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    Cover des Buches When He Was Wicked (ISBN: 0060531231)

    Bewertung zu "When He Was Wicked" von Julia Quinn

    When He Was Wicked
    wordworldvor 15 Tagen
    Kurzmeinung: Mit dem schottischen Setting, den sympathischen Figuren, die sich auf Augenhöhe begegnen und der prickelnde Chemie der beiden überzeugend!
    Auf ganzer Linie positiv überrascht.

    Handlung: Mein Lesemarathon der Bridgerton-Reihe von Julia Quinn schreitet weiter voran und ich bin mittlerweile schon bei Band 6 angelangt. Da Francesca in den vorherigen Bänden am wenigsten vorkommt, hatte ich geringe Erwartungen und Ansprüche an "When He Was Wicked". Im Gegensatz zum in meinen Augen bisher schwächsten Teil 5 der Reihe, bringt Julia Quinn mit der verwitweten Francesca Bridgerton und dem schottischen Edelmann Michael Stirling jedoch ordentlich frischen Wind in die Reihe und konnte mich positiv überraschen. Genau wie in einigen ihrer Vorgängerromane kann auch "When He Was Wicked" nicht unbedingt mit einer spannenden und abwechslungsreichen Handlung aufwarten, die Geschichte besticht stattdessen mit einer feinfühligen Friends-to-Lovers-Entwicklung und einigen toll geschriebenen erotischen Szenen. 


    Figuren: Ich habe lange überlegt, weshalb mir dieser Teil 6 deutlich besser gefallen hat als die Vorgänger und bin zu dem Schluss gekommen, dass es an den beiden Figuren lag. Nicht nur, dass Francesca und Michael eine wirklich tolle Chemie haben, die beiden begegnen sich auch in mehrerlei Hinsicht deutlich mehr auf Augenhöhe als die Paare zuvor. Die beide sind Freunde, kennen sich schon seit Jahren, sind finanziell nicht voneinander angewiesen und anders als die weiblichen Figuren aus der Vorgängerbänden, ist Francesca als Witwe auch sexuell aufgeklärt und emanzipiert, sodass sie Michael ordentlich Kontra geben kann und die beiden sich gegenseitig gewachsen sind. Auffällig ist, dass aufgrund der Tatsache, dass die beiden sich über lange Teile der Handlung gemeinsam auf ihrem Landsitz in Schottland aufhalten, kaum eine andere Figur eine wirkliche Rolle spielt. Zwar dürfen wir einige der Bridgertons zu Beginn auf dem ein oder anderen Ball wieder begegnen, die meiste Zeit konzentriert sich die Handlung aber ausschließlich auf Francesca und Michael, wodurch die beiden eine deutlich stärkere emotionale Tiefe erhalten als beispielsweise Eloise und Phillip aus Band 5.


    Schreibstil: Der Schreibstil des sechsten Bandes ist gewohnt locker, humorvoll und atmosphärisch, weicht hier jedoch in einigen Aspekten von der Herangehensweise der Vorgänger ab. Zunächst weicht das Setting hier vom kultivierten London ab und entführt auf einen entlegenen Landsitz im ruralen Schottland des Regency. Außerdem beginnt die Autorin ihre Kapitel mit kurzen Ausschnitten aus den Korrespondenzen der Stirlings über die Jahre von Michaels Reise nach Indien und schneidet so das Leben in den Kolonien und unerwünschte Mitbringsel wie die Malaria-Krankheit an. Damit bringt Julia Quinn ordentlich Abwechslung in den 6. Band ihrer Reihe und bietet eine bodenständige Kulisse für das Näherkommen der beiden Figuren. 

     



    Die Zitate

    “Thou Shalt Not Covet Thy Cousin´s Wife. Moses must have forgotten to write that one down”
    “It was something in the way she moved. Something in the way she breathed. Something in the way she merely was. And he didn’t think he was ever going to get over it.”
    “Francesca,” he said, and he had no idea why he was saying it, just that her name was the most important thing in the world right then. Her name, and her body, and the beauty of her soul.”

     


    Das Urteil

    "When He Was Wicked" hat mich nach dem Flop von Band 5 auf ganzer Linie positiv überrascht. Mit dem schottischen Setting, den sympathischen Figuren, die sich auf Augenhöhe begegnen und der prickelnde Chemie der beiden konnte mich die Geschichte mitreißen und überzeugen.

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    Cover des Buches To Sir Philip with Love (ISBN: 9780749936617)

    Bewertung zu "To Sir Philip with Love" von Julia Quinn

    To Sir Philip with Love
    wordworldvor 19 Tagen
    Kurzmeinung: Diesem fünften Band fehlt der spritzige, lebensbejahende Charme der Vorgängerbände. Außerdem habe ich die Liebesgeschichte nicht gefühlt.
    Konnte mich bisher leider am wenigsten überzeugen

    Handlung: Nachdem ich in den letzten zwei Jahren ein Fan der Netflix-Adaption von Julia Quinns Buchreihe um die acht Geschwister Bridgerton geworden bin, war für mich klar, dass ich unbedingt auch die Buchvorlage lesen muss. Mittlerweile bin ich schon bei Band 5 angelangt, welcher mich allerdings leider bisher am wenigsten überzeugen konnte. Von der einjährigen Brieffreundschaft zwischen Eloise und Phillip erfahren wir beinahe nichts (bis auf wenige kurze Ausschnitte in den ersten Kapiteln und weiteren Schnipseln aus Eloises Korrespondenzen über die Jahre, die den einzelnen Kapiteln des Buches vorangestellt sind) und steigen stattdessen gleich mit einem ersten Treffen in die Geschichte ein. Dadurch, dass die beiden Figuren schon wenige Tage nach ihrer ersten Begegnung heiraten, erhalten wir zudem nur einen sehr groben und oberflächlichen Eindruck ihrer Beziehung und ich habe sie bis zum Ende als Paar nicht wirklich gefühlt.


    Figuren: Eloise hat sich mit ihrer sehr dynamischen, meinungsstarken und ehrlichen Art sowohl in den Vorgängerbänden als auch in der Serie als eine meiner Lieblingsfiguren hervorgetan. In vielen Szenen handelt sie hier jedoch sehr sprunghaft, redet sich selbst ein, zu aufdringlich und direkt zu sein, zu viel zu reden und fällt mit unüberlegten Aktionen stark aus der Rolle oder dem Bild, das zuvor von ihr präsentiert wurde. Mit Phillip hatte ich ebenfalls einige Probleme. Er ist ein sehr inkonsistenter Charakter mit der emotionalen Tiefe und Reflektiertheit einer Pfütze, der allen Konflikten aus dem Weg geht und zwischenmenschliche Probleme stur auf sein Mann-Sein statt seiner persönlichen Unfähigkeit, zu kommunizieren, schiebt. Besonders in Kombination mit der sehr mitteilungsbedürftigen und meinungsstarken Eloise, die gerne jedes Problem ausdiskutiert, ergeben sich deshalb einige Probleme zwischen den beiden, die mich schier zur Weißglut gebracht haben. Was den beiden Figuren an offensichtlicher Passung in anderen Lebensbereichen fehlt, versucht die Autorin durch eine lebhafte Chemie und gut funktionierende Körperlichkeit wieder wettzumachen. Mir hat das aber nicht geholfen, die beiden als Paar wahrzunehmen und zu akzeptieren. 


    Schreibstil: Der Schreibstil des fünften Bandes ist gewohnt locker, humorvoll und atmosphärisch, weicht hier jedoch in einigen Aspekten von der Herangehensweise der Vorgänger ab. Zunächst ist anzumerken, dass "To Sir Phillip, With Love" durch die Themen Depression, Selbstmord, Zukunftsängste und Aggressionskontrolle einige ernsthafte, melancholische Einschläge hat, die die Geschichte um einiges schwergängiger machen als die leichtfüßigen, humorvollen Vorgänger. Als zweites weicht das Setting hier vom kultivierten London ab und entführt auf einen entlegenen Landsitz im ruralen England des Regency. Damit bringt Julia Quinn ordentlich Abwechslung in den 5. Band ihrer Reihe, verpasst es aber leider, das Potenzial ihres neuen Settings ganz auszuschöpfen. Mir persönlich fehlte also definitiv das gemütliche Gegengewicht durch die luxuriöse, opulente Welt des Tons.

     


    Die Zitate

     

    “Men. The day they learned to admit to a mistake was the day they became women.”
    “He shook his head in wonder. "You are magnificent."
     "I keep telling everyone that," she said with a nonchalant shrug, "But you seem to be the only one to believe me.”
    “I always loved that about you,” Violet said. “I always loved everything about you, of course, but for some reason I always found your impatience especially charming. It was never because you wanted more, it was because you wanted everything.”

     

     


    Das Urteil

    "To Sir Phillip, With Love" konnte mich bisher leider am wenigsten überzeugen. Diesem fünften Band fehlt durch ernsthafte Themen und teilweise melancholische Einschläge der spritzige, lebensbejahende Charme der Vorgängerbände und zusätzlich habe ich die Verbindung zwischen den beiden Hauptfiguren nicht nachempfinden können. Schade.

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    Cover des Buches Nebelschimmer (ISBN: 9783499006555)

    Bewertung zu "Nebelschimmer" von Anya Omah

    Nebelschimmer
    wordworldvor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Rassistische Mikroaggressionen, Familie, Freundschaft, Liebe, gebrochene Herzen, dunkle Zeiten im Leben und hoffnungsvolle zweite Chancen!
    Ein intensiver, tiefgründiger und behutsam erzählter New-Adult-Roman

    Mit "Regenglanz" begann letztes Jahr im Oktober die Sturm-Trilogie von Anya Omah um drei Freundinnen und drei Städte im Norden Deutschlands. Da der Erscheinungstermin der Fortsetzung einige Male nach hinten verschoben wurde, feiert "Nebelschimmer" nun heute seinen Buchgeburtstag. Genau wie Band 1 hat auch die Geschichte um Calla und Jasper deutlich mehr Dramatik und Tiefe entwickelt, als man das auf den ersten Blick annehmen würde und mich in kürzester Zeit um den Finger gewickelt. 




    Die Sturm-Trilogie, zu der "Regenglanz" den Auftakt bildet, sticht geschlossen durch die wunderschöne Gestaltung hervor. Abgebildet auf den drei Bänden ist immer ein ähnliches geometrisches Motiv, welches die drei Freundinnen Calla, Leo und Alissa als Symbol ihrer Freundschaft als Tattoo über dem Herzen tragen. Variiert wird die Gestaltung durch einen anderen Hintergrund und unterschiedliche Farbgebungen. Auf "Nebelschimmer" ist ganz nach dem Titel ein See zu sehen, über dem sanfter Morgennebel schimmert und einen Farbverlauf von weiß zu violett-pink bildet. Abgerundet wird dieses stimmungsvolle Gesamtbild durch den roten Buchschnitt, der die erste Ausgabe verziert. Geht also unbedingt bald los, um Euch noch ein Exemplar der ersten Ausgabe zu sichern! 





    Erster Satz: "Sie haben Ihren Zielort erreicht."



    Mit "Nebelschimmer" setzt die Autorin einige Zeit nach Band 1 an und erzählt von Callas Rückkehr nach Lübeck. 14 lange Monat war sie in L.A. und hat dort nach ihrer leiblichen Mutter gesucht - eine Zeit, die ihr nicht nur psychisch sehr zugesetzt, sondern die auch das Ende für ihre Beziehung zu ihrem Freund Jasper bedeutet hat. Auf zwei Zeitebenen und aus den Perspektiven der beiden Liebenden wird nun erzählt, wie Calla und Jasper sich in der 12. Klasse kennen- und lieben gelernt haben, sowie den steinigen Weg, den sie nach ihrer Wiederbegegnung nach ihrer Trennung vor sich haben. Obwohl von ihrer ersten Begegnung an eine eindeutige Anziehungskraft zwischen den beiden zu spüren ist, lässt sich Anya Omah eine Menge Zeit für die langsame Annäherung von Calla und Jasper, die nach 14 schmerzhaften Monaten der Trennung einiges zu klären und zu verarbeiten haben. Was genau zu ihrer Trennung geführt hat und was in L.A. wirklich vorgefallen ist, erfahren wir dabei ebenfalls Stück für Stück, während sich Calla wieder in Lübeck einlebt, eine neue Wohnung bezieht, einen Job annimmt und ihre Wurzeln wiederentdeckt. 





    Jasper: "Wenn du so lange und glücklich mit jemandem zusammen bist, wird er zu einem Teil von dir. Zur Luft, die du atmest. Calla war meine Luft, und als sie ging, bin ich beinahe erstickt."



    Welche Thematik sich hinter der Geschichte verbirgt und welche Probleme durch die verschachtelte Erzählweise offenbart werden, kann ich aus Spoilergründen natürlich nicht verraten. Nur schonmal so viel: In "Nebelschimmer" geht es um rassistische Mikroaggressionen, Familie, Freundschaft, Liebe, gebrochene Herzen, dunkle Zeiten im Leben und hoffnungsvolle zweite Chancen. Damit erhält die Geschichte eine überraschende Tiefe, ohne dabei zu deprimierend zu werden. Callas und Jaspers Geschichte ist voller Fehler, gebrochenem Vertrauen und Verzweiflung, aber auch voller Liebe, Hoffnung und Licht, was die Geschichte zu einem intensiven Leseerlebnis macht. 





    Calla: "Ich muss diese Reise in meine Vergangenheit antreten, ohne dass mich meine Gegenwart oder meine Zukunft begleiten. Und das bist du, Jasper. Du bist das Heute und das Morgen, zu dem ich zurückkehre, wenn ich die Vergangenheit hinter mir lassen kann. Du bist mein Zuhause." Ich presse meine feuchte Wange an seine Brust. "Dein Herz ist mein Zuhause."



    Sehr begeistert war ich von Anya Omahs Schreibstil. Dieser wirkt auf den ersten Blick gar nicht mal so spektakulär und fällt nicht durch Besonderheiten, sprachliche Kniffe oder andere Auffälligkeiten des Ausdrucks aus der Reihe. Bemerkenswert ist stattdessen, wie effizient sie ihrem Roman Leben einhaucht und man schon nach wenigen Sätzen Zugang zu der Geschichte und den Figuren findet. Egal ob bei anstrengenden Arbeitsschichten im Restaurant, in stillen, freundschaftlichen Momenten in der WG Küche, oder in den lauten, schmerzhaften Konfrontationen gegen Ende - man ist einfach ohne große Umschweife dabei und lebt, fühlt und fiebert mit. Toll fand ich auch den Schauplatz in Lübeck, den ich nicht zuletzt da ich erst vor etwas mehr als zwei Jahren diese wunderschöne Stadt besucht habe, sehr genossen habe. Anya Omah zeigt mit ihrer Settingwahl mal wieder, dass man als deutsche AutorIn die eigene Geschichte nicht an ferne, exotische Orte verlegen muss, um eine Atmosphäre von Urlaub, Entdeckung und Zuhause zu schaffen und auch deutsche Schauplätze ihren Charme haben! Nach den etlichen Geschichten, die in den USA oder Großbritannien spielen, bot "Nebelschimmer" also mal eine tolle Abwechslung!





    Jasper: "Alle sagen immer, dass man in einer Beziehung auf einer Wellenlänge sein sollte. Aber weißt du, was ich an dir ... an uns so liebe, Jasper? Dass du mich meine eigenen Wellen schlagen lässt."



    Spannend ist dabei wieder, dass man der Geschichte, dem Hauptkonflikt und den Figuren definitiv anmerkt, dass die Autorin Psychologin ist. Nicht nur, dass immer wieder einige Stichworte oder Theorien auftauchen, bei der sofort mein "Psychologie"-Detektor aufleuchtet - auch die Plausibilität und Tiefe, mit der die Probleme, Konflikte und zum Teil auch Störungen der Haupt- und Nebenfiguren geschildert sind sprechen für die fachliche Kompetenz der Autorin. Das sage ich leider immer wieder, aber im New Adult Genre, in dem es ja mittlerweile üblich ist, dass mindestens einer der Hauptprotagonisten einen mentalen Knacks in Form einer traumatischen Vergangenheit, einer Beziehungsstörung oder einem zerrütteten Familienverhältnis hat, ist es nicht selbstverständlich, dass diese Themen auch realistisch bearbeitet werden. Auch ganz von den Problemen abgesehen sind die Figuren sehr vielschichtig gestaltet und wachsen beim Lesen schnell ans Herz. Vor allem Calla hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen, auch wenn neben ihr und der Auseinandersetzung mit ihrem Innenleben Jasper ein wenig zu sehr im Hintergrund bleibt. Dafür und angesichts der Tatsache, dass natürlich auch hier die Grenzen des Genres nicht neu erfunden werden, ziehe ich in der Gesamtbewertung einen Stern ab. Etwas schade finde ich nur, dass Callas Freundinnen, also Alissa aus Band 1 und Leo, um die es in Band 3 gehen wird, hier nicht allzu viele Auftritte haben. Da es im Oktober aber schon mit Leos Geschichte in "Gewitterleuchten" weitergeht, werde ich mich jetzt mal nicht beschweren...





    Calla: "Wenn du dich bereit fühlst, darüber zu reden, werde ich da sein, okay? Ich werde jedes noch so kleine Stück, das aus deinem Herzen gebrochen ist, aufheben und an exakt der Stelle wieder einsetzen, an der es herausgebrochen ist."




     


    Fazit


    "Nebelschimmer" ist ein intensiver, tiefgründiger und behutsam erzählter New-Adult-Roman über rassistische Mikroaggressionen, Familie, Freundschaft, Liebe, gebrochene Herzen, dunkle Zeiten im Leben und hoffnungsvolle zweite Chancen.


     

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    Cover des Buches Camembert mit Puderzucker (ISBN: 9783754665442)

    Bewertung zu "Camembert mit Puderzucker" von Svea Lundberg

    Camembert mit Puderzucker
    wordworldvor 22 Tagen
    Kurzmeinung: Eine Wohlfühlgeschichte über herzhafte und süße Köstlichkeiten, neue Liebe und verwirklichte Träume, die ich wirklich weiterempfehlen kann!
    Eine absolute Wohlfühlgeschichte!

    Handlung: Nach "Die stille Seite der Musik" habe ich zuletzt eine weitere M/M-Romanze aus der Feder von Svea Lundberg lesen dürfen: "Camembert mit Puderzucker". Wie schon der Titel vermuten lässt, wird es hier zuckersüß und ich habe die Geschichte in wenigen Stunden verschlungen. Die Autorin erzählt hier eine absolute Wohlfühlgeschichte über herzhafte und süße Köstlichkeiten, neue Liebe und verwirklichte Träume, die ich wirklich nur jedem weiterempfehlen kann. 


    Schreibstil: Svea Lundbergs natürlicher Schreibstil hat mir schon in "Die stille Seite der Musik" sehr gut gefallen. Hier lässt sie neben dem Feinkostladen mit köstliche Käse- und Schokoladenkreationen auch Tübingens Altstadt und ihre Studentenzeit dort lebendig aufleben. Für mich, die noch nie dort war, aber überlegt, im Master dort zu studieren war Tübingen einfach das perfekte Setting für diese Geschichte! Trotz der geringen Seitenzahl lässt sich die Geschichte für die Annäherung der beiden Figuren viel Zeit und strahlt dadurch eine erholsame Ruhe aus. Zwar verzichtet die Geschichte natürlich nicht ganz auf Probleme und Konflikte, dennoch erschafft Svea Lundberg eine ganz liebeswerte, heile-Welt-Atmosphäre, die sich beim Lesen anfühlt wie Urlaub und uns Zeit lässt, die Figuren besser kennenzulernen. 


    Figuren: Filius und Jonathan sind beide sehr sympathische, bodenständige und vor allem realistische Figuren, die nicht dem absoluten Schönheitsideal entsprechen und uns vorleben, wie eine gesunde Beziehung aussehen kann. Wie die beiden ihre Gefühle transparent kommunizieren und einen Weg finden, ihren gemeinsamen Traum zu verwirklichen, ist wirklich schön zu lesen. Mit einigen Seiten mehr, hätten die beiden und ihre sich entwickelnde Romanze vielleicht noch etwas mehr Tiefe erhalten können, die Geschichte ist aber abgeschlossen erzählt. Die heimlichen Stars der Geschichte sind jedoch ohne Frage die in die Jahre gekommenen Ziegendamen Beate, Ilse und Luise sowie der Esel Rudi und der Kater Pepe, die ganz viel Tierliebe, Gemütlichkeit und Bauernhof-Feeling verbreiten. 


    Das Urteil

    Svea Lundberg erzählt in "Camembert mit Puderzucker" eine absolute Wohlfühlgeschichte über herzhafte und süße Köstlichkeiten, neue Liebe und verwirklichte Träume, die ich wirklich nur jedem weiterempfehlen kann. 

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    Cover des Buches Romancing Mr.Bridgerton (ISBN: 9780749936600)

    Bewertung zu "Romancing Mr.Bridgerton" von Julia Quinn

    Romancing Mr.Bridgerton
    wordworldvor 22 Tagen
    Kurzmeinung: Obwohl nicht wahnsinnig viel passiert in "Romancing Mr. Bridgerton" ist dieser Band einer meiner liebsten!
    Einer meiner Lieblingsbände der Reihe!

    Handlung: Nachdem ich in den letzten zwei Jahren ein Fan der Netflix-Adaption von Julia Quinns Buchreihe um die acht Geschwister Bridgerton geworden bin, war für mich klar, dass ich unbedingt auch die Buchvorlage lesen muss. Mittlerweile bin ich schon bei Band 4 angelangt, wessen Liebesgeschichte mich bisher am meisten mitgerissen hat. Schon in der Serie fand ich Penelope und Collin ein sehr charmantes Paar und konnte es kaum erwarten, endlich ihre Geschichte zu lesen. Zwar passiert auf der Handlungsebene außer den typischen sozialen Events wie Bällen und Musicales nicht viel, die Spannung zwischen den beiden Figuren und das Geheimnis rund um Lady Whistledowns Identität, die hier endlich aufgelöst wird, reicht jedoch aus, um uns in Rekordzeit durch die knapp 370 Seiten zu manövrieren.


    Figuren: Penelope ist meine bisherige Lieblingsprotagonistin, die einiges mehr verbirgt, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Ihre Entwicklung hin zu mehr Selbstvertrauen ist sehr schön dargestellt und auch wie Colin sie nach und nach anders wahrnimmt, habe ich der Autorin ohne Probleme abgenommen. Zwar hat auch Colin genau wie zuvor schon Benedict einige unschöne Tendenzen und Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die ihn ein paar Sympathiepunkte gekostet haben, in Anbetracht des historischen Genres und seiner sonstigen sympathisch-verfressenen Art, kann man darüber aber gerne hinwegsehen. Neben Penelope und Colin stehen hier Eloise, Felicity und Hyacinth stark im Vordergrund, aber auch ins Leben der restlichen Bridgerton-Geschwister sowie der Paare aus den vorherigen Bänden erhalten wir hier wieder einige Einblicke, worüber ich mich sehr gefreut habe.


    Schreibstil: Der Schreibstil des vierten Bandes ist gewohnt locker, humorvoll und atmosphärisch. Damit das Setting seinen ursprünglichen Flair behält, habe ich mich dazu entschieden, die Reihe in Originalsprache zu lesen. Schon in der Serie habe ich den britischen Akzent der DarstellerInnen und die köstlich hochgestochene Sprache genießen können und auch hier war das humorvolle Schwelgen in höflichen Floskeln wieder "delightful, ideed"! Julia Quinn entführt hier in eine strahlende, perfekt anmutende Welt, die nur selten getrübt wird durch kurzes Aufblitzen von Realismus. Genau wie in Regency-Romanzen üblich, bekommen wir auch hier nicht besonders viel von geschichtlichen Entwicklungen mit und verbleiben in einer gemütlichen Blase aus aufwändigen Kleidern, opulenten Bällen, Anstandsdamen, Gentleman-Clubs, Kutschen und frühlingshaften Gärten voller Blumen. Während Englands Agrargesellschaft mit revolutionärer Wucht zur Industriegesellschaft wächst und dabei alle sozialen, kulturellen, politischen Fundamente durchschüttelt, beschränkt sich die Geschichte ganz auf das vorherrschende Problem des "Tons": reich heiraten. Neben der Oberflächlichkeit von Handlung und Setting gelingt es der Autorin aber wieder wunderbar, mit leicht sarkastischem Unterton die Probleme und Träume ihrer Figuren lebendig zu machen und stellt in diesem Band den Wunsch nach Erfüllung, einem Ziel und einer Bestimmung im Leben in den Vordergrund. Nun bin ich sehr gespannt auf die Geschichte von Eloise und ebenfalls darauf, wie Colin und Penelope in der Netflix-Serie zueinanderfinden werden.

