worttraeumerin

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Rezensionen und Bewertungen

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    Cover des Buches Time to Love – Tausche altes Leben gegen neue Liebe (ISBN: 9783453360365)

    Bewertung zu "Time to Love – Tausche altes Leben gegen neue Liebe" von Beth O'Leary

    Time to Love – Tausche altes Leben gegen neue Liebe
    worttraeumerinvor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Ein richtiges Wohlfühl-Buch mit einer großen Prise Humor, aber leider etwas vorhersehbar.
    Sehr charmant

    Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! 

    Nachdem mich Love to Share von Beth O’Leary sehr begeistert hat, war ich gespannt, ob Time to Love dies ebenfalls tun kann und ich wurde nicht im geringsten enttäuscht. Genau wie das erste Buch der Autorin ist Time to Love ein richtiges Wohlfühl-Buch, es umhüllt einen wie eine flauschige Decke an einem regnerischen Herbsttag und lässt einen für ein paar Stunden die Realität vergessen.

    In dem Buch geht es um zwei Eileen Cottons, genauer gesagt Großmutter und Enkelin, die für zwei Monate ihre Leben tauschen. Eileen, die Ältere, will einen neuen Partner finden, nachdem sie von ihrem Ehemann betrogen und verlassen wurde. Dazu stürzt sie sich ins Londoner Stadtleben und probiert Online-Dating aus. Leena hingegen, die den Tod ihrer Schwester nicht richtig verarbeiten kann und im Job eine Auszeit verordnet bekommen hat, soll auf dem Land im 250-Seelen-Dorf ihrer Großmutter zur Ruhe kommen. Aber schon bald müssen die beiden erkennen, dass man nicht einfach die Leben tauschen kann, und, dass die Liebe ihre ganz eigenen Wege geht.

    Ich habe wirklich schnell Leena und Eileen ins Herz geschlossen. Sie sind beide unfassbar starke Frauen, aber auf unterschiedliche Art und Weisen und total authentisch. Leena ist erfolgreich im Job, hartnäckig, direkt und will mit ihrer besten Freundin Bee ein Unternehmen gründen. Aber sie versucht auch, ihre Erinnerungen an ihre Schwester Carla und ihre Gefühle unter einem Berg aus Arbeit zu begraben. Erst in Hamleigh auf dem Land lernt sie, stehen zu bleiben und nicht mehr vor der Trauer davonzulaufen.

    Bei Eileen hat man nicht von Anfang an das Gefühl, dass sie auf Unterstützung angewiesen ist. Sie ist taff und entschlossen, aber im Kern sehr verletzlich, was mit allem, was sie erleben musste, zusammenhängt. Sie bemüht sich verzweifelt darum, ihre Familie zusammenzuhalten und nicht selbst an diesem Druck zu zerbrechen. Bei all ihrer Selbstlosigkeit hatte ich immer wieder das Bedürfnis, sie selbst mal in den Arm zu nehmen und alle anderen Figuren anzuschreien, dass sie sich endlich mal um Eileen kümmern sollen.

    Beide Protagonistinnen machen eine tolle Entwicklung durch, die durchaus Tiefe besitzt, der aber vom lockeren, humorvollen Schreibstil der Autorin die Schwere genommen wird. Ich weiß nicht, wie oft ich schmunzeln und lachen musste, weil der Humor einfach genau meinen Geschmack getroffen hat. Ich will definitiv mehr davon! Es wird eine wunderschöne Atmosphäre geschaffen, in der man sich einfach heimisch fühlt – ganz gleich, ob man sich im idyllischen Hamleigh oder im schnelllebigen London befindet!

    Die Handlung hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, weil den Figuren für ihre Entwicklung die benötigte Zeit gelassen wird. Allerdings muss ich sagen, dass das Buch etwas vorhersehbar ist; Dinge, die ich bereits im ersten Drittel vermutet habe, haben sich dann auch am Ende bestätigt. Zudem haben die persönlichen Entwicklungen von Eileen und Leena sehr viel Platz eingenommen, was auf der einen Seite gut ist, denn dadurch wurden sie so authentisch und nachvollziehbar. Auf der anderen Seite haben sie die Liebesgeschichten der beiden etwas in den Hintergrund rücken lassen, was ich durchaus akzeptieren kann, aber dadurch hat mir dann am Ende etwas das Kribbeln gefehlt, obwohl das Potenzial durchaus da war.

    Fazit: Time to Love ist locker und humorvoll, aber auch mit Tiefe – ein Wohlfühlbuch, zwar etwas vorhersehbar, aber trotzdem wahnsinnig schön zu lesen! Ich vergebe 4,5/5 Sterne.

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    Cover des Buches Find Me, Finde mich (ISBN: 9783423282307)

    Bewertung zu "Find Me, Finde mich" von André Aciman

    Find Me, Finde mich
    worttraeumerinvor 8 Tagen
    Kurzmeinung: Gelungene Fortsetzung, die die Figuren an Schlüsselpunkten in ihren Leben und bei wichtigen Entscheidungen begleitet.
    Weniger poetisch als CMBYN - aber trotzdem voller Liebe

    VIelen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

    Nachdem ich Call me by your name so sehr geliebt habe, war ich sehr gespannt auf die Fortsetzung – und inwiefern die Geschichte von Elio und Oliver überhaupt weitererzählt werden kann. Das Buch ist in vier Teil unterteilt und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Zuerst Sami, Elios Vater, der auf unerwartete Weise eine neue Liebe findet, dann Elio und Oliver, während der letzte Teil alle Teile miteinander verbindet. Genau wie bei Call me by your name ist es wichtig, sich auf das Buch einzulassen und offen für die Geschichte zu sein.

    Alle drei Figuren sind in Find Me an Schüsselpunkten in ihren Leben angekommen. Sami, der inzwischen von Elios Mutter geschieden ist, findet eine neue Liebe. Elio, der ein erfolgreicher Konzertpianist ist, kann sich noch immer nicht so richtig von Oliver und ihrem gemeinsamen Sommer lösen. Und Oliver selbst erkennt, dass er eigentlich ziemlich unzufrieden ist. Diese Ausgangssituationen stellen die drei vor einige Herausforderungen. Sie alle treffen wichtige Entscheidungen, deren Konsequenzen man ebenfalls in Find Me miterleben darf.

    Der Schreibstil spiegelt diese Entwicklungen direkt wider. Wenn man ihn mit Call me by your name vergleicht, ist er nahezu schlicht, was man durchaus auf die Lebenssituationen der Figuren zurückführen kann. Die jugendlichen Träumereien sind Vergangenheit, stattdessen sind vor allem Elio und Oliver in einer oftmals nüchternen, fast schon trostlosen Realität angekommen. Zuerst habe ich mich an dieser Tatsache gestört, weil ich die Atmosphäre in Call me by your name so sehr geliebt habe und diese in Find Me etwas abhandengekommen ist. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir, dass dies beabsichtigt ist und nur noch einmal eindrucksvoll die Situation der Charaktere verdeutlicht.

    Trotz des schlichteren Schreibstils gibt es einige wirklich schöne Momente, vor allem in Elios Teil der Geschichte. Insgesamt sind poetische Formulierungen allerdings weniger häufig als in Call me by your name. Die große, tiefere Bedeutung offenbart sich einem erst, wenn man das Buch beendet hat. Es werden ein paar interessante Fragen behandelt und Hindernisse für die wahre Liebe dargestellt, wie beispielsweise Altersunterschiede von Paaren, was ich so noch nicht gelesen habe und was einem definitiv die Augen öffnen kann.

    Im Laufe des Buches habe ich auf jeden Fall mit den Charakteren mitfiebert und mitgelitten. Am besten hat mir der Teil gefallen, der Elios Geschichte behandelt, weil es dort auch die meisten poetischen Momente gab. Und im Allgemeinen liebe ich die Geschichte von Elio und Oliver. Sie ist bittersüß und auch frustrierend, aber mindestens genauso schön. In Find Me fragt man sich manchmal, wie das alles zusammenhängt und in dieser Hinsicht muss man sich wirklich bis zum Ende gedulden. Erst dann schließt sich der Kreis und man hat einen kleinen Aha!-Moment. An dieser Stelle hätte ich mir etwas mehr Fokus gewünscht. Eigentlich ist alles da gewesen, allerdings hatte ich beim Lesen ein bisschen das Gefühl, dass es mehr auf den Punkt gebracht werden könnte.

    Fazit: Find Me ist eine gelungene Fortsetzung von Call me by your name, die die Charaktere bei unterschiedlichen Entscheidungen begleitet. Vom Ende hatte ich mir etwas mehr erhofft – ein bisschen mehr Fokus darauf, wie sich der Kreis der drei Geschichten schließt. Nichtsdestotrotz hat das Lesen Spaß gemacht, ganz kann das Buch für mich aber nicht mit dem Vorgänger mithalten. Ich vergebe 4,5/5 Sterne.

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    Cover des Buches All in - Zwei Versprechen (ISBN: 9783736308350)

    Bewertung zu "All in - Zwei Versprechen" von Emma Scott

    All in - Zwei Versprechen
    worttraeumerinvor einem Monat
    Kurzmeinung: Gelungener 2. Teil, der aber gegen Ende etwas zu dick aufträgt.
    Kann nicht ganz mit Teil 1 mithalten

    All In – Tausend Augenblicke ist das Buch, das mich zum New Adult-Fan gemacht hat. Im Allgemeinen liebe ich alles, was Emma Scott schreibt und dementsprechend war ich sehr gespannt darauf, wie mir All In – Zwei Versprechen gefallen würde. Theo mochte ich nämlich bereits in Teil 1 sehr gerne. Leider muss ich an dieser Stelle sagen, dass für mich Teil 2 nicht mit dem ersten Band mithalten kann.  

    ACHTUNG: HIERBEI HANDELT ES SICH UM EINE REZENSION ZU BAND 2! SIE WIRD DEMENTSPRECHEND SPOILER ZU BAND 1 ENTHALTEN!!





    Nach Jonahs Tod am Ende von All In – Tausend Augenblicke stehen sowohl Kacey, als auch Theo vor einem Abgrund. Kacey verlässt Las Vegas und zieht nach New Orleans, um ein neues Leben zu beginnen, allerdings ertränkt sie dort ihren Kummer im Alkohol. Theo leidet ebenfalls unter dem Verlust seines Bruders und versucht für seinen Traum von einem eigenen Tattoo-Studio zu kämpfen. Als er jedoch von Kacey erfährt, lässt er alles stehen und liegen. Er fliegt zu ihr nach New Orleans, hilft ihr beim Entzug und gemeinsam schaffen sie es, Jonahs Tod Schritt für Schritt zu überwinden. Dann aber merken sie, dass sie weit mehr als nur Freundschaft verbindet und das wiederum stellt sie vor ganz anderen Herausforderungen …

    Für mich hat All In – Zwei Versprechen wahnsinnig gut begonnen. Die Gefühle, der Schmerz, die Trauer – das alles war einfach unglaublich greifbar. Immer wieder musste ich auf den ersten Seiten schwer schlucken und war den Tränen nah, weil Emma Scott sehr mitreißend und emotional schreibt. Kacey und Theo trauern auf unterschiedliche Weisen und beide sind sehr realitätsnah dargestellt. Die Situation wird definitiv nicht beschönigt und das ist eine große Stärke des Buches. Auch wie andere Charaktere damit umgehen, hat mir gut gefallen, weil die Bewältigungsstrategien sehr individuell sind.

    Sowohl Kacey, als auch Theo machen in All In – Zwei Versprechen Entwicklungen durch. Kacey muss sich von ganz unten nach ganz oben kämpfen und wieder auf eigenen Beinen stehen. Theo lernt, endlich für sich selbst und seine Träume einzustehen. Vor allem ihn mochte ich sehr gerne. Er ist hilfsbereit und wirklich ein Schatz – allerdings wird ihm das auch zum Verhängnis, weil er seine eigenen Bedürfnisse hinten anstellt und darunter leidet. Mit aller Kraft versucht er, trotz Jonahs Verlust seine Familie zusammenzuhalten und lernt gleichzeitig, seinem Herzen zu folgen.

    Emma Scotts Schreibstil, die Charaktere und vor allem die erste Hälfte der Geschichte haben mir sehr gut gefallen. Kacey und Theo harmonieren schön und teilen vieles, allerdings muss ich sagen, dass mich ihre Liebesgeschichte nicht ganz abholen konnte. Für mich ging es einfach ein bisschen schnell, wodurch dann die Tiefe gefehlt hat. Ich hatte das Gefühl, als wäre ein Teil weggelassen worden. Als hätte man die Zeit, in der sich Theo und Kacey richtig ineinander verlieben und ihre Bindung wächst, einfach übersprungen. Deswegen hat für mich die Basis für alle weiteren Entwicklungen gefehlt. Es gibt einen Punkt im Buch, in dem sich die beiden eingestehen, dass da mehr ist, und ab da überschlagen sich die Ereignisse regelrecht und sind für mich leider nicht mehr glaubwürdig.

