Bücher mit dem Tag "1920er jahre"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "1920er jahre" gekennzeichnet haben.

87 Bücher

  1. Cover des Buches Der große Gatsby (ISBN: 9783649640950)
    F. Scott Fitzgerald

    Der große Gatsby

    (1.221)
    Aktuelle Rezension von: julzpaperheart

    Der Roman erzählt von Aufstieg, Sehnsucht und einer Gesellschaft, die stark von äußeren Bildern geprägt ist. Im Mittelpunkt steht Gatsby und die Frage, was hinter seinem Lebensstil wirklich steckt. Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick elegant und leicht, hat aber deutlich mehr Tiefe.


    Der Einstieg ist sprachlich besonders. Der Stil ist ruhig, teilweise distanziert und trotzdem sehr bildhaft. Ich brauchte etwas Zeit, um in den Rhythmus zu finden, aber danach entfaltet die Geschichte eine klare Wirkung.


    Die Figuren bleiben in gewisser Weise auf Abstand, was gut zur Grundstimmung passt. Gerade diese Distanz macht aber auch deutlich, wie wenig echte Nähe in dieser Welt existiert. Das hat für mich gut funktioniert, auch wenn ich emotional nicht immer komplett drin war.


    Am stärksten ist der Roman in seiner Atmosphäre. Er zeigt eine Welt voller Illusionen und unerfüllter Wünsche, ohne das ständig zu erklären. Einige Entwicklungen sind vorhersehbar, trotzdem bleibt die Gesamtwirkung sehr stimmig.


    Insgesamt ein sehr gelungener Klassiker, der mich vor allem durch seine Stimmung und Sprache überzeugt hat. Ich habe ihn gerne gelesen und viele Szenen bleiben im Kopf, auch wenn er mich nicht durchgehend gleich stark emotional erreicht hat.


  2. Cover des Buches Der nasse Fisch (Sonderausgabe Ein Buch für die Stadt Köln 2023) (ISBN: 9783492320399)
    Volker Kutscher

    Der nasse Fisch (Sonderausgabe Ein Buch für die Stadt Köln 2023)

    (456)
    Aktuelle Rezension von: Renate1964

    Das Cover passt gut und die Reihe mit Kommissar Gereon Rath von Volker kKuscher geht auch sehr fundiert auf die Zwischenkriegszeit ein. Die Kämpfe zwischen den politischen Parteien sowie alte Seilschaften werden sehr spannend beschrieben Gereon und Charlie verbinden gekonnt Berufliches und Privates 

  3. Cover des Buches Das Schneemädchen (ISBN: 9783499258220)
    Eowyn Ivey

    Das Schneemädchen

    (374)
    Aktuelle Rezension von: Argentumverde

    In Alaska, in den 20er Jahren, wollen Mabel und Jack der Hoffnungslosigkeit entfliehen und neu beginnen. Aber die Aufbruchsstimmung ist in Ernüchterung gewichen. Mabel und Jack sind nicht mehr die Jüngsten, und das harte Leben auf ihrer erst im Werden begriffenen Farm hat beide viel Kraft gekostet. In einer kargen, kleinen Hütte auf zum Teil noch nicht mal erschlossenem Ackerland lebend, weit ab von den nächsten Nachbarn, umgeben von Kälte und rauer, wilder Landschaft, ist jeder Tag ein Kampf ums Überleben. Die Beziehung der beiden leidet trotzdem sie sich aufrichtig lieben. Aber eines Abends bauen sie gemeinsam eine Schneefigur, ein Mädchen. Am nächsten Tag ist das Schneemädchen dort, aber sie sehen ein Blondes Mädchen im Wald.

    Die ersten Eindrücke des Buches sind das winterliche Alaska, das die Autorin beschreibt: Einsam, still, weiß und freudlos. Der Winter steht bevor, und mit ihm lange Dunkelheit. Die Stimmung ist bedrückend. Das Land strahlt Erbarmungslosigkeit aus. Ivey schreibt schnörkellos, direkt mit wenigen Adjektive und dennoch schafft sie eine Atmosphäre, die den Leser in den Bann zieht und Bilder im Kopf malt. Was folgt, ist eine sachte, melancholische Mischung aus Märchen, semi-historischer Abenteuergeschichte und Landschaftsroman. Ivey nimmt sich viel Zeit für ihre Geschichte und ihre Figuren. Sie lässt den Leser lange im Unklaren über das ‚Schneemädchen‘. Und selbst, wenn man glaubt, das Geheimnis sei gelöst, belehrt sie ihn eines besseren und greift den märchenhaften Unterton geschickt wieder auf. 

    Mein Fazit: Ein Irgendwie-Märchen eingebettet in eine raue, gnadenlose, atemberaubend schöne Landschaft. Es geht um Liebe und Freundschaft, um Einsamkeit, Depression und Durchhaltevermögen. Ein sehr eigenes, besonders Buch, das den Leser mit in eine schneebedeckte Welt nimmt, in der Wirklichkeit und Traum miteinander tanzen.

  4. Cover des Buches Das geheime Spiel (ISBN: 9783453427891)
    Kate Morton

    Das geheime Spiel

    (503)
    Aktuelle Rezension von: Ms_Violin

    Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren – vergeblich …
    Mehr als 75 Jahre bewahrt Grace das Geheimnis, bis sie endlich die Wahrheit über jene Tage preisgibt.


    Dieses Buch war das erste von Kate Morton. Ich bin jedoch wahnsinnig froh, dass ich es nicht als erstes von ihr gelesen habe, da ich es doch im Vergleich mit ihren späteren Büchern eher schwach und vor allem nicht immer komplett logisch finde.

    Ich hatte schon direkt zu Beginn leichte Mühe in das Buch zu finden. Zwar sind die einzelnen Zeitstränge wirklich virtuos aufgebaut, sodass ich mich problemlos in jeden davon einleben konnte, aber es fühlte sich gleichzeitig auch alles so wahnsinnig zäh an.
    Nach gut 140 Seiten haben wir beispielsweise nicht einmal alle für die spätere Handlung wichtigen Personen kennen gelernt und selbst die Schwestern kennen wir zu dem Zeitpunkt kaum.
    Im Grunde wiederholt Grace immer und immer wieder nur, dass sie eine große Schuld mit sich herum trägt und vor ihrem Tod endlich die ganze Geschichte erzählen will, bevor sie dann in Kindheitserinnerungen abdriftet, die teilweise sogar noch weit vor ihrer Zeit in Riverton liegen.
    Das hat sich einfach viel zu sehr gezogen, auch wenn die Details natürlich sehr zum Weltenaufbau beigetragen haben und wunderbar ausgearbeitet waren, aber die Geschichte kam dadurch eben kaum voran.

    Der Schreibstil ließ glücklicherweise schon gut erkennen, was sie in ihren neueren Büchern so perfektioniert hat, sodass ich seitenweise immer wieder komplett gefangen von einzelnen Episoden aus Grace’ Leben war, aber es ist eben auch viel zu ausschweifend erzählt, sodass ich mich häufig fragen musste, ob es diese Anekdote aus ihrem Leben jetzt auch noch gebraucht hätte.
    Ganz besonders habe ich aber die überraschenden Wendungen vermisst, die ich in ihren neueren Büchern so schätze. 

    Auch fand ich die Einschätzung von Grace was ihre Verbindung bzw. Vertrautheit zu den Schwestern (besonders zu Hannah) anging, komplett unglaubwürdig.
    Es wurden uns kaum Interaktionen zwischen ihnen gezeigt, meist war Grace einfach nur im Hintergrund und hat das artige Dienstmädchen gegeben. Die paar Gespräche, die wir miterleben, haben mich einfach nicht von einer ernsthaften und gegenseitigen Vertrautheit überzeugen können.
    Das konnte ich genauso wenig nachempfinden wie ihre angebliche Liebe zu Alfred. Grace hat immer viel erzählt wie es angeblich war, aber es wurde uns eben so gut wie nie auch gezeigt, sodass ich es hätte nachempfinden können.


    Fazit: Ich bin wirklich froh, dass ich Kate Morton erstes Buch nicht zuerst von ihr gelesen habe. Zwar sind schon viele ihrer großartigen Ansätze erkennbar, aber die Geschichte war unnötig weitschweifend erzählt mit zu wenigen Überraschungen. Das größte Problem war aber, dass zu viel von Grace behauptet wurde, ich das aber so gar nicht nachvollziehen konnte. Vielleicht wäre ich aber auch nicht so enttäuscht gewesen, wenn ich nicht schon ihre späteren und deutlich runderen Bücher kennen würde.

  5. Cover des Buches Fräulein Gold: Schatten und Licht (ISBN: 9783499004285)
    Anne Stern

    Fräulein Gold: Schatten und Licht

    (242)
    Aktuelle Rezension von: reading_squirrel

    Ich habe seit längerem keinen historischen Roman mehr gelesen und Book-Bubble sei dank bin ich auf dieses Goldstück gestossen.


    Hulda Gold's Figur hat mich mit ihrer unkonventionellen Art und Denkweise überrascht: Sie ist erfrischend anders und unerwartet. Die übrigen Charaktere sind ebenfalls interessant, wobei sich nach und nach entfaltet, wer für die Handlung wirklich wichtig ist. Die Autorin schreibt fesselnd, detailreich und baut verschiedene Handlungsstränge mit ein, was mir sehr gut gefällt. Mich fasziniert auch die Zeit, in der die Geschichte spielt. 

    Was für mich nicht so ganz gepasst hat, sind die eher dünn gesäten Perspektivenwechsel und die langen, dadurch teils mühsamen, Kapitel. 


    Die Geschichte hat auf jeden Fall Potenzial und ich bin ganz glücklich, dass dies Band 1 einer ganzen Reihe ist. Es riecht für mich definitiv nach mehr und ich bin gespannt, was Stern für den weiteren Verlauf alles in petto hat.

  6. Cover des Buches New Yorker Geschichten (ISBN: 9783036959511)
    Dorothy Parker

    New Yorker Geschichten

    (57)
    Aktuelle Rezension von: KateRapp

    „Die ganze Welt ist eine Bühne“, sagte Lily Wynton. „Und alle Männer und Frauen bloße Spieler.“

    Die New Yorker und ihre Beziehungen, das ist ein schier unerschöpfliches Thema. Dorothy Parker schreibt darüber desillusionierende Prosa, sei es die Geschichte der Verzweiflung einer „Starken Blondine“ oder die mehr oder minder absichtlichen Missverständnisse zwischen Paaren am Telefon oder in einer gepflegten Unterhaltung bei Tisch. Dass Frauen anders ticken als Männer, auf recht unterschiedliche Art, wird niemals erzählt sondern immer gezeigt. Sie schreibt Tagebücher oder innere Monologe, schildert Szenen mit teilweise grotesken Dialogen, die einem das Lachen im Hals stecken bleiben lassen.


    Das Verhalten der Geschlechter untereinander wird gnadenlos seziert. Vortäuschung, Koketterie, und launische Unzufriedenheit bei den Frauen. Demütigende Herablassung der Männer, die es gewohnt sind, dass die Frauen ihnen in Haushalt und Gesellschaft zu Diensten sind, ihre Persönlichkeit hintanstellen, nicht rummaulen, keine Spielverderber sind.

    Gerade die Hausfrau, die sich in Abhängigkeit begibt, kommt gar nicht gut weg: belächelt, alkoholkrank, selbstmordgefährdet. Und Beziehungen, langjährige Beziehungen werden schal, Erwartungen flackern auf und werden enttäuscht und das große Glück, von dem jede träumt, gibt es nur auf der Bühne, im Roman, in der Fantasie.

    Dazwischen kurze Texte über alltäglichen Rassismus, über das Trinken und das Heiraten und eine wunderbare Miniatur zur Schlaflosigkeit.


    Sie ist spitz, Dorothy Parkers Feder, und sie ist böse, meistens jedenfalls. Deshalb konnte ich von ihren Geschichten immer nur kleine Portionen vertragen, kleine Schlucke, die sich anfühlten wie ein steifer Whiskey, hart und scharf, manchmal verschlug es mir den Atem, manchmal belustigte es auch, aber wenn man zuviel davon erwischt, bekommt man einen ausgewachsenen Melancholie-Kater. 


  7. Cover des Buches Die Villa an der Elbchaussee (ISBN: 9783746634449)
    Lena Johannson

    Die Villa an der Elbchaussee

    (94)
    Aktuelle Rezension von: Sternenstaubfee

    Die Geschichte von Frieda beginnt kurz nach dem ersten Weltkrieg, was ich an sich schon spannend finde. Eine schwierige und spannende Zeit! Zudem spielt die Geschichte in Hamburg, und es geht um Kakao und Schokolade. Also schon drei Gründe, die dieses Buch für mich interessant machten! :-)
    Ich hatte dann auch tatsächlich sehr viel Freude mit dem Buch und habe Frieda und ihre Familie/Freunde sehr gerne begleitet. Die Charaktere konnten mich alle überzeugen; ich hatte von allen ein gutes Bild vor Augen. Auch die Zeit nach dem ersten Weltkrieg und das Kriegstrauma, das Friedas Bruder Hans durchlebt, wurden sehr glaubhaft dargestellt.
    Ich bin jetzt sehr gespannt, wie es im zweiten Band weitergehen wird und freue mich darauf, die Charaktere bald "wiederzusehen"!

  8. Cover des Buches Das Lied der Störche (ISBN: 9783746632469)
    Ulrike Renk

    Das Lied der Störche

    (149)
    Aktuelle Rezension von: MarinaH

    Es ist schon das dritte Buch, welches ich von Ulrike Renk lese und ich muss sagen, sie ist nicht wirklich meine Lieblingsautorin. Ich hatte mir etwas anderes unter diesem Buch vorgestellt, man kann es gut lesen, aber bei mir wird es nicht in Erinnerung bleiben.
    Der Schreibstil ist sehr flüssig und einfach, man kommt gut durch das Buch und es gibt keine Probleme damit. Auch zieht sich keine Stelle zu lang, die Aufteilung hat mir auch gefallen.
    Leider konnte ich die verschiedenen Charaktere durch das Buch nur mäßig kennenlernen. Der Hauptcharakter hat sich überhaupt nicht ihrem Alter entsprechend verhalten. Sie kam mir nicht so vor als wäre sie 19, sondern Mitte 40.
    Die Geschichte an sich hat mir nicht gefallen, es gab keinen richtigen Spannungsbogen und unter dem “dunklen Geheimnis” von Ax habe ich mir wirklich etwas anderes vorgestellt.
    Es war nun meine dritte Chance, die ich der Autorin gegeben habe, aber ich glaube es war damit auch meine letzte.
    Die Reihe werde ich auch nicht mehr weiterlesen. 

  9. Cover des Buches Menschen im Hotel (ISBN: 9783462308938)
    Vicki Baum

    Menschen im Hotel

    (140)
    Aktuelle Rezension von: vanessabln

    Ich kannte die Autorin vorher nicht und erwartete eher leichte Unterhaltung. Aber schon auf den ersten Seiten begeisterte mich der wunderbare Schreibstil, sehr fein, detailliert, kunstvoll, humorvoll und gleichzeitig voller Menschenkenntnis und Beobachtungsgabe. Deshalb lesen sich die über 300 Seiten keineswegs schnell und oberflächlich. Nur mit Zeit und Konzentration kommt man wohl in den vollen Genuss. Ich habe sogar extra langsam gelesen, weil mit jeder Seite unaufhaltsam das Ende nahte. :-) Tatsächlich könnte ich von diesen perfekt gezeichneten Personen immer weiter lesen und mich kein bisschen langweilen. Die Begeisterung hat bis zum Ende angehalten.

    Lediglich die Szenen mit der Balletttänzerin, als sie "noch die Alte war", fand ich etwas lang geraten. Normalerweise hätte ihre Liebesgeschichte kitschig wirken müssen. Aber Vicki Baum hat es geschafft, selbst diese Szenen einfach nur berührend und ernstzunehmend in Worte zu fassen. Es gibt allgemein so viele schöne und tiefsinnige oder einfach amüsante Sätze, die ich hätte anstreichen wollen. Wie im Klappentext angekündigt, verwandeln sich die Protagonisten im Laufe der Geschehnisse entweder oder dürfen zumindest für sie Neuartiges erleben. Die Charaktere selbst entscheiden, was sie daraus machen - wahrscheinlich wie im Leben. Was kleine Begegnungen oder Begebenheiten im Leben eines Menschen ausmachen (können), wird hier sehr deutlich. Deshalb hat der Roman viel Psychologie und philosophische Themen in sich. Das Menschsein im Kleinen (selbst im Luxushotel ist man nicht nur, was von außen zu sehen ist) ist anschaulich dargestellt, was und wo und wie "das echte Leben" ist, immer wieder eine wichtige bis quälende Frage und Suche. Am Rande schwingt die Frage, was die Finanzen damit zu tun haben (oder auch nicht). Man verfolgt einzelne Personen mit ihren Gedanken, Gefühlen, Wahrnehmungen, verschiedensten Nöten und Glücksgefühlen oft über längere Strecken. Vielleicht wäre eine Kapitelunterteilung gut gewesen, aber der Rhythmus wäre dadurch ein anderer. Etwas schade fand ich, dass das Hotelpersonal mit ihrem Innenleben nur am kleinsten Rand eine Rolle spielte. Das war aber sicher so beabsichtigt. 

    Das Buch, 1929 erschienen, spielt in einem Berliner Hotel der gehobenen Art. Die Figuren sind vielschichtig, zeitlos, realistisch bis ins Detail, im Grunde sogar alle sympathisch, je besser man sie kennenlernt. Die einen erscheinen hoffnungslos festgefahren, andere nehmen das Leben leicht, sind voller Lebens- und Erlebenslust. Jede/r ist eine Welt für sich und dazu kreuzen sich ihre Wege, beeinflussen sich für kurz oder lang. Es gibt Überraschungen, viel Amüsantes, Tragik und Mut, das unerwartete Finden der echten, bedeutungsvollen Momente des Lebens, abenteuerliche Szenen und Gesellschaftskritik.       

  10. Cover des Buches Der Mann, der nicht mitspielt (ISBN: 9783462052909)
    Christof Weigold

    Der Mann, der nicht mitspielt

    (96)
    Aktuelle Rezension von: Katl2

    Ein erfolgloser Schauspieler ist in Hollywood keine Seltenheit. Hardy Engel ist nur einer von vielen. Sein Versuch, als Privatdetektiv über die Runden zu kommen, ist ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Bis eines Tages eine attraktive, rothaarige Frau um eine Audienz bei ihm bittet. Und mit einem Schlag ändert sich im Leben von Hardy Engel alles. Seine Ermittlungen führen ihn hinter die Bühnen und Scheinwerferlichter von Hollywood zu den dunklen und verdorbenen Geheimnissen der Filmwelt. Schnell wird ihm klar, dass hier nichts so ist, wie es scheint und dass es manche Vorfälle gibt, die nie in das Licht der Öffentlichkeit geraten sollen. 

    Der Detektiv

    Hardys Wunsch, ein Komiker zu werden, ist nicht sonderlich von Erfolg gekrönt und so beschießt er, sich seine Erfahrungen als Polizist zunutze zu machen und beschließt, Privatdetektiv zu werden, anfangs mit einer niedrigen Beschäftigungsrate. Ein unscheinbarer Auftrag ändert dann alles. Seine Hartnäckigkeit und sein Talent, stehts zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, stoßen den zynischen und sturköpfigen Hardy mitten hinein in die Welt des Filmes, wo es von Geheimnissen und Unwahrheiten nur so wimmelt. Doch für Hardy Engel ist klar, dass er letztendlich nur der Wahrheit dient. Und die will er finden, koste es was es wolle.

    Ein Platz, an dem Träume zur Wirklichkeit werden

    Hollywood – ein Platz voller Träume, berühmter Persönlichkeiten und ein Himmel auf Erden. Zumindest scheint es so. Christof Weigold malt ein anderes Bild von Hollywood. Drogen, Alkoholismus und sexuelle Vergnügungen stehen an der Tagesordnung der großen Stars. Die vermittelte Illusion existiert nicht, und doch kämpft die Filmbranche darum, eben jene Illusion aufrecht zu erhalten. Doch der Skandal, der durch den Tod von Virginia Rappe ausgelöst wird, lässt die Fassade bröckeln und ermöglicht den Medien einen Blick hinter die sorgsam verborgenen Kulissen. Die Aufregung ist groß. Zeitungen erkennen ihre Chance zu Massenabnahmen ihrer Schlagzeilen, die Filmproduzenten fürchten um ihren Ruf, Schauspieler und Produzenten haben Angst um ihre Karriere. Am Ende ist sich jeder selbst der nächste. Und, wie Hardy später klarstellt: Im Krieg und im Film ist die Wahrheit das erste Opfer.

    Fazit

    Ein spannungsgeladener, actionreicher Kriminalroman der 1920er Jahre. Unerwartete Richtungsänderungen und Entwicklungen machen die Handlung unberechenbar und sorgen für eine fesselndes Leseereignis. Hardy Engel ist ein symphytischer Ermittler, der sich seiner eigenen Schwächen und Fehler durchaus bewusst ist und mit seinem zynisch-ironischen Blick auf die übertriebene Welt um ihn herum, einen angenehmen Gegenpol zu den undurchsichtigen Persönlichkeiten des Buches bildet. Ich habe diesen Ausflug in die Goldenen Zwanziger genossen, jede einzelne Seite davon. Für Menschen, die verwickelte Handlungsstränge lieben, ein absolutes Muss. 

  11. Cover des Buches Engel des Todes (ISBN: 9783805200615)
    Thomas Ziebula

    Engel des Todes

    (63)
    Aktuelle Rezension von: Isar-12

    "Engel des Todes" ist der dritte Band der Paul-Stainer-Reihe von Thomas Ziebula. Am 13. März 1920 kommt es in Berlin zum Putsch von Reichwehrsoldaten gegen die amtierende Regierung von Gustav Bauer. Die meuternden Truppen proklamierten Kapp zum Reichskanzler. In Folge dessen kommt es auch in Leipzig zu massiven Ausschreitungen mit etlichen Toten. Der Bürgerkrieg auf den Straßen prägt diese Tage. Zugleich bekommt es Kriminalinspektor Paul Stainer mit mysteriösen Morden zu tun. Die Opfer werden enthauptet und ihnen die Zunge herausgeschnitten. Allesamt sind es Opfer mit einem militärischen Hintergrund. Nach und nach verdichten sich die Hinweise, dass hier jemand auf seinem persönlichen Rachefeldzug ist. Der Autor lässt in diesem Krimi seinen Inspektor inmitten der Unruhen zwischen Spartakisten und Weißgardisten agieren. Der Leser erfährt sehr viel über die Vorgänge während des Kapp-Putsches. Man erkennt die hervorragende Recherche des Autors. Dies ist zum einen sehr interessant, geht aber andererseits zu Lasten des Kriminalromans. Denn dieser dritte Band der Stainer-Reihe lässt den Leser zwar viel in die damaligen historischen Geschehnisse eintauchen, aber halt den eigentlichen Krimi fast zur Nebensache werden. Letztendlich bleibt daher bei mir ein zweischneidiger Eindruck haften. Zum einen konnte mich Thomas Ziebula absolut für die Geschehnisse während des Putsches interessieren, zum anderen vermisste ich teils die Krimihandlung. Interessant für alle Leser, die den hundertstündigen Putschversuch mit den Geschehnissen in den Straßen von Leipzig erleben wollen, aber nicht enttäuscht sind dass sie keinen reinen Krimi in den Händen halten.

  12. Cover des Buches Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939 (ISBN: 9783218010436)
    Walter Rauscher

    Das Scheitern Mitteleuropas 1918-1939

    (11)
    Aktuelle Rezension von: krimielse
    Der österreichische Historiker und Sachbuchautor Walter Rauscher bietet mit dem Buch "Das Scheitern Mitteleuropas 1918 -1939" einer informativen und lehrreichen, sachlichen, sehr gut lesbaren Überblick über die Geschehnisse zwischen den Weltkriegen. Ich war vor der Lektüre der Meinung, mich geschichtlich recht gut auszukennen und politische Zusammenhänge erkennen zu können, und wurde vom Autor eines besseren belehrt. Das Buch versorgt mit Informationen, die mir bisher so nicht bekannt waren, betrachtet die Ereignisse aus einer überraschenden Perspektive und zeigt so Zusammenhänge auf, die für mich neu und hochinteressant sind. Als sehr gelungen betrachte ich dabei die in meinen Augen völlig neutrale Herangehensweise. Es ist spannend, auf diese Art Wissenszuwachs zu erhalten, eine Erweiterung des Blickwinkels angeboten zu bekommen und aktuelle Bezüge herstellen zu können. Das Lesen wird angenehm und einfach gestaltet durch die chronologische Abfolge und durch die Einteilung des Buches in sieben Kapitel. Der Autor widmet sich in den einzelnen Kapiteln jeweils der Reihe nach verschiedenen europäischen Gebieten und Ländern. In durchgehend verständlichen Formulierungen erklärt Rauscher die Themenbereiche, Differenzen und Spannungen - die geografische Neuaufteilung, politische Entwicklungen und nationalen Bestrebungen von Sieger- und Verliererstaaten, die Darstellung von Entscheidungen und Fehlentscheidungen mit den bekannten verheerenden Folgen stehen im Vordergrund. Man kann als Leser dem zunehmenden Nationalismus in vielen europäischen Ländern, den aus Gebietsansprüchen und national-egoistischer Kurzsichtigkeit entstandene Konflikte ursächlich nachspüren, die Dramatik in der wirtschaftlichen Entwicklung bedingt durch Zwänge und Eingrenzung sehr gut verfolgen und verstehen. Erschreckend war für mich bei der Lektüre, dass sich Geschichte wiederholt, dass egoistischer Nationalismus nach wie vor auf der Tagesordnung steht und zunehmende Arbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit durchaus wieder zum Scheitern führen könnte. Wenn auch viele Komponenten bekannt sind besticht Rauschers Buch durch Detailtreue und Präzision im Aufzeigen von Zusammenhängen. Dabei schafft es das Buch auf lobenswerte Art, nicht vom Wesentlichen abzuweichen und wirkt dadurch nie verzettelt oder gar langweilig. Das Buch hat mich beeindruckt und überzeugt, es ist wichtig und sehr lesenswert , und mir 5 Sterne wert.
  13. Cover des Buches Spiegelstadt. Tränen aus Gold und Silber (ISBN: 9783426529430)
    Christian Handel

    Spiegelstadt. Tränen aus Gold und Silber

    (142)
    Aktuelle Rezension von: Mandthebooks

    Rezension: (kann Spoiler enthalten)

    Ich fand die Idee eigentlich ganz cool und mir hat besonders das System mit den zwei Städten gut gefallen.
    Es war spannend und ich mochte Max eigentlich ganz gerne. Gerade seine Familiengeschichte gefiel mir gut.
    Nur manchmal wirkte die Geschichte etwas hektisch. Es war zwar spannend, aber teilweise wäre es viele nicht so schlecht gewesen, man hätte das Tempo ein bisschen rausgenommen.
    Band 2 wartet schon auf mich, daher werde ich ihn sicher bald anfangen und bin gespannt, was noch kommt.

    4 Sterne

  14. Cover des Buches Alligatoren (ISBN: 9783959673594)
    Deb Spera

    Alligatoren

    (142)
    Aktuelle Rezension von: NinaReads

    Alligatoren von Deb Spera hat mich von der ersten Seite an völlig begeistert. Das Buch erzählt starke Frauengeschichten, die geschickt miteinander verwoben werden und dabei sowohl emotional als auch inhaltlich überzeugen. Jede Figur ist einzigartig gezeichnet, facettenreich und authentisch – man spürt ihre Motivationen, Stärken und Schwächen auf jeder Seite.

    Besonders beeindruckend ist, wie clever Spera die verschiedenen Geschichten miteinander verbindet. Die Handlung entwickelt sich dynamisch, voller Überraschungen, Spannung und tiefgründiger Momente. Gleichzeitig schafft die Autorin eine emotionale Tiefe, die die Figuren lebendig werden lässt und einen starken Bezug zum Geschehen herstellt.

    In Summe ist Alligatoren ein meisterhaft erzähltes, kraftvolles Werk voller faszinierender Frauenfiguren und intelligenter Verknüpfungen – ein Buch, das man einfach lieben muss.

  15. Cover des Buches Ex-Wife (ISBN: 9783949465284)
    Ursula Parrott

    Ex-Wife

    (102)
    Aktuelle Rezension von: SternchenBlau

    Das Buch fiel mir bei der Erscheinung auf, als Mareike Fallwickl was dazu auf Social Media geschrieben hat. Von ihr stammt auch das Vorwort, in dem auch explizit steht, dass „Ex-Wife“ kein feministisches Buch ist. Nun gut, dachte ich mir, aber das sind die von Männern ja oft auch nicht.

    Ja, Patty zeigt immer wieder Anzeichen von Solidarität, aber für mich überwiegt doch ihre despektierliche Art, wie sie über andere Frauen redet, über deren Äußeres oder ihr vermeintlich hohes „Alter“. Wie sie Feminist*innen abwertet, oder ihr seitenlanges Selbstmitleid, ob des Ex-Mannes, der sie verlassen hat. Neben der bei mir aufkommenden Langeweile ergab das weitere Probleme. Es ist ja nicht so, dass sie nicht auch das Recht hätte, trotz dessen Gewalttätigkeit rückfällig zu werden und wieder in seinem Bett zu landen. Mir fehlt aber die Reflexion darüber, dass das nicht „falsch“ ist, weil es mit Sex zu tun hat, sondern sie sich damit tatsächlich schadet, auch, wenn ich ihre Beweggründe verstehe. Held*innen müssen nicht sympathisch sein und in vielen Büchern von Männern sind die Frauen jetzt auch nicht feministischer, aber ich hätte die Protagonistin am liebsten das ganze Buch über immer wieder schütteln mögen.

    Sex kommt in diesem Buch zwar vor, aber so verschämt, dass hier eigentlich immer abgeblendet wird.

    Achtung, hier eine wichtige Content Note:

    Am ausführlichsten wird ausgerechnet eine Vergew*altigung geschildert, die auch noch unter Mithilfe eines zweiten Mannes geschieht, der sie dem Haupttäter ausliefert. Die ganze Situation ist so gruselig und beängstigend, weil es auch so geschildert wird, dass man erst gar nicht weiß, wie und wann sie sich aus der Situation befreien kann. Das hätte ich in einem „Unterhaltungsroman“ so gar nicht erwartet.

    Die Episode und der Umgang damit folgt für mich schon fast einem perfidem Muster: Vermeintlich bösen Mädchen passiert halt etwas Böses. Aha, die Erkenntnis stammt aus der Mottenkiste, die ich gerne zulassen würde.

    Achtung, hier erzähle ich das Ende:

    Dazu passt auch das melodramatisch letzte Drittel, in dem Patty dann fast zur Heiligen mutiert: Erst darf sie die Läuterung ihres Ex-Manns miterleben, der heute alles anders machen würde – sagt er, obwohl er sie nochmal ins Bett kriegen würde. Die Krone der Heiligkeit bekommt Patty, als die ihrem Geliebten mit dessen schwangeren Ehefrau schließlich – trotz des eigenen dadurch brechenden Herzens – wie eine Matrone organisiert. Und im narrativen Bogen findet sie dadurch dann doch noch wieder einen Ehemann.

    Halleluja. Eine Ex-Frau bleibt halt irgendwie doch unvollständig. 2,5 bis 3 Sterne, weil auch die mittelmäßige Bücher von Frauen wiederentdeckt werden sollten. Da ich kürzlich auch „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun gelesen habe, das etwa zur gleichen Zeit erschien – da finde ich viel klüger die Themen und die Zeit, dazu auch noch Klassismus und Feminismus thematisiert.

  16. Cover des Buches Die Farben des Feuers (ISBN: 9783442719624)
    Pierre Lemaitre

    Die Farben des Feuers

    (127)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    1927, der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt soll zu Grabe getragen werden. Ein großes Staatsbegräbnis wurde anberaumt. Alles was Rang und Namen hat, ist zu Ehren des mächtigen Bankiers erschienen. Madeleine, seine Tochter, steht unvermittelt an der Spitze des Imperiums. Madeleine ist geschieden, ihr Ex-Mann verbüßt noch eine Haftstrafe, und Mutter des siebenjährigen Paul. Paul verunfallt am Tag des Begräbnisses seines geliebten Großvaters schwer. 

    Mit dem Tode von Marcel Péricourt verändern sich viele Leben. Madelaine sollte zwar die Geschäfte ihres Vaters weiterführen, doch ist sie nach dem Unfall ihres Sohnes ganz auf seine Gesundung bedacht und überlässt die Führung dem langjährigen Buchhalter Gustav Joubert. Der Privatlehrer von Paul, André Delcourt, beziehungsweise Liebhaber von Madelaine, wird nur noch geduldet. Doch er hat schon längst andere Pläne. Charles, der Bruder von Marcel, befindet sich in einer heiklen Lage, denn sein Bruder half ihm immer wieder großzügig mit Geld aus. Nun muss er sich anders behelfen. Er hat auch schon ein besonderes Vorhaben im Auge. 

    Um Paul macht sich Madelaine sehr große Sorgen, denn der Junge wirkt hochgradig depressiv. Erst als die junge, polnische Krankenschwester Vladi, sich seiner annimmt, scheint es mit Paul aufwärtszugehen. Vladi führt ihn ein in die Welt der Oper und Paul entdeckt seine hingebungsvolle Begeisterung für die Opern-Diva Solange Gallinato. Und gerade in dem Moment, an dem Madelaine wieder Hoffnung schöpfen könnte, wird sie Opfer eines gemeinen Komplotts. Sie verliert Hab und Gut. Die Vorboten des Zweiten Weltkrieges warten auf und Madelaine beginnt ihren ganz persönlichen Rachefeldzug.

    Mit einem rasanten Tempo überschlagen sich die Ereignisse in diesem Roman. Es ist faszinierend was sich Pierre Lemaitre so alles einfallen lässt, wie er die Fäden geheimnisvoll und ausgeklügelt zusammen fügt. Das ist Unterhaltung vom feinsten. Gehaltvoll wartet der Roman mit bitterbösen Intrigen und mannigfaltiger Spannung auf.Sehr große Leseempfehlung!

  17. Cover des Buches Der Junge, der Träume schenkte (ISBN: 9783785752890)
    Luca Di Fulvio

    Der Junge, der Träume schenkte

    (60)
    Aktuelle Rezension von: cvcoconut

    Amerika in den 20er Jahren. Viele Immigranten kommen, um ein neues und besseres Leben zu beginnen. Genauso der junge Natale mit seiner Mutter. Nur es ist auch eine Zeit, die von Banden, Gangs und Kriminalität lebt.

    Ich wusste nicht so recht, was mich bei dem Hörbuch erwartet, aber es hat mich total umgehauen. Man begleitet den jungen Natale (Christmas) sein ganzes Leben. Man sieht seine Entwicklungen, seine Entscheidungen im Leben, aber auch Menschen, die sein Leben kreuzen und sein Schicksal beeinflussen. Er hat ein gewisses Charisma, wodurch er einfach schnell Verbündete findet, aber auch wahre Freunde.

    Das Leben zu der Zeit war sicherlich nicht einfach, aber ich habe es sehr genossen, die kleine Zeitreise zu unternehmen. Wunderbar erzählt, eine Geschichte, die einfach ans Herz geht.

  18. Cover des Buches Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein ewiger Traum (ISBN: 9783423220033)
    Helene Sommerfeld

    Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein ewiger Traum

    (168)
    Aktuelle Rezension von: allegra

    Im Auftakt zur neuen Serie um die Polizeiärztin Magda Fuchs entführt uns das Autorenduo Helene Sommerfeld ins Berlin der beginnenden Zwanziger Jahre. Der Roman setzt zeitlich da ein, als die Trilogie um die Ärztin Ricarda Thomasius aufhört, im Jahr 1919. 

    Magda Fuchs verliert auf tragische Weise ihren geliebten Ehemann, Bertram.  Um in ihrer Trauer einen Neuanfang zu wagen, zieht sie aus dem ländlichen Hildesheim nach Berlin. Sie tritt eine Stelle als Polizeiärztin an, wo sie sich als Kinder- und Frauenärztin vorwiegend um die Gesundheit von straffälligen Frauen und Prostituierten, sowie Kinder, die in diesem Buch als Randfiguren eine große Rolle spielen.

    Neben Magda Fuchs lernen wir weitere Frauen kennen.  Auf der einen Seite, selbstbewusste, emanzipierte, berufstätige Frauen wie die Anwältin Ruth Jessen, die Journalistin Erika Hausner, die Fürsorgerin Ina Dietrich, aber auch junge Frauen, die noch auf der Such nach ihrer beruflichen Zukunft sind, wie die Handschuhverkäuferin Doris und Celia von Liebenau, deren größter Traum es ist, Medizin zu studieren. 

    In dem Roman gewinnt man auch Einblick in die Schattenseiten einer Großstadt in den Zwanziger Jahren. Besonders berührt hat mich das Schicksal von Kindern, mit denen sowohl Handel getrieben wird, als auch Missbrauch durch gewerbsmäßiges Betteln.

    Die Figuren in diesem Buch haben mich sehr überzeugt. Ich war sehr schnell mitten in der Handlung drin, und konnte mich teilweise auch mit den Figuren identifizieren. Sehr bald wird eine gewisse Spannung aufgebaut, die durch das ganze Buch hinweg gehalten wird.  Sprachlich fand ich das Buch sehr angenehm zu lesen. Von der Abwechslung der Schauplätze und der Hauptfiguren kam es für mich nicht ganz an „Die Ärztin“, die Trilogie um Ricarda Thomasius, heran. 

    Von mir erhält dieser Roman 4 Sterne. 




  19. Cover des Buches Der nasse Fisch (Die Gereon-Rath-Romane 1) (ISBN: 9783844932683)
    Volker Kutscher

    Der nasse Fisch (Die Gereon-Rath-Romane 1)

    (48)
    Aktuelle Rezension von: lakita

    gedacht: "Schauste  mal, wie der Autor, der dahinter steckt, denn so schreibt." Die Filmserie Babylon Berlin hatte mir schon ausnehmend gut gefallen, die war eines der Serien-Highlights der letzten Jahre. Und es war die reine Neugierde, erfahren zu wollen, wie der Autor dieses Thema tatsächlich beschrieben hat. Meist ist es nämlich umgekehrt, dass ich mir gerne anschaue, wie ein Roman dann verfilmt wird und was ich alles im Film wiederfinde. Ich war überrascht, wie doch zunächst einmal anders die Figuren von Herrn Kutscher in seinen Romanen gezeichnet wurden. Und ich war irritiert, dass man für die Serie offensichtlich sich gleichzeitig aus mehreren Werken des Autors bedient hatte, um im Film die Spannung noch zu erhöhen, aber auch die Geschehnisse noch verwirrender zu gestalten. Fast kann man sagen, dass man das eine nicht mit dem anderen vergleichen kann, aber das stimmt nicht ganz. Der Grundtenor, nämlich die damaligen Verhältnisse, kurz vor Machtergreifung durch die Nazis, ist in der Serie wie im Roman gleich intensiv vertreten, nur die Figuren sind in der Serie affektiver gestaltet worden. 

    Aber nun zum ersten Roman der sog Gereon Rath-Reihe "Der nasse Fisch". Ich verweise wegen des Inhalts auf den Klappentext und ersprare mir eine Wiederholung. Herr Kutscher benötigt nicht lange, um seine Figuren in das Setting einzuführen und lebendig werden zu lassen. Insgesamt geht es flott  voran und es beginnt von Anfang an spannend zu sein und steigert sich weiter zum Schluss hin deutlich. Dass man den Eindruck hat, so ganz nebenbei, das alte Berlin der 30er Jahre kennenzulernen, den Arbeitsalltag der Leute dort mitzuerleben und alles fest integriert ist in damals wahre Begegenheiten, macht den Roman besonders wertvoll. Natürlich sind die Figuren Gereon Rath und Charlotte Ritter frei erfunden, aber es gab den Mordermittler Gennart, die Rote Burg, es gab die Straßenschlachten zwischen der KPD und den Nationalsozialisten, Berlin war damals ein brodelnder Kessel, Vergnügungen, Jazz, Kokain, Morphium, Polizeiüberwachung, Wohnungsnot, aber es gab auch russische Exilanten, darunter Offiziere und Adelige, die in Berlin ihre eigenen Kämpfe wegen der alten Zaren-Schätze ausfochten. Ich mag es immer sehr, wenn ein Roman nicht nur spannend unterhält, sondern man so ganz nebenbei eine Portion Geschichtsunterricht bekommt. So auch hier. 

  20. Cover des Buches Das Theater am Strand (ISBN: 9783570104651)
    Joanna Quinn

    Das Theater am Strand

    (16)
    Aktuelle Rezension von: a_different_look_at_the_book

    Ich bin mit dem Gefühl gestartet, dass diese Lektüre Kraft verlangen wird. Der Umfang signalisiert Ausdauerarbeit und der Plan, das Buch gemeinsam zu lesen, hat den Einstieg überhaupt erst praktikabel gemacht. Der erwartete Sog blieb jedoch aus.

    Der Zugang zur Handlung verlangte Disziplin. Der Stil fordert konstante Aufmerksamkeit und die Vielzahl an Figuren erzeugt eine Streuung, die den Fokus verwässert. Diese strukturelle Weite zog das Erzähltempo zusätzlich in die Länge.

    Die Entwicklung der Kinder, die Kriegsjahre und die Zeit danach bilden zwar ein breites Panorama, doch die narrative Ausdehnung wirkt überzogen. Der Titel suggeriert eine Schwerpunktsetzung, die der Roman kaum erfüllt. Das titelgebende Theater tritt erst spät auf und bleibt trotz Ankündigung eine Randerscheinung. Die Diskrepanz zwischen Paratext und tatsächlicher Gewichtung irritiert und war ein großer Bruch zwischen meiner Erwartung und der Umsetzung.

    Einzelne historische Aspekte schärfen den Blick, etwa die Rolle der WAAF, deren Bedeutung hier sichtbarer wird als in vielen gängigen Darstellungen. Dieser Informationsgewinn trägt jedoch nur bedingt durch die schleppenden Passagen.

    Für mich bleibt es ein historischer Roman, der seine erzählerische Energie verzettelt. Ohne die gemeinsame Lektüre hätte ich das Buch nicht beendet.

    ©2025 adlatb

  21. Cover des Buches Haarmann (ISBN: 9783328107439)
    Dirk Kurbjuweit

    Haarmann

    (78)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Im Hannover des Jahres 1920 verschwinden immer wieder männliche Jugendliche. Robert Lahnstein wird nach Hannover geholt, um die Verbrechen aufzuklären. Womit er nicht rechnet ist, dass die örtliche Kriminalabteilung ihren eigenen Interessen nachgeht und wenig von seinen Ermittlungen hält. Als Lahnstein die ersten halbwegs brauchbaren Hinweise bzw. Indizien erhält, sind schon mehr als zehn Jungs verschwunden. Recht schnell gerät Fritz Haarmann in das Visier von Robert Lahnstein. Doch der Verdächtige spielt Katz-und-Maus mit dem Ermittler, da er sich durch seine Spitzeldienste für die örtliche Polizei sicher wähnt.  

    Dass Lahnstein dem Serientäter letztendlich doch das Handwerk legen kann, ist nicht nur seinen akribischen Ermittlungen geschuldet, sondern auch deswegen, weil Haarmann nun als Spitzel „verbrannt“ ist und die Polizei ihn fallen lässt.  

    Meine Meinung: 

    Fritz Haarmann war der erste bekannte Massenmörder in Deutschland, der ausschließlich männliche Jugendliche ermordete. 24 Opfer werden ihm zugeschrieben, die in den Jahren 1918 bis 1924 in Hannover ermordet wurden. Nur neun Morde hat Haarmann gestanden. Die landesweite Bekanntheit des Täters beruht neben der großen Zahl der Getöteten auf dem Umgang mit seinen Opfern, die er zerlegt und deren Fleisch er wahrscheinlich verkauft hat. 

    Autor Dirk Kurbjuweit hat tief in den Ermittlungs- und Prozessakten gegraben und einen für mich fesselnden True-Crime-Krimi geschrieben. Aufgrund der großen Anzahl von Opfer kann der Autor gar nicht anders als distanziert über diese Verbrechensserie schreiben. Zu monströs sind diese Verbrechen, zumal die Kriminalpolizei von Hannover sich nicht unbedingt durch objektive Ermittlungsarbeit auszeichnet. 

    Gut gelungen ist die Darstellung der Zeit, in der die Morde verübt werden. Es ist die Zwischenkriegszeit. Das Alte (die Monarchie) ist unwiederbringlich verloren, das Neue (die Weimarer Republik) steht auf tönernen Füßen. Politisches Ränkespiel von Links und Rechts verunsichern die Menschen. Die Reparationszahlungen an Frankreich, die Geldentwertung und die Lebensmittelknappheit lassen die Menschen verrohen. So wird alles Fleisch, dessen man habhaft wird, verkocht, auch wenn es zweifelhafter Herkunft ist. Ob Haarmann wirklich den Gasthäusern das Fleisch der Ermordeten verkauft hat oder nicht, ist bis heute nicht zweifelsfrei erwiesen. In den Protokollen ist mehrmals von einem eigentümlichen süßlichen Geschmack die Rede. 

    Interessant ist auch das Psychogramm von Haarmann, das Lahnstein zeichnet als er zufällig Haarmanns Schwester kennenlernt. Gut getroffen sind auch Robert Lahnsteins (Selbst)Zweifel, die ihn manchmal schon ans Aufgeben denken lassen. 

    Der Autor zeichnet ein beklemmendes Bild der sogenannten „Goldenen Zwanziger Jahre“, die nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung „golden“ waren. Für die Mehrheit waren sie eine Zeit der traumatisierten Kriegsrückkehrer, der Armut, des Alkoholismus und der Prostitution. 

    Mit hat die Aufarbeitung der „Haarmann-Protokolle“ in einem Krimi gut gefallen. Einzig diese Unsitte bei der direkten Rede auf Satzzeichen zu verzichten geht mir wirklich auf die Nerven. Das kostet den 5. Stern. 

    Um einen anderen Blick auf Fritz Haarmann zu bekommen, werde ich noch „Der Werwolf von Hannover“ von Franziska Steinhauer lesen.  

    Fazit: 

    Eine gelungene Modifizierung von Gerichtsakten zu einem Krimi. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

     

     

  22. Cover des Buches Die Frauen vom Savignyplatz (ISBN: 9783746634258)
    Joan Weng

    Die Frauen vom Savignyplatz

    (64)
    Aktuelle Rezension von: anke3006

    Vicky benimmt sich nicht wie ein Mädchen ihrer Zeit. Sie ist Verlobt, verliebt sich in einen anderen, wird schwanger, geschieden und dann? Sie macht sich selbstständig und das als Frau. Skandal!

    Joan Weng hat die Zeit, die Lebensumstände und die Denkweise sehr gut eingefangen.

    Ihre Art zu schreiben gefällt mir gut.

  23. Cover des Buches Der weiße Affe (ISBN: 9783865325846)
    Kerstin Ehmer

    Der weiße Affe

    (40)
    Aktuelle Rezension von: sunny-girl

    Das Buch spielt in Berlin der zwanziger Jahre. Ariel Spiro ist gerade aus Wittenberg in Berlin eingetroffen. Als erstes soll er die Ermittlungen zu den Mord an einen Bankdirektor übernehmen. Spiro wird von seinen Kollegen misstrauisch beäugt. Er hat unkonventionelle Methoden. Gleichsam verliert er sich in der Berliner Halbwelt und treibt sich in Spelunken und halbseidenen Lokalitäten rum. Parallel wird die Geschichte eines verwirrten Jungen erzählt, die anfangs nicht mit der Haupthandlung zu tun hat.
    Der Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Kurz, abgehackt, aber gleichzeitig blumig, ausschweifend. Am Anfang ist es besonders schlimm. Vor allem die Absätze mit dem Jungen habe weitestgehend überflogen.
    Obwohl zu dem Mord ermittelt wird, ist das Buch eher eine Milieustudie als ein Krimi. Die Berliner Halbwelt fasziniert irgendwie. Der Kriminalfall wird auch aufgeklärt.
    Am Anfang hätte ich das Buch am liebsten beiseite gelegt. Da es so dünn war, ist es schnell gelesen. Den zweiten Band werde ich mir nicht antun.

  24. Cover des Buches Wir sind verdammt lausige Akrobaten (ISBN: 9783455404661)
    Ernest Hemingway

    Wir sind verdammt lausige Akrobaten

    (21)
    Aktuelle Rezension von: Bri

    Meine Liebe zur Literatur F. Scott Fitzgeralds ist ja nun in gewissen Kreisen – also auf jeden Fall hier – hinlänglich bekannt. Obwohl mir natürlich bewusst ist, dass er als Mensch, gerade in den Zeiten großer Trunksucht, ein ziemlicher Idiot sein konnte, hatte ich immer das Gefühl, dass er trotz allem eher zurückhaltend, unterstützend, aber eben durch die Umstände und sein Leben überfordert war. Schreiben zu wollen oder zu müssen, weil es Geschichten gibt, die aus einem heraus brechen, die man anderen Menschen mitgeben möchte, damit sie in ihnen nachhallen ist wohl das Ideal der Schriftstellerei. Zumindest stelle ich mir das so vor. Schreiben zu müssen, um Geld zu verdienen, nun ja, Fitzgerald konnte es wie kein anderer. Seine Stories hielten die Familie über Wasser, bezahlten später die Behandlungen Zeldas und waren für ihn die Möglichkeit, an Geld zu kommen, die sich schnell umsetzen ließ. Und was dabei rauskam, konnte sich immer sehen lassen.

    Was Ernest Hemingway betrifft, bin ich – voreingenommen und etwas unfair – nicht ganz so freimütig damit, ihm seine menschlichen Schwächen nachzusehen und mich bei der Lektüre davon nicht beeindrucken oder leiten zu lassen. Sicher gibt es Werke von ihm, die ich gerne gelesen habe: Paris, ein Fest fürs Leben, das zugegebenermaßen nicht eines seiner Glanzstücke ist, mich aber wegen Paris und der Tatsache, dass meine allerbeste Freundin ein Jahr lang dort lebte und ich sie mehrfach besuchen konnte, einfing oder Der alte Mann und das Meer – für mich tatsächlich sein Meisterwerk. Seine Stories waren gut, doch mir sprachlich zu klar, zu einfach, zu viel Macho?


    Verglichen habe ich die beiden Schriftsteller und ihre Werke nie, sind sie doch sowohl sprachlich, inhaltlich als auch konzeptionell einfach nicht vergleichbar und deshalb gehe ich mit der Einschätzung Hermingways zu Getrude Steins Vergleich der zwei Autoren über das Bild unterschiedlich genährter und deshalb auch unterschiedlich brennender Flammen d’accord: dieser ist tatsächlich und prinzipiell obsolet. Doch andererseits kann ich komplett nachvollziehen, was Stein mit ihrem Bild der einen Flamme, die hell leuchtet und ungehemmt brennt – Fitzgeralds Talent – und der anderen, die zwar nicht so hell brennt, dafür aber etwas kontrollierter oder kontinuierlicher – Hermingways Ehrgeiz – meinte. Während die Texte Fitzgeralds für mich immer mit leichter Hand dahingeworfen, dabei aber gut durchdacht schienen, meinte ich den Schriften Hemingways immer dessen Wunsch nach mehr Klarheit, stärkerer Schlichtheit zu entnehmen. Mit einem Beigeschmack von harter, fast körperlich anmutender, Arbeit, ja Schinderei.

    Bereits 2013 erschien ein schmaler, sehr liebevoll gestalteter und zusammengestellter Band, der Briefe, die sich Fitzgerald und Hemingway in der Zeit von 1925 bis 1937  schrieben, erstmals auf Deutsch vorlegt. Zumindest was die Zusammenstellung und was die Briefe Fitzgeralds angeht. Hemingways Briefe sind bereits 1984 von Werner Schmitz übersetzt bei Rowohlt in dem Band Glücklich wie die Könige erschienen. Fitzgeralds Briefe hat Lebert erst 2013 übertragen – und das wunderbar ganz im gewohnten Fitzgeraldischen Ton. Dazu hat er noch ein Vorwort, Anmerkungen und eine Zeittafel gepackt, die dem Leser weitere Orientierung geben. Liest man diese Briefe in der sehr gelungenen Zusammenstellung, gewinnt man von beiden Autoren, ihren Werken und ihrer Freundschaft einen durchaus auch überraschenden Eindruck.

    Zunächst sind die Briefe die sich Hem und Scott schreiben, geprägt von einem sehr freundschaftlichen Ton, der zuweilen ins spöttisch, selbstironische aber auch klatschhafte übergeht. Es geht buchstäblich um Gott und die Welt. Obwohl Scott nur drei Jahre älter ist als Hem, ist er derjenige, der dem aufstrebenden Jungautor mit Rat und Tat zur Seite steht. Er vermittelt Kontakte zu seinem Lektor Max Perkins bei Scribners, der seinem Ruf folgend sofort das Potential Hemingways erkennt. Ab und an schickt er auch Geld – auch wenn es nur 100 Dollar sind, die zu damaligen Verhältnissen ungefähr 1000 Dollar Wert besaßen. Und er liest Hemingways Texte so genau und kritisch, wie es auch ein Lektor täte. Anfänglich ist Hemingway auch für die Kritik, die ihm der bereits erfolgreiche Freund angedeihen lässt, dankbar und offen, doch als Fitz später sein Werk chirurgisch analysierend auseinanderpflückt – zwar offensichtlich, weil er weiß, dass Hem es noch besser kann – da kommt schon Unmut auf, der sich in der Bleistift – Randnotiz Leck mich am Arsch EH Bahn bricht. Dabei ist der letzte Satz, den Fitz unter die Analyse schreibt durchaus positiv: Ein wunderschönes Buch ist es.

    Fitzgerald ist ernsthaft daran interessiert, seinem Freund mitzuteilen, was er literarisch anders machen würde. Und er tut es unglaublich genau, unglaublich überlegt, gut konzipiert, so dass der Eindruck, dass er selbst einfach ein durch übermäßiges Talent gesegneter literarischer Leichtfuß war, verflüchtigt. Auch er musste und wollte hart arbeiten, wollte perfekt sein. Doch wie kann man das, wenn man ein Kind hat und eine Frau, deren Gesundheitszustand sich permanent verschlechtert? Schriftsteller brauchen Kontinuität – man denke nur an Thomas Mann und seine Arbeitsgewohnheiten – und doch benötigen solch kreative Köpfe, vor allem solch scharfsinnige und großartige Beobachter wie Fitzgerald den Input von außen. Ein Dilemma, dem man kaum entkommen kann und Fitzgerald erst recht nicht.

    Es kommt wie es kommen muss, die Freundschaft geht dahin, die Briefe werden spärlicher und zum Schluß zeigt sich, dass die unterschiedliche Art zu schreiben, sich nicht vereinend auswirkt. Voreingenommen oder nicht, Fitzgeralds Argumentation ist überzeugend und stringent, als er in seinem Brief vom 01. Juni 1934 seine Art der Fiktion und seine Konzeption von Zärtlich ist die Nacht darlegend, folgendes anmerkt:


    „[…] eine Theorie, die ich Conrads Vorwort von Der Neger entnahm. Dass nämlich der Zweck eines geschriebenen Werks darin besteht, auf den andauernden Nachhall im Geiste des Lesers einzuwirken. Im Unterschied zu – sagen wir mal – dem Zweck der Rhetorik an sich oder der Philosophie, die die Menschen jeweils in einer kämpferischen oder gedankenvollen Stimmung zurücklassen. […] dass ich mich daran erinnerte, dass Du einmal beim unmittelbaren Ende von In einem anderen Land versucht hast, etwas herauszuarbeiten, was ganz im Sinne einer solchen Theorie stand. […] Und vielleicht erinnerst Du Dich an meinen Vorschlag, Deinen Hang zum Wortschwall, überall wo er in diesem Buch auftaucht, herauszustreichen und damit aufzuhören. Du warst gegen diese Idee, da Du der Ansicht warst, die Richtlinie eines belletristischen Werkes müsste sein, den Leser in emotionale Höhen zu führen, ihn dann zu enttäuschen bzw. wieder zu erlösen. Du hast keine ästhetischen Argumente dafür geliefert, aber nichtsdestotrotz konntest Du mich überzeugen.“


    Das angenehm persönliche Vorwort von Benjamin Lebert macht klar, er will keinem der beiden Autoren den Vorzug geben. Ich kann das auch nach der Lektüre dieses erhellenden Briefwechsels nicht. Für mich ist und bleibt Fitzgerald der Meister der Meister, ein Ästhet. Wenn gar nichts mehr geht, ich aus welchen Gründen auch immer keine Leseruhe finden kann oder mich kein neues Buch einlässt, dann wird es immer eines seiner Werke sein, das mich da rausholt. Allen voran Zärtlich ist die Nacht und Der große Gatsby, die meine Bibeln sind. Aber auch die wunderschönen Kurzgeschichten, wie zum Beispiel Der Riffpirat, die mit ihrem romantischen Kern und den leicht schrägen aber unglaublichen Bildern schon fast etwas von einem Wes Anderson Film haben … was für ein Glück, dass ich diese Schätze habe.

    Wir sind verdammt lausige Akrobaten sollte jede Hemingway und / oder Fitzgerald Sammlung vervollkommnen, genauso wie manch anderes Buch, das ich in nächster Zeit noch lesen werde oder bereits gelesen habe und das sich mit einem der beiden beschäftigt. Mit dem Ästheten und dem Boxer, wie ich sie ab jetzt in Gedanken nenne.

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks