Bücher mit dem Tag "algerien"

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152 Bücher

  1. Cover des Buches Der Fremde (ISBN: 9783499253089)
    Albert Camus

    Der Fremde

     (557)
    Aktuelle Rezension von: literatur_begeistert

    Für mich ist es sehr wichtig, sich immer auch mit dem Autor eines Buches zu beschäftigen. So verstand ich beispielsweise dieses Buch vor dem Hintergrund und der Entstehung des Existenzialismus doch viel besser, als ich es ohne eine Recherche getan hätte. Albert Camus lehnte den Existenzialismus zwar ab, doch lassen sich in seinen Werken einige Grundannahmen dieser Strömung feststellen. Seine Werke und somit auch „Der Fremde“  behandeln wichtige Fragen der Philosophie. In einem Universum ohne Gott, ist der Mensch auf sich alleine gestellt, bestimmt sein eigenes Leben und ist das, wozu er sich selbst macht. Nach diesem Prinzip lebt auch der Protagonist Monsieur Meursault. Schon zum Anfang erlebt man an ihm eine Art Gleichgültigkeit. Was für mich anfangs eher langweilig erschien, wurde mit jeder Seite klarer und beabsichtigter. Denn für Camus war das Zentrum der Philosophie das Absurde, was sich meiner Meinung nach auch bei Meursault widerspiegelt. Meursault ist ein Protagonist, der im Hier und Jetzt lebt, der sich keine Sorgen oder über seine Tätigkeiten viele Gedanken macht. Wie der Klappentext bereits verrät, wird er wegen eines lächerlichen Zufalls des Mordes angeklagt und selbst da bleibt Meursault gelassen und neutral. Ich muss gestehen, dass ich eine gewisse Sympathie zu ihm - trotz seiner Gleichgültigkeit und Schuld - aufgebaut habe. Camus schreibt sehr philosophisch, in jedem seiner Sätze steht Kraft. Zusätzlich ist das Buch auch auf seine eigene Weise sehr humorvoll, da Meursaults Gedankengang eben durch seine Gleichgültigkeit und Neutralität sehr eigenartig ist. Für mich persönlich war dies ein sehr besonderes Leseerlebnis und hat grundsätzlich dazu beigetragen, mich noch mehr mit Albert Camus und seinen Texten zu beschäftigen!

  2. Cover des Buches Bruno Chef de police (ISBN: 9783257240467)
    Martin Walker

    Bruno Chef de police

     (257)
    Aktuelle Rezension von: Tommywien

    Bis dato habe ich noch nichts von Martin Walker gelesen, aber da ich ein großer Fan der Diogenes Bücher bin, musste ich mit dieser Reihe beginnen. Vorweg kann ich betonen, dass ich es nicht bereut habe.

    Bruno ist der Polizeichef des kleinen fiktiven Städtchen Saint-Denis. Als Polizeichef von Saint-Denis hat er tag ein tag aus tag aus mit sympathischen, liebenswerten Kleinkriminellen zu tun. Die Idylle wird allerdings abrupt unterbrochen, als die Leiche eines alten Algeriers aufgefunden wurde. Zunächst deutet alles auf ein rechtsradikales Motiv hin, da das Opfer ein Hakenkreuz auf der Brust eingeritzt hatte. Für Bruno ist es die erste Mordermittlung überhaupt und gleich derartig präsanter Fall.

    Passend zu der Kleinstadtumgebung hat Martin Walker einen gemütlichen Erzählton eingeschlagen. Ich liebe solche Krimis, wer allerdings nach Action und Spannung sucht, wird mit diesem Buch keine Freude haben. Die fehlende Spannung wird allerdings mit viel französischem Flair und detallierten histiroschen Fakten ausgeglichen. Hinsichtlich der historischen Fakten, kam Martin Walker seine Ausbildung als Historiker zu gute. Natürlich kommt auch die Kulinarik in diesem Buch nicht zu kurz, ich ertappte mich des öfteren, dass ich hungrig wurde.  Erschreckend ist für mich, dass das Thema nichts an seiner Aktualität eingebußt hat, im Gegenteil Rassismuss ist auf unserer Erde leider präsenter den je. 

    Etwas störend empfand ich die ausufernden Darstellungen von Tennismatches. Ich spiele zwar selber Tennis, aber dies empfand ich in Tat mehr als langweiliges Füllmaterial.

    Wer Krimis aller Donna Leon liebt, wird auch die Reihe von Martin Walker lieben, da bin ich mir sicher. Ich werde jedenfalls immer wieder eines der Bücher lesen.

  3. Cover des Buches Der Fall (ISBN: 9783499253102)
    Albert Camus

    Der Fall

     (135)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Dieser im Jahr 1957 veröffentlichte schmale Band enthält die Lebensgeschichte des Pariser Anwalts Johannes Clamans. Im Stil eines Gesprächs gibt er sich in einem Zeitraum von fünf Tagen einem fiktiven Dialogpartner im Amsterdamer Hafenviertel zu erkennen. Geschildert werden der kometenhafte Aufstieg des jungen Mannes in der Pariser Gesellschaft, begünstigt durch ein Wesen, dass durch Eigenliebe, Opportunismus und einen Mangel von Empathie gekennzeichnet ist. Durch seine Zeugenschaft bei einem Suizid einer jungen Frau gerät sein Welt- und Selbstbild ins Schwanken. Er verlässt den eingeschlagenen Weg und hält nun mit Hilfe seiner Selbstanklage den Menschen den moralischen Spiegel vor. Doch ist diese Veränderung nicht durch Läuterung gekennzeichnet, sondern von dem Versuch, sich selbst zu ent- und den Gesprächspartner zu belasten, sodass dieser gezwungen wird, seine eigene Lebensbeichte abzulegen. Camus schafft es, auf knapp 120 Seiten eine große Menge von Themen anzusprechen. Liebe, Glaube und Gemeinschaft bilden hier die Pfeiler der Argumentation, welche den Leser nachdenklich und betroffen zurücklässt. Dass der Autor hierfür den Nobelpreis erhielt, ist mehr als nachvollziehbar. Ein Muss für jeden, der sich für die Triebfedern menschlichen Handelns und des "Pudels Kern" der Gesellschaft interessiert.
  4. Cover des Buches Die fünfte Frau (ISBN: 9783423212175)
    Henning Mankell

    Die fünfte Frau

     (717)
    Aktuelle Rezension von: Hellena92
    Wallander soll die brutalen Morde an fünf Männern - alles scheinbar achtbare Bürger - aufklären. Wallanders siebter Fall

    Bei der Mordserie, die Kurt Wallander gerade aufzuklären hat, kann es selbst erfahrenen Polizisten kalt den Rücken hinunterlaufen: Einen alten Mann findet man in einer Pfahlgrube aufgespießt, einen anderen halbverhungert, beinahe nackt an einen Baum gebunden und erwürgt. Ein dritter wurde in einem mit Steinen beschwerten Sack in einem See ertränkt.

    Die Opfer scheinen auf den ersten Blick achtbare Bürger gewesen zu sein, doch stellt sich bei genaueren Nachforschungen sehr bald heraus, daß auch sie Frauen grausam mißhandelt haben. Wenn nun aber der Mord die Rache eines Opfers an Mördern und Vergewaltigern ist, muß Wallander sich beeilen, bevor das nächste, noch grausamere Verbrechen geschieht ...

    In diesem Fall wird es richtig unheimlich! Ein Roman über Rache, Angst und Brutalität. Der Schreibstil des Autors ist wieder fesselnd und auch wenn ich den Roman vor einigen Jahren gelesen habe, so kann ich mich immer noch haargenau an den Inhalt erinnern.
  5. Cover des Buches Einfach Freunde (ISBN: 9783548285184)
    Abdel Sellou

    Einfach Freunde

     (86)
    Aktuelle Rezension von: pamN
    Nachdem ich mehrmals den Film gesehen und das Buch zum Film gelesen hatte, bin ich über dieses Buch gestolpert. Die wahre Geschichte, die den als Inspiration diente.

    Das Buch habe ich sehr genossen. Ich hätte mir jedoch gewünscht noch mehr über die gemeinsame Zeit, die Abdel und Philippe verbracht haben, zu lesen und einen tieferen Einblick in das Leben als Pfleger zu erhalten.
    Beide Personen sind nämlich unglaublich spannende Charaktere und ich finde es super zu lesen,wenn zwei Personen, die auf den ersten Blick komplett verschieden sind, Gemeinsamkeiten finden. Besonders witzig fand ich die Stelle, als alle zusammen nach Spanien in den Urlaub sind und nur mit Abdels Hilfe und Ideenreichtum weiterkamen.
    Der Leser erfährt zudem einiges über Abdels Kindheit, Jugend und auch die Zeit nach seinem und Philippes Umzug nach Afrika.

    Der Autor ist witzig, ehrlich und bleibt sich treu. Er erzählt SEINE Geschichte und gibt nicht nur Anekdoten, die im Film vorkommen. Ernste Themen wechseln sich mit witzigen Anekdoten ab.
    Ich kann das Buch also nur empfehlen.
  6. Cover des Buches Annette, ein Heldinnenepos (ISBN: B08G8KRQR2)
    Anne Weber

    Annette, ein Heldinnenepos

     (19)
    Aktuelle Rezension von: uli123

    Das Buch wurde 2020 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. 

    In der Erzählform eines Epos skizziert die Autorin, die selbst Bezüge zu Deutschland und Frankreich hat, das Leben der 1923 in Frankreich geborenen Annette Beaumanoir. Diese war im Zweiten Weltkrieg Résistance-Kämpferin, später tätig in der algerischen Befreiungsbewegung, galt in ihrer französischen Heimat als Terroristin, Neurowissenschaftlerin. Ihrer Version, jegliche Unterdrückung zu unterbinden, opfert sie ihr privates Leben.

    Durch die besondere Erzählform hebt sich das Buch von der klassischen Biografie ab, ist allerdings deshalb auch nicht einfach zu lesen. Lobenswert ist, wie der Fokus auf alles Wesentliche im Leben der Protagonistin gesetzt wird und doch ihr Leben umfassend dargestellt wird. Allerdings denke ich, dass das Buch eher französische Leser ansprechen wird, denn vor allem die Thematik rund um die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich seit den 1950er Jahren ist bei uns von geringerer Bedeutung.

  7. Cover des Buches Palast aus Staub und Sand (ISBN: 9783957511621)
    Haroon Gordon

    Palast aus Staub und Sand

     (20)
    Aktuelle Rezension von: gst
    Das Cover sprach mich so an, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte. Erinnerte es mich doch an eine lange zurückliegende Reise in die Sahara. Und tatsächlich führte mich bereits der Prolog nach Algerien und ins Atlasgebirge.

    Allerdings hielt ich mich nur die zweite Hälfte des Buches dort auf. Der erste Teil spielte teilweise im afrikanischen Malawi, wo die Australier Ella und Jason mit Little Hearts ein Waisenhaus aufbauen wollen; teilweise in Frankreich, wo wir Leser in Frankreich den zurückgezogenen Baptiste kennenlernen. Der Autor wechselt in den ersten zehn Kapiteln zwischen den Ländern, ehe er eine Verbindung zwischen den Personen aufbaut.

    Während ich im ersten Teil immer wieder über die blumige Sprache stolperte („Die ferne Erinnerung damalige Düfte stieg ihm in die Nase. Der Geruch von Zwiebeln, deren Öle aus den hohen Töpfen vor dem derben Olivenöl verdampfend flüchteten. Der aufdringliche, harzige Rosmarin, der intensive, frische Koriander. Und natürlich der schwebende Thymian, der besonders aromatische aus dem Atlasgebirge.“ - Seite 45), die eher an Märchenerzähler aus dem Orient erinnerte, gefiel mir der zweite Teil recht gut. Da passte der Erzählstil zum Geschehen um die Freundschaft zwischen zwei Jungen, die aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammten, aber trotzdem zusammen aufwachsen durften.

    Für mich wirkten die beiden Teile wie zwei verschiedene Bücher. Als müsste der Autor seine Story ausweiten, ihr mehr Gewicht geben – was ich persönlich sehr schade fand und mir die Bewertung des Gesamtwerkes erschwerte. 
  8. Cover des Buches Der Schleier der Angst (ISBN: 9783404270781)
    Samia Shariff

    Der Schleier der Angst

     (70)
    Aktuelle Rezension von: Nanc_y

    Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht wie ich dieses Buch rezensiere, ich bin immer noch sprachlos und fassungslos über Samia's Schicksal. Ich kann mich nur ansatzweise in Samia's Lage hineinversetzen, aber was ich gelesen habe, was sie beschrieben hat, hat mich einfach schockiert!  Angefangen damit, dass ich einfach nicht verstehen kann, wie Eltern ihr eigenes Fleisch und Blut als Fluch ansehen und es auch so behandeln. Als Mädchen in einer algerischen Familie hatte Samia nie eine Chance auf eine wohlbehütete, liebevolle und gewaltfreie Kindheit. Von klein an hat sie um jeden Funken Liebe und Respekt kämpfen müssen und hat diesen Kampf immer und immer wieder verloren. Es geht weiter mit ihrer Zwangsheirat mit einem gewaltvollen Ehemann. Wie sie ihre Misshandlungen und Vergewaltigungen beschreibt, lässt mein Herz mit jeder Zeile brechen. Samia hat so viel ertragen müssen, nicht nur die Ehe sondern auch die erste Geburt ihres Sohnes hinterließ einen bitteren Nachgeschmack, denn ihr kleiner Sohn wurde gegen ihren Willen zu ihren Eltern nach Algerien gebracht und mit den Jahren wurde er radikalisiert. Das Schicksal schlug dann wieder zu denn nachdem sie ihren Sohn abgeben musste bekam sie zwei Mädchen. Ihr Mann sah sie nie als eigenes an sondern immer nur als Bastarde. Ich werde wieder aggressiv wenn ich diese Worte schreibe. Was später raus kam, was ER mit seiner eigenen Tochter gemacht hat .. einfach grauenvoll.
    Nachdem Samia wiederholt von ihrem Ehemann bewusstlos geprügelt wurde, entschied sie sich ihren Mann zu verlassen - was eine Schande in Algerien ist. Eine Frau darf sich nicht scheiden lassen. Unfassbar, eine Frau in Algerien hat einfach keine Rechte.. nichts. Ich bin schockiert. Es tut so weh. Nach einem langen, schmerzvollen, von Drohungen und Angriffen begleiteten Kampf willigte ER in die Scheidung ein. Samia fand ihr Glück in einem anderen Mann, der ihr zum ersten Mal in ihrem Leben mit Respekt und Liebe entgegen kam, er nahm ihre beiden Töchter in sein Herz auf und bekam schließlich mit ihm noch drei weitere Jungs. Nachdem ihre neue Familie dennoch weiter gedroht wurde und sie ihr neues Glück niemals in Algerien geniessen konnte, entschließt sie sich mit ihrem Kindern das Land zu verlassen. Ein schwerer Weg, den ich mit Spannung, Schmerz und Hoffnung begleitet habe. Es hat mein Herz berührt, wie viele fremde Menschen Samia und ihren Kindern geholfen haben. Samia hat letzten Endes ihr Glück erhalten und lebt mit ihren Kindern in Kanada.

    Ich könnte noch so viel schreiben, es wäre dem Buch nicht würdig. Mir fehlen einfach die Worte.. das Schicksal ist mir einfach unter die Haut gegangen. Ich habe so oft geweint. Mein Herz tut weh, wenn ich an Samia denke. Ich bin dennoch aber auch beeindruckt, davon, dass sie sich trotz der Gewalt, den Misshandlungen und des Schmerzes nie aufgegeben hat. Sie ist eine so starke Frau und steht für so viel.

  9. Cover des Buches Die Kunst zu verlieren (ISBN: 9783827013736)
    Alice Zeniter

    Die Kunst zu verlieren

     (13)
    Aktuelle Rezension von: renee

    "Die Kunst zu verlieren" habe ich in einem Lese-Marathon beendet und ich habe ein wirklich wunderbares Buch gelesen. Ein weiterer Anwärter für renee`s Best 2020. Ein Blick nach Algerien und ein Blick auf seine Kolonialmacht Frankreich, ein Blick auf den algerischen Unabhängigkeitskrieg und ein Blick auf die Harkis (Algerier, die für Frankreich in den beiden Weltkriegen gekämpft haben) und ihr Schicksal und ebenso ein Blick auf das Schicksal ihrer Nachkommen und gleichzeitig auch viele erhellende Worte über daraus resultierendes Geschehen in Frankreich. Genauso ist dieses Buch ein Blick auf die Kabylen und deren Arabisierung. Und ebenso ist dieses Buch eine interessante Familiengeschichte mit einer interessanten Sprache und ich kann nur begeistert rufen: LESEN!!! Denn wer mich und meine Art Rezensionen zu schreiben kennt, wird wissen: dieses Buch habe ich geliebt!


    Es gibt in diesem Roman drei Hauptpersonen einer Familie, die alle ihre Geschichte erzählen. Da haben wir einmal Ali, ein Bauer aus der Kabylei, ein berberisches Gebiet im arabischen Nordalgerien. Die Berber sind eine Urbevölkerung in Nordafrika, die durch eingewanderte arabische Stämme seit dem 11. Jahrhundert langsam und teilweise auch radikal arabisiert wurden. Trotzdem haben sich in Rückzugsgebieten überall in Nordafrika berberische Stämme behaupten können, wie zum Beispiel die Kabylen im algerischen Teil des Tellatlas Gebirges. Als nächstem Aggressor haben sich die Kabylen dann der Kolonialmacht Frankreich stellen müssen. Alis Schilderung des Lebens in der Kabylei handelt von der Stellung der Kabylen im arabischen Algerien und ebenso von der Stellung der algerischen Urbewohner (Araber und Berber) gegenüber den Franzosen. Beides sollte man zum besseren Verständnis des Buches wissen. Und ebenso geht es um die Harkis und ihre Familien. Die Harkis waren Hilfstruppen der französischen Armee, aus algerischen Einwohnern bestehend, wurden einerseits als Unterstützung der Kolonialmacht Frankreich in Algerien eingesetzt und waren andererseits Unterstützung der französischen Truppen in den beiden Weltkriegen, dazu wurde in Algerien die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. So kämpften für Frankreich im ersten Weltkrieg 90000 Algerier und im zweiten Weltkrieg 66000 Algerier, nur um einmal ein paar Zahlen zu hören und damit eine Dimension vermittelt zu bekommen. Und genau diese Algerier und ihre Familien wurden dann im Unabhängigkeitskrieg und auch danach von der FLN (Nationale Befreiungsfront) verfolgt. Auch Ali war so ein Harki und auch er, wie so viele andere Harkis, muss sich eine neue Heimat suchen und feststellen, dass er in der neuen Heimat Frankreich ebenso ungern gesehen ist, wie in seiner eigentlichen Heimat Algerien. Sein Sohn Hamid, noch in Algerien geboren, versucht in der neuen Heimat Fuß zu fassen, anzukommen, sich anzupassen, Franzose zu sein. Es bestehen zwischen Vater und Sohn Differenzen/ungesagte Dinge/Entfremdungen. Alles mündet schließlich in einer Verleugnung der Vergangenheit, die schließlich Naima, die Tochter Hamids herausfinden möchte und deshalb auch in die Kabylei reist. Eine aufgeklärte Einwohnerin Frankreichs reist in die Kabylei und ein weiteres Thema taucht auf, die Frauenrechte, die immer stärker werdenden Einschränkungen, denen Frauen unterworfen werden. Einschränkungen, die von reaktionären Kräften eingesetzt werden. Denn diese Einschränkungen haben nicht mit dem Islam etwas zu tun, sondern mit dessen Auslegung. In der völkerkundlichen Literatur sind immer wieder recht fortschrittliche Frauen in arabischen und berberischen Stämmen zu bewundern. Gerade bei den arabischen Beduinen ist dies öfters der Fall, repräsentieren sie ja auch eine sehr alte arabische Kultur.


    Alles in allem ist "Die Kunst zu verlieren" ein recht informatives und thematisch sehr reiches Buch, welches trotzdem nicht überladen daherkommt und dazu noch sehr interessante Charaktere und eine wunderbare Sprache aufweist, dies alles erklärt auch in meinen Augen die mehrfache Auszeichnung dieses wundervollen Romans. 

  10. Cover des Buches Die Pest (ISBN: 9783499006166)
    Albert Camus

    Die Pest

     (479)
    Aktuelle Rezension von: Isa67

    Es haben mich seine genauen, gefühlvollen Beschreibungen sehr berührt. Er zerlegt die einzelnen Phasen, Facetten der Folgen einer Epidemie in den unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen und schafft dadurch eine Sichtweise die nach wie vor an nichts an der Aktualität verloren hat und dadurch auch heute noch ein besseres und tieferes Verständnis für die Geschehnisse dieser Tage in Politik und Gesellschaft.

  11. Cover des Buches Der Schakal (ISBN: 9783492231251)
    Frederick Forsyth

    Der Schakal

     (123)
    Aktuelle Rezension von: BeaMilana
    Die Story dieses weltberühmten Thrillers dürfte den meisten durch die Verfilmungen bekannt sein. Die französische Untergundorgansiation OAS engagiert einen eiskalten Auftragskiller, um den verhassten Präsidenten Charles de Gaulle endlich aus dem Weg zu räumen. Der Leser wird nicht nur Zeuge eines atemberaubenden Kopf an Kopf Rennens zwischen dem  Schakal und seinem Jäger, Kommissar Claude Lebel, sondern erfährt auch authentische Hintergrundinformationen zur Arbeit europäischer Geheimdienstorgansiationen und den politischen Gegnern Frankreichs im Kontext der Historie.

    Auch wenn die Sprache manchmal etwas umständlich und gestelzt klingt, beeindruckt die Story durch Glaubwürdigkeit, Detailgenauigkeit und ein hohes Erzähltempo, das nie durchhängt.

    Aufgrund eines ersten Exposés wurde Forsyths Erstlingsroman von zwanzig Verlegern abgelehnt, weil er von einem Attentat an dem höchsten französischen Politiker handelte, der zu diesem Zeitpunkt nicht mehr lebte. Als er jedoch den fertigen Roman vorlegte, brachte er es fertig, den Leser permanent in einem Zustand negativer Spannung zu halten, und wurde ein Millionenbestseller. Zu Recht: DER SCHAKAL ist ein handwerklich erstklassiger Pageturner – es lohnt sich ihn zu lesen!
  12. Cover des Buches Eine Liebe zwischen den Fronten (ISBN: 9783732586141)
    Maria W. Peter

    Eine Liebe zwischen den Fronten

     (115)
    Aktuelle Rezension von: crazy-girl

    1870 Docteur Tellier geht in Berlin seinen medizinischen Forschungen nach. Seine Tochter Madeleine unterstützt ihn, obwohl ihr das Studium der Medizin versagt ist. Als sie ihre Verlobung mit deutschen Stabsarzt Paul von Gerlau feiern wollen, erreicht Paul der Einberufungsbefehl. Preußen und das französische Kaiserreich befinden sich im Krieg. Madeleine muss mit ihrem Vater in ihre Heimatstadt Metz fliehen.
    Die Handlung dieses spannenden Romans ist eingebettet in die wahren Kriegsszenen des Deutsch-Französischen Krieges. Wahre Begebenheiten werden mit den Protagonisten des Romans verwoben. Die geschichtlichen Ereignisse und die Orte werden sehr anschaulich und sehr gut recherchiert beschrieben. Die ganze Brutalität der Kämpfe und die emotionalen Einstellungen der Beteiligten haben mich sehr nachdenklich gemacht. Mit dem Glossar und dem Personenverzeichnis behält man den Überblick.

  13. Cover des Buches Die Wolkenfrauen (ISBN: 9783764506209)
    Doris Cramer

    Die Wolkenfrauen

     (15)
    Aktuelle Rezension von: SabinaFK

    Das Buch hat ein verträumtes Cover, das einlädt es in die Hand zu nehmen. Es scheint um Sommer, Sonne... zu gehen, doch es ist ganz anders.

    Als ihre Mutter stirbt, findet Doro im Nachlass Bilder, die die marokkanische Wüste zeigen und ein Amulett. Sie beschließt mit den Sachen auf Spurensuche zu gehen und fliegt nach Agadir, wo Ingrid ihre ehemalige Dozentin wohnt. Dort wird Doro Zeuge einer brutalen Verhaftung und trifft bald darauf den Gefangenen wieder.

    Durch den schnellen Wechsel von 1942 auf 1988  und die kurzen Kapitel am Anfang des Buches, habe ich den Einstieg nicht auf Anhieb gefunden. Doch dann gehts recht flüssig weiter und es wird spannend.

    Die Ereignisse sind grausam und beziehen sich auf dunkle Kapitel der West Shara. Ob ich mich, wie Doro auf solche Aktionen einlassen würde, wage ich zu bezweifeln. 

    Fazit: ein spannender Roman, der die verzweifelte Lage der Menschen in den algerischen Lagern aufgreift und ihnen eine Stimme gibt. Interessant und bewegend. Der Konflikt hat mich auch nach dem Lesen des Buches noch beschäftigt und ich habe noch einige Artikel dazu gelesen.

  14. Cover des Buches La peste (ISBN: 2070360423)
    Albert Camus

    La peste

     (29)
    Aktuelle Rezension von: chemy
    Das Zeitalter von Seuchen und Unglück.. die Aussichtlosigkeit der Menscheit im Kontrast zu Heldentum und Irrsinn
  15. Cover des Buches Das Montglane-Spiel - Das Geheimnis der Acht (ISBN: 9783453354272)
    Katherine Neville

    Das Montglane-Spiel - Das Geheimnis der Acht

     (176)
    Aktuelle Rezension von: Insider2199

    Interessanter Genre-Mix mit kleinen Schwächen.

    Die Autorin war zwanzig Jahre als Geschäftsführerin und Beraterin im internationalen Energie- und Finanzsektor tätig. Der vorliegende Roman ist ihr Debüt und wurde ein internationaler Bestseller und in mehr als dreißig Sprachen übersetzt. Zwanzig Jahre später erschien 2010 mit „Die Botschaft des Feuers“ endlich die Fortsetzung, die aber laut einiger Rezensionen in der Qualität stark abfällt. Heute lebt die Autorin in Virginia und Washington.

    Zum Inhalt (Klappentext): Die Figuren des Schachspiels von Montglane sind von einem besonderen Mythos umgeben: Die Überlieferung berichtet, dass sie eine geheimnisvolle Formel bergen, deren Kenntnis ungeahnte Macht verleiht. Zwei Frauen begeben sich auf die Suche nach diesen sagenumwobenen Figuren, die einst im Besitz Karls des Großen waren: 1790, Mireille, Novizin in einem französischen Kloster, und 1970 die junge Unternehmensberaterin Katherine in New York. Doch bei der Jagd nach der Lösung des Rätsels geraten sie in einen rasanten Strudel von Abenteuern und gefährlichen Verflechtungen. Eine großartige Mischung aus Mystik, History und Kriminal-Roman.

    Meine Meinung: Erst einmal sei gesagt, dass der Roman auch für Leser ohne Schachkenntnisse verständlich ist, obwohl die Autorin den etwas missglückten Versuch unternimmt, die Charaktere mit Schachfiguren und die Handlungen des Plots mit Schachzügen gleichzusetzen – was ich persönlich nicht so gut finde, denn es verwirrt nur unnötig (weil man sich fragt, wer und warum jemand ein Schachspiel mit lebenden Figuren begonnen hat). Eigentlich ist der Plot an sich spannend und interessant genug, auch ohne, dass nebenbei noch irgendwelche „Züge“ durchgeführt werden, denn die kann weder ein Schach- noch ein Nichtschachspieler nachvollziehen.

    Sehr gut fand ich die beiden parallel erzählten Handlungsstränge, die sich gegenseitig befruchten und ergänzen. Allerdings gibt es viele Geschichten in der Geschichte, d.h. mehrere Personen erzählen in abgetrennten Segmenten ihre Story aus der Ich-Perspektive. Die Autorin befürchtete wohl, dass die Dialoge in Monologe ausarten könnten und hat diese Erzählungen von der Handlung abgetrennt, aber manchmal empfand ich sie genau so: abgetrennt.

    Sprachlich ist der Roman leicht und locker gehalten, die Dialoge lesen sich allerdings manchmal wie Abschnitte aus Geschichtsbüchern. Auch gibt es für meinen Geschmack viel zu viele Figuren, v.a. zu viele berühmte Personen, angefangen von Jacques-Louis David (Maler), Napoleon über Rousseau und Robespierre bis Voltaire kommt so ziemlich jeder vor, der sich zur Zeit der französischen Revolution in Paris aufgehalten hat. Das wirkt ein bisschen stark konstruiert, denn ein Normalsterblicher fährt nicht in eine Stadt, um drei Tage später alle dort wichtigen Personen kennenzulernen. Na ja, da muss man wohl ein Auge zudrücken, die Background-Story war auf jeden Fall interessant.

    Auch scheint die Geschichte der Autorin persönlich sehr am Herzen zu liegen, denn die Heldin heißt nicht nur so wie sie, Katherine, sondern übt im Roman den gleichen Beruf wie die Autorin aus (Beraterin im internationalen Energie- und Finanzsektor) und ist auch am gleichen Tag wie sie geboren, am 4. April, genauso wie einige andere Personen im Buch, u.a. Karl der Große, der übrigens auch noch mitspielt LOL (bei Wikipedia steht zwar der 2. April, aber wollen wir mal der Autorin diesbzgl. einfach glauben *grins).

    Fazit: Interessanter Genre-Mix mit kleinen Schwächen: zu viele Figuren, v.a. berühmte Persönlichkeiten, manche Dialoge könnten natürlicher klingen und das Schachspiel mit lebenden Figuren verkompliziert den Plot nur unnötig – dafür ziehe ich einen Stern ab – der Rest war spannend und unterhaltsam, die Auflösung (trotz vieler Mystery-Elemente) sehr glaubwürdig.

  16. Cover des Buches L'étranger (ISBN: 9782070453177)
    Albert Camus

    L'étranger

     (75)
    Aktuelle Rezension von: berenstein

    Ein Mann lebt in den Tag hinein, gleichgültig, leidenschaftslos. Eines Tages begegnet er einem Araber am Strand. Es gab eine Vorgeschichte, die die beiden verbindet, doch ist das von Belang, von Interesse? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Der Mann erschießt den Araber, es wird nicht klar, ob in Notwehr oder nicht.

    Meursault heißt der Mann, der unvermittelt (unmotiviert?) zum Mörder wurde, der mit ein paar Schüssen das Leben eines anderen auslöschte und deshalb hingerichtet werden soll. Seine Geschichte spielt im Algerien der 30er Jahre, er selbst ist französischer Abstammung. Seine Mutter wurde vor kurzem beerdigt, er beginnt eine Affäre mit einer Frau, er lässt sich von einem mutmaßlichen Zuhälter einspannen – doch warum geschieht das alles, geschieht es ihm, Meursault, das alles?

    No reason. No reason? Vielleicht.

    „Der Fremde“ ist Albert Camus‘ erster Roman und nimmt auf eindrückliche Weise vorweg, was die Philosophie des Absurden, die von Camus stark geprägt wurde, ausmachen wird. Der Roman ist äußerst sparsam und karg in seiner Sprache, rätselhaft in seiner Handlungsführung. Er bietet keine zu lösende Kriminalgeschichte, er psychologisiert nicht, er hat keine Antworten, keine (Er-)Lösungsansätze. Nichts dergleichen.

    Kein Wort zu viel, die Dinge geschehen. Und am Ende – ja, und am Ende.

  17. Cover des Buches Durch die Wüste (Taschenbuch) (ISBN: 9783780211019)
    Alexander Röder

    Durch die Wüste (Taschenbuch)

     (73)
    Aktuelle Rezension von: Kerstin_Lohde
    Bei diesem Buch war ich sehr gespannt. Denn ich habe als Jugendliche sehr gerne Karl May Romane gelesen, und das ist bis heute geblieben. Darum hat es mich sehr intressiert, ob man Karl May‘s Orient mit magischen Fantasy Elementen kombinieren kann. Und wie ich finde, geht es ohne Probleme. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig am Anfang, aber so nach und nach verschmilzt es miteinander. Dadurch verliert es aber nicht an Spannung. Sondern ganz im Gegenteil, es wird dadurch sogar noch eine Prise Action hinzugefügt. Und die überraschenden Wendungen machen das Buch erst so richtig intressant.
    Ich würde allen Fantasy Fans empfehlen, das Buch wenigstens mal in die Hand zu nehmen und reinzublättern.
  18. Cover des Buches Camus (ISBN: 9783499628016)
    Iris Radisch

    Camus

     (21)
    Aktuelle Rezension von: UteSeiberth
    Mit großem Interesse habe ich diese Biografie von Iris Radisch gelesen,bei der man deutlich merkt,dass sie Camus und seine
    Bücher sehr gut kennt.Es ist eine schöne Würdigung zum 100.
    Geburtstag von Camus und zeigt sein Leben,das in einer armen Gegend in Algerien beginnt bei einer Mutter,die nicht sprechen kann
    um in Paris Sartres Gegenspieler zu werden.Camus ist mir noch sympathischer geworden durch seine philosophischen und moralischen Ansichten,die ich so genau nicht gekannt hatte.
    Schade,dass er so früh verstorben ist !Wer weiß,was er noch
    alles geschrieben hätte!
  19. Cover des Buches Die Wunden unserer Brüder (ISBN: 9783446256415)
    Joseph Andras

    Die Wunden unserer Brüder

     (1)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    Ich gestehe, dass mich dünner Bücher häufig abschrecken. Zum einen ist es meiner Meinung nach eine hohe, nicht von vielen Autoren beherrschte Kunst, in wenigen Worten und auf wenigen Seiten eine packende Geschichte zu erzählen, die den Leser über die kurze Dauer der Lektüre hinaus fesselt und beschäftigt; zum anderen habe ich einfach einen Faible für dicke detailliert erzählte Wälzer, in deren Kosmos ich über viele Lesestunden verschwinden kann. Daher ist es schon häufiger vorgekommen, dass ich potentiell interessant klingende, aber nur wenige Seiten umfassende Bücher in der Buchhandlung zurückgelassen und stattdessen ein anderes, umfangreicheres Buch gekauft habe. Glücklicherweise haben mich dieses Mal die mageren 160 Seiten von Joseph Andras Debütroman Die Wunden unserer Brüder nicht davon abgehalten, mir das Büchlein zuzulegen – andernfalls wäre mir nämlich eine literarische Perle verborgen geblieben, die nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch auf ganzer Linie überzeugt!

    Joseph Andras erzählt in Die Wunden meiner Brüder die wahre Geschichte des Algerierfranzosen Fernand Iveton, der sich in den 1950er Jahren dem Befreiungskampf der FLN anschloss und am 11. Februar 1957 vom französischen Staat – als einziger Europäer während des Algerienkriegs – hingerichtet wurde. Andras nimmt dieses tatsächlich gelebte Schicksal zum Ausgangspunkt seiner Erzählung und gibt es einer höchst gelungenen literarischen Verformung bei: Er schildert nicht nur Ivetons politische Aktivitäten, seine Verhaftung und Verurteilung, sondern rekonstruiert auch sein Leben vor und neben der Politik, erinnert an die Liebe zu seiner Frau Hélène und an seine Kindheit in Algerien – einem Land, in dem Araber und Europäer, Moslems und Juden durchaus friedlich und respektvoll miteinander leben konnten. Er kreiert so nicht nur ein Denkmal für das politische Opfer Iveton, sondern darüber hinaus auch einen höchst intensiven, mitreißenden und auf unbestimmte Weise packende Text – auch wenn das Ende der Geschichte schon mit Beginn der Lektüre unumkehrbar ist.

    Dies liegt vor allem an Joseph Andras großartigem Erzählstil. Abwechselnd stellt er in aufeinanderfolgenden Kapitel Ivetons Gerichtsprozess und seine Haft im Gefängnis Szenen seiner Vergangenheit – primär der Beginn seiner Liebesbeziehung mit Hélène – gegenüber. Die so erstehende Geschichte besticht nicht nur durch ihren Kontrastreichtum, sondern auch durch eine hohe Erzähldynamik. Das Geschilderte wirkt so ungemein dicht und eindringlich auf den Leser, als wäre jede Szene mit mehreren unsichtbaren Ausrufezeichen und Unterstreichungen versehen, die die Wichtigkeit jedes Wortes, jeder Beschreibung, jedes Erzählmoments hervorheben. Dieses Gefühl wird durch Andras lakonische und verkappte Sprache noch verstärkt: Hier wird kein Wort zu viel gesetzt, sondern auf weitschweifende Erklärungen und Überleitungen verzichtet, sodass Szenen ineinanderfließen, Dialogpartner manchmal im Unbestimmten bleiben und Interpretationen vom Leser selber, ohne Unterstützung des Textes, unternommen werden müssen. Gleichzeitig sind die von Andras gewählten Worte von so einer Zartheit und Klarheit, dass Die Wunder unserer Brüder immer wieder Züge von Lyrik annehmen: Neben der interessanten und lehrreichen Thematik wartet der Roman also auch mit einer ansprechenden, ja begeisternden sprachlichem Umsetzung auf.

    Ohne langes Nachdenken kann ich Die Wunden unserer Brüder als erstes Lesehighlight 2018 bezeichnen. Joseph Andras hat mich mit seinem anspruchsvollen und einnehmenden Debütroman vollends überzeugt, gelingt hier doch nicht nur, was erzählt, sondern auch wie erzählt wird. Ich wünsche dem Buch viele Leser und hoffe, dass nur wenige ein ähnlich zweifelhaftes Verhalten wie ich aufzeigen und dünne Büchlein unbeachtet im Bücherregal liegen lassen. Hier entgeht einem sonst ein sattmachender Literaturhappen, von dem man auch nach der Lektüre noch lange zehrt!

  20. Cover des Buches Die Sahara (ISBN: 9783770114221)
    Gerhard Göttler

    Die Sahara

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Pashtun Valley Leader Commander
    Nur wer sich den Spaß macht sich die Rhone hinunter Richtung Mittelmeer zu bewegen um duurch Spanien hindurch sich langsam dem "dunklen" Kontinent (hier hat sich Frau Blixen greschnitten) Kontinent zu nähern,wird es geniessen in Tanger, Ceuta oder Al Hoceima von der Fähre zu rollen. Auf dem Rückweg wird man in den Pyrenäen vor Freude über die grünen Berge weinen und Spanien kommt einem auf der Rückfahrt unglaublich Grün vor, Gut recherchiert, ordentlich geschrieben und auuf der Piste sind wir alle in Gottes/Allahs Hand.
  21. Cover des Buches Hochzeit des Lichts Neu (ISBN: 9783716027066)
    Albert Camus

    Hochzeit des Lichts Neu

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Maldoror

    Die kleine Anthologie  mit dem Titel Hochzeit des Lichts beinhaltet die wohl sprachlich schönsten Essays und Betrachtungen Albert Camus,  Noces (1938, dt. Hochzeit des Lichts) und L’ete (1954, Heimkehr nach Tipasa).

