Bücher mit dem Tag "2.weltkrieg"
110 Bücher
- Markus Zusak
Die Bücherdiebin
(4.706)Aktuelle Rezension von: Mi-ka-doLiesel Meminger wächst in einer Zeit auf, in der Angst, Verlust und politische Unterdrückung zum täglichen Leben gehören. Nachdem sie bei dem Ehepaar Hubermann ein neues Zuhause gefunden hat, entdeckt sie nach und nach ihre Leidenschaft für Geschichten. Bücher werden für Liesel zu einem Zufluchtsort, aber auch zu einer Möglichkeit, anderen Menschen Trost und Hoffnung zu schenken.
Besonders eindrucksvoll fand ich die Entscheidung, den Tod als Erzähler auftreten zu lassen. Er betrachtet das Geschehen mit einer eigenwilligen Mischung aus Distanz, Mitgefühl und trockenem Humor. Dadurch erhält der Roman eine Atmosphäre, die sich nur schwer mit anderen Büchern vergleichen lässt. Die vielen sprachlichen Bilder und eingeschobenen Bemerkungen unterbrechen allerdings immer wieder den Erzählfluss. Daran musste ich mich zunächst gewöhnen. Auch dass zukünftige Ereignisse teilweise vorweggenommen werden, hat mir anfangs etwas von der Spannung genommen. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind dagegen toll entwickelt.
Mich hat vor allem beeindruckt, wie das Buch kleine Augenblicke der Wärme vor einem grausamen historischen Hintergrund sichtbar macht. Hilfsbereitschaft, Zuneigung und stiller Widerstand stehen einer Welt gegenüber, die zunehmend von Gewalt und Menschenverachtung bestimmt wird. Gerade dieser Gegensatz macht Liesels Geschichte irgendwie anstrengend und schmerzhaft und doch zugleich hoffnungsvoll.
Manche Abschnitte hätten für meinen Geschmack vielleicht ein bisschen kürzer ausfallen können. Trotzdem ist Die Bücherdiebin ein außergewöhnlicher Roman, der seine Wirkung langsam entfaltet und besonders durch seine Figuren, seine Sprache und seine nachdenkliche Sicht auf den Menschen überzeugt. Das Buch hat mich emotional voll abgeholt und auch noch eine Weile nachgeklungen.
- Anne Frank
Gesamtausgabe
(2.728)Aktuelle Rezension von: AukjeAnne Frank, die aus einer jüdischen Familie stammt, muss während des zweiten Weltkriegs von ihrer Heimat Frankfurt am Main, 1933 mit ihrer Familie nach Amsterdam flüchten. Während dieser Zeit führt sie über zwei Jahre lang ein Tagebuch, das deutlich die Ängste und wünsche einer Jugendlichen zeigt, die in diesen schweren Zeiten aufwächst. Und wenn das nicht schon ausreicht erhält man auch noch einen guten Einblick über eine jüdische Familie, die versucht eine einigermaßen erträgliche Normalität aufrecht zu erhalten während sie versuchen zu überleben, in ständiger Angst vor den Nationalsozialisten.
Da meine 13jährige Nichte sich zurzeit mit der Zeit des zweiten Weltkriegs auseinander setzt, habe ich ihr dieses Buch gegeben und es selber nach vielen Jahren noch mal gelesen. Auch nach all den Jahren als ich es zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich wieder sehr bewegt. Nach wie vor halte ich dieses Buch wichtig, damit Jugendliche beginnen sich mit dieser Zeit zu beschäftigen, da es ein autobiografisches Buch einer Jugendlichen ist, die sie nachvollziehen können.
- Lucinda Riley
Das Orchideenhaus
(2.826)Aktuelle Rezension von: dodo2025Mir hat das Buch nicht so gut gefallen, es sind mir zu viele Personen drin vorgekommen und es zog sich so in die Länge. Der Schreibstil ist nach wie vor gut von Lucinda Riley, aber das Buch mit der Geschichte hat mich nicht gekriegt. Der Anfang war noch interessant und spannend, aber das gab sich schnell, leider.
- Anthony Doerr
Alles Licht, das wir nicht sehen
(450)Aktuelle Rezension von: Kathrin_SchroederAlles Licht, das wir nicht sehen von Anthony Doerr, gelesen dank Netgalley
Ein blindes Mädchen, das die Welt entdeckt mit ihren Fingerspitzen, den Ohren und den Stimmen um sie herum. Eine junge Französin, die auf der Arbeit ihres Vaters die Geheimnisse der Naturforschung entdeckt und in gebastelten Modellen die Wege in ihrer Stadt. Ein Junge aus dem Kohlenpott, der aus Drähten Radios baut und träumt Ingenieur zu werden, obwohl ihn als Waise nur das Bergmannslos erwartet. Eine dunkle Zeit, in der Gewalt ohne Regeln, Gier ohne Grenzen und der Größenwahnsinn eines Mannes die Welt ins Dunkle stürzen.
In einer neuen Stadt, geflohen mit dem Vater wird sie ein Teil des Widerstands und er darf wegen seiner Fähigkeiten auf einer Eliteschule seinem Reich dienen.
Das Buch ist wunderbar geschrieben und enthält trotz der düsteren Zeit sehr viele wunderschöne Elemente in aller Angst. Die Personen sind liebevoll beschrieben und die Gewalt ist zwar real, wird aber nur soweit ausformuliert wie es nötig ist. Da Springen vor und zurück in der Zeit lässt uns zwar im Hintergrund den großen Knall erwarten oder das große Drama, aber es schafft nicht die Überraschung zu nehmen. Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen und mit beiden Helden mitgefiebert. Schön fand ich auch das Ende, in dem ein Teil der Zukunft noch mit erlebt wurde,
#AllesLichtdaswirnichtsehen @AnthonyDoerr #Rezension #Bookstagram #KathrinliebtLesen
- John Boyne
Der Junge im gestreiften Pyjama
(2.397)Aktuelle Rezension von: Karandi
Selbst wenn dieses Buch nicht auf Zustände zurückgreifen würde, wie sie in Deutschland einmal gewesen sind, wäre es eine der mitreißendsten Geschichten, die ich bisher gelesen habe. Das Buch fängt die kindliche Unschuld auf besondere Weise ein. Bruno, der Hauptprotagonist, kann weder „Führer“ noch „Auschwitz“ richtig aussprechen. Wir erleben die Nazizeit aus Kinderaugen – aus der Sicht eines Jungen, dessen Vater SS-Offizier ist und damit beauftragt wird, eines der bekanntesten Konzentrationslager zu leiten.
Anfangs ist die Geschichte sehr rührend, und man muss sogar leicht lächeln, wenn man die kindliche Naivität und Hoffnung sieht, die Bruno trotz dieses bitteren Umfelds in sich trägt. Die Augen eines Kindes sind einfach dazu berufen, noch das Gute in der Welt zu sehen. Dann folgt die Begegnung mit Schmuel, dem Jungen auf der anderen Seite des Zauns, der angeblich nicht gut genug war, um mit Bruno spielen zu dürfen.
Bruno, der gesunde Junge, der im Buch im Gegensatz zu Schmuel sogar etwas dicklich beschrieben wird, trifft auf den Jungen im gestreiften Pyjama, dessen Hände nur noch aus Knochen zu bestehen scheinen, dessen Haut grau geworden ist und dessen Adern deutlich hervortreten. Trotzdem entwickelt sich zwischen ihnen eine Freundschaft. Denn wie könnte es anders sein? Kinder entwickeln Freundschaften ganz selbstverständlich – es sind die Erwachsenen, die Unterschiede zwischen Menschen sehen.
Obwohl einige Situationen entstehen, in denen Bruno erkennen könnte, dass er und Schmuel nicht gleich behandelt werden, bewahrt er bis zum Schluss seine kindliche Unschuld. Und dann folgt das Ende. Es hat mir schlichtweg die Sprache verschlagen. Für Kinder ist es ein unglaublich ungerechtes Ende. Doch für einen Vater, der verantwortlich ist für den Tod so vieler Menschen, der so viele Kinder zu Waisen und so viele Eltern kinderlos gemacht hat, wirkt es vielleicht sogar wie eine gerechte Strafe.
„Der Junge im gestreiften Pyjama“ steht zwar auf dem Lehrplan vieler Schulen, doch eben nicht an jeder. Dabei sollte es Pflichtlektüre sein – bundesweit vereinheitlicht, sodass jeder dieses Buch einmal in seinem Leben lesen muss. Nicht nur wegen der Geschichte selbst, sondern um zu verhindern, dass sich solche Taten jemals wiederholen.
Denn auch wenn dies eine fiktive Geschichte ist, wissen wir anhand der Videoaufnahmen und Berichte aus jener Zeit alle, dass die dargestellten Ereignisse keineswegs weit hergeholt sind, sondern der Realität erschreckend nahekommen.
- Kristin Hannah
Die Nachtigall
(667)Aktuelle Rezension von: Unser_BücherGartenSeit längerem wollte ich „Die Nachtigall“ von Kristin Hannah lesen, nachdem ich sehr viele begeisterte Leseeindrücke gelesen und gehört habe. Viele loben den Schreibstil von Kristin Hannah als emotional und spannend. Sie schreibt überwiegend über Frauen in Verbindung mit der Weltgeschichte.
So auch in „Die Nachtigall“. Im Zentrum des Romans stehen die Schwestern Vianne und Isabelle, die beide früh ihre Mutter verlieren. Der überforderte Vater gibt seine Töchter in die Obhut von Pflegefamilien bzw. Internate. Beide Schwestern entwickeln sich unterschiedlich. Vianne gründet eine kleine Familie und muss im von den Deutschen besetzten Frankreich irgendwie überleben. Isabelle schließt sich der Résistance an und führt ein gefährliches Doppelleben.
Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen haben wir eine ältere Dame im Jahre 1995, die eine Einladung zu einem Treffen nach Paris erhält und etwas vor ihrem Sohn verheimlicht. Zum anderen lernen wir die Geschichte der Schwestern Vianne und Isabelle kennen. Beide Schwestern können gegensätzlicher nicht sein. Vianne ist behutsam und vorsichtig, während Isabelle impulsiv und freiheitsliebend ist. Hier hat mir sehr gut gefallen, wie die Autorin die zwei unterschiedlichen Schwestercharaktere herausgearbeitet hat. Der Zwiespalt zwischen beiden Schwestern ist gut erkennbar, aber auch deren Wunsch nach Zusammenhalt. Es hat mich sehr berührt zu sehen, wie sie eigentlich zusammen sein möchten, es aber aufgrund der Umstände um sie herum nicht schaffen können. Wie viel Missverständnisse, fehlende Kommunikation, aber auch falscher Stolz, Risse in einem Verhältnis machen können!
Sehr eindrücklich wird die grausame Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich beschrieben. Hier wird nichts beschönigt. Alle Beteiligten im Roman kämpfen auf ihre eigene Weise ums Überleben. Die Autorin gibt auch den Besatzern viele Gesichter. Man sieht auch hier, dass nicht alle grausam waren und dass Widerstand oft auch leise möglich war. Hier war ich sehr vom Mut vieler Menschen beeindruckt.
