Bücher mit dem Tag "3.reich"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "3.reich" gekennzeichnet haben.

42 Bücher

  1. Cover des Buches Die Bücherdiebin (ISBN: 9783570403235)
    Markus Zusak

    Die Bücherdiebin

     (4.513)
    Aktuelle Rezension von: lara_celina

    „Eine kurze Bemerkung am Rande: Ihr werdet sterben.“

     

    Einen besonders außergewöhnlichen Erzähler schaffte Markus Zusak in seinem 2005 erschienenen Roman Die Bücherdiebin (Orig.: The Book Thief). Niemand geringeres erzählt die Geschichte als der Tod selbst.

     

    Der Tod ist hierbei nicht der unheilvolle Sensenmann, den man sonst kennt, sondern ein äußerst sympathischer und mitfühlender Erzähler. Er erzählt die Geschichte der namensgebenden Bücherdiebin, Liesel Meminger, während des Zweiten Weltkriegs. Seine Geschichte beginnt damit, wie Liesel ihr erstes Buch stiehlt, denn der Tod ist anwesend, da es während der Beerdigung ihres Bruders passiert. Von da an erzählt er ihre Geschichte, über ihr Leben bei ihrer Pflegefamilie in der Himmelstraße in Molching und vor allem davon, wie sie zur Bücherdiebin wird und sich ihren Titel verdient.

     

    Das Buch ist ein Meisterwerk, vom Anfang bis zum Ende, und nicht umsonst ist es ein Bestseller geworden. Selten habe ich einen Roman so schnell durchgelesen und selten hat mich eine Geschichte so sehr berührt wie die von Liesel.

     

    Das Setting während des Zweiten Weltkriegs macht die ganze Geschichte unterschwellig sehr bedrückend, selbst die schönen Momente werden oftmals schnell wieder getrübt und das Buch hat mich sehr nachdenklich gestimmt. So freundlich wie der Tod in Zusaks Roman auch ist, seine Arbeit ist dennoch die allseits bekannte.

     

    Ich bin der Meinung, jeder sollte Die Bücherdiebin mindestens ein Mal gelesen haben. Zusak stellt die Zeit während des Zweiten Weltkriegs gut dar und schafft eine Geschichte, die ihresgleichen sucht. Die 2013 erschienene Verfilmung kommt nicht annähernd an die Buchvorlage heran und ich würde letztere wirklich jedem ans Herz legen. Es ist kein Buch, welches man nebenbei lesen kann, man sollte sich Zeit nehmen, sich ihm wirklich hinzugeben. Aber wenn man das tut, dann denke ich, entwickelt man genauso eine Schwäche für die Bücherdiebin, wie der Tod es tat.

     

    „Eine letzte Bemerkung eures Erzählers: Ich bin von Menschen verfolgt.“

  2. Cover des Buches NSA - Nationales Sicherheits-Amt (ISBN: 9783785726259)
    Andreas Eschbach

    NSA - Nationales Sicherheits-Amt

     (299)
    Aktuelle Rezension von: Sato

    NSA heißt dieses Buch von Andreas Eschbach, NSA das steht für "Nationales Sicherheits Amt" mit Sitz in Weimar und dort werden die Computerdaten überwacht. Soweit nichts ungewöhnliches, aber die Geschichte spielt 1942 und der 2. Weltkrieg tobt. Das Gedankenspiel ist, was wäre wenn es damals schon Computer, Handys, Kreditkarten und Internet gegeben hätte. Ein interessantes Gedankenspiel und teilweise erschreckend realistisch. Die Datensammlungen geben auch die letzten Geheimnisse der Menschen preis, was sich ein totalitäres System ebenso zu Nutze macht, wie ein skrupelloser Beamter, der über Zugriffsmöglichkeiten auf diese Daten verfügt.

    Eingepackt ist diese Dystrophie in die Geschichte zweier Mitarbeiter des NSA, der grauen Maus Helene, die als Programmstrickerin (Programmierer) die Abfragen kreiert, welche zum aufspüren von versteckten Juden genutzt werden und die erst durch ihre Liebe zu einem Deserteur versucht das Netz zu manipulieren um ihn zu schützen. Die andere Hauptfigur, Eugen Lettke, arbeitet als Analyst beim NSA und nutzt seine Erkenntnisse zur persönlichen Rache und Erpressung.

    Hervorragend sind auch die der Zeit angepassten Begriffe, sei es der Komputer, das Votel - Volkstelephon statt Handy oder das Weltnetz statt Internet. Eschbach verwebt historische Ereignisse, wie die Verhaftung von Anne Frank und ihrer Familie oder die Enttarnung der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" in München geschickt in seine Erzählung.

    Doch sein Finale ist dann sowas von überraschend, das muss man erst einmal verdauen.

    In Summe eine brillante Idee, durch die Geschichte seiner beiden Hauptprotagonisten ein wenig verwässert aber - auch noch im Nachgang - beängstigend, denn die Szenarien sind realistisch. Wer hat Zugriff auf unsere Daten und wofür werden bzw. könnten sie genutzt werden.

    Klare Leseempfehlung

  3. Cover des Buches Stella (ISBN: 9783446259935)
    Takis Würger

    Stella

     (316)
    Aktuelle Rezension von: EmmaWinter

    Der 20-jährige Schweizer Friedrich kommt Anfang 1942 nach Berlin. Er will sich umsehen in der Hauptstadt, von der behauptet wird, dass Juden dort mit Möbelwagen abgeholt werden und nicht wieder zurückkommen. In einer Kunstschule lernt er Kristin kennen, die ihn sofort fasziniert. Mit Tristan von Appen, einem eleganten, vermögenden Mann, verbindet ihn bald eine Art Freundschaft. Im Mai erfährt Friedrich die Wahrheit über beide. Tristan ist Mitglied der gefürchteten SS (Schutzstaffel der Nationalsozialisten) und Kristin heißt eigentlich Stella Goldschlag und ist ein "Köderjude", wie Tristan sie nennt. Sie sucht und verrät untergetauchte Berliner Juden an die Gestapo. Erst am Heiligabend verläßt Friedrich Berlin - allein.

    Ein schmales Büchlein, von gerade mal 222 Seiten Text, dazu noch mit reichlich Zeilenabstand und einem schlichten Cover, vermochte bei Erscheinen eine große Diskussion auszulösen. Auf dem insgesamt schwarzen Cover strahlt den Lesern das Gesicht der realen Stella Goldschlag entgegen. Kann das Leben der "Greiferin", auch "Blondes Gift" oder "Blondes Gespenst" genannt, mittels einer Liebesgeschichte in einem historischen Roman dargestellt werden, angesichts des Schreckens und Gräuels, die sie verursacht hat?

    Takis Würger hat über dieses Jahr 1942 in Berlin in kühler Sprache und ganz aus der Sicht von Friedrich geschrieben. Kurze Sätze, die wenig mehr als das wiedergeben, was Friedrich sieht und erlebt. Wenig Reflexion und Gefühle. Friedrich ist oft sprachlos, während Kristin/Stella und Tristan die Führung übernehmen, im Sprechen und Handeln. Dazu wird zu Beginn jeden Kapitals, das immer einem Monat entspricht, ein kurzer Abriss über tatsächliche historische Ereignisse vorangestellt. Dies verschärft den Eindruck eines eher nüchternen Berichts und hält den Lesenden vor Augen, was "im Hintergrund" geschieht. Rationierung des Essens, Geburten berühmter Persönlichkeiten, politische Entwicklungen etc. Eingestreut in den Text sind kursiv gedruckte Abschnitte, die aus Gerichtsakten stammen und über einzelne Schicksale jüdischer Personen oder Familien berichten, die durch Stella Goldschlag verraten wurden.

