Bücher mit dem Tag "1944"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "1944" gekennzeichnet haben.

68 Bücher

  1. Cover des Buches Der Lavendelgarten (ISBN: 9783442477975)
    Lucinda Riley

    Der Lavendelgarten

     (794)
    Aktuelle Rezension von: Mazeixx

    Was ich mir als locker leichte Sommerlektüre für den Sommerurlaub ausgesucht hatte, entpuppte sich als spannungsgeladene Familiengeschichte, die während des zweiten Weltkriegs in Paris spielt und in den 2000ern in der Provence auflöst.

    Wie auch die beiden ersten Bücher von Lucinda Riley ( das Orchideenhaus und das Mädchen von den Klippen) spielt die Geschichte auf zwei Zeitebenen.
    Mittlerweile bin ich wirklich ein richtiger Fan geworden. Und ich wurde auch von ihrem dritten Buch „Der Lavendelgarten“ nicht enttäuscht. Ich würde sogar sagen, dass mir dieses Buch bisher am besten gefallen hat! Ich freue mich schon drauf weitere Bücher dieser wundervollen Autorin genießen zu dürfen :-)

  2. Cover des Buches Die Vergessenen (ISBN: 9783328100898)
    Ellen Sandberg

    Die Vergessenen

     (261)
    Aktuelle Rezension von: Stephan_Schwendele

    Dass Täter nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Nazis untergetaucht sind, ist bekannt. Viele konnten lange Zeit ein unbehelligtes Leben unter neuen Identitäten führen. In dem Roman von Ellen Sandberg wird eine solche Handlung spannend dargestellt, und obwohl mit anderen fiktiven Orten verknüpft, dennoch in einen gewissen historischen Kontext gebracht. So ergeht es einem beim Lesen des öfteren, dass man sich denkt, den Sachverhalt real schon mal mitbekommen zu haben. Und genau so verhält es sich ja auch. Im Nachwort weist die Autorin darauf hin, dass Ähnlichkeiten mit einer Heil- und Pflegeanstalt in München-Nord beabsichtigt sind. Ereignisse in einem fiktiven griechischen Dorf “gleichen nicht zufällig“ realen Ereignissen in Distomo.

    So habe ich den Roman als eine homogen eingefädelte, von Anfang bis zum Ende spannend erzählte Geschichte erlebt. Die Protagonisten, welche erst mal nichts gemeinsam haben, ja sogar quasi erst mal Gegner sind, haben dennoch eine gemeinsame „Erfahrung“ mit den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg. Die Erfahrung haben Sie natürlich nicht persönlich, aber über Familienangehörige. Und die Geschichte zeigt deutlich, wie solche Ereignisse nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Familien prägen, und wie schwierig, ja eigentlich unmöglich es ist, erfahrenes Leid zu verarbeiten ohne die Angehörigen damit zu belasten. 

    Der Roman erzählzt auch eine Geschichte vom Umgang mit Schuld und eigener Verantwortung. Und das ist für mich das Tolle an dem Buch. Es ist eben nicht nur ein flacher Thriller, sondern eben doch eine mitreißende, betroffen machende Schilderung von Ereignissen, welche vielleicht genau so hätten passiert sein können. Und vermutlich in ähnlicher Form auch passiert sind. Nur, wurden viele Geheimnisse nicht aufgearbeitet, sondern von dunklen Netzwerken verheimlicht und am Ende mit ins Grab genommen.

    Ein absolut empfehlenswertes Buch !

  3. Cover des Buches Alles Licht, das wir nicht sehen (ISBN: 9783442749850)
    Anthony Doerr

    Alles Licht, das wir nicht sehen

     (362)
    Aktuelle Rezension von: lillywunder

    Es gibt ja diese Romane, die sind einfach wunderschön, selbst wenn in ihnen gleichzeitig ganz schön viel Schrecklichkeit steckt. Einer davon ist der (mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete) Roman "Alles Licht das wir nicht sehen" von Anthony Doerr, der es meisterhaft versteht, die Grausamkeiten des Krieges genauso einzufangen wie den Zauber des Lebens. 


    Erzählt wird die Geschichte von zwei Kindern, die während des zweiten Weltkrieges aufwachsen. Werner, der mit seiner Schwester als Waisenkind im Ruhrgebiet aufwächst und dessen Zukunft als Bergarbeiter unter Tage schon festzustehen scheint. Und Marie-Laure, ein blindes Mädchen, das hunderte Kilometer entfernt in Paris bei ihrem Vater, einem Museumsmitarbeiter, aufwächst. Beide sind sie von Wissenschaft fasziniert, haben ein forschendes, lebendiges Interesse an der Welt. Werner, der schon in jungen Jahren ein Verständnis für Mathematik und Technik entwickelt und sich in der Nachbarschaft einen Namen macht, da er gelernt hat, Radios zu reparieren. Und Marie-Laure, die in Braille-Schrift einen Roman von Jules Verne nach dem anderen verschlingt, Ausflüge ins Museum macht und die kniffligen Rätsel ihres Vaters im Nullkommanix löst. Als der Krieg heraufzieht, kündigt sich auch in ihren Leben das Unheil an. Bei Werner, der mit seinen herausragenden technischen Fähigkeiten ins Visir der Nazis gerät und auf Umwegen in einer Spezialeinheit der Wehrmacht landet. Und bei Marie-Laure, die mit ihrem Vater aus Paris fliehen muss und dabei den wohl wertvollsten Besitz des Museums vor den Deutschen retten muss.


    Anthony Doerr erzählt beide Handlungsstränge parallel, immer abwechselnd in sehr kurzen Kapitelchen von oft nur zwei bis drei Seiten und auch wenn mir diese Erzählweise in anderen Roman nicht immer zusagt, so passt es hier ganz großartig und das (doch recht dicke) Buch liest sich schnell weg, frei nach dem Motto "ein Kapitelchen les ich noch". Die beiden Geschichten sind am Anfang noch unverbunden, man merkt aber immer mehr, dass sie sich aufeinander zu bewegen und im August 1944, wenn die französische Küstenstadt Saint-Melo als letzte Nazi-Festung unter Bombenhagel steht, zusammentreffen werden. Bis dahin spielt das Radio ein wichtiges und verbindendes Element, dessen Wirkung beinahe magisch aufbereitet wird. Überhaupt ist Anthony Doerr ein Meister der poetischen Sprache, seine Sätze strotzen vor Ausdruckskraft und Schönheit, wenn sie beispielsweise die sinnlichen Wahrnehmungen der blinden Marie-Laure beschreiben und verfehlen dennoch auch ihre erschreckende Wirkung nicht, wenn die Grausamkeiten der Nazi-Umerziehung von Kindern oder der Bombardierungen beschrieben werden. Die sehr aufgeladenen Metaphern waren mir persönlich manchmal ein wenig zu viel des Guten und wirkten das ein oder andere Mal etwas angestrengt. Ein kleines Kritikpünktchen, über das ich gern hinwegsehe bei diesem ganz wunderbar erzählten Roman.

  4. Cover des Buches DOORS ? - Kolonie (ISBN: 9783426523889)
    Markus Heitz

    DOORS ? - Kolonie

     (110)
    Aktuelle Rezension von: NicoleP

    Ein fünfköpfiges Expertenteam soll die verschwundene Anna-Lena van Dam finden. Ex-Soldat Victor und sein Team steigen in ein Höhlensystem ein, welches sich unter einer verlassenen Villa befindet. Dort stoßen sie auf mehrere seltsame Türen. Das Team nimmt die Tür mit dem „?“ und landet mitten in den 1940er Jahre. Aber hier ist der Verlauf der Geschichte ein anderer, und es bleibt fraglich, ob überhaupt jemand den Weg zurück findet.

    Der Geschichte ist zu Beginn des Buches „Doors – Der Beginn“ vorangestellt. Das Besondere an dieser Reihe von Markus Heitz ist, dass die Geschichte je nach Buch anders fortgeführt wird, je nach der Entscheidung des Teams, durch welche Tür es geht.

    In diesem Buch wurde Hitler erfolgreich getötet, und die USA haben in Europa die Macht, unterstützt durch die Briten. Diese Dimension stellt Victor vor große Herausforderungen. Leider fehlt es in der Geschichte etwas an Spannung. Gemeinsam mit dem Team erlebt der Leser, wie es ist, wenn jemand die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Dies geht natürlich nicht ohne Blutvergießen.

    Die Figuren sind mir bereits aus einem anderen Teil der Reihe bekannt, bleiben hier in „Doors – Die Kolonie“ leider etwas flach. Interessant ist die Überschneidung der Geschichte zu den Geschehnissen in dem anderen Buch. Jedes Buch kann unabhängig von den anderen gelesen werden. Dieser Teil ist gut, kommt aber an „Doors – Dämmerung“ nicht heran.

  5. Cover des Buches Der Angstmann (ISBN: 9783423216968)
    Frank Goldammer

    Der Angstmann

     (292)
    Aktuelle Rezension von: SusannS

    Da ich ein recht sensibles Gemüt habe, mag ich Krimis, vor allem, wenn sie schlimme/brutale Szenen beschreiben, überhaupt nicht. Doch dieses Buch hat mich komplett gepackt! Die ganz argen Passagen habe ich zwar "nur quer" gelesen. ;-) Aber Frank Goldammer schreibt so megaspannend, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. 

  6. Cover des Buches Ein mögliches Leben (ISBN: 9783550081859)
    Hannes Köhler

    Ein mögliches Leben

     (84)
    Aktuelle Rezension von: Simi159

    Martins Großvater Franz hat einen letzten großen Wunsch. Er will eine letzte Reise machen, an den Ort, den er seit 1944 nicht mehr gesehen hat. Es ist ein verlassener Ort in Texas, Amerika, in dem Franz Kriegsgefangener war.

    Martin, der Enkel, hat keine enge Bindung an Franz, kennt ihn nur aus den Erzählungen seiner Mutter, doch er läßt sich auf die Reise ein. 

    Stück für Stück nähern sich Enkel & Großvater an. Auch weil Martin begreift, wie es für Franz in  der Fremde als Kriegsgefangener gewesen sein muss und warum er wieder zu Hause in Deutschland so schweigsam und gefühlskalt gegenüber seiner Frau und Martins Mutter war.


    Als Leser ist man gefordert, den ersten Teil durchzuhalten, denn es braucht etwas bis sich der Sog dieser Geschichte entwickelt, bis man nicht mehr aufhören kann zu lesen. Es ist spannend wie auch berührend, selbst wenn man weiß, dass Franz überlebt. 

    Hannes Köhler wird die Geschichte vieler Familien hier aufgeschrieben haben, auch wenn unsere Großväter nicht in den USA in Gefangenschaft waren, so waren sie doch vom Krieg gezeichnet und ebenso schweigsam und abweisend wie Franz. Viele fehlten wohl die Worte, das erlebte, das Grauen zu teilen. Nur selten blitzten diese Dinge bei meinen Großeltern auf. Doch nach der Lektüre dieses Buches habe ich das Gefühl sie ein bisschen besser zu verstehen, auch wenn ich nicht mehr fragen kann….



    4 STERNE

  7. Cover des Buches Die Frauen von der Purpurküste – Isabelles Geheimnis (ISBN: 9783548062150)
    Silke Ziegler

    Die Frauen von der Purpurküste – Isabelles Geheimnis

     (121)
    Aktuelle Rezension von: Luchadora40

    Amelie hat durch einen Unfall ihren Mann und auch ihren Sohn verloren. Seit drei Jahren hat sie keine Gefühle mehr und kann ihrem Beruf als Autorin nicht mehr nachgehen. Sie vergräbt sich daheim und isoliert sich fast vollständig in ihrer Wohnung. Ihre Eltern schlagen ihr vor für eine Zeit in die Heimat ihres Vater zu fahren. Nach Südfrankreich an die Purpurküste. In den Ort Colliuere. Zuerst möchte sie überhaupt nicht da hin. Aber dann entschließt sie sich doch da hin zu fahren. Dort angekommen stellt sie fest das sie in dem Haus von ihrem Vater nicht alleine ist, sondern ihre Tante es vermietet hat. Nach und nach kann sie sich damit arrangieren. Ein Besuch bei ihrer Oma im Altersheim verändert ihre Denkweise und sie findet nach und nach in ihr Leben zurück. 

    Mich hat das Buch persönlich angesprochen von der ersten Seite an. Die Gefühlswelt von Amelie wird sehr realistisch dargestellt. Auch die Entwicklung die sie aufgrund des Tagebuchs ihrer Oma macht ist für mich sehr nachvollziehbar. Gerade das Zusammenspiel von der Zeit der Besetzung von Frankreich im zweiten Weltkrieg und Amelies Gefühlswelt ist sehr gut gelungen. Ich empfand es an keiner Stelle langatmig. Der Schreibstil war sehr flüssig und ich konnte richtig abtauchen in die Welt der vierziger Jahre. Die doch sehr bewegend geschildert wurden. Und auf der anderen Seite die Gegenwart und wie Amelie Schritt für Schritt wieder in ihr Leben zurück fand. Auch mir hat es geholfen einige Dinge zu überdenken und zu ändern. 

    Ich würde das Buch jedem empfehlen der einen lieben Menschen verloren hat und das Gefühl hat er weiß nicht mehr was er denken und fühlen soll. Und der sich die Frage stellt was richtig und falsch ist und wie er da raus kommt. Aber auch den jenigen die Bücher mit Famiiengeheimnisse- und Schicksale  gerne lesen.



  8. Cover des Buches Germania (ISBN: 9783426513705)
    Harald Gilbers

    Germania

     (71)
    Aktuelle Rezension von: AndyKoe1

    SPannend bis zum Ende. Sehr gut recherchiert und ich werde sicher noch weitere Bücher von ihm lesen

  9. Cover des Buches Die Leopardin (ISBN: 9783404173402)
    Ken Follett

    Die Leopardin

     (342)
    Aktuelle Rezension von: Isar-12

    "Die Leopardin" ist ein Spionagethriller von Ken Follett. Die Landung der Alliierten in der Normandie steht Ende Mai 1944 unmittelbar bevor. Ein Anschlag der Résistance auf die wichtige Fernmeldezentrale in Sainte-Cecile geht schief und die beteiligte britische SOE-Agentin Felicity Clairet entkommt mit knapper Not zurück nach England. Aber sie fasst einen neuen Plan und kann die Entscheidungsträger überzeugen. Ein Wettlauf gegen die Zeit um doch noch die wichtigste Nachrichtenübermittlungsstelle der Nazis zu zerstören und damit die Invasion entscheidend zu unterstützen. Dabei hat sie nur ein Team aus Frauen zur Hand, die bereits vorher an der harten Ausbildung scheiterten, ein Todeskommando gegen die brutalen Gegenspieler der Gestapo. Ken Follett beschreibt in diesem Spionageroman ein fiktives Ereignis, dass sich in den wenigen Tagen vor der Invasion abspielt. In der Realität gab es damals nur wenige Frauen, die als  Special Operations Executive Geheimagenten tätig waren. Ganze fünfzig wurden damals nach Frankreich entsandt, wobei sechsunddreißig ihre Einsätze überlebten. Der Autor wählt für diesen Roman historisch korrekte Rahmenbedingungen und bettet seine eigene Widerstandsgeschichte darin ein. Bei dieser bedient er sich sicherlich ein wenig klassischem Klischee, aber dies stört beim Lesen keineswegs. Denn die Geschichte ist sehr spannend erzählt, teils sicherlich auch brutal dargestellt, aber eben immer fesselnd. Vor vielen Jahren hatte ich bereits mal "Die Nadel" von Ken Follett gelesen und ich finde "Die Leopardin" ist ein weiterer sehr guter Spionageroman aus der Feder des Autors. Speziell das Katz- und Maus Spiel zwischen dem deutschen Major Dieter Franck und der Leopardin Flick hat mir dabei sehr gefallen. Wem Geschichten wie "Agenten sterben einsam" oder "Das dreckige Dutzend" gefallen, der findet auch mit "Die Leopardin" eine gute und spannende Unterhaltung.

  10. Cover des Buches Der Fall Collini - Filmausgabe (ISBN: 9783442718665)
    Ferdinand von Schirach

    Der Fall Collini - Filmausgabe

     (468)
    Aktuelle Rezension von: La_Stellina

    Caspar Leinen, ein junger Strafverteidiger, wird einen Monat nach Erhalt seiner Zulassung, dem wegen Mordes angeklagten, gebürtigen Italiener, Collini zugeordnet. Er soll in einem Berliner Luxushotel einen fünfundachtzigjährigen scheinbar grundlos auf grausamste Weise getötet und später selbst die Polizei verständigt haben. Vor Gericht schweigt der Angeklagte eisern und auch Leinen verrät er den Grund für den Mord nicht. Sowohl die Anklage als auch der Rechtsanwalt begeben sich auf die Suche nach dem Motiv. Lange Zeit findet weder die Staatsanwaltschaft noch Leinen eine Antwort auf die Frage nach dem Warum, doch schlussendlich findet der Rechtsanwalt Antworten und fördert erschreckende Tatsachen zu Tage, die den Angeklagten in einem anderen Licht erscheinen lassen.
    Schirach ist mit „Der Fall Collini“ wieder ein packender Roman gelungen. Ist man einmal in die Handlung eingetaucht, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen und so kam es, dass das Buch in zwei Tagen gelesen war. Dies war, nach „Kaffee und Zigaretten“ mein zweites gelesenes Buch von Schirach, aber sicher nicht das letzte das ich von ihm gelesen habe. Schirach mausert sich zu einem meiner Lieblingsautoren.

  11. Cover des Buches Gesamtausgabe (ISBN: 9783596905911)
    Anne Frank

    Gesamtausgabe

     (2.388)
    Aktuelle Rezension von: Papiertiger17

    Der historischen Zusammenhänge und der immensen Bedeutung dieses Zeitdokumentes bewusst, trafen mich die Lebensfreude und die teils sehr unterhaltsamen Anekdoten der jungen Autorin doch unvorbereitet. So überrascht, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Das Tagebuch der Anne Frank gewährt ein fesselndes Eintauchen in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und lässt einem ganz beiläufig erfahren, wie es ist, von einem deutschen Unrechtsstaats das eigene Daseinsrecht abgesprochen zu bekommen. Es ist unfassbar, dass die Deutschen damals ihre ethnischen Säuberungen sogar im Radio angekündigt haben. Und alle haben gewusst, was mit jenen passiert, die weggeholt und abtransportiert wurden. Alle haben es gewusst!

  12. Cover des Buches Mein Vater, der Deserteur (ISBN: 9783552062566)
    René Freund

    Mein Vater, der Deserteur

     (33)
    Aktuelle Rezension von: TanteGhost
    Eine Story im und nach dem 2. Weltkrieg. Ein Schicksal, bei dessen Entdeckung der Leser Life dabei ist.

    Inhalt:
    Der Vater von René Freund starb früh und hinterließ keine Reichtümer. Statt dessen aber ein Tagebuch, welches er selber geschrieben hat. Über die Tatsachen, wie er den Krieg gesehen und erlebt hat.
    So erfährt René, dass sein Vater desertiert ist. Ein sehr lebensgefährliches Unterfangen, denn wurde man erwischt, gab das die Todesstrafe. - René ist mit seiner Familie in Paris und wandelt auf den Spuren seines Vaters. Immer in der Hoffnung, ihn besser verstehen und kennen lernen zu können.
    In dem Buch setzt sich der Autor mit der Vergangenheit des Vaters und seinen eigenen Ansichten sehr bildhaft auseinander.

    Der erste Satz:
    "Vater, dich stell ich in die Mitte."

    Der letzte Satz:
    "Die Liebe verbindet uns."

    Fazit:
    Zunächst einmal ist das Buch nicht unbedingt nach Kapiteln aufgeteilt. Der Autor, der gleichzeitig Familienvater ist, hat hier sehr geschickt die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander verwoben. Er berichtet auf der einen Seite über die Pannen und Ärgernisse auf seiner Reise, lässt den Leser aber an Passagen aus dem Tagebuch des Vaters teil haben. Das macht die Sache sehr interessant. Zum Beispiel dann, wenn der Sohn an Orten weilt, die der Vater so ganz anders erlebt hat.
    Später wurde das Buch für mich uninteressanter. Der Autor hat sich selber und seine Gedankengängen mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als es gut gewesen wäre. Das macht für mich schon einmal einen Punkt Abzug.
    Aufgelockert werden Stoff und Gegebenheiten durch ein paar Fotos, aus der Zeit, von der die Rede ist. Es wird erklärt, welches die Person ist, im die es geht. - Ziemlich interessant, wenn man bedenkt, dass einige der Bilder entstanden sind, als die Männer in Gefangenschaft waren.
    Der Text ist einfach gehalten. Schachtelsätze und Fachbegriffe werden sparsam bis gar nicht eingesetzt. Allerdings hat es eine Weile gebraucht, bis ich mit der Kapitelauteilung zurecht gekommen bin. Das war stellenweise ein ziemliches Durcheinander. Und dann hat der Autor im Buch auch über die Entstehung des Buches geschrieben. Das hat die Verwirrung dann stellenweise komplett gemacht. Eine wirklich mehr als seltsame Art zu schreiben.
    Kopfkino hatte ich bei der Lektüre nicht. Hier waren es ab und an mal ein paar einzelne Fotos von Menschen und Örtlichkeiten, die ich vor mir gesehen habe. - Dem Lesevergnügen hat das aber keinen Abbruch getan. Denn die Story an sich ist jetzt absolut nicht schlecht.
    Auch von der Seitenzahl her, war das Buch ein recht kurzes Vergnügen. Der Autor hat den Stoff, den er hatte, eben nicht gekünstelt in die Länge gezogen. In der Kürze lag in dem Fall die Würze...

    Leicht enttäuscht war ich am Ende schon. Ich habe mir eindeutig mehr von der Lektüre versprochen. Die war eben am Ende anders, als ursprünglich gedacht.

    (Auszüge des Textes sind auch auf meiner Website und in meinem Blog zu finden.)
  13. Cover des Buches Der Angstmann (ISBN: 9783862318308)
    Frank Goldammer

    Der Angstmann

     (30)
    Aktuelle Rezension von: Ritja

    Ungeplant habe ich das Hörbuch zur richtigen Zeit gehört.  

    "Der Angstmann“ spielt in Dresden in dem Jahren 1944/1945. Es ist ein Krimi mit einem grausamen Mörder, aber mich hat tatsächlich mehr das "Drumherum" gepackt und nachdenklich zurückgelassen. 

    Frank Goldammer beschreibt die Lebenssituation der Dresdner so genau und so packend, als wäre man mittendrin. Auch und besonders die Bombennacht vom 13. auf den 14. Februar 1945. Die Wucht der Angriffe, die Angst und die Panik der Menschen und die Gefahren, die sowohl in den Kellern als auch im Freien drohten. 

    Es war beklemmend Heikko Deutschmann zuzuhören und doch musste man dranbleiben. Die Beklemmung blieb lange und löste sich erst langsam wieder. Das Leben ging weiter, wenn auch mit noch mehr Abstrichen und noch mehr Trauer und Angst. Auch der Mörder machte weiter und Max Heller hängt sich wieder an ihn dran. Mit Max Heller durch die zerbombten Straßen zu laufen, um einen Mörder zu jagen, war schon etwas eigenartig, wenn man sich bewusst war, dass ringsum hunderte Leichen lagen. Auch sind die Ermittlungsmethoden und –möglichkeiten sehr begrenzt und alles geht mühsamer voran, aber Max Heller ließ sich nicht abbringen und ermittelte fast schon wie besessen.

    Das Hörbuch hatte mich ordentlich nachdenklich zurückgelassen. Die Beschreibungen der Bombennacht, der verschiedenen Charaktere und des grausamen Mörders waren sehr gut und packend. Heikko Deutschmann als Sprecher war (für mich) eine ideale Besetzung. Seine Stimme sorgte für Gänsehaut, für Aufregung und Freude. Ein Hörbuch, welches sich schon aufgrund des geschichtlichen Hintergrundes lohnt.


  14. Cover des Buches Das Adenauer-Komplott (ISBN: 9783839220764)
    Sebastian Thiel

    Das Adenauer-Komplott

     (22)
    Aktuelle Rezension von: TanteGhost

    Man könnte wirklich meinen, dass Sebastian Thiel hier ein Stück Lebensgeschichte von Konrad Adenauer erzählt. Aber…

    Inhalt: Maximilian Engel, ehemaliger hoch dekorierter Flieger des zweiten Weltkriegs lässt sich im Suff gehen und macht Äußerungen, die im herrschenden Regime nicht wirklich gut ankommen. Er wird verhaftet und in einen mehr als menschenunwürdigen Knast gesteckt.
    Im Gefängnis hat er eine Unterredung mit einer mehr als hübschen Frau, die ihm ein Angebot macht, dass er kaum fassen kann. Er, ausgerechnet er, soll einem anderen Mann zur Flucht verhelfen und bekommt am Ende nichts als seine Freiheit dafür.
    Maximilian willigt ein und die Person, der er helfen soll ist niemand anders als Konrad Adenauer. Doch bevor sie frei kommen, erlebt er noch eine sehr harte Zeit in einem Konzentrationslager.
    Am Ende ist es Konrad Adenauer, der Maximilan befreit und ihn dann auch aus Geldnöten befreit, indem er ihn in seinem Stab mit beschäftigt und ihm gutes Geld bezahlt.
    Maximilian lernt die attraktive Frau besser kennen und lieben.
    Die Geschichte zieht sich interessant und sich entwickelnd durch die letzte Zeit des zweiten Weltkrieges und die Jahre des Umbruchs und Aufbaus danach, um am Ende tragisch zu enden.

    Fazit: Mit dem geschichtlichen Hintergrund hat der Haftungsausschluss gleich am Anfang erst einmal aufgeräumt. Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden. Aber alles spielt zumindest in einer sehr interessanten zeit. In die Kriegswirren kann man eine Menge Geschichten hinein schreiben. - Ich habe in jedem Fall auf Spannung gehofft.
    Die Spannung war eine ganz eigene. Der Protagonist ist gleich zu Anfang in Schwierigkeiten geraten. Von Anfang an war ich komplett drin in der Geschichte und von Anfang an wurde ich das Gefühl nicht los, dass ich hier eine wahre Begebenheit lese und nicht irgendeine in die Zeit geschriebene Fiktion. Die ganze Zeit über hatte ich einen farbenfrohen Film in meinem Kopfkino laufen, der mich dann auch richtig gut bei der Stange hat bleiben lassen.
    Zwischendrin wurde es dann ein bisschen ganz arg politisch. Dann hätte das genauso eine Biografie von Adenauer sein können, aber das war es nun einmal nicht. In dieser Phase hat mich dann die kleine Liebesgeschichte bei der Stange gehalten, die dann irgendwann eine sehr dramatische Wende nimmt. Erst ganz am Ende hat sich dann mein Verdacht bestätigt. - Was den Stoff angeht, hat der Autor hier wirklich alle Register gezogen. Weltkriegswirren, junge Liebe, der Vater bzw. Schwiegervater, der die Beziehung nicht will, politischer Umbruch und Neuanfang. Und da rein wurde die Geschichte geschrieben.
    Die Story im Gesamten war sehr interessant und hat mich auf ihre Art gefesselt. Auch wenn dieses politische Gedöns zwischendrin war, hat es mich zwar etwas aufgehalten, aber im Gesamten hat es voll umfänglich in die Geschichte gepasst und ohne diesen Teil wäre die Geschichte ziemlich kurz gewesen, was mich mit Sicherheit auch wieder geärgert hätte.
    Der Stoff war in jedem Fall so gut beschrieben, dass ich die ganze Zeit ein sehr interessantes und echtes Kopfkino vor meinem geistigen Auge hatte. Ich war gefesselt und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht und war auf jeden Fall sehr gut von der Realität abgelenkt. - Das ist für ein Buch immer gut. Alles war leicht zu lesen, gut verständlich, aber eben nicht immer leicht verdaulich. Über die Korruption und das falsche Spiel mancher Protagonisten hätte ich mich stundenlang aufregen können und hätte doch nichts ausgerichtet. - Nur gut, dass das eine ausgedachte Story war. Ansonsten hätte es mir um das Ehepaar mehr als leid getan. Es kann doch nicht sein, dass ein eigener Vater mit seiner Tochter so umgeht. Ein absolutes No-Go!!!

    Ich kann dieses Buch wirklich wärmsten Herzens empfehlen. Nicht nur, dass es einem ein Stück deutsche Geschichte näher bringt in einer ehrlichen Form, wie es ein Geschichtsbuch nie könnte, ist es auch noch spannend geschrieben und lässt es auch an Dramatik, Liebe und Korruption nicht fehlen. - Das ist genau der Stoff, aus dem Kriminalromane sein sollten.

  15. Cover des Buches Die Frauen von der Purpurküste – Julies Entscheidung (ISBN: 9783548062129)
    Silke Ziegler

    Die Frauen von der Purpurküste – Julies Entscheidung

     (41)
    Aktuelle Rezension von: peedee

    Die Frauen von der Purpurküste, Band 2: Lara fühlt sich verloren – ihre Mutter ist nach langer Krankheit verstorben, ihr Vater ist ihr nicht bekannt und ihr Freund hat sie betrogen. Und dann verliert sie auch noch ihren Job! Ihre Mutter hat einst in Südfrankreich als Au-Pair gearbeitet und ist danach überstürzt abgereist. Ein paar Monate später kam Lara auf die Welt. Was ist passiert? Lara will auf Spurensuche nach Collioure fahren; ihre Oma begleitet sie in deren alte Heimat. Dort lernt sie Félix kennen, den ihre Mutter als Au-Pair betreut hat. Collioure hat jedoch noch mehr Überraschungen auf Lager…

    Erster Eindruck: Ein farbenfrohes Cover mit der Crêperie und einer wunderbaren Aussicht – gefällt mir.

    Dies ist Band 2 der Reihe, kann aber unabhängig vom Vorgängerband gelesen werden. Die Geschichte spielt auf mehreren Zeitebenen: im Jahr 1944, in einer nicht datierten Zeit in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Der Wechsel war jeweils sehr gut erkennbar.

    Lara steht vor einem grossen Scherbenhaufen und weiss nicht, wie sie damit umgehen soll. Freund weg – betrogen mit der ehemals besten Freundin –, Mutter verstorben und nun erhält sie auch noch die Kündigung als Kulturhistorikerin, da die Galerie, für die sie arbeitete, vor dem Konkurs steht. Was soll Lara nun machen? Geeignete Jobs sind nicht wie Sand am Meer zu finden. Doch genau dorthin, ans Meer, fährt sie nun mit ihrer Grossmutter. Sie will versuchen, ihren Vater zu finden. Sie weiss, dass sie nach dem Nadel im Heuhaufen suchen wird, aber sie will es trotzdem versuchen. Im Haus der Oma findet Lara eine kurze Notiz von einer ihr nicht bekannten Julie. Ihre Oma Béatrice ist geschockt, denn es ist eine Notiz ihrer älteren Schwester Julie, deren Verbleib seit 1944 unbekannt war. Was ist aus Julie geworden? Kann nach so vielen Jahren überhaupt noch etwas herausgefunden werden? Lara trifft den smarten Meeresbiologen Félix kennen. Sie mag ihn sehr, will sich aber auf keine neue Beziehung einlassen. Nun gut, wer hat den gleich von Beziehung gesprochen? Félix möchte sie gerne näher kennenlernen.
    Die Grosseltern von Lara haben mir sehr gefallen. Die Oma wollte Lara unbedingt auf der Reise nach Collioure begleiten, da sie kurzum achtzig Jahre alt werden würde und es vielleicht der letzte Aufenthalt in ihrer alten Heimat sein würde. Es konnte niemand wissen, dass es für sie derart aufwühlend werden würde.

    Verlust, Trauer, Zweiter Weltkrieg, Liebe und Hoffnung – dies sind einige der behandelten Stichworte. Die Auflösung der Geschichte hat sich früh abgezeichnet, enthielt aber doch noch eine kleine Überraschung. Eine sehr berührende Geschichte... Ich freue mich auf den nächsten Band dieser Reihe.

  16. Cover des Buches Die fünfte Frau (ISBN: 9783423212175)
    Henning Mankell

    Die fünfte Frau

     (718)
    Aktuelle Rezension von: Hellena92
    Wallander soll die brutalen Morde an fünf Männern - alles scheinbar achtbare Bürger - aufklären. Wallanders siebter Fall

    Bei der Mordserie, die Kurt Wallander gerade aufzuklären hat, kann es selbst erfahrenen Polizisten kalt den Rücken hinunterlaufen: Einen alten Mann findet man in einer Pfahlgrube aufgespießt, einen anderen halbverhungert, beinahe nackt an einen Baum gebunden und erwürgt. Ein dritter wurde in einem mit Steinen beschwerten Sack in einem See ertränkt.

    Die Opfer scheinen auf den ersten Blick achtbare Bürger gewesen zu sein, doch stellt sich bei genaueren Nachforschungen sehr bald heraus, daß auch sie Frauen grausam mißhandelt haben. Wenn nun aber der Mord die Rache eines Opfers an Mördern und Vergewaltigern ist, muß Wallander sich beeilen, bevor das nächste, noch grausamere Verbrechen geschieht ...

    In diesem Fall wird es richtig unheimlich! Ein Roman über Rache, Angst und Brutalität. Der Schreibstil des Autors ist wieder fesselnd und auch wenn ich den Roman vor einigen Jahren gelesen habe, so kann ich mich immer noch haargenau an den Inhalt erinnern.
  17. Cover des Buches Faro (ISBN: B009SZR5C4)
    Ole R. Börgdahl

    Faro

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Michael Stromm ist „Torpedo-Mixer“ auf dem U-810 als es von den Alliierten vor den Kanarischen Inseln versenkt wird. Zusammen mit dem schwer verletzten Kaleun gelingt es ihm, in Schlauchboot zu ergattern. Michael hat Glück, er überlebt und wird vom Leuchtturmwärter von Faro, Paulus, gefunden, während Sieber tot an Land gespült wird. Paulus versorgt gemeinsam mit Serina den Verletzten, beschafft ihm falsche Papiere und gibt ihn als schwedischen Neffen aus. Die Ruhe ist trügerisch, denn das neutrale Spanien leidet unter der Diktatur Francos, dessen seinerzeitige Machtübernahme von den Hitler unterstützt worden ist. Es kommt, wie es kommen muss: Zum einen verliebt sich Michael in Serina und zum anderen wird er verraten und liefert sich mit den deutschen Spionen einen gewaltigen Schusswechsel, dem er mit knapper Not entkommt. 

    Jahre später treffen sich Serina und Michael bei Paulus‘ Begräbnis wieder und beschließen, nach Argentinien zu reisen. Was dann folgt, ist eine wilde Hatz auf Leben und Tod durch Argentinien und Chile führt, denn Michael ist noch immer in Besitz jener Dokumente, die seinerzeit der Kaleun Sieber mit sich geführt hat.  

    Meine Meinung: 

    Dieser fesselnd erzählte historische Roman zeugt von akribischer Recherche des Autors. Hier kommen fasst alle Lesergruppen auf ihre Rechnung: die U-Boot-Fans, die das Leben und die Arbeit auf den Stahlkolossen faszinierend finden, jene die, die Gedanken eines einfachen Mechanikers zum NS-Regime kennenlernen wollen, jene, die auf rasante Verfolgungsjagden und Verschwörungstheorien nicht verzichten wollen und, ein bisschen Liebesgeschichte (aber nur andeutungsweise). Diese unterschiedlichen Gruppen unter einen Hut, zu bringen, ist eine große Kunst. 

    Der Arbeitsalltag auf einem U-Boot ist detailliert beschrieben. Man kann förmlich die Enge spüren und den Geruch von Diesel und Schmierfett sowie die ungewaschenen Körper der Mannschaft riechen.  

    Auch die Stimmung und die historischen Details aus dem Spanien von 1943 sind elegant in die Handlung verwoben. Obwohl einige vermuten oder sogar wissen, dass Michael Deutscher ist, dauert es recht lange, bis er verraten wird. 

    Die Zeitspanne zwischen dem Verrat und dem Wiedersehen ist mir - vor allem in Hinblick auf die sonstige detailreiche Schreibweise des Autors - ein wenig ins Hintertreffen geraten. Da hätte ich mir schon ein paar Informationen mehr erwartet. Sieben Jahre sind eine lange Zeit, in der sowohl Michael als auch Serina viel erlebt haben (müssen). 

    Den Entschluss, nach Argentinien zu fahren, um die nun endlich geöffneten Papiere von Kaleun Sieber zu überprüfen, finde ich grundsätzlich in Ordnung. Ich persönlich hätte schon viel früher die Dokumente angesehen. Interessant ist auch hier, die Einbettung in die politischen Gegebenheiten (Juan Peron ist Dikataor, Eva Perons Tod) und die vielen Auswanderer aus Deutschland. Das Netzwerk der NS-Zeit besteht nach wie vor und dass sich Michael und Serina darin verstricken, ist auch gut dargestellt. Lediglich die Verfolgungsjagden in Eis und Schnee empfinde ich ein wenig zu dick aufgetragen. Dass Südamerika ein Sammelbecken für Faschisten aller Art war, ist ja belegt und mir bekennt. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass viele NS-Bonzen die selben Fluchtrouten benutzten, die zuvor die verfolgten Juden benutzt haben. 

    Sehr gut sind die Charaktere gelungen, vor allem Michael Stromm, dessen Wandlung vom Saulus zum Paulus nachvollziehbar ist. Der Torpedomechaniker ist ein Kind seiner Zeit, aufgewachsen mit der Indoktrination der NS-Propaganda erkennt er erst auf Maspalomas, beim Hören von BBC und die Ansprachen von Thomas Mann, dass im Deutschen Reich nicht alles so ist, wie es Goebbels & Co. darstellen. Oder der Leuchtturmwärter Paulus (Warum heißt der nicht Pablo?) und Serina, die beide nichts mit dem faschistischen Franco-Regime zu tun haben wollen - glaubhaft gezeichnet. Ich kann sie mir gut vorstellen, diese Serina, die mit ihrem Buick auf der Insel herumfährt (hier habe ich immer Sophia Loren im Kopf).  

    Die fehlenden Jahre zwischen Verrat und Wiedersehen sowie die, für mich James-Bond-artige Schnitzeljagd in Argentinien kosten den 5. Stern. 

    Fazit:

    Ein fesselnder historischer Krimi, der wie schon beschrieben, mehrere Zielgruppen anspricht. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

     

  18. Cover des Buches Finsterau (ISBN: 9783423214964)
    Andrea Maria Schenkel

    Finsterau

     (85)
    Aktuelle Rezension von: Mrs. Dalloway

    So kurz das Buch ist, so gut ist es auch. Ich mag das Setting und die Zeit in der es spielt. Ich kann mir die Armut der Zauner Familie sehr gut vorstellen und die Spannung ist durchweg vorhanden, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Die Stimmung ist durch und durch bedrückend - sehr atmosphärisch.

  19. Cover des Buches Die Toten von Paris (ISBN: 9783404176847)
    Michelle Cordier

    Die Toten von Paris

     (23)
    Aktuelle Rezension von: Bouquiniste
    Worum geht es

    1944, nach der Befreiung Paris durch die Alliierten tritt Inspektor Jean Ricolet seinen neuen Posten bei der Pariser Kriminalpolizei an. Kurz darauf muss er im Todesfall eines unbekannten Deutschen ermitteln. Gegen den Wunsch seines Chefs legt er den Fall nicht zu den Akten und sucht heimlich weiter nach Hinweisen. Die Spuren führen ihn zur schönen Pauline und einem verschwunden Gemälde. Eine Jagd nach dem Mörder und dem Bild durch ganz Paris beginnt.

    Was ich über das Buch denke

    Dieses Buch gehört zu der Sorte, wo man bereits auf der ersten Seite mitten in der Handlung steckt und es von da an durchgehend interessant bleibt. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft. Es kommen häufig kurze, relativ gängige französische Floskeln in den Sätzen vor. Da ich Französisch spreche, stört es mich nicht, im Gegenteil, es gibt der Geschichte den entsprechenden französischen Anklang. Für jemanden der kein Französisch spricht, könnte es eventuell den Lesefluss leicht stören.

    Inspektor Jean Ricolet ist eine sympathische Figur. Er kommt vom Land und ist zum ersten Mal in seinem Leben in der französischen Hauptstadt. Ein wenig unsicher zu Anfang und etwas eingeschüchtert von Paris, gewinnt er bald ein gesundes Selbstbewusstsein. Er besitzt einen guten Menschenverstand und lässt sich nicht durch Vorurteile beeinflussen. Beruflich könnte man ihn fast als ein wenig übereifrig sehen, wenn er nicht gleichzeitig eine ausgeprägte Loyalität gegenüber seinen Kollegen und eine gewisse Bescheidenheit an den Tag legen würde. Ein guter Charakter ohne große Ecken und Kanten. Bis zum Ende des Buch hat er nur eine kleine Weiterentwicklung durchlaufen. Sollte es einen zweiten Fall für Monsieur Ricolet geben, würde ich mir noch ein wenig mehr Tiefe bei ihm wünschen.

    Ricolet gegenüber steht die weibliche Hauptperson des Buches – Pauline Drucrat. Sie ist Kunststudentin und musste zuvor für die Deutschen als Expertin arbeiten, um wertvolle Kunst aus Frankreich heraus, nach Deutschland zu schaffen. Gleichzeitig war sie jedoch für die Resistance tätig. Bei ihrer Arbeit stößt sie auf ein wertvolles Gemälde von Raffael, das einst ihrer Familie gehörte. Mit der Befreiung Paris verliert sie die Spur des Bildes. Da der Mord scheinbar mit dem verschwundenen Raffael zu tun hat, bekommt sie die Möglichkeit über die polizeilichen Ermittlungen, das Gemälde weiter zu suchen. Sie gerät in einen Gewissenskonflikt zwischen ihren Gefühlen für Ricolet und ihrem persönlichen Interesse an dem Fall. Dies lässt ihre Figur facettenreicher erscheinen.Die Geschichte begleitet abwechselnd Pauline und Ricolet, was eine gute Erzähltechnik ist, um die Spannung zu steigern.

    Das Buch ist für mich ein klassischer Kriminalroman mit einem guten Plot, aber auch nicht mehr. Manchmal war es ein wenig wie Räuber und Gendarme und ich musste teilweise sogar nachsichtig schmunzeln.
    Was ich wiederum als sehr gut gelungen empfunden habe, ist das Einbetten der Handlung in die Zeit nach der Befreiung Paris. Die Autorin stellt sehr gut die Konflikte der französischen Bevölkerung nach dem Abzug der Deutschen heraus. Wer mit den Deutschen zusammen gearbeitet hat, ist jetzt ein Kollaborateur, egal ob diese Zusammenarbeit freiwillig stattgefunden hat oder nicht. Diejenigen, die noch zuvor mit dem Gutheißen der Vichy-Regierung Mitglieder der Resistance gejagt haben, müssen nun selber fliehen. Frankreich ist ohne Regierung und muss sich neu organisieren. Es zeigt ein wenig die zwei unterschiedlichen politischen Haltungen, die von Franzosen während des 2. Weltkrieges eingenommen wurden.

    Mein Fazit

    Die Toten von Paris ist ein unterhaltsamer Kriminalroman mit französischem Flair. Die Geschichte ist flüssig erzählt und hat ihren Reiz. Wer absolute Spannung und psychologische Ermittlungsarbeit sucht, ist hier jedoch falsch.

    Eine gute Krimilektüre für entspannte Stunden.

     

  20. Cover des Buches Animal Farm (ISBN: 9781440455865)
    George Orwell

    Animal Farm

     (314)
    Aktuelle Rezension von: nana_what_else


    „ALL ANIMALS ARE EQUAL. BUT SOME ANIMALS ARE MORE EQUAL THAN OTHERS.“
    aus: Animal Farm von George Orwell. Textrechte: Penguin, Seite 90.


    Klappentext: Mr. Jones of Manor Farm is so lazy and drunken that one day he forgets to feed his livestock. The ensuing rebellion under the leadership of the pigs Napoleon and Snowball leads to the animals taking over the farm. Vowing to eliminate the terrible inequities of the farmyard, the renamed Animal Farm is organized to benefit all who walk on four legs. But as time passes, the ideals of the rebellion are corrupted, then forgotten. And something new and unexpected emerges …

    Animal Farm – the history of a revolution that went wrong – is George Orwell’s brilliant satire on the corrupting influence of power.


    Persönlicher Leseeindruck: Ich weiß nicht, ob es Pech ist oder ein riesengroßes Glück, dass ich Animal Farm nicht als Schullektüre vorgesetzt bekam. Einerseits wünschte ich mir, ich hätte diese Büchlein schon vor Jahren gelesen, andererseits bin ich froh darüber, dass ich es ganz für mich lesen und wirken lassen durfte.


    Auf Manor Farm werden die fleißigen Tiere ausgebeutet, unterdrückt, vernachlässigt. Als der Farmer Jones eines Tages im Suff schließlich sogar vergisst, seine geschundenen Tiere zu füttern, ist für diese klar: So geht es nicht weiter, es ist Zeit zu handeln. Sie stehen solidarisch zusammen und organisieren sich, um Jones zu vertreiben und die Farm zu übernehmen, um in Zukunft selbst die Früchte ihrer harten Arbeit zu ernten und die Fesseln der Unterdrückung ein für allemal zu sprengen.

    Die Regeln ihrer Gemeinschaft gründen auf Gleichheit, Solidarität und Fairness. Während ihre Revolution zu Beginn erfolgreich zu sein scheint, beginnen die Schweine immer und immer mehr die Charakterzüge ihrer einstigen Unterdrücker anzunehmen, werden immer „menschlicher“, immer skrupelloser und treten das Gebot der Gleichheit schließlich mit Füßen.

    Schließlich kommt es, wie es kommen muss – die Revolution frisst ihre eigenen Kinder.


    „Now, comrades, what is the nature of this life of ours? Let us face it, our lives are miserable, laborious and short. We are born, we are given just so much food as will keep the breath in our bodies, and those of us who are capable of it are forced to work to the last atom of our strength; and the very instant that our usefulness has come to an end we are slaughtered with hideous cruelty. […] The life of an animal is misery and slavery: that is the plain truth.“
    aus: Animal Farm von George Orwell. Textrechte: Penguin, Seite 3.


    Bereits 1945 erschienen, hat der Text bis heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt, im Gegenteil: Er veranschaulicht auf einzigartige Weise das sich stete Wiederholen revolutionärer Akte, die von Hoffnung auf eine bessere Zukunft befeuert und Solidarität getragen zunächst Erfolg versprechen, sich jedoch in ihr Gegenteil verkehren und schlussendlich in Despotismus enden.

    Während des Lesens wird man – trotz der Einfachheit der Sprache – beinahe erschlagen von den Lesarten, die der Text anbietet und den Eindrücken, die damit einhergehen.

    Die berühmteste Interpretation der Fabel ist sicher jene, dass Animal Farm als Parabel für die Geschichte der Sowjetunion gelesen werden kann – von der Unterdrückung der Bürger hin zu Revolutionen, zur Entwicklung des Kommunismus und dem Einmünden aller hoffnungsfrohen Bestrebungen in eine paranoide Gewaltherrschaft, deren Gesicht Stalin war. Spannend sind dabei die Zuordnungen der Figuren zu historischen Persönlichkeiten, Gesellschaftsschichten oder Ereignissen, die teilweise bereits durch die sprechenden Namen der Vierbeiner angedeutet werden.

    Animal Farm ist jedoch unglaublich vielschichtig und verhandelt auf verschiedenen Diskursebenen Fragen der Moral und Ethik. Da schwingen Fragen mit über die Unantastbarkeit der (Menschen-)Würde, den Wert des Einzelnen in einer Gesellschaft, in der das Konzept der Gleichheit zweckinstrumentalisiert wird, über Freiheit und sehr reale aber dystopisch wirkendeWirtschafts- und Regierungssysteme.

    Sprache und Struktur der Fabel sind einfach gestrickt, ihre Komplexität wird erst deutlich, wenn man beginnt, die Allegorien aufzudröseln, den Entstehungskontext unter die Lupe zu nehmen und den Text auch in seiner Aktualität wirken zu lassen.

    Für mich bot der Text nicht nur aufgrund seiner politischen Aufgeladenheit jede Menge Denkstoff. Auch die implizit verhandelte Dialektik von Tierischem und Menschlichem beschäftigte mich noch lange. Unterstellt man jemandem „unmenschlich“ zu handeln, so attestiert man ihm meist ein Fehlen von Empathie und moralischer Geleitetheit. Dass in dem Buch dieses Konzept immer und immer wieder verkehrt wird, das Tierische für Würde, das Menschliche für Korrumpierbarkeit steht – so verlieren die Schweine peu à peu all ihre Integrität, in dem sie sich nach und nach menschliche Charakterzüge und Handlungsweisen aneignen – lädt gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Selbstüberhöhung des Menschen über Flora und Fauna (zum Glück, endlich!) international diskutiert wird, zu noch ein wenig mehr Selbstreflexion ein.


    „The creatures outside looked from pig to man, and from man to pig, and from pig to man again: but already it was impossible to say which was which.“
    aus: Animal Farm von George Orwell. Textrechte: Penguin, Seite 95.


    Als Manko dieser Penguin-Ausgabe sei noch kurz erwähnt, dass in ihr das Vorwort, das bereits 1945 der Zensur zum Opfer fiel (ironisch, da in ihm die Pressefreiheit verhandelt wird), nicht abgedruckt ist.

    Fazit: Animal Farm ist ein kurzer Text, aber einer, der es in sich hat. Die Fabel vereint so viele Bedeutungsschichten und lässt im Spannungsfeld ihrer Historizität und Aktualität so viele Lesarten zu, dass es sich lohnt, sie auch ein zweites oder drittes Mal zu lesen: Genügend zu entdecken gibt es auf jeden Fall.

  21. Cover des Buches Die Nadel (ISBN: 9783898970983)
    Ken Follett

    Die Nadel

     (592)
    Aktuelle Rezension von: BuecherwurmNZ

    Die Geschichte wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt. Zum einen natürlich aus der Sicht des Spions Henry Faber, bekannt als „Die Nadel“. Sehr schön erfährt man hier, wie das Leben eines Spiones ist. Henry Faber spielt immer eine Rolle, um nicht aufzufliegen. Dabei geht er sehr überlegt vor und ist sehr vorsichtig, weshalb er besser ist als andere deutsche Spione in England. Wird er entdeckt oder besteht auch nur der Verdacht, tötet er die betreffenden Personen.
    Zum anderen gibt es auch die Sicht der zwei Agenten Godliman und Bloggs, die deutsche Spione in England aufdecken wollen. Sie kommen auf Henrys Spur und versuchen ihn zu fassen, bevor er die wichtige Information über die Täuschung der Engländer an Hitler weitergeben kann.
     Zudem gibt es zu Beginn ein paar Kapitel aus Sicht einer Frau, Lucy, die aber erst später wieder eine Rolle spielen wird, und gegen Ende des Buches einige Kapitel, die Besprechungen Hitlers mit einigen Generälen erzählen, was für mich nicht hätte sein müssen. Ich fand es schwer, diese zu lesen.

    Zu diesem Buch kann man nicht viel sagen, nur, dass es wahnsinnig spannend ist. Und das durchgehend. Man taucht zunächst in Henrys Welt mit seinen aufgebauten Identitäten ein. Als er das Täuschungsmanöver der Briten entdeckt, beginnt seine gefährliche Reise nach Deutschland. Diese ist an sich schon sehr spannend und es wird noch nervenaufreibender, weil man die beiden englischen Agenten dabei begleitet, wie sie Faber fangen wollen und den Stand ihrer Ermittlungen und Vermutungen erfährt. Am Ende des Buches steigt die Spannung noch weiter an, als es zum großen Schowdown kommt.

    Fazit

    Ein unglaublich spannender Thriller über den Spion „Die Nadel“ zur Zeit des zweiten Weltkrieges. 

  22. Cover des Buches Der englische Patient (ISBN: 9783446248298)
    Michael Ondaatje

    Der englische Patient

     (235)
    Aktuelle Rezension von: angioletta

    Als "Der englische Patient" in den Kinos lief, sah ich ihn mir gleich drei Mal an, weil mich die verzwickte Story so faszinierte. Jetzt, fast 25 Jahre später, habe ich endlich das Buch gelesen, welches die Vorlage dieses Films bildete.

    Dieses Buch hatte vor Minghella als "unverfilmbar" gegolten - und jetzt weiß ich endlich auch, wieso... ;)
    Denn Ondaatje's Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Er erklärt nicht; er wirft die Leser*innen in eine bestimmte Situation, beschreibt ausführlich scheinbar unwichtige Details, er springt willkürlich zwischen Zeiten und Personen umher. Er überlässt es ganz ihnen, die Zusammenhänge herzustellen und Vorkommnisse zu interpretieren; er fordert seine Leserschaft somit aufs äußerste. Ich verstehe Jede*n, der Ondaatje nicht ganz folgen kann. Ich bin zu Beginn sehr froh gewesen, durch den Film wenigstens eine Ahnung zu haben, wo in der Erzählung ich mich gerade befinde.

    Mit der Überwindung der ersten Verständnishürden werde ich jedoch belohnt mit einer sprach- und bildgewaltigen Story, die mich - ganz wie der Film - mit seiner Komplexität zu verzaubern weiß. Vielschichtig untersucht der Autor, wie Menschen mit dem Leben und mit dem Sterben umgehen, was der Krieg mit ihnen macht, wie sie ihren Halt in den "schönen Künsten" finden. Und natürlich der Liebe. Wobei der Klappentext mit "Der ergreifendste Liebesfilm seit Casablanca" in meinen Augen völlig daneben liegt. Die Liebe spielt eine Rolle, aber nicht die einzige. Und welche Liebesgeschichte ergreifender ist, die zwischen Almàsy und Katherine oder die zwischen Hana und Kip, das muss wohl die Leserschaft einmal mehr selbst entscheiden.
    Hier ergibt sich wohl auch der tiefgreifendste Unterschied zwischen dem Film und dem Buch: Während der Film den Schwerpunkt auf Almàsy und Katherine legt, bekommen Hana und Kip im Buch viel bedeutendere Rollen zugeteilt. Gerade die Figur Hana hat für mich durch die Lektüre schwer dazugewonnen. Sie ist vom Krieg auf eine tragische Weise gekennzeichnet. "Sie war ihren Pflichten weiterhin nachgekommen, während sie heimlich ihr Ich zurückzog. So viele Krankenschwestern waren zu seelisch gestörten Dienerinnen des Kriegs geworden, in ihren gelb-und-karmesinroten Uniformen mit Hornknöpfen." (S. 195)

    Leider gab es ein paar Erzählsprengsel, die ich auch jetzt noch nicht richtig ein- und zuordnen kann, weshalb es trotz der gewichtigen Themen, den außergewöhnlichen Figuren und der reichen Sprache nicht fünf Sterne geworden sind für diese intensive Kost.
    Keine leichte Lektüre, aber eine, die nachhallt.

  23. Cover des Buches Fiktionen (ISBN: 9783596105816)
    Jorge Luis Borges

    Fiktionen

     (48)
    Aktuelle Rezension von: Lesebiber
    Borges ist wohl einer der ausgeklügelten Autoren des 20. Jahrhunderts. Laut eigener Aussage "unfähig" einen Roman zu verfassen, hat Borges mit seinen Kurzgeschichten und Essays die Weltliteratur dennoch unsagbaren Ausmaßes bereichert. Wer die "Fiktionen" noch nicht kennt darf sich mehr als glücklich schätzen, eine solche Perle noch vor sich zu haben. Unbedingt lesen!
  24. Cover des Buches Wer übrig bleibt, hat recht (ISBN: 9783423208505)
    Richard Birkefeld

    Wer übrig bleibt, hat recht

     (21)
    Aktuelle Rezension von: TheSilencer
    Berlin, 1944. Während die Alliierten vorrücken und Berlin in Schutt und Asche legen, haben zwei Männer ihr Schicksal zu meistern.

    Der eine war ein überzeugter Nationalsozialist, bis er wegen einer Führer-Beleidigung selbst in jene Lager wanderte, von denen man nur hinter vorgehaltener Hand erzählt. Als Bomben sein Straflager zerstören, kann Ruprecht Haas fliehen und macht sich auf in seine alte Heimat Berlin, die er nicht wiederkennt. Die Suche nach seiner Frau und seinem Sohn und dem Denunzianten, der ihm zehn Jahre nicht überlebbares Straflager einbrachte, erwecken in ihm das Tier.

    Der andere ist ein zweifelnder SS-Offizier. Vor dem Krieg war er Kriminalbeamter und als solches wird er aus einem Kriegslazareth nach Berlin geholt, um eine Mordserie aufzuklären. Während er mit seiner eigenen Verantwortung hadert und den Endsieg längst aufgegeben hat, manipuliert er seine Ermittlungsergebnisse, die den Täter längst aufzeigen, ihn nach Abschluß aber wieder an die Front schicken würden. Und Kalterer möchte auch noch die Gelegenheit in Berlin nutzen, seine Ehefrau zurückzugewinnen, die sich von ihm trennte, als sie von den Greueltaten der SS erfuhr.

    Beide Wege treffen sich irgendwann. Jedoch völlig anders als erwartet.

    Das Autoren-Duo Birkefeld & Hachmeister liefern keinen geschichtsschuldigen Roman ab, sondern machen ihn zu einem Stück Zeitgeschichte. Das Grauen der Braunen ist spürbar, genauso wie die drohende Strafe, ergibt man sich nicht dem Endsieg-Gespenst.

    Fesselnd, realistisch - der Fliegeralarm ist hörbar.

    Ein Muß für jene, denen Erzählungen der Eltern und Großeltern nicht ausreichen. Das passende Mittelstück zwischen Robert Merles Der Tod ist mein Beruf und Pierre Freis Onkel Toms Hütte, Berlin.

    Von den beiden Autoren ist 2009 ein weiterer Krimi erschienen, dieser spielt in der Weimarer Republik: Deutsche Meisterschaft.

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