Bücher mit dem Tag "älterwerden"
65 Bücher
- Stephanie Butland
Hoffnung auf Papier
(191)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerStell dir vor, du schlenderst durch die gemütlichen Gassen von York, vorbei an Pubs, die nach Ale und Geschichte riechen, und stolperst plötzlich über ein Antiquariat, das nicht nur Bücher, sondern auch Hoffnung verkauft. Willkommen in Loveday Cardews Welt, in der ein Buch nicht nur Papier und Tinte ist, sondern eine Rettungsleine in Zeiten des Corona-Lockdowns.
Loveday Cardew, die ungekrönte Königin der Bücher
Loveday ist nicht deine durchschnittliche Buchladenbesitzerin. Sie könnte glatt als Superheldin durchgehen – wenn Superheldinnen alte Bücher, statt Capes, tragen würden. Als das Schicksal in Form eines Lockdowns zuschlägt, sitzt sie nicht einfach da und liest die Klassiker (obwohl, zugegeben, das auch eine Option wäre). Nein, sie findet eine geniale Idee: Eine Bücherapotheke, die in der Lage ist, jedes noch so gebrochene Herz zu heilen. Wer braucht schon Superman, wenn man Loveday hat?
Die Bücherapotheke – Heilung auf Rezept
Die Idee ist so einfach wie genial: Menschen schicken ihre Leidensgeschichten, und Loveday verschreibt die perfekte literarische Medizin. Von "Krieg und Frieden" gegen Einsamkeit bis hin zu "Der kleine Prinz" als Heilmittel gegen Existenzkrisen – Loveday hat für jedes Wehwehchen das passende Buch parat. Es ist fast so, als hätte Mary Poppins beschlossen, statt einem Regenschirm einen Buchladen zu eröffnen.
Ein Brief, der alles ändert
Der Auslöser für Lovedays genialen Einfall ist ein Brief von Rosemary und George, einem Ehepaar, das beweist, dass Liebe nicht nur durch den Magen, sondern auch durch gemeinsame Leseabenteuer geht. Dieser Brief ist der Funke, der Loveday dazu bringt, ihr Antiquariat in eine Oase der Hoffnung zu verwandeln. Denn wenn es etwas gibt, das noch ansteckender ist als ein Virus, dann ist es die Liebe zu Büchern.
Zwischen den Zeilen der Pandemie
Stephanie Butland schafft es, in "Hoffnung auf Papier" nicht nur eine Geschichte über Bücher zu erzählen, sondern auch ein lebendiges Bild der Pandemie zu zeichnen. Es ist, als würde man einen Roman lesen und gleichzeitig durch ein Fenster in die Seelen der Menschen blicken, die versuchen, ihren Weg durch die Dunkelheit zu finden. Und genau wie im echten Leben, findet man auch in diesem Buch Lichtblicke, die einem das Herz wärmen.
Fazit: Ein Buch, das beweist, dass Lesen die beste Medizin ist
"Hoffnung auf Papier" ist mehr als nur ein Roman; es ist ein Plädoyer für die Kraft der Literatur und eine Erinnerung daran, dass in Zeiten der Not Bücher zu unseren besten Freunden werden können. Loveday Cardew ist die Freundin, die wir alle während des Lockdowns gebraucht hätten – eine, die genau weiß, welches Buch uns aufmuntern kann. Also, wenn du das nächste Mal das Gefühl hast, gegen Windmühlen zu kämpfen, erinnere dich an Loveday und greif zu einem Buch. Denn wie sie beweist, kann man selbst in den düstersten Zeiten Hoffnung auf Papier finden.
- Ildikó von Kürthy
Es wird Zeit
(166)Aktuelle Rezension von: Da_Maris"Morgen kann kommen" war der erste Roman, daen ich von Ildikó von Kürthy gelesen habe. Da er mir so gut gefallen hat, habe ich mich im Anschluss für "Es wird Zeit" entscheiden. Leider wurde ich hier etwas enttäuscht. Die Protagonistin Judith ist die ganze Geschichte über ziemlich unzufrieden mit sich selbst und ihrem Leben. Sie hinterfragt dauernd alle ihre Entscheidungen und redet in einem abfälligen Ton über sich selbst. Das ist nicht nur anstrengend, sondern mit der Zeit auch für die Leserin deprimierend. Da die Geschichte von ihrem Ich erzählt wird, prägt dieser schnippische Erzählstil leider die ganze Geschichte. (Beispielsweise: "Ich mache mich gerade und spanne meinen wenigen verbliebenen Bauchmuskeln an. [...] Schon der Name ist wie ein Schlag ins Gesicht für eine Frau mit Orangenhaut an den Oberarmen" (S.280f.) Die Entwicklung der Freundschaft von Judith und Anne hat mir sehr gut gefallen. Insgesamt hatte die Geschichte für meinen Geschmack aber zu viele Geheimnisse und Intrigen und erinnerte mich stellenweise an GZSZ. Mit der Figur des Erdal konnte ich mich in diesem Buch auch gar nicht anfreunden. Er wirkte einfach nur lächerlich und unrealistisch auf mich. Das Buch ist allerdings sehr schön gestaltet mit Bildern von Peter Pichler und Kapitelüberschriften in Form von Zitaten aus dem Kapitel. Auch Titel passt sehr gut zum Buch und spiegelt sich gut in der Geschichte wider.
- Ragnar Jónasson
DUNKEL
(457)Aktuelle Rezension von: Nicola89Eine junge Frau suchte Sicherheit, doch was sie fand, war der Tod…
Hulda Hermannsdóttir, Kommissarin bei der Polizei Reykjavík, soll frühzeitig in Ruhestand gehen, um Platz für einen jüngeren Kollegen zu machen. Sie darf sich einen letzten Fall, einen cold case , aussuchen – und sie weiß sofort, für welchen sie sich entscheidet. Der Tod einer jungen Frau wirft während der Ermittlungen düstere Rätsel auf, und die Zeit, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen, rennt. Eine Wahrheit, für die Hulda ihr eigenes Leben riskiert …"Dunkel" ist der erste Teil dieser Reihe und hat mich von Beginn an gefesselt, sodass ich nur so durch die Seiten geflogen bin.
Die Protagonistin Hulda hat als einzige Frau in ihrer Dienststelle mit dem Patriachat zu kämpfen und scheint auch bei so mancher Beförderungsmöglichkeit übergangen worden zu sein. Gleich zu Beginn der Geschichte wird man Teil eines von ihr geführten Verhörs und ihre dabei getroffene Entscheidung lässt sie einerseits empathisch wirken, andererseits ist dieser Weg absolut falsch. Trotz so vieler Jahre Berufserfahrung wirkt sie im Verlauf der Ermittlungen manchmal doch etwas leichtgläubig.