    Eine schwierige Lektüre, die zwar schnell gelesen, aber nicht schnell verarbeitet ist. Erwähnenswert ist das Nachwort von Professor Sascha Feuchert, dessen Forschungsschwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur innerhalb der Neueren deutschen Literatur ist. 

    "Stella" regt zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema an und hält die Diskussion lebendig. Als ein spezielles Buch gegen das Vergessen hat es eine wichtige Aufgabe erfüllt. Ich vergebe vier Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die sich dem Thema nähern wollen.




  4. Cover des Buches Jahre aus Seide (ISBN: 9783746634418)
    Ulrike Renk

    Jahre aus Seide

     (127)
    Aktuelle Rezension von: Leseratte7

    Das Buch hat mich von der ersten Seite an begeistert. Ganz toll geschrieben, man taucht total ein in die Welt von damals. 

    Beleuchtet wird eine jüdische wohlhabende Familie zur Hitlerzeit. Sehr interessant, mal aus jüdischer Sicht zu lesen. 

    Besonders toll, dass die Geschichte nicht frei erfunden ist. 

    Mich hat das Buch absolut fasziniert, ich bin froh, dass ich es gelesen habe. Man bekommt tolle Einblicke in das Judentum. 

    Absolut lesenswert!

  5. Cover des Buches Der Junge im gestreiften Pyjama (ISBN: 9783596856916)
    John Boyne

    Der Junge im gestreiften Pyjama

     (2.237)
    Aktuelle Rezension von: Buecherphantasie

    Das Buch thematisiert die traurige Geschichte zweier Jungs die in Zeiten des Holocausts leben. Ein Junge und seine Familie ziehen in der Nähe eines Konzentrationslagers, da der Vater dort arbeitet. Es handelt sich um eine wohlhabende Familie. Eines Tages erkundigt der Junge etwas die Umgebung und trifft an einem Zaun einen anderen Jungen. Die beiden entwickeln eine Freundschaft mit einem tragischen Ende.


    Die Geschichte ist sehr traurig und emotional und in meinen Augen nicht unbedingt für Kinder und Jugendliche geeignet. Auf dem ersten Blick macht es den Anschein, dass das Buch nur für Kinder ist aber gerade die historischen Ereignisse sind für Kinder vielleicht etwas unverständlich. Trotzdem ist der Schreibstil sehr einfach gehalten.

    Insgesamt ein berührende Geschichte, die die Zeit des 2. Weltkrieges auf den Punkt bringt. 

  6. Cover des Buches Maus (ISBN: 9783596180943)
    Art Spiegelman

    Maus

     (211)
    Aktuelle Rezension von: Chris666

    Definitiv Hochkultur!!! Dieses Buch braucht sich hinter keinem Klassiker zu verstecken. Wer "Comics" für kinderkram hält, wird hier eines besseren belehrt. Ich habe selten ein Buch gelesen, dass mir die Schicksale der Juden im zweiten Weltkrieg und ihre Nachwirkungen bis ins Jetzt, besser und eindringlicher vor Augen geführt hat.

  7. Cover des Buches Gesamtausgabe (ISBN: 9783596905911)
    Anne Frank

    Gesamtausgabe

     (2.388)
    Aktuelle Rezension von: Papiertiger17

    Der historischen Zusammenhänge und der immensen Bedeutung dieses Zeitdokumentes bewusst, trafen mich die Lebensfreude und die teils sehr unterhaltsamen Anekdoten der jungen Autorin doch unvorbereitet. So überrascht, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Das Tagebuch der Anne Frank gewährt ein fesselndes Eintauchen in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und lässt einem ganz beiläufig erfahren, wie es ist, von einem deutschen Unrechtsstaats das eigene Daseinsrecht abgesprochen zu bekommen. Es ist unfassbar, dass die Deutschen damals ihre ethnischen Säuberungen sogar im Radio angekündigt haben. Und alle haben gewusst, was mit jenen passiert, die weggeholt und abtransportiert wurden. Alle haben es gewusst!

  8. Cover des Buches Die Lange Erde (ISBN: 9783442481965)
    Terry Pratchett

    Die Lange Erde

     (89)
    Aktuelle Rezension von: Eileen_Dierner

    Insgesamt eine schöne Mischung aus Fantasie und Wissenschaft. Mir gefielen die vielen Erklärungen zu möglichen Evolutionen in den Parallelwelten, vor allem deshalb, weil sie sehr biologisch geprägt waren. 

    Anfangs hatte ich Mühe, in das Buch hineinzufinden, da lang und breit auf das Phänomen der langen Erde eingegangen wird. Dafür war ich zu ungeduldig. Aber ungefähr ab der Hälfte wurde es dann interessant, und obwohl ich das Gefühl hatte, es gab keinen richtigen Spannungsbogen, hat man doch gern weitergelesen.

  9. Cover des Buches Das Kindermädchen (ISBN: 9783442475452)
    Elisabeth Herrmann

    Das Kindermädchen

     (166)
    Aktuelle Rezension von: Lillianne

    Zum Buch :: Rückentext

    Joachim Vernau ist ganz oben in der Berliner Gesellschaft angekommen. Er steht kurz davor, in die wohlhabende und einflussreiche Familie der von Zernikow einzuheiraten, nicht ahnend, dass ihre Ehrbarkeit nicht viel mehr als Fassade ist. Als eine ukrainische  Frau auftaucht und behauptet, die von Zernikows haben im Zweiten Weltkrieg eine Zwangsarbeiterin beschäfigt, lässt das Fmilienoberhaupt sie kurzerhand rauswerfen - nur wenig später wird sie tot aus dem Landwehrkanal gefischt. Vernau beginnt, unangenehme Fragen  zu stellen und kommt nicht nur der Identität der Frau, sondern auch dem lukrativen Geschäft mit enteigneter Kunst auf die Spur. ... 

    Mein Kommentar:

    Wow, das war ein Krimi! Zum Schluss ging es dann doch noch etwas hektisch zu, so als ob die Autorin auf die Seitenzahl achtete. Viele Themen wurden aufgegriffen wie die verschleppten Ukrainerinnen, die in Deutschland als Zwangsarbeiterinnen ausgebeutet wurden und auch als Kindermädchen bei hochrangigen Nationalsozialisten arbeiten mussten sowie  von beschlagnahmten Kunstwerken oder auch Restitutionsansprüche der Jewish Claim. 

    »Mach' die Welt, wie sie dir gefällt« - so scheint  sich die Freifrau über die Jahrzehnte ihr Leben schöngeredet und das verdrängt hat, das ihren Sohn prägte: [S. 382] »Utz schwieg. Ich hoffte, dass er eines Tages Mitleid empfinden konnte mit dem verführten und manipulierten Kind, das er gewesen war. So vieles   war verborgen unter dicken Schichten des Schweigens. Er hatte gelebt und geliebt, aber immer mit halber Kraft, gebremst von etwas Unausgesprochenem, das ihn ungewollt zum Täter gemacht hatte. Die bitterste Erkenntnis aber kam jetzt erst hinzu: Das Gefühl,  auch eines der Opfer zu sein.«

    Ein paar Kleinigkeiten möchte ich allerdings doch erwähnen, weil sie einige Erinnerungen zurücklassen:
    [S. 18] Die Freifrau entfernt als einzige Reaktion auf Musik, die sich nicht hören wollte, ihr Hörgerät. Ich habe mich auf einer Zugfahrt auch dieser Taktik bedient.
    [S. 133] Im Halbschlaf hörte ich, wie irgendwo ein Hund bellte. Ein Auto angelassen wurde. Ein Feuerzeug klickte, und das Licht biss sich sekundenlang hinter meine geschlossenen Lider. <i>Ein Hinweis auf eine Zitatesammlung zu diesem Thema.</i>
    Und dann nach langen Abschnitten, in denen wir Sigruns Wahlkampf mit verfolgen, dann auf
    [S. 224] Die Umfragewerte sind katastrophal. Wir haben auch Wahlen im September 2021, der Wahlkampf hat angefangen, die Plakate hängen an den Masten. Der Spruch passt heute auch auf einige Parteien.
    [S. 384] Ich starrte auf den Kachelofen, eine wunderschöne Jugendstilarbeit aus Velten. Auf Pferdewagen nach Berlin gebracht, als der Bauboom Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts dem kleinen Ort hinter der nördlichen Stadtgrenze eine kurze Blütezeit bescherte. Velten und das Kachelofenmuseum wird eines meiner nächsten Ausflugsziele sein.

    Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Bände. Offensichtlich ist der Autorin die Verknüpfung geschichtlicher Fakten, eingebettet in einen Fall, mit dem Rechtsanwalt Joachim Vernau befasst ist, wichtig. Auch für mich hochspannend zu lesen.

  10. Cover des Buches Die Rosenzüchterin (ISBN: 9783734109003)
    Charlotte Link

    Die Rosenzüchterin

     (408)
    Aktuelle Rezension von: eriS

    Franca leidet unter psychischen Problemen und Angstzuständen. Ohne ihre Tabletten geht sie nirgends hin. Im Auftrag ihres Mannes fliegt sie nach Guernsey und erleidet da eine nächste Panikattacke nachdem kein Hotelzimmer mehr verfügbar ist. Alan läuft ihr in diesem erbärmlichen Zustand über den Weg und nimmt sie mit zu seiner Mutter Beatrice. Hier findet sie für ein paar Tage Unterschlupf. Der Abstand von zu Hause und ihrem gewohnten Umfeld, dass sie immer mehr runterzieht, tut ihr sehr gut und sie fühlt sich richtig frei. Während ihres Aufenthaltes freundet sich sich mit der Hauptprotagonistinnen Beatrice und Helene an und erfährt deren Geschichte.

    Beatrice ist auf der Insel aufgewachsen und ging bei einem Fluchtversuch ihrer Eltern im Getümmel verloren. Sie ist nun ganz alleine auf der von deutschen besetzten Insel. Erich Feldmann, Mitglied der deutschen Wehrmacht und seine Frau ziehen ins Elternhaus von Beatrice ein und ziehen sie wie ihre eigene Tochter auf. Hier nimmt die gemeinsame Geschichte von Beatrice und Helene ihren Lauf.

    Beatrice erzählt in 'Die Rosenzüchterin' Franca ihre Lebensgeschichte und versucht ihr aus ihrem "Schneckenhaus" zu finden. Leider geraten gegen Schluss beide in eine unschöne Geschichte und das fröhliche Miteinander wird durchgeschüttelt.

    Das Buch ist in zwei Zeitstränge aufgeteilt. Während Beatrice ihre Geschichte erzählt, wird ein Rückblick in die entsprechende Zeitspanne gemacht. Dadurch kann die Geschichte noch viel intensiver erlebt werden. Aus meiner Sicht handelt es sich erst bei den letzten ca. 200 Seiten um einen Kriminalroman, davor gleicht es eher einem historischen Roman, wo der Leser einiges über die Besetzung der Insel zu Kriegszeiten erfährt.

  11. Cover des Buches Unter Wölfen - Der verborgene Feind (ISBN: 9783809027362)
    Alex Beer

    Unter Wölfen - Der verborgene Feind

     (32)
    Aktuelle Rezension von: Motzbeck

    Wie schon in der Besprechung des ersten Roamsn der "Unter Wölfen" Reihe betont, der historische Kontext ist absolut unglaubwürdig, aber sieht man als Leser darüber hinweg, wird man auch dieses Mal bestens unterhalten.

    Nachdem Issac Rubinstein am Ende des ersten Teils der Reihe auf die angebotene Fluchtmöglichkeit verzichtet hat, um weiter als Adolf Weismann gegen die Nazis zu arbeiten, nutzt er die Zuneigung Ursula von Rahns, der Tochter eines hochrangigen Nazis aus, um deren Vater eine Blaupause zum Bau neuer Panzer zu stehlen, um diese dann dem Widerstand zukommen zu lassen. Das alles passiert während eines Abrendessens, zu dem neben Isaak/Adolf weitere Vertreter der Nürnberger Nazi-Elite eingeladen sind. Eigentlich hat Rubinstein nach der Aktion seine Flucht, die vom Widerstand vorbereitet worden ist, geplant, doch an dem Abend erfährt er von Geheimplänen, die einer der Gäste andeutet, weshalb er sich entschließt, mehr darüber in Erfahrung bringen zu wollen. So lässt er die erste Möglichkeit zur Flucht verstreichen.

    Kurze Zeit später wird die Tochter eines der Teilnehmer des Essens erwürgt aufgefunden, ihr Vater macht Druck bei der Gestapo, dass der als Vorzeige-Ermittler der Gestapo geltende Weismann den Fall übernimmt. So wird dieser dann telefonisch von Himmler persönlich mit den Ermittlungen betraut, was zu Eifersüchteleien des eigentlich zuständigen Kommissars Köhler führt, mit dem sich Rubinstein/Weissmann dann aber irgendwie zusammenrauft, zumal ihm ja eher an der Kenntins der Geheimpläne gelegen ist. Doch ein weiterer Mord bringt ihn dann dazu, doch ernsthaft zu ermitteln, zumal der Druck aus Berlin größer wird. Gemeinsam erkennen Rubinstein/Weissmann, dass es sich bei den Morden um Teile einer umfassenden Serie, die bis ins Jahr 1939 zurückreicht, handelt. Dabei entwickelt sich aufrund von Gemeinsamkeiten fast so etwas wie Sympathie zwischen Rubinstein und dem Täter, was aber keineswegs einen finalen Showdown verhindert.

    Wie gesagt, der Roman ist höchst spannend geschrieben, allerdings wird das Glück Rubinsteins, der mehrfach vor seiner Enttarnung steht, doch arg überstrapaziert. Am Ende bleibt ihm jedoch nichts anderes übrig, als das riskante Spiel weiterzuspielen, was auf eine Fortsetzung der Reihe hoffen lässt.

  12. Cover des Buches Jeder stirbt für sich allein (ISBN: 9783746767086)
    Hans Fallada

    Jeder stirbt für sich allein

     (304)
    Aktuelle Rezension von: Catastrophia

    Wo beginnt Widerstand? Wie kann Widerstand in der NS-Zeit aussehen und ist es wichtig, dass er immer laut und öffentlich ist? Oder ist nicht gerade auch der innere Widerstand, der Versuch, im menschenverachtenden NS-Regime die Menschlichkeit nicht zu verlieren, wichtig? Welchen Einfluss kann Moral auf ein totalitäres Regime haben und welche Rolle spielt Menschlichkeit?

    Diese Fragen begleiten durch den Roman, der für mich der erste Fallada war, aber definitiv nicht der letzte. 

    Nachdem der Sohn der Familie Quangel gefallen ist, begeben sich seine Eltern in Lebensgefahr, um regimekritische Karten auszulegen - in der Hoffnung, dass sie bei Menschen zu einem Umdenken führen und das Regime stürzen könnten. Der pensionierte Richter Fromm versucht, seinen Einfluss bei Gericht im Privaten zu nutzen, um etwas gegen die Ungerechtigkeiten zu tun. Eine Briefträgerin versucht, sich von ihrem nichtsnutzigen, ihr Geld verspielenden Ehemann zu lösen. Ein Kommissar ermittelt, um die Urheber der regimekritischen Karten ausfindig zu machen, und hat dabei das Regime immer im Nacken sitzen.

    Ein Tagedieb, eine ältere Jüdin, eine überzeugte Nazifamilie, die Quangels und Richter Fromm leben allesamt in der Jablonskistraße 55, von der aus Fallada sein bildgewaltiges Portrait der Stadt Berlin in der NS-Zeit erschafft. Klug verwebt er verschiedene Charaktere, lässt ihre Wege kreuzen und zeigt auf, wie verschiedene Menschen in diesem System leben, überleben oder sterben. Der Tod, der Schrecken und die Angst sind allgegenwärtig und selbst für die real, die meinen, sich dem System angepasst zu haben oder davon zu profitieren. Der Einfluss eines solchen Gesellschaftssystems auf die Psyche und das Verhalten Einzelner wird herausgestellt. Damit ist der Roman nicht nur ein dichtes und authentisches Zeitportrait, sondern auch eine differenzierte Charakterstudie und macht keinen Hehl daraus, dass in einem solchen System Gesellschaft oder Solidarität Mangelware sind. Der Grund für den Titel "Jeder stirbt für sich allein" wird in jedem einzelnen Kapitel deutlich.

    Das Buch hat mich auch nach Beendigung noch lang beschäftigt. Es ist mit Sicherheit alles andere als "leichte Kost", besticht durch eine nüchterne, kommentierende, manchmal zynische Tonlage und einen einzigartigen Einblick in den deutschen Widerstand. Ich kann nur jedem und jeder empfehen, diesen Roman zu lesen.

  13. Cover des Buches Wintermänner (ISBN: 9781503954700)
    Jesper Bugge Kold

    Wintermänner

     (19)
    Aktuelle Rezension von: Susanna_Schober

    Das Buch startet damit, dass sich langsam die Nazi-Bewegung in die Stadt Hamburg schleicht. Immer mehr und mehr wird auffällig, dass sich bald etwas verändern wird und schnell stellt sich auch heraus, dass die beiden Brüder Karl und Gerhard davon betroffen sein werden.

    Während der Familienvater Karl allerdings im Laufe der Jahre  zum Offizier wird, lehnt der andere es vorerst ab, mitzumachen. Später allerdings hat er kaum noch eine Wahl und schließt sich doch den Nazis an ...

    Beide Brüder könnten verschiedener nicht sein, dennoch haben sie einen ähnlichen Weg gewählt. Zumindest was ihre eigenen Überzeugungen betrifft und wie sie diese ignoriert haben. 

    Leider fehlte mir in diesem Buch gänzlich die 'Spannung' die ich sonst bei solchen Geschichten immer wieder verspüre. Auch die ständigen Zeitsprünge waren mehr anstrengend, als hilfreich für das Werk. Aus diesem Grund zog sich das gesamte Buch unendlich. 

    Der Klappentext:

    n den 1930er-Jahren führen die Brüder Karl und Gerhard ein beschauliches Dasein in ihrer Geburtsstadt Hamburg. Doch dann geraten sie gegen ihren Willen in den Sog der Nazibewegung. Als der Zweite Weltkrieg beginnt, erlebt Karl als Offizier beim Nachschub das Grauen an der Front sowohl in Frankreich als auch in Russland aus nächster Nähe. Gerhard bleibt in Deutschland, ist mitverantwortlich für den Transport der Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager und steigt schließlich zum Kommandanten eines Konzentrationslagers auf. 


    Mein Fazit: Leider nicht mein Fall. Es fehlte an Spannung und die Geschichte plätscherte nur vor sich hin, sodass ich wenig Lust verspürte, weiterzulesen.

  14. Cover des Buches Am Beispiel meines Bruders (ISBN: 9783462307603)
    Uwe Timm

    Am Beispiel meines Bruders

     (104)
    Aktuelle Rezension von: Waschbaerin
    Als dieses dünne Büchlein vor wenigen Jahren im TV vorgestellt wurde und der Moderator dabei erwähnte, dass Uwe Timm, ein anerkannter Autor und in der Vergangenheit nicht publikumsscheu, mit diesem Buch nicht auf Lesereise ginge, grübelte ich, was ihn davon abhalten könnte. Noch heute, als ich mich mit diese Lektüre erneut beschäftigte, sind mir meine damaligen spontanen Gedanken gegenwärtig.

    Als ich das Buch erstmals in Händen hielt und zu lesen begann, verstand ich. Es wird in kurzen Worten auch die Geschichte der Familie des Autors erzählt. Wie so viele Menschen in der damaligen Zeit, stand auch seine Familie den politischen Ereignissen "nicht ablehnend" gegenüber. Sein wesentlich älterer Bruder, gerade mal den Kinderschuhen entwachsen, meldete sich freiwillig zur SS. Was mag ihn dazu bewogen haben? Welche Vorstellungen, Illusionen mögen ihn zu diesem Schritt getrieben haben?

    Doch dann setzte die entsetzliche Wirklichkeit ein. Seine schrecklichen Erlebnisse hält der Bruder in kurzen Tagebucheintragungen fest. Mit solch einem unsäglichen Grauen, womit er in diesem  Krieg konfrontiert wurde, hatte er nicht gerechnet. Schwer verwundet wird er in der Ukraine in ein Lazarett eingeliefert, wo er später, mit nur 19 Jahren, seinen Verletzungen erlag. Was ich den veröffentlichten Tagebucheintragungen entnehme ist, Uwe Timms Bruder Karl Heinz war nicht nur körperlich verwundet sondern es verblutete auch seine Seele.

    Dieses Tagebuch wurde übersehen, als man die persönlichen Dinge  von Karl Heinz im Lazarett zusammenpackte und nach dessen Tod der Familie schickte. Sonst wäre es wohl aussortiert und vernichtet worden. Augenzeugenberichte über all das Schreckliche dieses Krieges sollte zu der damaligen Zeit nicht nach Hause ins Reich gelangen.

    Meine Gedanken, als ich auf der letzten Seite geendet hatte, vielleicht ermöglichte dieser Roman dem Autor, seinen ihm unbekannten Bruder viele Jahre nach Kriegsende in Frieden gehen zu lassen. 
  15. Cover des Buches Tagebuch (Hörbestseller MP3-Ausgabe) (ISBN: 9783839840542)
    Anne Frank

    Tagebuch (Hörbestseller MP3-Ausgabe)

     (25)
    Aktuelle Rezension von: leniks

    Das Tagebuch der Anne Frank habe ich vor ganz vielen Jahren mal in der Schule gelesen. Als vor geraumer Zeit es nochmal lesen wollte, fand ich das im Buch sehr eng geschrieben. Ich bin in der Bibliothek fündig geworden und habe da das Buch als Hörbuch gefunden und habe es nun zu Ende gehört. Es  umfasst 9 CD's und hat eine ungefähre Laufzeit von 10 einhalb Stunden. Es handelt sich um eine ungekürzte Lesung. CD eins bis acht liest die Sprecherin Fritzi Haberlandt. Die neunte CD wird von Anne Franks Cousin Buddy Elias gelesen.  In diesem Tagebuch hat Anne niedergeschrieben wie sie den über zwei Jahren langen Aufenthalt im Versteck erlebt hat. Schon Wahnsinn, man kann es sich kaum vorstellen. Die Sprecherin hat den Text gut rüber gebracht. Die CD neun als Annes Cousin las fand ich sehr berührend und es ist gut das über diese Zeit mmer wieder  berichtet und erzählt wird. Damit es nie wieder kommt. Von mir bekommt das Hörbuch vier Sterne. 

  16. Cover des Buches Jakob der Lügner (ISBN: 9783518468098)
    Jurek Becker

    Jakob der Lügner

     (300)
    Aktuelle Rezension von: valyien

    Inhalt:

    Die Rote Armee ist nur noch wenige hundert Kilometer entfernt, das hat Jakob Heym zufällig erfahren. Und er erzählt es den anderen, die mit ihm eingeschlossen sind im Ghetto einer polnischen Stadt und schon fast alle Hoffnung verloren haben. Und damit die anderen ihm auch glauben, behauptet Jakob, er habe ein Radio. Nun kommen alle zu ihm, um nach Neuigkeiten zu fragen, die Mut machen, weiter auszuhalten in einer Welt, in der die Deutschen die Vernichtung der Juden betreiben. So wird aus ihm Jakob der Lügner; er lügt, um den Menschen wieder Hoffnung zu geben und damit die Kraft zu widerstehen.

    Meinung:

    Am Anfang ist das Buch ein bisschen verwirrend. Der Einstieg passt einfach irgendwie nicht zum Rest des Buches und ich hatte Mühe den Ich-Erzähler zu entziffern, sofern ich erst gegen Mitte gemerkt habe, dass es einen Ich-Erzähler gibt und es kein Auktorialer-Erzähler ist. Es gibt keine grosse Spannung, jedoch wird es gegen Ende richtig gut. Das Thema ob lügen okay ist und ob es gutes und schlechtes lügen gibt ist unglaublich interessant – Es bringt einem ein wenig ins grübeln. 

  17. Cover des Buches Wer übrig bleibt, hat recht (ISBN: 9783423208505)
    Richard Birkefeld

    Wer übrig bleibt, hat recht

     (21)
    Aktuelle Rezension von: TheSilencer
    Berlin, 1944. Während die Alliierten vorrücken und Berlin in Schutt und Asche legen, haben zwei Männer ihr Schicksal zu meistern.

    Der eine war ein überzeugter Nationalsozialist, bis er wegen einer Führer-Beleidigung selbst in jene Lager wanderte, von denen man nur hinter vorgehaltener Hand erzählt. Als Bomben sein Straflager zerstören, kann Ruprecht Haas fliehen und macht sich auf in seine alte Heimat Berlin, die er nicht wiederkennt. Die Suche nach seiner Frau und seinem Sohn und dem Denunzianten, der ihm zehn Jahre nicht überlebbares Straflager einbrachte, erwecken in ihm das Tier.

    Der andere ist ein zweifelnder SS-Offizier. Vor dem Krieg war er Kriminalbeamter und als solches wird er aus einem Kriegslazareth nach Berlin geholt, um eine Mordserie aufzuklären. Während er mit seiner eigenen Verantwortung hadert und den Endsieg längst aufgegeben hat, manipuliert er seine Ermittlungsergebnisse, die den Täter längst aufzeigen, ihn nach Abschluß aber wieder an die Front schicken würden. Und Kalterer möchte auch noch die Gelegenheit in Berlin nutzen, seine Ehefrau zurückzugewinnen, die sich von ihm trennte, als sie von den Greueltaten der SS erfuhr.

    Beide Wege treffen sich irgendwann. Jedoch völlig anders als erwartet.

    Das Autoren-Duo Birkefeld & Hachmeister liefern keinen geschichtsschuldigen Roman ab, sondern machen ihn zu einem Stück Zeitgeschichte. Das Grauen der Braunen ist spürbar, genauso wie die drohende Strafe, ergibt man sich nicht dem Endsieg-Gespenst.

    Fesselnd, realistisch - der Fliegeralarm ist hörbar.

    Ein Muß für jene, denen Erzählungen der Eltern und Großeltern nicht ausreichen. Das passende Mittelstück zwischen Robert Merles Der Tod ist mein Beruf und Pierre Freis Onkel Toms Hütte, Berlin.

    Von den beiden Autoren ist 2009 ein weiterer Krimi erschienen, dieser spielt in der Weimarer Republik: Deutsche Meisterschaft.
  18. Cover des Buches Ich bin ein Stern (ISBN: 9783407789495)
    Inge Auerbacher

    Ich bin ein Stern

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Monika58097
    Inge Auerbacher wurde mit ihren Eltern als Siebenjährige ins KZ Theresienstadt deportiert. Das junge Mädchen trotzt allen Schikanen. Sie überlebt Krankheiten und unermesslichen Hunger. Mit dabei hat sie immer ihre Puppe, das einzige Spielzeug, was ihr aus ihrem früheren Leben geblieben ist. Auf ihre Puppe achtet sie, wie auf ihren Augapfel. Inge hat als eine der wenigen Menschen dort überlebt.

    "Ich bin ein Stern" - ein großartiges kleines Buch aus der Sicht der damals jungen Inge Auerbacher geschrieben. Ein autobiographisches Zeitzeugnis für Kinder ab ca. 11 Jahren. Ein Buch, das unheimlich berührt. 

    Die Errichtung eines solchen Lagers überhaupt macht schon sprachlos, doch wenn man liest, dass es für wenige Tausend Menschen gebaut wurde und dass sich dann zeitweise über 40.000 Menschen gleichzeitig dort aufhielten, dann ist man auch als erwachsener Mensch ergriffen, schockiert und fragt sich immer wieder, wie konnte das geschehen? Wieso hat man das zugelassen?

    Das KZ Theresienstadt galt als "jüdische Mustersiedlung" und wurde sogar ausländischen Besuchern präsentiert. Theresienstadt, das Zwischenlager auf dem Weg in die großen Vernichtungslager Richtung Auschwitz. Ich frage mich immer wieder, haben die "Besucher" tatsächlich die Wahrheit nicht sehen können oder haben sie die Wahrheit nicht sehen wollen?

    Ein beeindruckendes Buch, eine Geschichte, die einen so schnell nicht los lässt. Ein Buch für ältere Kinder, für Jugendliche, aber auch für Erwachsene. 
  19. Cover des Buches Der wiedergefundene Freund (ISBN: 9783257608267)
    Fred Uhlman

    Der wiedergefundene Freund

     (95)
    Aktuelle Rezension von: Herbstrose

    Hans Schwarz, der Sohn eines jüdischen Arztes der im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz geehrt wurde, besucht das Karl-Alexander-Gymnasium in Stuttgart. Der 16-Jährige ist sehr in sich gekehrt, träumt davon Dichter zu werden und hat kaum Kontakt zu seinen Mitschülern. Dies ändert sich, als im Januar 1932 ein neuer Schüler, Konradin Graf von Hohenfels, in die Klasse kommt. Hans fühlt sich sofort zu ihm hingezogen und sucht seine Nähe. Bald entsteht eine innige Freundschaft zwischen den beiden. Der junge Graf wird zum gern gesehenen Gast im Hause Schwarz, während Hans nur einige Male, in Abwesenheit der Eltern, in die Villa des Freundes kommen darf. Nach einer Opernaufführung, bei der Hans von Konradin völlig ignoriert wurde, erfährt er, dass Konradins Mutter keine Juden in der Nähe ihrer Familie duldet. Der aufkommende Nationalsozialismus und die antisemitische Hetze dringen bald auch bis zur Schule vor. Als Hans von seinen Mitschülern schikaniert wird, wird dies von Konradin teilnahmslos toleriert … 

    Der Autor Fred Uhlman (geb.1901 - gest.1989) besuchte das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart, das auch einige Jahrgänge unter ihm Claus Graf Schenk von Stauffenberg besuchte. Uhlmann war ein jüdischer Rechtsanwalt, Schriftsteller und vielbeachteter Maler. Als aktives Mitglied der SPD und Freund von Kurt Schumacher floh er 1933 vor den Nazis nach Frankreich, wo er seinen Lebensunterhalt zunächst als Kunsthändler verdiente. Nachdem er seine spätere Ehefrau Diana Croft, Tochter von Sir Henry Baron Croft, kennen lernte, zog er mit ihr 1936 nach England. Seine Eltern und seine Schwester, die in Deutschland zurück geblieben waren, überlebten den Holocaust nicht. Als Schriftsteller bekannt wurde Uhlmann durch die in neunzehn Sprachen übersetzte Novelle von 1978 „Reunion“, deren deutsche Übersetzung zunächst 1979 unter dem Titel „Versöhnt“ erschien, dann 1988 unter dem Titel „Der wiedergefundene Freund“ neu aufgelegt und 1989 verfilmt wurde. Bereits 1960 erschien in England seine Autobiografie, die er seiner Frau und seinen beiden Kindern widmete. 

    Ob eine Freundschaft zwischen einem jüdischen Arztsohn und einem jungen Adligen in der Zeit der Machtergreifung Hitlers möglich ist und Bestand hat, diese Frage greift der Autor in seiner Novelle auf. Er macht das großartig, geht sehr behutsam vor, lässt den Leser aber schon ahnen, dass die Harmonie und das Einvernehmen auf Dauer nicht so bleiben kann. Die Wege der jungen Männer müssen sich trennen, der Kontakt reißt ab – bis Hans etwa 30 Jahre später einen Spendenaufruf seiner damaligen Schule bekommt. Jetzt hat er die Möglichkeit, etwas über den Verbleib seines einstigen Freundes Graf von Hohenfels zu erfahren. Auch wenn der Schreibstil in der heutigen Zeit etwas antiquiert wirkt und einige Längen vorhanden sind, lohnt es sich weiter zu lesen. Die Quintessenz kommt ganz zum Schluss!

    Fazit: Eine elegante kleine Erzählung, die man getrost in die Reihe der Klassiker aufnehmen kann. 

  20. Cover des Buches Das Haus der Bücher (ISBN: 9783947081011)
    Michael Paul

    Das Haus der Bücher

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Igelmanu66

    »Wir können das nicht einfach so hinnehmen. Niemand hat das Recht, diese wundervollen Bücher zu verbieten, zu verbrennen und unsere Schriftsteller umzubringen. Verstehst du, worum es geht?«

     

    Königsberg im Jahr 1933. Inhaber Wilhelm Kirchner, seine ebenfalls in der Buchhandlung arbeitende Nichte Emma und ihre Kollegen Konrad Gallinat und Otto Perlmann stehen unter Schock. Sie lieben ihren Beruf, Bücher sind ihr Leben – und nun werden sie gezwungen, sämtliche Werke zahlreicher Autoren der geplanten großen Bücherverbrennung zu opfern. Die vier sind sich schnell einig, sie wollen versuchen, so viele Bücher wie möglich vor den Flammen zu retten. Auch, wenn sie damit ihr eigenes Leben riskieren…

     

    Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass man sich von Zeit zu Zeit mit bestimmten Themen auseinandersetzen muss, so bedrückend sie auch sind. Der Nationalsozialismus ist so ein Thema und gehört leider nicht nur zu unserer Vergangenheit. Da mir Bücher sehr am Herzen liegen, fiel meine Wahl diesmal auf diesen Roman vor historischem Hintergrund.

     

    Schauplatz der Handlung ist Königsberg, präzise die damals größte Buchhandlung Europas, das „Haus der Bücher“ des Unternehmens Gräfe und Unzer. Die Beschreibungen der Buchhandlung lassen das Herz jedes Bücherfreundes höherschlagen, eine Reihe alter Fotos gibt einen guten Eindruck der damaligen Pracht. Das sehr schöne Buch mit Hardcover passt perfekt, es macht einen hochwertigen Eindruck und das Cover mit der brennenden Ecke wirkt sehr eindringlich.

     

    In die traurige Handlung steigt man sofort ein, ich bewunderte den großen Mut von Kirchner, Emma, Konrad und Otto. Schließlich waren sie ganz normale Menschen, zu deren Alltag es normalerweise nicht gehört, das eigene Leben und das der liebsten Angehörigen zu riskieren. Aber sie verstanden, dass es noch um viel mehr als nur Bücher geht und lieferten ein Musterbeispiel an Zivilcourage.

     

    Wenn sich der Autor auch um einen kleinen Lichtblick zum Ende bemühte, darf man kein Happy End erwarten. Beim Lesen wechselten großes Mitgefühl und Trauer mit Wut und Fassungslosigkeit ab, die Handlung wirkte sehr realistisch. Bei der Vorstellung, dass Studierende, also vermeintlich gebildete Menschen, Bücher verbrennen, komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. So eine Verblendung ist beängstigend und leider bewies sich, wie recht Heine hatte, als er schon lange vor den Nazis schrieb »Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.« Passend dazu werden neben dem schon schrecklichen Thema der Bücherverbrennung im Zuge der „Aktion wider den undeutschen Geist“ natürlich auch andere Naziverbrechen angesprochen. Da wird die Universität von jüdischen Professoren „gereinigt“, es wird gefoltert und gemordet.

     

    Die Charaktere und ihr Plan zur Bücherrettung sind fiktiv, aber es ist bekannt, dass im Haus der Bücher „verbotene“ Bücher offenbar heimlich versteckt und unter dem Ladentisch an vertrauenswürdige Kunden verkauft wurden. Um diesen Fakt herum wurde eine spannende Romanhandlung ausgebaut. Ein detailliertes Nachwort gibt Informationen zum geschichtlichen Hintergrund, den Fakten (im Unterschied zur Romanhandlung) und zur Unternehmensgeschichte.

     

    Was mich vor allem zu Beginn leicht irritierte, war die recht einfach gehaltene Sprache. Das überraschte mich, damit hatte ich bei einem Buch über Bücher nicht gerechnet. Mir fielen beispielsweise die kurzen Sätze auf, die auch schon mal mit dem Wörtchen „Dann“ anfingen. Rückblickend stelle ich allerdings fest, dass mir diese Punkte im weiteren Verlauf nicht mehr auffielen. Entweder hatte der Autor sich warmgeschrieben oder ich war so von der Lektüre gefesselt, dass ich die zuvor empfundenen sprachlichen Holprigkeiten nicht mehr wahrnahm. Zudem kann die einfache Sprache auch ein Vorteil sein, denn sie erhöht die Zugangsmöglichkeit für Leser, die vor dem anspruchsvollen Thema Respekt haben. Eins ist sicher, die Auseinandersetzung mit diesem tiefschwarzen Punkt unserer Geschichte ist und bleibt wichtig und obwohl hier fiktive Personen agieren, wird es ähnliche Ereignisse und Schicksale gegeben haben. Sie dürfen nie vergessen werden.

     

    Fazit: Ein fesselndes und leider sehr trauriges Kapitel der Geschichte. Leicht lesbar trotz des ernsten Themas.

