Bücher mit dem Tag "anarchie"
44 Bücher
- Marc Elsberg
BLACKOUT - Morgen ist es zu spät
(1.616)Aktuelle Rezension von: OHanfEin gut geschriebener Thriller der es schafft den Leser in eine intensive Endzeit Athmosphäre zu versetzen. Terroristen legen das halbe Globale Strom lahm und die Welt versinkt im Chaos. Sehr gut dargestellt und erzählt vor welchen Problematiken die Welt in so einem Fall steht. Der Verfall der Emphatie und Menschlichkeit weil Menschen Gruppensozial verkommen sind wenn es an die eigene Suppe geht. Muss man nur mal auf Facebook schauen da braucht es keine grossen Gründe!
Ich war auf jeden Fall von Marc Elsberg wieder mal gut unterhalten. Was ich nicht so ganz bei 540 Seiten verstanden habe warum die Agressoren in der Geschichte fast garnicht vorkamen eigentlich auf den letzten 20 Seiten beim zweiten Showdown. Fand ich schade da hätte man anstatt der etwas vielen Randdramen lieber die Agressoren in verschiedenen Kapiteln einbauen können das hätte für mich absolut Mehrwert gehabt. Auf jeden Fall trotzdem lesenswert!
- Jonas Jonasson
Die Analphabetin, die rechnen konnte
(732)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannZunächst ein großes Kompliment an die Übersetzerin. Es war sicher nicht einfach, diesen spielerischen Umgang mit Sprache, diese teils aberwitzigen und skurrilen Vorgänge, so zu übertragen, dass diese auch im Deutschen ihre gewünschte Wirkung entfalten. Es ist ein Genuss, diesen teils versteckten oder hintersinnig eingestreuten realen Bezügen in einer ansonsten doch sehr abgedrehten Story zu folgen.
Die Geschichte entfaltete ihren Reiz auch dadurch, dass die historischen Personen beim Namen genannt werden und das politische Geschehen in eine Lebenswirklichkeit hineingezogen wird, die die Distanz zu diesen Geschehnissen nicht nur verringert, sondern tatsächlich auch menschlicher und damit verstehbarer machen – unabhängig davon, ob sie sich so oder so oder auch ganz anders abgespielt haben. Diese indirekten Anspielungen fordern geradezu nach Weiterdenken heraus. Es fällt leicht mit der „guten Seite“ zu sympathisieren (wer möchte nicht gerne, trotz aller Hindernisse, so souverän durchs Leben gehen?), wobei die „böse Seite“ durchaus auch ihren Charme hat. Es gibt also ausreichend Raum, bei guter Unterhaltung, die eigenen Gedanken spazieren zu führen.
Da das Elend dieser Welt im Moment zuzunehmen scheint, kommt eine solche Geschichte gerade recht. Nicht als „Erlösungsgeschichte“, sondern als augenzwinkernder Hinweis: Nimm das Leben wie es kommt und mache das dir Mögliche daraus.
(19.11.2018)
- Margarete Stokowski
Untenrum frei
(276)Aktuelle Rezension von: Trishen77„Haben wir die Fesseln der Unterdrückung längst gesprengt, oder haben wir nur gelernt, in ihnen shoppen zu gehen?“
Man könnte das ganze Buch von Margarete Stokowski – das in 7 Kapitel unterteilt ist, von denen jedes in sich abgeschlossen ist und als Einzeltext gelesen werden kann – als eine lange, ausführliche, von verschiedenen Seiten beleuchtete Antwort auf eine einzige Frage lesen: Warum Feminismus?
Das wäre selbstverständlich eine stark verknappte Zusammenfassung. Natürlich schleift diese Frage einen Rattenschwanz von weiteren Fragen hinter sich her: Was ist Feminismus? Wie wirken sich feministische Positionen auf das eigene Leben aus, wie stellt sich eine unter feministischen Gesichtspunkten betrachtete Wirklichkeit dar? Inwiefern hängen Feminismus und Gendertheorie zusammen? Ist Feminismus grundsätzlich solidarisch mit allen anderen Anti-Diskriminierungsbewegungen? Was will der Feminismus erreichen?
All diese Fragen bindet Stokowski ein und es wird schnell ersichtlich, dass es ihr nicht um einen Feminismus spezieller Prägung, sondern um Feminismus als Ausdruck und Sammelbegriff einer generellen Unzufriedenheit mit den hierarchischen, determinierten, unverhältnismäßigen & ungerechten Gesellschaftsverhältnissen, Normen und Vorstellungen geht, dessen Hauptanliegen und Ziel die Freiheit beim Ausleben der eigenen Persönlichkeit und der Ausformung der eigenen Identität ist (solange dies nicht die Freiheit eines anderen Individuums oder einer Gruppe einschränkt).
„Es geht um die kleinen, schmutzigen Dinge, über die man lieber nicht redet, weil sie peinlich werden könnten, und um die großen Machtfragen, über die man lieber auch nicht redet, weil vieles so unveränderlich scheint. Es geht darum, wie die Freiheit im Kleinen mit der Freiheit im Großen zusammenhängt, und am Ende wird sich zeigen: Es ist dieselbe.“
Ich werde nicht müde, Camus zu zitieren, der einmal in seinen Cahiers angemerkt hat, dass alle größeren Konflikte der Menschheit letztlich Kämpfe um Privilegien waren und sind. Noch immer sind die Privilegien auf dem Planeten ungleich verteilt, in jeglicher Hinsicht. Hauptsächlich, weil die Menschen die mehr Privilegien haben nicht bereit sind, einen Teil davon abzugeben, damit irgendwann alle dieselben Privilegien genießen können.
Rebecca Solnit hat in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ eindrucksvoll geschildert, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung immer noch vom anderen Teil unterdrückt wird. Frauen (und als Frauen definierte oder so wahrgenommene Personen jedweden/r Geschlechts/Genderbezeichnung) üben lediglich 10% der Gewalttaten aus, sind aber selbst häufig Opfer von Gewalt, speziell von sexueller Gewalt. Auch in Deutschland hat mindestens jede vierte Frau einmal sexuelle Gewalt erfahren.
Es gibt in Deutschland und generell in Westeuropa vielleicht keine Zwangsheiraten mehr und keine gesetzlich verankerte sexuelle Repression. Aber immer noch sind unsere Systeme und Vorstellungen von repressiven und problematischen Geschlechterbildern durchdrungen. Das beginnt schon in den banalsten alltäglichen Wortverwendungen, wird deutlich in der pornogeprägten Sexualsprache (z.B.: wenn man in vielen Kontexten bei Frauen von schmutzigen, statt schlicht von sexuellen Phantasien spricht), aber letztlich springt uns diese Problematik überall entgegen. Stokowski spricht in einem Kapitel von einer Studie, bei der den Testpersonen Aussagen vorgelegt wurden, die entweder aus Männermagazinen entnommen waren oder von verurteilten Vergewaltigern stammten.
„Die Testpersonen waren nicht fähig zu unterscheiden, welche Sätze aus Männermagazinen stammen und welche von Vergewaltigern. Ja, sie fanden sogar die Aussagen aus den Magazinen tendenziell herabwürdigender.“
Stokowskis Buch ist aber nicht bloß eine gute Darstellung solcher systemimmanenter Diskriminierungen und Idiotien, sondern auch das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der eigenen Entwicklungsgeschichte, von der Bravolektüre bis zum Beziehungsalltag als Erwachsene. Die Kapitel beginnen fast immer mit einem Erlebnis aus ihrer eigenen Biographie und sind von solchen Selbstausleuchtungen mal mehr, mal weniger durchzogen. Klug und überzeugend knüpft sie mit Biographischem an größere Zusammenhängen an. Ihre Prosa hat eine coole Dynamik, ist eine bestechende Mischung aus fachlich Gediegenem und genauestens Durchdachtem, tiefergehenden Selbstzeugnissen und hingerotzten und herbeizitierten Klarstellungen. Sie nimmt letztlich keine hohe Warte ein, doziert nicht, sondern begegnet ihren Leser*innen auf Gesprächsniveau, verständnisvoll und unversöhnlich zugleich.
Stokowski spricht davon, wie sie selbst lange nicht glaubte, dass Feminismus wichtig ist oder sich zumindest nicht genauer mit ihm auseinandersetzte. Bis sie begriff, was das mit uns macht, wenn wir die gesellschaftlichen Rollen, in die wir gesteckt werden (auch wenn wir nicht glauben, dass wir uns in ihnen durch die Welt bewegen), nicht hinterfragen. Wenn wir uns nicht mit ihnen auseinandersetzen. Dann gibt es sie trotzdem, dann machen sie trotzdem etwas mit uns.
„Wir stecken viel Energie in die Rollen, die wir spielen, weil wir glauben, dass alles eine Ordnung haben muss und so viel anders auch gar nicht geht. Wir geben uns Mühe, die wir oft kaum bemerken, weil sie so alltäglich geworden ist. Und auch, weil es leichter ist, sich an vorhandene Muster zu halten.“
Sie spricht über ihre eigenen Erfahrungen mit Sex, Bildung, Sozialgefügen, etc. und schafft es, dabei sowohl die menschliche als auch theoretische Ebene konkret herauszuarbeiten, hervorstechen zu lassen – ein bemerkenswerter Balanceakt, den man ihr als Unentschlossenheit, als Makel ankreiden könnte. Doch dann würde man ignorieren, wie nachdrücklich dieses Buch Dinge auf den Punkt bringt, wie versiert und uneitel es sich innerhalb dieser komplexen Themen bewegt und wie weit es sich an manchen Stellen den Leser*innen öffnet.
„Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern aufzuzeigen wirkt manchmal so, als wolle man die Gräben zwischen ihnen vertiefen, obwohl man sie auf Dauer abschaffen will: Ein nerviges Dilemma, aus dem man nicht rauskommt, solange man Probleme beheben will.
Wir müssen zeigen, nach welchen Kriterien sich Reichtum und Erfolg, Gesundheit und Lebensdauer, Gewalt und Leid verteilen, wenn wir wollen, dass alle dieselben Chancen auf ein glückliches Leben haben – auch wenn oder gerade weil diese Kriterien das sind, was wir auf Dauer abzuschaffen versuchen.“
Ja, wir müssen, im Interesse aller, daran arbeiten, dass eine Gesellschaft, in der Gleichberechtigung nicht nur ein Vorsatz, sondern eine verwirklichte, gelebte Realität ist, entstehen kann und das heißt, dass einiges planiert, einiges platt gemacht werden muss. Dass einige Privilegien verschwinden und letztlich alle.
„Denn es gibt keine neutrale Sicht auf das Leben, und wir brauchen sie nicht. Wir brauchen Vielfalt – Vielfalt lehrt uns Freiheit.“
Margarete Stokowskis Buch hat mir seit langem mal wieder Mut gemacht; etwas in mir angefacht, dass an dieser Welt arbeiten, sie auf positive Weise mitgestalten will. Es ist ein Buch mit vielen Facetten und ich hoffe, ich habe keine von ihnen allzu sehr in der Mittelpunkt gerückt oder unter den Tisch fallenlassen.
Manches hat mich tief berührt, manches schockiert, manches hat meinen Horizont erweitert, manches meine eigenen Gedanken bestärkt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: am meisten hat mich beeindruckt, wie dieses Buch aufklärerlisch argumentiert, auf theoretischen Ebenen arbeitet und doch durch seine Direktheit, seine Sprache, eben nicht belehrt, sondern kommuniziert, ein Aufruf zum Dialog ist. Aufmerksamkeit erzeugt und nicht nur Wissen.
Solche Bücher braucht es. Bücher, in denen das Abstrakte und das Lebendige zusammenfallen. Die uns Zusammenhänge aufzeigen, Tatsachen vermitteln, die uns aber auch auffordern, in denen wir nicht einfach nur sichere und schweigsame Teilnehmer sein können, sondern die uns mit uns selbst, mit dem Schönen und Schlimmen in uns und um uns, konfrontieren. Bücher, die uns inspirieren.
„Sie sagen, dass wir von Hass getrieben sind, weil sie sich wundern, dass da Frauen mal keine Harmonie und Liebe versprühen, sondern Forderungen haben. Aber Wut ist nicht dasselbe wie Hass. Hass will Zerstörung. Wut will Veränderung. Hass ist destruktiv, Wut ist produktiv.“
Stokowski zitiert Susan Sontag mit den Worten: „Wir müssen lernen, mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr zu fühlen.“ Ich glaube, dass Literatur eine Schule des Sehens, des Zuhörens, des Hinhörens und Fühlens sein kann – „Untenrum frei“ hat es mir mal wieder gezeigt, mich darin bestärkt. Genauso wie Stokowski glaube ich daran, dass es wichtig ist
„hinter Sätze, die in Stein gemeißelt sind, ein Fragezeichen [zu] setzen.“
Dieses Buch setzt ein paar fette Fragezeichen und fügt meist noch ein fettes Ausrufezeichen hinzu. - Stephen King
In einer kleinen Stadt (Needful Things)
(642)Aktuelle Rezension von: LuliaIn der Kleinstadt Castle Rock eröffnet der charmante und mysteriöse Leland Gaunt einen Antiquitätenladen namens „Needful Things“ in dem jeder sein Lieblingsstück zu einem niedrigen Preis inklusive kleinen Streich erstehen kann, wodurch sich Castle Rock langsam in ein Pulverfass verwandelt, was nur noch von Sheriff Alan Pangborn aufgehalten werden kann. Die sehr stille Handlung weist vor allem in ersten Viertel einige Längen auf, die zäh wirken und das Erzähltempo stark abbremsen.
Bei den Protagonisten steht sowohl der manipulative Gaunt als auch der vom Leben gezeichnete Alan im Zentrum der Handlung, die sehr gegensätzlich dargestellt werden, was zu einer interessanten Handlungsdynamik führt. Nebenprotagonisten sind zahlreich vorhanden und tragen gekonnt zum Facettenreichtum der Handlung bei.
Wer stille Gruselgeschichten mit psychologischer Tiefe und markanten Charakteren mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist bildhaft, detailreich und von einem feinen Humor durchzogen.
Einziger Minuspunkt: Die zähen Passagen, vor allem im ersten Viertel, mindern den Lesespaß ein wenig.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - William Golding
Herr der Fliegen
(907)Aktuelle Rezension von: MilagroIch lese momentan einige Klassiker, dazu gehört auch dieser Roman, der 1954 erschienen ist. Ein paar Jungen, allein und unfreiwillig auf einer Insel, da ist rein gar nichts langweilig. Anfänglich suchen die Jungen nach Ordnung, später herrschen Gewalt und reines Chaos. Dazwischen kommt man gar nicht zur Ruhe. Bösartigkeit, Hass, nichts, was man einer Gruppe Schüler unterstellen möchte. Alle Emotionen prasseln auf den Leser ein. Man hechtet mit den Gejagten durch die Tiefe der Insel und fragt sich, ob sich die Situation tatsächlich so zuspitzen könnte. Das habe ich für mich bejaht. Sehr spannend erzählt, lohnt sich.
- Gudrun Pausewang
Die Wolke
(955)Aktuelle Rezension von: Perse- Details:
Ausgabe: Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 1987
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Verlag: Ravensburger
Genre: Jugendliteratur
Seitenanzahl: 223
- Inhalt:
Was niemand wahrhaben wollte, passiert: Deutschland erlebt einen atomaren Unfall. Die 14-Jährige Janna-Berta verliert ihre Familie und ist auf sich allein gestellt.
- Wie das Buch zu mir gefunden hat:
Das Buch hat mich über ein Verschenkeregal gefunden. Ich habe damals den Film im Schulunterricht gesehen und wollte schon immer das Buch dazu gelesen haben, jetzt habe ich es endlich getan...
- Meinung:
Das Thema dieses Buches ist unheimlich intensiv. Gudrun Pausewang erzählt die Geschichte klar, hart und absolut authentisch. Beim Lesen trifft einen der ungeschönte Realismus dieser Welt mit voller Wucht. Das Buch zeigt schmerzhaft, dass in unserer Gesellschaft und Politik eben nicht immer alles "Friede, Freude, Eierkuchen" ist.
- Fazit:
Zu Recht den Jugendliteraturpreis 1988 gewonnen. Dieses Werk gehört für mich zur Pflichtlektüre!
- Empfehlung:
Für alle, die qualitativ hochwertige Jugendliteratur suchen und/oder Fans von Gudrun Pausewang sind.
Eine Kauf- und Leseempfehlung von mir!
- Tipp:
Schaut euch den gleichnamigen Film von 2006 an.
- Lieblingszitate:
"Kein Ton von den Herren, die so gerne reden."
Prolog - Seite 7
"Versagen ist menschlich. Mit Versagen nicht zu rechnen, ist verantwortungslos und unmenschlich.''
Prolog - Seite 9
"»Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.«"
Kapitel 1 - Seite 23
"»Handeln Sie mit Verantwortungssinn!«"
Kapitel 2 - Seite 33
"Das also würde der neue Unterschied zwischen Arm und Reich sein."
Kapitel 8 - Seite 127
"»Die Leute fangen schon wieder an zu vergessen«,..."
Kapitel 10 - Seite 153
"»Menschen sind zu allem fähig«,..."
Kapitel 10 - Seite 154
- Marissa Meyer
Renegades - Gefährlicher Freund
(183)Aktuelle Rezension von: AlicaIch war sofort von dieser Geschichte begeistert und es hat mich einfach sofort gepackt.
Ich bin eigentlich nicht so der Typ der auf Superhelfen steht. Vielleicht hat mich auch gerade deswegen die Geschichte so gepackt? Es ist ja nicht diese 0/8/15 Geschichte. Es ist sehr interessant es auch von der "Bösen" Seite zu lesen und wie der Hauptcharakter dazu gekommen ist.
Würde die Geschichte jeder Zeit wieder lesen
- Michael Tietz
Rattentanz
(167)Aktuelle Rezension von: supersusiIch habe schon mehrere Bücher darüber gelesen, wie die Menschheit durch Stromausfall wieder in die Steinzeit katapultiert wird und Plünderungen, das Gesetz des Stärkeren, Mord und Totschlag herrschen und einige Menschen versuchen, ihre Werte beizubehalten und dennoch zu überleben (z.B. Blackout, the Stand). Dieses Buch ist mit seinen über 800 Seiten das zweitdickste.
Sehr spannend, sehr erschütternd und sehr erschreckend. Die Menschen verrohen sehr schnell und hätte man zu Coronazeiten den Kampf um Klopapier nicht miterlebt, würde man nicht glauben, dass die Menschen so schnell in puren Egoismus verfallen. Aber auch wenn das Buch die menschlichen Abgründe, den Schrecken, die Angst vor Vergewaltigung, Mord oder Verhungern und die Trauer um Kinder, Enkel, Familie und Freunde schildert, so ist es auch dennoch mit Humor geschrieben. Und es gibt immer wieder Hoffnung. Das Buch schreckt auch nicht davor zurück, zu zeigen, dass nicht nur böse Menschen die Oberhand gewinnen, sondern auch, wie Menschen mit Anstand und Moral in ihrer Verzweiflung im Kampf um´s Überleben töten, (fremde) Kinder zurücklassen oder zu Kannibalen werden. Alles in allem ein wahrer Pageturner und am Ende möchte man das Buch gar nicht weglegen, weil einem der Abschied von den Figuren, die man in ihrer schwersten Zeit begleitet hat, schwer fällt.
Zur Handlung : Flugzeuge fallen vom Himmel und es gibt keine Möglichkeit, Rettungsdienste und Feuerwehr anzurufen, da alle Telefone tot sind. Nach und nach dämmert es den Menschen im kleinen Dorf Wellendingen, dass der Strom ausgefallen ist. Keiner weiß, wann er wieder da ist. Was tun mit all den Leichen vom Flugzeugabsturz auf dem Acker ? Sie raufen sich zusammen und versuchen eine Lösung zu finden, damit keine Seuchengefahr entsteht oder das Grundwasser vergiftet. Eva, eine Krankenschwester arbeitet in der nächstgrößeren Stadt und erlebt, wie auf der Intensivstation alles drunter und drüber geht. Durch viele Verletzte (Ampeln fallen aus etc.) herrscht Chaos und im Laufe der nächsten Tage sind auch die Notstromgeneratoren alle. Sie versucht so lange wie möglich die Stellung zu halten und dann zu ihrer kleinen Tochter nach Wellendingen zu gelangen. Dies wird u.a. durch marodierende Banden erschwert. Ihr Mann ist z.Z. auf Geschäftsreise in Schweden und erlebt dort, wie alles zusammenbricht. Keiner ahnt, dass der Strom weltweit ausgefallen ist und so hofft man zunächst auf Hilfe von außerhalb. Die Geschichte hat mehrere Haupthandlungsstränge : Die Dorfbewohner, Eva, ihr Mann und "die Bösen". Immer wieder erschreckend, wie schnell letztere die Oberhand haben und brutal und ungestraft rauben, morden und vergewaltigen.
Besonders beeindruckt hat mich, wie der Autor das Stimmenhören eines Schizophreniepatienten schildert. Da ich in der Psychiatrie arbeite finde ich das durchaus realistisch, denn es gibt Patienten, die das so beschreiben. Auch das Delirium ist treffend beschrieben, denn auch der Alkohol ist irgendwann alle oder geplündert. Ich mag auch die Art, wie er die Charaktere beschreibt und trotz nur weniger Worte tun sich Abgründe auf oder man ist sofort im Bilde. z.B. S. 19 " Aber man mußte ihr immer wieder sagen, was, wann und in welcher Reihenfolge zu erledigen war. Auch im Bett." oder S.33 " Im Gegensatz zum größten Teil seiner Umwelt war er zutiefst davon überzeugt, dass er das war, was gemeinhin als toller Hecht bezeichnet wurde."
Alles in allem ein gelungenes Buch, sehr erschreckend und traurig, aber es zeigt auch, was man mit Zusammenhalt und Rückbesinnung auf alte Werte erreichen kann.
- Marissa Meyer
Renegades - Geheimnisvoller Feind
(96)Aktuelle Rezension von: Torsten78Nova hat es geschafft sich bei den Renegades einzuschleichen. Sie versucht möglichst viele Geheimnisse der Renegades zu erfahren. Dafür versucht sie immer mehr das Vertrauen der Renegades zu bekommen.
Dabei erkennt Nova, dass es durchaus auch gute Renegades gibt aber das hält sie nicht davon ab ihre Pläne weiter zu verfolgen.
...
Die vollständige Serienrezension findet sich hier:
https://www.torstens-buecherecke.de/renegades-serie/
- Josh Weil
Das gläserne Meer
(33)Aktuelle Rezension von: Christian_liestDima und Jarik sind unzertrennliche Zwillinge die auf dem Bauernhof des Onkels aufwachsen. Beide arbeiten in einem Gewächshaus "Oranzeria". Das gläserne Meer welches aufgrund reflektierender Spiegel geschaffen wurde um den ewigen Tag herzustellen. So wird sichergestellt das das Gewächshaus noch produktiver arbeiten kann. Schon bald verbindet die beiden nicht mehr das Abenteuer und die russischen Sagen sondern nur noch die Arbeit. Ihre Lebensläufe kläffen immer mehr auseinander, der eine als Erfolgreicher Geschäftsmann mit Frau und Kind, der andere Zwilling der dem ganzen hinterherhingt. Ein dicker Wälzer mit einem sehr schönem Cover und einem tollen Titel. Wenn man erst man den Schreibstil versteht und sich gewöhnt geht das Buch runter wie Öl. Die Geschichte ist schön detailliert und liebevoll geschrieben. Einige Wörter waren mir unbekannt, das ist aber das einzige Manko an dem Buch. Würde ich immer wieder lesen. - Richard Laymon
Das Inferno
(105)Aktuelle Rezension von: Thommy28Einen kurzen Blick auf das Geschehen ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:
Laymon - man liebt ihn, oder man hasst ihn....! Dieses Buch ist mal wieder typisch dafür. Wie schon in der Überschrift bemerkt gibt Isa kaum eine Grausamkeit, die der Autor auslässt. Dazu kommen die vielen sexuellen Anspielungen - da wippen haufenweise die Brüste vor den sabbernden Augen der Figuren. Es gibt viele verschiedene Handlungsstränge, die erst zum Finale hin zusammenlaufen. Logik sucht man hier vergebens - aber wer will schon Logik, wenn man einen Laymon liest.
Das Buch hat mir wieder sehr gut gefallen. Aber nach zwei Büchern des Autors in Folge ist jetzt erstmal eine längere Pause angesagt. Von dem Trip muss man dann erstmal wieder runterkommen.....!
- J. C. Vogt
Anarchie Déco
(52)Aktuelle Rezension von: DoschoIm Berlin des Jahres 1927 entdeckt die Physikerin Nike Wehner die Existenz von Magie. Zusammen mit dem tschechischen Künstler Sandor Černý geht sie daraufhin mysteriösen Mordfällen vor dem Hintergrund des politischen Spannungsfeldes der 20er-Jahre nach.
Der Plan des Autorenpaars Judith und Christian Vogt für ihren Roman „Anarchie Déco“ klingt ambitioniert. Physik, Politik, historischer Hintergrund und mit der Existenz von Magie auch Phantastik – das alles unter einen Hut bringen wollen klingt nach einem starken Stück Arbeit.
Zunächst liest sich das Ganze aber eher so, als wäre das Hauptziel, die persönlichen Interessen einzubringen. Die Handlung, die mehr Kriminalfall ist, der man eigentlich nur, weil Magie existiert, den Stempel „Fantasy“ aufdrücken dürfte, läuft mehr so nebenher. Dabei werden zahlreiche Themen angesprochen: Von Konferenzen renommierter PhysikerInnen, der Emanzipation der Frau, Feminismus, queere Themen, politische Themen und das historische Berlin – alles hat seine Daseinsberechtigung, ja, aber nicht alles bekommt den Raum, den es meiner Meinung nach verdient. Zudem wird man hier als Lesender nicht gefördert, sondern gefordert, heißt, man muss schon sehr viel mitbringen, um die ganzen Zusammenhänge und Hintergründe zu verstehen oder eben des öfteren mal nachschlagen. Hier wäre in meinen Augen weniger mehr gewesen, denn man wird von der Flut an angesprochenen Themen regelrecht erschlagen.
Zudem leidet darunter die Handlung, die hauptsächlich mal im letzten Viertel passiert und dann leider auch nicht viel mehr als der in der Fantasy-Literatur so typische Endkampf ist. Zwar wird dieser durchaus spannend und mit viel Action und Drama erzählt, dennoch ist er nichts, was groß heraussticht.
Ganz klar: In „Anarchie Déco“ wird von Judith und Christian Vogt ganz viel gewollt. Dass da dann nichts gekonnt wird, ist definitiv nicht der Fall, aber dennoch hatte ich den Eindruck, hier zählten die persönlichen Interessen wesentlich mehr als die doch recht einfach gestrickte Handlung. Das Engagement in allen Ehren, aber dem Roman hätte etwas mehr Entschlackung gut getan. So bleibt aufgrund der spannenden Erzählweise und der wichtigen angesprochenen Themen eine gute Durschnittsbewertung.
- Vera Buck
Der dunkle Sommer
(263)Aktuelle Rezension von: rosee_la_books
Ein Haus in Italien für einen Euro: Für die deutsche Architektin Tilda ist die verfallene Villa auf Sardinien ein Glücksgriff. Sie will alle Brücken hinter sich abbrechen und stürzt sich in die Renovierung. Doch die vermeintliche Idylle des verwinkelten Ortes trügt. Ist das Geisterdorf wirklich so verlassen, wie es den Anschein hat? Sonntags läuten die Glocken, und Unbekannte behaupten, ein Fluch liege auf Tildas Haus. Zusammen mit dem Journalisten Enzo, der die Geschichte des Dorfes erforscht, versucht Tilda herauszufinden, was hier geschehen ist. Doch der einzige Bewohner, der mehr weiß, ist der alte Silvio. Und der schweigt beharrlich. Als plötzlich Tildas jüngerer Bruder Nino vor ihrer Tür steht, lässt Tilda ihn zähneknirschend bei sich unterkommen. Er bringt Erinnerungen mit, die sie dringend vergessen will. Dann verschwindet Nino auf mysteriöse Weise. Getrieben von der verzweifelten Suche nach ihm offenbart sich Tilda und Enzo im schroffen Hinterland der Insel eine Wahrheit, die düsterer ist als jede Geistergeschichte – und die eng mit Tildas eigener Vergangenheit verwoben scheint.
. 📚
Dieses Buch ist in sehr angenehm lange Kapitel eingeteilt. So konnte man immer "noch schnell eins lesen". Es wird in der Erzählperspektiven geschrieben aus der Sicht von drei verschiedenen Personen. Franca, Tilda und Enzo. Francas Geschichte ist in der Vergangenheit. Tildas und Enzos in der Gegenwart.
Diese 3 sind die Hauptpersonen in der Geschichte. Wobei , wie ich persönlich finde, Tilda unser Dreh- und Angelpunkt ist. Ich mochte Tilda wirklich sehr. Sie ist mir mit ihrer herzlichen und humorvollen Art schnell ans Herz gewachsen.
Generell fande ich alle Charaktere sehr gut ausgeschrieben und authentischen in ihren jeweiligen Rollen.
Der Schreibstil ist angenehm, fließend und wahnsinnig tiefgründig. Man spürt die ganze Zeit wie bedrückend und beängstigend die Geschichte ist. Die ganze Zeit hat man diese dunkle Atmosphäre! Einfach Wahnsinn! Dies erkennt man auch deutlich an der Spannung, welche von Anfang an sehr hoch ansetzte! Diese zog sich auch komplett auf höchstem Niveau durchs ganze Buch.
Dementsprechend konnte auch das Ende überzeugen. Es passte sehr gut zur ganzen Geschichte und offene Fragen wurden alle beantwortet.
Das Cover konnte auch auf Anhieb überzeugen. Es überzeugt mit einer dunklen Atmosphäre, welche auf die Geschichte übertragen wird!
. 📚
Fazit: Sehr spannender und verzwickter Thriller. Ich vergebe 5 von 5 Sternen ⭐⭐⭐⭐⭐ - Franziska Szmania
Martha
(14)Aktuelle Rezension von: bibisstuebchen“Martha” setzt nahezu nahtlos an die Ereignisse von “Eva : Herrschaft” an. Die Rebellion scheint gewonnen und die Welt ist im Wandel. Der erste Teil des Buches enthält Rückblenden auf Marthas Leben und wie sie und Aaron sich kennenlernten und Teil der Rebellion wurden.
Die Autorin schafft es wieder, sehr eindrucksvoll die Stimmung der Geschichte zu übermitteln. Es fällt sehr leicht, mit Martha mitzufühlen. Ihre Ängste und Sorgen sind sehr gut nachzuvollziehen und auch ihr Umgang damit.
Die Geschichte stellt sich den Fragen, was nach einem Systemwechsel passiert. Wird alles besser? Für WEN wird alles besser? Gibt es Gewinner und Verlierer? Wie gerecht wird die neue Welt? Was habe ich zu verantworten? Wem kann man trauen? Wie viel Zeit braucht Veränderung?
Ohne zu spoilern, aber mit dem Wissen über die Bücher der Autorin ist schnell klar, dass sich die Fragen nicht unbedingt positiv beantworten lassen. Die Abgründe des Systems (des alten und des neuen), v.a. gegenüber den Frauen sind so himmelschreiend furchtbar, dass ich beim Lesen einfach nur schreien wollte. Es gibt eine Szene im Kinderheim, die ich schrecklich fand und ich dachte, ich heule gleich.
Das Ende und der Kampf um eine gerechte Welt nehmen dann schnell Fahrt auf und ich konnte das Buch kaum zur Seite legen. Ganz klare Leseempfehlung! Merkt euch die Autorin!!
- Ursula K. Le Guin
Freie Geister
(33)Aktuelle Rezension von: Schalk… hat sich Ursula K. Le Guin mit diesem Roman in meinen Augen erschrieben. Tatsächlich gehört es zu meinen absoluten Lieblingsbüchern (genreübergreifend). Gerade habe ich es zum dritten oder vierten Mal gelesen (diesmal in der neuen Übersetzung „Freie Geister“ von Karen Nölle).
Was ist das Besondere an diesem Roman? Nun er überzeugt auf mehreren Ebenen:
1. Le Guin wagt ein Gedankenexperiment mit dem sie sich leicht aufs Glatteis begeben könnte: sie erstellt eine anarchistische Gesellschaft die sich von einer kapitalistischen Gesellschaft a la USA abgespalten hat und seit 160 Jahren auf dem Mond der Ursprungswelt existiert und funktioniert. Nun mag man abwinken und sagen: Anarchie als Gesellschaftssystem wird nie funktionieren, da das Machtvakuum immer gleich durch den nächstenstärksten, machtgierigen Politiker/Krieger ausgefüllt wird. Das mag sein; aber dadurch, dass die Autorin dieses Idee trotz ihrer Unwahrscheinlichkeit ausarbeitet, schafft sie es in unvergleichlicher Weise unserer kapitalistischen Konsumgesellschaft den Spiegel vorzuhalten, und regt dazu an über den Tellerand zu schauen. Sie wirft Fragen auf wie: Wie viel hat Glück mit Konsum und Besitz zu tun? Was ist wirklich wichtig im Leben? Was ist Freiheit bzw. welche Arten von Freiheit gibt es? Kann man auch glücklich sein (und vielleicht umso mehr) ohne sich an Besitz zu klammern und ohne ständig mit seinen Mitmenschen zu konkurrieren?
Solche Gedankenspiele holen aus der SF ihr wirkliches Potential heraus indem sie fragen welche Alternativen es zu unserer gegenwärtigen Realität gibt. Le Guin hat diese Meisterleistung gleich zwei Mal in ihrer Karriere geschafft: mit „Freie Geister“ (oder: „Planet der Habenichtse“) und mit „Die Linke Hand der Dunkelheit (auch: „Winterplanet“) (hier spekuliert sie mit der Idee wie es sich auf die Persönlichkeit und die Gesellschaft auswirkt wenn die Menschen kein festes Geschlecht haben, sondern dies im Laufe ihres Lebens immer wieder wechseln). Für beide Werke wurde sie verdientermaßen mit dem Hugo und dem Nebula Award ausgezeichnet.
Auch wenn man dem Roman an manchen Stellen anmerkt, dass er in den 70-er-Jahren geschrieben wurde ist er brandaktuell – in einer Zeit in der politische und gesellschaftliche „Gewissheiten“ den Bach runter gehen, demokratische Staaten immer instabiler werden und Politiker, Wirtschafts- und Gesellschaftstheoretiker händeringend nach alternativen Gesellschaftmodellen suchen, die die westliche Welt aus der Krise von Umweltkollaps, autoritärer Unterwanderung, Fakenews und einem Neoliberalismus der gerade gegen die Wand fährt, führen könnte.
2. Aber nicht nur inhaltlich ist der Roman eine Perle, auch die Struktur des Romans hat mich sehr beeindruckt: im Grunde hat er eine kreisförmige Struktur deren Teile sowohl aus Rückblenden wie auch gegewärten Ereignissen bestehen und deren Schauplätze von der kapitalistischen sowie der anarchistischen Welt von Kapitel zu Kapitel wechseln, wobei sich die Entwicklung in beiden Welten kontinuierlich auf einen Höhepunkt bzw. eine Krise zubewegt. So was muss man erst mal hinkriegen.
3. Auch was Setting/Weltenbau und Figuren angeht ist Le Guin eine Meisterin: Anarres, die anarchistische Welt, wirkt für mich nicht wie ein hypothetisches Konstrukt, dass ja eigentlich unmöglich ist, sondern vielmehr hatte ich durch die liebevolle detaillierte Ausgestaltung den Eindruck, dass die Autorin von einer Welt berichtet, die es tatsächlich gibt und die sie selbst besucht hat. Das liegt sicher auch daran, dass Anarres nicht etwa als perfektes Utopia dargestellt wird, sondern vielmehr als eine Gesellschaft, die gemäß ihrer Grundprämisse auch entsprechende Vor- und Nachteile hat, welche Le Guin auch detailliert herausarbeitet.
Die Figuren die agieren tun das ihre dazu, die Welt so überzeugend wirken zu lassen. Dabei gibt es gerade auf Urras (dem erdähnlichen Planeten) so einige Prototypen, die zwar ihre Aufgabe erfüllen, jedoch nie schablonenhaft oder hölzern wirken, sondern tatsächlich mit Leben gefüllt sind.
4. Zum Schluss noch ein Wort zur Technik: dieser Roman gehört sicher zum Subgenre der Soft-SF, also der Fokus liegt klar auf gesellschaftlichen, politischen und psychologischen Aspekten. Allerdings kann mich die Technik, die in dem Werk vorkommt, immer überzeugen. Die Raumfahrt ist unterlichtschnell mit entsprechenden Folgen wie Zeitdilatation und nur geringer Reisetätigkeit (bei jahrzehntelangen Reisen in andere Sonnensysteme), etc. Interessanterweise ist Shevek der Protagonist eine herausragender Physiker im Anarres-Urras-System. Ich muss gestehen, dass ich in Naturwissenschaften nicht sehr bewandert bin, jedoch glaube ich einigermaßen einschätzen zu können, ob jemand über ein Thema recherchiert hat oder einfach irgendwas schreibt. In diesem Buch hat mich auch die Entwicklung des Physikers (und der Physik) fasziniert und ich kann nicht unterscheiden, was aktuell real und was erfunden ist – es wirkt aber immer folgerichtig und glaubhaft (ähnlich wie z.b. auch bei „Die Stimme des Herrn“ von Stanislaw Lem).
Wer sich zum Denken anregen lassen will sollte hier zugreifen.
- Inka Loreen Minden
Steel - Warrior Lover
(43)Aktuelle Rezension von: passionandwordsUntypisch für das Romance-Genre gibt es hier, wie in einem Roman, gleich mehrere Handlungsstränge. So erfährt man abwechselnd etwas aus vielen unterschiedlichen Perspektiven und von drei sich bildenden Paaren. Ich frage mich, ob sich die Autorin damit nicht etwas übernommen hat, denn sie hat sich nach meinem Geschmack viel zu wenig Zeit gelassen, die Charaktere zu vertiefen und die Paare zusammenzuführen. Während Jazz mit seiner zerstörten Seele ganz gut herausgearbeitet wird, erscheint mir der Charakter von Yana etwas widersprüchlich zu sein, der von Rhona gar künstlich. Was Steel genau umtreibt, ob er z.B. darauf steht, dominiert zu werden, wird auch nicht weiter vertieft. Auch was Tarek und Fire umtreibt, bleibt eher oberflächlich. Weiterhin wirken die Szenen, in denen sich die Paare jeweils näher kommen, leider sehr plump-pornografisch und wenig prickelnd-romantisch. Gleichwohl müssen alle Paare ihre Hindernisse überstehen, die mal glaubwürdiger wirken, und einen mitfiebern lassen, wie z.B. bei Jazz und Fire. Mal wirken sie künstlicher, wie bei Rhona und Steel. Die Geschichte von Yana und Tarek bleibt durchgehend sehr oberflächlich.
Des weiteren wird hier die politische Geschichte stark vorangetrieben. Es geht vor allem um die Befreiung von Yana aus den Fängen ihres Patenonkels und New World City und die Aufklärung der Bürger:innen in dieser Stadt sowie die Entschlüsselung der Geschichte um die Huntress. Leider sind auch diese Spannungsbögen teils viel zu schnell und teils plump gelöst und der Eindruck verstärkt sich, dass sich die Autorin zu stark in der Anzahl der Seiten begrenzt hat. Ärgerlich ist vor allem die Erkenntnis, die nach und nach durchsickert, dass die Huntress doch nur dem klassischen weiblichen Rollenmodell nachempfunden wurden und als dumme, hilflose, rein auf das körperliche reduzierte Weiber daherkommen. Keine den Warriorn ebenbürtigen Amazonen. Sehr schade.
Kategorisierung
📚 Romance-Sub-Genre: Dystopia, Science Fiction, Suspense
👥 Altersgruppe der Hauptfiguren: Adult
➿ Plot-Trope: Damsel in distress, Dude in distress, Emotional scars, Fated mates, Forbidden love, Golden retriever, Single parent, Sworn off a relationship
🌍 Setting-Trope: Military
⚤ Geschlechterkonstellation: Hetero, Schwul
💞 Beziehungsstruktur: Monogam
🔪 Spannung: Medium
🧠 Psychologische Tiefe: Oberflächlich
🧐 Glaubwürdigkeit: Teils teils
❤️ Sympathiefaktor der Hauptfiguren: Sympathisch
😆 Humor: Kaum humorvolle Szenen
👫 Klassisches Rollenmodell: Ja
💋 Anzahl Spicy Szenen: 6
🔗 Spielart Spicy Szenen: Vanilla, Vanilla Plus
🔥 Explizitheit Spicy Szenen: Detailliert
🎨 Originalität der Erzählweise: Teils teils
👀 Erzählperspektive: 3. Person
- Inhonorus
Fuck You All - Das volle Programm: Horror - Thriller - Hardcore - Extrem - Überarbeitete Neuauflage 2018 (Redrum Hardcore)
(3)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerEine Abrechnung mit der Gesellschaft.
Oder das, was von ihr übrig bleibt.
Das Schlechte, das Böse, das Perverse, der Dreck.
Nicht immer ist er sichtbar, dieser Schmutz.
Klar, es gibt die drogenvernarbten, volltrunkenen, eingeschissenen Kreaturen, über die Sie am Bahnhofsausgang stolpern. Ebenso die Möchtegernhulks, die zu dritt ein Mädchen in der U- Bahn belästigen. Der Chef, der Sie für nichts anbrüllt; der kleine Kumpel, der Ihr Plastikauto im Sandkasten kaputt tritt. Die blauen Flecke, die Ihrer Lehrerin auffallen.
Das ist der sichtbare Schmutz.
Der, der vor der Türe für alle zu sehen ist.
Was ist mit dem Dreck dahinter?
Worüber geschwiegen wird?
Der in den "besseren Kreisen" passiert?
Ist der weniger schlimm?
Pah, daß ich nicht lache!
Der ist weitaus schlimmer, weil er geheim abgeht, verschwiegen, isoliert vom Abschaum der Straße. Für die Opfer zeitlebens ein Trauma, für die Täter weniger unangenehm; Druckmittel sind reichlich vorhanden, und manchmal hilft man mit Geld nach, wenn's lästig wird vor Gericht.
Man muß die Augen offen halten, eingreifen, wenn nötig und darf nicht den Ursprung vergessen, woher alles kommen kann!
Ein sozialkritisches Gesellschaftsdrama, das mir außerordentlich gut gefallen hat!
Eine Sammlung von Geschichten, die meine Gefühlswelt in Aufruhr brachte. Es gab Humor, Trauriges, Sarkasmus, Wut, Unvorstellbares und Vieles mehr. Es wird berichtet, geschimpft, geflucht, gevögelt und das alles in richtiger "Redrum- Manier", soll heißen, da wird kein Blatt vor den Mund genommen, also nichts für zart Besaitete. Besonderen Spaß hatte ich an den Begrifflichkeiten aus dem Ruhrpott, da ich selbst daher komme.
Jede Geschichte packte mich, an welcher Stelle auch immer, und regte zum Nachdenken an. Hinter vielen Sprüchen steckte eine gute Portion Ernst.
Ich persönlich habe vieles aus dem Buch herausgelesen und hineininterpretiert.
Ob es genau das ist, was Inhonorus uns damit sagen wollte, weiß ich nicht.
Aber ein Buch, das mich noch lange beschäftigt, ist für mich ein gutes Buch.
So einfach ist das! - Edward Abbey
Die Monkey Wrench Gang
(23)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer4 Öko-Anarchisten. George Hayduke, ein ehemaliger Green Beret, der im Vietcong für den Vietcong agierte, Seldom Seen Smith, Mormone, aus dem Mormonenstaat Utah (mit drei Ehefrauen), Doc Sarvis, Chirurg aus Albuquerque, New Mexico, mit einem Faible fürs Straßenschilder und Reklametafeln zerstören und dessen Arzthelferin, Bonnie Abbzug, dem realitätsfernen Hippie-Mädel aus der Bronx. Durch Zufall lernen sie sich auf einer Bootstour, geleitet von Smith, kennen und merken schnell: sie eint ein Interesse: der Kampf gegen die großen kapitalistischen Konzerne, die die Natürlichkeit der Gegend um das 4-Corner-Eck in eine zivilisatorische Nüchternheit mit ihren teuflischen Maschinen zu verwandeln. Sie beginnen damit, Sabotageakte durchzuführen. Die Story nimmt Fahrt auf. Auch auf der interpersonellen Ebene geschieht viel: die Rollenverhältnisse klären sich, der wilde Hayduke, der anfangs noch die Rolle der Opposition einnimmt in der Gang, nimmt immer mehr die Rolle des Anführers ein und begibt sich in eine Liaison mit der süßen Bonnie.
Eine irrwitzige Abenteuergeschichte, die meisterhaft die einzelnen, allesamt plausiblen Charaktere zeichnet. Die anarchistischen Überzeugungen des Autors selbst stören dabei nicht. Machen den Trip aber auch nicht unbedingt authentischer oder zwingender. Die Handlung gleicht einer Sinuskurve, worin die große Schwäche des Buches besteht. Es bedarf eines langen Atems. Ein Höhepunkt jagt den Nächsten. Und alles steuert immer wieder auf diesen Höhepunkt zu. Und dann? Fällt alles wieder ab. Und dann? Baut sich alles wieder auf. Das Ende ist versöhnlich. Vielleicht zu sehr. Pathetisch. Kurz um das adäquate Ende eines Trips. Die überspitzten Illustrationen von Robert Crumb (Fritz the Cat) erfüllen dabei ihren Zweck: Entschärfung der politischen Sprengkraft und Übermalen der Konstruktion einer Fiktion. - Thomas Pynchon
Die Enden der Parabel
(1)Aktuelle Rezension von: kassandra1010Thomas Pynchon ist und war nie einfach zu lesen. Pynchon treibt in seinen Romanen alles voran und ist schonungslos offen.
Wir befinden uns am Ende des zweiten Weltkrieges. Mit dem amerikanischen GI Tyrone Slothrop sind wir in London stationiert. Slothrop profitiert in vielerlei Hinsicht vom Einschlag deutscher V2 Raketen.
Ob im Traum oder in der Realität ist es für Slothrop und somit auch für den Leser oft unklar, in welcher Zeitschleife oder gar in welchem Traum wir uns gerade befinden. Allmächtig über den diversen Charakteren befindet sich immer die schwebende V2 Rakete.
Diese Rakete führt uns durch Pynchons „Zone“. Hier herrscht vollständige Anarchie. Mystische Erzählungen, wirre Einblenden und mathematische Rätsel umgeben uns dort.
Slothrop stellt während seines Auftrages fest, dass sich die vermeintlichen Gegensätze zum Ende des Krieges hin immer mehr anziehen.
Die Enden der Parabel schließen sich immer deutlicher, während Slothrop immer mehr in Absurditäten abrutscht.
Fazit:
Was für den Leser eine Herausforderung scheint, ist für den Hörer ein wahres Abenteuer. Zeit- und Zonenwechsel beschäftigen das Hörvermögen und diverse Einblenden begleitet das Hörspiel. Oft ist wie auch im Buch nicht ganz klar, ob man sich in der Realität oder in irgendeinem Traum befindet.
Pynchon macht es uns sehr deutlich, wo eine Welt die Menschen hinführt, welche in Anarchie, Freiheitskämpfen und auf der Suche nach der verlorenen Identität stecken bleiben.
Mehr zum Mammutprojekt:
Die Produktion des Hörspiels „Die Enden der Parabel“ dauerte über zwei Jahre. Dem SWR und seinem Hörspiel-Chefdramaturgen Manfred Hess ist es gelungen, dass Pynchon erstmalig der Bearbeitung seines Opus Magnum zustimmte. Die Radiopremiere findet am 17. und 18. April 2020 in SWR2 statt, ab dem 24. April ist das Hörspiel bei Hörbuch Hamburg erhältlich.
Das Hörspiel ist das neue Großprojekt des renommierten und mehrfach ausgezeichneten Hörspielregisseurs und Komponisten Klaus Buhlert zum SWR-Schwerpunkt »Ende des II. Weltkrieges«. Es basiert auf der Übersetzung von Elfriede Jelinek und Thomas Piltz (Rowohlt, 1981). Die Ausstrahlung in SWR2 erfolgt am 17. und 18. April 2020, jeweils von 20.00 Uhr bis 3.00 Uhr, im Anschluss erfolgt eine Ausstrahlung im Deutschlandfunk. Zeitgleich erscheint das Hörspiel als Hörbuchausgabe bei Hörbuch Hamburg.
Als Erzähler finden sich unter anderem Franz Pätzold, Felix Goeser, Corinna Harfouch und Golo Euler zusammen.
- Mike Mullin
Ashen Winter
(3)Aktuelle Rezension von: WortmagieDie Trilogie „Ashfall“ von Mike Mullin begann ich im Februar 2014. Der gleichnamige erste Band „Ashfall“ erhielt von mir 3 Sterne; ich fand ihn gut, aber unspektakulär. Es war mir daher nicht so wichtig, die Geschichte weiterzuverfolgen. Ich brauchte knapp drei Jahre, um mir den zweiten Band „Ashen Winter“ vorzunehmen. In dieser Zeit war Mike Mullin nicht untätig. 2015 verkündete er, dass aus der Trilogie eine Tetralogie werden würde. Mullins Deadline für das Manuskript des vierten Bandes ist der 31.12.2017. Schwer zu sagen, wann mit einem Erscheinungstermin gerechnet werden kann. Ich sehe das entspannt, weil ich ohnehin nicht sicher bin, ob ich die Entscheidung, die Geschichte um eine Episode zu erweitern, gutheiße. Abwarten und Tee trinken.
10 Monate sind vergangen, seit der Supervulkan unter dem Yellowstone Nationalpark ausbrach und die USA in ein Katastrophengebiet verwandelte. Nach ihrer beschwerlichen Reise haben sich Alex und Darla gut auf der Farm seines Onkels Paul eingelebt. Die Familie arbeitet hart, um einen bescheidenen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Doch all die anstrengende Arbeit vermag Alex nicht von seiner Sorge um seine Eltern abzulenken, die noch immer nicht aus Iowa zurückgekehrt sind. Als ihm unerwartet ein Hinweis auf ihren Verbleib in die Hände fällt, hält er es auf der Farm nicht länger aus. Gemeinsam mit Darla wagt er sich abermals hinaus in den vulkanischen Winter, um seine Eltern zu retten. Schnell wird den beiden klar, dass der Überlebenskampf der Menschheit in vollem Gange ist – gnadenlos und brutal. Ressourcen werden knapp und humanitäre Grenzen verwischen zusehends. Alex und Darla müssen entscheiden, wie weit sie zu gehen bereit sind, um einander zu beschützen. Bewahrt ihre Liebe sie davor, zu Monstern zu werden?
In „Ashen Winter“ beschreibt Mike Mullin eine neue Stufe gesellschaftlichen Verfalls. Während „Ashfall“ die unmittelbaren Auswirkungen des Vulkanausbruchs beleuchtet – das Chaos, die Überforderung, die kopflose Panik – zeigt der zweite Band, welche Möglichkeiten die Menschen gefunden haben, um sich mit den neuen Umständen zu arrangieren. Mullin stellt der Menschheit unmissverständlich ein Armutszeugnis aus. Er skizziert ihr wahres Gesicht als hässliche, destruktive, egoistische und grausame Fratze, die sich erst offenbart, wenn die Kontrollmechanismen der Zivilisation wegfallen. Die bittere Vision, die er prophezeit, fand ich als Zynikerin definitiv glaubhaft. Lediglich der äußerst kurze Zeitraum des Verfalls erschreckte mich. Nicht mehr als 10 Monate braucht die Menschheit laut Mullin, um ihre Menschlichkeit abzustreifen. Selbstverständlich begegnen Alex und Darla auf ihrer Rettungsmission durchaus auch gütigen, rechtschaffenen Menschen, aber meist werden sie mit barbarischer, herzloser Anarchie konfrontiert. Ich fand die Darstellung der sozialen Konsequenzen des vulkanischen Winters überzeugender als die Handlung selbst. Obwohl „Ashen Winter“ im Vergleich zum Vorgänger deutllich aufregender ist, hatte ich erneut Schwierigkeiten mit dem Spannungsbogen, der meiner Meinung nach inkonsequent konstruiert ist. Immer wieder manövriert Mullin seinen Protagonisten und Ich-Erzähler Alex in langatmige, schwer aufzulösende Sackgassen, die sowohl ihn als auch die Leser_innen in eine Warteposition zwingen. Um Alex zu befreien, muss Mullin zu extremen Mitteln greifen, was zu übertrieben abenteuerlichen Actionszenen führt, die problemlos von einem Spezialeffekte-Team aus Hollywood stammen könnten. Wir sprechen von Verfolgungsjagden, Überfällen, Schießereien und – man glaubt es kaum – einer Fahrt auf dem Dach eines Transporters. Alex ist nun nicht der besonnenste Mensch der Welt, doch etwas weniger draufgängerische Impulsivität hätte der Autor ihm ruhig zugestehen können.
Nichtsdestotrotz gefiel mir seine charakterliche Entwicklung grundsätzlich gut, weil er sich an einem Scheidepunkt befindet. Seine Erlebnisse ließen ihn rasend schnell reifen; er schwankt zwischen erwachsenem Verantwortungsbewusstsein und jugendlicher Naivität. Besonders seine Gefühle für Darla sind seinem Alter weit voraus. Die äußeren Bedingungen entfachten eine Verbindung zwischen ihnen, die viel tiefer ist als eine normale Teenagerromanze. Sie sind ein Team und verlassen sich aufeinander, obwohl Alex sich sicher stärker auf Darla stützt als sie auf ihn. Ihre herrische, aggressiv-fürsorgliche Art kommt ihm meiner Ansicht nach entgegen, weil sie ihn an seine Mutter erinnert. Nachdem, was Alex über die Beziehung zu seiner Mutter offenbart, sind Parallelen erkennbar und man sagt ja nicht grundlos, dass man meist einen Partner wählt, der den eigenen Eltern ähnlich ist. Vor diesem Gesichtspunkt ist die Dynamik zwischen ihnen wirklich interessant und ich frage mich, ob Mike Mullin sie bewusst beabsichtigte.Unter dem Yellowstone Nationalpark liegt tatsächlich ein Supervulkan, der jeder Zeit ausbrechen könnte. Das geologische Untersuchungsamt, das für dessen Überwachung verantwortlich ist, hält eine baldige Eruption zwar für unwahrscheinlich, aber die Möglichkeit besteht. Deshalb finde ich die „Ashfall“-Tetralogie so faszinierend: das Ausgangsszenario ist schlicht und realistisch. Dadurch unterscheidet sich die Reihe maßgeblich von der Masse der Young Adult – Dystopien auf dem Markt. „Ashen Winter“ ist ein guter zweiter Band, der die Menschheit überzeugend von ihrer schlimmsten Seite zeigt. Wenngleich es Mike Mullin etwas an schriftstellerischer Finesse und einem Gespür für inhaltliche Ausgewogenheit mangelt, hat mich diese Fortsetzung gut unterhalten. Ich mag den Protagonisten Alex und beobachte sein persönliches Wachstum mit Freude, weil es einen so starken, positiven Kontrast zur Degeneration der Gesellschaft darstellt. Fragt sich nur, ob er als edler Held in einer zerfallenden Gesellschaft menschlicher Monster langfristig überleben kann.
- Inka Loreen Minden
Fury - Warrior Lover 6
(15)Aktuelle Rezension von: passionandwordsAuch hier werden wieder untypischerweise zwei Geschichten in einer erzählt und auch hier gelingt das nur teilweise. Zumindest die Geschichte um Tammy, Hunter und ihren Sohn Blaze kommt eindeutig zu kurz und wird auch nicht richtig abgeschlossen, obwohl sie viel Potenzial hat: Was hat Hunter auf den Plantagen erlebt, das ihn so quält? Wem soll er sich anvertrauen mit seiner Geschichte? Wie können Tammy und er wieder eine starke Beziehung aufbauen? Der seelische Zustand von Hunter wird jedoch nur oberflächlich behandelt. Die Geschichte um Blaze ist ebenfalls sehr spannend: Hat Blaze seine tödlichen Fähigkeiten verloren nach dem Entzug oder nicht? Und kann man sich seiner sicher sein? Wie kann man ihm seine Kindheit wiedergeben? Es wäre bestimmt spannend gewesen, in die gehirngewaschene und von Liebesentzug geprägte Seele des Kindes tiefer hineinzuschauen. Aber auch hier bleiben am Ende viele Fragen offen, auch weil man die Qualen von Hunter und Blaze mehr von außen, durch die Beobachtung der anderen erlebt.
Die Geschichte um Fury und Melina hingegen ist auf dem alten Niveau: Ist ihre Leidenschaft nur von den Drogen ausgelöst worden oder echt? Welches Geheimnis trägt Fury mit sich herum? Die Leser:innen ahnen es zwar, aber man fragt sich, was ihn daran so quält, wenn sich andere Männer mit diesem "Makel" auf die Brust trommeln würden. Seine Geschichte, die nur nach und nach aufgedeckt wird, ist krass. Zumindest seine Geschichte, seine Scham und Ängste kann man direkter und intensiver miterleben. Seine Gedanken und Gefühle sind in sich stimmig und anders als in den anderen Büchern von der Autorin, bleiben seine Ängste auch bestehen und er wird nicht vollends versöhnt mit seiner Vergangenheit, was viel realistischer ist, als in den vorherigen Geschichten, in denen es um Misshandlung und Missbrauch ging.
In beiden Geschichten entsteht leider keine gut miterlebbare Dynamik zwischen den Partner:innen. Sie bleibt oberflächlich. Ansonsten fügen sich die Ereignisse, wie meistens bei Inka Loreen Minden, alle perfekt zusammen, so dass es nie zuuu spannend wird.
Kategorisierung
📚 Romance-Sub-Genre: Dystopia, Science Fiction
👥 Altersgruppe der Hauptfiguren: Adult
➿ Plot-Trope: Damsel in distress, Emotional scars, Fated mates, Love potion, Tortured heroes
🌍 Setting-Trope: Military
⚤ Geschlechterkonstellation: Hetero
💞 Beziehungsstruktur: Monogam
🔪 Spannung: Medium
🧠 Psychologische Tiefe: Medium
🧐 Glaubwürdigkeit: Glaubwürdig
❤️ Sympathiefaktor der Hauptfiguren: Sympathisch
😆 Humor: Kaum humorvolle Szenen
👫 Klassisches Rollenmodell: Teils teils
💋 Anzahl Spicy Szenen: 6
🔗 Spielart Spicy Szenen: Vanilla, Vanilla Plus
🔥 Explizitheit Spicy Szenen: Detailliert
🎨 Originalität der Erzählweise: Teils teils
👀 Erzählperspektive: 3. Person
- Lisbeth Jarosch
Last Haven – Über alle Grenzen
(19)Aktuelle Rezension von: 0Soraya0Zum Inhalt (Klappentext):
Mit der Liga der Mutigen ist auch der Widerstand gegen den neuen, sozialen Kurs Last Havens gestorben. Doch die Vereinigung mit dem Nachbarland God’s Acres führt zu anderen Problemen. Gegenseitiges Misstrauen spaltet die Bevölkerung. Aida und ihre Freunde haben alle Mühe, unter diesen Umständen ein neues Militär auf die Beine zu stellen. Dabei stehen sie unter höchstem Druck. Denn überall herrscht der Hunger und treibt die Menschen zu Verzweiflungstaten. Im Angesicht der Katastrophe gibt es etwas, was sie alle miteinander verbindet: den Wunsch, zu überleben.Meine Meinung:
Bei "Über alle Grenzen" handelt es sich um den Abschlussband der Trilogie um Last Haven. Damit man wirklich alle Zusammenhänge versteht, sollte man die Reihenfolge unbedingt einhalten.
Wie schon bei den anderen Teilen ist man wirklich schnell wieder Mitten im Geschehen und kann komplett in der Geschichte abtauchen. Das liegt mit an dem sehr angenehm zu lesenden Schreibstil von Lisbeth Jarosch. Aber natürlich auch an den liebgewonnenen Charakteren.
Auch diesmal wird die vergangene Handlung geschickt aufgenommen und weiter gesponnen, so dass ein wirklich spannendes und actionreiches Ende der Trilogie entsteht. Zwischendurch gibt es allerdings immer mal wieder kleine Längen, die man evtl. etwas geschickter hätte lösen können.
Wobei mir persönlich das Ende dann doch etwas zu offen gestaltet ist.Fazit:
Ein aufregendes und im Großen und Ganzen gelungenes Ende der Last Haven Trilogie.