Schade fand ich, dass manche Szenen etwas zu kitschig und klischeehaft geschrieben waren. Ich hatte hier zeitweise das Gefühl ein Drehbuch zu einem Hollywoodfilm zu lesen.
Fazit:
Dennoch hat mir „Die Nachtigall“ insgesamt gut gefallen. Es ist spannend geschrieben und leicht zu lesen. Die Grausamkeiten des Krieges und die traurige Familiengeschichte gingen mir nahe. Ohne die etwas kitschigen Szenen wäre es für mich sicherlich ein Highlight geworden.
- David Safier
28 Tage lang
(575)Aktuelle Rezension von: yana271943, Mira lebt im Warschauer Ghetto und schmuggelt Lebensmittel in das Ghetto, um sich, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester Hannah durchzubringen. Ihr Bruder ist bei der verhassten Judenpolizei und ihre Mutter vegetiert seit dem Tod des Vaters vor sich hin. Die ganze Verantwortung der Familie liegt auf den zarten Schultern von der 16 jährigen Mira. Trotz der desolaten Lage wächst eine zarte Liebe zwischen Mira und Daniel, einem Waisenkind.
Es sind die letzten Tage des Warschauer Ghettos, da die Deutschen die Räumung und letztendlich die Tötung der Ghettobewohner beschlossen haben. Mira schließt sich dem Widerstand an, die von dem charismatischen Amos angeführt wird. 28 Tage lang haben die Juden- trotz bescheidenen Mitteln- Widerstand gegen die Nazis geleistet. Die Totgeweihten haben gezeigt, dass sie nicht kampflos ihrem Schicksal fügen werden.
Von David Safier haben ich lustige Bücher wie "mieses Karma" oder " Jesus liebt mich" gelesen- allesamt sehr lustig und amüsant.
Ich hatte Zweifel, ob David Safier so ein sensibles Thema wie Judenverfolgung und Warschauer Ghetto ohne Klamauk handhaben kann.
Und hat Safier mich überzeugen können? Und ob!!
Die beengten und chaotischen Verhältnisse im Warschauer Ghetto wurden sehr gut dargestellt, die starke Figur Mira mit ihrer hoffnungslosem Schicksal war beeindruckend.
Viele zeitgenössischen Figuren wie Janusz Korczak und deren Schicksale wurden dargelegt. Die Szene, wo eine Frau Mira wortlos ihr eigenes Baby in die Hand drückt, hat mir das Herz gebrochen.
Ich bin angenehm überrascht, wie David Safier sensibel und ernst dieses Thema angegangen ist.
Fazit: Unbedingt lesen!
- Andreas Eschbach
NSA - Nationales Sicherheits-Amt
(368)Aktuelle Rezension von: BuecherhexeNSA - Andreas Eschbach
Andreas Eschbachs Roman NSA basiert auf einer ebenso faszinierenden wie beunruhigenden Grundidee: Was wäre geschehen, wenn dem nationalsozialistischen Deutschland bereits die technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters zur Verfügung gestanden hätten? Konkret entwirft Eschbach eine Welt, in der Computer, soziale Netzwerke und allgegenwärtige elektronische Überwachung schon während des Dritten Reiches existieren. Diese Prämisse macht NSA zunächst zu einem äußerst spannenden und beklemmenden Werk der Alternative History.
Besonders zu Beginn überzeugt der Roman durch seine konsequente Ausarbeitung des Szenarios. Eschbach gelingt es eindrucksvoll, die Mechanismen moderner digitaler Überwachung mit den totalitären Strukturen des NS-Staates zu verknüpfen. Die Vorstellung, dass Gestapo und SS nicht mehr mühsam Akten durchsuchen müssten, sondern per Mausklick auf umfassende Datensätze zugreifen könnten, entfaltet eine enorme Wirkung. Gerade weil viele der geschilderten Technologien heutigen Lesern vertraut sind, wirkt die dargestellte Dystopie erschreckend plausibel.
Auch die Figurenzeichnung ist zunächst gelungen. Die Protagonistin Helene Bodenkamp, eine talentierte Programmiererin, steht exemplarisch für Menschen, die sich in autoritären Systemen arrangieren, ohne deren Konsequenzen vollständig zu überblicken. Ihre Entwicklung verdeutlicht, wie technische Expertise und politische Verantwortung miteinander verknüpft sind – oder eben nicht. Eschbach stellt damit wichtige Fragen nach der moralischen Verantwortung von Informatikern und Technikern, die auch für die Gegenwart hochaktuell bleiben.
Dennoch weist der Roman gerade aus Sicht der Alternative History für mich erhebliche Schwächen auf. Zwar ist die Ausgangsidee originell, doch erscheint die technische Entwicklung häufig zu wenig historisch eingebettet. Die digitale Revolution wird nahezu vollständig in die 1930er- und 1940er-Jahre transplantiert, ohne dass die tiefgreifenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Voraussetzungen ausreichend berücksichtigt werden. Dadurch entsteht stellenweise der Eindruck, dass weniger eine alternative historische Entwicklung beschrieben wird als vielmehr die heutige Gegenwart mit NS-Symbolik überzogen wird. Das eigentliche Potenzial alternativer Geschichtsschreibung – nämlich nachvollziehbar zu zeigen, wie sich historische Prozesse unter veränderten Bedingungen entwickeln könnten – wird nur teilweise ausgeschöpft.
Hinzu kommt, dass der Roman im letzten Drittel zunehmend an Plausibilität verliert. Während die Handlung anfangs noch von ihrer beklemmenden Realitätsnähe lebt, steigert sich die Geschichte gegen Ende immer stärker in spektakuläre und teilweise abstrus wirkende Wendungen. Die Ereignisse überschlagen sich, Zufälle häufen sich, und einige Entwicklungen erscheinen eher konstruiert als organisch aus dem zuvor etablierten Szenario hervorgegangen. Dadurch büßt die Geschichte einen Teil jener Glaubwürdigkeit ein, die ihre größte Stärke ausmacht.
Daher mein Fazit: trotz des anfänglichen spannenden Buchs, habe ich die letzten Seiten möglichst schnell hinter mich gebracht - 3 Sterne
- Hans Fallada
Jeder stirbt für sich allein
(319)Aktuelle Rezension von: Sonja_Schmitz1Durch Zufall bin ich auf Fallada und dieses Buch gestoßen.
Es ist eine sehr gut erzählte, tragische Geschichte über den Krieg, Hitler, den Widerstand und die Menschen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich werde mit Sicherheit weitere Fallada Bücher lesen. - Morton Rhue
Morton Rhue "Die Welle", Literaturseiten
(2.337)Aktuelle Rezension von: schnegge1998Wenn man an die heutige Zeit in der Schule denkt, wird wohl jeder sagen, dass mehr Disziplin und Respekt den Schülern gut tun würden. Dementsprechend finde ich das Buch sehr beeindruckend, wie schnell sowas aber auch ein anderes Format einnehmen kann. Das buch ist sehr gut geschrieben und kann den ernst der Lage gut rüberbringen. Den Film finde ich jedoch noch besser, deswegen ziehe ich ein Punkt ab.
- Carmen Korn
Töchter einer neuen Zeit
(239)Aktuelle Rezension von: Paula_JungIch habe das Buch gerne gelesen, fand die Handlung und die Figuren jedoch teilweise zu oberflächlich. Insgesamt ein Roman, den man schnell durchliest, weil die Schicksale der Figuren spannend sind. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die vier Hauptfiguren deutlich ausführlicher behandelt werden, anstatt sehr viele kleine Nebenfiguren einzuführen. Ich musste häufig überlegen, wer diese Person überhaupt ist und welche Rolle sie einnimmt. Mir hätte es besser gefallen, wenn die vier Frauen intensiver vorgekommen wären und vor allem auch deren Emotionen, Gedanken etc. beschrieben werden und nicht hauptsächlich die im Außen stattfindende Handlung. Fazit: Auf jeden Fall lesenswert, aber nicht das absolut beste Buch, das ich gelesen habe. :)
- Anne Jacobs
Die Töchter der Tuchvilla
(272)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeMarie hat ihren Paul geheiratet und auch Pauls Schwestern Kitty und Elisabeth sind glückliche Ehefrauen. Aber dann bricht der 1. Weltkrieg aus und nicht nur, dass die Männer an die Front müssen, auch daheim wird das Leben immer schwieriger. Die Lebensmittel sind knapp, die Fabrik steht still, die Tuchvilla selbst wird zum Lazarett und jeden Tag wächst die Angst vor schlechten Nachrichten.
Im 2. Teil der Reihe begleitet der Leser unterschiedliche Charaktere mit den verschiedensten Lebensgeschichten. Er erlebt nicht nur das Leben in der Tuchvilla, sondern auch das der Familienmitglieder drumherum. Auch einige Angestellte rücken stärker in den Fokus. Dadurch bleibt es abwechslungsreich und man bekommt einen besseren Blick auf das gesamte Geschehen. Der Schreibstil ist leicht und flüssig, es wird nie zäh oder langatmig. Nicht jede Storyline ist gleich spannend und manchmal möchte man gerne zu bestimmten Themen schneller zurückkehren, aber man möchte auch keinen Handlungsstrang missen. Marie selbst gerät als Protagonistin leider ein kleines bisschen mehr in den Hintergrund und hätte gerne etwas mehr Raum im Buch haben dürfen. Ihre Liebesgeschichte kann der Leser hauptsächlich in Briefform mitverfolgen, durch den regen Briefverkehr den sie mit ihrem Mann Paul während seiner Zeit an der Front unterhält. Eine gut gestaltete Abwechslung im Buch.
Mein Fazit: Mir hat der 2. Teil der Reihe fast besser als Teil 1 gefallen, da es nicht mehr ganz so realitätsfern zugeht und das Buch trotz seiner Länge sehr abwechslungsreich gestaltet ist. Die Vielzahl der unterschiedlichen Erzählstränge macht das Buch um ein Vielfaches interessanter. Nun freue ich mich definitiv auf Teil 3.
- Hanni Münzer
Honigtot
(426)Aktuelle Rezension von: Azyria_SunWorum geht’s?
Nach dem Tod ihrer Großmutter Deborah finden Felicity und ihre Mutter unter den hinterlassenen Unterlagen ein auf Hebräisch geschriebenes Tagebuch. Ein Tagebuch, das tiefe Abgründe in Deborahs Vergangenheit offenbart und aus dem Felicity und ihrer Mutter vieles klar wird.
Meine Meinung:
Der historische Roman „Honigtot“ von Hanni Münzer ist der erste Teil der Honigtot-Saga, ein Buch, das es wirklich in sich hat. Ich war sofort im Schreibstil der Autorin drin, der zwar intensiv ist, aber auch packend und lebendig.
In dem Buch lernen wir am Anfang und am Ende kurz Felicity und ihre Mutter kennen, lesen aber hauptsächlich aus dem Tagebuch von Felicitys Großmutter Deborah, welches diese in Romanform verfasst hat. Deborah ist eine eindrucksvolle Frau, die im 2. Weltkrieg als Halbjüdin viel erlebt und durchlebt hat. Auch ihre Mutter Elisabeth und ihre Freundin und Vertraute Marlene lernen wir kennen. Ebenfalls starke Frauen, die alles für ihre Familie und ihre Freunde tun. Es war mir eine unglaubliche Ehre, diese Frauen kennenlernen zu dürfen!
Zunächst begleiten wir Elisabeth ein Stück, die nach dem Verschwinden ihres Mannes Gustav eine Ehe mit einem Obersturmbannführer eingeht, um ihre halbjüdischen Kinder vor dem Tod zu retten. Danach begleiten wir Deborah selbst, wie sie durch die Wirren des Krieges kommt. Und was wir hier lesen dürfen, ist wirklich spannend und anders. Ja, Elisabeth und Deborah sind wohlhabend und besser gestellt und haben daher sicher bessere Voraussetzungen als „normale“ Menschen in dieser Zeit. Dennoch gewährt uns die Autorin hier, basierend auf teils wahren Charakteren und vielen schrecklichen Fakten, grausame Einblicke in eine Welt, von der wir sonst eher wenig lesen. Wie rettet man sich vor der Verfolgung durch die Nazis? Wie hat man versucht, zu flüchten? Sich und andere zu retten? Und wie haben die Spione agiert, kommuniziert, sich unter die Nazi-Größen gemischt? Es sind wirklich außergewöhnliche und tiefgründige Einblicke, die wir hier in einer perfekten Mischung aus Fakt und Fiktion erleben dürfen. Es ist so lebendig, grausam, kalt und immer wieder hoffnungsvoll – ein unglaublicher Roman, der wirklich tief unter die Haut geht. Es ist fesselnd, spannend, emotional und ein Buch, das mich mitgerissen hat, hinein in eine grauenhafte Zeit. Und ein Buch, das es geschafft hat, mich beim Lesen so hineinzuziehen, dass auch ich das Gefühl hatte, helfen zu müssen, fortlaufen zu müssen, spionieren zu wollen! Ein wirklich tolles Buch, das man einfach gelesen haben muss! Ein Buch, das unglaublich spannende Eindrücke gibt und noch lange zum Nachdenken anregt!
Fazit:
Mit ihrem Roman „Honigtot“ nimmt uns Hanni Münzer mit in eine grauenvolle Zeit. Wir erleben, wie Elisabeth für ihre Kinder kämpft und welche Mittel sie hier hat und einsetzt. Wie Deborah zur Spionin wird. Wir bekommen Einblicke in Folter, Verfolgung und Spionagetätigkeit und ich habe so viel Neues erfahren und miterlebt, es war einfach unglaublich! Die Mischung aus Fakt und Fiktion war genial und hat ein so lebendiges Szenario erschaffen, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen und selbst das Gefühl hatte, mittendrin im Geschehen zu sein.
5 Sterne von mir!
- Imre Kertész
Roman eines Schicksallosen
(239)Aktuelle Rezension von: dasbuchzuhauseIn "Roman eines Schicksallosen" geht es ums Überleben, ums Überleben der Schrecken von Ausschwitz und Buchenwald.
Der ungarische Autor Imre Kertész erzählt die Geschichte eines 14-Jährigen, der erst nach Ausschwitz und dann nach Buchenwald und ins Arbeitslager Zeitz deportiert wird und die Lager überlebt.
Der Roman beginnt damit, dass der Vater des Jungen, György Köves, Vorbereitungen trifft, da er weiß, dass er in eines der Arbeitslager kommen wird. Schon bald wird auch der Junge zum Arbeitsdienst eingeteilt und irgendwann nach Ausschwitz verschleppt, wo er sich als 16-Jähriger ausgibt, der arbeiten kann. So kommt er dann nach Zeitz.
György ist ein Junge, dessen Beschreibungen erst einmal sehr naiv und angepasst wirken. Er ist sehr gehorsam und es wirkt so, als ob er vieles, was um ihn herum passiert nicht versteht. Nach und nach wird die Situation auch im Arbeitslager schlimmer - die sowieso nicht gute Versorgung schlechter und es besteht immer die Möglichkeit körperlicher Gewaltanwendung. Der Junge wird krank und schafft es wie durch ein Wunder auf die Krankenstation in Buchenwald und bleibt dort bis zur Befreiung.
Das Buch geht an menschliche Grenzen und beschreibt das Überleben des Unsagbaren, des Schicksals, das nicht das eigene ist, sondern ein von außen aufgezwungenes Schicksal. Und darum dreht es sich. Wie damit leben, wie es überleben?
Es ist keine leichte Kost, aber ein wichtiges Buch, großartig übersetzt von Christina Viragh. Imre Kertész beschreibt die Grenzen, an die der Junge György gebracht wird und lässt auch die Zeit nach der Befreiung nicht außen vor. Denn da beginnt ein neuer Kampf für ihn - die, die zuhause überlebt haben, wollen alles vergessen und auch ihn davon überzeugen, aber wie soll das gehen?
Das Buch hat mich emotional mitgenommen und ich habe es zum Glück nicht alleine gelesen, sondern hatte jemanden, mit dem ich mich dazu austauschen konnte.
Trotzdem, oder besser gerade deshalb empfehle ich es, denn mehr denn je gilt Hashtag#NieWiederIstJetzt und dieses Buch macht das noch einmal sehr deutlich.
- Kate Morton
Die verlorenen Spuren
(280)Aktuelle Rezension von: Das_LesedingInhalt:
Laurel ist noch ein Kind, als sie einen Mord beobachtet, als alte Frau kann sie endlich alles verstehen ...Meinung:
Mein viertes Buch von Kate Morton und es ist einfach nur langweilig! Die Figuren wirken mehr als konstruiert und die ganze Handlung ist so vorhersehbar, sodass man die ersten und die letzten 50 Seiten lesen kann und sich alles fügt. Der Teil dazwischen besteht aus Briefen, Wiederholungen und Kriegserzählungen.
Die Handlung spielt hauptsächlich in den 40er Jahren, aber auch in den 60ern und 2011. Das, was früher passierte, wird in der Gegenwart wieder aufgegriffen und so erfährt man mehrmals was wie passierte und wer was sagte. Was soll das?! Gabs zu viel Druck, ein Buch mit über 500 Seiten zu schreiben?
Die komplette Geschichte schleppt sich dahin und ich habe viele Seiten überblättert und nur Satzfetzen quergelesen, ich bin wunderbar zurechtgekommen - wie traurig ist das bitte? Keine Figur konnte mich fesseln oder hatte irgendein Merkmal, was sie besonders machte. Die Handlung war nichtssagend und wurde auch von den Protagonisten als "nebensächlich" deklariert. So unterhalten sich Vivien und Dorothy bspw. bei einem Luftangriff und Vivien erklärt, dass ihre Geschichte wichtiger ist, und Dorothy den Alarm bitte ignorieren soll - aha! Oder es geht um einen brutalen Übergriff und ein Geständnis, was mit einem "ach so" quittiert wird. Ja, wenn die Charaktere untereinander schon keine Empathie und Sympathie kennen, wie soll man diese dann selbst zur Geschichte aufbauen?Cover:
Das Cover ist typisch Kate Morton und passt super zu den anderen Büchern.Fazit:
Absolut langweilige Geschichte, welche extrem vorhersehbar ist und die Charaktere sind so stumpf, dass es nervt. Daher nur einen Stern und keine Leseempfehlung - dann eher der verborgene Garten oder das geheime Spiel lesen. - Emanuel Bergmann
Der Trick
(166)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderMosche ist fünfzehn und Rabbinersohn und fühlt sich doch zu einer anderen Welt hin gezogen. Nach einem Zirkusbesuch im Jahre 1934 will er zum Zirkus und er hat sich nicht nur in die Welt unter der Zirkuskuppel verliebt. Er will mitfahren mit dem Halbmondmann und vor allem will er dessen Assistentin näher kommen. Er packt seine Koffer und der Zirkus zieht Richtung Deutschland.
Max Cohn ist zehn Jahre alt und lebt in Los Angeles. Das Jahr 2007 macht ihn nicht glücklich, denn seine Eltern wollen sich scheiden lassen. Er will aber, dass sie sich wieder richtig lieben und sie endlich wieder eine richtige Familie sind. Max findet eine alte Platte und darauf zaubert der große Zabbatini und genau beim Liebeszauber, hängt die Nadel. Es gibt nur eine Lösung für den Jungen, er muss den Zauberer finden und er muss für seine Eltern den Liebeszauber sprechen.
Emanuel Bergmanns Buch ist eine Wucht, ein ganz großer Wurf. Es ist ein Stück Geschichte, eine große und eine kleine Liebesgeschichte und vor allem ist es voller Magie und das Buch entwickelt einen ganz besonderen und speziellen Zauber. „Der Trick“ ist bewegend und mit vielen Facetten.
- Claire Winter
Die geliehene Schuld
(165)Aktuelle Rezension von: Marina_ProkoppBerlin, 1949: Vera Lessing hatte es in den letzten Jahren nicht leicht: Der 2. Weltkrieg hat ihr ihren Mann und ihre Eltern genommen und jetzt liegt Deutschland in den Trümmern und ist mitten in der Nachkriegszeit. Gemeinsam mit ihrem Jugendfreund und Kollege Jonathan arbeitet sie bei einer Zeitung. Plötzlich stirbt Jonathan in Köln, er wollte dort etwas für seinen aktuellen Artikel recherchieren. Die Polizei geht von einem Unfall aus, aber Vera glaubt, dass mehr dahintersteckt. Als sie seine Unterlagen und eine Nachricht von ihm bekommt, die er kurz vor seinem Tod abgeschickt hatte, ist ihr klar, dass Jonathan an einer großen Sache dran war. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und folgt seinen Spuren, die sie in die Vergangenheit und in Gefahr bringen ...
Die Autorin Claire Winter hat mit „Die geliehene Schuld“ wieder ein sehr packendes, vielseitiges, facettenreiches und emotionales Buch geschrieben. Der Roman fesselt von der ersten Seite und lässt bis zum Schluss nicht mehr los. Die Geschichte spielt in Deutschland in der Nachkriegszeit und die Autorin hatte die Lebensumstände der Menschen greifbar dargestellt und ihr bildhafter Schreibstil erweckt das Gefühl, dass man direkt dabei ist. In dem Buch wechseln die Zeiten, mal ist man in der Gegenwart und manchmal ein paar Jahre zurück in der Vergangenheit. Das sorgt aber nicht für Verwirrung, sondern macht das Buch noch ergreifender, emotionaler und tiefgründiger, da man den Verlauf der Geschichte immer wieder aus anderen Augen und Blickwinkel betrachten kann. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und verknüpft ihre fiktive Erzählung mit realen Geschehnissen.
- Bettina Storks
Das geheime Lächeln
(93)Aktuelle Rezension von: Undine_Sittel,,Das geheime Lächeln,, von Bettina Storks.
Dieser Roman ist 2018 im Diana Verlag erschienen.
Auf 476 Seiten nimmt uns die Autorin mit auf eine Geheimnissvolle Suche.
Die Journalistin Emilia Lukin entdeckt auf einer Auktion ein Gemälde das ihr wie ein Zwilling ähnelt. Sie ist verwirrt und weiß nicht was sie davon halten soll.
Ist es Zufall oder könnte es sich vielleicht sogar um ihre Großmutter Sophie handeln?
Von ihrer Mutter Pauline bekommt sie diesbezüglich keine Information,sie hüllt sich in Schweigen. Weiß sie nichts oder will sie ihr nichts sagen?
Emilia bekommt das traurig wirkendende Lächeln auf dem Bild nicht aus dem Kopf, sie will mehr darüber in Erfahrung bringen.
Sie versucht eine Spur zu finden und wird diese bis in die Provence und nach Paris verfolgen.
Für Wochen zieht sie sich nach Frankreich zurück um dort vor Ort zu recherchieren.
Es gelingt ihr tatsächlich Licht in diese Geschichte zu bringen und lernt das Leben der Sophie Langenberg kennen,ihren Großmutter.
Es ist das Leben einer großen aber unerfüllten Liebe.
Bettina Storks hat auch in diesem Buch wieder viel Gefühl für das Detail einfließen lassen, es war ein Leseerlebnis wie man es sich von jedem Buch wünscht.
Es spielt in verschiedenen Zeitzonen was aber sehr gut verständlich zu lesen war. Es gab keine Ungereimtheiten und jede Zeitzone war interessant geschrieben.
Vor kurzem hab ich ihr neuestes Buch ,,die Kinder von Beauvallon,, gelesen und nun hab ich einige Protagonisten aus dem Buch in diesem wiedergetroffen. Das finde ich persönlich immer sehr interessant. Hat mir sehr gut gefallen wie diese beiden Geschichten zusammengehören obwohl es eben keine Fortsetzung ist.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und wohlverdiente 5 Sterne.
Danke für dieses großartige Buch
- Charlotte Link
Sturmzeit - Wilde Lupinen
(315)Aktuelle Rezension von: Gute_NachtInhalt
Deutschland 1938. Auch wenn alle Zeichen auf Sturm stehen, kümmert die junge Belle Lombard Politik nur wenig. Einzig den Filmstudios in Berlin gelten ihre ehrgeizigen Pläne. Indessen verteidigt ihre Mutter Felicia rücksichtslos ihre eigenen Interessen. Doch das Chaos macht auch vor der weitverzweigten Familie der beiden Frauen nicht halt …
Fazit
Auch der zweite Teil der Reihe ist äußerst spannend. Belle ist sehr sympathisch, aber auch Felicia mag ich echt gerne. Ich bin sehr gespannt auf den nächsten Band.
- Ken Follett
Die Nadel
(622)Aktuelle Rezension von: itwt69Im 1978 erschienenen Spionagethriller "Die Nadel" zeigen sich schon früh die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Schriftstellers - der Roman ist bis zum Schluss von einer fast unerträglichen Spannung durchsetzt, obwohl man weiß, wie der Krieg verlaufen ist. Gegen Ende entwickelt sich daraus sogar noch ein Psychthriller auf Storm Island. Ganz große Klasse und natürlich 5*
- Kai Meyer
Das Antiquariat am alten Friedhof
(124)Aktuelle Rezension von: Renate1964Wie die ersten Teile der Leipzig-Reihe hat mich auch dieses Buch überzeugt. Das Cover passt genau zur erzählten Geschichte, die Protagonisten sind nie eindimensional. Ich mag den Stil des Autors sehr, die unerwartete Wendungen und die Charaktere gefallen mir genauso wie seine Fähigkeit, die Landschaft und Zeit lebendig werden zu lassen
- Bettina Storks
Leas Spuren
(140)Aktuelle Rezension von: Buechertanz_ChrissyIn ihrem Roman „Leas Spuren“ entführt Bettina Storks ihre Leser und Leserinnen auf eine hochemotionale Reise zwischen dem modernen Paris von 2016 und den düsteren Jahren der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Was als Suche nach einem verschollenen Gemälde beginnt, entwickelt sich schnell zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit Schuld, Verantwortung und der heilenden Kraft der Wahrheit.
„Sie würde in die Anfänge zurückgehen müssen, dorthin, wo alles begann. Sie würde Charlottes Leben erforschen. Mit dem Blick einer Wissenschaftlerin und dem Herzen einer Angehörigen. In den Keller der Familienarchive hinabsteigen und ihre Geschichte freischaufeln.“
[Seite 69, Kapitel 6]
Die Geschichte besticht durch ihre meisterhafte Konstruktion: Zunächst scheinen die Ereignisse in der Vergangenheit und die moderne Recherche der Stuttgarter Historikerin Marie sowie des Journalisten Nicolas nur lose miteinander verbunden. Doch Bettina Storks versteht es glänzend, diese Fäden im Laufe der Handlung immer enger zu einer eindrücklichen Geschichte zu verweben.
Besonders beeindruckend ist die atmosphärische Darstellung von Paris. Während die Stadt in den Jahren 2016/2017 als Sehnsuchtsort voller Leichtigkeit und Lebensfreude geschildert wird, wirkt das Paris der Besatzungszeit unter der deutschen Herrschaft bedrückend und düster. Dieser Kontrast machte die Tragweite der historischen Ereignisse für mich spürbar.
Trotz der schweren Thematik des Kunstraubs, der Judenverfolgung und Deportation gelingt es der Autorin, Lichtblicke in die Erzählung einzubauen. Die Liebesgeschichten – sowohl zwischen Marie und Nicolas in der Gegenwart als auch zwischen Charlotte und Victor in der Vergangenheit – sind feinfühlig und absolut glaubwürdig gezeichnet. Es ist dieses typische „Storks-Knistern“, das bereits früh spürbar ist und die Leser und Leserinnen hoffen lässt, dass die Liebe auch in Zeiten größter Not bestehen kann.Ein zentraler Punkt des Buches ist die fundierte Aufarbeitung des NS-Kunstraubs. Für Leser/ Leserinnen, die sich bisher wenig mit dem „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ beschäftigt haben, eröffnet der Roman erschütternde Einblicke in die systematische Plünderung jüdischen Eigentums. „Leas Spuren“ macht deutlich, dass es beim Kunstraub nicht nur um materielle Werte ging, sondern um den Versuch, die Identität und Geschichte ganzer Familien auszulöschen. Die fiktive Suche nach Lea und ihrem Gemälde wird so zum Mahnmal für die realen Opfer dieser Zeit.
„Historische Fakten waren eine Sache. Den Namen der eigenen Familie auf einem Originaldokument der Nazis zu sehen, eine andere.“
[Seite 37, Kapitel 3]
Bettina Storks hat mit dieser beeindruckenden Geschichte einmal mehr bewiesen, warum sie zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehört – was für eine besondere und große Erzählerin. Es ist eine Geschichte, die ich mit Sicherheit nie wieder vergessen werde. Danke für dieses emotionale und mitreißende Leseerlebnis.
Fazit: Das Buch „Leas Spuren“ ist mehr als ein historischer Roman – es ist ein Plädoyer für das Erinnern. Bettina Storks verbindet akribische historische Recherche mit einer tief bewegenden Familiengeschichte. Wer Bücher liebt, die Herz und Verstand gleichermaßen fordern und die zeigen, wie sehr unsere Gegenwart in der Vergangenheit verwurzelt ist, wird dieses Buch nicht mehr aus den Händen legen können. Absolut empfehlenswert! - John Boyne
Der Junge auf dem Berg
(306)Aktuelle Rezension von: AtschiBDer Autor schafft es in leichter Weise die Botschaft zu vermitteln, wie leicht Menschen, insbesondere junge Menschen, beeinflusst werden können und welche Gefahr darin liegt. Mit seiner angenehmen Schreibweise regt er zum Nachdenken an und die Seiten flogen nur so dahin. Die Dialoge wirken so unglaublich authentisch und mein Kopfkino war in vollem Gange. Die Figur Pierrot/Peter wirft bei mir Fragen auf. Ich konnte sein Verhalten nicht immer nachvollziehen. Klar, im Alter 6-7 Jahren stellt er viele Fragen und überraschender Weise hinterfragt er den „Herrn“ nicht. Vielleicht lässt es damit erklären, dass die anderen Personen, die auch im Hause leben oder arbeiten voller Respekt dem „Herrn“ gegenüber handeln und nicht widersprechen. Die Vergangenheit von Pierrot ist erschreckend, jedoch für die damalige Zeit sicherlich nicht ungewöhnlich. Es ergreift mich, wie sich das Leben von Pierrot verändert, als in das Haus auf dem Berg zieht. Ab sofort heißt er Peter. Er muss seine Herkunft, seine Freundschaft zu Anshem verleugnen und seine Lebenseinstellung verändert sich drastisch – schockierend! Die Begeisterungsfähigkeit und auch der Stolz den Pierrot zeigt als er seine erste Uniform erhält, hat mich bewegt. Ich verstehe den kleinen, liebenswerten Jungen, dennoch hätte ich ihn gern gewarnt und aufgeklärt. Das war schon aufwühlend für mich. Schockierend ist seine weitere persönliche Entwicklung und welche Wege er geht -mir fehlen die Worte.
Das Buch lässt mich nachdenklich zurück und ich freue mich auf weitere Bücher von John Boyne.
- Michaela Küpper
Der Kinderzug
(46)Aktuelle Rezension von: Universum_der_WoerterIn abwechselnden Kapiteln erzählen die Protagonisten ihre Geschichte. So lernt man die Lehrerin Barbara kennen, die mit ihren Schützlingen nach Usedom geschickt wird. Sie können ihr Glück kaum fassen, dass es sie so gut getroffen haben.
Neben Barbara lernt man auch zwei ihrer Schützlinge kennen. Gisela und ihre kleine Schwester Edith. Gisela muss bald im Lager Tagebuchführen und ist der einzige Charakter der in ICH-Form erzählt wird. Gisela ist mir besonders ans Herz gewachsen mit ihrer frischen und direkten Art.
Und da gibt es dann noch Karl. Der Junge, der es schade findet, dass er zu jung ist um in den Krieg zu ziehen. Karl und seine Gruppe ist ebenfalls auf Usedom aber haben so mit den anderen nichts zu tun. Karl hat es nicht einfach. Schicksalschläge ereilen ihn und der neue Lagermannschaftsführer will aus den Jungs "echte Männer" machen. Er zieht die Ideologie der Nationalsozialisten wie ein Schwamm auf.
Die Autorin hat einen aufwühlenden, tragischen und einfühlsamen Roman über die Kinderlandverschickung im zweiten Weltkrieg geschrieben. In jedem einzelnen Charakter konnte ich mich hineinversetzen und mir ihre Welt vorstellen. Sie hat glaubwürdige Charaktere erschaffen. Sie sind voller Hoffnung, Angst und Verzweiflung.
Mir war zwar Kinderlandverschickung ein Begriff aber ich wusste nicht wirklich was dahinter steckte. Dieser Roman zeigt deutlich, dass nicht alles so lief wie geplant. Barabara und ihre Schützlinge durchliefen eine wahre Odysee und mein Respekt wuchs für die Lehrerin die sich unerbittlich für die Kinder einsetzte und sie beschütze.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, da es ein Thema behinahltet, welches ich sonst in keinem anderem Buch bisher gelesen habe. Außerdem finde ich die Recherchearbeiten zu diesem Buch sehr spannend und interessant. Ich kann dieses Buch nur weiter empfehlen.























