Bücher mit dem Tag "altersheim"
80 Bücher
- Jonas Jonasson
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
(5.952)Aktuelle Rezension von: Tanja_Wue"Richtig war nicht unbedingt das, was richtig war, sondern das, was von der maßgeblichen Person für richtig erklärt wurde."
Die Geschichte fängt genauso an, wie der Titel es vorhersage. Der Hunderjährige Allan hat keine Lust seinen 100ten Geburtstag zu feiern und stieg aus dem Fenster des Altenheim und verschwand. Was dann passiert ist sowohl skurill und an manchen Stellen humorvoll. Weil ich mir einfach nicht das vorstellen konnte und kopfschüttelnd lachen musste um mir das was gerade passiert sein soll, vorstellen zu können.
Insgesamt war es aber mehr eine Erzählung über Allan, wie er aus dem Fenster stieg und was dann passiert, sowie Rückblicke was alles in seinem Leben passiert ist. Fand durch die Erzählung der Schreibstil sehr monoton und dadurch viel es mir schwer manchmal dran zu bleiben, weil es auch schnell langatmig wurde.
Eine solide und skurille Geschichte, die bestimmt mal was anderes ist!
- Anna Gavalda
Zusammen ist man weniger allein
(3.343)Aktuelle Rezension von: a_different_look_at_the_bookIch hatte mich sehr auf den Roman „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda gefreut. Der Klappentext versprach eine gefühlvolle Geschichte, voller Herzschmerz, aber auch mit humorvollen und warmen Momenten. Genau das habe ich mir erhofft - doch bekommen habe ich etwas völlig anderes.
Schon nach wenigen Seiten wirkte die Handlung eher wie ein Wirrwarr. Ich habe das Buch gemeinsam mit @linhelest angefangen, die nach einem Viertel abgebrochen hat. Und ehrlich gesagt, konnte ich das gut nachvollziehen. Ich selbst habe weitergelesen, vor allem weil mich das Schicksal der alten Paulette nicht losgelassen hat.
Doch der Stil - ob nun von der Autorin oder durch die Übersetzung - macht es einem wirklich schwer. Ständige Zeitsprünge lassen einen oft das Gefühl haben, man hätte etwas verpasst. Zudem zieht sich die Handlung spürbar in die Länge. Viele Szenen wirken belanglos und bremsen den Lesefluss, anstatt die Figuren oder die Handlung voranzubringen.
Obwohl man durchaus Einblicke in die Vergangenheit der vier Hauptfiguren bekommt, sind sie mir dennoch nicht durchweg sympathisch geworden. Gerade Franck blieb mir trotz seines Schicksale auf Distanz.
Besonders problematisch fand ich den Umgang mit den Krankheiten der Protagonisten. Philiberts Stottern verschwindet quasi durch Camilles Unterstützung und ein wenig Schauspielerei. Camilles Magersucht wiederum wird durch die Zuwendung von Franck, dem Koch, „geheilt“. Für mich wirkt das verharmlosend und respektlos gegenüber Menschen, die mit solchen Erkrankungen über Jahre hinweg Therapien durchlaufen.Ich empfand die Darstellung als unrealistisch und verantwortungslos.
Trotz all meiner Kritik hatte das Ende eine emotionale Wirkung auf mich. Auch wenn ich es kommen sah, hat mich eine Szene tatsächlich zu Tränen gerührt. Dieser Moment konnte das Gesamtbild für mich jedoch nicht retten.
Unterm Strich bleibt es für mich ein Roman mit einer starken Grundidee, die viel Potenzial hatte, aber in meinen Augen leider nicht ausgeschöpft wurde. Statt einer berührenden und mitreißenden Geschichte bekam ich einen verworrenen Text, der mich mehr verwirrt als begeistert hat.
©2025 adlatb
- Nicholas Sparks
Wie ein einziger Tag
(2.464)Aktuelle Rezension von: Jenny_SieberWahre Liebe begegnet sich, wo sie will: unabhängig von Status, Ansehen und Prestige. Dieser Roman zeigt, dass es nur einen Weg gibt: den des Herzens. Manchmal müssen wir dafür Umwege gehen und gleichzeitig zeigt der Roman, es ist nie zu spät. Manchmal muss man zurückgehen um das wahre Glück zu empfangen.
- Jonas Jonasson
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
(137)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderAllan Karlsson wird 100 Jahre alt. Das Pflegeheim in dem er lebt bereitet eine große Feier vor. Er hat aber keine Lust darauf und hat für den Tag einen ganz anderen Plan. Weil die strenge Schwester heute Aufsicht hat, verschwindet er einfach aus dem Fenster seines Zimmers. Er stolpert über einen Koffer, lernt merkwürdige Gestalten kennen und befindet sich schon bald im Mittelpunkt der schwedischen Nachrichten. Es geht um Entführung, Mord und einen großen Raub. Allan lässt das relativ kalt, denn in seinen 100 Jahren hat er schon soviel erlebt und durchlebt. Zahlreiche wichtige Persönlichkeiten hat er kennen gelernt und war nicht nur einmal ein wichtiges Rädchen im großen Rad der Geschichte. In Rückblenden erleben wir seine Jugend, das Erwachsen werden, die Zeit im Krieg, berufliche Erfolge, Misserfolge, Gefangenschaften und große Heldentaten und die Liebe.
Das Buch avancierte zum Bestseller und schlich sich quasi ohne große Werbung auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Jetzt kennt fast jeder den Titel und es ist schön, dass so ein hervorragend geschriebenes Buch zum Bestseller wurde und in so viele Herzen kam. Allan Karlsson ist ein unkonventioneller Held und man muss ihn einfach lieb haben. >Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand< ist ein großartiges Buch, dass ohne Klischees, Pathos und falschen Gefühlen auskommt und einfach durch eine besondere Sprache und einen tollen Helden funktioniert.
- Hendrik Groen
Eierlikörtage
(92)Aktuelle Rezension von: JorokaUm es genau zu nehmen: eines in Holland. Aber so groß sind die Unterschiede nicht. Und nebenbei gesagt handelt es sich nicht um eine noble Seniorenresidenz für Gutbetuchte. Dort wohnt also der über 83jährige Hendrik, der mit dem Schreiben seinem Leben nochmals eine neue Wendung geben möchte, da er noch nicht bereit ist, die Hände in den Schoß zu legen oder den Löffel abzugeben. Mit gleichgesinnten Mitstreitern gründet er den Club „Alt-aber-nicht-tot“, die reihum alle zwei Wochen eine besonders Aktion heraus aus dem Alltagstrott planen und durchführen.
Hendrik schreibt über die Zustände und Missstände, die Boshaftigkeit mancher Heim-Mitbewohner und über seine wachsende heimliche Schwärmerei für Eefje.
Ich fragte mit gleich zu Beginn, ob es sich wohl um ein fiktives oder tatsächliches Jahr handelt. Anhand der angeführten Sterbedaten diverser Berühmtheiten war schnell klar, es ist das Jahr 2013. Es gibt über die meisten 365 Tage einen Eintrag, der meist so um eine Seite lang ist, außer außer bei Krankheit oder anderen unvorhergesehenen Ereignissen. Der Leser bekommt den Eindruck, diesen Menschen im Laufe des Jahres ganz gut kennen zu lernen, woran sich die zweite grundsätzliche Frage anschließt: handelt es sich um eine fiktive Figur oder hat der alte Mann tatsächlich selbst geschrieben? Jedenfalls schreibt er über eine Lebensphase, in dem Abschiede von Fähigkeiten und liebgewordenen Menschen überhand nehmen. Dennoch verfasst er die Zeilen mit Witz und Selbstironie, ohne dabei jedoch in die Comedy-Ecke abzurutschen oder effekthaschend zu erscheinen.
Manches geht noch, für manches ist es schon zu spät. Sexuelle Höchstleistungen sollte man bereits zuvor getätigt haben, aber sich an den schönen Dingen am Wegesrand zu erfreuen geht weiterhin.
„Altwerden ist nichts für Feiglinge“, diesen Ausspruch würde ich auch nach der Lektüre gerne unterschreiben. Dennoch kann man noch eine ganze Menge Spaß haben, das vermittelt das Buch, auch wenn es zum Ende hin doch recht melancholisch wird.
Der Titel ist jedoch ein wenig irreführend. Das süffige alkoholische Getränk aus dem Produkt aus Legebemühungen kommt gar nicht vor, falls ich es nicht überlesen habe.
Ich schreibe selbst Tagebuch, seit über 30 Jahren. Ich müsste aber nochmals so viele Jahre und etwas mehr durchhalten, um vielleicht dann meine Geschichte aus dem Seniorenstift zu schreiben.
Fazit: Dieses Buch war schön zu lesen. Es hat gutes Potential, ein wenig die Angst vor dem fortgeschrittenen Lebensjahren und dem betreuten Wohnen zu nehmen. Es hätte für meinen Geschmack gerne noch etwas bissiger sein dürfen.
- Ellen Berg
Zur Hölle mit Seniorentellern!
(133)Aktuelle Rezension von: sansolElisabeth ist siebzig und steht voll im Leben. Ein Unfall wird von ihrer Tochter direkt ausgenutzt und ehe Elisabeth eine Chance hat findet sie sich im Seniorenheim auf dem Abstellgleis wieder.
Doch sie gibt nicht auf, lernt ein paar äußerst skurrile Mitbewohner kennen und gemeinsam plant man die Flucht in den Süden. Doch leider fehlt es der Truppe an Geld. Wenn eh schon alles egal ist, ist auch illegal eine Alternative.
Wie von Ellen Berg gewohnt sind die Charaktere herrlich überzogen dargestellt und der Schreibstil locker und unterhaltsam. - Ada Dorian
Betrunkene Bäume
(107)Aktuelle Rezension von: FortiDas Buch startet in Sibirien, schätzungsweise irgendwann in den 1960'er Jahren. Weiter geht es dann in Berlin im 21. Jahrhundert. Dort spielt sich die Handlung dann größtenteils ab – irgendwie hatte ich mehr Wechsel zwischen den Zeitebenen erwartet, vielleicht mein Fehler. Die beiden Zeitstränge sind durch Erich verbunden – einem Baumliebhaber und -forscher. Das Thema Bäume fand ich interessant behandelt. Das hätte gerne noch vertieft werden können, denn die Geschichte in der Gegenwart mit Katharina fand ich nicht so überzeugend. Auch die angekündigte Freundschaftsgeschichte zwischen Katharina und Erich wurde etwas kurz abgehandelt. Was das Buch aber schafft (soweit ich das beurteilen kann): das Altern ehrlich zu beschreiben.
Erzählt ist das Buch in einer sehr klaren, schnörkellosen Sprache. Vielleicht auch dadurch erinnerten mich die Passagen über Katharina manchmal an ein Jugendbuch (was nicht schlimm ist).
Auf garkeinen Fall ein schlechtes Buch, aber auch nicht herausragend. Vielleicht wurde hier einfach zu viel zusammen gemischt. - Mats Strandberg
Das Heim
(111)Aktuelle Rezension von: Svenja_KotzabDieses Buch habe ich von der Tante meines Mannes ausgeliehen bekommen. Sie meinte es wäre ein Krimi und ich müsste ihn unbedingt lesen. Gesagt getan!
Joel ist zurück in seiner Heimat. Zwanzig Jahre war er nicht mehr da. Aber jetzt muss er sich um seine Demenz kranke Mutter kümmern. Weil die Krankheit so weit fortgeschritten ist, hat er für sie einen Platz im Pflegeheim gesucht. Es ist nicht einfach Monika dort hinzubringen. Joel kämpft unterdessen mit den Dämonen aus seiner Vergangenheit. Als er dann noch seine beste Freundin aus Kindheitstagen im Heim wieder trifft, geht es mit Joel bergab.
Wie oben schon erwähnt, bin ich in das Buch eingestiegen mit dem Gedanken einen Krimi oder Thriller zu lesen. Auf dem Einband steht zwar, Schwedens Stephen King, das ist mir wohl aber auch nicht aufgefallen 🙈. Tja nach einiger Zeit im Buch ist mir dann aufgefallen das es sich um ein Horror Buch handelt. Tatsächlich mein erstes! Und es war gut! Die Situation im Pflegeheim war sehr beklemmend für mich. Bisher hatte ich in meinem Leben wenig Kontakt damit. Aber ich bin nun Mitte dreißig und es graut mir davor meine Familie und auch mich später in einem solchen Heim zu sehen! Die einzelnen Charaktere waren für mich sehr authentisch dargestellt! Auch der Horror Effekt war super spannend und es hat mich ordentlich gegruselt! Tatsächlich hat mich das Buch ganz schön beschäftigt und mitgenommen!
- Christine Drews
Phönixkinder
(72)Aktuelle Rezension von: ZahirahMit "Phönixkinder" liefert Christine Drews uns nun den 2. Fall für Charlotte Schneidmann und Peter Käfer. Eins muss ich dann auch gleich mal vorweg schicken, dieses Buch hat mir besser gefallen als sein Vorgänger. Selbst meine damalige Kritik in Bezug auf die Darstellung Peter Käfers ist wohl erhört worden. Diesmal wird nämlich ebendieser Peter Käfer als gleichberechtigter Ermittler geschildert. Was der Geschichte auch wirklich gut tat. Die Story selbst ist durch die ständigen Wechsel zwischen den Ermittlern und dem Feuerteufel recht temporeich und spannend. Alle Protagonisten, ob Haupt- oder Nebencharaktere, sind bildhaft dargestellt und überzeugen in ihren jeweiligen Rollen.
Als Fazit kann ich sagen, ist der Autorin eine Steigerung sowohl im Hinblick auf den Krimi-Plot als auch bei der Charakterisierung ihrer Protagonisten im Vergleich zum 1. Teil gelungen. Das gesamte Paket konnte mich diesmal auf alle Fälle besser unterhalten als sein Vorgänger. Ich kann den 2. Serienteil somit auch weiterempfehlen und vergebe diesmal 3.5 von 5 Sterne.
- Karine Lambert
Und jetzt lass uns tanzen
(151)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderMarguerite steht vor dem Grab ihres Mannes und verabschiedet sich und ist danach einfach nur leer, einsam und weiß gar nicht genau wohin mit ihrem Leben. Er hat doch immer alles geleitet und geführt und sie hat ihm als treue Ehefrau den Wunsch erfüllt ihr Haar immer als Knoten zu tragen und ihn immer zu Sie-zen. Nun ist sie auf sich gestellt und wird von ihrem Sohn, der ihrem Mann mehr als ähnlich ist, etwas unterstützt. Ihre Schwester dagegen ist wild und nimmt alles vom Leben und bekräftigt ihre Schwester nochmal durch zu starten. Dann gibt es noch Marcel. Er muss mit dem Tod seiner geliebten Ehefrau fertig werden. Ihre Energie, ihre Kraft und auch ihre Zartheit fehlen ihm sofort. Er will ohne sie eigentlich gar nicht sein und auch die Kinder können ihn nicht unbedingt aufheitern. Durch Zufall begegnen sich die Beiden und sind mit Ende 70 fasziniert vom Anderen, vom Neuen und sind doch auch ängstlich und wissen nicht, wie sie die Gefühle und die Anziehung einsortieren sollen. Als die Kinder dann auch den Unmut äußern und es nicht so ganz toll finden, dass die Eltern nach dem Tod des Partners irgendwie weiter ziehen, werden in Marguerite und Marcel aber die Kampfgeister geweckt. Sie sind zwar alt, aber sie haben noch Lust am Leben, an neuen Erfahrungen und Plänen und Zielen und dies wollen sie Leben! Der Roman hat mich von Anfang an gepackt und durch seinen Humor, seiner tollen Sprache und dem großen Gefühl fasziniert und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Karine Lambert hat ein besonders Gespür für intime Momente und schreibt auf eine ganz großartige Art und Weiße und man taucht in das Buch ein und möchte dann unbedingt mit den Helden gemeinsam tanzen. Eine ganz wunderbare Geschichte.
- Miriam Rademacher
Die Farben des Mörders
(34)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeAuch dieser zweite Band hat mich bestens unterhalten; ein echtes Lesevergnügen!
Hier ist unser besonderes Ermittlerteam, bestehend aus einem Tanzlehrer, einem Pfarrer und einer Krankenschwester (in diesem Band mit gelben Haaren), auf der Suche nach einem Mörder. Und zwar gab es einen Mord in einem Altenheim, und der Täter scheint ein Bewohner dieses Heimes zu sein!
Den ersten Band der Reihe fand ich schon super, und dieser zweite Band steht dem in nichts nach. Ein bisschen skurril, herrlich schräg, spannend, humorvoll und einfach total unterhaltsam! Ich hatte viel Spaß mit diesem Buch!
- Anne B. Ragde
Sonntags in Trondheim
(63)Aktuelle Rezension von: YukBookDies ist der vierte und letzte Band der Lügenhaus-Serie von Anne B. Ragde. Da ich die ersten Bände nicht kenne, tat ich mich ziemlich schwer, die vielen Figuren auseinanderzuhalten und mich in die Familiengeschichte, die teils in Trondheim, teils in Kopenhagen spielt, hineinzufinden.
Zu Beginn wird man in den turbulenten Alltag des schwulen Paars Krumme und Erlend und dessen siebenköpfige Familie katapultiert und man fragt sich, welche Verbindung zwischen ihnen und dem einsamen alten Mann Neshov besteht, der im Altersheim nur seine Ruhe haben will. Während bei Krumme und Erlend die Freuden und Sorgen rund um die Geburt der drei Kinder mit einem lesbischen Paar detailreich geschildert und die Freuden des Familienglücks zelebriert werden, schlägt die Geschichte über Torunn Neshov, die einen einst florierenden Schweinezüchter-Hof verließ, melancholische Töne an.
Am meisten berührt hat mich die Figur ihres Onkels Margido, dessen Gedanken sehr häufig um den Tod kreisen und das nicht nur, weil er Bestattungsunternehmer ist. Erst als seine Nichte Torunn ganz plötzlich vor seiner Haustür steht und einen Neuanfang wagt, schöpft er wieder Lebensfreude. Die Art und Weise, wie das Wiedersehen in Margidos Alltag einbricht und auf sanfte Weise sein Leben verändert, ist sehr schön erzählt.
Geburt und Tod sind die wiederkehrenden Leitmotive dieses Romans. Ebenso geht es um Erwartungen, Sehnsüchte und Enttäuschungen in komplexen Familienbeziehungen. Teilweise fand ich die Themen gut umgesetzt, und es gab einige ergreifende Szenen, doch im Ganzen konnte mich der Roman nicht ganz überzeugen. Die drei Erzählstränge endeten für mich ein wenig lose, zudem war mir die Geschichte zu handlungsarm und enthielt viele langatmige Passagen.
- Izabelle Jardin
Bernsteintränen
(86)Aktuelle Rezension von: blaufrauKurz zusammengefasst:
Junge Karrierefrau (Nicola) wird in die polnische Provinz geschickt, landet nach Autopanne bei einem sexy Landarzt (Marcin) und verliebt sich sofort.
Zufällig wohnt er im Nebengebäude des Guthofs, den sie als Gewerbestandort kaufen soll.
Zufällig findet sie im maroden Keller des Hauptgebäudes die Briefe einer ehemaligen Gutshaustochter aus dem Zweiten Weltkrieg, in denen von der großen Liebe zu einem jungen Zwangsarbeiter in den letzten Kriegstagen erzählt wird.
Zufällig erfährt sie später, daß der Gutshof einmal ihrer Familie bzw. der ihrer Großmutter gehörte. (Diese Großmutter hatte sie offenbar vorher jahrelang nicht besucht und sich nie mir ihr länger unterhalten.)
Zufällig stellt sich heraus, daß es ausgerechnet ihre Großmutter war, die die Briefe geschrieben hatte.
Nach einigem Hin und Her kommen der Landarzt und Nicola zusammen, ganz große Liebe.
Er stellt sie seiner Familie vor und - Überraschung: sein Opa ist die große Liebe ihrer Großmutter aus o.g. Tagebuch.
Natürlich lehnt sie infolgedessen die ihr angebotene Beförderung ab, zieht zu Marcin und ihre Oma zu seinem Opa. - Blanca Imboden
heimelig
(34)Aktuelle Rezension von: julestodoIch war skeptisch, ob ich dieses Buch mögen würde. Die Situation mit meinen in die Jahre gekommenen Eltern hat mich sehr belastet. Dann habe ich es doch angefangen und habe sehr viel Hoffnung daraus geschöpft.
Nelly fühlt sich von ihrer Tochter abgeschoben ins Altersheim. Sie hat dort viele Leute um sich, und auch sympathische und weniger sympathische Menschen. Ihre Tochter kommt immer nur kurz zum Besuch, aber ihre Enkelin ist einfach nur toll! Wie die sich um ihre "Grosi" kümmert und was für Gespräche die beiden führen, das hat mich fasziniert.
Mehr möchte ich nicht verraten, möchte jedem die Lesefreude lassen!
Eine absolute Leseempfehlung für Menschen mit Herz!
- Annabel Chase
Spellbound - Der Zwerg im Glassarg
(30)Aktuelle Rezension von: _Dark_Rose_Achtung: Band 3 einer Reihe, unabhängig lesbar.
Im Wald von Spellbound wird ein Glassarg gefunden, darin ein Zwerg. Ja, es klingt, als hätte da jemand seine Märchen durcheinander gebracht, aber die Sache ist ernst, denn Emmas Freundin Sophie wird beschuldigt, den Zwerg verflucht zu haben – was sie auf keinen Fall getan hat! Das interessiert allerdings den Polizeichef von Spellbound herzlich wenig.
Emma muss also wieder einmal auf eigene Faust ermitteln – und das dieses Mal in der Dating-Szene von Spellbound.
In diesem Band der Reihe erfährt Emma einiges über ihre Vergangenheit, ihren Zirkel und ihre Kräfte. Das fand ich sehr interessant, vor allem weil da manches aus Band 2 wieder aufgenommen wurde.
Emma ist mir nach wie vor sympathisch, allerdings geht sie mir mit ihrer Schwärmerei für Daniel mehr und mehr auf die Nerven. Das empfinde ich als zu wiederholend. Er ist soooo gut aussehend, soooo toll, aber das wird nie etwas werden. Aber trotzdem ist er soooo gut aussehend und soooo toll, aber … - ihr merkt, was ich meine.
Und weil Daniel versucht, Wiedergutmachung für frühere Verfehlungen zu leisten, kreuzen sich ihre Wege noch mehr als zuvor, was dann wiederum die Wiederholungen zunehmen lässt.
Witzig war die Spellbound-Dating-Szene. Hier ergaben sich manche interessante Dinge – ich will nicht spoilern, deswegen muss ich wage bleiben. Aber Emma muss auch grauenvolle Dates durchstehen, für die sollte sie meiner Meinung nach schon Schmerzensgeld verlangen.
Die Fälle in diesem Band gefielen mir sehr gut und auch ihre Auflösung – vor allem, weil es hier ein paar Überraschungen gab.
Fazit: Obwohl mir dieser dritte Band der Reihe wieder sehr gut gefallen hat, werde ich die Reihe erst einmal pausieren. Ich merke, dass mir Emma mit ihrer Verliebtheit in Daniel zunehmend auf den Geist geht. Da wiederholt sich für mich zu viel. Sie schwärmt und schwärmt und schwärmt, aber da er ja nicht mehr datet, führt es zu nichts, was sie aber nicht vom Schwärmen abhält.
Bei diesem Band gefielen mir die Fälle ausnehmend gut und ihre Auflösung erstrecht!
Von mir bekommt das Buch 4 Sterne.
- Anne-Gine Goemans
Honolulu King
(24)Aktuelle Rezension von: aba"Als Hardy Hardy schließlich sprach, wünschten alle aus tiefstem Herzen, er hätte den Mund gehalten."
Hardy Hardy (ja, so heißt er wirklich) betreibt einen kleinen Laden in Harlem. Eigentlich ist das ein "Toko", eine Art Kiosk mit Imbiss, wie es davon viele in Indonesien gibt. Denn Hardy ist ein sogenannter "Indo", ein Indonesier niederländischer Abstammung. In Indonesien und auch später in den Niederlanden Teil einer Minderheit.
Sein richtiges Zuhause war seine Ehefrau, mit der er viele glückliche Jahre verbrachte, und mit der er eine einzige Tochter hat, die sich aber für ihren Vater schämt, und eine Enkelin, die gern an seiner Seite ist.
Hardy beschäftigt sich auch mit hawaiianischer Musik, lange Zeit hat er in einer Band gespielt, die "Honolulu Kings", die mit einem "One-Hit-Wonder" zu einer flüchtigen Berühmtheit geworden sind. Aber da ist noch etwas, was Hardy beschäftigt: das Schicksal der Indonesier, die in den Niederlanden leben. Er fühlt sich dazu verpflichtet, zu sorgen, dass diese Menschen zu Wort kommen. Aber warum? Was treibt ihn dazu? Was hat er erlebt, was getan? Oder nicht getan?
Anne-Gine Goemans hat mit Hardy eine Figur geschaffen, die mir ans Herzen gewachsen ist.
Hardy leidet so viel. Er verliert allmählich sein Zuhause, er fühlt sich nicht mehr zu irgendwas dazu gehörig. Der Grund ist die Demenz, an der seine Frau leidet. Mit jedem Tag, der vergeht, entfernt sie sich mehr und mehr von ihm, sie lässt ihn allein, allein mit seinen Problemen, mit dem Toko, den sie zusammen aufgebaut und betrieben haben, mit der Musik.
Bis in die 40er Jahre war Indonesien eine niederländische Kolonie. Vieles, was in dieser Zeit passiert ist, ist den Meisten unbekannt. Zum Beispiel die Zeit, als Indonesien von den Japanern im Zweiten Weltkrieg okkupiert wurde. Sogar viele Niederländer sind sich nicht darüber bewusst, wie ihre Landsleute darunter gelitten haben. Hardy dokumentiert dieses Stück Geschichte, verleiht den Opfern eine Stimme und gibt den Tätern ein Gesicht.
Anne-Gine Goemans hat mich unterhalten und tief berührt. Hardy und seine Sehnsucht nach seiner Frau, seine alten Freunde, der Imbiss als letzte Bastion im Kampf gegen die Ungerechtigkeit der Japaner… Am Ende zieht die Autorin ein As aus dem Ärmel und sorgt auf diese Weise für eine unglaubliche und schockierende Wendung, die alles, was man vorher gelesen hat, in Frage stellt und mich wirklich überrascht und so lange beschäftigt hat, dass ich mit fast jedem, den ich kenne, darüber sprechen musste.
Tokos in den Niederlanden und auf niederländischen Inseln kenne ich zuhauf. Aber nach dem Lesen dieses Buches werde ich bei jedem Besuch eines Tokos etwas mehr Zeit darin verbringen und an Hardy denken. - Matthew Costello
Cherringham - Ein frostiges Verbrechen
(16)Aktuelle Rezension von: Chrissy87Sarah und Jack helfen bei einem Schneesturm einem verwirrten alten Mann der aus einem Seniorenwohnheim verschwunden ist. Als dann ein weiterer Bewohner tot im Wald gefunden wird, beginnen die beiden zu ermitteln und was sie dabei entdecken ist erschreckend.
Da ich den Winter und Schnee mag, fand ich die Beschreibung des Schneesturms und allem was dazu gehört sehr schön (außer dem Toten natürlich).
Der Fall an sich war anfangs eher unspektakulär, aber dafür hatte es das Ende umso mehr in sich. Das in dem Seniorenwohnheim etwas faul war, war einem eigentlich klar, aber was dann tatsächlich dahinter steckte, war schon erschreckend.
Alles in allem wurde ich wie immer gut unterhalten und Jack und Sarah muss man einfach mögen.
- Arezu Weitholz
Wenn die Nacht am stillsten ist
(66)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannWelche Fragen stellt das Leben, gibt es so etwas wie einen Sinn jenseits religiöser oder spiritueller Stützen? Welche Bedeutung kommt dabei Beziehungen, Freundschaften zu? Oder sind wir schlussendlich auf uns selbst zurückgeworfen? Allein … und damit einsam, trotz der wuselnden Menschenschaar um uns herum. Große Gefühle zerschellen an der Ignoranz der anderen und kleine Gefühle gehen grad gleich unter – wenn wir nicht in der Lage sind innezuhalten. Und stattdessen vergänglichem Ruhm und dem schnöden Mammon hinterherhecheln – und sei es auf Kosten der Mitmenschen.
Zunächst in Selbstgesprächen, nach einem nicht gleich einzuordnenden Zwischenfall, in Rückblicken und Reflexionen wird einer Beziehung hinterhergespürt, die voller Verletzungen und Selbstaufgaben begleitet war. Die monologisierende Form im Du-Modus ist drastisch, abrechnend, hoch-emotional, da sie den einen, den eigenen verletzten Blick enthält, auch wenn der Blick(-winkel) des Gegenübers mitgedacht wird; dieser kann allerdings nicht bestätigt oder verworfen werden. Es gibt keine Antwort … Gerade die ersten Seiten des Romans von Arezu Weitholz (aber auch die folgenden) setzen sich mit der Fragilität des Lebens auseinander und der Frage: Wozu?
Ein „Aus“, hingeschmissen als ein fragmentierter Satz, aus einer Verletzung geboren und so weitergereicht. Können wir lieben oder beschränkt sich diese Liebe letztlich nur auf uns selbst? Die „Psycho-Mechanik“ hinter diesen Fragen wird ergründet, und zwar auf sehr persönliche Art. Man kann davon ausgehen, dass hier zumindest Teile des Lebens der Autorin eingeflossen sind. Insofern treffen sie ins Mark, geben gleichzeitig Raum für eigene Beziehungserfahrungen und kritischer Selbstreflexion. Es kann doch nicht sein, dass alles nur Kampf ist oder gar Krieg.
Der Roman spielt auf drei wesentlichen Schauplätzen, einer Zeitschriftenredaktion (mit all den eigenverliebten Personen), einem Beziehungsraum (der eher einer Dramenbühne ähnelt) und einer Seniorenresidenz (in der letzte Fragen nach einer Antwort suchen). Es ist ein Beziehungsroman – aber nicht nur, gleichzeitig wirft er einen Blick in eine Welt des Scheins, in der es ohne Verletzungen, gleich welcher Art, nicht ausgeht. Wie kann man in dieser Welt bestehen? Zeit, den hier aufgeworfenen Fragen weiter nachzugehen.
- Fannie Flagg
Grüne Tomaten
(188)Aktuelle Rezension von: pardenTOWANDA!
Am Abend ihres Lebens ist Ninny oft einsam. Während die anderen Bewohner des Pflegeheims zumindest ab und zu Besuch bekommen, wartet sie vergeblich. Das ändert sich, als sie die unscheinbare Evelyn kennenlernt und sich mit ihr anfreundet. Bald lädt Ninny sie ein, mit ihr in die Vergangenheit zu reisen, nach Whistle Stop, Alabama. Dort hielten die Menschen noch zusammen, wenn es darauf ankam. Herz des Ortes war das Café von Idgie und Ruth. Hier musste niemand bezahlen, der es nicht konnte, und auch füreinander waren die Freundinnen immer da - besonders, als Ruth gewalttätiger Ehemann auftauchte... (Verlagsbeschreibung)
Dieser Roman lag bei mir sträflich lange auf dem SuB - nicht weil ich Sorge hatte, dass er mir nicht gefallen könnte, sondern weil ich das Schöne immer noch ein wenig vor mir herschieben wollte. Denn ich war mir sicher: das Buch zum Lieblingsfilm kann einfach kein schlechtes sein. Der Film - seinerzeit im Kino erschlichen, nachdem eine Freundin und ich etwas enttäuscht aus einer anderen Vorführung kamen und kurzerhand einfach den Kinosaal wechselten ohne für den weiteren Film zu zahlen. Und wie fasziniert wir waren! Wir rannten im Anschluss in der Nacht durch die Straßen und riefen lachend: "Towanda!" Diesen Eindruck immer noch lebendig vor Augen begab ich mich nun endlich an die Lektüre.
Natürlich legt ein Film eigene Schwerpunkte und setzt eine Romanvorlage nicht 1:1 um - das weiß man ja schon von anderen Titeln her. Glücklicherweise blieb hier eine Enttäuschung aus, denn oft ist es ja so, dass man das eine mag, das andere dann aber nicht. Ja, das Buch ist anders als der Film, aber vieles habe ich wiedererkannt und mich darüber gefreut. Auch der Roman berührt, wenn auch knapper und distanzierter als der Film, weil er breitgefächerter vom Leben in Whistle Stop, Alabama berichtet. Im Buch wird eine ganze Bandbreite von Menschen vorgestellt, die die Hauptcharaktere teilweise zumindest für kurze Zeit in den Hintergrund treten lassen. So manches Mal fragte ich mich auch, wer derjenige überhaupt nochmal war. Aber der gesamten Stimmung tat dies keinen Abbruch. Zum Glück.
Im Roman zieht sich ein klarer Aufbau durch: es gibt abwechselnd eine kleine Zeitungsnotiz rund um das Leben in dem winzigen Örtchen Whistle Stop, Alamama, ab 1929, dann folgen Episoden aus der Gegenwart im Pflegeheim in Birmingham, Alabama, ab 1986, in denen Mrs. Cleo Threadgoode erzählt und dabei ihre Zufallsbekanntschaft Evelyn Couch in die Vergangenheit entführt, und schließlich gibt es längere Rückblenden in die Vergangenheit in Whistle Stop, die aus einer auktorialen Erzählperspektive heraus präsentiert werden. Während die längeren Rückblenden die Handlungen einer Person länger verfolgen, dienen die kurzen Zeitungsnotizen dazu, die Verhältnisse in dem kleinen Örtchen allgemein zu präsentieren ohne auf jemanden im Speziellen einzugehen - außer vielleicht auf den trotteligen Ehemann der Verfasserin. Was jedenfalls recht amüsant ist.
Der Wildfang Idgie Threadgoode und ihre ruhige Partnerin Ruth Jamison sind die Betreiberinnen des Cafés in Whistle Stop, in dem sich der ganze Ort trifft und in dem auch die Obdachlosen und die Schwarzen ihre Mahlzeiten erhalten, auch wenn das einigen Weißen und dem Ku-Klux-Klan bitter aufstößt. Aber die beiden Frauen haben eben ihre ganz eigene Messlatte, und vor allem Idgie hat keine Mühe damit allen klar zu machen, dass sie es gewohnt ist das zu tun was sie will und für richtig hält, und dass sie sich von niemandem etwas vorschreiben lässt. Neben dem Barbecue sind es u.a. die Grünen Tomaten, für die das Café über die Grenzen von Whistle Stop hinaus bekannt ist, abgesehen mal von der Großzügigkeit der Betreiberinnen. Vor allem Idgie Threadgoode in ihrer unangepassten aber kompromisslos loyalen Art wächst einem von Anfang an ans Herz.
In der Gegenwart sind es Ninny Threadgoode, die Schwägerin von Idgie, und Evelyn Couch, die einem allmählich näher kommen. Dabei erscheint Evelyn zunächst unnahbar, wenngleich auch unglücklich und ratlos, da sie mit ihrem eintönigen Leben hadert. Wechseljahre, so die gnadenlose Diagnose von Ninny Threadgoode, die in ihrem 86jährigen Leben schon alles gesehen hat. Sie ahnt jedoch nicht, wie weit die überdrüssigen und lebensmüden Gedanken von Evelyn gehen. Evelyn begleitet ihren Mann allwöchentlich ins Altersheim zu ihrer Schwiegermutter, doch da besteht wechselseitig keine besonderen Zuneigung, weshalb Evelyn ihre Zeit lieber mit Schokoriegeln und süßen Getränken totschlägt. Bis sie Ninny kennenlernt und Selbstwertgefühl und Lebensmut allmählich wieder zunehmen. Towanda sage ich nur! Eine Lieblingsszene in Film und Buch!
Hach, ich mag den Roman einfach, das behutsame Eintauchen in die vergangene Welt in Alabama, die liebenswerten Figuren, arm aber voller Menschlichkeit, die Erzählung von Ninny Threadgoode, die positive Entwicklung von Evelyn. Eine Geschichte über moralische Werte gegen Vorurteile und Zuschreibungen, über Liebe, Mut und Loyalitäten, voller Wärme und Humor. Ein Herzensbuch.
Alt? Ja. Immer noch schön? Unbedingt. Lesen!
© Parden
- Susanne Fröhlich
Heimvorteil
(67)Aktuelle Rezension von: Mo_Na2In „Heimvorteil“ begleitet man Jutta – 68, verwitwet, Rentnerin und Mutter von drei erwachsenen Kindern – auf einer leisen, aber sehr bewegenden Reise zurück ins eigene Leben. Seit dem Tod ihres Mannes lebt sie eher in den Tag hinein. Einsamkeit und Langeweile nagen an ihr und die Kinder schauen zwar vorbei, aber oft mit einem Blick, der einen gewissen Eigennutz nicht ganz verbergen kann – immerhin steht da ein abbezahltes Haus.
Mutig fasst sich Jutta ein Herz und beginnt mit dem Kraulen. Dort trifft sie auf Fritzi, eine lebensfrohe Schwimmlehrerin, die frischen Wind in Juttas grauen Alltag bringt. Und während Jutta sich Schritt für Schritt öffnet, kommen die Kinder mit dem Vorschlag um die Ecke, sie ins Heim zu geben – schließlich vergesse die Mutter ja so viel. Für Jutta Grund genug, sich selbst auf die Suche nach Alternativen zu machen.
Was dann folgt, ist eine wunderbare Mischung aus Abenteuer und Selbstfindung: Probewohnen im tschechischen Altersheim, Besuche in Alters-WGs, neue Bekanntschaften – und immer an ihrer Seite Fritzi, die Mut macht, motiviert und manchmal auch einfach nur mitreist. Jutta, die aus ihrer Ehe gewohnt war, sich zu fügen und bestimmen zu lassen, findet langsam ihre eigene Stimme. Und genau diese Entwicklung hat mich beim Lesen sehr berührt.
Ich konnte Juttas Gedanken und Zweifel sehr gut nachempfinden. Viele Stellen regen zum Nachdenken an – über das Älterwerden, über Unabhängigkeit und darüber, wie schnell Kinder Eltern bevormunden, ohne es zu merken. Fritzi bringt genau die richtige Portion Pepp in die Geschichte.
Was mir ein bisschen gefehlt hat, war das Ende. Ja, es ist schön – aber mir ging es zu schnell, zu abrupt und ein Blick in die Zukunft von Jutta hätte der Geschichte richtig gutgetan. Da bleiben am Schluss einfach ein paar Fragen offen.
Trotzdem: Ein sehr berührendes, ehrliches und warmherziges Buch über Mut, Freundschaft, Neubeginn und den Wert von Selbstbestimmung – egal in welchem Alter. - Frédéric Zwicker
Hier können Sie im Kreis gehen
(48)Aktuelle Rezension von: AchtsamkeitDer Protagonist kommt mit 91 Jahren in ein Altersheim. Diagnose: fortschreitende Demenz. Nur ist die Demenz von ihm nur vorgetäuscht. So beobachtet er genau seine Mitinsassen, das gesamte Geschehen auf der Pflegestation. Dabei erinnert er sich an vergangene Jahre. Das Buch regt zum Schmunzeln an, aber berührt auch sehr. - Karin B. Holmqvist
Das fabelhafte Haus des Glücks
(19)Aktuelle Rezension von: Karin_FortinMargit und Alma sind Nachbarinnen, seit sie denken können. Seit Jahren besuchen sie sich gegenseitig und verbringen viel Zeit in trauter Zweisamkeit.
Als die Gemeinde ihre Häuser zwangsenteignen will, werden die beiden vorübergehend in ein Seniorenheim einquartiert.
Von da an geht die Post ab. Die beiden machen einen Computerkurs, schalten eine Kontaktanzeige und legen sich mit der Heimleiterin an. Mehr verrate ich euch aber nicht Spoilergefahr!!!!
Ein erfrischendes Lesevergnügen. Oftmals habe ich herzlich gelacht über die Ausdrucksweise der beiden. Da ich selbst mit Senioren arbeite, konnte ich mir das alles sehr gut vorstellen und auch nachvollziehen.
Die beiden gehören jedenfalls noch lange nicht zum alten Eisen.
- Anne Gesthuysen
Mädelsabend
(94)Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerinRuth und Walter sind seit knapp 65 Jahren verheiratet und wohnen seit Kurzem in einem Seniorenstift bei Xanten. Während Ruth nach einem Unfall zu Hause dort regelrecht aufblüht und ihre neu gewonnen Freiheit sowie die sozialen Kontakte genießt, möchte Walter wieder zurück in seine gewohnte Umgebung und Ruth wie schon seit jeher bevormunden.
Sara, die ein enges Verhältnis zu ihren Großeltern hat, sieht sie dort gut aufgehoben. Sie selbst ist Ärztin, derzeit in Elternzeit und glücklich mit Sohn Paul und ihrem Lebensgefährten Lars. Als sie ein Angebot für ein Stipendium in Cambridge erhält, muss sie sich entscheiden, ob sie für ihr berufliches Vorankommen ihre kleine Familie gefährdet.
Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden weiblichen Hauptfiguren Ruth und Sara geschildert. Neben der gegenwärtigen Handlung gibt es Rückblenden in die Vergangenheit, die Aufschluss über das Eheleben von Ruth uns Walter geben, die 1953 geheiratet haben.
Die Geschichte spielt am Niederrhein und sprüht vor Lokalkolorit und Liebe für die Figuren. Gerade die älteren Charaktere haben ihren ganz eigenen Charme und gestalten die Geschichte lebendig.
Wie die Autorin in ihrer Danksagung erwähnt, ist die Geschichte aus dem Leben gegriffen und wirkt trotz manch skurriler Einfälle lebensecht und authentisch.
Neben dem Älterwerden geht es insbesondere um Beziehungen und Partnerschaft, Rollenbilder sowie Selbstverwirklichung, Emanzipation und dem Wunsch nach Freiheit. Dabei wird der Wandel der Gesellschaft und die Stärkung der Frauenrechte plastisch durch die Ehe von Ruth und Walter sowie die Beziehung von Sara und Lars dargestellt. Die unterschiedlichen Generationen stehen auch für die unterschiedlichen Vorstellungen von Ehe. Obschon patriarchale Strukturen oder gar Gewalt in Beziehungen gegenwärtig keinen Platz mehr haben, ist es dennoch für Frauen schwer, für ihre Wünsche einzustehen und Familie und Beruf zu vereinbaren.
Die Charaktere sind nahbar und ihre inneren Konflikte sehr gut nachzuempfinden. Sara kämpft mit einem schlechten Gewissen, während Ruth gegen ihren Mann aufbegehrt. Trotz aller Fortschritte in Sachen Emanzipation ist es für beide schwer, Entscheidungen zu treffen und zu ihnen zu stehen.
Die Geschichte beschreibt ernste Themen auf humorvolle Weise. Sie ist ein ehrliches und warmherziges Porträt über den Wandel der Ehe im Verlauf der letzten Jahrzehnte, über die Fortschritte, die errungen wurden, aber auch die Notwendigkeit eines alltäglichen Kampfes zum Erhalt dafür.
- Hendrik Groen
Tanztee
(33)Aktuelle Rezension von: Anfri1990In "Tanztee" erzählt Hendrik Groen bereits zum zweiten Mal von seinem mal mehr und mal weniger geruhsamen Leben in einem Amsterdamer Altenheim. Dabei berichtet er mit einem Zwinkern, einer Träne und gelegentlich auch mit Unverständnis vom Umgang mit den anderen Heimbewohnern und den großen und kleinen Abenteuern mit seinen Freunden. Doch auch der Verlust von Freunden und Geliebten bleibt nicht unerwähnt.
Hendrik Groen beschreibt sehr gut und einfühlsam das Leben und den Alltag eines älteren Menschen, der trotz seines Lebens im Heim versucht, aktiv zu bleiben. Er schildert nachvollziehbar die Probleme, die Ältere haben sich in die moderne Gesellschaft einzufügen, hat aber dennoch ein Kopfschütteln für die allzu verbohrten Zeitgenossen über.
Dieses Buch empfehle ich allen, die gerne über das Leben Anderer lesen, aber dabei nicht auf ein gelegentliches Schmunzeln verzichtet wollen.























