Bücher mit dem Tag "68er"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "68er" gekennzeichnet haben.

20 Bücher

  1. Cover des Buches Untenrum frei (ISBN: 9783499014635)
    Margarete Stokowski

    Untenrum frei

    (273)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    „Haben wir die Fesseln der Unterdrückung längst gesprengt, oder haben wir nur gelernt, in ihnen shoppen zu gehen?“

    Man könnte das ganze Buch von Margarete Stokowski – das in 7 Kapitel unterteilt ist, von denen jedes in sich abgeschlossen ist und als Einzeltext gelesen werden kann – als eine lange, ausführliche, von verschiedenen Seiten beleuchtete Antwort auf eine einzige Frage lesen: Warum Feminismus?

    Das wäre selbstverständlich eine stark verknappte Zusammenfassung. Natürlich schleift diese Frage einen Rattenschwanz von weiteren Fragen hinter sich her: Was ist Feminismus? Wie wirken sich feministische Positionen auf das eigene Leben aus, wie stellt sich eine unter feministischen Gesichtspunkten betrachtete Wirklichkeit dar? Inwiefern hängen Feminismus und Gendertheorie zusammen? Ist Feminismus grundsätzlich solidarisch mit allen anderen Anti-Diskriminierungsbewegungen? Was will der Feminismus erreichen?

    All diese Fragen bindet Stokowski ein und es wird schnell ersichtlich, dass es ihr nicht um einen Feminismus spezieller Prägung, sondern um Feminismus als Ausdruck und Sammelbegriff einer generellen Unzufriedenheit mit den hierarchischen, determinierten, unverhältnismäßigen & ungerechten Gesellschaftsverhältnissen, Normen und Vorstellungen geht, dessen Hauptanliegen und Ziel die Freiheit beim Ausleben der eigenen Persönlichkeit und der Ausformung der eigenen Identität ist (solange dies nicht die Freiheit eines anderen Individuums oder einer Gruppe einschränkt).

    „Es geht um die kleinen, schmutzigen Dinge, über die man lieber nicht redet, weil sie peinlich werden könnten, und um die großen Machtfragen, über die man lieber auch nicht redet, weil vieles so unveränderlich scheint. Es geht darum, wie die Freiheit im Kleinen mit der Freiheit im Großen zusammenhängt, und am Ende wird sich zeigen: Es ist dieselbe.“

    Ich werde nicht müde, Camus zu zitieren, der einmal in seinen Cahiers angemerkt hat, dass alle größeren Konflikte der Menschheit letztlich Kämpfe um Privilegien waren und sind. Noch immer sind die Privilegien auf dem Planeten ungleich verteilt, in jeglicher Hinsicht. Hauptsächlich, weil die Menschen die mehr Privilegien haben nicht bereit sind, einen Teil davon abzugeben, damit irgendwann alle dieselben Privilegien genießen können.

    Rebecca Solnit hat in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ eindrucksvoll geschildert, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung immer noch vom anderen Teil unterdrückt wird. Frauen (und als Frauen definierte oder so wahrgenommene Personen jedweden/r Geschlechts/Genderbezeichnung) üben lediglich 10% der Gewalttaten aus, sind aber selbst häufig Opfer von Gewalt, speziell von sexueller Gewalt. Auch in Deutschland hat mindestens jede vierte Frau einmal sexuelle Gewalt erfahren.

    Es gibt in Deutschland und generell in Westeuropa vielleicht keine Zwangsheiraten mehr und keine gesetzlich verankerte sexuelle Repression. Aber immer noch sind unsere Systeme und Vorstellungen von repressiven und problematischen Geschlechterbildern durchdrungen. Das beginnt schon in den banalsten alltäglichen Wortverwendungen, wird deutlich in der pornogeprägten Sexualsprache (z.B.: wenn man in vielen Kontexten bei Frauen von schmutzigen, statt schlicht von sexuellen Phantasien spricht), aber letztlich springt uns diese Problematik überall entgegen. Stokowski spricht in einem Kapitel von einer Studie, bei der den Testpersonen Aussagen vorgelegt wurden, die entweder aus Männermagazinen entnommen waren oder von verurteilten Vergewaltigern stammten.

    „Die Testpersonen waren nicht fähig zu unterscheiden, welche Sätze aus Männermagazinen stammen und welche von Vergewaltigern. Ja, sie fanden sogar die Aussagen aus den Magazinen tendenziell herabwürdigender.“

    Stokowskis Buch ist aber nicht bloß eine gute Darstellung solcher systemimmanenter Diskriminierungen und Idiotien, sondern auch das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der eigenen Entwicklungsgeschichte, von der Bravolektüre bis zum Beziehungsalltag als Erwachsene. Die Kapitel beginnen fast immer mit einem Erlebnis aus ihrer eigenen Biographie und sind von solchen Selbstausleuchtungen mal mehr, mal weniger durchzogen. Klug und überzeugend knüpft sie mit Biographischem an größere Zusammenhängen an. Ihre Prosa hat eine coole Dynamik, ist eine bestechende Mischung aus fachlich Gediegenem und genauestens Durchdachtem, tiefergehenden Selbstzeugnissen und hingerotzten und herbeizitierten Klarstellungen. Sie nimmt letztlich keine hohe Warte ein, doziert nicht, sondern begegnet ihren Leser*innen auf Gesprächsniveau, verständnisvoll und unversöhnlich zugleich.

    Stokowski spricht davon, wie sie selbst lange nicht glaubte, dass Feminismus wichtig ist oder sich zumindest nicht genauer mit ihm auseinandersetzte. Bis sie begriff, was das mit uns macht, wenn wir die gesellschaftlichen Rollen, in die wir gesteckt werden (auch wenn wir nicht glauben, dass wir uns in ihnen durch die Welt bewegen), nicht hinterfragen. Wenn wir uns nicht mit ihnen auseinandersetzen. Dann gibt es sie trotzdem, dann machen sie trotzdem etwas mit uns.