Das Buch wurde in drei Teile gegliedert: erster Tag, zweiter Tag und letzter Tag. Im mittleren Teil bekommt man mehr und mehr Einblick in Huldas bisheriges Leben, was für den Ausgang der Geschichte durchaus relevant ist. Zudem bekommt man Einblick in die Geschichte einer weiteren Person, die mit dem Fall in Verbindung steht. Hier möchte ich aber nicht spoilern und gehe deshalb nicht weiter darauf ein.
Das Ende war absolut unerwartet, aber irgendwie auch sehr passend und konsequent.
Wie ich aus den Klappentexten der Folgebände entnehmen konnte, scheint Huldas Leben bzw. ihre Karriere rückwärts erzählt zu werden und endet quasi mit ihrem ersten Fall. Diese Erzählweise ist mal etwas ganz anderes und macht mich sehr neugierig.
- Libby Page
Schwimmen mit Rosemary
(226)Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerinSeit über 60 Jahren schwimmt Rosemary jeden Morgen im Brixtoner Freibad, als sie erfährt, dass es nicht mehr rentabel ist und einer Luxusimmobilie weichen soll. All die schönen Momente ihres Lebens hat sie dort verbracht und verbindet das Freibad auch insbesondere mit ihren Erinnerungen an ihren verstorbenen Ehemann.
Kate ist Journalistin für den Chronicle und erhält den Auftrag, die treueste Schwimmerin des Freibads zu interviewen. Diese stimmt nur zu, wenn Kate selbst den Sprung ins Wasser wagt. Sie lebt bereits seit einiger Zeit in London, kennt jedoch nicht einmal die Mitbewohner in ihrer Wohngemeinschaft und fühlt sich einsam. Sie überwindet sich und findet sogar Gefallen am Schwimmen und freundet sich schnell mit der älteren Dame Rosemary an. Gemeinsam beschließen sie, das Freibad zu retten, initiieren eine Petition und haben bald das gesamte Stadtviertel hinter sich. Während Kate durch ihr Engagement und ihren Erfolg als Journalistin aufblüht, scheinen die Tage des Schwimmbads dennoch gezählt zu sein, was Rosemary schmerzlich trifft.
Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Frauen geschildert, wobei sie sich immer wieder in Erinnerungen verlieren, Kate an ihre Schwester Erin, zu der sie nicht ehrlich ist und Rosemary an ihr Leben mit ihrem Ehemann, in dem das Freibad eine wesentliche Rolle spielte. Durch die gemeinsame Kampagne zur Rettung des Stadtteilbads werden sie zu Freundinnen und erhalten bei ihren Aktionen Unterstützung Nachbarn, Bekannten und immer mehr Menschen, die auf die traurige Schließung des Freibads aufmerksam gemacht werden.
Durch die Erinnerungen lernt man beide Hauptfiguren besser kennen, begreift, was Rosemary das Freibad bedeutet und kann nachvollziehen, wie Kate aus ihrer Routine ausbricht und sie durch eine Aufgabe, die ihr wichtig wird und die ihr Selbstvertrauen gibt, ihre Ängste und Panikattacken zurückdrängen kann.
Das Freibad ist mehr als nur ein Ort für ein Hobby oder ein Sommervergnügen. Es ist ein Symbol für Heimat und Nostalgie, für Gemeinschaft, Geborgenheit und Zusammenhalt. Für Rosemary steht es für ihre unsterbliche Liebe zu ihrem Mann und Kate lernt dort nicht nur wieder zu schwimmen, sondern auch zu leben.
"Im Freibad" ist eine warmherzige Geschichte mit liebenswerten Charakteren, eine Geschichte über eine generationenübergreifende Freundschaft, über Liebe und die Hoffnung, gemeinsam etwas bewirken zu können und gegen Gentrifizierung, soziale Benachteiligung, Abschottung, Verdrängung und Ignoranz vorzugehen. Es ist ein empathisch geschriebener, Trost spendender Wohlfühlroman für Herz und Seele.
- Lisa Ridzén
Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
(40)Aktuelle Rezension von: buchstaeblichverliebt„Ich bin müde und der Schlaf nimmt mich fast immer bei sich auf. Da sind die Dinge noch so, wie sie sein sollen, dort habe ich noch ein Wort mitzureden.“ [S. 60]
„Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ handelt von Bo, der alleine mit seinem Hund Sixten lebt, seitdem seine Frau demenzbedingt in ein Pflegeheim umziehen musste.
Auch Bo leidet an den Tücken des Älterwerdens;
seine Kraft lässt nach,
seine Vergesslichkeit nimmt zu und er lebt mehr und mehr in den Erinnerungen seines vergangenen Lebens und ist immer mehr auf die Unterstützung seines Pflegedienstes angewiesen.
Dies veranlasst seinen Sohn Hans dazu, darüber nachzudenken, ob die Versorgung von Sixten für seinen Vater überhaupt noch möglich ist.
Doch Sixten ist Bos Lebensmittelpunkt.
...
Lisa Ridzén schreibt über einen Mann, der sein Leben gelebt hat
und nun auf andere angewiesen ist, um den Alltag in häuslicher Umgebung noch bewältigen zu können,
über Verluste und Vergessen,
über den Halt und die Liebe und Zuwendung, die einem am Ende eines Lebens noch bleibt.
Bos Geschichte springt gedanklich zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her, was, wie ich vermute seine fortschreitende(n) Vergesslichkeit/Einschränkungen näher beschreiben soll und wirklich eindringlich wirkt.
Ich war während des Lesens voller Verständnis und Mitgefühl und konnte jegliches Gefühl nachempfinden.
Eine tieftraurige Geschichte über das Altwerden und das Lebensende mit all seinen Facetten.
Lesenswert mit Tränengarantie.
„Es ist seltsam, wie viel in deinem Inneren verloren gegangen ist. Unser ganzes Leben. Aber ich bilde mir ein, dass irgendetwas noch da ist. Erinnerungen, die in deinen Träumen wieder zum Vorschein kommen.“ [S. 133]
- Harper Lee
Wer die Nachtigall stört ...
(40)Aktuelle Rezension von: TWDFanSTInhalt
Die friedliche Kondheit von Scout und ihrem Bruder Jem wird gestört, als ihr Vater, ein Anwalt, einen neuen Fall übernimmt. Atticus vertritt einen Schwarzen, der beschuldigt wird, ein weißes Mädchen vergewaltigt zu haben. Obwohl Atticus selbst weiß ist, setzt er sich für den Schwarzen ein. Er ahnt nicht, dass er dadurch auch seine Kinder in Gefahr bringt. Denn die weiße Bevölkerung ist über Atticus' Verhalten empört...
Bewertung
"Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee ist ein zeitloser Klassiner, den jeder einmal gelesen bzw. gehört haben sollte. Der Roman zeigt deutlich die Vorurteile auf, die in den 1930er Jahren herrschten und die es auch heute noch gibt. Allerdings zeigt sich in der Geschichte, dass auch Scout und Jem nicht ganz vorurteilsfrei sind. So glauben sie ohne mehr zu wissen die Gerüchte über einen Nachbarn, nur um später zu merken, dass alles ganz anders ist. "Wer ist Nachtigall stört" zeigt aber auch auf, wie schwer es ist, gegen Vorurteile anzukämpfen und warum manche den Kampf lieber aufgeben...
- Dr. med. Yael Adler
Genial vital!
(10)Aktuelle Rezension von: evaflIn diesem umfassenden Ratgeber erhält man vielfältige Informationen, wie man fit und vital bleibt. Denn älter werden wir alle, und so erläutert Dr. med. Yael Adler wunderbar, welche Prozesse dabei im Körper ablaufen.
Von der Autorin und Ärztin kenne ich schon frühere Bücher, die mir soweit immer ganz gut gefallen haben. Nun war ich hier wirklich interessiert, wie man denn nun mehr Vitalität und Energie hat bzw. bekommt.
Der Aufbau des fast 400 Seiten umfassenden Buches gefällt mir gut. Man erfährt etwas über die Zellen, Haut und Bindegewebe, Geschlechtsorgane, den Bewegungsapparat etc. Im zweiten Teil gibt es einige vital-Hacks, beispielsweise eben, was die Ernährung anbelangt, was das Wohlfühlgewicht betrifft oder wie man auch im Alltag Stressbewältigung ausführen kann.
Inhaltlich ist das soweit natürlich durchaus sachlich, dennoch gut verständlich. Es gibt immer wieder Zeichnungen, die manches noch gut zusätzlich und verständlicher beschreiben.
Mir hat dieser Ratgeber gut gefallen, auch wenn er wirklich ausführlich ist. Ich bin einfach ein Fan von noch komprimierter zusammengeführten Informationen. Dennoch ist hier wirklich viel und tolles Wissen enthalten, was eben ausführlich mitgeteilt wird. Hier ist es einfach nötig, dass man dies umfangreich wiedergibt.
Von mir gibt es 5 von 5 Sternen und eine Empfehlung. - Monika Bittl
Jünger wären mir die Alten lieber
(49)Aktuelle Rezension von: Henri3tt3Vieles an diesem Buch macht der Leserin Mut, ist unterhaltsam und klug, anderes hat mich erst wütend und dann sehr nachdenklich gemacht. Wenn es ums Gendern und um Politik, vor allem Umweltschutz geht, haben die Autorinnen leider extrem egoistische und egozentrische Ansichten. Aber das liegt wohl an ihrem Alter und da haben sie erstens ihren Platz in der Berufswelt längst gefunden und zweitens werden sie die schlimmsten Folgen der Klimaerwärmung kaum noch erleben. Schade, dass diese beiden Frauen ihre Möglichkeiten nicht nutzen, um die Zukunft der jüngeren Generationen - auch ihrer eigenen Kinder - zu retten.
- John Niven
Old School
(78)Aktuelle Rezension von: AnneMayaJannika
Als Susans Mann plötzlich verstirbt, bricht eine Welt für sie zusammen. Nicht, weil sie ihren Mann so vermisst, sondern weil er ihr einen Haufen Schulden hinterlassen und auf sehr peinliche Weise abgetreten ist.
Zusammen mit ihrer Freundin Julie, die in einem Altenheim geputzt hat, beschließt sie, die Bank in ihrem Ort auszurauben, denn die Bank und ihre Mitarbeiter waren nicht hilfreich und verständnisvoll bei Susans Misere. Nach dem Raub wollen sie sich nach Südamerika absetzten und einen schönen Lebensabend haben.
Irgendwo auf dem Klapptext steht "als wenn Tarantino Thelma & Louise gedreht hätte". Vielleicht nicht ganz, aber Autor John Niven hat sich zweifellos ausgetobt. Alle Protagonisten schwanken permanent zwischen normal und abgedreht, aber nie gleichzeitig, sodass man das ganze Buch über unter Strom steht. Denke dir ein schlimmes (aber witziges) Szenario aus und es passiert hier. Ein Heiden Spaß beim Lesen, man kann das Buch gar nicht aus der Hand legen.
Fazit: Nicht mein letzter Roman von John Niven! - Emma Straub
Wir sehen uns gestern
(14)Aktuelle Rezension von: MarapayaManchmal stehe ich neben mir und überlege, wie ich schon so viele Jahre erlebt haben kann und mich gleichzeitig immer noch jung und unerfahren wie mit Anfang zwanzig fühle. Wobei, das trifft es gar nicht so genau. Es ist eher das Gefühl, dass das ganze Leben noch vor einem liegt, bis man sich erinnert, dass man eigentlich schon in der Mitte angekommen ist. So wie Alice in Emma Straubs Roman. Alice wird 40 Jahre alt und ist nicht unglücklich in ihrem Leben. Aber so richtig zufrieden ist sie auch nicht. Ihr Vater liegt seit vielen Wochen im Krankenhaus und wird täglich schwächer. Alice droht in absehbarer Zeit ihre wichtigste familiäre Bezugsperson zu verlieren und weiß nicht so recht, wie sie damit umgehen soll. So begegnet sie auch ihrem runden Geburtstag. Statt großer Party mit vielen Freunden begeht sie den Tag recht nüchtern und ändert dies erst kurz vor Schluss in einem Anflug von Nostalgie mit dem spontanen Besuch in der Bar ihrer Jugendtage. Das Haus ihrer Kindheit ist demzufolge auch viel näher als die eigene Wohnung, doch der Schlüssel zum Haus ihres Vaters findet sich einfach nicht in ihrer Tasche und so lässt sie sich betrunken im Gartenhäuschen nieder, um am nächsten Morgen im Körper ihres 16jährigen Ichs aufzuwachen und dem Vater jung und gesund am Küchentisch zu begegnen.
Emma Straubs Roman ist die wohl unspektakulärste Zeitreisegeschichte, die ich bisher gelesen habe und doch nimmt sie mich auf eine berührende und aufwühlende Art und Weise mit, wie es zuvor nur die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig geschafft hat. In der Figur der Alice entdecke ich ganz viel von mir selbst und kann so viele ihrer Gedanken und Überlegungen nachvollziehen, wohl weil ich mich an einem ähnlichen Punkt in meinem Leben befinde wie Alice in ihrem. Das geht vielleicht nicht jedem Leser so und macht die Identifikation mit der Protagonistin möglicherweise schwieriger. Doch ich bin neidisch auf Alice, die durch ihren Ausflug zurück in die Jugend austesten kann, welchen Weg sie hätte auch gehen können und welche Auswirkungen das auf ihr 40jähriges Ich hat. Welcher Lebensentwurf fühlt sich richtig an? An welchen Vorstellungen meines 16jährigen Ichs sollte ich festhalten? Welche Konstanten bleiben? Für Alice ist das ihre beste Freundin Sam und ihr Vater. Der Vater, der 1996 so unglaublich jung und kraftvoll vor ihr sitzt, und zu dem sie zurück in die Gegenwart immer wieder ans Krankenbett kehrt. Den Tod scheint Alice nicht aufhalten zu können, wie sehr sie auch versucht, ihm ein Schnippchen zu schlagen. Es bleibt nur, ihren Frieden mit der Situation zu finden und Abschied zu nehmen – von ihrem Vater und ihrem 16jährigen Ich.
- Chris Kraus.
I love Dick
(13)Aktuelle Rezension von: UtaJungIch bin hässlich, niemand bemerkt mich, ich bin nichts wert, meine Kunst ist minderwertig und interessiert niemanden.
Im Wesentlichen stellt sich Chris Kraus in ihrem autobiographischen Roman I love Dick so dem Leser dar. Wer hier eine Liebesgeschichte oder eine Art von Obsession erwartet (Dick bedeutet sowohl den Männernamen als auch Penis), wird sich in die Irre geführt sehen.
Um was geht es? Chris Kraus (39; Filmemacherin und Schriftstellerin) und ihr langjähriger Partner Sylvère Lotringer (56; Kulturtheoretiker und Herausgeber) essen mit Dick (Bekannter Sylveres; Kulturwissenschaftler) zu Abend. Chris bildet sich Dicks interessierte Blicke ein. Wie ein Teenager steigert sie sich in eine einseitige behauptete Verliebtheit.
Der erste enttäuschende Schlag, der mich bei der Lektüre traf: Chris berichtet Sylvère haarklein alles, was sie sich da zur Person Dick zusammenfantasiert. Sylvère reagiert im Grunde gelassen, was dieser an sich brisanten Wende jeglichen Reiz nimmt.
Von nun an schreiben sie zusammen Briefe an Dick, die diese eingebildete Verliebtheit zum Inhalt haben. Die Briefe schicken sie nicht ab. (Vorerst.) Chris Kraus kapriziert dieses gedachte Verliebtsein auf einen Mann, den sie nur einige Stunden in ihrem Leben gesehen hat. Sie zerdenkt diese im Grunde nicht empfundenen Gefühle.
Angeregt von den intensiven Gesprächen über Dick haben sie ausnahmsweise wieder Sex zusammen, wofür Sylvère sich brieflich bei Dick bedankt: „Du kannst (...) sogar stolz auf die Heilung sein, die du uns ermöglicht hast. Dafür jedoch, Dick, hättest du in irgendeiner Form Kontakt mit uns aufnehmen müssen...“ (S. 119)
Die Texterei in Richtung Dick löst bei Chris unerschöpfliche Gedankenströme aus:
„Bevor sie Sylvère traf, war sie ein merkwürdiges und einsames Mädchen gewesen, doch nun war sie niemand mehr. (...) Ganz egal, wie viele Filme sie drehte oder wie viele Bücher sie herausgab – solange sie mit Sylvère zusammenlebte, würde sie immer ein Niemand sein, und zwar für alle, auf die es ankam.“ (S. 124)
Mit einem Mal weiß sie sicher, auch Sylvère war nie in sie verliebt (S. 125). Dieser Gedanke impliziert ein Verfügen über Sylvère. Sie denkt, was jemand fühlt, ohne denjenigen zu fragen, wie er es sehe.
Dann trennt sich Chris von Sylvère.
Sie fährt in ihr Haus in Pasadena und denkt dort weiter an Dick. Notiert auf mehr als 200 Seiten ihre Gedanken zu ihrer Beziehung, die ja de facto keine ist.
Die eingebildete Beziehung zu Dick erscheint wie ein Kinderersatz „Chris und Sylvèe hatten keine Kinder, stattdessen drei Abtreibungen...“ (S. 39). Dieses auf sich Fixiertsein lässt Chris im eigenen Gedankensumpf waten und macht sie unsympathisch.
Alles findet nur in ihrem Kopf statt.
Bis sie Dick anruft und ein Treffen mit ihm vereinbart. Es kommt dann auch zum Sex, der nur marginal geschildert wird. Im Anschluss zerredet sie diese körperliche Begegnung. Dick steht dem allen leidenschaftslos gegenüber und schreibt später an Sylvère, dass er es bereue, dieser obsessiven Aufmerksamkeit nur mit verwirrtem Schweigen begegnet zu sein (vgl. S. 290).
Doch Chris braucht Dick als Zuhörer, weil sonst niemand ihr zuhört. „Ich bin vollkommen bedeutungslos.“ (S. 210) Schreibt sie an Dick.
Alles wird rationalisiert, wobei Chris Kraus diese Feststellung schätzungsweise auch wieder rationalisieren würde.
Einerseits vermittelt der Roman anfänglich den Eindruck, hier packe jemand so richtig über sich aus. Andererseits führt das Zerreden (erst mit Sylvère, dann mit Dick), das Analysieren, Einordnen, Rationalisieren jeglicher Regung und jeglichen Gedankens dazu, dass dies alles verdinglicht erscheint und damit uninteressant (für den Leser). Denn ein fühlender und mitfühlender Mensch, der sein Innerstes aufdeckt, ist Chris Kraus in diesem autofiktionalen Roman nicht.
Für ihren Selbsthass [(„... neben der souveränen und glamourösen Rachel (...) fühlte sich Chris wie eine Kakerlake.“ (S. 122)] und ihre beruflichen Misserfolge übernimmt sie nicht die Verantwortung, sondern schiebt dies auf die Verhältnisse und behauptet pauschalisierend, dass dies bei allen Frauen so sei (vgl. S. 231).
