. Making Faces ist ein durchdachtes Drama, was verschiedene Facetten und Inhalte miteinander vereint, die jeder einzeln für sich viel Gefühl erfordert. Es geht um so viel mehr als die Liebe der einst hässlichen, jetzt hübschen Fern mit dem einst schönen, jetzt hässlichen Ambrose. Es geht um Vergebung, auch sich selbst gegenüber. Es geht um Traumata, um Nächstliebe, Freundschaft, Lebensmut und Hoffnung. Es geht um Verlust, Leid und Zusammenhalt. Es ist ein umfangreiches, facettenreiches Drama, was weit über die im Klappentext angedeutete Liebesgeschichte hinausgeht. Es sind Handlungsstränge, die miteinander verwoben sind und sich zu einer tragischen Gesamtheit verknüpfen. Als erster Handlungsstrange ist hier natürlich die Geschichte um den 11. September und Ambroses Entscheidung, die sein Leben, das seiner Freunde und das der Bewohner des Ortes für immer verändern wird. Hinzu kommt die zarte Liebesgeschichte zwischen Fern und Ambrose, die vor allem später sehr relevant ist. Und dann ist da noch die komplette Handlung um Baileys Schicksal, was einem wirklich das Herz bricht. Abgerundet wird alles von ein wenig Kleinstadtcharme, der mir aber leider vor allem auch durch seine etwas rückständisch wirkende Art in Erinnerung geblieben ist. Dennoch ist es wie ein Kleeblatt, wo alles nur zusammen Sinn macht und seine volle Wirkung entfalten kann.

     

    Ich muss zugeben, dass das Buch einige Zeit gebraucht hat, um mich abzuholen. Ich schreibe dies vor allem dem Schreibstil zu, der wirklich phänomenal aber eben auch anders ist. Es war das erste Buch der Autorin für mich und ihr sehr poetischer, rührseliger, wortgewandter Schreibstil ist bewundernswert, aber zeitgleich auch eine Herausforderung. Denn oftmals wirken die poetischen Inhalte, die mythischen Anspielungen und die Bibelverse wie leere Worthülsen, die die Autorin nutzt, um fantastische Worte zu schreiben, die aber die Handlung wenig vorantreiben. Denn runterreduziert passiert im Buch ehrlich gesagt recht wenig. Dafür spielt sich viel zwischen den Zeilen ab, verschlüsselt durch ebendiese Worte und das Einbringen verschiedener Geschichten. Man muss vermutlich ein Fan hierfür sein und ich fand es zwar toll, aber gleichzeitig wahnsinnig schade, weil mir die Geschichte – und wirklich jeder Handlungsstrang – irgendwie zu kurz kam. Es entsteht eine gewisse Distanz, durch die ich weniger mitleiden konnte. Es ist einfach, als würde die geliebte Großmutter eine Geschichte erzählen und einige Anekdoten einbauen. Erst später ändert sich dies ein wenig und ich habe etwas mehr mitfühlen können, insbesondere was Bailey anging und die Zeit nach Ambroses Rückkehr.

     

    Dabei gibt es inhaltlich so tolle Aspekte, wirklich. Nur ich konnte Ambrose, Fern und Bailey so wenig kennenlernen, ich konnte nicht in ihre Köpfe gucken und es wirkte schnell so, als würden immer wieder die gleichen Eigenschaften stakkatoartig runtergebetet werden. Der freche Bailey, der dem Tod lächelnd entgegenguckt. Die schüchterne Fern, die ihre mittlerweile gewonnene Schönheit nicht anerkennen kann und immer noch von den bösen Worten der Vergangenheit geprägt ist. Und Ambrose, der starke, unbesiegbare, wunderschöne Junge, der erkennen muss, dass er nicht so unbesiegbar ist und Schönheit vergänglich ist. Das Buch hätte so viel gehabt, um mein Herz zu zertrümmern. Und dennoch hat es das nicht geschafft. Natürlich habe ich mitgelitten und einen Kloß im Hals gehabt, aber es war so viel mehr möglich. Ich kann leider nur nicht sagen, woran genau es lag, dass das Buch es nicht geschafft hat. Lag es am Schreibstil? Lag es an der fehlenden Tiefe der Charaktere? Lag es an der stark reduzierten Handlung? Ich kann es wirklich nicht sagen. Vielleicht wurden für mich zu viele Punkte einfach nur angerissen und nicht komplett entfaltet, etwa Ambroses Entscheidung und die Folge hiervon.

