Bücher mit dem Tag "70er jahre"
79 Bücher
- Jonas Jonasson
Die Analphabetin, die rechnen konnte
(725)Aktuelle Rezension von: MayaBEin weiteres Buch von Jonasson, das mir gut gefallen hat. Ich hatte keine Ahnung, was genau mich erwarten würde, kannte nur meine bisherigen Erfahrungen und dass ich die genossen habe, weshalb ich mit gutem gerechnet habe, und wurde wieder einmal nicht enttäuscht.
Politische Probleme werden mit sehr viel Humor gemeinsam in eine absurde Geschichte gepackt, in der wieder einmal Atomwaffen eine Rolle spielen, ebenso wie ein paar sehr unglaubwürdige Figuren, die in dieser Geschichte aber absolut natürlich wirken, einfach weil die ganze Geschichte so unglaubwürdig ist.
Mit Nombeko und Holger gibt es zwei unglaublich sympathische Hauptfiguren, die ihr bestes tun, um ein möglichst gutes Leben zu führen, ohne dass andere darunter leiden, und mit den drei chinesischen Schwestern und dem amerikanischen Töpfer sind auch für lustige Nebenfiguren gesorgt, die alle ihren Platz in der Geschichte haben. Und dann gibt es da noch die nicht ganz so liebevollen Nebenfiguren, die mir leider eher auf die Nerven gingen, aber auch die hatten eindeutig ihren Platz im Geschehen und es ist ja nicht so, als seien sie versehentlich nervig geworden, sondern man merkt schon sehr deutlich, dass Jonasson sich was bei den Dingen gedacht hat, die er geschrieben hat.
Es gibt ein paar kleinere Momente, bei denen ich mich gefragt habe, ob die Dinge vielleicht doch zu weit gehen in ihrem Humor, da sie einen rassistischen Unterton haben könnten, allerdings habe ich bei Jonasson wirklich das Gefühl, dass er seine Witze eher auf Kosten von den Figuren schreibt, als auf Kosten der Stereotype ihrer Herkunft, auch wenn beides teilweise überschneidet. Ich bin was das angeht aber wirklich kein Experte, und auch nicht betroffen, entsprechend kann ich mir auch durchaus vorstellen, dass andere Leute das ganz anders sehen würden.
Auch muss ich zugeben, dass ich an so einigen Stellen doch sehr enttäuscht war, als in der Geschichte manche Figuren so stark unter anderen leiden, und die anderen praktisch nie die Konsequenzen davon zu spüren bekommen. Es geht für die Figuren letztendlich gut aus, aber dass man so sehr im Leben anderer herumpfuschen konnte, ohne dass es je zu irgendwelchen Problemen kommt, hat mich doch nicht ganz glücklich gemacht. Auch wenn's vielleicht realistisch ist, dass nicht alle Leute immer vom Karma erwischt werden, aber gewünscht hätte ich's mir hier doch.
Ändert aber nichts daran, dass ich alles in allem wieder einmal eine echt gute Zeit hatte, und Jonasson ist denke ich auch weiterhin auf der Liste der Autoren, bei denen ich nie nein zu einem Buch sagen würde. - Alice Sebold
In meinem Himmel
(819)Aktuelle Rezension von: Lauras_bunte_buecherregalDer Schreibstil ist grandios. Ich war von der ersten Seite verliebt in das Buch. Ich habe den Film bereits davor gesehen.
Das Buch ist aus einer etwas anderen Perspektive geschrieben und zwar aus der Sicht von Susi. Susi ist aber kein gewöhnliches Mädchen, sondern sie ist ein Mordopfer und wir erleben alles aus der Sicht ihres Himmels.
Das Buch ist emotional und sehr berührend. Der Spannungsbogen ist angenehm. Die Charakterentwicklung ist großartig.
Ich habe absolut keine Kritik an dem Buch und liebe alles daran. Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.
- Brigitte Pons
Der Träume blauer Schlussakkord
(20)Aktuelle Rezension von: j125Inhalt:
Kurz bevor Frank Liebknecht in den wohlverdienten Urlaub verschwindet, ruft ihn ein besorgter Vielbrunner Mitbürger an, der einen Mordkomplott in einem Hotel belauscht haben will. Im Dorf ist er als Trunkenbold und Choleriker bekannt und auch am Telefon wirkte er alles andere als nüchtern. Ob seiner Aussage zu trauen ist? Das Hotel wird zu dieser Zeit von einer Produktionsfirma in Beschlag genommen, die nach einem neuen Schlagerstar sucht. Wie so oft in der Fernsehwelt ist nicht immer alles wie es scheint.
Meine Meinung:
Als Fan von Frank Liebknecht war ich natürlich gespannt auf seinen mittlerweile vierten Fall. Ganz besonders war ich diesmal an den privaten Entwicklungen interessiert, da sich im dritten Band interessante Sachen andeuteten.
Die gewohnte Aufmachung durch die kurzen Kapitel, unterteilt nach Zeit und Ort und der angenehme Schreibstil haben das Buch wieder zu einem tollen Leseerlebnis gemacht. Selbst für mich, die ich das Thema Musik eigentlich nicht mag.
Das Thema ist für mich auch leider der Punkt, weshalb das Buch diesmal kein Highlight war. Ich bin im Allgemeinen kein Fan von Musik und Castingsendungen sind mir mittlerweile auch ein Graus. Thematisch hat mich das Buch folglich nicht sehr angesprochen. Der Zickenkrieg und dieses dämliche Verhalten, vor der Kamera ein komplett anderer Mensch zu sein, haben mich sehr genervt. Aber natürlich ist so etwas Geschmackssache und daher bin ich zwar enttäuscht, aber es ist dennoch vollkommen okay, dass der vierte Fall mich nicht so überzeugen konnte, wie die anderen drei.
Die Handlung abseits des Falls hat mir dafür wieder sehr gut gefallen. Es sind ein paar Dinge ausgesprochen worden (endlich!) die bereits vorher angedeutet wurden (oder besser gesagt total offensichtlich waren), was ich sehr mochte. Der Fall steht zwar immer im Mittelpunkt, aber es gefällt mir, dass sich die Charaktere und vor allem ihre Leben weiter entwickeln und zwar so, dass der Leser es mitbekommt.
Fazit:
Auch wenn mich das Buch thematisch leider nicht unterhalten konnte, begegne ich Frank Liebknecht und Sweety immer sehr gern. Wer Sweety ist, müsst ihr allerdings selbst rausfinden. :) - Stephen King
Joyland
(784)Aktuelle Rezension von: zickzackDer Student Devin Jones möchte über die Sommersemesterferien etwas Geld verdienen. Dafür geht er in den Vergnügungspark Joyland, um dort als Haushilfe zu arbeiten. In dieser Zeit trennt sich seine große Liebe Wendy Keegan von ihm und während er an Liebeskummer leidet, entdeckt er, dass er in der Geisterbahn ein düsteres Geheimnis gibt. Dort wurde ein Mädchen ermordet und der Geist der Verstorbenen wird von dem ein oder anderen Besucher gesehen.
Schwierig etwas über das Buch zu sagen, denn in diesem steckt mal wieder sehr viel drin. Es ist eine typische Coming-Of-Age-Geschichte von King, hat aber auch Thrilleranteile, natürlich auch etwas Liebe und einen Mysterieaspekt. Es ist ein sehr gemischtes Buch, was eher von der ruhigen Sorte ist. Mir war es an mancher Stelle etwas zu ruhig, muss ich zugeben. Teilweise ist für mich die Handlung nur dahingeplätschert, weil man Devin eben bei seinem Job in Joyland begleitet hat.
Was das Buch richtig gut macht, ist das Setting. Oft werden in Büchern außergewöhnliche Settings versprochen und dann sind diese nur ein Nebenstrang. Aber hier war es wirklich durchweg präsent. Man hat viel über die Arbeit auf einem Vergnügungspark erfahren. Ob es da wirklich so zugeht, kann ich zwar nicht beurteilen, aber es war auf jeden Fall der spannende Aspekt an dem Buch – im Gegensatz zur Mörderjagd. Diese wurde immer mal wieder mit eingestreut und so eine richtige Jagd war es auch nicht. Das Buch hatte für mich am wenigstens etwas mit einem Thriller zu tun. Es war eben ein leichter Spannungsanteil mit drin.
Die Figuren hat Stephen King wieder recht tief gestaltet, obwohl sie mir nicht so nah gekommen sind, wie in anderen Büchern. Vielleicht lag das Buch an der Ich-Perspektive, obwohl Stephen King diese sehr gut beherrscht. Ich denke nur an „The Green Mile“, wo mir die Figuren sehr nah gekommen sind. Aber hier hat mir der letzte Funke etwas gefehlt.
Auch Devin als Hauptprotagonist hat mir zwar an sich ganz gut gefallen, aber trotz Ich-Perspektive habe ich seinen tiefen Liebeskummer von Wendy nicht richtig gespürt. Es wurde zwar erwähnt und vor allem das andere deswegen ihn auch angesprochen haben, aber bei mir kam es dennoch nicht ganz an.
Als dann Annie und ihr Sohn ins Spiel kamen, wurde die Geschichte gerade zum Ende hin sehr herzerwärmend und dramatisch. Überhaupt fand ich es in der zweiten Hälfte viel besser als in der ersten, wo man zwar viel über Joyland erfahren hat, aber sonst die Handlung nur so daherging.
Fazit: Das Setting wurde von King sehr gut eingefangen. Es ist ein sehr ruhiger Roman, den man schlecht in eine Kategorie einordnen kann. Man hat einen jungen Mann bei einem prägenden Lebensabschnitt begleitet. Für mich hat am Ende etwas der Funke gefehlt und mir persönlich war es eben zu ruhig. Darum gibt es von mir 5 Sterne.
- Liz Moore
Der Gott des Waldes
(394)Aktuelle Rezension von: PunktundKommaSommer 1975 in den Adirondacks: Die 13-jährige Barbara ist plötzlich spurlos verschwunden. Ihr Verschwinden wirft dunkle Schatten auf die Familie Van Laar, das Sommercamp und die Bewohner der Umgebung. Geheimnisse, alte Geheimnisse und rätselhafte Verbindungen sorgen für eine fesselnde Mischung aus Thriller und Familiengeschichte.
Liz Moore zieht die Leser*innen in »Der Gott des Waldes« sofort in die geheimnisvolle Welt der Adirondack Mountains. Ihr Schreibstil ist klar und eindringlich, manchmal poetisch angehaucht, immer atmosphärisch, einfach perfekt, um den Spannungsbogen straff zu halten. Besonders interessant sind die Perspektivwechsel: Moore erzählt aus verschiedenen Blickwinkeln, aus der Sicht einiger Kinder im Camp oder von den Angestellten bis zu den Van Laars selbst. So entsteht ein komplexes Netz aus Geheimnissen, Beobachtungen und unterschwelligen Konflikten.
Die Figuren wirken authentisch und vielschichtig: Barbara van Laar ist clever, neugierig und verletzlich zugleich, während auch die Erwachsenen ihre eigenen Geheimnisse, Probleme und Widersprüche in sich tragen. Moore lässt ihre Charaktere nach und nach die Schattenseiten ihrer Welt entdecken, was das Spannungslevel konstant hoch hält.
Der Roman fesselt durch psychologische Tiefe, atmosphärische Dichte und überraschende Wendungen, für mich ein Roman, der seine Leser*innen nicht so schnell loslässt.
Meine ausführliche Buchbesprechung findet man hier: https://www.buchleserin.de/2025/12/09/der-gott-des-waldes/
- Karin Slaughter
Cop Town
(225)Aktuelle Rezension von: coffee2goDie Autorin hat mit Cop Town einen Genre-Mix versucht, indem sie Elemente eines Thrillers, für das sie ja bekannt ist, mit denen eines historischen Zeitportraits verbindet und zusätzlich interessante Charaktere einbaut, somit eine sehr gelungene Kombination. Als Leser*in wird es durch die wechselnden Perspektiven nie langweilig, obwohl das Buch einen längeren Umfang aufweist. Themen wie Sexismus oder Rassismus und Polizeigewalt werden von der Autorin geschickt eingebracht, das kenne ich auch schon aus früheren Büchern von ihr.
Die Geschichte rund um den Polizistenmorden ist spannend aufgebaut und konstruiert und hat noch mehr im Hintergrund als man zuerst ahnt, je tiefer man gräbt, umso mehr Details kommen zum Vorschein. Das Thema wird komplex betrachtet und auch aufgelöst und somit bleibt der Spannungsbogen konstant hoch. Die Sprache ist direkt und ausdrucksstark und an manchen Stellen auch brutal und schonungslos.
- Taylor Jenkins Reid
Daisy Jones & The Six
(374)Aktuelle Rezension von: koechlSehr gut geschrieben, auch der ungewöhnliche Interviewstil gefiel mir gut. Im Großen und Ganzen hat es mich gut unterhalten und ich habe gute Einblicke in das Leben einer fiktiven Rock'n Roll Band der Siebziger bekommen.
Es war wie ein Rausch. Ich habe jede freie Minute gelesen. Die Personen und die Geschichte haben mich in ihren Bann gezogen. ein fröhliches Buch war es nicht, wie ich zuvor gelesen habe, aber sehr intensiv.
- Heinrich Böll
Die verlorene Ehre der Katharina Blum
(869)Aktuelle Rezension von: caro_linIch fand die Bericht-Form in der es geschrieben ist irgendwie ziemlich zäh, und die verschiedenen Nebencharaktere zu verwirrend, um bis zum Schluss durchzublicken. Vielleicht hätte ich es zügiger durchlesen müssen, aber wie man sieht hat es mich dafür nicht genug gepackt.
Die Story ist ganz nett, mal was anderes, da man das Ende schon kennt, aber irgendwie auch einfach frustrierend. - Matthias Brandt
Blackbird
(131)Aktuelle Rezension von: ErikWir haben Blackbird in der Schule gelesen, sonst hätte ich es wahrscheinlich nie angefangen. Und jetzt, wo ich es durch hab, weiß ich auch warum: Das Buch war einfach nichts für mich.
Die Geschichte fand ich total langweilig. Es passiert irgendwie fast gar nichts, und wenn mal was passiert, ist es nicht wirklich spannend. Ich hab mich oft gefragt, worauf das Ganze eigentlich hinausläuft – aber es kam einfach nix, was mich richtig gepackt hat. Irgendwie war das alles total zäh.
Auch die Hauptfigur fand ich nicht besonders spannend. Ich konnte mich nicht in sie hineinversetzen, und ihre Gedanken waren manchmal voll wirr oder übertrieben. Die anderen Charaktere blieben auch eher blass – keiner war dabei, den ich wirklich interessant fand.
Der Schreibstil war für mich ehrlich gesagt anstrengend. Manche Sätze waren so kompliziert oder seltsam formuliert, dass ich sie mehrmals lesen musste. Ich verstehe, dass der Autor vielleicht was Künstlerisches machen wollte, aber für mich war das eher verwirrend als cool.
Insgesamt war das Buch echt enttäuschend. Ich hätte mir gewünscht, dass wir in der Schule was lesen, das mehr mit uns zu tun hat oder einfach spannender ist. Blackbird war einfach nicht meins – schade.
- Christoph Steckelbruck
Der gefangene Sommer
(10)Aktuelle Rezension von: Vorleser2Dabei hatte der Sommer doch so gut angefangen. Anton ist 13 Jahre alt und steht damit auf dem Beginn der Schwelle zum Erwachsenwerden. Mit seinem etwas pummeligen Aussehen und seinem kindlichen Gemüt hängt er den anderen etwas hinterher, doch mit seiner Bekanntschaft zu Gabi überschreitet er endlich die Schwelle des Kinderspielplatzes und gehört zu den Jugendlichen. Nun als Jugendlicher begegnen ihm drei Mädchen, auf die er sich alle in eine Art und Weise verliebt. Unter ihnen ist die verschwundene Anneliese, auf deren Suche sich Anton begibt... mehr dazu bei www.dievorleser.blogspot.de - Taylor Jenkins Reid
Malibu Rising
(296)Aktuelle Rezension von: HeidelperleWieder ein toller Roman von Starautorin Taylor Jenkins Reid. Ich liebe alle ihre Bücher und hatte ehrlich gesagt ein wenig Bammel vor der deutschen Übersetzung. Ihre anderen Werke habe ich auf Englisch gelesen. Doch ich wurde nicht enttäuscht.
Mir hat das Buch wirklich gut gefallen. Der Grundton der Geschichte ist eher ein wenig deprimierend und trotzdem konnte mich das Buch von Satz 1 an packen. Es liest sich flüssig von der Hand und man kann richtig eintauchen in diese alte Zeit. Ich konnte mit jedem Charakter sehr mitfühlen. Vor allem aber mit Nina, bei der ich immer wieder die Befürchtung hatte, sie tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter. Wer das Buch gelesen hat, weiß, was ich meine. Ich habe gebangt und gefiebert und konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
Auch das Surfthema, von dem ich nicht wusste ob es wirklich was für mich ist, hat mich schlussendlich dann doch sehr begeistern können. Ich kann nur von sehr wenigen Autoren und Autorinnen behaupten, dass ich alle Bücher mag, doch bei Reid ist es definitiv so. Jedes ihrer Bücher ist einzigartig und trotzdem erkennt man, wer sie geschrieben hat.
Sehr empfehlenswert auf jeden Fall. Ich empfehle aber, den Roman eher im Sommer als im Winter zu lesen, das macht die Stimmung noch einmal ein bisschen schöner. - Stephanie Schuster
Die Wunderfrauen - Freiheit im Angebot
(112)Aktuelle Rezension von: LeseraupeMit einem unvermittelten Prolog, der sich hunderte Seiten später chronologisch in die Geschichte einfügt, bekommt man einen Vorgeschmack darauf, dass der Roman wieder eine Menge "Action" bereithält.
Ich mag alle vier Frauen und finde die Wege und Wandlungen spannend. Mittlerweile bekommt mir das Roulette der Perspektiven nicht mehr so gut. Ich würde mich viel lieber viel länger als ein Kapitel in die Stimmung einer der Frauen einfinden.
Was mir merkwürdig vorkommt, ist, dass die Frauen nur einander als Freundinnen haben und da über Jahrzehnte keine andere hinzukommt.
Teil 4 werde ich dennoch lesen, da ich spüre, mit wieviel Herzblut sich Stephanie Schuster die Welt der Wunderfrauen ausdenkt und in den historischen Hintergrund dichtet.
- Judith Lennox
Das Haus der Malerin
(50)Aktuelle Rezension von: MartinchenRose führt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern ein ruhiges und unaufgeregtes Leben, als plötzlich alles ins Wanken gerät. Nach dem Tod der Großmutter findet sie in deren Unterlagen Hinweise eine Großtante, von der sie bisher nichts wusste. Rose macht sich auf die Suche nach Großtante Sadie, einer begabten Künstlerin. Diese lenkt sie auch vom Medienskandal um ihren Mann ab, der ihr bisheriges Leben infrage stellt.
Judith Lennox lebt mit ihrem Mann in Cambridge. Mit ihren modernen Gesellschaftsromanen ist sie mit jedem neuen Buch auf den deutschen Bestsellerlisten zu finden. (Quelle: Klappentext)
„Das Haus der Malerin“ ist mein erster Roman von Judith Lennox. Neugierig wurde ich durch den Klappentext, denn Geschichten, die sich um Familiengeheimnisse ranken, lese ich sehr gern.
Lennox erzählt diesen Roman in einem flüssigen und gut lesbaren Schreibstil auf zwei Zeitebenen. Im Prolog, der im Jahre 1928 spielt, wird sehr schnell deutlich, warum Großmutter Edith Rose nie von ihrer Schwester Sadie erzählt hat. Abwechselnd mit den Geschehnissen Anfang der 70ger Jahre des 20.Jahrhunderts wird aus Sadies Leben berichtet. Die Charaktere hätten für meine Begriffe etwas tiefer ausgestaltet werden können. Nicht immer wird deutlich, warum sie so handeln, wie sie handeln. Gut gefallen hat mir Roses Entwicklung von der Ehefrau, die sich den Wünschen ihres Mannes unterordnet, zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau. Sie verläuft vielleicht etwas zu problemlos, steht aber hier auch nicht im Vordergrund des Romans.
Ebenfalls sehr gefallen hat mir die düstere Atmosphäre, die die Autorin in Sussex schafft. Die beiden Häuser mit ihrer sehr besonderen Architektur und der Wald, in dem sie stehen, sind wunderbar beschrieben.
Fazit: nette Unterhaltung für zwischendurch
- Heinz Strunk
Der goldene Handschuh
(308)Aktuelle Rezension von: AtschiBIch habe vor längerer Zeit den Film gesehen und er geht mir nicht aus dem Kopf. Eher angewidert von der Perversion des Frauenmörders in Hamburg, wollte ich nun doch das Buch lesen. Heinz Strunk beschreibt in bisweilen sehr derber Sprache das Leben und die Gedanken des Frauenmörders Fritz Honkas sowie das seines sozialen Umfeldes und gibt Einblicke das Leben der Familie von Dohren. Das perverse Innenleben des Protagonisten wird teilweise in äußerst vulgärer Sprache dargestellt. Das ich im Film schon abartig und ist im Buch nicht anders. Ich hatte bisweilen Probleme zwischen den verschiedenen Handlungslinien unterscheiden obwohl ich den Film kenne. Der Autor nimmt den Leser mit nach St. Pauli der 70er Jahre, in die Kneipe ‚Zum goldenen Handschuh‘, wo sich Alkoholiker, Zuhälter und Prostituierte treffen. Es ist eine beeindruckende und verstörende Darstellung eines Milieus der völligen Verwahrlosung, in dem keinerlei Hemmungen und Anstand mehr existieren. Honkas Wohnung, wo es vergammelt riecht und unsagbar dreckig ist, in eine Welt, die einem buchstäblich den Atem nimmt und einen mit Schrecken erfüllt. Die gesamte Atmosphäre im Buch erdrückend, düster, verstörend und bisweilen einfach nicht auszuhalten.
- Lydia Sandgren
Gesammelte Werke
(59)Aktuelle Rezension von: LeeLouIst es fair, als nicht schriftstellerisch tätige Person einen Debütroman zu kritisieren? Immerhin hat Lydia Sandgren 874 Seiten veröffentlicht und ich noch keine einzige.
Trotzdem: Dieser Roman mit unendlich vielen schwärmerischen Rezensionen ist überbewertet. Er stellt keine Hommage an die Literatur und Kunst dar - wieso schreiben das eigentlich immer alle? Im Roman geht es um Literatur und Kunst, das stimmt. Alle sind wahnsinnig literaturaffin oder künstlerisch oder beides. Aber praktisch nichts von dem, was den Hauptfiguren des Romans ständig in den Mund gelegt wird, besitzt Tiefe. Gespräche triefen vor pseudoklugen Stellungnahmen voller Bewertung. Das kann allerdings auch jemand sagen oder schreiben, der sich ein paar philosophische Werke mittels Blinklist und einer Google-Hintergrundrecherche reinzieht. Die meisten Dialoge werden dann auch oftmals auf locker-flockige, sehr abrupte Weise in der Luft hängengelassen. Das passiert auch bei diesen absurden und völlig nutzlosen ständigen Interviewsegmenten. Bitte, wofür?? Irgendwann hat mich das sehr genervt. Nichts wurde wirklich durchdrungen. So viele Szenen und Beschreibungen wirken vertraut, wie schon viele Male gelesen und gesehen - weil sie vor Klischees triefen. Genau so stellt man sich die Wohnung eines Künstlers vor, eine nächtliche Strassenszene in Paris, eine überarbeitete, überehrgeizige Intellektuelle in ihrer „klosterhaft anmutenden Wohnung“. Sie selbst sieht natürlich aus wie eine magere und sehr blasse russische Prinzessin im Fuchspelz. Klar.
Ich hatte als Grund für diese spürbare ständige Hohlheit zwei Szenarien im Kopf: Entweder ist Lydia Sandgren sehr klug und weitsichtig und nimmt diese ganze Szene auf die Schippe - grosse Klappe, wenig dahinter. (Natürlich sind trotzdem alle erfolgreich. Passt ja zum heutigen Zeitgeist.) Oder sie wollte unbedingt einen „grossen amerikanischen Roman“ schreiben (denn amerikanisch liest er sich), ohne selbst irgendetwas wirklich verstanden oder durchlebt zu haben. Da findet man so viel Abklatsch und leider nicht mal gut gemacht oder mit Augenzwinkern. Einfach so: Wird schon keiner merken, dass ich mich da mangels eigener Erfahrung oder nur oberflächlicher Recherche durchschummle. Sie war sehr jung beim Schreiben. Das erklärt auch, warum sich die Figuren im Lauf der Jahrzehnte kaum oder wieder sehr klischeehaft weiterentwickeln. Aus dem im Grunde seines Herzens konservativen, immer im Schatten des begabten Freundes stehenden Martin wird ein angepasster, überbehütender und zwanghafter Vater, der grosse Maler landet selbstverständlich im Suff und die schwedische Schönheit, die 5 Sprachen spricht und überhaupt alles kann, verdreht in der Fremde jüngeren Männern den Kopf, die dann natürlich einen Roman über ihr Davonlaufmuster schreiben.
Nichtsdestotrotz: Vom Schreibstil her liest sich “Gesammelte Werke“ gut. Ich mag, wie beispielsweise Roth und Franzen schreiben - und Lydia Sandgren schwimmt auf dieser Welle mit. Lang nicht so vielschichtig und smart, aber immerhin. Ausserdem mag ich Rakel, Martins Tochter, wirklich gern - wegen ihr habe ich das Buch auch zuende gelesen. Die letzten Seiten haben es dann auch geschafft, mich wirklich und tief zu berühren. „Gesammelte Werke“ ist eine Hommage, ja. An die Liebe. An ein Leben, in dem man der Liebe nicht den Stellenwert gibt, den sie verdient hat. An ein Leben, in dem man sich nicht traut, Liebe zu sein. Und: Es gibt einige Stellen, da spürt man: In der Autorin steckt mehr. Von daher wünsche ich mir in 10 Jahren wieder ein Buch von ihr.
- Kathryn Harvey
Butterfly
(84)Aktuelle Rezension von: BookObsessionIch hätte dieses Buch wahrscheinlich niemals im Buchladen gekauft, oder es auch nur angesehen, bis ich in der Bibliothek war und es zum Verkauf angeboten wurde. Ich hatte ehrlich gesagt keine großen Erwartungen, doch wie sehr wurde ich eines Besseren gelernt.
Es geht prinzipiell um mehrere, sehr verschiedene Frauen mit den unterschiedlichsten Wünschen, Zielen und Begehren. Und jede einzelne Entwicklung zur persönlichen Erfüllung ist wirklich magisch geschehen. Besonders von der Hauptperson ist die Rache an ihren Peiniger (ich will nicht zu viel spoilern) am Ende wirklich fabulös gestaltet worden. Ich glaube noch nie hab ich von solch einem Höhepunkt in der weiblichen Macht gelesen. Ich war fasziniert von den Details in den verschiedenen Leben der Frauen und einfach nur gefesselt.
Ein unfassbar gutes Buch; ich war sehr überrascht und liebe es.
- Matthias Brandt
Raumpatrouille
(125)Aktuelle Rezension von: SM1Im Erzählband "Raumpatrouille" erzählt der Schauspieler Matthias Brandt von seiner Kindheit und Jugend in den 1970er Jahren als Sohn des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt. Dabei lässt er offen, welche der 14 kurzen Geschichten sich wirklich ereignet haben und welche nicht. Einen wahren Kern dürften allerdings alle enthaltenen Texte aufweisen.
Der Autor erzählt vor allem von den Menschen in seinem Umfeld, wobei ein Wachmann die gleiche Aufmerksamkeit bekommt, wie eine ehemaliger Bundespräsident.
Mit seinem großartigen Schreibstil schafft es Matthias Brandt, eine kindliche Sichtweise einzunehmen und gerade damit die Ereignisse für jedem Leser zum Leben zu erwecken.
- Christian Kässmayer
Bruno: Das Böse aus der Kleinstadt
(30)Aktuelle Rezension von: quer_shelf_einInhalt: Das Dorf in welchem Konstantin und seinen Freunden leben wird von einer mysteriösen Mordserien an Kindern erschüttert, welche stets ohne Augen aufgefunden werden.
Die Freunde lassen sich davon jedoch nicht abschrecken und beschließen ihre letzten gemeinsamen Sommerferien mit einem Zeltwochenende an einem abgelegenen See einzuleiten. Dieses wird jedoch schnell zum Albtraum... ein versteckter Bunker, eine Auseinandersetzung mit dem Schul-Bully, ein Revolver und eine tote Frau und als ob das noch nicht genug ist, gibt es da noch Bruno, der plötzlich die Träume der Freunde heimsucht.
Meinung: Hier wurde sich seeeehr stark von Stephen King's "ES" orientiert: Eine Gruppe Jungs die das neu zugezogene Mädchen in ihre Clique mit aufnehmen, der gewaltbereite Bully, welcher schlussendlich vom Monster rekrutiert/besessen wird, grausige Halluzinationen und Albträume, welche die Freunde heimsuchen und sogar die gruselige alte Frau in ihrem Haus ist dabei.
Die Figuren der Freunde sind mir persönlich an vielen Stellen zu überspitzt und ich habe sie beim Lesen eher als 16 Teenager, statt als 13 Jährige Kinder gesehen. Auch die selbstverständliche häusliche Gewalt und zu körperlicher Gewalt führende Schikane durch Lehrer fand' ich etwas too much.
Einige Ideen haben mir zwar gut gefallen aber irgendwie scheint einfach alles eine Spur drüber. - Lisa Sandlin
Ein Job für Delpha
(7)Aktuelle Rezension von: SalanderLisbeth„Von den Leuten, mit denen ich seit Neuestem zu tun habe, Mr. Phelan, wissen Sie, Joe Ford, Miss Doris und Calinda Blanchard, dass ich im Gefängnis gewesen bin. … Wenn Sie etwas wissen wollen, in dem ich mich dank meiner Vergangenheit auskenne, fragen Sie mich das bitte direkt. Ich werde es Ihnen sagen. Eiern Sie nicht herum, als wollten Sie mir sagen, dass man meinen Schlüpfer sehen kann.“ (Auszug Seite 136)
Einen Job braucht Delpha Wade unbedingt. Sie ist Anfang 30, als sie in Texas auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wird. 14 Jahre hat sie wegen Totschlag gesessen und jetzt will sie unbedingt wieder Fuß fassen und ihren Platz in der Gesellschaft finden. Als Leser begleiten wir sie auf ihren ersten, unsicheren Schritten bei der Wohnungs- und Jobsuche. Sie findet ein Zimmer in einem heruntergekommenen Seniorenwohnheim, dass sie kostenlos bewohnen darf, wenn sie sich dafür abends und am Wochenende um die pflegebedürftige Tante der Hotelleiterin kümmert.
Eine neu gegründete Detektei
Ihr Bewährungshelfer verschafft ihr ein Bewerbungsgespräch als Sekretärin in der neu gegründeten Detektei von Tom Phelan. Nachdem der 29-Jährige Phelan bei der Arbeit auf einer Bohrinsel im Golf von Mexiko einen Mittelfinger verloren hat, macht er sich, obwohl total unerfahren als Privatdetektiv selbständig. Tom geht hier nicht besonders strukturiert vor, aber er ist ein gutmütiger Kerl und schnell stellt sich heraus, dass Delpha, der er eine Chance gibt, für ihn ein echter Glücksgriff ist. Mit ihrer Menschenkenntnis, Klugheit und dem ihr eigenen Pragmatismus kümmert sie sich um alles, was so anfällt und macht sich damit in kürzester Zeit unentbehrlich.Anfänglich hat Phelan Investigations mit Routineaufträgen zu tun. Ein verschwundener Junge, der in schlechte Gesellschaft geraten ist, ein nerviger Hund, der die ganze Nachbarschaft terrorisiert, ein Beinamputierter, dessen Schwester seine Prothese als Geisel genommen hat und auch der Klassiker darf nicht fehlen: Eine betrogene Ehefrau, die Bilder von ihrem Ehemann in Flagranti bestellt. Erst im letzten Drittel der Geschichte verdichten sich die bis dahin scheinbar belanglosen Geschehnisse zu einem brisanten Kriminalfall. Alles hängt irgendwie zusammen und Delpha und Tom haben es auf einmal mit Patentraub, Industriespionage und einem Serienkiller zu tun, der Delpha in tödliche Gefahr bringt. Sie bekommt auch noch die Chance auf Rache, denn sie begegnet dem Mann, der sie einst durch eine Falschaussage ins Gefängnis brachte.
Die 70er Jahre
Es sind die 70er Jahre, Creedence Clearwater Revival klingt aus dem Radio und die Menschen verfolgen Nixons Anhörungen im Watergate Skandal im Fernsehen. Mich hat tatsächlich das wunderschön gestaltete Cover gelockt sowie Delphas interessante Hintergrundgeschichte, mit der das Leben bisher nicht grade fair umgegangen ist, die ich aber hier nicht spoilern möchte. Zu Beginn hatte ich leichte Schwierigkeiten in die Geschichte reinzukommen. Lisa Sandlin hält sich nicht mit großen Erklärungen auf, sondern glänzt durch einen episodenhaften Erzählstil, bei dem mir zumindest anfänglich der umfassende Zusammenhang fehlte. Vieles war mir am Anfang zu unüberschaubar und ich suchte irritiert den roten Faden. Ich musste mich erst an den ambitionierten Schreibstil gewöhnen, der besonders in den Dialogen oft schräg und witzig ist. Aber ich war von den ersten Seiten fasziniert, mitzuerleben, wie Delpha Wade sich in ihr neues, selbstbestimmtes Leben mit den noch ungewohnten Möglichkeiten eingewöhnt.Meine Meinung
Sandlin beschreibt sehr einfühlsam und mit großer Wärme wie unsere Protagonistin jede neue Erfahrung in Freiheit erlebt und sei es nur ihre Freude über ein eigenes Zimmer zum Abschließen. Sie ist ein ruhiger und zurückhaltender Mensch, will nichts falsch machen oder auffallen und sich an die Bewährungsauflagen halten. Sie ist auch smart und lebenshungrig und man freut sich mit ihr über die Affäre mit einem 20-jährigen College-Studenten. Sandlin hat ein Händchen für die Atmosphäre der 70er Jahre im südöstlichen Beaumont in Texas. Ihre Milieuschilderungen sind sehr stimmig und sie entwirft großartige Sprachbilder. Besonders sinnlich und wunderschön beschrieben fand ich einen Ausflug ans Meer, den Delpha mit ihrem jungen Freund unternimmt.
Die Fälle der Detektei, die ja erst mal unspektakulär sind, werden logischerweise sehr kleinteilig beschrieben, was dem ganzen Roman aber eine große Gelassenheit gibt. Dann werden aber mit überraschender Lässigkeit alle Teile zusammen geknüpft und Tom und Delpha kommen einer großen Verschwörung auf die Spur. Vieles hängt doch noch miteinander zusammen und das ist eigentlich sehr gut konstruiert. Ein ganz besonderer, literarischer Kriminalroman um zwei Außenseiter in Texas.
Die Autorin
Die amerikanische Autorin Lisa Sandlin schrieb ihr Romandebüt mit 64, vorher war sie mit Kurzgeschichten und Essays hervorgetreten. Die Professorin stammt aus Beaumont, Texas und lehrte an der Universität von Omaha/Nebraska Creative Writing. Heute lebt sie in Santa Fe, New Mexico, wo sie Schreiben unterrichtet. „Ein Job für Delpha“ wurde mit dem Hammett Prize und dem Shamus Award 2016 ausgezeichnet. 2020 ist der Folgeband „Family Business“ erschienen und ich würde gerne Delpha und Tom auf ihrem Weg weiter verfolgen. - Katharina Fuchs
Unser kostbares Leben
(160)Aktuelle Rezension von: Painiapulu,,Unser kostbares Leben" war mein drittes Buch von Katharina Fuchs. Von ,,Zwei Handvoll Leben" und ,,Neuleben" war ich hellauf begeistert, leider konnte ich mich mit ,,Unser kostbares Leben" nicht ganz so anfreunden.
Dieses Mal hatte ich Schwierigkeiten, mit den Charakteren warm zu werden und brauchte generell viel Zeit, um mich einzulesen. Minka und Caro sowie deren Familien verwechselte ich immer wieder, wodurch ich einige Passagen oft nochmal lesen musste. Die Politik und die Rivalität zwischen SPD und CDU nahm für meinen Geschmack in diesem Roman zu viel Raum ein - was sicher spannend sein mag, wenn man ein vertiefendes Interesse für diese Themen mitbringt. Ich persönlich fand dadurch einige Kapitel sehr trocken und zäh zu lesen, die Spannung hat mir hier gefehlt.
Sehr interessant hingegen fand ich jene Handlungsstränge, die die Themen Umweltschutz, Tierversuche und Medikamentenmissbrauch an Minderjährigen behandelten. Hier pausierte ich auch immer mal wieder und googelte aus Interesse im Buch beschriebene Begriffe oder Ereignisse.
Ab dem letzten Drittel des Buches, als sich einige Situationen zuspitzten und die Handlung etwas Fahrt aufnahm, war mehr Spannung vorhanden und ich wollte gerne wissen, wie es endet. Bis dorthin musste ich mich aber etwas durchbeißen, was ich mir von einem Buch eben nicht erwünsche. Daher 3 / 5 ⭐. Da ich die Autorin und ihren Schreibstil aber grundsätzlich sehr gerne mag, werde ich ,,Lebenssekunden" zu gegebener Zeit auf jeden Fall eine Chance geben.
- Bianca Marais
Summ, wenn du das Lied nicht kennst
(81)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderRobin ist erst neun Jahre alt und verliert ihre Familie bei den Aufständen in Soweto und ist dann 1976 ganz allein. Zuerst wächst sie bei der Tante auf, aber diese fühlt sich schnell überfordert mit den Bedürfnissen. Beauty tritt so in das Leben von Robin. Sie sucht während des Schüleraufstands ihr Kind, aber findet es nicht und ist mehr als verzweifelt. Als Schwarze hat sie nicht so viele Rechte und findet Arbeit und kümmert sich dann um Robin. Eine ganz besondere Bindung entsteht hier und wird doch auf eine harte Probe gestellt. Die Geschichte ist so fesselnd, berührend und begeistert auch und erzählt von zwei starken Frauen unterschiedlichen Alters. Man erfährt viel von der Geschichte und erlebt Verlust und Leid, genauso wie Liebe und Kraft. Ich kann das Buch nur empfehlen.
- Philippe Grimbert
Ein besonderer Junge
(22)Aktuelle Rezension von: UlenfluchtWir leben in einem Zeitalter des Wissens und verstehen doch immer weniger. Das ist einer der Gedanken, den einen dieser Roman einbringt. Für jede Abweichung von der Norm kennen Psychologie und Medizin einen Namen. Vorbei sind die Zeiten, in denen ein Kind als wild galt oder als schlichtes Gemüt. Heute ist es hyperaktiv oder geistig behindert. Philippe Grimbert führt uns zurück in die Siebziger und zeichnet in wenigen Worten und Szenen das Porträt dreier Personen, die fehl am Platz sind in ihrer Zeit und die alle drei mit ihrer Einsamkeit kämpfen.
Der Ich-Erzähler Louis fährt zurück an den Urlaubsort seiner Kindheit in der Normandie, wo er einen Stundenjob annimmt, der sein Leben für immer verändert: Er betreut einen entwicklungsverzögerten, verschlossenen Jugendlichen ohne Sprache, ohne Zukunft. Seine Mutter schreibt erotische Literatur und sehnt sich ebenso nach Zuneigung. Eine explosive Mischung, die den Protagonisten erst überfordert und der dann doch einen Draht zu ihnen findet, sich öffnet und dadurch auch seine eigene Kindheit verarbeitet. Denn der Badeort trägt auch noch die Erinnerung an einen tragischen Verlust in sich und die Frage nach der Schuld eines Kindes.
Große Themen, die nicht ausführlich behandelt, sondern nur angeschnitten werden und so den Kopf des Lesers die meiste Arbeit machen lassen. Mit einer melancholischen Leichtigkeit verquickt der Autor in diesem schmalen Bändchen die Leben dreier Einsamen und knüpft verblüffende und zarte Verbindungen unter ihnen. Der Protagonist erkennt sich ausgerechnet in diesem „besonderen“ Jungen wieder, der so die Essenz seiner selbst verkörpert und gleichzeitig für die Wiedergutmachung der Tragödie seiner Kindheit steht. So ist Ein besonderer Junge ein schöner, zarter Roman, der zum Nachdenken über Einsamkeit, Respekt und das Anderssein anregt.
- Matthias Matschke
Falschgeld
(25)Aktuelle Rezension von: JorokaDer Autor schreibt über seine Kindheit und Jugend bis einschließlich seines 20. Lebensjahrs. Er ist tatsächlich in der Nähe von Darmstadt in einem kleinen Dorf aufgewachsen, am Rande des Odenwalds. Doch die Handlung stimmt nicht mit den sonstigen Lebensdaten, die man auf Wikipedia lesen kann, überein. So liegt hier wohl eine teil-fiktive Autobiografie vor.
Ich habe mich für das Hörbuch, vom Autor selbst gelesen, entschieden. Es ist eine ungekürzte Fassung mit fast 7 Stunden Laufzeit. Schnell bin ich darüber gestolpert, wie er im Verlauf immer wieder betont: Ich bin Matthias Matschke, als ob sich dessen beständig selbst versichern müsste. Ganz am Ende ergab das für mich aber auch einen Sinn.
Da ich selbst in Darmstadt wohne, war es für mich auch eine Reise zu bekannten Orten, wie z.B. zum Café Chaos, das es heute noch gibt, doch in einer Zeit, zu der ich noch nicht in Darmstadt gelebt habe.
Der Autor schaffte es, mich tief zu berühren. Dabei war es zweitrangig, dass er sich den Handlungsverlauf ausgedacht hat. Im Verlauf kommen dabei nicht nur die Sonnenseiten des Lebens zur Sprache.
Matthias Matschke verstand es, mich mit seiner Sprache und mit seiner Stimme einzufangen.
Fazit: Wurde positiv überrascht























