Bücher mit dem Tag "2008"
156 Bücher
- Simon Beckett
Leichenblässe
(2.617)Aktuelle Rezension von: sabrina95Im dritten Teil der David Hunter Reihe befinden wir uns nun in Tennessee, und die Stimmung des Buches hat mich dieses Mal wieder vollkommen gepackt.
Die Abneigung gegenüber David Hunters Beteiligung an dem neuen Mordfall ist regelrecht zerreissend. Ist es nicht schon schlimm genug, dass er sich noch immer von einem Messerangriff erholen muss? Statt Mitgefühl erfährt er Ablehnung und bekommt ständig das Gefühl vermittelt, unerwünscht zu sein.
Der Schreibstil ist erneut eine absolute 10/10. Die Atmosphäre, die Simon Beckett erschafft, ist schaurig, bedrückend und intensiv, man fühlt sich ständig beobachtet und unwohl, im besten Sinne eines Thrillers.
Was ich allerdings nicht verstehe, Simon Beckett:
Warum gibst du mir schon wieder einen Charakter, den ich nach kürzester Zeit in mein Herz schliesse? Gerade diese Figuren machen die Geschichte emotional noch wirkungsvoller und gleichzeitig schmerzhafter.
Insgesamt ein starker Teil der Reihe mit grossartiger Atmosphäre und emotionaler Tiefe, jedoch nicht mein Liebster.📸🪦
- Erin Hunter
Warrior Cats - In die Wildnis
(1.185)Aktuelle Rezension von: SarahSoschniokSchöne Kindheitserinnerung. Tolle, spannende Geschichte über einen Kater, der in die Wildnis zu einer Ansammlung von Katzen findet.
Habe es als Hörbuch gehört. Man kommt gut in die Story rein und ich liebe die Welt der Warrior Cats, die Erin Hunter erschaffen hat.
Sammy auf seinen Weg zu den Clans zu begleiten hat mich total zurückversetzt und die Sprecherin hat meine Liebe zu Hörbüchern entfacht! - Thomas Gifford
Assassini
(266)Aktuelle Rezension von: Karin_KehrerPapst Calixtus IV. ringt mit dem Tod.
Die junge Nonne Valentine Driskill wird erschossen, ebenso ihr Geliebter, ein einflussreicher Geschäftsmann und dessen Freund.
Ben Driskill, Valentines Bruder, beginnt Nachforschungen anzustellen, denn Valentine wollte ihm vor ihrem Tod ein schreckliches Geheimnis anvertrauen, das den Vatikan und die Kirche betrifft. Ben hat nur ein Foto aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs als Anhaltspunkt.
Seine Reise führt ihn nach Alexandria, Paris und schließlich in ein abgelegenes irisches Kloster, wo ein uraltes, sehr brisantes Dokument aufbewahrt wird: Der Beweis, dass die Assassini, die Mördertruppe des Vatikans tatsächlich existiert. Auch Ben wird von einem unheimlichen Killer verfolgt. Doch wer hat ihn beauftragt? Hängen die Morde etwa mit der bevorstehenden Papstwahl zusammen?
Ein brisantes Thema: Die Machenschaften des Vatikans und der katholischen Kirche, Kunstraub während der Nazizeit, die unrühmliche Rolle der Kirche während des Zweiten Weltkriegs. Viel Raum für Spekulationen und Verschwörungstheorien.
Durchaus gut aufbereitet und zum Teil auch spannend erzählt. Ben Driskill und Schwester Elizabeth, Valentines Freundin, sind sehr glaubwürdige und sympathische Charaktere, auch wenn sie die meistens ahnungslos durch die Handlung stolpern, weil sie die Zusammenhänge einfach nicht erkennen (ich fragte mich manchmal, wo dabei Driskills anwaltsmäßiger Scharfsinn geblieben ist).
Wer sich diesen Vatikan-Thriller vornimmt, braucht Zeit. Denn allzu langatmig werden Details ausgewalzt und Vorgefallenes gebetsmühlenartig wiederholt und beleuchtet. Hier hätten Kürzungen gut getan!
Fazit: Interessanter Streifzug durch die blutige und wenig ruhmreiche Seite der Kirchengeschichte mit Bezug zur Gegenwart, leider etwas langatmig. - Stieg Larsson
The Girl with the Dragon Tattoo
(39)Aktuelle Rezension von: PycoThis book has it all. From mystery to family saga, from love story to financial intrigue. A nerve-wracking story about its protagonists, their secrets and their connections. For anyone who loves to explore mysteries, expose people's darkest depths and get to the bottom of a mystery. Not for the faint hearted or one-shot reader, once you start the series there is no turning back.
- Jan Weiler
Mein Leben als Mensch
(120)Aktuelle Rezension von: KarinJSeine Storys muten irgendwie ausgedacht und trotzdem real an. Seine Charaktere wirken auf mich sehr lebendig und sympathisch, vor allem sein Schwiegervater, sein kleiner Sohn und das Kindermädchen Natalya. Bei ihr habe ich immer die Nastya aus der Lindenstrasse vor Augen und der Schwiegervater liegt mir, bei allem, was er sagt, sofort mit einem angenehmen weichen Singsang in den Ohren. Die Texte amüsieren durch Überraschungen, denn die Charaktere sind schlagfertig und Jan Weiler springt von einem Thema ins nächste, um dann plötzlich auf irgendetwas zurückzukommen. Über alle Kolumnen hinweg wurden sehr viele, unterschiedliche Themen bearbeitet. Das macht dieses Buch abwechslungsreich. Die Sprache ist anschaulich, enthält viele eingängige Bilder, ist eine frische Mischung aus Alltagssprache und einem gehobenen Schreibstil, wie man ihn für Veröffentlichungen erwarten würde.
- James Hamilton-Paterson
Kochen mit Fernet-Branca
(28)Aktuelle Rezension von: rallusKöstlich, einfach köstlich diese Gerichte, doch nicht zum Nachkochen empfohlen. Gerald, ein in das Alter gekommener, doch immer noch von sich überzeugter Ghostwriter und Marta eine aus einer ehemaligen fiktiven russischen Enklave kommenden Msuikkomponistin treffen sich auf einem einsamen Berg als Nachbarn in der Toscana wieder. Gerrriiiieee wie Marta ruft hat einen Hang zu exotischen Gerichten (Katze, Jack Russell....) seine Rezepte sind nicht nur köstlich beschrieben auch die Mengenangaben sind genauestens einzuhalten. (99 Rosinen, EIN Safranfaden) Nicht nur die Rezepte sind köstlich zu lesen, das ganze Buch ist in einer beschwingten, feinen Sprache geschrieben und hält sich auch an vielen kleinen Details fest. Es wird erst ein Kapitel aus Sicht von Gerald dann von Marta geschildert, am Anfang gibt es eine Zusammenfassung der letzten Ereignisse, die durch die Sicht des anderen plötzlich eine andere witzige Deutung bekommen. Dies allein birgt schon manchen Schmunzler, die Verwicklungen sind vorprogrammiert. Leider übertreibt es der Autor doch ein wenig mit der Rahmengeschichte, es landen alleine 4 mal Hubschrauber bei den verlassenen Häusern und die Film- und Musikgrößen dieser Welt geben sich die Klinke in die Hand. Wenn Übertreibung als Humorstilmittel eingesetzt wird, dann aber bitte etwas dezenter. So gerät die Handlung manchmal zu einem schlechten James Bond Film. Ach ja ein Film wird natürlich auch gedreht und am Ende werden nochmal alle Register gezogen und so gerät das Buch meiner Meinung nach in eine grobe Schieflage. Ein durch die feine und witzige Sprache sehr gut zu lesendes Buch, mit guten drei Sterne, doch leider mit zu grober und unwirklicher Rahmenhandlung. - David Nicholls
Ewig Zweiter
(63)Aktuelle Rezension von: vielleichtsagerin"Ewig Zweiter" handelt von der aufreibenden Odysee des erfolglosen Schauspielers Stephen McQueen durch die grelle Welt des Filmgeschäfts. Seinen größten Erfolg feierte er bisher als Eichhörnchen in einem Lehrfilm für Kinder und wird mit Vorliebe für - sehen wir der ungeschminkten Wahrheit ins Auge - zwar notwendige, dabei aber nicht gerade anspruchsvolle Rollen gebucht. "Regloser Leichnam auf dem Seziertisch" oder aber "namenloser Kurier" durfte Stephen bereits viele Male spielen. Solche Einsätze bieten Stephen faktisch keinen Spielraum, um sein Talent als wandlungsfähiger Schauspieler unter Beweis zu stellen. So betrachtet ist es vollkommen logisch, dass ihm der große Durchbruch als neuer Stern am Showbiz-Himmel Großbritanniens bislang nicht gelingen mochte. Als er als Zweitbesetzung für die Rolle des Lord Byron in einem prestigeträchtigen Theaterstück gecastet wird, wittert er die eine, großartige, todsichere Chance, endlich groß rauszukommen und es allen zu zeigen. Zwischen Stephen und dem Weltruhm steht allerdings ein Problem. Das Problem hat einen Namen und tritt in der Gestalt eines charismatischen Schauspielers auf, der soeben zum "zwölftsexiest Mann der Welt" gewählt wurde. Die Rede ist von Josh Harper, der Hauptattraktion des Stückes. Abend für Abend taucht er pünktlich und topfit im Theater auf, liefert sensationelle Vorstellungen ab und wird anschleßend von den Zuschauern frenetisch gefeiert. Vor allem Harpers stählerne gesundheitliche Konstitution bereitet Stephen Kopfzerbrechen. Wird er als Zweitbesetzung jemals zum Zug kommen? Zu allem Überfluss besitzt Harper einen BAFTA Award und ist mit der phantastischen Nora verheiratet. Das Paar wohnt ganz hip in einer umgebauten Regenschirmfabrik im Herzen Londons, wo es rauschende Partys für seine zahlreichen Promifreunde schmeißt. Harper fliegen all die guten Dinge des Lebens einfach so, während Stephen Mal für Mal in den sauren Apfel beißen muss. Stephens Karriere als Schauspieler erfährt im Laufe des Buches einen temporären Aufschwung, für den er zahlreiche Demütigungen und Peinlichkeiten über sich ergehen lassen muss. Sie an dieser Stelle auszubuchstabieren, wäre unfair. Daher verrate ich nur so viel: Am Ende des Buches akzeptiert er seinen Mangel an schauspielerischem Talent und sucht an Noras Seite nach einer neuen beruflichen Herausforderung ... Mit Wortwitz, viel Sinn für Situationskomik und unbestechlicher Beobachtungsgabe karikiert Nicholls in seinem Debütroman die von Absurditäten, Oberflächlichkeiten und schnelllebigen Wer-ist-in-wer-ist-out-Regeln beherrschte Welt des Filmgeschäfts. Die Figuren sind allesamt hoffnungslos überzeichnet. So verkörpert Josh Harper den Typus "charismatischer Jungstar", Stephen tritt hingegen als der "charmante Loser" auf. "Ewig Zweiter" sehe ich jedoch nicht als eine tiefschürfende Charakterstudie. In meinen Augen ist das Roman vielmehr eine Karikatur, als deren zentrales Merkmal die "komische Überzeichnung" gilt. Insofern kann und möchte ich dem Autor seine stereotype Figurengestaltung nicht zum Vorwurf machen. FAZIT: Fazit: Mit "One Day", "Keine weiteren Fragen" und "Ewig Zweiter" habe ich drei Nicholls-Romane gelesen, in umgekehrter chronologischer Reihenfolge. Einen frappierenden Qualitätsabfall konnte ich nicht feststellen, wenn auch "One Day" im Vergleich zu "Ewig Zweiter" ausgereifter und eloquenter erscheint. Nichtsdestotrotz möchte ich dieses Buch jedem empfehlen, dem die meteorologische Tristesse schwer auf den Schulter lastet. - Johann Wolfgang von Goethe
Faust I und II
(15)Aktuelle Rezension von: thats-new-lifeEine der bekanntesten Weltklassiker Faust I und II, als Erwachsene fand ich die Tiefen des Buches faszinierend, in Schulzeiten als Zwangslektüre war sie noch nicht so meine Welt, ich finde das Buch braucht eine bestimmte Reife und auch die Sprache des Buches und allgemein aus der Zeit von Johann Wolfgang Goethe, wird mit der Reife anders bedeutungsvoll und verständlich. Teilweise hat das Buch lange Monologe die nicht jedermanns Vorlieben entsprechen, aber im gesamten ist es ein brillianter Weltklassiker, ein Denkanstoß der uns auf gedankliche Grenzen bringt.
- Craig Russell
Blutadler
(192)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannOder auch: Einfach widerlich! Zumindest was die Ausführung und damit auch Schilderung der (Ritual-)Morde betrifft, die hier über 400 Seiten hinweg der Aufklärung harren. Hätte es nicht auch eine Nummer kleiner getan? Alles richtig – und doch geht von diesem Thriller eine gewisse Faszination aus – einerseits durch den Gegenpol einer sympathischen Ermittlercrew unter Leitung des Hauptkommissaras Jan Fabel, andererseits durch den historischen Hintergrund, in der das Ganze eingebettet ist.
Doch der Reihe nach. Schauplatz des Geschehens ist die Hansestadt Hamburg kurz nach der Jahrtausendwende. Oder präziser ausgedrückt: der Großraum St. Pauli. Und wer St. Pauli erwähnt, wird fast zwangsläufig Reeperbahn oder Große Freiheit hinterherschieben. Und tatsächlich beginnt die Schilderung des Mordreigens in diesem Milieu – scheinbar. Auch wenn hier einige geographische Gegebenheiten etwas durcheinandergeraten. Aber das ist nicht weiter hinderlich. Ein Serienmörder setzt hier sein brutales „Handwerk“ fort und sorgt dafür, dass nicht nur die Hamburger Polizei alle Hände voll zu tun hat, sondern sich auch noch der Bundesnachrichtendienst (BND) sowie Mitarbeiter der GSG 9, der Polizei-/Grenzschutz-Sondereinheit (Grenzschutzgruppe) des Bundes, die nach dem Münchner Attentat auf die israelische Sportmannschaft der Olympischen Spiele 1972 ins Leben gerufen worden ist. Es bleibt hier nicht nur bei der schnöden Erwähnung, sondern es werden auch einige Hintergrundinformationen dazu geliefert. Was auch für die übrigen historischen Gegebenheiten gilt – zuvorderst der Mythologie und Geschichte der Wikinger, die hier den „schwarzen Peter“ für die Taten zugeschoben wird. Und wenn das Buch nicht bereits 2005 veröffentlicht worden wäre, so hätte man annehmen können, dass hier der Autor bewusst auch die ukrainische Karte zieht. Denn es kristallisiert sich schnell heraus, dass nicht nur „die Ukrainer“ hinter all dem Monströsen stecken könnten, sondern es wird auch deutlich, dass die Gründung des Kiewer Rus allerdings weder durch die Ukrainer oder Russen erfolgte, sondern durch den Warägerfürsten Rurik, schwedische Wikinger, die „die Wolga hinauf segelten“, und im Einzugsbereich dieses Flusses zahlreiche Handelsposten errichteten – eben auch jenen in Kiew. Und dass sie dies nicht gerade zimperlich taten, ist historische Gewissheit und bekommt durch die hier geschilderten Taten einen aktuellen „Abglanz“.
Und noch etwas ist von brennender Aktualität, nämlich die hier bereits zur Sprache kommende Fremdenfeindlichkeit: „‘Gnädige Frau erlauben Sie mir, Ihre Frage zu beantworten. Die Botschaft, die mein Sohn überbringt [Sohn eines ehemaligen SS-Schergen] – nämlich die Botschaft des Hamburger Volkes – ist ganz einfach: Hamburg hat genug – genug von der Masseneinwanderung, genug von den Drogenhändlern, die unsere Kinder vergiften, genug von der um sich greifenden Kriminalität, genug von den Ausländern, die uns die Arbeitsplätze wegnehmen, unsere Kultur untergraben und Hamburg, genauso wie unsere anderen schönen deutschen Städte, in Senkgruben des Verbrechens, der Pros*tution und der Sucht verwandeln.“ Und das zu einer Zeit, als von der AfD noch kein blauer Schimmer zu erkennen war (höchsten in Form anderer rechter Parteien). Überflüssig zu erwähnen, dass auch die Entwicklung von Hamburg hier zumindest in Kurzform angerissen wird.
Der Hintergrund bzw. das Resultat von „Blutadler“, dem namensgebender Titel dieses Buches, sollen hier nicht näher beleuchtet werden, da das Blut beim Lesen zu gefrieren droht. Denn für (Hoch-)Spannung ist ohnehin gesorgt …
- Kirsten Heisig
Das Ende der Geduld
(83)Aktuelle Rezension von: HoldenJugendrichterin Heisigs Aufklärungsbuch über Jugendgewalt. Erfreulicherweise wird nicht so getan, als sei die Gewalt vom Himmel gefallen oder bestimmten Bevölkerungsgruppen immanent. Unter den äußerst negativen Lebensbedingungen, unter denen manche der Kinder aufwachsen mußten, wäre es schwer gewesen, die "Kurve zu kriegen". Daß Heisig schreibt, daß bei Heranwachsenden häufig Erwachsenenstrafrecht angewandt werde, kann ich so nicht stehen lassen. Meinem Kenntnisstand wird nur bei Trunkenheitsfahrten das allgemeine Strafrecht angewendet, weil Trunkenheitsfahrten in jedem Alter vorkämen, ansonsten wird immer Jugendstrafrecht angewandt. Im übrigen erstaunlich, in was für Bereichen sich ein Jugendrichter auskennen muß, abseits der reinen Paragraphenarbeit in StGB und JGG. Und manche der Themen, die Heisig nur kurz anreißt, sind inzwischen in den Mittelpunkt der Diskussion getreten, zB Cybermobbing, Social Media und die sog. "Ehrenmorde".
- Hilke Rosenboom
Ein Pferd namens Milchmann
(37)Aktuelle Rezension von: iwritereviewsnottragediesHerman staunt nicht schlecht, als eines Morgens plötzlich ein Pferd auf seiner Terrasse steht. Er tauft es auf den Namen Milchmann und versteckt es erst einmal vor den neugierigen Blicken der Nachbarin in der Garage. Doch Milchmann ist gelangweilt und wünscht sich eine Beschäftigung. Dazu kommt, dass er jederzeit von Hermans Eltern entdeckt werden könnte. Und so nimmt Herman das Pferd kurzerhand mit in die Schule, wo er es auf einer Wiese in der Nähe grasen lässt. So weit so gut. Doch als Herman wiederkommt, steht plötzlich ein zweites Pferd neben Milchmann. Anscheinend ist er nicht der einzige, dem vor kurzem ein Pferd zugelaufen ist...
Zu Beginn hat mich das Buch wirklich gut unterhalten. Das Versteckspiel mit dem Pferd war witzig und kreativ - Herman lässt sich immer neue Sachen einfallen, damit Milchmann nicht entdeckt wird. Allerdings ist der Handlungsverlauf recht linear, zu linear für meinen Geschmack. Pferd wird gefunden, Pferd wird versteckt, Pferd haut ab, Pferd kommt zurück, Pferd wird gefangen, Pferd wird befreit. Spätestens ab dem Zeitpunkt, als die zwielichtigen Gestalten hinter den Pferden her waren, war der weitere Verlauf der Geschichte relativ voraussehbar. Die Rettung der Pferde durch Herman ist meiner Meinung nach völlig unrealistisch - als ob sich erwachsene Männer einfach von Kindern aufhalten lassen! Das Ende war wiederum ganz schön und hat eine plausible Lösung für das Auftauchen der Pferde geliefert, kam aber zu schnell. Ich hätte gerne noch etwas über die anderen Pferde erfahren und wie es den anderen Kindern damit ergangen ist. Insgesamt ein durchschnittliches, wenn auch kreatives Buch.
- Delphine de Vigan
No & ich
(438)Aktuelle Rezension von: Buchspinat[Eigenes Exemplar]
Zum Inhalt:
Die 13jährige Lou ist hochbegabt und hat zwei Klassen übersprungen. Seit dem plötzlichen Kindstod ihrer kleinen Schwester ist Zuhause alles anders als vorher. Ihre Mutter kämpft mit schweren Depressionen. Der Vater versucht die Familie irgendwie zusammenzuhalten. Und Lou versucht, alles zu verstehen und dabei Stück für Stück erwachsen zu werden.
Als sie ein Schulreferat halten muss, weiß sie erst nicht, worüber. Doch dann begegnet ihr No. 18 Jahre alt und obdachlos. Lou ist fasziniert von No und die beiden freunden sich an. Und dann beschließt Lou, dass sie No von der Straße holen will. Es muss doch möglich sein, die Welt zu verändern…
Meine Meinung:
Eins der besonderen Bücher, die man in die Hand nimmt und nicht mehr weglegen kann. Lou ist bezaubernd. Unheimlich klug, mit den zwei Jahre älteren Klassenkameraden und deren Freizeitvergnügen weitestgehend überfordert. Immer zu am Denken und Überlegen und Forschen und Lernen. Sie versucht, die Welt und die Menschen zu verstehen, doch meist gelingt es ihr nicht.„Inzwischen weiß ich ein für alle Mal, dass man Bilder nicht verscheuchen kann, und schon gar nicht die unsichtbaren Risse, die sich tief im Bauch bilden, man kann die Nachklänge und Erinnerungen nicht verscheuchen, die wach werden, wenn es Nacht wird oder der Morgen anbricht, man wird den Nachhall der Schreie nicht los, und schon gar nicht den des Schweigens“ – Seite 50
Lou hat ein großes Herz. Was zuerst als Interview mit No für das Referat begann, wird irgendwann zu einer tiefen Freundschaft. Daraus entwickelt sich Lous Wunsch, No zu helfen. Sie überredet ihre Eltern (und ganz ehrlich, das detaillierte Konzept, was sie ausgearbeitet hat, um sie zu überzeugen, werde ich mir merken, wenn ich mal jemanden zu etwas überreden möchte).„ Es ist mir egal, was man sagt.“ „Ich weiß, aber…“ „Genau, das ist das Problem, die ABERS. Wegen der ABERS tut man nie was“ – Seite 121
Ihre Eltern unterstützen Lou und No zieht bei ihnen ein. Zuerst scheint alles gut zu gelingen. Selbst Lous Mutter blüht wieder ein wenig auf.
„Also können die Dinge anders sein, also kann das unendlich Kleine groß werden“ – Seite 109
Doch dann wird No wieder rückfällig und Lou muss erkennen, dass man manchmal auch nicht helfen kann. Egal wie sehr man es sich von Herzen wünscht. Egal, was man alles dafür bereit ist zu tun.„Wir sind imstande, Überschallflugzeuge und Raketen ins All zu schicken, einen Verbrecher anhand eines Haars oder eines winzigen Hautpartikels zu identifizieren, eine Tomate zu züchten, die im Kühlschrank drei Monate völlig faltenfrei bleibt, und Milliarden von Informationen auf einem Microchip zu speichern. Wir sind imstande, die Leute auf der Straße sterben zu lassen.“ – Seite 81
Achtung Spoiler:
Lou dabei zu begleiten, wie sie mit Löwenstärke um No kämpft, hat mich beim Lesen sehr berührt. Sie wächst über sich hinaus. Jeden Tag ein Stück mehr. Doch eines Tages muss sie erkennen, dass es einfach nicht gereicht hat.
„In Wahrheit sind die Dinge, wie sie sind. Die Wirklichkeit gewinnt immer die Oberhand und die Illusion rückt in die Ferne, ohne dass wir es merken. Die Wirklichkeit hat immer das letzte Wort. Monsieur Marin hat recht, man darf nicht träumen. Man darf nicht hoffen, die Welt verändern zu können, denn die Welt ist viel stärker als wir.“ – Seite 192
Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht. Ich hätte mir gewünscht, dass No es schafft. Das es Lou gelingt, die Welt zu verändern. Gleichwohl hat Lou das geschafft. Wenn auch nur für eine begrenzte Zeit. Aber für diese Zeit war die Welt ein besserer Ort.
Und vielleicht ist ja auch die Veränderung bei Lous Mutter von Dauer und die Depression tritt in den Hintergrund. Dann ist aus allem etwas Gutes dauerhaft geblieben. Ich frage mich, was aus No geworden ist. Ob Lou sie jemals wiedersehen wird? Ob No es schaffen wird, eines Tages ein besseres Leben zu führen?
Ich denke, die Geschichte wird mich noch eine Weile begleiten.
Von mir gibt es eine Leseempfehlung für diese berührende Geschichte.Meine Rezension findet Ihr auch unter www.buchspinat.de
- Xaver Bayer
Die Alaskastraße
(9)Aktuelle Rezension von: pardenSINN UND WAHN...
Von einem Tag auf den anderen kündigt er bei der Partnerschaftsvermittlungagentur. Es bleibt nicht viel, was die zähe Gleichförmigkeit der Tage durchbricht. Da entschließt er sich zu einem Inselurlaub mit Conny. In seltenen Stunden wurde alles leicht zwischen den beiden: In diesen Momenten war Einklang. Aber die Angst vor Wiederholungen und Ritualen zerstört diesen Einklang. Besessen von sich, seinen Versuchen, die Wirklichkeit in Erinnerung zu übersetzen, weil er sie nur vermittelt erträgt, verweigert er sich jeder Form der Erlösung, der des Augenblicks so wie der anderen, die es nicht gibt. Mit kaltem Blick, schonungslos, selbstentblößend wird hier die "perfide Allianz von Sexualität und Tod" noch einmal und noch einmal endgültig seziert.
Am Anfang wirkt alles noch relativ normal: Überdruss am Arbeitsplatz, Überdruss in der Beziehung, der Protagonist ist erschöpft, urlaubsreif, kurz gesagt, einfach alles leid. Kurz darauf wird aber deutlich, dass es nicht einfach nur eine vorübergehende Sinnkrise ist:
"Ich habe tatsächlich die letzten Monate das Gefühl gehabt, ...einfach nicht mehr da zu sein."
Dieses Buch bietet beängstigende Einblicke in die Gedankenwelt eines Mannes, den das vorhersagbare Alltagsleben zunehmend anekelt.
Konsequenterweise kündigt er seinen Job, in dem er sich nicht glaubhaft vorkam, und seinen Handyvertrag noch gleich dazu. Er versucht sich dem ganzen noch weiter zu entziehen, indem er mit seiner Freundin für einige Wochen auf eine Insel fährt, vollkommen abseits vom Touristenrummel.
Aber bald beginnt auch die Routine im Umgang miteinander ihn anzuöden und zu ekeln, und er flieht auch aus dieser Situation. Immer mehr kapselt er sich von seinem früheren Leben und den alten Freundschaften ab, meidet überhaupt möglichst menschliche Kontakte. Er versucht ganz einfach, sich dem Unsichtbarwerden und Verschwinden immer mehr anzunähern.
"...ich war froh, mit niemandem sprechen zu müssen, obwohl ich mir darüber im klaren war, dass das, was ich am Alleinsein so schätzte, vor allem in der Fremde, diese Körperlosigkeit, dieses Fast-Verlorensein und von der Umgebung getrennt zu existieren, doch auch die Gefahr mit sich führte, in Verzagtheit auszuufern, in ein In-alle-Richtungen-Fließen vor lauter Haltlosigkeit."
Ein Mensch auf dem Weg in den Wahn entfernt sich immer weiter von nahe stehenden Menschen, Partner, Eltern, Kindern, Freunden, Arbeitskollegen, er vertraut schließlich niemandem mehr und am wenigsten sich selbst.
Für mich war es ein befremdlicher und in seiner Radikalität teilweise bedrohlich anmutender Einblick in eine solche Gedankenwelt. Allerdings kommt mir der ein oder andere Gedankengang zu bestimmten angesprochenen Banalitäten des Alltags auch nicht völlig unbekannt vor...
Für mich in erster Linie ein verstörendes Buch mit der Präsentation einer zwar eindrucksvollen Gedankenwelt, die für mich aber eher abstoßend wirkte. Kein Buch für gemütliche Stunden...
© Parden
- Peter Sartorius
Nowitzki
(6)Aktuelle Rezension von: HoldenAls Nowitzki noch "Nowinski" hieß, vor dem Titelgewinn 2011 mit den Mavs 2011 und bevor sich Barack Obama sich über Dööörks Gesang zu "We are the champions" lustig machte. Nowitzkis Hintergrund wird schön erklärt, genauso wie der seines Förderers Holger Geschwindner, wie Basketball nach Deutschland kam und wie NBA-Commissioner David Stern B-ball zu dem Mega-Großereignis machte, das es heute mit weltweiten Milliardenumsätzen ist. Nowitzkis Anlaufschwierigkeiten bei den Dallas Mavericks werden beschrieben, wie er um Haaresbreite bei einem anderen Klub oder bei einem amerikanischen College gelandet wäre und schwer sich der zurückhaltende, fast scheue Ménsch mit Selbstzweifeln tut. Aber Höhenangst zu haben und 2,13 m groß zu sein, scheint keine allzu gute Kombination zu sein. Toller Typ, auf jeden Fall ein Vorbild auf und neben dem Parkett. Dörkules!
- Sean French
Bin ich hier richtig?
(17)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerMark Foll hangelte sich sein junges Lebens stets von Job zu Job und von Frau zu Frau. Schließlich landet er in einem Call Center einer Versicherung und muss feststellen, dass er mehr will. Er vermisst den "Spaß" bei seiner Arbeit. Also geht er kurz entschlossen zu seinen Vorgesetzten, um mal eben zwischendurch um genau selbigen zu bitten. Und so nimmt die ganze Geschichte ihren Lauf. Er wird in ein kleines englisches Dorf geschickt, um etwas über die dort gehäuft auftretenden Krebserkrankungen zu recherchieren. Dabei findet sich auch zufällig die Liebe seines Lebens... Der Klappentext versprach mehr, als das Buch im Stande war zu halten. Den Witz und die Selbstironie suchte ich vergebens. Was sich mir eher bot, war eine billige "Erin Brockovich" Geschichte mit Liebesszenen, die sich mit aller Kraft gerade so über drei Zeilen erstreckten. Alles in allem ein Buch, das am Ende den Eindruck eines unbefriedigenden Gesammtkonzeptes hinterließ. Daher nur zwei von fünf Sternen. - Jean-Christophe Grangé
Die purpurnen Flüsse
(335)Aktuelle Rezension von: paw_prints_on_booksFür mich war das Anlauf Nr. 2 oder Nr. 3 mit diesem Buch. Diesmal höchst erfolgreich, auch wenn das Hörbuch ganz schön dramatisch mit Musik verarbeitet war. Gewöhnungsbedürftig, aber mal was anderes. Teilweise war die Story auch ein bisschen gekünstelt dramatisiert, aber irgendwie ist mir das schon des Öfteren bei französischen Büchern, Filmen oder Serien im Bereich Spannung/Krimi aufgefallen. Da stehen dann zwei Leute voreinander, reden ganz normal und dann - komplett aus der Kalten - roundhouse-kickt der eine dem anderen ins Gesicht und verzieht sich. So komplett überflüssig. Ich musste ein bisschen Lachen an der Stelle. Ich schwanke zwischen drei und vier Sternen, weil manches einfach ZU passend war. Also irgendwie zu hübsch ineinander gegriffen hat, als das es so eine spannende Ermittlung ergeben hätte. Auf der anderen Seite war es aber auch wieder ein interessantes Thema. Ach, was soll der Geiz? Vier Sterne passen schon.
- Tahar Ben Jelloun
Papa, was ist ein Fremder?
(27)Aktuelle Rezension von: Lyra01Was genau ist Apartheid? Was Antisemitismus? Was bedeutet Genozid?
Diese Worte kommen einem bekannt vor, aber nicht jeder kennt die genaue Bedeutung dahinter. Und schon gar nicht Kinder. In dem Roman "Papa, was genau ist ein Fremder?" von Tahar Ben Jelloun wird in Dialogform ein Gespräch zwischen dem Autor und seiner zehnjährigen Tochter Mérièm aufgeführt, in dem neben den oben stehenden Begriffen allgemein Rassismus und Fremdenfeindlichkeit thematisiert werden. Dabei erklärt Jelloun der kleinen Mérièm diese komplexen und nicht wirklich leichtzuverstehenden Begriffe mit einfachen Worten und simplen Beispielen aus ihrem Alltag und belegt sie mit einfachen Darlegungen historischer Ereignisse.
Ich habe mich recht schnell durch das Buch gelesen, und fand es fantastisch. Den Erläuterungen des Vaters über Rassismus, Fremdenhass und Diskriminierung stimme ich vollkommen zu und auch wenn sie völlig meine Meinung wiederspiegeln, hat der Roman mich zum Nachdenken veranlasst. Und zwar nach jedem "Abschnitt".Ich kann das Buch nur jedem weitermpfehlen, der sich für die oben genannten Themen interessiert, oder auch einfach nur eine schnelle Lektüre vor dem Schlafengehen oder zum Entspannen sucht.
- Jan Weiler
In meinem kleinen Land
(97)Aktuelle Rezension von: Martin_GehrIn neun Monaten kann man Mutter werden oder durch Deutschland reisen. Autor Jan Weiler hat sich für Letzteres entschieden. Durch seine Familienromane „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ und „Antonio im Wunderland“ zum Bestseller-Autor avanciert, ging er von September 2005 bis Mai 2006 auf Lesereise – von der Nordsee-Insel Föhr bis zum Bodensee. Seine Erlebnisse hielt er in einem Tagebuch fest, das zunächst als Weblog erschien und dann auch in gedruckter Form erhältlich war.
Chronologisch geordnet und nach Städten betitelt, berichtet Weiler in seinen Episoden von Rundgängen durch die Innenstädte oder analysiert das Publikum, das zu seinen Lesungen kommt: von amüsierwilligen Frauencliquen bis zu mitgeschleppten Ehemännern, „die aus Protest einpennen“. Er erzählt, wie er aus der Dresdner Frauenkirche geworfen wird oder verkatert eine Talkshow übersteht („Dass ich eigentlich aussehe wie ein vollgeschissener Strumpf, merkt man überhaupt nicht.“). Weiler nimmt seine Beobachtungen aber auch zum Anlass für rückblickende Erzählungen, etwa wenn er bei seinem Aufenthalt in Köln an eine Begegnung mit Willy Millowitsch in dessen Villa zurückdenkt, in der er sich an dessen Bambi-Trophäe vergriff und vom Volksschauspieler, der im Unterhemd hereinschlurfte, zurechtgestutzt wurde.
Seine ironischen Alltagsbeobachtungen werden allerdings oft von stereotypem Humor überlagert, zum Beispiel, wenn es um Provinzen geht, die erst seit Einführung des Navigationssystems auffindbar sind oder die Befürchtung, im Osten nur auf Kahlköpfige zu treffen, die Jagd auf Dönerverkäufer machen.
Zudem sind seine Betrachtungen häufig banal („Studieren ist einfach besser als arbeiten“) oder sehr einseitig kritisierend: „Dortmund ist nicht besonders schön. Jedenfalls nicht auf der Strecke, die ich mit dem Zug passiere. Es ist aber auch nicht hässlich. Es sieht nur so ungeliebt aus, so aufgegeben. Dortmund ist wie eine Frau, die sich nach dem fünften Kind nicht mehr die Haare kämmt, weil sowieso alles egal ist.“
Dazu wirken seine Schilderungen nur dann lebhaft und bereichernd, wenn er Begegnungen mit Menschen illustriert, etwa wenn sich Schriftsteller-Kollegen auf der Frankfurter Buchmesse das Lob an die Backe lügen.
Zu Beginn ist Weilers Erzählstil euphorisch, am Ende wehmütig. Zwischendrin breitet sich jedoch eine lethargische Atmosphäre aus. Irgendwie ist es diese Lethargie, die auch das Foto auf dem Cover ausdrückt, auf dem der Autor in der Ecke eines Cafés vegetiert.
Eine Lesetour ist freilich nicht so tiefgreifend wie eine Reise auf dem Jakobsweg, aber bedeutungsvolle Begegnungen dürften auch auf einer ‘Mission durch Deutschland’ erlebbar sein. Die im Vorwort erwähnte Entwicklung einer Identifikation mit ‘seinem kleinen Land’ durch die Lesereise wird in den Texten jedenfalls nicht deutlich.
- Pierre Frei
Onkel Toms Hütte, Berlin
(66)Aktuelle Rezension von: Igelmanu66Ein amerikanischer Offizier stand mit einem Militärpolizisten und dem Fahrdienstleiter auf den Gleisen. Sie hatten die Tote neben die Schienen gebettet. Sie war blond und hatte ein schönes, ebenmäßiges Gesicht. Ihre blauen Augen starrten ins Nichts. Blutunterlaufene Strangulierungsmale kerbten sich in den zierlichen Hals. Klaus Dietrich deutete auf ihre Nylonstrümpfe, die kaum getragenen Pumps und das helle, modische Sommerkleid. »Eine Amerikanerin«, meinte er besorgt. »Wenn das ein Deutscher getan hat, gibt’s Ärger.«
Der weiblichen Leiche werden in Kürze weitere folgen. Als wenn es in diesem Land nicht schon genug Tote gegeben hätte, treibt nun auch noch ein Serienmörder im Sommer 1945 in Berlin sein Unwesen…
An diesem Buch steht Krimi dran, drin steckt aber noch viel mehr. Neben der Jagd auf den Serienmörder zeichnet der Autor ein umfangreiches und vielschichtiges Bild des Nachkriegs-Berlins. Außer den Problemen zwischen Besatzungsmächten und Bevölkerung werden auch viele Schwierigkeiten behandelt, mit denen die Menschen damals umzugehen hatten.
Die Art und Weise, wie das hier umgesetzt wird, ist ungeheuer intensiv und lässt den Leser immer ganz nah an den einzelnen Schicksalen sein. Konkret verfolgt man Werdegang und Leben jedes Opfers mit und trifft dabei unter anderem auf Themen wie Prostitution und Euthanasie. Zudem sind die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten vertreten, so dass mal eine Adlige im Fokus steht, mal eine Frau aus ganz ärmlichen Verhältnissen.
Apropos: Die akute Notlage der Menschen im Sommer 1945 wird natürlich ebenfalls behandelt, hier geht der Blick immer wieder auf den deutschen Ermittler Klaus Dietrich und seine Familie, speziell auf den 15jährigen Sohn.
Die Krimihandlung selbst ist spannend und gab mir reichlich Stoff zum Mitermitteln. Gut gefiel mir dabei, dass ich (obwohl ich schon früh eine Ahnung hatte, wer der Täter sein könnte) erst am Ende die kompletten Zusammenhänge erkennen konnte. Und sogar eine Überraschung gab es noch, wirklich gut gemacht!
Alles in allem hatte ich also viel Lesespaß, trotzdem aber auch einen Kritikpunkt. Als ich in einer anderen Rezi kritische Worte zu manchen Sexszenen las, musste ich zunächst schmunzeln. Aber als ich die Szenen dann selber las, den Kopf schütteln. So real alles andere in dem Buch wirkt (einschließlich diverser Vergewaltigungen nach dem Einmarsch der Besatzer), bei den „normalen“ Sexszenen scheint der Autor in einer Traumwelt zu leben, in der jede Frau ständig willig und lüstern ist und jeder Mann sooo toll! Ich fand das sehr schade, denn das ansonsten gute Niveau sank bei diesen Passagen leider ziemlich.
Fazit: Spannende Zeitgeschichte mit Krimi, wirkt sehr lebendig, intensiv und realistisch. Lediglich einigen Sexszenen würde eine Überarbeitung guttun.
- Claire Cook
Frau mit Hund sucht Mann mit Herz
(5)Aktuelle Rezension von: luckytimmiSarahs Ehe ist gescheitert und eine ihrer Schwestern gibt für sie eine Kontaktanzeige auf. Irgendwie will Sarah aber nichts von den Antworten der Männer wissen, ist dann aber doch neugierig und reagiert auf eine Anzeige. Sie lernt auch noch 2 andere Männer kennen, und man weiß bis zum Schluss nicht, für wen sie sich wohl entscheiden wird. Das Ende bleibt offen und hat mich ein bisschen enttäuscht.
Auch der Einstieg ins Buch hat mich nicht gleich gefesselt, bis etwa zur Mitte des Buches kam ich nicht so richtig in die Geschichte rein. Immer , wenn ich das Buch aus der Hand gelegt hatte, musste ich am nächsten Tag wieder überlegen, worum es vorher ging und wer die Personen waren. Anfangs haben mich auch die vielen Namen ( von ihren vielen Geschwistern und deren Kindern...) verwirrt.
Alles in allem war es eine nette Geschichte, aber umgehauen hat es mich leider nicht...