     

    Für mich war Ambroses Entscheidung inhaltlich eigentlich der interessanteste Strang, der aber irgendwie sehr zu kurz kommt. Das ist vielleicht auch einer der Punkte, der mich am meisten gestört hat. Hier liegt so viel Potenzial und es ist ein besonderes, ungewöhnliches Thema. Aber ausgenutzt hat die Autorin dies einfach kaum. Einige Rückblicke in die Vergangenheit beleuchten, was vor Ort passiert ist, zu dem es Ambrose hinzog, doch zeitgleich beschränkt es sich eher auf das Zwischeneinander als das Erlebte. Auch nach der Rückkehr geht es immer mal wieder um Verlust in verschiedenen Formen und der Frage, wie man sich einem neuen, anderen Leben voller Schmerzen in verschiedenen Formen stellen kann und sollte. Doch zugleich werden diese Punkte für mich zu wenig eingebracht, was vor allem vermutlich an der Erzählperspektive mit dem Erzähler liegt, denn Ambroses Kopf wäre spannend gewesen, doch hier kommt man nicht rein. Auch erwartbare Themen wie PTBS, Traumata und so kamen eher wenig vor. Ehrlich gesagt hätte statt Ambroses Entscheidung auch etwa ein Verkehrsunfall zu dem Outcome führen können, wie es aktuell ist. Das finde ich so schade, weil die Thematik doch eher weniger in Büchern vorkommt und die stark romantisierte Vorstellung der Amerikaner über eine solche Entscheidung einen spannenden Aspekt einbringen würde, auch die Folgen des Verlusts und ein wenig Reflexion zur Entscheidung. Doch die Autorin hat sich gegen das Ganze entschieden.

     

    Dafür baut sie in doppelter Hinsicht eine zarte Beziehung zwischen Ambrose und Fern auf. Es sind einige Punkte, die an den Klassiker wie die Schöne und das Biest und das hässliche Entlein erinnern, aber zugleich hat die Liebesgeschichte eine Eigenständigkeit, die sich mir teilweise leider nicht so erschlossen hat. Fern liebt Ambrose seit immer, Ambrose erkennt nach seiner Rückkehr die wahre Schönheit der mittlerweile auch äußerlich schön gewordenen Fern und fragt sich, ob sie ihn, den nicht mehr Schönen, nicht vielmehr als ihr Sozialprojekt ansieht. Doch statt sich solcher Probleme anzunehmen, verwendet die Autorin viele wortgewandte, schöne Aussagen, die alle Wogen glätten. Eine fast schon klischeehafte Entwicklung der Liebesgeschichte ohne große Tiefe, aber zugleich auch mit einigen Aw und Oh-Momenten kann aber trotzdem das Herz erweichen und mich ein wenig zum Schmunzeln bringen. Die Botschaft, die dem ganzen zugrundeliegt, ist klar: Wahre Schönheit ist keine Frage des Äußeren.


    Mein absolutes Highlight war jedoch die Geschichte um Bailey, die sich für mich so unerwartet und beeindruckend entwickelt hat. Von Anfang an weiß der Leser, dass sich Bailey seinem Schicksal nicht einfach hingibt. Er hat Träume, Ziele und Wünsche, auch wenn er nicht alles machen kann und auf viel Hilfe angewiesen ist. Die Reise, auf der man ihn begleitet und miterlebt, wie sich sein Zustand verschlechtert, ist bewegend, regt einen aufgrund ihrer Unfairheit auf und zugleich bleibt man so hoffnungsvoll wie Bailey. Freche Sprüche, kluge Einwände – Bailey muss man einfach lieben. Er kümmert sich so gut um sein Umfeld, was sich auch in einer Nebenstory zeigt, die für die Geschichte zu einer zentralen, tragendende Handlung wird. Bailey ist liebenswert und vermutlich der Kleber, der die Geschichte final zusammenhält. Ich glaube sogar, dass sein Handlungsstrang der einzige ist, bei dem ich nicht sage „hier hätte ich mehr gebraucht“, denn er war wirklich toll gelungen und würdig abgeschlossen.

    Mein Fazit

     Insgesamt war Making Faces ein wirklich schönes Buch, was vor allem auch mit einem ungewöhnlichen und sehr poetischen Schreibstil begeistern kann. Allerdings wirkt es oft so, als würden die schönen Worte inhaltsleer sein. Die tiefen Gefühle, die die Geschichte in mir hätte auslösen können, wurden leider oft nicht erreicht. Es ist eine besondere Geschichte mit sehr tollen Botschaften, aber leider auch Potenzial für so viel mehr.

     

    [Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise in Rahmen einer Leserunde überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

     

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    Cover des Buches Fuck you, Love (ISBN: 9783740734060)

    Bewertung zu "Fuck you, Love" von Daniela Hartig

    Fuck you, Love
    sparklesandherbooksvor einem Monat
    Kurzmeinung: herausfordernd, kompliziert, zerstörerisch und mitreißend - eine etwas andere Liebesgeschichte
    eine etwas andere Liebesgeschichte

    „Auch der Schimmel macht dich nicht zum Prinzen, Floyd. Und schon gar nicht zu meinem. Auch wenn du das gerne hättest.“
     (Storm zu Floyd in F*ck you love) 


    Worum geht’s?

     Seit Tagen wird Floyd von einem Mädchen verfolgt. Die schöne Unbekannte hat noch eine Rechnung mit ihm offen, denn sie ist sich sicher: Floyd hat sie vor vier Wochen auf einer Party bei ihm vergewaltigt. Floyd kann sich jedoch nicht dran erinnern, auch wenn vereinzelte Flashbacks sein Gewissen quälen. Doch irgendwas an dem Mädchen fasziniert ihn und so sucht er den Kontakt zu ihr. Ihr Name ist Storm und Floyd kann noch nicht ahnen, dass sie wie ein Wirbelsturm durch sein Leben ziehen wird…

     

    Dieses Buch ist Band 1 einer Trilogie. Das Buch ist nicht in sich geschlossen und wird in Band 2 fortgesetzt.


    Schreibstil / Gestaltung

    Das Cover des Buches ist in weiß mit verschiedenen Blumen in Rot und Rosa gehalten. Es wirkt verspielt und unschuldig, erregt Aufsehen und gibt den Eindruck einer romantischen Geschichte. Das Buch wird ausschließlich aus der Ich-Perspektive von Floyd erzählt. Zwischendurch gibt es vereinzelte Flashbacks auf die Party, diese sind jedoch ausgewiesen. Hiervon abgesehen verläuft das Buch linear. Der Schreibstil ist sehr locker, es wird häufig geflucht und es kommen zudem potenziell triggernde Inhalte vor. Es ist sprachlich für (junge) Erwachsene angemessen.

    Meine Meinung
     

    Schon seit längerer Zeit steht das Buch auf meiner Lesewunschliste und anlässlich der Neuauflage kam nun endlich die Chance, das Buch zu lesen. Es ist mein erstes Werk der Autorin und vor allem die kompliziert klingende Grundidee, dass die Protagonisten eventuell durch eine Vergewaltigung miteinander verbunden sind, hat mich sehr gereizt. 

     

    In das Buch habe ich sehr schnell reingefunden. Die Geschichte beginnt mit Floyd, der feststellt, dass seit einigen Wochen eine Unbekannte unten auf der Straße wartet und ihn beobachtet. Er kennt sie und er weiß, was sie will. Bei einer Partynacht vor 4 Wochen soll er sie vergewaltigt haben. Er weiß es allerdings nicht und trotz bruchstückenhafter Flashbacks kann er sich keinen Reim aus der Situation machen. Immer wieder laufen sich Floyd und die Unbekannte über den Weg und es entwickelt sich bald eine kurios anmutende Art der Verbindung. Floyd ist von dem untypischen Mädchen mit den langen schwarzen Haaren, die sich bald als Storm vorstellt, fasziniert. Und auch Storm sucht immer wieder seine Gegenwart, obwohl sie ihn zutiefst verabscheut. Bald fangen beide sogar an, Zeit miteinander zu verbringen, man könnte fast meinen, sie daten sich. Doch es ist weitaus komplizierter. Aber eine Sache weiß Floyd: In ihrer Gegenwart fühlt er sich besser, seine Alpträume und Flashbacks verschwinden. Die neugewonnene zarte Verbindung wird aber immer wieder auf die Probe gestellt: Von Vorurteilen Dritter, von Storms Dunkelheit – und der ewigen Fragen, was wirklich in der Partynacht passiert ist…

     

