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    Cover des Buches Die Sache mit dem Glücklichsein9783423627252

    Bewertung zu "Die Sache mit dem Glücklichsein" von Jason Reynolds

    Die Sache mit dem Glücklichsein
    wordworldvor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Jason Reynolds gelingt die schwere Gradwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltsamkeit, Trauer und Freude, Emotionen und Witz.
    Eine einfühlsame aber gleichzeitig erstaunlich leichte Geschichte über Tod, Trauer, Verlust und Liebe,

    "Love oder meine schönsten Beerdigungen" wurde vor drei Jahren von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum "Jugendbuch des Monats Mai 2017" gewählt. Vor einigen Tagen erschien der Jugendroman von Erfolgsautor Jason Reynolds in einer neuen Auflage und unter neuem Titel. "Die Sache mit dem Glücklichsein" heißt es nun und erzählt eine schöne und zugleich traurige Geschichte über einen Jungen zwischen Liebe und Trauer.

     

    "Ausnahmslos alle in der Kirche standen auf und klatschten Beifall für Love (…). Ich fragte mich, was sie so stark machte. Was sie so anders machte. "

     

    Das Cover ist eine riesige Verbesserung zur alten Auflage und auch wenn ich den Originaltitel "The Boy in the Black Suit" für den treffendsten halte, gefällt mir der gesamte Auftritt der neuen Ausgabe sehr. Die übereinander gelegten Köpfe der beiden Hauptprotagonisten, die Kontraste aus blau und rosa und der weiße Titel wirken zwar ein wenig mädchenhafter als die männliche Erzählstimme und die offene Zielgruppe vermuten lassen würden, sehen aber wunderschön aus und treffen den Kern der Geschichte: durch Love kommt endlich wieder ein bisschen Freude in Matts Leben und durch ihre neue Sichtweise, ihre Stärke und ihr Vertrauen, kann er seine Trauer überwinden und nach vorne blicken.

     

    Erster Satz: "Es war der erste Schultag."

     

    Doch auch wenn Jason Reynolds hier eine tröstliche Geschichte über Hoffnung, Lebensfreude und Liebe erzählt, ist der Beginn überraschend deprimierend. Wir werden an Matts ersten Schultag nach dem Tod seiner Mutter in die Handlung eingeführt und leiden zusammen mit ihm nicht nur an der Leere, die seine Mutter in seinem Leben hinterlassen hat, den seltsamen Blicken seiner Klassenkameraden und der emotionalen Distanz seines Vaters, der immer wieder zur Flasche greift, sondern auch an dem Gefühl, sein ganzes Leben laufe rückwärts. Als er von einem Freund der Familie einen Job in einem Beerdigungsinstitut angeboten bekommt, weiß er zuerst nicht, ob er weitere Beerdigungen verkraftet.

     

    "Das ist der Beweis, dass das Leben nicht immer läuft, wie geplant. Aber ich musste mir nicht seine Wände anschauen, um das zu wissen. Ich musste mir nur meinen Vater anschauen. Oder nachts in unserem leeren Haus sitzen."

     

    Als er dann jedoch in der ersten Trauerfeier sitzt, findet er genau das, was er insgeheim in seinem abwesenden Vater gesucht hat: die Bestätigung, dass auch für andere Menschen die Welt zusammenbricht, dass auch das Herz von anderen bricht wenn ein geliebter Mensch plötzlich nicht mehr da ist. Neben seinem besten Freund Chris und dem väterlichen Leiter des Bestattungsinstituts Mr. Ray hilft ihm von da an vor allem der Anblick der leidenden Menschen auf den Trauerfeiern dabei, seine Trauer zu bewältigen. Als er dann eines Tages auf einer der Beerdigungen die junge Love trifft, die anders als all seine beobachteten Trauernden zuvor nicht zusammenbricht, ist er sofort von ihrer Stärke und ihrer Lebensfreude fasziniert. Und so entwächst seinem Faible für Beerdigungen noch eine andere Bewältigungsstrategie, die ihn zurück ins Leben holt: Love/Liebe.

     

    "Mir gefiel es, anderen Leuten dabei zuzusehen, wie sie mit ihrem Verlust umgingen, nicht weil ich es genoss, ihren Schmerz zu sehen, sondern weil ich mich irgendwie besser fühlte, wenn ich wusste, dass mein Schmerz nicht nur meiner war. Dass mein Leben nicht das einzige war, dem etwas fehlte, das es nie mehr zurück bekommen würde."

     

    Da sowohl auf dem Cover als auch auf dem Klapptext eine Liebesgeschichte angepriesen wird, war ich zuerst überrascht, dass Love erst in der zweiten Hälfte des Buches auftaucht. Sehr bald habe ich aber festgestellt, dass durch die behutsame Einführung der Liebesgeschichte das Hauptthema des Romans genügend Raum bekommt: Matts Trauer. Anders als ich es erwartet hatte, beschäftigen wir uns zunächst ausführlich mit seinen Gefühlen, Gedanken und den Reaktionen seines Umfelds, wobei Matt sich als sehr reifer Ich-Erzähler herausstellt, der authentisch und gerne auch mal selbstironisch über sein Innenleben reflektiert. Durch die einfühlsame Erzählperspektive und die teilweise witzig-skurrilen Situationen, in die Matt sich manövriert, gelingt Jason Reynolds die schwere Gradwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltsamkeit, Trauer und Freude, Emotionen und Witz spielerisch und die Geschichte wird traurig und schön zugleich. Auch wenn sich manche Übersetzungen des Brooklyn-Slangs sich etwas seltsam lesen, treffen sowohl Autor als auch Übersetzer wunderbar den Ton eines 17jährigen und sorgen für gelegentliches direktes Ansprechen des Lesers für eine Auflösung der emotionalen Distanz zu Matt.

     

    "So viele Beerdigungen und hier war ich und wünschte, ich könnte ein paar Dinge von mir beerdigen. Die Tatsache beerdigen, dass ich am Grab meiner Mutter stand, nachdem sie mich in der Welt zurückgelassen hatte, wo ich selbst für mich sorgen musste. Die Tatsache beerdigen, dass mein Vater ein Trinker war und jetzt nicht mal mehr gehen konnte und mir deshalb nicht helfen konnte. Die Tatsache beerdigen, dass fast jeder in meiner Schule glaubte, ich sei ein verdammter Spinner. Die Tatsache beerdigen, dass ich leer war. Leer. Leer! Ich wünschte, ich könnte all diese verfluchten Dinge beerdigen."

     

    Neben dem Schreibstil und dem leichten Umgang mit den schwierigen Themen, sind vor allem die Protagonisten Träger des Romans. Matt ist ein sehr angenehmer und sympathischer Protagonist, da er den Leser bereitwillig an seinen Gedanken teilhaben lässt und trotz seiner Unsicherheit und Orientierungslosigkeit sehr reif erscheint. An "Love" ist nicht nur ihr Name besonders, auch ansonsten ist sie eine eigenwillige Figur, die sowohl Matt als auch dem Leser ein Rätsel ist. Da hier vor allem Matts Gefühle im Vordergrund stehen, bleibt das leider auch bis zum recht offenen Ende so. Dafür rücken aber tolle Nebenfiguren wie der Bestatter Mr. Ray, der für Matt zum Ersatzvater wird, als sein eigener für ihn nicht da sein kann oder sein bester Freund, den wir als Frauenheld und Muttis Liebling kennenlernen, der aber insgeheim Angst vor der Dunkelheit hat, immer mehr ins Licht der Aufmerksamkeit. Gegen Ende verbinden sich die losen Fäden der Erzählung immer mehr zu einem runden Bild, auch wenn einige Zufälle und Zusammenhänge vielleicht etwas konstruiert wirken.

     

    Zum Schluss noch mein Lieblingszitat, das gleichzeitig eine der wichtigsten Hauptmessages des Romans zu sein scheint:

     

    "Ich hab erkannt, dass es nicht so ist, dass der Tod schlimm ist. Das ist es nicht. Es ist nur so, dass das Leben so gut ist. So verdammt gut, dass du dich einfach daran festhalten möchtest und an allen, die da sind. Doch das können wir nicht. Aber was wir tun können, ist, es mehr schätzen zu lernen."

     

     

     

    Fazit:

     

    Eine einfühlsame aber gleichzeitig erstaunlich leichte Geschichte über Tod, Trauer, Verlust, Liebe, Weiterleben und die Schönheit von Beerdigungen. Jason Reynolds gelingt die schwere Gradwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltsamkeit, Trauer und Freude, Emotionen und Witz spielerisch und macht die Geschichte somit traurig und schön zugleich. 

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    Cover des Buches Children of Virtue and Vengeance - Flammende Schatten9783841440303

    Bewertung zu "Children of Virtue and Vengeance - Flammende Schatten" von Tomi Adeyemi

    Children of Virtue and Vengeance - Flammende Schatten
    wordworldvor 5 Tagen
    Kurzmeinung: Starke Protagonisten, ein exotisches Setting, eine berührende Botschaft, ein leidenschaftlicher Schreibstil und innovative Ideen...
    Ein Fantasy-Epos der Extraklasse: dynamisch, spannend, mitreißend!

    Schon der erste Teil "Children of Blood and Bone - Goldener Zorn" von Tomi Adeyemis Fantasy-Trilogie ist eine Klasse für sich: Beeindruckend intensiv, exotisch-kunterbunt und absolut authentisch lesen wir über eine besondere Fantasy-Welt, in der verschiedene starke Protagonisten für eine bessere Zukunft kämpfen. Dass ich nach dem miesen Cliffhanger des ersten Teils unbedingt wissen wollte, wie es mit Zélie, Amari und den anderen weitergeht, ist klar - umso mehr habe ich mich gefreut, dass mir der Fischer Verlag ein Vorab-Exemplar zur Verfügung gestellt hat, weshalb ich euch heute, pünktlich zum Erscheinungstermin meine Meinung zum zweiten Teil der Reihe erzählen kann. 

     

    Amari: "Orïsha wartet auf niemanden, Amari. 

    Ich habe geschworen eine bessere Königin zu sein. Wenn Mutter wirklich tot sein sollte, ist nun die Zeit gekommen, meinen Schwur zu halten."

     

    Auch das Cover des zweiten Teils ist wunderschön, beeindruckend und ein wirklicher Eye-Catcher. Leider passt der Grafikstil des Hauptmotivs meiner Meinung nach nicht ganz zum ersten Teil, doch dennoch bin ich mir sicher, dass mit dem Mädchen mit der wunderschönen, dunklen Haut, den wallenden, weißen Haaren und dem stechenden Blick das wohl passendste Motiv überhaupt gefunden wurde. Die starken Kontraste der weißen Haare zum Hintergrund, zum Titel und zur Hautfarbe des Mädchens sowie die farbigen Akzente bereiten gut auf die ausdrucksstarke, kraftvolle und exotische Geschichte vor, die sich zwischen den Buchdeckeln verbirgt. Auch der Titel passt gut und lässt den Zusammenhang zur Reihe erkennen. Unter dem Schutzumschlag ist das Buch gewohnt wundervoll gestaltet: Neben der Karte von Orïsha und einer Übersicht über die Maji-Clans finden sich 90 wundervoll verzierte Kapitelanfänge und ein kurzer Epilog, der es aber ganz schön ins sich hat.

     

    Erster Satz: "Ich versuche, nicht an ihn zu denken."

     

    Mit diesem Satz steigen wir in die Geschichte ein, doch leider ist mir jetzt erst nach Beenden des Buches klar, wen Zélie damit meint. Denn auch wenn ich den Vorgänger erst vor relativ genau fünfzehn Monaten gelesen habe, hatte ich zu Beginn Probleme, in die Geschichte hineinzufinden und den Beginn gedanklich mit den Geschehnissen auf dem ersten Teil zu verknüpfen. Die ganzen fremdartigen Begriffe der Ausdrücke, Orte, Titel, Gottheiten und Protagonistennamen machten es mir schon im ersten Teil schwer, den Überblick zu behalten und sorgten nun dafür, dass ich mich nur schwer an die komplexe Handlung des Vorgängers erinnerte. Außerdem startet "Children of Virtue and Vengeance" eher unübersichtlich mit einer Reise durch Orïsha, dem Auftreten einer neuen Rebellengruppe aus dem Nichts, dem plötzlichen Aufsteigen der Monarchie mit einer neuen Antagonistin und dem Wiederauftritt eines todgeglaubten Protagonisten. So erscheint der Beginn ein wenig verwirrend, überhastet und erleichterte den Einstieg ins komplexe Orïsha nach der langen Pause nicht gerade. 

     

    Inan: "Ich bin es müde, leiden zu müssen, weil die Menschen in unserem Königreich sich weigern, an den Frieden zu glauben. Ich weiß, dass es eine Welt gibt, in der wir es schaffen können. Ein Orïsha, in dem Maji, Tîtánen und Kosidán friedlich nebeneinander existieren. Ich glaube noch immer an das Orïsha meiner Träume, selbst wenn mir die Realität Albträume beschert."

     

    Doch als ich dann wieder ganz in Orïsha angekommen war, hat sich die Anziehungskraft der bunten, lebendigen Welt, inspiriert von der Kultur und den Mythen Westafrikas, wieder voll entfaltet. Durch den Aufenthalt der Protagonisten bei den Rebellen lernen wir hier mehr über die Magie, die einzelnen Clans und die Geschichte Orïshas. Die große Stärke der Geschichte ist, dass neben viel Fantasie und innovativen Ideen auch eine Menge Wahrheit im Setting steckt, was eine einmalige Atmosphäre kreiert, die den Leser dankbar über jede Logiklücke und Durststrecke hinwegsehen lässt. Das Land Orïsha, wurde nach den Orïshas benannt, den Göttern und Göttinnen der Yoruba-Religion, welche wiederum den Namen für die Sprache der Maji bereitgestellt hat. Die Meere und Berge tragen die Namen von Tomi Adeyemis verstorbenen Großeltern, auch Essen, Klima und Kleidung erinnern stark an die Westafrikanische Kultur. Aber das ist nicht die einzige Botschaft, die die Autorin in dieser Geschichte von altem Hass, neuen Wunden, dem versengenden Wunsch nach Rache und grausamem Blutvergießen, obwohl der Frieden so nah scheint, versteckt hat. Beim Lesen muss man immer im Hinterkopf behalten, dass Tomi Adeyemi diesen Roman als Kampfansage gegen Rassismus und Unterdrückung aber vor allem gegen die Ignoranz der Menschen geschrieben hat. Und auch wenn das nicht die einzige Bedeutungsebene dieses Romans umfasst finde ich es doch wichtig, dass die Autorin real existierende Probleme, Missverständnisse und lange verschleppten Hass in einer Fantasy-Geschichte kanalisiert und ausformuliert hat.

     

    Zélie: "Ich habe mich schon einmal in ein Ungeheuer verliebt. Das wird mir nicht noch mal passieren."

    (…) "Es war nicht dein Fehler, dass du dich in ein Ungeheuer verliebt hast, Zïtsol, sondern dass es das falsche war."

     

     

    Ansonsten ist die Welt frei erfunden und erzählt die Geschichte eines unterdrückten Volks, den Maji und ihren Kindern, den Divînés. Einst gab es zehn verschiedene Maji-Clans in Orïsha, die die mit unterschiedlichen Gaben gesegnet waren und in direkter Verbindung mit der Himmelsmutter und ihren Göttern Magie üben konnten. Doch aus Hass und Machtgier des herrschenden Königspaars wurde aus Angst vor der Magie der Maji in der sogenannten Blutnacht die Ermordung aller erwachsenen Magienutzer veranlasst, was die Magie verschwinden ließ und die Divînés zu Waisen machte. Auf sich alleingestellt wanderten viele der Kinder, ihrer magischen Zukunft und ihrer Würde beraubt in Arbeitslager und mussten in ständigem Angst und Schrecken vor der Willkür der privilegierten Kosidán, also der Menschen ohne magisches Talent und der Unterdrückung des Regimes leben. Ihr einst stolzes Erbe, ausgedrückt durch ihre weißen Haare und ihre dunkle Haut, ist ein Zeichen der Schande und des Schmerzes geworden. Zusammen mit ihren Mitstreitern hat die junge Maji Zélie durch eine magische Schriftrolle, ein heiliges Ritual und viel Kraft die Magie nach Orïsha zurückgebracht. Doch auch wenn sie dachte, dass die Maji durch die Rückkehr der Magie wieder zu ihrer Macht und Würde finden würden, ist ihr Schicksal durch das Ritual nur noch schlimmer geworden. Denn nun haben nicht nur die Kinder der Götter sondern auch die Adligen magische Kräfte erhalten und die neu erwachten Tîtánen sind sogar noch stärker als die Maji. Um die Monarchie endlich zu besiegen und die Maji zu befreien, schließt sich Zélie deshalb der Widerstandsgruppe Iyika an und führt die Maji geeint in einen Krieg, den sie eigentlich nicht gewinnen können...

     

    Zélie: "Jeder Pulsschlag fährt wie ein Blitz durch mein Blut. Die Kraft von zehn Herzen, die wie eins schlagen. Ich drücke die Hand auf meine Brust und sehe hoch. Irgendwie kann ich den Puls von Mama Agbas Liebe spüren. Tränen rinnen mir über die Wangen, dennoch muss ich lächeln. Ich werde dich nicht enttäuschen."

     

    Neben der politischen Relevanz, die man in der Geschichte sehen kann oder eben nicht, geht es ganz klar um Themen wie Unschuld, Zerbrechlichkeit, Macht, innere Stärke, Glaube und Vertrauen, Unterdrückung, Demütigung und Respekt, was durch die starken Protagonisten eindrücklich vermittelt wird. Die drei Hauptprotagonisten, die wieder abwechselnd aus ihrer Perspektive berichten, werden dabei durch etliche liebenswerte (und auch sehr hassenswerte) Nebencharaktere unterstützt, die bunter und lebendiger nicht sein könnten. Leider geht die Autorin auch hier wieder mit ihren Besten besonders verschwenderisch um, sodass sie mir das ein oder andere Mal fast das Herz gebrochen hat. Mit Zélie haben wir eine starke Hauptprotagonistin, deren Innenleben sehr von Hass und Wut auf das Königshaus von Orïsha und vor allem den neu ausgerufenen König geprägt ist, der sich erst in ihr Herz geschlichen und es dann verraten hat. Um in dem neuen Kampf zu bestehen, die Maji hinter sich zu vereinen und ihre volle Kraft auszuschöpfen, muss sie an ihre Grenzen gehen, ihre Schmerzen überwinden, über ihren Hass hinwegsehen und Opfer bringen. Auch hier ist ihr Weg von vielen Hindernissen versperrt, mit schmerzhaften Verlusten und Zweifeln gepflastert und alles andere als unbeschwerlich. Durch Zélies Leiden und ihre fehlerhaften Entscheidungen schafft die Autorin aber im Endeffekt genau das, an was viele anderen Fantasy-Autoren scheitern: sie hält ihre Protagonistin trotz immenser Fähigkeiten und Führungsqualitäten menschlich und lässt sie nicht zur Überheldin werden. 

     

    Zélie: "Lügen und gebrochene Versprechen, das war Inan. Träume, die niemals wahr werden konnten. Roen und ich spielen uns nichts vor. Wir kennen uns."

     

    Genauso ist es mit Amari. Schon im ersten Teil hat sie von der schwachen, verwöhnten Prinzessin bis zur selbstbewussten Kämpferin eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht. Auch hier versucht sie wieder, in eine neue Rolle hineinzuwachsen und die Königin zu werden, die Orïsha braucht. Dass sie sich oftmals verrennt, ihren Gefühlen erliegt oder ihr Urteilsvermögen getrübt wird, macht sie sehr authentisch, auch wenn man ihr ab und zu gerne mal die Meinung sagen würde. Zélies Bruder und Amaris Geliebter Tzain tritt hier stark in den Hintergrund, dafür erhalten wir aber bei den Idyka-Rebellen viele neue Protagonisten und treffen alte Bekannte wieder. (Spoiler: Auch Inan hat hier sein großes Comeback und gibt nach wie vor sein Bestes, zwischen den Fronten zu vermitteln. Auch in diesem zweiten Band trifft er hin und her gerissen zwischen den Ratschlägen seiner Mutter, der Verantwortung gegenüber den Bewohnern seiner Hauptstadt, der Rechenschaft seinen Generälen gegenüber und der Loyalität zu seiner Schwester, der Liebe zu Zélie und seinem Wunsch nach Frieden falsche Entscheidungen.). Dabei zerriss es mir beim Lesen fast das Herz, dass die Protagonisten mehr gegeneinander als miteinander arbeiten und blind vor Zorn und von ihren Narben und ihrem Schmerz geleitet immer wieder den Weg des Krieges wählen, anstatt sich endlich zusammenzuraufen und aufeinander zuzugehen. Durch diese ständigen Rückfälle, bei denen Wut, Hass, Zorn und der Wunsch nach Rache die Bestrebungen nach Frieden immer wieder zerstören, sind einige Passagen auch eher frustrierend zu lesen und die gesamte Geschichte liest sich deutlich düsterer als der erste Teil. 

     

    Zélie: "Wir werden in jedem Atemzug von dir leben. In jeder Beschwörung, die du singst."

    Ein Lächeln zieht sich über ihr dunkles Gesicht und legt die Haut um ihre Augen in Falten.

    "Ihr seid die Kinder der Götter. Ihr werdet nie allein sein."

     

     

    Nichtsdestotrotz erinnern das rasante Erzähltempo und der bildhafte, fesselnde und leidenschaftliche Schreibstil Tomi Adeyemis stark an den ersten Teil und auch hier können leichte Zeitsprünge und Logiklücken sowie die zwar schöne aber arg gewollt wirkende Liebesgeschichte ausgeglichen werden (Spoiler: Da das mit Inan und Zélie wohl nichts mehr wird, bastelt die Autorin einfach eine neue Liebesgeschichte zu dem Söldner Roen. Außerdem verschwindet die Löwenesse Nailah einfach plötzlich aus dem Handlungsgefüge, ohne dass ich mitbekommen hätte, dass sie tot ist. Ebenfalls unklar war mir, warum Amaris und Inans Mutter und Amari plötzlich ungeahnte Fähigkeiten erlangen, Inan jedoch nicht...). So wird das eher mittelalterlich geprägte Setting immer wieder durch seltsame Dinge wie Sauerstoffflaschen oder Brandbomben unterbrochen, die sich mir in dem Zusammenhang mit Schwertern und Kutschen nicht ganz erschlossen. Die Art und Weise, wie die Autorin hier kraftvoll und zornig durch den Schmerz ihrer Protagonisten anklagend die Stimme erhebt und dabei bei einem lockeren und flüssigen Stil bleibt, der nie gezwungen oder übertrieben wirkt, hat mir jedoch sehr gut gefallen. Durch magische Träume, Visionen, spirituelle Begegnungen mit Göttern und die Liebesbeziehungen kommt noch eine atmosphärische Note hinzu, die sich wunderbar in den berührenden, majestätischen Grundton einfindet. 

     

    Zélie: "Es wurde unsere Heimat, weil sie alles gemeinsam gebraut haben. Das Land selbst, die Tempel - sie sind nicht so wichtig. Solange wir uns haben, tragen wir Orïsha in unserem Blut. Das kann uns keiner nehmen." (…)

    Ich lasse mich auf den Blutstein sinken. In meinen Ohren tobt der Krieg.

    Wir holen uns zurück, was uns gehört."

     

    So schreitet, nein rennt, die Story mit den großen Sprüngen einer Löwenesse voran und gipfelt am Ende in einem explosiven und sehr emotionalen Showdown, der mich noch einmal mitriss, beeindruckte, am Ende aber wütend zurückließ. Wütend deshalb weil Tomi Adeyemi uns so ein Ende vorsetzt wo doch erst frühestens in zwei Jahren eine Fortsetzung erscheint - wirklich mies von ihr! Das Ende war episch, herzzerreißend, spannend aber der undurchsichtige und miese Cliffhanger und Epilog am Ende lässt viele Fragen offen, sodass ich am liebsten weiterlesen würde. 

     

     

     

    Fazit:

     

    Starke Protagonisten, ein exotisches Setting, eine berührende Botschaft, ein leidenschaftlicher Schreibstil und innovative Ideen - dieser Nachfolger ist trotz Einstiegsprobleme, kleinen Logiklücken und dem etwas zu schnellen Erzähltempo ein Fantasy-Epos der Extraklasse. Dynamisch, spannend, mitreißend!

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    Cover des Buches Love on Lexington Avenue9783442490424

    Bewertung zu "Love on Lexington Avenue" von Lauren Layne

    Love on Lexington Avenue
    wordworldvor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Eine klarere Linie der Handlung, authentischere Charaktere, ein lebendigerer Schreibstil und mehr emotionale Tiefe - viel besser als Band 1!
    Um Welten besser als der erste Teil!

    Diese Rezension muss ich damit beginnen, mir selbst auf die Schulter zu klopfen, da ich mal wieder Gespür bewiesen und diese Reihe nach dem eher mittelmäßig guten ersten Band nicht abgeschrieben habe (ich bin so gut, halleluja 😊). Während mich "Passion on Park Avenue" mit den eher farblosen Protagonisten, dem konstruierten Handlungsverlauf und den oberflächlichen Gefühlen nicht überzeugen konnte, ist die Fortsetzung "Love on Lexington Avenue" um Welten besser und bietet alles, was man sich von einer unterhaltsamen Liebesgeschichte wünscht.


     "Dieses Projekt war anders. Sie war anders. Obwohl ihm immer noch nicht ganz klar war, inwiefern."

     

    Das Cover lässt wie schon die Gestaltung von Band 1 eine lockere, romantische Geschichte mitten in New York, aber nicht unbedingt Tiefgang erwarten. Auch wenn die Gestaltung mit den blauen Lichtpunkten und der Skyline schön anzusehen ist, finde ich das Originalcover dennoch um WELTEN besser! Dort ist nämlich die peppige Strichzeichnung einer blonden Frau mit Sonnenbrille zu sehen, die zwischen großen Sandsteingebäuden einen Spaziergang macht. Dieser Entwurf hat meiner Meinung nach mehr Pepp, Wiedererkennungswert und außerdem ist die Darstellung der Protagonistin weitaus aussagekräftiger als nur die Skyline allein. Schön finde ich, dass sich das Motiv in den Leselaschen fortsetzt, in der vorderen Leselasche die ganze Trilogie abgebildet ist und die Bände wunderbar zusammenpassen. 

     

    Erster Satz: "Es laut auszusprechen wäre geschmacklos gewesen; trotzdem fanden alle, die in New York City Rang und Namen hatten, dass die Beerdigung von Brayden Daniel Hayes das gesellschaftliche Ereignis des Sommers war."

     

    Durch einen kurzen Prolog wird für alle neuen Leser kurz der Hintergrund der Trilogie erläutert und alle, die schon den ersten Teil kennen, können sich noch mal in Erinnerung rufen, auf was die Reihe fußt: Drei Frauen, die sich von der Beerdigung ihres Mannes, Freundes oder Liebhabers drücken, sich im Central Park durch Zufall treffen und die gleichen Schuhe tragen - das ist auf jeden Fall die beste Grundlage für eine lebenslange Freundschaft (weiß man ja auch aus "Die Schadenfreundinnen" ;-)). Nachdem Claire, Audrey und Naomi vom selben Mann hintergangen und betrogen wurden, haben sie sich geschworen, sich gegenseitig vor weiteren Herzensbrechern zu beschützen. In "Passion on Park Avenue" hat Braydens ehemalige Geliebte Naomi im stilvollen Architekten Oliver schon ihren Traummann gefunden. Dieser Teil dreht sich komplett um die frisch verwitwete Claire, die nach Braydens Tod nicht nur mit der Wahrheit leben muss, mehrfach betrogen worden zu sein, sondern auch ihre Wut, ihr gebrochenes Herz, ihre Trauer und ihr neues Leben unter einen Hut bekommen muss. Da kommt ihr die dringend nötige Renovierung ihres Hauses gerade recht, das sie endlich nach ihren eigenen Wünschen gestalten will. Auf Naomis Anraten hin, engagiert sie den gefragten Innenausstatter Scott Turner,  der bald jedoch nicht nur ihr Haus, sondern auch ihr Herz gründlich durcheinander bringt... 

     

    "Die Ehefrau.
    Die Freundin.
    Die Geliebte.
    Sie schlossen einen Pakt. Niemals, auf keinen Fall, wollten sie zulassen, dass eine von ihnen wieder auf einen Frauenhelden wie Brayden Hayes hereinfiel."

     

    Claires Geschichte hat mir aus ganz unterschiedlichen Gründen viel besser gefallen als die von Naomi. Der erste ist, dass hier im Gegensatz zum Auftakt der Reihe eine größere gefühlsmäßige Nähe zur Geschichte aufgebaut wird und wir durch die ernsten Themen und Claires verwirrten Gefühlen eine viel engere Beziehung zu den Protagonisten aufbauen. Anders als im ersten Band plätschert die Geschichte nicht oberflächlich vor sich hin, sondern hat einen klaren roten Faden, mehr Substanz und funktioniert in der Gesamtheit, sodass auch Zufälle, Streits und Versöhnungen nicht so konstruiert erscheinen. Hier geht es um Trauer, Wut und Verdrängung, aber auch um Vertrauen, den Mut zu einem Neuanfang und was es heißt, sich neu zu erfinden. Gepaart mit dem Sex-and-the-City-Touch, der ja schon dem ersten Teil anhaftete, mit Glamour, Luxus und High-Society-Events in der Stadt der endlosen Möglichkeiten und einer spaßigen Lovestory, liest sich diese Selbstfindungsgeschichte sehr schnell und locker weg und machte definitiv süchtig. Dafür sorgten auch Lauren Laynes flüssiger Schreibstil und ihre treffenden Beschreibungen, mit denen sie das Setting lebendig werden ließ. Man merkt der ganzen Reihe an, dass die Autorin selbst seit Jahren in Manhattan wohnt und deshalb die Licht- sowie die Schattenseiten der spannenden Stadt New York treffen einzufangen weiß.

     

    "Claire spürte. wie sich etwas in ihr regte, und merkte, dass es Freude war. Audrey hatte recht. Daraus konnte tatsächlich etwas Wunderbares erwachsen. Ein kleiner Teil von Claire war in Scotts Armen vergangene Nacht wieder zum Leben erwacht. Und jetzt wurde es Zeit, dass die restliche Claire ebenso wieder zu leben lernte."

     

    Der zweite große Grund sind die beiden Charaktere Claire und Scott, die mir viel lebendiger und authentischer erschienen und für mich viel mehr Farbe hatten. Dadurch dass beide Protagonisten als personaler Er-Erzähler abwechselnd aus ihrer Sicht erzählen, erhalten wir einen guten Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Claire ist verunsichert, desorientiert und weiß nicht genau, wo sie mit sich, ihren Gefühlen und ihrem Leben hin will, was sie sehr sympathisch und menschlich macht. Auch Scott ist im Grunde unzufrieden mit seinem Leben und reist aus Angst vor Stagnation und Einsamkeit auf der Jagd nach spannenden Aufträgen um die ganze Welt. Zusammen machen die beiden grummeligen, schwierigen und manchmal etwas sturen Protagonisten sehr viel Spaß und ich habe ihnen von Herzen ein Happy End gewünscht.

     

    "Der Mann war im Grunde ein komplett Fremder, und doch kam es ihr nicht so vor. Vielleicht weil Scott Turner nichts Gekünsteltes an sich hatte. Er war ungehobelt, ein wenig gefühlslos und konnte geradezu grob werden. Das war verdammt erfrischend. Nachdem sie mit einer untreuen Schlange verheiratet gewesen war, war Scotts Aufrichtigkeit belebend und gab ihr in gewissermaßen... Sicherheit.
     Scott war genau so, wie er sich gab. Keine falsche Werbung. Keine Geister. Keine verborgenen Züge. Das gefiel ihr."

