Bücher mit dem Tag "anarchismus"
58 Bücher
- J. J. Abrams
The Secret JJ Abrams Project
(5)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer"S." von J. J. Abrams und Doug Dorst in der limitierten Ausgabe, gebunden, 522 Seiten, im Pappschuber. Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, der Preis 45,00€.
Zum einen "Das Schiff des Theseus" von einem gewissen (fiktiven) V. M. Straka, der die Veröffentlichung seines letzten Romans nicht mehr erlebte. Seine Hauptfigur, S., ist ein Mann auf der Suche nach seiner Identität, seiner Vergangenheit.
Nachdem er aus dem Meer gefischt wurde, läuft er durch eine ihm unbekannte Stadt, auf der Suche nach Erinnerungsfetzen landet er in einer Hafenkneipe und kommt dort mit einer Frau ins Gespräch, die ihn zu kennen scheint. Dann wird er jedoch auf ein seltsames Schiff, mit einer noch seltsameren Besatzung verschleppt. Er scheint eine Aufgabe zu haben, die ihm aber noch nicht klar ist. So begibt er sich auf eine verwirrende und gefährliche Reise, in der Hoffnung sich selbst zu finden.
Zum anderen sind da Jen, eine junge Studentin und Eric, ein in Ungnade gefallener Doktorand, der der Universität verwiesen wurde. Jen entdeckt "Das Schiff des Theseus" in der Bibliothek und liest die Randnotizen von Eric. Sie fügt selber welche hinzu und so entspinnt sich ein Dialog zwischen den beiden. Eric versucht schon eine ganze Weile herauszufinden, wer Straka war und nun unterstützt Jen ihn dabei, ohne zu ahnen, welchen Weg ihre gemeinsame Geschichte gehen wird.
Des Weiteren sind da noch die Fußnoten der Übersetzerin, die ebenso ihren Teil zu "Das Schiff des Theseus" beitragen und scheibar Codes enthalten, die Jen und Eric zu entschlüsseln versuchen.
Das Buch von Abrams und Dorst ist eine geniale Idee, allein die Aufmachung ist schon toll. Ich habe die 45,00€ investiert und ein gebundes Buch im Pappschuber bekommen. Das Buch selber ist aufgemacht wie eine alte Ausgabe einer Leihbücherei, vergilbte Seiten mit Kaffee- und anderen Flecken, die Stempel der Leihdaten. Und dann die ganzen Einleger, Postkarten, Briefe, auf Servietten gezeichnete Pläne, Fotos und zu guter Letzt eine Drehscheibe zum Entschlüsseln von Codes.
Ich muss gestehen, dass mir nicht klar geworden ist, wie diese Scheibe zu benutzen ist. Aber ich musste auch ersteinmal einen Weg finden dieses Buch zu lesen. Seite für Seite mit den jeweiligen Randnotizen, kapitelweise und dann die Randnotizen oder erst die Geschichte und dann nochmal von vorne mit den Randnotizen?
Eine englischsprachige Rezension hat mich dann darauf gebracht es Kapitelweise zu lesen und dann nur die blau/schwarzen Randnotizen und die darin erwähnten Einleger zu lesen. Als ich das Buch beendet hatte, begann ich dann von vorne mit den orange/grünen Randnotizen, dann die rot/violetten und zum Schluss die schwarz/schwarzen. Ob das der richtige Weg ist weiß ich nicht, sicher ist nur, dass die verschiedenen Farben unterschiedliche Zeitpunkte markieren zu denen die Randnotizen geschrieben wurden.
Insgesamt hat mir dieses Buch sehr gut gefallen, auch wenn das Ende etwas unbefriedigend ist, weil einiges offen bleibt. Man muss sich auf dieses Erlebnis einlassen und sich Zeit dafür nehmen, es ist definitiv keine Lektüre für nebenbei. - George Orwell
Mein Katalonien
(25)Aktuelle Rezension von: Trishen77"Ich war nach Spanien gekommen, um Zeitungsartikel zu schreiben. Aber ich war fast sofort in die Miliz eingetreten, denn bei der damaligen Lage schien es das einzig Denkbare zu sein, was man tun konnte. [...] Man hatte den Japanern erlaubt, in der Mandschurei zu tun, was sie wollten. Hitler war zur Macht gekommen und fuhr fort, die politischen Gegner aller Schattierungen zu massakrieren. Mussolini hatte die Abessinier bombardiert, während dreiundfünfzig Nationen abseits standen und fromme Sprüche von sich gaben. Aber als Franco versuchte, eine gemäßigt links orientierte Regierung zu stürzen, lehnten sich entgegen allen Erwartungen die spanischen Menschen gegen ihn auf. Es schien die Wende der Flut."
Fast vier Monate lang blieb George Orwell in der katalonischen Miliz, bei einer Abteilung der anarchistisch-sozialistischen Arbeiterbewegung, erlebte die Front, das Lazarett und zuletzt die Straßenkämpfe, politischen Verwicklungen und Propagandaschlachten in Barcelona. Seine Schilderungen und Analysen zu letzterem bilden das wirkliche Kernstück dieses Buches und sind sein großer Verdienst, bis heute.
"Es war nämlich vor allen Dingen ein politischer Krieg. Kein Ereignis, besonders aus den ersten Jahren, ist verständlich, ohne eine Gewisse Kenntnis von dem Kampf zwischen den Parteien, der sich hinter der Frontlinie der Regierungsseite abspielte."
Der spanische Bürgerkrieg wird in der historischen Betrachtung meist leichtfertig zusammengefasst als Kampf von Demokratie gegen Faschismus, als ein Aufbegehren von liberalen, kommunistischen, sozialistischen, demokratischen Elementen gegen die Flut des Totalitarismus. Aber gerade der ideologische Kampf auf Seiten der republikanischen Seite, der (zumindest in Katalonien) einen Bürgerkrieg in sich darstellt, wird dabei gerne verschwiegen; es wird gerne ausgespart, dass im republikanischen Spanien der Jahre 1937-38 eine der größten kommunistischen Säuberungsaktionen des 20. Jahrhunderts stattfand und einige anarchistische Arbeiterschaft-Verbände mit Terror und Willkür unterdrückt wurden.
Orwell kam im Dezember 1936 nach Barcelona, das Buch erschien 1938, noch bevor der Krieg beendet war. Es ist daher kein umfangreicher Bericht über den Bürgerkrieg selbst und auch keine Analyse des Kriegsverlaufes. Es ist ein persönlicher Erlebnisbericht aus dem Räderwerk des Bürgerkriegs, nicht nur des Fronteinsatzes, sondern vor allen Dingen der politischen Prozesse, die währenddessen abliefen.
Als Orwell nach Barcelona kommt, hat die Arbeiterschaft dort eine fast perfekte sozialistische Utopie umgesetzt. Es gibt keine Unterschiede in Sold und Gehalt mehr, alles liegt in den Händen der Arbeiter. Er tritt der anarchistischen Arbeitermiliz P.O.U.M. bei und geht an die Front. Als er ein paar Monate später zurückkehrt, haben sich sowohl die realpolitischen Verhältnisse geändert, wie auch die gesellschaftlichen. Alles war wieder zum bourgeoisen Standard zurückgekehrt. Orwell zog die richtigen Schlüsse und erkannte früh, was ein Problem des 20. Jahrhunderts war und ein Erbe geworden ist, das das 21. Jahrhundert weiterhin mitträgt:
"Im Namen der Demokratie gegen den Faschismus zu kämpfen, heißt, im Namen einer Form des Kapitalismus gegen eine andere zu kämpfen, die sich zu jeder Zeit in die erste verwandeln kann. Die einzig wirkliche Alternative zum Faschismus ist die Kontrolle durch die Arbeiter. Wer sich irgendein kleineres Ziel als dieses setzt, wird entweder Franco den Sieg aushändigen oder im besten Falle den Faschismus durch die Hintertür hereinlassen."
Der Kapitalismus und die staatliche Gewalt sind, wie Orwell aufzeigt, die wesentlichen Probleme und die wesentliche Unterdrückung der menschlichen Gesellschaft. Später wurden die Arbeiterverbände nicht nur aus der Regierung gedrängt, sondern vollständig aufgerieben, verhaftet, in Kerkern zum dahinvegetieren verdammt oder insgeheim erschossen. Die linke Presse in aller Welt druckte damals munter die kommunistische Propagandalüge, dass alle Mitglieder der Anarchisten geheime Handlanger Francos sein - eine Behauptung die nicht falscher sein konnte, lagen doch zum größten Teil Mitglieder der anarchistischen Miliz zu der Zeit an der Front und hielten sie.
"Als eine der traurigsten Wirkungen dieses Krieges erkannte ich, dass die Presse der Linken bis ins kleinste genauso falsch und unehrlich ist wie die der Rechten. [...] Das ist in allen Kriegen immer dasselbe. Die Soldaten kämpfen, die Journalisten schreiben. [...] In Wirklichkeit unterliegt jeder Krieg mit jedem Monat, den er länger dauert, einer gewissen sich steigernden Entartung. Begriffe wie individuelle Freiheit und wahrhaftige Presse können einfach nicht mit dem militärischen Nutzeffekt konkurrieren."
Orwells Buch ist ein verdammt wichtiges Dokument und eine Lektion in Antipropaganda und wider der historischen Geschichtsschreibung, die sich der Wirkungen verpflichtet sieht und nicht der Ursprünge und der Schicksale, Tatsachen und Ideen, die auf der Strecke bleiben. Es ist kein besonders spannendes Werk, teilweise auch nicht gerade großartig geschrieben, aber in seiner unaufgeregten und völlig unheischenden Dimension gewinnt es einen Grad an Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit für sich, der mich sehr beeindruckt hat. Orwell schreibt am Ende, dass man seine Ausführungen kritisch hinterfragen soll und er meint es völlig Ernst. Und doch öffnet er einem mit dem Buch eine Sicht auf ein völlig verstelltes Kapitel des spanischen Bürgerkriegs und des zivilen und gesellschaftlichen Kampfes im 20. Jahrhundert. Und legt den Finger auf eine Frage, dessen Antwort weiterhin auf sich warten lässt: Wie kann man gewährleisten, dass die Interessen von allen in einem staatlichen Konzept gehört und bedacht werden? - Ursula K. Le Guin
Freie Geister
(33)Aktuelle Rezension von: Schalk… hat sich Ursula K. Le Guin mit diesem Roman in meinen Augen erschrieben. Tatsächlich gehört es zu meinen absoluten Lieblingsbüchern (genreübergreifend). Gerade habe ich es zum dritten oder vierten Mal gelesen (diesmal in der neuen Übersetzung „Freie Geister“ von Karen Nölle).
Was ist das Besondere an diesem Roman? Nun er überzeugt auf mehreren Ebenen:
1. Le Guin wagt ein Gedankenexperiment mit dem sie sich leicht aufs Glatteis begeben könnte: sie erstellt eine anarchistische Gesellschaft die sich von einer kapitalistischen Gesellschaft a la USA abgespalten hat und seit 160 Jahren auf dem Mond der Ursprungswelt existiert und funktioniert. Nun mag man abwinken und sagen: Anarchie als Gesellschaftssystem wird nie funktionieren, da das Machtvakuum immer gleich durch den nächstenstärksten, machtgierigen Politiker/Krieger ausgefüllt wird. Das mag sein; aber dadurch, dass die Autorin dieses Idee trotz ihrer Unwahrscheinlichkeit ausarbeitet, schafft sie es in unvergleichlicher Weise unserer kapitalistischen Konsumgesellschaft den Spiegel vorzuhalten, und regt dazu an über den Tellerand zu schauen. Sie wirft Fragen auf wie: Wie viel hat Glück mit Konsum und Besitz zu tun? Was ist wirklich wichtig im Leben? Was ist Freiheit bzw. welche Arten von Freiheit gibt es? Kann man auch glücklich sein (und vielleicht umso mehr) ohne sich an Besitz zu klammern und ohne ständig mit seinen Mitmenschen zu konkurrieren?
Solche Gedankenspiele holen aus der SF ihr wirkliches Potential heraus indem sie fragen welche Alternativen es zu unserer gegenwärtigen Realität gibt. Le Guin hat diese Meisterleistung gleich zwei Mal in ihrer Karriere geschafft: mit „Freie Geister“ (oder: „Planet der Habenichtse“) und mit „Die Linke Hand der Dunkelheit (auch: „Winterplanet“) (hier spekuliert sie mit der Idee wie es sich auf die Persönlichkeit und die Gesellschaft auswirkt wenn die Menschen kein festes Geschlecht haben, sondern dies im Laufe ihres Lebens immer wieder wechseln). Für beide Werke wurde sie verdientermaßen mit dem Hugo und dem Nebula Award ausgezeichnet.
Auch wenn man dem Roman an manchen Stellen anmerkt, dass er in den 70-er-Jahren geschrieben wurde ist er brandaktuell – in einer Zeit in der politische und gesellschaftliche „Gewissheiten“ den Bach runter gehen, demokratische Staaten immer instabiler werden und Politiker, Wirtschafts- und Gesellschaftstheoretiker händeringend nach alternativen Gesellschaftmodellen suchen, die die westliche Welt aus der Krise von Umweltkollaps, autoritärer Unterwanderung, Fakenews und einem Neoliberalismus der gerade gegen die Wand fährt, führen könnte.
2. Aber nicht nur inhaltlich ist der Roman eine Perle, auch die Struktur des Romans hat mich sehr beeindruckt: im Grunde hat er eine kreisförmige Struktur deren Teile sowohl aus Rückblenden wie auch gegewärten Ereignissen bestehen und deren Schauplätze von der kapitalistischen sowie der anarchistischen Welt von Kapitel zu Kapitel wechseln, wobei sich die Entwicklung in beiden Welten kontinuierlich auf einen Höhepunkt bzw. eine Krise zubewegt. So was muss man erst mal hinkriegen.
3. Auch was Setting/Weltenbau und Figuren angeht ist Le Guin eine Meisterin: Anarres, die anarchistische Welt, wirkt für mich nicht wie ein hypothetisches Konstrukt, dass ja eigentlich unmöglich ist, sondern vielmehr hatte ich durch die liebevolle detaillierte Ausgestaltung den Eindruck, dass die Autorin von einer Welt berichtet, die es tatsächlich gibt und die sie selbst besucht hat. Das liegt sicher auch daran, dass Anarres nicht etwa als perfektes Utopia dargestellt wird, sondern vielmehr als eine Gesellschaft, die gemäß ihrer Grundprämisse auch entsprechende Vor- und Nachteile hat, welche Le Guin auch detailliert herausarbeitet.
Die Figuren die agieren tun das ihre dazu, die Welt so überzeugend wirken zu lassen. Dabei gibt es gerade auf Urras (dem erdähnlichen Planeten) so einige Prototypen, die zwar ihre Aufgabe erfüllen, jedoch nie schablonenhaft oder hölzern wirken, sondern tatsächlich mit Leben gefüllt sind.
4. Zum Schluss noch ein Wort zur Technik: dieser Roman gehört sicher zum Subgenre der Soft-SF, also der Fokus liegt klar auf gesellschaftlichen, politischen und psychologischen Aspekten. Allerdings kann mich die Technik, die in dem Werk vorkommt, immer überzeugen. Die Raumfahrt ist unterlichtschnell mit entsprechenden Folgen wie Zeitdilatation und nur geringer Reisetätigkeit (bei jahrzehntelangen Reisen in andere Sonnensysteme), etc. Interessanterweise ist Shevek der Protagonist eine herausragender Physiker im Anarres-Urras-System. Ich muss gestehen, dass ich in Naturwissenschaften nicht sehr bewandert bin, jedoch glaube ich einigermaßen einschätzen zu können, ob jemand über ein Thema recherchiert hat oder einfach irgendwas schreibt. In diesem Buch hat mich auch die Entwicklung des Physikers (und der Physik) fasziniert und ich kann nicht unterscheiden, was aktuell real und was erfunden ist – es wirkt aber immer folgerichtig und glaubhaft (ähnlich wie z.b. auch bei „Die Stimme des Herrn“ von Stanislaw Lem).
Wer sich zum Denken anregen lassen will sollte hier zugreifen.
- Fred Kondjyaro
Und das Findelkind erschien dem Zyklopen, der in Ketten schlief
(4)Aktuelle Rezension von: x_hopewellFred Kondjyaro legt den Lesenden mit »Und das Findelkind erschien dem Zyklopen, der in Ketten schlief« ein Ungetüm von Roman vor. Wie Titel und Umfang es schon sagen, bewegt sich das Buch weit jenseits des Massengeschmacks. Es ist für Denker und Freaks, ja ich würde sogar sagen: Intellektuelle, es ist für Genießer der Sprache, es ist für Leute, die ihre Köpfe gerne in vertrackten, chaotischen Welten verlieren und politische Literatur mögen. Dieses Buch ist vieles, es ist oftmals zu viel, es hätte wahrscheinlich um mindestens 100 Seiten gekürzt werden können, es hat keine Plotlinie, es hat meine Rübe explodieren lassen, usw. usw., und es gäbe noch Kritikpunkte anzufügen … Aber ich habe es geliebt!
Nur schon der Prolog ist ein Monster für sich. Über 30 Seiten breitet Kondjyaro das Szenario der Stadt aus und erzählt gleichzeitig die subtile, subversive Geschichte einer Anarchistin. Großartig. Diese Menschlichkeit, diese Empathie für die Charaktere zieht sich durch das gesamte Werk. Es ist warm, es glüht. Nach dem Prolog folgen auf knapp 900 Seiten unzählige Charaktere – Revolutionäre, versprengte Jugendliche, Säufer und Kleinkriminelle, schräge Unterweltgestalten, Mütter und Väter und ihre kaputten Familien, Junkies, Aktivisten, Anarchisten, Faschisten, Cops etc. –, ihre Geschichten, Erzählungen, Verstrickungen und biografischen Fäden, die ich unmöglich zusammenfassen kann. Die Themen sind hochaktuell und erschütternd nah an unserer Gegenwart, die (erneut) ins Faschistoide zu kippen droht. Die bildhafte Sprache ist anspruchsvoll und auf höchstem Niveau und passt mit ihrem sozialkritischen Unterton hervorragend zu den Inhalten. Auch wenn es ausufert, auch wenn es ausfranst – für mich war das Buch in sich total stimmig und geschlossen.
Ich lege dieses Werk allen Lesenden ans Herz, die sich auf ein wahrhaft verrücktes, größenwahnsinniges, anspruchsvolles, politisches, aber tief menschliches Buch einlassen wollen. Mich hat es reich belohnt.
- Stefan Bollmann
Monte Verità
(7)Aktuelle Rezension von: MasariZuerst hatte ich den Film Monte Verità gesehen. Da mich die Geschichte in ihren Bann gezogen hatte, kaufte ich mir das Buch. Interessant ist, wie viele, vor allem kreative Menschen, es zum Wahrheitsberg um 1900 gezogen hat, von Gusto Gräser, Ida Hofmann-Oedenkoven, Herrmann Hesse, über Mary Wigman oder Rainer Maria Rilke haben alle versucht, den damaligen Konventionen und konservativen Elternhäusern und Leben zu entfliehen und naturnaher zu leben. Es ist also gar kein neues Bestreben der Menschheit, sich vegan/vegetarisch zu ernähren und der Massentierhaltung entgegen zu wirken. Das fand ich sehr interessant und bemerkenswert. Das Buch ist für mich wirklich anhand seiner historischen Verbindungen sehr gut recherchiert und geschrieben und somit unbedingt eine Empfehlung. Danke an Stefan Bollmann für dieses wertvolle Werk.
- unknown
Contemporary Anarchist Studies: An Introductory Anthology of Anarchy in the Academy (2009-03-14)
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Nils Honne
Corporate Anarchy
(25)Aktuelle Rezension von: BabschaMarvin Ruf geht es nicht gut. Er ist Werbetexter in einer Berliner Agentur und fühlt sich gelinde gesagt unwohl. Nicht nur mit seinem Job, in dem er tagtäglich Werbelügen für unterschiedlichste Auftraggeber verfassen muss, sondern auch mit den großen Themen wie der Klimakatastrophe, der rücksichtslosen Ausbeutung unseres Planeten und seiner Menschen durch Konzerne und Manager und der rücksichtslosen Gier der Menschen. Panikattacken sind an der Tagesordnung. Da er über ein nur sehr eingeschränktes Selbstbewusstsein verfügt (den tollen Eltern sei Dank) beschränkt sich seine Gegenwehr zunächst auf das nächtliche Überkleben und Ändern von Plakaten seiner illustren Kundschaft. Eines Tages allerdings lässt er auf einem finalen Meeting mit einem Energiekonzern, Großkunde seiner Agentur, die Bombe hochgehen und düpiert diesen gnadenlos. Das kostet ihn den Job. Kurz danach gerät er auf einer Demo in ein lebensgefährliches Handgemenge mit der Polizei und wird von einem dubiosen Mann namens Lennard schwer verletzt gerettet.
Als er später aufwacht, befindet er sich auf einem alten verlassenen Stasigelände irgendwo in Brandenburg, auf dem eine Handvoll Männer und Frauen ökologisch mustergültig lebt, eine Rebellentruppe mit ähnlichen Gedankenmustern wie seinen. Polizeilich gesucht und der charismatischen Person des Lennard immer mehr verfallend, bindet er sich an diese Menschen an, bleibt bei ihnen und taucht mit der Zeit immer tiefer ein in deren unheimliche Welt, die ihr gefährliches Gesicht brutaler Gewalt gegen korrupte Managertypen erst nach und nach offenbart. Doch da ist es bereits zu spät für ihn.
Der Autor, selbst aus der Werbebranche, legt in seinem Debutroman ein handwerklich recht solide gestricktes Stück Literatur mit hoher Sprachkompetenz vor, das trotz einiger Holprigkeiten in Logik und Gedankenführung als Mischung aus Krimi, Ökothriller und Gesellschaftsdrama spannend gemacht ist und im Großen und Ganzen trotz der im letzten Drittel wahrlich bluttriefenden Entwicklung durchaus funktioniert und zu überzeugen weiß. Die Figur des immer selbstkritischen, aber schwachen und damit beeinflussbaren Marvin ist in ihrer Zerrissenheit zwischen Gut wollen und Böse handeln gut konstruiert und streckenweise wirklich beklemmend zu begleiten, zumal die ganze Geschichte nicht fiktional, sondern hautnah an der Realität gebaut ist. Und auch hier gilt mal wieder: No one gets out here alive. Bis zum bitteren Ende.
Fragments of an Anarchist Anthropology by Graeber, David 1st (first) Edition [Paperback(2004)]
(1)Noch keine Rezension vorhanden- David Graeber
Anarchie - oder was?: Gespräche mit Mehdi Belhaj Kacem, Nika Dubrovsky und Assia Turquier-Zauberman (Anarchies)
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Rolf Cantzen
Freiheit unter saurem Regen. Überlegungen zu einem libertär-ökologischen Gesellschaftskonzept
(1)Noch keine Rezension vorhanden Linksradikalismus. Linksradikale Kräfte in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen
(1)Noch keine Rezension vorhanden- Michael Lausberg
Kropotkins Philosophie des kommunistischen Anarchismus
(1)Noch keine Rezension vorhanden











![Fragments of an Anarchist Anthropology by Graeber, David 1st (first) Edition [Paperback(2004)] Cover des Buches Fragments of an Anarchist Anthropology by Graeber, David 1st (first) Edition [Paperback(2004)] (ISBN: B00BSZWSBU)](https://images.lovelybooks.de/img/90x/lb-cover/B00BSZWSBU_1484596741779_xxl.jpg)