The Guardian stellt fest: Das wichtigste Buch des 20. Jahrhunderts über Männer und Frauen“. Fragt sich nur, welche Art Männer und Frauen hier gemeint sind. Denn Chris Kraus scheint sich nicht als eigenständigen, selbständigen, verantwortlichen Menschen zu sehen. „Deinetwegen konnte ich nun daran glauben, trotz allem doch noch jenen neuen Lebenszweck zu finden (...).“ (S. 262)
Was dann wirklich ein wieherndes Lachen hervorruft, ist der Kommentar auf der Rückseite des Buches von Elke Schmitter, Der Spiegel. „Mitreißend schön.“ (entweder ein anderes Buch gelesen oder nichts verstanden...)
- Julia Karnick
Man sieht sich
(170)Aktuelle Rezension von: Schoko_und_buchFrie und Robert sind beste Freunde zu Schulzeiten. Frie genießt das Leben und ihre ersten Erfahrungen mit Jungs. Robert stürzt sich ins Gitarre spielen und lenkt sich somit von seinen aufkeimenden Gefühlen für Frie ab. Zu spät erkennt sie, was er empfindet und sie eigentlich auch. Sie verlieren sich aus den Augen und leben weiter ihre Leben. Frie wird Mutter, Robert lebt seinen Musikertraum. Nach knapp 15 Jahren treffen die beiden wieder aufeinander. Können beide an die Freundschaft anknüpfen? Werden alte Wunden aufgerissen? Ein weiteres Mal verlieren sie sich aus den Augen und treffen 20 Jahre später erneut aufeinander. Inzwischen sind beide „gesetzt“, Fries Tochter erwachsen und beide Single.
Die Geschichte von Robert und Frie ist wunderbar geschrieben. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und innerhalb von 2 Tagen durchgeschmachtet. Die Geschichte hat mich berührt, sie war zart und gefühlvoll und gleichzeitig so real. Eine Liebe, die so viele Jahre braucht, bis sie gelebt werden darf, muss etwas besonderes sein. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, das Erwachsensein, über Entscheidungen und über Gefühle. Ich habe Robert und Frie sehr gern dabei begleitet, wie sie älter wurden und in ihre Leben gefunden haben. Aus völlig verschiedenen Familien kommend, haben sich die Wege doch immer wieder gekreuzt. Besonders gefallen hat mir auch das Verhältnis von Robert zu seinem ehemaligen Senior, bei dem er Zivildienst geleistet hat. Pointiert und mi Humor hat der alte Herr och immer seinen Daumen drauf gehabt. Ein wirklich toller Roman, den ich gern noch einmal lesen würde.
- Olivia Ford
Der späte Ruhm der Mrs. Quinn
(195)Aktuelle Rezension von: DisneylandFan93Dieses ist eines der Bücher, die ein echter Überraschungshit für mich sind und von Seite zu Seite habe ich mich mehr in diese Geschichte verliebt!
Es geht um die 77jährige Jenny, die ein ruhiges Leben mit ihrem Mann Bernhard führt und gerne Torten und Kuchen backt. Eines Tages ergreift Jenny die Chance und nimmt an einer berühmten Fernsehshow teil, dem "Backduell". Was das mit ihr macht und was danach folgt, müsst ihr selber lesen, aber ich sage so viel: es lohnt sich!
Der Schreibstil war von Anfang an einfach und lesen und die Seiten sind nur so dahin geflogen. Der Backwettbewerb und seine Prüfungen haben sich sehr spannend gelesen. Zwischendurch gibt es im Buch auch immer wieder einen Erzählstrang aus Jennys Vergangenheit, der nach und nach wichtiger wird. Ausserdem sorgt dieser zweite Handlungsstrang für noch mehr Abwechslung in der Geschichte.
Jenny ist eine Protagonistin zum gern haben und ich habe sie sehr schnell ins Herz geschlossen! Aber auch Jennys Mann, Jennys Backmitstreiter Azeez und Jennys Familie sind einfach nur herzlich und sympathisch. Dies verleiht dem Buch ein absolutes Gefühl von Wohlbefinden und Wärme während des Lesens.
Ist das Buch zunächst durch den Backwettbewerb spannend und interessant, so wird das Buch im zweiten Teil immer berührender und emotionaler und ich hatte am Schluss richtig Tränen in den Augen.
Fazit: Ein echter Überraschungshit! Nicht nur der Backwettbewerb und die Leckereien bei denen einem das Wasser im Mund zusammenläuft sorgen hier für ein Wohlgefühl, die ganze Geschichte ist dazu noch sehr berührend und emotional. Ein Highlight und nur zu empfehlen! - Margot Käßmann
Schöne Aussichten auf die besten Jahre
(22)Aktuelle Rezension von: peedeeWas bewegt einen in der Mitte des Lebens? Was war bisher? Was will ich jetzt? Aber auch: Was geht nun eventuell nicht mehr? Margot Kässmann, Theologin und frühere Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, thematisiert unter anderem Familie, Freundschaft, alte oder neue Liebe, Älterwerden, Krankheit, Endlichkeit, Veränderung…
Erster Eindruck: Die sympathische Margot Kässmann auf dem Cover, schlichte Präsentation, gefällt mir.
Margot Kässmann hat dieses Buch Anfang 50 geschrieben. So weit bin ich vom Alter her noch nicht (es fehlen noch ein paar Jährchen), doch beschäftigen mich auch Fragen des Älterwerdens. Frau Kässmann erzählt viel Persönliches, wie z.B. ihre Krebserkrankung mit 48 Jahren oder die Scheidung mit 49 Jahren nach 26 Jahren Ehe. Es hat mich empört, welche Reaktionen sie erleben musste, als die Scheidung publik wurde. Unwahrscheinlich, was sich einige Menschen herausnehmen! Nebst Persönlichem lässt Frau Kässmann auch Erfahrungen aus ihrem Berufsalltag sowie Geschichten aus der Bibel einflechten. Mir hat dieser Mix sehr gefallen.
Wie man weiss, war Frau Kässmann verheiratet und hat vier Kinder. Ihr ist jedoch bewusst, dass nicht jede Frau „in der Mitte des Lebens“ am gleichen Ort steht, d.h. eben verheiratet und mit zuweilen schon grossen Kindern. Sie hat deshalb das Manuskript zwei Single-Frauen zum Lesen gegeben, da sie vermeiden wollte, ein reines Mütter-Buch (O-Ton) werden würde. Das hat mir sehr gefallen, denn ich selbst gehöre genau in diese Kategorie (Single, keine Kinder) und habe schon andere Bücher zu diesem Thema gelesen, wo ich mich jedoch nicht angesprochen fühlte.
Ich habe viele Denkanstösse erhalten, wie z.B.: „Wer in die Wüste geht, kann niemandem mehr etwas vormachen. Da bin ich nur ich. Keine Fassade. Kein schöner Schein. Kein big pretender.“ Ja, wenn die Fassade wegfällt, kann es hart für einen selbst werden… Das eigene Älterwerden hat noch eine ganz andere Komponente: Wie gehe ich damit um, dass auch die Eltern älter werden und einmal der Abschied bevorsteht? Dies war für mich das zweite Buch von Margot Kässmann, nach „Zur Geborgenheit finden – Antworten auf Fragen des Lebens“. Ich bedanke mich für die vielen zuweilen auch unangenehmen Impulse und vergebe 4 Sterne. - Jackie Thomae
Glück
(42)Aktuelle Rezension von: downey_jrDas Buch „Glück“ von Jackie Thomae hatte ich irgendwo als Buchtipp bekommen, aber das war leider ein Flop für mich. Zu diesem Thema gibt es weitaus bessere Bücher.
Zum Inhalt: Einige sehr gut verdienende, privilegierte Karrierefrauen im Alter von Ende 30 bzw. Anfang 40 sind unglücklich, weil ihnen als letztes Statussymbol im Leben noch ein Kind fehlt. Sorry, dass ich es so krass formuliere, aber was diese Frauen hier machen, ist wirklich jammern auf höchstem Niveau.
Das Thema Kinderwunsch bzw. ungewollte Kinderlosigkeit finde ich sehr wichtig und interessant. Jedoch hat mir die Umsetzung hier überhaupt nicht gefallen. Die Charaktere konnten mich weder emotional erreichen noch überzeugen (am besten gefiel mir noch Lydia, wenn ich unbedingt wählen müsste). Auch die Story an sich hat mir nicht zugesagt. Das Buch las sich weitgehend sehr zäh und langatmig; viel Blabla und Geschwafel - Ehrlich gesagt, war ich ein paar Mal kurz davor, es abzubrechen. Dann kamen wieder ein paar gute Sätze und ich blieb dran ... aber es geht mehr um die Gefühlswelt einiger reichen Frauen als wirklich um das Thema Kinderwunsch. Das Thema wurde etwas verfehlt, finde ich.
Insgesamt hat mich das Buch hat leider überhaupt nicht begeistern können und ich war froh, als ich es beendet hatte. Meiner Meinung nach überhaupt nicht empfehlenswert.
- Anne Gesthuysen
Mädelsabend
(94)Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerinRuth und Walter sind seit knapp 65 Jahren verheiratet und wohnen seit Kurzem in einem Seniorenstift bei Xanten. Während Ruth nach einem Unfall zu Hause dort regelrecht aufblüht und ihre neu gewonnen Freiheit sowie die sozialen Kontakte genießt, möchte Walter wieder zurück in seine gewohnte Umgebung und Ruth wie schon seit jeher bevormunden.
Sara, die ein enges Verhältnis zu ihren Großeltern hat, sieht sie dort gut aufgehoben. Sie selbst ist Ärztin, derzeit in Elternzeit und glücklich mit Sohn Paul und ihrem Lebensgefährten Lars. Als sie ein Angebot für ein Stipendium in Cambridge erhält, muss sie sich entscheiden, ob sie für ihr berufliches Vorankommen ihre kleine Familie gefährdet.
Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden weiblichen Hauptfiguren Ruth und Sara geschildert. Neben der gegenwärtigen Handlung gibt es Rückblenden in die Vergangenheit, die Aufschluss über das Eheleben von Ruth uns Walter geben, die 1953 geheiratet haben.
Die Geschichte spielt am Niederrhein und sprüht vor Lokalkolorit und Liebe für die Figuren. Gerade die älteren Charaktere haben ihren ganz eigenen Charme und gestalten die Geschichte lebendig.
Wie die Autorin in ihrer Danksagung erwähnt, ist die Geschichte aus dem Leben gegriffen und wirkt trotz manch skurriler Einfälle lebensecht und authentisch.
Neben dem Älterwerden geht es insbesondere um Beziehungen und Partnerschaft, Rollenbilder sowie Selbstverwirklichung, Emanzipation und dem Wunsch nach Freiheit. Dabei wird der Wandel der Gesellschaft und die Stärkung der Frauenrechte plastisch durch die Ehe von Ruth und Walter sowie die Beziehung von Sara und Lars dargestellt. Die unterschiedlichen Generationen stehen auch für die unterschiedlichen Vorstellungen von Ehe. Obschon patriarchale Strukturen oder gar Gewalt in Beziehungen gegenwärtig keinen Platz mehr haben, ist es dennoch für Frauen schwer, für ihre Wünsche einzustehen und Familie und Beruf zu vereinbaren.
Die Charaktere sind nahbar und ihre inneren Konflikte sehr gut nachzuempfinden. Sara kämpft mit einem schlechten Gewissen, während Ruth gegen ihren Mann aufbegehrt. Trotz aller Fortschritte in Sachen Emanzipation ist es für beide schwer, Entscheidungen zu treffen und zu ihnen zu stehen.
Die Geschichte beschreibt ernste Themen auf humorvolle Weise. Sie ist ein ehrliches und warmherziges Porträt über den Wandel der Ehe im Verlauf der letzten Jahrzehnte, über die Fortschritte, die errungen wurden, aber auch die Notwendigkeit eines alltäglichen Kampfes zum Erhalt dafür.
- Celia Anderson
Die kleinen Geheimnisse des Herzens
(63)Aktuelle Rezension von: anne_foxan kommt schlecht in die Handlung, da alles sehr flach und langatmig beschrieben wird. Es geht um die Erinnerungen einer alten Dame von einhundertelf Jahren. Es wird über die Liebe, die freundschaft und den Tod geschrieben.
Fazit:
Es ist die Aufarbeitung eines Lebens und die Flucht in alte Erinnerungen. Der Schreibstil und die Geschichte sehr gewöhnungsbedürftig. Man ist mehr gelangtweilt als als gefesselt.. Dagegen ist das Cover eine Augenweide - Malcolm Boyd
Book of Songs. Die Playlist für jede Lebenslage. Die wahren Geschichten hinter den 500 ultimativen Hits der Popmusik
(5)Aktuelle Rezension von: -Anett-Der irische Musikblogger Colm Boyd hat in diesem Buch 70 Playlists erstellt, aber auch wirklich zu jeder Lebenslage! Da gibt es nicht nur Songs über die Eifersucht, über das Verlassenwerden oder über Abschiednehmen. Nein, es finden sich auch ungewöhnliche Playlists wieder: Songs über ultimative Vollidioten, Von Gemälden inspirierte Songs oder aber auch Songs, die in Romanen von Haruki Murakami vorkommen.
Natürlich gibt es auch entsprechend zu jeder Playlist auch gleich den entsprechenden Spotify Code dazu, so dass ich das Buch lesen und gleichzeitig in die Musik eintauchen konnte.
Den Anfang machte gleich die Playlist Songs mit großartigen Intro. Dabei eines meiner ultimativen Lieblingshits einer Lieblingsband: Smells Like Teen Spirit von Nirwana. Und weil Colm Boyd ein Musikblogger ist und nicht nur Titel aufschreibt, kann man zu jedem Titel auch etwas lesen. Mit viel Witz und vielen überraschenden Fakten erzählt er kleine Geschichten, die hinter der Musik stehen. Und gerade dieser Witz, mit dem Colm Boyd die Geschichten erzählt, fand ich total herrlich:
„Songs über das Älterwerden
When We Were Young – Adele
Adele hat einmal gesagt, dass das, von allen Liedern, die sie je geschrieben hat, ihr absoluter Lieblingssong sei. (….) Und damit ist das genau der Song, der einem unvorbereitet beim Geschirrspülen erwischt und dann vollkommen pathetisch heulend dastehen lässt.“
(Seite 200)
Ganz besonders interessant fand ich auch die Playlist: Songs mit einer Länge von mehr als sieben Minuten. Genau wie in der Zwischenüberschrift geschrieben, die werden sie nie im Radio spielen, ist es nämlich auch! Es gibt so herrlich geniale Songs, und die hört man einfach nie, niemals im Radio.
Ich steh zum Beispiel auch total auf The Doors. Die dürfen in dieser Aufzählung natürlich auch nicht fehlen, und so sind sie in dieser Playlist mit dem Songs „Riders on the Storm“ vertreten. Boyd gibt mir hier Hintergrundwissen, um wen es sich in dem Lied handelt und was den Song noch dazu so düster macht.
Natürlich waren mir auch einige Infos bekannt, wenn man sich mit bestimmten Künstlern auseinander setzt, liest man ja doch einiges schon, trotzdem fand ich auch vieles, was mir neu war.
Außerdem punktete hier auch coole Illustrationen von Musikern. Gezeichnet von Patricia Ghijsens-Ezcurdia. Finden kann man die Künstlerin auf Instagram.
Alles in allem ein geniales Buch – ein Buch für jeden Musikfan! Eine großartige Zusammenstellung!
Auch wenn ich nicht alle Playlists mochte, und auch wenn nicht alles mein Geschmack ist, so ist doch gerade das das tolle an dem Buch. Der Autor hat gefühlt wirklich alles an verschiedenen Lebenslagen erfasst und weiß gefühlt zu allem was wichtiges zu sagen.
Alles in allem: Ich bin begeistert! Werde immer wieder in das Buch rein lesen!
- Silvia Aeschbach
Älterwerden für Anfängerinnen
(11)Aktuelle Rezension von: Diana182Das Cover zeigt strahlende, glückliche Frauen. Dazu passt ein eindeutiger Titel, der den meisten weiblichen Lesern wohl ins Auge springen wird. Da auch ich in diesem Jahr eine Null auf der Torte begrüßen durfte, fühlte ich mich direkt angesprochen.
Die Autorin gewährt Einblick in das Leben von erfolgreichen Powerfrauen, die absolut keine Angst vor dem Älter werden haben. Im Gegenteil- keine der Mitwirkenden macht den Eindruck, als möchte sie noch einmal jünger sein!
Vielen Anregungen und Geschichten haben mir sehr gefallen und ich habe sie gern gelesen-sie machen Mut und lassen optimistisch in die kommen die Zukunft blicken. Verpönt sind die Zeiten, in denen am Alter geschummelt wurde- so etwas haben die heutigen Frauen einfach nicht mehr nötig und das ist ein starkes Zeichen!
Mir hat das Buch wirklich sehr gefallen, und alle Sorgenfalten über das Alter waren wir weggewischt. Daher empfehle ich das Buch gerne weiter! - Susanne Fröhlich
Heimvorteil
(67)Aktuelle Rezension von: Mo_Na2In „Heimvorteil“ begleitet man Jutta – 68, verwitwet, Rentnerin und Mutter von drei erwachsenen Kindern – auf einer leisen, aber sehr bewegenden Reise zurück ins eigene Leben. Seit dem Tod ihres Mannes lebt sie eher in den Tag hinein. Einsamkeit und Langeweile nagen an ihr und die Kinder schauen zwar vorbei, aber oft mit einem Blick, der einen gewissen Eigennutz nicht ganz verbergen kann – immerhin steht da ein abbezahltes Haus.
Mutig fasst sich Jutta ein Herz und beginnt mit dem Kraulen. Dort trifft sie auf Fritzi, eine lebensfrohe Schwimmlehrerin, die frischen Wind in Juttas grauen Alltag bringt. Und während Jutta sich Schritt für Schritt öffnet, kommen die Kinder mit dem Vorschlag um die Ecke, sie ins Heim zu geben – schließlich vergesse die Mutter ja so viel. Für Jutta Grund genug, sich selbst auf die Suche nach Alternativen zu machen.
Was dann folgt, ist eine wunderbare Mischung aus Abenteuer und Selbstfindung: Probewohnen im tschechischen Altersheim, Besuche in Alters-WGs, neue Bekanntschaften – und immer an ihrer Seite Fritzi, die Mut macht, motiviert und manchmal auch einfach nur mitreist. Jutta, die aus ihrer Ehe gewohnt war, sich zu fügen und bestimmen zu lassen, findet langsam ihre eigene Stimme. Und genau diese Entwicklung hat mich beim Lesen sehr berührt.
Ich konnte Juttas Gedanken und Zweifel sehr gut nachempfinden. Viele Stellen regen zum Nachdenken an – über das Älterwerden, über Unabhängigkeit und darüber, wie schnell Kinder Eltern bevormunden, ohne es zu merken. Fritzi bringt genau die richtige Portion Pepp in die Geschichte.
Was mir ein bisschen gefehlt hat, war das Ende. Ja, es ist schön – aber mir ging es zu schnell, zu abrupt und ein Blick in die Zukunft von Jutta hätte der Geschichte richtig gutgetan. Da bleiben am Schluss einfach ein paar Fragen offen.
Trotzdem: Ein sehr berührendes, ehrliches und warmherziges Buch über Mut, Freundschaft, Neubeginn und den Wert von Selbstbestimmung – egal in welchem Alter. - Anika Decker
Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
(196)Aktuelle Rezension von: MinijaneGenau dass, was ich gerade gebraucht habe, ist mein Fazit nach der Lektüre dieses locker, leichten Unterhaltungsromans. Er ist so witzig geschrieben und wartet doch überraschenderweise mit recht vielen interessanten Themen auf, wie Age Gap, Me too, Mutter-Tochterbeziehungen, Geschwisterbeziehungen, Neuanfang und Wechseljahre.
Ich musste mehrfach laut lachen. Annika Decker hat mit ihrem Buch genau meinen Humor getroffen. Die Figuren waren authentisch und hatten ganz realistisch ihre Ecken und Kanten, und ich bin ihnen gerne durch die Geschichte gefolgt.
Das Ende ist sehr rund, was man vielleicht kritisieren könnte, weil unrealistisch , aber da es ein Wohlfühlroman ist, passt das für mich Für alle, die noch ein bisschen Lachmuskeltraining gebrauchen können und die einen guten ( auf keinen Fall seichten) Unterhaltungsroman zu schätzen wissen., ist dieses Buch eine große Empfehlung.
- Kester Schlenz
Mutti baut ab
(26)Aktuelle Rezension von: KamimaAuf das Buch von Kester Schlenz wurde ich durch eine Talkrunde aufmerksam. Der Vater von 2 erwachsenen Söhnen hat dort sein Buch „Mutti baut ab“ vorgestellt. Da mich dieses Thema zur Zeit persönlich anspricht und ich von ihm schon das Buch „Mensch Papa – Vater werden“ angetan war (übrigens ein tolles Buch zum Verschenken ;)), habe ich mir gerne den kleinen Festeinband näher angeschaut.
Der Autor berichtet autobiografisch von seiner über 80-jährigen Mutter, die nach dem Tod des Mannes/Vaters erst einmal alleine in der gemeinsamen Wohnung lebt. Es folgen ein Umzug in einer „altersgerechte“ Wohnung, dann der Kampf um das Erlangen der Pflegestufe, eines Pflegeheimplatzes, eine schwere Krankheit muss überwunden werden und drei erwachsene Kinder (zwei Söhne und eine Tochter), welche nicht nur räumlich auseinander leben, sondern natürlich auch ihre eigenen Familien haben, müssen – um Mutti zu helfen – an einem Strang ziehen.
Das bedeutet nicht nur eine gute Organisation, so manches Zurückstecken von allen Seiten, sondern auch eine gehörige Portion Humor und Glück. All dies verpackt Kester Schlenz in kleine Kapitel, die mal mitreißend ans Herz gehen, mal wertvolle Informationen bieten und manchmal einfach nur humorvoll unterhalten. Und die Rückblenden in das „junge Leben“ seiner Mutter hilft zu verstehen und nimmt uns mit in eine frühere Zeit mit dem deutlichen Hinweis: „Mutti war nicht immer alt.“
Traute Schlenz ist ein Original mit einer herrlich treffenden, manchmal sarkastischen, manchmal verwirrten Hamburger Schnauze. Sie hat übrigens ihr Einverständnis gegeben, dass ihr Sohn über sie schreiben darf, was zeigt, wie achtsam der Autor mit seiner Mutter und dem Thema „Altwerden“ umgeht. Er ist nie respektlos, aber gnadenlos direkt – auch wenn die „Beteiligten“ so manches Mal an ihre Grenzen geraten. Gut, dass man dann Familie hat!
Ja, ich mag das Buch – klingt komisch, ist aber so! Das Thema geht uns alle an und es ist gut, wenn dieses mit so viel Humor verpackt wird. So z.B. (Seite 15/16) „Es ist ein interessantes Phänomen, dass alte Leute sehr häufig andere alte Leute sehr verächtlich als „alte Leute“ wahrnehmen, obwohl sie selbst alte Leute sind“ - kommt euch bekannt vor? Mir schon :-)
Fazit: flüssig zu lesen, humorvolle Passagen gleichen die Schwere des Themas aus, ein paar Tipps über Anträge, Pflegestufen, Krankenhäuser u.a. - ein Buch zu einem Thema, vor dem niemand Angst haben muss. Ein Lesetipp!
- Daniela Krien
Der Brand
(275)Aktuelle Rezension von: kristinaliestIch mochte den Einstieg des Buch und einfach wie die Autorin schreibt. Die Beschreibungen von der Landschaft ist ganz toll. Es ist eine leise Geschichte und ich hätte mir etwas mehr Handlung gewünscht. Definitiv aber nicht das letzte Buch der Autorin was ich gelesen habe, da ich bisher alle Bücher von ihr gerne gelesen habe.
- Julie von Kessel
Die andern sind das weite Meer
(30)Aktuelle Rezension von: EmmaWinterLuka hat in ihrer Kindheit ein Bild der Familie gemalt, darauf kämpft sich jedes der fünf Mitglieder allein (s)einen Hügel hoch. Nichts beschreibt die Familie Cramer besser als dieses Kinderbild. Längst sind die drei Kinder erwachsen, die Mutter verstorben, der Vater an Demenz erkrankt. Aber die Hügel sind immer noch da.
Auf leichte und doch eindringliche Weise beschreibt Julie von Kessel die einzelnen Mitglieder dieser Familie, die alle an etwas zu knabbern haben und darüber die Familie - vor allem den Vater - vernachlässigen. Aus vier Blickwinkeln werden Gegenwart und Vergangenheit nachgezeichnet. Die einzelnen Schicksale fügen sich zu einem Familienpuzzle zusammen, das von Missverständnissen geprägt ist.
Der Roman der Journalistin Julie von Kessel hat mich sehr gut unterhalten. Die Lebenswege der einzelnen Figuren sind farbig, einmal außergewöhnlich und einmal alltäglich. Immer sind sie interessant und zeigen, wie sehr wir durch die Kindheit geprägt sind, wie sich der Charakter einer Person dadurch beeinflußt entwickelt. Einzelne Elemente hat die Autorin ihrem eigenen Leben entnommen, so den Diplomatenvater oder die journalistische Tätigkeit der Tochter Luka. Der Roman endet an einer entscheidenen Stelle und läßt uns vor einer geschlossenen Tür stehend zurück. Das passt ganz hervorragend. Nicht alles kann und muss auserzählt werden.
Wunderbar haben mir auch die sich verändernden Kapitelüberschriften gefallen. Ich habe noch eine Erstauflage mit dem schönen leuchtenden Farbschnitt bekommen, dessen Orange sich im Titel und in der Walfluke widerspiegelt. Das Tier fungiert im Roman als Metapher und taucht immer wieder auf.