     

    Trotz dass mir dieser zweite Teil besser gefallen hat, sind natürlich auch hier wieder eine Menge Klischees verbaut, die Handlung ist größtenteils vorhersehbar und das Zuckerschock-Ende hat mich die Augen verdrehen lassen. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden, mit der enormen Steigerung von Band 1 zu Band 2 und warte jetzt voller Spannung auf den dritten Teil, in dem die dritte im Bunde - Audrey - sich mit ihren Gefühlen für ihren besten Freund Clarke auseinandersetzen muss. 


     "Ich verliebe mich gerade in einen Typen, der mit einem Fuß schon zur Tür hinaus ist."

    "Vielleicht", sagte Audrey und legte ihr den Arm um die Schultern. "Vielleicht wird das wehtun. Aber du kannst dich vor den guten Gelegenheiten nicht verschließen, nur um dich vor dem Risiko zu schützen, auch mal etwas Negatives zu erleben."



     

    Fazit:

     

    Eine klarere Linie der Handlung, authentischere Charaktere, ein lebendigerer Schreibstil und mehr emotionale Tiefe - "Love on Lexington Avenue" ist um Welten besser als sein Vorgänger und macht gepaart mit den Sex-and-the-City-Vibes und der Lovestory viel Spaß. 

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    Cover des Buches Coldworth City9783426520413

    Bewertung zu "Coldworth City" von Mona Kasten

    Coldworth City
    wordworldvor 17 Tagen
    Kurzmeinung: Fehlende Originalität, viele bekannte Ideen, oberflächliches Setting, eindimensionale Handlung, flache Charaktere und ein überhastetes Ende.
    Im Sci-Fi-Genre bin ich wirklich Besseres gewohnt!

    Da ich mittlerweile schon eine Menge von Mona Kastens New Adult Romane (z.B. ihre Again-Reihe oder die Maxton-Hall-Reihe) mit viel Freude gelesen habe, wollte ich ihrem Ausflug ins Science-Fiction-Genre auch mal eine Chance geben. Das dünne Büchlein lag eine Weile auf meinem SuB, hat es jetzt aber doch geschafft, von mir gelesen zu werden. Leider war mir die Geschichte mir ihren knappen 300 Seiten einfach zu dünn, sodass die Protagonisten, das Setting, die Handlung, die Liebesgeschichte und alle anderen Teile der Story zu oberflächlich blieben und Mona Kasten das Potential ihrer Geschichte nicht ausnutzen konnte.

     

    "Raven hatte immer gedacht, dass sie mit ihrer Gabe wenigstens nachts für Gerechtigkeit sorgen konnte. Aber sie hatte sich versteckt - immer war sie auf der Flucht gewesen, ganze drei Jahre lang. Das, was sie eben erfahren hatte, tat weh, aber gleichzeitig gab es ihr einen neuen Sinn und Zweck.

    Die Zeit des Versteckens war vorüber."

     

    Das Cover ist mit der Nahaufnahme eines Mädchengesichts, der angedeuteten Skyline, dem blauen Aquarell-Verlauf, den aufflatternden Raben und dem großen Titel auf jeden Fall ein Hingucker. Auch wenn ich Gesichter auf Cover nicht wirklich leiden kann, da sie nur in den seltensten Fällen mit meiner Vorstellung der Protagonisten übereinstimmen, passt die Gestaltung gut zu Geschichte und macht Lust, zum Buch zu greifen.  Innerhalb der Geschichte ist die Gestaltung sehr schlicht und die 320 Seiten werden in 23 kurze Kapitel eingeteilt. 

     

    "Ich brauche keine Waffen, Wade. Ich bin eine."

     

    Die Geschichte beginnt mit einer Nacht-und-Nebel-Aktion, bei der die junge Raven Batman-ähnlich mal wieder eine Straftat verhindert, von der sie zufällig bei ihrem Job in einer verruchten Kneipe erfahren hat. Auch wenn sie zusammen mit ihrem kleinen Bruder Knox untergetaucht ist, kann sie ihre nächtlichen Ausflüge nicht lassen, denn neben ihrem schlechten Gewissen helfen die Aktionen auch zum Dampfablassen und als Ventil für ihre mächtige Gabe. Als Psi hat sie nämlich anders als andere Mutanten mehrere Gaben, was sie interessant für die skrupellose Forschungsorganisation AID, aber auch für eine tickende Zeitbombe für sich und andere macht. Als sie eines Nachts auf den geheimnisvollen Wade trifft, bietet sich eine Chance: sie kann endlich lernen, ihre Gabe zu beherrschen, dauerhaften Unterschlupf finden und ihre Flucht beenden und stattdessen zusammen mit dem Untergrund AID bekämpfen. Doch auf einer gemeinsamen Mission stoßen sie auf ein großes Geheimnis, dass die ganze Welt in Gefahr bringt...

     

    "Du bist anders, als ich erwartet habe, Raven Carrigan", sagte er leise.

    Sie lächelte schwach. "Gleichfalls, Wade Baxter."

     

    Mutanten mit Superhelden-Fähigkeiten, eine Untergrund-Rebellion, geheime Forschungslabore und ein gefährliche aber schillernde Stadt - all das ist nicht gerade neuer Stoff und Fans des Genres werden an jeder Ecke und Ende Parallelen zu anderen Romanen oder Comics finden (z.B. die X-Men oder DCs Gotham-Universum). Wer also auf der Suche nach neuen, originellen Ideen und unbekannten Konzepten ist, kann sich gleich verabschieden. Wer jedoch auf der Suche nach einem leichten, kurzen Ausflug in die Welt von Superhelden ist, kann mit "Coldworth City" trotzdem Spaß haben. Erwartet man aber mehr als eine lockere Unterhaltung für Zwischendurch wird man aber enttäuscht werden. Die Handlung hier ist eher eindimensional, alles geht sehr glatt und statt in die Tiefe zu gehen und ihre dargestellte Welt zu erklären, präsentiert uns Mona Kasten eine sehr handlungsorientierte Action-Geschichte, die mit einer leisen, im Hintergrund bleibenden Liebesgeschichte gewürzt ist. 

     

    "Sie schloss die Augen und konzentrierte sich. Sie ließ sich vom Zorn erfüllen, immer weiter, bis ihr Blut anfing zu kochen. Tief in ihrem Inneren schlummerte das Monster. Und in diesem Moment weckte sie es."

     


     Neben den schon bekannten Ideen und der fehlenden Originalität gibt es noch ein weiteres, großes Problem: die Geschichte ist einfach viel zu kurz. In den 300 Seiten kann die angezeichnete Geschichte nicht ausreichend erzählt und das Potential somit nicht ausgeschöpft werden. Das in groben Zügen an Gotham erinnernde Setting von Coldworth City, das Konzept mit der geheimnisvollen Kraft des Psi, das problembehaftete Zusammenleben von Menschen und Mutanten, die Pläne und Motive von AID, Ravens Vergangenheit, die Struktur des Untergrunds - all das und noch vieles mehr wurde nur grob angedeutet, blieb blass und erschloss sich mir nicht komplett. Vor allem auch das Ende ist total überhastet, Vieles löst sich ohne große Komplikationen auf wenigen Seiten auf und wichtige Fragen bleiben unbeantwortet. Das ist umso ärgerlicher, da die Handlung ja durchaus spannend erzählt und die Charaktere sehr liebeswert waren. Auch an Mona Kastens Schreibstil ist nichts auszusetzen. Sie schreibt gewohnt locker, mitreißend und mit der richtigen Mischung aus Pathos und nüchternen Beschreibungen, um den Leser bei Stange zu halten. 

     

     

     

     

    Fazit:

     

    Fehlende Originalität, viele bekannte Ideen, oberflächliches Setting, eindimensionale Handlung, flache Charaktere und ein überhastetes Ende - im Sci-Fi-Genre bin ich wirklich Besseres gewohnt! Wer jedoch auf der Suche nach einem leichten, kurzen Ausflug in die Welt der Superhelden ist, kann mit "Coldworth City" trotzdem Spaß haben.

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    Cover des Buches Fifty Shades of Grey - Befreite Lust9783442486892

    Bewertung zu "Fifty Shades of Grey - Befreite Lust" von E L James

    Fifty Shades of Grey - Befreite Lust
    wordworldvor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Dürftige Handlung, miserabler Schreibstil, klischeehafte Charaktere - das literarische Niveau der Geschichte ist bemerkenswert niedrig...
    Niedriges literarisches Niveau auch im letzten Teil ...

    DISCLAIMER: Man findet die Bücher ja mittlerweile überall - auf Bücherflohmärkten, in offenen Bücherregalen, in der Onleihe, in Schnäppchenauslagen und natürlich im Internet. Auch noch Jahre nach dem Erscheinen, das Hype, Aufschrei und Skandal in einem war, ist diese Reihe omnipräsent. Auch wenn ich eigentlich nie vor hatte, sie zu lesen, muss ich zugeben, dass ich neugierig war. Tja, Neugier plus Langeweile plus zufällig gerade in der Onleihe verfügbar führte dazu, dass ich jetzt doch mal angefangen habe ^^

     

    Handlung: Was die Handlung betrifft war ich darauf vorbereitet, dass außer seitenlangen, ausufernden Sexszenen, dürftigen Gesprächen und langen inneren Monologen Anas nicht besonders viel passieren würde, doch dass hier wirklich jeder Versuch, Spannung aufzubauen, von einer Ansammlung  (häufig sehr gleicher und für mich definitiv nicht reizvoller) Sexszenen zunichte gemacht wird, sorgt nicht unbedingt dafür, dass man die 608 Seiten an einem Tag lesen will. Dazu gesellen sich schwere Mängel im Aufbau wie nicht aufgelöste Andeutungen, Zeitsprünge, Logikfehler, auf später vertröstete Erklärungen und gaaaaanz viele Wiederholungen. 

     

    Charaktere: Auch was die Protagonisten anbelangt hatte ich gar nicht viel und schon gar keine psychologisch ausgefeilte, tiefgründige Charakterdarstellungen erwartet. Dass sowohl Ana als auch Christian so widersprüchlich, nicht schlüssig ausgearbeitet und voller wenig glaubwürdiger Klischees sein würden, hat mich aber abermals enttäuscht. Es ist schon bezeichnend, dass die spannendsten Charaktere hier Anas Unterbewusstsein und ihre "innere Göttin" sind, die hier ständig vor- und zu Wort kommen. Kindheitskomplexe, ein sprechendes Unterbewustsein, abartige Neigungen und ständige Erwähnungen von Hirnregionen - Was jeden Freud-Anhänger glücklich machen würde, hat mir als Psychologie-Studentin die Haare zu Kopf stehen lassen. Anastasia tritt moderne Frauenbilder mit Füßen und Christian, nun ja, den konnte ich nicht wirklich ernst nehmen. Allein was er manchmal für Dinge von sich gegeben hat - ich musste mich teilweise totlachen ;-)

     

    Schreibstil: Und hier wären wir schon beim dritten Punkt, der das schreibhandwerkliche Geschick der Autorin stark anzweifeln lässt. E. L. James´ Schreibstil schlicht zu nennen ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Plumpe Aneinanderreihung immer gleicher Sätze, seltsame Dialoge, viele Wiederholungen und teilweise stümperhafte Übergänge - gut gemacht oder literarisch hochwertig geht definitiv anders. 


    Aber: Nun ja,  aber "sex sells" und das sieht man nicht nur an dem immensen Erfolg der Reihe, sondern auch daran, dass ich immerhin noch acht Jahre nach dem großen Hype der Anziehung der Geschichte erlegen bin. Also ganz so falsch gemacht, kann es die Autorin dann offensichtlich doch nicht haben. Denn auch auf mich hatte die Geschichte seltsamerweise trotz allem eine fesselnde Wirkung und ich bin zu meiner großen Überraschung wie Millionen anderer Leser vor mir auf die Mischung aus Voyeurismus, Neugier, erotischen Fantasien und der Annähern zwischen Licht und Schatten, Unschuld und Verdorbenheit hereingefallen. 

     

    ____________________________

    Das Urteil:

     

    Dürftige Handlung, miserabler Schreibstil, klischeehafte Charaktere - das literarische Niveau der Geschichte ist wirklich bemerkenswert niedrig, doch trotz dass ich nur mit Mühe und Not durch die 608 Seiten gekommen bin, kann ich nach dem Lesen nun besser verstehen, worin die faszinierende Wirkung auf die Leserschaft besteht. 

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    Cover des Buches Fifty Shades of Grey - Gefährliche Liebe9783442485277

    Bewertung zu "Fifty Shades of Grey - Gefährliche Liebe" von E L James

    Fifty Shades of Grey - Gefährliche Liebe
    wordworldvor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Dürftige Handlung, miserabler Schreibstil, klischeehafte Charaktere - das literarische Niveau der Geschichte ist bemerkenswert niedrig...
    Dürftige Handlung, miserabler Schreibstil und klischeehafte Charaktere

    DISCLAIMER: Man findet die Bücher ja mittlerweile überall - auf Bücherflohmärkten, in offenen Bücherregalen, in der Onleihe, in Schnäppchenauslagen und natürlich im Internet. Auch noch Jahre nach dem Erscheinen, das Hype, Aufschrei und Skandal in einem war, ist diese Reihe omnipräsent. Auch wenn ich eigentlich nie vor hatte, sie zu lesen, muss ich zugeben, dass ich neugierig war. Tja, Neugier plus Langeweile plus zufällig gerade in der Onleihe verfügbar führte dazu, dass ich jetzt doch mal angefangen habe ^^

     

    Handlung: Was die Handlung betrifft war ich darauf vorbereitet, dass außer seitenlangen, ausufernden Sexszenen, dürftigen Gesprächen und langen inneren Monologen Anas nicht besonders viel passieren würde, doch dass hier wirklich jeder Versuch, Spannung aufzubauen, von einer Ansammlung  (häufig sehr gleicher und für mich definitiv nicht reizvoller) Sexszenen zunichte gemacht wird, sorgt nicht unbedingt dafür, dass man die 608 Seiten an einem Tag lesen will. Dazu gesellen sich schwere Mängel im Aufbau wie nicht aufgelöste Andeutungen, Zeitsprünge, Logikfehler, auf später vertröstete Erklärungen und gaaaaanz viele Wiederholungen. 

     

    Charaktere: Auch was die Protagonisten anbelangt hatte ich gar nicht viel und schon gar keine psychologisch ausgefeilte, tiefgründige Charakterdarstellungen erwartet. Dass sowohl Ana als auch Christian so widersprüchlich, nicht schlüssig ausgearbeitet und voller wenig glaubwürdiger Klischees sein würden, hat mich aber abermals enttäuscht. Es ist schon bezeichnend, dass die spannendsten Charaktere hier Anas Unterbewusstsein und ihre "innere Göttin" sind, die hier ständig vor- und zu Wort kommen. Kindheitskomplexe, ein sprechendes Unterbewustsein, abartige Neigungen und ständige Erwähnungen von Hirnregionen - Was jeden Freud-Anhänger glücklich machen würde, hat mir als Psychologie-Studentin die Haare zu Kopf stehen lassen. Anastasia tritt moderne Frauenbilder mit Füßen und Christian, nun ja, den konnte ich nicht wirklich ernst nehmen. Allein was er manchmal für Dinge von sich gegeben hat - ich musste mich teilweise totlachen ;-)

     

    Schreibstil: Und hier wären wir schon beim dritten Punkt, der das schreibhandwerkliche Geschick der Autorin stark anzweifeln lässt. E. L. James´ Schreibstil schlicht zu nennen ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Plumpe Aneinanderreihung immer gleicher Sätze, seltsame Dialoge, viele Wiederholungen und teilweise stümperhafte Übergänge - gut gemacht oder literarisch hochwertig geht definitiv anders. 


     

    Aber: Nun ja,  aber "sex sells" und das sieht man nicht nur an dem immensen Erfolg der Reihe, sondern auch daran, dass ich immerhin noch acht Jahre nach dem großen Hype der Anziehung der Geschichte erlegen bin. Also ganz so falsch gemacht, kann es die Autorin dann offensichtlich doch nicht haben. Denn auch auf mich hatte die Geschichte seltsamerweise trotz allem eine fesselnde Wirkung und ich bin zu meiner großen Überraschung wie Millionen anderer Leser vor mir auf die Mischung aus Voyeurismus, Neugier, erotischen Fantasien und der Annähern zwischen Licht und Schatten, Unschuld und Verdorbenheit hereingefallen. 

     

    ____________________________

    Das Urteil:

     

    Dürftige Handlung, miserabler Schreibstil, klischeehafte Charaktere - das literarische Niveau der Geschichte ist wirklich bemerkenswert niedrig, doch trotz dass ich nur mit Mühe und Not durch die 608 Seiten gekommen bin, kann ich nach dem Lesen nun besser verstehen, worin die faszinierende Wirkung auf die Leserschaft besteht. 

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    Cover des Buches More Than This9783736312920

    Bewertung zu "More Than This" von April Dawson

    More Than This
    wordworldvor 18 Tagen
    Kurzmeinung: Eine nette Abwechslung für Zwischendurch, für mich aber klar der schlechteste Teil der Reihe.
    Nur mäßig spannend, sehr vorhersehbar, zu farblos und voll mit YA-Klischees...

    Nachdem ich April Dawsons Reihenauftakt "Up All Night" der gleichnamigen Trilogie zwar sehr nett fand, ich aber aufgrund diverser Schwächen nicht vollständig überzeugt wurde, wollte ich der Reihe noch eine weitere Chance geben. Leider habe ich die Veröffentlichung des zweiten Teils "Next To You" verpasst und musste deshalb gleich mit dem dritten Teil "More Than This" weitermachen, aber da sich die Bücher auch getrennt voneinander lesen lassen, ist das nicht das Problem gewesen. Vielmehr fand ich schade, dass der Abschluss der Trilogie an denselben Schwächen leidet, die ich schon am Auftakt bemängelt habe und mich der dritte Teil der Reihe ebenfalls nicht überzeugen konnte. Auch hier muss mein Urteil deshalb lautet: dieses Buch ist nett, nicht mehr und nicht weniger.

     

    Auch das Cover passt wunderbar zu diesem gewonnenen Eindruck. Zusehen ist wieder Skyline von New York, welches das Setting der Geschichte ist und darüber ein blau-pinker Himmel voller Lichtstreifen und -punkten. Auch wenn das Ergebnis durchaus hübsch anzusehen ist und auch gut zu den Vorgängern passt, halte ich es mit den übertriebenen Effekten und den typischen Farben für ein LYX-Cover, wie es im Buche steht - nett anzusehen aber nichts Besonderes. Auch der Titel passt grundsätzlich gut, hat für mich aber keinen tieferen Sinn oder besonderen Wiedererkennungswert. Wie schon bekannt ist die Geschichte in 41 kurze Kapitel aufgeteilt, welche jeweils aus der Sicht von Grace oder Zayn geschrieben sind.

     

    Erster Satz: "Was war das denn?"

     

     Wir beginnen die Geschichte damit, dass Grace einen erotischen Traum von Zayn, dem draufgängerischen Playboy ihrer Clique hat, der seit einiger Zeit zu ihren engsten Freunden gehört. Auch wenn sie es darauf schiebt, dass sie schon viel zu lange nicht mehr verliebt war, all die Pärchen um sie herum sie wehmütig machen und sie endlich ihren Traummann finden will, kann sie die prickelnde Anziehungskraft bald nicht mehr leugnen, die sich zwischen ihnen entwickelt. Dass alle in Grace und Zayn das perfekte Paar sehen und sie immer mehr erkennt, dass sie doch nicht so verschieden sind, macht die Sache auch nicht leichter. Aber kann sie ihm ihre Gefühle gestehen, wenn es sie ihre Freundschaft kosten könnte...? 

     

    Anders als "Up All Night", welches mit einem absoluten Katastrophentag in Taylors Leben, einem spannenden Wiedersehen und der Einführung in eine tolle WG gestartet ist, beginnt dieser Teil aus meiner Sicht eher etwas schleppend. Wir treffen Grace und Zayn, welche wir ja schon aus den anderen Teilen flüchtig kennen, in einer Aneinanderreihung sehr vieler, sehr kurzer Szenen wieder, die manchmal sogar nur eine halbe oder dreiviertel Seite dauern. Gepaart mit den großen Zeitsprüngen, die gleich im ersten Drittel gemacht werden, liest sich der Einstieg etwas abgehackt und ich wurde nicht wirklich in die Geschichte hineingesogen. Dass die Idee nicht unbedingt neu ist, tut dabei das Übrige und ich habe die ersten Kapitel nur halbherzig über mich ergehen lassen. Vielleicht dauert es ja tatsächlich längere Zeit, bis aus Freundschaft mehr wird, aber dann hätte ich mir entweder eine bessere Raffung der verstreichenden Monate oder den Ausbau einiger wichtiger Schlüsselszenen gewünscht. Denn letztere scheint es in der ersten Hälfte der Geschichte fast gar nicht zu geben - Beide Protagonisten leben ihren Alltag, alles läuft sehr glatt und plätschert vor sich hin, bis April Dawson dann die vorhersehbare, große "Ach ja, wir lieben uns"-Karte zieht und für lange Zeit erstmal alles mit Zuckerglasur überzogen wird. Der schleppende Beginn, der nicht ganz wusste, wo er hin will, geht nun in einen ebenso gemütlich vor sich hin plätschernden Mittelteil mit viel Kitsch, "Ich liebe Dich"s auf jeder zweiten Seite und keinem einzigen Widerstand über, der mich des Öfteren mal die Augen hat verdrehen lassen. 

     

    Man könnte auch argumentieren, dass man sich durch die Abwesenheit anderer Probleme ganz auf die beiden Protagonisten und ihre Beziehung zueinander, die sich langsam von Freundschaft über prickelnde Anziehungskraft in Richtung Liebe wandelt, konzentrieren kann. Aber auch aus diesem Fokus hat die Autorin meiner Meinung nach zu wenig gemacht. Zwar liest sich die Geschichte, als hätte sich April Dawson alle Mühe gegeben, die Klischees und unseren gewonnenen Eindruck aus den anderen Bänden zu widerlegen - aus dem Partylöwen und Playboy Zayn wird ein sensibler Schriftsteller und aus der schüchternen, zurückhaltenden Grace wird eine kesse, modische Power-Frau. Doch obwohl beide sympathischer und vielseitiger sind, als sie auf den ersten Blick erscheinen, blieben sie für meinen Geschmack ein wenig zu farblos. Und genau das würde ich als das Hauptproblem des Romans bezeichnen: hier bleibt alles zu farblos, zu flach, zu bekannt und zu harmlos. April Dawson schreibt im Nachwort zum Buch, dass sie Schwierigkeiten hatte, die Geschichte zu beenden und bedauerlicherweise merkt man das auch an allen möglichen Ecken und Enden. Hier fehlen mir Esprit, Frische und Kreativität - einfach das gewisse Etwas, das einen Roman anziehend, spannend und interessant macht.

     

     

    Doch auch wenn mir die Konzeption nicht wirklich gut gefallen hat, hier keine revolutionären neuen Ideen und Handlungskonzepte vorgestellt werden und die Geschichte im Friede-Freude-Eierkuchen-Mittelteil kurzzeitig meine Aufmerksamkeit verloren hat, liest sich der dargestellte WG-Alltag mal wieder flott und spritzig. Auch das Wiedersehen mit Dan, Taylor, Addy und all den anderen hat mir sehr über ein paar Durststrecken hinweg geholfen. Die verrückte Chaos-WG ist mir trotz meiner Kritik sehr ans Herz gewachsen und zu sehen, wie jeder seinen Weg und die große Liebe findet, war wirklich toll. Und trotz dass dieser verrückte Haufen manchmal deutlich jünger wirkte als 30 und ab und zu mal für einen "Echt jetzt?"-Moment sorgte, habe ich mich in ihrer Mitte sehr wohl gefühlt und wäre sofort eingezogen. Dazu trug auch der lockere Schreibstil von April Dawson bei, der immer wieder genügend Humor und Witz mit einfließen lässt, um über Wiederholungen, Längen und die Verwendung von teilweise echt seltsamen Redewendungen und Formulierungen hinwegzutäuschen, die mich ein ums andere Mal verwirrt haben. Und bevor ihr nachschaut - nein, das liegt nicht an der Übersetzung, die Autorin kommt aus Österreich. ;-)

     

    Leider kann ich meine Rezension und auch das Buch nicht mit diesem positiven Eindruck beenden. Denn als ich dann schon glaubte, die Autorin lässt die Geschichte gemütlich auf ihr Happy End zutreiben und verzichtet auf ein unnötiges, an den Haaren herbeigezogenes Drama, bevor sie die Protagonisten in ihr wohlverdientes, glitzerndes Und-so-lebten-sie-glücklich-und-zufrieden-bis-an-ihr-Lebensende-Ende schickt, knallt April Dawson uns noch ein total unnötiger Prä-Happy-End-Tiefpunkt um die Ohren, bei dem ich fast vor Frust das Buch an die Wand geschmissen hätte. Die beiden Protagonisten handeln in meinen Augen völlig unglaubwürdig, die Komplikationen wirken konstruiert und wie um das zu überspielen wechselt die Autorin mal schnell das Setting, bevor sie wieder alles in eine Glitzerwolke packt. Als krönender Abschluss folgt dann ein mehrteiliger Prolog aus der Sicht von Daniel, Tylor und Addison, der für Fans der Reihe zwar ein schöner Abschluss ist, aber für mich eindeutig zu tief aus der Kitsch-Kiste gegriffen war. 

     

    Auch wenn für eine richtig gute Bewertung in dieser Rezension viel zu oft die Beschreibung "ganz nett" vorkommt, bin ich doch noch gespannt auf den zweiten Teil über Addison und den heißen Nachbarn Drake vom Hottie-Dienstag, der von vielen als der beste Teil der Reihe bezeichnet wurde. Da mir dieser Band noch fehlt, werde ich vielleicht mal noch reinlesen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. 

     

     

     

    Fazit:

     

    "More Than This" ist leider nur mäßig spannend, sehr vorhersehbar, zu farblos und voll mit YA-Klischees - trotz dass die Nebencharaktere und der Schreibstil die Geschichte zu einer netten Abwechslung für Zwischendurch machen, ist sie für mich klar der schlechteste Teil der Reihe.

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    Cover des Buches Fifty Shades of Grey - Geheimes Verlangen9783442313471

    Bewertung zu "Fifty Shades of Grey - Geheimes Verlangen" von E L James

    Fifty Shades of Grey - Geheimes Verlangen
    wordworldvor einem Monat
    Kurzmeinung: Dürftige Handlung, miserabler Schreibstil, klischeehafte Charaktere - das literarische Niveau ist wirklich bemerkenswert niedrig.
    Niedriges Niveau aber es gilt nunmal: "Sex Sells"

    Man findet die Bücher ja mittlerweile überall - auf Bücherflohmärkten, in offenen Bücherregalen, in der Onleihe, in Schnäppchenauslagen und natürlich im Internet. Auch noch Jahre nach dem Erscheinen, das Hype, Aufschrei und Skandal in einem war, ist diese Reihe omnipräsent. Auch wenn ich eigentlich nie vor hatte, sie zu lesen, muss ich zugeben, dass ich neugierig war. Tja, Neugier plus Langeweile plus zufällig gerade in der Onleihe verfügbar führte dazu, dass ich jetzt doch mal angefangen habe ^^

     

    Handlung: Was die Handlung betrifft war ich darauf vorbereitet, dass außer seitenlangen, ausufernden Sexszenen, dürftigen Gesprächen und langen inneren Monologen Anas nicht besonders viel passieren würde, doch dass hier wirklich jeder Versuch, Spannung aufzubauen, von einer Ansammlung  (häufig sehr gleicher und für mich definitiv nicht reizvoller) Sexszenen zunichte gemacht wird, sorgt nicht unbedingt dafür, dass man die 608 Seiten an einem Tag lesen will. Dazu gesellen sich schwere Mängel im Aufbau wie nicht aufgelöste Andeutungen, Zeitsprünge, Logikfehler, auf später vertröstete Erklärungen und gaaaaanz viele Wiederholungen. 

     

    Charaktere: Auch was die Protagonisten anbelangt hatte ich gar nicht viel und schon gar keine psychologisch ausgefeilte, tiefgründige Charakterdarstellungen erwartet. Dass sowohl Ana als auch Christian so widersprüchlich, nicht schlüssig ausgearbeitet und voller wenig glaubwürdiger Klischees sein würden, hat mich aber abermals enttäuscht. Es ist schon bezeichnend, dass die spannendsten Charaktere hier Anas Unterbewusstsein und ihre "innere Göttin" sind, die hier ständig vor- und zu Wort kommen. Kindheitskomplexe, ein sprechendes Unterbewustsein, abartige Neigungen und ständige Erwähnungen von Hirnregionen - Was jeden Freud-Anhänger glücklich machen würde, hat mir als Psychologie-Studentin die Haare zu Kopf stehen lassen. Anastasia tritt moderne Frauenbilder mit Füßen und Christian, nun ja, den konnte ich nicht wirklich ernst nehmen. Allein was er manchmal für Dinge von sich gegeben hat - ich musste mich teilweise totlachen ;-)

     

    Schreibstil: Und hier wären wir schon beim dritten Punkt, der das schreibhandwerkliche Geschick der Autorin stark anzweifeln lässt. E. L. James´ Schreibstil schlicht zu nennen ist die Untertreibung des Jahrhunderts. Plumpe Aneinanderreihung immer gleicher Sätze, seltsame Dialoge, viele Wiederholungen und teilweise stümperhafte Übergänge - gut gemacht oder literarisch hochwertig geht definitiv anders. 


     

    Aber: Nun ja,  aber "sex sells" und das sieht man nicht nur an dem immensen Erfolg der Reihe, sondern auch daran, dass ich immerhin noch acht Jahre nach dem großen Hype der Anziehung der Geschichte erlegen bin. Also ganz so falsch gemacht, kann es die Autorin dann offensichtlich doch nicht haben. Denn auch auf mich hatte die Geschichte seltsamerweise trotz allem eine fesselnde Wirkung und ich bin zu meiner großen Überraschung wie Millionen anderer Leser vor mir auf die Mischung aus Voyeurismus, Neugier, erotischen Fantasien und der Annähern zwischen Licht und Schatten, Unschuld und Verdorbenheit hereingefallen. 

     

    ____________________________

    Das Urteil:


    Dürftige Handlung, miserabler Schreibstil, klischeehafte Charaktere - das literarische Niveau der Geschichte ist wirklich bemerkenswert niedrig, doch trotz dass ich nur mit Mühe und Not durch die 608 Seiten gekommen bin, kann ich nach dem Lesen nun besser verstehen, worin die faszinierende Wirkung auf die Leserschaft besteht. 

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    Cover des Buches Verity9783423230124

    Bewertung zu "Verity" von Colleen Hoover

    Verity
    wordworldvor einem Monat
    Kurzmeinung: "Verity" ist düster, vielschichtig, schockieren, spannend, emotional und lässt mich gleichzeitig fasziniert und verstört zurück.
    Lässt mich gleichzeitig fasziniert und verstört zurück...

    Auch wenn ich ein großer Fan von Colleen Hoovers Geschichten bin und beinahe alle gelesen habe, hatte ich nicht viel von "Verity" erwartet, weil es die Leserschaft als wirkliches Schock-Buch angepriesen hat und mich nicht mehr viel schockieren kann. Mittlerweile habe ich ein gutes Gespür für Wendungen und kann häufig den Verlauf von Geschichten vorhersagen. Auch bei diesem Roman dachte ich nach wenigen Seiten, ich hätte die Story durchschaut. Doch da habe ich meine Rechnung ohne die Autorin gemacht.... 

     

    Das Cover ist mit den rosafarbenen Wolken, dem babyblauen Himmel, dem Schwarm winzig klein wirkender Wolken und dem großen, hervorstechenden Titel der Inbegriff einer nichtssagenden Coverschönheit, wie man sie mittlerweile genreübergreifend immer häufiger findet. Versteht mich nicht falsch - ich mag die Gestaltung wirklich sehr - aber angesichts der Abgründe, die die Autorin hier offenlegt, hätte ich etwas erwartet, was weniger "Liebesgeschichte" schreit. Letztendlich ist es aber wohl genau der Schrecken hinter der schönen Verpackung, welcher das Buch so spannend macht und gerade weil man von der Queen of Hearts keine Psychothriller-ähnliche Geschichte erwarten würde, erwischt die Dunkelheit zwischen den Seiten einen so eiskalt. Dass der Titel, der gleichzeitig Name der Frau ist, die Dreh- und Angelpunkt der Geschichte darstellt, und durch die Bedeutung - nämlich ironischerweise "Wahrheit" - den Hauptkonflikt vorwegnimmt, finde ich einfach nur genial. 

     

    Erster Satz: "Erst höre ich das Geräusch seines berstenden Schädels, dann spritzt mir sein Blut entgegen."

     

     

    Schon der Beginn des ersten Kapitels wird alle verstören, die hier ganz dem Cover zufolge eine seichte Liebesgeschichte erwarten. Als hätte die Autorin es darauf angelegt, gleich ein Statement zu setzen und schon aus dem ersten Satz möglichst viel Schockpotential herauszuholen, starten wir mit einem blutigen Unfall auf den Straßen Manhattans ins Geschehen. Wen das abschrecken sollte, dem sein versichert: genau in diesem Stil geht die Geschichte auch weiter. Dass Lowen ihren neuen Auftraggeber Jeremy ausgerechnet mit der Gehirnmasse eines Unfallopfers bespritzt kennenlernt, scheint zwar ein denkbar schlechtes Omen zu sein, ist aber nichts im Vergleich zu dem Schrecken, der auf sie zu kommt, als sie das Angebot, die Thrillerreihe seiner verunglückten Frau Verity weiterzuschreiben, annimmt und in das Haus einer Familie zieht, die einiges durchmachen musste. Bald schon zweifelt die Jungautorin daran, dass die Crawfords einfach nur unglückliche Chroniker sind. Ist es ein Zufall, dass beide Töchter Harper und Chastin kurz hintereinander verunglückt sind und auch Verity nach einem Unfall nicht mehr ansprechbar ist, oder steckt etwas anderes hinter den Unglücksfällen? Neugierig geworden liest sie Veritys Autobiografie, die sie in einer Kiste in ihrem Arbeitszimmer findet und dabei entdeckt sie eine dunkle Wahrheit. Eine Wahrheit, die ihr neues Glück als erfolgreiche Autorin und ihre Liebe zu Jeremy zerstören wird...

     

     

    "Die meisten Leute, die nach New York kommen, legen es darauf an, entdeckt zu werden. Wir Übrigen kommen hierher, um uns zu verstecken."

     

    Leider kann ich euch nicht viel über den Verlauf der Handlung erzählen, weil ich sonst Wichtiges vorwegnehmen müsste. Fest steht nur, dass diese Geschichte ganz anders aufgezogen ist, als die emotionalen Liebesromane, die wir sonst von Colleen Hoover kennen. Hier entblößt die Autorin Abgründe, verdreht Wahrheiten, lockt auf falsche Fährten und zeigt keinerlei Erbarmen, sodass wir bald das Gefühle bekommen, einen waschechten Psychothriller vor uns zu haben. Auch wenn wir vor allem Lowens Gedanken und Gefühle aus der Ich-Perspektive verfolgen und durch sie als neugierige Eindringling in die Welt der Crawfords eintauchen, bekommen wir durch eingeschobene Kapitel aus Veritys Autobiografie, die wir parallel zu Lowen lesen können, eine weitere interessante Perspektive präsentiert. Dass diese Kapitel es ganz schön in sich haben, wird bald nicht nur Lowen klar und wir erleben, wie Lowens Sicht auf die Dinge durch einige wenige Worte komplett auf den Kopf gestellt wird. Besonders spannend ist, dass Colleen Hoover mit Lowens Reaktionen auf Veritys Kapitel meine eigenen Reaktionen als Leser erstaunlich treffsicher vorhergesagt und ins Buch miteinfließen lassen hat, sodass die Geschichte auf gruselige Art und Weise die Erzählgrenzen immer wieder durchbricht.

     

    Auch wenn auf der reinen Handlungsebene nicht viel passiert - eigentlich durchstöbert Lowen nur Veritys Arbeitszimmer, isst mit Jeremy zu Abend und liest ab und an ein Kapitel aus Veritys Manuskript - steigt die Spannung mit jedem Kapitel mehr an. Ein beinahe leeres Geisterhaus, eine gruselige geistig abwesende Frau und ein dunkles Geheimnis, das Stück für Stück gelüftet wird - Colleen Hoover weiß ganz genau, wie sie den Leser durch geschickt platzierte Häppchen, neue Wendungen und schockierende Geheimnissen bei Stange halten muss und so ist es kein Wunder, dass ich den Roman an einem Mittag verschlungen habe. Die Autorin trifft mit ihrer gezielten Verwendung der Neugierde, der Sensationsgeilheit und der Faszination für menschliche Abgründe des Lesers voll ins Schwarze. Sobald man mit dem Lesen begonnen hat, will man unbedingt hinter die Wahrheit kommen und verspürt genau wie Verity auch eine krankhafte Neugier und Faszination für Veritys Abgründe, in die wir Kapitel für Kapitel tiefer hinabsteigen...

     

     

    "Die jetzt folgenden Seiten werden teilweise so widerwärtig und bitter schmecken, dass ihr sie ausspucken möchtet, aber ihr werdet sie dennoch schlucken. Die Wörter werden zu einem Teil von euch werden, einem Teil eures Innersten, und dieser Prozess wird schmerzhaft sein. Und doch weiß ich, dass ihr sie euch - meiner großzügigen Warnung zum Trotz - weiter einverleiben werdet, weil ihr nun mal seid, was ihr seid.

    Menschen.

    Neugierig."

     

     

    Auch hier schaffte Colleen Hoovers Schreibstil wieder, dass ich in einem Wechselbad der Gefühle gefangen war. Diesmal waren es jedoch keine Verliebtheit, Bewunderung, Enttäuschung, Sehnsucht oder andere hübsche Gefühle, wie bei ihren Liebesromanen zuvor. Stattdessen war ich abwechselnd angeekelt, entsetzt, schockiert, zutiefst traurig und gleichzeitig wütend auf die Geschichte, die Protagonisten und die Autorin, die uns treuen Lesern so etwas antut. Teilweise sehr explizite Szenen in vulgärer Sprache wechselten sich mit einfühlsamen Emotionsbeschreibungen ab, sodass ich ständig zwischen Ekel, Fassungslosigkeit, Mitgefühl und Bewunderung für Colleen Hoover schwankte. Diese Geschichte ist spannend, emotional, verstörend, brutal und noch vieles mehr - mir fallen noch endlos viele Adjektive zum Beschreiben ein, am besten trifft es jedoch "krass". Durch die beklemmende Situation Lowens im Haus der Crawfords, die vielen Geheimnisse und auch ihre eigene Altlasten, die sie nicht gerade zu einer Sonnenschein-Protagonistin machen, ist die Atmosphäre Großteils düster. Teilweise setzt die Autorin jedoch auch sehr subtile aber wirkungsvolle Horrorelemente ein, die die brodelnde Atmosphäre weiter einheizen. 

     

    An einer Stelle lässt Colleen Hoover ihre Protagonistin und gefeierte Psychothriller-Autorin Verity Crawford selbst schreiben, der Autor habe seine Aufgabe gut gemacht, wenn der Leser nach dem Lesen ein unbehagliches Gefühl von Abneigung gegenüber den Protagonisten empfindet - und genau das hat Frau Hoover hier geschafft. Immer wieder wollte ich das Buch weglegen und nicht mehr weiterlesen, weil ich vor allem von Veritys Kapiteln genau wie Lowen emotional sehr mitgenommen wurde. Gleichzeitig mag man Lowen und Jeremy, auch wenn sie absolut keine Identifikationsfiguren oder Sympathieträger sind, wie Colleens andere Protagonisten. Während Lowen unsicher, zynisch und alles andere als emotional gefestigt ist, kann man als Leser Jeremy bis zum Schluss nicht zu 100% trauen, auch wenn er auf den ersten Blick wie der perfekte Ehemann und liebevolle Vorzeigevater erscheint. Deshalb bleibt auch die sich entwickelnde Liebesgeschichte der Beiden sehr im Hintergrund - auch der Autorin schien klar zu sein, dass man sich noch nicht auf die Beiden einlassen kann, solange man noch nicht weiß, was tatsächlich in dem großen, dunklen Haus der Crawfords vor sich geht. 

     

     

    "An dem Ort, an den ich mit euch gehen werde, ist kein Licht. Und das war meine letzte Warnung.

    Dunkelheit voraus."

     

     

    Dichte Thriller-Atmosphäre, schwierige Protagonisten, ein fesselnder Schreibstil, sehr heftige Szenen und ein undurchsichtiger Plotaufbau - all das schätze ich an "Verity", was mich aber zu einem wirklichen Fan der Geschichte gemacht hat, war das Ende. Denn dieses beinhaltet eine 180 Grad Wendung, die man der Geschichte nicht zugetraut hätte, die jedoch schockiert zurück lässt. Das Ende ist frustrierend offen, faszinierend mehrdeutig und hassenswert unbefriedigend, weshalb es sicherlich auch nicht allen Lesern gefallen wird. Mit viel Spielraum für Interpretationen und großem Schockpotential hat es meiner Meinung nach jedoch der sowieso schon ungewöhnlichen Geschichte eine Krone aufgesetzt und diesen Roman zu meinem ersten echten Jahreshighlight 2020 werden lassen.

     

    Meine Rezension beenden will ich mit einem Zitat, das Lowen über Veritys Manuskript schreibt, aber auch meine Erfahrung mit "Verity" ziemlich genau auf den Punkt bringt:

     

    "So entsetzlich ich das finde, was sie schreibt, kann ich doch nicht aufhören, es zu lesen. Es ist wie ein schreckliches Zugunglück, von dem man den Blick nicht abwenden kann."

     

     

     

    Fazit:

     

    "Verity" ist düster, vielschichtig, schockieren, spannend, emotional und lässt mich gleichzeitig fasziniert und verstört zurück. Colleen Hoover Autorin trifft mit ihrer gezielten Verwendung der Neugierde, der Sensationsgeilheit und der Faszination für menschliche Abgründe des Lesers voll ins Schwarze und hat hier eine beeindruckende Thriller-Romanze geschrieben, die ich sobald nicht mehr vergessen werde.

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    Cover des Buches Das Flüstern der Magie9783492705691

    Bewertung zu "Das Flüstern der Magie" von Laura Kneidl

    Das Flüstern der Magie
    wordworldvor einem Monat
    Kurzmeinung: Eine packende Jagd durch Edinburgh, ein vielseitiges Setting, abwechslungsreiche Fantasy-Elemente und eine prickelnde Romanze...
    Spannend, witzig, charmant und einfach magisch!

    Von Bestseller-Autorin Laura Kneidl habe ich zwar schon mehrere ihrer Young-Adult-Bücher wie zum Beispiel "Berühre mich. Nicht", "Verliere mich. Nicht." oder "Someone New" gelesen, einen Fantasy-Roman aus ihrer Feder habe ich aber bislang noch nicht versucht. Da kommt ihr neues Fantasyabenteuer "Das Flüstern der Magie" gerade recht, das in die magische Stadt Edinburgh entführt! Dank des Piper Verlags konnte ich schon vor dem Erscheinungstermin mit dem Lesen anfangen und euch nun heute - pünktlich zur Veröffentlichung - von meinen Erfahrungen erzählen! 

     

    Das Cover gefällt mir wirklich sehr gut, da es mit den dunklen Ranken, den blauen Farbschlieren und den goldenen Akzenten von düsteren  Geheimnissen, wundervoller Magie und einem schillernden Setting erzählt und direkt den Kern der Geschichte trifft. Auch der Titel "Das Flüstern der Magie" passt sehr gut zum Inhalt, da die Protagonistin genau diesem Flüstern folgt, um magische Gegenstände aufzuspüren. Sehr schön sind auch die beiden Porträts von Fallon und Reed in den Leselaschen der broschierten Ausgabe und das Vorwort der Autorin, das gleich Lust macht, die Geschichte zu lesen. 

     

    Erster Satz: "Ich starrte den Türsteher des Banshee Labyrinth an und fragte mich, wen der stämmige Mann wohl vor sich stehen sah."

     

    Ohne große Umschweife lernen wir die junge Fallon kennen, die getarnt durch ihren magischen Mantel in einem Club im Billard Geld erspielt, um die angeschlagene Kasse ihres Antiquitätenladens aufzubessern. Denn auch wenn dieser Laden nur zur Tarnung ihres eigentlichen Berufs als Archivarin magischer Gegenstände gilt, überprüfen ihre Eltern regelmäßig, ob der Laden läuft und sie die Verantwortung zurecht an die 19-Jähirge übergeben haben. Als plötzlich ein geheimnisvoller junger Mann die magische Maskerade ihres Mantels durchschaut und ihr wahres Ich sieht, ist ihr sofort klar, dass er anders ist. Was sie allerdings noch nicht weiß, als sie ihn mit zu sich nach Hause nimmt, ist dass er sie übel hintergehen, magische Tarotkarten aus ihrem Archiv stehlen und damit nicht nur ihr eigenes Leben sondern das aller Menschen in Gefahr bringen wird...

     

    Wie das in jedem guten Fantasy-Einzelband der Fall ist, werden wir schnell in die Begebenheiten eingeführt und starten dann unmittelbar mit der Handlung durch. Anders als ich angenommen hatte, herrscht zu einem großen Teil eine Krimi-Atmosphäre vor, da sich die Haupthandlung darum dreht, die verschollenen und gefährlichen Tarot-Karten wiederzubeschaffen, die durch Reeds Verrat in Umlauf gekommen sind. Damit niemand wissentlich oder versehentlich mit dem magischen Kartenset ein Leben verflucht, schließt sich die Archivarin Fallon bald mit dem reuigen Dieb Reed zusammen, der für das ganze Schlamassel verantwortlich war und die beiden begeben sich auf eine abenteuerliche Suche im Untergrund Edinburghs. Einbrüche, Deals, Verkäufer, Zwischenhändler, Okkult-Portale im Internet, Verfolgung und Täuschung - den Beiden ist kein Weg zu schade, um herauszufinden, wer die Karten hat, bevor etwas Schlimmes passiert. Und als wäre der äußere Druck nicht schon hoch genug, finden auch bald Fallons Eltern den Verlust der Karten heraus und stellen ihr ein Ultimatum, was dafür sorgt, dass die Spannung immer hoch bleibt.

     

    "Und du hörst die Magie wirklich flüstern?", fragte Reed, nachdem ich ihm einen Crashkurs über Archivarenwissen gegeben hatte. (…)

    "Und was sagt die Magie?"

    "Sie rezitiert alte Metallica-Songs."

     

    Neben dem Krimi-ähnlichen Handlungsaufbau und der Jagd nach dem Kartenset, spielt auch das Setting der Geschichte eine auffallend prägende Rolle in der Geschichte. Egal ob berüchtigte Pubs, uralte Museen, wichtige Sehenswürdigkeiten, düstere Schwarzmärkte oder Häuser am Meer - die Autorin nimmt uns an ganz unterschiedliche Schauplätze mit, vermittelt uns ein vielseitiges Bild der Stadt und baut eine magisch-düstere Atmosphäre auf, sodass man jeder Seite anmerkt,  dass Laura Kneidl einen Narren an Edinburgh gefressen und sogar eine Weile dort gelebt hat. Natürlich spart sie auch Schottland-Klischees wie Kilts, Bier und Dauerregen nicht aus und in den 400 Seiten können wir nur einen kurzen Eindruck des Settings erhalten, dieser Eindruck hat jedoch ausgereicht um in mir den Wunsch zu wecken, einmal hinzufahren und die Stadt mit eigenen Augen zu sehen.

     

    Die magisch-düstere Atmosphäre der Stadt wird ganz wunderbar mit einfachen aber spannenden Urban-Fantasy-Elementen verbunden. Statt magische Wesen oder besondere Fähigkeiten zu beschreiben, erzählt Laura Kneidl von ganz normalen Menschen, die das "Flüstern der Magie" hören können und zusammen mit sogenannten "Eingeweihten" daran arbeiten, dass diese Magie kein Unheil anrichtet und verborgen bleibt. Diese Idee um die Archivare, die magische Gegenstände aufspüren, in ihren Besitz bringen (notfalls auch durch Diebstahl und Täuschung versteht sich ^^), sie katalogisieren und dann sicher verwahren ist eine wirklich nette und kreative Abwechslung, die mir sehr gut gefallen hat. Zwar bleiben viele Erklärungen rund um die Arbeit der Archivare und das ganze System aufgrund der limitierten Länge oberflächlich und die Autorin kann nicht so in die Tiefe gehen, wie eine Reihe es ermöglicht hätte, dennoch leiden weder Setting, Handlung noch Fantasy-Konstrukt unter dem Konzeption als Einzelband. Besonders angetan haben es mir die magischen Gegenstände, bei denen ich mir im Verlauf der Geschichte oftmals gewünscht habe, auch so einen zu besitzen. Da besitzt Fallon zum Beispiel ein magisches Tablett, dass Essen erscheinen lässt, einen Mantel, der die wahre Identität des Trägers verschleiert und den Menschen stattdessen zeigt, was sie am liebsten sehen wollen, ein Kompass, der jeder Person finden kann, von der man etwas besitzt, oder eine Schreibfeder, die alles, was man notiert erscheinen lässt. Man stelle sich vor, man besäße solche Gegenstände - wie würde das mein Leben erleichtern... ;-)

     

    "Nein, wir sind nicht zusammen. Es ist etwas komplizierter."

    Jess runzelte die Stirn. "Ist komplizierter das Codewort für schwanger? Wenn ja, bestehe ich darauf, dass das Baby Jess heißt."

     

    Eine packende Jagd durch den Untergrund, ein vielseitiges, ausdrucksstarkes Setting, abwechslungsreiche Fantasy-Elemente und unerwartete Wendungen - was fehlt da noch für einen Young-Adult-Fantasy-Roman? Natürlich: eine schöne Romanze. Dass die beiden Protagonisten sich auf ihrer Suche nach den Karten näher kommen müssen, ist ja schon beinahe vorprogrammiert. Eine nette Idee ist aber, dass diesmal die Protagonistin in das Geheimnis der Magie eingeweiht ist und es dem ahnungslosen Protagonisten erklären muss und nicht wie so oft umgekehrt. Zwar findet Fallon auch bald heraus, dass Reed anders ist und die Magie auf ihn keine Wirkung hat, dennoch entwickelt die Geschichte dadurch eine andere Dynamik. Schön ist auch, dass trotz der großen Raum einnehmenden Handlung noch genügend Luft für die beiden Protagonisten gelassen wird. Fallon ist keine besonders begabte Archivarin und auch keine "besondere Schneeflocke" mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, wie man das aus vielen Reihen kennt. Immer wieder verschusselt sie etwas, hat Pech und oftmals geht etwas schief, sie ist jedoch mit vollem Herzen dabei und deshalb sehr sympathisch. An manchen Stellen nimmt man ihr aber nur mäßig gut ab, dass sie 19 Jahre alt ist. Beim Schicksal von Reed hat Laura Kneidl vielleicht ein kleines bisschen dick aufgetragen. Hier hätte das halbe Drama auch ausgereicht, um sein Dasein als Dieb zu rechtfertigen, was seiner Glaubwürdigkeit gut getan hätte. Nichtsdestotrotz machen die Beiden in Kombination sehr viel Spaß - Sarkasmus, Schwierigkeiten und Uneinigkeiten zum Trotz bilden sie ein tolles Team, das sich ergänzt, vertraut und eine schöne Beziehung aufbaut.

     

    "Alles - jeder Mensch und jeder Gegenstand - hatte seinen eigenen Klang, seinen eigenen Duft und sein eigenes Gefühl. Reeds Stimme erinnerte an ein Instrument mit einer einzigen verstimmten Saite. Nicht perfekt, aber noch immer wohltuen, wenn eine Melodie darauf gespielt wurde."

     
     Das Ende hat mich zwar nicht komplett überrascht, mir aber zugesagt und einen runden Abschluss für diesen temporeichen, vielseitigen Fantasy-Roman gebildet, den ich an einem einzigen Mittag runtergelesen habe. Vielleicht sollte ich also den weiteren Fantasy-Romanen der Autorin noch eine Chance geben und zum Beispiel mit "Die Krone der Dunkelheit" anfangen. Fest steht, dass mich Laura Kneidl im Fantasy-Genre viel mehr überzeugen konnte, als in der Disziplin YA. 

     

     

     

    Fazit:

     

    Eine packende Jagd durch den Untergrund Edinburghs, ein vielseitiges, ausdrucksstarkes Setting, abwechslungsreiche Fantasy-Elemente, eine prickelnde Romanze und unerwartete Wendungen - dieser Einzelband ist spannend, witzig, charmant und einfach magisch!

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