    „Wir stecken viel Energie in die Rollen, die wir spielen, weil wir glauben, dass alles eine Ordnung haben muss und so viel anders auch gar nicht geht. Wir geben uns Mühe, die wir oft kaum bemerken, weil sie so alltäglich geworden ist. Und auch, weil es leichter ist, sich an vorhandene Muster zu halten.“

    Sie spricht über ihre eigenen Erfahrungen mit Sex, Bildung, Sozialgefügen, etc. und schafft es, dabei sowohl die menschliche als auch theoretische Ebene konkret herauszuarbeiten, hervorstechen zu lassen – ein bemerkenswerter Balanceakt, den man ihr als Unentschlossenheit, als Makel ankreiden könnte. Doch dann würde man ignorieren, wie nachdrücklich dieses Buch Dinge auf den Punkt bringt, wie versiert und uneitel es sich innerhalb dieser komplexen Themen bewegt und wie weit es sich an manchen Stellen den Leser*innen öffnet.

    „Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern aufzuzeigen wirkt manchmal so, als wolle man die Gräben zwischen ihnen vertiefen, obwohl man sie auf Dauer abschaffen will: Ein nerviges Dilemma, aus dem man nicht rauskommt, solange man Probleme beheben will.
    Wir müssen zeigen, nach welchen Kriterien sich Reichtum und Erfolg, Gesundheit und Lebensdauer, Gewalt und Leid verteilen, wenn wir wollen, dass alle dieselben Chancen auf ein glückliches Leben haben – auch wenn oder gerade weil diese Kriterien das sind, was wir auf Dauer abzuschaffen versuchen.“

    Ja, wir müssen, im Interesse aller, daran arbeiten, dass eine Gesellschaft, in der Gleichberechtigung nicht nur ein Vorsatz, sondern eine verwirklichte, gelebte Realität ist, entstehen kann und das heißt, dass einiges planiert, einiges platt gemacht werden muss. Dass einige Privilegien verschwinden und letztlich alle.

    „Denn es gibt keine neutrale Sicht auf das Leben, und wir brauchen sie nicht. Wir brauchen Vielfalt – Vielfalt lehrt uns Freiheit.“

    Margarete Stokowskis Buch hat mir seit langem mal wieder Mut gemacht; etwas in mir angefacht, dass an dieser Welt arbeiten, sie auf positive Weise mitgestalten will. Es ist ein Buch mit vielen Facetten und ich hoffe, ich habe keine von ihnen allzu sehr in der Mittelpunkt gerückt oder unter den Tisch fallenlassen.

    Manches hat mich tief berührt, manches schockiert, manches hat meinen Horizont erweitert, manches meine eigenen Gedanken bestärkt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: am meisten hat mich beeindruckt, wie dieses Buch aufklärerlisch argumentiert, auf theoretischen Ebenen arbeitet und doch durch seine Direktheit, seine Sprache, eben nicht belehrt, sondern kommuniziert, ein Aufruf zum Dialog ist. Aufmerksamkeit erzeugt und nicht nur Wissen.

    Solche Bücher braucht es. Bücher, in denen das Abstrakte und das Lebendige zusammenfallen. Die uns Zusammenhänge aufzeigen, Tatsachen vermitteln, die uns aber auch auffordern, in denen wir nicht einfach nur sichere und schweigsame Teilnehmer sein können, sondern die uns mit uns selbst, mit dem Schönen und Schlimmen in uns und um uns, konfrontieren. Bücher, die uns inspirieren.

    „Sie sagen, dass wir von Hass getrieben sind, weil sie sich wundern, dass da Frauen mal keine Harmonie und Liebe versprühen, sondern Forderungen haben. Aber Wut ist nicht dasselbe wie Hass. Hass will Zerstörung. Wut will Veränderung. Hass ist destruktiv, Wut ist produktiv.“

    Stokowski zitiert Susan Sontag mit den Worten: „Wir müssen lernen, mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr zu fühlen.“ Ich glaube, dass Literatur eine Schule des Sehens, des Zuhörens, des Hinhörens und Fühlens sein kann – „Untenrum frei“ hat es mir mal wieder gezeigt, mich darin bestärkt. Genauso wie Stokowski glaube ich daran, dass es wichtig ist

    „hinter Sätze, die in Stein gemeißelt sind, ein Fragezeichen [zu] setzen.“

    Dieses Buch setzt ein paar fette Fragezeichen und fügt meist noch ein fettes Ausrufezeichen hinzu.

  2. Cover des Buches The Girls (ISBN: 9783446286078)
    Emma Cline

    The Girls

    (294)
    Aktuelle Rezension von: BillDoor

    "Dass ich aufsah, lag an dem Gelächter, dass ich weiter hinsah, an den Mädchen."

    Mit „The Girls“ hat Emma Cline einen eindrucksvollen Roman über die aufgeladene Stimmung im Hollywood der späten 60er Jahre rund um die Verbrechen der Manson-Family verfasst (auch wenn Cline in ihrem Roman kleine Details wie Namen oder Umstände des Verbrechens variiert). 

    Nach Abschluss des Romans bin ich etwas hin- und hergerissen.

    Einerseits schreibt Cline unbestritten in einem wunderbaren Stil, die deutsche Übersetzung von Nikolaus Stingl ist ebenfalls sehr gelungen. Die unheilvolle Stimmung, die in der trägen Hitze des Sommers 1969 flirrt, ist beim Lesen geradezu physisch nachzuvollziehen. 

    Auch die gewählte Perspektive von Evie Boyd, einer Teenagerin und Kult-Sympathisantin, eher Bystander und Mitläuferin als überzeugte Täterin ist interessant gewählt. 

    Die Beleuchtung der Umstände, die dazu führen, dass Evie in die Dunstkreise des Kults auf „der Ranch“ gelangt, macht „The Girls“ weniger zu einem Thriller (wie es etwa bei der naheliegenden Aufarbeitung der Thematik aus Sicht eines Cops oder Kultmitglieds der Fall wäre) sondern eher zu einem authentisch wirkenden, modern-historischen Coming-Of-Age Roman. 

    Auf der anderen Seite scheint es teilweise, als hätte Cline die eigentliche Handlung des Romans zugunsten der dichten Atmosphäre und den zahlreichen, geschickt eingewebten Reminiszenzen an das zeitliche Setting vernachlässigt. 

    Die Beschreibung von Evies Gedanken, Gefühlen und Sehnsüchten, ihres sozialen Umfelds und ihrer Fixierung auf Suzanne – eines der „Ranch Girls“ – nimmt viel Platz ein. Dadurch gewinnen sowohl Evie als Protagonistin sowie auch die zeithistorische Verortung der Geschichte an Tiefe.

    Der Kult rund um Anführer Russel und „seine Mädchen“ bleibt dagegen blass. Ihre Idelogie wird lose in abgedrifteten Hippie-Phrasen und Drogenexzessen verankert; die Radikalisierung bis hin zu den grausamen Morden ist eher ein vorausgesetztes Faktum als ein nachvollziehbarer Prozess. 

    Es scheint, als würde sich Cline hier viel zu stark auf das Vorwissen ihrer Leser*innen um die reale Vorlage zum Roman zu verlassen anstatt diese Aspekte der Geschichte selbst auszuformulieren.

    Das führt stellenweise leider dazu, dass die Geschichte nah an einer Romantisierung des Geschehens vorbeischrammt. So zum Beispiel, wenn das Handeln der "Mädchen"  als weibliche Wut und Gegenwehr zum Patriachat interpretiert wird.

    Trotz der Schönheit der Sprache hätte „The Girls“ zudem ein rigoroseres Lektorat vertragen. Gerade im Mittelteil wirken viele Kapitel aufgebauscht und zu lang für den eigentlichen Inhalt, den sie vermitteln. Leichte Kürzungen hätten hier sicherlich zu einer besseren Dynamik beigetragen. 

    Alles in allem ist „The Girls“ ein durchaus lesenswertes und wunderschön geschriebenes Buch. Als Leser*in sollte man allerdings Vorwissen zur Geschichte der Manson-Family und (noch viel wichtiger) ein wenig Geduld mitbringen.

  3. Cover des Buches The Girls (ISBN: 9780812989861)
    Emma Cline

    The Girls

    (54)
    Aktuelle Rezension von: Johann_Baier

    Ein ungewöhnlicher Roman mit spannendem Ende vor dem Hintergrund eines realen Ereignisses: der Morde der satanischen Hippie-Kommune von Charles Manson im Jahr 1969.

    Es empfiehlt sich, die realen Ereignisse parallel noch mal zu googeln. Es gibt bereits mehrere Sachbücher und Filme zu dem Thema. Das Neue an dem Roman ist, dass die Autorin eine (vermutlich fiktive) Randfigur kreiert, aus deren Sicht die kriminelle Kommune geschildert wird. Man erlebt, wie das 14-jährige Mädchen aus einer gerade sich auflösenden Mittelschichtfamilie in die fremdartige Welt der Kommune hineingezogen wird – eine wohl historisch einmalige Mischung aus Peace-and-Love-Rhetorik der Hippie-Welt, freiwillige Armut ohne Privateigentum,  Alltagskriminalität zur Beschaffung von Lebensmitteln und Drogen, Verehrung des Sektenführers, der sich für Gott hält und früher ein brutaler Berufskrimineller mit einem rekordverdächtigen Vorstrafenregister war, freier Liebe, wobei die Freiheit sich auf den Sektenführer beschränkte, der sich frei bei seinen weiblichen Verehrern bediente.

    Die 14-jährige Evie wechselt mehrfach zwischen der Kommune und ihrem alten Leben im Mittelstandsvorort, was wohl untypisch für die Kommune war - die anderen Mitglieder haben ihr Leben vollständig der Sekte gewidmet. Evie fühlte sich sowohl von dem trägen (drogenverstärkten) Leben im Hier und Jetzt, als auch von den Frauen angezogen, die sich dem Sektenführer unterwarfen, aber trotzdem starke, harte, selbstbewusste Frauen waren.

    Jeder, der das Buch liest, weiß, dass es zu den Morden kommen wird. Die Spannung besteht darin, zu verstehen wie? Warum? Wer ist beteiligt? Macht Evie mit?

    Der Roman versucht zu erzählen: wie sieht der Alltag in einer sektenartigen Hippie-Kommune aus, wie sind die Beziehungen der Bewohner untereinander, was geht in den Personen vor, warum kommen sie, warum bleiben sie, und natürlich schwebt über allem die Frage: warum wird dieser Mord begangen? Ich finde, diese Fragen werden teilweise beantwortet, aber nicht ganz. Ich konnte nicht vergessen, dass die Autorin 20 Jahre nach der Hippie-Bewegung geboren wurde, dass sie die Zeit nur aus Büchern kennt (vielleicht hat sie ein paar alternde Zeitzeugen befragt). Man konnte die Motive von Evie nachvollziehen, die anderen Figuren blieben mir aber immer noch fremd.

    Die Motive für den Mord wurden in den 1970er Jahren in den Gerichtsverhandlungen, sowie in den Medien und Sachbüchern über das Verbrechen ausgiebig diskutiert. Es gibt verschiedene Theorien. Die Autorin lässt eine Hypothese anklingen (Rache für einen abgelehnten Plattenvertrag), aber widmet sich dem Thema weniger. Es geht ihr mehr um das Erleben von Evie, die fassungslos von dem Geschehen erfährt und versucht, danach wieder ein ‚normales‘ Leben zu führen. Das ist so eindrucksvoll geschildert, dass es auch egal ist, dass es vermutlich eine fiktive Nebenhandlung ist.

    Die Autorin schreibt in einer sehr fantasievollen, kreativen, bilderreichen Sprache, alle Details inclusive der Gerüche werden ausgiebig beschrieben.

    Der Roman bringt eine lang zurückliegende Zeit zurück, allerdings ist die Kommune von Charles Manson dann auch wieder untypisch für die Zeit: die Verbindung Hippie-Kultur mit einem hartgesottenen, psychopathischen Berufsverbrecher dürfte wohl einmalig in der Geschichte sein. Die Autorin lässt die übelsten Aspekte von Charles Manson weg: er war Rassist, wollte einen Rassenkrieg gegen die Schwarzen initiieren und tätowierte sich später ein Hakenkreuz ins Gesicht, weshalb er heute von Neo-Nazis verehrt wird.

  4. Cover des Buches Hippie (ISBN: 9783257245042)
    Paulo Coelho

    Hippie

    (160)
    Aktuelle Rezension von: Reisebaeren

    Paulo und Karla lernen sich 1970 in Amsterdam kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Gemeinsam starten sie mit dem "Magic Bus" nach Nepal. Doch unterwegs mit lauter Gleichgesinnten lernen sie viel über sich selbst, über den Anderen und über das Leben. 

    Aufgrund des Autors Paulo Coelho und dem spannenden Thema der Hippie- Phase habe ich dieses Buch ausgewählt. Doch es hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Die Geschichte plätschert so vor sich hin, wobei es auch gar nicht viel Geschichte gibt. Die philosophischen Weisheiten, die sich auf einzelnen Seiten verstecken, wirken für mich deplatziert. Auch den Figuren bin ich nicht nah gekommen, zu verworren war mir ihr Innenleben und zu wenig wurde von ihren Gedanken erzählt. Was mir gefallen hat, war die Darstellung der Hippie- Zeit. 

    Es gibt deutlich bessere Bücher von Paulo Coelho als dieses.

  5. Cover des Buches Die Tote im Wannsee (Wolf Heller ermittelt 1) (ISBN: 9783548061139)
    Lutz Wilhelm Kellerhoff

    Die Tote im Wannsee (Wolf Heller ermittelt 1)

    (88)
    Aktuelle Rezension von: Caro_Lesemaus

    Die politischen Umstände in Berlin 1968 insbesondere mit wechselseitiger Spionage, Protesten und Auflehnung werden gut dargestellt. Auch das Privatleben des Ermittlers gewährt hier gute Einblicke in den Alltag vieler Menschen. Im Zuge der Ermittlungen erfährt man mehr über verschiedenste gesellschaftliche Gruppen. Insgesamt konnte ich mich dadurch sehr gut in die damalige Atmosphäre einfühlen. Den Fall an sich fand ich allerdings eher mäßig spannend. So richtig gepackt hatte es mich nicht, aber insgesamt ist es als Kriminalroman dennoch lesenswert, was vor allem am Schreibstil liegt. Bei drei Autoren kann man hinsichtlich einer kongruenten ja skeptisch sein, aber es passte wunderbar und las sich sehr gut. 

    Fazit:

    Mich hielten hier vor allem das Privatleben des Ermittlers und die gut beschriebenen Einblicke in den damaligen gesellschaftlichen Alltag bei Laune. Der Fall selbst war eher nur mäßig spannend. Ich runde 3,5 Sterne auf, weil mir außerdem der Schreibstil gut gefallen hat.

  6. Cover des Buches Spiel der Zeit (ISBN: 9783328105350)
    Ulla Hahn

    Spiel der Zeit

    (24)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Dies ist der 3. Teil der Autobiografie-Reihe von Ulla Hahn, die ihr Alter Ego nach

    "Das verborgene Wort" und "Aufbruch"

    als Hilla Palm zu Wort kommen lässt.



    Dieses Buch wird sicherlich polarisieren, denn der Schreibstil ist doch sehr eigen. Ich gehöre hier zu denjenigen, die mit der Darstellungsweise leider garnichts anfangen können. Ulla Hahn besitzt als Lyrikerin einen großen Namen; die Prosa jedoch in diesem 3. Band ist meiner Meinung nach nicht ausgereift. Hier konnte ich kein einheitliches Bild erkennen, denn der Schreibstil wirkt auf mich nicht gefestigt. Aber, vielleicht soll das gerade die Zeit der späten 60er Jahre widerspiegeln?

    Musste mich wirklich durch die Seiten quälen.

    Sie schafft die Atmosphäre der damaligen Zeit mit ihrem bekannten Drang nach Veränderung und den dazugehörigen Einstellungen und Verhaltenweisen. Hier konnte sie ein passendes Bild davon schaffen, jedoch hat mir die Tiefe bei der Darstellung der Charaktere gefehlt. Aber, vielleicht war dies ebenfalls so gewollt, da sich die Menschen damals eben neu orientieren mussten?!

    Autobiografie, Realität und Fiktion sind sehr gekonnt ineinander verflochten.



    Mein Fazit: ein Buch, das sicherlich polarisieren wird - mich hat es nicht "abgeholt"
  7. Cover des Buches Tanz bis ans Ende der Welt (ISBN: 9783492503990)
    Tereza Vanek

    Tanz bis ans Ende der Welt

    (21)
    Aktuelle Rezension von: Dreamworx

    20er Jahre Berlin. Die junge Zhang Penjun, genannt Susan, verlässt ihr wohlhabendes Zuhause in Shanghai, um gegen den Willen ihrer Eltern zu ihrem Verlobten nach Berlin zu reisen. Doch dort erwartet sie eine bittere Enttäuschung, denn der hat sich inzwischen bereits für eine andere Frau entschieden. Die Zufallsbekanntschaft mit Anna verhilft Susan nicht nur zu einer Unterkunft, sondern es entsteht eine enge Freundschaft zwischen den beiden Frauen, und schon bald haben beide auch als Duo mit ihrem Sangestalent Erfolg auf der Bühne. Doch die Nationalsozialisten gewinnen immer mehr an Einfluss, was zusehends das Leben von Susan und Anna beeinträchtigt, sogar unmöglich macht, denn während Susan durch ihre chinesische Abstammung Ablehnung erfährt, bangt Anna um ihre große Liebe, denn er ist Jude…

    Tereza Vanek hat mit „Tanz bis ans Ende der Welt“ einen sehr unterhaltsamen historischen Roman vorgelegt, der den Leser zu einer Zeitreise ins vergangene Jahrhundert einlädt, um dort zwei außergewöhnliche Frauen und ihr Schicksal kennenzulernen. Der flüssige, farbenfrohe und fesselnde Erzählstil lässt den Leser schnell in die Geschichte eintauchen. Eingebettet in eine Rahmenhandlung, die in den 60er Jahren von Annas Nichte Klarissa bestritten wird, eröffnet sich dem Leser eine völlig neue Welt des damaligen Berlins. Die Autorin hat gut recherchiert und lässt nicht nur die Weimarer Republik und später die Naziherrschaft lebendig werden, sondern erzählt auch von einer chinesischen Gemeinschaft, die es damals in Berlin gegeben hat. Während Klarissa aufgrund eines alten chinesischen Tagebuchs und eines Fotos von Anna und Susan deren Vergangenheit nach und nach auf die Spur kommt, bekommt der Leser gleichzeitig durch die wechselnden Zeitebenen und Perspektiven einen Einblick in Welt der beiden doch so unterschiedlichen Frauen. Jede von ihnen hat mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Die Chinesin Susan hat völlig falsche Vorstellungen vom Leben in Deutschland und muss schnell lernen, sich ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, wenn sie nicht in der Gosse landen will. Das immer stärker werdende Naziregime macht ihr dann das Leben als fremdländisch aussehende Frau das Leben beinahe unerträglich. Vanek webt ein buntes und doch auch sehr reales Bild der 20er und 60er Jahre, die beide Parallelen aufweisen und die Handlung deshalb auch so spannend gestalten.

    Die Charaktere sind facettenreich und lebensnah ausgestaltet und in Szene gesetzt. Ihre glaubwürdigen Ecken und Kanten lassen sie den Leser sehr nahe an sich herankommen und geben ihm so die Möglichkeit mit ihnen zu hoffen, zu bangen und zu fiebern. Wirkt die Chinesin Susan zu Beginn noch sehr naiv, lernt sie schnell die Realität kennen. Aus einem strengen, aber wohlbehütetem Elternhaus stammend, steht sie in Berlin praktisch vor dem Nichts und muss sich alles selbst erarbeiten. Sie ist freundlich und intelligent. Anna ist eine offene und hilfsbereite Frau, die keinerlei Standesdünkel hegt. Klarissa hat ihre eigenen Träume und will diese unbedingt in die Tat umsetzen. Während die weiblichen Protagonisten sich durch Stärke auszeichnen, sind es vor allem die männlichen Charaktere, die das alte Rollenbild wiederspiegeln und die Frauen unter ihrer Knute wissen wollen.

    „Tanz bis ans Ende der Welt“ ist eine spannende Geschichte über drei Frauen, die sich auf ihre Weise ihren Platz in der Welt suchen müssen. Eingebettet in den sehr gut recherchierten historischen Kontext der 20er bis 40er und 60er Jahre erlebt der Leser nicht nur eine wunderbar erzählte Handlung, sondern erfährt auch viel Neues der damaligen Zeit. Absolute Leseempfehlung!

  8. Cover des Buches Männersuchgeschichten (ISBN: 9783961458622)
    Iris Stefani

    Männersuchgeschichten

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Holger_Lehmann

    Anders als es das Cover vielleicht vermuten lässt gibt es hier keine exotischen Geschichten, sondern die Lebenserfahrung einer Frau der 68er Generation. Sehr bildlich werden Sehnsüchte, Lebensfreude und Lebensmut nachfühlbar erzählt. 

    Durch die Aufteilung in Geschichten ist das Buch auch gut zum Stöbern oder für Zwischendurch geeignet.  Mir hat es Spaß gemacht.

  9. Cover des Buches Das Spiel des Patriarchen (ISBN: 9783838712550)
    Andrea Camilleri

    Das Spiel des Patriarchen

    (79)
    Aktuelle Rezension von: haberlei

    Zwei scheinbar unzusammenhängende Fälle in ein und demselben Haus rufen die Polizei auf den Plan. Ein junger Mann wird vor der Haustür erschossen und ein altes Ehepaar ist verschwunden.

    Commissario Montalbano und sein Team verfolgen beide Fälle und die verschiedensten Spuren und stoßen auf seltsame Ungereimtheiten: eine heimliche Liebschaft des jungen Mannes, eigenartiges Benehmen des alten Ehepaares bei einem Busausflug, ein unerklärlich hohes Sparkonto der alten Leute, ein Mafiaboss kontaktiert Montalbano mit kryptischen Andeutungen. Aber letztendlich gelingt es Montalbano, die Fäden zusammenzuknüpfen und den Fall einer überraschenden Lösung zuzuführen.

    Abgesehen von der interessant aufgebauten Handlung gefiel mir auch der Schreibstil. Einerseits die teils humorvollen Dialoge zwischen Montalbano und Augello, seinem Vize, auch deren freundschaftlichen Umgang miteinander, andererseits auch die sehr anschaulichen und stimmungsvollen Landschaftsschilderungen, wenn Montalbano z.B. unter dem Olivenbaum oder am Meer sitzt.

    Montalbanos 5. Fall gefiel mir aus dieser Reihe bislang am besten.

  10. Cover des Buches Medizin ohne Moral (ISBN: 9783990254226)
    Erich Freisleben

    Medizin ohne Moral

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Oliver Uschmann

    Ich habe dieses Buch zwei Jahre lang als Privatlektor begleitet und für den Autor den Verlag in Österreich aufgetan, der noch von einem Verleger mit Herz und Passion betrieben wird. "Medizin ohne Moral" kann dazu beitragen, die Risse zu heilen, die generell und in der Corona-Krise umso mehr durch das Land und sogar durch Familien und Freunschaften gehen. Es zeigt, dass man die Entwicklung des Gesundheitssystems hart kritisieren kann, ohne deswegen gleich numinose Verschwörungsnarrative zu eröffnen. Es zeigt, dass man Schulmedizin und Alternativmedizin vereinen kann, ohne entweder ein reiner Materialist oder ein reiner Spiritueller zu sein.

    Mit einem Füllhorn an Details, aber zugleich mit klarer Argumentation und einem spannenden erzählerischen Bogen, kritisiert Erich Freisleben, wie die Medizin, getrieben von Lobbyismus, Ökonomie und einer einseitig "eiskalten" Auslegung von "Wissenschaft", heute immer weniger den Bedürfnissen der Patienten und immer mehr dem unersättlichen Hunger von Big Pharma, Big Data und Big Business dient. Aber Freisleben belässt es nicht beim Kritisieren. Er gibt konkrete Hinweise auf den seelischen Grund vieler Krankheiten, die man auf sich selbst anwenden kann. Spitze, im Grunde amüsante Anekdoten über die Bigotterie der Pharma-Lobbyisten, die privat Naturheilkunde in Anspruch nehmen. Herzenswarme Beispielgeschichten. Aber auch dann wieder eine messerscharfe Kulturkritik, die auf eine hammerharte Pointe hinausläuft und die das Buch sogar lesbar für jene macht, die heutige Philosophen wie Hartmut Rosa oder damalige wie Günther Anders lesen.

    Das Buch fordert und inspiriert, kann immer wieder aus verschiedenen Gründen zur Hand genommen werden und nimmt das Publikum ernst. 

  11. Cover des Buches Nachkriegsland. Eine Spurensuche (ISBN: 9783831906130)
    Michael Brenner

    Nachkriegsland. Eine Spurensuche

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Viv29
    ...der einem dem ganzen Abend im Brustton der Überzeugung erzählt, warum "das System" falsch ist, nur er es durchschaut und er überhaupt genau weiß, wie das alles so läuft, den kennen wir wahrscheinlich alle. Beim Lesen dieses Buches fühlte ich mich ein wenig wie auf solch einer Party.

    Ich gebe zu, daß ich mir von dem Buch an sich etwas anderes erwartet hatte: mehr Informationen, weniger Politisiererei. Es interessiert mich, wie die Nachkriegsgeneration jene Zeit erlebt hat, wie der Umgang mit den Eltern war, wie diese Eltern mit ihren Erlebnissen, Traumata und auch ihrer Schuld umgegangen sind. Ich habe mehrere Bücher gelesen, in der die Nachkriegsgeneration auf die Suche geht und das Gespräch mit oder wenigstens Informationen über die Eltern sucht. "Was haben meine Eltern im Krieg gemacht?" - eine sehr wichtige Frage für diese Generation.

    Ein wenig davon gibt es in diesem Buch auch. Die fünf Kapitel von Buch 1 ("Unsere Mütter und Väter") beschreiben die Familiengeschichte, die manchmal ein wenig zu sehr in allgemeine Banalitäten abgleitet, aber im Ganzen doch recht interessant zu lesen ist. Michael Brenner berichtet hier gut, wie wichtig es ihm war, herauszufinden, welche Rolle der Vater im Krieg gespielt hat, ob und wie er sich schuldig machte. Er recherchiert hier gründlich und auch das ist interessant zu lesen, insbesondere, wenn man selbst Ahnenforschung betreibt und sich für die Möglichkeiten, an Informationen zu kommen, interessiert. Schön ist auch, wie der Autor hier differenziert. Er kennt den Vater nur von einer sehr unangenehmen, lieblosen Seite, aber er betrachtet hier - und auch später im Buch - das ganze Bild, überlegt, warum der Vater so ist, was ihn seelisch derart verkrüppelt hat (dies tut er auch bei vielen anderen aus jener Generation). Angesichts der schlimmen Kindheit, die Michael Brenner durch diesen Vater erlebte, ist das bemerkenswert und war sicher auch schwer.
    In diesem ersten Abschnitt beginnt aber leider auch schon eines der Dinge, die mich am Buch leider zunehmend genervt haben: die Wiederholungen.

    Es gibt zahlreiche Wiederholungen im Buch, fast alles wird mehrfach erwähnt. Das fällt zB gerade sehr in den Kapiteln über die Schule auf. So wird im Kapitel über die Lehrer letztlich immer wieder das Gleiche erzählt - keiner war offen Altnazi, aber die meisten ließen durch ihre Geschichten und Aussprüche erkennen, welches Geistes Kind sie waren. Die deutsche Schuld, die Naziverbrechen werden nicht thematisiert. Das sind relevante Punkte und auch ein wichtiges Merkmal der 50er und frühen 60er, aber der Leser hat diese Aussage schon nach den ersten drei Erwähnungen mehr als verstanden.
    Im Kapitel "Auslese und Unterwerfung" geht es um das elitäre Selbstverständnis des Gymnasiums, das der Autor besucht. Auf Seite 129: "sollten unsere Eltern, besonders diejenigen aus dem ärmeren Stadteilen, doch so einsichtig sein, ihre Kinder schnell wieder von der höheren Lehranstalt zu nehmen."
    Seite 136: "Schnell hatten die Lehrer uns vermittelt, daß es besser sei, in den bürgerlichen Stadtteilen (...) zu wohnen. Wer in ärmlicheren Stadtteilen lebte, erhielt am Kirchenpauer-Gymnasium weniger Chancen und wurde schlechter behandelt."
    Seite 138: "In den Klassenbüchern stand hinter unseren Namen immer auch der Beruf unserer Eltern, damit die Lehrer uns schneller einordnen konnten."
    Seite 138: "Hauptaufgabe meiner Schule war die soziale Selektion." leitet einen ganzen Absatz ein, in dem dies erneut ausführlich erklärt wird.
    Seite 139: "Wenn Eltern aus der Mittelschicht stammten, (...) wurden ihre Kinder besser behandelt."
    Diese Neigung, bereits Gesagtes immer auf's Neue zu wiederholen, zieht sich leider durch das ganze Buch.

    In der zweiten Hälfte des Buches begleiten wir den Autor durch seine Jugend- und Erwachsenenzeit. Dies geschieht durch eine etwas ungeordnete Mischung von Liedzitaten (die auch mal einen ganzen Absatz einnehmen können), historischen Informationen, ein paar eigenen Erlebnissen und eigener Meinung. Die historischen Informationen waren recht sprunghaft und meines Erachtens nicht gut dargebracht, da sie oft bekannte Ereignisse wie zB den Mauerfall so berichteten, als ob man noch nie davon gehört hätte. Vielleicht wären hier Fußnoten hilfreicher gewesen, so daß der historisch nicht so informierte Leser bei Bedarf nähere Informationen dort hätte einsehen können. Manche Kapitel lasen sich so nämlich wie ein halbherziger geschichtlicher Überblick. Warum dann ein nach eigener Darstellung so kritisch Hinterfragender hier auch noch behauptet, in der DDR wären die Nazis konsequent bestraft worden und hätten keine hohen Posten erreicht, wundert mich doch sehr. Daß diese Behauptung der DDR nicht stimmt, ist mittlerweile hinreichend bekannt.

    Mit seiner Meinung hält der Autor nicht hinter den Berg, was in einem Buch über das auch politische Erwachen und eine Zeit gesellschaftlicher Umbrüche durchaus seinen Sinn hat. Leider geschieht die Meinungsäußerung fast durchweg polemisch. Im Nachwort weist der Autor noch darauf hin, daß er mit Absicht die politisch korrekte Sprache vermieden hat, was ja auch in Ordnung ist, aber zwischen (Zitat aus dem Nachwort) "ritualartigen Sprachübungen" und platter Polemik liegt noch sehr viel Spielraum. Da hätte man sich vielleicht eher ein Beispiel an Willy Brandt nehmen können, der direkt und ehrlich sprach, anstatt sich auf das Niveau der im Buch so oft - zu Recht - kritisierten Bild-Zeitung zu begeben (Polemik anderer zu kritisieren und sich ihrer dann selbst zu befleißigen wirkt nicht sehr ehrlich). So gehen leider viele Ansichten in dieser Polemik unter und werden zudem nicht erklärt, sondern auf Art des oben erwähnten Typen auf der Party mit der "ich schlau, alle anderen blöd"-Methode in den Raum geworfen. Schade. Ein "Gschmäckle" bekommt das Ganze, wenn die RAF mit einem lapidaren "Einerseits soll man nie töten, aber irgendwie..." verharmlost wird.
    Und wenn dann - wieder mE zu Recht - die heuschreckenartige Ausweidung des Ostens nach der Wiedervereinigung kritisiert wird, kommt plötzlich ein "Für ein anderes Unternehmen gehörte ich zu denjenigen, die (...) das Ostland nach Beute durchkämmten. Glücklicherweise war ich nur ein kleines Licht und muss mich für nichts schämen."
    Diese "ich war ja eigentlich nur am Rande dabei, ich habe mir nichts vorzuwerfen"-Entschuldigung also.... Im Rahmen des sonstigen Buchtextes durchaus interessant, ein wenig entlarvend.

    Am Buch interessant war die Familiengeschichte und der Umgang des Autors damit, ebenso wie die Aussagen seiner Altergenossen zu ihrer Kindheit. Auch das erwachende politische Bewußtsein, die gesellschaftlichen Umwälzungen und die Erklärungen, warum dies alles Ende der 60er / Anfang der 70er aus den jungen Leuten so herausbrach, war lesenswert und informativ. Davon hätte ich mir mehr gewünscht. Das war aber leider nur ein sehr kleiner Teil des Buches.
  12. Cover des Buches Protest der Jungen: Zukunft in Gefahr (ISBN: 9781077675353)
    Rüdiger Opelt

    Protest der Jungen: Zukunft in Gefahr

    (1)
    Aktuelle Rezension von: R_OPELT

    Wir hinterlassen den Jungen so viele Probleme, als gäbe es kein Morgen. Wir heizen das Klima auf, zerstören die Natur, der Staat verschuldet sich immer stärker, die Pensionen werden unfinanzierbar, Zinsen gibt es nicht mehr, Wohnungen werden unerschwinglich und alle finden das in Ordnung. So kann es doch nicht weitergehen!
    Beispiel Wohnungsnot:
    Soll ein junges Paar auf Kinder verzichten, damit es sich das Leben in einer 2-Zimmer-Wohnungleisten kann? Die Reichen haben ihre Millionen in Immobilien angelegt, hohen Gewinn gemacht und damit die Immobilienpreise in astronomische Höhen gejagt. Die Gewinne der gewissenlosen Spekulanten werden nachträglich von den Jungen finanziert, die ein Leben lang für ihre Wohnungen schuften müssen.
    Ein aufrüttelndes Buch

  13. Cover des Buches Mit Demokratie ernst machen: Für eine radikale ökonomische Aufklärung. Überlegungen zum Politischen Unterricht (ISBN: 9783963171390)
    Herbert Storn

    Mit Demokratie ernst machen: Für eine radikale ökonomische Aufklärung. Überlegungen zum Politischen Unterricht

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Rose75
    Dieses Buch bietet eine Fülle an Informationen rund um Demokratie, Politik und Volkswirtschaft. 

    Es ist kein Grundlagenbuch das einen einfachen Einstieg in die Politikwissenschaft gibt, sondern die Essenz der jahrzehntelangen Arbeit des Autors als Lehrer und Gewerkschafter.

    Damit dieses bekannte Zitat nicht wahr wird, 
    "Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf" 
    sollte sich jeder mit der eigenen politischen Bildung beschäftigen.





  14. Cover des Buches The Beatles: Yellow Submarine - Die Graphic Novel (ISBN: 9783741609893)
    Bill Morrison

    The Beatles: Yellow Submarine - Die Graphic Novel

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Fernweh_nach_Zamonien
    Inhalt des Buches (Kurzfassung):

    Pepperland ist in Gefahr:
    Der musikhassenden Tyrann "Eure Bläuheit" und seine Blaumiesen-Soldaten, Clowns, Wummsern und einem fliegenden Handschuh "Glove" rauben und zerstören Musik, Kunst, Farben ...

    Die Yellow Submarine mit Old Fred an Bord findet Hilfe im nebligen London in der Person der Fab Four. Die Beatles machen sich auf die Reise ins Pepperland, um es vor den Blaumiesen zu retten.

    Cover:
    Kunterbunt und alles drauf, was man mit der Geschichte verbindet und trotzdem verrät es nicht zu viel.

    Illustrationen von Bil l Morrison (Simpsons/MAD):
    Die zeichnerische Umsetzung des Filmklassikers ist gelungen. Wunderschön gezeichnete und kunterbunt wie die Filmvorlage selbst. 

    Bonus im Anschluss an die Story:
    Skizzen, Alternativcover und Entwürfe sowie Vita der Zeichner

    Fazit:
    Obwohl es schon ein paar Jahre her ist, dass ich den Film zuletzt gesehen habe, habe ich sofort Altbekanntes wiedergefunden.

    Auch in Form der Graphic Novel ist und bleibt es eine abenteuerliche und skurrile Reise der Beatles, farbenfroh und unglaublich fantasievoll gestaltet.
    Jedes Panel ist gut durchdacht und strukturiert.  Die Adaption der Beatles und besonders die des Nowhere Man "Jeremy" hat mir sehr gut gefallen.

    Wem beim Buch der passende Soundtrack fehlt: Album parallel zum Lesen hören (sonst brauche ich beim Lesen Ruhe, aber hierfür habe ich eine Ausnahme gemacht).

    Das Ganze ist aber nicht nur fur Beatles-Fans ein kurzweiliges und farbenfrohes Lesevergnügen. 
    Das Anschauen der Zeichentrickvorlage lege ich ebenfalls jedem ans Herz.


    Rezensierte Ausgabe: "The Beatles Yellow Submarine" aus dem Jahr 2018
  15. Cover des Buches Senioren - Fit wie ein Turnschuh: 68er und Blumenkinder im Ruhestand (ISBN: 9783749722440)
    Christa Stuber

    Senioren - Fit wie ein Turnschuh: 68er und Blumenkinder im Ruhestand

    (12)
    Aktuelle Rezension von: Sontho

    Die Autorin lädt ihre Leser zu einer Zeitreise in die letzten 50 Jahre ein.

    Die Entwicklungen in Mode, Politik, Kultur, uva. werden beleuchtet und in ihrer Entwicklung anhand von prägnanten Meilensteinen benannt. Diese Fakten verbindet die Autorin mit persönlichen Erlebnissen dazu. Da ich auch zu dieser Generation gehöre, war es auch für mich einer Reise in ein mir wohlbekannte Zeit, verbunden mit ganz unterschiedlichen Emotionen. So ganz Nebenbei wurde Erinnerungen an schon in Vergessenheit geratenes neu belebt. Mir wurde noch einmal klar, dass ich in eine Zeit geboren wurde, die  im Aufschwung war. Wir wurden neugierig, wissbegierig und aufmüpfig. Verschiedenes konnte bewegt werden oder in Bewegung geraten.                      Wenn ich jetzt, auch anhand der Fakten zurückschaue, fällt mir auf, dass wir einiges bewegt haben, von dem der heutige Rentner profitieren darf. Das Buch vermittelt einen Einblick in die "Unruhezeit" der heutigen Rentner.

                                                                                                                             Überhaupt bietet das Buch in prägnanter, knapper Form die wichtigsten Fakten dieser Zeit. Für Leser, die sich für die Zeit interessieren, bietet das Buch einen Überblick.    


                                                                                                                                                                                                                                                                 

     

  16. Cover des Buches Das Dosenmilchtrauma (ISBN: 9783866041240)
    Jess Jochimsen

    Das Dosenmilchtrauma

    (7)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Ich wollte mich überraschen lassen und gab Jess einmal mehr eine Chance. Anfangs dachte ich, oh, er kann ja doch witzig und geistreich sein, aber schon bald kam das übliche langweilige und erzwungene und die Witze verpuften und es wurde langweilig. Einige BIlder sind ganz nett, aber die kann man an einer Hand abzählen. Schade, der Anfang war eigentlich ganz gut.


  17. Cover des Buches Die Würde des Menschen ist antastbar (ISBN: 9783803124913)
    Ulrike M. Meinhof

    Die Würde des Menschen ist antastbar

    (6)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Einfach ein unglaubliches Buch !
  18. Cover des Buches 1968. Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung (ISBN: 9783476020666)
  19. Cover des Buches Rohstoff (ISBN: 9783895812842)
    Jörg Fauser

    Rohstoff

    (43)
    Aktuelle Rezension von: das_lesende_ich

    🥃

    𝘞𝘦𝘯𝘯 𝘥𝘢𝘴 𝘴𝘰 𝘪𝘴𝘵, 𝘥𝘢𝘤𝘩𝘵𝘦 𝘪𝘤𝘩, 𝘬𝘢𝘯𝘯𝘴𝘵 𝘥𝘶 𝘢𝘶𝘤𝘩 𝘢𝘶𝘧𝘴𝘵𝘦𝘩𝘦𝘯.


    Harry Gelbs Rohstoff sind Opium auf einem Dach in Istanbul und LSD in einer Kommune in Berlin, sind Heroin in einer Göttinger Mansarde und unzählige Biere in Frankfurts Kneipen – vor allem aber ist sein Rohstoff das Schreiben. Rasant, brutal ehrlich und witzig erzählt Fausers Alter Ego von einer gefährlichen wie gefährdeten Jugend und von einem Mann, der weder als Nachtwächter noch als Flughafenpacker vergisst, was er sein will: Schriftsteller.


    💭

    Bei mir hat dieser Plot Interesse geweckt. 

    Ein Protagonist mit Ecken und Kanten, mit Problemen und Süchten, aber auch einem innigen Wunsch. 


    Immer wieder erlebt er Hochs und Tiefs, Erfolge und Rückschläge, Motivation und Resignation.

    Wir verfolgen ihn in seiner Entwicklung, seinem Werdegang.

    Die Handlung des Romans findet in den 60er/70er Jahren statt. 


    Dennoch hat mir an manchen Stellen die stark maskuline Sprache Gelbs oder einige Szenen nicht sehr gefallen. Sicher passen diese zur Handlung und machen das Setting authentisch, ich hatte aber nichts gegen den folgenden Szenenwechsel. 

    Einige Passagen oder Dialoge waren für mich auch zu langatmig und haben mich etwas aus der Story rausgebracht. 


    Doch bleibt es am Ende ein solider Roman, der dem Leser vermittelt, dass egal wie schwer etwas zu sein scheint, man alles schaffen kann. 


    ⭐️⭐️⭐️

  20. Cover des Buches Generation Ally (ISBN: 9783821839189)
    Katja Kullmann

    Generation Ally

    (31)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    KK schreibt über die damals sehr beliebte Serie auf Vox, aber in erster Linie geht es um das Aufwachsen ihrer Mädchen- und Frauengeneration, denen die Frauenquote immer zu spießig und einengend war und die so frei und ungebunden waren, daß sie ihren Besitz jederzeit eintüten konnten und am nächsten Tag ins Ausland hätten ziehen können. Erstaunlicherweise geht es in dem Buch um eher wenig um Ally (und ich habe die Serie damals sehr gern gesehen, s. letzter Satz des Buches), aber es stecken viele Wahrheiten drin, so daß man sich auch als Mann angesprochen fühlen Konnte (ich bilde mir allerdings ein, nicht so hilflos-kükenmäßig zu sein wie die beschriebenen y-Chromosom-Träger). In der am Ende beschriebenen "Luderliga" fehlte natürlich noch "Oberluder" Micaela Schäfer, und man würde dafür BRENNEN, eine aktualisiert Fortsetzung zu lesen.

  21. Zeige:
    • 8
    • 12
    • 24

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks