sursulapitschi

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    Cover des Buches Meine Königin (ISBN: 9783458363910)

    Bewertung zu "Meine Königin" von Jean-Baptiste Andrea

    Meine Königin
    sursulapitschivor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Diese Geschichte ist viel auf einmal: Zart und gewaltig, warmherzig und gnadenlos, schnörkellos toll erzählt. Ich bin beeindruckt.
    Zart und gewaltig

    Man sieht es diesem Buch nicht an, aber es ist etwas Besonderes. Klein, kurz und in Tarnfarbe liegt es da und erzählt eine Geschichte, die anrührt, trifft und den Leser sofort gefangen nimmt.

    Da ist Shell, zwölf Jahre alt, irgendwo im tiefsten Frankreich auf der elterlichen Tankstelle mitten in den 60er Jahren. Zur Schule geht er nicht mehr, weil einfach nicht in seinem Kopf bleiben will, was man ihm beizubringen versucht. Vielleicht hat sein Gehirn einfach zu viele andere Dinge zu tun?


     Es fesselt und berührt, wenn man ihm hier beim Denken zusehen darf. Er weiß, dass ihn alle für dumm halten, er weiß auch, was er kann und was nicht. Mit gnadenloser Logik trifft er ein paar verhängnisvolle Entscheidungen und er trifft ein Mädchen, das sich tatsächlich nicht an seiner Andersartigkeit stört. Mit Viviane zusammen lernt er Fantasiereisen kennen, wie Kinder eben fantasiereisen, nur schillern solche Reisen in seinem Kopf ganz besonders.

     

    Diese Geschichte ist viel auf einmal: Zart und gewaltig, warmherzig und gnadenlos, schnörkellos toll erzählt. Ich bin beeindruckt.

     

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    Cover des Buches Die Wahnsinnige (ISBN: 9783832181277)

    Bewertung zu "Die Wahnsinnige" von Alexa Hennig von Lange

    Die Wahnsinnige
    sursulapitschivor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Das Buch ist kurz, schön erzählt und ein wenig lernt man tatsächlich dazu, keine Zeitverschwendung, aber auch nicht der ganz große Wurf.
    Eindringlich aber handlungsarm

    Johanna von Kastilien hatte wohl mehrere Eigenschaften, die nicht gut in ihre Zeit passten, vorne weg der Wunsch auf Liebe und ein selbstbestimmtes Leben. So etwas war nicht vorgesehen für eine Königstochter und man kann aus heutiger Sicht gut nachvollziehen, dass es einen nahezu verrückt machen muss, wenn man nicht reisen kann wohin man möchte, weil es der Mama nicht ins politische Konzept passt oder wenn man eigentlich eiskalt bleiben müsste, wenn man den Ehemann auf Abwegen erwischt, weil nur das die angemessene königliche Reaktion ist.


    Das ist traurig und tragisch, leider füllt es nicht selbstverständlich ein Buch.
    Alexa Hennig von Lange schafft es wunderbar, Johannas vertrackte Situation zu beleuchten, ihre persönliche Tragödie so wie auch die Stellung der Frau zu jener Zeit. War Johanna verrückt, lebte sie in Zeiten mit verrückten Ansprüchen oder war es bisweilen einfach bequemer, Unpassendes als verrückt zu verdammen, als sich damit auseinanderzusetzen?


    All das erzählt sie mit wenig Handlung und viel Innenschau, eindringlich aber handlungsarm. Man begleitet Johanna durch mehrere Jahre ihres Lebens und hat dennoch den Eindruck einer Momentaufnahme, die bei aller Tragik dann doch irgendwann langweilt. 

    Das Buch ist kurz, schön erzählt und ein klein wenig lernt man tatsächlich dazu. Es ist keine Zeitverschwendung, aber auch nicht der ganz große Wurf. 

