Bücher mit dem Tag "19.jahrhundert"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "19.jahrhundert" gekennzeichnet haben.

71 Bücher

  1. Cover des Buches Emily Brontë, Sturmhöhe. Vollständige Ausgabe des englischen Klassikers. Schmuckausgabe mit Goldprägung (ISBN: 9783730612835)
    Emily Brontë

    Emily Brontë, Sturmhöhe. Vollständige Ausgabe des englischen Klassikers. Schmuckausgabe mit Goldprägung

    (2.045)
    Aktuelle Rezension von: Neuni

    Sturmhöhe von Emily Bronte ist wohl der ungewöhnliches Roman des viktorianischen Zeitalters in Englands. In der einer düstere Moorlandschaft entwickelt sich ein Familiendrama, das Bosheit, Schwäche, Krankheit und Tod thematisiert. Trotz einiger Elemente einer Gothic novel ist der Roman doch realistische mit einer eindringliche Beschreibung der Charaktere und vieler alltäglicher Details.

  2. Cover des Buches Buddenbrooks (ISBN: 9783596712731)
    Thomas Mann

    Buddenbrooks

    (2.422)
    Aktuelle Rezension von: eight_butterflies

    Thomas Manns „Die Buddenbrooks“ ist weit mehr als nur die Geschichte einer Lübecker Kaufmannsfamilie. Es ist ein fein gewebtes Panorama des bürgerlichen Lebens um die Mitte des 19. Jahrhunderts und zugleich ein psychologisch präzises Porträt des langsamen, unausweichlichen Verfalls.

    Von den ersten Seiten an spürt man den Reichtum an Details, die festlichen Tafeln, das solide Geschäft, die scheinbar unerschütterlichen Werte der Familie. Doch unter der Oberfläche arbeitet bereits die wirtschaftliche, gesellschaftliche, vor allem aber innerliche Erosion. Mit jeder Generation verlieren die Buddenbrooks ein Stück ihrer Kraft, ihrer Lust am Leben, ihrer Fähigkeit, den eigenen Anspruch zu tragen.

    Thomas Mann schreibt mit einer Mischung aus ironischer Distanz und tiefer Empathie. Die Figuren sind lebendig, mit Eigenheiten und Widersprüchen, die man nicht vergisst. Der ehrgeizige, aber zermürbte Thomas. Der lebenslustige Christian, der sich dem Ernst verweigert. Die willensstarke Tony, die zwischen Familienpflicht und persönlichem Glück zerrieben wird.

    Der Roman ist stellenweise ausufernd. Mann nimmt sich Zeit für Gesellschaftsszenen, Geschäftsprotokolle, ausführliche Dialoge. Wer bereit ist, sich diesem gemessenen Erzählrhythmus zu überlassen, wird jedoch belohnt mit einer Sprachkunst, die Beobachtungen so präzise setzt wie Pinselstriche in einem Gemälde.

    Für mich ist „Die Buddenbrooks“ ein Buch, das weniger durch dramatische Höhepunkte fesselt als durch seine stille Konsequenz. Der Niedergang wirkt nicht wie eine Katastrophe, sondern wie etwas Naturgegebenes, so leise wie der Wechsel der Jahreszeiten und doch unausweichlich.


  3. Cover des Buches Animant Crumbs Staubchronik (ISBN: 9783959913935)
    Lin Rina

    Animant Crumbs Staubchronik

    (1.196)
    Aktuelle Rezension von: Kaci

    Mein erstes Highlight im neuen Jahr! Animant Crumbs Staubchronik ist ein wunderschöner, ruhiger und unglaublich cozy Roman – perfekt für gemütliche Lesestunden mit Tee und Decke. Die Geschichte lebt von ihrer Atmosphäre, von Büchern, Bibliotheken und einer wunderbar eigensinnigen Protagonistin, die man einfach mögen muss.

    Der Slow Burn ist sehr sanft und leise, aber nie langweilig. Auch wenn ich mich auf den ersten rund 100 Seiten öfter gefragt habe, was eigentlich der rote Faden der Geschichte ist, hat mich das Buch trotzdem getragen – durch Animants Gedankenwelt, ihren trockenen Humor und das liebevolle Setting.

    Gegen Ende wird es dann deutlich dramatischer, fast schon überraschend intensiv. Hier ging mir das Finale allerdings etwas zu schnell, vor allem im Vergleich zu den vielen Entwicklungen der letzten Seiten. Trotzdem bleibt ein rundum schönes Leseerlebnis zurück.

    Für mich ein echtes Wohlfühlbuch mit Charme, Herz und literarischer Seele. 4,5 Sterne ⭐⭐⭐⭐✨ – und ich freue mich sehr darauf, mit Animants Welt und Elisa Hemmiltons Kofferkrimi noch länger in dieser Welt zu bleiben.

  4. Cover des Buches Jane Eyre (ISBN: 9783966375146)
    Charlotte Brontë

    Jane Eyre

    (1.413)
    Aktuelle Rezension von: calidocreates

    Jane Eyre beeindruckt mit gesellschaftskritischen Botschaften und einer mutigen Protagonistin, die sich gegen die Konventionen ihrer Zeit stellt, konnte mich aber nicht komplett abholen. Dennoch verdient das Werk Anerkennung für seine kritische Auseinandersetzung mit sozialen Ungerechtigkeiten und der Rolle der Frau in einer patriarchalen Gesellschaft. Ein guter Roman, der jedoch nicht zu den persönlichen Favoriten zählt.

  5. Cover des Buches Der Untertan (ISBN: 9783988289858)
    Heinrich Mann

    Der Untertan

    (387)
    Aktuelle Rezension von: Timo_Janca

    In seinem Hauptwerk seziert Heinrich Mann den unter Kaiser Wilhelm II. aufgekommenen Nationalsozialismus. Der Werdegang Diederichs berührt entwicklungspsychologische Aspekte ein, welche aus einem Außenseiter einen überzeugten Nationalisten entstehen lassen. Der absurde Widerspruch zwischen beanspruchter Moralität und tatsächlichem Handeln wird mit bissigem Humor vorgeführt. Die durchlässige Grenze aus endlosem Egoismus, persönlicher Bereicherung, Ausnutzen anderer und zugleich bedingungsloser Unterwerfung unter die Macht eines Stärkeren verdeutlicht fatale Automatismen, welche bis heute in Gesellschaften wirken. Ein zentrales Werk zur politisches Aufklärung. 

  6. Cover des Buches Überredung: Roman (Reclam Taschenbuch) (ISBN: 9783159609782)
    Jane Austen

    Überredung: Roman (Reclam Taschenbuch)

    (103)
    Aktuelle Rezension von: gosureviews

    Jane Austens Überredung ist jenes seltene Spätwerk, in dem eine Autorin ihre eigene Poetik noch einmal auf links zieht und dabei eine fast schmerzhafte Klarheit über das menschliche Herz gewinnt. Wer Austen bislang vor allem mit funkelnder Ironie, gesellschaftlicher Spitzfindigkeit und jugendlicher Emphase verbindet, erlebt hier eine Überraschung: Überredung ist leiser, reifer, tiefer und von einer melancholischen Temperatur, die man eher einem Roman des 20. Jahrhunderts zutrauen würde als einer Regency-Komödie. Es ist, als spüre man hinter jedem Satz das Wissen um das unausweichliche Verstreichen von Zeit, um verpasste Chancen und um die Last einer Gesellschaft, die Menschen erst definiert und dann gefangen hält.

    Im Zentrum steht Anne Elliot, eine Figur, die mit einer fast grausamen Behutsamkeit gezeichnet wird. Sie tritt nicht auf, sie verblasst. Und doch besitzt sie eine geistige Statur, die in Austens Oeuvre ihresgleichen sucht. Diese Frau, die schon mit siebenundzwanzig als soziale Antiquität betrachtet wird, ist das stille Kraftzentrum des Romans. Anne ist verletzbar, aber nie schwach. Sie ist übergangen, aber nicht leer. Sie trägt eine innere Welt in sich, die ihr Umfeld nicht einmal erahnt, und gerade diese Diskrepanz macht sie so modern. Selten hat Austen die Einsamkeit innerhalb einer Familie so präzise entlarvt. Die Elliots sind ein einziger Egoschwarm, brütend über Statusfantasien, blind für die menschliche Qualität direkt vor ihren Augen. Man begreift rasch, dass Anne weniger unter einer gescheiterten Liebe leidet als unter einem Milieu, das die eigene Tochter wie eine lästige Randnotiz behandelt.

    Und dann ist da Frederick Wentworth, jener verlorene und wiederkehrende Stern, dessen Erscheinen die tektonischen Spannungen des Romans freilegt. Austen schildert die Wiederbegegnung dieser beiden Menschen mit einer meisterlichen Mischung aus Zurückhaltung und emotionaler Präzision. Kein großes Pathos, stattdessen ein wortarmes Neben- und Gegeneinander, das mehr über Sehnsucht erzählt als ganze Trilogien. Man spürt: Diese Liebe hat ein Gedächtnis. Sie hat beiden wehgetan und beide geprägt. Sie hat die Jahre überlebt, aber nicht unbeschadet. Wentworths Haltung ist zunächst hart, geradezu abweisend. Nicht, weil er gefühllos wäre, sondern weil Verletzung und Stolz ihre eigene Rhetorik haben. Austen zeigt hier, wie schwer es ist, das Schweigen zwischen zwei Menschen zu durchdringen, wenn beide zu viel verlieren könnten, indem sie reden.

    Auffällig an Überredung ist auch die schriftstellerische Disziplin, die jede Szene trägt. Austens Ironie ist nie verschwunden, doch sie flackert gedämpft, konzentriert, gezielt. Sie arbeitet wie eine Schneide, nicht wie ein Feuerwerk. Mehr noch: Die Autorin nimmt ihre Nebenfiguren mit einer Schärfe ins Visier, die zugleich gesellschaftliche Diagnose und komödiantische Anatomie ist. Sir Walter mit seiner selbstverliebten Spiegelreligion, Elizabeth mit ihrer eisigen Grandiosität, Mary mit ihrem unerschütterlichen Talent zur Selbstdramatisierung – sie alle verkörpern eine soziale Wirklichkeit, deren Werte bereits erodieren, während sie noch aufrecht gehalten werden. Dass Austen den aufstrebenden Marineoffizieren spürbar Respekt entgegenbringt, verleiht dem Roman eine historische Erdung, die ihn aus dem Korsett höfischer Konventionen löst.

    Man liest Überredung heute und erkennt darin eine erstaunlich zeitlose Geschichte über Menschen, die zu lange warten, zu viel schweigen, zu wenig wagen. Es ist ein Roman über die Frage, wie wir uns selbst verlieren können, indem wir uns zu sehr an die Erwartungen anderer anpassen. Und ein Roman darüber, wie viel Mut es braucht, eine zweite Chance nicht nur zu bekommen, sondern auch zu ergreifen. Austen inszeniert diesen Prozess ohne Kitsch, ohne Belehrung. Sie zeigt, wie das Herz wächst, indem es bricht. Der berühmte Brief am Ende ist nicht romantische Verzückung, sondern kontrolliertes Beben, das literarisch kaum übertroffen wurde.

    Überredung ist für mich Jane Austens kühnstes Buch. Nicht, weil es besonders laut wäre, sondern weil es sich traut, so leise zu sein. Seine Melancholie ist kein Makel, sondern die Voraussetzung für seine Wahrheit. In dieser Zurückgenommenheit, in dieser fast unmerklichen emotionalen Verdichtung, liegt ein literarischer Zauber, der lange nachhallt. Wer Austen nur als brillante Satirikerin kennt, wird hier entdecken, dass sie auch eine Meisterin des menschlichen Zwischentons ist. Und wer glaubt, Klassiker seien vor allem stilvolle Pflichtlektüre, wird überrascht sein, wie gegenwärtig ein Roman klingen kann, der vor über zweihundert Jahren geschrieben wurde.


    Kurz gesagt: Überredung ist nicht nur einer der bedeutendsten Texte Austens, sondern einer jener Romane, die einen noch Wochen später daran erinnern, dass Literatur mehr sein kann als Unterhaltung. Sie kann eine leise, beharrliche Form der Offenbarung sein.

  7. Cover des Buches Les Misérables - Die Elenden (ISBN: 9783730600429)
    Victor Hugo

    Les Misérables - Die Elenden

    (53)
    Aktuelle Rezension von: OMess83

    Victor Hugos Schreibstil, obwohl doch schon gut ins Alter gekommen, ist richtig tief und steckt voller Wärme. Die Charaktere sind sehr lebensnah dargestellt, was in der Weltliteratur meiner Meinung nach seinesgleichen sucht. Was innerlich in den Personen vorgeht, wie sie sich entwickeln und sich verändern, ist einfach nur fesselnd. Das Drama hält den Spannungsbogen auch über gewisse Längen hinweg, die eifach der Schreibe von Hugos Zeit zuzurechnen sind. Gewisse Exkurse, zum Beispiel die über die Pariser Kloake, fand ich aber auch ungewohnt lehrreich und nicht wirklich störend. Wenn man sich für Weltliteratur interessiert, lohnt man an "Les Misérables" nicht herum! Unbedingt lesen!

  8. Cover des Buches Die Alchimistin (ISBN: 9783453419049)
    Kai Meyer

    Die Alchimistin

    (404)
    Aktuelle Rezension von: Welpemax

    "Die Alchimistin" von Kai Meyer ist ein gelungener erster Band im Genre Fantasy.  1998 wurde das Buch erstmals veröffentlicht und gilt durchaus mittlerweile als Klassiker der deutschen Phantastik. 

    Das Buch erzählt die Geschichte von Aura Institoris, die in einem geheimnisvollen Schloss aufwächst und in die intriganten Machenschaften einer Alchemistenfamilie verwickelt wird.

    Kai Meyer schafft es, eine dichte, spannende Atmosphäre zu erzeugen, die gekennzeichnet ist durch mystische Elemente und historische Bezüge. Seine Schreibweise ist bildhaft und zieht den Leser tief in die komplexe und oft düstere Welt der Alchemie und Intrigen. Die Kombination aus Liebesgeschichte und actionreichen Elementen sorgt für ein hohes Tempo in der Erzählung.

    Ich mag besonders die vielschichtigen und vielseitigen Charaktere und die überzeugende Darstellung von Themen wie Macht, Liebe und Verrat. Sehr gelungen empfinde ich die mittelalterlichen Beschreibungen der Säle, Burgen und Tunnel, ähnlich gelungen ist auch die ganze Atmosphäre von den Mooren des Nordens über Wien, Venedig und Siebenbürgen bis nach Swanetien, einem vergessenen Bergland jenseits des Schwarzen Meeres.

    Insgesamt ist "Die Alchimistin" ein gelungener und empfehlenswerter erster Teil einer Serie. Kai Meyers Mischung aus fantastischen Elementen und realhistorischen Begebenheiten machen das Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.

  9. Cover des Buches Die Unsterbliche - Die Alchimistin II (ISBN: 9783453419056)
    Kai Meyer

    Die Unsterbliche - Die Alchimistin II

    (181)
    Aktuelle Rezension von: be_bookish

    Die Geschichte von Aura, Gian und Gillian geht weiter. Es gibt einen neuen Feind, der es diesmal auf Gian und Tess abgesehen hat. Zudem entdeckt Aura ihre neu gewonnene Unsterblichkeit mit allen Vorteilen und Schwierigkeiten.

    Die Charaktere sind sehr gut beschrieben und insgesamt glaubwürdig erschaffen. Ihre Handlungen sind jeweils sehr gut nachvollziehbar. 

    Die Geschichte wird aus der allwissenden Erzählperspektive geschildert. Dabei wird jedoch vorrangig die Perspektive der Aura Institoris bzw. des Gillians bzw. der Tess (Auras Nichte) beschrieben. Der Schreibstil ist insgesamt gut zu lesen und befindet sich auf einem leicht überdurchschnittlichen Niveau.

    Das Buch würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen, für alle, die sich nach einer Fortsetzung der spannenden Fantasy-Reise rund um Aura Institoris sehnen.

    Auch würde ich es als Buch klassifizieren, dass man auf jeden Fall ein zweites Mal in seinem Leben lesen wird, um zu wissen, wie die Geschichte um Aura Institoris weitergeht.

  10. Cover des Buches Die Sammlerin der verlorenen Wörter (ISBN: 9783453428591)
    Pip Williams

    Die Sammlerin der verlorenen Wörter

    (123)
    Aktuelle Rezension von: AnnKat

    Der Roman ist ruhig erzählt und ich bin sehr gut reingekommen, was für mich vor allem an dem angenehmen Schreib- und Erzählstil lag. Obwohl nicht viel passiert, hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Sie lebt nicht von Spannung, oder unerwarteter Wendungen, sondern von den wirklich liebenswerten Charakteren. Unsere Protagonistin lernt im Verlauf ihres Lebens die verschiedensten Personen, jeglichen Alters und gesellschaftlicher Stellung kennen und die meisten davon schließt man direkt ins Herz. Zudem konnte ich die Figuren in ihrem Denken und Handeln sehr gut verstehen, auch wenn sich meine Lebensrealität stark von ihrer unterscheidet. In ihrem Leben steht Esme vor schwierigen Entscheidungen und sie muss auch den ein oder anderen Schicksalsschlag verkraften, wo ich kurz schlucken musste, weil ich insgeheim auf glücklichere Wendungen gehofft hatte. Aber gerade das hat Esme und ihrer Geschichte mehr emotionale Tiefe gegeben und sie authentisch gemacht. Interessant fand ich auch die verschiedensten Wörter und deren Definitionen, die immer wieder eingesträut wurden. 

    Einen Stern ziehe ich ab, da Esme und ihr Leben recht romantisiert dargestellt werden. Esme kommt aus priviligierten Verhältnissen, wird in kein gesellschaftliches Korsett gepresst, darf ihr Leben mehr oder weniger frei gestalten und auch die Männer, die in ihr Leben treten sind für damalige Verhältnisse sehr fortschrittlich in ihrem Denken. Das eher schwierige Leben als Frau zu diesen Zeiten bekommen wir eigentlich nur durch andere Charaktere mit, was ich teilweise schade finde.

  11. Cover des Buches Am grünen Rand der Welt (ISBN: 9783423086455)
    Thomas Hardy

    Am grünen Rand der Welt

    (83)
    Aktuelle Rezension von: Eleonora

    Bathsheba Everdene, junge Waise, die auf dem Hof ihrer Tante lebt und arbeitet, erbt unerwartet den Hof ihres Onkels. Entgegen der Erwartungen und der Norm für Frauen der damaligen Zeit, möchte sie ihn selbst weiterbetreiben und alle erstaunen. Das gelingt ihr. Sie packt mit an und weiß sich in der von Männer dominierten Welt der Landwirtschaft durchzusetzen. Ans Heiraten und an ein für Frauen damals übliches Leben verliert sie keine Gedanken. Zu sehr liebt sie ihre Unabhängigkeit, weswegen sie auch ihren allerersten Heiratsantrag des Nachbarschäfers Gabriel Oak ablehnt. Zu Valentinstag erlaubt sie sich aber mit ihrem Kammermädchen Liddy einen leichtsinnigen Scherz in Liebesdingen und schickt dem steifen, zugeknöpften Gutsnachbarn Boldwood eine Valentinskarte, nicht wissend, dass dieser sich daraufhin Hals über Kopf in sie verliebt und sie mit Liebesbekundungen geradezu überhäuft. Eigentlich die Nase voll von Männern verliebt sie sich aber dann selbst völlig unerwartet in Troy, einem jungen Soldaten und eleganten Schönling. Bald jedoch bestätigen sich die schlimmen Gerüchte über ihren jetzt Ehemann und Bathsheba stürzt in ein tiefes, seelisches Loch. Nach letzten, messerscharfen Worten Troys verschwindet er plötzlich nach einem Schwimmgang in der Bucht und Bathsheba bleibt tief verletzt zurück. Mehrere Monate vergehen ohne ein Lebenszeichen von ihm und er wird schließlich für Tod gehalten. Sofort steht natürlich Gutsnachbar Boldwood wieder bereit ihr erneut den Hof zu machen. Bathsheba ist gewillt diesmal vernünftig zu handeln und überlegt sein Angebot anzunehmen, auch aus immer noch schlechtem Gewissen ihm gegenüber. Doch als sie ihm am Abend seines großen Weihnachtsballs ihre Entscheidung mitteilen möchte, steht der vermeintlich verstorbene Gatte plötzlich wieder vor der Tür, woraufhin Boldwood völlig die Fassung verliert und endgültig austickt. Bathshebas Herz braucht lange um von diesen Wunden zu heilen und während dieser Zeit erkennt sie erst, wer wirklich immer für sie da gewesen war, sie akzeptiert hat mit all ihren Eigenheiten und Fehlern und wer sie immer noch von ganzem Herzen liebt.📖


    Zugegeben, das Cover meiner Ausgabe sieht etwas sehr romantisch, fast ein bisschen kitschig aus für einen Klassiker. Es ist die Ausgabe von 2015 zur letzten Verfilmung, die damals ins Kino kam. Genau diese Verfilmung (die ich im Übrigen sehr gelungen finde) habe ich mir neulich noch einmal angesehen, danach noch nicht genug gehabt und mir dann doch nochmal das Buch zur Hand genommen. Ich wurde nicht enttäuscht: Auch beim erneuten Lesen gefiel mir die Geschichte immer noch wie beim ersten Mal. Thomas Hardy zeichnete mit seinen Worten einfach ein so schönes, detailreiches Bild dieser hübschen Gegend in Südengland, dass man richtig hineingesogen wurde in die damalige Welt. Klar, an die ältere Ausdrucksweise und die Schachtelsätze musste man sich erst wieder etwas gewöhnen, aber das ist ja normal bei Klassikern. Die Kapitel waren angenehm kurz gehalten und die Geschichte ging in einem guten Tempo voran. Ich habe noch nicht alle Bücher von Thomas Hardy gelesen, von demher machte ich mir ein paar Vorwürfe, warum ich jetzt dann ausgerechnet dieses Buch von ihm nochmal lese anstatt eines, das ich noch nicht kenne. Aber ich hatte Freude daran. Mir gefiel, daß Hardy eine starke Frau zeigte, die auch in schwierigen Zeiten nicht den Kopf verlor, auch wenn sie im Mittelteil durch verblendete Liebe schwächelte. Mir war Bathsheba sympathisch, auch wenn sie doch manchmal etwas eitel schien. In seinen Romanen beschrieb Hardy ja oft Figuren und Themen, die damals aneckten und nicht allen gefielen, was ihm ja viel Gegenwind einbrachte und schlussendlich wohl leider zur Aufgabe seiner schriftstellerischen Tätigkeit führte. Trotz seiner Darstellung einer unabhängigen, selbstbewussten Bathsheba gab es aber durchaus die ein oder andere Spitze gegen das ,,Wesen der Frau", aber das ist wohl doch der damaligen Denkweise über das andere Geschlecht geschuldet. Gabriel Oak, allein schon der Name drückt Beständigkeit aus, und genau das war er auch. Ein bodenständiger, gutherziger und verlässlicher Charakter, der trotz seines Schicksalsschlags nicht aufgab. Natürlich fragte man sich schon, warum Bathsheba ihn zuerst ablehnte und stattdessen dem windigen Chameur und Glücksspieler Troy den Vorzug gab. Aber naja, Liebe macht bekanntlich blind und Bathsheba hatte noch keine Ahnung davon. Selbst Boldwood wäre im Vergleich zu Troy fast eine bessere Wahl gewesen, er hätte ihr jedenfalls nicht so viel Kummer bereitet. Er war jedoch völlig blind vor Liebe zu ihr und sein Liebeswahn erstickte sie fast. Sein Drängen und auf sie Einreden war schwer zu ertragen. Zum Glück kann man sagen, dass es ein gutes Ende gab, obgleich nicht für alle und auch wenn der Weg dorthin für Bathsheba doch etwas lang und holprig war. Gerne hätte ich noch ein, zwei Kapitel mehr über ihr schlußendliches Glück und Zukunft gelesen.
    Sehr schade finde ich es, dass es diese wundervolle Geschichte noch nicht in einer schönen Schmuckausgabe gibt wie z.B. ,,Tess" von Thomas Hardy im Coppenrath Verlag. Auch auf Englisch gibt es das leider nicht. Das würde ich mir wünschen.
    Mir hat diese Reise in die Vergangenheit, in Thomas Hardys Welt, jedenfalls wieder sehr gefallen und kann diesen Klassiker sehr empfehlen. (5/5)⭐️🙂


  12. Cover des Buches Der Katalane (ISBN: 9783641132743)
    Noah Gordon

    Der Katalane

    (194)
    Aktuelle Rezension von: Linda19_7

    Als Josep Zeuge eines Mordes wird, muss er für vier Jahre nach Frankreich fliehen. Als sein Vater verstirbt, kehrt er zurück in sein Heimatdorf in Katalonien. Da sein Bruder die Weinberge der Familie nicht weiterführen will, kauft Josep ihm diese ab. Immer von Geldsorgen verfolgt versucht er seinen Traum wahr zu machen und statt Essig guten Wein zu produzieren. Doch schon bald holt ihn die Vergangenheit ein.

    Noah Gordon überzeugt mit einem malerischen Schreibstil. Die kurzen Kapitel lassen einen nur so durch die Seiten fliegen. Man bekommt einen schönen Einblick in das spanische Landleben der 1870er. Zudem fand ich den Prozess der Weinherstellung auch sehr interessant. Auch ein bisschen politische Inhalte werden thematisiert, davon aber nicht zu viel. Ein wenig Liebe und Drama darf natürlich auch nicht fehlen. Für mich ein gelungener Roman.

  13. Cover des Buches Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland (ISBN: 9783328113560)
    Sarah Brooks

    Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland

    (161)
    Aktuelle Rezension von: Gise

    Ende des 19. Jahrhunderts fährt der Transsibirien-Express durch eine riesige, verlassene Wildnis zwischen China und Russland. Wer sich auf diese Reise einlässt, muss sich auf Gefahren einstellen, denn es gibt Gerüchte, dass der Zug nicht mehr sicher ist. Wer also mit diesem Zug reist, hat seine eigenen, recht verborgenen Gründe dafür. Und es scheint, als ob die Gefahren des Ödlands ihren Weg ins Innere des Zuges finden würden...

    Die Geschichte beginnt wie eine Reisebeschreibung aus dem vergangenen Jahrhundert, es ist eine spannende Reise, auf die sich die Zuggäste einlassen wollen, eine Reise, die gefährlich zu werden droht. Erzählt aus mehreren Perspektiven, erhält der Leser einen spannenden Einblick in eine besondere Gesellschaft, die sich auf eine ungewöhnliche Reise eingelassen hat. Die Geschichte wird ergänzt durch einen Lageplan des Zuges, so dass man sich als Leser dort gut zurechtfindet. Die Reisenden, sei es Fahrgäste oder Zugpersonal, gewinnen nach und nach immer mehr Eigenleben, während andererseits die Gefahren der Zugreise immer deutlicher werden. Dabei spart die Geschichte nicht mit überraschenden Wendungen, so dass man sich als Leser selbst mitten im Geschehen fühlt und somit auch in größter Gefahr.

    Diese besondere Reisebeschreibung gerät zu einem faszinierenden Mystery-Roman, der mich bestens unterhalten konnte. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

  14. Cover des Buches Felix Blom. Der Häftling aus Moabit (ISBN: 9783734112577)
    Alex Beer

    Felix Blom. Der Häftling aus Moabit

    (73)
    Aktuelle Rezension von: Alla_Bekker

    Wow – was für ein Buch! 😍

    Felix Blom war mein allererster Kriminalroman, und ich hätte nicht gedacht, dass mich eine Geschichte so packen kann. Von der ersten Seite an war ich mitten drin – in dieser geheimnisvollen, düsteren Welt – und wollte einfach nur wissen, wie es weitergeht.

    Alex Beer schreibt so mitreißend und spannend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Jede Wendung hat mich überrascht, und bis zur allerletzten Seite blieb es einfach unglaublich spannend 🤩

    Ich bin total begeistert – mein erster Krimi, aber ganz sicher nicht mein letzter von Alex Beer! ❤️

  15. Cover des Buches Die Schlange von Essex (ISBN: 9783847900306)
    Sarah Perry

    Die Schlange von Essex

    (170)
    Aktuelle Rezension von: MademoiselleMeow

    𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞 𝐯𝐨𝐧 𝐄𝐬𝐬𝐞𝐱 ist ein Buch, das ich allein wegen seiner hübschen Optik in meiner Sammlung haben wollte. Und natürlich auch wegen des verlockenden Klappentextes um den Mythos eines Seeungeheuers, welches einen kleinen englischen Ort im 19. Jahrhundert heimsucht. Aber meine Bücherei hatte es da und weil Bücher nun mal teuer sind, durfte es nur als Leihexemplar bei mir einziehen.


    Der Roman begleitet eine Vielzahl von Personen, wobei die junge Witwe Cora und der Pfarrer Will die Hauptfiguren bilden. Cora ist voller Wissensdurst, folgt den Thesen Darwins und als sie hört, im Küstenort Aldwinter habe man eine Seeschlange gesichtet, ist sie sofort Feuer und Flamme. Könnte es sich doch um ein prähistorisches Wesen handeln.
     Die Dorfgemeinde glaubt aber eher an ein mystisches Ungeheuer. Will Ransome glaubt an keines von beidem, ist aber zunehmend fasziniert von Cora, mit der er aber auch immer wieder aneinander gerät.


    Ich hatte einige Probleme mit dem Roman.

    Erst einmal gibt es zu viele Personen, von denen kaum eine sympathisch ist. Jede von ihnen hat seine eigene interessante Geschichte zu erzählen, die aber nicht genug Raum bekommt, weil eben zu viel los ist.


    Das Paar Cora und Will hatte für mich null Chemie, zumal Will mit einer sehr lieben Frau verheiratet ist und mit Cora nichts gemeinsam hat. Cora ist anders und darin liegt der Reiz. Aber wie soll man mit eine Romanze mitfiebern, wenn die Verliebten nie einer Meinung sind und andere mit ihrem Verhalten verletzen?


    Auch wenn es hier um ein mystisches Wesen geht, erwartet keine Fantasy. Die Schlange steht für vieles. Wissenschaft und Aberglaube, Medizin, Massenhysterie, soziale Ungerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben zu jener Zeit. Alles interessante Themen, über die ich gern gelesen habe. Man hätte es aber vielleicht besser auf drei verschiedene Romane aufgeteilt, damit jedes Thema für sich glänzen kann.


    Von mir erhält der Roman trotz meiner Kritik eine positive Bewertung, denn er hat mich sehr gut unterhalten. Und auch das versöhnliche Ende hat mir gefallen.

  16. Cover des Buches Der Jahrhundertsturm (Jahrhundertsturm-Serie 1) (ISBN: 9783548286648)
    Richard Dübell

    Der Jahrhundertsturm (Jahrhundertsturm-Serie 1)

    (110)
    Aktuelle Rezension von: BookLooker

    Der Autor Richard Dübell ist sehr bekannt vor allem durch seine historischen Romane (z.B. Allerheiligen). Er wurde im Oktober 1962 geboren.

    Der Roman Jahrhundertsturm erzählt von einer Dreiecksgeschichte zwischen Alvin von Briest, Paul Badermann und Louise Ferrand.
    Im Mittelpunkt steht der historische Hintergrund, vor allem der Bau der Eisenbahnstrecken.
    Die Eisenbahn die von Paul Badermann liebevoll "Der Adler" genannt wird.

    Die Wortwahl ist Zeit typisch. Insgesammt ist der Text sprachlich sehr gut verständlich und es läuft nicht in die Gefahr kompliziert zu werden.
    Das Cover ist passend zum Inhalt, mit der einfahrenden Eisenbahn gestaltet.
    Die einzelnen Personen werden am Anfang sehr ausführlich charakteresiert.
    Zur Thematik muss ich sagen, dass diese nicht so ausergewöhnlich ist.

    Insgesamt kann ich sagen:
    Ein gewöhnlicher historischer Roman?
    Nein. Richard Dübell schafft es durch seine Schreibweise, den Leser zu fesseln.

  17. Cover des Buches Seht, was ich getan habe (ISBN: 9783492235273)
    Sarah Schmidt

    Seht, was ich getan habe

    (65)
    Aktuelle Rezension von: beereadytoread

    In „Seht, was ich getan habe“ wendet sich Sarah Schmidt einem historischen Mordfall zu:

    4. August 1892: Abby und Andrew Borden werden am helllichten Tag ermordet. Das Tatwerkzeug ist eine Axt – 19 bzw. 29 Hiebe sollen die Opfer getroffen haben. Zeug:innen gibt es keine, doch eine Verhaftung lässt nicht lange auf sich warten: Lizzie Borden, die jüngste Tochter, die ihren Vater tot aufgefunden hat, wird der Tat beschuldigt. Die Beweislage ist allerdings lückenhaft und widersprüchliche Aussagen möglicherweise auf Medikamente zurückzuführen. Ist es möglich, dass eine junge Frau ihre Stiefmutter und ihren Vater auf solch brutale Art tötet? Eine Frage, die bis heute ungeklärt bleibt.

    So viel zur Historie. Der Roman ermöglicht einen ergänzend Blick hinter die Fassade der angesehenen Familie: Wie gut haben sich die Bewohner:innen des Hauses wirklich verstanden? Was hat sie bewegt, geärgert oder begeistert? Wie könnte der Tag der Tat sowie die davor und danach abgelaufen sein? Könnte Lizzie die Täterin sein?

    Historischen Fakten verknüpft mit Fiktion. Ich muss sagen, dass diese Kombination für mich ziemlich verlockend klingt. Entsprechend neugierig war ich auf die Umsetzung der Geschichte. Ich hatte beim Auswählen des Buches allerdings erwartet, dass die Geschichte die Richtung eines historischen Krimis einschlägt, das Buch beleuchtet jedoch eher die Familiendynamik und zeigt innere Zerwürfnisse auf – verlorene und doch behütete Wünsche, beflügelnde und zerstörte Hoffnungen sowie ein Netz aus Abhängigkeit und Einsamkeit. Die Geschichte ist ruhig gehalten, die Sprache teilweise blumig und die Schilderung der Umgebung auch auf Sinneseindrücke wie Geruch und Geschmack ausgeweitet. Die eingestreuten Erlebnisse und Erinnerungen lenken die Sympathien durchaus in bestimmte Richtungen, haben Konfliktfelder aber auf verschiedene Arten unterstrichen. Meine Erwartungen waren insgesamt andere, schlecht gefallen hat es mir aber nicht!

    Das „Lizzie Borden House“ ist in Fall River übrigens die Top 1 Aktivität bei Trip Advisor. Es sind nicht nur Touren durch das Haus buchbar, sondern auch Übernachtungen. Richtig gelesen, das Haus/Museum dient nach den Touren als Bed & Breakfast. So lässt sich z. B. dort schlafen, wo die Leiche von Abby gefunden wurde. Morgens erwartet einen dann ein Frühstück, das dem der Bordens am Tattag ähnelt. Verrückt oder?

  18. Cover des Buches Sharpes Trafalgar (ISBN: 9783404188994)
    Bernard Cornwell

    Sharpes Trafalgar

    (25)
    Aktuelle Rezension von: Thommy28

    Der vierte Roman über die Abenteuer des Richard Sharpe setzt die Handlung der vorhergehenden Bücher gekonnt fort. Der Protagonist verlässt Indien und macht per Schiff sich auf die Heimkehr nach Europa. Dabei gerät er in die historisch bedeutsame Seeschlacht vor Trafalgar.

    Die Geschichte ist toll aufgebaut und verbindet (wieder einmal) historische Ereignisse und Figuren mit einer fiktiven Handlung und erfundenen Figuren. Die Schreibweise ist sehr gut, manchmal sind die Schlachten Szenen vielleicht eine Spur zu ausgebreitet. Aber dem Autor gelingt es unnachahmlich den Schrecken des Seekrieges zu vermitteln. Man vermeint den Pulverrauch sie schmecken und die schrecklichen Schreie der Sterbenden und Verwundeten zu hören. 

    Die Figuren sind sehr gut gezeichnet und dem Reihenleser vielfach schon bekannt und an das Herz gewachsen.

    Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Band der Reihe....!

  19. Cover des Buches Die phantastische Welt des Märchenkönigs (ISBN: 9783944936338)
    Klaus Reichold

    Die phantastische Welt des Märchenkönigs

    (11)
    Aktuelle Rezension von: EvelynM

    Diese Biografie zeigt, dass vom liebevoll genannten „Kini“ Ludwig II nicht nur seine Prachtbauten sprich Schlössen geblieben sind. Vielmehr hat er als Visionär und Träumer so manche Errungenschaft auf den Weg gebracht und war der damals modernen Technik sehr zugetan. So hat er die Gründung der TU München und das erste Elektrizitätswerk Bayern ins Leben gerufen. Wie viele technische Bücher er wohl verschlungen hat? Andererseits war er ein „Eigenbrötler“, der sich in seinen Fantasien verlor, sich in die Bergwelt und das einfache Leben zurückzog, um bei nächster Gelegenheit mit einem Prachtschlitten durch die Lande zu fahren. Sein Gefolge war ständig damit beschäftigt, seine Wünsche zu erfüllen, z.B. ein orientalisches Fest, bei dem alle in entsprechende Gewänder gehüllt zu sein hatten, um möglichst alles originalgetreu zu gestalten. Zudem stellte er seinen eigenen Tagesablauf auf den Kopf: Frühstück um 19 Uhr, Mittagessen um 1 Uhr und Abendessen um 7 Uhr.

    Das Leben Ludwig II mutet schon seltsam an: auf der einen Seite die unglaublich prächtigen Schlösser, in denen sich der König zurückzog und seine Ruhe haben wollte und auf der anderen Seite die bescheidenen, kargen Berghütten, in denen er sich ebenfalls wohl fühlte. Er würde sich doch sehr wundern, wie viele Menschen inzwischen seine Schlösser besucht haben. Denn er wollte sie nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Mit seinen teure Anbauten, Schlössern und der prunkvollen, verschwenderischen Einrichtung hat er seinen Finanzminister sicherlich so manch schlaflose Nacht gekostet.

    Das Buch ist leicht und unterhaltsam zu lesen und gibt tiefe Einblicke in das Leben des einstigen Märchenkönigs, der heute noch zahlreiche Fans hat. Seine Stärken und Schwächen treten deutlich zu Tage und machen ihn bei allem Prunk und den Legenden, die sich um ihn ranken, sehr menschlich. In diesem Buch kommen viele Zeitzeugen des Märchenkönigs zu Wort, was die Lektüre sehr spannend und unterhaltsam macht.  Besonders gut haben mir auch die vielen Bilder gefallen, die eine wunderbare Ergänzung - wie auch die Zeittafel am Ende des Buches - ergeben.

    Mein einziger Kritikpunkt ist, dass mir der Aufbau des Buches stellenweise zu wirr war und ich den roten Faden vermisste.
  20. Cover des Buches Das Geheimnis von Wishtide Manor (ISBN: 9783596297429)
    Kate Saunders

    Das Geheimnis von Wishtide Manor

    (55)
    Aktuelle Rezension von: Sternenstaubfee

    1851 in England: Laetitia Rodd ist eine Witwe, die für ihren Bruder, der Anwalt ist, kleine Ermittlungen durchführt. Der aktuelle Fall führt sie nach Wishtide Manor. Hier soll sie für den Herrn des Hauses Nachforschungen anstellen über die zukünftige Schwiegertochter. Mitten in den Nachforschungen geschieht ein Mord... 

    💙 Ich mag Historische Kriminalfälle. Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, weil einfach Zeit und Setting für mich passten. Auch die Charaktere mochte ich. 

    Laetitia Rodd erzählt ihre Geschichte in der Ich-Erzählform, so dass man sich als Leser sehr gut in sie hineinfühlen kann. 

    Zudem ist die ganze Geschichte sehr spannend und komplex.

    17.07.2024

  21. Cover des Buches Vor dem Abgrund (ISBN: 9783837012408)
    Tom Finnek

    Vor dem Abgrund

    (63)
    Aktuelle Rezension von: Yolande

    Der deutsche Journalist und Schriftsteller Mani Beckmann hat unter seinem Pseudonym Tom Finnek drei historische Romane mit dem Schauplatz London geschrieben. "Gegen alle Zeit" spielt mit Zeitreiseelementen gepaart im 18. Jahrhundert, während "Unter der Asche" eine spannende Geschichte erzählt, die sich am Vorabend des großen Feuers von 1666 ereignet. "Vor dem Abgrund" ist Ende des 19. Jahrhunderts angesiedelt.

    Zum Inhalt:

    Die junge und unerfahrene Celia kommt aus einem kleinen Hafenstädtchen nach London um nach ihrem verschollenen Vater, dem Seemann Ned Brooks zu suchen. Dieser hatte vor vielen Jahren die Familie verlassen. Nun ist Celias Mutter tot und ihre älteren Bruder fahren ebenfalls zu See. Der einzige Anhaltspunkt für die Suche nach ihrem Vater ist eine vergilbte Ansichtskarte eines Monstrositätenkabinetts im Osten von London. Rupert ist der jüngste Sohn eines reichen Hotelbesitzers und soll nach dem Willen seines Vaters die Nichte eines Brauereibesitzers heiraten und in dessen Geschäft einsteigen. Die Aussicht auf diese öde und seinen eigenen Interessen entgegenstehenden Zukunft bringt Rupert dazu, sich in Kneipen und schäbigen Unterkünften des East Ends herumzutreiben, wo er sich in einfacher Kleidung als Handwerksbursche ausgibt. Celia und Rupert treffen bei den verschiedensten Gelegenheiten aufeinander und ahnen nicht, wie sehr ihre beiden Familiengeschichten miteinander verknüpft sind.

    Meine Meinung:

    Wie schon in den ersten beiden Büchern vermischt Finnek wahre Begebenheiten mit einer fiktionalen Geschichte und lässt dabei einige historische Persönlichkeiten auftreten, wie z.B. Eva Booth, Captain der Heilsarmee oder Simeon Solomon, einen einstmals berühmten Maler, der wegen seiner Homosexualität geächtet wurde und sein Leben in Armut und Elend beendete. Auch die Untaten des Jack the Ripper spielen eine Rolle.

    Das Buch liest sich flott, allerdings gelingt es Finnek dieses Mal nicht die Atmosphäre der damaligen Zeit einzufangen. Nur neblige Dunkelheit reicht einfach nicht. Die Zusammenhänge zwischen den Beteiligten wirken teilweise stark konstruiert und mancher der aufgenommen Fäden läuft ins Leere. Auch von der Spannung her kann dieses Buch nicht mit seinen Vorgängern mithalten. Es gibt noch einen erklärenden Epilog, in dem die Schicksale der historischen Charaktere erläutert werden, aber dieser erweckt damit eher den Eindruck, als wäre die Geschichte von Celia und Rupert ebenfalls wahr, was natürlich völliger Humbug ist.

    Fazit:

    Eine mäßig spannende Geschichte mit seltsam konstruierten Zusammenhängen und fehlender Atmosphäre, für mich der schwächste Teil der sogenannten London-Trilogie.

  22. Cover des Buches Die Lotosblüte (ISBN: 9783958903739)
    Hwang Sok-yong

    Die Lotosblüte

    (75)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Der Roman entführt den Leser in eine fremde Welt, nach Asien ins 19 Jahrhundert. Der Europa Verlag hat hierfür ein sehr passendes Cover ausgesucht. Die Frau im bunten Kleid auf hoher See weckt Neugierde. Die junge Chong, deren Mutter jung verstorben ist, wird als 15 jähriges Mädchen von ihrer Stiefmutter an einen alten Chinesen verkauft. Chong nimmt ihr Schicksal in die Hand, ohne verbittert zu sein. Der Leser taucht ein in verschiedene Kulturen, mit Opium wird viel Geld verdient und Bordelle finden regen Zulauf. Dies sind drei Hauptmerkmale des Romans. Bitter als die junge Chong ihr Elternhaus verlassen muss und in der Ferne an einen alten chinesischen Mann verkauft wird. Aber Chong bläst kein Trübsal, sie lässt sich auf ihre Pflichten ein. Der alte Chen besucht sie auch nicht allzu oft und geht sanft mit ihr um. Chens Familie ist im Teehandel tätig, worüber man so einiges interessantes erfährt. Leider gibt es aber auch die Abhängigkeit vom Opium. Als Chen stirbt muss Chong Abstriche in Kauf nehmen. Als ihr der Sohn des Alten zu nahe kommt, flieht sie. Sie findet Schutz im "Tempel des Glücks und der Freude". Der Leser erfährt viel, wie das Leben dort funktioniert. Aber nichts ist von Dauer und Chongs Reise geht weiter. Sowohl Orte als auch Ehemänner wechseln und der Leser wird genauestens informiert. In diesen Freudentempel werden natürlich auch Kinder gezeugt. Als Chongs Freundin stirbt, kümmert sie sich liebevoll um deren Kleine. Dieser Ersatz-Mutter-Instinkt kommt immer wieder durch, so will sie z.B. ein Waisenhaus gründen. Und so erfahren wir viel über Chongs Leben, bis dieses zu Ende geht. Mir hat es viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen. Das Eintauchen in diese fremden Kulturen fesselte mich. Man liest über Essen und Traditionen, aber wie ich finde aber leider auch sehr viel über Prostitution. Ich hätte mir diesbezüglich etwas weniger Detailverliebtheit gewünscht.  Die Übersetzerin hat gute Arbeit geleistet, die Sprache fand ich toll. Der koreanische Autor ist bekannt in seiner Heimat und bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet.  Der Roman wird Leser ansprechen, die interessiert sind an asiatischen Kulturen und Gepflogenheiten in der damaligen Zeit. Das Thema Prostitution zieht sich nahezu durch das gesamte Buch und wird oft genauestens beschrieben. Allerdings schafft der Autor das auf eine ganz besondere Art, die nicht schmuddelig auf den Leser wirkt. Mir hat es größtenteils viel Freude bereitet in diese fremde Welt einzutauchen.                            

  23. Cover des Buches Der Dante Club (ISBN: 9783423208260)
    Matthew Pearl

    Der Dante Club

    (45)
    Aktuelle Rezension von: Felice
    Wenn man die ersten einhundert Seiten überstanden hat, in denen die Handlung noch etwas unstrukturiert ist und die vielen Personen verwirren, wird man mit einem richtig guten historischen Krimi belohnt.
    Die Mitglieder des "Dante Club" gab es zu der Zeit wirklich, der Fall ist fiktiv, aber realistisch erzählt und auch die Beweggründe des Täters sind in gewisser Weise nachvollziehbar.
    Der Autor legt großen Wert auf die Stimmung in Neuenglad Mitte des vorletzten Jahrhunderts und auch wenn nicht alle Personen gleich sympathisch sind, formen sie sich doch zu einer starken Gemeinschaft, die gemeinsam mit dem ersten farbigen Polizisten Bostons den Fall lösen.
  24. Cover des Buches Sharpes Aufstieg (ISBN: 9783404189694)
    Bernard Cornwell

    Sharpes Aufstieg

    (23)
    Aktuelle Rezension von: Thommy28

    Einen ersten Blick auf das Geschehen erlaubt die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:

    Der sechste Band der reihe kann nicht ganz mit den Vorgängern mithalten, bietet aber dennoch viel nervenaufreibende Spannung. Die Mischung aus historischen Fakten und Fiktiver Geschichte ist diesmal nicht so ausgeprägt. Die fiktiven Elemente haben diesmal eindeutig mehr Gewicht.

    Die Figuren sind sehr gut gezeichnet und können überzeugen. Die Hauptfiguren sind dem Reihenleser ja bekannt. Die Schreibweise ist sehr gut - man kann den Pulverdampf fast riechen. 

    Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich freue mich auf den nächsten Band.

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