Bücher mit dem Tag "alter"
366 Bücher
- Jonas Jonasson
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
(5.968)Aktuelle Rezension von: Petra54Das Buch kaufte ich trotz des seltsamen Titels, weil ich Geschichten aus Skandinavien mag und es außerdem „das beliebteste Buch des Jahres“ war. Der Klappentext macht neugierig und verspricht eine „herrlich komische Lebensgeschichte“ aus Schweden.
Ein alter Herr flieht an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Altenheim, was vorstellbar ist. Den Anfang fand ich lustig, doch recht schnell ging mir die schnoddrige Erzählart des Autors auf die Nerven. Es gibt mehrere Morde, die wie ein beiläufiger Witz beschrieben werden, ebenso die Weltpolitik der letzten hundert Jahre. Diese absurde Überheblichkeit ertrug ich nicht lange und brach das Lesen ab.
- Oscar Wilde
Biblioteca Obscura: Das Bildnis des Dorian Gray
(2.023)Aktuelle Rezension von: AnnaLovesBooksErster Satz: „Der Künstler ist der Schöpfer schöner Dinge.“
Ich kann jetzt auf jeden Fall verstehen, warum Das Bildnis des Dorian Gray als Klassiker gilt. Gleichzeitig war es für mich nicht durchgehend ein Buch, das mich begeistert hat.
Die Geschichte rund um Dorian Gray hat mir gut gefallen. Ich mochte die Idee rund um das Gemälde. Dorian bleibt nach außen jung und wunderschön, während man auf dem Bild immer mehr sieht, was eigentlich in ihm passiert. Je mehr schlechte Dinge er tut, desto hässlicher wird sein Bild. Dorian selbst verändert sich äußerlich dagegen kaum. Genau dieser Gegensatz hat mir gut gefallen. Nach außen sieht er weiterhin perfekt aus, während das Gemälde zeigt, was aus ihm geworden ist. Seine Entwicklung fand ich interessant. Man sieht, wie er sich immer weiter verändert und wie sehr andere Menschen ihn dabei beeinflussen. Gleichzeitig trifft er seine Entscheidungen aber selbst und muss auch mit den Folgen leben. Gerade diese Seite der Geschichte hat mir gut gefallen.
Oscar Wildes Schreibstil mochte ich. Seine Sprache ist wirklich schön und ich hatte einige Stellen, die ich sehr gerne gelesen habe. Allerdings gab es auch einige Kapitel, die sich für mich gezogen haben. Teilweise waren sie einfach lang und haben nicht immer zur Geschichte beigetragen, dadurch wurde es zwischendurch langweilig. Das hat mir beim Lesen schon einiges genommen. Trotzdem gab es immer wieder Momente, in denen die Geschichte richtig interessant wurde. Es gab ein paar Wendungen, bei denen ich wirklich überrascht war und unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Dadurch hatte das Buch auch immer wieder Stellen, an denen ich richtig drin war.
Für mich geht es viel um Schönheit und Jugend, aber auch darum, was passiert, wenn man sich immer mehr von seinem eigenen Wahn und dem Einfluss anderer leiten lässt. Dorian kann lange so aussehen, als wäre alles perfekt. Das Gemälde zeigt aber, was sich tatsächlich verändert hat. Diese Idee fand ich wirklich stark.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die Geschichte hatte für mich eine richtig gute Idee und ich mochte es, Dorians Veränderung zu verfolgen. Die ausschweifenden Kapitel haben mir allerdings etwas die Freude am Lesen genommen. Am Ende sind es für mich 3,5 Sterne geworden. Ich bin froh, diesen Klassiker gelesen zu haben, und kann jetzt auch verstehen, warum er bis heute so bekannt ist. Ganz mein Buch war es leider nicht.
- Susanne Abel
Stay away from Gretchen
(642)Aktuelle Rezension von: 4nniDieses Buch ist eine wundervolle Geschichte mit vielen wichtigen und vor allem realen Details, die wahrscheinlich nicht jedem bekannt sind.
Die ersten 100 Seiten waren für mich allerdings wirklich schwer zu lesen. Jeden Abend habe ich mich gefragt, ob ich weiterlesen möchte, weil die Realität damals einfach so brutal war. Krieg, Flucht, Gewaltverbrechen. Nach dem ersten Drittel wurde die Geschichte etwas sanfter.Nicht weniger traurig und herzzerreißend, aber es gab auch schöne Momente. Und Gretas rotzige Art hat die Handlung das ein oder andere Mal angenehm aufgelockert.
Besonders gelungen fand ich die Zeitsprünge zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Gegenwart, den leider immer noch aktuellen Bezug zur Flüchtlingspolitik sowie die Perspektive des Sohnes Tom. Sein geerbtes Trauma und die Verantwortung für seine demenzkranke Mutter haben mich beeindruckt und gleichzeit auch sehr mitgenommen.
Auch wenn es sich um ein Roman handelt, steckt in diesem Buch unglaublich viel Geschichte, Recherche und vor allem Wahrheit.
Leider gibt es immer weniger Zeitzeugen, die ihre Erlebnisse mit uns teilen können. Auch meine Großeltern sind inzwischen verstorben, und meine Eltern sind mehr oder weniger meine einzigen verbliebenen Quellen, wenn es darum geht, diese Geschichten weiterzutragen.
Allein aus diesem Grund wird „Stay Away from Gretchen" für immer einen festen Platz in meinem Bücherregal haben. Und irgendwann, wenn sie alt genug sind, werde ich es auch meinen Kindern ans Herz legen.
Ein Meisterwerk eines Geschichtsromans. - Rachel Joyce
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
(1.389)Aktuelle Rezension von: FeatherstoneInhalt:
Vollkommen überraschend erhält Harold einen Brief von Queenie, die er seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat, obwohl die beide früher Freunde gewesen sind. In dem Brief teilt sie ihm mit, dass sie todkrank ist. Statt eines Antwortbriefs entscheidet sich Harold für eine große Geste: Er will sich zu Fuß auf den Weg zu Queenie machen, obwohl es eine Strecke von rund 800 km ist. Während Harold unterwegs ist lässt er sein bisheriges Leben mit all seinen Höhen und Tiefen Revue passieren…
„Unser Geist ist viel größer, als wir begreifen. Wenn wir fest an etwas glauben, können wir alles schaffen.“ (S. 23)
Er maß die Entfernung nicht mehr in Kilometern, sondern in Erinnerungen. (S. 119)
Meine Meinung:
Meine Meinung zu diesem Buch hat sich während des Lesens sehr stark verändert. Ich fand den Anfang des Buches zwar gut, aber ich hatte einige Kritikpunkte und deshalb hat es mich positiv überrascht wie sehr sich das Buch im weiteren Verlauf gesteigert hat und wie bewegend ich das Ende fand. Es handelt sich um ein Buch, das ein bisschen Zeit braucht um seine volle Wirkung zu entfalten.
