wordworlds avatar

wordworld

  • Mitglied seit 10.05.2016
  • 112 Freunde
  • 503 Bücher
  • 490 Rezensionen
  • 503 Bewertungen (Ø 3,99)

Rezensionen und Bewertungen

Filtern:
  • 5 Sterne172
  • 4 Sterne202
  • 3 Sterne87
  • 2 Sterne35
  • 1 Stern7
  • Sortieren:
    Cover des Buches Wirkungsorientiertes Schreiben (ISBN: 9798732882445)

    Bewertung zu "Wirkungsorientiertes Schreiben" von Susanne Gavénis

    Wirkungsorientiertes Schreiben
    wordworldvor 19 Stunden
    Kurzmeinung: Kein trockenes Regelwerk, sondern regt mit Übungen, Übersichten und Textbeispielen zum Mitdenken und Mitarbeiten an.
    Anwendungsbezogen, unterhaltsam und lehrreich!

    "Wirkungsorientiertes Schreiben" ist die brandneue und um gut 400 Seiten erweiterte Ausgabe des Schreibratgebers, welchen ich vor zwei Jahren schon mal unter dem Titel "Aller Anfang ist gar nicht schwer" vorgestellt hatte und keineswegs mein erstes Buch der Autorin. Von Susanne Gavénis habe ich schon eine ganze Reihe Geschichten aus den Genres Fantasy und Science-Fiction gelesen, die mich allesamt begeistern konnte. Wer mir schon längere Zeit folgt, der wird sich bei dieser Rezension vermutlich fragen: "Hä, wieso liest sie denn jetzt einen Schreibratgeber?" Ganz einfach: Das Kennenlernen wichtiger Schreibtechniken und -prinzipien wird mir nicht nur bei meinen eigenen Romanprojekten vermutlich eine große Hilfe sein, sondern auch mich als Rezensentin voranbringen. Denn wie kann man Romane annähernd sachlich hinsichtlich ihrer Qualität bewerten, wenn man nur eine Seite der Medaille kennt - nämlich die subjektive Wirkung auf mich als Leserin und eben nicht die handwerklichen Hintergründe, die zu genau diesem Eindruck auf mich geführt haben? Aber Moment - müssen Rezensenten überhaupt Objektivität und Sachlichkeit als Anspruch haben, oder sind Romane nicht sowieso immer subjektiv? Warum man mit diesem Argument zu kurz greift, erklärt Susanne Gavénis schon direkt in der Einleitung ihres Schreibratgebers. 


    Es gibt unzählige Schreibratgeber auf dem Mark, die unterschiedlichen Ideologien und Grundannahmen folgen. Wie schon der Titel stark vermuten lässt, zählt sich Susanne Gavénis zu den "wirkungsorientierten Schreibern", die also mit ihrem Text bei den LeserInnen eine ganz bestimmte Wirkung erzielen und deren Fantasie in eine gewisse Richtung beeinflussen möchten. Das bedeutet nicht, dass alle Leser die Geschichte auf die genau gleiche Art und Weise empfinden und erleben müssen, sondern dass es bestimmte Methoden gibt, mit denen man als AutorIn sicherstellen kann, dass ungeachtet aller Subjektivität und Individualität eine gewünschte Wirkung (eine emotionale Reaktion, das Aufkommen von Spannung etc.) transportiert werden kann. Allein schon die Erklärung dieser Sichtweise hat bei mir zum Aufleuchten einer kleinen mentalen Glühbirne geführt (nicht die einzige im Verlauf des Ratgebers, wie ich Euch schon vorausdeuten kann), da ich nach dieser Annahme meinen Objektivitätsanspruch mit meiner subjektiven Leseerfahrung vereinbaren kann. Mir ist es also möglich, ganz sachlich auf Textebene zu erklären, warum die ein oder andere Szene eine subjektive Wirkung bei mir erzielt hat, oder eben nicht. 


    Der spezielle Schwerpunkt liegt hier also auf der wirkungsorientierte Szenengestaltung mithilfe von Struktur, Konflikt, Intensivierung, Kontrastierung und Indirektheit. Dazu werden diese fünf Kernelemente im ersten Teil des Ratgebers als "Blick in den Werkzeugkoffer" zunächst vorgestellt und dann nach einem kurzen Exkurs über "Schreiben und Psychologie" auf verschiedene Aspekte einer gelungenen Geschichte wie Figuren oder Einstieg angewandt. In diesem letzten Teil zum "Zusammenspiel der Wirkfaktoren" gibt es dann auch Schreibübungen, die die wichtigsten Themen vereinen. Für mich als Psychologiestudentin war natürlich auch der Mittelteil mit der psychologischen Sichtweise sehr spannend. Unter anderem widmet sich Susanne Gavénis hier den Themen Kommunikation, Werte, Glaubwürdigkeit und Konflikte. 


    Betreffend des Aufbaus des Ratgebers müssen weiterhin die vielen Textbeispiele und die kurzen, leserfreundlichen Übersichten angemerkt werden. Mit seinen 600 Seiten ist "Wirkungsorientiertes Schreiben" nicht gerade knapp und leichtgewichtig, das hängt jedoch nicht etwa mit der Tatsache zusammen, dass die Autorin nicht zum Punkt käme, sondern ist vor allem den vielen Textausschnitten und deren Analyse geschuldet. Damit wir Leser in die jeweiligen Szenen hineinfinden und diese ihre Wirkung entfalten können, sind die Ausschnitte auch gerne mal 3-5 Seiten lang. Insgesamt bindet die Autorin Textbeispiele aus über 50 verschiedenen Werken mit ein, die von bekannten Bestsellerautoren wie Stephen King bis zu unveröffentlichten Werksmanuskripten von Selfpublisher-Kollegen rangieren. Neben den direkten Textauszügen, in denen man die zuvor erklärten Techniken angewandt wiedererkennen kann, veranschaulicht die Autorin ihre Tipps auch durch knappe Analysen und übertriebene Alternativszenen, die aufzeigen, welche Änderungen im Text eine andere Wirkung hervorrufen würden. So erkennt man leicht anhand der Beispiele, wie welches Stilmittel sich zum Positiven oder Negativen hin auf die Wirkung des Geschriebenen auswirkt. Wenn man nicht die Zeit oder Motivation mitbringt, alle 600 Seiten zu lesen, kann man sich auch an den Überblickskapiteln bedienen. Am Ende jeder Sinneinheit gibt es eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte des Kapitels, was ein einfaches Nachlesen ohne ein erneutes Durcharbeiten der Textbeispiele ermöglicht. 


    Susanne Gavénis hat sich hier also für einen sehr anwendungsbezogenen Ansatz entschieden, der zum Mitdenken und Mitarbeiten anregt. Neben Fragen und Denkanstößen, die die Leser des Ratgebers direkt in den Verstehens- und Analyseprozess miteinbeziehen, gibt es wie oben schon erwähnt zudem Schreibübungen zu den wichtigsten Aspekten der im Ratgeber behandelten Themen. Besonders gut gefallen hat mir, dass "Wirkungsorientiertes Schreiben" einen guten Überblick über verschiedene Themen bietet und nicht wild mit Fachbegriffen und trockenen Theorien um sich schmeißt. Stattdessen werden zentrale Prinzipien sehr anschaulich erläutert, sodass auch Schreibanfänger oder komplette Quereinsteiger (beispielsweise meine Wenigkeit) abgeholt und informiert werden. Es ist außerdem egal, ob man sich zu den "Drauflosschreibern" zählt, oder zunächst 10 Jahre am Reißbrett verbringt, bis man mit dem Schreiben beginnt - dieser Ratgeber bezieht keine eindeutige Stellung und wird für beide Typen Hilfreiches bereitstellen.  


    Positiv anzumerken ist auch, dass nicht nur die inhaltliche Struktur überzeugt, sondern auch die sprachliche Umsetzung. Die Autorin trifft hier einen unterhaltsamen, aber dennoch anspruchsvollen Ton, mit dem sie die Leser fordert und ab und zu zum Schmunzeln bringt. So treffen wir beispielsweise immer wieder auf Modellprotagonisten wie Peter, Ritter Roland, Horst-Detflef oder die kleine Lisa, die zur Verdeutlichung der Sachverhalte Abenteuer mit Vasen, Dämonenkönigen oder Salamanderschrumpfköpfen erleben. Man erhält übrigens auch einen kurzen Einblick in den ein oder anderen eigenen Roman der Autorin, welche ich übrigens nur SEHR empfehlen kann. 


    Da dies mein erster Schreibratgeber war, kann ich meine Bewertung nur exemplarbasiert und ohne großen Vergleichswert durchführen. Ich für meinen Teil habe durch das Lesen des Ratgebers jedoch einen viel besseren Eindruck davon bekommen, welche grundsätzlichen Gedanken hinter gewissen Gestaltungen stecken und denke, dass ich in Zukunft besser einordnen kann, weshalb ein gelesener Roman eine bestimmte Wirkung auf mich hatte. Schon beim Lesen fielen mir selbst eine Menge Beispiele aus zuletzt gelesenen Romanen ein, in denen eine der thematisierten Techniken besonders gut oder besonders schlecht angewandt wurde. So konnte ich mir im Nachhinein nun besser erklären, warum diese oder jene Geschichte einen gewissen Eindruck bei mir hinterlassen hat und werde das bestimmt auch auf meine folgenden Rezensionen anwenden können. Deshalb an dieser Stelle eine herzliche Empfehlung!



    Fazit:

    "Wirkungsorientiertes Schreiben" ist kein trockenes Regelwerk, sondern regt mit anwendungsbezogenen Übungen, leserfreundlichen Übersichtskapitel und veranschaulichenden Textbeispielen zum Mitdenken und Mitarbeiten an. Neben der überzeugenden inhaltlichen Struktur ist auch die angenehme sprachliche Umsetzung ein Kaufgrund!

     Ich spreche also eine eindeutige Empfehlung für Interessierte, egal ob Schreibanfänger, Fortgeschrittene, "Drauflosschreiber", oder "Planer" aus!

     

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Crush the King (ISBN: 9783492705431)

    Bewertung zu "Crush the King" von Jennifer Estep

    Crush the King
    wordworldvor 2 Tagen
    Kurzmeinung: Überzeugt mit einer starken und reifen Protagonistin, einem temporeichen Schreibstil und vielen tollen Ideen!
    Ein hochspannendes, originelles und atmosphärisches Finale!

    Nachdem ich letzte Woche mit "Protect the Prince" den zweiten Teil der Splitterkrone-Trilogie von Jennifer Estep beendet hatte, war ich natürlich sehr gespannt auf den Abschluss von Evies Abenteuer, welcher direkt im Anschluss als Buddyread mit Sofia von "Sofias kleine Bücherwelt" folgte (sie ist ein mindestens ebenso großer Nikolai-Lantsov-Fan wie ich, schaut unbedingt mal vorbei!😊). Mit meiner Namensvetterin habe ich im letzten Jahr schon "Sweet Like You" gelesen - was leider eher mäßige Begeisterung in uns ausgelöst hat, weshalb wir jetzt einen neuen Versuch wagten! Und wer sagt´s denn: bei "Crush the King" waren wir uns schnell eilig, dass auch das Finale großes Highlightpotential hat.


    Nach dem etwas schwächeren Band 2 gefällt mir der Abschlussband der Reihe wieder um einiges besser. Das schlägt sich auch in der Gestaltung nieder. Band 3 ist genau wie "Kill the Queen" und "Protect the Prince" in einem typischen, unspektakulären Jugendbuch-Fantasy-Stil gehalten, enthält aber viele passenden Einzeldetails, die den Gesamteindruck deutlich aufwerten. Zusehen ist hier die Silhouette einer Frau mit wehenden Haaren, Schwert in der Hand, die von einem Blick auf eine steinerne Brücke und brandende Wellen ausgefüllt wird, was sich interessant vom hellen Hintergrund abhebt. Bei der Brücke muss ich nach dem Lesen sofort an eine gewisse Szene des Buches denken, weshalb ich dieses Motiv sehr mag. Auch die Staubfetzen des hellblauen Hintergrunds finde ich passend, da man diese sowohl als Schneesturm, als auch als der Staub einer Arena interpretieren könnte. Schade finde ich aber, dass hier genau wie schon in Band 2 die in Band 1 angefügte Karte fehlt und die drei großen Abschnitte nicht wie in Band 1 zusätzlich ausgestaltet sind. Gerade da wir erneut verreisen und andere Königreiche kennenlernen, wäre eine Karte hier sehr hilfreich gewesen! 


    Erster Satz: "Der Tag, an dem die Regaliaspiele für mich eigentlich begannen, fing an wie jeder andere."


    Zu Beginn nimmt sich die Autorin wenige Kapitel Zeit, Geschehnisse der Vorgängerbände zu rekapitulieren und durch Wiederholungen und beiläufig eingestreute Erklärungen die Rückkehr zu Evie nach Bellona zu erleichtern. Dies ist natürlich sehr leserfreundlich, da ich ja aber direkt aus Band 2 gestartet bin, hat sich das erste Kapitel ein bisschen gezogen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Einstieg verschlafen wäre - im Gegenteil: gleich auf den ersten Seiten werden wir mit einer neuen Bedrohung konfrontiert. Dass ein Haufen an Attentätern die neu gekrönte Königin umbringen will, ist nichts Neues, damit hat sich Evie schon in "Protect the Prince" herumgeärgert. Hier stammt der Mordanschlag jedoch nicht von ihrem tödlichen Erzfeind Morta, sondern von der Insel Fortuna, dem Domizil der Präge, einer reichen als Bank fungierenden Adelsfamilie, die nicht nur wegen ihrer skrupellosen Geldjäger bekannt sind, sondern auch die alle drei Jahre stattfindenden Regalia-Spiele ausrichten. Die Fortuna Präge wäre schon unter normalen Umständen ein gefährlicher Feind, doch nun stehen ausgerechnet die Regalia-Spiele kurz zuvor, was bedeutet, dass Evie mit ihrem Gefolge abermals ins Feindgebiet reisen muss. Doch wie wir unsere starke Protagonistin bislang kennengelernt haben, hält sie das nicht davon ab, mit hoch erhobenem Haupt nach Fortuna zu reisen und ihre eigenen tödlichen Pläne für die Spiele zu schmieden. Denn wo würde sich eine bessere Gelegenheit bieten, ihre niedergemetzelte Familie endlich zu rächen und Bellona vor ihrem Erzfeind aus Morat zu beschützen...


    Genau wie bei Band 1 und 2 erzählt Jennifer Estep hier wieder eine in sich abgeschlossene Geschichte, die zwar auf Informationen und Figuren des ersten Teils aufbaut, ansonsten jedoch mit alleine stehen könnte. Mit wenigen Modifikationen könnte man "Crush the King" auch insofern als Einzelband begreifen, als dass Spannungsbogen und Handlungen in sich rund sind und nicht zusehr auf Vorangegangenem beruhen. Um zu gewährleisten, dass es nicht direkt nach dem gewohnten Schema weitergeht, hat sich Jennifer Estep wieder ein neues, spannendes Konzept überlegt: die Regalia Spiele. Jene sind eine Mischung aus Überlebenskampf in und außerhalb von Gladiatorenkämpfen, Zirkus mit Jahrmarktambiente und Bühne für Selbstpräsentation und Intrigen der Herrscher. Neben opulenten Bälle mit Tanzduellen, gibt es auch ein traditionelles Kartenspiel der Herrscher und jede Menge Raum, gegenseitige Fronten auszuloten und Intrigen zu schmieden. Hier wird also schon allein durch das sehr dynamische und energiegeladene Setting viel Spannung und Konfliktpotential für die Handlung gewonnen.


    "Ich will den verdammten König zerquetschen." Ich schlug mit der Hand auf die Mauer. "Ich will ihm noch das Letzte, was ihm etwas bedeutet, nehmen, egal, wie klein und unscheinbar es ist. Ich will ihn fesseln, ihn brechen und ja, vor allem will ich ihn töten. Aber erst, nachdem er einen Teil der Schmerzen empfunden hat, die er mir bereitet hat."


    Unterstützt wird dieser Eindruck durch den für High Fantasy recht temporeichen und dynamischen Erzählstil, der die Handlung zu jeder Zeit vorwärts treibt und Längen verhindert. Mit spannenden Kämpfen, Intrigen, Geheimnissen, Reisen durch mehrere Königreiche, der Vorstellung von Fabelwesen wie Gargoyles, Strixen oder (unfassbar niedlichen) Caladriussen und dem Kennenlernen von verschiedenen Arten von Magiern - Murkse, die eine verbesserte Körpereigenschaft besitzen, Morphe, die sich in Monstergestalten verwandeln, Magier, die Elemente kontrollieren und Meister, die aus Materialien die beeindruckendsten Dinge herstellen können - bekommen wir zu jeder Zeit genügend Spannendes präsentiert, dass man darüber wegsehen kann, dass "die Außenseiterin mit einer geheimen Gabe, die durch einen Schicksalsschlag zur Auserwählten wird, kämpfen lernt und ihr Königreich rettet" nicht gerade ein neues Konzept ist. Jennifer Estep nutzt hier gezielt Fantasy-Klischees und vermittelt mit vielen Szenen an andere Werke erinnernde Vibes, ohne jedoch ins Unglaubwürdige oder Langweilige abzudriften oder die Originalität zu verlieren. So wurde ich zum Beispiel an Kaz Brekker erinnert (das Spiel), bekam deutliche "Throne of Glass"-Vibes (Stichwort: die Brückenszene) und habe auch an der ein oder anderen Stelle eine Querverbindung zu "Game of Thrones" herstellen können (Stichwort: Geldjägerleichen und Mad-Queen-Vibes).


    Um auf diese Mad-Queen-Vibes nochmal zurückzukommen: ein paar Worte zur Protagonistin... Selten habe ich von einer so sympathischen und starken Protagonistin gelesen wie in der Splitterkronen-Reihe. Ihre Majestät Everleigh Saffira Winter Blair Königin von Bellona, kurz Evie ist einfach eine Power-Protagonistin, die man einfach lieben muss. Sie ist voller Wut, kalter Berechnung und Entschlossenheit aber auch voll Mitgefühl, Wärme und dem genau richtigen Maß an zerbrechlichem Selbstbewusstsein, sodass man ihr ihren täglichen Kampf mit Freuden abnimmt. "Crush the King" ist genau wie der Vorgänger kein wirkliches Jugendbuch - nicht nur weil hier viele blutige Kämpfe ausgetragen werden und gelegentlich auch Unschuldige abgeschlachtet werden, sondern auch weil die Protagonistin mit ihren 29 Jahren außergewöhnlich "alt" ist. Dass war für mich natürlich eine nette Abwechslung, aber dadurch ist Evie vielleicht nicht die beste Identifikationsfigur für 14jährige, sondern spricht eher etwas ältere Leser*innen an. Sie ist sehr viel erfahrener, selbstbewusster, reifer und gefestigter als die üblichen Fantasy-Protagonistinnen, was die Story von viel Geschmachte, emotionalen Schwankungen, Peinlichkeiten sowie einer ellenlangen Selbstsuche befreit und mir sehr zugesagt hat. Das bedeutet nicht, dass sie sich nicht entwickeln würde, im Gegenteil: wie sie beginnt, sich nichts mehr gefallen zu lassen und ihre Stärken offen auszuspielen ist nicht nur amüsant, sondern auch beeindruckend zu verfolgen. Hier bekommen wir auch ab und zu wieder Rückblicke in die Vergangenheit von Evie, die weiter erklären, was damals passiert ist und wie ihre Eltern gestorben sind.


    "Wieso konnte sich nicht irgendwer einfach mit mir verbünden, weil es das Richtige war? Aber nein, wir Herrscher mussten uns mit spitzen Worten und bösen Blicken duellieren."


    Doch die Protagonistin bleibt nicht die einzige starke Frau, die sich nichts sagen lässt und die wir hier bewundern dürfen. Neben der gefährlichen Meistergladiatorin und Ausbilderin Serilda Swanson, der starken Kämpferin und Freundin Paloma und der gerissenen Tanzlehrerin und Spionin Xenia, ist auch die hier neu auftauchende Figur der ungerischen Königin Zariza einfach nur zu bewundern. Ich bin ein großer Fan von feministischer Fantasy, in der es Königinnen und Kämpferinnen gibt, die sich nicht von irgendwelchen Rittern retten lassen oder von gutaussehenden Prinzen abgelenkt werden, sondern selbst das Heft in die Hand nehmen, wodurch Jennifer Estep noch weitere Pluspunkte sammeln konnte. So kraftvoll wie die Autorin ihre weiblichen Figuren beschreibt, zeichnet sie auch die Antagonisten. Besonders spannend fand ich hier die Figur Maeven, die wir von einer ganz neuen Seite kennenlernen. Doch auch mit dem König von Morta tritt hier eine Figur mit einer Menge Konfliktpotential auf (auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich einen Bösewicht ernstnehmen kann, der "Maximus Mercer Morland Morricone König von Morta" heißt 😂 - das klingt wie der Name einer Comicfigur oder ein übertriebene ungeschickter Ritter in einem Monty Python Sketch, ich habe erstmal losgekichert. Sorry, MMMMM, aber da hat sich deine Erschafferin einfach zu viel an Alliterationen ausgetobt).


    Es erscheint also kaum verwunderlich, wenn ich sage, dass "Crush the King" hochspannend zu lesen ist, da ständig etwas passiert. An diesem Eindruck ändert sich auch nichts mehr, wenn sich an einigen Stellen leichte Wiederholungen finden lassen (gefühlt jede zweite Seite stolpert Evie über einen Attentäter) und die taktischen Manöver, Intrigen und Kämpfe der Protagonisten erstaunlich glattlaufen. Auch dass ein klares Endziel schon von Beginn an absehbar ist - nämlich dass Evie und der König von Morta in einem Endkampf aufeinandertreffen werden -, tut der Spannung keinen Abbruch. Im Gegenteil: die Vorausdeutung der königlichen Herausforderung sorgt sogar für eine Intensivierung der Spannung, da von Beginn an fragwürdig erscheint, wie Evie den übermächtig erscheinenden König besiegen soll. Auch die Herausforderung im schwarzen Ring an sich finde ich eine äußerst geschickte Idee, einen Konflikt zwischen zwei Königshäusern beizulegen. Nicht nur dass nicht tausende von unschuldigen Menschen darin sterben - auch ist es mal eine tolle Abwechslung zur typischen Endschlacht, die das High-Fantasy-Genre ansonsten dominiert.


    "Wunderbar! Und jetzt, da wir alle unseren Einsatz gemacht habe, lasst uns spielen." Maximus musterte mich finster und ich schenkte ihm ein dünnes Lächeln. Wir wussten beide, dass das Spiel zwischen uns beiden gerade erst begonnen hatte."

     

    Schade ist nur, dass zugunsten der Handlung in diesem Abschlussteil Vieles in den Hintergrund tritt. was ich mir für den Endband einer Trilogie anders gewünscht hätte. Gerade Evies inoffizieller Prinzgemahl Lucas Sullivan - kurz Sully - wird hier leider zu einer absoluten Nebenfigur degradiert. Während Evie im Alleingang ihr Leben, ihr Königreich und die halbe Welt rettet, darf er bloß nett nebendran stehen, ihre Hand halten, ihr Bett wärmen und den ein oder anderen besorgten Kommentar abgeben. Klar, ich freue mich immer sehr über die Darstellung von unabhängigen, starken Frauen als Protagonistinnen, aber wenn selbst Evies Leibwächterin Paloma häufiger vorkommt als die zweite eigentliche Hauptperson, liegt hier etwas im Argen. Auch die einzige erotische Szene zu Beginn hat nicht dazu geführt, dass man die beiden noch als gleichberechtigtes Paar angesehen hat. Dass die Beziehung, die ja in Band 2 erst so richtig aufgeblüht ist, hier so überhaupt keine Rolle mehr spielt und auch kaum weiterentwickelt wird, ist also mehr als schade und ein deutlicher Kritikpunkt.


    Aber auch die anderen Figuren bleiben eher am Rande präsent und bekommen nicht die Chance, in dem Umfang ihre Geschichte weiterzuerzählen, wie ich mir das gewünscht hätte. Ein Beispiele dafür wäre die ungeklärte aber immer wieder angedeutete Verwandtschaft zwischen Xenia und Paloma. Hier wurde eine mögliche Verbindung immer wieder angeteasert, die eigentliche Enthüllung, auf die ich voller Erwartung hinblickte, verkam am Ende jedoch zu einer Randnotiz. Ein anderer Punkt, von dem ich erwartet hätte, dass er noch in den Fokus des Lesers rücken würde, ist die Beziehung von Serilda und Cho. Evie fragt sich im Laufe der Trilogie mehrere Male, was zwischen den beiden eigentlich los ist und warum sie nicht zusammen sind, wenn sie sich doch offensichtlich lieben. Mich hat das demnach auch beschäftigt, leider wird das jedoch nie aufgebracht. Von liebgewonnenen Figuren wie Sullys Nichte Gemma, deren Gargoyle Grimley, oder den Metallmeister und Vaterfigur Alvis will ich gar nicht erst anfangen. Die beiden verschwinden nämlich ganz in der Versenkung und werden kaum einmal genannt. 


    "Du spielst ein gefährliches Spiel, Everleigh", sagte Maeven, wenn auch viel weniger bissig und angriffslustig als bisher. "Und du wirst es verlieren, zusammen mit deiner Krone, deinem Leben und deinem geliebten Königreich." Ich lächelte nur über ihre finstere Prophezeiung. "Das werden wir ja sehen."


    Die Autorin verschenkt hier also aus meiner Sicht Unmengen von Potential, da sie in diesem Abschlussband, aber auch schon über die ganze Reihe hinweg eine Menge Figuren eingeführt, Andeutungen gestreut und Pfade gelegt, von denen ich eigentlich erwartet hatte, dass sie am Ende nochmal wichtig werden würden. Leider kommen aber die wenigsten Aspekte nochmal auf und wenn doch, dann verschwinden sie hinter der sehr prominenten Handlung. Das hat dann leider auch dazu geführt, dass mich das eigentliche Ende nicht so ganz überzeugen konnte. Würde man annehmen, dass Jennifer Estep noch vorhat, einen vierten Band zu schreiben, der offene Fragen und liegengebliebene Handlungsstränge nochmal aufgreift und die Geschichte weiterführt, könnte ich das Ende mit einem enthusiastischen "episch" beschreiben. Als Abschlussband einer Trilogie fand ich das Ende jedoch nicht zufriedenstellend.




    Fazit:

    Ein hochspannendes, originelles und atmosphärisches Finale, das mit einer starken und reifen Protagonistin, einem temporeichen Schreibstil und tollen Ideen überzeugt. Leider lässt Jennifer Estep gerade gegen Ende eine Menge Potential ungenutzt und versäumt es, den ein oder anderen Handlungsstrang befriedigend zu Ende zu führen.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Protect the Prince (ISBN: 9783492705424)

    Bewertung zu "Protect the Prince" von Jennifer Estep

    Protect the Prince
    wordworldvor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Leider etwas weniger temporeich als Band 1, überzeugt jedoch wieder mit tollem Setting, starken Figuren und einem packenden Schreibstil!
    Eine spannende und überraschend abgeschlossene Fortsetzung über Liebe, Pflicht, Verantwortung, Intrigen.

    Den ersten Teil der Splitterkronen-Reihe, "Kill the Queen" von Jennifer Estep, habe ich letztes Jahr im März geradezu verschlungen, weshalb es für mich außer Frage stand, dass ich Everleighs Abenteuer auch in Band 2 und Band 3 verfolgen muss. Den Erscheinungstermin von Band 2, "Protect the Prince" habe ich letztes Jahr leider verpennt, weshalb ich mir jetzt kurz nach dem Erscheinungstermin des dritten Teils, den zweiten gebraucht gesichert habe, bevor es dann mit einem Buddyread zu "Crush the King" weitergeht. 


    Leider hat die Splitterkronen-Reihe meiner Meinung nach von Band 1 zu Band 2 ein bisschen Pepp verloren, was man auch schon an der Gestaltung sieht. Band 2 ist genau wie "Kill the Queen" in einem typischen, unspektakulären Jugendbuch-Fantasy-Stil gehalten, lässt aber die raffinierte Machweise vermissen, die beim ersten Teil überzeugt hat. Zusehen ist hier eine etwas unförmige Silhouette einer Frau mit wehenden Haaren, einem Dolch in der Hand, die von einem Herrenhaus und Gewitterhimmel ausgefüllt wird, was sich interessant vom hellen, gesplitterten Hintergrund abhebt. Leider passt das Schloss eher weniger gut zum im Buch beschriebenen Glitnir in Andvari und die Glassplitter im Hintergrund passen zwar zum Inhalt, sehen jedoch ein bisschen billig und künstlich aus. Ebenfalls schade fand ich, dass hier die in Band 1 angefügte Karte fehlt und die drei großen Abschnitte nicht wie in Band 1 zusätzlich ausgestaltet sind. Alles in allem finde ich die Gestaltung von "Protect the Prince" zwar gelungen und passend zu Reihe, im Vergleich mit Band 1 lässt sich jedoch einen leichten Abwärtstrend feststellen.


    Erster Satz: "Der Tag des ersten Mordanschlags begann wie jeder andere Tag auch."


    Genauso verhält es sich mit der Geschichte an sich. Versteht mich nicht falsch, ich mochte "Protect the Prince" sehr und kann es auch herzlich weiterempfehlen. Nach dem sehr starken Reihenauftakt waren meine Hoffnungen jedoch ein bisschen größer. Überrascht hat mich, dass Jennifer Estep hier eine isolierte, in sich abgeschlossene Geschichte erzählt, die zwar auf Informationen und Figuren des ersten Teils aufbaut, ansonsten jedoch alleine stehen könnte. Genau wie Band 1 ist das Ende in sich rund, sodass man auch nach Band 2 mit dem Lesen aufhören könnte. In "Protect the Prince" geht es also nicht direkt nach dem gewohnten Schema weiter, stattdessen hat sich Jennifer Estep etwas Neues überlegt. Wir reisen für die Handlung dieses Mittelteils nämlich zusammen mit der frisch gekürten Königin und ihrer gesamten Entourage in Bellonas Nachbarland, nach Andvari, um mit dem dortigen König Heinrich einen Friedensvertrag auszuhandeln. Damit will Everleigh ihre Stellung an ihrem eigenen Hof sichern und sich einen reichen Verbündeten gegen den gemeinsamen Feind Morta sichern. Die Verhandlungen stellen sich jedoch als alles andere als leicht heraus und plötzlich befindet sich Everleigh in einem Strudel aus Intrigen, Attentaten und Verrat...


    Mit dem Gladiatoren-Kampf geprägten ersten Teil, in dem wir Everleigh auf ihrem Weg auf den Thron begleiten hat die Fortsetzung also nur noch wenig gemein. Jennifer Estep ruht sich hier nicht auf Band 1 aus, sondern entwickelt ihre Geschichte komplett weiter und fokussiert hier vor allem auf die Vorgänge und Dynamiken bei Hofe. Das ist auch keineswegs ein Problem, sondern nur einfach etwas anderes, als ich erwartet hätte. Trotzdem fiel mir der Einstieg auch nach etwas mehr als einem Jahr sehr leicht, da die Autorin viele Erklärungen voranstellt und Figurenbeschreibungen und Informationen zum Setting innerhalb der ersten Kapitel nochmal wiederholt, sodass man sich bald erinnert, wer nochmal wer war und was in Band 1 alles passiert ist. Das Vergangene spielt jedoch schon bald keine große Rolle mehr, da wir in Andvari eine komplett neue Ausgangslage präsentiert bekommen, die wir zunächst entdecken müssen. Dass die drei großen Abschnitte, die die 27 Kapitel zusammenfassen, mit "Der erste/zweite/dritte Mordanschlag" benannt sind, sorgt zusätzlich für Spannung. 


    "Man muss jemanden wirklich verzweifelt lieben, um etwas so Dummes, Gefährliches zu tun." Er hielt den Blick auf die Klippen gerichtet, doch mein Herz verkrampfte sich trotzdem. Diese Geschichten mochten romantisch und herzerwärmend sein, doch wir wussten beide, dass Liebe nicht immer alles in Ordnung brachte. Manchmal machte sie alles nur noch schlimmer."


    Dennoch ist "Protect the Prince" lange nicht so temporeich und spannend wie Band 1. Zu Beginn halten eine Serie von Mordanschlägen und Kämpfen die frisch gekürte Königin auf Trab. Im Mittelteil nimmt sich die Fortsetzung jedoch erstmal Zeit, die Gegebenheiten am neuen Hof in Andvari auszuloten und Evies Beziehung zu Sullivan zu vertiefen. Das ist auch keineswegs ein Problem, an manchen Stellen reichen gezielte Intrigen zwischen Kaffeekränzchen und ein Kampf nach einer königlichen Audienz jedoch einfach nicht aus, um darüber hinwegzutäuschen, dass Jennifer Estep von Zeit zu Zeit etwas zu sehr ins Schwafeln gerät. In "Kill the Queen" waren Informationen über Setting und Figuren eher beiläufig platziert und ließen mehr Raum für die aufs Ganze gehende Handlung, als ich vom Auftaktband einer Reihe erwartet hätte. Hier werden Kleidung, Zimmer, Magie und Gärten manchmal seitenlang beschrieben und die liebgewonnenen Nebenfiguren aus Band 1 sind nur nette Begleitung, die sich aber weder weiterentwickeln, noch besonders Eindruck hinterlassen. Dazu kommt, dass ich recht schnell einen Verdacht hatte, wer hinter den Attentaten steckt und der Verräter ist, was sich am Ende dann auch leider bestätigt hat. 


    "Wir sind nicht mehr in der Arena ... was leider bedeutet, dass du deinen Streitkolben niemandem auf den Kopf schlagen kannst. Aber auch ich darf ihnen mein Schwert nicht in den Bauch rammen, wie sehr ich mir das auch wünsche", sagte ich und schwächte meine letzten Worte zu einem Murmeln ab. "Oh, wir befinden uns immer noch in einer Arena. Nur dass du jetzt mit Worten kämpfst, statt mit Waffen."

     

    Wirklich langweilig wird es aber trotzdem nie. Dafür sorgen zum einen der für High Fantasy recht temporeiche und dynamische Erzählstil, der die Handlung zu jeder Zeit vorwärts treibt und Längen verhindert. Mit spannenden Kämpfen, Intrigen, Geheimnissen, Reisen durch mehrere Königreiche, der Vorstellung von Fabelwesen wie Gargoyles oder Strixen und dem Kennenlernen von verschiedenen Arten von Magiern - Murkse, die eine verbesserte Körpereigenschaft besitzen, Morphe, die sich in Monstergestalten verwandeln, Magier, die Elemente kontrollieren und Meister, die aus Materialien die beeindruckendsten Dinge herstellen können - bekommen wir zu jeder Zeit genügend Spannendes präsentiert, dass man darüber wegsehen kann, dass "die Außenseiterin mit einer geheimen Gabe, die durch einen Schicksalsschlag zur Auserwählten wird, kämpfen lernt und ihr Königreich rettet" nicht gerade ein neues Konzept ist. Jennifer Estep nutzt hier gezielt Fantasy-Klischees um uns zu unterhalten und holt das Beste aus jedem einzelnen hinaus ohne ins Unglaubwürdige oder Langweilige abzudriften. Die Außenseiterin mit der geheimen, versteckten Macht wird zusätzlich zu ihrer Immunität mit einer "Murksgabe", also einem verbesserten Geruchssinn, ausgestattet, der sie entgegen des Spotts aller in vielen Situationen weiterbringt als die machtvollste Blitzmagie. Der geheimnisvolle, starke Krieger/Prinz, in den sich die Protagonistin verliebt, wird nicht zum großen Retter, sondern bleibt als Sehnsuchtsfigur im Hintergrund, während die Heldin sich selbst retten darf. 


    "Ich hatte das Gefühl, als wäre mein Herz eine der Seerosen, wie sie auf der Oberfläche des Teichs trieben. Doch statt Wasserströmungen waren es bei mir Menschen, die mich in diese oder jene Richtung zerrten. Und alle wollten mich zwingen, nach ihrer Pfeife zu tanzen. Ich fragte mich, wer am Ende wohl gewinnen würde... oder ob mich die damit einhergehenden Strömungen und Intrigen in die Tiefe ziehen und ertränken würden.


    Und hier wären wir bei dem zweiten Punkt, der die Geschichte einfach genial macht: die Protagonisten. Eine tragende Säule der Geschichte ist vor allem die sympathische, starke Protagonistin, Lady Everleigh Saffira Winter Blair, kurz Evie. Sie ist voller Wut, kalter Berechnung und Entschlossenheit aber auch voll Mitgefühl, Wärme und dem genau richtigen Maß an zerbrechlichem Selbstbewusstsein, sodass man ihr ihren täglichen Kampf mit Freuden abnimmt. "Protect the Prince" ist genau wie der Vorgänger kein wirkliches Jugendbuch - nicht nur weil hier viele blutige Kämpfe ausgetragen werden und gelegentlich auch Schwangere, Hilflose und Kinder abgeschlachtet werden, sondern auch weil die Protagonistin mit ihren 28 Jahren außergewöhnlich "alt" ist. Dass war für mich natürlich eine nette Abwechslung, aber dadurch ist Evie vielleicht nicht die beste Identifikationsfigur für 14jährige, sondern spricht eher etwas ältere Leser*innen an. Sie ist sehr viel erfahrener, selbstbewusster, reifer und gefestigter als die üblichen Fantasy-Protagonistinnen, was die Story von viel Geschmachte, emotionalen Schwankungen, Peinlichkeiten sowie einer ellenlangen Selbstsuche befreit und mir sehr zugesagt hat. Das bedeutet nicht, dass sie sich nicht entwickeln würde, im Gegenteil: wie sie beginnt, sich nichts mehr gefallen zu lassen und ihre Stärken offen auszuspielen ist nicht nur amüsant, sondern auch beeindruckend zu verfolgen. Hier bekommen wir auch ab und zu wieder Rückblicke in die Vergangenheit von Evie, die weiter erklären, was damals passiert ist und wie ihre Eltern gestorben sind.


    Hier rückt wie gesagt die Liebesgeschichte zu dem gutaussehenden andvarischen Bastardprinzen, Magier und Gladiator Lucas Sullivan weiter in den Vordergrund und entwickelt sich. Grundsätzlich hat mir gut gefallen, dass die zuvor sehr leise Liebesgeschichte weiter ausgebaut wird, gerade eine Szene gegen Ende wirkt dann aber doch sehr gezwungen und überstürzt. Hier hätte eine Aussprache oder eine reine Andeutung besser zur Geschichte gepasst. Alles in allem ergänzt die Komponente der Liebe im Wechselspiel mit Pflicht, Verantwortung und Intrigen, die Handlung aber sehr passend.


    "Weil das Leben nun einmal grausam und herzlos ist", blaffte Helene. "Weil wir das Glück festhalten sollten, das uns geschenkt wurde. Und wir sollten uns nicht den Kopf darüber zerbrechen, was andere davon - oder von uns - halten. Liebe zu einem anderen Menschen bedeutet schließlich, dieser Person zuliebe Kompromisse einzugehen. Das ist wahre Liebe, Lucas."


    Doch die Protagonistin bleibt nicht die einzige starke Frau, die sich nichts sagen lässt und die wir hier bewundern dürfen. Neben der gefährlichen Meistergladiatorin und Ausbilderin Serilda Swanson, der starken Kämpferin und Freundin Paloma und der gerissenen Tanzlehrerin und Spionin Xenia, sind auch hier neu auftauchende Figuren wie die Geliebte des Königs Dahlia, oder die schöne Pflanzenmeisterin Helene spannende Figuren, die "Protect the Prince" bereichern. Ich bin ein großer Fan von feministischer Fantasy, in der es Königinnen und Kämpferinnen gibt, die sich nicht von irgendwelchen Rittern retten lassen oder von gutaussehenden Prinzen abgelenkt werden, sondern selbst das Heft in die Hand nehmen, wodurch Jennifer Estep noch weitere Pluspunkte sammeln konnte. 

    Nun bin ich sehr gespannt, wie es im dritten Band mit Evie und Sully weitergeht und ob die anstehenden Regalia-Spiele und der unvermeidbar scheinende Krieg mit Morta "Crush the King" wieder auf das Anfangsniveau der Reihe heben können.



     

    Fazit

    Eine spannende und überraschend abgeschlossene Fortsetzung über Liebe, Pflicht, Verantwortung, Intrigen. "Protect the Prince" ist leider etwas weniger temporeich und spannend als Band 1, überzeugt jedoch wieder mit tollem Setting, starken Figuren und einem packenden Schreibstil!

     

    Kommentare: 2
    2
    Teilen
    Cover des Buches Alles okay (ISBN: 9783423627412)

    Bewertung zu "Alles okay" von Nina LaCour

    Alles okay
    wordworldvor 14 Tagen
    Kurzmeinung: Eine einfühlsame und berührende Geschichte, die jedoch wie das Leben der Protagonistin selbst voller Höhen und Tiefen ist.
    Eine einfühlsame und berührende Geschichte über Familie, Einsamkeit, Liebe und Orientierungslosigkeit!

    "Alles okay" ist einer dieser Romane, die zwar etwas mit einem anstellen, bei denen man aber dennoch nicht so recht weiß, was man von ihnen halten soll. Nina LaCour hat hier eine unbestreitbar einfühlsame und berührende Geschichte über Familie, Einsamkeit, Liebe und Orientierungslosigkeit geschrieben, die jedoch nicht ihr volles Potential ausschöpft.


    „Das Problem beim Verdrängen ist, wenn die Wahrheit hochkommt, bist du nicht darauf vorbereitet.“


    Das Cover passt unfassbar gut. Ein Mädchen zwischen irgendwo Meer und Wohnheimzimmer, vor der Welt versteckt, aber in die Ferne blickend, einsam träumend, still hoffend - der Verlag hat hier in Anlehnung an die Originalgestaltung den Nagel auf den Kopf getroffen und es geschafft, die Atmosphäre der Geschichte bildhaft und wunderschön darzustellen. Sehr schön sind auch die durch eine geschwungene Linie langgezogenen Kapitelanfänge, die die dreißig kurzen Kapitel miteinander verbinden. Das Triple der Gestaltungsperfektion wird dann durch den wunderbar passenden Titel komplettiert, der ebenfalls wie das Design glücklicherweise sehr nah am Original "We are okay" gehalten ist und perfekt zum Inhalt passt. Denn im Endeffekt geht es um eine junge Frau, die weit davon entfernt ist, "okay" zu sein, sich dies jedoch erst eingestehen und nach außen bewältigen muss.


    Erster Satz: "Bevor Hannah ging, fragte sie noch einmal, ob wirklich alles okay sei."

     

    "Alles okay" startet sehr zurückhaltend in das Leben von Marin, die über die Weihnachtszeit alleine im Studentenwohnheim verbleibt. Tütensuppen, Tee und Einsamkeit-Essays - das bestimmt ihr Alltag, bis ihre beste Freundin Mabel zu Besuch kommt, um zu versuchen, sie aus ihrer Lethargie zu reißen und herauszufinden, warum sie vor vier Monaten einfach abgehauen ist - mit nichts als ihrem Portemonnaie, ihrem Handy und einem Foto ihrer Mutter... Paradox ist am Einstieg in die Geschichte, dass die melancholische, unaufgeregte Stimmung sich sofort einstellt - nach wenigen Sätzen hat einen die bittersüße Stille und hallende Leere zwischen den Worten verschlungen -, die richtigen Gefühle der Protagonisten aber erst viel später auftauchen. Zwar fühlt sich Marin schon von Beginn an einsam und niedergeschlagen, hat ihre Gefühle jedoch sorgsam im Griff. Der Einstieg liest sich demnach so, als wäre eine dünne Membran zwischen einem selbst und all den verborgenen Emotionen und Gedanken, die in Marin unter der Oberfläche schwelen. 


    "Ich hatte die Traurigkeit verdrängt. Fand sie in Büchern. Weinte über Romane statt die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit war schnörkellos, bodenlos. Sie hatte keine poetische Sprache, keine gelben Schmetterlinge, keine epischen Regenfälle. In Wirklichkeit gab es keine Stadt unter Wasser, keine Generationen von Männern mit dem gleichen Namen, die dazu verdammt waren, immer die gleichen Fehler zu wiederholen. Die Wirklichkeit war tief genug, um darin zu ertrinken."


    Während durch immer wieder auftauchende Rückblenden aus den letzten Jahren und Monaten langsam klar wird, was am Ende des Sommers passiert ist, wartet man auf den Moment, in dem der Schleier zerreißt und man zusammen mit Marin die ganzen Emotionen spürt, die sie tief in sich vergraben hat. Durch die vielen kleinen Puzzleteile, die durch die einzelnen Erinnerungsfetzen zusammengesetzt werden, wird die Ausgangslage der Protagonistin erst nach und nach erklärt. Das hatte leider zur Folge, dass ich zu Beginn gar nicht wusste, was ich nun mit der Protagonistin, der Stimmung der Handlung anfangen sollte. Klar, in dem besonderen Aufbau, der sich langsam auf die Enthüllung zuspitzenden Emotionalität, liegt ein Teil des Reizes des Romans und die Geschichte ist auch nicht so lang, dass wirkliche Längen aufkommen, in denen man damit spielt, die Geschichte abzubrechen, dennoch konnte mich der Beginn dadurch einfach nicht so sehr erreichen und ich war eher eine distanzierte Beobachterin dessen.


    "Ich hoffe, du kriegst keinen Ärger", sagte ich, aber wie könnten wir Ärger kriegen? Wir waren verzaubert. Wir waren Strandgeschöpfe. Wie hatten die Taschen voller Schätze und einander auf der Haut."

     

    Auch zwischen den einzelnen Rückblenden geschieht nicht allzu viel - "Alles okay" ist eher leise und handlungsarm erzählt, mit einem klaren Fokus auf den Gefühlen und Beziehungen der Figuren. Diese kamen jedoch leider über einen Großteil der Geschichte nicht ganz bei mir an. Ich habe zwar mit den beiden Mädchen mitgefühlt und mich gefragt, was damals denn geführt hat, dass sich Marin und Mabel nun in dieser Situation befinden, große Emotionen fehlten aber erstmal komplett. Um es mal mit Marins Worten auszudrücken: "Ich kann mir vorstellen, wie es wäre [...]. Nur spüren kann ich es nicht."


    "Früher waren es nur Geschichten. Aber jetzt sickern sie ins Leben und werden immer schrecklicher. (...) Früher habe ich bei einer Geschichte geweint und das Buch zugeklappt und dann war es vorbei. Jetzt hallt alles nach, sitzt fest wie ein Splitter und eitert."

     

    Umso mehr gefühlt habe ich die melancholische Stimmung, die zwischen behaglich und schmerzhaft, traurig auf die schöne Art und herzzerreißend tragisch schwankt. Alleine im Wohnheim, kurz vor Weihnachten, mitten in einem winterlichen Schneesturm - das Szenario ist geradezu prädestiniert für Einsamkeit, Verzweiflung und Traurigkeit, welche durch Nina LaCours poetische, ruhige Schreibweise auch sehr eindringlich transportiert werden. Ganz toll ist auch, dass die Autorin hier nicht nur zwei starke Frauenfiguren in den Vordergrund rückt, sondern auch die Liebe zwischen zwei besten Freundinnen, die langsam entdecken, dass sie auch mehr sein könnten, so unfassbar feinfühlig und lebensecht beschreibt, dass man keine Sekunde verpassen möchte. Dabei gibt es viele Stellen, bei denen es tief in mir Klick gemacht hat, leider jedoch auch einige Beschreibungen und Zustände, die nicht bei mir ankamen. Denn gleichzeitig gehen durch den Fokus auf Mabel und Marin potentiell spannende Nebenfiguren stark unter. 


    "Sie schließt die Augen. Ich sehe sie an. Ich wünsche ihr von Herzen alles Gute. Einen freundlichen Taxifahrer und kurze Warteschlange. Einen Flug ohne Turbulenzen mit einem freien Platz neben ihr. Wunderschöne Weihnachten. Ich wünsche ihr mehr Glück, als in einen Menschen passt. Ich wünsche ihr so viel Glück, dass es überläuft."


    Der genaue Zeitpunkt, an dem der oben genannte Gefühlsschleier dann endlich zerriss, kann ich im Nachhinein gar nicht mehr festmachen. Sicher ist nur, dass mich das Ende so unfassbar berührt hat, dass mir die letzten 20 Seiten über fast permanent Tränen über die Wangen gelaufen sind. Alles, was zuvor nur entfernt zu erahnen war, bricht plötzlich über Marin und somit auch die LeserInnen herein und zerstört die gewahrte Distanz komplett. Doch kann das emotionale Ende über den eher ziellosen Start hinwegtäuschen? Was soll ich also nur von der Geschichte halten? Ist die inhaltliche Auflösung gegen Ende unter all den Emotionen nicht ein bisschen schwach (sowohl das Familiendrama als auch die Lösung an sich scheinen recht konstruiert, wenn man mit Abstand zurückblickt) für den ansonsten so nachdenklichen Roman? Sind die beiden starken Frauenfiguren und die Liebe zwischen zwei Mädchen, die von Freundinnen zu mehr werden genug, um das fast vollständige Fehlen von starken Nebenfiguren auszugleichen? Und über allem steht die Frage, was mir die Autorin mit dieser Geschichte sagen wollte. Ja, ich habe gefühlt, aber begriffen nicht wirklich. Deshalb gibt es von mir für diese ambivalente, wunderschöne Geschichte nur 4 statt 5 Sterne. 


    "Ratlosigkeit ist ein dunkler Ort. Ein Ort, den man schlecht ertragen kann. Aber ich schätze, wir verbringen den größten Teil unseres Lebens dort. Und ich schätze, wir sind alle dort, deshalb muss es vielleicht gar nicht so einsam sein. Vielleicht kann ich mich einleben, es mir gemütlich machen, mich an die Ungewissheit gewöhnen."

     


    Fazit

    "Alles okay" ist eine einfühlsame und berührende Geschichte über Familie, Einsamkeit, Liebe und Orientierungslosigkeit, die jedoch wie der Roman selbst voll Höhen und Tiefen ist. Das Ende ist wahnsinnig ergreifend, die inhaltliche Auflösung jedoch eher schwach. Die Atmosphäre, die durch die Seiten sickert, ist so erdrückend, schwermütig und bittersüß, dass man gar nicht weiß, wohin mit sich. Dagegen bleiben die Emotionen der Hauptfigur bis kurz vor dem Ende eher unnahbar. Nina LaCours Erstling ist also ein Herzensbuch, auch wenn ich keine 5 Sterne geben kann.

     

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Das wirkliche Leben (ISBN: 9783423219563)

    Bewertung zu "Das wirkliche Leben" von Adeline Dieudonné

    Das wirkliche Leben
    wordworldvor 16 Tagen
    Kurzmeinung: Eine krasse Geschichte über Amöben und Hyänen, Opfer und Täter, Jäger und Beute, Angst und Ohnmacht, Erwachsenwerden und Stärke.
    Die moderne Umsetzung eines Schauermärchens!

    Schon bevor "Das wirkliche Leben" letztes Jahr auf deutsch bei dtv erschienen ist, hat Adeline Dieudonné in Frankreich damit eine große Fangemeinde versammelt. Mittlerweile hat ihr Romandebüt zahllose Preise gewonnen und in verschiedenen Ländern die Bestsellerlisten gestürmt. Auf dem Cover ist neben einem springenden pinken Hasen und gekritzeltem Titel vor allem eines abgebildet: Lobpreisungen. Neben dem vielversprechenden Titel "Die Sensation aus Frankreich" wecken vor allem die begeisterten Blurbs in den Leselaschen hohe Erwartungen. Normalerweise mache ich um Empfehlungen des Feuilletons eher einen großen Bogen, da mich selten Geschichten überzeugen, die Literaturprofessoren für hochwertig halten. Hier hat mich die Geschichte mit jeder Begegnung im Netz und in Buchhandlungen einfach nicht mehr losgelassen, sodass ich zum Erscheinungstermin des Taschenbuchs letzte Woche beschlossen habe, doch mal einen Blick hineinzuwerfen. Eine gute Entscheidung, wie es sich herausstellte...

     

    "Geschichten sind dazu da, alles hineinzupacken, was uns Angst macht. Denn so könne wir uns sicher sein, dass es nicht im wirklichen Leben passiert."

     

    "Das wirkliche Leben" ist mit seinen 240 Seiten schnell gelesen, sich eine Meinung dazu zu bilden und mit der Geschichte abzuschließen, dauert jedoch viel länger. Noch im Sog der spannenden Atmosphäre gefangen wollte ich einfach nur wissen, wie es für die Erzählerin am Ende ausgeht und habe mir unabsichtlich im Leserausch eine Nacht um die Ohren geschlagen. Die Gedanken zu Handlung, Figuren, Motiven und Moral der Geschichte kamen dann erst später - als ich eigentlich einschlafen wollte, mich das Gelesene aber nachhaltig beschäftigt hat. Allein dafür würde ich dem Roman schon gerne 5 Sterne geben, denn auch wenn wenig Schönes in der Geschichte zu finden ist, ist mir das Schicksal der Erzählerin so nahgegangen, dass ich es bestimmt lange nicht vergessen werde. 

     

    "Es gibt Leute, die verdüstern euch den Himmel, stehlen euer Lachen oder setzen sich mit ihrem ganzen Gewicht auf eure Schultern, um euch am Fliegen zu hindern. Von solchen Menschen haltet euch bloß fern."

     

    Das lag nicht nur an den eindrücklichen Beschreibungen des Schreckens, den unsere Erzählerin hier erdulden muss. Missbrauch, Tierquälerei, häusliche Gewalt, eine familiäre Atmosphäre geprägt von Angst und Kälte - so wächst unsere junge Heldin (und diese Bezeichnung benutze ich hier ganz bewusst) heran. Nein, die Magie der Geschichte liegt vor allem in den leisen Tönen. Adeline Dieudonné nutzt hier die außergewöhnlich lebendige Ich-Perspektive eines Mädchens, das wir im Alter von 10 Jahren kennenlernen und begleiten, bis sie 15 Jahren alt ist. In vielen sehr kurzen Kapiteln und mit großen Zeitsprüngen sehen wir ihr zu, wie sie reift, lernt und erwachsen wird. Egal ob ihre erwachende Sexualität, die körperlichen Veränderungen in der Pubertät, die sich wandelnde Beziehung zu ihrem Bruder und ihren Eltern oder ihr sich veränderndes Verständnis von Zusammenhängen - tritt man einen kleinen Schritt zurück und betrachtet die Entwicklung der Protagonistin mit etwas Abstand, kann man beobachten, wie sich ihre Weltsicht, von der eines Kindes zu der einer Frau wandelt. Zuzusehen, wie sie schleichend ihre eigene Identität und auch die Kraft, die in ihr wohnt, entdeckt, gibt der Geschichte trotz der grausamen Handlung etwas Einfühlsames, Zartes, das wie eine Blume mitten im Schlachtfeld erblüht.

     

    "Wenn Gilles lachte, und das tat er ständig, sag man seine Milchzähne blitzen. Sein Lachen wärmte mich jedes Mal wie ein kleines Stromkraftwerk. Ich bastelte Handpuppen aus alten Socken, erfand dazu lustige Geschichten und führte sie für ihn auf. oder ich kitzelte ihn. Einfach nur, um ihn lachen zu hören. denn Gilles´ Lachen konnte alle Wunden heilen."

     

    Die kurzen Szenen, der fragmentierten Erzählweisen wirken dabei jedoch weniger wie ein beschleunigter Zeitraffer und mehr wie eine reflektorische Rückschau - diffus, mit fließenden Übergänge und überlappenden Szenen hat der Roman etwas Albtraumhaftes. Dabei tut es der Spannung überhaupt keinen Abbruch, dass "Das wirkliche Leben" nicht wirklich ausgearbeitete Wendungen oder ähnliches zu bieten hat. Die Geschichte hat es gar nicht nötig, durch Handlung einen Spannungsbogen aufzubauen. Das geschieht von ganz allein durch die schmerzlich-echte und doch bedrückende Atmosphäre der Geschichte. Zu Beginn maskiert das Kindsein, die Unbeschwertheit der Erzählerin noch, was wirklich vor geht, je älter sie jedoch wird, desto genauer werden ihre Beobachtungen und desto mehr wird sie selbst mit der Opferrolle konfrontiert. Das hat zur Folge, dass sich die Lage im Laufe der Handlung immer weiter zuspitzt und die Spannung auf eine klar ersichtliche Eskalation zutreibt.

     

    "Ich liebte die Natur und ihren unerschütterlichen Gleichmut. Ich liebte es, wie präzise und unbeeindruckt sie ihren Plan von Überleben und Fortpflanzung durchzog, ganz egal, was bei uns zu Hause gerade los war. Mein Vater schlug meine Mutter zusammen – und den Vögeln war das egal. Ich fand das tröstlich. Ich fand es tröstlich, dass sie einfach weiter zwitscherten, dass die Bäume knarrten und der Wind in den Blättern der Kastanie rauschte. Ich war nur eine unbedeutende Zuschauerin bei dem Stück, das ununterbrochen aufgeführt wurde."

     

    Die bedrückende Stimmung der Geschichte spiegelt sich auch im Setting wider. So gibt es im Haus einen "Raum der Kadaver", hinter dem Haus beginnt das "Galgenwäldchen" und das Siedlungsviertel, die "Demo" ist ein grauer, einheitlicher Klotz mit ausgehangenen Gardinen und vertrockneten Vorgärten. Dazu gesellen sich einige magisch-anmutende Elemente wie der Prototyp einer Fee, oder der Einfluss einer dämonenartigen Kreatur, die der Erzählerin helfen, Geschehende zu verarbeiten und deren Darstellungsform sich zusammen mit dem Entwicklungsstand der Hauptfigur ausdifferenziert. Die teilweise absurden, horrorartigen Vorkommnisse und einige Splatter-Elemente kann man also eher als Motive für das Aufwachsen und den Freiheitskampf der Hauptfigur auffassen und weniger als exemplarische Handlung im wörtlichen Sinn. 

     

    "Die Lehrer hatten aufgrund ihres Alters keinen Tatendrang mehr und bei meinen Mitschülern war schon vorauszusehen, dass mit den Jahren dasselbe passieren würde. Ein bisschen Akne, ein paar Bettgeschichten, Studium, Ehe, Kindern, Arbeit und schwupps! werden sie alt und zu nichts nutze gewesen sein. Ich dagegen wollte eine Marie Curie sein. Und darum hatte ich keine Zeit zu verlieren."

     

    Unterstützt wird die daraus entstehende ambivalente Stimmung zwischen Unschuld und Schrecken durch die sehr körperliche, auf die Erzählerin zugeschnittene Sprache, die sich vieler Vergleiche aus der direkten Lebenswelt des Mädchens bedient. Interessant ist, dass Gefühle, Gerüche, Erlebnisse mit vielen körperlichen Umschreibungen erzählt werden und auch Vergleiche aus der Tierwelt omnipräsent sind (die Amöbe, die Hyäne, das Pferd, ...). Auch dass nur der Bruder der Hauptfigur Gilles und unwichtige Randfiguren wie ihr Physikprofessor, oder einer ihrer Nachbarn Derek einen Namen erhalten und sogar die Hauptfigur namenlos bleibt, ist einer der interessanten Erzählkniffe, der Autorin, mit dem sie gleichzeitig intime Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Hauptfigur ermöglicht, sie jedoch auch etwas auf Distanz hält. Neben dem Mädchen erhalten auch Vater, Mutter und andere Figuren wie "die Feder", "der Champion" oder "der Eismann" keine Namen und sind dementsprechend als eindimensionale Figur-Prototypen angelegt, die man mit einfachen Labels versehen kann. Der Vater ist das "böse Monster", die Mutter die "gehirnlose Amöbe", die Feder steht für die "perfekte Mutterfigur", die das Mädchen sich wünscht und der Champion ist eine Verschmelzung aus Vater- und sexuelle Projektionsfigur. Das mag auf den ersten Blick vielleicht oberflächlich und plakativ wirken, passt aber erstaunlich gut zur allgemeinen Machart des Romans.

     

    "Ich mochte meinen Körper. Und das hatte nichts mit Selbstverliebtheit zu tun. Wenn er hässlich gewesen wäre, hätte ich ihn genauso gemocht. Ich mochte meinen Körper einfach, weil er ein Weggefährte war, der mich nie verraten würde. Und den ich beschützen musste."

     

    Denn wirft man all die genannten Elemente - die rollenhaften Figuren, die klare Abgrenzung von Gut und Böse, das Auftauchen magischer Teilelemente, die vielen Tiervergleiche, die Ansätze einer Heldenreise, die blutrünstige Umsetzung und die klare Moral, die sich hinter den Worten versteckt - zusammen, wird klar, dass "Das wirkliche Leben" im Aufbau und inhaltlich stark an ein Schauermärchen erinnert. Diese Erkenntnis rückt diese verwirrende Geschichte voller Amöben und Hyänen, Opfer und Täter, Jäger und Beute, Angst und Ohnmacht, Erwachsenwerden und Stärke in ein ganz neues Licht und macht klar, dass hinter dem Entwurf der Autorin mehr steckt, als der Wunsch zu schockieren. 

     

    „Ich hatte keine Ahnung, ob es so etwas wie ein gelungenes Leben gab und was das genau beinhaltete. Aber ich wusste, dass ein Leben ohne Lachen, ohne Wahlmöglichkeiten und ohne Liebe ein vergeudetes war. Und deshalb erhoffte ich mir eine Geschichte, die mir erklärte, warum meine Mutter ihr Leben weggeworfen hatte.“

     

    Viele Rezensenten kritisieren an dieser Stelle, dass etliche Aspekte des Romans nur angedeutet bleiben. So ist auf den 240 Seiten beispielsweise kein Platz für die zusätzliche Ausführung und Vertiefung von Figuren wie Mutter oder Vaters und auch die Beziehung der Erzählerin zum "Champion" wird hier nicht problematisiert. Das kommt meines Erachtens jedoch nicht dadurch zustande, dass die Autorin ausdrücken wollte, dass es keine Gründe hinter dem Verhalten der Eltern gibt, oder das, was der Champion und die Erzählerin machen, moralisch einwandfrei ist, sondern ist einfach der Limitationen der Perspektive geschuldet. "Das wirkliche Leben" ist durch die Erzählart stark von der Hauptfigur und deren Sicht auf die Welt abhängig, was den Umgang mit etlichen Themen auf ihre subjektive Perspektive beschränkt. Klar, dass zum Beispiel gerade Mutter und Vater sehr einseitig dargestellt sind, da die Erzählerin den Gesamtkontext und die Einflüsse auf die Entwicklung ihrer Eltern nicht sieht oder sehen kann. Auch dass wir hier keine richtige Traumaverarbeitung erleben und vieles im Umfeld sich sprunghaft verändert muss man zugunsten des eingängigen Figurenporträts zurückstellen. Ich kann verstehen, dass manchen Lesern etwas fehlt und man es als unangenehm empfinden kann, dass viele Dinge gegen Ende einfach so stehen gelassen werden. Ich denke jedoch, dass genau dies beabsichtigt war, um zu zeigen, dass unsere Hauptfigur noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung ist und eine Lösung vieler Fragen und Konflikte in diesem Kontext utopisch wäre. Fand ich die Geschichte schön zu lesen? Nein. Dennoch: "Das wirkliche Leben" ist hochspannend, tiefgründig und vor allem hinterlässt es einen bleibenden Eindruck, den ich nicht missen wollte.

     


    Fazit

    Adeline Dieudionnés Geschichte über Amöben und Hyänen, Opfer und Täter, Jäger und Beute, Angst und Ohnmacht, Erwachsenwerden und Stärke ist nicht nur hochspannend erzählt, sondern auch überraschend zart und einfühlsam. "Das wirkliche Leben" ist die moderne Umsetzung eines Schauermärchens, die die weibliche Opferrolle anprangert und nicht mehr loslässt!

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Und dann war es Liebe (ISBN: 9783785727409)

    Bewertung zu "Und dann war es Liebe" von Lorraine Brown

    Und dann war es Liebe
    wordworldvor 16 Tagen
    Kurzmeinung: Lorraine Brown erzählt die Geschichte einer chaotischen, liebenswerten Protagonistin, die Mitten in der Stadt der Liebe ihr Leben überdenkt.
    Locker, leicht, atmosphärisch und romantisch!

    In einer der letzten Montagsfragen ging es um unsere liebsten Eskapismus-Bücher, die uns auch in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und Reiseverboten an Traumorte entführen können. Letzte Woche durfte dank des Vorabexemplars der Bastei Lübbe auch "Und dann war es Liebe" von Lorraine Brown, welches genau heute Buchgeburtstag feiert, dem Corona-Fernweg-Club beitreten. Dieser zuckersüße Liebesroman über den Selbstfindungsprozess einer Frau, die in einer der schönsten Großstädte der Welt strandet und zwischen Montmartre und dem Gare du Nord einen neuen Lebensweg einschlägt, entführt nicht nur in ein traumhaftes Setting, sondern ist auch so spritzig geschrieben, dass man ihn in einem Rutsch weglesen kann. 


    Allein die äußerliche Gestaltung finde ich schon wunderschön. Der Lübbe Verlag hat sich hier für einen kartonierten Umschlag mit Klappbroschur entschieden, der von oben bis unten mit dem winzigen Blueprint der Buchseiten bedruckt ist. Vor dem Hintergrund der klitzekleinen Schrift ist ein buntes Aquarell-Motiv zu sehen, das die Skyline einer Stadt und ein sich küssendes Paar zeigt. Der geschwungene Titel und die bunt angedeuteten Feuerwerke runden das Bild ab. Sehr schön ist außerdem, dass sich die hintere Klappbroschur als Buchschnitt über den Buchblock umschlagen lässt. Auch wenn ich die Gestaltung des deutschen Covers wirklich hinreißend finde, gefällt mir das Originalcover fast noch besser, da es mit dem angedeuteten Zugabteil, dem Eifelturm und dem Titel konkreter ist und besser zur Handlung passt. 


    Erster Satz: "Ich sprintete die Treppe zum Bahnhof Venezia Santa Lucia hinauf."


    Die dreißigjährige Hannah ist eigentlich an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, an dem all ihre Träume in greifbarer Nähe scheinen. Bei einer romantischen Reise nach Venedig mit ihrem reichen, gutaussehenden Freund hat sie einen Verlobungsring gefunden und sieht dem Rest ihres gemeinsamen Lebens mit Freunde entgegen. Simon kümmert sich pflichtbewusst um alles Organisatorische, würde sie entgegengesetzt zu ihrem Vater niemals im Stich lassen und gibt ihr die Sicherheit und Stabilität, die sie sich schon immer gewünscht hat. Doch als sie im Nachtzug nach Amsterdam, wo sie die Hochzeit von Simons Schwester besuchen wollen, in einen falschen Waggon einsteigt und morgens in Paris landet, ist plötzlich alles anders. Ohne Portemonnaie, Handy und Gepäck in einer fremden Stadt ist sie zum ersten Mal seit langem wieder komplett auf sich allein gestellt und entdeckt ihre spontane und abenteuerliche Seite, als der ebenfalls gestrandete Franzose Leo sie kurzerhand auf eine Stadttour einlädt, um die Zeit zum nächsten Zug nach Amsterdam zu überbrücken. Nicht nur der charmante Fremde und die plötzliche Vertrautheit zwischen den beiden stürzt sie in Verwirrung, auch auftauchende Ungereimtheiten in Simons Äußerungen bezüglich einer der Brautjungfern, lässt sie ihr Lebensentwurf überdenken. Zwischen Montmartre, dem Eifelturm und der Seine stellt sie sich die Frage, ob Sicherheit wirklich das ist, was sie sich wünscht...


    Anders als der Titel es impliziert, ist "Und dann war es Liebe" keine epische, leidenschaftliche Liebesgeschichte. Im Vordergrund steht hier viel mehr unsere Protagonistin Hannah und deren Erkenntnisprozess. Wer ist sie, was wünscht sie sich und wer will sie sein? Diese Fragen stellen wir uns zusammen mit unserer Hauptfigur, während sie einen spontanen, wunderschönen Tag in der Stadt der Liebe erlebt. Zwar hat Hannah zwischen den vielen kleinen Stationen der Stadttour nicht besonders viel Zeit zum Grübeln, die Entwicklung vollzieht sich also eher unterschwellig. Durch Erinnerungen und Rückblenden reflektiert sie jedoch immer wieder ihr bisheriges Leben, was uns Lesern das Kennenlernen zusätzlich vereinfacht. Die Beziehung zu ihrer Mutter, ihrem Vater, die Anfänge ihrer Partnerschaft mit Simon, ihre Jugend und ihre Freundschaft zu Elli... Lorraine Brown erweitert durch diese Rückblenden geschickt den Erzählausschnitt und vervollständigt nach und nach das Puzzle um Hannahs Leben, ohne ihren Haupterzählstrang damit zu stören. Die etwas chaotische, schlecht organisierte Powerfrau ist mir dabei schnell sehr ans Herz gewachsen. Unser zweiter Protagonist, Léo bleibt hingegen leider relativ blass. Wir erfahren während der 332 Seiten nur recht wenig über ihn, da er sich Hannah gegenüber nicht so sehr öffnet und durch die Erzählperspektive viele Fragen ihn betreffend offenbleiben. Er funktioniert hier also eher als Anstoß, Stadtführer und interessante Bekanntschaft, sein eigenes Innenleben bleibt eher grob umrissen. 


    "Was auch immer ich brauchte, Simon fand einen Weg, es mir zu ermöglichen - ich musste ihn nur darum bitten. Aber mittlerweile wohnten wir zusammen und dachten darüber nach, den Rest unseres Lebens gemeinsam zu verbringen, und ich kam nicht umhin, mich zu fragen, ob Simon gekommen war und mich gerettet hatte, bevor ich überhaupt herausfinden konnte, ob ich es auch selbst geschafft hätte."


    Dementsprechend im Hintergrund bleibt auch die Liebesgeschichte, die zwar leise angedeutet wird, dem Setting und der Selbstfindungsgeschichte der Protagonistin aber den Vortritt lässt. Auch wenn ich zwischen den beiden keine große Chemie gespürt habe, hat mir sehr gut gefallen, dass die Autorin ein behutsames und wohlüberlegtes Tempo vorlegt: hier geht es nicht zu schnell, nicht zu langsam, nichts ist unrealistisch, weit hergeholt oder langweilig. Als die Beiden sich das erste Mal sehen, ist sofort eine gegenseitige Faszination zu spüren und auch wenn sie wissen, dass sich ihre Wege bald wieder trennen würden, wollen sie den anderen noch nicht gehen lassen. Dadurch dass die gesamte Handlung nur an einem Tag passiert und die Protagonisten kaum 24 Stunden miteinander verbringen, ist das, was sie teilen intensiver, spontaner und ungehemmter als in anderen Liebesgeschichten.  Hier sprühen zwar keine Funken und auch das Schmieden großer Zukunftspläne ist hier nicht zu finden. Stattdessen beobachten wir hier die allerersten Schritte eines Annäherungsprozesses und das sich langsam aufbauende Vertrauen, das entsteht, während sich zwei Fremde, die nicht damit rechnen, sich nochmal zu begegnen, das Herz ausschütten...


    Die wenigen Seiten der Geschichte täuschen: durch die kompakte Erzählweise und das kurze Erzählintervall passiert hier eine ganze Menge und es wird garantiert nicht langweilig. Ein fröhliches Prickeln, kaum Zeit zum Nachdenken, die ständige Gegenwart des anderen und eine sich schleichend einstellende Nähe - So entwickelt sich die Liebe zwischen ihnen langsam Schritt für Schritt, sodass trotz der vielen Ereignisse eine gemütliche Ruhe über die Geschichte liegt. Mir gefällt, dass hier alles im Fluss ist - die Geschichte, die Beziehung, die Charaktere, die Dialoge - hier gibt es keine schlagfertigen Wortgefechte, die sich lesen, als hätten sie die Autorin Tage gekostet, sie sich auszudenken oder schwülstige Liebeserklärungen. Stattdessen schreibt Lorraine Brown charmant, modern, einfühlsam und einfach ECHT, sodass man ihr jede Wendung abnimmt, bis man mit dem offenen und recht plötzlichen, aber süßen Ende die Geschichte abschließt.


    "Okay, gehen wir", sagte ich stattdessen und drehte mich auf der Suche nach meiner Tasche im Kreis. "Bevor ich meine Meinung ändere." Léo musterte mich. "Du bist immer für Überraschungen gut, Hannah." "Oh ja, ich bin voll davon", erwiderte ich."


    Wunderbar untermauert wird die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte natürlich durch das wundervolle Setting. Dass es kaum einen passenderen Ort für eine sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte gibt als das romantische Paris, muss ich wohl kaum begründen. Vom Gare du Nord geht es mit dem Motorrad über den chaotischsten Kreisverkehr der Welt, weiter auf die Champs-Élysées zum Eifelturm und natürlich zur Sacré-Coeur. Abseits der typischen Touristenattraktionen führt Léos und Hannahs Weg entlang des Canal Saint-Martin oder in den Parc des Buttes Chaumont. Auch eine kulinarische Verköstigung der Spezialitäten wie die beste heiße Schokolade im Café Angelina, süße Kunstwerke in einer Patisserie auf der Quai de Valmy direkt am Wasser, Crêpes und eine Flasche Wein dürfen nicht fehlen. Lorraine Brown nutzt ihren Spielort jedoch nicht nur als Kulisse, sondern beschreibt die einzelnen Stationen der kurzen Tour so prägnant, dass diese einen Wert an sich haben und zum Träumen anregen. Ich war noch niemals in Paris, habe mich aber sehr gefreut, mir diese wundervolle Stadt durch Hannahs Augen ansehen zu können.



    Fazit:


    Locker, leicht, atmosphärisch und romantisch! Lorraine Brown erzählt die Geschichte einer chaotischen, liebenswerten Protagonistin, die in Mitten der Stadt der Liebe ihr Leben überdenkt und dabei mit alten Problemen und neuen Chancen fertig wird.

     

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches So leise wie ein Sommerregen (ISBN: 9783423740692)

    Bewertung zu "So leise wie ein Sommerregen" von Leonie Lastella

    So leise wie ein Sommerregen
    wordworldvor 17 Tagen
    Kurzmeinung: Nach dem holprigen Start ist der Mittelteil gewohnt authentisch, magisch und voll romantischer Sommeratmosphäre!
    Zuckersüß, authentisch und atmosphärisch

    "So leise wie ein Sommerregen" ist nun mein drittes Buch von Leonie Lastella. In den letzten Jahren habe ich schon "Das Licht von tausend Sternen" und "Wenn Liebe eine Farbe hätte" von ihr lesen dürfen und war jedes Mal total begeistert. Auch diese Geschichte ist wieder zuckersüß, authentisch und atmosphärisch, blieb aus einem unerfindlichen Grund für mich aber ein bisschen hinter den beiden Vorgängern zurück.


    Hope: "Ich liebe Sommerregen. Er ist selten. So verdammt selten. Fast immer ist Regen kalt und grau. Er verwässert die Gerüche und Farben. Ein Sommerregen hingegen ist leise, weich und warm. Er intensiviert die Armon und Farbtöne. So wie dieser. Hier. Und jetzt."


    Bevor ich versuche zu ergründen, warum mich "So leise wie ein Sommerregen" gerade zu Beginn nicht so ganz abholen konnte, noch ein paar Worte zum wunderschönen Cover. Mit der Gestaltung hat der dtv Verlag mal wieder einen Volltreffer gelandet. Wie schon bei den ersten beiden bei dtv erschienenen Romanen der Autorin besteht der Einband aus bedruckter, weicher Pappe, in die der goldene Titel hineingeprägt ist und wie eines dieser Metallic-Kratzbilder wirkt, die ich vor einigen Jahren geliebt habe. Nachdem auf dem Vorgänger ein Abendhimmel im Hintergrund zu sehen war, blicken wir hier in den bunten Farbverlauf eines Sommertages, von dem sich die gezeichnete Silhouette eines Paares abhebt. Warum der Roman ausgerechnet den kunstvollen Titel "So leise wie ein Sommerregen" trägt, wird erst mit der Zeit klar, entfaltet dann aber nachträglich seine Wirkung. Auf 368 Seiten erzählen Hope und Cooper abwechselnd in 57 sehr kurzen Kapiteln ihre Geschichte, die aufgrund des sehr vagen und wenig aussagekräftigen Klapptextes für mich eine überraschende Wundertüte war. 


    Erster Satz: "Die Bilder an der Wand meines Zimmers vibrieren, als mehrere Kampfjets tief über das Dach unseres Hauses auf der Militärbasis hinwegdonnern."


    "So leise wie ein Sommerregen" beginnt damit, dass das Leben der achtzehnjährigen Hope an einem Tag gleich zweimal zusammenbricht. Zuerst muss sie erfahren, dass ihr Vater im Kriegseinsatz gefallen ist und dann erwischt sie auch noch ihre Mutter mit einem anderen Mann. Kein Wunder, dass ihr erstmal die Sicherungen durchbrennen und sie sich wutentbrannt zurückzieht. Erst als sie am Tag der Trauerfeier durch einen Zufall in die Arme des neu zugezogenen Cooper rennt, lichtet sich die Dunkelheit in ihr ein Stück. Doch hat ihre Liebe, die zum falschesten Zeitpunkt entstanden ist, eine Chance? Das ist der grobe Handlungsrahmen der knapp 370seitigen Geschichte, ohne schon zu viel zu verraten und ganz viel davon passiert schon auf den ersten Seiten. Warum ich und "So leise wie ein Sommerregen" trotz bester Vorsätze einen eher holprigen Start hatten, kann ich mir immer noch nicht zu 100 Prozent erklären. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich durch den eher schwammigen Klapptext nicht genau wusste, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird und dann von den vielen Ereignissen, die in den ersten Kapiteln passieren, überrumpelt war.  


    Hope: "Wie kann ich lächeln? Dad ist tot. Ich sollte traurig sein. ich bin traurig. Aber in Coopers Nähe wird hell, was sonst schwarz ist. Ich fühle mich leichter, lebendig, ein bisschen so wie die alte Hope. Das ist falsch und gleichzeitig unfassbar reizvoll."


    Dazu kommt, dass Leonie Lastella hier wieder sehr knappe Kapitel von ungefähr 3-7 Seiten nutzt, was ich grundsätzlich als Kapitelleserin eher positiv bewerten würde. Hier habe ich den Einstieg in Hopes und Coopers Geschichte aber als viel zu schnell, zu abgehackt und zu sprunghaft empfunden. Nur wenige Seiten nach dem Prolog, in dem wir nicht nur unsere Protagonistin Hope das erste Mal treffen, sondern auch gleich die beiden erschütternden Wahrheiten erfahren, treffen sie und Cooper das erste Mal aufeinander. Ihr erstes Treffen beinhaltet Trauer, eine Ohrfeige, Wodka, einen stürmischen Kuss und eine Menge Tränen und ... schwuppdiwupp sind wir schon mitten in der Liebesgeschichte, ohne überhaupt richtig im Roman angekommen zu sein. Von Normalität zu Trauer, zu Wut, zu Überforderung, zur Liebe auf den ersten Blick - die Geschichte wechselt rasend schnell zwischen verschiedenen Emotionen und hat mich auf dem Weg einfach abgehängt. Vielleicht lag es auch daran, dass ich aufgrund der kurzen Kapitel nur sehr portionsweise gelesen habe, aber so kam ich zunächst schwer in die Geschichte rein und habe von den vielen von Anfang an präsenten Emotionen nur die Hälfte gefühlt. 


    Hope: "Ich lache und dann essen wir schweigend. Aber es ist eine angenehme Stille. Sie ist gefüllt mit uns. Und dieses Uns fühlt sich verdammt perfekt an. Egal wie unperfekt jedes einzelne Date ist, Cooper stielt mir mit jedem einzelnen mein Herz."


    Erst nach dem ersten Drittel, als "So leise wie ein Sommerregen" dann einen Gang zurückschaltet und sich auf Hopes Beginn an der Universität, Coopers Rückkehr nach North Carolina zu seinem Stiefvater Mac konzentriert und die beiden erst im zweiten Schritt wieder an der Uni miteinander konfrontiert werden, konnte ich eine richtige Beziehung zu den Figuren aufbauen. Zwar sind auch im weiteren Verlauf der Geschichte jede Menge kleinere Zeitsprünge versteckt und über einige Themen geht die Autorin eher großzügig hinweg, ab hier entfaltete der Roman dann aber so langsam die leise, echte Magie, die ich von Lastellas anderen Romanen kenne. Sonnenuntergänge am Strand, spontane Lagerfeuer und DIY-Aktionen, Koch-Dates und Küsse im Regen - hier wird die romantische Volldröhnung aufgefahren, um uns Lesern Hope und Cooper als Paar schmackhaft zu machen und eine sommerliche Wohlfühl-Atmosphäre zu kreieren. Neben der langsamen, zuckersüßen Entwicklung der Beziehung von Hope und Cooper, geht es hier auch vordergründig um das Verhältnis der beiden zu ihren Eltern, der Wert neuer und alter Freundschaften und die Kraft weiterzumachen, zu vergeben und nach vorne zu blicken. Leonie Lastella schreibt hier also wieder sehr lebensnah über Themen, die junge Menschen beschäftigen, über Protagonisten, die es wirklich geben könnte und Gefühle, die wir wohl alle kennen.


    Cooper: "Habe ich sie gerade allen Ernstes als meine Freundin bezeichnet? Das fällt wohl im Allgemeinen nicht unter ich lasse sie das Tempo bestimmen. Andererseits hat sie eine Scheißflagge in mein Herz gerammt und es damit als ihr Territorium markiert. Ob es nun zu schnell geht, ob ich damit einverstanden bin oder nicht - das sind die Fakten."


    Vor allem Leonie Lastellas atmosphärischer Schreibstil, der es ähnlich dessen der "Queen-of-Hearts" (Colleen Hoover) schafft, Gefühle mit wenigen Worten und ohne geschwollene Metaphern oder Ausschweifungen auszudrücken und - noch viel wichtiger - lebensecht an den Leser weiter zu transportieren, hat dafür gesorgt, dass ich Hope und Cooper nach meinen Anfangsschwierigkeiten noch sehr ans Herz geschlossen hatte. Dennoch (und hier kommt das große ABER ins Spiel, das dafür gesorgt hat, dass "So leise wie ein Sommerregen", mich nicht so sehr überzeugen konnte, wie Lastellas Vorgänger) haben mir hier die geballten Emotionen gefehlt, die zum Beispiel "Das Licht von tausend Sternen" so mitreißend gemacht hat, der besondere Funke, der auch weit nach dem Beenden der Geschichte das Vergessen unmöglich machte und die außergewöhnliche Grundidee, die einen bleibenden Eindruck hinterließ. Dazu waren mir die Entwicklungen der Protagonisten zu schnell, die Nebenfiguren zwar toll, aber noch mit zusätzlichem Potential, Coopers Vergangenheit zu flott abgehakt und der Prä-Happy-End-Breakdown zu aufgebauscht.


    Hope: "Lügen kann man nicht zurücknehmen. Vertrauen nicht einfach wiederherstellen. Denn es zerbricht nicht, wie alle immer sagen. Dann könnte man es reparieren. Seine Lügen löschen unsere Basis aus. Das Vertrauen in ihn verschwindet in dem Nichts, das in mir herrscht."

     

    Schade ist auch, dass ich die "große Wendung" der Storyline schon sehr früh vorhergesehen habe und so eigentlich nur halbherzig auf deren Enthüllung gewartet hatte. Da mich NA-Romane sowieso selten überraschen können und in der in Zwischenzeit allerlei tolle Dinge passieren - durch Sonnenuntergänge am Strang, Lagerfeuer, DIY-Aktionen, Koch-Dates und Küsse im Regen wird die romantische Volldröhnung aufgefahren - ist das nicht besonders schlimm, für eine enthusiastische Bewertung reicht es aber trotzdem nicht. Alles in allem fällt mein Urteil also ein bisschen enttäuscht aus. Versteht mich nicht falsch, ich mochte die Geschichte wirklich sehr, sie hatte nur einfach nicht genügend Pepp, um ein richtiges Herzensbuch zu werden. 

     


    Fazit

    Gerade zu Beginn hätte ich mir eine langsamere Entwicklung und mehr Zeit zum Ankommen gewünscht. Nach dem holprigen Start ist der Mittelteil gewohnt authentisch, magisch und voll romantischer Sommeratmosphäre - die Figurenentwicklung, Storyline und können es aber dennoch nicht mit Leonie Lastellas Vorgängern aufnehmen.  

     

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Cover des Buches Kaleidra - Wer die Seele berührt (ISBN: 9783846601167)

    Bewertung zu "Kaleidra - Wer die Seele berührt" von Kira Licht

    Kaleidra - Wer die Seele berührt
    wordworldvor 22 Tagen
    Kurzmeinung: So atmosphärisch, spannend und einfallsreich wie Band 1, jedoch mit einer einer viel höheren Handlungsdichte.
    Atmosphärisch, spannend und einfallsreich!

    Ich habe von Kira Licht jetzt schon vier Bücher gelesen - ihren YA-Erstling "Sunset Beach", ihre Götter-Dilogie und den Auftakt zur neuen Kaleidra-Reihe - und mit jedem Band wurde ich zu einem größeren Fan ihrer witzigen, einfallsreichen und mitreißenden Geschichten. Die Fortsetzung zu "Kaleidra - Wer das Dunkel ruft" haben Tomke von Throughsioux_Books und ich deshalb als sichere Bank für einen neuen Buddyread-Versuch eingeschätzt (zuvor hatten wir zwei spektakuläre Flops in Folge). Und richtig: "Kaleidra - Wer die Seele berührt" hat uns gezeigt, dass es nicht an uns liegt, sondern einfach unsere Auswahl bislang nicht glücklich war. Überraschend turbulent und originell entführt uns Kira Licht abermals in eine spannende Welt voller Geheimlogen, verschlüsselten Dokumente, gefährlichen Missionen, uralte Feindschaften und Allianzen und verbindet Mystery, Abenteuer, ein atmosphärisches Setting und eine zarte Liebesgeschichte.




    "Sag mir etwas Wahres", wisperte ich. "Sag mir etwas Wahres in dieser Welt voller Täuschungen und Lügen."




    Schon die Gestaltung ist einfach traumhaft und bringt mich als absoluten Cover-Kritiker immer wieder zum Schwärmen. Düster, geheimnisvoll und wunderschön - die Gestaltung bringt die Atmosphäre der Geschichte einfach auf den Punkt. Nicht nur dass die Lichtpunkte und die geometrischen Formen die naturwissenschaftlichen, aber auch fantastischen Anklänge des Romans auffangen, die starken Kontraste zwischen hellem Silber und dunklen, schwarzen Schatten passen auch wunderbar zum Thema. Zusammen mit dem silbernen Titel und dem dunklen Lesebändchen wird das Buch zu einem Gesamtkunstwerk, das dem des ersten Bandes stark ähnelt und somit im Regal wunderbar zusammenpasst. Auffällig am Innenleben dieser Schönheit ist, dass die Seiten sehr dünn sind und die 480 Seiten deshalb optisch eher wie höchstens 350 erscheinen. Eine kleine positive Überraschung hat das Buch noch auf den letzten Seiten parat. Hier wartet nämlich ein hilfreiches Glossar auf den verwirrten Leser, das neue Begriffe erklärt und altbekannte nochmal auflistet, sodass der Wiedereinstieg in die doch recht komplexe Story nach gut einem Jahr leichter fällt.




    Erster Satz: "Ich schmeckte Blut"




    Zusätzlich zum Glossar wird der Wiedereinstig in die Geschichte dadurch erleichtert, dass wir uns in "Kaleidra - Wer die Seele berührt" gleich zu Beginn an einem anderen Schauplatz wiederfinden. Wie Ihr Euch vielleicht erinnert, hat Band 1 ja mit einem ziemlichen Schocker geendet. Nicht nur dass Emilias bester Freund Matti sich als Alchemist herausgestellt hat, er ist auch noch Teil der feindlichen Quecksilberloge und hat Emilia und Ben um seine Tarnung nicht auffliegen zu lassen kurzerhand entführt. Als Emilia in der Quecksilberloge in Washington wieder zu sich kommt, warten jedoch noch weitere negative Überraschungen auf sie: unsere junge Heldin muss erfahren, dass sie zusammen mit Ben und Matti ein gefährliches Tria Bündnis eingehen soll, um den letzten Baustein zu finden, der nach den Missionen aus Band 1 noch fehlt, um das Wasser des Lebens herzustellen. Wie bösartig und umfassend der Plan des Oberhaupts der Quecksilberloge, Professor Avalanche, jedoch tatsächlich ist und dass er vor nichts halt machen wird, um zu seinem Ziel zu gelangen, erfahren die drei erst, als es schon zu spät ist...




    "Einen Moment lang sah Kyle mich völlig unbewegt an. Das tiefe Braun seiner Iriden schien mit seinen Pupillen zu verschmelzen, als sich ein irisierender Schimmer von rechts und links über die Hornhaut seiner Augen schob. "Glaub mir, Silberling, hier gibt es weitaus furchterregendere Alternativen als den Tod."




    Durch das neue Setting wird sofort klar, dass die gemütliche Einstiegsphase in die Handlung nun endgültig beendet ist und es ab jetzt ernster zugeht. Zwar haben mir Rom, die Goldloge und deren weitere Mitglieder wie Annmary, Oliver, Larkin oder Murphy ein bisschen gefehlt, dafür bringt die Quecksilberloge mit ihren diabolischen Erfindungen, den neuen mal mehr und mal weniger bösen Figuren (Stichwort: Karate-Kid-Kyle und Tritt-Mich-Tyson) und einer Menge neuer Informationen, die nicht nur Emilia, sondern auch uns Leser die Weltsicht hinterfragen lassen, einen spannenden frischen Wind. Im Kern geht es jedoch wieder um das eher ungewöhnliche Thema, das Kira Licht hier zum Mittelpunkt ihrer neuen Reihe auserwählt hat: die Alchemie. Dass Bücher über verborgene Geheimlogen, Reisen durch magische Artefakte und Konkurrenzkämpfe zwischen den Gruppierungen gut als Jugendfantasy funktionieren, weiß man spätestens seit "Rubinrot", dennoch war ich zu Beginn etwas skeptisch, wie die Mischung aus Chemie und Magie zusammenpassen wird. Schon in Band 1 löste sich meine anfängliche Skepsis jedoch schnell in Begeisterung auf. Wer hätte gedacht, dass chemische Reaktionen, verstaubte Manuskripte und komplizierte Rätsel so spannend sein können? 




    "Wir sahen uns an und einen ewigen Moment lang war da nichts als Stille. Und mein Herzschlag in der Dunkelheit. Jeder Schlag für ein nicht gesagtes Wort. Jede Sekunde der Stille für ein bereutes Wort."




    Ich habe es in meiner Rezension zu Band 1 schonmal erwähnt, sage es aber gerne nochmal: "Kaleidra" kann auch ohne jegliches chemisches Vorwissen gut verfolgt werden, ein grundlegendes wissenschaftliches Vorstellungsvermögen sollte man aber dennoch mitbringen. Wer nicht weiß, dass Natrium zusammen mit Chlor zu Salz reagiert, oder Quecksilber einen niedrigeren Siedepunkt hat als Silber und Gold, wird die Handlung dank Kiras leicht verständlichen Schilderungen trotzdem nachvollziehen können. Richtig Spaß macht die Geschichte aber erst, wenn man die innere Logik der Actionszenen versteht und auch mit Kiras Beschreibungen von Laboren, fliegenden Riesenschlangen und Parallelwelten etwas anfangen kann - nur dann entfaltet sie ihr volles Potential. Alle, die jetzt trotzdem noch "Chemie, igitt" denken, kann ich damit beruhigen, dass der Fantastikgehalt hier gegenüber dem ersten Teil nochmal ordentlich gesteigert ist. Klar, die Autorin erfindet hier das Genre nicht wirklich neu und greift auch auf altbewährte Strategien und Abläufe zurück, aber ihr gelingt es mit viel Einfallsreichtum und Kreativität, einen individuellen Wiedererkennungswert zu hinterlassen und ein ganz besonderes Lesegefühl hervorzurufen.




    "Wir sind zwei Naturgewalten. Wir sind dafür gemacht, Seite an Seite die Welt aus ihren Angeln zu reißen. Ich straffte die Schultern, hielt seinen Blick. Und wir würden nicht untergehen."




    Kira Licht ruht sich jedoch nicht auf dem Weltenaufbau ihres Eröffnungsbandes aus. Egal ob ein vierter Orden, weitere Mitspieler, neue Verwandtschaftsverhältnisse oder Apokalypsen-Pläne - hier bekommen wir einiges zum Nachdenken, wenn wir nicht gerade mit Emilia und Ben um unser Leben kämpfen. Und jener Überlebenskampf steht wieder ganz oben auf der Tagesordnung. Schon Band 1 war mit vielen Actionszenen, Straßenkämpfen, magischen Ritualen und abenteuerlichen Missionen gespickt. Die Handlungsdichte in Band 2 ist nun aber nochmal wesentlich größer. In "Kaleidra - Wer die Seele berührt" jagt eine magische, spannende, gefährliche Situation die nächste und wenn wir gerade kein Tria-Bündnis schließen, in der fremdartigen Welt Kaleidra um unser Leben kämpfen, oder mit ägyptischen Göttern um den letzten Baustein ringen, geht es eben in der Quecksilberloge rund. Zu sagen, es kämen hier keine Längen auf wäre also eine riesige Untertreibung. Tatsächlich lässt uns Kira Licht kaum einen Moment Zeit, um zu verschnaufen, bevor sie die nächste epische Szene folgen lässt. 




    "Seine Augen waren schwarz in der schemenhaften Dunkelheit, seine Stimme nur noch ein raues Flüstern. "Was willst du dann?"


    "Ich will vergessen, wo wir uns befinden. Ignorieren, was die Orden uns vorschreiben. Einfach nur mit dir allein sein. Dich kennenlernen. jede Geschichte aus deiner Kindheit, jede Niederlage, die sich stärker gemacht hat. Jeden Erfolg, der dir Flügel verliehen hat. Ich will wissen, woher du jede einzelne Narbe an deinem Körper hast. Was dich zum Lächeln bringt, was dich traurig macht, was du dir im tiefsten Inneren deines Herzens wünscht. Deine Ängste, deine Zweifel, deine Sehnsüchte. Ich will jeden Quadratzentimeter deiner Haut kennen und jedes Quäntchen deiner Seele mein Eigen nennen."


    Doch ich sagte kein einziges Wort."




    Glücklicherweise leiden aber weder die Figuren noch das Setting unter diesem hohen Erzähltempo. Klar, der Fokus der Geschichte liegt hier mehr auf der Handlung und weniger auf den Figuren. Dennoch gelingt es Kira Licht, zwischen den Actionszenen genügend Reflexion, Dialoge und Erkenntnis zu schieben, dass die Geschichte geerdet bleibt und sich Dynamiken zwischen den Figuren fortsetzen. So geht es zum Beispiel auch um die leidende Freundschaft zwischen Emilia und Matti sowie ihrer Beziehung zu Ben, die sie hier zwar ausbaut, aber trotzdem eher zart und im Hintergrund bleibt. Auch Emilia an sich wird mit neuen Erkenntnissen über sich, ihre Herkunft und ihre Fähigkeiten konfrontiert und wächst daran immer mehr zu einer selbstbewussten Kämpferin, die sich nicht unterbuttern lässt. Auch wenn sie als magische Überfliegerin und wichtige Schlüsselfigur mit ungeahnten Kräften die Ausgeburt des "Special Snowflake"-Klischees ist, fand ich es sehr sympathisch, wie sie emanzipiert das Beste aus ihrer Situation macht und immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat. Mit ihrem Mundwerk, dass manchmal ein bisschen schneller ist, als ihr Gehirn, sorgt sie auch für den ein oder anderen Lacher. Ihre Reaktion auf die Entführung der Quecksilber Alchemisten ("Wo gehen wir hin? Warum darf ich das nicht wissen? Ich finde das echt sehr unhöflich") war zum Beispiel legendär. Auch andere Szenen wie die Bemerkung, dass das Wasser des Lebens doch auf keinen Fall aus nur 10 Zutaten bestehen kann, immerhin seien schon in jeder einfachen Handcreme dreimal so viel Inhaltsstoffe, sind einfach so herrlich absurd, dass man einfach schmunzeln muss. 




    "Zehn Zutaten, Matti", wiederholte ich und betonte jedes einzelne Wort. "In jeder dämlichen Handcreme sind heutzutage über dreißig. Und sie macht dich nicht unsterblich. Wir haben ein paar Kräuter gesammelt, ein bisschen Kies und Sand und eine Karaffe mit Wasser. Das alles klingt wie die großartigste Schnitzeljagd der Menschheitsgeschichte. Wirklich, ich respektiere die Kreativität der Alchemisten, die sich das ausgedacht haben. ich respektiere die Orden, weil sie das Voynich-Manuskript dadurch konservieren wollen, dass sie die Rezeptur herausfinden möchten. Aber ganz im Ernst? Zehn Zutaten? Ewiges Leben? Wirklich?"




    Alchemisten-Mystik, Abenteuer mit Indiana-Jones-Vibes und einen Hauch Romantik... was will man mehr? Zum Leben erweckt wird diese wundersame Mischung aber erst durch Kira Lichts spritzigen, erfrischend humorvollen und lockeren Schreibstil. Sie zieht ihre Geschichte wie gesagt sehr rasant auf, sorgt jedoch durch schlagfertige Dialoge, kreative Ideen, skurrile Begegnungen und leise Romantik dafür, dass wir niemals vergessen, dass hier jugendliche Protagonisten am Werk sind und keine Maschinen. Durch ihren einmaligen Humor, der mich ein wenig an Jennifer L. Armentrout in ihren besten Jahren erinnert hat, bringt sie immer wieder Schwung in die Geschichte und hat mich ein ums andere Mal zum Lachen gebracht. Leider sind auch abseits der Protagonistin einige genretypischen Klischees wie zum Beispiel den Crazy-Wissenschaftler-Bösewicht zu finden und auch erstaunlich viele Fehler (vor allem Wortauslassungen oder Dopplungen) fielen mir negativ auf. Über diese kleinen Mängel täuschen die hohe Spannung, die rasante Handlung, die magische Atmosphäre (und habe ich schon die hohe Spannung erwähnt) zwar geschickt hinweg, dennoch ziehe ich hier für diese Kleinigkeiten einen halben Stern ab. Für volle 5 Sterne hätte ich mir außerdem noch etwas mehr Figurentiefe, eine stärkere Ausarbeitung deren Beziehungen und mehr Informationen zu einigen Entwicklungen gewünscht.




    Vor allem aufgefallen ist mir das im letzten Abschnitt, der es ganz schön in sich hat. Gerade gegen Ende wird eigentlich alles rätselhafter, statt klarer, verzweifelter, statt besser und während ich mich während der letzten Kapitel noch fragte, wie Kira Licht ihre Figuren in den verbliebenen Seiten noch aus dieser Misere retten will, war mir kurz vor Schluss klar: gar nicht. Nehmt den Cliffhanger von Band 1, multipliziert ihn mit dem Faktor 1000 und das ist dann das Ende von "Kaleidra - Wer die Seele berührt". Puh, und jetzt noch bis Oktober auf den dritten und letzten Teil, "Kaleidra - Wer die Liebe entfesselt" warten? Ich habe ungefähr unendlich viele Fragen an den weiteren Verlauf der Geschichte, die ich bis dahin wahrscheinlich wieder vergessen habe. Vielen Dank auch, Kira! 


     




    Fazit


    So atmosphärisch, spannend und einfallsreich wie Band 1, jedoch mit einer einer viel höheren Handlungsdichte. "Kaleidra - Wer die Seele berührt" ist alles andere als ein Lückenfüller, hier jagt ein Abenteuer das nächste und hinterlässt ein dringendes Bedürfnis nach Band 3!


     

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Cover des Buches Dry (ISBN: 9783737356381)

    Bewertung zu "Dry" von Neal Shusterman

    Dry
    wordworldvor einem Monat
    Kurzmeinung: Der Klimawandel und dessen verheerenden Folgen zu einem hochspannenden Apokalypse-Jugendbuch verarbeitet.... Genial!
    Erschreckend realistisch, berührend menschlich und beeindruckend rasant...

    Neal Shusterman hat mich bislang vor allem mit seinem Jugendroman "Kompass ohne Norden" und seinen beiden Dystopie-Reihen "Vollendet" und "Scythe" überzeugen können. Mit "Dry" nimmt er sich gemeinsam mit seinem Sohn eines weitaus realistischeren und in näherer Zukunft liegenden Themas an: dem Klimawandel und dessen verheerenden Folgen. Verarbeitet zu einem hochspannenden Apokalypse-Jugendbuch machen er und sein Sohn Jarrod darauf aufmerksam, was in schon naher Zukunft passieren könnte und wie dünn das Rinnsal ist, dass uns von einer humanitären Katastrophe trennt...


    Passend zum Thema ist die Geschichte all denjenigen gewidmet, die "sich anstrengen, die katastrophalen Folgen des Klimawandels rückgängig zu machen." Wie der knappe und sehr passende Titel schon verrät, rückt hier die anhaltende Dürre in Südkalifornien in den Mittelpunkt, in der die elementarste Ressource überhaupt knapp wird: Wasser. Passend dazu ist auf dem Cover vor einem krisseligen, dunklen Farbverlauf ein Streichholz zu sehen, welches statt einer Flamme einen Wasserspritzer enthält. Innerhalb der Buchdeckel finden sich neben 56 Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven und sechs große Gesamtabschnitte mehrere "Snapshots". Letztere werden regelmäßig eingebunden, um ein vollständigeres Bild der Krise zu erhalten und auch auf die gesamtgesellschaftlichen Folgen der Wasserknappheit und des Tap Outs einzugehen.


    Alyssa: "Für eine Wasserkrise gibt es keine Radarbilder. Keine Sturmfluten, keine Trümmerfelder. Der Tap-Out ist so lautlos wie Krebs."


    Im Gegensatz zu anderen Apokalypse-Geschichten wie zum Beispiel "Black-Out" oder "Der Schwarm", die eher auf ein breites Bild abziehen, dabei aber die emotionale Bindung etwas aus den Augen verlieren, konzentriert sich "Dry" bis auf die wenigen Snapshot-Ausflüge auf eine einzige Gruppe Jugendlicher und deren Weg durch die Krise, was einen noch intensiveren Bezug des Lesers zur Handlung schafft. Dabei nutzen die beiden Autoren vier Ich-Perspektiven: Alyssa, Kelton, Jacqui und Henry, die nach und nach mit zunehmender Eskalation auftreten. Trotz dass "Dry" relativ langsam startet, hat mich die rasant erzählte Geschichte über das Schicksal von fünf Jugendlichen, die unterschiedlicher nicht sein könnten aber in ihrem Kampf ums Überlegen vereint sind, von der ersten Seite in ihren Bann gezogen. Von der ersten Seite an liegt eine dunkle Vorahnung in der Luft, während wir zunächst zusammen mit der 16jährigen Alyssa bemerken, dass aus dem Wasserhahn kein Wasser mehr kommt. Zwar ist die Situation zuerst eine recht alltägliche, als aufmerksamer Leser ahnt man jedoch, dass der Weg zur humanitären Katastrophe nicht weit ist. Denn mitten im kalifornischen Hochsommer kein Wasser mehr zu haben, entpuppt sich als großer Albtraum und die aller wenigsten sind darauf vorbereitet. Für Alyssa, ihre Eltern und ihren kleinen Bruder Garrett bedeutet das: so schnell wie möglich an Wasser gelangen - doch das wollen leider alle...


    Alyssa: "Irgendwas fühlt sich komisch an. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber es hängt in der Luft wie ein Geruch. Es ist die Ungeduld der Menschen vor den Kassen. Fast wie mit einem Rammbock bahnen sich die Leute mit ihren Einkaufswagen einen Weg durch die Schlangen. Es herrscht eine Art primitive Ur-Feindlichkeit, nur verdeckt von einer dünnen Schicht aus vorstädtischer Höflichkeit, die langsam fadenscheinig wird."


    Alyssas Nachbar Kelton - unser zweiter Erzähler - und dessen Familie haben es besser, denn als Hobby-Prepper sind die McCrackens seit Jahren auf jede Form der Apokalypse vorbereitet. Doch dass ein Notfallaggregat, ein Wassertank hinter dem Haus und angelegte Vorräte Neider anlockt und verzweifelte Menschen vor fast nichts zurückschrecken, wird auch ihnen zum Verhängnis. So sitzen Kelton, Alyssa und Garrett schnell in einem Boot und versuchen, die Ausuferungen des Chaos´ um sie herum zu umgehen. Geplünderte Supermärkte, gescheiterte Nachbarschaftshilfen und umherirrende "Wasserzombies" sind die ersten Vorzeichen. Nach mehreren Tagen spitzt sich die Lage doch zusehends zu und es geht für unsere Protagonisten ums nackte Überleben. "Dry" wird von Seite zu Seite ernster und enthält auch einige sehr heftige Szenen, bei denen mir der Atem stockte. So klebte ich beinahe an den Seiten, während ich mit unseren Protagonisten durch verlassene Straßen, von Unterschlupf zu Unterschlupf reiste, sie durch Wälder, über verstopfte Autobahnen und durch ausgetrocknete Kanäle begleitete, immer auf der Suche nach dem nächsten Schluck Wasser...


    Kelton: "Es passiert alles genauso, wie es in den Survival-Büchern steht. Aber das tröstet mich nicht. Nicht im Geringsten. Weltuntergangsszenarien machen nur Spaß, solange der Weltuntergang theoretisch ist. Jetzt wünschte ich, sie hätten sich alle geirrt."


    Doch die Kleinigkeit, die die Geschichte wirklich schlimm macht, ist der wahre Kern. Man würde die Geschehnisse gerne der blühenden Fantasie von Neal und Jarrod Shusterman zuschreiben, doch was alles so erschüttern macht, ist dass ich mir mir ohne Probleme vorstellen könnte, von genau dieser Krise im Sommer in den Nachrichten zu sehen. Erschreckend realistisch wird das Buch auch dadurch, dass die Shustermans sehr gut recherchiert haben. Von Katastrophenpläne über die typischen Abläufe einer Krise bis zum Zusammenbruch der gesellschaftlichen Strukturen und einem anarchischen Zustand - die beiden Autoren erzählen hier einen Ablauf, der genau so passieren könnte, untermauert mit mir bekannten Theorien der Psychologie. 


    Alyssa: "Es ist so ruhig", sage ich. "Da kann man fast vergessen, was da draußen los ist." "Dort ist nichts, nur Menschen", erklärt Henry. "Menschen können Monster sein. Egal ob wegen ihrer Handlungen oder ihres wahren Wesens, das tut nichts zur Sache. Das Ergebnis ist dasselbe." Henry zuckt mit den Schultern, als würde ihn das nicht stören. Ich frage mich, ob er tatsächlich so unbekümmert ist oder ob er mir zuliebe so tut. "Manchmal muss man ein Monster sein, um zu überleben", sagt er."


    Neben der Spannung, die aus dem ständigen Kampf ums Nackte Überleben resultiert, machen in "Dry" genau wie in Neal Shustermans "Vollendet"-Reihe zwischenmenschliche Konflikte, Beobachtungen, Manipulationen und Machtkämpfe - also kurz: die Gruppendynamik zwischen den Jugendlichen - ebenfalls einen Teil der Spannung aus. Bei einigen Zwischenstopps erhalten wir zwei zusätzliche Mitglieder des durch das Schicksal zusammengeschweißten Überlebensteams, die ebenfalls aus ihrer Geschichte erzählen dürfen. Die 19jährige Jacqui bringt dabei zwar eine Menge Straßenerfahrung und ihre Fahrkünste mit ins Team, erschwert den Umgang in der Gruppe jedoch dadurch, dass sie ein laufendes Pulverfass ist. Richtig ins Rollen kommt der Strudel aus Misstrauen, Achtsamkeit und Verrat innerhalb der Gruppe aber erst, als der berechnende Henry aus gutem Hause dazu stößt, der in der Krise vor allem eins sieht: eine Möglichkeit Profit zu schlagen...


    Henry: "Das Geheimnis der erfolgreichen Zusammenarbeit in einer Gruppe ist ein dynamischer, ansprechbarer Anführer. Und der Schlüssel, ein guter Anführer zu sein, ist genaue Beobachtung und subtile Manipulation - so subtil, dass niemand merkt, dass er manipuliert wird. Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist das auch der Schlüssel für eine erfolgreiche Regierung."


    Die Mitfühlende, das Nesthäkchen, der Nerd, die Draufgängerin und der Snob - die fünf Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein, dennoch verbindet sie eines: sie werden vom Autorenduo Shusterman mit wenigen Worten als starke Teenager charakterisiert, die vor allem eines sind,  Menschen. Menschen, die Angst haben, Rache wollen, lieben, hassen, zweifeln, trauern, hoffen und leben wollen. Auch wenn das Buch an einigen Stellen hart und kompromisslos erscheint, hat es mich doch tief berührt. Ich liebe Bücher, die mich zum Nachdenken anregen, egal in welchem Genre sie angesiedelt und dieses hat mich zu ausschweifenden Grübeleien verholfen. Allein an der Anzahl der Flaschen Wasser, die ich beim Lesen getrunken habe, merkt man vermutlich, wie nah mir die Geschehnisse gingen. Darüberhinaus ließ mich der Gedanke einfach nicht los, wie schlecht ich selbst auf eine derartige Krise vorbereitet wäre und ich konnte nicht aufhören mich zu fragen, wie weit ich bereit wäre für mein eigenes Überleben zu gehen...


    Alyssa: “Entweder man öffnet die Türen weit oder man schließt sie ab”, sage ich wehmütig. “Die Menschen sind zu kompliziert, um auf irgendetwas dazwischen zu vertrauen.”


    Auch einige wirklich berührende Szenen schmücken den Plot, der sonst vor allem auf Action, Gewissensfragen und die starken Charaktere baut. Es ist so unendlich schön und bitter mitzuerleben, wie die fünf sich zusammen durchkämpfen und alle Seiten der Not kennenlernen. Auch die Entwicklung der Figuren folgt einer psychologischen Theorie: ganz nach dem Motto "In drei Tagen vom Mensch zum Tier" offenbart die Katastrophe in jedem der Figuren neue Abgründe... Man merkt jedoch nicht nur an den jugendlichen Figuren, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt. Zwar wird hier nichts beschönigt, dennoch hätte man noch zu extremeren Mitteln greifen und wirkliches Elend zeigen können. So werden zwar ab und zu von Todesopfern berichtet, Leichensäcke genannt oder Totkranken wird der Tod prophezeit, die Menschen verdursten und sterben aber im Off und belasten die jugendlichen LeserInnen nicht zusätzlich. Da die Lage dank des meisterhaft direkten, schonungslosen Schreibstil, der uns einen gruseligen Gänsehautmoment nach dem anderen beschert ohne grausam oder blutig zu sein, schwer genug zu ertragen ist, würde ich das Buch aber erst ab 14 bis 16 Jahren empfehlen. 


    Kelton: "Wenn es ums Überleben geht, gibt es keine Preise für zweite und dritte Plätze, sondern nur Gold oder Grab. Und ich glaube, den anderen ist nicht klar, wie nah wir am Verlieren sind."


    Der einzige Kritikpunkt, den ich bei diesem Meisterwerk vorzubringen habe, ist das Ende. Dieses war mir nach der sich langsam immer stärker aufbauenden Spannung hin zur Eskalation viel zu zahm und auch zu knapp abgehandelt. Vom absoluten Tiefpunkt, an dem ich mir sicher war "jetzt ist alles aus", bis zu "alles wieder normal" muss man leider nur dreimal umblättern. Hier hätte ich mir eine langsamere, ausführlichere Entwicklung gewünscht, die den Leser emotional zurück zur Normalität führt und auch die zwischen Beinahe-Tod und Happy-End vergangene Handlung (Zurückkehr der Eltern, Auflösung des Konflikts, Rückführung in den Normalzustand) genauer ausführt. Zwar kann ich schon verstehen, weshalb das Shusterman´sche Autorenduo diesen krassen Sprung gewagt hat - um auch den Lesern zu verdeutlichen, wie verloren sich die Figuren auch nach dem Ende der Krise noch fühlen und wie solche Extremsituationen nie so wirklich vorbei zu sein scheinen -, mir persönlich war das aber zu knapp und hat nicht ganz zum sich langsam aufbauenden Rest der Geschichte gepasst. Dass am Ende alle vergleichsweise glimpflich davonkommen kann ich dagegen unter dem Gesichtspunkt, dass es sich hier um ein Jugendbuch handelt, nachvollziehen.


    Ich könnte hier noch viele Gründe mehr angeben, wieso mich dieses Buch so sehr fasziniert und so gefesselt hat, aber am besten du machst dir selbst ein Bild und liest diesen wirklich tollen Roman. Beenden möchte ich meine Rezension mit einem schönen Gedanken....


    Alyssa: "Mir wird klar, dass dies der wahre Kern des menschlichen Wesens ist: Auch wenn wir die Energie verloren haben, uns selbst zu retten, finden wir noch irgendwie die Kraft, uns gegenseitig zu helfen."

     


    Fazit

    Jarrod und Neal Shusterman haben in "Dry" den Klimawandel und dessen verheerenden Folgen zu einem hochspannenden Apokalypse-Jugendbuch verarbeitet. Der Kampf ums Überleben ist so erschreckend realistisch, die Figuren so berührend menschlich und die Dynamik so beeindruckend rasant, dass ich die Geschichte bis zum Ende nicht aus der Hand legen konnte.

     

    Kommentare: 2
    4
    Teilen
    Cover des Buches QualityLand 2.0 (ISBN: 9783844926026)

    Bewertung zu "QualityLand 2.0" von Marc-Uwe Kling

    QualityLand 2.0
    wordworldvor einem Monat
    Kurzmeinung: Vereint intelligente Gesellschaftskritik, ein gut durchdachtes Grundkonzept, ungewöhnliche Figuren und bissigen Humor.
    WAS SICH MARC-UWE-KLING AUSGEDACHT HAT, WIRST DU NICHT GLAUBEN...

    Nach dem letzten satirischen Meisterwerk von Känguru-Kleinkünstler Marc-Dieter Kling (ähm natürlich Marc-Uwe Kling) "QualityLand" blieben noch einige Fragen offen. Was war in dem Paket, das Peter Arbeitsloser am Ende erhalten hat? Ist John Of Us wirklich tot, oder hat er sich womöglich ins Netz hochgeladen? Was passiert mit Martyn Vorstand nach dem Attentat, wer ist "der Alte" und weshalb trägt Kiki den Namen "Unbekannt"? Um Antworten zu erhalten hilft nur eins: mit "der ersten Thrillerromanzesciencefictionfamiliendramafantasysachbuchhorrortagebuchtruecrimekinderbuchchicklit- ratgeberheiligeschriftpornogroschenhefttextinterpretationskomödie der Literaturgeschichte" nochmal nach QualityLand reisen, dem bestesten aller Länder. 




    Auch "QualityLand 2.0 - Kikis Geheimnis" entführt in eine nicht ganz so ferne Zukunft, in der Deutschland den klangvollen Namen "QualityLand" trägt, um negative historische Beigeschmäcker loszuwerden und außerdem "Made in QualityLand" auf Exportgüter drucken zu können. Dieser fremdartige und doch seltsam plausible Zukunftsentwurf wurde uns schon in Band 1 geschickt durch Einschübe aus "QualityLand, Ihr persönlicher Reiseführer" und mehrere Handlungsstränge näher gebracht. Letztere werden von Erzählerin Kalliope 7.3 in dieser Fortsetzung natürlich gebührend weitergeführt. Die E-Poetin, die uns auch schon durch Band 1 geführt hat, setzt hier jedoch nicht nur auf Handlung, sondern peppt die Geschichte durch witzige Fußnoten und Clickbait-Kapitel-Überschriften wie "10 Dinge, die du noch nicht über Jennifer Aniston wusstest!" ordentlich. Zusätzlich gibt es zwischen den einzelnen Kapiteln auch wieder Werbeanzeigen, Nachrichtenbeiträge (inklusive der stupiden Kommentare natürlich) und kurze, aber reichlich bescheuerte Podcast-Auszüge von "Doppel-D, dem MV-Kanal von Dan und Dan". Wichtig zu wissen ist an dieser Stelle, dass "QualityLand" in zwei verschiedenen Editionen erschienen ist, die sich nicht nur hinsichtlich ihrer Coverfarbe, sondern auch bezüglich der Tönung der Werbeanzeigen und Nachrichtenbeiträge unterscheiden. Während in der weißen Edition vorwiegend positive Werbeanzeigen und Nachrichten gebracht werden, sind diese in der schwarzen Edition eher negativ. Aber keine Angst: Euch entgeht nichts, wenn Ihr Euch für eine Edition entscheidet - die Beiträge der anderen Version (und vieles mehr) könnt ihr auf der toll gestalteten Website zu Qualityland nachlesen.





    Kommentar von: MELISSA SEXARBEITERIN


    "Lasst euch nicht von den Sistemmedien belügen! Es gab schon immer schöne und hässliche Tage! Im übrigen ist die Erde ein Würfel! Und schuld an allem haben die ganzen krimniellen Auslender."



    Im Zentrum der Geschichte steht mal wieder unser Protagonist Peter Arbeitsloser (der Name kommt daher, dass Jungen als Nachnamen den Beruf ihres Vaters bei der Zeugung erhalten und Mädchen nach dem ihrer Mutter benannt werden), der den Systemstreit gegen sein falsches Profil nun hinter sich gelassen, den rosa Delfinvibrator stolz in seiner Praxis aufgestellt, seine Maschinenverschrottung an den Nagel gehängt und zum Maschinentherapeut umgeschult hat. Nun schlägt er sich täglich mit den Beziehungsproblemen von Kühlschränken, verstörten Saugrobotern, Cuddle-Bots mit Berührungsängsten oder frierenden Klimaanlagen herum. Mit von Partie sind natürlich wieder seinen schrägen Maschinen, die immer noch eine Zwecks-WG in seinem Keller bilden, seit er sie vor der Verschrottung gerettet hat. Das Qualitypad mit Persönlichkeitsstörung Pink (erinnert stark an einen bekannten fiktionalen Charakter aus Marc-Uwes anderer Bestsellerreihe), unsere Erzählerin, die E-Poetin Kalliope 7.3, der panzerbrechender Kampfroboter für schwere Kriegseinsätze mit posttraumatischer Belastungsstörung Mickey, die Flugdrohne mit Flugangst Carrie, der nun bekennend homosexuelle Sexdroide Romeo und natürlich Peters persönlicher Assistent der Ohrwurm Niemand stehen Peter bei allen neuen Problemen hilfreich zur Seite. Und da kommen auf dieses verrückte Team auch einige zu, denn Peters Freundin Kiki will nicht nur das Mysterium ihrer Herkunft lüften, sondern muss sich seit neustem auch gegen den gefährlichen "Puppenspieler", dessen Avatar, den Zyklopen, der gerne Köpfe durch Wände zaubert und dessen zwei Sidekicks in grünen Jogginganzügen und mit witzigen Akzenten behaupten. Dazu kommt, dass der Chef von The Shop, dem weltweit beliebtesten Versandhändler, Henryk Ingenieur, größenwahnsinnige Pläne hegt, die seltsamerweise Peters Freundschaft und einige Entführungen beinhalten... 




    Könnt Ihr noch, oder hat euch dieser kreative Haufen von Nebenprotagonisten und verrückten Ideen schon zu sehr geplättet? Ich hätte da nämlich noch einen zweiten Handlungsstrang im Angebot, der die Geschehnisse um den Präsidentschaftswahlkampf weiter begleitet. Nachdem der Androide "John of Us" in die Luft gejagt wurde, ist nun Tony Parteivorstand der neue vorübergehende Präsident von QualityLand. Für seine Wahlkampfleiterin Aischa Ärztin bedeutet das nicht nur, dass Tony regelmäßig von dummen Ideen wie dem Verbieten von Schnürsenkeln abraten muss, während sie rätselt, ob es noch Spuren von "John of Us" im Netz gibt, sondern auch dass sie auf eigene Faust herausfinden muss, wieso der dritte Weltkrieg ausbrach und warum er nur wenige Stunden dauerte... Im letzten Handlungsstrang begleiten wir wieder Martyn Vorstand, der m letzten Handlungsstrang begleiten wir Martyn Vorstand der ganz oben in den oberen Gefilden der Gesellschaft startete und dank eines Vorfalls mit einer Tennissocke und eines zweiten mit einer Menge Sprengstoff ganz unten landet. Wie aus dem ehemaligen zur Bourgeoisie gehörenden Martyn ein Held der berüchtigten Lo-Levs wurden, - lest, oder hört, selbst!




    Und damit wären wir bei einem weiteren wichtigen Punkt, den ich gerne ansprechen will: das Medienformat der Geschichte. Da "QualityLand 2.0" wieder weniger dialogbasiert ist als die Känguru-Reihe und als komplexe, zusammenhängende Geschichte mit mehreren Handlungssträngen daherkommt, würde ich hier eher das Buch empfehlen, auch wenn das Hörbuch durch den Autor selbst wieder professionell und kurzweilig eingesprochen ist. Was Känguru-Fans freuen wird: Auch in "QualityLand 2.0" sind wieder einige Eastereggs versteckt. Neben dem "ältesten Trick der Welt" (dies bezeichnet natürlich die Phrase "Halt mal kurz") und ikonischen Aussprüchen wie "Ein Idiot in Uniform ist immer noch ein Idiot" werden aufmerksamen Fans auch ein, zwei Nebencharaktere bekannt vorkommen... Doch auch wer die Känguru-Reihe noch nicht kennt (ich habe Mitleid mit diesen armen Menschen), wird humortechnisch voll auf seine Kosten kommen. Wieder einmal schreibt der Autor rhetorisch auf hohem Niveau und versichert durch die ständige Abwechslung subtiler Anspielungen und plumper Wortspiele, dass jede Art von Leser hier mal Lachen muss. Die vielen witzigen Szenen, Gedanken und Dialoge täuschen dabei wunderbar darüber hinweg, dass im ersten Drittel der Geschichte nicht viel Neues passiert und die Handlung erst im zweiten Drittel richtig ins Rollen gerät. Bei einigen Gags wie zum Beispiel dem Besuch von "Hitler - Das Musical" oder dem Running Gag "NBDWA" (das Akronym zu "nach Beginn der Wetteraufzeichnung") bleibt das Lachen auch schonmal im Hals stecken. Bei anderen muss man seine grauen Zellen ganz schön anstrengen, um sie zu verstehen, während wieder andere wie beispielsweise der Maschinenwitz "Der Mann zwei Pandas plitsch platsch dreizehn Sand Augen zu bumm" wohl allen Bewusstseinsformen mit einem IQ unter 300 für immer ein Rätsel bleiben werden...


     



    YOUR SONGS – LIEDER, WIE FÜR DICH GEMACHT



    "Du magst die Melodie des Songs, aber der Text passt nicht so richtig zu dir? Kein Problem! Wir deep-faken die Stimmen deiner Lieblingskünstler und lassen sie singen, was du willst!"



    "QualityLand 2.0" ist jedoch nicht nur witzig, sondern beinhaltet auch Fingerzeige und Auseinandersetzungen mit verschiedenen, wichtigen Themen. Den Spagat zwischen klamaukig und ernst gelingt dem Autor mal wieder brillant. Der Autor schreibt nicht nur sprachlich und rhetorisch hervorragend, sondern tut sich auch mit enormer Fachkenntnis zu Digitalisierung und Informatik hervor. Anhand anschaulicher Beispiele erläutert er moralisch-ethische Fragestellungen, die sich mit smarter Technologie in Zukunft ergeben werden. Egal ob die moralischen Dilemmas selbstfahrender Autos, die entscheiden müssen, ob sie lieber den Level-89-Millionär oder zehn Kindergartenkinder umfahren, die verheerenden philosophischen Auswirkungen der Entwicklung einer starken KI, das "The Winner Takes It All"-Prinzip des Online-Handelns, das Dilemma von automatischen Waffensystemen oder spannende Fakten zum "Algorithmus, wo man mit muss!" - diese Themen werden auf unterhaltsame und leichtverdauliche Weise bearbeitet und sorgen für den ein oder anderen Aha-Effekt. Ein bisschen mitdenken ist also durchaus erforderlich, durch die gekonnte langsame Hinführung zu verschiedenen Themen muss man aber nicht besonders viel Vorwissen mitbringen, um der Geschichte folgen zu können.




    In vielerlei Hinsicht zeigt Marc-Uwe Klings satirisches Gedankenexperiment, was in der Zukunft alles kommen könnte. Schaut man jedoch genauer hin, bemerkt man, dass unter der Oberfläche auch der jetzigen Gesellschaft den Spiegel vorgehalten wird. In QualityLand gibt es nicht nur futuristische Ideen wie selbstfahrende Autos, kaufwütige Geldautomaten, FeSaZus (mit einem Reinheitsgebot von 1/3 Fett, 1/3 Salz und 1/3 Zucker), digitale Assistenten, Maschinen mit menschlichen Eigenschaften und absolut gläserne Menschen - wir begegnen auch vielen bekannten Problemen wie Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Kapitalismus, Unterdrückung, soziale Ungleichheit, Unzulänglichkeiten der Lohnarbeit und Machtmissbrauch. Man tut sich nicht besonders schwer, jetzt lebende Äquivalente zu Figuren wie Konrad Koch oder Henryk Ingenieur zu finden, erkennt aktuelle Verschwörungstheorien in "Johns Followern" wieder, oder sieht in der neuen Religionsgemeinschaft der "Neolibs" eine übersteigerte Form der Kapitalismusliebe und des Marktvertrauens einiger Bevölkerungsschichten. Auch mit politischen Ausführungen und Diskussionen (mit starkem, linken Touch) spart Marc-Uwe Kling wieder einmal nicht und bettet seine Handlung in einen gewohnt gesellschaftskritischen Kontext irgendwo zwischen Dystopie und Utopie ein. 





    QualityWeather: DAS BESTE WETTER WEIT UND BREIT


    "Sonnenschein, angenehme Temperaturen und hin und wieder eine sanfte Brise – es herrscht wie immer das beste Wetter in Qualityland.“



    Wie bereits gesagt ist der einzige Kritikpunkt, dass die Handlung erst ab der Hälfte so richtig in Schwung kommt. Das ist jedoch überhaupt kein Problem, denn bis es auf der Handlungsebene ab geht, werden wir anderweitig gut unterhalten. Und als die Handlung schließlich ins Rollen kommt, Kiki herausfindet, dass sie die Tochter von GEBLOCKT ist, Peter von GEBLOCKT entführt wird, Martyn erfährt, dass GEBLOCKT hinter seinem sozialen Abstieg steckt, GEBLOCKT zum Präsidentschaftskandidat ausgerufen wird und GEBLOCKT sich als der Puppenspieler herausstellt (Werbung: diese Rezension ist garantiert spoilerfrei durch spoiler-free von WHATINEED), kann man das Buch/das Hörbuch kaum mehr beiseitelegen. Das Ende kommt dann mit ordentlichem Knalleffekt und einer großen Enthüllung, die das Warten auf den nächsten Teil schwer macht. 




    Jetzt bleibt natürlich noch die große Frage: "DI-DÖ-DI-DÜ" oder "TA-TA-TA-TA"? Ist "QualityLand 2.0" im Vergleich zum ersten Band ein Level aufgestiegen oder eher abgestiegen? Ich finde, Marc-Uwe hat hier sein Level gehalten, mindestens! "QualityLand 2.0" ist keine Fortsetzung, die nur mal eben geschrieben wurde, um noch ein bisschen mehr Profit zu machen. Dieser zweite Band entwickelt stimmig Charaktere und Setting weiter, enthält mehr Handlung und spielt genauso gekonnt mit Klischees, Erzählperspektiven und Übertreibungen wie der Vorgänger. 








    Fazit:



    "Bitte bewerten Sie mich jetzt"


    - OK -

    Da die einzige Option, die nicht sofort eine Kundenumfrage nach sich ziehen würde, diese ist, dem Buch volle 5 Sterne zu geben, werde ich das natürlich brav tun.


    Und nun noch der wahre Grund für diese Bewertung: "QualityLand 2.0" vereint spannende Themen, utopische und dystopische Beschreibungen, intelligente Gesellschaftskritik, ein gut durchdachtes Grundkonzept, ungewöhnliche Figuren und ganz viel bissigen Humor und bringt wieder zum Lachen, zum Grübeln, ab und zu auch zum besorgt die Stirn runzeln. GENIAL!


     

    Kommentieren0
    1
    Teilen

    Über mich

    Leseratte

    Lieblingsgenres

    Liebesromane, Fantasy, Romane, Jugendbücher, Science-Fiction, Krimis und Thriller, Kinderbücher, Historische Romane, Klassiker

    Mitgliedschaft

    Freunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Hol dir mehr von LovelyBooks