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sursulapitschi

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    Cover des Buches Die Nächte der Pest (ISBN: 9783844543551)

    Bewertung zu "Die Nächte der Pest" von Orhan Pamuk

    Die Nächte der Pest
    sursulapitschivor 21 Stunden
    Kurzmeinung: Die skurrile Geschichte einer Epidemie auf einer fiktiven Insel,als wissenschaftliche Abhandlung dargeboten,geniale Idee im trockenen Gewand
    Geniale Idee im trockenen Gewand

    Ich kann mich nicht so recht entscheiden, ob dieses Buch genial oder eine Zumutung ist, ganz sicher ist es vielseitig.

    Da behauptet die Autorin Mini Mingali in der Einleitung, sie hätte hier ein Geschichtsbuch in Romanform geschrieben, dass sich mit der Pestepidemie 1901 auf der Insel Minger beschäftigt.  

    Somit haben wir eine fiktive Autorin, die über fiktive Vorkommnisse auf einer fiktiven Insel referiert und uns glauben lässt, dazu gründlich die Geschichte der Insel und des Osmanischen Reichs recherchiert zu haben. Und natürlich ist das genial, ein Feuerwerk an Einfällen, ein gigantischer Weltentwurf, der bis hin zu den Straßennamen ausgearbeitet ist und vorgaukelt, historische Ereignisse aufzuarbeiten. Ich verstehe auch die Ironie, dem Ganzen einen wissenschaftlich referierenden Ton zu verleihen. Passagenweise hätte mich das sehr amüsieren können, nur ist es in einem dicken Buch auf Dauer wirklich ermüdend. Auch das unterhaltsamste Referat strapaziert irgendwann die Geduld des Publikums.

    23 Stunden und 50 Minuten dauert das Hörbuch, das wunderbar gelesen wird, trotzdem muss man sich immer wieder aufrappeln, damit man nicht den Text an sich vorbeirieseln lässt. Ein unterhaltsamer wissenschaftlicher Vortrag von knapp 24 Stunden ist dann eben doch genau das, ein wissenschaftlicher Vortrag, der zudem noch nicht einmal leistet, dass ich hinterher etwas gelernt habe, wenn ich ihm schon lausche.

    Da sind Namen über Namen, Sultane, Prinzessinnen, Ärzte und Politiker mit skurrilen Familiengeschichten, eine Insel, die gegen das große Osmanische Reich aufbegehrt und sich sogar zum unabhängigen Staat ausruft. Da ist eine Pestepidemie, die zum Politikum wird, Verschwörungstheorien verursacht, die Gesellschaft spaltet und irrwitzige Blüten treibt. Auf Minger wurden tatsächlich Quarantänesoldaten eingesetzt, um aufgestellten Quarantäneregeln durchzusetzen. Allerdings schwankte deren Aufgabenbereich mit dem Glaubensbekenntnis der  Befehlshaber und die schwankten auch.

    Diese Geschichte ist skurril und irrwitzig und teilt auch ordentlich Seitenhiebe aus, so manches meint man gut zu kennen. Es hätte ein genialer Schmöker, eine historische Megaglosse zum Thema Pandemie und mein neues Lieblingsbuch werden könne, hätte der Autor auf den Kniff verzichtet, dem Ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen. Dieser Kunstgriff geht auf Kosten der Personenzeichnung, bewirkt, dass liebevoll erdachte Figuren nicht lebendig werden und eine grandios angelegte Geschichte zum zähen Referat wird.

    Sehr schade.

     

    Kommentare: 2
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    Cover des Buches Was es braucht in der Nacht (ISBN: 9783423290128)

    Bewertung zu "Was es braucht in der Nacht" von Laurent Petitmangin

    Was es braucht in der Nacht
    sursulapitschivor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Bewegender und tieftrauriger Bericht eines Vaters, dessen ältester Sohn auf Abwege gerät.
    Viel Gefühl ohne Pathos

    Dieses Buch ist tieftraurig.
    Da ist eine Familie irgendwo in Frankreich. Die Mutter stirbt, als die beiden Söhne noch jung sind. Der Vater gibt sein Bestes, ein Familienleben aufrecht zu erhalten, aber er ist voller Trauer.

    Hier erzählt er, wie es ihm und seinen zwei Jungs ergangen ist und wie es später war, als Fus, der ältere seiner Söhne, auf Abwege geriet. Er erzählt schlicht, ohne große Schnörkel, was passierte, wie sich ihr Leben entwickelte und wie er sich dabei fühlte. Dabei macht er niemandem etwas vor, noch nicht mal sich selbst. Er hadert.

    Was macht man denn, wenn sein Kind sich anders entwickelt, als man es möchte? Wegsehen hilft vorübergehend, aber was, wenn schlimme Dinge passieren? Ist man dann schuld als Eltern? Man ist doch für erwachsene Söhne nicht mehr verantwortlich. Hätte sich man trotzdem einmischen sollen? Hätte man Dinge verhindern können? War man zu träge? Hat man seine Kinder verkorkst oder ist jeder selbst seines Glückes Schmied?

    Auf diese Fragen gibt es vielleicht keine Antworten, aber es schadet nichts, sie mal anzusprechen. Das tut dieses Buch sehr eindringlich und anrührend, mit Gefühl ohne Pathos.

     

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    Cover des Buches Galatea (ISBN: 9783961611416)

    Bewertung zu "Galatea" von Madeline Miller

    Galatea
    sursulapitschivor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Eine interessante Kurzgeschichte mit Vorwort, Nachwort, Ursprung, Interpretation und Illustrationen zum Buch aufgeplustert.
    Fragen über Fragen

    Dieses Buch ist eigentlich kein Buch sondern ein hübscher Gedanke und es fällt mir nicht leicht, eine Rezension zu einem hübschen Gedanken zu schreiben.

    Ovids Geschichte von Pygmalion kann man als Märchen konsumieren oder sich Gedanken machen. Madeline Miller hat sich berechtigte Gedanken gemacht und daraus eine neue Geschichte gesponnen.

    Bei Ovid bittet der Bildhauer Pygmalion die Göttin Venus darum, seine wunderschöne Statue lebendig zu machen. Venus erhört ihn, die Statue wird Pygmalions Weib, nur hat sie keiner gefragt, ob sie das auch möchte. Hier wird sie gefangen gehalten, eine Sexsklavin, die gelegentlich von ihrem Herrn aufgesucht wird, devot tut und sich ihren Teil denkt, ein viel realistischerer Ansatz als der von Ovid (wenn man es als gegeben nimmt, dass eine Statue lebendig wurde) (das hinterfragt niemand, ich sollte ein Buch schreiben).

    Das ist besagter Gedanke, der berechtigt ist und den man durchaus haben kann, wenn man sich mit antiken Geschichten befasst. Nur ist dieser Gedanke noch lange kein Buch, auch nicht, wenn er als Geschichte weitergesponnen wird.

    „Erzählung“ steht unter dem Titel, dem Verlag, den ich sehr schätze, kann man nicht vorwerfen, dass er eine interessante  Kurzgeschichte mit Vorwort, Nachwort, Ursprung, Interpretation und auch noch mit Illustrationen versieht, um ein Buch draus zu machen und 20 Euro dafür verlangen zu können. Nur wird diese hübsch verzierte Erzählung dennoch als das neue Buch der Autorin beworben und wer nicht auf die Seitenzahl schaut und online bestellt, erfährt eine schön illustrierte Überraschung.

    Und dann hat uns Ovid ein Märchen hinterlassen, das Fragen aufwirft, klar, aber ehrlich gesagt ist es zwar von Ovid, aber eine aufregende Geschichte war es noch nie. Ist das den ganzen Aufwand wert? Bringt uns die Erkenntnis, dass antike Autoren sich nicht um Frauenrechte geschert haben, weiter? Soll diese Geschichte als Prunkausgabe in den Schulunterricht Einzug halten und Diskussionen zum Thema Selbstbestimmung der Frau entfesseln?

    Ein guter Gedanke ist gut, aber um ein Buch daraus zu machen, braucht es mehr als ein bisschen Deko. Sollte man sich vielleicht eher fragen, was ist ein Gedanke wert? Darf ein Gedanke mit Bildern 20 Euro kosten? Muss jeder Gedanke im Regal stehen und ist er das wert?

    Fragen über Fragen.

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    Cover des Buches Das Schneemädchen (ISBN: 9783499258220)

    Bewertung zu "Das Schneemädchen" von Eowyn Ivey

    Das Schneemädchen
    sursulapitschivor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Tolle Mischung aus Pioniergeschichte und Märchen, eindrucksvolle Reise nach Alaska, ein besonderes Buch, das man nicht so schnell vergisst.
    Sehr besonders

    Das Märchen vom Schneemädchen, das für ein verzweifeltes, kinderloses Paar lebendig wird, stammt aus Russland und wird in vielen Varianten erzählt.

    Hier bekommt man eine traurig schöne Variation zu lesen, die in Alaska spielt. Als die kleine Faina plötzlich durch den Schnee huscht, kurz nachdem Jack und Mabel aus Übermut ein Schneemädchen gebaut haben, meinen die beiden an Märchen zu glauben oder verrückt zu werden. Das Mädchen lebt allein in der Natur wie ein Feenwesen, liebt die Kälte und den Schnee. Kann ein Mensch so etwas aushalten oder gar wollen?

    Das Buch spielt geschickt mit den Märchenelementen und balanciert knapp um die Grenze zwischen Möglichem und Zauberhaftem herum. Es wirft aber auch das Thema Freiheit in den Raum. Kann man in der Natur leben, wenn man das möchte? Muss man alles zähmen und zivilisieren? Und hat ein Kind das Recht auf Selbstbestimmung?

    Dieses Buch ist eine tolle Mischung aus Pioniergeschichte und Märchen, eine eindrucksvolle Reise nach Alaska, die einem den Zauber dieser Gegend nahebringt und auch die anrührende Geschichte einer ungewöhnlichen Patchworkfamilie, ein besonderes Buch, das man nicht so schnell vergisst.

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    Cover des Buches Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach (ISBN: 9783847900986)

    Bewertung zu "Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach" von Julia Mattera

    Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach
    sursulapitschivor 11 Tagen
    Kurzmeinung: Ein schamloser Cocktail von Betulichkeit und Küchenphilosophie, eigentlich schon eine Beleidigung für die Intelligenz des Lesers.
    Sehr simpel gestrickt

    Das Beste an diesem Buch ist der Rezeptteil im Anhang. Das ist eine hübsche Idee und verhilft ihm zu einem zweiten Stern. Ansonsten bietet es alles, was ich befürchtet habe und legt noch einen drauf.

    „Eine Träne zittert am Wimpernrand und fällt schließlich in die Teigmasse. Das bisschen Salz kommt gerade recht. Es ist sein Geheimnis, dass eine süße Wehmut mit der Zubereitung seiner tourtes einhergeht, dieser typisch elsässischen Pastete. Die Träne ist die eines kleinen Jungen, der alles daransetzt, die Erinnerung an seine Mama wachzuhalten."

    So etwas verschlägt einem doch die Sprache, natürlich. Robert hat sich in sich selbst zurückgezogen, seit er als Kind die Mutter verlor. Jetzt ist er in den 50ern und spricht nur noch mit seinen Hühnern und seinem Gemüse. Zum Glück gibt es patente Frauen in seinem Umfeld, die sich liebevoll fordernd bemühen, ihn aus seinem Schneckenhaus zu holen. Dabei behandeln sie ihn eher wie ein Kleinkind. Sitzt er im Schmollwinkel, kommt durchaus der putzige Herr Hase zum Einsatz, eine Handpuppe aus Kindertagen, ganz reizend. Es wird nicht ganz klar, ist der Mann tatsächlich geistig benachteiligt, traumatisiert oder ein Eigenbrötler. Das tut allerdings der zarten Liebesgeschichte keinen Abbruch, die man hier lesen darf und die mal wieder zeigt: Liebe heilt doch alle Wunden.

    Sicherlich gibt es Leser, die Spaß an so einer Geschichte haben. Ich bin leider nicht das richtige Publikum und habe so ein Buch schlichtweg nicht vom Eichborn Verlag erwartet. Es ist ein schamloser Cocktail von Betulichkeit und Küchenphilosophie, eigentlich schon eine Beleidigung für die Intelligenz des Lesers. 

    Kommentare: 2
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    Cover des Buches Tausend strahlende Sonnen (ISBN: 9783596030934)

    Bewertung zu "Tausend strahlende Sonnen" von Khaled Hosseini

    Tausend strahlende Sonnen
    sursulapitschivor 16 Tagen
    Kurzmeinung: Vom Schicksal zweier afghanischer Frauen, grausam und gleichzeitig so traurig realistisch, ein Buch, das erschüttert.
    Grausam realistisch

    Was läuft eigentlich schief in Afghanistan? Ich versuche schon länger, das zu verstehen. Hier bekommt man es anhand der Geschichte zweier Frauen erschütternd anschaulich erklärt.

    Mariam und Leila könnten unterschiedlicher nicht sein. Mariam stammt aus ärmlichen Verhältnissen und kann sich fast glücklich schätzen, schon mit 15 an einen weit älteren Man verheiratet zu werden, auch wenn ihr das nicht gefällt. Leilas Familie war begütert, gebildet, angesehen, ihre Zukunft schien sonnig zu sein, bis ein Schicksalsschlag all das zerstört. Plötzlich ist sie die Zweitfrau des Schusters Raschid, was eine Notlösung ist, aber kein Zuckerschlecken.

    Auch wenn man es kaum glauben kann, hat die politische Situation im Land direkten Einfluss auf das Leben der beiden. Frauen zählen nicht, egal zu welcher Zeit, trotzdem schwank ihr Bewegungsspielraum stark und ist zusätzlich von den Launen ihres brutalen Ehemanns abhängig.

    Man verfolgt ihre Geschichte über etwa 30 Jahre hinweg von den 80er Jahren an. Es ist grausig, was man da zu lesen bekommt und gleichzeitig so traurig realistisch. Es ist erschütternd, erhellend, todtraurig und endet eigentlich mit einem kleinen Hoffnungsschimmer. Mit Blick auf die aktuelle Situation in Afghanistan, liest sich das Buch allerdings noch einmal anders. Da wird dieser Hoffnungsschimmer zum ausweglosen Dilemma.

    Was für eine Geschichte, was für ein Land!

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    Cover des Buches Mädchen auf den Felsen (ISBN: 9783957132710)

    Bewertung zu "Mädchen auf den Felsen" von Jane Gardam

    Mädchen auf den Felsen
    sursulapitschivor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Mit sanfter Ironie seziert Jane Gardam eine Gesellschaft, malt ein Sittenbild, kreiert Typen, die originell und doch so typisch sind.
    Leise, treffend und ein großer Spaß

    Dieses Buch ist hinterhältig. Es schleicht sich an und gibt vor, lustig zu sein, lullt den Leser ein, der dann kaum bemerkt, dass das dicke Ende ein dickes Ende war. Ich habe den letzten Teil zweimal gehört, bis ich glauben konnte, was ich da hörte.

    Auf den ersten Blick ist es ein großer Spaß. Wir sind in England, wild romantisch an der Küste, man geht zum Strand und legt das Korsett ab, wenn keiner guckt. Lydia meinte, das große Los gezogen zu haben, als sie die Anstellung als Mädchen im respektablen Haushalt der Familie March bekam.

    „Er und seine Frau gehörten den Primal Saints an und sie verbrachten den Großteil ihrer freien Zeit in der Primal Hall in der Turner Street, einer wirklich unangenehmen Straße in Pflaume, Sandstein und Stille.“

    Was köstliche Formulierung, denkt man, aber die Autorin hat gerade erst Luft geholt.

    „Zweimal am Sonntag und an einem Abend in der Woche erhob March sein vorsichtiges kleines Gesicht zu seinem Gott und die unwahrscheinliche Lautstärke seiner Gebete erstickte jedes Geräusch, das vom Imbiss oder der Kneipe um die Ecke kam. Keine leere Pommestüte wage es, sich durch die Turner Street entlangwehen zu lassen, wenn March für diejenigen betete, die lieber Pommes essend am Geländer lehnten, als über die Ewigkeit nachzudenken.“

    Da kann man doch nur noch vor Ehrfurcht erschauern.

    Mit sanfter Ironie und nur ein klein wenig despektierlich seziert Jane Gardam eine Gesellschaft, malt ein treffendes Sittenbild, kreiert Typen, die originell und trotzdem so typisch sind. Es geht um Standesdünkel, Bigotterie, die englische Gesellschaft, die geheiligte Teatime und die Ignoranz von Erwachsenen, die so mit ihren Angelegenheiten beschäftigt sind, dass sie vergessen, nach den Kindern zu sehen.

    Dieses Buch ist große Kunst ohne Wortakrobatik, ohne Pomp, ohne Kitsch, schlicht, elegant, ein klein wenig böse und dabei durch und durch liebevoll.

    Das Hörbuch wird von Leslie Malton engagiert gelesen, man sollte nur das Tempo ein klein wenig anziehen. Es dauert 6 Stunden, 15 Minuten.

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    Cover des Buches Eine Laune Gottes (ISBN: 9783961611300)

    Bewertung zu "Eine Laune Gottes" von Margaret Laurence

    Eine Laune Gottes
    sursulapitschivor 22 Tagen
    Kurzmeinung: Selten habe ich ein gutes Buch so ungern gelesen. Es geht unter die Haut, aber man muss schon 300 Seiten plastische Selbstzweifel aushalten
    Aufwühlend

    Selten habe ich ein gutes Buch so ungern gelesen. Es geht einem unter die Haut, aber man muss schon knapp 300 Seiten plastische Selbstzweifel aushalten können.


    In einem endlosen inneren Monolog erzählt eine Frau schonungslos von ihrem Leben und ihren Problemen. Rachel Cameron ist Lehrerin in einer kanadischen Kleinstadt, über 30, ledig, zu groß, zu dünn, zu unscheinbar, ein Mauerblümchen ohne Perspektive in den 60er Jahren. Sie ist voller Komplexe und Selbstzweifel und ihre Mutter, mit der sie zusammenlebt, tut ihr Bestes, um diesen Zustand zu erhalten. Sie beherrscht es perfekt, ihre Gesundheit ins Spiel zu bringen, wenn Rachel eigene Pläne hat und sie immer wieder moralisch unter Druck zu setzen. Als sich dann doch ein Mann für Rachel zu interessieren scheint, geraten die eingefahrenen Routinen in Bewegung. 

    Margaret Laurence schreibt eindringlich, man schlüpft hinein in Rachels Kopf und fühlt mit, hadert mit, zweifelt und verzweifelt, erinnert sich, schämt sich, ein Gedankenkarussell, das sich ohne Pause dreht und dreht. Das ist mitreißend und erstaunlich, aber auch wirklich qualvoll. Ich musste das Buch oft beiseitelegen.


    Dieses Buch zeigt den inneren Kampf einer Frau, die sich mit ihrem vorgezeichneten Schicksal nicht abfinden will, dazu aber eigene Hemmungen und herrschende Konventionen überwinden muss. Es ist nicht leicht, zu tun, was man nicht tut, schon gar nicht in den 60er Jahren, und wenn man dann noch Mutters Herz berücksichtigen muss, hat man kaum noch eine Chance.
    Es wurde 1966 geschrieben, wirkt aber weder antiquiert noch überholt, ist damals wie heute ein aufwühlendes Erlebnis.

    Kommentare: 5
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    Cover des Buches Das Leben eines Anderen (ISBN: 9783518430552)

    Bewertung zu "Das Leben eines Anderen" von Keiichirō Hirano

    Das Leben eines Anderen
    sursulapitschivor 22 Tagen
    Kurzmeinung: Eine ganz eigene Mischung aus nüchtern und geschwätzig, japanisches Flair in einem Wust von Schlenkern und sinnenden Betrachtungen.
    Langweilig

    Wenn einem bei einem Buch das Ende nicht mehr groß interessiert, sagt das eigentlich alles. Dieses Buch hat mich nach etwa zwei Dritteln verloren.

    Dabei ist das Thema spannend. Nach dem Tod ihres Ehemannes fallen Rie Ungereimtheiten auf. Er scheint nicht der zu sein, als den sie ihn kannte, aber wer ist er dann? Rie beauftragt den Anwalt Kido, Nachforschungen anzustellen und je mehr der ermittelt, desto irrwitziger wird es.

    Kann man Identitäten tauschen? In Japan hat man ein Familienregister, eine Art Mittelding zwischen Stammbaum und Schufaauskunft. Wenn man das weitergibt, ist man offiziell nicht mehr vorhanden. Warum sollte man das tun? Können Menschen tatsächlich ein neues Leben anfangen, indem sie behaupten, jemand anderes zu sein? Ist das dann ein wirkliches Leben?

    Hier bekommt man eine Art Kriminalfall mit philosophischem Hintergrund, der grundsätzlich interessant ist, der aber im Verlauf zerfasert. Spätestens beim dritten Identitätstausch mit neuen Verwandten und komplizierten japanischen Namen, fleht man als Mitteleuropäer um Gnade.

    Kido selbst wird auch gründlich durchleuchtet, vermutlich um uns zu zeigen, dass jeder an einer Stelle seines Lebens mal gerne jemand anderes wäre. Leider hat Kido nur ein paar schnöde Eheprobleme, die weder interessant sind, noch glaubhaft eine Lebenskrise darstellen.

    Der Erzählstil ist distanziert, eine ganz eigene Mischung aus nüchtern und geschwätzig. Man bekommt durchaus japanisches Flair einen Eindruck vom Leben dort. Nur geht das unter in einem Wust von Schlenkern und sinnenden Betrachtungen.

    Dieses Buch hat mich bald gelangweilt, gegen Ende sogar geärgert.

    Kommentare: 1
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    Cover des Buches Der Report der Magd (ISBN: 9783827014054)

    Bewertung zu "Der Report der Magd" von Margaret Atwood

    Der Report der Magd
    sursulapitschivor 22 Tagen
    Kurzmeinung: Tolle Bilder, irrwitzige, finstere Geschichte, sehr eindrucksvoll, aber mir fehlt der Text. Graphic Novels sind nicht meins.
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