Die Grundidee ist eine sehr schöne und besondere: Seiner Freundin Queenie zuliebe entscheidet Harold sich für eine große Geste, die ihr Hoffnung schenken soll. Das soll ihr helfen noch etwas länger durchzuhalten und ihr beweisen, dass er sie nicht vergessen hat und sie ihm noch immer viel bedeutet.
Harolds Reise wird sehr lebendig beschrieben. Was er auf seiner Reise erlebt vermittelt einerseits Abenteuer und Lebensfreude, aber zugleich werden auch die physischen und psychischen Strapazen anschaulich beschrieben. Harold kommt mehrfach an seine Grenzen und steht auch einmal kurz davor aufzugeben. Es wird einfühlsam beschrieben wie Harold auf seiner Reise beginnt über sein Leben nachzudenken und wie ihn das emotional aufwühlt. Harold lässt die Höhen und Tiefen seines Lebens Revue passieren, denkt über verpasste Chance nach und setzt sich mit den Fehlern auseinander, die er in der Vergangenheit begangen hat. Man kann sich in diesen Momenten sehr gut in ihn hineinversetzten und fühlt sich ihm nahe.
Den Beginn des Buches fand ich noch recht mittelmäßig. Am Anfang war mir die Distanz zu Harold noch zu groß und ich fühlte mich ihm nicht besonders nahe. Das liegt daran, dass man zunächst nicht genügend Einblick in Harolds Gedanken und Gefühle erhält und dadurch fiel es mir schwer seine Beweggründe richtig nachzuvollziehen. Zudem fand ich die Freundschaft zwischen Harold und Queenie lange Zeit nicht wirklich greifbar, weil es im Anfangsteil an Rückblenden gefehlt hat, die einem vor Augen führen was die beiden einander bedeutet haben. Das hätte es aber gebraucht um nachvollziehen zu können warum Harold ihr zuliebe die lange und beschwerliche Reise antritt. Es gab entscheidende Fragen auf deren Antwort man beim Lesen relativ lange warten muss: Wie sind Harold und Queenie Freunde geworden und wie sah diese Freundschaft aus? Wieso hatten Harold und Queenie jahrelang keinen Kontakt mehr, wenn sie doch so gut befreundet waren? Wieso ist Harolds Verhältnis zu seiner Frau und zu seinem Sohn so belastet und distanziert? Warum hat Harold in all den Jahren keinen Versuch unternommen um die Beziehung zu seinem Sohn zu verbessern, wenn ihm das so schwer auf der Seele liegt?
Zum Glück haben sich diese Kritikpunkte dann aber in der zweiten Buchhälfte erledigt. Je weiter man im Buch kommt desto mehr offene Fragen werden beantwortet und desto tiefer taucht man auch in die Vergangenheit ein. Dadurch wird die Geschichte tiefgründiger, emotionaler und bewegender als erwartet. Man kann sich besser in Harold und Maureen hineinversetzten, gewinnt die beiden lieb, entwickelt Verständnis und Mitgefühl für die beiden und hofft, dass sich die Dinge für die beiden letztlich doch noch zum Besseren wenden.
Es wird eine gelungene Mischung aus fröhlichen, hoffnungsvollen, traurigen und dramatischen Momenten geboten. Besonders die Szenen in denen man in Harolds Vergangenheit reist und von den guten und schlechten Zeiten seines Lebens erfährt bleiben in Erinnerung. Harolds schwierige Kindheit, seine Liebe zu Maureen und die spätere Entfremdung zwischen Harold und seinem Sohn David werden mit sehr viel Feingefühl und sehr berührend beschrieben. Beim Lesen muss man tatenlos „mitansehen“ wie sich allmählich ein unüberbrückbar erscheinender Abgrund zwischen Harold und David auftut und schließlich auch zwischen Harold und seiner Frau Maureen. Es geht einem nahe wie jeder von ihnen alleine im Stillen leidet und es ihnen an den richtigen Worten fehlt um sich einander wieder anzunähern. Es gibt vor allem was Harolds Sohn David betrifft einige herzzerreißende Momente, die furchtbar traurig und dramatisch sind. Auch wie Harold die todkranke Queenie nach all den Jahren wiedertrifft ist sehr traurig. Ihr Zustand wird schonungslos beschrieben.
Das Ende des Buches ist trotz zutiefst trauriger und dramatischer Momente aber nicht nur wehmütig, sondern auch etwas hoffnungsvoll und es gibt ein bisschen was fürs Herz. Harolds Leben hat sich durch seine Reise in mancher Hinsicht zum Besseren gewendet. Das tröstet einem zumindest etwas darüber hinweg, dass es Queenie bei Harolds Besuch schon so furchtbar schlecht geht. Von der fröhlichen Person, die Harold einst kannte ist fast nichts mehr übriggeblieben und Queenie nimmt seinen Besuch kaum noch wahr und stirbt kurze Zeit später.
Fazit:
Das Buch wirkt zunächst wie ein durchschnittliches Wohlfühlbuch. Zudem gab es einige offene Fragen und es besteht beim Lesen zunächst noch eine gewisse Distanz zu Harold, aber das gibt sich zum Glück im weiteren Verlauf. Es lohnt sich dranzubleiben, denn nach diesem meiner Meinung nach etwas holprigen und mittelmäßigen Beginn wir man mit einer besonderen, bewegenden, emotionalen und dramatischen Geschichte belohnt, die mich dann doch noch in ihren Bann ziehen konnte.
Zum Schluss noch einige besonders berührende Zitate aus dem Buch:
Manchmal glaubte er, er lebte mehr in der Erinnerung als in der Gegenwart. Er spielte Szenen aus seinem Leben noch einmal ab, als Zuschauer, der im Draußen gefangen blieb. Er sah die Fehler, die Widersprüche, die falschen Entscheidungen, und konnte doch nichts dagegen tun. (S. 193)
„Ich vermisse sie die ganze Zeit. Ich weiß im Kopf, dass sie nicht mehr ist, aber ich halte immer noch nach ihr Ausschau. Geändert hat sich nur eines: Ich gewöhne mich an den Schmerz. Es ist, wie wenn sich im Boden ein großes Loch auftut. Anfangs vergisst man, dass es da ist, und stolpert dauernd rein. Nach einer Weile ist das Loch zwar noch da, aber man hat gelernt, außen herum zu gehen.“ (S. 254)
Es war zu spät, um Vergangenes wiedergutzumachen. Aber sie wollte wenigstens einen letzten Anlauf unternehmen, ihn zum Heimkommen zu bewegen. (S. 289)
Und es wäre auch etwas gewesen, wenn er David in die Arme genommen und ihm versprochen hätte, dass es besser werden würde. Nun quälte er sich unendlich wegen Dingen, an denen nichts mehr zu ändern war. (S. 308)
- Carsten Sebastian Henn
Der Buchspazierer
(661)Aktuelle Rezension von: JohanslikMit einem Lächeln muss ich mich entschuldigen.
Ich habe eine literarische Sünde begangen:
Ich sehe mir gerade den Film „Der Buchspazierer“ an, während die gedruckte Version ungelesen auf meinem Lesestapel liegt. Neben meinen bereits gelesenen Henn-Büchern: Ich habe die Ahrtaler Krimis verschlungen; sie waren der Beginn meiner Liebe zur Kriminalliteratur.
Und Die „Goldene Schreibmaschine“ war ebenfalls fantastisch. Die Vielschichtigkeit und die Tiefgründigkeit, eingebettet in ein Märchen, ein Kinderbuch. Und wieder eine Geschichte mit einer Tür.
Aber oh, oh, oh, was für ein wunderschöner Film! Einfach bewegend und berührend. Liebenswert, ohne sentimental zu werden. Ich freue mich also doch schon darauf, das Buch zu lesen.
Die Geschichte hätte auch Die Buchspaziererin heißen können, denn um wen geht es denn nun? (Schascha und) der Buchpazierer. Und um das Zusammenspiel von Verlust, Einsamkeit und menschlicher Begegnung sowie zwischen „moderner Zeit“ und „wirklich wichtigen menschlichen Werten“.
Ein einzelner Apfelkern. Süß und sauer. Trauer und Leben hinter einer einzigen Tür.
Ich werde das Buch bald lesen müssen.
Vielen Dank an Herrn Henn!
- Nicholas Sparks
Wie ein einziger Tag
(2.467)Aktuelle Rezension von: SacuraNoah und Allie hatten in ihrer Jugend einen Sommer gemeinsam, den sie nie vergessen werden. Kur vor ihrer Hochzeit beschließt Allie an diesen Ort zurückzukehren und Noah zu besuchen. Als sich die beiden wiedersehen ist es, als wäre zwischen ihnen keine Zeit vergangen. Gemeinsam verbringen sie zwei wundervolle Tage, die Allie Zweifel an ihrem aktuellen Leben kommen lassen. Ist es zu spät, um das Leben nochmal umzukrempeln?
Die Geschichte wird quasi in zwei Abschnitten erzählt. Dem oben beschriebenen Abschnitt und dem Abschnitt des alten Ehepaars, das jeden Tag die Geschichte von damals lies, um gegen Allies Alzheimererkrankung anzukämpfen. Nach dem romantischen, lebensbejahenden Teil, empfand ich das als harten Themenumschwung. Beide sind schwer vom Alter gezeichnet und er kämpft jeden Tag darum, ob Allie ihn erkennen wird oder nicht, was die Erwartung eines Happy Ends stark dämpft. Auch wenn dieseltest des Buches einen die gesunden Jahre deutlich stärker wertschätzen lässt, empfand ich es dennoch als harte Kost.
Insgesamt war das Buch gut lesbar, aber es hat einen nicht stark hineingezogen. - Fredrik Backman
Ein Mann namens Ove
(856)Aktuelle Rezension von: HoldenOve mag angeblich jeder, ich leider nicht: Ove ist der Vorortsheriff in einer namenlosen Reihenhaussiedlung, kontrolliert morgens, ob niemand irgendwo eingebrochen ist und die Verbotsschilder noch stehen. Er wurde in den Un-ruhestand versetzt, dabei ist er noch in voller Kraft, auch nach dem Tod seiner Frau. Die Stellen über die Beziehung zwischen Ove und Frau Sonja sind rührend, ebenso wie die Abschnitte über Oves familiäre Herkunft und darüber, daß er an der "modernen" Gesellschaft zweifelt, wo niemand mehr handwerklich etwas herstellt. Aber die endlosen Abschnitte über ungewollte Treffen mit "Katzenviehern", den neuen oder korpulenten Nachbarn sind gar nicht lustig und zögern nur das Ende des Buches raus. Und nur in Hauptsätzen an diesen Stellen zu schreiben, macht das Ganze nicht witziger. Nein danke!
- Richard Osman
Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
(543)Aktuelle Rezension von: biadiaEin Krimi, der einfach gute Laune macht
Ich hätte nicht gedacht, dass mich eine Gruppe rüstiger Senioren so schnell für einen Mordfall begeistern kann. 😄 „Der Donnerstagsmordclub“ von Richard Osman hat mich mit seinen außergewöhnlichen Charakteren, jeder Menge Humor und einer Geschichte, die immer wieder überrascht, richtig gut unterhalten.
In Coopers Chase, einer Seniorenresidenz, haben sich Elizabeth, Joyce, Ibrahim und Ron zusammengefunden. Ihr gemeinsames Hobby: alte Mordfälle lösen, bei denen die Polizei nie den Täter gefunden hat. Als plötzlich ein echter Mord passiert, bekommen die vier Hobbydetektive die Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen – und dabei sind sie der Polizei teilweise erstaunlich weit voraus.
Was mir besonders gefallen hat, sind die vier Hauptfiguren. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein und genau das macht ihre Dynamik so unterhaltsam. Jeder bringt seine eigene Persönlichkeit und Vergangenheit mit, und trotzdem funktioniert die Gruppe einfach wunderbar. Joyce fand ich dabei besonders sympathisch. Durch ihre Art und ihre Beobachtungen musste ich beim Lesen immer wieder schmunzeln.
Der Humor ist für mich eines der größten Highlights. Viele Gespräche und Situationen sind herrlich trocken und manchmal so unerwartet komisch, dass ich beim Lesen wirklich lachen musste. Gleichzeitig bekommt die Geschichte auch eine ernstere Seite. Es geht um Freundschaft, das Älterwerden, Verlust und darum, wie wichtig es ist, Menschen um sich zu haben, bei denen man sich zugehörig fühlt.
Auch der Mordfall selbst hat mir gut gefallen. Es gibt genügend Verdächtige, Hinweise und kleine Überraschungen, sodass man wunderbar miträtseln kann. Dabei steht für mich aber ganz klar die Gruppe im Mittelpunkt – und genau das macht diesen Krimi so besonders.
„Der Donnerstagsmordclub“ ist für mich die perfekte Mischung aus Kriminalfall, Humor und liebenswerten Charakteren. Ein Buch, bei dem man nicht nur wissen möchte, wer der Täter ist, sondern vor allem gerne Zeit mit den Figuren verbringt.
Für mich ein richtig schöner Wohlfühlkrimi und definitiv ein Buch, bei dem ich Lust auf die weiteren Bände bekommen habe. 💕📚
- Bronnie Ware
5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen
(100)Aktuelle Rezension von: Vreni_liestMeine Rezension: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen von Bronnie Ware
Die Grundidee dieses Buches ist berührend und vielversprechend: die Erkenntnisse sterbender Menschen am Ende ihres Lebens. Genau diese Passagen sind auch die stärksten des Buches. Wenn Bronnie Ware die Gespräche mit ihren Patientinnen und Patienten schildert, sind diese Momente ehrlich, bewegend und gehen unter die Haut. Hier habe ich mitgefühlt, manches hat mich tief berührt, stellenweise hatte ich sogar Tränen in den Augen.
Leider nehmen diese Kernaussagen nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Buches ein. Der größte Teil drehen sich um die Lebensgeschichte der Autorin selbst und darum, was die Arbeit mit Sterbenden mit ihr als Palliativpflegerin macht. Über weite Strecken entfernt sich das Buch dabei deutlich vom eigentlichen Thema. Die Biografie der Autorin habe ich größtenteils nur überflogen, da sie für mich wenig bot.
Problematisch empfand ich zudem die lebensberatenden und esoterischen Passagen. Bronnie Ware beschreibt einerseits, wie glücklich und erfüllt sie ist und taucht dabei sehr tief in esoterische Gedankengänge ein. Andererseits spricht sie plötzlich und ohne klaren Zusammenhang, über Suizidgedanken und vermittelt stellenweise den Eindruck, Krankheiten und Alltagsprobleme ließen sich mit ein paar Atemübungen heilen.
Nicht falsch verstehen: Ich praktiziere selbst Yoga und kenne die wohltuende Wirkung von Meditation und Atemarbeit. Doch die hier dargestellten, teils sehr vereinfachten Lösungsansätze wirken wenig reflektiert und nicht wirklich tiefgründig.
Das Buch ist sicher nicht schlecht gemeint und enthält wertvolle, emotionale Momente. Leider ist es in meinen Augen falsch aufgebaut. Hätte der Fokus konsequent auf den sterbenden Menschen und ihren Erkenntnissen gelegen, wäre es ein starkes, nachhaltiges Buch geworden. So bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück.
- Jasmin Schreiber
Marianengraben
(467)Aktuelle Rezension von: Henri3tt3Nachdem mir "Endling" von Jasmin Schreiber so gut gefallen hat, wollte ich gern mehr von ihr lesen. Während "Endling" ein dystopisches Setting in der nahen Zukunft hat, spielt Marianengraben in der Realität und in der Gegenwart. Eigentlich ist es sogar relativ zeitlos, wenn man mal von der Verwendung eines Navis absieht. Die Geschichte an sich ist schon schön, aber mich hat vor allem die Sprache beeindruckt. Jasmin Schreiber kann wirklich wunderbar mit Worten umgehen.
- Matt Haig
Wie man die Zeit anhält
(422)Aktuelle Rezension von: Iris1972Matt Haigs Roman „Wie man die Zeit anhält“ erzählt die Geschichte von Tom Hazard, einem Mann, der äußerlich wie Mitte vierzig wirkt, tatsächlich aber seit Jahrhunderten lebt. Aufgrund einer seltenen genetischen Besonderheit altert Tom extrem langsam. Dieses ungewöhnliche Leben führt ihn durch Epochen, Kontinente und historische Begegnungen. Tom ist ein Mann, der immer wieder Menschen verliert – durch Zeit, Krankheit, Gewalt oder die Notwendigkeit, weiterzuziehen. Seine große Liebe Rose bleibt der emotionale Kern seines Lebens. Ihr Verlust treibt ihn über Jahrhunderte an und verhindert, dass er sich neu öffnet.
Er schließt sich der Albatros-Gesellschaft an, die Menschen wie ihn schützt, aber auch kontrolliert. Diese Organisation verstärkt seine innere Zerrissenheit: Sicherheit gegen Freiheit, Loyalität gegen Selbstbestimmung.
Im London der Gegenwart versucht Tom, ein normales Leben zu führen. Er arbeitet als Geschichtslehrer, was ihm erlaubt, seine eigenen Erinnerungen als Unterrichtsstoff zu tarnen. Doch die Vergangenheit holt ihn immer wieder ein. Tom beginnt als Mann, der resigniert hat. Er lebt, aber er lebt nicht. Erst im Verlauf der Handlung – besonders durch seine Begegnungen in der Gegenwart – beginnt er, die Möglichkeit eines echten Lebens zuzulassen.
Der Roman verbindet historische Episoden mit einer modernen Selbstfindungsgeschichte. Haig nutzt die Zeitreise‑ähnliche Struktur nicht als Effekt, sondern als Spiegel für Fragen nach Identität, Verlust und dem Wert des Augenblicks.
Rezension
Ich vergebe vier von fünf Sternen, denn „Wie man die Zeit anhält“ ist ein Roman, der mit einer faszinierenden Grundidee überzeugt und emotional nachhallt. Besonders stark ist Haigs Fähigkeit, historische Atmosphäre mit persönlicher Introspektion zu verbinden. Haig führt durch mehrere Jahrhunderte: Shakespeare-London, Paris der 20er Jahre, Prohibitionszeit, moderne Großstadt. Wer historische Kulissen schätzt, aber keine klassischen historischen Romane lesen möchte, wird hier gut abgeholt. Tom Hazard ist eine vielschichtige Figur: melancholisch, klug, vorsichtig – und trotz seiner Jahrhunderte voller Erfahrungen zutiefst menschlich.
Der Mittelteil des Romans wirkt jedoch etwas langatmig. Die zahlreichen Rückblenden, so atmosphärisch sie sind, bremsen gelegentlich den Erzählfluss. Haig verweilt lange in historischen Episoden, die zwar interessant, aber nicht immer zwingend für die Handlung sind. Diese Passagen wirken wie ein bewusstes Innehalten, das Tom Hazards innere Zerrissenheit spiegeln soll, aber dem Tempo des Romans zeitweise die Dynamik nimmt.
Um so stärker ist der Schluss: spannend, emotional verdichtet und mit ungewöhnlichen Wendungen, die Tom zu einer Entscheidung zwingen, die sein jahrhundertelanges Leben neu definiert. Haig gelingt es, die Fäden der Vergangenheit und Gegenwart zusammenzuführen und Tom eine Entwicklung zu schenken, die berührt und Hoffnung vermittelt.
Stilistisch überzeugt der Roman durch Haigs klare, zugängliche Sprache und seine Fähigkeit, philosophische Gedanken leichtfüßig einzubetten. Es geht um Themen wie Zeit und Vergänglichkeit, Menschlichkeit und Empathie. Vor allem die Frage, was ein erfülltes Leben ausmacht, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte – ohne belehrend zu wirken.
Haig verbindet existenzielle Tiefe mit einem klaren, leicht zu lesenden Schreibstil. Das Buch ist tröstlich, melancholisch aber hoffnungsvoll Insgesamt ist „Wie man die Zeit anhält“ ein Roman, der durch seine Idee glänzt, durch seine Figuren trägt und am Ende mitreißt.
Eine klare Empfehlung für Leserinnen und Leser, die Geschichten über Zeit, Identität, Freiheit und die Suche nach einem Platz in der Welt schätzen.
- Kate Elizabeth Russell
Meine dunkle Vanessa
(322)Aktuelle Rezension von: Liden25 / 2026
Meine dunkle Vanessa ist ein Buch, welches sich trotz düsterer Themen gut lesen lässt. Die kontroversen Stellen sind deutlich und nicht beschönigend, jedoch nie respektlos. Vanessa ist keine naive, klischeehafte Schülerin bzw. „Opfer“, sondern eine Frau mit ambivalenten Gedanken aus einem „normalen“ Elternhaus. Das hat u.a. vermittelt, dass es jeden Treffen kann und keiner bestimmten Personengruppe vorbehalten ist.
Oftmals hätte ich Vanessa schütteln können und doch macht dies die Glaubwürdigkeit ihrer Person aus.
- Mariana Leky
Kummer aller Art
(200)Aktuelle Rezension von: Lyn0371Ich habe das Buch sehr genossen. Es ist kein Buch, dass man einfach an einem Stück durchliest, stattdessen habe ich immer eine oder zwei Geschichten gelesen, wenn ich das Gefühl hatte, ich brauche ein bisschen Menschlichkeit. Die Geschichten bestechen dadurch, wie ehrlich sie sich anfühlen, als würde man direkt in das Leben einer anderen Person schauen können und sehen, dass es viele Dinge gibt, die einen mit dieser Person verbinden. Dadurch fühlt es sich an, als würde man eine Umarmung in Geschichtenform bekommen, und ich habe durchaus das eine oder andere Mal ein bisschen weinen müssen.
- Sophie Kinsella
Muss es denn gleich für immer sein?
(124)Aktuelle Rezension von: AlinchenSylvie hat ein wunderbares Leben: Sie und Dan sind seit 10 Jahren zusammen, sieben davon verheiratet. Zusammen haben sie zwei süße Töchter und ein schönes Haus. Auch ihren Job in einem Museum liebt Sylvie. Und dann erzählt ihnen auch noch ihr Hausarzt, dass sie noch gut und gerne 68 Jahre zusammen haben können. Was im ersten Moment gut klingt, scheint dann doch zu Panik zu führen. Um sich nicht zu langweilen, wollen sie gegenseitig Überraschungen für den anderen organisieren. doch damit bricht das Chaos aus.
Die Idee hinter dem Buch hat mir gut gefallen. Auch die Geheimnisse im Hintergrund und dass man sich fragt, was genau zwischen Dan und Sylvies Vater passiert ist, mochte ich. Aber Sylvie ging mir leider total auf die Nerven! Statt mit Dan zu reden, malt sie sich oft in ihrem Kopf irgendwelche Schreckensszenarien aus. Das macht in meinen Augen viel kaputt. Wirklich schade!
- Ildikó von Kürthy
Es wird Zeit
(168)Aktuelle Rezension von: Da_Maris"Morgen kann kommen" war der erste Roman, daen ich von Ildikó von Kürthy gelesen habe. Da er mir so gut gefallen hat, habe ich mich im Anschluss für "Es wird Zeit" entscheiden. Leider wurde ich hier etwas enttäuscht. Die Protagonistin Judith ist die ganze Geschichte über ziemlich unzufrieden mit sich selbst und ihrem Leben. Sie hinterfragt dauernd alle ihre Entscheidungen und redet in einem abfälligen Ton über sich selbst. Das ist nicht nur anstrengend, sondern mit der Zeit auch für die Leserin deprimierend. Da die Geschichte von ihrem Ich erzählt wird, prägt dieser schnippische Erzählstil leider die ganze Geschichte. (Beispielsweise: "Ich mache mich gerade und spanne meinen wenigen verbliebenen Bauchmuskeln an. [...] Schon der Name ist wie ein Schlag ins Gesicht für eine Frau mit Orangenhaut an den Oberarmen" (S.280f.) Die Entwicklung der Freundschaft von Judith und Anne hat mir sehr gut gefallen. Insgesamt hatte die Geschichte für meinen Geschmack aber zu viele Geheimnisse und Intrigen und erinnerte mich stellenweise an GZSZ. Mit der Figur des Erdal konnte ich mich in diesem Buch auch gar nicht anfreunden. Er wirkte einfach nur lächerlich und unrealistisch auf mich. Das Buch ist allerdings sehr schön gestaltet mit Bildern von Peter Pichler und Kapitelüberschriften in Form von Zitaten aus dem Kapitel. Auch Titel passt sehr gut zum Buch und spiegelt sich gut in der Geschichte wider.
- Elizabeth Strout
Mit Blick aufs Meer
(210)Aktuelle Rezension von: LydiaFPulitzer Preisträgerin! Ich kenne die Begründung für die Auszeichnung nicht, aber es erstaunt mich. Im Positiven, dass es eine sehr einfache und leicht zugängliche Sprache ist, die sich nicht selbst in den Vordergrund schiebt. Die Sätze sind fast durchsichtig. Das gefällt mir.
Die Klammer, die diese Kurzgeschichten zusammenhält ist zu dünn und zu konstruiert: Menschen aus einer Stadt. Manchmal erscheint Olive Knitteridge, manchmal nicht und manchmal erscheint sie, aber das wäre nicht nötig gewesen. Ich finde, man hätte genau aus der Klammer mehr machen können.
Zur Hauptfigur: Mut zum Unsympathischen. Sie ist nicht immer furchtbar, aber manchmal ist sie SEHR furchtbar. Schlimm fand ich die Geschichte, wo sie bei der Hochzeit ihres Sohnes ausruhen will und im Ehebett des Brautpaars liegt. Dann macht sie den Schrank auf... mehr will ich nicht spoilern, aber was sie dann macht, das ist wirklich krank und einfach schwiegermutterböse. Es ist über der Grenze. Nach dieser Geschichte hätte ich mir eine weitere über Geschichte über Olive gewünscht, wo es vielleicht einen Rückblick oder eine Erinnerung an ihre Kindheit gibt, die so ein Verhalten erklärbar macht. Es einfach so stehenlassen, geht m.E. weit über das Unsympathisch-Sympathische, menschlich-allzu menschliche einer Figur hinaus. Das halte ich für einen handwerklichen Mangel.
Und doch habe ich das Buch ausgesprochen gern gelesen: es ist spannend genug, um immer weiterlesen zu wollen und wenig spannend genug, dass man es auch mal weglegen kann und problemlos wieder einsteigen.
Ach - was mir noch ausnehmend gut gefällt: Die Autorin erklärt nichts. Alles muss aus der Szene gelesen werden. Sie schreibt den Lesern nicht vor, was sie zu fühlen haben. Und vielleicht ist genau das preiswürdig.Es ist mein erstes Buch von Elizabeth Strout und ich frage mich, ob ich noch ein zweites lesen werde. Mal sehen.
- Julian Barnes
Die einzige Geschichte
(151)Aktuelle Rezension von: Trishen77Julian Barnes hat die Gabe Romane zu schreiben, nach deren Lektüre man das Gefühl hat, man könne nicht so weitermachen wie bisher. Vielleicht ist dies das ultimative und letztendliche Potenzial des Romans, ein Versprechen, das die besten Werke dieser Gattung stets einlösen müssen.
Barnes Bücher sind aber dennoch etwas Besonderes, denn seine Prosa ist zusätzlich, vor allem in „Die einzige Geschichte“, ein kleines anatomisches Wunder: in ihr fallen Empfindung und Verstand in vielerlei Hinsicht zusammen, zumindest liegen sie oft sehr nah beieinander. Dass diese Nähe nicht in Klischees kulminiert oder sich in eine Flucht vor jedem Anschein von Klischee hüllt, macht sie noch beeindruckender. Eine direkte Folge dieser Vermengung von Geist und Gefühl ist einerseits die Zugänglichkeit von Barnes Romanen (für alle Leser*innengruppen) und andererseits eine Komplexität, die sich aus dem unerschöpflichen Konfliktpotenzial der beiden Regungen ergibt.
In „Die einzige Geschichte“ spielt außerdem (wie schon in dem großartigen Roman „Vom Ende einer Geschichte“), die Erinnerung, ihre Beschaffenheit, Verlässlichkeit und Konditionierung, eine wichtige Rolle. Der Ich-Erzähler Paul erinnert sich, mit einem Abstand von 50 Jahren, an den Beginn seiner ersten großen Liebe zu der Mitte 40jährigen Susan (er ist zu diesem Zeitpunkt gerade 19) und versucht ihre Beziehung und deren Verlauf zu rekonstruieren. Dabei durchlebt er die Ereignisse teilweise erneut und befragt seine Entscheidungen, gelangt von elementaren Fragen zu kleinen, individuellen Details, von winzigen Eindrücken zu größeren Zusammenhängen, während sich den Leser*innen langsam die Hintergründe offenbaren …
Kann man Gefühle verstehen? Oder muss man schlicht an sie glauben? Sind wir wirklich der Protagonist unserer Erinnerungen oder mehr der Erzähler, ja, der Schöpfer? Was bedeutet es eigentlich zu lieben und sind wir als Liebende auch Erinnernde oder müssen wir das trennen? Ist Liebe ein Heil oder nur ein Wünschen?
Es ist unmöglich, hier alle Fragenkomplexe aufzugreifen, die Barnes seinen Ich-Erzähler streifen und durchdringen lässt. Feststeht: als Leser*in wird man fast auf jeder Seite mit kleinen, unspektakulären, aber dennoch in vielerlei Hinsicht tiefgreifenden Offenbarungen konfrontiert, oder sollte ich eher sagen: beschenkt?
Nur drei kleine Beispiele, aus dem Zusammenhang gerissen, aber vielleicht vermögen sie einen Hauch von den Auseinandersetzungen, Weisheiten und Gedanken wiederzugeben, die dieses Buch enthält:
„An einer Korrelation zwischen der Stärke des Gefühls und dem Ausmaß des Glücks ließen ihn seine eigenen Erfahrungen inzwischen zweifeln.“
„In der Liebe ist alles wahr und falsch zugleich; sie ist das einzige Thema, über das man unmöglich etwas Absurdes sagen kann.“
„Es ging um mehr: um das Ich und wo man es aufbewahrte und wer, wenn überhaupt jemand, es voll und ganz sehen durfte.“
„Die einzige Geschichte“ legt ein ruhiges, in dieser Ruhe aber letztlich trügerisches Erzählen an den Tag, in dem sich samt und sonders das Dilemma der Liebe, ihrer Geschichten, Vorgeschichten und Umfelder, in vielen Facetten spiegelt. Barnes vermag es, ohne Rührseligkeit oder Sentimentalität, von den Schmerzen und Freuden des Erinnerns, von der Angst, dem Leiden und letztlich auch dem Verschwinden zu erzählen, die zwar nicht den Kern des Liebens ausmachen, aber ihn stets umkreisen, auf instabilen Bahnen.
- Jocelyne Saucier
Ein Leben mehr
(190)Aktuelle Rezension von: peedeeDrei alte Männer leben fernab der Zivilisation in den nordkanadischen Wäldern. Sie sind von ihrem früheren Leben in die Einsiedelei geflüchtet; sie brauchen nicht viel und sind zufrieden. Doch wenig bleibt so wie es immer war, denn eine Fotografin, die einen gewissen Ted oder Ed Boychuck sucht, der 1916 die „Grossen Brände“, das Matheson Fire, überlebt hat, kommt ins Camp. Als dann noch eine Frau in ihren Achtzigern dazustösst, ist das Leben der verschworenen Gemeinschaft plötzlich ganz anders…
Erster Eindruck: Auf dem Cover des Schutzumschlages ein ausdrucksstarkes Gesicht – das gefällt mir (auch wenn ich grundsätzlich keine Schutzumschläge mag).
Dies war mein zweites Buch der Autorin, nach „Niemals ohne sie“. Jenes erste Buch hat mir leider viel Mühe bereitet, daher habe ich auch lange gewartet, bis ich zum vorliegenden Buch gegriffen habe. Und wie war es nun für mich? Hm… leider erneut schwierig.
Die Geschichte wird aus mehreren Blickwinkeln erzählt. Die drei alten Männer sind Ted, ein gebrochener Mann; Charlie, ein Naturbursche; Tom, ein Draufgänger. Jeder hat seinen Rückzugsort – sie sind zusammen allein. Als Leser:in fragt man sich gleich, was diese Männer wohl erlebt haben, bevor sie aus ihrem alten Leben ausgestiegen sind. Nach und nach lässt sich aus einzelnen Puzzlesteinen ein Bild erkennen, wenn auch ein löchriges. Ihr Bindeglied zur Zivilisation sind Bruno und Steve; letzterer leitet ein kleines Hotel in der Nähe. Was will die Fotografin mit den Informationen zu Boychuck machen? Und wer ist die zarte achtzigjährige Frau?
Die in diesem Buch behandelten Stichworte sind Alter, Selbstbestimmung, Rückzug, Freiheit, aber für mich auch Rücksichtslosigkeit, wenn einer spurlos verschwindet und sein Umfeld unwissend zurücklässt. Was will mir die Autorin mit diesem Buch sagen? Dass es jedem Menschen vergönnt sein sollte, so zu leben und zu sterben wie er mag?
Das Buch heisst im Original „Il pleuvait des oiseaux“ – einmal mehr wäre für mich die Übersetzung des Originaltitels passender gewesen als der nun vorliegende Titel.
Der Schluss der Geschichte war für mich leider unglaubwürdig. Ich kann hier nicht auf Details eingehen, da ich ansonsten spoilern würde. Von mir gibt es leider wiederum nur 2 Sterne – offensichtlich gehöre ich wohl nicht ganz zur Zielgruppe der Autorin, schade. - Ernest Hemingway
The Old Man and the Sea
(95)Aktuelle Rezension von: Mira123Was haben die Amerikaner eigentlich mit ihren großen Fischen? Zuerst "Moby-Dick" und jetzt "The Old Man and the Sea". Weiß irgendwer, was es damit auf sich hat? Falls es überhaupt eine größere Bedeutung hat, natürlich. Allerdings hab ich in meinem Studium vor allem eines gelernt: Wenn mir irgendetwas Seltsames auffällt oder mich irgendwas irritiert, dann hat das immer eine Bedeutung. Und die kann man meistens irgendwie entschlüsseln. Also falls da irgendwer was weiß: Lasst es mich ganz dringend wissen!
Bei diesem Text handelt es sich wieder mal um eine Kurzgeschichte, wenn auch um eine etwas längere mit ungefähr hundert Seiten. Ich entschuldige mich also jetzt schon dafür, sollten in diesem Absatz irgendwelche Spoiler passieren. Es ist einfach sehr, sehr schwierig, die Handlung einer Kurzgeschichte zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. Und auf diesen hundert Seiten begleiten wir nicht irgendeinen alten Mann auf seinem Fischerboot, sondern DEN alten Mann. Ich weiß gar nicht mehr, ob der einen Namen hatte. Ups! Ich glaub aber nicht, das wüsste ich sonst ziemlich sicher. Auf jeden Fall wird der alte Mann vom Unglück verfolgt: Schon seit Ewigkeiten hat er keinen Fisch mehr gefangen. Doch noch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben. Und tatsächlich: Dieses eine Mal beißt einer an. Und was für einer! Der Fisch ist riesig, wahrscheinlich ein Wal. Und stark ist er auch. Es wäre unmöglich, den an Land zu ziehen. Also beschließt der alte Mann, ihn so lange das Schiff ziehen zu lassen, bis der Fisch müde wird. Immer weiter und weiter ins Meer hinaus...
Nun, eines muss man Hemingway lassen: Er hat es geschafft, dass ich hundert Seiten über einen alten Fischer lese. Und das ohne, dass mir dabei langweilig wurde. Respekt! Vor allem war die Lektüre deswegen spannend, weil ich einfach die ganze Zeit damit beschäftigt war, irgendeine Interpretation für die verschiedensten Details des Texts zu finden. Ich konnte es einfach nicht lassen - ich musste das tun. Und ich freu mich jetzt schon sehr darauf, die Notizen meiner Professorin zu diesem Text durchzulesen. Durch das Distant Learning hab ich ja jetzt mehr Kontrolle drüber, wann ich was lerne, vor allem auch, weil ich bei dieser Leselistenprüfung sowieso erst im Herbst antreten werde. Warum also Stress verbreiten und mir meinen ersten Eindruck mit den Notizen von jemand anderem verfälschen? Da interpretiere ich lieber zuerst alles mögliche in den Text hinein! Dadurch lern ich viel, viel mehr!
Stellenweise hatte ich mit diesem Text so meine Probleme. Vor allem, weil halt einfach nicht wirklich viel passierte. Und trotz des spannenden Schreibstils war es nicht immer so mitreißend, den alten Mann zu begleiten. Außerdem fand ich das Ende richtig deprimierend!
Mein Fazit? Kann man auf jeden Fall mal lesen und ist vom Schreibstil her auch ziemlich spannend. Zu hundert Prozent glücklich bin ich aber trotzdem nicht. - Bodo Kirchhoff
Widerfahrnis
(96)Aktuelle Rezension von: gstReither hat sich auf seinen Altersruhesitz im Weißbachtal zurückgezogen. Seinen Verlag hat er verkauft, weil er feststellte, „dass es allmählich mehr Schreibende als Lesende gab“ (Seite 10). Noch hat er sich alte Gewohnheiten erhalten: er liebt nach wie vor Bücher, überlegt bei jedem Satz, ob er druckreif ist und spricht dem Rotwein zu. Als er ein Büchlein aus der hauseigenen Bibliothek mitnimmt, wird er von Leonie Palm, der Leiterin des Lesekreises, beobachtet. Da sie es geschrieben hat, wüsste sie gerne sein Urteil. Deshalb besucht sie ihn abends, um für den nächsten Tag einen Termin zu vereinbaren. Doch es kommt anders als gedacht. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Gespräch, das sie noch in der Nacht zu einem Ausflug an den Achensee aufbrechen lässt. Der erhoffte Sonnenaufgang ist noch weit und zum Warten darauf ist es zu kalt, also geht die Fahrt weiter. Die beiden kommen sich zögernd näher und das späte Glück scheint zum Greifen nah zu sein.
Ich habe die beiden gerne auf ihrer Reise über den Brenner und durch Italien begleitet. Ich spürte richtig, wie es nach und nach wärmer wurde und die kalten Tage im Gebirge in den Hintergrund rückten. Die im Alter der Protagonisten ungewohnte Spontanität lud mich zum Träumen ein. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches häuften sich die Überraschungen und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Fazit: Kirchhoff ist ein begnadeter Erzähler.
- Kristen Callihan
The Darkest London - Kuss des Feuers
(195)Aktuelle Rezension von: MbalaDieses Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Ein Buch voller Märchen, magischen und auch Liebe. Ein dunkles Märchen im alten London, dass einen die ganze Nacht durchlesen lässt. Die Hauptprotagonistin ist super sympathisch und man wünscht ihr auf jeden Fall ein Happy End. Für alle die an die wahre Liebe glauben.
- Manuela Macedonia
Beweg dich! Und dein Gehirn sagt Danke
(47)Aktuelle Rezension von: Jana_HomIn diesem Buch wird dem Leser tiefergehendes Wissen im Bezug auf Bewegung und die guten Auswirkungen auf das Gehirn nähergebracht. Es sind zahlreiche interessante Studien enthalten und Erzählungen aus dem Leben und den eigenen Erfahrungen der Autorin. Dieses Buch ist mit zahlreichen Bildern gestaltet. Mich motiviert dieses Buch mich noch etwas mehr zu bewegen im Alltag.
- Libby Page
Schwimmen mit Rosemary
(227)Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerinSeit über 60 Jahren schwimmt Rosemary jeden Morgen im Brixtoner Freibad, als sie erfährt, dass es nicht mehr rentabel ist und einer Luxusimmobilie weichen soll. All die schönen Momente ihres Lebens hat sie dort verbracht und verbindet das Freibad auch insbesondere mit ihren Erinnerungen an ihren verstorbenen Ehemann.
Kate ist Journalistin für den Chronicle und erhält den Auftrag, die treueste Schwimmerin des Freibads zu interviewen. Diese stimmt nur zu, wenn Kate selbst den Sprung ins Wasser wagt. Sie lebt bereits seit einiger Zeit in London, kennt jedoch nicht einmal die Mitbewohner in ihrer Wohngemeinschaft und fühlt sich einsam. Sie überwindet sich und findet sogar Gefallen am Schwimmen und freundet sich schnell mit der älteren Dame Rosemary an. Gemeinsam beschließen sie, das Freibad zu retten, initiieren eine Petition und haben bald das gesamte Stadtviertel hinter sich. Während Kate durch ihr Engagement und ihren Erfolg als Journalistin aufblüht, scheinen die Tage des Schwimmbads dennoch gezählt zu sein, was Rosemary schmerzlich trifft.
Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Frauen geschildert, wobei sie sich immer wieder in Erinnerungen verlieren, Kate an ihre Schwester Erin, zu der sie nicht ehrlich ist und Rosemary an ihr Leben mit ihrem Ehemann, in dem das Freibad eine wesentliche Rolle spielte. Durch die gemeinsame Kampagne zur Rettung des Stadtteilbads werden sie zu Freundinnen und erhalten bei ihren Aktionen Unterstützung Nachbarn, Bekannten und immer mehr Menschen, die auf die traurige Schließung des Freibads aufmerksam gemacht werden.
Durch die Erinnerungen lernt man beide Hauptfiguren besser kennen, begreift, was Rosemary das Freibad bedeutet und kann nachvollziehen, wie Kate aus ihrer Routine ausbricht und sie durch eine Aufgabe, die ihr wichtig wird und die ihr Selbstvertrauen gibt, ihre Ängste und Panikattacken zurückdrängen kann.
Das Freibad ist mehr als nur ein Ort für ein Hobby oder ein Sommervergnügen. Es ist ein Symbol für Heimat und Nostalgie, für Gemeinschaft, Geborgenheit und Zusammenhalt. Für Rosemary steht es für ihre unsterbliche Liebe zu ihrem Mann und Kate lernt dort nicht nur wieder zu schwimmen, sondern auch zu leben.
"Im Freibad" ist eine warmherzige Geschichte mit liebenswerten Charakteren, eine Geschichte über eine generationenübergreifende Freundschaft, über Liebe und die Hoffnung, gemeinsam etwas bewirken zu können und gegen Gentrifizierung, soziale Benachteiligung, Abschottung, Verdrängung und Ignoranz vorzugehen. Es ist ein empathisch geschriebener, Trost spendender Wohlfühlroman für Herz und Seele.
- Isabel Allende
Was wir Frauen wollen
(39)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderSie war schon als Kind eine Emanze, sagt Isabel Allende und nimmt uns mit, auf eine Reise. Frauen mussten seit jeher kämpfen und sich mehr beweisen als Männer und das hat Allende schon früh erkannt und beobachtet und so ihren ganz eigenen Weg gefunden, sich durzusetzen und sich zu behaupten. Natürlich erfahren wir viel von ihrem Leben, von ihren Figuren aus den Bestsellern, von ihrer Liebe und auch von ihren Vorstellungen, was eine emanzipierte Frau ausmacht und wie man sich im Leben einen Platz gestalten kann. Großartig gemacht.























