Bücher mit dem Tag "60er jahre"
87 Bücher
- Bonnie Garmus
Eine Frage der Chemie (Schmuckausgabe)
(805)Aktuelle Rezension von: Liden48 / 2026Ein Buch, welches ich sehr genossen habe und ein Highlight für mich war! Die ganze Palette an Emotionen waren in diesem Buch vereint und ich hab viel gelacht, mir viele Zitate rausgeschrieben und war traurig, als ich am Ende angelangt war. Elisabeth war eine tolle Protagonistin. Völlig zurecht ein Bestseller und den Hype absolut wert.
- Jonas Jonasson
Die Analphabetin, die rechnen konnte
(735)Aktuelle Rezension von: deidreeVor einigen Jahren habe ich „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ unbedingt haben müssen. Es wurde in den Medien sehr gelobt. Dann blieb es bei mir leider ungelesen liegen und jetzt fand ich keinen hundertprozentigen Zugang mehr.
Mir war die Geschichte einfach zu überzeichnet. Ständig passiert irgendetwas Unvorhergesehenes und meist nichts Positives für Nombeko. Die Aktionen der Nebenfiguren sind oft schräg, skurril oder einfach verrückt und zu weit hergeholt.
Es gibt durchaus auch witzige Stellen, Passagen oder Handlungen, leider wogen die für mich das ganze Geschehen nicht auf. Je weiter ich dem Ende zukam, desto mehr zog sich die Story in die Länge.
Für mich hat Jonas Jonasson hier ein Buch verfasst, das zwar einfach zu lesen ist, vom Schreibstil her, das aber mitunter etwas mühsam wird, wenn die Personen wieder einmal zu exzentrisch handeln. Auch dauert es gefühlt zu lange, bis Nombeko endlich ihre Habe aus ihren Händen bringt.
Für die Fans des Autors sicher ein gutes Buch, für andere Leser möglicherweise eher Durchschnitt.
- Kathryn Stockett
Gute Geister
(708)Aktuelle Rezension von: HopeandliveWie befinden uns in Jackson, Mississippi im Jahr 1962 und werden mit hineingenommen in die Atmosphäre und die Stimmung, die dieses Land zu dieser Zeit geprägt hat. Da ist zum einen die junge Skeeter, eine schlacksige junge Frau, die sich nicht so ganz dem herrschenden Zeitgeist der damaligen Zeit unterordnen möchte, der besagt, dass junge Frauen doch nach dem College möglichst schnell heiraten und Kinder bekommen sollen. Skeeter träumt davon zu schreiben, sie möchte Autorin werden und nachdem sie unter Mühen ein Volontariat bei einer regionalen Zeitung ergattert hat und einen Buchvertrag mit einem Verlag in New York in Aussicht hat, beginnt sie heimlich eine Geschichte zu schreiben, die das Potential hat in der damaligen Zeit für ziemlich viel Unruhe zu sorgen.
Doch diese Geschichte kann Skeeter nicht alleine schreiben, es ist nämlich kein erfundener Roman, sondern eine teils bittere und traurige und auf der anderen Seite humorvolle Geschichte. Die wirklichen Autoren dieser Geschichte sind Aibileen und Minny und viele andere Frauen. Ihnen ist es nicht erlaubt ihre Geschichten zu veröffentlichen, denn das würde sie in wirkliche Lebensgefahr bringen, sie und ihre Familien, denn Aibileen und Minny sind farbige Frauen, die als Dienstmädchen für weiße Familien arbeiten, den Haushalt machen, jeden Tag kochen und putzen und ihre Kinder hüten. Jedes weiße Kind des gehobenen Mittelstandes ist zu dieser Zeit mit einer farbigen Nanny aufgewachsen. Die weißen Familien vertrauen den fleißigen farbigen Frauen ihre Kinder an, lassen sie von ihnen herzen und liebkosen, verbieten ihnen jedoch die gleiche Toilette wie sie selbst zu benutzen, das könnte ja gesundheitsschädlich sein. Das ist eine Episode von vielen, die einen mehr als den Kopf schütteln lässt während des Lesens.
Es entsteht zwischen diesen so unterschiedlichen Frauen erstmal eine Zweckgemeinschaft, Skeeter möchte eine wahre Geschichte über die Dienstmädchen schreiben, die in fast jedem Haus im Süden der USA arbeiten, sie sehnt sich nach ihrer alten Nanny Constantine, die einfach verschwunden ist und von deren Verbleib ihre Mutter nichts sagen möchte. Sie lernt das private Leben von Aibileen und Minny kennen und sie erkennt, dass es in ihrem Land zwei verschiedene Welten gibt, etwas mit dem sie aufgewachsen ist, dass sie jedoch mehr und mehr nicht mehr gutheißen kann. Aibileen hat ihr ganzes Leben die Kinder weißer Leute aufgezogen und denkt noch oft mit inneren Schmerzen und Traurigkeit an ihren Son Treelore und das Versprechen, dass sie ihm gegeben hat. Sie wird nicht müde den Kindern drei wichtige Sätze für ihr Leben mitzugeben, du bist lieb, du bist gescheit, du bist wichtig und vielleicht sagt sie es auch zu sich selbst. Minny hingegen gleicht einem rollenden Vulkan mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und einer sehr großen Mundwerk, welches bei den weißen Damen, für die sie arbeitet nicht wirklich gut ankommt und so sieht sich Minny immer wieder herausgefordert eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Auf dieser Suche begegnet sie Miss Celia, einer sehr jungen und blonden Lady, die irgendwie auch das Herz auf dem rechten Fleck hat, doch wird der Leser und die männlichen und weiblichen Protagonisten doch sehr von ihrem offenherzigen Anblick abgelenkt. Zwischen diesen beiden so verschiedenen Frauen, die nicht nur in der Hautfarbe begründet sind, entwickelt sich eine wirklich herzliche Beziehung, wie sie sich halt entwickelt, wenn ein Vulkan auf Naivität trifft und wenn eine Frau der anderen versucht das Kochen beizubringen. Somit nimmt die Geschichte ihren Lauf und das Buch wird veröffentlicht. Skeeter freut sich, Aibileen, Minny und die anderen Frauen sind in Angst, denn sie wissen, was auf sie zukommen könnte, doch Minny hat eine listige Rückversicherung in ihre Geschichte mit eingebaut und nun darf der Leser mehr als gespannt sein, wie es weitergeht....
Ich habe diese Geschichte geliebt zu lesen. Kathryn Stockett nimmt den Leser in verschiedenen Erzählperspektiven mit hinein in diese für farbige Menschen so gefährliche Zeit der Rassentrennung in der USA und wir erleben welche Revolution diese Geschichte verursacht hat. Mit teilweise lachendem, ich kann keine Schokolandentarte mehr anschauen ohne an Minny zu denken, und einem weinenden Auge, wenn diese vielen fürchterlichen Ungerechtigkeiten dieser Zeit erzählt werden. Auch für weiße Menschen, die nicht dem damaligen Narrativ entsprachen, war diese Zeit nicht einfach. Die persönliche Entwicklung der Protagonistinnen und auch die Flair dieser 60er Jahre sind einfach wunderbar beschrieben und ich bin auch von der Verfilmung sehr begeistert.
Absolut lesenswert!
- Neil Gaiman
Der Ozean am Ende der Straße
(519)Aktuelle Rezension von: ricaIch mochte das Buch, als ich das es vor Jahren gelesen habe. Und die stimmungsvollen Tuschezeichnungen von der Illustratorin Elise Hurst sind toll.
Aber:
Werk und Autor lassen sich nicht trennen.
Mehreren Frauen, u.a. eine damalige Babysitterin, haben sexuelle Missbrauchsvorwürfe gegen Neil Gaiman erhoben.
Gaiman sagt, alles sei einvernehmlich gewesen.
Solche Vorwürfe gegen einen Autor würden mir schon reichen, um ein Buch nicht mehr unbeschwert lesen zu können.
Aber in diesem Fall zeigt sich auch gut, wie der Autor immer auch in seinem Werk durchscheint. Vor dem Hintergrund der Vorwürfe bekommt die Geschichte einen ganz anderen Klang (Spoilerwarnung):
Im Buch droht eine Familie zu zerbrechen, als die Mutter eine neue Arbeitsstelle hat, weniger Zuhause ist und eine Haushälterin einstellt. Die Haushälterin ist sehr hübsch (und ein Monster) und verführt den Vater. Ihn trifft aber keine Schuld, denn er ist dem Zauber der jungen Frau so verfallen, dass ihm gar keine Verantwortung für sein eigenes Handeln mehr zugeschrieben werden kann...
Zitat aus der Danksagung des Autors:
"Ich habe dieses Buch für Amanda [= seine damalige Ehefrau] geschrieben, als sie weit weg war und ich sie furchtbar vermisst habe."
-.-In meiner Erinnerung an das Buch war die Sache mit dem Vater eigentlich eher eine Randnotiz in einer großen Geschichte von Kindheit, Geistern und Magie. Aber jetzt überlagert diese Interpretation der Figur der Haushälterin leider alles.
- Dörte Hansen
Mittagsstunde
(292)Aktuelle Rezension von: mrs_overcityDas perfekte Buch für die norddeutsche Provinz.aber auch überall sonst absolut lesenswert! Warmherzig und mit viel Humor erzählt die Autorin die kleinen und großen Dramen eines Dorfes im Wandel.
Es wird viel getanzt: Vom Line-Dance der 'Brinkbüll Buffalos' in Kunstleder-Cowboystiefeln bis zum letzten Schneewalzer ist alles dabei,.
- T. C. Boyle
Das Licht
(113)Aktuelle Rezension von: berlinerkatzeWer hier nach einem spannenden Plot sucht, sucht vergeblich. Die Geschichte ist recht vorhersehbar und beschränkt sich inhaltlich auf klassische Themen der 60er Hippie-Bewegung: Sex und LSD. Dafür sind diese ausführlich und gut beschrieben, sodass ich das Buch flüssig lesen konnte und es an Personen weiterempfehlen würde, die sich für diese Themen interessieren
- Emma Cline
The Girls
(299)Aktuelle Rezension von: Pascal_MaessThe Girls ist für mich eines dieser Bücher, dessen Stärke nicht in seiner Handlung, sondern in der Art liegt, wie sie erzählt wird.
Relativ früh wird deutlich, von welchen historischen Ereignissen sich Emma Cline inspirieren ließ. Genau hier liegt für mich auch der größte Kritikpunkt des Romans. Die Parallelen waren so offensichtlich, dass sie für mich keinen wirklichen erzählerischen Mehrwert geschaffen haben. Da die eigentliche Stärke des Buches ohnehin in seiner Figurenzeichnung, seiner Sprache und seiner Atmosphäre liegt, hätte dieselbe Geschichte für mich auch mit einer vollständig fiktiven Sekte hervorragend funktioniert – vielleicht sogar eigenständiger.
Denn Cline gelingt etwas, das ich nur selten so intensiv erlebt habe: Sie lässt einen vollständig in Evies Innenleben eintauchen. Man erlebt ihre Unsicherheit, ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit, ihre Verwirrung und ihre Faszination für eine Welt, die gleichzeitig anziehend und bedrohlich wirkt. Man schwitzt mit ihr, fühlt ihre Unsicherheit, ihre Anziehung und ihre Orientierungslosigkeit und merkt gemeinsam mit ihr, dass alles unausweichlich auf eine Katastrophe zusteuert.
Besonders gelungen fand ich die Gegenüberstellung der jungen und der erwachsenen Evie. Ihre Entwicklung wird nie erklärt oder kommentiert, sondern ausschließlich über Situationen, Beobachtungen und Atmosphäre vermittelt. Während die Vergangenheit von Hitze, Staub, Schweiß und einer beinahe greifbaren Sinnlichkeit geprägt ist, wirkt die Gegenwart kühl, geordnet und fast schon klinisch. Gerade diese leisen Kontraste erzählen oft mehr über Evies Entwicklung als jede direkte Erklärung es könnte.
Auch sprachlich hat mich Emma Cline überzeugt. Immer wieder findet sie ungewöhnliche, einprägsame Bilder und Vergleiche, die lange nachwirken, ohne jemals gekünstelt zu wirken. Ihr Stil ist literarisch, bleibt dabei aber angenehm flüssig und zugänglich.
Fazit:
The Girls überzeugt nicht durch eine außergewöhnlich neue Geschichte, sondern durch die außergewöhnliche Art, sie zu erzählen. Emma Clines Stärke liegt in ihrer Figurenzeichnung, ihrer Atmosphäre und ihrer Sprache. Genau deshalb hätte der Roman für mich auch ohne die sehr deutliche historische Vorlage funktioniert. Trotzdem bleibt ein intensiver, atmosphärischer und psychologisch kluger Roman, der vor allem wegen seiner Hauptfigur lange im Gedächtnis bleibt.
- Delia Owens
Der Gesang der Flusskrebse
(199)Aktuelle Rezension von: Anna_WehmeierÜber das Buch
In Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens geht es um Kya, das sogenannte „Marschmädchen“, das isoliert in den Sümpfen von North Carolina aufwächst.
Von der Gesellschaft ausgeschlossen und auf sich allein gestellt, lernt sie, in der Natur zu überleben und findet dort ihre eigene Welt voller Schönheit und Ruhe.
Doch als ein junger Mann aus der nahegelegenen Stadt tot aufgefunden wird, gerät ausgerechnet Kya unter Verdacht und ihre Vergangenheit rückt in ein völlig neues Licht.
Meine Meinung
Dieses Buch hat mich von der ersten Minute an komplett in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Ich habe die Geschichte als Hörbuch gehört und war absolut gefesselt.
Die Sprecherin Luise Helm hat einen unglaublich tollen Job gemacht. Ihre Stimme ist ruhig, einfühlsam und einfach perfekt für diese Geschichte. Ich hätte ihr stundenlang zuhören können und bin komplett in Kyas Welt versunken.
Die Geschichte selbst ist eher leise erzählt, aber genau das macht sie so besonders. Es passiert nicht ständig etwas Dramatisches, und trotzdem wollte ich keine Sekunde verpassen. Man lebt förmlich mit Kya, fühlt mit ihr, leidet mit ihr und freut sich über die kleinen Lichtblicke in ihrem Leben.
Besonders beeindruckt haben mich die Naturbeschreibungen. Die Autorin schafft es, Bilder entstehen zu lassen, die sich anfühlen wie ein Film im Kopf. Ich konnte die Marschlandschaft förmlich sehen, hören und spüren.
Kya ist eine Protagonistin, die man einfach ins Herz schließen muss. Ihre Stärke, ihre Verletzlichkeit und ihr Weg haben mich tief berührt. Dieses Buch ist nicht nur spannend, sondern vor allem emotional und unglaublich atmosphärisch.
Für mich zählt es definitiv zu den besten Büchern, die ich je gelesen beziehungsweise gehört habe.
Fazit
Ein ruhiges, intensives und wunderschön erzähltes Buch, das lange nachhallt.
Ein absolutes Jahreshighlight und eine klare Empfehlung für alle, die Geschichten mit Tiefe lieben.
⭐ 5 von 5 Sternen
- Annette Hess
Deutsches Haus
(240)Aktuelle Rezension von: PepaleFrankfurt 1963: Eva ist Dolmetscherin. Durch einen Zufall kommt sie an eine Job als Übersetzerin für Polnisch beim Auschwitz Prozess. Unbedarft und naiv stürzt sie sich in ihre Arbeit, ohne zu ahnen was sie dort erwartet. Die Berichte der Zeugen wie Juden ermordet, gedemütigt, gefoltert wurden, setzen Eva schwer zu. Evas Eltern hatten ihr abgeraten diesen Job zu übernehmen. Am Ende sind ihre Eltern in das ganze Geschehen verknüpft und die Familie zerstört.
Mit ihrem Verlobten führt sie eine typische Beziehung, wie es in den 1960er Jahren verbreitet war, sie ordnet sich ihm unter. Das Gesellschaftliche Rollenbild sah es so vor, sonst galten Frauen als „unweiblich“.
Annegret, die ältere Schwester von Eva, leidet unter dem Helden-Syndrom (Profilneurose). Als Säuglingsschwester infiziert sie Babys mit Bakterien um sie hinterher wieder gesund zu pflegen und dafür Lob und Geschenke zu bekommen.
Die Autorin hat gut recherchiert.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Die Geschichte ist fesselnd und bewegend. Die Protagonisten sind gut beschrieben und entwickeln sich weiter.
Es handelt sich um eine gelungene Geschichte.
- Carmen Korn
Zeiten des Aufbruchs
(138)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchEin Roman über die Nachkriegsjahre bis zur Wirtschaftswunderzeit in Hamburg. Unsere Eltern oder Großeltern wurden von dieser Zeit geprägt
- Robert Seethaler
Das Café ohne Namen
(230)Aktuelle Rezension von: AitutakiDas "Café ohne Namen" hat mir ausgesprochen gut gefallen, weil Robert Seethaler mit einer ruhigen und unaufgeregten Sprache eine ganz besondere Atmosphäre schafft. Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, hat mich aber gerade deshalb berührt. Es geht nicht um grosse "Dramen" oder überraschende Wendungen, sondern um die kleinen Geschichten des Alltags und die Menschen, die sie erleben.
Besonders gefallen hat mir die Hauptfigur Robert Simon. Er ist ein stiller, bescheidener und freundlicher Mensch, der seinen eigenen Weg geht, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Gerade durch diese Zurückhaltung wirkt er sehr authentisch. Ich habe ihn als jemanden erlebt, dem man gerne begegnen würde. Auch die vielen Gäste des Cafés sind liebevoll gezeichnet. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, und zusammen ergeben sie ein lebendiges Bild des Wien der 1960er-Jahre.
Die Handlung entwickelt sich eher langsam, was mir jedoch gut gefallen hat. Das Café wird zu einem Treffpunkt für Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebenssituationen. Dabei zeigt Seethaler, wie Begegnungen, Gespräche und zwischenmenschliche Beziehungen das Leben bereichern können. Die Geschichte erinnert daran, dass hinter jedem Menschen eine eigene Welt steckt.
Besonders beeindruckt hat mich die Stimmung des Romans. Seethaler gelingt es, mit wenigen Worten viel Gefühl auszudrücken. Das Buch strahlt Wärme, Melancholie und Menschlichkeit aus. Gleichzeitig erzählt es von gesellschaftlichen Veränderungen und davon, wie sich eine Gemeinschaft entwickelt.
Insgesamt habe ich" Das Café ohne Namen" als einen stillen, tiefgründigen und sehr menschlichen Roman erlebt. Wer spannende Action oder dramatische Konflikte sucht, wird vielleicht weniger begeistert sein. Wer jedoch Geschichten über Menschen, ihre Hoffnungen, ihre Einsamkeit und ihre Verbundenheit mag, wird an diesem Buch viel Freude haben. Für mich war es ein berührendes Leseerlebnis, das noch lange nachgewirkt hat.
- Ken Follett
Die Kinder von Eden
(447)Aktuelle Rezension von: MelLilaDie Idylle einer Kommune ist bedroht. Die Regierung will einen Staudamm bauen lassen und somit ihr friedliches Tal überschwemmen, in dem sie leben und auf dessen Bergen sie erfolgreich Wein anbauen.
Grundsätzlich kann ich die krassen Gegensätze nachvollziehen, die hier geschildert werden. Die Idylle des abgeschiedenen Lebens in einer kleinen Gemeinschaft Gleichgesinnter und die "böse Regierung", die dieses Idyll und damit zusammenhängend auch die Lebensweise der Kommune zerstören will.
Klingt erstmal wie Böse gegen Gut und die Kommunarden wehren sich.
Wenn man dann allerdings mal hinter die Kulissen guckt - nicht "offiziell" arbeiten, von daher auch keine Meldeadresse und keine Steuern zahlen, das funktioniert halt so auch nicht... Und in der Kommune verstecken sich auch Straftäter, und einige ihrer Taten waren keine Kleinigkeiten... Also selbst, wenn man sich als Leser auf die Seite der Friedliebenden gezogen fühlt, die haben eben auch (fast alle) Dreck am Stecken, auch wenn das lange her ist und sie zum aktuell erzählten Zeitpunkt niemandem was tun.
Der Anführer der Kommune, Priest, lässt dann auch nichts unversucht, um seine Gemeinschaft zu retten, geht hierbei aber viel zu weit und gibt der Regierung die komplette Schuld für sein Handeln und die Konsequenzen daraus.
Spannende Charaktere und Verstrickungen. Konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Was ich sehr naiv, von den Kommunarden, fand, war der Pachtvertrag, der immer nur für 1 Jahr verlängert wurde, das zwar 25 Jahre lang und die Kündigungsfrist von ein paar Wochen fand ich auch heftig kurz, aber andererseits kann ich mir auch nicht auf einem jährlich zu pachtendem Grundstück eine Existenz aufbauen und hoffen, dass das immer so gut gehen wird...
Interessant fand ich, dass später von mehreren Kommunen, also an anderen Standorten, kurz berichtet wurde. Ob es sowas wirklich heutzutage noch gibt und ob das wirklich die ersehnte Abgrenzung der zu eng gestrickten Gesellschaft mit sich bringt? Hätte ich gerne mehr drüber erfahren.
Interessant fand ich auch die Betonungen durch Kursiv-Schreiben, das hat den Text aufgelockert. Die Schlinge zieht sich immer enger um Priest und das steigert auch den Spannungsbogen. - Colson Whitehead
Die Nickel Boys
(214)Aktuelle Rezension von: ki_wi46Mir fiel es leider anfangs sehr schwer in dieses Buch reinzukommen. Dies legte sich aber glücklicherweise als Elwood ins Nickel kam.
Ich fand es insgesamt immer wieder schrecklich wie im Nickel mit den Jungen umgegangen wurde und insgesamt der herrschende Rassismus.
Es ist kein schlechtes Buch, ich hatte aber das Gefühl, dass ich nicht ganz warm mit dem Buch geworden bin und es eigentlich sehr gut ist.
Leider wurde mir der Plot gespoilert, weshalb ich zusätzlich das Ende nicht ganz so „fühlen“ konnte. (Und irgendwie habe ich noch eine Frage…) Könnte also ein „me-problem“ sein, dass ich das Buch nicht so gut fand…
- Julie Cohen
Das geheime Glück
(86)Aktuelle Rezension von: HopeandliveRobbie und Emily sind ein älteres Paar und die ersten Seiten lassen vermuten, dass sie sehr um ihre Liebe kämpften und glücklich gemeinsam sind. Doch dieses vermeintliche Glück hat seine Schattenseiten, denn Robbie steht eines Morgens auf und geht aus ihrem gemeinsamen schönen Haus an der Küste geradewegs ins Meer und kommt nicht wieder......
So beginnt diese Geschichte und dem Leser stockt erstmal der Atem und es kommt die Frage auf, warum hat sich der ältere Mann denn suizidiert und welches Geheimnis umgibt, was gilt es zu schützen und warum darf niemand davon erfahren.
Sehr kunstvoll gelingt es der Autorin, den Leser auf eine Reise rückwärts erzählt mitzunehmen, die den Leser immer mehr in die Wahrheit führt, die es zu verschleiern gilt, in die Abgründe, die Menschen erleben, versuchen zu vergessen und die sie dennoch auf tragische Weise einholen, wenn sie sie nicht anschauen, bearbeiten und loslassen.
Ein Familiendrama bahnt sich an und viele auch unschuldige Menschen werden von der so "romantisch" erzählten Geschichte betroffen und für die wenigsten geht sie gut aus. Alle leiden unter den Folgen, auch Emily und Robbie, zu denen ich nicht wirklich eine Beziehung aufbauen konnte, da war mir so mancher Nebendarsteller wesentlich sympathischer.
Die Autorin beschreibt eine verbotene Liebe, die sich vor allem durch Leidenschaft auszeichnet und dennoch auf mich recht schwülstig wirkte. Es werden Gefühle beschrieben, gegen die man sich nicht wehren kann und das ist für mich nicht die Wahrheit. Gelungen fand ich jedoch den Erzählaufbau, das war wirklich spannend und das hat die Geschichte in ihrer Schwere wieder abgemildert. Sehr schön sind auch die Orte in England und an der Ostküste Amerikas beschrieben, doch der Eindruck blieb, das insgesamt großes Leid verursacht wurde und fast alle Protagonisten in ihrer Verlorenheit blieben.
- Ian McEwan
Am Strand
(327)Aktuelle Rezension von: eight_butterfliesEs gibt Bücher, die laut schreien, und es gibt solche, die flüstern. „Am Strand“ gehört eindeutig zu den Letzteren. Ian McEwan erzählt hier von einer Hochzeitsnacht, die eigentlich ein Beginn sein sollte, aber zu einem Ende wird. Eine Geschichte, die so leise, so fein beobachtet ist und mich manchmal auch ungeduldig hat werden lassen.
Wir befinden uns im England der frühen 1960er-Jahre. Florence und Edward sind jung, verliebt, voller Hoffnungen und völlig unvorbereitet auf das, was sie in der Hochzeitsnacht erwartet. Sie stammen aus unterschiedlichen Welten. Florence, die kultivierte Geigerin aus gutem Haus, scheu und sensibel. Edward, der bodenständige, direkte Sohn aus einer einfacheren Familie, voller Sehnsucht nach körperlicher Nähe. McEwan entfaltet daraus ein stilles Beziehungsporträt der damaligen Zeit. Missverständnisse, Angst und Scham stehen im Zentrum. Ich wollte oft das Buch schütteln und sagen „Redet doch mal!“.
Was mich beeindruckt hat, ist die psychologische Genauigkeit, mit der McEwan die inneren Konflikte seiner Figuren ausleuchtet. Er beschreibt jedes Gefühl mit chirurgischer Präzision, manchmal fast zu sehr. Gerade in der Mitte des Buches hatte ich das Gefühl, dass sich manche Gedanken und Erinnerungen zu lange hinziehen, dass McEwan an einigen Stellen zu sehr ins Detail geht. Die Handlung tritt dann etwas auf der Stelle, und man wünscht sich, dass die Geschichte schneller voranschreitet.Trotz dieser Längen hat mich der Roman emotional berührt. Besonders die Szene am Strand bleibt im Gedächtnis. Dieser Moment, in dem alles kippt, weil zwei Menschen, die sich lieben, nicht imstande sind, offen miteinander zu reden.
McEwan zeigt eindringlich, wie stark gesellschaftliche Zwänge, Scham und unausgesprochene Erwartungen das Leben zweier Menschen bestimmen können. Seine Sprache ist ruhig, oft poetisch, aber auch schonungslos genau. Das macht die Lektüre zugleich faszinierend und anstrengend.
Am Ende bleibt ein stilles, trauriges Nachdenken. Wie viele Beziehungen scheitern nicht an mangelnder Liebe, sondern daran, dass man sich nicht traut, ehrlich zu sein? „Am Strand“ ist kein Buch, das man verschlingt, eher eines, in das man langsam hineinfindet, manchmal mit Geduld. Aber wer sich darauf einlässt, wird mit einer tiefgründigen, feinfühligen Geschichte belohnt.
Ein leises, kluges, manchmal etwas zu bedächtiges Buch, aber zweifellos eines, das berührt.
- Patrizia Di Stefano
Nostalgia Siciliana
(107)Aktuelle Rezension von: JavilinAls Tita die Nachricht erhält, dass ihr Onkel in Sizilien verstorben ist und ihr das Familienanwesen Magní hinterlassen hat, reist sie nach vielen Jahren in die Heimat ihres verstorbenen Vaters zurück. Mit jedem Schritt über die Insel werden Erinnerungen an ihre Kindheit wach und sie beginnt, sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Parallel erzählt der Roman vom Leben ihres Vaters Gianni, der einst als einer der ersten Gastarbeiter Sizilien verließ, um sich in Deutschland eine Zukunft aufzubauen. Zwischen Heimweh, Neuanfang und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit entfaltet sich eine berührende Familiengeschichte über zwei Generationen.
Schon nach wenigen Seiten hat mich der Roman nach Sizilien entführt. Die Landschaften, die kleinen Orte, die Gerüche und die kulinarischen Köstlichkeiten werden so lebendig beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, selbst durch die Gassen zu schlendern oder unter der sizilianischen Sonne zu sitzen. Dabei gelingt es der Autorin, nicht nur die Schönheit der Insel einzufangen, sondern auch ihre Gegensätze und Eigenheiten zu zeigen.
Besonders gut gefallen hat mir der Erzählstrang rund um Gianni. Seine Geschichte als junger Mann, der seine Heimat verlässt, in Deutschland ein neues Leben beginnt und dennoch nie ganz mit Sizilien abschließen kann, hat mich sehr berührt. Seine Zerrissenheit zwischen zwei Welten, das Heimweh und der Wunsch, sich gleichzeitig eine Zukunft aufzubauen, werden authentisch und nachvollziehbar geschildert. Dass der Roman auf der Familiengeschichte der Autorin basiert, verleiht ihm zusätzlich eine besondere Glaubwürdigkeit.
Auch Titas Rückkehr nach Sizilien hat mir gefallen. Nach und nach setzt sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinander und entdeckt die Heimat ihres Vaters neu. Themen wie Familie, Herkunft, Identität und Zugehörigkeit ziehen sich dabei durch die gesamte Geschichte und verleihen ihr viel Wärme und Tiefe.
Etwas stärker fand ich allerdings die Vergangenheitsebene. Giannis Lebensgeschichte konnte mich emotional deutlich mehr fesseln als Titas Gegenwartshandlung. Diese verläuft stellenweise etwas ruhiger und Tita blieb für mich insgesamt etwas blasser als ihr Vater.
Trotzdem ist Nostalgia Siciliana ein sehr stimmungsvoller Familienroman, der Fernweh weckt und gleichzeitig zum Nachdenken über Heimat, Familie und die eigenen Wurzeln anregt. Wer atmosphärische Geschichten mit viel Herz und italienischem Flair mag, sollte diesem Buch eine Chance geben.
- Rocko Schamoni
Große Freiheit
(41)Aktuelle Rezension von: Chris666Mir persönlich hat das Buch gut gefallen. Es ist kurzweilig und unterhaltsam. Keine Hochkultur, aber das erwartet glaube ich auch niemand von den Büchern Schamonis. Eine nette Gute-Nacht-Lektüre, welche die intellektuellen Fähigkeiten sicherlich nicht überstrapaziert.
- Lily Brett
Lola Bensky
(52)Aktuelle Rezension von: dasbuchzuhause"Lola Bensky" interviewt Mick Jagger, Janis Joplin, Jimi Hendrix, geht mit Linda Mc Cartney feiern und leiht Cher ihre künstlichen Wimpern. Gleichzeitig trägt sie ein schweres Päckchen mit sich herum. Ihre Eltern haben den Holocaust überlebt und dieses Trauma an ihr Kind weitergegeben. Lola ist völlig davon geprägt und im Buch begleiten wir sie auf ihrem Heilungsprozess. Doch Lola ist nicht als völlig verzweifelte Frau angelegt, Lily Brett gelingt mal wieder der Spagat, ein trauriges Thema in eine humorvolle Geschichte zu packen. Mit ihrem bissigen Unterton schafft sie es immer wieder, ein Schmunzeln hervorzulocken und ist nie drüber bei dem, was sie macht. Nach "Chuzpe" ist es der zweite Roman, den ich von ihr lese und auch dieses Mal hat sie mich mit viel Ironie und Feingefühl begeistert. Das Buch enthält einige Stellen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen und einem das Grauen des Holocausts noch einmal vor Augen führen. Da ist es kein Wunder, dass die Kinder der Überlebenden oftmals selbst ein schweres Päckchen mit sich tragen. So etwas prägt und lässt sich nicht einfach wegwischen. Lily Brett ist wie ihre Protagonistin das Kind von Holocaust-Überlebenden und einiges an Autobiografischem wird in dieses Buch eingeflossen sein. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung
- Matthias Brandt
Raumpatrouille
(126)Aktuelle Rezension von: Leseratte_09Kind sein ist nicht immer leicht, noch weniger, wenn sich das Erwachsen werden vor den Augen der Öffentlichkeit und hinter durchgeklügelten Sicherheitsmaßnahmen stattfindet. Davon berichtet Matthias Brandt in seinem Episodenroman. Er sehnt sich nach einer ganz normalen Jugend, ohne Sicherheitspersonal, mit Familienabenden vor dem Fernseher oder Brettspielen und gemeinsamen Ausflügen, also vor allem gemeinsame Zeit mit den Eltern, die diese nicht haben.
Die teilweise humorvollen, gut geschriebenen Geschichten erfährt man viel über das Seelenleben eines Jungen, der in Berührung kommt mit der ganz großen Politik und doch nur auf der Suche nach sich selbst ist. Für alle, die zur Zeit von Matthias Brandt Kind waren ist es eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit mit „Der große Preis“, dem Bonanzafahrrad und ganz vielen Erinnerungssplittern. In jedem Fall ein lesenswertes Büchlein.
- Anja Baumheier
Kranichland
(114)Aktuelle Rezension von: EmmaWinterKranichland ist ein Sehnsuchtsland; dorthin ziehen die Kraniche im Herbst und Marlene beneidet sie um diese Freiheit. Sie hat 1968 in Ost-Berlin nicht die Möglichkeit zu reisen, wohin sie möchte. Gemeinsam mit ihrem Freund Wieland plant sie die Flucht über Prag, dort werden sie jedoch von der Stasi abgefangen.
Die Autorin öffnet ein Nähkästchen voller Geheimnisse und Schweigen in einer Familie, die an den sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat glauben möchte, jedoch letztlich daran zerbricht. Erst mit der Enkelgeneration wird das Schweigen gebrochen und nun müssen alle mit den Scherben leben. Dem Genre wird der Roman gerecht, er unterhält und hat durchaus spannende Momente. Leider hatte er für mich aber auch einige Schwächen. Die Charaktere sind recht platt und klischeehaft. Ich konnte mit keiner Figur richtig mitfiebern, sie blieben mir fremd. Es passiert viel, was ohne Bezug zur Handlung bleibt und dann einfach im Sande verläuft. Außerdem waren einige Szenen und Charaktere einfach nicht glaubhaft, da wird der gute Wille schon sehr strapaziert.
Interessant sind die Bezüge zur Geschichte der DDR, Fluchtversuch, Austausch politischer Gefangener etc. Das wird gut vermittelt. Von einer Bekannten habe ich mir sagen lassen, dass auch die häufig erwähnten Einrichtungsgegenstände absolut typisch gewesen seien, die hätten ihre Eltern auch gehabt, u. a. das Pastellgemälde des Wiener Schokoladenmädchens oder eine Vase aus Meißner Porzellan. Diese Objekte spielen im Roman eine wichtige Rolle und gerade die Symbolik der Vase ist wirklich gut gemacht.
Alles in allem ein Unterhaltungsroman, der mir etwas zu "leicht" in der Sprache war, stellenweise einfach unglaubwürdig und mit Geheimnissen und Verschwiegenheit überfrachtet. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und dieser Roman hat eine große Fangemeinde. Mir hat "Die Erfindung der Sprache" von der Autorin wesentlich besser gefallen, das Buch kann ich sehr empfehlen, es ist völlig anders geschrieben.
- Jack Ketchum
The Lost
(110)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerHast du Lust auf einen intensiven Horrortrip, der dich an den Rand des Wahnsinns führt? Dann schnapp dir „The Lost“ von Jack Ketchum und mach dich bereit für eine düstere Reise in die Abgründe der menschlichen Psyche. Doch Vorsicht, dieses Buch ist nichts für schwache Nerven!
Die Geschichte beginnt an einem heißen Sommertag auf einem scheinbar idyllischen Campingplatz. Ray Pye, ein Teenager mit mehr als nur einem kleinen Sprung in der Schüssel, entdeckt zwei Frauen, die zum Opfer seiner mordlustigen Gelüste werden. Was folgt, ist ein Blutbad, das seine beiden Freunde Tim und Jennifer tatenlos mitansehen. Schon allein der Einstieg lässt dir das Blut in den Adern gefrieren.
Fünf Jahre später: Ray ist immer noch auf freiem Fuß, obwohl die Polizei ihn schwer verdächtigt. Doch Ray lebt ständig am Abgrund, und seine Welt aus Drogen, Sex und krankhaftem Egoismus droht zu zerbrechen. Die Spannung steigt, als zwei unermüdliche Polizisten den Fall wieder aufnehmen und Ray in die Enge treiben.
Ketchums Schreibstil ist wie ein Schlag in die Magengrube – brutal, unverblümt und doch erstaunlich sensibel. Die Charaktere sind so lebendig und detailliert gezeichnet, dass man sich ihnen kaum entziehen kann. Ray Pye ist der Typ Mensch, vor dem du nachts lieber nicht über den Weg laufen möchtest. Seine unberechenbare Art und die düstere Atmosphäre lassen dich als Leser ständig auf der Hut sein.
Das Buch ist in mehrere Perspektiven aufgeteilt, was die Handlung noch fesselnder macht. Du springst von Charakter zu Charakter und erlebst die wachsende Bedrohung aus verschiedenen Blickwinkeln. Das sorgt dafür, dass du ständig auf heißen Kohlen sitzt und förmlich in die Seiten gesogen wirst.
Und was ist mit dem Humor, fragst du? Nun, sagen wir mal so: Wenn du schwarzen Humor magst, wirst du hier fündig. Ketchum versteht es meisterhaft, selbst in den düstersten Momenten einen sarkastischen Kommentar einzubauen, der dir ein schiefes Grinsen ins Gesicht zaubert. Aber erwarte keine Slapstick-Einlagen – das hier ist tiefschwarzer Humor vom Feinsten.
Die eigentliche Stärke von „The Lost“ liegt jedoch in seiner psychologischen Tiefe. Ketchum nimmt sich die Zeit, die inneren Dämonen seiner Charaktere zu erforschen und zeigt dir, wie dünn der Schleier zwischen Normalität und Wahnsinn wirklich ist. Die langsame Eskalation von Rays Wahnsinn ist so realistisch dargestellt, dass es dir kalt den Rücken hinunterläuft.
Fazit: „The Lost“ ist nichts für Zartbesaitete. Es ist eine düstere, intensive Geschichte, die dich bis zur letzten Seite fesseln wird. Jack Ketchum zeigt einmal mehr, dass er ein Meister des Horrors ist, der keine Angst davor hat, die dunklen Ecken der menschlichen Seele auszuleuchten. Also, wenn du dich traust, tauche ein in die albtraumhafte Welt von Ray Pye und sei bereit, an die Grenzen des Wahnsinns geführt zu werden. Aber vergiss nicht, zwischendurch mal tief durchzuatmen – du wirst es brauchen!
- Beate Rösler
Eddas Aufbruch
(36)Aktuelle Rezension von: Karin_EidelothFrau Rösler hat mich ab Seite eins mitgenommen. Schöner Lesefluss und ein lebendiges Bild der damaligen Zeit haben mich nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken gebracht. Eddas Thema wurde aber nicht in den 60ern gelöst, sondern ist auch in der heutigen Zeit aktueller denn je. Mittlerweile verschenke ich Edda an Freundinnen.
- Claire Winter
Kinder des Aufbruchs
(81)Aktuelle Rezension von: zauberblumeAuf die Fortsetzung von „Kinder ihrer Zeit“ habe ich mich schon riesig gefreut. War dieses Buch ja schon ein richtiger Pageturnen. In „Kinder des Aufbruchs“ begegnen wir wieder diesen vier jungen Menschen, die zwischen Verrat, Spionage und dem Kampf um Demokratie stehen.
Der Inhalt: Sechs Jahre nach dem Mauerbau lernt die erfolgreiche Dolmetscherin Emma in West-Berlin die aus dem Ostteil der Stadt geflohene Sängerin Irma Assmann kennen. Als sie ihrer Zwillingsschwester Alice davon erzählt, reagiert diese beunruhigt. Alice schreibt als Journalistin über die Studentenbewegung und steht in Kontakt mit verschiedenen Fluchthilfe-Organisationen. Ist Irma mit ihren ehemaligen Beziehungen zum KGB als Informantin im Westen? Oder sind die Schwestern und deren Männer Julius und Max durch ihre Verbindungen zur DDR zu Zielscheiben geworden? Kurz darauf wird die Sängerin ermordet, und die vier geraten inmitten der Studentenunruhen zwischen die Fronten der Geheimdienste.
Wow! Noch jetzt nach Beendigung dieser spannenden und beeindruckenden Lektüre habe ich Gänsehautfeeling und bin total beeindruckt und berührt. Der Schreibstil der Autorin ist einfach herausragend und sie bringt uns in diesem Roman vergangene Geschichte (bestens recherchiert) wieder nahe. Und ich bin wirklich sehr beeindruckt. Wir begegnen wieder den vier jungen Leuten, den Zwillingen Emma und Alice, Max und Julius und dürfen sie ein ganzes Stück auf ihrem Lebensweg begleiten. Sie habe eine schwierige Zeit hinter sich und haben endlich ihren Platz gefunden. Doch sie werden von der Vergangenheit eingeholt und plötzlich stehen die Flucht und alle schrecklichen Erlebnisse mit aller Deutlichkeit vor ihren Augen. Und kaum zu glauben, welche große Rolle die Geheimdienste im Berlin von 1967 gespielt haben und welchen Einfluss sie auf die Menschen hatten. Ich werde beim Lesen von zahlreichen Emotionen übermannt und die Geschichte geht mir wirklich unter die Haut. Der Spannungsbogen ist einfach fantastisch und ich konnte diese sensationelle Lektüre nicht mehr aus der Hand legen. Mein Puls ist von Seite zu Seite gestiegen und am Ende des Buches ist eine große Last von mir abgefallen.
In meinen Augen ein absolutes Meisterwerk. Ein Lesehighlight, das ich von der ersten bis zur letzten Seite regelrecht verschlungen habe. Auch das Cover ist wieder ein echter Hingucker- beeindruckend. Selbstverständlich vergebe ich für diese Traumlektüre 5 Sterne.
- Paula Bach
Goldjunge (Ira Schwarz ermittelt 1)
(13)Aktuelle Rezension von: Literaturwerkstatt-kreativ„Literaturwerkstatt- kreativ / Blog“ rezensiert
„Goldjunge“ von Paula Bach
Köln 1967
Die BRD befindet sich im Aufbruch und Ira Schwarz arbeitet zu dieser Zeit bei der weiblichen Polizei. Sie würde gerne zur Mordkommission wechseln, das zu jener Zeit für Frauen jedoch kaum möglich war.
„Da wird die brutal zugerichtete Leiche eines sechzehnjährigen Jungen gefunden. Die Polizei fahndet nach einem Täter aus dem linken Milieu, doch Kriminalhauptmeisterin Ira Schwarz zweifelt an der Schuld des Verdächtigen.“
Sie stellt eigene Recherchen an, das von ihren Vorgesetzten aber nicht gerne gesehen wird. Als ein weiterer Junge tot aufgefunden wird, vermutet Ira, das ein Serienmörder dahinter stecken könnte.
„Gemeinsam mit dem Journalisten Ben Weber ermittelt sie auf eigene Faust und bringt damit nicht nur sich selbst in tödliche Gefahr...“
Fazit:
Paula Bach (Pseudonym für Beate Sauer), ist ein gelungener und spannender Krimi gelungen. Schon mit dem Prolog, der sofort neugierig macht, begann die Faszination. Durch den ständigen Wechsel der Erzählstränge wurde das Buch nie langweilig und die Spannung blieb bis zum Schluss erhalten. Protagonisten, die sehr gut beschrieben werden, blieben mir immer sehr lebendig vor meinen Augen.
Der Schreibstil ist flüssig und gradlinig, die Handlungen sind leicht und verständlich beschrieben, sodass man der Autorin gut folgen kann. Auch die geschichtlichen Hintergründe sind hervorragend recherchiert. Der Zeitgeist der 60er Jahre mit ihren Protestmärschen oder der Musik der Beatles wird hier sehr gut eingefangen. Aber auch das Frauenbild dieser Zeit, das aus heutiger Sicht verstaubt und antiquiert erscheint, wird anhand der Protagonistin Ira Schwarz sehr deutlich und sichtbar dargestellt. Auch der Journalist Ben Weber der mit seiner links-politischen Einstellung das alte Rechtssystem erst einmal grundsätzlich hinterfragt und somit das Pendant zu Ira Schwarz bildet, ist gut angelegt. Durch die ständigen Auseinandersetzungen der Beiden wird der Krimi um einiges lebendiger. Bei der Charakterarbeit der beiden Figuren ist sicher noch ein wenig Luft nach oben, aber es ist ja auch erst der erste Teil, da bleibt abzuwarten wie die Entwicklung in den nächsten Teilen weiter geht.
Paula Bach bot spannende Unterhaltung mit Potenzial für weitere interessante Fälle!
https://literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com/2020/08/24/goldjunge-von-paula-bach/
Besten Dank an den "Ullstein Verlag" für das Rezensionsexemplar.























