Bücher mit dem Tag "albanien"
35 Bücher
- E. L. James
The Mister
(265)Aktuelle Rezension von: Karina_Sofia_RodriguesLeider konnte mich The Mister von E. L. James nicht überzeugen. Die Handlung wirkte auf mich sehr vorhersehbar: Ein wohlhabender junger Mann verliebt sich in eine Frau mit schwieriger Vergangenheit und bescheidenen Verhältnissen – ein Plot, der in ähnlicher Form schon häufig erzählt wurde.
Was mir besonders gefehlt hat, war der Tiefgang der Charaktere. Maxim, der Protagonist, erscheint zu Beginn als typischer Macho, der sich regelmäßig mit wechselnden Frauen trifft. Als plötzlich Alessia in sein Leben tritt, ändert er sein Verhalten von einem Moment auf den anderen – für mich nicht nachvollziehbar und wenig glaubwürdig.
Auch Alessia konnte mich als Figur nicht überzeugen. Ihre schüchterne, unterwürfige Art machte es mir schwer, eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Dass ausgerechnet Maxim von ihr fasziniert sein soll, wirkte auf mich eher konstruiert als authentisch. Die Entwicklung ihrer Beziehung blieb für mich flach, die angedeutete Spannung und Erotik zwischen den beiden kam bei mir kaum an – vieles wirkte eher langatmig und wenig fesselnd.
Hinzu kommt, dass sich die eigentliche Handlung erst sehr spät entfaltet – erst zur Hälfte des Buchs kommt überhaupt Bewegung in die Story. Das war mir persönlich deutlich zu spät, um mich noch mitreißen zu können.
Insgesamt hat mich The Mister leider nicht abgeholt. Es fehlte an emotionaler Tiefe, glaubwürdiger Entwicklung und echter Spannung.
- Steffen Kopetzky
Risiko
(71)Aktuelle Rezension von: sofie
Gleich im Prolog lernen wir den Protagonisten des Romans – Sebastian Stichnote, eigentlich Marinefunker – in der bis dahin vielleicht dunkelsten Stunde seines Lebens kennen. In Afghanistan, auf einer Mordmission. Danach nimmt uns Steffen Kopetzky auf etwas mehr als 700 Seiten mit auf die Reise und nach und nach erfahren wir, wie es dazu kommen konnte. Von Durazzo in Albanien kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs an Bord der BRESLAU bis nach Kabul. Vermeintlich weiß man natürlich schon wie es ausgeht – nicht nur durch den Prolog, sondern auch durch Geschichtswissen. Das Ende des Ersten Weltkrieges kennt man ja. In beiden Fällen weiß der Autor aber zu überraschen.
Mich hat “Risiko” sehr gut unterhalten und mir einen ganz neuen Aspekt des Ersten Weltkrieges nähergebracht, nämlich den deutschen Dschihad, der eine Expedition von Konstantinopel nach Kabul schickte. Der Protagonist Stichnote ist ein vielseitige und spannende Persönlichkeit. Aber auch die weiteren Figuren haben einiges zu bieten. Nur an interessanten Frauenfiguren mangelt es, aber das haben Kriegsromane wohl so an sich.
Ansonsten mangelt es an nichts – es gibt Intrigen und Verrat, Kameradschaft und Freundschaft, Abenteuer und Exotik. Und ganz nebenbei erzählt Kopetzky eine fiktive Geschichte wie das beliebte Brettspiel “Risiko” entstanden sein könnte- zugegebenermaßen musste ich nach dem Lesen erst einmal nachschlagen, ob es nicht vielleicht genau so war.
Für mich war es nicht das erste Buch des Autors und sicher auch nicht das letzte. Mit kleinen Abstrichen vergebe ich vier von fünf Sternen!
- Martin Klauka
Einmal mit der Katze um die halbe Welt
(72)Aktuelle Rezension von: Lauras_bunte_buecherregalIch liebe Reisebücher und ich bin sehr kritisch, was Reisen mit Katzen angeht. Aber meine Lieben ich durfte Mogli bei der Lesung kennenlernen und hatte im Buch einen tollen Einblick in die Beziehung der Beiden. Anders als bei dem ein oder anderen Buch über Reisen mit Katzen bin ich fest überzeugt, dass in diesem Fall das Wohl der Katze im Vordergrund steht und stand.
Der Schreibstil war toll und ich konnte mir die Route gut vorstellen. In einigen der Länder war ich selbst bereits. Es war eine gute Mischung an Beschreibungen und lebhaften Geschichten. Teilweise war das Buch spannend geschrieben und ich habe wirklich mitgefiebert, was als Nächstes passiert.
Für alle die auf Reisen gehen möchten, ohne den Lesesessel zu verlassen, eine absolute Empfehlung. Von mir kriegt das Buch 5 von 5 Sterne.
- Jehona Kicaj
ë
(59)Aktuelle Rezension von: sofie„Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, an einen früheren Ort zurückzukehren und alles so vorzufinden, wie es war. Für mich gab es immer nur Zerstörung.“
„Ë“ ist ein beeindruckender Debütroman, der den Krieg im Kosovo in den 1990er Jahren und seine Folgen eindrücklich nahe bringt. Die Ich-Erzählerin wurde im Kosovo geboren, verließ aber mit ihren Eltern bereits vor dem Krieg das Land und ging in Deutschland in den Kindergarten und die Schule. Zum Zeitpunkt des Romans ist sie gerade mit dem Studium fertig und hat mit starkem Zähneknirschen zu kämpfen. Ihre Besuche beim Zahnarzt bilden quasi die Rahmenhandlung. Dazwischen beschreibt sie, wie sie sich mit der Vergangenheit ihres Heimatlandes und ihrer Familie auseinandersetzt.
Ein großes Thema des Romans ist die Sprache. Beschrieben wird zum einen das Verhältnis der Erzählerin zur deutschen Sprache. Wie sie sich diese angeeignet und gemeistert hat, aber wie sie ihr trotzdem manchmal fremd bleibt und ihr Kraft abverlangt. Wie sie Wörter und Sätze regelrecht zerkaut. Zum anderen wird auch die albanische Sprache geschildert, zum Teil auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht. Ich habe jetzt große Lust, mich noch weiter damit zu beschäftigen. Sprachen, die so wenig mit den Nachbarsprachen gemein haben, finde ich immer interessant.
Auch die Autorin kann wunderbar mit Sprache umgehen. Es gelingt ihr auch innerhalb des relativ kurzen Romans zu zeigen, was es bedeutet, in einer fremden Umgebung aufzuwachsen, die wenig Verständnis für die eigene Herkunft hat. Oder wie Traumata innerhalb von Familien weitergegeben werden. Und welche Auswirkungen ein Krieg haben kann, auch wenn man in der sicheren Diaspora ist.
Beeindruckend fand ich auch, wie sie über das Verhältnis von Kosovo-Albanern und Serben schreibt, ohne dabei anklagend zu sein. Sie zeigt, wie sich der Krieg auch in ganz individuelle, persönliche Beziehungen einschreibt.
Insgesamt also ein tolles Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehle und das ganz zurecht für den Deutsche Buchpreis nominiert war!
- Lucy Foley
Die leuchtenden Tage am Bosporus
(26)Aktuelle Rezension von: Betsy"Die Minarette erheben sich in ihrer bleichen Eleganz bis in die Wolken hinauf. Die Stadt wirkt, als läge sie in einem Dornröschenschlaf."
Istanbul 1921: Auch nach Ende des Krieges ist die Stadt noch immer von den siegreichen Entente-Mächten besetzt und die Einwohner haben sich notgedrungen mehr oder weniger damit arrangiert. Mittendrin die junge Nur, die aus wohlbehüteten Verhältnissen entstammt und fließend Englisch spricht, nun aber ihr Dasein gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter, sowie einem von ihr aufgenommenen verwaisten Jungen, in einer kleinen Wohnung fristet und sich neben dem Unterrichten mit Näharbeiten durchschlägt. Ihr Mann ist im Krieg gefallen, ihr geliebter Bruder verschollen und ihr ehemaliges Zuhause nun ein britisches Militärkrankenhaus. Als der Junge jedoch schwer krank wird, springt sie über ihren Schatten und bringt ihn zum leitenden britischen Arzt George, der nun in ihrem alten Zuhause lebt. Obwohl Nur in ihm den Feind sieht und nur Verachtung für ihn und seinesgleichen übrig hat, entspinnen sich dennoch nach und nach zarte Bande zwischen ihnen, die eigentlich nicht sein dürfen.
"Die Finger, die die Zigarette halten, sind geschmeidig, elegant. Und doch, erinnert sie sich selbst, sind es die Hände von einem Menschen der nicht viel besser ist als ein Schlachter. Sie hat Augen, sie sieht die Uniform; er mag Arzt sein, aber er ist auch Soldat. Sein Titel ist nur ein eleganter Euphemismus für "Mörder"."
Die Autorin versteht es mit Worten umzugehen und den Leser von Anfang an in ihren Bann zu ziehen, so poetisch, stimmungsvoll und berührend ist diese Geschichte, die trotz der ernsten Themen, und einer damit alles andere als leichten Handlung, nichtsdestotrotz einfach wunderschön ist. Dabei fließt die Geschichte recht ruhig dahin, schafft es aber dennoch den Leser zu fesseln, weil man bis zuletzt gespannt ist wie sie enden wird und dabei immer wieder gekonnt mit den Emotionen des Lesers gespielt wird. Dies gelingt nicht nur durch die melancholisch märchenhafte Atmosphäre, sondern vor allem auch, weil die Personen unglaublich vielschichtig dargestellt werden und auf sehr authentische Weise aufgezeigt wird, wie tragisch Krieg für alle Beteiligten ist und die Grenze zwischen Opfer und Täter oftmals nur hauchdünn ist, je nachdem wie die Umstände sind.
"Krieg bedeutet, schreckliche Dinge für einen guten, ja sogar edlen Zweck zu tun. Jedes Kind weiß das. Jede Armee hat Verräter getötet, das ist einfach ein weiteres tragisches, aber notwendiges Nebenprodukt des Krieges. Es liegt nichts Würdevolles darin, sich selbst zu quälen."
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und auch Zeitebenen erzählt. Anfänglich muss man sich ein wenig auf die schnellen Wechsel einstellen, vor allem da alles noch keinen echten Zusammenhang ergibt. Dies legt sich aber sehr rasch und gerade durch die unterschiedlichen Perspektivwechsel, die übrigens schön gekennzeichnet sind, bekommt man wunderbare Einblicke in die jeweiligen Personen und ist oftmals selbst hin- und hergerissen, da alle hier ihre ganz eigene Geschichte haben die sie ausmacht.
Da wäre zum einen die für ihre Zeit sehr gebildete und selbstständige "Nur", eine Türkin, die einige Verluste hinnehmen musste, miterlebt hat wie ihr Zuhause von ihren Feinden okkupiert wurde und sich dennoch nicht unterkriegen lässt. "George", ein britischer Militärarzt, der offen für die Lebensweise des Orients ist und dessen Schönheit erkennt, aber auch schlimme Dinge im Krieg gesehen hat und offenbar ein Geheimnis hütet. Der "Junge", der von Nur aufgenommen wurde nachdem sie ihn in den zerbombten Trümmern seines Hauses gefunden hat und der anfänglich durchaus ein wenig für Fragezeichen beim Leser sorgt, weil man erst nach und nach mehr zu seinem Hintergrund erfährt und was genau es mit ihm auf sich hat. Der "Gefangene", der an der Front im 1. WK kämpft, beim Massenmord an den Armeniern dabei ist und von dem am Ende nichts mehr an den einst so sanften und lebensfrohen Mann erinnert, der er einmal war, sowie der "Reisende", der viele Jahrzehnte später mit einem Koffer voller wertvoller Erinnerungsstücke eine lange Reise antritt und quasi die Rahmenhandlung zu der ganzen Geschichte bildet. Der Inhalt des Koffer verknüpft dabei auf wunderschöne Art und Weise die Gegenwart mit der Vergangenheit, denn jeder einzelne Gegenstand daraus hat seinen ganz besonderen Platz in dieser Geschichte. Durchaus für eine gewisse Spannung sorgt dann auch die Identität des Reisenden, da man erst zuletzt wirklich sicher sein kann, um wen es sich dabei handelt, denn die Autorin versteht es durchaus geschickt den Leser immer mal wieder ein wenig unsicher werden zu lassen, ob er wirklich derjenige ist, für den man ihn hält.
Der Leser taucht hier ein in das bunte und geschäftige Treiben auf dem Basar, bekommt die Schönheit am Bosporus gezeigt und kann die Gerüche der orientalischen Gewürze und des Kaffees fast schon selbst wahrnehmen. Zugleich zeigen sich aber auch die immer noch vorhandenen Spuren des Krieges, wie zerstörte Wohnviertel, Menschen die aus ihren Häusern vertrieben wurden, sowie das Misstrauen und der Unmut gegen die Besatzer. Vor allem über den Armenienkonflikt erfährt man einiges, der hier wie eine verhängnisvolle Wolke immer wieder über dem Ganzen zu schweben scheint und dessen Schilderungen einem einfach nur unter die Haut gehen. Besonders traurig ist dabei allerdings die Tatsache, dass dieser an den Armeniern verübte Genozid von der Türkei bis heute nicht anerkannt wird.
"Die Wirren des Krieges", sagt er. "Ich glaube, die Menschen denken in dieser Situation, dass sie Teil von etwas Größerem sind als sie selbst. Doch häufig sind sie zu weniger geworden. Weniger menschlich. Sie werden zu Teilen einer Maschinerie, und eine Maschinerie besitzt keine Moral."
Und inmitten all dieser Dinge entspinnt sich eine wunderschöne Liebesgeschichte, die so ganz anders ist als man es von anderen Geschichten her gewöhnt ist und gerade deshalb ihren ganz eigenen Reiz hat. Einerseits sehr subtil und regelrecht unschuldig, aber zugleich von einer Intensität die man selten so spürt wie hier, wo selbst eine kleine Berührung etwas Bedeutsames ist.
Mit dem Ende zeigt die Autorin hier einmal mehr, dass sie ihr Handwerk versteht, denn erst auf der letzten Seite fügt sich jedes noch so kleine vorherige Detail zu einer wunderschönen Gesamtkomposition zusammen und präsentiert dem Leser einen emotionalen, aber auch unglaublich stimmungsvollen und passenden Abschluss zu dieser Geschichte. Damit wirkt die Geschichte nicht nur noch einige Zeit nach, sondern sorgt auch für feuchte Augen bei Leser.
Schön wäre allerdings noch ein kleines Glossar mit all den türkischen Begriffen gewesen, die hier vorkommen, selbst wenn sich ein Großteil beim Weiterlesen von selbst erklärt, sowie ein paar historische Eckdaten, die das Ganze noch mal schön abgerundet hätten, auch wenn das nichts daran ändert, dass die Geschichte für sich genommen einfach großartig ist.
Fazit: Eine wunderschöne, aber auch sehr berührende und melancholisch anmutende Geschichte, die mit ihrer wortgewaltigen und bildhaften Sprache, sowie ihrer ruhigen und gefühlvollen Art in der sie erzählt wird, verzaubert. Einmal mehr zeigen sich hier die verschiedensten Gesichter des Krieges und man wird gefangen genommen von der inneren Zerrissenheit der jeweiligen Protagonisten, die sehr authentisch dargestellt werden. Ein wunderbares Buch, das sowohl optisch als auch vom Inhalt her zu begeistern vermag und großes Gefühlskino bietet, ohne jedoch kitschig zu sein. Für mich eines dieser Bücher, das mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.
- Dean Nicholson
Nalas Welt
(73)Aktuelle Rezension von: BlintschikDas Buch lässt sich gut und flüssig lesen und doch war ich am Anfang skeptisch, weil sehr viel auf wenig Seiten erzählt wird und es so schwer ist die Abenteuer richtig mitzuverfolgen. Aber das legt sich schnell und es liest sich alles so als ob der Autor vor einem sitzt und seine Geschichte erzählt. Dabei werden die Gefühle und Gedanken ziemlich gut beschrieben, sodass man echt gut mitfiebern kann. Außerdem kommt dabei auch echt Spannung auf und ich wollte das Buch garnicht mehr weglegen, weil ich mir Sorgen um die Zwei gemacht habe. Aber man erfährt auch viel darüber wie es ist auf Reisen und mit social media und so ehrlich wie hier alles beschrieben wird, muss man die Zwei einfach mögen. Mir hat das Buch deshalb seht gut gefallen. Es ist nicht nur sehr süß und sympathisch, sondern auch interessant und sorgt für Spannung und gute Unterhaltung.
- Anders Roslund
Geburtstagskind (Ewert Grens ermittelt 1)
(140)Aktuelle Rezension von: LesensundspielenddurchslebenIch hab mich schon sehr auf diese Krimi-Reihe gefreut. Ich mag skandinavische Krimis sehr gerne und hab in meiner Schulzeit einige davon gelesen. Auch hier hatte ich das Gefühl, gleich in einen solchen geraten zu sein. Der Anfang begann spannend und vielversprechend. Es wurde so erzählt, dass ich gleich das Gefühl hatte, mitten in diesem Haus zu sein. Was mich dann aber etwas verwirrte, war, dass es in der Geschichte dann einen Cut gab und neue Protagonisten auftraten. Ich konnte diese beiden Handlungsstränge nicht so recht zusammenbekommen. Zum Schluss fügte sich dann alles aber dennoch zusammen.
Der Schreibstil hat mir grundsätzlich gut gefallen. Zwischendurch fand ich die Geschichte aber sehr zäh und langatmig. Der Schluss hat mich dann wieder ein wenig versöhnt. - Eric Berg
So bitter die Rache
(11)Aktuelle Rezension von: KaJaEllen Holst zieht mit ihrem Teenagersohn in eine ehemals exklusive Wohnsiedlung in Heiligendamm. Durch Zufall erfährt sie, dass in ihrem Haus vor sechs Jahren drei Menschen ermordet wurden. Den Gedanken daran verdrängt sie, doch es geschehen merkwürdige Dinge, die starke Ähnlichkeit mit den Ereignissen von damals haben. Größte Verbindung zwischen den Vorfällen scheint der rätselhafte, geistig eingeschränkte Nachbarssohn und sein harmlos wirkender Betreuer zu sein.
Genau wie in der Krimireihe um Doro Kagel versteht es Eric Berg auch in diesem Buch wieder, Spannung aufzubauen. In jedem Kapitel erfährt man gezielt nur so viel, dass es wirklich schwer ist, das Buch zur Seite zu legen. Durch die Zeitsprünge und die ausführliche Zeichnung der Bewohner der Siedlung Vineta kommen immer mehr Details ans Licht, wodurch sich langsam ein Bild zusammensetzt. Die Siedlung wirkt teilweise wie eine Sekte und ihr "Erbauer" als eine Art kontrollsüchtiger Patron.
Sind alle Bewohner wirklich die Menschen, die sie vorgeben zu sein? Was ist wirklich vor sechs Jahren passiert? Und was hat eine Familie aus Albanien mit den Ereignissen zu tun?
Letztendlich geht es hier um die Frage, wie sehr der Gedanke an Rache einen Menschen sein Leben lang beeinträchtigen kann - wobei man sich ja beim Ausleben seiner Rachefantasien ebenso schuldig macht
- Petra Ivanov
Fremde Hände
(24)Aktuelle Rezension von: DandyBei " Fremde Hände" von Petra Ivanov handelt es sich um den ersten Band der Reihe ;Flint und Cavalli.
Zürich Nord: MüllverbrennungsanlageIn einer Autodachbox wird die Leiche einer jungen Frau gefunden.
Im Züricher Rotlichtmilieu kommen Kriminalpolizist Cavalli und Bezirksanwältin Flint , Frauenhändlern auf die Spur, die vor nichts zurückschrecken. Um so undurchsichtiger die Spuren werden, desto klarer erscheint das Motiv: Geld.Ein zweiter Mord geschieht, dieser hat viel mit dem Fall aber nichts mit Geld zu tun.Flint und Cavalli kämpfen gegen ihre Liebe an, In der Vergangenheit hat diese sie bereits an den Abgrund geführt.
Die Geschichte hat mir sehr gefallen, da sie "leider" sehr nah an der Realität ist. Ich hatte während dem Lesen das Gefühl, dass die Autorin sehr gut recherchiert hat und sich sehr viele Gedanken über Zwangsprostitution und Menschenhandel gemacht hat.Sehr ausführlich, schockierend wird über deren Leben berichtet und die Emotionen der Leser anspricht.
Zur Auflockerung des sehr ernsthaften Themas kommen immer wieder Passagen, in denen es um die Beziehung zwischen Flint und Cavalli geht. Diese Passagen sind recht kurz gehalten, sodass sie nicht vom eigentlichen Fall ablenken und die Spannung nicht unterbrechen.
