Bücher mit dem Tag "70er"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "70er" gekennzeichnet haben.

124 Bücher

  1. Cover des Buches Marina (ISBN: 9783596512768)
    Carlos Ruiz Zafón

    Marina

     (796)
    Aktuelle Rezension von: lyla_2912

    *Marina* von Carlos Ruiz Zafon hat mir als Taschenbuch richtig gut gefallen. 

    Aus der Sicht des Jungen Oscar wird eine Geschichte erzählt, die genauso eine Fantasie, wie Wirklichkeit sein könnte. Er streift durch ein verlassenes Villenviertel und findet eine Uhr. Kurz darauf ist er sich sicher, dass ihm Geister folgen und er begibt sich erneut dort hin, um die Uhr zurückzulegen. Er trifft unverhofft auf Marina, die in einem scheinbar verlassenen Haus mit ihrem Vater lebt und erfährt von ihrer Geschichte. 

    Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben und wenn es einem als Leser*in gelingt, sich in die fantasievollen Wirrungen einzulassen, entsteht ein unwirkliches dunkles Bild, das ebenso faszinierend wie erschreckend ist. 

    Ich habe den Roman verschlungen, da ich unbedingt erfahren wollte, was es mit Marina und ihrer Geschichte auf sich hat. 

    Zum Schluss war ich mir genau wie Oscar nicht ganz sicher, ob alles nur ein Traum gewesen ist, so sehr bin ich versunken in dieser unwirklichen Wirklichkeit. 


  2. Cover des Buches Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (ISBN: 9783551359414)
    Christiane F.

    Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

     (2.264)
    Aktuelle Rezension von: Aurora-C

    Dieses Buch sollte von jedem gelesen werden, vor allem von Jugendlichen.

    Man kann Christianes Absturz in die Drogenabhängigkeit durch ihr von Anfang an zerrüttetes Familienverhältnis miterleben. Schon mit 13 fängt sie an, Drogen zu nehmen und irgendwann landet sie dann sogar beim Heroin. Es ist ziemlich krass, dass sie und ihre „Freunde“ schon so früh in diese Szene abgerutscht sind.

    Das Buch und Christianes Lebensgeschichte wurde nach Tonbandaufnahmen der damals 15-Jährigen geschrieben, weshalb die Sprache auch sehr einfach gehalten ist. Die Geschichte wird nicht langweilig und eintönig, immer passiert etwas anderes.
    Durch diese Lektüre hat man einen guten Einblick auf das Leben eines Drogenabhängigen und die ganzen Gefahren, die so ein Leben mit sich bringt. Der Film hat mich etwas mehr von der Droge abgeschreckt, als das Buch, trotzdem hatte es auch seine Wirkung.

    Authentisch und nach einer wahren Geschichte. Ich empfehle dieses Buch auf jeden Fall weiter!

  3. Cover des Buches Die Frau des Zeitreisenden (ISBN: 9783596163908)
    Audrey Niffenegger

    Die Frau des Zeitreisenden

     (4.365)
    Aktuelle Rezension von: MelLila

    Das Buch war richtig richtig gut! Wenn man auf Zeitreisend und Kitsch steht, so wie ich. Mit den Zeitsprüngen und Überschneidungen bin ich nicht immer mitgekommen und hab auch oft hin und her geblättert, aber das macht nichts. Der Klappentext hält, was er verspricht! Absolute Leseempfehlung!

  4. Cover des Buches Mädchen, Frau etc. - Booker Prize 2019 (ISBN: 9783608504842)
    Bernardine Evaristo

    Mädchen, Frau etc. - Booker Prize 2019

     (129)
    Aktuelle Rezension von: Elenchen_h

    In besonderer Form, mit großer Vielfalt und sprachlicher Wucht kommt Bernardine Evaristos Roman "Mädchen, Frau etc." daher, in den ich mich von der ersten Seite an verliebt habe. Eingerahmt in einen Theaterpremiere-Abend am National Theater in London erzählt die Autorin die Geschichte von zwölf Frauen und non-binären Personen, die mal mehr, mal weniger miteinander verwoben sind. Jeder Protagonist*in widmet sie in vier Kapiteln einen eigenen Abschnitt, davor oder danach hört man gegebenenfalls nur noch durch andere Perspektiven hindurch von ihnen. In meinen Augen ein absolut genialer Schachzug, bedeutet diese Art des Geschichtenerzählens doch, dass jede Person auch mit einer gewissen Distanz und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden darf.


    Die Figuren sind BIPoC, häufig queer, haben verschiedenste Lebewege eingeschlagen und befinden sich an den unterschiedlichsten Punkten in ihrem Leben. Von Jugendlichen bis älteren Personen gibt Bernardine Evaristo jeder Generation eine Stimme, was mir besonders gut gefallen hat. Nicht jeder Erzählstrang war für mich gleich interessant, nicht alle Protagonist*innen mochte ich, doch gefesselt war ich an jedem Punkt im Buch, was sicherlich auch an dem außergewöhnlichen Schreibstil der Autorin liegt, fantastisch übersetzt von Tanja Handels. Der Roman kommt weitestgehend ohne Satzzeichen aus, was hier sehr gut für mich funktioniert hat und meinen Fokus oft auf besondere Themen und Worte gelegt hat.


    Bernardine Evaristo schafft eine meisterliche literarische Auseinandersetzung mit der Liebe, Lebensträumen und -entwürfen, Rassismus, Herkunft, Feminismus, toxischen Beziehungen, Queerfeindlichkeit - ja dem Leben an sich. Ein Buch, das sich auch nach dem Zuklappen oft in meine Gedanken schleicht und das mich nachhaltig beeindruckt hat. Außergewöhnlich in jeglicher Hinsicht!

  5. Cover des Buches Daisy Jones and The Six (ISBN: 9783550200779)
    Taylor Jenkins Reid

    Daisy Jones and The Six

     (153)
    Aktuelle Rezension von: blerta

    Daisy Jones ist jung, schön und hat eine tolle Stimme. Als sie zum ersten Mal mit The Six auftritt, ist das Publikum von ihr und dem Leadsänger Billy verzaubert. Was sie nicht wissen: Nicht nur auf der Bühne sprühen die Funken …

    Als ich das Buch zuerst zu lesen begann, war ich verwirrt und überrascht. Zum einen dachte ich, das Buch sei wirklich eine Art Biografie, bis ich nach einer kurzen Recherche herausfand, dass es doch nur Fiktion war. Und zum anderen dachte ich mir: Zieht sich das mit dem Interviewformat durch das gesamte Buch?

    Ja, das tut es. Und es gehört zu den originellsten Geschichten, die ich je gelesen habe.

    Man lernt die Charaktere nicht unbedingt durch ihre Handlungen und Gedanken kennen, sondern mehr aus Erzählungen, aus der Art wie sie ihre Sätze formulieren, auf was sie Wert legen. Aber vor allem auch, wie andere auf sie zu sprechen sind. Alle Personen in dieser Geschichte sind so wahnsinnig authentisch, weil sie einfach reden. Manchmal sagt man Dinge, die man nicht sagen sollte, manchmal behält man Entscheidendes für sich. Das ist das, was auch sofort Spannung in der Geschichte aufgebaut hat. Etwas lag in der Luft, um das irgendwie alle herumredeten.

    Daisy Jones hat Vieles durchgemacht – was man ihr auch anmerkt. Trotzdem erzählt sie ihre Lebensgeschichte nicht einfach so. Sie macht Witze an Stellen, die ihr unangenehm sind, braucht Füllwörter, wenn sie ein Thema ganz schnell hinter sich bringen möchte. So ergeht es auch den Mitgliedern von The Six. Ich habe ihnen alles geglaubt und tauchte für einige Momente in ihr Bandleben ein.

    Als es auf das Finale zuging, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Diese Nervosität, die von allen ausging, war kräftezerrend. Es wirkte so, als flüsterten sie die Worte der Interviewerin zu. Ich kann nicht aufhören zu betonen, wie echt alles gewirkt hat.

    Zum Schreibstil kann ich also nicht allzu viel sagen, weil einfach jede Figur ihrer Sprache entsprechend geredet hat, was ich sehr bewundere. Auch wenn die Orte nur aus ihren Erzählungen entstanden, kam Atmosphäre auf: Ich konnte mir die Bühne vorstellen, vor der Tausende Menschen jubelten und kreischten. Ich konnte mir den unordentlichen Tourbus vorstellen – einfach unglaublich.

    Die Gefühle erreichten mich: Die Trauer und Verzweiflung oder auch die Aufregung und Nervosität. Es war emotional – die schönen und traurigen Momente des Bandlebens wurden hier aufgezeigt.

    Diese Geschichte war abwechslungsreich, originell und einfach nur toll!

    Fazit
    Dieses Buch begeistert mit der originellen Idee und der unglaublichen Umsetzung dieser. Während der Interviews beweist die Autorin, dass jede Figur ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Ansichten und ihre eigene Erzählweise hat, sodass man als Leser:in gar nicht anders kann, als sich zu fragen, ob diese Personen nicht doch existiert haben. Dazu kommt, dass so viel Leidenschaft und Emotionen in der Geschichte sind, dass man sie einfach nicht aus der Hand legen kann.

  6. Cover des Buches In meinem Himmel (ISBN: 9783442458363)
    Alice Sebold

    In meinem Himmel

     (800)
    Aktuelle Rezension von: Vespasia

    Susie Salmon ist vierzehn, als sie vergewaltigt und ermordet wird. Doch damit ist ihre Existenz nicht vorbei: aus ihrem Himmel kann sie sehen, wie ihre Familie und ihre Freunde weiterleben, um sie trauern, nach ihrem Mörder suchen und älter werden.

    Der Fokus liegt hierbei auf dem Umgang damit, wenn jemand stirbt, mitten aus dem Leben gerissen wird und unwiederbringlich weg ist. Was passiert mit einer Familie, wenn eine Tochter stirbt? Was ist mit den Freunden, die zurückgelassen werden? Alice Sebold beschreibt sehr einfühlsam, wie das Leben für eine Weile stillzustehen bleibt und schließlich irgendwann weitergeht. Gleichzeitig ist da natürlich noch Susie, die vom Himmel aus zuschaut und nicht eingreifen kann, sehen kann, wie ihre Geschwister erwachsen werden und ihre Eltern mit ihrem Tod zu kämpfen haben. Jeder trauert unterschiedlich, sowohl die Lebenden, als auch die Toten. Gleichzeitig sieht man, dass die Toten einen immer begleiten, nie vergessen werden.

    An einigen Stellen zog sich die Geschichte ein wenig, das wäre eigentlich aber auch mein einziger Kritikpunkt. Der Schreibstil hat mir gefallen, die Geschichte und die Charaktere haben mich überzeugt und ich bin mir sicher, dass ich das Buch nicht so schnell vergessen werde. Die Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren, Sebold beschreibt hier sehr genau, realistisch und berührend. Das Thema ist natürlich nicht einfach, ab und an fällt die Lektüre daher vielleicht auch schwer (gerade die Beschreibung der Tat lässt es einem kalt den Rücken runterlaufen), aber ich finde, die Autorin hat hier wirklich gute Arbeit geleistet.

    Fazit: Kein einfaches Thema – und dazu ein sehr gutes Buch, dass einfühlsam und realistisch damit umgeht.

  7. Cover des Buches Die verlorene Ehre der Katharina Blum (ISBN: 9783462031454)
    Heinrich Böll

    Die verlorene Ehre der Katharina Blum

     (833)
    Aktuelle Rezension von: Der_Buchklub

    Zur vollständigen Buchbesprechung in unserem Podcast geht es hier: https://buchklub.podbean.com/e/heinrich-boll-die-verlorene-ehre-der-katharina-blum/

    Vorsicht, Spoiler!

  8. Cover des Buches Weihnachtsglitzern (ISBN: 9783596198078)
    Mary Kay Andrews

    Weihnachtsglitzern

     (200)
    Aktuelle Rezension von: claudias_buecherwelt

    Das Cover, der Klappentext und die Kategorie sagen eigentlich" schnulzig" und " Happy End". Letzteres stimmt, aber schnulzig ist die Story nicht. Okay, am Happy End ist "Heile Welt" angesagt, aber das gehört sich nun mal für ein Weihnachtsbuch. Der Weg dort hin ist flüssig geschrieben, unterhaltsam und humorvoll. Gewürzt mit etwas Spannung durch seltsame Vorfälle, eine Prise Nachdenklichkeit und Vorfreude. Ein Buch für herrlich entspannte Stunden. Sehr gut gefiel mir das Nachwort der Autorin, worin sie die Hintergründe zum Buch, die Weihnachts - Playlist und Rezepte für weihnachtliche Cocktails packt.

  9. Cover des Buches Honig (ISBN: 9783257243048)
    Ian McEwan

    Honig

     (128)
    Aktuelle Rezension von: Stephanus

    In den 1970er Jahre geht die junge Serena Frome zum britischen Geheimdienst, weil ihr Liebhaber diese Arbeit ihr schmackhaft machen kann und sie selbst nicht so richtig weiß, was sie nach ihrem Studium, eigentlich machen soll. Weil sie gerne liest wird Serena auf eine literarische Mission geschickt. Sie soll ein Projekt betreuen, das Autoren unterstützt, die dann unbewusst positiv über die Demokratie und den Kapitalismus schreiben und den Kommunismus ablehnen. Sie verliebt sich dabei in den Autor, den sie betreut und findet heraus, dass ihr ehemaliger Liebhaber offenbar ein Verräter war. Immer tiefer in der verbotenen Liebe zum Autor gefangen wird das Erstlingswerk des Autors ein Erfolg, gleichzeitig kommt die Unterstützung durch den Geheimdienst ans Licht. Serena will alles gestehen und liest das neue Manuskript und muss dabei feststellen, dass nicht sie den Autor beobachtete, sondern dieser sie und letztlich alle Informationen sich bereits zusammengetragen hat.

    McEwan kann mit seiner Sprache und seinem Schreibstil wieder einmal überzeugen und widmet sich einer Geschichte aus Liebe, Spionage und Spannung. Die Geschichte ist zwar gut erzählt, konnte mich dieses Mal aber nicht überzeugen. Das Thema franst aus und es werden zu viele Nebenpersonen installiert. Das Ende ist überraschend, aber gut passend. Eine Auflösung ist das Ende aber nicht. Ein gutes Buch mit einigen Schwächen. Nicht das beste Buch von McEwan.

  10. Cover des Buches Der große Sommer (ISBN: 9783832166434)
    Ewald Arenz

    Der große Sommer

     (290)
    Aktuelle Rezension von: Huette

    Ach ja, diese Sommer der Siebziger, Achtziger. Als wir uns noch gegenseitig zum Spielen abholten und einfach klingelten. Kein Facetime, kein Tinder, man ging noch zusammen. Auch ins Freibad, an die Luft, am Kiosk Eis oder Bier kaufen, sich draußen treiben lassen. Es ist das Kleinstadtleben dieser Zeit, das in „Der große Sommer" lebendig wird. Aber dann auch wieder das ganz individuelle Erleben des Erzählers, der in einer interessanten Familie aufwächst und Probleme in der Schule hat. Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und ganz eigen. Die Erzählstimme jung, aber auch melancholisch. Die Sprache authentisch. Was Frieder erlebt, ist einzigartig und doch kann sich wohl jeder oder jede, der/die in dieser Zeit jung war, sofort wiederfinden. Ich sah jedenfalls alles vor mir, roch das Chlor im Freibad, das Pommesfett, die Sonnencreme, habe mich mitgefreut, mitgefühlt, gefiebert und gelitten. Ein wunderbares Buch über das Erwachsenwerden. Über die Zeit der ersten Male – eingefangen in einem großen Sommer. Danke an den Autor.

  11. Cover des Buches Die Welt war so groß (ISBN: 9783548290256)
    Rona Jaffe

    Die Welt war so groß

     (51)
    Aktuelle Rezension von: lisbethsalander2102

    Durch eine "Gemeinsam Lesen Runde" auf einem anderen Portal war ich auf dieses Buch gestoßen, worüber ich sehr froh bin, sonst hätten wir vielleicht nicht zueinander gefunden, diese wunderbare Geschichte rund um vier junge Frauen, die rein zufällig in den 50iger Jahren aufeinander treffen, weil sie alle das legendäre Radcliffe College besuchen, nebenbei bemerkt das weibliche Pendant zum Harvard, das vielleicht besser bekannt ist. Daphne, Emily, Annabel und Chris sind vom Wesen her recht unterschiedlich, und doch verbindet sie eins: als Frauen haben sie während des Collegebesuches eigentlich nur ein Ziel, nämlich den richtigen Mann zu finden, der sie heiratet, also eine möglichst gute Partie zu machen. Das Erlangen von Bildung ist dabei sekundär. Mich hat das irgendwie sehr geschockt, wie die Mädchen ihre eigene Verwirklichung in den Hintergrund stellen, sich dadurch teilweise unglücklich machen durch ihre vollkommene Fixierung auf den Mann an ihrer Seite, quasi Kinder, Kirche, Küche. Die Wege der Frauen, vor allem auch nach der Absolvierung des Colleges, gehen weit auseinader, sind verschieden, final treffen sich dann alle beim 20jährigen Klassentreffen wieder. Wir Leser begleiten die vier die Jahre hindurch, erleben wichtige Eckpfeiler in deren Leben, ihre Liebesgeschichten, ihre Kinder, Anekdoten, Intrigen, alles, was einen guten Roman eben so ausmacht. Die Autorin hat einen sehr flüssigen angenehmen Schreibstil, sie schildert ihre Charaktere sehr authentisch,  ich konnte mir die vier Protagonistinnen daher bildlich vorstellen. Insgesamt habe ich mich blendend unterhalten gefühlt und freue mich jetzt in meiner "Gemeinsam Lesen Runde" auf die Fortsetzung, die wir gerade anfangen.    

  12. Cover des Buches Das alte Kind (ISBN: 9783404164431)
    Zoe Beck

    Das alte Kind

     (243)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    Wegen einer Gürtelrose muss Carla Arnim zeitweise von ihrer sechs Monate alten Tochter Felicitas getrennt werden, um diese vor einer Ansteckung zu schützen. Als Carla ihr Baby im Krankenhaus wieder bekommt, ist sie der Meinung, dass es sich nicht um ihre Tochter handelt und diese vertauscht sein muss. Verzweifelt wendet sie sich an das Krankenhauspersonal und die Polizei, aber nicht einmal ihr Ehemann möchte ihr glauben. Carla erkennt das Mädchen nicht an und wird in einer psychiatrischen Klinik behandelt. Die Ehe zerbricht an ihren Zweifeln und auch sie selbst - eine Frau aus der Berliner Oberschicht und bekannte Kunstauktionatorin - geht daran zugrunde. 

    30 Jahre später wacht Fiona Hayward in Edinburgh mit aufgeschnittenen Pulsadern in ihrer Badewanne auf und kann sich an nichts erinnern. Sie beteuert, dass es sich nicht um einen Selbstmordversuch gehandelt hat, sondern dass vielmehr jemand versucht haben muss, sie zu töten. Bei der Vorbereitung einer Bluttransfusion wird festgestellt, dass Fiona nicht die Tochter ihres Vaters sein kann. Sie recherchiert zusammen mit einem befreundeten Journalisten weiter und stößt auf ein unglaubliches Familiengeheimnis, das sie erneut an Leib und Leben gefährdet. 

    "Das alte Kind" ist weniger ein Thriller, jedoch ein spannendes Familiendrama. 

    Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und schildert in der Vergangenheit, der Jahre ab 1978, die verzweifelte Suche einer Mutter nach ihrem Kind, wobei diese als depressiv und letztlich medial wirksam verrückt dargestellt wird. Besonders tragisch ist zudem, dass das Mädchen, das der Familie angeblich untergeschoben wurde, einen Gendefekt keine lange Lebenserwartung hat. 

    In der Gegenwart, über 30 Jahre später, findet Fiona heraus, dass sie all die Jahre von ihren Eltern, insbesondere von ihrer bereits verstorbenen Mutter, belogen wurde. Zudem verhält sich ihre Mitbewohnerin Moràg, die Fiona schamlos imitiert, immer seltsamer und Fiona sieht sich weiteren Bedrohungen ausgesetzt.  

    Zu Beginn kann man Carla und Fiona nicht einschätzen, da beide psychisch auffällig sind. Durch den Wechsel der Perspektiven kann man sich jedoch gut in beide, nicht unbedingt sympathische Frauen, hineinversetzen und ahnt frühzeitig, was in der Vergangenheit vorgefallen sein muss. Wie aber letztlich alle Handlungsstränge und Personenbeziehungen zusammenhängen und warum Fiona so massiv bedroht wird, entwickelt sich erst durch das parallel verlaufende Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart und bleibt bis zum Ende spannend dargestellt. 

    Auch wenn der Nervenkitzel ausblieb und die Geschichte nur ganz am Schluss wie ein Thriller anmutete, ist es eine fesselnde und vor allem erschütternde Geschichte um Mutterschaft, die Suche nach den eigenen Wurzeln, Genetik und Embryonenforschung, die zeigt, wozu Menschen fähig sind, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. 

  13. Cover des Buches Immer für dich da (ISBN: 9783548281063)
    Kristin Hannah

    Immer für dich da

     (77)
    Aktuelle Rezension von: tinstamp
    Darum geht's:
    Tully und Kate sind die allerbesten Freundinnen und nichts kann sie trennen. Über Jahrzehnte bleibt ihre Freundschaft aufrecht, jedoch würde jede gerne das Leben der Anderen führen. Bis es das Schicksal alles andere als gut mit den zwei Frauen meint....

    Meine Meinung:
    Es fällt mir diesmal ein bisschen schwer diesen Roman zu bewerten, nachdem mich "Wie Blüten im Wind" wirklich absolut begeistert hat. Umso mehr freute ich mich auf "Immer für dich da".
    Zu Beginn hatte ich jedoch ein bisschen das Gefühl eine ähnliche Geschichte zu lesen. Auch hier geht es um zwei junge Mädchen, Freundinnen, die aus verschiedenen Gesellschaftsschichten kommen und die versuchen ihr Leben auf ihre eigene Art zu meistern. Doch nach den anfänglichen Ähnlichkeiten änderte sich der Inhalt doch in eine ganz andere Richtung...

    Der Roman spielt in den 1970-ern und spiegelt sich hier in Modefragen, Musik und dem allgemeinen Hippiekult wider, was mir sehr gut gefallen hat. Während Kate behütet in ihrer Familie aufwächst, hat Tully eine drogensüchtige Hippiemutter, die sie als Baby bei der Großmutter abgegeben hat. Diese kümmert sich zwar liebevoll um sie, doch Tully hungert ihr ganzes Leben lang nach der Liebe ihrer Mutter. Dieses Thema ist in der Geschichte ebenso ein großes Thema, wie die Freundschaft zwischen den Mädchen, die sich über Jahrzehnte hält. Diese Verbundenheit beginnt im Teenageralter und ist sehr stark; so dass die Beiden nur mehr als "Die Mädels aus der Firefly Lane" genannt werden. Meiner Meinung aber besteht diese Freundschaft auch aus einer Art Abhängigkeit

    "Nur herumzusitzen und darauf zu warten, dass jemand anderer das eigene Leben ändert, ist nie eine gute Idee"     - Seite 29

    Obwohl Tully immer darunter leidet, dass ihre Mutter sie nie haben wollte, lernt sie von früh an auf eigenen Füßen zu stehen und sich zu behaupten. Kate hingegen bewundert die modische, selbstbewusste und hübsche Freundin, die jede Menge Freunde hat und immer im Mittelpunkt steht. Gerne wäre auch Kate so selbstbewusst wie Tully. Diese wiederum beneidet Kate um ihre Familie, die sie aber auch sehr schnell wie ein Familienmitglied behandelt. So entsteht neben der Freundschaft eine kleine Rivalität und auch eine Abhängigkeit zueinander.
    Tully wird erfolgreich im Beruf, während Kate sich nach dem Studium ihrer Familie widmet. Durch die verschiedenen Sichtweisen, die im Buch durch den Wechsel der Erzählperspektive gut dargestellt wird, sieht man recht deutlich, wie unterschiedlich sich die beiden Frauen entwickeln und fühlen, denn für die jeweilige Freundin sieht es so aus,  als hätte die andere das Glück gefunden. In Wirklichkeit haben aber beide Frauen  immer wieder das Gefühl, dass ihnen im Leben etwas fehlt und sind nie wirklich zufrieden. Als sich Tully immer mehr ins Kates Leben einmischt, kommt es zu einem großen Streit, der die Freundschaft fast beendet. Dieser Einschnitt wird schon im Klappentext verraten, geschieht allerdings erst im letzten Drittel des Buches. Doch erst danach kommt es zum großen emotionalen Countdown....

    Charaktere:
    Der Leser lernt sowohl Tully als auch Kates bereits im Teenageralter kennen und wächst mit ihnen im Laufe der Jahre genauso mit, wie sich die beiden Hauptprotagonistinnen weiterentwickeln. Man hat sehr viel Einblick in ihre Gefühlswelt. Auch wenn ich nicht immer jede Sichtweise verstehen konnte, sind alle Figuren sehr authentisch beschrieben und mitten aus den Leben gegriffen. Man erlebt die Höhen und Tiefen, den Schmerz und die Einsamkeit, genauso wie die Liebe und das Glück von Tully und Kate mit. 

    Schreibstil:
    Schon beim letzten Buch der Autorin war ich von ihrem Schreibstil und der Erzählweise beeindruckt. Die Autorin schreibt wunderbar emotional und man lebt bei ihren Geschichten einfach mit. Über Jahrzehnte wird hier das Leben der Hauptprotagonisten dargestellt und man durchlebt eine richtige Achterbahnfahrt der Gefühle, wie es nur Kristin Hannah kann.

    Fazit:
    "Immer für dich da" konnte mich nicht so überzeugen, wie mein letztes Buch der Autorin. Trotzdem war es eine sehr emotionale und berührende Geschichte einer tiefen Freundschaft zweier Frauen, die alle Höhen und Tiefen mehr oder weniger übersteht. Ich bin gespannt, wie es in Teil 2 weiter gehen wird. Vorsicht: Taschentuchalarm!
  14. Cover des Buches Just Kids (ISBN: 9783596188857)
    Patti Smith

    Just Kids

     (90)
    Aktuelle Rezension von: Chris_Lieh

    Ein Buch das man nicht mehr aus der Hand legen kann. Ehrlich, poetisch und unglaublich echt. 

  15. Cover des Buches Tender Bar (ISBN: 9783596176151)
    J.R. Moehringer

    Tender Bar

     (405)
    Aktuelle Rezension von: SusanneEichholz

    Dieser Entwicklungsroman war ein gewaltiger Erfolg in den USA, was sich mir beim Lesen nicht ganz erschloss. Auch dass das Buch 2021 von George Clooney verfilmt wurde, macht es in meinen Augen nicht besser. Vielleicht hätte ich beim Lesen immer mal in eine Bar gehen sollen, um nachzuspüren, was man dort lernen kann? Möglicherweise ist der Titel auch besonders für Menschen interessant, die mit nur einem Elternteil aufgewachsen sind und sich daher mit J.R. identifizieren können.

  16. Cover des Buches Balzac und die kleine chinesische Schneiderin (ISBN: 9783492272315)
    Dai Sijie

    Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

     (407)
    Aktuelle Rezension von: Nadja_Kosney

    Der Autor Dai Sijie hat selbst die Kulturrevolution in den 1970er Jahren in China miterlebt und wurde selbst als Schüler aufs Land geschickt, um dort "umerzogen" zu werden. Da es in seinem Roman um zwei Schüler geht, denen dasselbe passiert, kann man davon ausgehen, dass der Autor hier viel seiner persönlichen Erfahrungen hat einfließen lassen.

    Trotz dieses ernsten Themas und dieser schwierigen Zeit, schafft Dai Sijie es die Geschichte mit einer gewissen Leichtigkeit zu erzählen, sodass ich nur durch die Seiten geflogen bin. 

    Wir begleiten in diesem Roman den Ich-Erzähler (ich meine sein Name wurde nicht erwähnt) und dessen Freund Luo. Beide sehen sich selbst nicht gerade als Intelektuelle, doch da ihre Eltern dem Regime unter Mao negativ aufgefallen sind, landen die beiden in einem ärmlichen Bergdorf und sollen dort von den regimetreuen Bauern "umerzogen" werden. Während wir die beiden Jungs in ihrem täglichen Leben und bei der harten Arbeit auf den Feldern begleiten, lernen wir mehr über die Kulturrevolution und ihre Auswirkungen für das Land China und dessen Bevölkerung. Einfach war es nicht, vor allem nicht für diejenigen, die selbstständig denken und offen leben wollten.

    Neben der Liebe und der Freundschaft spielt auch Literatur eine wichtige Rolle in diesem Roman, vor allem die westliche Literatur. Nach einigen Schwierigkeiten gelangen die beiden Freunde in den Besitz strengst verbotener westlicher Literatur (Bücher von Balzac, Dumas, etc.). Ins besondere unser Ich-Erzähler saugt den Inhalt dieser Bücher in sich auf und die Literatur schenkt ihm und seinem Freund ein wenig Hoffnung und Zuversicht, in ihrem trostlosen Dasein.


    Fazit:

    Balzac und die kleine chinesische Schneiderin ist ein wundervoller Roman, der eine mitreißende Story mit historischen sowie politischen Ereignissen verknüpft und dabei noch eine Verbindung zur Liebe für die Literatur, Freundschaft und Zusammenhalt schafft. Dies ist mein erstes Buch von Dai Sijie, wird aber nicht mein letztes von ihm sein.

  17. Cover des Buches Die Musik der Wale (ISBN: 9783548605944)
    Wally Lamb

    Die Musik der Wale

     (219)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Ich hab das Buch vor ca 2 Jahren gelesen und kann mich nur an ganz wenige Details erinnern (das ist bei mir normal). Auf jeden Fall aber erinnere ich, dass ich das Buch wirklich lesenswert fand und es weiterempfehle an Leute, die gerne mäßig spannende, aber kurzweilig und lebensnah geschriebene Romane "wie sie das Leben so schreibt" lesen.
  18. Cover des Buches Das vergessene Kind (ISBN: 9783426199107)
    Kate Atkinson

    Das vergessene Kind

     (41)
    Aktuelle Rezension von: Günter-ChristianMöller

     

    „Tracy wäre es lieber gewesen, sie wäre im Dienst tot umgefallen. Sie war Kriminalkommissarin gewesen, jetzt war sie Polizeipensionärin.“ Sie hatte gerade fünftausend Pfund auf der Bank abgehoben. Es war für Janek, einen Polen, der ihr Reihenhaus renovierte. Doch an diesem Tag trifft sie eine Frau mit einem Kind auf der Straße, die ihr als Prostituierte und Kriminelle bekannt ist. Sie hat ein Kind im Schlepptau, das sie völlig erniedrigend und rücksichtslos behandelt. „Kelly hatte mehrere Kinder, und die meisten waren in Pflege, und das waren die, die Glück gehabt hatten.“

    Tracy bietet der Frau spontan dreitausend Pfund für das Kind und bekommt es prompt. Das Kind ist ein Mädchen und heißt angeblich Courtney. Sie ist ein Waisenkind, denn niemand vermisst sie. Doch kurz darauf wird Kelly umgebracht. Als Tracy Kriminelle auf den Fersen sind, wird ihr klar, dass dieses kleine Mädchen in höchster Gefahr schwebt, und die Polizei eher eine Bedrohung als eine Hilfe ist.

     

    Das Buch lebt von der mütterlichen bedingungslosen Fürsorge Tracys für dieses kleine fast hilflose Wesen namens Courtney, und dessen zweier Leidenschaften. Courtney liebt Essen, egal was, Hauptsache es ist viel. Und sie liebt die kleinen Schätze, die sie unbemerkt sammelt. Wertvolle Dinge wie "einen silbernen Fingerhut, chinesische Münzen, ein paar Glieder einer billigen goldenen Kette.“ Und natürlich auch den neuen Zauberstab. All diese Schätze sind verknüpft mit wunderbar schönen Erlebnissen. Erlebnisse für schöne Träume. Und die braucht Courtney genauso dringend wie das Essen. So verwandelt sich die Fürsorge von Tracy immer mehr in Liebe. Um Courtney nicht zu verlieren, tauchen die beiden vor ihren kriminellen Verfolgern in die Illegalität ab. Und wehe den Bösewichten, die Tracy oder Courtney zu nahe oder gar in die Quere kommen. Selbst eine scheinbar harmlose Handtasche verwandelt sich dann in eine gefährliche Waffe.

     

  19. Cover des Buches Die Tote im Götakanal: Ein Kommissar-Beck-Roman (ISBN: 9783499244414)
    Maj Sjöwall

    Die Tote im Götakanal: Ein Kommissar-Beck-Roman

     (86)
    Aktuelle Rezension von: UlrikesBuecherschrank

    In Borenshult(Östergötland)wird eine tote Frau gefunden die nackt im Schleusenbecken lag.Niemand in den angrenzenden Städten oder Bezirken vermisste sie.Martin Beck ist erster Kriminalassisten bei der Stadtpolizei und bearbeitet den Fall.

    Der Schreibstil ist dichter,meiner Meinung nach etwas schwermütig aber zügig zu lesen.Die Protagonisten passen hervorragend in diesen Krimi hinein.Der Spannungsbogen verläuft dabei genau richtig.

    Fazit:Die Handlung spielt sich in Schweden Mitte der sechziger Jahre ab.Die Atmosphäre kam mir beim lesen dichter vor.Das lag auch daran dass manche Sätze kurz gehalten sind und die Dialoge nur aus wenigen Wörtern besteht oder auskommt.Die Zeitsprünge fallen mitunter größer aus und so kann es sein dass bis zu drei solcher Sprünge in einem Kapitel stattfinden.Die Ermittlungen gestalten sich schwieriger aber kurz vor der ersten Hälfte nimmt die Story dann an Fahrt auf.Für mich wurde der Krimi dann auch kurzweiliger zu lesen.Für mich persönlich war es eine kleine Zeitreise zurück wo es noch kein Internet oder Handy gab-nur das klassische Telefon und man schrieb sich noch richtige Briefe, auch bei der Polizei.Ich war positiv überrascht auch deshalb weil es mehrere Verhörprotokolle gibt und ich mir selbst ein "Bild" von den Zeugen machen konnte.Ich muss gestehen dass ich zu Beginn etwas skeptisch war aber Kapitel für Kapitel,es sind 30 an der Zahl,wurde mir die Story sympathischer gerade auch nach der Hälfte des Buches.Im letzten Drittel wurde es für mich richtig spannend,aufregend und fesselnd-da ging es fast Schlag auf Schlag.Dieser typische Schwedenkrimi war für mich unterhaltsam und kurzweilig zu lesen.Es ist das erste Band einer Reihe und ist in sich abgeschlossen.Das Buch ist ein Lesehighlight und vergebe daher gerne 5 Sterne.


  20. Cover des Buches The Girls (ISBN: 9783423146203)
    Emma Cline

    The Girls

     (272)
    Aktuelle Rezension von: Elenchen_h

    "Sie bewegten sich in einem unbehaglichen Grenzbereich zwischen Schönheit und Hässlichkeit, und ein Schauer gesteigerter Aufmerksamkeit folgte ihnen durch den Park." - Emma Cline, "The Girls"


    Kalifornien, im Sommer 1969: Evie Boyd ist 14 und einsam, Ferien voller Leere tun sich vor ihr auf, bevor sie im September auf ein Internat geschickt werden soll. Ihre beste Freundin entfernt sich immer weiter von ihr und so ergreift sie sofort die unverhoffte Möglichkeit, die sich ihr bietet, um mit Suzanne und den anderen zur Ranch zu fahren. Schon länger gab es in der Stadt Gerüchte von den verwahrlosten Hippies, die sich um ihren Anführer geschart am Rande der Zivilisation befinden. Evie lässt sich treiben, findet Anschluss und hängt ihr Herz fast panisch an Suzanne - bis die Stimmung plötzlich kippt und etwas passiert, das vor Grausamkeit und Schrecken kaum zu überbieten ist...


    Emma Clines Roman "The Girls" hält für die Lesenden eine rauschartige Spannung bereit. Fiebrig begleitet man Evie durch diesen Sommer zwischen Kindheit und Jugend, leidet mit ihr unter ihrem Mangel an Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, vergöttert mit ihr die scheinbar so unantastbare Suzanne - und sieht gleichzeitig das drohende Unheil, das sich von Anfang an nicht abwenden lässt. 


    Das Buch ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Abwechselnd begleitet man die  erwachsene und von den Geschehnissen gezeichnete Evie, die auf ein abgeschiedenes Haus aufpasst und dort zufällig auf ein Mädchen trifft, das sich in einer ähnlichen Situation wie sie damals befindet - mit ihrem Wunsch, irgendwo zugehörig zu sein, gut anzukommen, einen Funken Aufmerksamkeit zu erhaschen - und die Evie im Sommer 1969. Von Anfang an wissen die Leser*innen, was am Ende passieren wird, was sich wie ein dunkler Schatten über alles legt, was man liest.


    Nuanciert und sprachlich genial erzählt die Autorin eine Geschichte vom Mitläufertum - und lässt die Lesenden mit der Frage zurück, wie sie gehandelt hätten, ob uns das nicht allen passieren kann, in unserer Geltungssucht und unserer Gier nach dem Interesse der Anderen.


    Ich mochte "The Girls" sehr gerne. Der Roman ist sicherlich keine leichte Sommerlektüre, trotzdem drängt sich die flirrende Hitze auf jeder Seite und die Spannung ist nahezu greifbar. Wieder mal ein Buch, das mir noch lange im Kopf bleiben wird und das ich gerade in dieser warmen Jahreszeit empfehlen möchte ☀️

  21. Cover des Buches Der Mann, der sich in Luft auflöste: Ein Kommissar-Beck-Roman (ISBN: 9783499244421)
    Per Wahlöö

    Der Mann, der sich in Luft auflöste: Ein Kommissar-Beck-Roman

     (67)
    Aktuelle Rezension von: Igelmanu66

    »Alf Matsson ist verschwunden«, sagte der Mann theatralisch.
    »Aha. Und die Suchmeldungen brachten kein Ergebnis?«
    »Es gibt keine Suchmeldung. Und es wird auch keine geben.«

     

    Kommissar Martin Beck will gerade seinen ersten Urlaubstag genießen, als ihn ein dringender Auftrag aus der beginnenden Erholung reißt. Zu Becks Überraschung erhält er seine Instruktionen nicht von seinem Vorgesetzten, sondern vom Außenministerium. Ein schwedischer Journalist ist in Budapest spurlos verschwunden, die Umstände werden als „delikat“ beschrieben.

     

    Beck fliegt nach Ungarn und setzt sich auf die Spuren des verschwundenen Alf Matsson. Davon gibt es allerdings herzlich wenige. Über Matsson findet sich zwar ein Bericht vom Staatsschutz, der Inhalt der Geheimpapiere lässt aber auf einen „selten uninteressanten Menschen“ schließen. So irrt Beck tagelang mehr oder weniger planlos durch die Gegend und muss plötzlich feststellen, dass er selbst zum Gejagten geworden ist…

     

    Auch dieser zweite Fall für Martin Beck konnte mich begeistern. Die Ausgangslage ist wunderbar rätselhaft. Wieso ist Matsson verschwunden, was ist ihm zugestoßen? Und warum bloß soll keine offizielle Suche nach ihm eingeleitet werden? Bei Becks Besuch im Außenministerium fällt das Stichwort Wallenberg-Affäre, die unbedingt vermieden werden muss. (Wallenberg war ein schwedischer Diplomat, der gegen Ende des 2. Weltkriegs in Budapest spurlos verschwand, bis heute ist dieser Fall unaufgeklärt.) Gibt es also womöglich einen politischen Hintergrund? Zur Zeit der Handlung liegt Ungarn ja noch hinter dem berühmten Eisernen Vorhang. Und wer will unbedingt verhindern, dass Beck etwas herausfindet?

     

    Beck nähert sich Schritt für Schritt der Auflösung, die ich als schlüssig und wirklich gelungen empfand. Bis dahin bewegt sich der Leser mit ihm durch einen ruhigen, intelligenten Polizeiroman. Detailreich werden Einzelheiten beschrieben, Beck kann gar nicht anders, als fortwährend zu beobachten und zu analysieren. Eine Berufskrankheit wohl ;-) Wer viel Action mag, kommt hier vermutlich zu kurz, dafür wirkt aber alles sehr realistisch.

     

    Fazit: Rätselhafte Ausgangssituation und eine ruhige, intelligente und realistische Handlung. Wieder ein gelungener Polizeiroman.

  22. Cover des Buches Populärmusik aus Vittula (ISBN: 9783442738915)
    Mikael Niemi

    Populärmusik aus Vittula

     (224)
    Aktuelle Rezension von: Katfryy


     

    Es ist ja nicht immer leicht, ins Erzählen zu kommen. Manchmal muss man sich vorher ein bisschen warm machen. Mikael Niemis Erzähler lockert seine Zunge so: Auf dem Gipfel eine Himalaya-Fünftausenders küsst er eine tibetanische Gebetsplatte, Lippen und Zunge frieren am Metall fest, er pinkelt in seinen Trinkbecher, schüttet das warme Zeug über den Mund und sagt: „Ich habe mich freigepisst.“ Was für ein herrlicher Auftakt! Es ist schon fast zwanzig Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe, aber es ist immer noch total präsent. Mit Büchern ist es wie mit Menschen. Manche Begegnungen vergisst Du schon nach ein paar Tagen wieder, an andere erinnerst Du Dich ein Leben lang. Aber warum bloß? Eigentlich ist fast alles in dem Roman fremd und weit weg: Ein winziges Kaff im nördlichsten Norden Schwedens, direkt an der Grenze zu Finnland, zwei Jungs, Sechzigerjahre. Hier erleben wir ihn in voller Gestalt: Den Arsch der Welt. Es gibt kaum Radio, kein Fernsehen, das nächste Dorf ist weit entfernt und im Winter geht sowieso gar nichts. Die Menschen dort schließen Wetten darauf ab, wer´s am längsten besoffen in der Dampfsauna aushält. In dieser öden Umgebung haben Matti und sein Freund Niila ein Erweckungserlebnis. Sie hören eine Schallplatte von den Beatles, eine Single. Und das beschreibt Matti so: 

     

    „Ein Pulverfass explodierte und sprengte das Zimmer. Der Sauerstoff ging zur Neige, wir wurden gegen die Wand gepresst, während sich die Kammer in rasender Fahrt drehte. Wir klebten wie die Briefmarken fest, das Blut wurde uns ins Herz gepresst, sammelte sich in einem darmroten Klumpen, bevor alles kehrt machte in die andere Richtung sprang, bis in die Finger und Zehenspitzen, rote Speerspuren von Blut im ganzen Körper, bis wir wie die Fische nach Luft schnappten. Nach einer Ewigkeit hielt der Wirbel an. Die Luft sauste durch das Schlüsselloch wieder davon, und wir fielen als kleine, feuchte Häufchen auf den Boden. Rock ´n´roll music. Beatles.“

     

    Danach sind sie infiziert – (upps, sorry für das böse Wort in Zeiten der Pandemie). Matti und Niila wollen Musik machen. Erstmal üben sie in der Garage. Allerdings ohne Instrumente. Die Erfindung der Luftgitarre wäre auch ein guter Titel. Diese Szene mit der Beatles-Platte ist nur eine von so vielen unglaublich lebensvollen, intensiven Momenten. Wer kennt das nicht: Von Musik mit voller Wucht gegen die Wand geschleudert zu werden. Mir ging´s mit Smells like teen spirit so. Wer Etiketten mag, würde auf den Roman wohl Coming-of-age kleben. Ja, es geht auch um erste Liebe, ums Aufwachsen in psychopathischen Scheißfamilien und Ablösung vom Elternhaus. Die beste Metapher für die Pubertät habe ich in diesem Buch gefunden, es gibt da eine überraschend surreale Stelle: Ein Junge, (ich weiß nicht mehr genau, ob das Matti sein soll), klettert als Kind in eine Art Eisenofen hinein, verbringt dort Jahre und kommt dann als Erwachsener wieder heraus. Wer öfter mit Pubertierenden zu tun hat, der kann also erleichtert sein. Stellt Euch einfach vor, die sind eigentlich gar nicht hier. Die befinden sich ein einem abgeschlossenen Eisenofen. Und dann irgendwann. Ganz plötzlich. Da kommen sie heraus. Vernünftig, geläutert, alle Schrauben festgezogen, alle Tassen wieder im Schrank. Aber der Roman ist viel mehr als Comming-of-age. Es geht auch um diese fantastische Landschaft, das Einfrieren und das Abtauen. Sehr, sehr poetisch. Guckt nicht den Film! Lest das Buch! Bitte!

  23. Cover des Buches Rheinblick (ISBN: 9783548062495)
    Brigitte Glaser

    Rheinblick

     (94)
    Aktuelle Rezension von: EmmaWinter

    Die SPD hat mit großer Mehrheit die vorgezogenen Bundestagswahlen 1972 gewonnen, der beliebte Willy Brandt tritt seine zweite Amtszeit an. In Bonn brodelt es auf dem politischen Parkett. Es geht um Posten und Pöstchen, um Intrigen, kleine und große Geheimnisse. Vor diesem Hintergrund agiert Hilde Kessel, die das Restaurant Rheinblick gegenüber vom Bundestag betreibt und die tägliche Politik hautnah miterlebt. In einer Bonner WG lebt die Krankenschwester Sonja, die unversehens ebenfalls mit dem aktuellen politischen Geschehen in Kontakt kommt - und zwar mit dem Kanzler selbst. Die wichtigen Koalitionsverhandlungen stehen an und Willy Brandt kann nicht daran teilnehmen. Wer steht auf seiner Seite und wer denkt nur an das eigene Vorankommen in Bonn?

    "Bühlerhöhe" von Brigitte Glaser habe ich sehr gern gelesen. Mit "Rheinblick" habe ich mich schwerer getan. Die Gegensätzlichkeit der Schauplätze von Politiker-Restaurant und Studenten-WG (inklusive Taxi fahrendem Mitbewohner) ist geschickt gewählt, so können viele damals aktuelle Themen angesprochen werden. Das ist durchaus interessant, allerdings waren mir insgesamt die politischen Rangeleien an Hildes Tresen zu viel. Es gab dadurch durchaus Längen im Roman. Da half auch der eingestreute Mord nicht, um eine durchgehende Spannung zu erzeugen.

    Der Schreibstil von Glaser hat mir gut gefallen und die Fakten sind wunderbar in die fiktive Geschichte um Hilde und Sonja eingeflochten. Die Figuren und ihre Probleme sind glaubhaft, allerdings bleiben Sonja und Hilde für mich etwas blass. Die Verbindung zwischen Sonja und Willy Brandt erschien mir zudem etwas konstruiert. Max und Konrad aus der WG haben mir besser gefallen und waren mir irgendwie näher.

    Überzeugend der Anhang: Soundtrack, Literaturverzeichnis und Glossar.

    Insgesamt ein Einblick in die interessante Politikgeschichte von 1972, gut recherchiert und geschrieben, allerdings mit Längen. Wer sich vor dem Geklüngel zwischen SPD und CDU an Hildes Tresen nicht fürchtet, den erwartet eine durchaus unterhaltsame Zeitreise.








  24. Cover des Buches Sie nannten mich >Es< (ISBN: B003VGVH3Y)
    Dave Pelzer

    Sie nannten mich >Es<

     (579)
    Aktuelle Rezension von: CatLady

    Ich musste das Buch zwischendurch wirklich weglegen weil es mir so Nahe gegangen ist und mir die Tränen gekommen sind. "Sie nannten mich >Es<" ist nach einer wahren Begebenheit geschrieben - umso erschreckender zu wissen, das es wirklich passiert ist. Bestialische Grausamkeit! Die Schreibweise ist definitiv gut & auch wie es erzählt wird. Jeder der sich ein wenig mit diesem Themengebiet befasst / befassen möchte, sollte es lesen. Aber Achtung: Nichts für schwache Nerven! 

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