     


    Die Zitate

    “I love you with everything I am, everything I've been, and everything I hope to be. I love you with my past, and I love you for my future. I love you for the children we'll have and for the years we'll have together. I love you for every one of my smiles and even more, for every one of your smiles.””
    “Deep inside, she knew who she was, and that person was smart and kind and often even funny, but somehow her personality always got lost somewhere between her heart and her mouth, and she found herself saying the wrong thing or, more often, nothing at all.”
    “It's too hard to explain,” he said in a petulant mutter.
     “If you want a new direction for your life”, she said, “then for heaven's sake, just pick something out and do it. The world is your oyster, Colin. You're young, wealthy, and you're a man.” Penelope's voice turned bitter, resentful. “You can do anything you want."

     


    Das Urteil

    Obwohl nicht wahnsinnig viel passiert in "Romancing Mr. Bridgerton" ist dieser Band einer meiner liebsten, was vor allem der tollen Annäherung zwischen Colin und Penelope geschuldet ist. Ich bin nun wahnsinnig gespannt, wie die beiden in der Serie zueinanderfinden werden...

     3,5 / 5 Sterne

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    Cover des Buches Cursed Worlds 1. Aus ihren Schatten … (ISBN: 9783969760017)

    Bewertung zu "Cursed Worlds 1. Aus ihren Schatten …" von Rena Fischer

    Cursed Worlds 1. Aus ihren Schatten …
    wordworldvor 25 Tagen
    Kurzmeinung: Besonders zu den Figuren konnte ich nur schlecht eine Verbindung aufbauen und deshalb nicht so sehr mit der Handlung mitfiebern. Schade.
    Konnte mich trotz spannender Handlung und tollem Worldbuilding nicht abholen.

    Handlung: "Cursed Worlds" ist der Auftakt einer neuen Fantasy-Dilogie aus der Feder von Rena Fischer, von der ich bereits die Chosen-Dilogie, die Elbendunkel-Reihe und der Roman "Das Lied der Wölfe" gelesen habe. Da mir bisher alles sehr gut gefallen hat, was die Autorin geschrieben hat, war ich sehr gespannt auf diese neue Dilogie, in welcher eine Familie, die in verschiedene Welten auseinandergerissen wurde, versucht, über eine magische Fibel wieder zusammenzufinden und sich dabei mehreren lebenslangen Freund- und Feindschaften entgegenstellen muss. Die Autorin erzählt ihre Handlung wie bei ihren Vorgängern auch aus verschiedenen personalen Perspektiven und entführt dabei neben unserer Welt in zwei spannend aufgebaute Fantasywelten: die Welt der Lichtmagier Aithér und die Welt der Dunkelmagier Erebos. Nachdem ich die etwa 500seitige Geschichte nun gelesen habe, kann ich ganz klar attestieren, dass der Weltaufbau interessant und die Handlung spannend und abwechslungsreich sind, dennoch konnte mich "Cursed Worlds" leider nicht abholen. Ich finde es schwer zu sagen, woran es lag, aber ich habe keinen Zugang zur Handlung und den Figuren gefunden und mich deshalb leider ein wenig durch das Buch hindurch gekämpft. 


    Schreibstil: An Rena Fischers Schreibstil kann es schonmal nicht liegen. Genau wie in ihren Vorgängerromanen erzählt sie ihre Geschichte gleichzeitig locker, leicht und einfach, aber dennoch ausführlich, magisch und gut durchdacht. Ihr Satzbau ist dabei abwechslungsreich und umgangssprachlich genug, um gut gelesen werden zu können, dabei aber nicht zu schlampig und ungalant formuliert. Dieser Hochseilakt meistert die Autorin wirklich super, was ich, genau wie ihre Fähigkeit, an den richtigen Stellen gefühlvoll, eiskalt, rasant oder ruhig zu schreiben, sehr bewundere. Drachen, Flüche, Reisen durch fremde Welten, getrennte Geschwister, ein übermächtiger Bösewicht und erwachende Magie... Das sind spannende Motive, die die Autorin hier zusammenmischt und eine Grundlage für eine ebenso spannende Geschichte bilden.


    Figuren: Mit den Figuren hatte ich mein größtes Problem, da ich zu ihnen trotz der während der 500 Seiten ausführlichen Beschreibung, Charakterisierung und Entwicklung keinen emotionalen Zugang gefunden habe. Sis, Luke, Finn, Kieran und ihre Begleiter in verschiedenen Welten waren mir einfach alle zu ähnlich und konnten mich mit ihren Konflikten und Gefühlen nicht wirklich erreichen. Da ich nicht sagen kann, dass die Autorin unbedingt etwas anders gemacht hätte als in ihren Vorgängerromanen, würde ich diesen Effekt vielleicht auch auf meine Corona-Erkrankung schieben, die es mir in den letzten Tagen ein bisschen schwer gemacht hat, am Stück zu lesen. Vielleicht muss ich mich einfach zu einem anderen Zeitpunkt nochmal mit der Geschichte beschäftigen... So bleiben leider ein Beigeschmack von Enttäuschung und eine geringe Motivation, Band 2 zu lesen, welcher am 12. August erscheint. 



    Das Urteil

    "Cursed Worlds" konnte mich trotz spannender, abwechslungsreicher Handlung, dem interessanten Worldbuilding und dem gewohnt lebhaften Schreibstil der Autorin leider nicht so abholen wie erhofft. Besonders zu den Figuren konnte ich nur schlecht eine Verbindung aufbauen und deshalb nicht so sehr mit der Handlung mitfiebern. Schade.

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    Cover des Buches Die Wahrhaftige (Die sieben Königreiche 4) (ISBN: 9783551584601)

    Bewertung zu "Die Wahrhaftige (Die sieben Königreiche 4)" von Kristin Cashore

    Die Wahrhaftige (Die sieben Königreiche 4)
    wordworldvor einem Monat
    Kurzmeinung: In "Die Wahrhaftige" setzt Kristin Cashore ihre Reihe gelungen fort. Trotz Längen im Mittelteil kann ich die Geschichte sehr empfehlen.
    Ein spannendes Abenteuer in winterlichem Steampunk-Setting!

    Als ich gelesen habe, dass Kristin Cashore 14 Jahre nach dem Erscheinungstermin ihres Auftakts "Die Beschenkte", ihre "Sieben Königreiche"-Reihe fortsetzt, war ich gleichermaßen erfreut wie überrascht und habe mir sofort ein Exemplar angefragt. "Die Wahrhaftige" erzählt nun ein überraschend spannendes, buntes und atmosphärisches Abenteuer in winterlichem Steampunk-Setting, mit dem ich nicht gerechnet hätte!


    Der Carlsen Verlag hat anlässlich des neuen vierten Teils eine Neuauflage mit tollen neuen Cover auf den Markt gebracht, was jedoch leider bedeutet, dass "Die Wahrhaftige" nun nicht zur Gestaltung von den Bänden 1-3 in meinem Regal passt. Angesichts der wundervollen Gestaltung, des blauen Farbschnitts und der Charakterkarte, welche in der ersten Auflage des Buches beigefügt sind, kann ich mich darüber aber nicht wirklich beschweren. Auf dunkelblauem Grund, welcher von hellen goldenen Punkten durchzogen an das Muster eines Teppichs erinnert, ist ein goldenes "W" umringt von wichtigen Motiven der Handlung wie einem Luftschiff und einem Fuchs zu sehen. Damit ist die Gestaltung nicht nur inhaltlich passend, sondern sieht auch noch wunderschön aus. Im Buch sind abermals eine ausführliche Karte von Torla und dem Königskontinent sowie ein hilfreiches Personenregister am Ende des Buches angefügt. 


    Erster Satz: "Der Mann mit der weißen Strähne im schwarzen Haar kam ihr beim Tauchen schon wieder zu nahe."


    "Die Wahrhaftige" setzt einige Jahre nach "Die Königliche" an und stellt uns eine nun beinahe 23jährige Bitterblue vor, die gemeinsam mit einem Rat aus Unterstützern und Freunden Monsea gerecht regiert. Die in der Reihe vorgestellte Welt der sieben Königreiche wurde ja schon am Ende von Band 3 um einen neuen Kontinent im Osten erweitert. Nun dürfen wir diesen neuen Kontinent gemeinsam mit unserer bekannten Delegation rund um Königin Bitterblue von Monsea bereisen und vor allem das Land Winterburg näher entdecken. Denn als in Winterburg Gesandte von ihr unter mysteriösen Umständen verschwinden, beschließt Bitterblue, nun doch die vielen Einladungen auf den neuen Kontinent anzunehmen und sich das frisch entdeckte Land selbst anzusehen. Bald wird sie jedoch in eine gefährliche Verschwörung verstrickt, welche sie ihr Leben kosten könnte...


    Als ich im Klapptext sah, dass wir in Band 4 abermals Bitterblue als Hauptfigur haben würden, nachdem in den vorherigen Bänden immer eine neue Figur eingeführt wurde, war ich ein wenig verwirrt. Nach dem Lesen weiß ich nun aber, dass anders als der Klapptext suggeriert, hier neben Bitterblue und ihren Gefolgsleuten eine neue Hauptfigur eingeführt, die gemeinsam mit Bitterblue, ihrer Schwester Hava und ihrem Freund Giddon einen Großteil der Erzählzeit erhält. Lovisa Cavenda ist eine 16jährige Studentin an der Winterburger Akademie und die Tochter eines wichtigen Industriellen und der Präsidentin von Winterburg. Damit ist das junge, clevere Mädchen in einer geradezu prädisponierten Position dafür, Staatsgeheimnisse aufzuschnappen und uns LeserInnen mehr über den neuen Kontinent zu erzählen. Mit blauen Füchsen, die sich mit Menschen verbinden, Legenden über Meeresungeheuern, telepathisch kommunizierenden Silberkühen, modernen Luftschiffen und eiskalten Gletschern ist Winterberg ein spannendes Steampunk-Setting zwischen Fortschritt und Zerstörung, Magie und Technik, Politik und Intrigen, Abenteuer und Gefahren. Besonders viel Zeit nimmt sich Kristin Cashore, um die reiche, bunte Hauptstadt Ledra mit der wissenschaftlichen Akademie, verschlungenen Passagen, schwankenden Holzbrücken und kalten Winden zum Leben zu erwecken. 


    "Die Bürgin war nicht mächtig, weil sie gerecht war. Ihre Macht rührte von ihrer Größe her. Jeder, der so groß war, konnte Gefolgsleute um sich sammeln und sich Heldin nennen. Lovisa fragte sich, ob ein Held eigentlich etwas anderes war als ein Tyrann."


    Damit wird das Worldbuilding der Reihe wunderbar erweitert. Neben den Informationen zu neuen Orten und Figuren bringt die Autorin nebenbei viele Wiederholungen und Informationen über den Rest ihrer Fantasy-Welt und deren Bewohner mit ein, sodass man die Geschichte auch gut lesen kann, wenn die Lektüre der vorherigen Bände schon eine Weile zurückliegt. Trotzdem hat man beim Lesen sicher noch mehr Spaß, wenn man die drei Vorgängerbände nicht vor allzu langer Zeit gelesen und noch frische Erinnerungen an alle Zusammenhänge und Figuren hat. Denn wie bei Romanen von Kristin Cashore üblich, wird es sehr schnell sehr komplex. Das hängt zum einen damit zusammen, dass neben den menschlichen personalen Erzählperspektiven aus der Sicht von Bitterblue, Giddon und Lovisa auch einige Kapitel aus der Sicht von Tieren erzählt werden. Beispielsweise erhalten wir auch einige Kapitel aus der Sicht des blauen Fuchses namens Abenteuer, welcher an Lovisas Mutter Ferla gebunden ist und zusätzlich wird zu Beginn eines jeden der fünf Teile der Geschichte ein kurzes Zwischenspiel aus der Sicht der sogenannten Bürgin und der Silberkühe eingeflochten. 


    Zum anderen wird die Komplexität neben dem Worldbuilding und den vielen Erzählperspektiven auch durch die vielschichtige Kriminalhandlung hervorgerufen. Wir beobachten hier, wie viele Figuren und Akteure gleichzeitig versuchen, das geheimnisvolle Rätsel um die Zilfium-Verschwörung zu lösen und viele offene Fragen zu beantworten: Was ist dieses sagenumwobene Zilfium überhaupt? Was kann dieser Rohstoff und wieso ist er womöglich schädlich für die Umwelt? Was führen Lovisas Eltern im Schilde? Was ist mit den Gesandten aus Monsea passiert, deren Schiff überraschend gesunken ist? Welche Geheimnisse verbergen die Füchse Ledras? Und wer hat Königin Bitterblue entführt? Kristin Cashore zieht ihre Geschichte also ganz schön geheimnisvoll und wendungsreich auf und bog an mehreren Stellen ganz anders ab, als das erwartet hätte, wodurch "Die Wahrhaftige" eine durchgängige Spannung beibehält. 


    "Es kann nicht falsch sein, diese Königin zu beschützen. Ich spüre die Aufrichtigkeit ihres Herzens. Sie muss überleben und ich werde ihr dabei helfen."


    Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte zwischendurch einige erzählerische Längen hat. Da uns hier wieder eine komplett neue Welt erklärt und neue Figuren eingeführt werden müssen, braucht die Geschichte eine ganze Weile, bis sie richtig loslegt. Außerdem werden die einzelnen Erzählstränge durch die vielen Perspektivwechsel stark in die Länge gezogen. Dazu kommt, dass ich gerade im Mittelteil starke Probleme mit Lovisa hatte. Aufgrund ihrer teilweise unbedachten Grausamkeit gegenüber anderen Menschen war sie mir teilweise sehr unsympathisch, bis meine Aversion gegen Ende zu Mitleid umgeschlagen ist, als wir realisieren, dass sie mit ihren 16 Jahren sehr jung und emotional überfordert von den sich überschlagenden Geschehnissen ist. Ich sehe ein, dass sie zu der liebenswerten, sanftmütigen und fast durchweg gut gelaunten Bitterblue einen interessanten Gegenpol bildet. 


    "Wie ist es, am Leben zu sein? Vermutlich hast du zu diesen Themen viel zu sagen, nicht wahr?"
     Lovisa hatte eine Menge zu diesen Themen zu sagen. Am Leben zu sein war wie ein Spiel, ein Wettrennen. Und sie würde gewinnen."


    Die Handlungsdichte ist also alles in allem eher mit dem letzten Teil der Reihe vergleichbar und dreht sich mehr um Intrigen, Macht und Lügen als um actionreiche Kampfszenen. Gerade gegen Ende im Showdown wird jedoch auch die ein oder andere Actionszene geboten. Mit dem Abschluss der Geschichte war ich sehr zufrieden, da alle offenen Fragen beantwortet werden. Dennoch hinterlässt "Die Wahrhaftige" Anknüpfungspunkte für mindestens fünf weitere Romane, da die Geschichten der vorkommenden Figuren alle erst am Anfang stehen und mit Kamassar, Borza, Tevare und Mantiper noch weitere Länder des neuen Kontinents Torla entdeckt werden wollen. Ob die Reihe nun in regelmäßigeren Abständen fortgesetzt wird, weiß ich leider nicht, ich würde mich aber auf jeden Fall sehr freuen, wenn Kristin Cashore beschließen würde, noch einen weiteren Teil zu schreiben!

     

     


    Fazit

    In "Die Wahrhaftige" setzt Kristin Cashore ihre Reihe gelungen fort und erzählt spannendes, buntes und atmosphärisches Abenteuer in winterlichem Steampunk-Setting! Trotz einiger Längen im Mittelteil kann ich die Geschichte sehr weiterempfehlen!

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    Cover des Buches The Damned (ISBN: 9783492706056)

    Bewertung zu "The Damned" von Renée Ahdieh

    The Damned
    wordworldvor einem Monat
    Kurzmeinung: Renée Ahdieh beantwortet überfällige Fragen und baut ihre Figuren, ihr Worldbuilding und ihre Handlung stark aus - Gelungene Fortsetzung!
    Deutlich überzeugender als der Auftakt!

    Seit im April mit "The Beautiful - Tödliche Dämmerung" eine brandneue vierbändige Reihe aus der Feder von Renée Ahdieh startete, von welcher ich bisher die Dilogie um "Zorn und Morgenröte" und "Rache und Rosenblüte" kannte, war ich gespannt auf die Fortsetzung. Der Auftakt konnte mich ja leider trotz düsterer Atmosphäre, einem lebendigen Setting, einem tollen Schreibstil und einer starken Hauptfigur nicht überzeugen. "The Damned" entführt abermals in die nun abermals in ein düsteres, magisches New Orleans im späten 19. Jahrhundert, welches von Kreaturen wie Vampiren, Werwölfen, Dämonen und anderen Nachtwesen der Anderswelt heimgesucht wird und nutzt die historischen Romantasy-Zutaten diesmal aber deutlich besser als der erste Teil!


    Das beginnt schon mit dem Cover: Mit dem von Blumen umrankten weißen Schädel und dem geschwungenem weißem Titel ergibt sich ein düsteres, sinnliches Gesamtbild, welches deutlich besser wirkt als das Motiv des Covers des ersten Bandes. Positiv sticht an der Gestaltung abermals die integrierte Karte des French Quarters in New Orleans hervor, welche sowohl in roter Farbe in den beiden Leselaschen als auch in Schwarz-Weiß-Druck vor den ersten Kapiteln zu finden ist. 


    Erste Sätze: "Zuerst ist da nichts. Nur Stille. Ein Meer des Vergessens."


    "The Damned" schließt direkt an den Showdown von "The Beautiful" an und beginnt mit Bastiens Verwandlung zum Vampir. Nachdem Nigel den Hof der Löwen verraten und mithilfe von Bastiens abtrünniger Schwester Émilie versucht hat, Bastien zu ermorden, wäre letzterer beinahe an seinen Verletzungen erlegen, wäre Celine nicht ein Tauschhandel mit Nicodemus Sait Germain eingegangen: ihre Erinnerungen an alles Übernatürliche gegen Bastiens Verwandlung. Während Bastien also mit den Nachwirkungen seiner Verwandlung kämpft und sich entscheiden muss, was für eine Art Vampir er sein möchte, versucht eine verwirrte Celine, ihre Gedächtnislücken zu füllen. Zwar ist sie mit einem eigenen Bekleidungsgeschäft für Pariser Mode gut ausgelastet und auch die Aufmerksamkeit des Detectives Michael gefällt ihr, sie hat jedoch immer wieder Déjà-vus, seltsame Träume und fühlt eine Leerstelle in ihrem Herzen, die sie sich nicht erklären kann. Ist ihre Liebe so stark, dass sie die Amnesie überwinden und die beiden wieder zusammenführen wird...?


    Bastien: "Wer bin ich? Aus den Flammen seiner Wut erhebt sich ein Name. Bastien. Mein Name ist Sébastien Sait Germain."


    Die Autorin lässt uns Celines Erlebnisse abermals aus der Sicht eines personalen Er-Erzählers beobachten. Zusätzlich gewährt uns die Autorin in einigen Kapiteln Einblicke in das Leben von anderen Mitgliedern des Hofs der Löwen wie zum Beispiel Odette und Jae, lässt uns einige Blick hinter den Plan von Émilies werfen - die in Band 1 enthüllte Killerin zieht hier abermals die Strippen und plant, einen Krieg zwischen den Werwölfen und den Vampiren vom Zaun zu brechen - und vertieft das Gefühlsleben von Celines Freundin Pippa. Außerdem gibt es zwei Einschübe aus einer unbekannten Erzählperspektive. Anders als in Band 1 lesen wir diesmal jedoch einen Großteil der Geschichte aus Bastiens Perspektive, wofür die Autorin einen Ich-Erzähler gewählt hat. Damit man beim Lesen bei diesen vielen Erzählperspektiven nicht den Überblick verliert, ist über jedem Kapitel angezeigt, aus welcher Erzählperspektive wir den folgenden Abschnitt lesen werden. Dennoch hat mich der ständige Wechsel zwischen Er- und Ich-Erzähler ein wenig irritiert.


    Odette: "Durch all das, was passiert ist, habe ich gelernt, mich selbst mehr zu lieben", sagte sie. "Und ist das nicht das schönste Geschenk, das dir eine Prüfung im Leben machen kann?"


    Diese Irritation hinsichtlich der Erzählperspektive verzeiht man der Geschichte aber gerne, da hier anders als in Band 1 die Handlung deutlich geradliniger erzählt ist und das Worldbuilding durch die überfällige Beantwortung offener Fragen endlich weiter ausgebaut wird. In meiner Rezension zu "The Beautiful" hatte ich kritisiert, dass die Autorin bis zum Ende verklärende Metaphern beibehielt und den Schleier über der Magie nur für vage Andeutungen lüftete. An einigen Stellen wurden in Band 1 zwar Worte wie "Mentalisten", "Gefallene" und die "Bruderschaft" fallen gelassen und als aufmerksame/r LeserIn konnte man sich nach einigen hundert Seiten auch erschließen, dass es sich hier um Variationen von Werwölfen und Vampiren handelt, aber wer nun genau was ist und mit wem verfeindet ist und wieso blieb sehr undurchsichtig und ist auch nach dem Ende der Geschichte schwer zu sagen. In "The Damned" nimmt die Autorin sich nun endlich Zeit, die Regeln der Welt zu erklären, klarzustellen, welche Person welches magische Wesen ist und wie und weshalb die Fronten durch New Orleans verlaufen. So erhalten wir einen besseren Überblick über die Handlung und können jener viel besser folgen als in Band 1. 


    Bastien: "Für einen Moment verlor ich jedes Gefühl für Zeit und Ort. Es gab nur sie, eine einsame Kerze in einem dunklen Raum. Aber hinter diesem betörenden Lächeln sah ich weit mehr. Eine Welt der Geheimnisse, die sich hinter einem Paar grüner Augen verbarg."


    Am meisten von den zusätzlichen Details profitiert jedoch das Setting, welches zuvor für mich zwar durch die geheimnisvolle Atmosphäre und die bunten Schauplätze interessant, aber nicht wirklich rund gewesen ist. Zeit, zusammen mit Celine die Stadt zu erkunden, die Karnevalsumzüge zu besuchen und ganz in die schillernde Unterwelt der Stadt einzutauchen bekommen wir leider auch hier nicht. Das Worldbuilding und das Vampir-Motiv werden hier aber deutlich ausgebaut. Sehr schön ist auch, dass wir hier einen Ausflug in die Anderswelt machen und sich die Autorin neben dem rauschartigen, sündhaften New Orleans noch einen zweiten interessanten Schauplatz erschließt. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Autorin die beiden Welten in den kommenden Romanen nutzen wird. Fest steht, dass ich durch die Kombination aus spannendem Krimiplot, sich entwickelndem Krieg, wachsendem Worldbuilding und dem lebendigen Schreibstil der Autorin eine Menge Szenen und Zitate markiert habe. Etwas schade ist nur, dass viele der hier vorkommenden französischen (teilweise vereinzelt auch italienischen und spanischen) Aussprüche genau wie in Band 1 nicht übersetzt und somit nur beizeiten im Zusammenhang verständlich sind. Mit guten Sprachkenntnissen kann man das als anregend empfinden, ohne diese geht beim Lesen leider etwas verloren.


    Odette: "Süßes Blüten, scharfes Eisen, schwüler Wind. Das Schlagen der Herzen. Das Wiehern der Pferde, das Klappern der Hufe aus den Pflastersteinen. Dunkle Schönheit, überall um sie herum. Reif, sie zu ernten."


    Sehr gefreut hat mich wieder, dass in "The Damned" nicht nur Renée Ahdiehs typischer mit Metaphern und Wortbildern angereicherter Schreibstil, sondern auch ihre weibliche Hauptfigur wunderbar zur Geltung kommen. Genau wie schon bei Shahrzad aus ihrer 1001-Nacht-Reihe hat sie es wieder geschafft, eine Figur zu erschaffen, welche ihrer Zeit in gewisser Hinsicht weit voraus ist, aber dennoch auf glaubwürdige Art und Weise mit den Einschränkungen der Gesellschaft kämpft. Celine ist leidenschaftlich, mutig, entschlossen, selbstbewusst und trägt auch eine dunkle Seite in sich, womit sie in kürzester Zeit mein Herz im Sturm erobert hat. Während Bastien in Band 1 noch ein wenig blass bleib und unter der Undurchsichtigkeit der Handlung litt, tauchen wir hier tief in sein Gefühlsleben ein und verfolgen seine Entwicklung nach seiner Verwandlung. Dadurch, dass wir nun mehr über seine Vergangenheit, seine Beweggründe und seine Beziehung zu Nicodemus erfahren, bekommt er deutlich mehr Tiefe und hat nun auch seinen Weg in mein Herz gefunden. Positiv überrascht hat mich auch, dass die Autorin hier bereits sehr eindeutig das in Band 1 aufgebaute Liebesdreieck auflöst und die Beziehung zwischen Celine und Bastien auf die nächste Ebene hebt, ohne dabei die Handlung auszubremsen. 


    Celine: "Ich habe in der Zeit, in der ich meine Erinnerungen verloren hatte, etwas gelernt", sagte Celine. "Ich sollte mich nicht an andere wenden, um meine Wahrheiten zu finden, egal wie dunkel oder verdreht sie sein mögen. ich muss nur ich mich selbst schauen. Alles, was ich brauche, ist hier."


    Auch mit Celines Freundinnen aus dem Konvent, Sébastians Freunden vom Hof der Löwen und den Polizisten der New Orleans Metropolitan Police einen ganzen Strauß an interessanten Nebenfiguren geschaffen, über die man gerne mehr erfahren will. Neben dem Ätherischen Arjun und der abgründigen Émilie haben es mir vor allem die rätselhafte Odette und Celines Freundin Pippa sehr angetan, welche hoffentlich auch in den kommenden Bänden noch viele Auftritte haben werden! Ich bin jetzt auf jeden Fall schon sehr gespannt auf Band 3, welcher auf Englisch schon unter dem Titel "The Righteous" (frei übersetzt: "Die Gerechten") erschienen ist, für den aber noch kein Erscheinungstermin der Übersetzung feststeht. 

     


    Fazit

    Renée Ahdieh entführt hier abermals in ein düsteres, magisches New Orleans im späten 19. Jahrhundert, welches von Kreaturen wie Vampiren, Werwölfen, Dämonen und anderen Nachtwesen der Anderswelt heimgesucht wird und bereitet so die Bühne für eine historische Romantasy-Reihe. In "The Damned" beantwortet Renée Ahdieh überfällige Fragen und baut ihre Figuren, ihr Worldbuilding und ihre Handlung stark aus, sodass mich die Fortsetzung deutlich besser überzeugen konnte als der Auftakt "The Beautiful". 

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    Cover des Buches Cinderella ist tot (ISBN: 9783453321908)

    Bewertung zu "Cinderella ist tot" von Kalynn Bayron

    Cinderella ist tot
    wordworldvor einem Monat
    Kurzmeinung: Eine gute Botschaft steht einem spärlichem Worldbuilding, einer eindimensionalen Handlung und klischeehaften Figuren gegenüber.
    Grandiose Idee, mangelhafte Umsetzung!

    Als ich von der deutschen Übersetzung des amerikanischen Bestsellers "Cinderella is Dead" gehört habe, war ich sofort Feuer und Flamme. Ich meine, ein dystopisches, queeres Retelling des Cinderella-Märchens? Wer wäre da nicht sofort an Bord. Leider muss ich nach dem Lesen feststellen, dass die Umsetzung nicht an die grandiose Grundidee heranreichen konnte und "Cinderella ist tot" mich unterm Strich enttäuscht hat.


    Doch beginnen wir zunächst beim Cover. Der Heyne Verlag hat sich zum Glück dafür entschieden, sowohl beim Titel als auch beim Covermotiv sehr nah am Original zu bleiben und beschert uns somit ein sowohl inhaltlich passendes als auch sehr schön anzusehendes Cover. Zu sehen ist ein Mädchen of Color, das in einem ramponierten blauen Ballkleid und mit gläsernen Schmetterlingen im Haar herausfordernd den LeserInnen entgegenblickt. Von dem blauen Hintergrund heben sich zudem der Autorinnenname und der Titel in goldenen Buchstaben ab. Für Cover und Titel gibt´s von mir also schonmal einen Daumen nach oben. Etwas kritischer sehe ich die sehr große Schrift innerhalb der Buchdeckel, welche dafür sorgt, dass die 378 Seiten der gebundenen Ausgabe sich lesen wie 200. Dank der kurzen Kapitel und des einfachen, flüssigen Schreibstils der Autorin war ich demnach in kürzester Zeit durch mit dem Buch. Schade fand ich, dass nicht nur einer, sondern gleich zwei inhaltliche Fehler im Klapptext auf der Rückseite des Buches abgedruckt sind (sie steht nicht vor ihrem dritten, sondern vor ihrem ersten Ball und sie widersetzt sich für ihre Freundin Liv, nicht für Erin) und ich beim Lesen deshalb ein wenig verwirrt war. Von diesen Schnitzern abgesehen, ist auch das Innere des Buches ansprechend gestaltet und mit Einladungen, Ausschnitten aus Briefen und Dekreten aufgelockert. Eine Karte des Settings gibt es nicht, das ist jedoch nicht weiter tragisch, da sehr schnell klar wird, dass dies überhaupt nicht benötigt wird.


    Erster Satz: "Cinderella ist seit zweihundert Jahren tot."


    Denn neben immer wieder auftauchenden Motiven des Cinderella-Märchens und der wiederholenden Gewalt gegen Frauen ist leider kein Worldbuilding vorhanden. Kalynn Bayron nimmt hier mit in eine dystopische Fantasywelt, in der 200 Jahre nach Cinderellas Tod Frauen und Mädchen systematisch unterdrückt werden. Mit der Geschichte von Cinderella, die Glück und Wohlstand verspricht, wenn man sich nur an die Regeln der Gesellschaft hält und auf dem jährlichen Ball einen Ehemann sucht, werden Generation um Generation der Stadt Lille und des umliegenden Königreichs ruhig gehalten. Die Autorin zeichnet hier also ein Bild vom Leben von Frauen, das von häuslicher Gewalt, Willkür, Sexismus, öffentlichen Hinrichtungen und der Unmöglichkeit, die eigene Sexualität auszuleben geprägt ist. In welchem Königreich liegt Lille, ob es die Hauptstadt ist, wie es den Leuten dort geht, welche Klimazone herrscht, was um das Königreich liegt und was der König so treibt, wenn er nicht gerade Einladungen zu Bällen signiert, wird jedoch leider mit keinem Wort erwähnt. Die Geschichte verlässt sich auf sehr wenige Schauorte wie Sophias Zuhause, der Palast, der Weiße Wald, Cinderellas Grab und Cinderellas Haus, hinterlässt um diese Spotlights herum jedoch nur weiße Flecken auf meiner inneren Landkarte. Eine zusätzliche Schwierigkeit, bei der Vorstellung des Settings ist die Tatsache, dass die Figuren zwischen den Schauorten in Windeseile wechseln und deshalb kaum ein Verständnis für Dimensionen, Entfernungen und die Größe der Stadt aufkommt. Ich habe also selten eine Fantasy-Geschichte mit solch spärlichem Worldbuilding gelesen. 


    "Vielleicht will Liv, dass jemand sie wegholt. Ich kann es ihr nicht verübeln, aber mein Wunsch ist das nicht. Ich will nicht von einem Ritter in strahlender Rüstung gerettet werden. Ich möchte die Rüstung tragen, und ich würde gerne diejenige sein, die rettet."


    Da die Qualität einer Geschichte ja aber nicht nur vom Setting abhängt, hätte ich "Cinderella ist tot" ihr schlampiges Worldbuilding gerne verzeihen können, wenn mich denn die Handlung mitreißen hätte können. Leider war ich nach wenigen Kapiteln schnell ernüchtert und musste feststellen, dass die Handlung es sich sehr einfach macht und oft den Weg des geringsten Widerstands geht. Die einzige überlebende Nachfahrin Cinderellas nach einer halsbrecherischen Flucht aus dem Palast an einem verschollenen Grab treffen? Joa, warum nicht. In einen angeblich verfluchten Wald ziehen, um eine möglicherweise dort lebende Fee zu finden und ohne große Zwischenfälle direkt über ihre Hütte stolpern? Ist doch total realistisch und naheliegend. Hier geht einfach vieles viel zu leicht, entwickelt sich zu plötzlich oder ist zu unglaubwürdig, um der grundsätzlich spannenden Handlung wirklich mit Herz folgen zu können. Auch die allermeisten Wendungen waren mir viel zu offensichtlich und gerade die Rolle des Königs und die Wahrheiten hinter dem Cinderella-Mythos habe ich schon sehr früh vorhersehen können.


    "Glück ist ein Bonus, Sophia. Du hast kein Recht darauf, und je früher du das akzeptierst, umso einfacher wird dein Leben."
     "Und wenn ich kein einfaches Leben will?" Meine Mutter sieht mich an. Sie öffnet die Lippen, um etwas zu sagen, presst sie wieder zusammen und senkt den Blick auf die Tischplatte. "Sei vorsichtig, was du dir wünschst. Denn möglicherweise bekommst du es auch."


    Am meisten enttäuscht haben mich hier jedoch nicht das Worldbuilding oder die Handlung, sondern die Figuren, da sie allesamt flach und eindimensional blieben. Vor allem die Hauptfigur Sophia hätte als queere, rebellische PoC das Potenzial gehabt, eine laute und starke Botschaft in die Welt zu senden. Leider beschränken sich ihre Charakterzüge aus "rebellisch" und "wütend" und außer ihren Problemen, sich an Regeln zu halten und ihren schnell auflebenden Gefühlen für Constance passiert nicht besonders viel in ihrem Innenleben. Sie denkt nicht über die Folgen ihrer Handlungen (zum Beispiel für ihre Familie) nach, schert alle Männer über einen Kamm und fühlt sich in der Rolle der rebellischen Heldin viel zu wohl, um mir wirklich sympathisch zu sein - da hilft dann der geteilte Vorname leider auch nicht mehr. Von anderen Figuren wie der kämpferischen und wunderschönen Constance (die leider ebenfalls nicht mehr ist als kämpferisch und wunderschön), Sophias Freundin und erste Liebe Erin (die man ebenfalls mit wenigen Adjektiven umfassend charakterisieren könnte) oder dem jungen Luke (die einzige männliche Figur, die hier nicht schlecht wegkommt) will ich gar nicht erst anfangen. Die einzige wirklich interessante Figur, welche mehrere Facetten hat und keinem ausgetretenen Klischee entspricht ist die "gute Fee" Amina, welche jedoch auch deutlich blasser bleibt, als hier möglich wäre.


    "Sie ist in Sicherheit. Aber das hier ist Lille. Niemand ist hier je in Sicherheit"


    Die Autorin präsentiert uns hier also ein sehr klares, überschaubares Bild von Gut und Böse mit nur wenigen Überraschungen. Von moderner Fantasy, die gezielt mit Klischees brechen und eine Botschaft für mehr Diversität und Feminismus senden möchte, erwarte ich mir da deutlich mehr. Gegen die Kritik an der Unterdrückung von Frauen und dem Wunsch nach mehr Gleichberechtigung und Freiheit für alle (LGBTQIA+-)Menschen kann man natürlich überhaupt nichts einwenden. Die auf den ersten Moment feministische Botschaft wird aber dadurch getrübt, dass hier deutliche Anklänge von "Frauen sind besser als Männer" und "Männer sind grundsätzlich böse" vorkommen, was natürlich nicht dem Grundgedanken des Feminismus entspricht, dass alle Geschlechter gleichgestellt sind. Das bedeutet nicht, dass ich die Geschichte schlecht fand (sie hatte wie gesagt auch ihre spannenden Momente und tollen Ansätze), sie blieb nur einfach so weit hinter meinen Erwartungen zurück, dass ich einfach enttäuscht sein musste. Anstatt hier eine interessante, vielschichtige und gesellschaftskritische Geschichte zu erzählen, lässt sich "Cinderella ist tot" unterm Strich also folgendermaßen zusammenfassen: Männer sind böse, Sophia ist sooo rebellisch, der König ist ein Monster und die Cinderella-Geschichte eine Lüge. Schade!


    "Du bist nicht verloren?"
    Ich denke einen Moment nach. "Vielleicht bin ich das. Aber der Unterschied ist, dass ich wiedergefunden werden möchte. Ich werde keine fröhliche Miene aufsetzen und so tun, als wäre alles in Ordnung, obwohl ich weiß, dass es das nicht ist."
    "Und von wem würdest du gerne wiedergefunden werden?", fragt Amina.
     "Von mir selbst", sage ich. "Ich werde mich selbst finden."

     

     



    Fazit

    In Kalynn Bayrons dystopischem Cinderella-Retelling steht eine grundsätzlich gute Botschaft einem spärlichem Worldbuilding, einer eindimensionalen Handlung und klischeehaften Figuren gegenüber. Die Umsetzung von "Cinderella ist tot" kann also leider lange nicht an die grandiose Grundidee heranreichen!

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    Cover des Buches Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (Das Originaldrehbuch) (ISBN: 9783551320148)

    Bewertung zu "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (Das Originaldrehbuch)" von Joanne K. Rowling

    Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (Das Originaldrehbuch)
    wordworldvor einem Monat
    Kurzmeinung: Die schöne Gestaltung durch MiraLima kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Fortsetzung kaum mehr als ein wirres Zwischenspiel ist
    Ein wirres Zwischenspiel, dem der rote Faden fehlt.

    Handlung: Da ich ein großer Fan des ersten Phantastische-Tierwesen-Films war, habe ich mit großer Vorfreude auch die filmische Fortsetzung geschaut. Der Film "Grindelwalds Verbrechen" konnte mich aber leider nicht so verzaubern wie der erste Teil und hat mich stattdessen leider enttäuscht und verwirrt zurückgelassen. Da ich die Hoffnung hatte, der Handlung in Buchform besser folgen zu können, habe ich mir deshalb ein Exemplar des Originaldrehbuchs angefragt. Nachdem ich das Drehbuch nun gelesen habe, sind mir die Zusammenhänge zwar deutlich klarer, ich muss aber trotzdem kritisieren, dass diese Fortsetzung eindeutig einen roten Faden vermissen lässt, der die vielen Einzelszenen, die Zeitsprünge und die Ortswechsel stimmig miteinander verbindet. Während der Auftakt durch die ausgebüxten Tierwesen, die liebenswerten Figuren und das Setting der späten 1920er Jahre von Anfang bis Ende charmant und schön anzusehen war, ist die Fortsetzung ein wirres Zwischenspiel, das auf ein großes Finale überleiten soll, dabei aber nicht an den vorherigen Charme anknüpfen kann.


    Stil und Gestaltung: Die Geschichte ist - logisch, da es sich ja um das Originaldrehbuch zum Film handelt - in Drehbuchform geschrieben. Demnach wird die Handlung in 120 Szenen präsentiert, das Setting bloß durch kurze Angaben zum Drehort, die Figuren durch ihre Dialoge und spärliche Szenenkommentare zum Leben erweckt und Überleitungen durch Kameraanweisungen vermittelt. Damit diese Informationen ausreichen, dass im Kopf Bilder oder gar ein Film entsteht, muss man entweder eine sehr lebendige Fantasie haben, oder den Film zuvor schonmal gesehen haben. Angeregt wird die eigene Vorstellungskraft jedoch durch die Gestaltung vom Londoner Grafikdesign-Duo MinaLima, welches auch an der Filmproduktion aller acht Harry-Potter-Filme beteiligt war. Die recht spärlich mit Text bedruckten Seiten des Skripts sind demnach mit einem verschlungenen Rahmen im Jugendstil der 1920er Jahre verziert und Illustrationen der Tierwesen und anderer Elemente der Geschichte lockern die kurzen Szenen zusätzlich auf. Als Zusatzmaterial ist dem Buch ein Glossar über Filmbegriffe, eine Übersicht über den Filmstab und DarstellerInnen und ein Vorwort von David Yates beigefügt. Die 304 Seiten enthalten also nur wenig tatsächlichen Text und konnten von mir deshalb in knapp eineinhalb Stunden gelesen werden.


    Figuren: In "Grindelwalds Verbrechen" geht das Abenteuer des schüchtern-verpeilten Magic-Zoologen Newt Scamander in eine neue Runde. Im Gegensatz zum ersten Teil können weder seine Tätigkeiten als Beschützer und Pfleger von magischen Tierwesen ausführlich gezeigt werden, noch werden die in Band 1 geknüpften Beziehungen zu anderen Figuren wie der Aurorin Tina vertieft. Auch andere neu auftauchende Figuren wie Leta Lestrange oder Yusuf Kama bleiben eher blass. Mit der Flucht Grindelwalds nach Europa werden zwar immer mehr bekannte Figuren aus dem Potter-Universum wie Dumbledore, Nagini und die Lestrange-Familie, in die Ereignisse miteinbezogen, hier fehlten mir jedoch ein wirkliches Ziel der Handlung und ein größerer Zusammenhang.

     


    Die Zitate


    NEWT: "Es gibt keine seltsamen Geschöpfe - nur engstirnige Menschen." 

     

    DUMBLEDORE: “Wissen Sie, wieso ich Sie bewundere, Newt? Vielleicht noch mehr als jeden sonst, den ich kenne? Wie Sie nicht nach Macht streben. Oder nach Beliebtheit. Sie fragen sich nur, ob etwas richtig ist und getan werden muss. Und dann tun Sie es, koste es, was es wolle.”

     

    LETA: “Ach Newt, du hast bisher noch jedes Monster geliebt.”

     

     


    Das Urteil

    Im Gegensatz zum ersten Film und Drehbuch kann "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" in meinen Augen leider nicht an den Charme des Auftakts mit den ausgebüxten Tierwesen, liebenswerten Figuren und einem lebendigen Setting der späten 1920er Jahre anknüpfen. Die schöne Gestaltung durch MiraLima kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Fortsetzung kaum mehr als ein wirres Zwischenspiel ist, dem der rote Faden fehlt.

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