Bücher mit dem Tag "albert camus"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "albert camus" gekennzeichnet haben.

22 Bücher

  1. Cover des Buches Der Fremde (ISBN: 9783499253089)
    Albert Camus

    Der Fremde

     (571)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    "Der Fremde" des französischen Nobelpreisträgers Albert Camus erschien 1942 und wurde als Meisterwerk berühmt. Die Erzählung entstand parallel zu einer philosophischen Abhandlung des Schriftstellers über das Absurde.

    Die Geschichte handelt von einem jungen Franzosen, Meursault, dessen Antriebslosigkeit keine Grenzen kennt. In seinem Persönlichkeitsprofil könnten fast autistische Züge vermutet werden. Sein Verhalten führt zu einem Mord, den er aus Notwehr begeht. Das richterliche Urteil führt aufgrund mehrerer sinnloser Schüsse, die er zusätzlich abgibt, seiner fehlenden Reue und der kompletten Gefühl- und Gottlosigkeit zur Todesstrafe. Selbst der Geistliche, der ihn am Abend vor seiner Hinrichtung aufsucht, wird Zeuge einer schockierenden Gleichgültigkeit gegenüber der Welt.

    Die schlichte Sachlichkeit und Intelligenz, seine ruhige und pflichtbewusste Art machen aus dem Protagonisten trotz allem einen Menschen, den man eigentlich ganz gern hat. Darin liegt das Absurde der Geschichte.

    Der lakonische Schreibstil hat mich angesprochen und macht den kurzen Essay zu einer leicht zu lesenden Lektüre.

  2. Cover des Buches Die Pest (ISBN: 9783499006166)
    Albert Camus

    Die Pest

     (485)
    Aktuelle Rezension von: Nickmeh

    Mit Vorbehalten fing ich an "die Pest" zu lesen. Albert Camus schätze ich zwar, als einen großen und vor allem spannenden Schriftsteller, allerdings wusste ich nicht, wie mir dieses nervige Infektionsthema gefallen würde, denn mit Corona sind wir nun alle vorbelastet - permanent. 

    Letztlich war ich jedoch froh, dass ich mir das Buch doch kaufte. Eindrücklich erzählt Camus die Geschichte der Bürger einer Stadt in Algerien, die der Pest ausgeliefert sind. Gefühlvoll, allerdings nicht zu melodramatisch gelingt es Albert Camus Einzelschicksale in bildhafter Sprache zu veranschaulichen. Auch die positiven Seite des Lebens in der Stadt werden erläutert, z.B. wird die Freundschaft der Hauptfiguren, mit den Wochen/Monaten, trotz der widrigen Umständen, immer stärker. Auch Oran beschreibt er eindrücklich: Es ist wohl nicht die anschaulichste/schönste Stadt, aber eine Hafenstadt, die ihre sehr schönen Seiten hat, so bleiben während der Pestzeit der Strand weiterhin begehbar. 

  3. Cover des Buches Der Fall (ISBN: 9783499253102)
    Albert Camus

    Der Fall

     (135)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Dieser im Jahr 1957 veröffentlichte schmale Band enthält die Lebensgeschichte des Pariser Anwalts Johannes Clamans. Im Stil eines Gesprächs gibt er sich in einem Zeitraum von fünf Tagen einem fiktiven Dialogpartner im Amsterdamer Hafenviertel zu erkennen. Geschildert werden der kometenhafte Aufstieg des jungen Mannes in der Pariser Gesellschaft, begünstigt durch ein Wesen, dass durch Eigenliebe, Opportunismus und einen Mangel von Empathie gekennzeichnet ist. Durch seine Zeugenschaft bei einem Suizid einer jungen Frau gerät sein Welt- und Selbstbild ins Schwanken. Er verlässt den eingeschlagenen Weg und hält nun mit Hilfe seiner Selbstanklage den Menschen den moralischen Spiegel vor. Doch ist diese Veränderung nicht durch Läuterung gekennzeichnet, sondern von dem Versuch, sich selbst zu ent- und den Gesprächspartner zu belasten, sodass dieser gezwungen wird, seine eigene Lebensbeichte abzulegen. Camus schafft es, auf knapp 120 Seiten eine große Menge von Themen anzusprechen. Liebe, Glaube und Gemeinschaft bilden hier die Pfeiler der Argumentation, welche den Leser nachdenklich und betroffen zurücklässt. Dass der Autor hierfür den Nobelpreis erhielt, ist mehr als nachvollziehbar. Ein Muss für jeden, der sich für die Triebfedern menschlichen Handelns und des "Pudels Kern" der Gesellschaft interessiert.
  4. Cover des Buches Das Labyrinth der Wörter (ISBN: B003BW5MCA)
    Marie-Sabine Roger

    Das Labyrinth der Wörter

     (28)
    Aktuelle Rezension von: Felice
    Amüsant und liebenswert wird erzählt, wie ein etwas ungehobelter Mittvierziger, Gelegenheitsarbeiter und Kneipengänger im Park beim Taubenzählen eine reizende alte Dame kennenlernt, die ihn für die Welt der Literatur begeistert und somit sein ganzes Leben verändert.
    Sehr gute Hörbuchfassung.
  5. Cover des Buches Das Café der Existenzialisten (ISBN: 9783406724794)
    Sarah Bakewell

    Das Café der Existenzialisten

     (31)
    Aktuelle Rezension von: sternenstaubhh

    "Das Cafe der Existenzialisten" ist ein Buch das mir aufgrund seines Titels und seines Covers sofort ins Auge gesprungen ist. Ich lese immer wieder sehr gerne Bücher mit einem philosophischen Schwerpunkt und hier wurde einfach meine Neugier geweckt.

    Einzelne Texte des französischen Schriftstellers und Philosophen Albert Camus habe ich schon in der Schule mit großer Begeisterung gelesen und ich habe gehofft in diesem Buch mehr über den Existenzialismus, Albert Camus und andere Philosophen zu erfahren. Tatsächlich wurden meine Erwartungen sogar noch übertroffen. Dieses Buch hat mich einfach restlos begeistert. 

    Bücher mit einem philosophischen Hintergrund liefern mir oft neue Anregungen und regen mich zum Nachdenken und Reflektieren an. Bei diesem Buch hat die Autorin eine, wie ich finde, besondere Begabung an den Tag gelegt. Sie verknüpft gekonnt die Genre historischer Roman, Biografie und Sachbuch miteinander und nimmt den Leser mit auf eine ganz außergewöhnliche Reise. 

    Hier konnte ich mit Jean-Paul Satre und Simone de Beauvoir im Cafe die Anfänge des Existenzialismus, dieser damals so neuen Weltanschauung, miterleben. Zusammen mit ihren Hauptvertretern werden hier nicht nur die Grundgedanken des Existenzialismus näher beleuchtet und vorgestellt, sondern auch die Philosophen der damaligen Zeit. 

    Ich fand es sehr interessant das damalige Zeitgeschehen so nah erleben und nachlesen zu können. Mich hat dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite perfekt unterhalten und mir zahlreiche wissenswerte Fakten geliefert. 

    Nicht nur Leser philosophischer Texte werden an diesem Buch ihre Freude haben. Auch Paris-, Sachbuch- und Biografie-Liebhaber können sich mit großer Begeisterung auf eine lesenswerte Reise begeben, die ihnen mit Sicherheit viele wissenswerte Informationen offenbaren wird.

    Ein wunderschönes Buch, das nicht nur gut unterhält, sondern dem Leser auch viele anregende Lesestunden bereitet.

  6. Cover des Buches Geschlossene Gesellschaft (ISBN: 9783499157691)
    Jean-Paul Sartre

    Geschlossene Gesellschaft

     (291)
    Aktuelle Rezension von: nana_what_else



    … die Hölle, das sind die anderen.

    Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seite 59


    Das sagt der Verlag: Geschlossene Gesellschaft: Drei Personen, die im Leben einander nie begegnet sind, werden nach ihrem Tod für alle Ewigkeit in einem Hotelzimmer zusammen sein. Das ist die Hölle.


    Aufmachen! Aufmachen! Ich nehme alles hin: Beinschrauben, Zangen, flüssiges Blei, Halseisen, alles, was brennt, alles, was quält, ich will richtig leiden. Lieber hundert Stiche, lieber Peitsche, Vitriol als dieses abstrakte Leiden, dieses Schattenleiden, das einen streift, das einen streichelt und das niemals richtig weh tut.

    Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seiten 54-55


    Persönlicher Leseeindruck: L’enfer, c’est les autres. Die Hölle, das sind die anderen. Auch, wenn ich mir als Agnostikerin mit Tendenz zu Wurschtigkeit/Frust gegenüber religiösen Themen nicht viele Gedanken darüber mache, was auf uns zukommt, wenn wir erstmal über die Regenbogenbrücke gegangen sind, den Löffel abgegeben, das Zeitliche gesegnet, ins Gras gebissen und schlussendlich die Radieschen von unten betrachtet haben, hat den nie-müden Ungustl in mir dieses Zitat immer auf verdrehte Weise angesprochen. Als Österreicher/in bekommt man das misanthrope Grantler-Gen ja praktisch frei Haus mitgeliefert und deshalb schien’s – nachdem mir diese eine Zeile immer wieder in der Zeitung, in Podcasts, Träumen und dem Kaffeesatz unterkam und ich mich irgendwann beim Sehen der Nachrichten dabei erwischt habe, wie ich sie passiv-aggressiv wie ein Mantra vor mich hinmurmelte – quasi meine heilige Pflicht zu sein, den Text, aus dem diese weisen Worte stammen, mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

    Scherz beiseite. Ich wollte mich schon seit Ewigkeiten etwas genauer mit Sartre befassen und wann ließe sich ein Text mit dem Titel „Geschlossene Gesellschaft“ wohl besser lesen als während einer globalen Quarantäne?


    Wir nämlich machen die Augenlider auf und zu. Zwinkern nannte man das. Ein kleiner schwarzer Blitz, Vorhang zu, Vorhang auf: Das war die Unterbrechung. Das Auge wird feucht, die Welt verschwindet. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie erholsam das war. Viertausend Pausen in einer Stunde. Viertausend kleine Fluchten.

    Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seiten 13-14




    Das Stück kommt erwartungsgemäß mit sehr überschaubarem Personal aus: Inés, Estelle und Garcin sind die verblichenen ProtagonistInnen, die nach und nach von einem höflich-distanzierten Kellner in das Hotelzimmer geführt werden, welches die wiederum recht kleine, aber außergewöhnliche Bühne für die gesamte Handlung darstellt.


    Kurz, es fehlt hier jemand: der Folterknecht.

    Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seite 28


    Ein fensterloser Raum, drei verschiedenfarbige Sofas – hellblau, spinatgrün und bordeauxrot, eine Büste, keine Spiegel, eine verschlossene Tür samt Klingel, die nicht funktioniert. Das Zimmer enthält praktisch nichts, was Zerstreuung bieten könnte. Wie trostlos und qualvoll eine Ewigkeit in solch kargem Umfeld ist, geht den drei Verdammten jedoch nicht gleich auf: Denn zunächst warten sie noch getrieben und verzweifelt auf das Erscheinen eines Folterknechts. Den jedoch scheint es nicht zu geben; Inès, Estelle und Garcin sind einander fortan die einzige Gesellschaft und langsam kommt die höllische Ménage-à-trois zu der Erkenntnis:

    Die Hölle, das sind die anderen. Nicht, wegen der Gräueltaten, die sie begehen oder weil das ewige Aufeinanderhocken, von dem es kein Entrinnen gibt, irgendwann unerträglich wird. Sondern deshalb, weil wir uns nur erkennen, wenn andere Augen uns sehen. Das Bild, das andere von uns haben, ist der Rahmen, in dem wir unser Leben leben und erleiden, ein Gefängnis zu Lebzeiten und danach.


    Man stirbt immer zu früh – oder zu spät. Und nun liegt das Leben da, abgeschlossen; der Strich ist gezogen, fehlt nur noch die Summe. Du bist nichts andres als dein Leben.

    Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seite 57



    Ist man, wenn man von anderen nicht wahrgenommen wird? Kann man etwas anderes sein, als das, was die anderen in einem sehen?

    Besonders schön finde ich, dass in der Rowohlt Ausgabe das gesprochene Vorwort zur Schallplattenaufnahme abgedruckt ist, in der Sartre mit Missinterpretationen aufräumt: „Man glaubte, ich wolle damit sagen, dass unsere Beziehungen zu andren immer vergiftet sind, dass es immer teuflische Beziehungen sind. Es ist aber etwas ganz anderes, was ich sagen will. Ich will sagen, wenn die Beziehungen zu andern verquer, vertrackt sind, dann kann der andre nur die Hölle sein. Warum? Weil die andren im Grunde das Wichtigste in uns selbst sind für unsere eigene Kenntnis von uns selbst. Wenn wir über uns nachdenken, wenn wir versuchen, uns zu erkennen, benutzen wir im Grunde Kenntnisse, die die andern über uns schon haben. Wir beurteilen uns mit den Mitteln, die die andern haben, uns zu unserer Beurteilung gegeben haben. Was ich auch über mich sage, immer spielt das Urteil anderer hinein. Was ich auch in mir fühle, das Urteil andrer spielt hinein, Das bedeutet, wenn meine Beziehungen schlecht sind, begebe ich mich in die totale Abhängigkeit von andren. Und dann bin ich tatsächlich in der Hölle.“ (Seite 61)


    Wir sind in der Hölle, meine Kleine, es kommt nie ein Versehen vor,

    und die Leute werden niemals für nichts verdammt.

    Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seite 27


    Fazit: Wir sehen in uns, was andere uns sehen lassen. Jean-Paul Sartres Stück ist ein kurzweiliges und intensives Lesevergnügen mit viel Tiefgang und einer Botschaft, die nie aktueller war als heute.


    Geschlossene Gesellschaft von Jean Paul Sartre. Stück in einem Akt.

    Originaltitel: Huis clos | Übersetzung: Traugott König | Taschenbuch, 75 Seiten

    Rowohlt Taschenbuch | ISBN: 978-3-499-15769-1

  7. Cover des Buches Wie wir verschwinden (ISBN: 9783596187645)
    Mirko Bonné

    Wie wir verschwinden

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Himmelfarb
    Der mit Abstand beste deutsche Roman, den ich seit langer Zeit gelesen habe, alle Buchpreisträger (dieser Roman stand nur auf der Longlist) eingeschlossen. Mit wieviel Feingefühl Bonnè seine Protagonisten beschreibt, wie meisterlich seine Sprache ist, und wieviel Empathie er in dieses Werk legt, ist bemerkenswert. Ganz sicher wird das nicht das letzte Buch dieses großartigen Schriftstellers sein, welches ich lese!
  8. Cover des Buches L'étranger (ISBN: 9782070453177)
    Albert Camus

    L'étranger

     (75)
    Aktuelle Rezension von: berenstein

    Ein Mann lebt in den Tag hinein, gleichgültig, leidenschaftslos. Eines Tages begegnet er einem Araber am Strand. Es gab eine Vorgeschichte, die die beiden verbindet, doch ist das von Belang, von Interesse? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Der Mann erschießt den Araber, es wird nicht klar, ob in Notwehr oder nicht.

    Meursault heißt der Mann, der unvermittelt (unmotiviert?) zum Mörder wurde, der mit ein paar Schüssen das Leben eines anderen auslöschte und deshalb hingerichtet werden soll. Seine Geschichte spielt im Algerien der 30er Jahre, er selbst ist französischer Abstammung. Seine Mutter wurde vor kurzem beerdigt, er beginnt eine Affäre mit einer Frau, er lässt sich von einem mutmaßlichen Zuhälter einspannen – doch warum geschieht das alles, geschieht es ihm, Meursault, das alles?

    No reason. No reason? Vielleicht.

    „Der Fremde“ ist Albert Camus‘ erster Roman und nimmt auf eindrückliche Weise vorweg, was die Philosophie des Absurden, die von Camus stark geprägt wurde, ausmachen wird. Der Roman ist äußerst sparsam und karg in seiner Sprache, rätselhaft in seiner Handlungsführung. Er bietet keine zu lösende Kriminalgeschichte, er psychologisiert nicht, er hat keine Antworten, keine (Er-)Lösungsansätze. Nichts dergleichen.

    Kein Wort zu viel, die Dinge geschehen. Und am Ende – ja, und am Ende.

  9. Cover des Buches Der Mythos des Sisyphos (ISBN: 9783644026612)
    Albert Camus

    Der Mythos des Sisyphos

     (117)
    Aktuelle Rezension von: tristannolting

    Albert Camus stellt existentielle Fragen. Das ist eine der vielen Dinge, die ihn als Philosoph auszeichnen. Und damit hilft er auch anderen Menschen, die wichtigen Dinge des Lebens neu einzuordnen. 

  10. Cover des Buches Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung (ISBN: 9783462050608)
    Kamel Daoud

    Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung

     (11)
    Aktuelle Rezension von: JoBerlin

    Kamel Daouds Gegendarstellung zum Fall Meursault bezieht sich auf das Buch „Der Fremde“ von Albert Camus. In diesem Roman mit Handlungsort Algerien wird ein Araber getötet. Es gibt keine wirkliche kriminalistische Untersuchung, der Täter Meursault, ein algerischer Franzose, ist schnell gefasst, er leugnet nicht. Ein Exempel soll statuiert werden, der Staat fordert die Todesstrafe.


    „Der Fall Meursault“ ist nicht die erste literarische Replik auf Camus – das ist verständlich, ein so sinnloser Mord wie hier geschildert, provoziert geradezu die Weiterbeschäftigung mit der Untat.
    Kamel Daoud möchte dem Gemordeten ein Gesicht, eine Geschichte, einen Namen geben. Dabei wird impliziert, dass sein Zuhörer, also sein Leser, sozusagen der gegnerischen Gruppe der verhassten Kolonialherren angehört, er wird süffisant-sarkastisch mal als „Herr Kommissar“, mal als „Herr Literaturwissenschaftler“ tituliert. Die Überheblichkeit, die der Erzähler der Leserschaft unterstellt ist jedoch nicht stimmig, vielmehr entsteht der Eindruck, als möchte er sich als Rechtsanwalt seiner selbst erhöhen. Und hat er nicht vielmehr eigene, ganz private Gründe für seinen Hass auf den Mörder und seinen Autor Albert Camus? „Während ich nach Spuren meines Bruders suchte, fand ich mich selbst wiedergespiegelt und entdeckte mich fast als Doppelgänger des Mörders“. 


    Interessant und wichtig ist die Darstellung von Frauengestalten, denn eine Frau war die Auslöserin der tödlichen Auseinandersetzung im Roman Camus‘. Doch ihre Persönlichkeit, ihre Leiden interessieren Daoud nicht und werden also auch nicht weiter untersucht. Frauen sind entweder Mütter oder Schwestern oder eben Huren. Und doch ist da eine zum Verlieben - „sie gehörte zu einer Art von Frauen, die es heute in diesem Land nicht mehr gibt: frei, bereit sich erobern zu lassen und zu erobern, niemanden unterworfen sein und ihren Körper als Gabe zu leben und nicht wie eine Sünde oder Schande“ – doch sie verlässt ihn, selbstbewusst und frei eben.


    So werden nach und nach Motive aus „Der Fremde“ abgearbeitet: die ungeliebte Mutter, die unglückliche Liebe, die hoffnungslose Religion. Auch wenn Daoud behauptet „das ist keine banale Geschichte von Vergeltung und Rache, das ist ein Fluch, eine Falle“ wiederholt sich in seiner Roman-Spiegelung beständig und ermüdend der grundsätzliche Vorwurf: Der Mord an einem namenlosen Araber durch einen blasierten Franzosen. 

     
    Im Fazit muss sein Roman als misslungen bezeichnet werden, geht seine Gegendarstellung komplett an Sinn und Inhalt von „Der Fremde“ vorbei und kann Camus mit seiner Kritik niemals erreichen. Camus geht es gar nicht um Schuld und Sühne eines Mordes, noch um Dispute zwischen Arabern und Franzosen , sondern um die Darstellung der Gleichgültigkeit der Welt. Hinter unseren Taten, unseren kleinen Leben, steht kein tieferer Sinn. Der Mensch steht nicht im Einklang mit Gott oder mit der Natur. Er steht allein und kann nur selbstbestimmt für sich eine Sinnhaftigkeit des Daseins schaffen.
    Daoud hat dazu nichts zu sagen. Absurd.

  11. Cover des Buches Der Fremde (ISBN: B00CF7B8Y8)
    Albert Camus

    Der Fremde

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  12. Cover des Buches Le Mythe De Sysyphe (ISBN: 9782070322886)
    Albert Camus

    Le Mythe De Sysyphe

     (8)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Der erste Mensch (ISBN: 9783644004535)
    Albert Camus

    Der erste Mensch

     (72)
    Aktuelle Rezension von: la_chienne

    Das Manuskript zu diesem autobiografischen Roman wurde in Camus Mappe gefunden, als dieser bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Erst 34 Jahre später wurde es dann zum ersten Mal veröffentlicht.


    Gespiegelt in der Figur des Jacques Comery erzählt Camus von seiner Kindheit, die er mit seiner fast stummen, analphabetischen Mutter und einer dominanten Großmutter im Armenviertel Algiers verbringt. Nur durch die Unterstützung seines Volksschul-Lehrers kann seine mittellose Familie davon überzeugt werden, dass der begabte Junge ins Gymnasium gehört. Vaterlos aufgewachsen (Der Vater fiel im ersten Weltkrieg.), beginnt er über seine Herkunft zu reflektieren. 👤


    Camus Geschichte ist ebenso humorvoll wie berührend. Laut Manuskript ist sie seiner geliebten Mutter gewidmet ("Dir, die Du dieses Buch niemals wirst lesen können").

  14. Cover des Buches Existenzphilosophie (ISBN: 9783476103031)
    Thomas Seibert

    Existenzphilosophie

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  15. Cover des Buches Souvenirs. Ich habe immer getan was ich wollte (ISBN: 9783938045893)
  16. Cover des Buches An den Ufern der Seine (ISBN: 9783608983814)
    Agnès Poirier

    An den Ufern der Seine

     (74)
    Aktuelle Rezension von: Pantoffeltier

    Ich war skeptisch was dieses Buch betrifft und hatte mich auf eine etwas trockene und mühsame Lektüre eingestellt. Sicherlich ist es keine leichte Lektüre, aber ich war trotzdem überrascht, wie gut es sich lesen lässt.

    An den Ufern der Seine ist ein akribisch recherchiertes Porträt der Pariser intellektuellen Szene von 1940-1950. Die Autorin arbeitet viele Tagebuchnotizen, Anekdoten und einige Szenen, die so gewesen sein könnten ein.

    Es hilft auf jeden Fall, sich ein wenig in der Zeit auszukennen und schon Vorkenntnisse betreffend Literatur, Politik und Geschichte zu haben. Es tauchen dutzende Namen auf, manche nur recht kurz. Die Autorin ist manchmal etwas zu erpicht all ihr angesammeltes Wissen auch mitzuteilen und verliert etwas den Faden. Die Erzählung ist chronologisch und beginnt mit den Geschehnissen des zweiten Weltkrieges und seiner Bedeutung für das französische Selbstverständnis. Obwohl es sich nur um eine Einleitung für den Hauptteil handelt, fand ich diesen Abschnitt besonders spannend. Es wird gezeigt, wie verschiedene Charaktere mit der Extremsituation in einem besetzten Land umgehen und Widerstand leisten, sich arrangieren, verzweifeln, die Augen verschließen etc. Dann widmet sich die Autorin den aufstrebenden Intellektuellen mit ihrem Ringen um moralische und politische Fragen und auch Infragestellung traditioneller Werte und Normen, besonders Sexualität und Beziehungen betreffend. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Existenzialisten um Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre, ihre zahlreichen Affairen, den Versuch einen dritten Weg zwischen Kommunismus und Kapitalismus zu finden.

    Sehr gut gefallen hat mir, wie die Autorin die Atmosphäre der Zeit einfängt und lebendig werden lässt. Autoren, die ich schon vorher kannte, kann ich nun viel besser einordnen und ich habe mir auch einige Lesetipps abgeholt. Gerade im letzten Drittel wurde es mir etwas zu detailliert und es folgten zu viele Daten, Namen und Fakten unzusammenhängend aufeinander. Ich hätte mir am Ende noch ein längeres zusammenfassendes Fazit gewünscht.

    Alles in allem ein lohnenswertes Buch, das jedoch Vorkenntnisse und Durchhaltevermögen erfordert.

  17. Cover des Buches Oscar Wilde im Spiegel des Jahrhunderts (ISBN: 9783458343394)
    Norbert Kohl

    Oscar Wilde im Spiegel des Jahrhunderts

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Nespavanje

    Oscar Wilde gehört zu jenen irischen Literaten, die zwar zu seiner Zeit bewundert wurden, aber gerade im prüden viktorianischen Zeitalter, als skandalöser Schriftsteller und als Snob verschrien war. Nachdem er wegen seiner homosexuellen Beziehung zu Bosie, Lord Alfred Douglas, zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, starb er vereinsamt und verarmt in einem Pariser Hotel. Seine Sprachgewandtheit kommt in seinem einzigen Roman deutlich zu Tage, den er neben seinen Bühnenstücken und den Märchen veröfftenlichte. The picture of Dorian Gray - Das Bildnis des Dorian Gray, eben jener einzige Roman, gehört zu jenen Büchern, die ich in mehreren Übersetzungen und in Englischer Sprache besitze und auch mehrmals zur Hand nehme. Auch die eine oder andere Verfilmung hab ich gesehen. Genauso wie jenen Film, in der Stephen Fry, Oscar Wilde und Jude Law, Lord Alfred mimt. Für einen Buchhändler, der natürlicherweise aus Neugier und aus beruflichen Gründen hauptsächlich Neuerscheinungen liest, eine Seltenheit. Nachdem ich nun auch - Das Tagebuch des Oscar Wilde - ein fiktiver Roman von Peter Ackroyd - gelesen und für gut befunden habe, wollte ich mich mit seiner Biographie näher beschäftigen und bin auf - Oscar Wilde im Spiegel des Jahrhunderts - gestoßen, in dem Zeitzeugen, Kollegen und Schriftsteller, sein Leben beleuchten. Es ist nicht wirklich eine Biografie, allerdings ein interessantes "Zuckerl" für Bewunderer von Oscar Wilde. Ein Who's who der literarischen Szene kommt zu Wort, darunter James Joyce, G. B. Shaw, André Gide, Albert Camus und Thomas Mann. Dabei sind nicht alle immer wohlwollend mit Wilde, sie spiegeln eben auch persönliche Vorlieben und Abneigungen wieder. In der Gesamtheit, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, und wenn man Aufmerksam zwischen den Zeilen liest, zeichnet sich allerdings ein klares Bild ab über Oscar Wilde, Bosie aka Alfred Douglas und dessen Vater Lord Queensberry. Es ist wie eine bitterböse Dreieinigkeit, die allesamt ein Unglück heraufbeschwören, dass ihnen so eigentlich gar nicht bewusst war. Schließlich gehörten zu einer unglücklichen Liebesgeschichte immer zwei, wenn man Wildes Ehefrau und Douglas Vater mit einberechnet, sogar vier dazu.

  18. Cover des Buches Mallorca (ISBN: 9783458336310)
    Sieglinde Oehrlein

    Mallorca

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Ein weiteres literarisches Porträt des Insel-Verlages einer bestimmten Region. Die Herausgeberin Sieglinde Oehrlein schreibt begleitend einen kurzen Abriss über die literarische Szene Mallorcas im Laufe der letzten drei Jahrhunderte. Es tauchen die Namen auf, die über die Grenzen leider nur wenig bekannt geworden sind, dazu noch wichtige Gäste der Insel wie George Sand und Ludwig Salvator. Textproben und Werkauszüge werden den Biografien, die mal mehr oder weniger ausführlich sind, beigfügt. Vielleicht hätte man sich hier bei der Auswahl ein wenig mehr anstrengen sollen, einiges kommt zu willkürlich daher. Auch ein wenig mehr über die Querverbindungen einzelner Literaten (die durchaus exixtierten) hätte man dokumentieren können. Die Neuzeit (ab Kriegsende) kommt zu kurz, denn hier hat sich einiges getan, was erwähnenswert gewesen wäre. Ein wenig unausgewogen das Ganze.
  19. Cover des Buches Literatur im 20. Jahrhundert (ISBN: 9783896600868)
    Simon Beesley

    Literatur im 20. Jahrhundert

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  20. Cover des Buches Albert Camus. Ein Lesebuch mit Bildern (ISBN: 9783499235283)
  21. Cover des Buches Tagebücher 1935 - 1951 (ISBN: 9783499221941)
    Albert Camus

    Tagebücher 1935 - 1951

     (5)
    Noch keine Rezension vorhanden
  22. Cover des Buches Albert Camus (ISBN: B002CEK2J6)
    Morvan Lebesque

    Albert Camus

     (4)
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