Bücher mit dem Tag "1865"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "1865" gekennzeichnet haben.

13 Bücher

  1. Cover des Buches Das wilde Herz des Westens (ISBN: B07JNJD83H)
    Alexandra Fischer

    Das wilde Herz des Westens

     (40)
    Aktuelle Rezension von: nirak03

    1865: Briana Magees Wurzeln liegen in Irland, aber sie lebt schon lange in Baltimore. Sie ist die Vertraute und Freundin von Phoebe Ann Harrington. Eine junge Frau, die wohlbehütet aufgewachsen ist. Aber Phoebe ist nicht glücklich, sie will unbedingt in den Westen und einen Cowboy heiraten. Erst das Ende des amerikanischen Bürgerkriegs ermöglicht es ihr, sich diesen Traum zu erfühlen. Eine Heiratsannonce lockt sie nach Westen. Briana begleitet sie, immer mit der Hoffnung, bald selber frei zu sein und das Glück zu finden. Der zukünftige Ehemann von Phoebe hält leider nicht, was er versprochen hat. Er ist ein gesuchter Bandit. Aber dieses Wissen hält die Frauen nicht davon ab, sich auf die Reise immer weiter nach Westen einzulassen.


    Eigentlich lese ich recht wenige Bücher die im 19. Jahrhundert in Amerika spielen. Es ist nicht so meine Epoche und auch nicht mein Land. Für „Das wilde Herz des Westens“ habe ich eine Ausnahme gemacht. Ich lese die Bücher von Alexandra Fischer gern. Auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Detailreich erzählt sie von dem Land, von den Menschen und ihren Erlebnissen. Sie weist mit historischem Wissen dieser Zeit auf und vermittelt das Gefühl, genau so könnte diese Geschichte irgendwann einmal geschehen sein.


    Eigentlich war es sogar so, dass ich, als ich einmal zu lesen begonnen hatte, nicht mehr aufhören konnte. Die Handlung hatte mich ziemlich schnell gepackt.


    Briana und Phoebe sind zwei sehr unterschiedliche Frauen, die aber ein gemeinsames Ziel haben. Ihre Reise nach Westen hat mich gut unterhalten. Die Geschichte beginnt langsam, mit dem Leben der beiden in Baltimore. Erzählt von den Beweggründen, warum sie die Stadt verlassen wollen. Die Zeit des Bürgerkriegs wird kurz angerissen.


    Dann wird detailreich die Reise geschildert, und zwar so anschaulich, dass man förmlich das Steppengras rauschen hören konnte. Die Planwagen und die Prärie tauchten vor mir auf. Um es kurz zu sagen, Kopfkino pur.


    Gleichzeitig gibt es einen weiteren Handlungsstrang, der von dem Leben der Kennedy-Brüder erzählt. Einer der beiden ist der Heiratskandidat für Phoebe. Die beiden Handlungsstränge treffen sich dann später, um gemeinsam ihr Ziel zu erreichen. Zusammen lassen sie ein lebhaftes Bild dieser Reise und Epoche entstehen.


    Fazit:


    „Das wilde Herz des Westens“ hat mich in das 19. Jahrhundert nach Nordamerika entführt. Die Reise von Briana und Phoebe war spannend, dramatisch, abenteuerlich und gewürzt mit einer ordentlichen Portion Humor. Kurzum es hat mir gut gefallen.



  2. Cover des Buches Der Mann, der niemals schlief (ISBN: 9783404170081)
    Simon X. Rost

    Der Mann, der niemals schlief

     (20)
    Aktuelle Rezension von: U_Vollmer

    Erstens:

    Ich lese sehr gerne Krimis.

    Zweitens:

    Ich habe mit elf Jahren die ungekürzten Romane hintereinander verschlungen -- nachdem ich mit meinem Geburtstagsgeld aus Versehen Astrid Lindgrens "Das entschwundene Land" gekauft und nach kurzer Schockstarre dann doch gelesen hatte. Darin beschreibt Lindgren u.a. die Bücher, die sie selbst als Kind gelesen und in Erinnerung behalten hatte. Aus dem Gedächtnis zitiert: "Wir lasen (folgt Aufzählung verschiedener qualitativ und inhaltlich sehr gemischter Bücher) ... und Huckleberry Finns Abenteuer. Huck Finn, ja! Vielleicht am deutlichsten in Erinnerung bleibt meine lange Reise den Mississippi hinunter auf dem Floß, das Huckleberry Finn gehörte." Darauf ging ich schnurstracks wieder zur Buchhandlung und kaufte mit dem Rest des Geldes den dtv-Doppelband in der Übersetzung von Lore Krüger, mit Anmerkungen und Kommentar im Anhang. Irgendwann in der Nacht kriegten meine Eltern mit, daß ich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke las. Nach den üblichen Sprüchen ("Du verdirbst dir die Augen!" "Du schläfst morgen in der Schule ein!") kam dann die Frage: "Sag mal, was liest du da eigentlich?" Auf meine Antwort "Huckleberry Finn" war die erste Reaktion: "Sag bloß nicht "Nigger", das ist in Amerika ein ganz schlimmes Schimpfwort!", dann "Na, dann lernst du eben jetzt schon, daß Sachen, die alle Leute machen, noch lange nicht richtig sein müssen." Will sagen, mir wurde von vornherein klar, daß es nicht nur die üblichen Abenteuergeschichten waren, sondern daß es dabei auch um die Frage ging, wie sich anständige Menschen in einer ungerechten Welt verhalten sollten.



    (Das ganze habe ich so ausführlich geschildert, um zu erklären, warum ich mich über einen 08/15-Krimi so geärgert habe, daß ich hier einen Kommentar hinterlasse, statt die Lektüre einfach unter "vergeudete Zeit" abzuhaken. )



    Zum eigentlichen Thema:

    Vor ein paar Tagen fand ich in der Stadtbibliothek zufällig "Der Mann, der niemals schlief", las den Klappentext, guckte dann noch ein paar (durchweg positive) Rezensionen an, freute mich auf gute Unterhaltung und bekam den Schock meines Lebens. Bei der Beschreibung der Stadt und Gesellschaft von St. Petersburg wimmelt es nur so vor Flüchtigkeitsfehlern, z.B. werden aus den sehr ironisch geschilderten frömmlerischen Presbyterianern in "Tom Sawyer" plötzlich Katholiken ("Tom Sawyers Abenteuer", Kap. 21: "Dieser Alpdruck füllte etwa zehn Manuskriptseiten und schloß mit einer „Moral“, die für Nichtpresbyterianer alle Hoffnung so gründlich vernichtete, daß er den ersten Preis davontrug." ). Tom und Sid sind Halbbrüder (Kap. 1: "Toms jüngerer Bruder (oder vielmehr Halbbruder) Sid (...)"). In einer seit den Ereignissen von "Tom Sawyer" stark gewachsenen Stadt gibt es anscheinend keinen Arzt (vgl. Kap. 9: "„Hier ist’s“, sagte die dritte Stimme; ihr Eigentümer hob die Laterne in die Höhe, so daß ihr Schein auf sein Gesicht fiel: es war der junge Doktor Robinson." Kapitel 30: "Alle Ärzte waren in der Höhle ..." -- Plural!) . Einerseits wird betont, daß es die Stadt von Kriminellen, Schlägern und anderem zwielichtigen Gesindel heimgesucht wird, andererseits gibt es immer noch nur das alte, unbewachte Gefängnis, das seltsamerweise immer noch genauso abgeschieden ist wie damals (Kap. 11: "Das Gefängnis war ein unscheinbarer kleiner Backsteinbau, der am Rande des Ortes inmitten eines Sumpfes stand; Wächter wurden keine gestellt, das Gefängnis war auch nur selten besetzt."). Die Chronologie paßt auch nicht. Kapitel 11: "Um die Mittagsstunde durchfuhr die grausige Nachricht die ganze Stadt wie ein elektrischer Schlag. Dazu bedurfte es nicht des Telegrafen, von dem sich damals noch niemand träumen ließ." Der elektrische Telegraph wurde 1833 erfunden, der leicht zu bedienende Morsetelegraph 1837. Da die Handlung des "Tom Sawyer" somit vor 1837 spielen muß und unter Berücksichtigung von Kapitel 17 des etwa ein Jahr später spielenden "Huckleberry Finn" ("Buck sah etwa so alt aus wie ich -- dreizehn oder vierzehn oder so ungefähr, (...)" ) müßten die damaligen Jugendlichen um die vierzig Jahre alt sein, die Erwachsenen wie Richter Thatcher, der Pfarrer oder der Lehrer im Greisenalter. Und wo kommen plötzlich die Indianer her, die übrigens für die Handlung gar nicht gebraucht werden?

    Dann die Bezugnahme auf die Mendelschen Regeln: Abgesehen von einem Vortrag Mendels in Österreich und einer kleinen Publikation sind die damals von der Wissenschaft völlig ignoriert worden. Das lernt man eigentlich schon in der Schule, auf jeden Fall muß der Autor aber bei seinen Recherchen zum Thema davon erfahren haben. "(...) Die M.schen Gesetze wurden zunächst kaum gewürdigt, bis um 1900 C. E. Correns, E. Tschermak u. H. de Vries unabhängig voneinander ihre Bedeutung erkannten u. sie neu entdeckten." ("Das Neue Taschen Lexikon", Bertelsmann, 1992).

    Ich könnte noch seitenweise weitere Fehler und Unstimmigkeiten auflisten, aber das Hauptproblem ist:

    Die Charaktere haben außer den Namen wirklich nicht das geringste mit Mark Twains Figuren zu tun.

    Das war's eigentlich schon. Offensichtlich hat der Autor den "Tom Sawyer" irgendwann mal mit der Einstellung: "Nettes Jugendbuch" durchgelesen, alle satirischen und gesellschaftskritischen Zwischentöne übersehen und sich dann daran erinnert, als er eine Mischung aus Western und echtem Kriminalfall (das Lincoln-Attentat) geschrieben hatte.

    Also wurden mal eben schnell die Charaktere mit Namen aus "Tom Sawyer" ausgestattet, zur besseren Vermarktung eine anachronistisch "emanzipierte" Zeitungsherausgeberin, die weltanschaulich ins 21. Jahrhundert gehört, Druckerpressen bedienen kann und stets zentnerschwere Fotoapparate mit sich herumträgt, hinzugefügt, eine ziemlich unwahrscheinliche Liebesgeschichte untergerührt und das ganze mit Sozialdarwinismus, Entführungen, Prügeleien, Lynchjustiz, illegalen Abtreibungen und Drogenmißbrauch abgeschmeckt.

    Da die Handlung von "Huckleberry Finns Abenteuer" nicht ins Konzept paßte, wurde das Buch bis auf den Namen "Jim" für eine zwei- oder dreimal am Rande auftauchende Nebenfigur ignoriert ("Huckleberry Finns Abenteuer", Kapitel 6: "Da haben sie mir doch glatt geantwortet, er könnte erst verkauft werden, wenn er sechs Monate lang im Staat wär (...) Das will 'ne Regierung sein und kann noch nicht maeinen freigelaßnen Nigger verkaufen, wenn er nicht schon sechs Monate lang im Staat ist.", Kapitel 16: "Jim (...) sagte, das erste, was er tun wollte, wenn er in 'nen freien Staat käme, wäre Geld sparen (...), und sowie er genug Geld hätte, wollte er seine Frau freikaufen, (...)." Kapitel 14: "Wir lagen den ganzen Nachmittag im Wald rum und schwatzten, ich las die Bücher (...)", Kapitel 19: "(...) »Des Pilgers Wanderschaft« (...) handelte von 'nem Mann, der seine Familie verlassen hatte; warum, stand nicht drin. Ich las eine Menge in dem Buch, ab und zu. Was da gesagt wurde, war intressant, aber hart. Ein andres Buch hieß »Gabe der Freundschaft«, und da waren schöne Sachen und Gedichte drin (...)" Letztes Kapitel: "Aber ich schätze, ich muß noch vor den andern zum Injanerterritorium abrücken, weil mich Tante Sally adoptieren und siwilisieren will, und das halt ich nicht aus."). Wie der Autor diese beiden Charaktere ohne logische Begründung in St. Petersburg ansiedeln und dazu noch zu einer "Onkel-Tom"-Parodie und einer Art "Muff Potter Nummer Zwei" (und quasi Analphabeten) machen konnte, ist mir ein Rätsel. Aber auch ohne Berücksichtigung des "Huckleberry Finn" läßt sich die Entwicklung der Charaktere nicht nachvollziehen. Die Vorstellung, daß Tom Sawyer aus einem intelligenten, phantasievollen Jungen zu einem Mann wird, der zehn Jahre lang den Kontakt zu seiner Familie und seinen Freunden abbricht, sich trotz einer guten Arbeit nicht ein einziges mal erkundigt, wie es der Tante geht, die ihn immerhin aufgezogen hat, ständig Streit und Prügeleien anzettelt, sich mitten in einer Mordermittlung bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt usw. usw. ist einfach absurd. 

    Vermutlich soll das die strukturellen Mängel des Krimiplots verdecken (denn das mickrige Rätsel wäre mit einigen wenigen Befragungen der Einwohner innerhalb kürzester Zeit zu lösen). Aber zum Legen falscher Fährten, der Erfindung verschiedener Mordmotive und der Einführung echter handfester Verdächtiger ist der Autor anscheinend nicht fähig.



    Fazit:

    Ohne den Etikettenschwindel: "Ein Tom-Sawyer-Roman" wäre das Buch vermutlich nicht schlimmer als der Durchschnitt der Historienkrimis. Aber so werden völlig falsche Erwartungen geweckt. Es kommt es mir vor, als sei der Krimi von "Herzog" und "König" verfaßt worden: "'s war so, daß man sich über die Menschheit hätte schämen mögen." (Huckleberry Finn, Kap. 24).


  3. Cover des Buches Alice im Wunderland (ISBN: 9783791500171)
    Lewis Carroll

    Alice im Wunderland

     (1.163)
    Aktuelle Rezension von: Janosh

    Der Zufall wollte es, dass mir vor nicht langer Zeit ein Uralt-Exemplar des als Klassiker hochgerühmten, von „The Guardian“ 2007 in die Liste der 1000 Bücher, die jeder gelesen haben muss, aufgenommenen Werkes von Lewis Carroll, „Alice's Adventures in Wonderland“ in die Hände fiel. Eine wohlmeinende Verwandte teilte in längst vergangenen Zeiten „The Guardian's“ Meinung und pries das Werk in so übertrieben hohen Tönen an, dass mir das bereits in jungen Jahren suspekt war und ich stets nur halbherzige Versuche gemacht hatte, mich mit der Geschichte, die offensichtlich die halbe Welt in Entzücken versetzt, anzufreunden. Tatsächlich gelang es mir wohl auch, mich durchzuquälen, vielleicht auch habe ich kurz vor Schluss verwirrt und verängstigt aufgegeben, von Träumen geplagt, in denen mich die Cheshire-Katze drohend angrinste, die Herzogin mir auf den Leib rückte, der verrückte Hutmacher mir scheußliche Angst einflößte, getoppt nur von der unheimlichen Herzkönigin, die auch meinen Kopf abgeschlagen haben wollte.

    Nein, die Geschichte um das möglicherweise bekannteste Mädchen der Weltliteratur drang ganz und gar nicht zu mir durch, ich fand sie schon immer albtraumhaft bedrohlich, und so ist es mir bis vor kurzem auch gelungen, mich sämtlichen Wunderland-Adaptionen zu entziehen, die mutmaßlich bekannter sind als die Romanvorlage selbst, die, seien wir realistisch, nicht lesbar ist für das Zielalter von sieben Jahren.

    1865 wurde das Buch erstveröffentlicht und der Autor Lewis Carroll, der mit bürgerlichem Namen Charles Lutwidge Dodgson hieß und ein recht eigenartiger Zeitgenosse gewesen sein muss, ein Gewächs Oxfords, Mathematiktutor, Diakon und ein – so sagt man – begabter Photograph, soll darin bekannte Zeitgenossen karikiert und die britische Gesellschaft seiner Epoche sarkastisch persifliert haben. Mag wohl sein – doch welches Kind, damals genauso wenig wie heute, versteht das schon? Überhaupt – welches Kind versteht Sarkasmus? Wer versteht den ganzen Unsinn, den Dodgson/Carroll seine Protagonistin erleben lässt in einem im Eiltempo erfolgenden Gang durch das sogenannte Wunderland, in dem sich Wesen tummeln, die ungehobelt, schlecht gelaunt, frech und schikanös und in höchstem Maße surreal sind, die Unverständliches daherreden, das jeder Logik entbehrt?

    Vergeblich habe ich auch heute, als längst Erwachsene, nach einer Handlung gesucht – und nach einem Sinn hinter dem Unsinn, der vielfach sogar zu oft zitierten geflügelten Worten geworden ist. Sinn in der Sinnlosigkeit? Ich sah damals keinen, was sich auch heute nicht geändert hat. Carroll würde mit der Logik spielen, liest man in Kritiken und lobt dieses absurde Geplänkel, das angeblich Mathematiker und Kinder gleichermaßen faszinierend finden, über den grünen Klee. Und obendrein – diese unsympathische Mädchen, das entweder schrumpft oder unmäßig wächst, weil es ständig irgendwelche undefinierbaren Substanzen trinkt oder isst, mag ich heute genauso wenig wie einst!

    Seit damals auch hält sich das Gerücht, dass Carroll beim Schreiben seiner Alice-Abenteuer, wozu er während einer langen Bootsfahrt auf der Themse inspiriert wurde, auf der er den drei Töchtern eines Vorgesetzten Geschichten erzählte, halluzinogene Drogen genommen hat, was ihn im Übrigen auch bei der Popkultur populär machte. Das würde vieles erklären...

    Kurz und gut – ich kann wenig anfangen mit diesem zur Weltliteratur gehörenden Klassiker – wer eigentlich entscheidet darüber, ob ein Werk weltliteraturwürdig ist? - , der, wie man immer wieder lesen kann, mit seinen Figuren und seiner Metaphorik unverändert großen kulturellen Einfluss hat. Auf wen, bitte? Und worin macht sich dieser Einfluss denn bemerkbar? Eines der hervorragenden Werke des literarischen Nonsens? Mag sein, auch das – und wenn dem so ist, kann man Alice doch zumindestens denjenigen empfehlen, die einen ausgeprägten, einen geradezu überdimensionalen Sinn für den Unsinn haben!

  4. Cover des Buches Der Marsch (ISBN: 9783596182008)
    E. L. Doctorow

    Der Marsch

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Thaila
    Mit seinem 2005 in Amerika erschienen Roman "Der Marsch" widmet sich E.L. Doctorow einer der traumatischsten Ereignisse der amerikanischen Geschichte: General Shermans Marsch ans Meer. Bei dessen Feldzug nach Georgia am Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges riss sein Heer eine kilometerbreite Schneiße der Verwüstung durch drei südliche Bundesstaaten. Doctorow erzählt diese Geschichte als Collage-Roman, in dem viele Stimmen zu Wort kommen. Die Geschichte einer befreiten Sklavin, die sich Shermans Armee anschließt wird ebenso erzählt wie die von zwei Soldaten der Konföderation, die zu überleben versuchen, indem sich sich als Unionssoldaten verkleiden. Auch Sherman selbst ist eine der Hauptfiguren des Romans. Einige Handlungsstränge erstrecken sich dabei über den ganzen Roman und geben ihm trotz seiner zersplitterten Struktur eine Einheit. Andere Figuren streifen die Geschichte dagegen nur, wie beispielsweise eine kurze Episode, die das Sterben eines Soldaten beschreibt. Dabei dauert es eine Weile bis die Charktere sich dem Leser erschließen. Lange blieb mein Eindruck oberflächlig. Nur nach und nach kommt Doctorows Talent fein ausbalancierte und differenzierte Charaktere zu gestalten, zum Vorschein. Einziges Mankos: Die Sprache des Romans ist gelegentlich arg flappsig. Ich habe die deutsche Übersetzung gelesen, rechne diese Schwäche jedoch eher Doctorow selber als der eigentlich immer sehr gewissenhaften und sprachgewandten Übersetzerin Angela Praesent an. Trotzdem lohnt sich die Lektüre für jeden, der Interesse an der amerikanischen Geschichte hat, ungemein! "Der Marsch" ist ebenso unterhaltsam wie historisch fundiert, auch wenn - was ja von einem Kriegsroman nicht anders zu erwarten ist - kein leichter Stoff!
  5. Cover des Buches Am Anfang eines neuen Tages (ISBN: 9783868273632)
    Lynn Austin

    Am Anfang eines neuen Tages

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Anasa
    Der Roman erzählt die Geschichte von drei Frauen – die der
    Eugenia Weatherly, Witwe eines reichen Plantagenbesitzers, ihrer zweiundzwanzigjährigen
    Tochter Josephine Weatherly und die ihrer (ehemaligen) Sklavin Lizzie. Nach fast
    fünf Jahren amerikanischem Bürgerkrieg verliert der Süden schließlich und die
    Welt der drei Südstaatlerinnen steht Kopf. Die Sklaven sind per Gesetz
    plötzlich frei – doch was bedeutet dies für Lizzie und ihre Familie? Die Frauen
    müssen plötzlich Entscheidungen treffen und ihre Familien versorgen, was sonst
    die Aufgabe der Männer war – doch diese sind verstorben oder so sehr von
    Verbitterung erfüllt, dass sie keinen Neuanfang vorantreiben können.

    Als Eugenia mit ihren Töchtern wieder auf ihrer Plantage White
    Oak eintrifft, ist nichts mehr wie es war. Viele der Sklaven sind bereits
    gegangen. Nur Lizzie und ihr Mann Otis bleiben bei den Weatherlys. Nur Daniel,
    der jüngste Sohn der Weatherlys, kehrt aus dem Krieg zurück. Doch alle Hoffnungen
    in ihn als Versorger der Familie werden enttäuscht. Eschreckend muss Eugenia
    feststellen, was das aristokratische Denken, dass sie ihren Söhnen beigebracht
    hat, für Folgen nach sich zieht. Während sie an der Vergangenheit festhält und
    fest entschlossen ist, das alles wieder so werden soll, wie es war, bricht ihre
    Tochter Josephine aus den alten Denkmustern aus. Sie will ihr Leben selbst in
    die Hand nehmen und beginnt „Sklavenarbeiten“ zu verrichten. Den Glauben an einen
    guten Gott, sowie an das Gebet hat sie verloren. Von ihrer Mutter wird sie für
    eine Zeit zu den Blakes fort geschickt, um Mrs. Blake bei der Pflege ihres
    verwundeten Sohnes Harrison zu helfen. Harrison hat im Krieg ein Bein verloren,
    ist verbittert und alles andere als angenehme Gesellschaft. Und dann ist da
    noch Alexander Chandler, ein Yankee der das Amt für Freigelassene innehat und zwischen
    den Plantagenbesitzern und den ehemaligen Sklaven Arbeitsverträge arrangieren
    will, um so beiden Seiten beim Wiederaufbau zu helfen. Josephine überredet
    schließlich Mrs. Blake seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ausgerechnet
    gegenüber Alexander kann sie offen über ihre Glaubenszweifel sprechen, dabei
    ist er der „Feind“ und sie sollte sich von ihm fern halten, um ihren Ruf nicht
    zu riskieren.




    Während der Sieg der Yankees für die weißen Südstaatlerinnen
    Demütigung und Verlust bedeutet, bedeutet er für Lizzie und ihre Familie
    Freiheit. Lizzie begreift diese aber nur langsam und traut dem Ganzen lange
    nicht über den Weg. Wie sich rausstellt auch zurecht. Ihre Freude ist riesig,
    als sie ihre Kinder endlich in eine Schule für Schwarze schicken kann, doch die
    Freude soll nicht lang anhalten. Auch Lizzie muss neu lernen, Gott zu vertrauen
    und hat in ihrem Mann Otis hierin ein Vorbild.




    Der Roman beschreibt einen entscheidenden Wendepunkt im Leben
    all seiner Figuren und das in einem nüchtern, realistischen Stil. Dem Leser von
    heute fällt es dabei wohl am schwersten, sich mit der Figur der Eugenia zu
    identifizieren, deren Einstellung zu den Schwarzen zunächst unverändert bleibt.
    Ihre Sturheit und Verachtung schockieren zunächst. Dennoch ist sie gerade deshalb
    eine Schlüsselfigur, um die Veränderung nach dem Krieg darzustellen und erfassbar
    zu machen. Schließlich muss auch sie feststellen, dass der Krieg die „falschen
    Überzeugungen ebenso bloßgestellt“ hat „wie den moralischen Verfall, der mit
    der Sklaverei einherging“.


    Einfacher ist es, sich in Josephine hinein zu versetzen,
    die so pragmatisch mit der Situation umgeht und sogar Erfüllung daran findet,
    endlich etwas mit eigenen Händen zu bewirken. Sie scheint die Sklaven schon
    immer mehr als Menschen gesehen zu haben und tritt nun für diese ein. Auch ihr
    Auftreten gegenüber Harrison ist erfrischend. Sie bildet den Gegensatz zu ihrer
    Mutter in der Art und Weise, wie sie das Leben nach dem Krieg angeht. Sie ist
    in vielerlei Hinsicht die Heldin des Romans.




    Zwar geht es in gewisser Weise auch um die Emanzipation der
    Frau - dennoch wird jeder der drei Frauen ein Mann „an die Seite gestellt“, der
    sie in ein „neues“ Denken führt oder sie zumindest darin fördert und unterstützt.



    Während ich die ersten 300 Seiten des Romans weniger
    unterhaltend, als vielmehr zum Nachsinnen anregend empfand, überschlagen sich
    die Ereignisse im letzten Teil beinah.



    Inhaltlich geht es viel um Verbitterung und die Frage
    danach, warum Gott Leid zulässt und Gebete, nicht erhören kann, die nicht mit
    seinem Willen übereinstimmen. Hier vermittelt der Roman tiefgründige
    Botschaften und Einsichten. Lynn Austin erweist sich wieder als Meisterin
    darin, einen historischen Roman zu schreiben, der den Leser in die damalige Weltanschauung
    und Realität eintauchen und durch sehr überzeugende Charaktere nachempfinden lässt.



  6. Cover des Buches Die dunkle Muse (ISBN: 9783839212950)
    Armin Öhri

    Die dunkle Muse

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis
    Die dunkle Muse/Armin Öhri

    Der Liechtensteiner Autor Armin Öhri entführt seine Leser in das Berlin von 1865.

    Inhalt:
    Lene, eine junge Prostituierte, wird bestialisch ermordet. Dringend der Tat verdächtigt ist der renommierte Philosophieprofessor Botho Goltz. Der Fall scheint gelöst. Doch während der Gerichtsverhandlung widerruft er sein Geständnis. Zeuge dieser spektakulären Verhandlung ist Julius Bentheim, ein Student, der als Tatortzeichner einigen kriminalistischen Spürsinn beweist. Die Manipulationen des Professors, der skrupellos und gerissen die Richter manipuliert, Zeugen und Ermittler unglaubwürdig dastehen lässt, machen Bentheim betroffen. Wird es Goltz gelingen, durch Aushebeln der Preußischen Rechtsordnung, den Gerichtssaal rehabilitiert und unschuldig zu verlassen? Hat er den perfekten Mord begangen?

    Erzählstil/Spannung/Charaktere:

    Der Autor bedient sich einer schnörkellosen Sprache, schildert detailreich aber ohne lähmende Längen Menschen und Umgebung. Die Schauplätze des historischen Berlins kann sich der Leser recht gut vorstellen – imperialer Glanz mit Preußens Gloria. Ein Spaziergang „Unter den Linden“ darf genauso wenig fehlen wie die Prachtallee oder das Geheimratsviertel.

    Der Krimi wird aus der Perspektive des Studenten Julius Bentheim erzählt. Julius wird als aufrechter Mensch dargestellt. Sein Privatleben läuft nicht ganz so rund. Daraus lässt sich erahnen, dass es mindestens einen weiteren Band mit dem Tatortzeichner geben wird. Gut so!

    Eindrucksvoll sind auch die Ereignisse während der Gerichtsverhandlungen dargestellt. Man würde am Liebsten dem skrupellosen, Macht geilen Professor gleich direkt an die Gurgel gehen.
    Die Schilderung der polizeilichen Ermittlungsarbeit lang vor DNA-Analysen, Hightech-Analysen und Fingerabdrücken ist penibel recherchiert.

    Geschickt lässt Armin Öhri einige historische Persönlichkeiten wie (damals noch nicht General) von Moltke, Theodor Fontane sowie Fanny Lewand auftreten. Das macht seinen Krimi authentisch.

    Für diesen Krimi hat Armin Öhri 2014 den „Literaturpreis der Europäischen Union“ erhalten – zu Recht.

    Fazit:
    Ein überaus spannender historischer Kriminalroman, den ich uneingeschränkt weiter empfehle.
  7. Cover des Buches Ehapa Songbücher Comic Album # 1 - LUCKY LUKE Western-Songs (Lucky Luke) (ISBN: B007H75V58)

    Ehapa Songbücher Comic Album # 1 - LUCKY LUKE Western-Songs (Lucky Luke)

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Ein Extraheft zum Lieblingscowboy mit Westernsongs, von denen einige zu Klassikern wurden ("The house of the rising sun", "Old McDonald") und wo dem geneigten Leser gezeigt wird, zu welcher Zeit und unter welchen Umständen (zB im amerikanischen Bürgerkrieg) die Songs entstanden sind. Vielleicht sogar für Musik- oder Kulturhistoriker von Interesse, die Umstände, wie die Musik komponiert und in einer breiteren Masse sich durchgesetzt hat, war mir jedenfalls völlig neu. Und hinten sind Gitarrengriffe drin.

  8. Cover des Buches Ausgewählte Werke (ISBN: 9783933203830)
    Wilhelm Busch

    Ausgewählte Werke

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  9. Cover des Buches Das Erbe der Havershams (ISBN: B0025WTCLY)
    Daoma Winston

    Das Erbe der Havershams

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  10. Cover des Buches Die Kinder des Kapitäns Grant (Nr.64/12). Tl.2 (ISBN: 9783257204056)
    Jules Verne

    Die Kinder des Kapitäns Grant (Nr.64/12). Tl.2

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Hikari
    Der zweite Teil des Romans knüpft nahtlos an den ersten an. Die Reise geht in Australien weiter. Auch hier müssen sich die Suchenden des selbsternannten Rettungstrupps gegen viele Hindernisse und Widrigkeiten durchkämpfen. Dabei erleben sie nicht nur viele Abenteuer, sondern lernen auch viel über die bereisten Regionen. Es geht ziemlich spektakulär weiter und es ist unglaublich, was alles passiert. Aber es ist gut zu lesen und die Charaktere sind liebenswürdig wie zuvor.
  11. Cover des Buches Salzträume 1: origin - Preisgekrönt und aufregend anders (ISBN: 9783867621502)
    Ju Honisch

    Salzträume 1: origin - Preisgekrönt und aufregend anders

     (19)
    Aktuelle Rezension von: Midnight

    Inhalt:

    1865. Im österreichischen Landstrich “Ausser Land” entwickeln ein Erfinder, ein bösartiger Magier und eine handvoll Techniker eine bösartige Kriegswaffe. Verborgen im Gebirge stellen sie die Maschine fertig und brauchen nun nur noch das Brennmaterial: die mythischen Wesen, die Fey. Zeitgleich suchen der Ex-Agent Delacroix und sein Magierfreund McMullen nach dessen verschollenem Neffen und verschwinden schon bald selbst von der Bildfläche und die junge Dame Charlotte von Sandling befreit einen Feyon aus der Gefangenschaft einer Jagdgruppe und flieht mit ihm in die Berge.

    Meine Meinung:

    Salzträume Band 1 ist der erste Teil der Fortsetzung von “Das Obsidianherz”. Auch dieser Teil hat mich mit Honischs spannendem Erzählstil mitgerissen. Nach den ersten Seiten, während denen ich etwas Probleme hatte mich in die Geschichte hineinzufinden, war ich dann auch schon mitten drin. Ich liebe Honischs Mischung aus saloppem Stil und der etwas gehobeneren Sprache und vor allem den, meist dunklem, Humor. die fantastische Welt, die die Autorin sich erschaffen hat, verknüpft mit dem historischen Deutschland und Österreich, war wieder sehr reizvoll und hat mich die Realität vergessen lassen.

    Die Charaktere, die ich in “Das Obsidianherz” so geliebt habe, sind alle wieder mit von der Partie. Jeder einzelne war sofort wieder zu erkennen und hat nichts von seinem oder ihrem typischen Charme, nichts von den typischen Verhaltensweisen eingebüßt. Die Dynamik der Dialoge hat mich, genau wie im Vorgängerroman, über die Seiten fliegen und so manches Mal schmunzeln lassen.

    Einziger Kritikpunkt ist, dass Honisch sich ganz gerne mal wiederholt. Ihr Schreibstil erzeugt einen unglaublichen Lesefluss, der einen das Buch nur so verschlingen lässt, aber ab und an stolpert man über ein- und denselben Gedankengang der Charaktere und man kommt nicht umhin zu denken, dass das ruhig weggekürzt hätte werden können.

    Fazit:

    Ein absolut empfehlenswertes Buch, das einem mit viel Spannung und Witz in die fantastische Welt der Autorin entführt und dem Ende (leider muss man dafür Band 2 kaufen) entgegenfiebern lässt.

  12. Cover des Buches Quer Durch Afrika (ISBN: 9783956560484)
    Gerhard Rohlfs

    Quer Durch Afrika

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Papiertiger17

    Ein für eine solange Reise überraschend detaillierter Reisebericht, der, mit einer Unzahl an unterhaltsamen Episoden aufwartend, stilistisch fast an einen Karl-May-Roman erinnert. Das Hauptaugenmerk liegt hier leider tatsächlich auf den Reisegeschehnissen. Über die nicht wenigen angetroffenen Völker vermag der Autor nur spärlich Auskunft zu geben; meist beschränkt er sich dabei auf Hautfarbe, Gesichtsform und Haartracht, woraus der Schriftsteller geradezu zwanghaft versucht rassische Eingruppierungen abzuleiten. Ferner werden Reinlichkeit und wirtschaftliche Leistungskraft der Einheimischen bewertet. Und dies ist auch das Manko des Buches: Es ist tatsächlich ein Werk seiner Zeit. Man sieht Afrika durch die Augen eines Deutschen des 19. Jahrhunderts und erfährt damit mehr über den Reisenden und dessen Weltsicht als über die ihm begegneten Menschen.

  13. Cover des Buches Max und Moritz (ISBN: 9783735916648)
    garant Verlag GmbH

    Max und Moritz

     (104)
    Aktuelle Rezension von: SchwarzeRose
    Wer kennt sie nicht Max und Moritz. Jeder dürfte sie kennen diese beiden Buben. Nur Unfug haben sie im Kopf. Und am Ende bezahlen sie dafür. Einfach super toll, sodass man das immer wieder gern liest.
  14. Zeige:
    • 8
    • 12
    • 24

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks