Bücher mit dem Tag "alternative"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "alternative" gekennzeichnet haben.

11 Bücher

  1. Cover des Buches Umweltliebe (ISBN: 9783492316934)
    Jennifer Sieglar

    Umweltliebe

    (19)
    Aktuelle Rezension von: CarinaElena

    [Rezension - unbezahlte Werbung] 

    Um was geht es in diesem Buch: Jennifer Sieglar nimmt uns mit auf eine Reise, auf der man bestimmte Challenges bestreiten muss und hier lädt sie uns ein, einfach mitzumachen. Jede Herausforderung geht ca 4 Wochen und sie befasste sich u.a mit der Mikroplastik-Challenge, Auto-Challenge, Kleider-Challenge, und auch Reise-Challenge. Natürlich gibt es noch einige mehr. Sie erzählt dabei wie es ihr in den jeweiligen 4 Wochen ergangen ist und nach jedem Kapitel gibt es auch einen von ihr vorgeschlagenen Lösungsweg (spricht damit auch die Politik ganz direkt an).

    Per se hat mir das Buch ganz gut gefallen, ich habe vieles selbst schon gewusst, aber habe trotzdem noch ein bisschen was dazugelernt bzw mehr erfahren. Arg gestört habe ich mich am Aufbau des Buches. Register, Überschriften und Kapitel waren an sich übersichtlich gestaltet, im Text herrschte für mich persönlich etwas Chaos. ein Beispiel anhand des ersten Kapitels: hier geht es um Plastik bzw Mikroplastik: Sie schreibt von ihren Erfahrungen und Lösungswege was alles gut ist, allerdings werden zB auch Rezepte beschrieben die im Text nicht hervorgehoben wurden, sondern einfach im Fließtext weiter beschrieben. Dies zieht sich leider durch das ganze Buch, So musste ich (nicht umweltfreundliche) Post-its verwenden, was ich nicht gerne mache. 

    Für mich persönlich sind einige Lösungsansätze nicht umsetzbar. Auf das Auto kann ich die meiste Zeit nicht verzichten, denn meine Arbeitsstelle liegt ein gutes Stück von meinem Wohnort entfernt. Ich lebe nicht in der Großstadt, in meinem Ort fährt nicht mal eine Bahn und die Busse fahren erst morgens ab 7.15h,  da müsste ich allerdings schon fast auf der Arbeit sein (7.30h). Andere Ansätze wie Bio und loses Obst- & Gemüse kaufen klappt recht gut, auch kaufe ich schon seit mehreren Jahren immer nur mit Stoffbeutel ein. Auch was das Thema Mikroplastik in Kosmetika betrifft bin ich weit vorne mit. Seit über 3 Jahren verwende ich schon Haarseife, Stückseife für die Hände schon ungelogen 25 Jahre. Wir haben Flüssigseife wirklich nur für Gäste im Haus. Auch Produkte für den Körper habe ich entdeckt die mir gut gefallen. Wie auch die Autorin komme ich mit den Zahnpasta Pastillen nicht so zurecht, mir fehlt einfach der Schaum im Mund ;)

    Man kann schon wirklich viel machen. Am Anfang ist es vielleicht etwas aufwändiger und teurer, weil man auch vieles anschaffen muss, aber es lohnt sich. 100 Zero Waste sind auch wir nicht, versuchen aber alles mögliche um klima-und umweltfreundlich zu leben :D


    Das Buch fand ich gut, es hat mir schöne Lesestunden gebracht und das ist für mich das wichtigste :)

  2. Cover des Buches Endland (ISBN: 9783423626989)
    Martin Schäuble

    Endland

    (24)
    Aktuelle Rezension von: Readingfreak_05

    Deutschland ist eingeschlossenn von einer Mauer. Die Schulpflicht und gesetzliche Arbeitslosenhilfe sind abgeschafft und konservative Rollenbilder werden gefördert. Flüchtlinge heißen nicht mehr Flüchtlinge sonder Invasoren. Der Euro wurde gegen die Mark eingetauscht und zu Europa gehört Deutschland auch nicht mehr. 

    Obwohl viele Punkte in Martin Schäubles Dystopie "Endland" an die NS-Zeit erinnern, befinden wir uns in der Zukunft. Die Regierung wird von der rechtsextremen Partei NA (Nationale Alternative) dominiert. 

    Die Protagonisten sind der junge Soldat Anton aus Deutschland, der überzeugt von den Ideen der NA sein Land verteidigt, sein Freund Noah, der die Ideale der NA sehr viel kritischer sieht und immer wieder versucht Antons Augen zu öffnen. Die dritte Protagonistin ist Fana. Wegen der vom Klimawandel ausgelösten Hungersnot flüchtet sie aus Äthiopien nach Deutschland, um sich dort eine Zukunft auzubauen und Medizien zu studieren.

    Als Anton in einem Geheimauftraug als Flüchtling nach Deutschland einreisen soll, trifft er Fana und nach und nach beginnt er zu sehen, was sie ganze zeit direkt vor seiner nase war. Er und Fana werden Freunde und bald steht Anton vor der größten Entscheidung seines Lebens: für eine nationale Ideologie oder für seine Freunde und ein freies Leben.

    Während Anton und Fana im letzten Flüchtlingslager deutschlands festsitzen, muss Noah untertauchen, nachdem er geheime Informationen der NA an die Öffentlichkeit weitergegeben hatte. 

    Werden es die drei, die unterschiedlicher nicht sein könnten schaffen die rechtspopulistische deutsche gesellschaft zu "besiegen"?

    Martin Schäuble greift aktuelle Themen sehr gut auf und führt einem immer wieder die Realität vor die Augen. Er schreibt in einem unkomplizierten und gradlinigen Schreibstil und verzichtet auf lange Schachtelsätze. Er schreibt abwechselnd aus der Perspektive von Anton, Fana und Noah, wodurch man sich gut in die drei hineinversetzen kann.

    Der Roman ist außerdem sehr gut recherchiert und man hat beim lesen immer ein sehr klares Bild davon wie es am Handlungsort gerade aussieht.

    Ein sehr fesselnder Roman, den man gar nicht mehr weglegen kann, wenn man einmal angefangen hat. Sehr geeignet für Jugendliche ab ca.12 jahren aber auch für Erwachsene ein toller Roman. 

    Eine klare Leseempfehlung von mir!

  3. Cover des Buches Wie wir lieben (ISBN: 9783746634562)
    Friedemann Karig

    Wie wir lieben

    (46)
    Aktuelle Rezension von: Kathrin_Schroeder

    Gehört dank Netgalley

    Wie halten es Paare mit dem Sex und was funktioniert besser als Monogamie. Friedemann Kang erzählt im Wechsel "Beziehungs- bzw. Sexgeschichten" und analysiert den Umgang die Art der Beziehung. Die Geschichten sind nachvollziehbar, auch wenn es manches Mal wesentlich mehr um den Trieb als die Liebe geht. 

    Die Analysen enthalten geschichtliche Verweise und biologische Hintergründe, Ausflüge zu "Sex and the City" und diverse Anleihen aus diversen Büchern. Dieser Teil ist nicht immer komplett "Hörbuchkompatibel" und gefällt mir deutlich weniger als des Autoren Buch über Erzählende Affen.

    Den Anspruch das Ende der Monogamie zu beschreiben, erfüllt das Buch meiner Meinung nach nicht. Es zeigt verschiedenste nicht monogame Lebenserfahrungen auf und verdeutlicht, dass diese genauso viel und genauso wenig Risiko zum Scheitern bergen wie die Monogamie.

    Konnte man Hören, war aber für mich eher im Mittelfeld angesiedelt.  

    #Netgalleyde! #Wiewirlieben #FriedemannKarig #KathrinliebtLesen #Bookstagram #Monogamie

  4. Cover des Buches Die Post-Kollaps-Gesellschaft (ISBN: 9783942166782)
  5. Cover des Buches Thug Kitchen (ISBN: 9783862449927)
    Thug Kitchen

    Thug Kitchen

    (1)
    Aktuelle Rezension von: The iron butterfly
    Kaum gekauft und schon etliche Rezepte getestet - das spricht für sich. "Thug kitchen - einfach. vegan. geiler scheiß" betitelt recht gut, was die Autoren da im Buch zusammengefasst haben. Zahlreiche einfache, aber auch umfangreiche Rezepte, klar vegan und alles was ich bislang getestet habe war tatsächlich verdammt leckerer Sch**ß. Muss man so bestätigen. Ausprobiert habe ich bislang: Scones mit Heidelbeeren, Walnüssen und Lavendel, Kichererbseneintopf mit Einlage, Salsa aus gegrillten Pfirsichen, Maismehl-Waffeln, Vollkorn-Pancakes mit Banane, Mango-Curry mit braunem Reis und als nächstes stehen die Buckeyes mit Hirse und Erdnussbutter auf dem Plan.
    So, wenn dir jetzt das Schnäbelchen tropft, dann bleibt dir nichts anderes übrig, als dir was Leckeres zu kochen.
  6. Cover des Buches Kochen für Kleinkinder (ISBN: 9783833898105)
    Dagmar von Cramm

    Kochen für Kleinkinder

    (10)
    Aktuelle Rezension von: Yoyomaus

                


    Da ich kein Freund von Babygläschen war, habe ich mir dieses Büchlein gekauft, denn ich hatte mir fest vorgenommen für die kleinen Knirpse live zu kochen und so auch ausgewogene Mahlzeiten präsentieren zu können. So weit so gut der Plan. Das Buch ist auch nahezu perfekt, es hat eine tolle Auswahl an kinderfreundlichen Gerichten, es gibt eine kleine Warenkunde und alle Rezepte sind so detailliert beschrieben, dass man sehr gut mitkommt und alles problemlos nachkochen kann. Besonders für Anfänger in der Küche sind diese Rezepte auch geeignet. Doch die besten Rezepte bringen halt nix, wenn dein Kind doch lieber das isst, was die Erwachsenen essen und zwar von Anfang an. Da hilft eben auch das beste Buch nichts. Wer nicht solch eigenwillige Esser hat, der wird mit diesem Büchlein aber dennoch punkten können, auch wenn ich der Meinung bin, dass vielleicht das eine oder andere Gericht mehr nicht geschadet hätte. Es ist eben nur ein Abriss aus der Vielfaltigkeit der Küche.
  7. Cover des Buches Mehr als ein Leben (ISBN: 9783036961767)
    Milena Moser

    Mehr als ein Leben

    (10)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    Helens Eltern trennen sich, als das Mädchen vier Jahre alt ist. Sie wächst zunächst bei ihrer Mutter Vera auf, die den Schmerz über die Trennung mit Alkohol betäubt und ihre Tochter vernachlässigt. Während Helen früh selbstständig werden muss und in ihrem Nachbarn Frank einen Freund fürs Leben findet, dessen Eltern ein wachsames Auge auf sie haben, sieht sie ihren Vater Luc nur an den Wochenenden. Als dieser eine neue Freundin hat und stolzer Hausbesitzer ist, engagiert er sich für das Sorgerecht und meldet seine Exfrau dem Jugendamt. Mit zehn Jahren steht Helen vor der Entscheidung, welche Richtung ihr Leben nehmen wird - zwei Wege, die vollkommen unterschiedlich sind.

    "Mehr als ein Leben" gibt einen Einblick in Helens Kindheit in Zürich, bis ihr Leben in zwei Varianten weitererzählt wird: als Elaine und Luna. Eine von ihnen bleibt bei der Mutter, eine zieht zum Vater, eine heiratet Frank, eine bleibt mit Frank befreundet, eine wird Unternehmerin in Zürich, eine hat wechselnde Jobs in Amerika, eine hat selbst Kinder, eine kümmert sich lieber um andere. Der Roman erzählt insofern titelgebend "mehr als ein Leben" in den 1970er- und 1980er-Jahren.  
    Durch die komplett unterschiedlichen Lebensentwürfe und die neue Namensgebung sowie die langen Abschnitte im jeweiligen Handlungsstrang, fällt es nicht schwer, den Überblick zu behalten, auch wenn die Erzählweise nicht chronologisch erfolgt. 

    "Mehr als ein Leben" ist eine Geschichte über die Frage "Was wäre, wenn...?", wobei der Hauptfigur nicht bewusst ist, dass es ein alternatives Leben für sie gibt. Der Roman handelt deshalb nicht unbedingt davon, welche Wahlmöglichkeit die richtige ist, sondern welche Auswirkungen eine Entscheidung als Zehnjährige auf den weiteren Lebensverlauf hat. Dies betrifft hierbei nicht nur Helen, wenn sie sich zwischen einem Elternteil entscheidet, sondern folglich auch Vater, Mutter und Freund Frank, der Helen in beiden Lebensentwürfen liebt. 

    Beide Erzählstränge sind eindrucksvoll, spannend und empathisch geschildert. Helen ist in beiden Varianten nachdenklich, aber auch mutig, quält sich jedoch häufig mit Schuldfragen und wirkt nie wirklich unbeschwert. Ihre Kindheit ist prägend und wirft Schatten und als Erwachsene sieht sie sich weiterhin mit Problemen wie Krankheit, Einsamkeit, Sehnsüchten und Gewissensbissen konfrontiert.
    Eindrücklich ist zudem die unterschiedliche Lebensweise in San Francisco und Zürich, das liberalere, freiere Leben in Amerika und das traditionellere, konservative Leben in der Schweiz geschildert. Aids, Homophobie und die Beziehung von Mutter und Kind sind in beiden Versionen Themen, mit denen sich Helen als Elaine beziehungsweise Luna konfrontiert sieht. 

    Trotz unterschiedlicher Lebenswege gibt es Parallelen, die in beiden Varianten gleich sind, was zeigt, dass nicht jede Entscheidung tatsächlich richtungsweisend ist, sondern dass manche Dinge schicksalhaft sind.
    "Mehr als ein Leben" ist eine Mischung aus Coming-of-Age und Familiengeschichte, die vierzig Jahre eines Lebens in zwei Varianten skizziert, die gleichermaßen unterhaltsam und berührend sind. 

  8. Cover des Buches Zwei Leben mit dir (ISBN: 9783764507343)
    Holly Miller

    Zwei Leben mit dir

    (17)
    Aktuelle Rezension von: gedankenbuecherei

    Ich habe vor kurzem „Zwei Leben mit dir“ von Holly Miller beendet und kann es nur empfehlen. Das Buch hat so viele schöne Ansätze und Sätze für uns parat, über die wir nachdenken können. Gleichzeitig war die Erzählweise super spannend, die Autorin folgt nämlich der Frage „Was wäre, wenn… ?“ Und präsentiert uns gleich zwei mögliche Szenarios und damit auch Liebesgeschichten, die unseren Protagonistin Lucy erlebt, nachdem sie sich jeweils für einen anderen Weg entscheidet.

    In dem einen Szenario beschließt sie, ihren Heimatort nicht zu verlassen und einen Roman zu schreiben. Sie lernt Caleb kennen und lieben und wir verfolgen die Liebesgeschichte der beiden. Im selben Kapitel wechselt dann der Schauplatz und Lucy hat sich hier entschieden nach London zu ziehen und ihren Traumjob anzunehmen. Dort trifft sie dann auf Max, ihre erste große Liebe, deren Verlust sie nie ganz verwunden hat und die beiden wagen einen Neuanfang.

    „Aber mir gefiel, was sie gemeinsam hatten: dass sie die Liebe in den Mittelpunkt rückten, diese universelle, allumfassende Emotion mit der Macht, uns entweder zu vervollständigen oder zu zerstören.“ (s. 22)

    Ich mochte beide Liebesgeschichten gerne und konnte mich gar nicht so richtig für einen „Traummann“ entscheiden. 😅 Wie die Autorin dann auch die beiden Welten hat aufeinandertreffen lassen, war super interessant und der Schreibstil hat mir total gut gefallen. Das Ende fand ich dann leider etwas fad, da hätte ich mir was ganz anderes gewünscht. Deswegen 4 ⭐️ für ein tolles Buch, das ich nur weiterempfehlen kann.

  9. Cover des Buches No llores mi querida. Weine nicht, mein Schatz (ISBN: 9783945398753)
    André Pilz

    No llores mi querida. Weine nicht, mein Schatz

    (10)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Bevor ich mit der Rezension zu „No llores, mi querida – Weine nicht, mein Schatz“ beginne, sollte ich euch erklären, wieso ich diesen Skinhead-Roman besitze. Ich habe eine tiefe persönliche Bindung zum Thema des Buches, zu der Szene, in der und für die der Autor André Pilz es geschrieben hat. Ich war selbst jahrelang in der linken bzw. unpolitischen Skinhead-Szene aktiv. Ich war ein Renee, ein Skingirl, mit allem, was dazu gehört: Musik, Kleidung, Lebensstil. Mittlerweile habe ich die Szene verlassen, weil ich mit der Stagnation selbiger nicht zurechtkam. „No llores, mi querida“ war das letzte ungelesene literarische Überbleibsel dieser Zeit. Als ich es von meinem SuB befreite, war ich extrem gespannt, wie es auf mich wirken würde. Eine Reise in meine Vergangenheit stand bevor.

    Skinhead, Skinhead, Oi Oi Oi! Diese Worte sind Ricos Schlachtruf. Jahrelang war Rico schwach, wurde geschubst und getreten, als er am Boden lag. Er schwor sich, niemals wieder so verletzlich zu sein. Er ist ein Skin, ein Krieger im täglichen Kampf gegen die brutalen Anforderungen einer Gesellschaft, in die er nicht passt. Gewalt und Exzess bestimmen seine Existenz. Seine Freunde sind ebenso Ausgestoßene wie er. Doch tief in seinem Herzen verzehrt sich Rico nach Hoffnung. Als er die Mexikanerin Maga kennenlernt und sich rettungslos in sie verliebt, stellt er sich zum ersten Mal die Frage, ob es nicht auch anders geht. Muss er die lähmende Verzweiflung, den Zorn, die giftige Bitterkeit ertragen? Gibt es keinen Ausweg aus der Abwärtsspirale seines Lebens? Entgegen aller Widerstände wird Maga zu Ricos Licht in der Dunkelheit und lehrt ihn, dass jeder Mensch eine Chance auf Glück verdient, sogar ein Skinhead.

    Meine Rückkehr in den Kosmos der Skinheads war seltsam. Es war merkwürdig, mit Gedanken konfrontiert zu werden, aus denen ich lange herausgewachsen bin. Ich musste mich erst wieder an den derben Tenor der Szene und den daraus resultierenden ordinären Schreibstil in „No llores, mi querida“ gewöhnen. André Pilz schont sein Publikum nicht und ich glaube, für Leser_innen, die noch nie mit der Szene in Kontakt gekommen sind, ist das Buch vermutlich zu krass, mit all der Gewalt, literweise Alkohol und einem Leben am äußersten Rand der Gesellschaft. Ich brauchte ein wenig, um mich auf Pilz‘ Schilderungen einzulassen, kam dann aber schnell rein und konnte mich mit der extremen Härte des Romans arrangieren, obwohl ich nicht behaupten kann, dass ich mich wohlfühlte. Das ist wahrscheinlich gar nicht möglich. Ricos Auffassung seiner Identität als Skinhead unterscheidet sich radikal von dem, was ich damals empfand. Ich hätte nichts mit ihm und seinen „Freunden“ zu tun haben wollen, weil ich sie als asoziale Prolls eingeschätzt hätte. Ich habe Skingirl zu sein niemals damit assoziiert, eine Kriegerin zu sein. Für mich ging es um bodenständige Werte; darum, sich innerhalb der Gesellschaft eigene Regeln und Grenzen zu schaffen. Für Rico hingegen sind die Glatze, die schweren Stiefel und sein provokatives Verhalten Ausdruck seines persönlichen Krieges gegen die Gesellschaft. Er ist ein Anarchist, benimmt sich wie ein in die Enge getriebenes Tier. Er empfindet Hilflosigkeit, Ohnmacht und Weltschmerz und da er nicht weiß, wie er mit seinen Gefühlen umgehen soll, schlägt er nach außen. Das stimmt mich unheimlich traurig, denn in seinem Kern ist Rico hypersensibel, eine maßlos empfindsame Seele und eigentlich viel zu zart für unsere grausame Welt. Die schützende emotionale Mauer, die Menschen normalerweise davor bewahrt, angesichts all des Leids und des Elends in der Welt verrückt zu werden, hat Rico nicht. Er tut, als würde ihn das alles überhaupt nichts angehen, dabei zerbricht er sich täglich den Kopf darüber. Ich kann nachvollziehen, dass er glaubt, ein Krieger sein zu müssen, um zu überleben. Er kennt nur Extreme, trotz seiner erstaunlich weit entwickelten Intelligenz. Man traut es Rico nicht zu, aber er ist tatsächlich ziemlich klug und ich gehe mit den meisten seiner philosophischen, gesellschaftskritischen Überlegungen konform. Lediglich die Konsequenzen schätze ich anders ein. Man kann das System nicht von außen zerstören, man kann es nur von innen heraus verändern. In diesem Punkt bin ich einer Meinung mit Maga, die für Rico einfach alles ist. Sie ist Auslöser, Motivation und Perspektive seiner Veränderung. Er wäre vermutlich auch ohne sie eines Tages darauf gekommen, dass sein Dasein deprimierend und leer ist, dass seine „Freunde“ asoziale Schläger sind, denen nichts irgendetwas bedeutet, aber dank Maga sieht er eine Alternative. Ihretwegen erkennt er, dass er die Wahl hat, ein anderes Leben zu führen.

    Ich kann euch „No llores, mit querida – Weine nicht, mein Schatz“ ausschließlich unter ganz bestimmten Umständen empfehlen. Ich fand es zwar großartig, überraschend tiefsinnig und verblüffend berührend, aber es ist auch äußerst speziell, außergewöhnlich hart und ab und zu regelrecht abstoßend. Meiner Ansicht nach solltet ihr diesen Skinhead-Roman nur dann lesen, wenn ihr wahrhaft bereit für eine extreme, grenzwertige Variante des Konflikts zwischen Gesellschaft und Individuum seid. André Pilz treibt es auf die Spitze. Er kennt keine Tabus. Falls ihr meint, damit umgehen zu können, versucht es. Ich habe lediglich eine Bitte an euch. „No llores, mit querida“ mag autobiografische Elemente enthalten, doch bitte glaubt nicht, der Protagonist Rico und seine Truppe stünden stellvertretend für die gesamte Skinhead-Szene. Das ist nicht wahr. Ich habe in meiner Zeit in der Szene glücklicherweise nur wenige Gestalten kennengelernt, die ähnlich asozial und kaputt waren wie Rico. Die meisten Skins sind in einem gesunden Maß angepasst, wenn auch oft laut, wild und reichlich verrückt. Dieses Buch vermittelt nur einen winzigen Bruchteil der Realität. Skinhead zu sein kann vieles bedeuten. „Krieger“ ist nur eine Auslegung.

    P.S.: Für all diejenigen unter euch, die Schwierigkeiten mit der Unterscheidung von Skinheads und Nazis haben und nach dieser Rezension ein bisschen verwirrt sind, finden auf der folgenden Website eine Erklärung der Szene: Du sollst Skinheads nicht mit Nazis verwechseln

  10. Cover des Buches DIE REGELN DER RACHE (Black Shuck 2) (ISBN: 9783958352957)
  11. Cover des Buches eurotopia-Verzeichnis: Gemeinschaften und Ökodörfer in Europa (ISBN: 9783000137723)
  12. Zeige:
    • 8
    • 12

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks