Bücher mit dem Tag "älterwerden"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "älterwerden" gekennzeichnet haben.

96 Bücher

  1. Cover des Buches Der Brand (ISBN: 9783257070484)
    Daniela Krien

    Der Brand

     (193)
    Aktuelle Rezension von: Casaplanca

    "Der Brand" von Daniela Krien ist ein eher ruhiger Roman, der es schaffte, mich vollständig in die Atmosphäre mit einzubeziehen.Rahel und Peter sind lange verheiratet, die Kinder aus dem Haus, sie wissen sich zu schätzen, aber nicht so recht, wohin ihr Weg weitergehen soll. Ihr Urlaubsziel, eine Hütte in den Alpen, brennt ab, somit haben sie Zeit, auf dem Hof einer guten Freundin zu helfen, Tiere versorgen, Gartenarbeit und sowas. Es bleibt auch viel Zeit für sich selbst zu zweit, die sie aber jeder für sich verbringen.Peter ist der eher ruhige Professor an der Uni, Rahel eine lebenslustige Psychologin. Jeder hat sich zusätzlich zum gemeinsamen Eheleben in eine andere Richtung entwickelt. Warum das so ist und wie sich das für sie anfühlt, wird hier sehr schön in schlichte und ergreifende Worte gefasst.Nach und nach lernt man die Familie der beiden kennen und tiefer hinter die Fassaden zu blicken und begreift, dass da schon noch eine tiefe Liebe zueinander vorhanden ist. Sie wurde nur leider im Laufe der Jahre zur Nebensache in ihrem Leben.Die Beschreibung dieses Lebens in der Uckermark, dieses Einfache, Natürliche, Ruhige, das nimmt mich vollständig gefangen, ich konnte fast die Staubfahnen sehen. Es ist ein durchatmen, ein Zur-Ruhe-Kommen, ein Besinnen auf sich selber. Beide begreifen auch, dass man nicht alles ändern kann und muss, manches geschieht einfach so.Brände gibt es hier so einige, die den Titel erklären, mir hat das Buch sehr gut gefallen. 

  2. Cover des Buches Die Frau des Zeitreisenden (ISBN: 9783596163908)
    Audrey Niffenegger

    Die Frau des Zeitreisenden

     (4.358)
    Aktuelle Rezension von: bookilicious_de

    Klappentext:

    Clare ist Kunststudentin und eine Boticelli- Schönheit, Henry ein verwegener und lebenshungriger Bibliothekar. 

    Clare fällt aus allen Himmeln, jedes Mal aufs Neue, wenn Henry vor ihr steht. Denn Henry ist ein Zeitreisender, ohne jede Ankündigung verstellt sich seine innere Uhr. Plötzlich und unerwartet stürzt er los, nie ist sicher, aus welcher Zeit er kommt und in welcher Zeit er bei Clare landet, aber immer ist sicher, dass er wieder bei ihr landet. 

    Als sie sich das erste Mal begegnen, ist Clare sechs und Henry 36, aber in Wahrheit ist Henry nur acht Jahre älter als sie und schon lange mit ihr verheiratet. Absurdes wird zur Normalität. Seine Zeitreisen sind das brennende Geheimnis, das Henry und Clare mit jeder Trennung noch inniger vereint. 

    Meinung:

    Das Buch habe ich vor über zehn Jahren von einer sehr sehr guten Freundin für entspannte Abende geschenkt bekommen. Ich kannte bis dahin noch nicht die kleinen Bücher aus der Fischer Taschenbibliothek und war schonmal von dem handlichen Format begeistert. Immerhin passte es locker in meine Handtasche :-) Ihr müsst euch vorstellen, dass es zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Verfilmung gab, die ich übrigens nicht besonders toll fand (ich bin kein besonders großer Fan von Rachel McAdams). Seitdem habe ich das Buch sicherlich schon dreimal verschlungen und es gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern (so zerfleddert sieht es teilweise auch schon aus!). Ich muss gestehen, dass ich ein Fan von Zeitreise Geschichten bin. Und Audrey Niffenegger zeigt mit dieser Liebesgeschichte, dass Zeitreisen nicht nur aus Abenteuern, Action oder Science- Fiction bestehen. Die Geschichte wird aus Sicht der beiden Hauptprotagonisten Henry und Clare erzählt in einer Art Tagebuchstil. Dabei wird jeder Abschnitt mit einem Datum versehen und dem aktuellen Alter von Clare und Henry. Dies ist auch wichtig, um als Leser nicht die Übersicht zu verlieren. Wenn man sich erst einmal auf die Story eingelassen hat und davon absieht, dass sich nicht alles logisch erklären lässt, erlebt man eine wunderschöne Liebesgeschichte, die zumindest ich nicht als kitschig empfunden habe. Die Autorin erzählt die Geschichte halbwegs chronologisch. Aber Zeitsprünge bleiben halt Zeitsprünge. So hat man als Leser auch eine ungefähre Ahnung, wie sich Clare und Henry teilweise fühlen müssen. Der Plot hält auch einige lustige und chaotische Szenen parat, vor allem wenn Henry wieder einmal nackt in einer ihm unbekannten Zeit landet und sich zunächst auf die Suche nach passenden Klamotten machen muss. Aber wir leiden auch mit Clare und Henry mit und hoffen auf ein gutes Ende. Wie gesagt, es handelt sich hierbei um eines meiner Lieblingsbücher, deshalb kann ich natürlich auch nur 5 Sterne vergeben :)

  3. Cover des Buches Zur Hölle mit Seniorentellern! (ISBN: 9783746629803)
    Ellen Berg

    Zur Hölle mit Seniorentellern!

     (119)
    Aktuelle Rezension von: JanaBabsi

    Anlässlich Elisabeth Schöllmanns 70. Geburtstag haben ihre 3 Töchter eine Überraschungsparty organisiert. Nicht nur die Party ist eine Überraschung, auch das Geschenk ihrer Töchter haut Lizzy schier aus den Schuhen. Leider jedoch nicht im positiven Sinne, denn ihre 3 Töchter offenbaren ihr, dass sie einen Platz im Seniorenheim für sie reserviert haben.

    Wütend und enttäuscht flüchtet Lizzy von ihrer Geburtstagsfeier, setzt sich in ein Taxi und verbringt den restlichen Abend mit Benno, dem Taxifahrer. Am nächsten Tag findet sie sich mit einem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus wieder und kann sich an die vorhergehende Nacht nicht mehr erinnern.

    Während Lizzy im Krankenhaus liegt, lösen ihre Töchter ihre Wohnung auf und bereiten ihren Einzug ins Seniorenheim „Bellevue“ vor, so dass Elisabeth – gegen ihren Willen - direkt aus dem Krankenhaus in die Seniorenresidenz übergesiedelt wird. Eine kleine 2-Zimmer-Wohnung, natürlich von den Töchtern lieblos mit den wenigen Möbeln eingerichtet, die sie wahrscheinlich nicht auf einem Kleinanzeigen-Portal verscherbelt bekamen. Seit 8 Jahren ist Lizzy Witwe und hat erkannt, dass sie endlich wieder frei atmen kann - nun verbringt sie den Rest ihres Lebens sie in einem Rollstuhl im Seniorenheim? Über ihr eigenes Geld kann sie auch nicht mehr frei verfügen, sie bekommt ab jetzt von ihren Kindern ein Taschengeld in Höhe von 20,00 €.

    Im Speisesaal lernt sie ihre Tischnachbarn kennen, allesamt Leute, mit denen sie eigentlich nichts zu tun haben möchte. Am liebsten würde Lizzy sich auf ihr Zimmer verkriechen und die Mahlzeiten dort einnehmen. Diesem Wunsch kann und möchte die Heimleiterin Frau Fröhlich jedoch nicht entsprechen und so fügt Lizzy sich in ihr Schicksal. Ihre Tischnachbarn sind: Die frühere Operndiva Lila Fouquet, die permanent Arien schmettert, Hans Martenstein, ein ehemaliger Lehrer, Ella Janowski, die aufgrund ihrer Narkolepsie (Schlafkrankheit) mehr Zeit schlafend als im wachen Zustand verbringt und Vincent von Wackerbarth, einem gut situierten und zugegebenermaßen sehr gut aussehenden Herrn. 