    Gegen Ende wurde es mir zu viel. Ganz ehrlich – ich brauche keine zwei Epiloge, die jedes noch so kleine Detail aus der Zukunft der Charaktere preisgeben. Manchmal ist weniger mehr und ich persönlich liebe es, wenn ich mir selbst die Zukunft der Figuren ausmalen kann. Ich kann verstehen, dass die Autorin ihren Figuren ein Happy End geben wollte, doch meiner Meinung nach hat sie hier zu viel riskiert.

    Es gibt viele Aspekte, die mir sehr gut gefallen haben, aber eben auch diese Kritikpunkte. Insgesamt hat mir All In – Zwei Versprechen ein paar schöne, solide Lesestunden bereitet. Die Entwicklungen ab der Hälfte des Buches und das Ende hemmen den positiven Eindruck etwas. Ich vergebe 4/5 Sterne.  

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    Cover des Buches Call Me by Your Name, Ruf mich bei deinem Namen (ISBN: 9783423086561)

    Bewertung zu "Call Me by Your Name, Ruf mich bei deinem Namen" von André Aciman

    Call Me by Your Name, Ruf mich bei deinem Namen
    worttraeumerinvor einem Monat
    Kurzmeinung: Poetisch, tiefgründig, melancholisch - eine wunderschöne Liebesgeschichte mit einer tollen Moral!
    Ein ganz besonderes Buch

    Vielen Dank an den dtv Verlag für das Rezensionsexemplar.

    Call me by your name von André Aciman ist die Liebesgeschichte eines Sommers im Italien der 80er Jahre und so poetisch erzählt, dass es mich absolut begeistern konnte! In dem Buch geht es um Elio und Oliver. Elios Familie nimmt jedes Jahr Harvard-Absolventen bei sich auf, um diese bei ihrem weiteren Werdegang zu unterstützen, da sein Vater ein angesehener Professor ist. So kommt Oliver zu ihnen ins Haus, der sofort von allen gemocht wird und Anschluss findet, aber auf der anderen Seite auch undurchschaubar und abweisend ist. Elio ist von der ersten Sekunde an fasziniert von ihm und in dem kurzen Sommer, den sie gemeinsam verbringen, entwickelt sich etwas ganz besonders zwischen ihnen.

    Zu Elio, aus dessen Perspektive das Buch erzählt ist, konnte ich sofort eine Bindung aufbauen. Er ist nachdenklich und ruhig, verbringt seine Zeit damit, Musik zu transkribieren und ist definitiv sehr schüchtern. Er hat zwar Freunde, allerdings sind diese Freundschaften sehr oberflächlich und man hat auch nicht das Gefühl, Elio sei auf diese angewiesen. Von Anfang an richtet sich seine komplette Aufmerksamkeit auf Oliver und er ist hin und hergerissen zwischen Angst, Verwirrung und Verlangen.

    Acimans Stil ist direkt mit Elios Gefühlswelt verbunden. Elio ist 17 Jahre alt und wird damit gerade erwachsen, während Oliver mit seinen 24 Jahren bereits in seinem Erwachsenenleben angekommen ist. Elio weiß oft nicht mehr, was er denken soll und diese Verwirrung zeigt sich durch Wiederholungen. Manche Kapitel drehen sich regelrecht im Kreis, weil Elio jedes einzelne Wort von Oliver aufs genaueste analysiert. Das ist sicherlich nicht für jeden etwas und es kann auch langatmig wirken, für mich hat es Elios Denkweise aber sehr authentisch gemacht – vor allem in Anbetracht seines Alters.

    Oliver bleibt eine ganze Weile undurchschaubar. Es gibt viele Details, die man sofort mit ihm in Verbindung verbringt, doch erst gegen Ende erhascht man einen richtigen Blick unter die Oberfläche auf die Person, die er wirklich ist. Am Anfang wusste ich überhaupt nicht, wie ich ihn einschätzen konnte und habe sogar befürchtet, bis zum Ende keine richtige Bindung zu ihm aufbauen zu können. Jetzt weiß ich, dass das absolut beabsichtigt war und das macht die anfängliche Distanz wieder wett.

    Aber auch unabhängig von den Figuren und ihren Gefühlswelten ist André Acimans Schreibstil wirklich wunderschön. Eindrucksvoll und poetisch erschafft er ein Bild von Italien, das einem – trotz der durchaus ernsten Thematik des Buches – ein gutes, sommerliches, freies Gefühl gibt. Ich bin definitiv ein Meer-Mensch und deswegen hat sich die Atmosphäre, die der Autor geschaffen hat, für mich besonders heimisch angefühlt. Viele kleine, wichtige Botschaften verstecken sich zwischen den Zeilen.

    Die Erzählweise kann anfangs etwas verwirrend sein. Schnell ist klar, dass Elio auf die Ereignisse von damals zurückblickt und am Anfang springt er oft in der Zeit, sodass es schwer fällt, die Geschehnisse richtig zuzuordnen. Nach den ersten 100 Seiten gelingt das dann aber recht gut und noch viel wichtiger: der Kreis der Erzählung schließt sich am Ende. Das, was am Anfang noch schwer nachzuvollziehen war, ist am Schluss einleuchtend. Der Weg dahin ist manchmal etwas holprig und ich kann verstehen, wenn das Buch einem nicht zusagt. Es gibt die eine oder andere Szene, die gewöhnungsbedürftig ist – jeder, der das Buch gelesen hat, wird wissen, was ich zum Beispiel mit dem Pfirsich meine. Aber einmal ganz im Ernst: Wer bin ich, um darüber zu urteilen?

    Das Buch ist direkt und schonungslos und zeigt die Suche nach sich selbst und nach der Liebe in all seinen Höhen und Tiefen. Es ist melancholisch, traurig, sehnsüchtig und zwar so, dass es einen tiefgehend berührt. Man muss sich zu einem bestimmten Maß auf die Geschichte einlassen, aber hat man das einmal getan, wird man Elio und Oliver verfallen. Viel wichtiger ist aber, dass man das Buch schließt und über die Moral der Geschichte nachdenkt. Es gibt einen sehr viel mit und das ist immer wertvoll.

    Fazit: Letztendlich ist es für mich eine unperfekte perfekte Liebesgeschichte von zwei jungen Männern, die einfach unfassbar echt und authentisch wirkt. Das Gesamtpaket von Call me by your name hat mich definitiv verzaubert. Es ist eindrucksvoll und eins der Bücher, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eins der Bücher, an die man zurückdenkt und auch nach Wochen und Monaten noch denkt: Wow. Für mich ist es bereits jetzt ein Jahreshighlight und ich vergebe 5/5 Sterne!

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    Cover des Buches Cyber Trips (ISBN: 9783404209675)

    Bewertung zu "Cyber Trips" von Marie Graßhoff

    Cyber Trips
    worttraeumerinvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Atmosphärischer, spannender und überraschender zweiter Teil, in dem die Charaktere über sich hinauswachsen müssen.
    Rasante Fortsetzung

    Vielen Dank an die Lesejury, dass ich bei der Leserunde dabei sein und das Buch vorab lesen durfte!

    VORSICHT! Hierbei handelt es sich um eine Rezension zum zweiten Teil der Reihe und wird dementsprechend Spoiler zu Teil 1 enthalten!

    Nach dem Cliffhanger von Neon Birds, bei dem man sich ernsthaft fragt, wie das überhaupt noch alles ein gutes Ende nehmen kann, fängt Cyber Trips im Vergleich etwas ruhiger an. Wobei „ruhig“ vielleicht nicht das richtige Wort dafür ist, Spannung ist nichtsdestotrotz da. Nach Flovers Infizierung sind er und Luke auf der Flucht und versuchen, Schutz bei Liza Moore zu finden. Das funktioniert eher weniger gut, woraufhin die Zwei wieder auf sich allein gestellt sind. Okijen wird unterdessen wieder mehr in die Machenschaften der Regierung eingespannt und versucht gleichzeitig mit Andra und Byth, nach Wegen zu suchen, KAMI zu besiegen. Sperrzonen werden ausgeweitet und Städte evakuiert, was den Eindruck einer Apokalypse vermittelt. Und schlussendlich ist Andra davon überzeugt, dass KAMI ein Bewusstsein besitzt – und man vielleicht eine Lösung finden kann, indem man einfach mit ihm/ihr redet …

    Allein das ist eine unglaublich spannende Ausgangssituation. Allerdings muss ich sagen, dass in der ersten Hälfte von Cyber Trips kleine Längen beim Lesen entstehen, die dann aber ab der Hälfte absolut vergessen sind. Da sitzt man dann vor dem Buch, schluckt hart und denkt sich: OKAAAAYYYYY, ich muss ruhig bleiben. Nicht schreien und durchdrehen … Die zweite Hälfte von Cyber Trips ist ziemlich unglaublich. Eine sensationelle Entdeckung jagt die andere und all die Plottwists steigern sich in ein wirklich episches Finale und lassen einen Beta Hearts herbeisehnen.

    Maries Graßhoffs Schreibstil war vor allem in der zweiten Hälfte wieder grandios. Sie hat es geschafft, an vielen, vielen Stellen eine atemberaubend düstere Atmosphäre zu schaffen, die mir beim Lesen Gänsehaut verpasst hat. Man hatte das Gefühl, die Welt hätte den Atem angehalten.

    Die Protagonisten haben mir ebenfalls wieder gut gefallen. Man erfährt viel über Okijens Vergangenheit (ich sage nur Sao Paolo) und bekommt einen guten Einblick in Flover und Lukes Gefühlswelten. Auch Andra entwickelt sich stetig weiter und lernt in Cyber Trips, für ihre Überzeugungen einzustehen. Das hat mir besonders gut gefallen, weil ich es liebe, wenn Charaktere sich langsam und in kleinen Schritten immer mehr über sich hinauswachsen. Außerdem gibt es zum ersten Mal Kapitel aus Byths Sicht – und ich sag mal nur eins: freut euch drauf!

    Die Nebencharaktere fand ich wieder furchtbar interessant, vor allem habe ich Ellis ziemlich schnell mit seiner Art in mein Herz geschlossen. An dieser Stelle hätte ich mir mehr Informationen über Liza Moore, Alaska Pershing und Marshall Lloyd gewünscht, was eigentlich einer meiner wenigen Kritikpunkte ist. Viele meiner Fragen bezüglich der Welt wurden in Cyber Trips beantwortet, aber eben nicht alle. Zwar gab es ein paar Militärakten dazu (und wenn es eine Akte gibt, in der im wahrsten Sinne des Wortes „Geschichte geschrieben“ wird, weil die Generale überlegen, wie sie gewisse Ereignisse in den Geschichtsbüchern festhalten, dann ist das schon sehr abgefahren und bedeutungsvoll und ICH LIEBE ES!!!), aber ich will immer noch mehr wissen und hoffe, dass all meine übriggebliebenen Fragen in Beta Hearts beantwortet werden.

    Die Illustrationen und Akten haben im Allgemeinen wieder die Geschichte sehr schön ergänzt, wobei ich das Gefühl hatte, dass es in Cyber Trips etwas weniger sind, als in Neon Birds.

    Ebenfalls positiv fand ich die Darstellung von KAMI in Band 2. Natürlich kann ich hier nicht sonderlich viel sagen, aber gegen Ende von Neon Birds kann man durchaus kritisch sagen, dass KAMI etwas overpowered ist und ein Sieg unserer Helden ohnehin ausgeschlossen. Nun ja, lasst euch überraschen, wie Marie das gelöst hat!

    Außerdem wurden gegen Ende (endlich) verschiedene Handlungsstränge zusammengeführt. Auch hier verrate ich nicht, wer auf wen trifft und was passiert, aber nachdem an allen Stellen auf das gleiche Ziel hingearbeitet wurde und plötzlich alles einfach nur so unfassbar viel Sinn macht … dann bin ich gehyped. Ich liebe es, wenn man beim Lesen merkt, das alles, was man eigentlich als unwichtig abgehakt hat, plötzlich doch wichtig ist und man sieht, dass die Autorin hinter allem einen Plan hatte. Jetzt kann ich Beta Hearts eigentlich gar nicht mehr abwarten, weil die Spannung plötzlich ins Unermessliche gestiegen ist.

    Fazit: Cyber Trips glänzt vor allem in der zweiten Hälfte des Buches durch eine rasante, durchdachte Handlung und viele überraschende Wendungen. Weil die erste Hälfte im Vergleich dazu etwas abfällt, sogar ein, zwei Längen aufweist und ich gerne noch mehr über die Generale und die Welt erfahren hätte, muss ich etwas abziehen und schwanke zwischen 4 und 4,5/5 Sterne!

     

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    Cover des Buches Unter schwarzen Himmeln: Romantasy Liebesroman (Schwingen-Dilogie 2) (ISBN: B086C8CCZP)

    Bewertung zu "Unter schwarzen Himmeln: Romantasy Liebesroman (Schwingen-Dilogie 2)" von Sarah Nierwitzki

    Unter schwarzen Himmeln: Romantasy Liebesroman (Schwingen-Dilogie 2)
    worttraeumerinvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Romantik, Freundschaft und Familie sind zentrale Themen und auch Spannung kommt vor allem am Ende nicht zu kurz!
    Toller zweiter Band!

    Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

    VORSICHT: Hierbei handelt es sich um eine Rezension zu Teil 2 der Reihe. Sie wird möglicherweise Spoiler zu Teil 1 (Unter dunklen Schwingen) enthalten.

    Worum geht es in „Unter schwarzen Himmeln“? Nach den Ereignissen aus „Unter dunklen Schwingen“ können Claire und Ben in Frieden leben zu; sie sind glücklich. Scheinbar hat Claire ihren Platz als Himmelsfürstin gefunden und wächst in ihre Aufgabe hinein. Doch schon bald wird ihr Leben wieder getrübt. Claire hat Visionen vom brennenden und einstürzenden Schattenturm, in dem im Himmel die Schatten eingesperrt werden. Als auch die Schatten sich wieder regen, gehen Claire, Ben und Rachel dem ganzen auf den Grund – finden dabei neue Verbündete und müssen sich gleichzeitig mit der Frage auseinandersetzen, ob die Hellen wirklich so gut sind, wie es immer den Anschein hat…

    Sarah Nierwitzkis Schreibstil hat mir wie gewohnt super gefallen. Er ist sehr poetisch, und wie immer versteht sie es, mit der Sprache zu spielen und so einzusetzen, dass die richtigen Stellen betont und die Gefühle der Figuren unterstrichen werden.

    Es hat viel Spaß gemacht, in Teil 2 wieder zu den Charakteren und in ihre Welt zurückzukehren. Gleichzeitig fiel es mir etwas schwer, mich anfangs richtig auf die Geschichte einzulassen, was mich selbst ein bisschen überrascht hat, weil ich das bisher so gar nicht von den Werken der Autorin gewohnt war. Allerdings muss ich betonen, dass ich das NICHT zwingend „Unter schwarzen Himmeln“ zuschreibe. Ich denke, es war eine Mischung aus der aktuellen Situation, einer anderen Sache, die mich persönlich sehr beschäftigt hat und der Tatsache, dass UsH trotz dunkler Vorzeichen eher langsam beginnt. Ein ruhiger Einstieg und eine schrittweise Steigerung der Spannung mag ich nämlich eigentlich total gerne. In dieser Hinsicht bin ich mir also etwas unsicher, warum ich Anfangsschwierigkeiten hatte, denn eigentlich hat die Autorin hier alles richtig gemacht.

    Jetzt zu den Charakteren. Was hat mir wahnsinnig gut gefallen?

    Die Antwort darauf ist leicht. Ben. Wir kennen (und lieben) ihn ja alle schon aus Teil 1, in „Unter schwarzen Himmeln“ habe ich ihn aber noch lieber gemocht. Man erfährt viel über seine Vergangenheit und über die Bedeutung seiner Freundschaft mit Rachel. Dadurch erhält sein Charakter jede Menge Tiefe, er war mir noch näher was ich mir bei einem zweiten Teil immer wünsche.

    Claire mochte ich auch wieder sehr gerne, ich konnte viele ihrer Gefühle sehr gut nachempfinden. Allerdings hätte ich eine etwas größere Entwicklung ihres Charakters erwartet. Zwar tut sich in dieser Hinsicht dann noch etwas, doch ich denke, es hätte gutgetan, hätte der Fokus durch die ganze Story hindurch etwas mehr darauf gelegen.

    Das waren aber auch schon die einzigen Kritikpunkte, die ich habe. Wie bereits gesagt, steigert sich die Spannung in „Unter schwarzen Himmeln“ schrittweise immer weiter. In der zweiten Hälfte ist dann das Erzähltempo sehr hoch, sodass man es gut in einem Rutsch durchlesen kann und nicht mehr in der Lage ist, das Buch aus der Hand zu legen, selbst, wenn man das wollte. Besonders gefallen hat mir hier, dass die Actionszenen ziemlich auf den Punkt gebracht waren. In „Unter dunklen Schwingen“ war das ja ein Kritikpunkt von mir, jetzt aber, in Teil 2, habe ich wirklich nichts daran auszusetzen.

    Des Weiteren gibt es so einige überraschende Wendungen, außerdem erfährt man viel über Claires Familie – und das habe ich wirklich sehr geliebt. Fragen, die man vielleicht nach Teil 1 hatte, wurden beantwortet und damit gleichzeitig auch Nebencharakteren noch einmal eine kräftige Portion Farbe und Tiefe verliehen. Auch das Ende fand ich sehr gut gelöst, ob Ben jetzt stirbt, oder nicht, müsst ihr aber selbst herausfinden, meine Lippen sind versiegelt.

    Fazit: Insgesamt hat mir „Unter schwarzen Himmeln“ ein paar sehr schöne Lesestunden bereitet. Romantik, Freundschaft und Familie sind zentrale Themen und auch die Spannung kommt vor allem am Ende nicht zu kurz. Da ich mir mehr Fokus auf Claires Entwicklung gewünscht hätte, schwanke ich zwischen 4-4,5/5 Sterne.

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    Cover des Buches Cinder & Ella (ISBN: 9783846600894)

    Bewertung zu "Cinder & Ella" von Kelly Oram

    Cinder & Ella
    worttraeumerinvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Leider wenig Handlung, und die Entwicklung der Charaktere kommt zu spät, um noch glaubwürdig zu sein.
    Kann nicht mit Teil 1 mithalten

    Cinder und Ella 2 war ein Buch, auf das ich mich sehr gefreut habe, immerhin war der erste Teil eins meiner absoluten Jahreshighlights 2019 und konnte mich für ein paar Stunden komplett aus der Realität abholen. Dementsprechend habe ich mich sehr auf die Fortsetzung gefreut – und wurde leider enttäuscht.

    VORSICHT: hierbei handelt es sich um den zweiten Teil einer Reihe, die Rezension wird also Spoiler zu Teil 1 enthalten!

    Komme ich erst einmal zu den positiven Aspekten. Ich mag das Cover wieder sehr gerne. Es passt einfach zu dem kitschigen Märchen-Aspekt von Cinder und Ella. Außerdem ist der Schreibstil der Autorin noch immer sehr angenehm, sodass man das Buch relativ flüssig lesen kann. Richtig schöne Formulierungen findet man auch in Cinder und Ella 2. Des Weiteren ist Brian und Ellas Interaktion einfach total lustig. Ihre ständigen Schlagabtäusche sind sehr unterhaltsam und haben mich oft zum Lachen gebracht. Ich mag die beiden als Paar einfach total gerne.

    Das waren aber leider auch schon alle positiven Punkte, die ich habe.

    Ich bleibe jetzt erst einmal bei den Charakteren. Ich liebe Brian und Ella und auch viele der Nebenfiguren. Aber in Band 2 vermisse ich die Entwicklungen. Die ersten 300 Seiten treten die Figuren einfach nur auf der Stelle und wachsen nicht über sich hinaus. Dabei hatte vor allem Ella total viel Potenzial. Nach Ende von Band 1 hat sie immer noch Probleme mit sich selbst und ihrem Körper. Eigentlich finde ich es sehr realistisch, dass so etwas nicht gelöst ist, weil man mal ein kurzes Kleid anzieht. Aber jede Entwicklung, diese eingeschlossen, hat sich (wenn überhaupt) auf den letzten 100-150 Seiten abgespielt. Und dann kam alles auf einmal und viel zu schnell, um noch irgendwie glaubwürdig zu sein. Besser wäre es gewesen, wenn sich die Charaktere langsam über das ganze Buch entwickeln und man nicht am Ende einfach vor Tatsachen gestellt wird und sich fragt, wie das überhaupt passiert ist.

    Dementsprechend unzufrieden war ich auch mit dem Ende. Ich werde natürlich nicht sagen, was da passiert, aber ich fand es einfach unlogisch. Es war so, dass die Ella am Ende irgendwie das komplette Gegenteil von der Ella zu Beginn war. Dieser Kontrast kann schön sein, weil man sieht, wie sich die Charaktere entwickelt haben, aber dafür will ich die Entwicklung konstant im ganzen Buch mitverfolgen können. Und nicht einfach – zack – so ist es jetzt. Das ist meiner Meinung nach schlichtweg unglaubwürdig.

    Die Handlung hat mir ebenfalls nicht wirklich gefallen. Die plätscherte so vor sich hin und auf Seite 250 habe ich mich dann gefragt, was bisher überhaupt passiert ist. Darauf gibt es eine Antwort: alle möglichen Menschen diskutieren, teilweise auch öffentlich, warum Ella noch Jungfrau ist und noch nicht mit Brian geschlafen hat. Mehr tut sich leider wirklich nicht. Irgendwie ist das Buch zu 75% eine Aneinanderreihung der immer gleichen Szenen. Brian und Ella harmonieren toll – aber selbst davon hatte ich nach der Hälfte eigentlich schon genug. Trotz des angenehmen Schreibstils hat sich die Handlung gezogen. Konflikte, die in Band 1 schon gelöst schienen, wurden wieder aufgewärmt. Die spärliche Handlung hat sich im Kreis gedreht. Wirklich viel Neues gab es in Cinder und Ella 2 nicht, was das Buch fast unnötig macht. Und das finde ich unfassbar schade.

    Fazit: Leider diesmal keine Empfehlung. Die Charaktere entwickeln sich kaum und die Handlung dreht sich im Kreis. Auch Brian und Ella, die gewohnt super harmonieren und stellenweise total süß sind, können das leider nicht rausreißen. Von mir gibt es 2,5/5 Sterne.

     

     

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    Cover des Buches Das Lied der Krähen (ISBN: 9783426654439)

    Bewertung zu "Das Lied der Krähen" von Leigh Bardugo

    Das Lied der Krähen
    worttraeumerinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Konnte mich nicht von Anfang an packen, wurde dann aber mit jeder Seite spannender!
    Tolle Welt, tolle Charaktere, gelegentliche Längen in der Handlung

    Nachdem ich schon so viel Gutes über „Das Lied der Krähen“ gehört habe, war ich wirklich gespannt und habe es endlich von meinem SuB erlöst! Es geht um sechs Außenseiter, die gemeinsam einen der gefährlichsten Magier ihrer Welt aus dem Gefängnis befreien sollen. Angeführt von Kaz Brekker, dem wohl gewieftesten Schlitzohr aller Zeiten, machen sich Inej, Jesper, Wylan, Nina und Matthias auf die beschwerliche Weise … und müssen wohl oder übel zu einem Team werden – denn jeder Fehltritt könnte ihr Verderben bedeuten. Aber können sie sich auch vertrauen?

    Die ersten 200 Seiten stand ich auf dem Kriegsfuß mit „Das Lied der Krähen“. Es ist mir unglaublich schwergefallen, richtig in die Geschichte und zu den Figuren zu finden, was ich überhaupt nicht erwartet hätte. Das lag zum einen daran, dass die ersten Kapitel sehr lang sind, jedes hat ungefähr 30 Seiten. Dadurch kommt einem der Einstieg einfach zäh vor, obwohl es sofort spannend beginnt. Ich hätte mir definitiv kürzere Kapitel gewünscht, weil dadurch ein bisschen mehr Dynamik in die Erzählweise gekommen wäre.

    Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden die Kapitel dann etwas kürzer und auch das Erzähltempo steigerte sich. Immer wieder wurde durch Rückblenden die Vergangenheit der verschiedenen Charaktere beleuchtet, aber mit der Art und Weise bin ich immer noch nicht ganz d’accord. Ich hatte das Gefühl, dass dadurch einfach der Geschichte einiges an Spannung und Tempo genommen wurde. Zwar erhielten die Charaktere dadurch mit der Zeit eine erstaunliche Tiefe, allerdings wurde gefühlt jedes Mal, wenn die Story an Fahrt aufnahm, eine seitenlange Rückblende eingefügt, bis man beinahe vergessen hat, dass da ja ein Cliffhanger existiert.

    So schwierig mir der Einstieg fiel, so fasziniert bin ich von der Welt, die Leigh Bardugo erschaffen hat. Ich finde das Konzept der Grischa total interessant, genauso wie die verschiedenen Länder. Es macht Lust darauf, mehr über die Welt zu erfahren, weil sie super durchdacht und komplex ist. Außerdem ist Ketterdam und Kerch einfach der Hammer – ich meine, eine High-Fantasy-Welt mit einer Börse? Das ist schon sehr genial.

    Nachdem mir am Anfang die Charaktere nicht sonderlich nah waren – zwar facettenreich und gut ausgearbeitet, aber eine Bindung konnte ich nicht aufbauen – wurde das immer besser, je mehr Seiten ich gelesen habe. Außerdem habe ich mir sagen lassen, dass Band 2 in dieser Hinsicht noch eins draufsetzt. Ich bin total gespannt. Jetzt aber erst einmal meinen Eindruck zu den Charakteren in Band 1. Am Ende mochte ich einfach alle gerne. Ich liebe Jespers lustige Art und mag, dass der ruhige Wylan im Laufe der Geschichte über sich hinauswächst. Seine Entwicklung hat mir einfach sehr gut gefallen. Die gemeinsame Vergangenheit von Nina und Matthias fand ich total spannend, außerdem mussten beide über ihren eigenen Tellerrand hinausblicken, was umso schöner ist, bedenkt man, dass sie beide ziemliche Sturköpfe sind. Die beiden Herzstücke der Geschichte sind aber Inej und Kaz. Beide haben in der Vergangenheit gelitten, beide sind Kämpfer, aber auf ganz unterschiedliche Art und Weisen. Nichtsdestotrotz ergänzen die beiden sich ziemlich gut. Kaz ist zudem ein (kaltes und skrupelloses) Genie. Man will ihn hassen und lieben gleichzeitig.