Die vielen Wendungen und Irrwegen, was den Täter und die Hintergründe betrifft, tragen zu der über das ganzen Buch verlaufenden Spannung bei.
Die Geschichte lässt sich flüssig lesen und ich war sofort in der Geschichte gefangen. Der Plot ist gut konstruiert und plausibel.
Ich empfehle dieses Buch weiter.
- E. L. James
The Mister
(40)Aktuelle Rezension von: SaphirblauEin spontane Laune lies mich dieses Hörbuch an der Tankstelle kaufen. Ich hatte einfach Lust auf etwas Romantik. Am Ende war ein es bunter Mix aus Romantik, Verfolgungsjagd, Erotik und Familiendrama. Es gab verschiedene Spielorte und stetig neue Infos über die Charaktere, wodurch es meiner Meinung nach nicht langweilig wurde. Für alle die ohne große Erwartungen an das Werk gehen wird es schön sein zu hören.
In dem Buch geht es um einen jungen Mann. Eben noch vom Tod des Bruders überwältigt und so zum Adelstitel gekommen, ist er das erste Mal in seinem Leben richtig mit allem überfordert. Und dann trifft er auch noch eine junge Frau die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Zudem wird es dann von außen her noch weiter kompliziert, als die "Bösewichte" auftauchen. Aber, wie auch etwas vorherrsehbar, schaffen die zwei alle Hörden und es verspricht ein Happy End zu werden, bevor es aber dann doch nochmal dramatisch wird...
Das Höbuch wurde von zwei Personen gelesen - klassisch die Kapitel aus Sicht von Maxim von einem Mann und Alicias Erzählungen von einer Frau. Das passte sehr gut und die beiden Lesenden haben das wirklich sehr großartig gemacht! Ich wurde nicht müde ihnen zuzuhören!
Nachdem ich das Höbuch zu 1/3 durch hatte, erfuhr ich, dass die Autorin ja jene von dem berüchtigten "Shades of Grey"-Erfolg ist. (Dies habe ich aber bisher nicht gelesen. Dafür war ich beim Film aber fast eingeschlafen..). Tja das erklärte immerhin die ausgeschmückten Erotik-Szenen in dem Buch hier.
Anschließend linste ich einmal nach bestehenden Rezessionen hier und da im Internet. Es verblüffte mich, dass diese entweder total begeistert oder total niederschmetternd waren!?! Einige fanden es super, andere total langweili. Dies kann ich nicht bestätigen. Ich habe es nicht komplett sondern immer in kleinen Abschnitten (30-60 Minuten) gehört und so war es für mich immer wieder ein neues Treffen mit den interessanten Charakteren. Und ich wollte wissen wie es bei ihnen weitergeht.
Am Ende sah ich es selbst aber relativ nüchtern. Es ist, wie eine andere Rezession treffend beschrieb, eine neue Version einer "Aschenputtel-Geschichte". Solche Geschichten lese ich prinzipiell gern. Es war auch wie oben beschrieben ein schöner Mix aus allem: Charakteren, Orten, Sprachen, Ruhe sowie Dramatik. Ich hätte mir aber anstelle von dem x-ten, ausgeschmückt beschriebenen Geschlechtsverkehr lieber noch einige Kapitel oder Informationen zu den Charakteren, auch abseits der Hauptpersonen, gewünscht. Die Familiengeschichte vom Maxim schien mir am Ende nicht vollständig erzählt. Insgesamt hat mir das Buch aber gut gefallen. Ich habe auch gleich mal nachgeschaut wo beschriebene Ort auf der Landkarte zu finden sind :)
- Norbert Horst
Kaltes Land
(19)Aktuelle Rezension von: SalanderLisbeth„Und als ihr kamt, war das Schloss noch intakt?“ Steiger zog die Brauen hoch und stieß kurz Luft durch die Nase aus. „Ja, es war noch in Ordnung, und die Tür war auch verschlossen. Schon klar, ein Schlüsseldienst wäre besser gewesen, aber wer rechnet denn in diesem Drecksloch mit so was. Ich hab im schlimmsten Fall an einen toten Penner gedacht, aber eigentlich mehr an irgendein verrecktes Vieh oder vergammeltes Fleisch.“ Auszug Seite 34
Die Dortmunder Nordstadt gilt schon länger als Problemviertel. Der Multikulti-Stadtteil nahe der Innenstadt steht zwar auch für kulturelle Vielfalt, aber mehr noch für Kriminalität, Prostitution und Drogenhandel. Trotz großer Bemühungen seitens der Stadt stehen in dem ehemaligen Arbeiterviertel zwischen Nordmarkt, Hafen und Borsigplatz viele unbewohnbare Schrottimmobilien immer noch leer.
Ein toter Bodypacker
In einem dieser Problemhäuser wird ein sogenannter Bodypacker tot aufgefunden. Offensichtlich hatte er Drogenpäckchen zum Transport geschluckt und war daran verstorben. Kein schöner Anblick für Kommissar Thomas Adam, von allen nur Steiger genannt, und seine Kollegin Jana Goll. Um trotzdem noch an die Ware zu kommen, war der Körper des Jungen regelrecht ausgeweidet worden. Auf einem verbliebenen Kokainpäckchen kann zumindest ein Teilabdruck gesichert werden. Doch dieser weist auf einen Mann hin, der seit Jahren tot sein soll. Auch die Identität des Opfers lässt sich nicht klären, denn hier hat es die Dortmunder Kripo mit Illegalen zu tun. Menschen, die ihre wahre Identität verschleiern, indem sie ihre Pässe wegwerfen sowie falsche Namen und Alter angeben, um nicht sofort wieder in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt zu werden. Als dann in Kroatien die Leichen zweier junger Flüchtlinge gefunden werden, denen Organe entnommen wurden, stellt Steiger schockiert fest, dass er einen davon kennt. Er und Jana hatten den Jungen erst vor kurzem in eine Dortmunder Unterkunft gebracht.
Es ist ein politisch brisantes und aktuelles Thema, dass Norbert Horst hier thematisiert. Es geht um minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung in Deutschland ankommen. Auf der Flucht haben sie oft Furchtbares erlebt, sind traumatisiert. Aus Angst vor Abschiebung lassen sie sich nicht registrieren und werden gezielt von skrupellosen Menschenhändlern oft schon am Bahnhof abgefangen. Es sind meistens Landsleute, die sie ansprechen und ihnen vordergründig Hilfe zusichern. In dieser Parallelwelt ist das Leben der Flüchtlinge nicht viel wert und der Tod wird billigend in Kauf genommen. Einfach verdientes Geld, denn wen die Behörden nicht auf dem Schirm haben, kann auch nicht vermisst werden.
Ein kaltes Land
Der Autor nutzt die Perspektive zweier Jugendlicher und schildert deren mühsamen Weg aus Afghanistan nach Deutschland auf eine lebenswerte Zukunft hoffend. Auf der Flucht verliert Arjun seinen Onkel, ist erst mal ganz alleine unterwegs, bis er die gleichaltrige Samira kennenlernt. In Deutschland angekommen geraten die beiden sofort in die Fänge von Kriminellen.
Im dritten Fall des Dortmunder Kommissar Thomas Adam sieht sich dieser mit den mafiösen Aktivitäten einer Organisation konfrontiert, die von Drogenhandel, Zwangsprostitution bis Organhandel alles abdeckt. Sachlich und nüchtern wird in kurzen, knappen Kapiteln geschildert, wie Steiger und sein Team auf der Suche nach dem hochintelligenten Drahtzieher dieses kriminellen Netzwerkes sind. Der Leser ist die ganze Zeit hautnah bei der akribischen Polizeiarbeit dabei und der Polizeialltag mit seiner unvermeidlichen Bürokratie ist natürlich nicht immer megaspannend. Auch die Kriminalbeamten werden nicht als Superhelden dargestellt und was mir sehr gut gefallen hat, niemand stürzt sich in gefährliche Alleingänge. Plausibel wird geschildert, dass vor gefährlichen Einsätzen erst auf das SEK gewartet wird und dass die Sicherheit der Polizisten immer im Vordergrund steht. Das wirkt realistisch und liegt sicher daran, dass Norbert Horst weiß, wovon er schreibt, denn er hat jahrelang erst als Streifenbeamter und nach seinem Studium als Kriminalbeamter beim Landeskriminalamt gearbeitet. Er sammelte Erfahrungen als Ermittler in Wirtschaftskriminalfällen und in diversen Mordkommissionen. Dadurch entsteht eine große Glaubwürdigkeit und das macht den Reiz dieser Kriminalserie aus.
Auch wenn es manchmal noch den ein oder anderen alten Kripohaudegen gab, der in gewohnter elitärer Ermittlerarroganz seine Herablassung für diese Truppe zeigte, waren doch alle froh und erleichtert, dass es sie gab und man nach ihrem Einsatz den Ort eines Verbrechens so gefahrlos betreten konnte, als sei es das eigene Wohnzimmer. Auszug Seite 377
Ein Dortmunder Bulle
Steiger ist ein Polizist, wie man ihn gerne hätte. Er ist empathisch mit einem großen Gerechtigkeitsempfinden, kollegial und trinkfest, aber ohne großen beruflichen Ehrgeiz. Während die Beziehung zu seiner großen Liebe Eva kompliziert bleibt, bemüht er sich um seinen langjährigen Kollegen und Freund Batto, der im Dienst einen Täter erschossen hat und dem das schwer zu schaffen macht. Steiger steht ziemlich hilflos daneben und sieht die Freundschaft der beiden dadurch fast zugrunde gehen. Auch das las sich für mich sehr authentisch.
„Kaltes Land“ ist der dritte Teil der Reihe um Kommissar Steiger, der aber auch gut ohne Vorkenntnisse der anderen Bände gelesen werden kann. Inzwischen ist bereits Band 4 „Bitterer Zorn“ erschienen.
Funfact: Steiger ist übrigens Schalke-Fan, was ich ja als Dortmunderin mal so gar nicht nachvollziehen kann.
- Alessandra Uriselli
Für mein süßes Ich
(28)Aktuelle Rezension von: Lori0216Das Buchcover von „Für mein süßes Ich“ von Alessandra Uriselli zeigt Sie selbst, was sehr sympatisch ist und die vielen Leckereien zeigen direkt, worum es im Buch gehen wird.
Es ist ein liebevoller und inspirierender Ratgeber, der uns dazu ermutigt, uns selbst mit mehr Liebe und Achtsamkeit zu behandeln. Mit einer gelungenen Mischung aus persönlichen Anekdoten, praktischen Tipps und vielen Rezepten, darunter der wunderbare Apfelkuchen, führt uns die Autorin in eine Welt des Wohlfühlens, der Selbstfürsorge und des Genusses.
Was dieses Buch besonders auszeichnet, ist die Art und Weise, wie es die Bedeutung von Achtsamkeit und Selbstfürsorge in den Alltag integriert. Alessandra Uriselli spricht nicht nur über das Thema Selbstliebe, sondern zeigt auf, wie wir uns durch kleine, aber wirkungsvolle Handlungen selbst Gutes tun können. Ihre Rezepte sind dabei nicht nur lecker, sondern auch ein Ausdruck von Wohlbefinden und Fürsorge für den eigenen Körper und Geist. Der Apfelkuchen, den ich direkt nach dem Lesen gebacken habe, war ein voller Erfolg – saftig, aromatisch und perfekt, der ganzen Familie hat's geschmeckt.
Die Rezepte sind einfach nachzuvollziehen und eignen sich hervorragend, um sich selbst eine kleine Auszeit zu gönnen oder für Familienfeiern etwas Besonderes zu zaubern.
Sehr schönes Buch - schöne Bilder - leckere einfache Rezepte - sehr zu empfehlen.
- Stefan Orendt
Albanien
(1)Aktuelle Rezension von: annlu„Gibt es denn in der Schweiz keine Häuser und Leute? Müssen Sie ausgerechnet nach Albanien kommen, um Häuser und Leute zu fotografieren?“
Albanien im Laufe der Zeit – Fotografien aus den Jahren 1931, 1957 und 1990 bieten die Gelegenheit die Menschen aber auch die Entwicklungen im Balkanland kennenzulernen.
Eingeleitet wird das Buch von einem Essay von Peter K. Wehrli, der ein Resumee seiner Albanienreisen im Jahr 1967 und Ende der Achziger Jahre zieht. Wer mehr historisches Hintergrundwissen möchte, der kann sich in den abschließenden „Historischen Notizen“ informieren. Ansonsten sprechen die Fotografien für sich. Im Fokus stehen die Menschen und ihre alltäglichen Tätigkeiten.
Bereits bei Erich Andres (1931) finden sich viele Männer in typischen Plunderhosen samt Fez aber auch Abbildungen religiöser Rituale. Obwohl man sich nach dem einleitenden Teil – und der Erklärung wie das kommunistische Regime mit den Religionen umgegangen ist – wenige Fotografien mit religiösem Hintergrund erwartet, wiederholen sich diese auch in den Fünfzigerjahren bei Karol Kallay. Auch die handwerklichen Tätigkeiten bieten sich an um Vergleiche zwischen den Jahren anzustellen, kommen sie doch in allen Teilen vor. Obwohl Städte und Landschaften nicht im Vordergrund stehen, sind sie Teile der Fotografien. Ihre Entwicklung sieht man nur indirekt und doch verändert sich das Stadtbild besonders aber auch die Menschen, die die Straßen bevölkern. Neben diesen sind die vielen kleinen oder großen Anzeichen der kommunistischen Partei ein wiederkehrendes Merkmal der Fotografien aus den Fünfziger und Neunzigerjahren (von Wolfgang Krolow). Ergänzt werden die Bilder von (wenigen) Werken albanischer Dichter.
Fazit: Der Bildband (in schwarz-weiß) bietet eine gute Gelegenheit einen Blick auf die Menschen und das Land Albanien zu werfen, der einerseits Kontinuität andererseits Entwicklung zeigt und besonders interessant ist, wenn man zum Vergleich auch den heutigen Stand kennt.
Europas letztes Geheimnis - Albanien. Fakten und Eindrücke aus einem unbekannten Land.
(1)Aktuelle Rezension von: annlu*Keine Bettler, keine Autos, kein Gott*
1981 – im Erscheinungsjahr dieses Buches - hat sich Albanien unter seiner kommunistischen Führung vom Rest der Welt abgewendet. Der Autor hat es sich zum Ziel gemacht, das Balkanland vorzustellen. Nach einigen Einblicken in die Geschichte Albaniens widmet er sich der Entwicklung des Kommunismus in Albanien. Neben der Politik zeichnet er ein Bild des Lebens in der kommunistischen Diktatur.
Ich habe das Buch gelesen, gerade weil es schon ein bestimmtes Alter hat. Da der Autor selbst Reisen nach Albanien angetreten hat, hatte ich mir ein Bild der Auswirkungen des Kommunismus erwartet. Die kurze Einführung der frühen Geschichte hat mich etwas skeptisch gemacht, da viele Legenden eingebaut waren und es mir insgesamt sehr unkritisch vorkam – besonders auch da viele Daten von albanischen – von der Partei beeinflussten Wissenschaftlern stammten.
Die nähere Geschichte wurde näher belegt. Allerdings erwies sich der erste Teil davon als sehr politisch. Da hatte ich mir etwas mehr Einblick in den Alltag und das Leben in Albanien zur damaligen Zeit gewünscht.
Die kurzen Kapitel waren trotz sehr kleiner Schrift leicht zu lesen, wenn auch besonders die politischen Teile sehr trocken waren. Im zweiten Teil des Buches kam dann doch noch der Teil, wegen dem ich das Buch überhaupt erst zur Hand genommen habe. Der Einblick in das kommunistische Leben war allerdings anders, als gedacht. Kritisiert der Autor zu Beginn noch die albanienfreundlichen Konkurrenten stellt er das Leben der albanische Leben dann aber doch sehr unkritisch vor. Er nutzt dazu die Daten, die ihm die Regierung zur Verfügung gestellt hat. Kritik am System muss man zwischen den Zeilen herauslesen. Dafür werden die Errungenschaften des Systems gelobt – die so vielleicht dem ausländischen Reisenden vorgeführt wurden, aber nicht den Tatsachen entsprachen. In vielerlei Hinsicht haben mich die Beschreibungen der geführten Reise und der Besuch der Vorzeigebetriebe an die ersten Eindrücke aus Nordkorea erinnert.
Fazit: Die gesuchten Einblicke in das Leben während des Kommunismus habe ich hier nur insofern gewonnen, als dass ich die vom Regime zur Schau gestellten Eindrücke erlesen konnte – da hätte ich mir mehr Kritik und einen Blick hinter die Kulissen gewünscht.
- Ermal Meta
Morgen und für immer
(83)Aktuelle Rezension von: chrissysbooksAlbanien 1943 in einem kleinen Bergdorf lebt Kajan mit seinem Großvater. Eines Tages taucht Cornelius auf, ein deutscher Deserteur. Von ihm lernt Kajan das Klavierspielen und er wird später ein berühmter Pianist. Kajans große Liebe findet nicht die Zustimmung seiner Mutter, sie versteht es sogar, die beiden Liebenden auseinanderzubringen. Kajan reist als Musiker in die DDR, und nach einigen dramatischen Ereignissen beginnt eine abenteuerliche Flucht über West-Berlin bis in die USA.
Dieses Debüt hat mich überrascht, gefesselt und tief bewegt, zugleich aber auch durch seine Brutalität schockiert. Der Schreibstil ist gut lesbar, die Geschichte ist in sechs Teile gegliedert. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es erzählt das bewegende Leben von Kajan, einem sympathischen Charakter, mit dem man mitfühlt. Der Roman gibt Einblicke in die politische Geschichte Albaniens, das gefährliche Leben von Regimegegnern, die DDR, die Stasi in West-Berlin und das Leben in den USA. Musik spielt in Kajans Leben stets eine zentrale Rolle.
"Morgen und für immer" ist ein Roman über Liebe, große Verluste, Trauer, die Leidenschaft zur Musik, Verrat, Familie und Flucht, ein sehr ergreifendes Drama. Lesenswert! - Sotiris Dimitriou
Lass es dir gut gehen
(1)Aktuelle Rezension von: Edition_RomiosiniNeue überarbeitete Auflage: http://bibliothek.edition-romiosini.de/catalog/book/10 - Peter Marxheimer
Nach Albanien, Karl!
(2)Aktuelle Rezension von: annluSeit er die Bücher Karl Mays verschlungen hat, ist der Journalist Karl Richter von Albanien fasziniert. 1914 bekommt er die Gelegenheit als Korrespondent dorthin zu fahren um über die Inthronisierung eines deutschen Prinzen vom Rhein als albanischer Herrscher zu berichten. Nun erlebt er ein Land zwischen Orient und Okzident, dessen Zukunft von den europäischen Großmächten bestimmt wird.
Der Ausgangspunkt des Buches ist die Frage, wie es einen deutschen Prinzen nach Albanien verschlagen hat. Rund um die Ereignisse um Prinz Wilhelm zu Wied und seiner kurzen Regierungszeit spinnt der Schriftsteller die persönliche Geschichte des Journalisten Karls. Außer ihm, einem befreundeten deutschen Journalistin und seiner Freundin haben alle erwähnten Protagonisten wirklich gelebt. Wie das Leben dieser ausgesehen hat, kann man im Anhang nachlesen.
Die Geschichte hat einerseits den Charakter einer Erzählung, die persönliche Befindlichkeiten zulässt, andererseits sind viele Teile sachlich gehalten. So schlägt sich Karl mit seinen Eindrücken und Gefühlen herum, es gibt aber auch viele Teile, die durch seinen Beruf geprägt sind. So werden seine Eindrücke der Städte und Gegenden erzählt ebenso wie viele politische Wendungen. Diese erfährt er öfters über Dritte, die sie ihm berichten. Dabei entsteht ein Kontrast zwischen mitunter trockenen Abschnitten und solchen, die Karls Emotionen beschreiben. Der Stil der Erzählung hat mich an die Reiseliteratur jener Zeit erinnert, sodass ein authentisches Flair entstand.
Wie kommt ein deutscher Prinz zum albanischen Thron? Genau die Frage hab ich mir auch gestellt, als ich von diesem Abschnitt in der Geschichte des Landes gehört habe. Mit diesem Buch bekommt der Leser gut recherchierte Fakten verpackt in die persönliche Geschichte von Karl präsentiert. Dabei wird bald schon klar, dass sich die Herrschaft des Fürsten nicht lange halten wird. Viel zu viele Mächte wollen mitreden und der erste Weltkrieg steht vor der Tür. So durchlebt der Leser Karls Abenteuer, eine Zeit der Euphorie und Hoffnung aber auch eine solche, in der sich der Krieg bereits abzeichnet.
Fazit: Um das Buch zu genießen braucht der Leser ein bestimmtes Interesse am Thema. Auch vor Sachinformationen/büchern sollte man nicht zurückschrecken, da sonst viele Teile als zu trocken erscheinen. Ich habe beide Voraussetzungen mitgebracht und konnte hier meine Frage, was es mit „Mbret Wiedi“ auf sich hat, beantworten.
- Susanne Reiche
Fränkisches Sushi
(2)Aktuelle Rezension von: twentytwoEin vermutlich Ertrunkener in der Pegnitz und ein vollkommen verstörtes Kind im angrenzenden Ufergebüsch, stellen Kommissar Kastner und sein Team vor ein Rätsel. Nachdem es ihnen nach erheblichen Schwierigkeiten gelungen ist den Toten zu identifizieren, gelangen sie gestützt durch die rechtsmedizinischen Ergebnisse zu der Überzeugung, dass sie es mit einem äußerst ungewöhnlichen Mordfall zu tun haben. Weitere Indizien belegen diese Theorie. Doch erst als sie im Zuge der Ermittlungen auf einen anderen, bereits länger zurückliegenden Todesfall stoßen, gelingt es ihnen die wahren Zusammenhänge zu erkennen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Fazit
Spannend, vielschichtig und äußerst kritisch – ein beeindruckender Krimi, der zum Nachdenken und Hinterfragen anregt. - Stefanie Gregg
In München wartet der Tod
(17)Aktuelle Rezension von: Sigrid1In diesem Krimi können wir den Kommissar Fricke und die Staatsanwältin Karinoglous bei ihren Ermittlungen als Soko in München begleiten. Dieser Einsatzort ist weit vom heimatlichen Kiel entfernt und hat für die beiden so seine Vor- und Nachteile. Denn auf dieser Dienstreise kann man ja auch mal das Dienstliche mit dem Privaten verbinden. Das geht allerdings nicht immer ohne Differenzen. Aber die beiden nehmen die Herausforderungen in beiden Bereichen an. Und durch ihr gutes Zusammenarbeiten, bedingt durch die gegensätzlichen Persönlichkeiten und ihren Ermittlungsansätzen, können sie ihre Fähigkeiten voll im Kampf gegen den Organhandel einsetzen.
Der Krimi ist interessant und hat ein aktuelles Thema aufgegriffen. Die Problematik wird sehr gut dargestellt und durch die Schilderungen von persönlichen Schicksalen bekommt der Leser auch einen guten Bezug zum Thema. Die Opfer sind nicht anonym, sondern werden dem Leser sozusagen vorgestellt und dadurch wird das Verständnis dafür besser gefördert. Die Protagonisten sind sehr authentisch dargestellt und ihre sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten sorgen für ein abwechslungsreiches Erleben. Ihre Vorgehensweisen passen im Endeffekt gut zueinander und ihre Dialoge - gerade was den privaten Bereich angeht - sind teilweilse amüsant zu verfolgen. Die Spannung kommt nicht zu kurz und die vielen verschiedenen vorkommenden Charakteren sorgen für ein lebhaftes Geschehen. Es gibt sehr detailreiche Beschreibungen. Der Leser kann dem Geschehen gut folgen und man wird sehr in die Handlungen hineingezogen.
Ich fand diesen Krimi sehr erfrischend und interessant. Es hat Spaß gemacht ihn zu lesen und ich hoffe, bald noch mehr Fälle zusammen mit den beiden Protagonisten zu erleben.
- E.L. Bono
Wer zum Teufel ist Albanien: Warum Mutter Teresa nach indien abhaute und Skanderbeg die Türken verdrosch
(1)Aktuelle Rezension von: annlu„Na ja, es gäbe da etwas, aber nicht in Österreich, sondern in Albanien.“ „Wer zum Teufel ist Albanien? Noch nie etwas davon gehört.“
Mit dem Plastiksackerl LC Waikiki und seinen „Herren“ geht es ab nach Albanien – samt ungewöhnlichem Umzug, ironischen Bemerkungen zu manch lockerem Umgang mit Regeln und vielen Informationen rund um das wenig bekannte europäische Land.
Als ich die Einleitung gelesen hatte – in der es um die Geburt unter mehreren Millionen geht – und mitbekommen habe, dass aus der Sicht eines Plastiksackerls erzählt wird, dachte ich schon, ich hätte das falsche ebook abbekommen. Sehr skeptisch hab ich der Geschichte doch noch eine Chance gegeben und mich ab dem Moment, in dem es – samt Herren und seiner Frau – ab nach Albanien geht, köstlich amüsiert. Wenn die Verhältnisse in Albanien bekannt sind und man einen überzogenen, ironischen Erzählstil mag, hat man hier eine humorvolle Unterhaltung vor sich.
Ob die Verkehrssituation, der Urlaub in Saranda samt Umweltaspekten, die Missverständnisse durch die Währungsreform oder das Beugen des ein oder anderen Gesetzes – hier bekommt der Leser nicht nur die passende Anekdote serviert, sondern auch so manches sachliche Hintergrundwissen.
Obwohl vieles mit ironischem Unterton versehen ist, hatte ich nie das Gefühl, dass der Autor negative Stimmung machen will. Er betont immer wieder die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Albaner, wenn er auch eingestehen muss, dass bestimmte Standards, die für Westeuropa gelten, sich in Albanien nicht etabliert haben (ob das nun gut ist oder nicht, sei dahingestellt). Besonders das Nachwort lässt schließen, dass der Autor dem Land und seinen Einwohnern gegenüber nicht negativ eingestellt ist auch wenn er so manches mal die ironischen Seiten einer Situation hervorhebt.
Fazit: Mit dem Untertitel (Skanderbeg und Mutter Theresa) hat das Ganze wenig zu tun. Die beiden werden in einem Nachwort aufgegriffen, spielen aber ansonsten keine Rolle. Auch die Wahl des erzählenden Plastiksackerls war ganz anders, als ich mir das erwartet hätte... und doch: als Gesamtpaket war ich positiv überrascht, wie die Gradwanderung zwischen Fiktion und Information, zwischen Humor und Kritik ausgeführt wurde.
- Stephan Ludwig
Zorn - Tod um Tod
(58)Aktuelle Rezension von: Alexa_KoserZum Buch: Der Immobilienmakler Donald Piral wird auf grausame Art ermordet aufgefunden. Mit Löschkalk wurde ihm quasi die Haut vom Körper gelöst. Als Zorn und Schröder die Ermittlungen aufnehmen, muss er feststellen, dass er den Toten von früher kennt. Aber das war keine angenehme Erfahrung… Doch je tiefer sie in ihre Ermittlungen eintauchen, desto mehr wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt…
Meine Meinung: Also, dieser Teil war mit Abstand für mich der emotionalste Teil! Nicht nur, dass die Freundschaft zwischen Zorn und Schröder nur noch am seidenen Faden hängt, sondern auch die Geschichte hinter den Morden. Denn Piral bleibt nicht der einzige Tote. Der Hintergrund ist so grausam, dass ich zeitweise das Gefühl hatte, in einem Horrorbuch gelandet zu sein… Es ist immer wieder unglaublich, zu was Menschen fähig sind!
Aber auch die Nebengeschichte mit Zorn und Schröder kann sich dieses Mal echt sehen lassen. Außerdem ist Rufus nach seiner schrecklichen Entführung quasi lebensmüde. Schröder wird ganz, ganz arg getäuscht und hatte mein volles Mitleid in diesem Band. Zorn ist so etwas wie die Konstante in diesen Büchern, er ist und bleibt einfach sehr authentisch!
Dadurch, dass die Geschichte hier so spannend ist, fliegt man hier nur so durch! Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und flapsig, was die Dialoge angeht. In der Vergangenheit bewegt sich die Geschichte zwar in einem sehr brutalen und blutigen Bereich, aber ich denke, das brauchte dieser Hintergrund auch. Alles in allem fand ich die Story sehr stimmig!
Mein Fazit: Ich liebe ja alle Bände von Zorn, aber dieser hier ist bisher mit Abstand der Beste von allen! Ich würde gerne 10 Sterne vergeben, wenn ich könnte! Hat mich absolut mitgenommen, dieser Teil!
- Ismail Kadare
Der zerrissene April
(23)Aktuelle Rezension von: sabatayn76‚Bis zu dem Tag, an dem er tötete, gab es für ihn kein Leben. Erst wenn er getötet hatte und selbst vom Tod verfolgt war, begann er zu leben.‘ (Seite 31 der gebundenen Ausgabe von 2001)
Schon zum zweiten Mal liegt Gjorg Berisha auf der Lauer, um den Mann zu töten, der den Tod seines Bruders auf dem Gewissen hat. Beim ersten Versuch wurde der Mann nur verwundet, aber diesmal ist Gjorg erfolgreich und erschießt Zef Kryeqyqe.
Die Nachricht vom Tod Zefs verbreitet sich in dem kleinen albanischen Bergdorf in Windeseile, und Gjorg und seine Verwandtschaft schließen sich in ihrem Zuhause ein, um der Blutrache der Kryeqyqes vorerst zu entkommen. Dann leistet die Familie des Getöteten das kleine Ehrenwort, wodurch dem Blutvergießen 24 Stunden Einhalt geboten wird, und das Dorf entscheidet sich schließlich zum 30-tägigen großen Ehrenwort, was Gjorg einen ganzen Monat der Sicherheit gibt. Doch Gjorg weiß, dass er nach diesen 30 Tagen von einem Familienmitglied der Kryeqyqes getötet werden wird.
Die Geschichte der Blutfehde begleitet die Berishas und die Kryeqyqes seit siebzig Jahren, seit ein Gast der Berishas genau an der Dorfgrenze erschossen wurde:
‚Und wenn du einen Gast geleitest, und er wird vor deinen Augen getötet, dann fällt sein Blut auf dich.‘ (Seite 33 der gebundenen Ausgabe von 2001).
Seitdem gibt es auf beiden Seiten je 22 Gräber, und der Kreislauf des Tötens scheint nicht gebrochen zu werden, solange es noch Familienangehörige gibt, die den Tod eines Familienmitglieds rächen können.
Ich habe ‚Der zerrissene April‘ von Ismail Kadare vor vielen Jahren mit großer Begeisterung gelesen. Nun habe ich das Buch zum zweiten Mal gelesen, bin nach wie vor fasziniert von diesem Roman.
Kadare bietet in seinem bereits 1978 geschriebenen und 1980 erstmals auf Albanisch erschienenen Roman tiefe Einblicke in eine Welt, in der sich alles um alte Traditionen und Bräuche dreht, in der der Kanun, das alte Gewohnheitsrecht der Albaner, den Alltag und das Leben regelt, in der die Blutrache (als Teil des Kanun) mit ihren vielen Riten und dem komplizierten Regelwerk aktiv gelebt und angewendet wird.
In klarer, schnörkelloser Sprache erzählt Kadare seine dicht geschriebene und bewegende Geschichte, die nicht nur Opfer und Täter der Blutrache vorstellt und zu Wort kommen lässt, sondern auch die Profiteure dieser Tradition zeigt, die dafür sorgen, dass der Brauch weiter gepflegt wird.
Kadare nimmt den Leser in seinem Roman mit in die albanische Bergwelt und lässt ihn so an einer Welt teilhaben, die den meisten Lesern fremd erscheinen muss, die jedoch über Jahrhunderte hinweg gelebte Realität war. Nur in den Jahren der kommunistischen Diktatur in Albanien war die Blutrache eingestellt, doch nach dem Zusammenbruch des Kommunismus erlebte das Land erneut eine Zunahme der Blutrache, die mittlerweile zwar wieder abgeebbt ist, doch nach wie vor gibt es in Albanien zahlreiche Familien, die auch heute noch in (teilweise jahrzehntealte) Blutrachekonflikte verwickelt sind.
‚Der zerrissene April‘ ist ein intensives und brillant erzähltes Buch und gehört nicht nur zu meinen Lieblingsbüchern 2018, sondern steht auch auf der Liste meiner All Time Favorites. Ich empfehle ‚Der zerrissene April‘ jedem, der nach Albanien reisen will oder der sich generell mehr mit dem Land und seinen Traditionen beschäftigen möchte. - Stephan Staats
Staats‘ Geheimnisse – Mediterrane Rezepte und Storys von den Jachten der Superreichen
(39)Aktuelle Rezension von: GiseStephan Staats verbindet seinen Beruf als Koch mit seinem Drang nach Abenteuer: Er ist Schiffskoch auf luxuriösen Jachten und bekocht seine schwerreichen Dienstherren mit allem, wonach diese gelüstet. Das Buch verbindet Anekdoten und persönliche Erinnerungen mit Rezepten, die er auf diesen Fahrten gekocht und von bestehenden Rezepten abgeändert hat. Dadurch entsteht ein sehr persönliches Buch seiner Fahrten rund ums Mittelmeer. In lockerem Plauderton erzählt der Autor von seinen Erlebnissen, die „manchmal abenteuerlich, bisweilen bizarr oder sogar lebensbedrohlich“ sind (siehe Klappentext).
Für den stolzen Preis von knapp 40 Euro ist das Buch auch sehr aufwändig aufgemacht, mit aussagekräftigen Bildern zu jedem Gericht. Aber auch seine Erzählungen werden mit Bildern und Skizzen sowie Landkarten zu den jeweiligen Ländern aufgelockert. Sehr schön ist das Cover aufgemacht, das sogar haptisch einen besonderen Eindruck hinterlässt. Die Rezepte sind einfach nachzumachen und gut erklärt, die meisten Zutaten sind inzwischen auch bei uns erhältlich.
Ein wunderschönes Buch, das Fernweh weckt und bis dahin mit interessanten Rezepten und ausgefallenen Erzählungen lockt. Ein Buch zum Schmökern und Nachkochen, zum Verschenken und Sich-selber-schenken.