    Diese illustre Tischrunde hat jedoch eines gemeinsam; sie alle möchten aus dem Seniorenheim ausbrechen und dazu brauchen sie 2 Dinge: Geld und einen Plan. Lizzy wird Teil des Einstein-Clubs und so treffen sich die Senioren wöchentlich an einem geheimen Ort, um einen Banküberfall und ihre anschließende Flucht nach Spanien zu planen. Als weitere Fluchthelfer werden – mehr oder weniger un-/freiwillig - Benno, der Taxifahrer, Schwester Klara, eine Pflegekraft aus dem „Bellevue“ und Pete, ebenfalls Pflegekraft im „Bellevue“ in den Plan eingespannt. 

    Wird ihnen die Flucht gelingen?

    Für meine Autofahrten habe ich nach einem Hörbuch gesucht, bei dem ich nicht akribisch hinhören muss um der Story folgen zu können, so bin ich bei diesem Hörbuch der Autorin Ellen Berg gelandet. Anhand des Covers und des Klappentextes habe ich hier jetzt keine vollkommen bierernste Geschichte erwartet, sondern etwas locker-leichtes, was einen gut unterhält. Genau das habe ich gefunden. Da es mein 1. (Hör-)Buch der Autorin ist, habe ich keinen Vergleich zu ihren anderen Werken, das wird sich aber sicherlich ändern, denn Auto fahren mit Hörbuch werde ich auch in Zukunft noch öfter mal. 

    Wer dieser Geschichte eine halbe Stunde zugehört hat, dem wird schnell klar, dass sich hier 2 Dinge vermischen – Realität und Fiktion. Auf der einen Seite zeigt die Autorin auf, wie schnell sich manche Kinder ihrer Eltern entledigen, indem sie sie kurzerhand in ein Pflegeheim stecken und, wie das Leben im Pflegeheim sich dann für diese anfühlen könnte, andererseits ist die Geschichte so überspitzt, dass man sie wohl kaum für bare Münze nehmen kann. Ohne eine offizielle Entmündigung kann man (wahrscheinlich !!) mit seinem Elternteil so nicht verfahren, wie Lizzys Töchter das mit ihr tun. 

    Lizzy ist eine rüstige 70igerin, die eigentlich noch gar nichts im Seniorenheim zu suchen hat. Sie ist klar im Kopf, kann sich zu Hause alleine versorgen, sie tanzt gerne und ist aktiv in einem Wanderverein. Eigentlich fällt sie niemandem zu Last, weswegen ich die Notwendigkeit, sie in einem Seniorenheim unterzubringen, als pure Schikane durch die Töchter empfinde. Logischerweise kommen die Töchter bei mir deswegen auch nicht sonderlich gut weg. Zum Ende hin kann ich mich – genau wie Lizzy - mit einer Tochter aussöhnen, aber das hat echt lange gedauert. 

    Frau Fröhlich, die Leiterin des Seniorenheimes, hat Lizzy – aus welchen Gründen auch immer – permanent auf dem Schirm und zu guter Letzt droht sie ihr sogar mit einem Aufenthalt auf der „Regenbogenstation“, das ist die Demenz-Station des Seniorenheimes und dort kommt so schnell niemand wieder raus. Bei Frau Fröhlich scheint aber auch nicht alles Gold zu sein was glänzt und so bekommt sie zum Ende der Geschichte dann auch noch ihr Fett weg. 

    Pete und Klara, die beiden Pflegekräfte des „Bellevue“, sind gegen den Plan des Einstein-Clubs, können die alten Leutchen jedoch nicht davon abhalten, den einmal eingeschlagenen Weg zu gehen. Vielleicht bekommen sie dann ja doch noch Unterstützung von den Beiden, wer weiß?! Auf jeden Fall sind die 2 ein Lichtblick im tristen Alltag des Seniorenheimes und beide kümmern sich sehr liebevoll und aufmerksam um Lizzy. Pete ist jemand, der genauer hin- und nicht wegschaut. 

    Lila Fouqet schmettert gerne mal eine Arie in den Raum, natürlich immer themenbezogen. Ich kann mit solcher Art von Posie nichts anfangen, ziehe aber meinen Hut vor der Sprecherin Sonngard Dressler, die mir bei jeder Arie das Grinsen ins Gesicht zauberte. 

    Hans Martenstein, der ehemalige Lehrer, fällt durch seine übergroße Korrektheit auf. Er wirkt auf mich sehr steif und konservativ, aber stille Wasser sind nun mal eben tief und auch seine Stunde schlägt, in der er zeigen kann, was in ihm steckt. 

    Von Ella Janowski bekommt man nicht sehr viel zu hören, außer ihrem Satz „Habe ich etwas verpasst? Wer sind Sie?“. Ansonsten versinkt sie permanent in ihrem Narkolepsie-Schlaf. Aber auch sie hat wache Momente und ihre Anregungen zum Banküberfall sind gar nicht so übel. 

    Der letzte im Bunde im Einstein-Club ist Vincent von Wackerbarth, wegen dem Lizzy im Alter von 70 Jahren dann doch nochmal Schmetterlinge in den Bauch bekommt. Kann man sich mit 70 noch einmal verlieben und beruht dieses Gefühl auf Gegenseitigkeit? Bei Vincent kann man dann aber auch sagen „trau, schau wem“. 

    Benno, der Taxifahrer, mit dem Lizzy an ihrer Geburtstagsfeier geflüchtet ist, wird auch ein wichtiger Teil des Planes, denn Benno hat ihnen allen gegenüber einen großen Vorteil: Er hat ein (Flucht-)Auto!! Die Herren der Schöpfung sind sich jedoch nicht immer so ganz grün und das führt zu Missverständnissen. 

    Wie eingangs schon erwähnt, habe ich hier eine Geschichte gehört, die mich wirklich sehr gut unterhalten hat. Es war teilweise witzig, teilweise hat mich das Gehörte nachdenklich gemacht, teilweise war es auch ein wenig traurig. Alles in allem hält die Autorin unserer Gesellschaft so ein klein wenig den Spiegel vor. Die Sprecherin Sonngard Dressler liest wirklich sehr gut und ich konnte ihr problemlos 8 Stunden und 37 Minuten zuhören. 

    Zur Mitte hin wird es jedoch leider etwas langatmig und somit auch ein klein wenig langweilig, man hätte die ein oder andere Passage gerne etwas kürzen dürfen, weil sich vieles dann einfach nur noch wiederholt - deswegen mein Punktabzug in der Bewertung. Dann nimmt die Geschichte jedoch wieder Fahrt auf und steuert auf ein Ende hin, das wirklich sehr überzogen daher kommt, die Geschichte aber hervorragend abrundet und es gibt für alle ein Happy End. 

    Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, ich hatte einige kurzweilige Autofahrten und werde ganz sicher noch einmal zu einem (Hör-)Buch von Ellen Berg greifen. Wenn ich mich nicht verzählt habe, gibt es noch 15 Bücher aus der (K)ein-Reihe von ihr.

  4. Cover des Buches Weit weg ist anders (ISBN: 9783458362562)
    Sarah Schmidt

    Weit weg ist anders

     (93)
    Aktuelle Rezension von: LimaKatze
    Klappentext:

    Kratzbürstige Berlinerin die eine, norddeutsche Kleinstädterin mit einer Vorliebe für Yoga und Handarbeiten die andere: Außer einer gegenseitigen tiefen Abneigung haben Edith Scholz und Christel Jacobi nichts miteinander am Hut. Dennoch lassen sich die beiden 70-Jährigen auf ein Abenteuer ein, das sie gemeinsam quer durch Deutschland führt.


    Zum Inhalt:

    Die beiden Rentnerinnen Edith Scholz und Christel Jacobi verbringen einen Reha-Aufenthalt auf Usedom. Frau Scholz ist eine waschechte Berlinerin, die für gewöhnlich kein Blatt vor den Mund nimmt und ihren Mitmenschen unverblümt zeigt, was sie von ihnen hält. Eigentlich ist Edith am liebsten allein, und daher möchte sie mit nichts und niemand mehr zu tun haben als unbedingt nötig. Christel Jacobi ist von ganz anderer Art, interessiert sich für Esoterik und Yoga, und ist ansich die Liebenswürdigkeit in Person. Allerdings ist sie auch recht unselbständig, arg empfindlich und des öfteren ziemlich anstrengend. Da Frau Jacobi eine eher kontaktfreudige Person ist, hängt sie sich sogleich an ihre Zimmernachbarin Frau Scholz, die davon zunehmend genervt ist.

    Frau Jacobi ist sehr krank. Deshalb möchte die besorgte Tochter, dass ihre Mutter zukünftig in einem Pflegeheim versorgt und betreut wird. Das entspricht aber nicht Christels Vorstellungen, die ganz verzweifelt einen Ausweg aus dieser Misere sucht und leider nicht den Mut aufbringt, ganz offen mit ihrer Tochter über dieses Thema zu sprechen. Recht bald kommt Christel auf die Idee, ihre Reha-Bekanntschaft Frau Scholz ins Vertrauen zu ziehen und möchte diese zu einem aberwitzigen Plan überreden. Frau Scholz hat nun die Wahl des für sie kleineren Übels: Entweder nimmt sie die Einladung von Frau Jacobi an, oder aber sie muss zu Hause den grässlichen Baulärm der momentanen Renovierungsarbeiten ertragen. Sie entscheidet sich für Christel Jacobi, nichtsahnend, auf was für ein Abenteuer sie sich da einlässt.

    Frau Scholz ist zwar eine ziemlich harte Nuss, aber sie hat kein Herz aus Stein. Während der gemeinsamen Reise durch Deutschland entsteht sogar eine zarte Freundschaft zwischen den beiden Frauen. Sie schütten sich gegenseitig ihr Herz aus und Frau Scholz wundert sich mitunter selbst über ihre eigene Zugänglichkeit. In solchen Momenten zieht sie allerdings öfters die Notbremse, man muss schließlich nichts übertreiben. Nichtsdestotrotz fühlt sie sich für Frau Jacobi verantwortlich, der es im Laufe der Zeit immer schlechter geht. ...


    Mein Fazit:

    Der vorliegende Roman („Weit weg ist anders“ von Sarah Schmidt) hat es mir zu Anfang nicht ganz leicht gemacht. In den ersten Kapiteln wurde ich mit den beiden Hauptprotagonistinnen einfach nicht richtig warm. Frau Scholz war mir mitunter zu derb und rücksichtslos, und Frau Jacobi war nicht nur für ihre Kurbekanntschaft, sondern auch für mich als Leserin stellenweise ziemlich anstrengend. Gleichzeitig trübten diverse Längen das Lesevergnügen. Zu meiner großen Freude gerieten die nachfolgenden Kapitel wesentlich schwungvoller. Und die beiden Damen, deren Vergangenheit nun etwas mehr aufgerollt wurde, lernte man ständig besser kennen und schließlich auch mögen. Es hat sich eben niemand selbst gemacht und der Mensch ist immer die Summe seines gelebten Lebens. Vor allem Frau Scholz hat mich oft überrascht und stellte sich als besonders facettenreich heraus.

    Die Geschichte im Buch hält einige Botschaften bereit: Auch der ältere Mensch hat noch Wünsche und Träume, und vor allem hat er ein Recht darauf, selbst über sein Leben zu entscheiden. Fürsorge von Kindern ist eine lobenswerte Angelegenheit, aber sie sollte nicht in Bevormundung ausarten. In diesem Zusammenhang wird gezeigt, wie wichtig es ist, dass miteinander gesprochen wird. Im Hintergrund des Romans wird außerdem vermittelt, dass Alleinsein nicht Einsamkeit bedeuten muss, der ständig Umsorgte aber durchaus einsam sein kann.

    Eine insgesamt unterhaltsame und mit viel Humor gespickte Lektüre, die zum Nachdenken anregt. Und ob man will oder nicht, die beiden Hauptakteurinnen werden einem immer sympathischer, sogar die sperrige Frau Scholz. Sehr gerne vergebe ich hier vier Sterne und eine Leseempfehlung!
  5. Cover des Buches Die Frauen von Long Island (ISBN: 9783746633879)
    Zoe Fishman

    Die Frauen von Long Island

     (39)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin
    Maggie ist alleinerziehende Mutter einer zweijährigen Tochter und arbeitet als Putzfrau in New York. Überraschend hat sie ein Haus in Sag Harbor, in den Hamptons, von ihrer Freundin Liza geerbt, zu der sie nach einem Streit seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Das Haus wird noch von Lizas Mutter, der 82-jährigen Edith bewohnt, die an Alzheimer erkrankt ist.
    Maggie zieht mit Töchterchen Lucy bei ihr ein und nach anfänglichen Startschwierigkeiten nähern sich die beiden Frauen, die den Suizid der manisch-depressiven Liza noch nicht begreifen können, an und helfen einander, unausgeräumte Konflikte zu bewältigen und ihre jeweilige Vergangenheit aufzuarbeiten.

    Zu Beginn war die Abneigung Ediths gegenüber Maggie sehr deutlich zu spüren. Als diese jedoch stürzt und verletzt auf Hilfe angewiesen ist, arrangieren die beiden sich sehr schnell miteinander und vertrauen der jeweils anderen ihre Probleme der Vergangenheit an, über die sie sonst mit noch niemandem gesprochen haben. Mir ging diese Öffnung zu schnell und auch die Konflikte, die seit Jahren bestanden, wurden sehr schnell als gelöst abgewickelt. Beide suchen die Nähe zu Personen, von denen sie meinen, etwas schuldig zu sein und erleichtern sich ihre Gewissen. Ich vermisste einen intensiveren Diskurs mit den Geistern ihrer Vergangenheit und eine emotionale Tiefe bei ihrer Auseinandersetzung.
    Darüber hinaus empfand ich das Geplapper der kleinen Lucy sehr anstrengend. Statt viele Worte mit den Zwischenrufen der sehr reif wirkenden Zweijährigen zu verschwenden, hätte ich mir mehr Raum für den Rest der Geschichte gewünscht. So war der eigentlich malerische Ort in den Hamptons nicht spürbar von Belang und auch die Alzheimererkrankung von Edith nur eine Randnotiz. Auch der Selbstmord von Liza blieb bis zum Ende rätselhaft. Selbst wenn man ihre Depressionen als Grund heranzieht, hätte mich interessiert, warum sie ausgerechnet zum gegenwärtigen Zeitpunkt ihrem Leben ein Ende setzte.

    Der Roman hat sein Potenzial für mich nicht ausgeschöpft und blieb hinter meinen Erwartungen an einen Roman über eine besondere Frauenfreundschaft vor einem tragischen Hintergrund zurück.
  6. Cover des Buches Der Tag, an dem der Sommer begann (ISBN: 9783453359123)
    Julie Cohen

    Der Tag, an dem der Sommer begann

     (29)
    Aktuelle Rezension von: Anjaxxx
    Ich war von der ersten Seite an versunken in der Welt von Lydia, Jo und Honor. Eine Familie, 3 Frauen und alle drei komlett verschieden. Jede mit ihren eigenen Problemen und jede trotzdem mit noch ganz viel Lebenslust. Aber eben auch mit ganz viel Sehnsucht.

    Honor ist alt und etwas verschroben, vermisst und liebt seit vielen, vielen Jahren den gleichen Mann. Einen anderen Mann wollte sie nie. Plötzlich tauchen Briefe aus, welche sie und Lydia gemeinsam lesen. Das Bringt die beiden Frauen näher und Honor verändert sich von Tag zu Tag mehr...

    Jo habe ich geliebt, sie ist lebensfroh, versucht aus allen Schicksalsschlägen das beste zu machen und ist immer für andere da. Trotzdem bemerkt sie nicht, was in Lydia vorgeht....und das könnte in einer Katastrophe enden....

    Lydia ist ein ganz normaler Teenie, fühlt sich aber aus einem ganz bestimmten Grund "anders" ....und auch sie ist unsterblich verliebt. Sagen kann sie das allerdings niemandem...

    Die Geschichte dreier Frauen, verpackt in einem großartigen, emotionalen Buch. Die Geschichte jeder einzelnen, ist irgendwie mit den anderen Familienmitgliedern verbunden. Leidet anfangs noch jeder für sich, versuchen die Frauen bald, sich einander zu vertrauen, mehr möchte ich dazu auch nicht schreiben, dieses Buch sollte jeder selbst gelesen haben!
  7. Cover des Buches Mehr Zeit mit Horst (ISBN: 9783499232244)
    Ingeborg Seltmann

    Mehr Zeit mit Horst

     (53)
    Aktuelle Rezension von: lanzelot

    Die Geschichte weist auf humorvolle Art auf das Älterwerden hin. Gabi hat ein Problem mit sich und ihrem Mann Horst, der in 190 Tagen in Rente geht. Jedes neue Kapitel zählt die Zeit runter. Gabi noch voll im Berufleben will es auch nicht ändern, wenn ihr Mann ein Lehrer jetzt in Pension geht. Schon vorher will er alles mit Gabi gemeinsam machen. Auch mit ihr in ihr Fitnessstudio gehen, wo sie sich immer mit ihren Freundinnen trifft. Es bringt sie langsam in Rage und dann will Horst auch noch in die USA mit einem Camper reisen. Gabi braucht dazu einen neuen Reisepass der alte Pass ist über 30 Jahre alt und seit 10 Jahren abgelaufen. Sie kann nicht verstehen, dass sie tatsächlich dazu ein neues Passbild braucht, auf dem sie sich natürlich alt und hässlich findet. Ein tolle und auch realistische Geschichte die auch vor Viagra nicht Halt macht. Auch das ihr Jüngster noch immer im Hotel Mama wohnt findet Gabi langsam auch nicht  mehr so lustig.  Es stört überhaupt nicht, das die Geschichte in der Ichform geschrieben ist, im Gegenteil, so läßt sie den Leser an ihren  bewegenen Erinnerungen teilhaben. Viele Dinge aus ihrer Vergangenheit kamen mir sehr bekannt vor. Dann wird ihr auch noch ihr leicht dementer Vater auf Auge gedrückt. Doch keine Panik Gabi wird es schon regeln, dass auch sie nicht zu kurz kommt. Die  Autorin hat alles auf eine nette Weise sehr amüsant umgesetzt. Ihr frecher und er frischender Schreibstil läßt einen sofort in den Roman eintauchen.  Sie versteht es zu fesseln und die Lachmuskeln zu aktivieren.      

  8. Cover des Buches Der Feind im Schatten (ISBN: 9783423213349)
    Henning Mankell

    Der Feind im Schatten

     (257)
    Aktuelle Rezension von: Schattenfrau
    Als Teenager habe ich die Wallanderbücher von der Mama meines damaligen Freundes gelesen. Und dieses Buch hat mir zusammen mit Mord im Herbst ( lese ich aktuell) noch gefehlt. 16 Jahre sind seit dem letzten Fall von Wallander vergangen. Nun habe ich in meinem Urlaub endlich diesen Fall lesen können. Ich konnte mich wieder reinversetzen. Auch bei Wallander war einige Zeit ins Land gegangen hatte ich das Gefühl. Ich fand die generelle Auseinandersetzung mit dem Alter gut und die Sorgen und Ängste die es mit sich trägt. Der Abschluss war kurz und knackig aber lieber so als es unnötig in die Länge ziehen. Und ein bisschen konnte die Fantasie auch noch mitspielen. Ein realistischer Abschluss der sich erahnen ließ. Ein bisschen traurig war ich allerdings schon. Aber schön wars! Wer skandinavische und norddeutsche Krimis liebt dem kann ich die Wallanderreihe nur ans Herz legen!
  9. Cover des Buches Wasser für die Elefanten (ISBN: 9783832164027)
    Sara Gruen

    Wasser für die Elefanten

     (923)
    Aktuelle Rezension von: Liebes_Buch

    Ich gehöre endlich auch zu den glücklichen Menschen, die dieses Zirkusbuch gelesen haben!

  10. Cover des Buches Vier Arten, die Liebe zu vergessen (ISBN: 9783492302531)
    Thommie Bayer

    Vier Arten, die Liebe zu vergessen

     (83)
    Aktuelle Rezension von: Christian_Woehl
    Thommie Bayer ist, und das habe scheinbar viel zu lange übersehen, einer der besten deutschen Erzähler der Gegenwart und deshalb habe ich auch begonnen, nach und nach alles von ihm zu verschlingen. Bislang steht "Vier Arten, die Liebe zu vergessen" an der Spitze.

    Einzig der Titel ist vielleicht ein wenig irreführend. Ein Sachbuch erwartet man zwar aufgrund des Autors ohnehin nicht, aber die Handlung ist auch gar nicht so sehr auf das Beleuchten vier gescheiterter Liebesbeziehungen ausgelegt. Und das wiederum ist durchaus positiv. Denn sie kann vor diesem Hintergrund einerseits durch und durch romantisch bleiben, ohne andererseits jemals überladen oder gar kitschig zu werden.

    "Vier Arten, die Liebe zu vergessen" ist sowohl ein spannender - und dabei sehr ambivalenter und nie ausnahmslos sentimentaler - Blick zurück in die Schulzeit von vier einst unzertrennlichen Freunden, als auch ein Aufeinanderprallen von vier in der Folge vollkommen unterschiedlichen Entwicklungsverläufen, welches manchmal sehr erkenntnisreich und manchmal auch bloß wahnsinnig ernüchternd ist. Diese Authentizität bewahrt sich der Roman über seine gesamte Länge.

    Wenn er auch eigentlich eher eine Erzählung ist, wie Bayer es über all seine Romane selbst sagt. Denn auch wenn kein Ich-Erzähler eingesetzt wird, so ist doch die gesamte Handlung latent aus der Sicht von Michael, einem der vier Freunde erzählt. Dass er - als hoffnungslos romantischer, schüchterner Einzelgänger - dabei das eine oder andere sympathische Klischee bedient, ist angesichts seiner dennoch komplexen Persönlichkeit und Lebensgeschichte nicht weiter zu bemängeln. Es gibt einfach unzählige Gelegenheiten, mit Michael, der guten Seele des Romans und vor allem auch des Freundeskreises, zu leiden und sich zu freuen.

    Umrahmt wird die gesamte Handlung vom positivsten (am Anfang) und vom negativsten (am Ende) Aspekt. Da Letzterer allerdings den leider viel zu überladenen und hektisch abrundenden Epilog meint, bin ich geneigt, ihn bei der Bewertung außen vor zu lassen. Schließlich endet die Erzählung streng genommen vorher. Wer ihn, wie die meisten, dennoch liest, wird sich vielleicht ein wenig ärgern, dass er einfach zu viel zu wollen scheint.
    Der mit Abstand schönste Ausschnitt dagegen ist gleichzeitig der Grund für das Wiedersehen der vier alten Freunde: die Beerdigung ihrer ehemaligen Lehrerin zu Beginn, welche mich - und das ist bemerkenswert - zu Tränen gerührt hat. Nicht, weil sie so unendlich traurig war - das allein wäre sicherlich schon schwierig genug. Sondern, weil sie es vermag, dem Leser ein zufriedenes Lächeln unter die Tränen zu mischen - und das ist hier die wahre Kunst. Wer zur besagten Szene keinen so rechten Zugang zu bekommen vermag, sollte sich das zitierte Lied "The Parting Glass" in einer A-Capella-Version wie im Buch beschrieben anhören. Die Szenerie wird vermutlich wie von selbst vor dem geistigen Auge erscheinen.

    Fazit: "Vier Arten, die Liebe zu vergessen" ist gleichzeitig tieftraurig und wahnsinnig fröhlich. Es ist hoffnungslos romantisch aber niemals kitschig. Es ist eines der besten Werke von Thommie Bayer, das ich jederzeit wieder lesen würde.
  11. Cover des Buches Es wird Zeit (ISBN: 9783499276132)
    Ildikó von Kürthy

    Es wird Zeit

     (139)
    Aktuelle Rezension von: luckytimmi

    Ich mag Bücher von Ildiko von Kürthy. Sie hat so einen besonderen, witzigen Schreibstil.  Bei diesem Buch ist (fast) von allem etwas dabei: Witzigkeit, Traurigkeit, Liebe, Rache...Und es wird sogar recht psychologisch und philosophisch. Es geht um eine Frau in den besten Jahren,  also kurz vor ihrem 50. Geburtstag und ihre vielen Gedanken über ihre Vergangenheit und die Zukunft.  Sie begegnet "alten" Freunden und verliert auch welche. Es geht auch um ihre Ehe und um Seitensprünge. 

    Trotz des angenehmen Schreibstils muss man sich beim Lesen doch immer wieder konzentrieren, da I.v. Kürthy bzw. die Hauptperson Judith beim Erzählen immer wieder abdriftet und ziemlich viel hinterfragt.  Aber sie beschreibt nachvollziehbare Gedanken. 

    Ich habe mich in der Hauptperson oftmals wiedererkannt. ; ) und kann das Buch nur weiterempfehlen. 


  12. Cover des Buches Der Sommer ohne Männer (ISBN: 9783499255861)
    Siri Hustvedt

    Der Sommer ohne Männer

     (148)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Durch die stetigen intellektuellen Abschweifungen wirkt die eigentliche Geschichte sehr abgehackt und gespalten und das Vergnügen an der Geschichte geht mit fortschreitendem Lesen etwas verloren.

    Mia, von ihrem Ehemann Boris verlassen, um eine „Pause“ in der über dreissigjährige Ehe einzuschalten, unterrichtet pubertierende Mädchen in lyrischen Texten und verbringt einen Sommer in der Nähe des Altersheims ihrer Mutter mit den „Schwänen“, wie sie die Altersgenossinnen derselben nennt. Ihre einzige Tochter, enttäuscht von ihrem Vater und in Sorge um die Mutter, will als Detektivin die wahren Gründe für dessen Auszeit erfahren. Die ganze Story wirkt streckenweise konstruiert und ist dann mühsam zu lesen. Gegen Ende des Buches verdichten sich die Gedankengänge wieder zu einer stringenten Handlung.

    Nach dem sehr gelungenen Roman „Die unsichtbare Frau“ war diese Erzählung eher etwas enttäuschend, wenn auch nicht total uninteressant für mich. Ein Roman, den man jedoch schnell wieder vergisst.

  13. Cover des Buches Kleine Paläste (ISBN: 9783716028049)
    Andreas Moster

    Kleine Paläste

     (22)
    Aktuelle Rezension von: TochterAlice

    Hanno kehrt zurück in sein Elternhaus, wo er seit 28 Jahren nicht mehr war - er ging damals als junger Mann im Streit mit seinem Vater. Nun ist dieser schon seit längerem dement und auch körperlich ein Pflegefall. Aufgrund des plötzlichen Todes seiner Mutter übernimmt Hanno fürs Erste.

    Nach der Beerdigung und dem ersten Eingewöhnen empfindet Hanno zunächst die neue Situation gar nicht als so schlimm wie befürchtet, da er unerwartete Hilfe durch seine Kindheitsfreundin Susanne, die im Nachbarhaus wohnt, erhält. Fast könnte man meinen, dass zwischen ihnen beiden eine Annäherung erfolgt, doch eine solche verläuft jedes Mal im nichts.

    Begleitet wird die Szenerie aus der Sicht sowohl von Hanno als auch von Susanne. Auch Hannos verstorbene Mutter Sylvia steuert ihre Beobachtungen bei - sie erlebt nun alles sozusagen von der anderen Seite und zwar in Gesellschaft von Susannes ebenfalls verstorbenen Eltern.

    Eine Handlung, die zwar ruhig, aber unweigerlich auf ein Drama hinsteuert, das  sich in etwa ab Mitte des Romans mehr als deutlich anbahnt. Dadurch geht eine Menge Dynamik verloren. Auch werden bestimmte relevante Ereignisse, die ebenfalls eine Rolle spielen, nur angedeutet.

    Auch wenn der Roman zunächst vielversprechend begann und sprachlich einiges  bot, war ich im Endeffekt doch eher enttäuscht. So richtig eine tiefergehende Botschaft ist für mich nicht rübergekommen.

  14. Cover des Buches Aberland (ISBN: 9783854209638)
    Gertraud Klemm

    Aberland

     (21)
    Aktuelle Rezension von: Sikal

    Das Buch hat zwei Protagonistinnen, die uns an ihren Gedanken, Wertvorstellungen, Problemen und Seitensprüngen teilhaben lassen. Einerseits Elisabeth, 58, seit Beginn ihrer Ehe Hausfrau und Mutter, deren Mann ihr wenig Respekt entgegenbringt, dafür keinerlei finanzielle Sorgen aufkommen. Andererseits ihre Tochter Franziska, 35, die sich mit gerade dieser von ihr so verhassten Rolle nicht zufriedengeben will und doch genau dort landet: Hausfrau und Mutter. So nebenbei versucht sie noch ihre Dissertation zu schreiben, kommt mehr schlecht als recht voran und gibt allem voran ihrem erfolgreichen Mann daran die Schuld, der auch noch ein zweites Kind mit ihr will …

    So der Grundinhalt des Romans von Gertraud Klemm, die hier mit bissigen, jedoch unterhaltsamen Sequenzen über die Geschlechterrollen herzieht. Sie will hier bestimmt keine Wertung über Hausfrauendasein und Kindererziehung abgeben – im Gegenteil, sie weist auf diese noch immer nicht gebührend gewürdigten Arbeiten in unserer Gesellschaft hin. Hausfrau? Und was machst du sonst noch? Der gesellschaftliche Wert dieser überaus wichtigen Tätigkeiten befindet sich gleich bei null oder noch darunter. Sehr schön erkennt man die (überspitzte?) Darstellung in Aberland bei Elisabeths Ehemann, der von SEINEM Haus, SEINEM Auto, SEiNEM was auch immer spricht und dabei nicht wahrnimmt, dass auch Elisabeth ihren Beitrag geleistet hat, damit SEIN vorhanden ist – leider wurde es nie zu UNS.

    „Edith hat dem Schweigen ein Geräusch gegeben, ein leises Singen, das mich durch die dunklen Tage getröstet hat, mit gutem Wein und bitterem Lachen, auf Friedhöfen und bei Hochzeiten und wenn die Kinder gekommen sind, das Zusammensein mit Edith blieb eine Art Wäschespinne, auf der man alle Probleme ausbreiten konnte und alles wurde trocken und gut oder flog weg.“

    Während Elisabeth sich - vielleicht aufgrund ihres Alters - mit ihrer Rolle arrangiert hat, viel in der Vergangenheit gedanklich festhängt und auch versucht dem Alter ein Schnippchen zu schlagen, gelingt es Franziska nicht, sich in ihr Hamsterrad drängen zu lassen. Sie verspürt Wut und oftmals Resignation, will die ihr zugedachte Rolle nicht hinnehmen. Leider erkennt sie aber auch keine Alternativen, außer hin und wieder aus ihrem Leben auszubrechen, sei es für eine Nacht oder auch nur für ein paar Stunden.

    Solange es in unserer Gesellschaft keinen höheren Stellenwert für Hausarbeit und Kindererziehung gibt, werden sich weiterhin die Geburten reduzieren, werden weiterhin Frauen sich nicht darauf einlassen wollen Beruf und Karriere an den Nagel zu hängen, um sich „nur“ der Familie zu widmen.

    Mir hat das Buch gut gefallen, der Schreibstil von Gertraud Klemm tut sein Übriges und lässt den Leser schon öfters schmunzeln, obwohl das Thema es eigentlich nicht zulässt. Doch bis zum Schluss gingen mir die oftmals zynischen Gedanken der beiden Frauen ziemlich auf die Nerven und somit gibt es für einen Punkt Abzug.

  15. Cover des Buches Eine Frau wird älter (ISBN: 9783328600022)
    Ulrike Draesner

    Eine Frau wird älter

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Hopeandlive
    Ulrike Draesner, einer der profiliertesten deutschsprachigen Gegenwartsautorinnen, geboren 1962 in München und wohnhaft in Berlin, mehrfache Buchpreisträgerin hat ein außergewöhnliches und sehr persönliches Buch geschrieben über den "Change of life".
    In einer unglaublich schönen  und humorvollen Sprache schreibt sie über den Wechsel, den Lebenswechsel , nicht nur schnöde über die Wechseljahre oder über die Menopause, was soll das denn für eine Pause sein , wenn sich "Meno" verabschiedet?
    Frauen dürfen älter werden und in diesem Buch erfahren wir nicht "nur" etwas über Ulrike Draesner, sondern über all die Frauen der Vergangenheit, die sich in ihr vereinen, ihre Mutter, die lange Zeit immer ihren 39. Geburtstag gefeiert hat, ihre beiden Großmütter, Tanten, Großtanten, Urgroßmütter. Wie haben diese Frauen in ihrer Zeit den "Change of life" begangen und was ist von diesen Frauen an die Autorin weitergegeben worden und wie zeigt es sich heute in ihrem Leben.
    Frauen in diesem Lebenswechsel, mit Humor und Ironie, mit Schwitzen, Schlaflosigkeit, "Unsichtbarwerden" und das geht auch ohne Tarnkappe;), aber auch mit viel Dankbarkeit , Mut , Gelassenheit und Widerständigkeit gegen Alterklischees lässt sie in ihrem Buch zu Wort kommen, denn jeder Wechsel zeigt sich anders und ich habe mich in einigem wiedergefunden und in einigem anderen nicht.
    Wie geht es der Frau, wenn die Menstruation einsetzt, jammern oder jubeln da wir endlich im Kreis der Frauen aufgenommen sind und nun dürfen wir uns Jahrzehnte mit den Folgen dieses immerwährenden Zykluses auseinandersetzen, bis er sich verabschiedet, manchmal sang - und klanglos, doch oftmals mit heftigen Wellenbewegungen , die unser ganzes Leben buchstäblich auf den Kopf stellen. Oftmals geht ein Trauerprozess los, denn die Möglichkeit Kinder zu gebären, verabschiedet sich entgültig. Jede Frau erlebt es anders und Ulrike Draesner lässt sie alle zu Wort kommen, die Frauen in ihrer Familie und ihre Freundinnen und  schafft es Dank ihrer unnachahmlichen Sprache der Leserin und dem Leser immer wieder ein Schmunzeln, manchmal ein Lachen, auch mal das Buch weglegen und den eigenen Gedanken über das Leben nachgehen sowie auch tiefes Mitempfinden wenn Trauer und Schmerz beschrieben werden, hervorzurufen.
    Es ist kein Buch , was sich in die XY-Wechseljahrsratgeber einreihen lässt.
    Ulrike Draesner schenkt uns einen tiefen Blick in ihr persönliches Leben und schafft es auch historische Sachverhalte geschickt mit einzubringen. Gleichzeitig schenkt sie einen hoffnungsvollen und versöhnten Blick auf das, was noch vor uns liegt, nachdem wir unsere Kinder nach der Pubertät ins Leben lassen, uns um unsere älter werdenden Eltern kümmern, uns von Lebensentwürfen verabschieden , mit Einschränkungen und gesundheitlichen Herausforderungen zu kämpfen haben.

    "Wie das, was man war, sich allmählich auflöste - icht aber verblühte, sondern hineinblühte in eine andere Form, um in dieser Form als Teil der eigenen Geschichte neu zu erscheinen und aufzugehen."

    In uns lebt , zumindest in mir ;):) , immer noch Pippi Langstrumpf , die sich ihre Welt, die jetzt anders , jedoch immer noch unglaublich schön ist, macht wie sie es will. Denn wie sagt ihre Schöpferin, Astrid Lindgren, so schön:
    "Schließlich gebe es kein Verbot für alte Weiber , auf Bäume zu klettern."

    Dank diesem ungewöhnlichen Buch , aus dem ich mir einiges mitnehmen durfte, einiges nicht auf mich zutraf, werde ich jetzt ganz gelassen und versöhnt klettern gehen und kann an dieser Stelle dem Penguin Verlag ganz herzlich Danke sagen und höchste Leseempfehlung aussprechen.
  16. Cover des Buches Nein! Ich will keinen Seniorenteller (ISBN: 9783442468683)
    Virginia Ironside

    Nein! Ich will keinen Seniorenteller

     (170)
    Aktuelle Rezension von: MoniqueH

    Marie ist fast 60 aber fühlt sich noch nicht so alt wie Altersgenossen meinen das sie jetzt ist. Ihre Bekannten sprechen nur über ihr Alter, Altertum, Krankheiten und der kommende Tod. Marie nicht. Marie fühlt sich jung und will das alles machen was junge Menschen machen. In ihr Tagebuch beschreibt sie ihr Leben, ihr Freunden, Familie usw. Ihr Leben und ihre Meinung über Alter und die Personen in ihr Leben wird deutlich kommentiert.

     

    Witzig Buch zum lesen. Marie ist jemand die fröhlich und munter im Leben steht und sich nicht runter kriegen lässt. Ihre Meinung ist anders dann andere und auch teilweise typisch englisch, das macht die Geschichte schön.

  17. Cover des Buches Herbstbunt (ISBN: 9783453207066)
    Thomas Gottschalk

    Herbstbunt

     (19)
    Aktuelle Rezension von: MatthiasBreimann

    In seinem neuen Werke “Herbstbunt“, spricht der größte Entertainer Deutschlands über das Älterwerden und was es so alles mit sich bringt. Man könnte es als Plädoyer ans Älterwerden bezeichnen, welches er hiermit verfasst hat. In den einzelnen Kapiteln, die nach Songtexten bekannter Bands benannt sind, geht er auf verschiedene Themen des Alltags und das Leben ein und lässt den Leser tief in sein Leben blicken. Er erzählt wie es ist und wie man sich als 50er Jahrgang, in unserer gegenwärtigen Zeit eben dieses Alter erreicht und man sich zurechtfindet. So zeigt er die alltäglichen Tücken und Fettnäpfchen auf, in die man treten kann und erzäht selbst was er vieles erlebt hat. So eben zum Beispiel, die neue Technik, das neue “political correctness“ Verhalten, uvm. So geht er zum Beispiel darauf ein, wie er Twitter für sich entdeckt hat und damit gleich zwei Mal einen Shitstorm über sich ergehen lassen musste, aufgrund von Aussagen die er getätigt hatte und eben falsch aufenommen wurden, für die er sich heute noch entschuldigt, obwohl es nie böse gemeint war. Auch geht er eben darauf ein, wie kompliziert die Gesellschaft geworden ist, für eben alle Menschen die noch mit Standarts und Werten wie zum Beispiel “Love and Peace“ aufgewachsen sind. So erklärt er auch was es mit den “Beinberührungen“ in Wetten dass…?, die er als freundschaftliche Geste ausdrücken wollte und ihm vorgeworfen wurden, auf sich hatte.

    Zudem schildert er auch die Erziehung seiner Kinder und gibt für Eltern ein paar Tipps mit auf den Weg, obwohl er selbst äußert, dass es nicht immer glatt lief und einige Methoden er kritisch hinterfragt, eben da seine Kinder in jenem Umfeld groß wurden und fast nie die andere Seite des Lebens sahen.

    Auch geht er auf die großen Schicksalschläge ein, wie seine Beinperation aufgrund eines Unfalls beim Wandern um sich selbst zu finden, sowie die Tragödie als in Kalifornien sein Haus bis auf die Grundmauern durch die immensen Waltbrände, niederbrannte, während er in Deutschland auf einer Charity-Veranstaltung war. Sein fast einziges und größtes Leid dabei: Eine komplett zerstörte Sammlung der Werke von Rainer Maria Rilke.

    In diesem Werke gibt der Entertainer nicht nur Einblicke in sein Leben und seine Ansichten, sondern auch in sein sehr humorvolles/selbstironisches und man kann ohne weiteres sagen, gutherziges Wesen.

    Das Buch selbst, ist schnell zu lesen und mit eben dem bekannten, großartigen Humor des Entertainers verfasst worden. Denn lachen wird man mit diesen Werke sehr sehr oft.

    Ein Buch, dass man absolut empfehlen kann.

  18. Cover des Buches Baba Dunjas letzte Liebe (ISBN: 9783462054729)
    Alina Bronsky

    Baba Dunjas letzte Liebe

     (278)
    Aktuelle Rezension von: Elenchen_h

    Baba Dunja wohnte in Tschernowo - bis das Reaktorunglück ihren Wohnort in eine Todeszone verwandelte. Es folgten Jahre in der Stadt, doch Baba Dunja ist kein Stadtmensch. Sie beschloss, zurückzukehren. Heute lebt sie wieder in ihrem kleinen Dorf, mit einigen anderen älteren Menschen - Rückkehrern und Krebskranken, Vor-Sich-Hin-Welkende und In-Sich-Zurückgezogene. Sie bauen in ihren Gärten an, was sie brauchen und holen den Rest aus der letzten Stadt vor der Todeszone. Doch dann ziehen zwei Menschen in das verstrahlte Dorf, die dort nicht hingehören - und das Unglück nimmt seinen Lauf.


    "Baba Dunjas letzte Liebe" von Alina Bronsky hat mich direkt angesprochen, als ich den Klappentext gelesen habe. Ich bin auf das Buch beim Stöbern nach Romanen, die auf dem Land spielen, gestoßen - und dieser hier passt perfekt in das Land-Thema, wenn auch auf sehr unkonventionelle Weise.


    Erzählt wird die Geschichte die ganze Zeit aus Baba Dunjas Ich-Perspektive. Als Lesende schlüpfen wir in ihre Figur und nehmen Tschernowo sowie das Leben in diesem kleinen, verlassenen Dorf aus ihrem Blickwinkel wahr. Die Erzählung wird dabei häufig sehr humorvoll und skurril, beispielsweise wenn Baba Dunja von den vielen Spinnen erzählt, die sich aufgrund der durch das Reaktorunglück fehlenden Vögel in Tschernowo ausgebreitet haben. Oder bei Schilderungen über Biolog*innen, die in voller Strahlenschutz-Montur Proben der in Tschernowo angebauten Früchte und Obstsorten nehmen. Oft arbeitet die Autorin aber auch ernste Themen mit ein, allen voran das Älterwerden und die Distanz zu der eigenen Familie.


    Trotz der Kürze des Buches fand ich die Geschichte sehr eindringlich und gut erzählt. Sie wird wenig ausgeschmückt und es passiert gar nicht so viel, fesseln konnte mich die Autorin damit dennoch. Vielleicht hätten ich zu einem Aufbau von Bindungen zu den Figuren und zur Handlung an sich aber doch einige Worte mehr gebraucht. So habe ich mich zwar gut unterhalten gefühlt und hatte durchaus etwas zum Nachdenken, richtig fallen lassen konnte ich mich in den Roman aber nicht.


    Empfehlen möchte ich "Baba Dunjas letzte Liebe" gerne allen, die - wie ich - auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Landroman sind. Außerdem denjenigen, die sich für Bücher über das Älterwerden interessieren. Und einfach allen, die ein Buch für Zwischendurch suchen, das unterhält, aber nicht allzusehr mitnimmt. Ich möchte nun jedenfalls einen näheren Blick auf die weiteren Bücher von Alina Bronsky werfen 📚

  19. Cover des Buches Keine Panik, ehrliche Spiegel altern immer mit! (ISBN: 9783775159340)
    Arno Backhaus

    Keine Panik, ehrliche Spiegel altern immer mit!

     (9)
    Aktuelle Rezension von: VeraDoll

    Arno Backhaus beschreibt in seiner Biographie verschiedene Bereiche seines Lebens. Er berichtet viel von seiner schwierigen Kindheit, wie er in seiner Jugend zum Glauben gekommen ist, seine Frau kennengelernt hat, seine Aktionen, wie er auch anderen Christus näher bringen möchte und sein Leben als Musiker.

    Dabei lockern Zwischenüberschriften und viele Bilder den Lauftext auf und man bekommt eine bildliche Vorstellung, wie Arnos Leben ausgesehen hat. Faszinierend sind seine Erlebnisse mit Gott und wie frei und locker er mit dem Thema Glauben gegenüber Anderen umgeht.

    Ein paar witzige Sprüche auf "gelben Klebezetteln" spiegeln seine lustige Art wider. Ein paar Rechtschreibfehler machen das Buch eines AD(H)Sler authentisch. Ich hätte mir zu den Bildern genaue Bildunterschriften gewünscht. So konnte ich nicht jedes Bild genau zuordnen.

    Alles in Allem ein schönes Buch, welches Anregungen bietet, wie man die Lehre und Liebe Christi weiter verbreiten kann und womöglich auch den Mut überhaupt dazu gibt. Außerdem lädt es zum Nachdenken ein, wie man Gott noch intensiver erleben kann.

  20. Cover des Buches Wer die Nachtigall stört ... (ISBN: 9783839894316)
    Harper Lee

    Wer die Nachtigall stört ...

     (30)
    Aktuelle Rezension von: FairyOfBooks

    Ich kann nichts dazu sagen, bin sprachlos, wie gut dieses Buch ist. Trotzdem gebe ich ihm nur 4 Sterne, fragt mich nicht, warum. Vielleicht lag es an den ein oder anderen Längen? Das kann gut möglich sein, dass ich deshalb das Gefühl habe, dem Buch keine 5 Sterne zu "gönnen". Obwohl ich eben auch denke, dass es nicht das beste Buch zum Thema Rassismus ist - mit fiktiver Geschichte hierbei -, ist es dennoch ein gutes Buch zum Einstieg. Man wird nicht unbedingt mit Fakten zu diesem Thema bombardiert, sondern lernt es durch eine seichte Geschichte kennen, die über das Aufwachsen eines kleinen Mädchens handelt, deren Vater rein zufällig einen schwarzen Menschen vor Gericht verteidigt.
    Noch dazu ist es ein Klassiker, den, wie ich finde, man definitiv lesen sollte, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Es lohnt sich auf alle Fälle.

  21. Cover des Buches Der Junge, der mit dem Herzen sah (ISBN: 9783442486328)
    Virginia Macgregor

    Der Junge, der mit dem Herzen sah

     (59)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    Nach einem Küchenbrand beschließt Sandy ihre Schwieger-Großmutter in ein Altenheim zu geben. Dies stößt bei ihrem Sohn Milo, der seine Gran heiß und innig liebt auf Widerstand. Sandy wurde vor kurzem von ihrem Ehemann und Vater von Milo verlassen, hat resigniert, tröstet sich mit Keksen und vernachlässigt die Kunden ihres Kosmetikstudios. Aufgrund der finanziellen Situation wird Milos Urgroßmutter in einem kostengünstigen Altenheim untergebracht, das nach Außen jedoch einen guten Eindruck vermittelt. Milo, dessen Sehfähigkeit aufgrund einer unheilbaren Netzhauterkrankung bereits stark eingeschränkt ist, blickt hinter die Fassade. Was er sieht, ist nicht nur menschenverachtend, sondern auch kriminell, doch weder seine Mutter noch die Polizei nehmen den neunjährigen Jungen ernst. Einzig der syrische Flüchtling Tripi, der als Koch in dem Altenheim arbeitet, hört auf Milo und unterstützt ihn bei der Sammlung von Beweisen gegen die für das Heim verantwortliche Altenpflegerin. 

    "Der Junge, der mit dem Herzen sah" ist der perfekte Titel für diesen warmherzigen Roman, der er fasst die Geschichte grundlegend zusammen. Milo sieht die Welt wegen seiner Erkrankung nur noch durch ein Nadelöhr, sieht mit seiner kindlichen Art, seiner Ehrlichkeit, Unbedarftheit, Liebe und Fürsorge aber dennoch mehr als so mancher gesunder Erwachsener. 

    Als seine geliebte Gran, um die er sich zu Hause liebevoll zusammen mit Zwergschweinchen Hamlet gekümmert hat, ins Altenheim kommt, ist er mit der Entscheidung seiner Mutter nicht einverstanden. Als Milo bei seinen Besuchen auch noch hinter die fragwürdigen Machenschaften der groben und raffgierigen Altenpflegerin kommt, beschließt er, seine Gran zu retten. 

    Es ist eine anrührende, aber auch sehr abenteuerliche Geschichte. Nicht alles ist wirklich glaubhaft dargestellt, denn der kleine Held Milo wirkt deutlich reifer als ein neunjähriger Junge und unternimmt eigenmächtig sehr viel, ohne dass seine Mutter Notiz davon nimmt. 

    Die Charaktere sind zudem eher eindimensional geschildert und dienen der Bedienung von Klischees. Einzig die "Opfer", wie der kranke Milo, der unter dem Verlust seiner Gran leidet, der syrische Koch, der illegal in England ist und die ins Heim abgeschobene Lou sind liebenswert, während die anderen Erwachsenen wenig sympathisch und fehlerhaft dargestellt sind. 

    Die Geschichte ist unterhaltsam und vermittelt schöne Botschaften von familiärem Zusammenhalt, Menschlichkeit, Freundschaft und Nächstenliebe, ist dabei aber recht vorhersehbar und bleibt nicht nur in Bezug auf den inneren Konflikt bei der Entscheidung um die Unterbringung und Versorgung ältere Menschen in Alten- und Pflegeheimen, sondern auch auf die Situation in Syrien und die der Geflüchteten an der Oberfläche. Auch Milos Erkrankung ist kaum mit Einschränkungen für diesen verbunden. 

    Das Buch steht voller Probleme, die es zu lösen gilt und wirkt damit etwas überfrachtet. Es liest sich durch de Kindessicht Milos jedoch leicht und letztlich hofft man für ihn, dass am Ende tatsächlich alles gut wird. 

    Der Roman regt zum Nachdenken an, wieder mehr Kind zu sein, um die Augen vor den wirklich wichtigen (Herzens-)dingen nicht zu verschließen. Trotz der schwerwiegenden Themen und einzelner anrührender Momente war mir der Roman insgesamt jedoch zu sehr aus Kindesicht geschrieben. Die anderen beiden Romane der Autorin "Solange unsere Herzen schlagen" und "Die Bilder in unseren Herzen" wussten mich wesentlich mehr zu begeistern. 

  22. Cover des Buches Die Frau nebenan (ISBN: 9783548290539)
    Yewande Omotoso

    Die Frau nebenan

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Nadezhda

    Ich hatte hohe Erwartungen an dieses Buch, vielleicht zu hohe. Wer von der Kritik gleich mit Nadine Gordimer verglichen wird, hat es aber auch nicht leicht, wenn diese Fußspuren dann ausgefüllt werden sollen...


    Mit diesen beiden alten Krähen, die nur darauf lauern, der anderen ein Auge aushacken zu können, hat Yewande Omotoso interessante und ungewöhnliche Figuren entwickelt und mit ihnen die Ereignisse des Buches aus unterschiedlichen und für mich z.T. neuen Perspektiven dargestellt. Eine schwarz-weiße Beziehung im London der Fünfzigerjahre, dasselbe schwarz-weiße Paar im Nigeria der Sechzigerjahre, dann kurz nach Ende der Apartheid in Südafrika, die beiden berufstätigen Frauen, die in ihrer Zeit Beruf und Familie (nicht) unter einen Hut bringen wollen oder müssen - das sind spannende Lebenswege, die ich gern mit verfolgt habe. Omotoso deutet die historischen Verwerfungen des Umfelds oft nur an, konzentriert sich auf die privaten Verwicklungen der ProtagonistInnen, bleibt also deutlich unpolitischer als Gordimer. Was die Autorinnen auf jeden Fall verbindet, ist die Gründlichkeit, mit der der ganz persönliche Rassismus der ProtagonistIinnen seziert wird und dessen Folgen für ihre großen und kleinen Lebensentscheidungen, Verfehlungen und Verhärtungen gezeigt werden. Dabei wird nicht an Zynismus, Hass und Bitterkeit gespart.


    Das Aufbrechen dieser Verhärtungen ist dann auch das Ziel, dem dieser Roman entgegenstrebt und das bei zwei so sturen und wenig warmherzigen alten Damen sicher nur ansatzweise gelingen kann - hier braucht man sich nicht vor dem rosa überzuckerten Happy End zu fürchten, das der Klappentext nahelegt. Vielmehr wird deutlich, dass Wahrheit und Versöhnung (nicht nur in Südafrika) doch sehr schwierige und sperrige Angelegenheiten sein können.

  23. Cover des Buches Kopfkino (ISBN: 9783037631164)
    Blanca Imboden

    Kopfkino

     (16)
    Aktuelle Rezension von: Laura_phantastisch

    Beim Lesen der Geschichten sprang immer mein persönliches „Kopfkino“ an und ich bin einfach begeistert. Der Schreibstil ist einfach sehr unterhaltsam und megahumorvoll!
    Auch finde ich es super, dass ich viel über die Autorin erfahren habe. Bianca Imboden gibt bei den Kolumnen ganz tolle Einblicke in ihr Leben. Die beiden Kurzgeschichten sind einfach herzlich, humorvoll und einem Happy End geschrieben.

    5 Sterne und eine deutliche Leseempfehlung von mir!

  24. Cover des Buches Bridget Jones - Mad About the Boy (ISBN: 9780224098106)
    Helen Fielding

    Bridget Jones - Mad About the Boy

     (83)
    Aktuelle Rezension von: jenni_3004
    Bridget Jones.. eines der witzigsten Bücher die ich gelesen habe. Zwischendurch auch sehr traurig, da Mark gestorben ist. Würde es trotzdem noch einmal lesen, freue mich schon auf die Verfilmung, die im Oktober ins Kino kommt...

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