    Die vier Essays die sich in der Hochzeit des Lichts versammeln, sind frühe Schöpfung en des jungen, gerade einmal Anfang 20- jährigen Camus.

    In ihnen pulsiert in poetischer und empathischer Sprache eine Vereinigung zwischen Individuum und Natur, zwischen Licht und Erde, Meer und Himmel, Wüste und Leben.

    In den Beschreibungen findet man die außerordentliche  Bedeutung und Liebe Camus zu seiner Heimat Algerien, des Lichtes, der Kraft der Sonne,  die Mächtigkeit und Klarheit des Himmels und Horizontes, der Weite und der Schönheit der kargen Natur. Es ist eine impressionistische Darstellung und Exkursion in das mediterrane Algerien, in dem sich im inneren Monolog des  Ich-Erzähler s ästhetische Sinneswahrnehmungen, Empfindungen, Erinnerungen und Beobachtungen verschmelzen.

    Die Texte sind durchdrungen  von einer letztendlich bedingungslosen Liebe zum Leben, ohne den schweren und mühsamen Weg des verzweifelten Nihilismus und den starken existenziellen Verlangen nach Sinn, Wahrheit und Gerechtigkeit zu bestreiten. Wann immer Camus später schwere Krisen und Enttäuschungen überfinden musste, und ihm Hoffnung und Kraft schwanden, besann er sich auf das unbeeinträchtigte, reine Glücksgefühl das ihm das mediterrane Mittelmeerklima Algeriens in seiner Jugend beschert hatte.

    Die Schönheit und Freuden des Lebens genießen, das Glück, wenn es sich denn zeigt, wahrzunehmen und jeden Augenblick davon bewusst zu genießen. Das absurde Da-sein und grüblerische Denken versuchen  in Sinnlichkeit, Erfüllung und Genuss zu  verwandeln.

    „Denn hoffen heißt zuletzt entsagen, wenn man auch das Gegenteil zu glauben pflegt. Und leben heißt: nicht entsagen.“

    Die mehr als fünfzehn Jahre später veröffentlichen sieben Essays, welche unter dem Titel  „Heimkehr nach Tipasa“ , zeugen von den grundlegenden neuen Lebenserfahrungen, seiner  persönlichen Entwicklung  und  tragen noch deutlicher die Grundbegriffe und Motive aus seiner Philosophie  in sich. Das Individuum ist nicht mehr unbeschwert, hat oft jegliche jugendliche Unbeschwertheit und Freude oft verloren, und der Ton ist von Sentimentalität, melancholischer  Reflexion und einer  deutlich wahrnehmbaren inneren Zerrissenheit gezeichnet.

    Trotz aller  Bescheidenheit aller Dinge,  bleibt doch in der ambivalenten Lebenswirklichkeit ein gewisses Gleichgewicht: „ Es gibt einen Lebenswillen, der dem Leben nichts verweigert, und dies ist die Tugend, die ich am höchsten verehre auf dieser Welt. Ich wollte wahrlich, ich hätte sie selber von Zeit zu Zeit geübt. Da wenige Epochen wie die unsere vom Menschen verlangen, dass er sich sowohl dem Besten wie dem Schlechtesten gleichstelle, möchte ich nichts ablehnen und die Erinnerung an beides genau bewahren. Ja, es gibt Schönheit, und es gibt Erniedrigungen. Wie schwer es auch sei, ich möchte weder der einen noch den anderen untreu werden.

    „Es gilt aber zu leben“, dies könnte man als allüberlagernde unabänderliche,  und in gewisser Weise auch wahren, Weisheit und Grundethik am Ende stehen lassen. Trotz des Gefühls der Leere, des Überdrusses, des Grauen, des Ekels, der Fremdheit, der Einsamkeit (Stimmungen der Absurdität, Existenzialismus) und allen weiteren zahl- und namenlosen Schrecken, die auch Camus nur allzu bewusst von einer überschwänglichen, pathetischen und optimistischen Lebensbejahung  abhalten.

    Die Weite und die Stille lasten auf dem Herzen. Eine ungestüme Liebe, ein großes Werk eine entscheidende Tat, ein verklärender Gedanke, alle bewirken sie manchmal dieselbe unerträgliche Angst, gepaart mit einem unwiderstehlichen Reiz. Süße Bangigkeit des Seins, süße, aufreizende Nähe der Gefahr, deren Namen wir nicht kennen – ist Leben dann, sich ins Verderben stürzen?

    Von Neuem, ohne Aufschub, lasst uns ins Verderben stürzen.

  22. Cover des Buches Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung (ISBN: 9783462050608)
    Kamel Daoud

    Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung

     (11)
    Aktuelle Rezension von: JoBerlin

    Kamel Daouds Gegendarstellung zum Fall Meursault bezieht sich auf das Buch „Der Fremde“ von Albert Camus. In diesem Roman mit Handlungsort Algerien wird ein Araber getötet. Es gibt keine wirkliche kriminalistische Untersuchung, der Täter Meursault, ein algerischer Franzose, ist schnell gefasst, er leugnet nicht. Ein Exempel soll statuiert werden, der Staat fordert die Todesstrafe.


    „Der Fall Meursault“ ist nicht die erste literarische Replik auf Camus – das ist verständlich, ein so sinnloser Mord wie hier geschildert, provoziert geradezu die Weiterbeschäftigung mit der Untat.
    Kamel Daoud möchte dem Gemordeten ein Gesicht, eine Geschichte, einen Namen geben. Dabei wird impliziert, dass sein Zuhörer, also sein Leser, sozusagen der gegnerischen Gruppe der verhassten Kolonialherren angehört, er wird süffisant-sarkastisch mal als „Herr Kommissar“, mal als „Herr Literaturwissenschaftler“ tituliert. Die Überheblichkeit, die der Erzähler der Leserschaft unterstellt ist jedoch nicht stimmig, vielmehr entsteht der Eindruck, als möchte er sich als Rechtsanwalt seiner selbst erhöhen. Und hat er nicht vielmehr eigene, ganz private Gründe für seinen Hass auf den Mörder und seinen Autor Albert Camus? „Während ich nach Spuren meines Bruders suchte, fand ich mich selbst wiedergespiegelt und entdeckte mich fast als Doppelgänger des Mörders“. 


    Interessant und wichtig ist die Darstellung von Frauengestalten, denn eine Frau war die Auslöserin der tödlichen Auseinandersetzung im Roman Camus‘. Doch ihre Persönlichkeit, ihre Leiden interessieren Daoud nicht und werden also auch nicht weiter untersucht. Frauen sind entweder Mütter oder Schwestern oder eben Huren. Und doch ist da eine zum Verlieben - „sie gehörte zu einer Art von Frauen, die es heute in diesem Land nicht mehr gibt: frei, bereit sich erobern zu lassen und zu erobern, niemanden unterworfen sein und ihren Körper als Gabe zu leben und nicht wie eine Sünde oder Schande“ – doch sie verlässt ihn, selbstbewusst und frei eben.


    So werden nach und nach Motive aus „Der Fremde“ abgearbeitet: die ungeliebte Mutter, die unglückliche Liebe, die hoffnungslose Religion. Auch wenn Daoud behauptet „das ist keine banale Geschichte von Vergeltung und Rache, das ist ein Fluch, eine Falle“ wiederholt sich in seiner Roman-Spiegelung beständig und ermüdend der grundsätzliche Vorwurf: Der Mord an einem namenlosen Araber durch einen blasierten Franzosen. 

     
    Im Fazit muss sein Roman als misslungen bezeichnet werden, geht seine Gegendarstellung komplett an Sinn und Inhalt von „Der Fremde“ vorbei und kann Camus mit seiner Kritik niemals erreichen. Camus geht es gar nicht um Schuld und Sühne eines Mordes, noch um Dispute zwischen Arabern und Franzosen , sondern um die Darstellung der Gleichgültigkeit der Welt. Hinter unseren Taten, unseren kleinen Leben, steht kein tieferer Sinn. Der Mensch steht nicht im Einklang mit Gott oder mit der Natur. Er steht allein und kann nur selbstbestimmt für sich eine Sinnhaftigkeit des Daseins schaffen.
    Daoud hat dazu nichts zu sagen. Absurd.

  23. Cover des Buches Eine Liebe in Prag (ISBN: 9783458360612)
    Jean-Michel Guenassia

    Eine Liebe in Prag

     (9)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    Manche Autoren haben das Glück bzw. das Talent, mit ihrem Erstlingswerk Leser und Literaturbetrieb gleichermaßen zu begeistern. Der Roman wird dann auf diversen Long- und Shortlists verzeichnet, erhält vielleicht sogar einen der begehrten Preise und darf sich auf einschlägigen Plattformen über hervorragende Rezensionen freuen. Das zweite Buch des gleichen Autors kann dann nur mit besonderer Spannung erwartet werden: Erfolgt der Sprung vom literarischen Strohfeuer zum Dauerbrenner? Lassen sich thematische Schwerpunkte oder eine große Vielfalt im Inhalt ausmachen? Kristallisiert sich ein Stil heraus oder gibt es vom ersten zum zweiten Buch schon eine markante Entwicklung? Und vor allem: Kann das zweite Buch den hohen Erwartungen gerecht werden?

    Bei Jean-Michels Guenassias Roman Eine Liebe in Prag fällt das Urteil leider eindeutig aus: Kann es nicht! Guenassias erster Roman Der Club der unverbesserlichen Optimisten, 2009 mit dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet, hat Millionen Leser verzaubert – auch mich. Ich habe das Werk für seine eindringliche Atmosphäre, die historischen Bezüge, die Entwicklungsgeschichte und die nicht zu leugnende Spannung geliebt und zwar so sehr, dass es seitdem im Regal für die Lieblingsbücher sein Zuhause hat. Doch alles, was das Debüt hatte, geht dem zweiten Roman leider völlig ab: Die Sprache ist hölzern und steif, sodass sich keine Stimmung einstellen will; die Figuren bleiben unscharf und fremd, sodass ihr Schicksal mir egal bleibt; die Handlung ist ohne Ziel, ohne Spannung, sodass mich die Lektüre leider zum größten Teil langweilte.

    Dabei sind die Startbedingungen – wie so häufig – gut: Erzählt wird von Josef Kaplan, einem tschechischen Juden und Mediziner, der in den 1930er Jahren vor den Nazis erst nach Paris, dann nach Algier flieht, um schließlich nach dem Krieg wieder in seine Heimat zurückzukehren. Kaplan ist also eine Figur, die maßgeblich von den Zeitumständen des 20. Jahrhunderts betroffen ist – doch davon merkt man beim Lesen nichts. Das historische Weltgeschehen nimmt zwar seinen kontinuierlichen Lauf, ist aber nur oberflächlich mit den Figuren verbunden oder, schlimmer noch, wird in seiner Bedeutung erzählerisch nicht richtig eingefangen. Es wird trocken, beinahe nacherzählend und abhandelnd in die Geschichte eingespeist, man kann die Fakten aufnehmen und verstehen, aber man „lebt“ und „fühlt“ sie nicht mit den Figuren. Der Niederschlag des Prager Frühlings? Das Leben unter der tschechoslowakischen Geheimpolizei? Prinzipiell spannende Themen, die man aber hier achselzuckend hinnimmt, für schlimm erachtet und sie doch zwei Seiten später wieder vergessen hat.

    Überhaupt bleibt wenig haften von dieser Geschichte, was auch an der nicht vorhandenen Struktur liegt. Es gibt zwar immer wieder so etwas wie Kapitelanfänge oder klar voneinander getrennte Absätze, auch wird der Roman insgesamt in zwei große Teile unterteilt; doch diese Einteilung kommt einem willkürlich vor, nicht immer erschließen sich diese gesetzten Sinnabschnitte. Diese Fahrigkeit in Kombination mit der fehlenden inhaltlichen Dichte führt leider schnell zu der Frage, was man hier eigentlich liest und warum gerade diese Geschichte erzählt wird. Da hätte es sicherlich spannendere historische oder literarische Figuren gegeben, deren Lebensgeschichte man in den Mittelpunkt eines Romans hätte stellen können!

    Hin und wieder blitzt zwar das Erzählkönnen Guenassias auf, das ich in Der Club der unverbesserlichen Optimisten noch so bewundert habe. Zudem erweist sich überraschenderweise das Ende als sehr gelungen, umso mehr da intertextuelle Bezüge zum Debüt angedeutet werden. Insgesamt ist Eine Liebe in Prag aber das klassische enttäuschende Buch, das auf einen weltweiten Bestseller folgt. Um meine Niedergeschlagenheit zu verarbeiten, muss ich jetzt dringend Der Club der unverbesserlichen Optimisten noch einmal lesen!

  24. Cover des Buches Das verlorene Wort (ISBN: 9783293203723)
    Assia Djebar

    Das verlorene Wort

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden

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