    Leigh Bardugos Schreibstil fand ich gut, aber nicht überragend. Er hat zur Story und zum Setting gepasst und die Geschichte angenehm abgerundet, aber mich nicht vom Hocker gerissen.

    Wenn man das Buch beginnt, hat man irgendwie ganz andere Erwartungen an die Handlung und bleibt am Ende mit einer auf den Kopf gestellten Welt zurück. Nach der Hälfte des Buches dachte ich zu wissen, worauf der Schwerpunkt gesetzt wird, allerdings ist es dann am Ende doch ganz anders. Gut gefallen hat mir auf jeden Fall die Vorbereitung der Krähen auf ihren Coup und Kaz ausgeklügelten Plan. Das Buch alleinstehend wäre gute, solide High-Fantasy, wenn ich aber an das Ende denke und daran, dass es einen zweiten Teil gibt, denke ich, dass „Das Lied der Krähen“ lediglich die Grundlage für Band 2 ist und es da erst so richtig zur Sache geht. So, oder so, macht es Lust auf mehr, weil so viel Potenzial enthalten ist, was noch nicht ganz ausgeschöpft wurde, man allerdings das Gefühl hat, dass dies mit Absicht so gehandhabt wurde. „Das Gold der Krähen“ werde ich definitiv auch lesen!

    Fazit: Eine faszinierende Welt mit schön ausgearbeiteten Charakteren, allerdings kann das Buch einen nicht von Anfang an mitreißen, sondern erst gegen Ende. Gelegentliche Längen und zu lange Kapitel nehmen stellenweise die Spannung aus der Geschichte. Allerdings macht es Lust auf mehr. Ich vergebe 4/5 Sterne!

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    Cover des Buches Finde mich. Jetzt (ISBN: 9783492061711)

    Bewertung zu "Finde mich. Jetzt" von Kathinka Engel

    Finde mich. Jetzt
    worttraeumerinvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Interessante Idee, leider fehlt es der Umsetzung an Tiefe.
    Viel Potenzial, das nicht richtig genutzt wurde

    Finde mich. Jetzt war ein ziemlich spontaner Kauf, weil das Cover mich in der Buchhandlung (im positiven Sinne) umgehauen hat und noch dazu der Klappentext furchtbar interessant klang.

    In dem Buch geht es um die Liebesgeschichte von Tamsin und Rhys. Tamsin zieht, nachdem ihr Ex sie betrogen hat und ihr Großvater gestorben ist, ins kalifornische Pearley. Dort hofft sie, abseits von Vertrautem und ihren Eltern, die ganz andere Pläne für sie haben als Tamsin selbst, ein neues Leben zu beginnen. Schnell trifft sie auf Rhys. Er ist unnahbar und lässt niemanden an sich heran, weil er seine Jugendzeit unschuldig im Gefängnis verbracht hat. Jetzt hat er seine Strafe abgesessen und muss sich in der Welt wieder zurechtfinden. Tamsin und Rhys kommen sich näher, aber er trägt noch Ballast aus seiner Vergangenheit mit sich, die ihre Beziehung auf eine schwere Probe stellen könnte.

    Zuerst einmal zu den Charakteren.

    Tamsin ist immer freundlich, und negative Gefühle versteckt sie oft hinter einem Lächeln. Sie ist etwas verrückt, aber definitiv liebenswert und von ihrer positiven Lebenseinstellung kann man sich eine Scheibe abschneiden. Besonders gefallen hat mir ihre Freundschaft zu Sam, der im Laufe des Buches zu einem meiner Lieblinge geworden ist. Sie weiß, was sie will und ist bereit, dafür einzustehen.

    Im Gegensatz dazu ist Rhys sehr verschlossen. Er hat das Vertrauen in die Menschheit verloren und ist in mancher Hinsicht wirklich das Gegenteil von Tamsin. Vor allem aber ist er mit seiner wiedergewonnenen Freiheit vollkommen überfordert und mit allem, was er tut, verfolgt er nur ein Ziel … bis er Tamsin an sich heranlässt und erkennt, dass das Leben mehr zu bieten hat.

    Ich hatte riesige Erwartungen an das Buch, weil es einfach so gut klang, aber leider wurden sie etwas enttäuscht. Zum einen hatte ich so meine Probleme, in die Geschichte zu finden, was mit dem Schreibstil der Autorin zusammenhängt. Hier hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht, außerdem mag ich es total gerne, wenn mit der Sprache gespielt wird, was mir hier leider fast gänzlich gefehlt hat. Dadurch hat es eine Weile gedauert, bis ich wirklich mit den Charakteren und der Geschichte warm wurde.

    ACHTUNG: im folgenden Absatz ist ein Spoiler enthalten!

    Es gab Stellen, die mich zum Lachen gebracht haben, bei denen ich schmunzeln oder seufzen musste, weil es einfach total süß war. Dann gab es aber auch Stellen, die mir gar nicht gefallen haben und über die ich einfach nicht hinwegsehen kann. Rhys hat im Gefängnis ein Trauma erlitten, was dazu führt, dass er Probleme damit hat, sich vor anderen auszuziehen/seinen Oberkörper zu zeigen. Und Tamsins Reaktion darauf ist, dass sie ihm sagt, dass er kein Recht darauf hat, sich in seinem Körper nicht wohl zu fühlen, weil er muskulös ist und ein Sixpack hat. Das ist – gelinde gesagt – problematisch, weil sie im weiteren Verlauf des Buches diese Aussage nicht reflektiert und Tamsin ihr Denken darüber auch nicht ändert. Psychische Erkrankungen werden damit auf Äußerlichkeiten reduziert, was einfach total gefährlich ist und sie verharmlost! Auch jemand, der ein Sixpack hat und den Vorstellungen von Schönheit in der Gesellschaft entspricht, darf sich in seinem Körper nicht wohlfühlen. Es ist, wie gesagt, eine psychische Erkrankung und das muss unbedingt differenziert betrachtet werden. Vergleichsweise war das ein kleiner Teil im Buch, nichtsdestotrotz vermittelt es ein gefährliches Denken das einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

    Im Großen und Ganzen fand ich die Liebesgeschichte von Rhys und Tamsin schön, manchmal hätte ich mir gewünscht, dass man mehr von ihrem Kennenlernen sieht und nicht nur gesagt wird, dass sie sich gesehen haben. Bei wichtigen Themen hat mir die Tiefe gefehlt, es wurde an der Ausarbeitung nur an der Oberfläche gekratzt, was ich echt schade finde, weil Finde mich. Jetzt so viel Potenzial hatte.

    Gut gefallen haben mir die Nebenfiguren. Wie ich oben schon gesagt habe, mag ich Sam einfach total gerne, aber auch Malik, Zelda und Amy sind alle liebenswürdig. Wenn man weiß, welche Paare in den anderen beiden Bänden im Vordergrund stehen, dann kann man bereits in Finde mich. Jetzt mitfiebern.

    Fazit: Finde mich. Jetzt ist ein Buch, das oftmals unterhaltsam ist und zum Lachen bringen kann. Die Charaktere sind vielseitig und liebenswert. Allerdings wurden wichtige Themen viel zu oberflächlich behandelt und ich hatte Schwierigkeiten, am Anfang in die Geschichte zu finden. Ich vergebe 3/5 Sterne.

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    Cover des Buches Eloise 2: Inmitten der Dunkelheit (ISBN: 9783646605846)

    Bewertung zu "Eloise 2: Inmitten der Dunkelheit" von Jessica Wismar

    Eloise 2: Inmitten der Dunkelheit
    worttraeumerinvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Besondere Charaktere und viel Spannung. Ein Buch, das mich mit meinen Kritikpunkten an Band 1 versöhnt.
    Gelungener Abschluss der Reihe

    Vielen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar!

    ACHTUNG: Diese Rezension enthält Spoiler zu Eloise – Hinter den Mauern des Feindes.

    Zuallererst einmal muss ich sagen, dass mir Eloise 2 um einiges besser gefallen hat als Band 1 der Reihe, bei dem ich ja doch einige Kritikpunkte hatte. Im Gegensatz zu Eloise 1 konnte mich dieses Buch wirklich überzeugen und auch mitreißen!

    Aber eins nach dem anderen. Nachdem Eloise und Kastor geheiratet haben, muss sich Elli nach und nach im Orden einleben. Dazu absolviert sie die Praktika in den verschiedenen Häusern des Ordens, um ihren Platz zu finden und trotz ihres Status als Omnessa den normalen „Aufnahmeprozess“ im Orden zu durchlaufen. Gleichzeitig tun sie und Kastor alles dafür, um weiterhin der Sache dienlich zu sein und die Armut in der Welt außerhalb der Mauern des Ordens zu bekämpfen, wo sich die Lage immer mehr zuspitzt …

    Elli ist auch in Band 2 eine starke, mutige und intelligente junge Frau mit einem großen Maß an Leidenschaft, um ihre Ziele zu erreichen. Allerdings fand ich sie in Eloise 2 um einiges sympathischer und vor allem näher, als in Teil 1. Ich hatte das Gefühl, dass sie erst im Orden wirklich zu sich selbst findet. Sie war schon immer eine eindrucksvolle Figur, aber erst in Eloise – Inmitten der Dunkelheit wurde sie mir wirklich nah gebracht.

    Kastor, der nicht umsonst „Der Mann mit Herz“ genannt wird, ist wirklich ein Schatz. Ich mag ihn total gerne, weil er auf der einen Seite ruhig und besonnen handelt, um so wenig Risiko wie es geht einzugehen, auf der anderen Seite aber auch sehr verletzlich ist – wenn es um Elli geht. Er ist ein Anführer, der Gefühle zeigen kann und das macht ihn ebenso stark wie Eloise.

    Insgesamt konnte ich zu allen Figuren ein weitaus besseres Verhältnis aufbauen, als in Band 1. Damals hatte ich je kritisiert, dass die Charaktere nur selten beim Namen genannt wurden und sie somit einfach trotz ihrer verschiedenen Facetten weit entfernt und unnahbar erschienen. Das hat sich in Eloise 2 stark geändert, sodass ich innerhalb der ersten 100 Seiten des Buches schnell die gewünschte Nähe sozusagen nachträglich aufbauen konnte. An dieser Stelle muss ich auch die vielen anderen Figuren erwähnen, die man im Orden kennenlernt. Viele von ihnen mochte ich wirklich gerne, beispielsweise Omni Tespian, Sascha und viele der Krieger des Ordens. Außerdem spielen auch die Mäuse eine große Rolle. Mia, Leanne, Luke & Co sind wirklich liebenswert. Und dann gab es natürlich Charaktere, die ich gehasst habe, aber das müsst ihr selbst nachlesen.

    Ich hätte mir gewünscht, etwas mehr über Kastors Familie zu erfahren, da diese in Teil 2 überhaupt nicht erwähnt wurden. Die Interaktion zwischen Elli und ihnen hätte meiner Meinung nach sehr viel Potenzial.

    Auch Jessica Wismars Schreibstil hat mir erstaunlicherweise in Eloise – Inmitten der Dunkelheit besser gefallen. Das mag zum einen damit zusammenhängen, dass die Handlungsdichte in Band 2 höher ist, ebenso die Spannung und das Tempo der Geschichte. Zum anderen wurde aber dem Leser die Möglichkeit gegeben, manche Dinge selbst zu erschließen, also warum jetzt eine Figur genau das gesagt/so gehandelt hat und das nicht fast schon aufdringlich immer wieder betont wurde. Das hat mir das Lesen sehr erleichtert und am Ende habe ich das Buch sogar in einem Rutsch durchgesuchtet!

    Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Art und Weise, wie Eloise und Kastor für ihre Ziele kämpfen. Ein Großteil dieses Kampfes definiert sich nämlich über Überzeugungsarbeit innerhalb des Ordens. Diskussionen und langsame Veränderungen stehen im Mittelpunkt, ohne langweilig zu sein. Die Spannung baut sich in Teil 2 langsam auf und auch die Liebe zwischen Elli und Kas wächst und wird immer stärker. Das alles hat Ellis Intelligenz betont, besonders genossen habe ich die Praktika im Haus der Wörter und im Haus der Krieger! Die Handlung hat einen regelrecht in ihren Bann gezogen.

    Fazit: Für mich ist Eloise – Inmitten der Dunkelheit ein wirklich gelungener Abschluss der Reihe, der mich mit meinen Kritikpunkten an Teil 1 versöhnt hat. Ein außergewöhnlicher Kampf um Menschenrechte mit viel Spannung am Ende macht die Geschichte lesenswert! Ich vergebe 4,5/5 Sterne.

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    Über mich

    • weiblich
    • 26.06.2019

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