  21. Cover des Buches Kommandant in Auschwitz (ISBN: 9783423301275)
    Rudolf Höß

    Kommandant in Auschwitz

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Pajanka

    Ich habe mir dieses Buch zugelegt, da mich der Nationalsozialismus, der zweite Weltkrieg etc. sehr interessiert. Teilweise waren wirklich äußerst interessante Informationen und Ansichten vertreten, die man so noch nicht kannte. Teilweise war das Buch für mich aber sehr zäh geschrieben und hat mich nicht wirklich gefesselt. Ich war über einige Schilderungen des "Kommandanten" ziemlich überrascht, viele Dinge haben mich doch kurz zum Grübeln gebracht. An sich ein gutes Buch, ich denke man muss aber doch sehr konzentriert und fixiert darauf sein, um dem ganzen Inhalt folgen zu können.

  22. Cover des Buches Klaras Nein (ISBN: 9783442733682)
    Soazig Aaron

    Klaras Nein

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Alice Pieszecki
    Klara hat 29 Monate im Konzentrationslager Auschwitz zugebracht. Ihre Schwägerin schildert im Tagebuchstil ihre Eindrücke nach Klaras (ungewollter) Rückkehr. Klara ist natürlich nicht mehr dieselbe. Sie ist bis auf die Knochen abgemagert, ernst geworden und hat ihr Lachen in Polen gelassen. Den Kontakt zu ihrer Tochter, die nach Klaras Weggang bei einer befreundeten Amme untergekommen ist, möchte sie zu deren Schutz unterbinden; zu schlechter Letzt verlässt sie den Haushalt ihrer Schwägerin, um unter neuem Namen ein neues Leben (???) zu beginnen. Ich möchte mich bewusst nicht zum Inhalt dieses kleinen Buchs äußern; der Leser wird wissen, das man ohnehin nur eine Meinung dazu haben kann. Es steht für mich außer Frage, dass man Klaras Erfahrungen nicht bewerten kann. Man erfährt, wenn man schon einiges an Lektüre zum Nationalsozialismus kennt, nichts Neues. Daher möchte ich klar herausstellen, dass ich mich nur auf die Textform beziehen werde. ...und die hat mich leider überhaupt nicht überzeugt. Natürlich ist Klaras Botschaft erschütternd, das ist klar. Für mich gibt es aber "Abzüge in der B-Note". Anfangs hielt ich es für spannend, dass eine Unbeteiligte Klaras Rückkehr in Form von Tagebucheinträgen skizziert, grundsätzlich habe ich mit fingierten Tagebüchern jedoch Probleme, da diese Erzählform sich für mich persönlich immer etwas gestelzt und künstlich-steril anhört. Die Einträge versuchten, einen sehr großen Bereich (ein ganzes Leben VOR Auschwitz) in wenige Seiten zu pressen. Der Leser stolpert in eine Momentaufnahme aus Klaras Umfeld hinein, aus der sie allerdings 29 Monate zuvor herausgerissen wurde. Es werden viele Namen genannt, ohne dass man die Personen auch nur ansatzweise kennenlernt oder erfährt, in welcher Beziehung sie zu Klara oder ihrer Schwägerin stehen. Dies ist relativ verwirrend, wenn natürlich auch so gewollt. Das ganze Drumherum störte mich allerdings in höchstem Maße. In dem Zusammenhang hat mich persönlich nicht interessiert, was diese anderen Menschen ausmacht, was sie bewegt und was die Kinder treiben. Sie hätten in ihren Aktionen ebenso gut wegbleiben können. Eine genauere Beobachtung Klaras hätte mir mehr zugesagt. Natürlich erfährt man unheimlich viel von ihr und ihrem "neuen" Sein - der Rest ist meines Erachtens aber überflüssig, zumal die Schwägerin anfangs erklärte, vorher noch nie Tagebuch geschrieben zu haben und sich nun Klara wegen damit beschäftigen wolle. Auch gefällt mir der Erzählstil nicht. Ein Großteil der Einträge ist beinahe ausschließlich in wörtlicher Rede gehalten und gleicht so eher einem "Protokoll". Das Buch lässt sich trotzdem leicht lesen, allerdings sind häufiger Sätze und Satzteile aneinandergereiht, die nicht zueinander gehören. Ab und an ein Semikolon anstelle eines Kommas zu setzen wäre der Lesbarkeit zugute gekommen. Alles in allem kann ich mich sonst immer auf Elke Heidenreichs Empfehlungen verlassen, im Falle von "Klaras Nein" aber leider (aus Gründen der Form, wie ich noch einmal betonen möchte!) nicht.
  23. Cover des Buches Des Lebens labyrinthisch irrer Lauf (ISBN: 9783748189879)
    Heike Wolf

    Des Lebens labyrinthisch irrer Lauf

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Babajaga

    Das Buch:

    Bei diesem Buch handelt es sich um den 2. Teil der Schönau-Dilogie. Er umfasst den Zeitrahmen 1935 bis 1957 im Leben der Familie Schönau. Den ersten Teil sollte man vorher gelesen haben, da der 2. Teil direkt an dessen Ende ansetzt. Das Buch ist Kapitel aufgeteilt, die über die meiste Zeit jeweils ein Jahr umfassen.

    Worum geht’s?

    1935 – das Naziregime gewinnt zusehends an Macht und das Leben der Familie Schönau ändert sich ein weiteres Mal drastisch. Alle Familienmitglieder müssen sich in dieser dunklen Zeit arrangieren und tun es auf die unterschiedlichsten Weisen. Dabei müssen alle schwerste Verluste hinnehmen und mit dem größer werdenden menschlichen Zwiespalt innerhalb der Familie klar kommen. Auch nach dem Krieg können nicht alle Schönau-Kinder ein gutes Leben führen. Gerade Lotte geht einen sehr schweren Weg, der – als sie vermeintlich am Ziel ist – wieder nur einen schmerzlichen Verlust für sie bereit hält. Erst an ihrem 90. Geburtstag am 09.11.1989 darf sie sich endlich über ein Geschenk freuen, mit dem sie nicht mehr gerechnet hatte.

    Die Charaktere:

    Lotte ist auch in diesem 2. Teil die Sympathieträgerin für die ich zu jeder Zeit Wohlwollen empfunden habe. Mehr als einmal habe ich gedacht, dass sie kaum noch mehr Rückschläge ertragen kann. Eine lange Zeit muss sie das Leben mit ihren beiden Kindern Agnes und Irene allein meistern, weil Richard entweder im Krieg ist oder im Gefängnis einsitzt. Oftmals weiß Lotte noch nicht einmal, wo genau Richard sich gerade befindet. Diese ständige Unsicherheit macht einen schon als Leser nervös und es ist kaum vorstellbar, was genau Lotte empfunden haben muss. Der Autorin gelingt es zu jeder Zeit absolut glaubwürdig diesen bedrückenden Umstand zu beschreiben. Lottes Verhaltensweisen und Entscheidungen kann ich oftmals sehr  gut nachvollziehen, insbesondere vor dem Hintergrund, da ich selbst nicht sagen könnte, wie ich in diesen Situationen reagiert hätte.

    Dorchen ist wohl der Charakter, der sich am radikalsten verändert. War sie am Anfang lebenslustig, direkt und extrem gegen das Naziregime, entwickelt sie sich nach dem Krieg zu einer Fanatikerin, die den Sozialismus bejubelt, obwohl offensichtlich ist, dass die Russen nicht wirklich etwas anders machen als die Nazis vor ihnen. Die Diktatur unter Hitler hat sie rigoros abgelehnt, hat sogar Lotte und Richard verurteilt, weil sie ihrer Meinung nach zu wenig dagegen unternahmen; stets hat sie Heinrich verurteilt, wegen seiner Besessenheit in der NS Zeit. Und nun? Macht sie es genauso! Dorchen war mir immer sehr sympathisch, ich mochte sie wegen ihrer leichten Art zu leben, mir gefiel mit wie viel Enthusiasmus sie sich für ihre Arbeit eingesetzt hatte und natürlich ihre tiefen Gefühle für Levin. Nachdem sowohl Levin als auch ihre Tochter Margrit von ihrer Seite gerissen wurden, arbeitet Dorchen intensiv im Widerstand und verurteilt beinahe jeden, der etwas dezenter ist. Ich kann ihre Verluste nur all zu gut verstehen, ebenso wie den Umstand, dass sie etwas tun will. Dass sie jedoch sogar die eigene Familie verbal beginnt anzugreifen, bringt meine Sympathie ins Wanken. Bereits hier zeigen sich die ersten Züge von Fanatismus, die sich nach dem Krieg ganz extrem ausprägen. Zwar hilft sie Lotte in den wirklich schlechten Zeiten und zeigt hier dann das Dorchen, wie ich es kenne, aber kurz darauf ist sie wieder hart und ungerecht. Es ist mir durchaus bewusst, dass der Krieg Dorchen verändert und hart gemacht hat, aber diese bedingungslose Besessenheit von einer anderen Diktatur hat sie mir am Ende beinahe unsympathisch werden lassen. Doch trotz aller Antipathie am Ende des Buches ist auch dieser Charakter authentisch, er gehört dazu und in gewisser Weise tut mir Dorchen sogar leid.

    Heinrich taucht nicht ganz so oft auf wie Lotte und Dorchen, aber wenn, dann möchte man ihn schütteln und ihn fragen, ob er blind ist. Ich empfinde es als furchtbar, wie er alte Freunde und sogar die eigene Familie ans Messer liefert ohne mit der Wimper zu zucken. Und trotzdem ist Heinrich eine Figur, die von Ambivalenz strotzt. Einerseits diese Härte und blinder Fanatismus – allerdings zum NS Regime – und andererseits kümmert er sich beinahe rührend um Lotte, sowohl direkt nach dem Krieg und auch später. Seine Verhaltens- und Denkweisen scheinen nicht zusammenpassen zu wollen, aber trotzdem ist er eine Figur, die man sich lebhaft vorstellen kann.

    Sämtliche Charaktere, auch Nebenfiguren, zeichnet die Autorin vielschichtig. Man kann eigentlich bei keiner Figur einfach sagen, dass man sie mag oder eben nicht. Und genau das ist der Grund, weshalb sie mit all ihren Sorgen und Nöten, mit den schönen und schlechten Dingen ihres Lebens absolut glaubwürdig sind. Es kommt einem immer ein bisschen so vor, als könnte man sie greifen, wenn man nur die Hand ausstreckte. Je länger man in der Geschichte liest, desto mehr wachsen einem die Figuren ans Herz und desto mehr glaubt man, einen Freund der Familie zu verlieren, wann immer jemand stirbt – und es sterben viele! Heike Wolf macht es einem wirklich schwer Figuren gehen zu lassen. Dies wird besonders deutlich, als nach einem Bombenangriff 3 wichtige Figuren auf einmal sterben.

    Schreibstil:

    Heike Wolf schreibt einfach großartig! Bildgewaltig ohne sich in Details zu verlieren. Sie beschreibt die Welt in ihrer Geschichte so, dass der Leser in sie abtauchen kann, so als wäre sie selbst dabei gewesen. Und auch wenn die Zeit furchtbar war, wenn man auf überhaupt gar keinen Fall in dieser Zeit gelebt haben möchte, so ist diese Zeit für die Zeit des Lesens so echt und so greifbar – mit all ihren schrecklichen Momenten, aber gerade auch mit den schönen Momenten.

    Die Autorin wirft den Leser durch alle Emotionen. Immer wieder möchte der Leser hoffen und tut es auch, dass sie diesem oder jenem Charakter dies oder jenes nicht antun möge. Man hofft und bangt und doch kommt das Unvermeidliche. Wer mehr als ein Buch von Heike Wolf gelesen hat, der weiß, dass sie nicht zimperlich mit ihren Figuren ist, aber trotzdem schafft sie es immer wieder, dass man zu ihren Figuren ein Verhältnis aufbauen muss. Man kommt nicht umhin, eben weil sie so lebendig sind. Der Satz „Das kann sie jetzt nicht wirklich tun!“ war mein ständiger Begleiter, aber sie tut es trotzdem – erbarmungslos. Erbarmungslos ist hier ein Kompliment, denn die Zeit war genau das. Alles andere wäre nicht authentisch.

    Historischer Hintergrund:

    Es gibt sicherlich viele Bücher, die sich mit dem 3. Reich befassen. Es gibt sicherlich auch viele gute Bücher über diese Zeit. Aber dieses hier vereint einfach alles. Es liefert einerseits sauber recherchiertes Hintergrundwissen sowohl über den Krieg als auch die Anfänge der DDR – ich habe mehr als einmal ungläubig gesagt „Das glaube ich jetzt nicht“ und doch ist es wahr. Andererseits lässt es diese Zeit so lebendig werden, als würde man selbst dabei sein. Hin und wieder musste ich beim Lesen unterbrechen um aus dem Fenster zu schauen, bevor die nächsten Bomben fielen.

    Fazit:

    Dieses Buch ist alles, aber keine leichte Unterhaltung! Wer sich auf dieses Buch einlässt, braucht mindestens ein Paket Taschentücher – besser zwei! Er sollte sich darauf einstellen, dass zwischen Liebe und Hass jedes Gefühl hochkommen wird – außer Gleichgültigkeit! Diese kann und wird sich der Leser nicht erlauben. Für Fans von wirklich realistischen, historischen Romanen ein absolutes Must read! 5 von 5 Sternen.


    Danke Heike!

  24. Cover des Buches LTI (ISBN: 9783150107430)
    Victor Klemperer

    LTI

     (37)
    Aktuelle Rezension von: Huebner
    "Grenzverwischung", "Fanatisch" oder "System und Organisation" u.a. nennt Victor Klemperer, der Sprachwissenschaftler aus Dresden, die Kapitel seiner Sammlung der Sprache des Dritten Reiches, Lingua Tertii Imperii - nicht mehr wegzudenken aus der gegenwärtigen Linguistik sind auch die "ironischen Anführungszeichen" in seinem XII Kapitel. Ihm geht es wie auch in seinen Tagebüchern um das Sammeln von Phänomenen des Sprachgebrauchs, der Sprachvergewaltigung, der Sprachverhunzung - hier derer aus dem unmittelbaren, im dritten Reich forcierten Wort- und Bildsprache. Mit leicht ironischer und gar erschütterter Tendenz nimmt Victor Klemperer die Sprachmoden seiner Zeit auf, wenn er Reden aufschreibt und analysiert, wenn er die Neologismen, Komposita und Nominalisierungen seiner Zeit unter die Lupe nimmt. So spricht er von "Formen der Willensbetonung und des stürmischen Vorwärtsdrängens, wenn er "die Aktion" und "den Sturm" als Schagwörter des dritten Reiches erläutert. Mit Witz stellt er die "Interpunktion" im Sprachgebrauch des Dritten Reiches als "charakteristische Vorliebe für dies oder jenes Interpunktionszeichen" dar. "Gelehrte lieben das Semikolon; ihr logisches Bedürfnis verlangt nach einem Trennzeichen, das entschiedener als das Komma und doch nicht ganz so absolut abgrenzt wie der Punkt.[...] Dagegen bedient sich die LTI bis zum Überfluss dessen, was ich die ironischen Anführungszeichen nennen möchte."

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks