Bücher mit dem Tag "50er jahre"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "50er jahre" gekennzeichnet haben.

97 Bücher

  1. Cover des Buches Es (ISBN: 9783453272408)
    Stephen King

    Es

    (2.394)
    Aktuelle Rezension von: Lulia

    Die Geschichte spielt in der amerikanischen Ostküstenstadt Derry im Staate Maine, wo in regelmäßigen Abständen ein Wesen erwacht und daraufhin Menschen verschwinden. Das Wesen ernährt sich von Angst und nimmt bevorzugt die Gestalt des Clowns Pennywise an. Eine Gruppe befreundeter Kinder, unter denen ein Junge seinen kleinen Bruder durch das Wesen verloren hat, stellen sich diesem Grauen, besiegen es scheinbar und werden Jahrzehnte später erneut nach Derry gerufen, als das Monster zurückkehrt. Die größtenteils realitätsnahe Handlung ist vom subtilen Grusel durchzogen und fokussiert sich vor allem auf die Dynamik innerhalb der Freunde.
    Bei den Protagonisten steht der Anführer des Clubs der Verlierer Bill im Vordergrund der Geschichte, der durch den Verlust seines kleinen Bruders durch das Wesen angetrieben wird. Die anderen Freunde fügen sich mit ihren individuellen Eigenschaften zu einem harmonischen Ganzen zusammen, was für eine angenehme Dynamik innerhalb der Handlung sorgt.
    Wer atmosphärische Gänsehautgeschichten mit psychologischer Tiefe mag, wird hier fündig.
    Der Schreibstil ist flüssig detailreich, atmosphärisch und unterstützt den Lesefluss sehr gut.
    Einziger Minuspunkt: Einige Stellen der Handlung, vor allem den Kampf gegen Pennywise betreffend, sind zu abstrakt und nicht immer nachvollziehbar, was den Lesespaß mindert.
    Insgesamt kann ich das Buch empfehlen.

  2. Cover des Buches Eine Frage der Chemie (Schmuckausgabe) (ISBN: 9783492076005)
    Bonnie Garmus

    Eine Frage der Chemie (Schmuckausgabe)

    (769)
    Aktuelle Rezension von: Books_of_san

    Ein interessantes Buch über eine Frau mit außergewöhnlich starker Persönlichkeit und die ungerechte Behandlung der Frauen in den 50er und 60er Jahren. Schade, dass bei den gesellschaftlichen Problemen zwar immer wieder das Thema Glauben thematisiert wurde, die Sympathie Elizabeth' mit Rosa Parks aber nur einmal kurz angebracht wurde, obwohl das Civil Rights Movement so entscheidend für die Epoche war und viele Parallelen zum Hauptthema des Buches hat.


    Tragend im Verlauf der Geschichte war die Liebe zwischen Elizabeth Zott und Calvin Evans und eine Menge Tragödien in beider Leben. Ein bisschen viel Drama auf einmal. Gerade Elizabeth' Familiengeschichte wirkt als wollte man möglichst viele Schicksalsschläge und Themen auf einmal im Buch unterbringen. 


    Alles in allem ein Buch, dass durch große Wortgewandtheit und Recherche im Bereich der Chemie glänzt und durch die Skurrilität der Charaktere von Elizabeth, Calvin und Mad auffällt. Der Schreibstil und die Dramen ziehen einen förmlich durch das Buch, aber alles ist sehr zugespitzt. Für mich ab einem gewissen Punkt leider zu viel des Guten. Und der Hund war zuckersüß und seine Sichtweise sicher unterhaltsam, wirkte für mich aber sehr deplatziert in diesem übermäßig ernsthaften Setting.

  3. Cover des Buches Meine geniale Freundin (ISBN: 9783518473863)
    Elena Ferrante

    Meine geniale Freundin

    (689)
    Aktuelle Rezension von: Egata

    Eines meiner Lieblingsbücher. Die Inhaltsangabe klingt wenig aufregend. Elena und ihre Freundin Lila wachsen im Neapel in der Nachkriegszeit auf, zwischen Mafia und Familienfehden. Aus der Sicht des Kindes und der Jugendlichen erzählt Elena von Höhen und Tiefen des täglichen Lebens, vom Erwachsenwerden und der Armut, aus der sie versucht herauszukommen, indem sie um gute Bildung kämpft. Die Autorin wechselt öfter die Perspektive und erzählt scheinbare Kleinigkeiten so spannend, dass man das Buch nicht weglegen kann. Ich hatte es mir geliehen, aber dann sofort den Folgeband gekauft, auch, weil so viele Fragen offen blieben. 

  4. Cover des Buches Der Vorleser (ISBN: 9783257073690)
    Bernhard Schlink

    Der Vorleser

    (5.816)
    Aktuelle Rezension von: Lulia

    Der junge Michael Berg geht eine leidenschaftliche Affäre mit der deutlich älteren Hanna Schmitz ein, die aus Baden, Liebesspiel und dem Vorlesen aus Klassikern der Weltliteratur besteht. Eines Tages verschwindet Hanna spurlos und erst Jahre später sieht Michael sie während der NS-Prozesse auf der Anklagebank wieder. Die Handlung entfaltet sich klar in drei Teilen und das Vorlesen ist sehr gelungen als gleichzeitiges Symbol für Intimität und Bildung/Unmündigkeit herausgearbeitet.
    Bei den Protagonisten steht Michael Berg im Mittelpunkt der Handlung und ist sehr glaubwürdig und realitätsnah dargestellt. Die relevante Nebenprotagonistin Hanna Schmitz ist eine ebenso interessante Figur, die sehr viel zur Vielschichtigkeit der Geschichte beiträgt.
    Wer Geschichten mit psychologischen Figurenstudien vor einem historischen Hintergrund mag, wird hier fündig.
    Der Schreibstil ist klar, schnörkellos und voller Subtext.
    Insgesamt kann ich das Buch empfehlen.

  5. Cover des Buches Gute Geister (ISBN: 9783442776368)
    Kathryn Stockett

    Gute Geister

    (706)
    Aktuelle Rezension von: Hopeandlive

    Wie befinden uns in Jackson, Mississippi im Jahr 1962 und werden mit hineingenommen in die Atmosphäre und die Stimmung, die dieses Land zu dieser Zeit geprägt hat. Da ist zum einen die junge Skeeter, eine schlacksige junge Frau, die sich nicht so ganz dem herrschenden Zeitgeist der damaligen Zeit unterordnen möchte, der besagt, dass junge Frauen doch nach dem College möglichst schnell heiraten und Kinder bekommen sollen. Skeeter träumt davon zu schreiben, sie möchte Autorin werden und nachdem sie unter Mühen ein Volontariat bei einer regionalen Zeitung ergattert hat und einen Buchvertrag mit einem Verlag in New York in Aussicht hat, beginnt sie heimlich eine Geschichte zu schreiben, die das Potential hat in der damaligen Zeit für ziemlich viel Unruhe zu sorgen. 

    Doch diese Geschichte kann Skeeter nicht alleine schreiben, es ist nämlich kein erfundener Roman, sondern eine teils bittere und traurige und auf der anderen Seite humorvolle Geschichte. Die wirklichen Autoren dieser Geschichte sind Aibileen und Minny und viele andere Frauen. Ihnen ist es nicht erlaubt ihre Geschichten zu veröffentlichen, denn das würde sie in wirkliche Lebensgefahr bringen, sie und ihre Familien, denn Aibileen und Minny sind farbige Frauen, die als Dienstmädchen für weiße Familien arbeiten, den Haushalt machen, jeden Tag kochen und putzen und ihre Kinder hüten. Jedes weiße Kind des gehobenen Mittelstandes ist zu dieser Zeit mit einer farbigen Nanny aufgewachsen. Die weißen Familien vertrauen den fleißigen farbigen Frauen ihre Kinder an, lassen sie von ihnen herzen und liebkosen, verbieten ihnen jedoch die gleiche Toilette wie sie selbst zu benutzen, das könnte ja gesundheitsschädlich sein. Das ist eine Episode von vielen, die einen mehr als den Kopf schütteln lässt während des Lesens. 

    Es entsteht zwischen diesen so unterschiedlichen Frauen erstmal eine Zweckgemeinschaft, Skeeter möchte eine wahre Geschichte über die Dienstmädchen schreiben, die in fast jedem Haus im Süden der USA arbeiten, sie sehnt sich nach ihrer alten Nanny Constantine, die einfach verschwunden ist und von deren Verbleib ihre Mutter nichts sagen möchte. Sie lernt das private Leben von Aibileen und Minny kennen und sie erkennt, dass es in ihrem Land zwei verschiedene Welten gibt, etwas mit dem sie aufgewachsen ist, dass sie jedoch mehr und mehr nicht mehr gutheißen kann. Aibileen hat ihr ganzes Leben die Kinder weißer Leute aufgezogen und denkt noch oft mit inneren Schmerzen und Traurigkeit an ihren Son Treelore und das Versprechen, dass sie ihm gegeben hat. Sie wird nicht müde den Kindern drei wichtige Sätze für ihr Leben mitzugeben, du bist lieb, du bist gescheit, du bist wichtig und vielleicht sagt sie es auch zu sich selbst. Minny hingegen gleicht einem rollenden Vulkan mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und einer sehr großen Mundwerk, welches bei den weißen Damen, für die sie arbeitet nicht wirklich gut ankommt und so sieht sich Minny immer wieder herausgefordert eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Auf dieser Suche begegnet sie Miss Celia, einer sehr jungen und blonden Lady, die irgendwie auch das Herz auf dem rechten Fleck hat, doch wird der Leser und die männlichen und weiblichen Protagonisten doch sehr von ihrem offenherzigen Anblick abgelenkt. Zwischen diesen beiden so verschiedenen Frauen, die nicht nur in der Hautfarbe begründet sind, entwickelt sich eine wirklich herzliche Beziehung, wie sie sich halt entwickelt, wenn ein Vulkan auf Naivität trifft und wenn eine Frau der anderen versucht das Kochen beizubringen. Somit nimmt die Geschichte ihren Lauf und das Buch wird veröffentlicht. Skeeter freut sich, Aibileen, Minny und die anderen Frauen sind in Angst, denn sie wissen, was auf sie zukommen könnte, doch Minny hat eine listige Rückversicherung in ihre Geschichte mit eingebaut und nun darf der Leser mehr als gespannt sein, wie es weitergeht....

    Ich habe diese Geschichte geliebt zu lesen. Kathryn Stockett nimmt den Leser in verschiedenen Erzählperspektiven mit hinein in diese für farbige Menschen so gefährliche Zeit der Rassentrennung in der USA und wir erleben welche Revolution diese Geschichte verursacht hat. Mit teilweise lachendem, ich kann keine Schokolandentarte mehr anschauen ohne an Minny zu denken, und einem weinenden Auge, wenn diese vielen fürchterlichen Ungerechtigkeiten dieser Zeit erzählt werden. Auch für weiße Menschen, die nicht dem damaligen Narrativ entsprachen, war diese Zeit nicht einfach. Die persönliche Entwicklung der Protagonistinnen und auch die Flair dieser 60er Jahre sind einfach wunderbar beschrieben und ich bin auch von der Verfilmung sehr begeistert. 

    Absolut lesenswert!


  6. Cover des Buches Kind 44 (ISBN: 9783442481859)
    Tom Rob Smith

    Kind 44

    (779)
    Aktuelle Rezension von: Featherstone

    Inhalt:

    Moskau, 1953: Die Welt von MGB-Offizier Leo Demidow gerät ins Wanken als er unter dramatischen Umständen damit konfrontiert wird wie schrecklich ungerecht und fehleranfällig das sowjetische Justizsystem sein kann. Leo wird in Geschehnisse hineingezogen, die ihn und seine Frau Raisa in höchste Lebensgefahr bringen und die Leos unbedingten Glauben an den sowjetischen Staat zutiefst erschüttern. Es beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod, denn ein Serienmörder treibt seit Jahren sein Unwesen und Leo und Raisa sind die einzigen, denen es gelingen könnte der Mordserie ein Ende zu setzen…

    „Diese ganzen Morde sind entweder falsch aufgeklärt, vertuscht oder auf irgendwelche Geisteskranken, politische Gegner, Betrunkene und Herumtreiber geschoben worden. Sie sind nie miteinander in Verbindung gebracht worden.“ (S. 355)

    Meine Meinung:

    Selten hat mich ein Buch so positiv überrascht, denn es ist viel mehr als „nur“ ein spannender Thriller. Es entfaltet sich zugleich eine Geschichte mit unglaublich großer emotionaler Wucht, die in Erinnerung bleibt und die nachhallt. Neben aufregenden, spannenden und düsteren Momenten sind es vor allem die vielen dramatischen, bewegenden, berührenden, emotionalen und nachdenklich stimmenden Momente, die ich extrem mitreißend fand und die mich nicht so schnell losgelassen haben. Nebenbei lässt das Buch vergangene Zeiten und historische Ereignisse lebendig werden. Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen. 

    Die Ermittlungen zu den Serienmorden werden sehr fesselnd erzählt. Der Schlüsselmoment in dem Leo realisiert, dass eine Vielzahl von Morden einem einzigen Täter zuzurechnen ist, sorgt für ordentlich Gänsehaut. Es ist nämlich klar, dass der Täter noch immer sein Unwesen treibt und zudem für einige der Morde unschuldige Menschen verurteilt wurden, weil man auf diese Weise unerwünschte Personen wie etwa politische Gegner, Landstreicher oder Leute mit psychiatrischen Problemen loswerden konnte. Es wird sehr spannend und mitreißend erzählt wie Leo und Raisa in einem verzweifelten und gefährlichen Wettlauf gegen Zeit darum kämpfen den Mörder zu stoppen. Ich wollte unbedingt wissen wer der Mörder ist und wie ihm die beiden auf die Spur kommen. Die Enthüllung der Identität des Mörders und seines Motivs fand ich absolut gelungen und sie kam für mich vollkommen unerwartet.

    Eine ganz große Stärke dieses Buches ist der tolle und interessante Protagonist: Leo macht im Laufe der Geschichte eine bemerkenswerte persönliche Veränderung durch. Er wird sehr vielschichtig charakterisiert und man lernt sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen kennen. Es ist sehr bewegend und interessant zu verfolgen wie er sich zum Positiven verändert. Dabei wird außergewöhnlich gut beschrieben wie einige sehr dramatische und einschneidende Erlebnisse Leos persönliche Einstellung und sein Denken über bestimmte Themen grundlegend verändern. Leo beginnt die Methoden des sowjetischen Staats zu hinterfragen und es wird ihm bewusst wie ungerecht und fehleranfällig das System sein kann und welche erschreckenden Schattenseiten es gibt. Diese Wandel in Leos Denken wird sehr glaubwürdig beschrieben. Gleichzeitig lernt man neue Seiten an Leo kennen, die beweisen, dass er ein gutes Herz hat. Leo geht große Risiken ein um für das Gute zu kämpfen und um für Gerechtigkeit zu sorgen. Das hat dafür gesorgt, dass ich ihn mit der Zeit richtig liebgewonnen habe und sehr mit ihm mitgefiebert habe.

    Die Liebesgeschichte zwischen Leo und Raisa ist wunderschöne, sehr emotional und rührend. Ihre Wiederannährung und zweite Chance werden gefühlvoller beschrieben und gehen mehr zu Herzen als in so manch anderem Buch ein erstes Kennenlernen bzw. der Anfang einer Beziehung. Die äußeren Umstände führen dazu, dass Leo und Raisa einander zum ersten Mal ebenbürtig sind und Raisa sich traut mit Leo offen über ihre Gefühle und insbesondere ihre Ängste zu sprechen. Erst als einige sehr schmerzhafte Wahrheiten zwischen den beiden ausgesprochen sind können sie beginnen nach vorne zu blicken. Bei ihren gemeinsamen Ermittlungen zu den Serienmorden geben die beiden ein richtig gutes Team ab. Die dramatischen und gefährlichen Geschehnisse, die sie gemeinsam durchmachen sorgen dafür, dass sie beginnen einander zu vertrauen und feststellen, dass sie sich auf die bedingungslose Unterstützung des anderen verlassen können. Außerdem wird sehr schön beschrieben wie die beiden im Laufe der Geschichte neue Seiten aneinander entdecken und wie eine zuvor nie dagewesene emotionale Nähe zwischen ihnen entsteht.

    Die Schattenseiten des sowjetischen Justizsystems werden einem gnadenlos und in allen schrecklichen Einzelheiten vor Augen geführt. Vieles fand ich erschreckender als so manche Horrorgeschichte, weil einem klar ist, dass es solche Zustände tatsächlich gegeben hat und nicht bloß alles der Vorstellungskraft des Autors entsprungen sind. Hier ein paar Zitate bzgl. der damals vorherrschenden Prinzipien der Polizeiarbeit, die für sich sprechen:

    BESSER, ZEHN UNSCHULDIGE LEIDEN, ALS EIN SPION ENTKOMMT. Er hatte eine eiserne Grundregel ihrer Arbeit missachtet: dass man zunächst immer einmal von der Schuld des Betreffenden ausging. (S. 53)
    EIN AGENT MUSS SEIN HERZ ZUR GRAUSAMKEIT ERZIEHEN. […] Grausamkeit war eine Tugend. Grausamkeit war etwas, wonach zu streben sich lohnte. Grausamkeit war der Schlüssel zum perfekten Staat. (S. 127)
    Nach unserem Rechtssystem werden auch sämtliche Familienmitglieder eines Verurteilten zur Rechenschaft gezogen. Die Verwandtschaft macht uns mitschuldig. (S. 151)
    Das Überleben ihres politischen Systems rechtfertigte alles. Das Versprechen eines goldenen Zeitalters, wo es solche Brutalitäten nicht mehr gab, wo alles im Überfluss vorhanden und Armut nur noch eine vage Erinnerung wäre, rechtfertigte alles. (S. 99)

    Man spürt richtig wie groß das gegenseitige Misstrauen in der Gesellschaft gewesen ist und wie extrem angsteinflößend der Staatsapparat für die Menschen war. Es lässt einem erschaudern wie der sowjetische Staat seine Bürger durch Angst unter Kontrolle gehalten hat und schon Kinder mit politischer Indoktrination und Einschüchterung in den Fokus genommen wurden. Schon winzige Kleinigkeiten reichten um wegen konterrevolutionärer Umtrieben und Spionage schuldig gesprochen zu werden. Manchmal genügte nur ein einziger unbedachter Satz zur falschen Person, denn Denunziation war weitverbreitet. War man erst einmal verhaftet gab es so gut wie keine Hoffnung mehr, die eigene Unschuld zu beweisen, denn oft wurden Geständnisse unter Folter erzwungen. Dementsprechend waren die Hinrichtungsraten unvorstellbar hoch. Das führt einem vor Augen wie gut man es heutzutage hat, wenn man in einer Demokratie lebt und auf Meinungsfreiheit und Rechtstaatlichkeit vertrauen kann.

    Es gibt in diesem Buch noch eine ganze Reihe weiterer Szenen, die mir unglaublich nahegegangen sind, weil Probleme aufgezeigt werden, die damals wirklich bestanden haben. So bekommt man u.a. einen Einblick in die schrecklichen Zustände die damals in vielen Waisenhäusern herrschten. Zudem fand ich es zutiefst traurig wie man damals mit homosexuellen Menschen umgegangen ist. Ganz besonders erschütternd fand ich außerdem den Rückblick in die 1930er-Jahre, der einem in die Ukraine zu Zeiten des Holodomor versetzt (= vom sowjetische Staat verursachte Hungersnot, die mehr als eine Million Ukrainer das Leben kostete). Das damalige Elend, die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit werden schonungslos und sehr eindringlich geschildert. 

    Trotz vieler bedrückender und trauriger Geschehnisse, die einem betroffen machen, gibt es aber zugleich auch einige schöne und hoffnungsvolle Momente. Das gilt auch für das Ende des Buches: Nach einem dramatischen Showdown gibt es herzerwärmende Momente, die einem dann doch noch mit einem positiven Gefühl zurücklassen.

    Zudem hat das Buch eine hoffnungsvolle und zu Herzen gehende Botschaft: Es kann sich lohnen Widerstand zu leisten und für das Gute einzutreten. Außerdem findet man Verbündete und Freunde manchmal zu einer Zeit und an einem Ort an dem man es am wenigsten erwartet hätte. Man sollte den Glauben an das Gute in seinen Mitmenschen nie aufgeben.

    Vergleich mit der Verfilmung „Kind 44“ (2015):

    Es wurden mit Tom Hardy, Gary Oldman und Noomi Rapace sehr gute Schauspieler gecastet, die die Charaktere aus dem Buch auf gelungene Weise lebendig werden lassen. Der Film trifft den Kern des Buches.

    Im Vergleich mit dem Buch fällt aber auf, dass im Film ein paar Dinge verändert bzw. weggelassen wurden. So erfährt man z. B. nichts über Leos Kindheit und der Mörder ist nicht Leos Bruder. Außerdem wurden einige Dinge weit oberflächlicher behandelt. Das gilt insbesondre für Leos persönliche Veränderung, die sich im Film zu schnell vollzieht. Zudem ist der historische Hintergrund im Buch sehr viel detaillierter und man erfährt im Buch z. B. viel mehr über die Schattenseiten des sowjetischen Staatsapparats und des Justizsystems. Das kann man dem Film aber verzeihen, denn in einen etwa zweistündigen Film kann man eben nur eine begrenzte Menge an Handlung und Hintergrundinfos hineinpacken. Dieses „Problem“ haben eigentlich alle Literaturverfilmungen.

    Trotz der genannten Schwächen finde ich die Verfilmung insgesamt gelungen und empfehlenswert.

    Fazit:

    Dieses Buch war eine riesengroße positive Überraschung. In diesem Buch steckt so viel mehr als ich erwartet hatte. Die Mischung aus spannenden, dramatischen, düsteren, traurigen, emotionalen und herzerwärmenden Momente ist unglaublich mitreißend. Diese Geschichte ist sowohl unterhaltsam als auch nachdenklich stimmend und ist keine, die man so schnell vergisst. Ich werde auf jeden Fall dem zweiten Band auch noch eine Chance gaben.

    Zum Schluss noch ein besonders rührendes Zitat aus dem Buch:

    [Raisa:] „Leo? Ich habe noch ein Geheimnis. Ich habe mich in dich verliebt.“ [Leo:] „Ich habe dich immer schon geliebt.“ (S. 261)
  7. Cover des Buches Flavia de Luce 2 - Mord ist kein Kinderspiel (ISBN: 9783442378258)
    Alan Bradley

    Flavia de Luce 2 - Mord ist kein Kinderspiel

    (673)
    Aktuelle Rezension von: bibliophilara

    Da ich vom ersten Band der Flavia de Luce-Reihe so begeistert war, habe ich mit der Fortsetzung „Mord ist kein Kinderspiel“ nicht lange gewartet. Es ist der zweite Band einer aktuell zehnteiligen Detektivroman-Reihe. Der elfte Band „Des Henkers letzte Mahlzeit“ soll dieses Jahr am 27. November erscheinen. Eigentlich bin ich kein Fan ellenlanger Reihen, aber der erste Band war für mich überraschend ein Highlight. Die schlagfertige Protagonistin, die an Wednesday Addams erinnert und die im ländlichen England der 1950er-Jahre Todesfälle aufklärt, hat einen unvergleichlichen Charme. „Mord ist kein Kinderspiel“ von Alan Bradley erschien 2010 und ist bei Fans mindestens genauso beliebt wie der erste Band. 

    Die elfjährige Flavia de Luce lebt im Juli 1950 mit ihrem Vater, ihren älteren Schwestern Ophelia und Daphne sowie dem Gärtner Dogger und der Haushälterin Mrs. Mullet im Anwesen Buckshaw unweit des englischen Dörfchens Bishop’s Lacey. Als der reisende Puppenspieler Rupert Porson mit seiner Gehilfin Nialla auftaucht, ist Flavia Feuer und Flamme. Sie spioniert den beiden vor der Aufführung am Samstag hinterher und findet schnell heraus, dass sie Geheimnisse haben. So versucht Nialla ihre Schwangerschaft zu verbergen. Und Rupert ist gar kein Unbekannter im Dorf, denn er scheint mit Gordon und Grace Ingleby von der Culverhouse Farm Geschäfte zu machen, deren Sohn vor einigen Jahren unter mysteriösen Umständen verstorben ist. Schnell wird Flavia klar, dass es mit der gerade eingekehrten Ruhe in Bishop’s Lacey schon wieder vorbei ist und der nächste Mord vor der Tür steht.

    „Ich lag tot auf dem Friedhof.“, ist der erste, und sicherlich sehr skurrile, erste Satz des ersten Kapitels. Die Protagonistin Flavia erzählt hier in Ich-Perspektive und Präteritum, wie sie auf dem Friedhof Probe liegt und sich ihren eigenen Tod ausmalt: Wer wird um sie trauern? Welche Blumen werden ihr aufs Grab gelegt? Was wird auf ihrem Grabstein stehen? Und wird sie im Himmel ihre Mutter Harriet wiedersehen? Schon mit dem ersten Satz wird klargestellt, dass Flavia keine normale Elfjährige ist, denn welches Mädchen liegt schon zum Spaß auf der Friedhofswiese und malt sich dabei den eigenen Tod aus?

    Flavias Faszination für Tod und Gifte macht sie für andere Menschen oft unheimlich. Während andere kleine Mädchen wahrscheinlich weinen oder schreien würden, wenn sie jemanden sterben sehen würden, schaut Flavia fasziniert zu und versucht, einen besonders guten Blick auf die Leiche zu bekommen. Ihre Mitmenschen können ihre Neugier für Morbides nur sehr schwer nachvollziehen. Außerdem neigt sie zu Impulsivität: sie handelt manchmal ohne über Konsequenzen nachzudenken und begibt sich dabei in potenziell gefährliche Situationen. Besonders wenn es darum geht, an wichtige Informationen zu kommen kann sie auch manipulativ sein. Sie nutzt ihr kindliches Erscheinungsbild schamlos aus, um Erwachsene zu täuschen und weiß oft genau, was sie sagen muss, um ihren Gegenüber einzuwickeln. Trotz ihrer scharfsinnigen Beobachtungsgabe hat sie nicht immer ein Gefühl für soziale Normen. Manchmal hat sie Schwierigkeiten, sich in die Emotionen anderer hineinzuversetzen und wirkt dadurch sozial unbeholfen. Doch obwohl dies alles eher negative Eigenschaften sind, machen sie sie zu einer vielschichtigen, glaubwürdigen und sogar liebenswerten Hauptfigur. Auch im zweiten Band habe ich Flavias Einzigartigkeit wieder geliebt. Wer Flavia nicht kennt, hat was verpasst!

    Zugegeben, dieser Detektivroman braucht Hirnschmalz! Zwischen der Erwähnung historischer Persönlichkeiten, seltener Worte und ganz viel chemischen Wissens werden noch jede Menge neue Figuren eingeführt, die vielleicht sogar als potenzielle Mörder infrage kommen. Ich musste das Buch immer wieder mal weglegen, um nachzuschauen, wer bspw. „John Gielgud“ (S. 112), „Thomas Nash[e]“ (S. 113) oder „Samuel Pepys“ (S. 112) waren. Diese knapp 350 Seiten sind zudem randvoll von geistreichem Witz, den man zwischen den Zeilen lesen muss. Flavia de Luce ist also keine Lektüre zum Abschalten und gedankenverlorenem Verschlingen. Man muss hier ordentlich mitdenken. Dafür wird man aber mit einem außergewöhnlich guten Schreibstil belohnt.

    Allerdings ist mir in diesem Band ein klitzekleiner Fehler aufgefallen, der medizinisch so nicht ganz korrekt ist. Flavia findet im Verlauf der Geschichte eine Person, die Rattengift geschluckt hat. Sie beschreibt, dass sie „durch den Sauerstoffmangel schon rot im Gesicht“ (S. 318) war. In Wahrheit werden Menschen bei Sauerstoffmangel aber bläulich. In Fachkreisen wird das als Cyanose bezeichnet und kann viele Ursachen haben, zum Beispiel Vergiftungen. Die Verfärbung entsteht dadurch, dass rote Blutkörperchen mit gebundenem Sauerstoff eine andere Farbe haben als jene, die CO2 gebunden haben. Nimmt der Sauerstoffgehalt im Körper also stark ab, erkennt man die blaue Färbung z.B. sehr gut an den Lippen oder der Zunge. In dem Buch gibt es viel Fachwissen, das ist der einzige Fehler, der mir aufgefallen ist, weshalb er nicht stark ins Gewicht fällt.

    Den Kriminalfall fand ich wieder spannend, allerdings hat er mich ein bisschen weniger gefesselt als der von „Mord im Gurkenbeet“, vielleicht auch, weil dieses Mal niemand aus Flavias näherem Umfeld unter Verdacht steht. Ich hatte recht schnell eine Vermutung, wer der Mörder sein könnte, bin aber auch hier wieder hinters Licht geführt worden. Im Gegensatz zum Vorgänger gibt es hier deutlich mehr potenzielle Verdächtige, die zu Beginn des Buches vorgestellt werden. Entsprechend zieht sich die erste Hälfte leicht und es dauert gut 150 Seiten, bis der Mord überhaupt geschieht. Das Ende wird dann recht zügig abgehandelt und es ist bei Weitem auch nicht so dramatisch und nervenaufreibend wie im ersten Band, aber das ist auch in Ordnung. Es macht einfach Spaß, Flavias Streifzüge als Detektivin durch das verschlafene englische Dorf zu verfolgen. Ein kleiner Bonuspunkt ist auch die Karte von Bishop’s Lacey, die vorne im Buchdeckel abgedruckt ist. Dort werden die wichtigsten Handlungsorte wie Buckshaw, die Kirche St. Tankred oder die Malplaquet Farm sowie die Culverhouse Farm mit dem Gibbet Wood abgebildet, sodass man sich das Dorf bildlich vorstellen kann.

    Flavia de Luce mausert sich gerade zu einer meiner liebsten Buchreihen. Auch „Mord ist kein Kinderspiel“ hat mir wieder sehr gut gefallen. Flavia ist eine der faszinierendsten und komplexesten Protagonistinnen aller Zeiten. Die mysteriösen Todesfälle sind spannend aufbereitet und laden zum Miträtseln ein. Die sommerliche Atmosphäre des englischen Dörfchens im Jahr 1950 hat einen unvergleichlichen Charme. Gepaart mit chemischem Wissen, historischen Persönlichkeiten und viel Eloquenz bietet Alan Bradley ein breites Wissensfeld an, aus dem wirklich jeder noch etwas lernen kann. Nicht zu vergessen ist der herausragende Schreibstil mit einer feinen Prise britischen Humor. Lediglich das falsche Benennen der Hautfärbung bei Sauerstoffmangel sowie die recht langgezogene Einführung sind kleinere Kritikpunkte. Auch wenn mir der zweite Band wirklich gut gefallen hat, fand ich den ersten noch ein wenig besser. Deswegen bekommt „Flavia de Luce – Mord ist kein Kinderspiel“ von mir volle vier von fünf Federn. Für den August nehme ich mir definitiv den dritten Band „Halunken, Tod & Teufel“ vor.

  8. Cover des Buches Bella Germania (ISBN: 9783596521807)
    Daniel Speck

    Bella Germania

    (214)
    Aktuelle Rezension von: Mavi

    Bella Germania ist ein Roman, der wie ein Kaleidoskop verschiedener Kulturen auf mich wirkte. Er transportiere mich auf eine Zeitreise geschichtlicher Ereignisse, die mir nahe am Herzen liegt, nämlich die eines Gastarbeiters in Deutschland. 

    Ich habe die packende deutsch-italienische Familiensaga über 600 Seiten innerhalb weniger Tage gelesen. Auf persönlicher Ebene befand ich mich auf einer kritischen Reise wegen einer Not-OP und war froh, mich in eine völlig andere Welt zurück zu ziehen. 

    Der historische Teil des Romans ist besonders gut recherchiert und beschränkt sich nicht nur auf die sozialen Aspekte der Einwanderer, sondern enthält die Kernelemente des Wirtschaftswunders in der Automobilindustrie in Deutschland und Italien. Dabei habe ich es auch geliebt eine virtuelle Spritztour mit der Iso Rivolta Gt zu machen. 🫶🛣️  

    Daniel Speck‘s eloquenter Schreibstil löst starke Emotionen in seiner Leserschaft aus und schafft die Atmosphäre im jeweiligen Land und Zeitfenster, so dass ich mir alles bildlich vorstellen konnte. 

    Die fehlerhaften und verletzlichen Charakter der Protagonisten transformieren sich glaubwürdig tiefgreifend, während sie alte Morale und Werte über Bord werfen und neue Persönlichkeitsschichten aufbauen. 

    Zu guter Letzt, spitzt sich der Spannungsbogen von Beginn zu Ende über einen Mordfall zu, wobei lang gehütete Geheimnisse über das Schicksal der Hauptprotagonistin enthüllt werden. 

    Der Plottwist am Ende hat mich vollkommen vom Hocker gehauen 😳🤯. 

    Absolute Leseempfehlung ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️. 

    Bella Germania ist nicht erste Reise mit Daniel Speck und wird auch nicht meine letzte sein. 

  9. Cover des Buches Eine Frage der Chemie (ISBN: B09V5N7C74)
    Bonnie Garmus

    Eine Frage der Chemie

    (131)
    Aktuelle Rezension von: Buecherkopfkino

    So eine spannende, intensive, emotionale und starke Geschichte.
    Elisabeth Zott wurde so gut beschrieben, dass ich dachte, es wären wahre Begebenheiten und Elisabeth Zott hätte gelebt. Meine Recherche zeigte, dass Elisabeth Zott ausgedacht war. Eine perfekte Charakterentwicklung also.
    In der Zeit um 1961 hätte es Elisabeth als Frau, die nicht ganz so weiblich ist, manchmal etwas verrückte Ideen hat und eine absolute Liebe für die Chemie und die Wissenschaft hat, bestimmt nicht so einfach im Leben gehabt, was perfekt in diesem Buch dargestellt wird. Sie stellt aber auch eine starke, eher aus Versehen feministische Persönlichkeit dar. Eine starke, interessante Protagonistin. Die anderen Charaktere fand ich ebenfalls sehr gut dargestellt. Besonders ihr Hund Halb 7 und ihre Tochter Mad haben mir sehr gefallen. 

    Es war so emotional, dass ich teilweise beim Hören Rotz und Wasser heulen musste, mit Elisabeth Wut empfunden habe und ihre kämpferische Natur nachempfinden konnte.

    Das Hörbuch an sich ist auch sehr gut produziert und perfekt von Luise Helm eingesprochen worden. 

    Ich kann dieses Buch uneingeschränkt empfehlen. 

  10. Cover des Buches Gehe hin, stelle einen Wächter (ISBN: 9783328100188)
    Harper Lee

    Gehe hin, stelle einen Wächter

    (146)
    Aktuelle Rezension von: SofiaCuorDiLeone

    Ich persönlich verfasse meine Rezensionen gerne eine gute Weile, nachdem ich manche Bücher gelesen habe. Der Grund dafür ist der, dass ich dann das Gefühl habe, das Gelesene vollständig verarbeitet zu haben und noch einmal Zeit hatte, gründlich darüber nachzudenken, was ich dazu zu sagen habe. Bei diesem Werk von Harper Lee bin ich leider etwas gespalten - an sich liest sich das Buch gut und ich verstehe durchaus seinen Kultstatus (zumindest bis zu einem gewissen Grad), aber leider muss ich sagen: Nach dem lesen ist wenig bei mir hängen geblieben. Damit meine ich keineswegs, dass ich mich nicht an das Buch erinnere (in dem Fall würde ich mich nicht darüber äußern, da ich das unangebracht fände), sondern viel mehr, dass der Inhalt und Sprachstil für mich nicht stark genug waren, um wirklich einen nennenswerten Eindruck zu hinterlassen. Das ist schade, da das Buch keinesfalls schlecht ist - es ist nur für mich persönlich einfach nicht stark genug, um mir anderen Werken mitzuhalten, die sich entweder mit ähnlichen Themen befassen oder aus der gleichen Zeit stammen.

  11. Cover des Buches Das Labyrinth der Lichter (ISBN: 9783596522156)
    Carlos Ruiz Zafón

    Das Labyrinth der Lichter

    (265)
    Aktuelle Rezension von: Boris_Goroff

    Der Autor vermag wie kein zweiter eine spannende Geschichte zu erzählen. Diese Barcelona Tetralogie kann in der Reihenfolge beliebig gelesen werden. Es entsteht ein Gesamtkunstwerk, das je nach Lesereihenfolge und aktuellem Roman einen neuen Blickwinkel auf die Geschichte und seine Protagonisten wirft.

    Steht in den Top 5 meiner Lieblingsbücher!

  12. Cover des Buches Zeiten des Aufbruchs (ISBN: 9783499272141)
    Carmen Korn

    Zeiten des Aufbruchs

    (136)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Ein Roman über die Nachkriegsjahre bis zur Wirtschaftswunderzeit in Hamburg. Unsere Eltern oder Großeltern wurden von dieser Zeit geprägt

  13. Cover des Buches Kleiner Mann – was nun? (ISBN: 9783311220015)
    Hans Fallada

    Kleiner Mann – was nun?

    (241)
    Aktuelle Rezension von: Beust

    Hans Falladas 1932 erschienenen Roman „Kleiner Mann - was nun?“ ist nicht nur mit seinem Titel bis in die heutige Zeit bekannt und aktuell. Der ganze Roman - die ersten gemeinsamen Jahre von Johannes Pinneberg und seiner Frau Emma „Lämmchen“ erzählt eine Geschichte von zeitloser Bedeutung. Die Pinnebergs kommen aus der schlesischen Provinz, wo sie in der kärglichen Engstirnigkeit der Kleinstadt zueinander finden und in ein Leben starten, das lauter Widrigkeiten aufhäuft, die gelichwohl niemals übertrieben, sondern vielmehr im Gegenteil als zeittypisch erscheinen. Die Hilflosigkeit Pinnbergs gegenüber seinen Chefs und später gegenüber dem Staat - ja: dem Teil des Staates, der für die Fürsorge zuständig wäre - ist schreiend ungerecht. Die Realitätsnähe dieser Ungerechtigkeiten, die plastischen Auswüchse der Hilflosigkeit, der sorgsam bewahrten Anständigkeit und der bis zum Schluss aufrecht erhaltene Wille, alles richtig zum machen, sind glaubwürdig, rührend und immer wieder auch gallenbitter komisch. Fallada hat ein Gespür für plötzlichen Witz - und muss ihn auch haben, weil sonst die Geschichte des fortwährenden Misserfolgs der liebenden Eheleute Pinneberg und Lämmchen mit ihrem „Murkel“ kaum erträglich wäre.

    Pinnebergs Courage hält bis fast zur letzten Seite, doch dann ist die Sohle erreicht: „Ordnung und Sauberkeit: Es war einmal. Arbeit und sicheres Brot: Es war einmal. Vorwärtskommen und Hoffnung: Es war einmal. Armut ist nicht nur Elend, Armut ist auch strafwürdig, Armut ist Makel (…).“ (S. 546) Spätestens hier ist man froh über die sozialen Leistungen, die in Deutschland seit Kriegsende, insbesondere durch die deutsche Sozialdemokratie, erreicht wurden. 

    Ich war über die Frische des Textes, über die Farbkraft des Zeitdokumentes erstaunt, das mit unverstelltem Erzählfluss die Vergangenheit heraufbeschwört und dabei das Zeitlose transportiert. Ich freue mich auf die nächsten Romane von Fallada, die hier schon auf mich warten.

  14. Cover des Buches Neuleben (ISBN: 9783426306864)
    Katharina Fuchs

    Neuleben

    (83)
    Aktuelle Rezension von: Kado

    Mir fällt die Bewertung des Buchs etwas schwer, das liegt allerdings an meiner eigenen Schusseligkeit. Ich kam sehr schwer in das Buch rein und hatte recht schnell nicht mehr soviel Lust es zu lesen. Mich haben die ganzen Namen am Anfang irritiert zu denen mir ein Kennenlernen gefehlt hat. Beim letzten Buch Drittel hab ich mal etwas in anderen Rezensionen gestöbert und sehr schnell festgestellt das ich Teil 2 einer Diologie am lesen bin. Jetzt macht alles etwas mehr Sinn. Der Rest hat mir dann auch gut gefallen, vorallem weil ein Teil in Wiesbaden, meiner Heimst, spielt und da kannte ich natürlich einiges. Ich werde Band 1 noch lesen und bin gespannt wie mir das dann gefällt.
    Die Geschichte an sich war super und ich habe große Sympathie für Gisela und Therese. Zwei sehr taffe Frauen die ihren Weg gingen und Wegbereiterinnen für sicherlich einige Damen waren.
    Ich würde 3,5 bis 4 Sterne von 5 vergeben.

  15. Cover des Buches Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt (ISBN: 9783596705634)
    Stephanie Schuster

    Die Wunderfrauen - Alles, was das Herz begehrt

    (202)
    Aktuelle Rezension von: Buchwurm05

    Inhalt:
    1953. Endlich geht es in Deutschland wieder aufwärts. Die mageren Jahre sind vorbei. Während Luise von einem eigenen Laden träumt, nehmen Luises Brüder die heimatvertriebene Marie bei sich auf dem Bauernhof auf. Helga, die aus reichem Haus stammt, flüchtet vor ihren Eltern und beginnt eine Ausbildung als Krankenschwester in der Geburtsklinik von Dr. von Thaler. Durch ein Missverständnis zieht sie den Zorn von dessen Gattin Annabel auf sich. Jede versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen. Noch wissen sie nicht, dass sich ihre Wege immer wieder kreuzen werden.....

    Leseeindruck:
    "Die Wunderfrauen - Alles was das Herz begehrt" ist der erste Band einer Trilogie. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Luise, Marie, Helga und Annabel geschrieben. So konnte ich sie nach und nach besser kennenlernen und wurde tief in die Geschichte hineingezogen. Es hat mich gut und kurzweilig unterhalten, ihren Lebensweg zu verfolgen. Ich habe es bewundert, wie sie das Beste aus ihrer Situation gemacht und immer wieder Mut gefasst haben. Dabei kam es gerade zum Ende hin auch zu Szenen, die ich so nicht erwartet habe. Auf der einen Seite wurde es nicht langweilig und es gab für mich unerwartete Wendungen. Auf der anderen Seite, hat das gar nicht zu den Figuren gepasst. Auch, wenn das jeweils in Ausnahmesituationen geschehen ist, kam mir persönlich das etwas zu unerwartet.

    Fazit:
    "Die Wunderfrauen - Alles was das Herz begehrt" hat mir unterhaltsame Lesestunden beschert. Es ist eher ein leichter Roman, bei dem ich mich schnell in die Figuren hineinversetzen konnte. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.

  16. Cover des Buches Ripley (ISBN: 9783257247206)
    Patricia Highsmith

    Ripley

    (364)
    Aktuelle Rezension von: ChrisGrimm

    Highsmith tut etwas Ungeheuerliches: Sie lässt einen Mörder davonkommen und sorgt dafür, dass man es ihm gönnt. Nicht aus Sympathie. Sondern weil Tom Ripley so vollständig hohl ist, dass man ihm beim Füllen zusieht wie einem Experiment. Er stiehlt Dickies Leben nicht aus Gier — sondern weil er selbst keins hat. Die Szene auf dem Boot, der Moment, in dem alles kippt, kommt fast beiläufig. Kein Affekt. Eine Korrektur.

    Was bleibt, ist das Unbehagen danach. Ripley in Dickies Kleidern, Dickies Wohnung, Dickies Handschrift — und die langsam einsickernde Erkenntnis, dass die Kopie besser funktioniert als das Original jemals wollte.

    Kein Gewissen. Kein Preis. Das ist das eigentlich Verstörende.

  17. Cover des Buches Der Schatten des Todes (ISBN: 9783455000450)
    James Runcie

    Der Schatten des Todes

    (20)
    Aktuelle Rezension von: Tanjas Bücherstübchen

    Es handelt sich hier um die Buchvorlage für die Serie Grantchester über den Pfarrer Sidney Chambers, welcher zusammen mit seinem Inspektor-Freund den ein oder anderen Kriminalfall in seiner Gemeinde aufklärt. Ist im Grunde ähnlich wie Father Brown, nur etwas moderner würde ich sagen. Zu erwähnen ist, dass es sich hier nicht um eine Geschichte handelt, sondern mehrere Kurzgeschichten. Eignet sich hervorragend, wenn man nicht viel Zeit zum Lesen hat oder gerade nicht so geduldig ist. Die Storys lesen sich flüssig und leicht, man hat bei den verschiedenen Charakteren sofort die Darsteller der Serie im Kopf. Finde das Buch sehr gelungen als "leichte Kost" und würde es deshalb empfehlen. Es gibt auch noch weitere Bände mit Kurzgeschichten, wenn ich die einmal günstig wo finde, werde ich sie kaufen.

  18. Cover des Buches Bei euch ist es immer so unheimlich still (ISBN: 9783423220705)
    Alena Schröder

    Bei euch ist es immer so unheimlich still

    (198)
    Aktuelle Rezension von: EmmaWinter

    "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid" hat mich wahnsinnig gut unterhalten, daher war ich auf den zweiten Teil sehr gespannt. Wir lernen nun mehr über das Leben von Dr. Evelyn Borowski und ihrer Tochter Silvia, die kein gutes Verhältnis zu einander haben. Auf zwei Zeitebenen wird einerseits Evelyns Weg zur Ärztin, Gattin und Mutter in der Nachkriegszeit beschrieben, andererseits die Rückkehr Silvias aus Berlin in die schwäbische Provinz 1989. Mit dabei ist ihr Baby Hannah, dem wir im ersten Teil als erwachsene Frau bei der Recherchearbeit zu Evelyns Erbschaft über die Schulter schauen durften.

    Erst war ich enttäuscht, dass Hannah keine der Hauptrollen spielt, aber dann hat mich die Geschichte genau so gepackt, wie der erste Teil. Ganz wunderbar läßt die Autorin die Figuren in ihrer jeweiligen Zeit lebendig werden. Glaubwürdig hadern sie mit ihren Lebensumständen, treffen richtige und fatale falsche Entscheidungen und entfremden sich. Als am Schluss Silvia wieder nach Berlin fährt, sind nicht nur die Grenzen offen.

    Ich habe den Roman sehr gerne gelesen, der sich lückenlos in die Geschehnisse des ersten Bandes einfügt. Alena Schröder schreibt so lebendig, als schaue man einen Film an. Ein Buch zum Abtauchen. Große Leseempfehlung.

  19. Cover des Buches Ein Traum vom Glück (ISBN: 9783404184767)
    Eva Völler

    Ein Traum vom Glück

    (105)
    Aktuelle Rezension von: Wilmaliestgern

    Ich habe alle drei Bände der Ruhrpottsaga gelesen. Eine faszinierende Reihe über eine Familie im Ruhrpott, die nach dem Krieg versucht, die Kriegsfolgen zu überwinden, sich Wohlstand aufzubauen und dabei die Familie zusammenzuhalten. Es ist ein Roman über eine Familie mit all ihren Fehlern und Eigenheiten, die aber immer zusammenhält. Das Leben im Ruhrpott mit der starken Umweltbelastung und den gesundheitlichen Folgen insbesondere für die Bergleute wird anschaulich geschildert. Die Familie muss einige Schicksalsschläge verkraften, rappelt sich aber immer wieder auf.

    Die Protagonisten sind alle liebevoll beschrieben, mit Fehlern und liebenswerten Eigenschaften. Ich habe die drei Bände geradezu verschlungen

  20. Cover des Buches Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus (ISBN: 9783499291715)
    Brigitte Riebe

    Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus

    (184)
    Aktuelle Rezension von: Elkes_Literaturwolke

    Inhaltsangabe:

    Im Juni 1932 wird das Modekaufhaus der Thalheims am Berliner Ku’damm eingeweiht und eröffnet. Die 13jährige Rike Thalheim weiß nun, wo ihre Zukunft liegt, in diesem Hause, auch wenn der Vater seinen Sohn bevorzugt!

    Mai 1945: Berlin liegt in Schutt und Asche. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei und die Menschen kämpfen ums nackte Überleben. Die Villa der Thalheims wird erst von den russischen, dann von den britischen Besatzern beschlagnahmt. Das glanzvolle Kaufhaus ist den Bomben zum Opfer gefallen und der Vater ist noch immer in russischer Gefangenschaft.

    Rike Thalheim fühlt sich inzwischen für die Familie verantwortlich, auch wenn ihre Mutter noch vor dem Krieg verstorben ist und sie mit einer Stiefmutter und einer Halbschwester beseelt ist. Und dann ist da noch Miriam, die als Jüdin irgendwie den Krieg in Berlin überlebt hat.

    Aus ihren Verstecken holen sie Nähmaschine und Stoffe. In einer kleinen zugigen Wohnung planen und basteln sie an ihrer Zukunft, aber kleine und größere Schicksalsschläge machen ihnen immer wieder einen Strick durch die Rechnung.

    Mein Fazit:

    Brigitte Riebe kann historische Romane schreiben – das steht ohne Zweifel für mich fest. Ich habe schon einige Romane aus dieser Epoche gelesen, aber dieser Roman gibt mir noch einmal Einblicke in Bereiche, die ich nur vom Hören kann: Trümmerfrauen, Spruchkammer etc. Mir war nicht bewusst, wie beschwerlich das Leben nach dem Krieg war. Ständiger Hunger, strenge Winter, kaum Arbeit und überall verwundete Seelen und Körper.

    Die Atmosphäre wurde von der Autorin wunderbar eingefangen, die Nöte und Sorgen, aber auch kleine Hoffnungsschimmer, Durchhalteparolen und kleine Freuden, die den harten Alltag etwas auflockerten und von den Problemen ablenkten. Es war auch eine Zeit der politischen Unsicherheiten. Berlin in vier Sektoren eingeteilt – wie würden die Siegermächte mit dem Volk umgehen? Wie sah die Zukunft der Stadt und ihrer Menschen aus?

    Diese Unsicherheiten kamen immer wieder zum Vorschein. Rike ist mit ihren 26 Jahren schon das Familienoberhaupt, solange der Vater aus der Gefangenschaft nicht zurückgekehrt ist. Er gehörte noch zum Volkssturm, zum letzten Aufbegehren des Führers, ehe Berlin endgültig fiel. Die Verantwortung lasten auf ihr und die Umstände machen es ihr nicht gerade leicht. Aber die Familie hält auch zusammen, machen Pläne und arbeiten bis zum Umfallen. Fast vergisst sie ihre eigene Zukunft dabei.

    Ich möchte nicht allzu viel verraten, aber es gibt viele interessante Szenen, die mir eine ganze Menge über die damalige Zeit erzählten. Bedauerlich ist das auch so ein Punkt, den ich zu kritisieren habe. Der Spannungsbogen fehlte so ein bisschen, als Leserin wusste ich nicht so recht, wohin die Reise geht und was da noch kommen mag.

    Die Fortsetzung werde ich zu dieser Geschichte nicht lesen. Trotz der interessanten Details konnte es mich nicht mitnehmen und packen, deshalb gibt es nur eine Sterne.

  21. Cover des Buches Dope (ISBN: 9783426304457)
    Sara Gran

    Dope

    (34)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Ganz schön rumgekommen in New York ist Josephine "Joe" Flannigan, Exjunkie, die Anfang der 50er Jahre von besorgten Eltern beauftragt wird, ihre verschwundene Tochter und Collegeabbrecherin zu finden, die womöglich im New Yorker Drogensumpf vor die Hunde geht. Die Bezahlung ist mehr als üppig, und so macht Joe sich ans Werk und trifft immer mehr von den ehemaligen Bekannten wieder, die sie nach zweijährigem Cleansein eigentlich hinter sich gelassen hatte. Der Abstieg der Tochter aus gutem Hause scheint immer tiefer gegangen zu sein, als Freund bzw. Zuhälter scheint sie sich einen besonders fiesen Typen ausgesucht zu haben. Besonders stark ist das Buch, wenn Joes Drogenverlangen beschrieben wird, wie der Körper auch nach zweijähriger Drogenfreiheit noch sofort in den verschiedenen Körperpartien reagiert, sobald das Teufelszeug in der Nähe ist. Sie trifft ihren Exmann wieder, der nach wie vor süchtig ist und sieht, wie er sich verändert hat durch den langjährigen Drogenmißbrauch, beschreibt seinen Selbstbetrug (das ständige Reden vom Aufhören "nächste Woche") genauso wie Altjunkies, die trotz allem lange überlebt haben, aber körperlich gezeichnet sind.  

  22. Cover des Buches Die Ehefrau (ISBN: 9783832164324)
    Meg Wolitzer

    Die Ehefrau

    (53)
    Aktuelle Rezension von: LydisBooks

    „Die Ehefrau“ von Meg Wolitzer hat mir als Taschenbuch leider kaum gefallen.

    Eine Frau, die voll und ganz für ihren Mann liebt und dessen Leben begleitet ganz egal wie belanglos ihr eigenes Leben ist. Als Aufopferung getarnte Abhängigkeit. 

    Ich habe das Buch auf einem Bücherbazar gekauft, weil ich den Klappentext interessant fand. Hier liegt jedoch ein klassischer Fall von „Klappentext stimmt kaum mit Inhalt überein“ vor. 

    Die Geschichte ist belanglos geschrieben, das Schicksal von Joan zu 100% vom Erfolg des Ehemannes abhängig, dessen Launen und Zweifel und Karriere. 

    Leider ist es mir schwer gefallen echte Sympathie für Joan aufzubringen. 

    Solide geschrieben, aber leider eher langweilig. 

  23. Cover des Buches All die Jahre (ISBN: 9783552063662)
    J. Courtney Sullivan

    All die Jahre

    (115)
    Aktuelle Rezension von: Johann_Baier

    „All die Jahre“ ist nicht nur ein Familienroman, wie der Klappentext schon verrät, sondern auch ein "Migrationsroman" – Emigration aus einem westirischen Dorf in den Fünfziger Jahren, Immigration in die USA, wo die Familie langsam immer amerikanischer wird. Wir begleiten die Familie über 50 Jahre, lernen die Figuren als Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Rentner kennen, in einem Fall auch als Nonne.

    Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Hauptpersonen erzählt, den beiden Schwestern Nora und Therese, später dürfen auch Noras Kinder aus ihrer Sicht erzählen. Die Beziehung der beiden Schwestern ist kompliziert und wird durch ein uneheliches Kind und die katholische Kirche noch komplizierter und bricht fast ganz ab. Die Frage ist, ob und wie sie gegen Ende ihres Lebens wieder zueinander finden.

    Der Kinderreichtum der katholischen irischen Familien führt zu einer Fülle von Geschwistern, Neffen, Nichten, Tanten. Alle Figuren werden mit langen Rückblenden vorgestellt. Phasenweise ist es schwierig, den Überblick zu behalten.

    Die Unterschiedlichkeit der Charaktere selbst innerhalb einer Familie ist eine gute Impfung gegen Vorurteile und Klischees, die es in den USA gegenüber irischen Einwanderern gibt. Das einzige Klischee, das bedient wird, ist der irische Humor, und den hat man als Leser gern.

    Mich hat besonders der Anfang des Romans berührt – der Aufbruch und die Ankunft in der Fremde –, sowie das Ende – der Rückblick 50 Jahre später auf das, was dabei herausgekommen ist, bzw. der Blick auf die alte Heimat, wo das Leben auch hätte stattfinden können.

  24. Cover des Buches Ein Glück für immer (ISBN: 9783551560025)
    Ruta Sepetys

    Ein Glück für immer

    (31)
    Aktuelle Rezension von: Losnl
    Auf das Buch „Ein Glück für immer“ von Ruta Sepetys, bin ich durch sein außergewöhnlich elegantes Cover gestoßen, welches mich direkt ansprach. Nicht nur die wundervolle Gestaltung des Buches konnte bei mir punkten, auch inhaltlich wird mir das Buch noch lange in Erinnerung bleiben.

    New Orleans in den Fünfzigerjahren: zwielichtige Gestalten, dunkle Gassen. Josie Moraine, Tochter einer Prostituierten, ist früh selbstständig geworden. Über dem Buchladen, den sie mit ihrem besten Freund Patrick zusammen führt, hat sie ein kleines Zimmer. Doch insgeheim träumt sie vom Smith College und einer Studentinnen-Freundschaft mit Charlotte. Und auch wenn das unerreichbar scheint für eine junge Frau ihrer Herkunft, will Josie sich nicht von ihren Plänen abbringen lassen. Dann taucht der Gangster Cincinnati in der Stadt auf. Ein Mann wird ermordet. Und Josie muss Entscheidungen treffen, die ihr Schicksal bestimmen.

    Ruta Spepetys entführt uns mit „Ein Glück für immer“ auf eine Reise nach New Orleans, mitten in die Fünfzigerjahre. Schon das erste Kapitel vereinnahmte mich völlig, denn wir lernen in einem kurzen Auszug, die selbstbewusste siebenjährige Josie Moraine kennen. Trotz ihres jungen Alters, einem scheinbar rastlosen Leben, neben einer Mutter die sich prostituiert, hat sie es gelernt, mit der Situation umzugehen und perfekte Martinis zuzubereiten. Somit verweilt Josie nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens. Nachdem die Lebenssituation kurz angerissen wurde, in der wir auch Louise, Josies Mutter und Willie, die Bordellbesitzerin kennenlernen, erfolgt ein Zeitsprung.

    Josie ist nun mittlerweile 17 Jahre alt, wobei ihr die vergangenen Jahre aufzeigten, dass sie nie so werden will, wie ihre unfähige Mutter. Josie hat sich von dem Leben ihrer Mutter distanziert und lebt bereits seit fünf Jahren über einem Buchladen, indem sie tagsüber auch arbeitet. Das Leben gestaltetet sich weiterhin schwierig, da Josie in einem zwielichtigen Viertel lebt, wo Gewalt, Diebstähle und Prostitution auf der Tagesordnung stehen. Doch ihr Ziel, am Smith College zu studieren verliert sie nie aus den Augen…

    „Sie ist nicht halb so klug wie du. Du bist mit einem inneren Kompass auf die Welt gekommen, aber sie irrt durch ihr Leben und rennt immer wieder gegen Wände“ (S. 46)

    Die Autorin lässt den Leser intensiv am Geschehen teilhaben, so wie ich es zuvor selten erlebt habe. Der unglaublich poetische und bildliche Schreibstil, hinterließ unbeschreibliche und beeindruckende Bilder in meinem Kopf, die ich nicht so schnell vergessen werde. Die Atmosphäre und das Setting des Buches, ist schlicht weg ergreifend, denn man fühlt sich in eine Zeit zurückversetzt, in der man Gaunern, altmodischen Wagen und nostalgischen Frisuren begegnet und diese direkt vor Augen hat. Ich fühlte mich während des Lesens als stiller Beobachter, welcher sich einen Film anschaut anstatt ein Buch zu lesen.

    Die Ausgestaltung der Charaktere ist der Autorin sehr gut gelungen. Diese sind authentisch gezeichnet und verfügen über individuelle Eigenschaften, durch die sich der Leser ein umfangreiches Bild machen kann. Obwohl mir nicht jeder Charakter sympathisch erschien, so wurde doch ein wundervolles Gleichgewicht zwischen emotionalen Momenten und Grausamkeiten sowie Brutalität erschaffen.

    Josie hat sich durch ihre selbstbewusste Art sofort ein Platz in meinem Herzen sichern können. Sie ist seit frühester Kindheit aus sich allein gestellt und versucht ihr Leben auch auf diese Weise zu meistern. Insgeheim habe ich mit ihr gebangt und gehofft dass sich ihre Träume erfüllen.

    Ich wollte immer noch glauben, dass mich meine Flügel, egal wie zerfetzt und fadenscheinig, aus einem Leben voller Lügen und mieser Typen davontragen konnten. (S. 292)

    Hierbei kommt die einzigartige Bordellbesitzerin Willie ins Spiel. Sie besitzt ein loses Mundwerk und trotz ihres ruppigen, gefühlskalten Charakters, habe ich sie sehr gemocht. Willie hält ihre Hand schützend über Josie und behandelt sie wie ihre eigene Tochter. Das altbekannte Sprichwort, „Harte Schale, weicher Kern“ umschreibt diesen speziellen Charakter äußerst zielgerichtet. Daher trifft er mitten ins Herz und hinterließ einen bleibenden Eindruck.

    Die Handlung besticht durch eine perfekte Mischung aus Wünschen, Hoffnung, Freundschaft sowie Kriminalität. Die Spannung wird immer wieder neu entfacht, wobei am Ende des Buches noch einige Fragen unbeantwortet bleiben. Dieser Aspekt führt mich gedanklich noch heut zum Buch zurück, um die noch offenen gebliebenen Fragen, mit meiner Fantasie auszuschmücken.

    Fazit

    Das Buch “Ein Glück für immer“ von Ruta Sepetys ist eines der wundervollsten Königskinder, die ich bisher gelesen habe. Es besticht durch sein außergewöhnliches Setting und überrascht durch kennzeichnende Charaktere, die das Herz des Lesers berühren. Freundschaft und Hoffnung stehen im Gegensatz zur Illegalität, was noch mich lange gedanklich beschäftigen wird. Das Buch hat mich tief beeindruckt und gehört schon jetzt zu meinen Lieblingen des Königskinder Verlages. Absolut lesenswert!

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