Bücher mit dem Tag "angola"

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27 Bücher

  1. Cover des Buches Eine allgemeine Theorie des Vergessens (ISBN: 9783406713408)
    José Eduardo Agualusa

    Eine allgemeine Theorie des Vergessens

     (79)
    Aktuelle Rezension von: jenvo82

    „Gott wiegt die Seelen auf einer Goldwaage ab. Auf der einen Seite die Seelen, auf der anderen alle Tränen derjenigen, die um sie weinen. Weint niemand, geht die Seele hinab in die Hölle. Wenn genügend und ausreichend aufrichtige Tränen da sind. Kommt sie in den Himmel. Daran glaubte Ludo fest. Oder wollte zumindest daran glauben.“

    Inhalt

    Das Buch beginnt mit dem Tod von Ludovica Fernandes Mano, die tatsächlich 85 Jahre alt geworden ist und im Oktober 2010 in einer Klinik in Luanda gestorben ist. Doch zuvor führte sie ein äußerst ungewöhnliches Leben, überschattet von den politischen Unruhen in Angola. Als eines Tages ein Einbrecher vor Ludos Wohnung steht, die sie sich mit ihrer Schwester und dem Schwager teilt, sieht sie sich gezwungen, den jungen Mann zu erschießen. Seine Leiche nimmt sie mit in das geräumige Appartement und vergräbt sie auf der Dachterrasse. Doch mit der Schuld kann sie nicht gut leben, sie beschließt sich selbst einzumauern und von dem zu leben, was ihren Weg kreuzt. Und in der Zwischenzeit geht das Leben einfach weiter, das Land wird nach wie vor von politischen Unruhen gebeutelt, die Täter und Opfer sind zahlreich und Korruption gibt es in allen Bereichen. Als nach 30 Jahren ein kleiner Junge namens Sabolo zu Ludo in ihr selbstgewähltes Gefängnis klettert, beschließt sie sich dem Schicksal anzuvertrauen und gibt ihre Einsamkeit auf …

    Meinung

    Der angolanische Autor José Eduardo Agualusa stand mit diesem Roman auf der Shortlist des International Man Booker Prize 2016 und erhielt für sein literarisches Werk bereits einige Auszeichnungen. Und Erzählen kann er wirklich, denn so abstrakt und ungewöhnlich, wie diese Geschichte anmutet, so selbstverständlich fügt sie sich doch in die Gedankenwelt des Lesers ein, was sicherlich auf die Qualität der Erzählung im sprachlichen wie empathischen Bereich schließen lässt. So tragisch und grotesk Ludos Entscheidung auch anmutet, sich selbst einzumauern, so logisch wirkt sie dennoch.

     Mein allergrößter Kritikpunkt an diesem Roman ist einerseits sein scheinbar willkürlicher Aufbau, andererseits seine unübersichtliche Entwicklung und letztlich das Fehlen einer greifbaren, aussagekräftigen Handlung. Möglicherweise mag das an meiner Unkenntnis über die politische Situation in Angola zur damaligen Zeit liegen, denn ich konnte den Text nur schwer interpretieren. Es werden eine Vielzahl an Nebenprotagonisten eingeführt, deren jeweilige Motivation ausführlich geschildert wird, die aber immer genau dann verschwinden, wenn ich ihr Wirken im Gesamtkontext einordnen konnte. Wenige Seiten später tauchen sie erneut auf, nur aus einer vollkommen anderen Perspektive, die meine bisherigen Annahmen sogleich zunichte machte. Tatsächlich ist es dieses unendliche Auf und Ab, was mir die Lesefreude genommen hat. 

    Sehr gelungen empfand ich hingegen die inneren Dialoge, die Ludo mit sich selbst führt, ihr Unvermögen der Situation zu entkommen, ihr schwindendes Augenlicht und die Angst vor vollkommener Erblindung aber auch ihr Einfallsreichtum in Sachen Lebensmittelerwerb – all das habe ich gerne und mit viel Neugier gelesen, nur sind das leider nur Bruchteile dieses ohnehin dünnen Buches. 

    Fazit

    Es werden leider nur 2 Lesesterne für diesen Roman, der auf mich wie eine Art Experiment wirkt. Er lenkt das Augenmerk auf die Politik, schwenkt dann hin zu Menschen, die dem System entfliehen und anderen, die sich ihm unterordnen, damit verschmelzen oder es aus den Angeln heben wollen. Sie alle teilen sich ein kleines Fleckchen Erde, und ihre Lebenswege berühren einander, jedoch ist schwer nachvollziehbar, wer hier profitiert und wer mit dem Leben bezahlt. Dadurch das der Text immer nur kurze Episoden aus Sicht diverser Figuren bietet, bleibt für mich der Sinn des Buches im Verborgenen. Vielleicht kann man damit mehr anfangen, wenn man die Hintergründe kennt und bestenfalls den ein oder anderen Namen. Mich hat die Geschichte zunächst verwirrt, später nur kurz unterhalten und letztlich gelangweilt. Also eher verschwendete Lesezeit. Allerdings findet man hier wunderbare Sätze, über die ich gerne nachdenke, wie z.B. „Es gibt Leute, die regelrecht Angst haben vor dem Vergessenwerden. Bei ihm war es umgekehrt: Er litt unter der schrecklichen Vorstellung, dass man ihn niemals vergessen würde.“ 

  2. Cover des Buches Die Mauern von Porto (ISBN: 9783453441132)
    Mario Lima

    Die Mauern von Porto

     (27)
    Aktuelle Rezension von: Inflorenzarin

    Nachdem ich Tod in Porto gelesen hatte, freute ich mich auf einen weiteren rasanten und temporeichen Krimi. Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt, aber enttäuscht bin ich trotzdem nicht.

    Die ersten 120 Seiten empfand ich wie einen in die Länge gezogenen Prolog. Danach nahm der Roman an Fahrt auf. Spannend fand ich diesen Kriminalroman nicht, aber dafür sehr interessant, weil der Autor hier die Themen Cold-Case und Verjährung aufgreift. Mir war nicht bekannt, dass in Portugal ein Mord nach 15 Jahren verjährt. Das hielt ich zunächst für einen Witz.

    Nachdem also zwei Skelette in einem Dachstuhl geborgen worden, musste der Täter ja irgendwie gefasst werden. Da der Mord aber verjährt war, hat der Autor dem Mörder einfach einen weiteren Mord aufs Auge gedrückt, damit man ihn schnappen kann.

    Von der Logik und der Thematik her fand ich den Plot ganz ansprechend, aber mir ist auch aufgefallen, dass der Autor dazu neigt, die Damen der Schöpfung ein wenig zu idealisieren. Auch das Team als solches erscheint mir viel zu harmonisch, das wortlose Verstehen, diese grenzenlose dauernd mitschwingende Empathie für Opfer des Nelkenkrieges und das ständige miteinander Essen-gehen nervte mich irgendwann dann doch etwas und wollte auch nicht unbedingt zu einem Kriminalroman passen.

    Aber es hat sich trotzdem gelohnt, diesen Roman zu lesen, da der Autor viele nebensächliche Informationen einbaut, die darauf schließen, dass er sehr gut recherchiert. Spannend fand ich jetzt also nicht unbedingt den Fall als solches, sondern die Art, wie der Autor die Dinge miteinander kombiniert.

    Die Spannung fehl, weil ich als Leser*in besser informiert bin als die Kripo. Ich bin dem ermittelnden Team immer einen Schritt voraus. Das ist eher ent-spannend. Darum gibt es von mir 4 Sterne

  3. Cover des Buches Die Brandmauer (ISBN: 9783423212199)
    Henning Mankell

    Die Brandmauer

     (556)
    Aktuelle Rezension von: Frank_Pfeifer

    Unverständliche Morde von Teenagern an einem Taxifahrer, ein Mann mit apokalyptischen Zukunftsvisionen stirbt vor einem Geldautomat und ein Kommissar, der die Beherrschung verliert - das sind die Ingredienzien, mit denen dieser Krimi angerührt wird. Kommissar Kurt Wallander versucht daraufhin dem Unverständlichen einen Sinn zu geben und sieht sich mit dem Vertrauensverlust seiner Kollegen konfrontiert, nachdem er im Verhör ein junges Mädchen geohrfeigt hat, als dieses ihre Mutter anging. Immer wieder will er aufgeben - ohne Rückhalt im Kommissariat und angesichts einer Verrohung der Gesellschaft, die er nicht mehr nachvollziehen kann. Aber Kurt Wallander überwindet sich immer wieder selbst und kommt letztendlich einer Gruppe Hackern auf der Spur. 

    Mir gefällt Kurt Wallander, weil er ein Zweifler ist. Er ist kein geniales Superhirn und zweifelt immer an sich selbst und an der Welt. So kann man ihm auf Augenhöhe begegnen und leidet mit ihm mit. 

    Ich fand die Auflösung der Zusammenhänge zum Schluss nicht ganz rund, Kurt Wallander gibt selbst zu, dass einige Details nicht ganz geklärt werden konnten. Mich persönlich ärgert das ein wenig, so erscheinen einige Details (das Relais auf der Leiche) als reine Köder, um die Rätselspannung zu erhöhen, ohne wirklich Sinn zu ergeben. 

    Die Grundstimmung dagegen - diese Welt ist ein unsicherer Ort und zum Glück gibt es Menschen wie Kommissar Wallander, die nicht locker lassen, bis sich der Nebel wenigstens ein wenig gelichtet hat - hat mir zugesagt, da passen Thema und Protagonist gut zusammen.

  4. Cover des Buches Blutige Steine (ISBN: 9783257231847)
    Donna Leon

    Blutige Steine

     (145)
    Aktuelle Rezension von: Buecherbaronin

    Mit dem Kriminalfall bin ich nicht richtig warm geworden. Sobald politische Intrigen mit verwoben werden, verliere ich das Interesse. Denn der Mord, der zunächst nach einer rassistisch motivierten Tat aussieht und somit schon jede Menge Potenzial gehabt hätte, zieht rasch immer größere Kreise. Eine internationale Verschwörung und korrupte Behörden, das ist alles schon hundertfach dagewesen und hier in „Blutige Steine“ auch einfach nicht spannend oder innovativ erzählt.

    Auch dass Commissario Brunetti regelmäßig den Dienstweg missachtet, sondern lieber Freunde und Bekannte mit einbezieht, die ihm hier und da eine Tür öffnen, ist eigentlich eine gute Idee. Hier wird sie aber überstrapaziert. Für quasi jedes Problem, jede spezielle Frage hat Brunetti einen Experten zur Hand, der sofort helfen kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich erst mit dem vierzehnten Band in die Reihe eingestiegen bin, aber zu oft werden größere Hürden auf diese Weise problemlos genommen.

    Pluspunkte kann „Blutige Steine“ aber auch sammeln. Zum Beispiel mit den sympathischen Nebenfiguren, allen voran Brunettis Familienmitglieder, die immer wieder mit eingebunden werden. Oder mit dem angenehmen Schreibstil, der sich flüssig und leicht weglesen lässt. Oder mit den Beschreibungen des italienischen Essens, die voll meinen kulinarischen Nerv getroffen haben.

  5. Cover des Buches Spur der Schatten (ISBN: 9783839894156)
    Gil Ribeiro

    Spur der Schatten

     (42)
    Aktuelle Rezension von: Anna_Ressler

    Inhalt: Nach erfolgreicher Lösung ihres ersten Falles ermitteln Leander Lost und seine portugiesischen Kollegen Graciana und Carlos dieses Mal im Fall einer ermordeten Kollegin. Verschieden Hinweise führen schließlich zu einer politischen Aktivistin aus der ehemaligen Kolonie Lagos und machen den Fall international.

    Meine Meinung: Der Autor entführt den Hörer gekonnt ins schöne Portugal. Es war als würde ich die kleinen Gässchen selbst beschreiten - herrlich. Auch die manchmal etwas eigenen Ermittlungsmethoden von Leander Lost und sein bestechend analytischer Verstand, sowie seine kleinen Marotten haben mich wunderbar unterhalten. Auch Graciana, ihre Schwester Soraia und Carlos bekommen genug Raum, was die Geschichte sehr menschlich macht. Es macht einfach Spaß die zwischenmenschlichen Entwicklungen zu verfolgen. Der Fall entwickelt sich in gutem Tempo und sorgt für spannende, sowie komische Momente. Die angestellten Ermittlungen sind zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar.
    Andreas Pietschmann liest großartig und ist wie ich finde, hier als Sprecher eine Top - Besetzung.

    Mein Fazit: Die Reise an die Algrave lohnt sich definitiv!!!

  6. Cover des Buches Mission Munroe - Die Touristin (ISBN: 9783442478231)
    Taylor Stevens

    Mission Munroe - Die Touristin

     (68)
    Aktuelle Rezension von: Fire

     

  7. Cover des Buches Die Wüstenkönigin (ISBN: 9783453418653)
    Ulrich Wickert

    Die Wüstenkönigin

     (10)
    Aktuelle Rezension von: kassandra1010
    Ricou schafft es diesesmal aus seinem kleinen verzwickten Paris heraus nach Angola. Dort scheint sich eine Spur von Rache bis in seine geliebte Heimatstadt zu ziehen und die bring Tod, Rache und Vergeltung mit sich.

    Beeindruckend schildert Wickert die Verstrickung von Politik, Geldgier und der Suche nach einem besseren Leben. Eindrucksvoll und ohne allzu blutig zu werden beginnt die Rache einer Frau, die in ihrem Leben selten Liebe und Glück kennengelernt hat.

  8. Cover des Buches Die Rückkehr der Karavellen (ISBN: 9783596148431)
    António Lobo Antunes

    Die Rückkehr der Karavellen

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Dass der portugiesischen Nation allerhand Legendäres und Mystisches nachgesagt wird, wie die Schwermut, das Eroberergen und das Entdeckertum, schuf auch viele überbewertete Missverständnisse. Antunes lässt in seinem Roman die großen historischen Personen in die Gegenwart zurückkehren, in Lissabon stranden und sich mit dem Wert ihrer Taten in diesem Kontext der Moderne auseinandersetzen. Das Ergebnis ist ein überbordender Roman mit viel versteckter Ironie, so manchem Seitenhieb auf all die Legenden und eine Abrechnung mit den legendären Mythen Portugals. Seine Sprache ist ein Tsunami aus Bildern, teilweise absurd wirkend, aber immer mit der Meisterschaft hinreißender Phantasie. Er verlangt einiges vom Leser, seine Sätze sind lang und erfordern Konzentration, doch dann wird man durch großartige Wortakrobatik belohnt, die nicht viele Autoren unserer Zeit so gut beherrschen.
  9. Cover des Buches Die Brandmauer (Ein Kurt-Wallander-Krimi 9) (ISBN: 9783869090887)
    Henning Mankell

    Die Brandmauer (Ein Kurt-Wallander-Krimi 9)

     (22)
    Aktuelle Rezension von: -BuchLiebe-
    Leider hat mich die Geschichte nicht gefesselt.
    Es gab durchaus spannende Momente... aber sonst?
    Mir blieb das alles irgendwie zu vage und zu verwirrend. 
    Für mich war das zu viel Zufall, wie die verschiedenen Kriminalfälle zusammen hängen, was das mit Wallander und seiner Bekanntschaft zu tun hat. Diese ganzen Verbindungen waren für mich nicht so richtig nachvollziehbar. Wie auch das eigentliche Motiv des Internet-Anschlags.
    Vielleicht lag es auch an mir... war ich nicht konzentriert genug bei der Sache?
  10. Cover des Buches Schwarzes Fieber (ISBN: 9783492954600)
    Wolfgang Burger

    Schwarzes Fieber

     (33)
    Aktuelle Rezension von: julestodo

    Eine Frau, die knapp einen Mordanschlag überlebt, aber nicht sprechen kann oder will, das ist der Anfang dieses Buches. Später gibt es dann Verwicklungen, deren Spuren nach Angola führen und aufzeigen, wie mit Menschen umgegangen wird, wenn der Profit im Vordergrund steht.

    Auf privater Ebene hat Gerlach mit seinen Töchtern und ihrer neu entdeckten Liebe zu Pferden zu tun. Auch hier gibt es wieder einiges zu regeln!

    Diese Reihe macht süchtig, ich habe selten eine Reihe so in einem Rutsch durchgelesen wie diese, Ich bin froh, dass noch einige Bücher vor mir liegen! ;)

  11. Cover des Buches Guten Abend ihr Dinge hier unten (ISBN: 9783641241513)
  12. Cover des Buches Der Botschafter des Teufels (ISBN: 9789963531387)
    Ruprecht Günther

    Der Botschafter des Teufels

     (3)
    Aktuelle Rezension von: annlu

    Plötzlich überfiel ihn wieder die Verzweiflung, die seit dem Fund der DVD mit kalten Händen nach seinem Leben griff. Wo er sich auch hinwandte, überall begegneten ihm Schatten, die sich, wenn er nach ihnen greifen wollte, geschickt entzogen.

    Peter Becher ist erster Sekretär der deutschen Botschaft in Lissabon und führt ein geordnetes Leben. Einzig bei seinen heimlichen Treffen mit seinen schwarzen Affären bricht er aus diesem Leben aus. Doch das ändert sich, als er eine DVD findet, die seinen Tod zeigt. Überzeugt davon, die Zukunft zu sehen versucht er alles, um diesem Schicksal aus dem Weg zu gehen. Zunächst noch glaubt er an die Schuld seines Konkurrenten, findet sich aber immer merkwürdigeren Ereignissen gegenüber: ein geheimnisvolles Museum, das immer wieder verschwindet; Fotos, die er sich nicht erklären kann und Zeugen, die getötet werden. Als ihm die Sekretärin des Botschafters zu Hilfe eilt um das Geheimnis zu lüften, scheinen immer mehr Hinweise auf die Zeit seiner Kindheit hinzudeuten.


    In der idyllischen Umgebung Lissabons begegnet Peter den dunklen Seiten der Stadt. Dem entsprechend empfand ich den Schreibstil des Autors: einerseits nutzt er Umschreibungen von Farben, die die schönen Seiten der Stadt zeigen, während er sich andererseits kurzer Andeutungen bedient, um ein ungutes Gefühl entstehen zu lassen. Dazwischen liegen Abschnitte, die in ihrer Sprachwahl im Vergleich eher banal und alltäglich erscheinen. Diese werden dann genutzt, wenn die Handlung sich direkt mit Peter beschäftigt und passen zu seinem Charakter. Den geordneten, pflichtbewussten Peter bekommt der Leser nicht zu Gesicht, der verschwindet auf Grund der Ereignisse. Dafür sieht der Leser die Seite an ihm, die bei seinen geheimen Eskapaden hervorkommt – eine Gefühl der Überlegenheit, leichte Arroganz und Macht, die er wohl als Ausgleich von der freundlichen Maske braucht, die er in der Botschaft aufzusetzen pflegt. Diese Maske bröckelt sehr schnell, als er mit der DVD und den darauf folgenden Ereignissen konfrontiert wird. Warum er den Film nicht als Farce abtut und sich sicher ist, darin seine Zukunft zu sehen, habe ich lange nicht verstanden – das hat aber meine Meinung zur Geschichte nicht wirklich getrübt. Im zweiten Teil verschlägt es Peter nach Angola, das sehr realistisch als Land zwischen Armut mit all seinen Wehen und neuem Reichtum mit all seinen Möglichkeiten beschrieben wird. Tatsachen aus dem ersten Teil, die ich als gegeben angesehen hatte, werden nun hinterfragt, die Vergangenheit nimmt immer mehr Einfluss auf Peters Leben. Das Buch ist nicht darauf aus, den Leser dauernd unter Hochspannung zu halten, einige Szenen entwickeln sich erst langsam, die Grundstimmung wird dabei aber immer aufrechterhalten: geheimnisvoll, leicht bedrohlich mit dem Gefühl, dem dafür Verantwortlichen immer einen Schritt hinterherzuhinken. Gespickt ist das Ganze mit einer Reihe an geschichtlichen Details zur Diktatur in Portugal und zum Bürgerkrieg in Angola.

    Fazit: Der Beginn gefiel mir sehr gut, die Mischung aus unerklärlichen Ereignissen und Thriller war nach meinem Geschmack. Zur Mitte hin flachte die Spannung etwas ab und ein etwas langatmiger Teil wird zum Ende hin wieder besser, indem er überraschende Wendungen bringt und damit Ereignisse des ersten Teils anders interpretieren lässt.

  13. Cover des Buches Die faszinierende Naturwelt Afrikas (ISBN: 9783867260732)
    Giovanni G. Bellani

    Die faszinierende Naturwelt Afrikas

     (3)
    Aktuelle Rezension von: BeautyBooks
    Zwischen Mittelmeer und Kap der Guten Hoffnung erstrecken sich großartige Landschaften: Gebirgsregionen, Wüsten und Halbwüsten, Savannen und Regelnwälder bedecken die gewaltige afrikanische Landmasse. In diesen wilden Naturregionen mit ihren riesigen Naturparks tummelt sich eine Tierwelt, zu der einige der seltensten Arten der Erde gehören.. Auf den farbgelwatigen, großformatigen Aufnahmen zeigt sich Afrika in all seiner Schönheit, von den Löwen- und Elefantenherden in der Masai Mara, über die bis zu 2000 Jahre alten Zypressen im Tassili-n-Ajjer Nationalpark und den rosa Falmingos im Nakurusee bis hin zu den unberührten Tropenwäldern im Odzala-Reservat in der Republik Kongo.. Ein traumhaftes Buch, dass ich zu Weihnachten von meinem besten Freund geschenkt bekommen hab.. Für jeden Afrika Liebhaber auf jeden Fall ein MUSS =) ..
  14. Cover des Buches Der Judaskuß (ISBN: 9783641249922)
    António Lobo Antunes

    Der Judaskuß

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Duffy
    Lobo Antunes ist wohl Portugals sprachgewaltigster Schriftsteller, seine Wortkaskaden lassen dem Leser Bilder voller Vielfalt und Emotionen vor dem geistigen Auge erscheinen. Es ist sein Stil, der ihn unverwechselbar macht und der es immer wieder schafft, sein Publikum so nah wie nur möglich an Gefühlsebenen heranzuführen. Gerade wenn es um so sensible Themen geht wie in diesem Buch, das eigentlich nur ein Monolog ist, denn in einer Lissaboner Bar erzählt ein Betrunkener seiner zufällig von ihm zur Begleitung auserkorenen Herzensdame für eine Nacht seine Geschichte. Die Geschichte von 27 Monaten, die er in Angola im Krieg für Portugal verbracht hat, einem nutzlosen, grauenvollen und erniedrigenden Krieg für alle Seiten. Er stellt nicht nur das Kolonialsystem selbst in Frage, sondern klagt die unglaublichen Greueltaten an, die aus ihm und den Soldaten menschliches Treibgut gemacht haben. Er redet und redet ohne aufzuhören, alle Schattierungen der Emotionalität von wütend-aggressiv bis zärtlich-melancholisch durchläuft er, unversöhnlich gegen sich und auch gegen seine Begleiterin, die er letztendlich mit in seine Wohnung nimmt, um der Selbstzerstörung dieser Nacht auszuweichen, seiner Einsamkeit etwas entgegenzusetzen und mit oberflächlichem Sex und Alkohol Stunden der Erholung zu gewinnen. Dass es ihm auf keinen Fall gelingen wird, diesen Krieg aus sich herauszubekommen, weiß er, doch die Verzweiflung treibt ihn in die Situation, sich wenigstens für kurze Zeit daraus befreien zu können, um die Nacht zu überleben und nicht die Einsamkeit das tun zu lassen, was keine Kugel geschafft hat.
    Dieses Werk machte Antunes in Portugal populär, es war in erster Linie ein Skandal in der einst so erfolgreichen Kolonialmacht, es war aber auch ein Plädoyer für die, die in diesem Krieg ihr Leben verloren haben und damit auch den Anfang für den Schlussstrich unter das gesamte Kapitel der Koloniamacht gezogen haben.
    Antunes' Sprache ist einmalig, selten kann ein Autor offensichtlich so mühelos durch Worte so lebendge Bilder zeichnen. Ein großes Werk, denn es hat Bestand, die Kriege unserer Zeit und die damit verbundenen menschlichen Schicksale sind immer noch dieselben, nur das sie anderswo stattfinden. Man sollte mit der Empfehlung "Pflichtlektüre" vorsichtig sein, schaden kann diese Lektüre sicher  niemandem. Die Leute, für die es Pflicht sein sollte, Bücher wie dieses zu lesen, werden dann doch eher zu etwas "Hochgeistigem" greifen.
  15. Cover des Buches Der schöne Schein der Wahrheit (ISBN: 9783404605903)
    Wolf von Lojewski

    Der schöne Schein der Wahrheit

     (5)
    Aktuelle Rezension von: rumble-bee


    Ich habe dieses Buch schon lange im Regal stehen. Ich muss es aus irgendeinem Tausch oder einer Bücherkiste bekommen haben. Und dann wartete es auf eine passende Gelegenheit, gelesen zu werden. Die bietet sich nun mit der „Sachbuch-Challenge“.

    Etliche Leser und Rezensenten haben sich kritisch gegenüber diesem Buch geäußert. Oder zumindest nicht unbedingt begeistert. Zu trocken, bieder, bemüht. Das las man allenthalben. 

    Ich kann diese Stimmen verstehen. Ich finde, es liegt daran, dass Wolf von Lojewski als „verkappter Germanist“ rüberkommt. Das hat er zwar nicht studiert, aber er stammt doch erkennbar aus einem nicht gerade bildungsfernen Umfeld. Viele seiner Kapitel lesen sich wie halbe Glossen oder Essays. Manchmal lässt er auch seine Bildung „raushängen“ - wenn er zum Beispiel erzählt, dass er seltene Erstdrucke sammelt, und wie teuer die sind. Oder wenn er Werke der klassischen Literatur zitiert.

    Uninteressant fand ich das Buch nun nicht! Eher im Gegenteil. Man darf es einfach nicht „in einem Rutsch“ lesen. Sonst überfrisst man sich ein wenig am unverbindlich-plaudernden, aber dennoch gehaltvollen Ton. 

    Einen roten Faden gibt es auch nicht wirklich. Von Lojewski behandelt eine Vielzahl von Themen. Das geht quer durch diverse Auslandsreisen, konkrete Erlebnisse, die Außenpolitik diverser Staaten, das Berufsbild des Journalisten, Gedankenspielereien zu Medien und die Kommunikation der Zukunft.  Ich würde sogar sagen, dass es sich gut eignet, um auf einem Couchtisch griffbereit zu liegen – zum immer-mal-wieder-Nachlesen einzelner Kapitel.

    Es ist also weder eine Biographie, noch eine konkrete Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema. Das sollte man wissen. Und man sollte vorbereitet sein auf einen Stil, der sich halb zwischen Erzählen, Plaudern und Referieren befindet. Dann kann man das Buch durchaus genießen.

  16. Cover des Buches Wohin der Wind uns weht (ISBN: 9783518465974)
    João Ricardo Pedro

    Wohin der Wind uns weht

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Sommerregen
    João Ricardo Pedros Debütroman “Wohin der Wind uns weht” umfasst die Erlebnisse dreier Generationen. Die Geschichte beginnt mit der Nelkenrevolution am 25. April 1974, durch die Portugal von der 40 Jahre andauernden autoritären Diktatur befreit wird.

    Doktor Augusto Mendes, der als Arzt auf dem Land lebt, sitzt mit anderen Dorfbewohnern bei Tisch; die Politik wird zum Thema gemacht. Als er das Verschwinden seines alten Freundes Celestino bemerkt, begibt er sich auf die Suche nach diesem und wird fündig. Celestinos Überreste- die ihn umschwirrenden Fliegen haben kaum mehr als sein Glasauge und den von Kugeln zerlöcherten Schädel übrig gelassen- liegen auf einem herrenlosen Brachland.
    Doch wird nicht nur seine Geschichte und die seiner Frau Laura erzählt, sondern umspannt das Buch noch zwei weitere Generationen. Antonio Mendes, der Sohn des Dorfarztes, muss während des Kolonialkrieges 1961 bis 1973 zwei mal nach Angola ausrücken, weswegen er, wie viele andere, traumatisiert zurückkehrt. Bei dem ersten Treffen mit seiner Frau erkennt er zu Beginn zum Beispiel seinen eigenen Sohn nicht mehr wieder.
    Doch auch in der Zukunft lassen sich immer wieder Verknüpfungen zu seinen Erlebnissen herstellen, Auslöser für weitere Erlebnisse auffinden.

    Sein Sohn, um den es in dem Buch zentral geht, erfährt nur nach und nach als er älter wird von einzelnen schockierenden Geschichten seines Großvaters und seines Vaters. Duarte selbst begibt sich erst nach dem Tod Augusto Mendes’ auf die Suche nach den Spuren der Vergangenheit, möchte etwas über die Geschichte seiner Vorfahren erfahren. Diese Handlung setzt jedoch erst am Ende des Buchs ein, sodass man Duarte auf diesem Weg nur in seinen Anfängen begleiten kann.
    Duarte selber ist ein sehr begabter Pianist. Er wird dafür bewundert, dass seine Finger unaufhaltsam über die schwarzen und weißen Tasten huschen und dabei die Werke berühmter Komponisten aufblühen lassen. Doch als er droht, sich in der Musik zu verlieren beendet er seine vielversprechende Karriere als Pianist plötzlich, was in seinem Umfeld zunächst Unverständnis hervorruft.

    Beim Lesen des Buchs begleitet man Augusto, Antonio und Duarte immer abwechselnd bei besondern Episoden ihres Lebens, welche oftmals mit der politischen Lage Portugals verbunden sind. Zu Beginn ist dies noch sehr undurchschaubar, doch je mehr man liest, desto häufiger erkennt man Personen wieder, entdeckt Zusammenhänge oder versteht den Grund für eine gewisse Handlung. Dennoch hilft es sehr, wenn man einige Passagen mehrfach liest, um so dieses Gewebe an Handlungen genau erfassen zu können.
    Man erfährt von der Entwicklung Portugals, aber auch von dem Heranwachsen und Älterwerden der Charaktere. Duarte wird erwachsen, verändert sich.

    Doch auch der Schreibstil erfährt einen Wandel. Zu Beginn sind die Sätze noch sehr lang, in gewisser Weise verspielt, wenn sie auch einen melancholischen oder brutalen Inhalt vermitteln. Je weiter die Geschichte dann jedoch voran schreitet, desto kürzer und einprägsamer werden die Sätze. Häufig werden sogar Ellipsen eingesetzt, sodass einige Passagen nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich ein befremdliches oder auch unbehagliches Gefühl hervorrufen, welches stets zu der Handlung passt.
    Meistens ist der Schreibstil sehr ansprechend, beinahe poetisch, doch dann wird das ganze plötzlich, was mir ehrlich gesagt nicht ganz so sehr gefallen hat, durch eine vulgäre Erzählweise gebrochen. Sicherlich kann man dies als Ausdruck des starken Unmuts, der Verzweiflung und der Wut oder den vielen anderen Gefühlen der Hauptcharaktere erklären, dennoch gefällt mir der klingende Schreibstil wesentlich besser.

    Beim Beenden des Buchs blickt man auf ein Gewebe der Geschichten dreier Generationen die, ohne dass man es zu Beginn vermutet hätte, alle mit einander verbunden sind. Man sollte sich für dieses Buch aber definitiv Zeit nehmen und auch nach Beenden des Buchs braucht es noch etwas, bis man das Gelesene richtig geordnet und verstanden hat.
    Um die in diesem Buch beschriebenen Episoden verstehen zu können musste ich nebenbei immer wieder andere Texte zu Portugals Geschichte lesen und ich kann dies wirklich jedem empfehlen, da sonst wohl deutlich mehr Fragen offen blieben und die Bedeutungen verschiedener Episoden im Unklaren blieben.
    Ich denke auch, dass ich dieses Buch noch ein weiteres mal lesen werde, da ich glaube, dass man dann noch viele neue Details entdecken kann und sich noch weitere Fragen klären lassen, denn mit der letzten Seite des Buchs bleiben noch ein paar Fragen offen, deren Antworten im Vorangegangenen versteckt sein könnten.

    Alles in allem handelt es sich bei João Ricardo Pedros Debütroman “Wohin der Wind uns weht” um ein besonderes Buch, für das es Zeit braucht. Auf die Struktur des Buchs, sprich den sprunghaften Wechsel zwischen den Generationen, muss man sich einlassen, außerdem muss man sich beim Lesen konzentrieren. Wegen der vulgären Unterbrechungen im Schreibstil, die mir persönlich nicht ganz zugesagt haben, mache ich in meiner Bewertung Abstriche.
  17. Cover des Buches Einblick in die Hölle (ISBN: 9783442742400)
    António Lobo Antunes

    Einblick in die Hölle

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Storyteller98
    Dieses Buch war definitiv völlig anders als die, die ich meistens lese. Der Schreibstil des Autors war schwierig zu verstehen und gewöhnungsbedürftig. Teils gingen Sätze über eine halbe Seite oder mehr und waren dabei so sehr verschachtelt, dass ich sie zum besseren Verständnis mehrfach lesen musste. Andererseits war der Stil des Autores ungewöhnlich kunstvoll und reich an schönen Beschreibungen. Ich ließ mich schnell in die gedrückte Stimmung des ganzen Buches hineinziehen; wie ich finde, schrie der Hass des Protagonisten auf die anderen Psychiater und auf sich selbst nahezu aus dem Buch heraus und war überaus bedrückend. Die ständigen Zeitensprünge beginnen unangekündigt und waren meist völlig verwirrend.
    Auch ich habe nicht alles Inhaltliche verstanden und das Buch lässt mich überaus nachdenklich zurück: War der Autor Arzt oder doch Insasse?

    Dies ist auf keinen Fall ein Buch für zwischendurch, sondern eines, dem man seine ganze Konzentration widmen sollte. Und das ist es wert!
  18. Cover des Buches Escudo (ISBN: 9783404152919)
    Thomas Gifford

    Escudo

     (10)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Kommission der Tränen (ISBN: 9783442714049)
    António Lobo Antunes

    Kommission der Tränen

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  20. Cover des Buches Sports from Hell (ISBN: 9783596187973)
    Rick Reilly

    Sports from Hell

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Rick Reilly hat als Sportjournalist von den größten Sportereignissen berichtet, bis ihn das Ganze nur noch angeödet hat und er sich auf die Reise machte, um die verrücktesten Sportarten der Welt zu finden. Er nimmt beim Extremsaunieren in Finnland teil, bei dem den Teilnehmern der obere Teil ihrer Ohren wegschmorte und man daumendicke Brandblasen davontrug, ebenso wie beim Bullenreiten im Hochsicherheitsgefängnis, das ua darin bestand, beim Bullenpoker am Pokertisch sitzen zu bleiben, während ein 900 kg schwerer Bulle auf einen zugeprescht kommt. Das Ganze ist sehr humorvoll geschrieben und insgesamt rundherum zu empfehlen!
  21. Cover des Buches Jaime Bunda, Geheimagent (ISBN: 9783293406254)
    Pepetela

    Jaime Bunda, Geheimagent

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Pashtun Valley Leader Commander
    Kafkaeske Geschichte mit dem faulsten Geheiagenten, der mir jemals untergekommen ist. Ein Diamant aus dem Unionsverlag
  22. Cover des Buches Barroco tropical (ISBN: 9783940666192)
    José Eduardo Agualusa

    Barroco tropical

     (4)
    Aktuelle Rezension von: michael_lehmann-pape
    José Eduardo Agualusa – Barroco Tropical Angola und das Leben Barock ist dieser Roman von José Eduardo Agualusa tatsächlich. Opulent, nicht nur wegen der Engel, die gegen Ende des Buches auftauchen werden (aber letztlich doch wenig mit den pausbäckigen Barockputten zu tun haben werden). Barock ist das Leben auf der feudalen Seite Angolas, durchaus in der Gegenwart, auch wenn Agualusa die Geschehnisse seines Romans um einige Jahre in die Zukunft verlegt. Die gesellschaftlichen Zustände einer kleinen, reichen, feudalistisch lebenden und herrschenden Schicht sind durchaus gegenwärtige Realität. Mitsamt allen Begleiterscheinungen der Korruption und der grenzenlosen Härte, wenn es um die Erhaltung der eigenen Macht geht. Fast wie ein Spiegelbild zur aktuellen Lage in Libyen wirkt es, was Agualusa farbenprächtig zu Papier bringt. Barock sind ebenfalls die Figuren, denen er sich mit echter Hingabe widmet. Sei es Bartolomeu Falcato, eigentlich glücklich verheirateter und erfolgreicher Schriftsteller in Angola, der dennoch (barock eben) dem Genuss des Lebens frönt, vornehmlich mit seiner Geliebten, Kianda, angolanische Jazz Sängerin von Weltruf. Eine Leben umgeben vom alltäglichen Balanceakt zwischen Wolllust, Angst, Genuss und Gewalt. Was Bartolomeu erst erkennt, als er in die Mühlen eines Zwischenfalls gerät. Eine Frau fällt ihm in einem Gewitter vom Himmel her vor die Füße. Anzunehmen, dass in einem nicht mystisch-magischen Roman die Frau aus einem Flugzeug gestürzt wurde. Warum aber und warum gerade Sie, die einige Tage zuvor (ebenfalls in einem Flugzeug), Bartolomeu zum Beischlaf anregen wollte? Bevor aber für den Leser sich die eigentliche Geschichte weiterentwickelt, entfaltet Agualusa (barock eben) ein farbenprächtiges und überbordendes Kaleidoskop von Figuren und Lebensumständen wie in einem Wasserfall von Sprache. Erzählt Teile der Lebensgeschichte des Schriftstellers Falcato, lässt seine Geliebte zu Wort kommen, die gerade bei seiner Frau, einer Psychologin, innerhalb einer Therapie ihre Verhältnis zu Falcato ausgiebig beleuchtet (mit Folgen für diesen, denn umgehend trennt sich seine Frau zunächst von ihm). Zudem aber führt Agualusa eine Figur nach der anderen ein, Lebenskünstler, Gescheiterte, Erfolgreiche in teils merkwürdigen Umständen (wer lebt schon in einem Aufzug?), bevor er im zweiten Teil des Buches dann die Verhältnisse in Angola und den eigentlich roten Faden der getöteten Frau wieder aufnimmt. In diesem fast überladenen Blick auf die diversen Figuren des Romans zeigen sich einerseits die großen Stärken, aber auch die Schwächen des Buches auf. Sprachlich hoch versiert, bildhaft auf den Punkt bringend und dennoch immer nah an den Figuren entsteht ein Bild von vielen Figuren, die alle in der ein oder andern Form ihren Teil zur Geschichte beitragen werden. In Teilen aber ist dies einfach zuviel und verwirrt an manchen Orten des Buches viel mehr, als dass es die Konzentration des Lesers fördert. Die Sortierung der Figuren fällt im ersten Anlauf schwer und macht, trotz der wunderbaren Sprache, durchaus Mühe. Den Anfang der Geschichte verliert man immer wieder ob der vielen Impulse, die Agualusa überschäumend setzt, aus dem Blick. Gut, das sich dieses Dickicht im zweiten Teil des Buches zumindest ein wenig lichtet, mehr und mehr die harte Realität des afrikanischen Landes in den Blick tritt und auch klarer und deutlicher wird, was an Hintergründen des Todesfalles im Raume steht. Schonungslose Hintergründe, die Agualusa Seite für Seite aus seinem umfassenden Figurengemälde heraustreten lässt. Es lohnt sich also, auch die mühsamen Teile dieses Buches gründlich zu lesen, um später die Gesamtkomposition der Geschichte in all ihrer Kleinteiligkeit erkennen zu können (und danach noch besser zu verstehen, welch menschenunwürdige Zustände in diesem Land Angola und vielfach auf der Welt herrschen, damit es einigen wenigen am barocken Leben nicht mangelt).
  23. Cover des Buches Die Frauen meines Vaters (ISBN: 9783293208506)
    José Eduardo Agualusa