     

     

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    Cover des Buches Lovecraft Country (ISBN: 9783423219150)

    Bewertung zu "Lovecraft Country" von Matt Ruff

    Lovecraft Country
    sursulapitschivor 13 Tagen
    Kurzmeinung: Möglich, dass mir die Verfilmung gefallen würde, als Buch sind mir die Dialoge zu einfach, Handlung und Figuren zu seltsam.
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    Cover des Buches Gargoyle (ISBN: 9783867176316)

    Bewertung zu "Gargoyle" von Andrew Davidson

    Gargoyle
    sursulapitschivor 14 Tagen
    Kurzmeinung: Grandioser Stil. Bis kurz vor Schluss war ich sicher, ein fünf Sterne Buch zu lesen, bis sie dann im letzten Drittel fast alle verdampften.
    Leider am Ende grauenhaft

    Selten hat mich ein Buch so erstaunt. Es fing absolut genial an, um dann im letzten Drittel alles in den Sand zu setzen, so gründlich, dass kaum noch Sterne übrig bleiben.

    Es geht um einen Mann, der bei einem Unfall schwerste Verbrennungen davonträgt, der sein Leben neu sortieren muss und dabei eine seltsame Frau kennenlernt. Marianne ist Künstlerin, eine Bildhauerin, die Gargoyles herstellt, und die meint, sie beide würden sich aus früheren Zeiten kennen. Sehr viel früher. Im 14.Jhd. war sie einst Nonne.

    Hier schreibt jemand genial, in einem ausgefeilten Stil, voller Witz und Ironie, eine tragische Geschichte, bei der man sich die ganze Zeit fragt: Ist das sein ernst, oder hat der Held zu viel Morphium genommen?

    Sie war… „klein, aber napoleonklein. Ein Klein, das sich immer an den eigenen Haaren hochzieht, um größer zu erscheinen, dick, aber wasserballdick, mit Fleisch, das nicht waberte sondern rund war, als suchte es nach einer Stelle zum Explodieren. Alter? Um die Fünfzig, schwer zu sagen, aber wahrscheinlich. Falten hatte sie keine, dafür war ihr Gesicht zu kugelförmig.“

    Anlage und Sprache sind hier exquisit, weshalb ich auch mit einer ausgeklügelten Auflösung dieser merkwürdigen Geschichte gerechnet habe, bei der man die ganze Zeit nicht genau sagen kann, wird es jetzt tatsächlich echte Fantasy oder befindet sich doch gerade jemand im Drogenrausch?

    Leider bricht das Buch dann komplett ein. Wenn es an die Auflösung geht ist es vorbei mit der Raffinesse. Der Autor nimmt tatsächlich jede Plattitüde mit, die sich bietet, von Wiedergeburt über Gotteswille, Schicksal, Fügung, Erlösung, ewiger Liebe bis hin zu Dantes Inferno in allen Geschmacksrichtungen. Er lässt nichts aus, was man an Pathos auftischen kann und nicht nur das. Er weiß auch nicht, dass man irgendwann aufhören sollte, weshalb er das schreckliche Ende dann noch ordentlich auswalzt.

    Strange! Bis kurz vor Schluss war ich davon überzeugt, ein fünf Sterne Buch zu lesen, bis sie dann im letzten Drittel fast alle verdampften.

    Letztendlich finde ich das Buch leider grauenhaft.


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    Cover des Buches Judith und Hamnet (ISBN: 9783492070362)

    Bewertung zu "Judith und Hamnet" von Maggie O'Farrell

    Judith und Hamnet
    sursulapitschivor 16 Tagen
    Kurzmeinung: Ich habe unterhaltsame Kunsthistorie erwartet, was man hier bekommt ist leider eher beliebiger Schmalz, hübsch erzählt, dennoch Schmalz.
    Schmalzig

    Über Shakespeares Privatleben ist nicht viel bekannt. Maggie O’Farrell möchte da nachhelfen und erdichtet aus den wenigen Randdaten eine handfeste Familiengeschichte. Dabei legt sie den Focus auf seine Frau Agnes.

    In der Theorie ist die Idee sehr hübsch, wäre Agnes selbst eine interessante historische Figur. Da sie das aber leider nicht ist, bekommt sie hier einen magisch-mysteriösen Anstrich verpasst, der dem Buch einen wundersamen Touch verleiht. Sie hat einen Falken und seltsame Vorahnungen, kennt sich mit Kräutern aus, ist ein Naturkind, das heimlich das Haus verlässt, um ihr erstes Kind zu gebären, im Schatten eines entwurzelten Baumes, auf einem Bett aus Kiefernnadeln…

    Shakespeare ist eigentlich nur eine Randfigur, ja, er wird noch nicht einmal benannt, ist wahlweise der Sohn, der Lateinlehrer, der Bräutigam, der Ehemann, der Vater. Das ist ein geschickter Schachzug, ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir uns dennoch hauptsächlich für ihn interessieren und dass es so eine verhuschte Agnes nicht schafft, uns davon abzulenken.

    Man liest hier eine Liebesgeschichte, die sehr ausführlich und mit Herzblut geschrieben wurde, in die man sich fallen lassen kann, wenn man offen ist für einigen Kitsch und große Gefühle. Nüchternere Gemüter könnten auch von Weitschweifigkeit und Pathos berichten. Die Autorin ergeht sich seitenlang in schmückenden Details.

    Das Buch arbeitet geschickt mit verschiedensten Rückblenden, das Kennen- und Liebenlernen der beiden behandelt, während aktuell Hamnet in Sorge um seine kranke Schwester ist. Die Idee, dass der Gemahl vielleicht ein besonderer Mensch sein könnte, vermittelt es leider nicht. Er ist ein nachdenklicher junger Mann und ein weitgehend abwesender Ehemann. Keine große Sache. Was wir eigentlich lesen wollten, wie lebt es sich an der Seite eines Genies, kommt hier nicht vor.

    Ich bin sehr enttäuscht von diesem Buch. Ich habe unterhaltsame Kunsthistorie erwartet, was man hier bekommt ist leider eher beliebiger Schmalz, hübsch erzählt, dennoch Schmalz.

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    Cover des Buches Die Vögel (ISBN: 9783945370285)

    Bewertung zu "Die Vögel" von Tarjei Vesaas

    Die Vögel
    sursulapitschivor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Auch wenn objektiv betrachtet nicht viel passiert, meint man trotzdem hinterher, etwas Besonderes erlebt zu haben. Ich bin beeindruckt.
    Ein intensives Erlebnis

    Es gibt diese Bücher, bei denen man nach dem Lesen das Gefühl hat, eine ganze Weile kein neues Buch mehr anfangen zu können. Dieses hier ist so ein Buch. Es ist kein reines Lesevergnügen, aber man wurde ganz tief in eine Tragödie hineingezogen, aus der man nur schwer wieder auftaucht. Dieses Buch nimmt mit.

    Mattis und Hege sind Geschwister, nicht mehr ganz jung, aber ihr Leben lang zusammen. Seit dem Tod ihrer Eltern, kümmert sich Hege um ihren Bruder, der es nicht schafft, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Er möchte schon gerne, er ist gerne unter Menschen, will helfen, will nicht abhängig sein, etwas leisten, das beachtet wird. Aber auch bei den einfachsten Arbeiten verwirren sich seine Gedanken, schweifen ab, wollen etwas anderes tun, es ist zum Verrücktwerden. Die Menschen im Dorf nennen ihn Dussel, wenn sie meinen, er hört es nicht, aber er hört viel. Er hört viel und er denk viel, analysiert knallhart seine ausweglose Situation.

    Man kann ihn gut verstehen, sieht quasi hinein in Mattis verwirrten Kopf, nur leider ist das kein Spaß. Er ist anstrengend, nervtötend und man kann auch nachvollziehen, wenn Hege ab und zu genervt und frustriert in ihr Zimmer geht.

    Was so besonders daran ist, dass eine Schnepfe regelmäßig über das Haus fliegt, das sieht wohl eigentlich nur Mattis, aber der Leser auch ein klein wenig. Dieses Buch schafft es, dass man beide Seiten sieht, die da in einer ausweglosen Situation festsitzen, bis sich tatsächlich etwas ändert.

    „Oben gingen Murmeln und Reden weiter. Ein rundes Lachen kullerte los und fiel wie eine Kugel zu Boden. So konnte Hege also lachen, wenn sie sich über etwas freute. Hatte er das nicht gewusst?“

    Die Sprache ist vermeintlich einfach, aber dennoch unglaublich plastisch und poetisch. Ein großes Kompliment an den Übersetzer, der hier ein Kunststück vollbracht hat. Ich kann nicht beurteilen, wie nah dieser Text dem Original kommt, das in einem norwegischen Dialekt verfasst wurde, aber er ist eigen, besonders und ein Erlebnis.
     Auch das Nachwort sollte beachtet werden, das eine schöne Interpretation und interessante Hintergrundinformationen liefert und damit das Buch wunderbar abrundet.

    Dieses Buch entwickelt einen Sog, zieht einen hinein und auch wenn objektiv betrachtet nicht viel passiert, meint man trotzdem hinterher, etwas Besonderes erlebt zu haben.

    Ich bin beeindruckt.

     

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    Cover des Buches Befreit (ISBN: 9783462054002)

    Bewertung zu "Befreit" von Tara Westover

    Befreit
    sursulapitschivor 21 Tagen
    Kurzmeinung: Ein erschütterndes und erhellendes Buch, ein verstörender Blick in eine Parallelwelt und die Geschichte einer bewundernswerten Frau.
    Blick in eine Parallelwelt

    Schlimmer kann man es wohl nicht erwischen. Tara Westover ist im tiefsten Idaho in einer extrem gläubigen Mormonenfamilie aufgewachsen, die ihre Glaubensgrundsätze über jede Vernunft stellten und mit aller Brutalität durchsetzten. Sie durfte keine Schule und keine Ärzte besuchen und war den Launen ihres verrückten Vaters und Bruders hilflos ausgesetzt. Schlimme körperliche Verletzungen waren gottgegeben und wurden von ihrer Mutter mit Kräutern behandelt.

    Sehr nachvollziehbar erzählt sie, wie es sich in so einer Familie lebt und wie sie sich daraus befreit hat. Es dauert lange, bis sie überhaupt merkt, dass etwas nicht in Ordnung ist und noch länger dauert es, bis sie daran etwas ändern kann. Diese Gehirnwäsche ist nachhaltig.

    Dieses Buch ist schonungslos, erklärt aber auch Unerklärliches, erzählt von einem bewegenden Schicksal und schafft es dabei, objektiv zu bleiben. Tara musste viel erleiden, liebte aber auch ihre Familie. Ein Zwiespalt, der es noch einmal schwerer machte, sich zu emanzipieren.

    Ein erschütterndes und erhellendes Buch, ein verstörender Blick in eine Parallelwelt und die Geschichte einer bewundernswerten Frau.

     

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    Cover des Buches Das Buch Ana (ISBN: 9783442759033)

    Bewertung zu "Das Buch Ana" von Sue Monk Kidd

    Das Buch Ana
    sursulapitschivor einem Monat
    Kurzmeinung: Hier wurde ein anspruchsvolles Thema zum Historical aufbereitet. Versteht man das als "weibliche Selbstfindung"?
    Ein Jesus-Historical

    Die Idee ist spannend: Nehmen wir an, Jesus wäre einfach nur ein Mensch gewesen. Wie könnte dann seine Geschichte ausgesehen, wie könnten sich Ereignisse, die wir aus der Bibel kennen, tatsächlich abgespielt haben?


    Sue Monk Kidd schafft es, ein altertümliches Jerusalem lebendig zu machen. Die Römer beherrschen alles, Herodes Antipas eifert ihnen nach, interessiert sich nicht für jüdische Traditionen und unterdrückt gnadenlos das Volk.
    In dieser Welt wächst Ana heran, die 14 Jahre alt ist, als sie auf dem Markt den 20jährigen Jesus kennenlernt. Ihr Bruder Judas sympathisiert mit einer Rebellentruppe.

    Frauen haben in dieser Gesellschaft nichts zu sagen, müssen sich nach den Wünschen ihrer Väter, Brüder oder Onkel richten und gehorchen, sonst gerät man schnell in Verruf. Diese Welt verzeiht keine individuellen Attitüden. Über Jesus Mutter Maria wird zum Beispiel gemunkelt. Ist Joseph vielleicht nicht sein Vater? Nach Josephs Tod sagte Jesus diplomatisch: Jetzt ist Gott mein Vater.

     

    So weit hätte mir das Buch wirklich gefallen können, würde es nicht in einer unglaublich blumigen Sprache erzählt werden. Zugegeben, so ein Erzählstil trägt auch zur altertümlichen Atmosphäre bei, allerdings schießen hier die bildhaften Vergleiche immer wieder deutlich über das Ziel hinaus und wirken eher lächerlich als poetisch.

    „Mein Bruder sah aus, als hätte die Welt ihre Zähne in ihn geschlagen und sogleich wieder ausgespuckt, weil er so schrecklich schmeckte.“

    „Ich hatte die Welt zu fest umarmt und jetzt war sie mir entglitten.“

    „Eine gewaltige Welle brach sich in meiner Brust.“

    „Mein Herz schlug in meinem Brustkorb mit den Flügeln wie ein zappelnder Spatz.“

     

    Was ein fundierter historischer Roman hätte werden können, wirkt durch den Stil schnell trivial. Auch die Figur der Ana ist eher eine wackere Schnulzenheldin als eine glaubwürdige Protagonistin. Bildschön, klug, tapfer, besessen von dem Bedürfnis zu schreiben, ist sie zu großen Teilen des Buches hauptsächlich damit beschäftigt, ihre Schriften vor der Welt zu verstecken, statt sich dafür zu interessieren, was ihr Liebster auf seinen Reisen wohl tut. Dazu hat sie noch bedeutungsvolle Visionen und eine Zauberschale, beides mysteriös aber ohne Effekt. Auch die Logik weist Lücken auf.

    Den wirklich interessanten Teil der Jesusgeschichte, sein Wirken als Prediger und seinen Konflikt mit den Mächtigen, erlebt der Leser dann leider nicht mit, weil er mit Ana nach Ägypten reist. Man fühlt sich abgeschoben, während die spannenden Dinge anderswo passieren, weshalb das letzte Drittel des Buches dann komplett uninteressant ist.

    Hier wurde ein anspruchsvolles Thema zum Historical aufbereitet. Und wenn dieses Werk tatsächlich als Fanal für Frauenrechte herhalten soll, frage ich mich, warum man dazu die Stilmittel banalster Frauenliteratur benutzt. Ist das weibliche Selbstfindung?

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    Cover des Buches Vivian (ISBN: 9783446265899)

    Bewertung zu "Vivian" von Christina Hesselholdt

    Vivian
    sursulapitschivor einem Monat
    Kurzmeinung: Eine wirklich innovative Art, eine Biografie zu schreiben, fordernd aber originell.
    Innovativ

    So ein Buch habe ich noch nie gelesen. Es ist eigen, originell und hat einen ganz speziellen Charme.


    Wikipedia:
     „Vivian Dorothy Maier (* 1. Februar 1926 in New York; † 21. April 2009 in Chicago) war eine US-amerikanische Staatsbürgerin französischer Prägung, Kindermädchen, Haushälterin und Amateur- bzw. Freizeitfotografin. Bekanntheit erlangte Maier erst kurz nach ihrem Tod durch die zufällig entdeckte, unfreiwillig versteigerte Hinterlassenschaft einer ungewöhnlich großen Zahl fotografischer Schwarzweißaufnahmen.“

     

    Eine wirklich kuriose Vita. Wer war diese Frau, die als Kindermädchen arbeitete aber immer und überall nahezu besessen fotografierte?

    Diese Frage behandelt dieses Buch auf ganz eigene Weise. Eine Romanbiografie in Stichworten kann man es vielleicht nennen. Vivian Maier erzählt aus ihrem Leben und unterhält sich mit einem Erzähler darüber, eine Art Schlagabtausch, der witzig und aufschlussreich ist. Zusätzlich melden sich noch die unterschiedlichsten Menschen zu Wort, die in ihrem Leben eine Rolle gespielt haben und erzählen von ihrer eigenen Situation aber auch davon, was sie mit Vivian erlebt haben.  

    Die Kapitel sind kurz, manchmal sind es sogar nur wenige Sätze, stellen aber Vivians sehr speziellen Charakter sehr schön dar. Sie war eine Einzelgängerin, menschenscheu aber nicht schüchtern, eine Frau, die weiß was sie will. Sie wollte ihre Ruhe haben und Fotos machen, sah ständig Motive, die festgehalten werden müssen und die sie dann sammeln konnte, ohne ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren.  Warum so jemand ausgerechnet Kindermädchen wird ist eine Frage, die offen bleibt.

    Die Handlung selbst, also der Verlauf von Vivians Leben, geht dagegen etwas sprunghaft voran. Eigentlich sind es eher Impressionen aus ihrem Leben als eine stringente Handlung. Das ist zwar kunstvoll, hat mir aber weniger gefallen. Man springt von ihrer Kindheit in ihre 40er Jahre und dann wieder zurück zur Teenagerzeit. Ich hatte etwas Schwierigkeiten, mich darauf einzulassen.

    Außerdem haben mir Fotos gefehlt. Ein Buch über eine Fotografin ohne Fotos ist deutlich verschenktes Potenzial. Viele ihrer Aufnahmen werden beschrieben, auch die Situationen, während denen sie entstanden sind. Man kann sie mit etwas Glück bei Google finden, grandios wäre es gewesen, sie im Buch zu entdecken. Wenigstens Fußnoten, die zu einer Bildergalerie irgendwo im Web führen, hätte man leicht einbauen können und hätten diesen spannenden biografischen Roman zu einem Erlebnis machen können.

    Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen. Es hat mir unterhaltsam und sehr originell eine ganz besondere Frau nahegebracht, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Diese höchst innovative Art, eine Biografie zu schreiben, sollte Schule machen.

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    Cover des Buches Der Halbbart (ISBN: 9783257071368)

    Bewertung zu "Der Halbbart" von Charles Lewinsky

    Der Halbbart
    sursulapitschivor einem Monat
    Kurzmeinung: Macht Spaß und zeigt, wie historische Romane sein sollten. Tolle Mischung aus Humor und grausig Realistischem, gespickt mit klugen Einwürfen
    Geschichte live

    Eigentlich habe ich mit Mittelalterromanen abgeschlossen, alle Hebammen, Berufsstände, Bauwerke, Minnesang und auch die Tafelrunde hinreichend gelesen. Da kommt so ein Halbbart, setzt sich auf die Longlist des Deutschen Buchpreises und lacht. Da muss man ihn doch lesen, oder?

    Dieses Buch ist anders, das merkt man direkt nach den ersten Sätzen. Hier erzählt der 12jährige Sebi, von sich, seiner Familie, seinem Dorf und wie er den Halbbart kennengelernt hat in einer Sprache, die ich so noch nie gelesen habe, spaßig, warmherzig, klug, irgendwas zwischen schweizerisch, naiv und altertümlich, auf jeden Fall originell und lebendig.

    Er ist ein Exot, dieser Halbbart, ein Fremder, gezeichnet, und wird, obwohl viel älter, Sebis Freund und Berater, aber eigentlich geht es gar nicht so sehr um ihn.

    „Der Halbbart“ erzählt von den Kindertagen der Schweiz, vom Leben im Mittelalter und vom Marchenstreit, wo sich der Klerus und die Habsburger um Ländereien stritten und die Schwyzer es ausbaden mussten. Dabei kümmert man sich nicht um große Politik oder hohe Herrschaften, sondern erzählt die Ereignisse aus Sicht der kleinen Leute, wodurch man alles fast am eigenen Leib erfährt. Geschichte live, wir sind mittendrin im tiefsten Mittelalter, das sich, obwohl schon hundert Mal gelesen, plötzlich ganz anders anfühlt. Eine Zeit voller Willkür, Aberglaube und Grausamkeiten.

    Dann geht es noch um Geschichten. In einer Zeit, wo kaum jemand lesen kann, haben Geschichten einen ganz anderen Stellenwert als heutzutage. Da wird das Teufels-Anneli heiß erwartet, die fahrende Geschichtenerzählerin, die Legenden spinnt und uns zeigt, wie aus Geschichten Geschichte werden kann. Habt ihr gewusst, dass die Schweizer eigentlich Schweden sind?

    Dieses Buch macht Spaß und zeigt, wie historische Romane sein sollten. Es ist eine tolle Mischung aus Humor und grausig Realistischem, gespickt mit klugen Einwürfen. Immer wieder bekommt man witzige Weisheiten serviert. „Wenn einer zu viel Mut hat, habe ich einmal sagen hören, bleibt kein Platz für den Verstand.“

    Es ist wirklich ausführlich und man kann es langatmig finden, nur hat mich das hier überhaupt nicht gestört. Ich hatte viel Spaß und habe viel gelernt und empfehle sehr gerne dieses ungewöhnliche Buch.

     

     

     

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