    Kompliziert. Mitreißend. Ergreifend. Zerstörerisch. Verwirrend. Sprunghaft. Verletzlich. Hoffnungsvoll. Fesselnd. Ach, habe ich schon kompliziert erwähnt? Für dieses Buch fallen mir sehr viele Attribute ein, mit denen ich es labeln würde. Und zugleich scheint doch keines davon zu passen. Als ich anfing, das Buch zu lesen, habe ich keine Vorstellung gehabt, was mich erwarten wird. Ich wusste, dass es keine locker-seichte Liebesgeschichte wird. Aber eine derartige Achterbahnfahrt mit zahlreichen Gefühlsschleudertraumata war jetzt auch nicht gerade das, was ich in dem Buch zu suchen gewagt hätte. Dieses Buch ist keine Geschichte, die man mal eben so nebenbei liest. Es ist eine sehr komplexe, facettenreiche Geschichte zweier junger Leute, die durch eine schicksalsbehaftete Nacht miteinander verbunden sind und nicht wissen, ob sie einander vertrauen können oder was sie voneinander halten können. Und ähnlich geht’s auch dem Leser. Wer ist Storm, wieso sucht sie Floyds Gegenwart, was ist in der Nacht passiert und wieso entwickelt Floyd so ein Interesse für Storm? Doch schon bald geht es weiter über das Thema der Nacht hinaus. Floyd und Storm entwickeln eine komplizierte, vermutlich auch nicht ganz gesunde Beziehung zueinander, die teils von großem Vertrauen und teils von einigem Misstrauen geprägt wird. Beide haben in ihrem Leben schon viel erlebt, beide haben ihre ganz eigenen Päckchen zu tragen. In diesem Buch geht es um mehr als nur den reichen Snobtypen, der auf die komplett gegensätzliche Storm trifft. Es ist ein schmerzhaftes Buch, was sich von Seite zu Seite immer tiefer ins Herz schneidet. Immer wieder gibt es kleine Lichtblicke, Hoffnungsträger und schöne Momente, die von viel Zerstörung, Schmerz und Verzweiflung abgelöst werden. Nicht immer sind hierbei die Motive, die Gedanken und Gefühle der Beteiligten klar, offensichtlich und greifbar. Aber das müssen sie auch nicht immer sein. Storm und Floyd sind besonders. Das mag sich auch im Schreibstil widerspiegeln. Dieses Buch ist kein Jugendbuch und hat auch nicht den Anspruch, eines zu sein. Es wird geflucht, beleidigt und es kommen auch Inhalte vor, die mit Bedacht zu genießen sind. Aber alles zusammen ergibt ein rundes Bild von zwei außerordentlich speziellen Charakteren.

     

    Auf der einen Seite steht Floyd, der auch als alleiniger Erzähler durch die Geschichte führt. Das bewirkt zudem, dass Storm ein großes Mysterium bleibt. Floyd kommt aus einer reichen Familie, bei der der Vater mit ständiger Abwesenheit glänzt und die Mutter mit ihrem Vornamen angesprochen werde möchte, damit sie sich nicht so alt fühlt. Floyd hat alles: das gute Aussehen, viel Geld, ein schnelles Auto. Nur an einer Zukunftsvision fehlt es ihm. Floyd zeichnet sich vor allem auch dadurch aus, dass er ständig gegen seinen Vater rebelliert, wobei recht schnell klar ist, dass es seine Art der Vergeltung und der Aufmerksamkeitssuche ist, denn zu tief sitzt die Zurückweisung. Floyd feiert viel, hat viele Mädchen, aber betrinkt sich so gut wie nie. Anfangs empfand ich ihn als anstrengend und unsympathisch, einen Typen zum Von-der-Bettkante-Stoßen. Doch schnell schlich er sich in mein Herz und zeigte, wie fürsorglich und beschützerisch er sein kann. Er ist manchmal impulsiv und das bringt ihn öfter in Schwierigkeiten. Aber er ist sehr bemüht und schon bald ist Storm für ihn so wichtig geworden, dass ihn die Angst, sie zu verlieren, zerstören könnte. Floyd macht im Laufe des Buches auch einige Entwicklungen durch, er beginnt über sich selbst und seine Lebensweise nachzudenken, über die Werte seine Erziehung und die Einstellung, die bedingt durch sein Umfeld und das Geld in seinem Kopf schlummert, in Frage zu stellen. Sein Umfeld ist nicht viel präsent, auch durch die viele Abwesenheit seiner Eltern. Dafür spielt sein bester Freund Ben in der Geschichte eine entscheidende Rolle. Er ist schwer einzuschätzen und sorgt immer wieder für Ärger, was oft auch die Grenzen verschwimmen lässt und zu Fragen beim Leser führt, wer hier gut und wer böse ist. Doch so wie man auch die Geschichte nicht labeln kann, kann man auch die Charaktere nicht labeln. Sie sind zu vielschichtig dafür. Allen voran Storm…

     

    Storm ist eine Wucht. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir jemals eine Protagonistin wie sie untergekommen ist. Sie ist für mich ein absolutes Chamäleon und zugleich eine Wunderkiste. Bis zur letzten Seite bleibt sie für mich ein unlösbares Rätsel und verdammt, das hat mir gut gefallen. Storm ist ein wahnsinnig starker Charakter, der manchmal auch sehr eigenwillig handelt. Sie ist laut, sie ist rücksichtslos und energiegeladen. Doch zugleich ist sie empathisch, ehrlich und bringt ein beeindruckendes Feingefühl mit. Ihr Leben ist ein regelrechter Trümmerhaufen, aus dem sie das Beste macht. Die Mutter verstarb früh, der Vater ist dem Alkohol verfallen und nicht selten muss Storm hier drunter leiden. Dann versucht sie zu fliehen, zu vergessen und auch sich zu betäuben. Schnell wird klar, dass hier mehr verborgen liegt und auch, wenn es nicht genau definiert wird, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie mindestens depressiv, wenn nicht sogar bipolar ist. Ihre sehr schwankende Stimmung, ihre Sprunghaftigkeit aber auch die über ihr schwebende Dunkelheit tun beim Lesen teilweise wirklich weh, denn unter dem rauen Charakter steckt eine zerbrechliche Person, die es verdient, geliebt zu werden. Storm ist sehr anpassungsfähig, was sich im Buch mehrfach zeigt, sie ist gut dadrin, ihre wahren Motive und Gedanken zu überspielen. Aber Floyd gelingt es teilweise, hinter die Fassade zu schauen. Storm überrascht häufig mit ihren Taten, etwa wenn sie Floyd öffentlich vorführt oder sich sozial engagiert und dabei ihre herzliche Seite zeigt. Ich würde sie als unberechenbar betiteln, was zu vielen Überraschungen führt. Da Storm in der Geschichte nur durch Floyds Augen gezeigt wird, bleibt sie so geheimnisvoll und man möchte mehr über sie und ihre Gedanken erfahren. Ein wahnsinnig starker, eindrucksvoller Charakter, der aber auch viele kaputte Aspekte vereint und für den man sich Hilfe wünscht. 

     

    Die Liebesgeschichte ist eine sehr komplizierte und auf wackligen Beinen stehende Geschichte. Sie zeichnet sich vor allem durch ein stets Auf und Ab, ein Hin und Her, ein Heranziehen und Abstoßen aus. Treibende Kraft der Zurückweisung ist hierbei vor allem Storm, die gelegentlich an Floyds Absichten zweifelt und von ihren eigenen Gefühlen überfordert zu sein scheint. Aber auch ihre psychische Verfassung macht es ihn nicht immer leicht und so scheint es ihr einfacher, Floyd zu vertreiben als ihm ihre verletzliche Seite zu zeigen. Bedenkt man, dass Auslöser der ganzen Konstellation eine im Raum stehende Vergewaltigung ist, so merkt man, wie fragil die Beziehung ist. Immer wieder gibt es Szenen, bei denen man sich fragt, ob es gut ist, dass beide miteinander Zeit verbringen. Vor allem Storm ist geübt darin, mit ihrer sprunghaften Art gelegentlich einen Keil zwischen sich und Floyd zu treiben. Floyd und Storm sind ein Liebespaar, was den Leser an die Grenzen bringen wird, nicht nur mit ihren sprunghaften, überraschenden und nicht immer nachvollziehbaren Entscheidungen. Aber zugleich sind es auch diese Aspekte, die die Geschichte so mitreißend, undurchsichtig und unvorhersehbar machen. Stets hängt die Nacht, an die sich beide nicht wirklich erinnern, wie ein Damoklesschwert über ihnen. Hierbei hat mir aber auch gut gefallen, dass die Vergewaltigung kein Dauerthema war. Immer wieder wird sie zwar angesprochen und vor allem Storm lockt Floyd immer wieder aus der Reserve, indem sie das Thema anspricht, dennoch ist sie nicht das Hauptthema. 

     

    Wirklich überrascht hat mich das Ende. Nachdem das Buch auch zwischendurch immer wieder mit Wendungen, Ereignissen, ruhigen Phasen und einigen Konflikten überzeugen kann, ist es das Finale, mit dem ich nicht gerechnet hätte und dass einen ratlos und rastlos zurücklässt. Es ist kein klassischer Cliffhanger und zugleich ein wahnsinnig machender Aufhänger, der unglaublich viele Fragezeichen offenlässt. Es zeigt aber auch, dass dieses Buch eben kein typisches Buch mit einem standardmäßigen Verlauf voller Friede, Freude, Eierkuchen ist. Nein, das ist dieses Buch – vermutlich die ganze Reihe – auf keinen Fall. Vielleicht konnte mich das Buch daher vielleicht auch so begeistern.

     

    Ich hatte bereits erwähnt, dass in dem Buch viele triggernde Elemente vereint werden. So spielt neben der Vergewaltigung vor allem auch Storms psychische Verfassung eine sehr große Rolle, ebenso wie häusliche Gewalt und suizidale Gedanken. Es ist ein sehr intensiver Mix, bei dem jeder Leser von Anfang an sicher sein sollte, dass er sich auf diese Reise begeben möchte. Dieses Buch ist kein wunderschönes Märchen vom edlen Prinzen, der die gefallene Prinzessin retten möchte. Das hat Storm auch gar nicht nötig. Aber dennoch können sich Floyd und Storm gegenseitig viel Halt geben – aber eben auch viel verletzen.

     

    Mein Fazit

     Dieses Buch ist eine kraftvolle Geschichte voller Überraschungen, die mit den typischen Elementen des Genres spielt und auch einige Grenzen ausreizt und gern auch mal überschreitet. Floyd und Storm haben eine komplizierte, mitreißende Geschichte, in der man sich verlieren kann. Ungewöhnliche Charaktere, unvorhersehbare Entscheidungen und jede Menge Tiefe. Ein Buch, was ich so schnell sicher nicht vergessen werde. Band 2, ich komme!


     [Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.] 

     

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    Cover des Buches Very First Time - Mein Masterplan in Sachen Liebe (ISBN: 9783846601075)

    Bewertung zu "Very First Time - Mein Masterplan in Sachen Liebe" von Cameron Lund

    Very First Time - Mein Masterplan in Sachen Liebe
    sparklesandherbooksvor einem Monat
    Kurzmeinung: eine eigentlich süße Idee, die aber mit fragwürdigen Aussagen, einer anstrengenden Protagonistin und einen wirren Drumherum nicht überzeugt
    teils schwierig und fragwürdig

    „Wir bekommen alles, was wir wollen, genau zum richtigen Zeitpunkt, wie am Ende von so einem Teenie-Film. Aber wenn alles so perfekt ist, warum fühlt es sich so verkehrt an?“
     (Keely in Very first time) 


    Worum geht’s?

     Keely steht kurz vor ihrem Highschoolabschluss und freut sich, bald das College zu besuchen. Doch nachdem alle um sie herum bereits ihr erstes Mal hatten, fühlt sich die schüchterne Keely unsicher. Wieso flirtet niemand mit ihr, wieso ist sie noch Jungfrau? Als sie an ihrem neuen Arbeitsplatz den Collegestudenten Dean kennenlernt und sich in ihn verliebt, wird es plötzlich furchtbar kompliziert. Denn natürlich ist Dean bereits sexuell erfahren und Keely kann ihm auf keinen Fall sagen, dass sie noch Jungfrau ist. Also muss sie vorher üben. Und damit keine Gefühle oder verletztes Vertrauen im Spiel sind, fällt ihr hierfür nur eine Person ein: Ihr bester Freund Andrews. Ein bombensicherer Plan, oder?


     Very first time ist ein Einzelband und in sich geschlossen.


    Schreibstil / Gestaltung

    Das Cover des Buches ist in weiß mit einem orange-pinken Kreis gehalten, der wie ein Sonnenuntergang aussieht. Zudem gibt es viele kleine Herzen, die wild verteilt sind. Es ist ein süßes, schlichtes Cover, was ansprechend gestaltet wurde. Das Buch verläuft linear und wird ausschließlich durch Keely in der Ich-Perspektive erzählt. Gelegentlich gibt es Chatnachrichten zwischen Keely und anderen Charakteren. Der Schreibstil ist locker und auch sprachlich für ein Jugendbuch angemessen. Das Buch enthält gelegentlich leichte Kraftausdrücke, jedoch keinen erotischen Inhalt.

    Meine Meinung

     Very first time ist eines dieser Bücher, bei denen man weiß, dass man eigentlich zu alt dafür ist. Mit fast dem doppelten Alter der vermeintlichen Zielgruppe bin ich von den Problemen wie Highschool-Abschluss und das erste Mal schon etwas entfernt. Dennoch greife ich gern zu solchen Büchern, auch als Abwechslung zum New Adult-Genre, wo es immer um tiefgründige, hochdramatische Geheimnisse geht. Das ist im Young Adult-Bereich anders und darum habe ich mich sehr auf diese Friends to Lovers-Geschichte gefreut. Aber wer zu hohe Erwartungen hat, der kann enttäuscht werden.


     Das Buch startet mit Keely, die auf einer Party mitten in das erste Mal von ihrer Freundin Danielle und ihrem Mitschüler Chase stolpert. Peinlich berührt zieht Keely sich zurück, nur um wenig später miterleben zu dürfen, wie die Partymeute die Entjungferung feiert und wie schnell sich die Botschaft wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Erkenntnis, dass alle ihr erstes Mal schon hatten und Keely nicht einmal einen Freund hatte, trifft sie wie ein Schlag. Denn schon bald geht’s ans College und sie ist komplett unerfahren. Sie kann doch mit 18 nicht mehr Jungfrau sein! Als Keely kurz danach einen Job in einem Videoladen annimmt und dort auf den Collegestudenten Dean trifft, der Interesse an ihr zeigt, kriegt sie Panik. Denn Dean ist natürlich erfahren, so wie alle andere auch. Guter Rat ist teuer, bis Keelys Freundin Hannah auf die Idee kommt, dass Keely einfach üben soll – mit Andrew, Keelys bestem Freund seit Kindstagen und einer der größten Aufreißer an der Schule. Und Keely findet die Idee gut, denn sie vertraut Andrew und weiß, dass er sie nie vorführen würde. Außerdem sind ja keine Gefühle im Spiel, denn die beiden sind Freunde, auch wenn alle um sie herum schon seit Ewigkeiten behaupten, dass sie zueinander gehören…

     

    Dieses Buch lässt mich etwas ratlos zurück und entsprechend ratlos fühle ich mich auch, etwas über das Buch zu erzählen. Fangen wir einfach vorne an: Der Einstieg fiel mir echt leicht und ich war schnell in der Geschichte drin. Leider habe ich mir aber so schnell auch gewünscht, wieder aus der Geschichte draußen zu sein. Denn bereits nach wenigen Seiten, wo das Thema „mit 18 NOCH!!! Jungfrau“ aufkommt, musste ich die Augen verdrehen. Keely und ihre Freundinnen unterhalten sich und immer wieder geht es darum, dass Keely mehr und mehr denkt, wie unglaublich peinlich es ist, noch Jungfrau zu sein. Sie hatte ja nichtmal einen Freund, weil niemand sie mal anflirtet. Natürlich sind alle um sie herum total sexuell aktiv, wechseln die Partner laufend (vor allem Andrew, der laut Keely quasi alle zwei Wochen eine andere hat) und gleichzeitig wird aber laufend darüber gelästert, wer es mit wem treibt. So kommt es auch, dass Danielle in der Schule öffentlich vorgeführt wird, nachdem sie Sex mit Chase hatte. Beleidigende Botschaften, Gerede auf den Fluren – die Botschaft wird zunehmend klar: Hast du keinen Sex, bist du peinlich. Hast du Sex, wirst du als Mädchen öffentlich gemobbt. Zwar war mir von Anfang an klar, wer hinter den Botschaften steckt und auch der Hintergrund hier ist eigentlich dazu geeignet, zum Nachdenken anzuregen, doch leider hat das Buch ein großes Problem: Jegliche wichtigen und kritischen Themen werden angeschnitten und dann begraben. Zwar versucht die Autorin zum Ende hin fleißig zu retten, was noch zu retten ist, aber es kommt nicht an. Nach über 250 Seiten mit wirklich fragwürdigen Botschaften für Jugendliche, die vielleicht noch Jungfrau sind und vielleicht sogar Angst vor ihrem ersten Mal haben, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. 

     

    Hinzu kommt auch, dass zwischendurch eigentlich permanent darüber gesprochen wird, dass Jungs sowieso nicht anderes als Sex im Kopf haben, untereinander nur über ihre Eroberungen reden und auch hier gibt’s einige mehr als kritische Sätze, die in meinen Augen ein vollkommen falsches Bild auf Sex und sexuelle Handlungen für Leute vermitteln, die selbst ihre Sexualität gerade erst entdecken (oder wie soll man die Aussage, dass ein Mädchen gar nicht erst mit der Hand anfangen soll, das könne der Typ ja selbst, sie muss schon den Mund aufmachen ernsthaft gut finden?) So entstand zunehmend ein Auf und Ab. Immer wieder gab es Phasen, wo die Geschichte eigentlich ganz nett war und man etwas mitgefiebert hat – vor allem, da die Geschichte wirklich in jedem Punkt so vorhersehbar ist, dass einen nichts mehr überrascht, man aber endlich will, dass das Offensichtliche bei Keely ankommt. Dann kommen aber wieder solche Phasen, wo man nur die Augen verdrehen will, wahlweise Keely schütteln und einen anderen Beteiligten schlagen möchte oder das Buch vor Wut an die Wand donnern mag. Ich bin ganz ehrlich: Hätte mein 14-Jähriges Ich dieses Buch gelesen, wäre es wohl verunsichert und verängstigt gewesen. Die Charaktere sind teilweise für ihre 18 Jahre extrem kindisch, dann wieder extrem sexistisch. Auf der einen Seite wird sexuelle Selbstbestimmung gepredigt (Keely soll warten, bis es sich richtig anfühlt), gleichzeitig wird gepredigt, dass Jungfrausein schlimm ist (Keely soll Dean bloß nicht sagen, dass sie Jungfrau ist). 

     

    Dean. Ein sehr gutes Thema. Dean ist ein plötzlich auftauchender Love Interest, der anders als alle anderen Typen von der Highschool sofort Interesse an Keely bekundet. Wieso? Weiß man nicht. Dean ist so eindimensional, dass es wehtut. Es ist von Anfang an unsympathisch und man hat das Gefühl, Keely findet ihn nur toll, weil er so anders ist als die Highschooler. Dabei zeigt Dean unglaublich unangenehme Tendenzen, mehrfach macht er sich an Keely ran, obwohl sie nicht will. Er drängt Keely dazu, ihm das Versprechen zu geben, beim Abschlussball mit ihm zu schlafen. Gleichzeitig weiß er natürlich nicht, dass sie Jungfrau ist. Aber es wirkt so, als hätte Dean eben auch nur eine Agenda: Sex. Das Problem? Ich habe von Anfang an nicht verstanden, wieso er Keely so toll findet. Er ist komplett anders als sie, er interessiert sich kaum für die gleichen Sachen, er will eigentlich nur mit ihr rummachen, was sie aber ja zurückweist. Es war für mich einfach das Gefühl, dass hier unbedingt Drama generiert werden sollte, denn vor allem bringt Dean natürlich Andrew auf die Palme. Gleichzeitig wird Keely aber von den Mädels gefeiert, einen Collegeguy abgeschleppt zu haben. Es ist wirr und so wenig nachvollziehbar. Vielleicht war Dean nötig, um Keelys Plan zu begründen. Denn weil sie Dean auf keinen Fall ihre Jungfräulichkeit gestehen will, möchte sie vorher „üben“ und sich Dean dann als Profi präsentieren. Diese Entscheidung führt aber nur zu Problemen und belastet die Beziehung zu Andrew sehr, einfach weil Keely das mehr als offensichtliche nicht sieht. Selbst ein Holzhammer bringt da nichts und so hatte ich irgendwann nur noch Mitleid mit Andrew und war extrem genervt von Keely.

     

    Das Ende des Buches konnte mich nach so vielen Seiten, wo irgendwie nichts passiert ist und alles so dahinplätscherte, überhaupt nicht begeistern. Es war wo drastisch überzogen. Es passiert zu viel auf einmal, was gleichzeitig auch dazu führt, dass die Sachen teilweise nicht angemessen ausdiskutiert und ausgearbeitet werden können. So verkommen einige doch eigentlich wichtige Botschaften zu Nebensächlichkeiten. Es ist ein Ende, was irgendwie zu dieser wirren Geschichte passt und vermutlich jedem Highschoolfilm Konkurrenz machen kann. Es war nicht stimmig und enthielt zu viele spontane Wendungen, dass ich mir deutlich mehr Tiefe gewünscht hätte. Vielleicht liegt es aber auch daran, weil für mich von Anfang an klar war, wie sich die Geschichte entwickelt und ich gehofft hatte, dass sie dann zumindest nicht so lachhaft theatralisch endet. 



     Abschließend muss ich zu den Charakteren sagen, dass mir diese bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht zugesagt haben. Allen voran ist Keely eine anstrengende Protagonistin, die mit ihrer naiven, unbeholfenen Art sehr schnell von niedlich zu unangenehm wechselt. Ihre Gedanken haben mich irgendwann wahnsinnig gemacht, auch wenn sie vielleicht den inneren Konflikt einer Person in diesem Alter ganz gut widerspiegeln könnten. Keelys Freundinnen verdienen – mit Ausnahme von Hannah – das Wort nicht. Sie ist alles abziehbildchenhafte Highschoolmädels wie aus Girls Club, die primär damit beschäftigt sind, sich gegenseitig fertig zu machen. Hannah ist die einzig Normale, die auch offen und ehrlich zu Keely ist, zugleich aber viel zu wenig vorkommt. Die Jungs im Buch – mit Ausnahme von Andrew und Dean – sind auch so richtig schön stereotypische Prolls, wie man sie aus Highschoolfilmen kennt. Nur Bier und Sex im Kopf, feuern sich permanent gegenseitig an und sind einfach nur unsympathisch. Andrew mochte ich anfangs leider auch nicht, dies entwickelte sich im Laufe der Story aber sehr. Denn je mehr man von ihm erfährt, desto toller findet man ihn – und desto mehr Mitleid hat man, dass er die anstrengende, betriebsblinde Keely ertragen muss. Zu Dean habe ich ja eigentlich schon alles gesagt, was zu sagen ist. Er war für mich aber vermutlich das Schlimmste am ganzen Buch.


    Mein Fazit

     Insgesamt muss ich sagen, dass Very first time wirklich viel Potenzial hatte, aber in meinen Augen nicht abliefern konnte. Mit für ein Jugendbuch doch schwierigen Aussagen, einer gewissen Drucksituation und seinen sehr stereotypischen Charakteren konnte diese sehr vorhersehbare Story leider auf wenigen Ebenen punkten. Das Buch lässt sich schnell lesen und ist zwischendurch auch immer wieder unterhaltsam und süß, aber im Großen und Ganzen stieß mir zu viel sauer auf, als dass ich das Buch genießen konnte.  


     [Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.] 

     

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