    Die Frauen meines Vaters

     (6)
    Aktuelle Rezension von: aus-erlesen

    Wenn man sich am Freitagabend durch die Fernsehsender zappt, schwappt einem eine Überzahl an Talkshows entgegen. Es gab Zeiten, da wurde mit dem Hackebeil ein politisches Statement abgegeben. Oder Rockröhren zeigten vor laufender Kamera wie sich Geschlechtsgenossinnen mal was Gutes tun können. Und heute? Quietschvergnügt dahockende Moderationsmarionetten freuen sich tierisch, dass „Promis“ in „ihrer Show“ Belanglosigkeiten absondern, die nun wirklich keinen mehr hinter dem Ofen vorlocken. Geschichtenerzähler sind echte Mangelware geworden. Die verantwortlichen Redakteure sollten Mal José Eduardo Agualusa einladen. Der kann erzählen… und zwar die Geschichte von Faustino Manso, einem angolanischen Musiker, dessen Geschichte nur auf dem Papier vorbei ist. Denn da ist von Laurentina, seine Jüngste. Die bis vor Kurzem noch gar nicht wusste, das Faustino im Stunden Flugkilometer entfernten Angola ihr Erzeuger ist. Ihre Mutter hat ihr auf dem Sterbebett eine Briefbeichte hinterlassen. Von nun an kennt Laurentina nur noch ein Ziel: Ihren Vater kennenlernen. 

    Auf dem Flug nach Angola liest sie in Zeitungen einen Artikel über ihren bekannten unbekannten Vater. Eine Legende war er! Lebte im gesamten südlichen Afrika und gründete Familien, wo er sein Haupt bettete. Aber er war und blieb ein Rolling Stone. Die Todesanzeigen in derselben Zeitung übertreffen sich in Huldigungen und Lobeshymnen. Wird sie wirklich willkommen sein? So viele Frauen und Mütter und Kinder – und dann sie. Die Frau, die im vermeintlich reichen Portugal aufwuchs, sie nie meldete? Doch hier ist Afrika. Und Familie ist eben nun mal Familie. Da gibt es keine Ausnahmen. Und so taucht Laurentina in ein Leben ein, das sie niemals vermisst hat bis zu den Tagen, die ihr weiteres Leben verändern werden. 

    Man kann José Eduardo Agualusa nicht vorwerfen phantasielos zu sein. Schnell vertieft man sich in sein Buch und merkt gar nicht wie die Zeit vergeht. Zwanzig, fünfzig, hundert, zweihundert Seiten verfliegen im Nu. Erst wenn man die letzte Seite erreicht hat, nimmt das beklommene Gefühl von einem Besitz, dass diese Geschichte nun doch ihr unwillkommenes Ende gefunden hat. Es ist nicht die Eleganz der Worte, die hier brilliert, sondern der Einklang aus zwei Welten, der zu einer Sinfonie für die Sinne anhebt. Ein bisschen Lagerfeuerromantik kommt auf, wenn man über die Zeilen fliegt. Fast scheint der Autor im flackernden Licht der Flammen zu sitzen und vom Leben, vom Hier und Da, von Einst und Heute zu berichten. So als ob Faustino Manso immer noch unter den Lebenden weilen würde. Wer Afrika verstehen will, wer wissen will wie Familie richtig funktioniert – und warum -  kommt um dieses Buch nicht herum. 


  24. Cover des Buches Das Lachen des Geckos (ISBN: 9783293208056)
    José Eduardo Agualusa

    Das Lachen des Geckos

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Almut_Scheller_Mahmoud


    José Eduardo Agualusa: Das Lachen des Geckos

    Almut Scheller-Mahmoud

    Der Roman verwebt die Frage nach Identität mit der Frage nach dem Wesen des „Wer bin ich“? Oder wie der deutsche Philosoph Precht fragt: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? 

    Dazu fallen mir die Heteronyme des portuguiesischen Dichters Fernando Pessoa ein: Àlvaro de Campos, Ricardo Reis und Alberto Caiero. Und würden wir nicht gern selbst mal jemand anders sein? Und bauen uns uns gedanklich andere Lebensläufe?

    Felix Ventura ist ein genealogischer Händler: er handelt mit Biographien, Ahnengalerien, Stammbäumen, Vergangen-heiten, Identitäten.  Seine besten Kunden sind auf der Suche nach einer vorzeigbaren, glorreichen Vergangenheit als Befreiung aus der mediokren Gegenwart.  Andere, die ihre Vergangenheit auslöschen wollen im bürgerkriegs-gebeu-telten afrikanischen Angola und sich auf diese Art neue Perspektiven zusammen basteln lassen und sich zugleich der Verantwortung entziehen wollen. 

    Die Quintessenz seines Tuns beschreibt er so: „Ich glaube, was ich mache, ist eine entwickelte Form der Literatur. Auch ich erfinde Zusammenhänge, entwickele Figuren, doch statt sie zwischen zwei Buchdeckel zu pressen , entlasse ich sie ins Leben.“

    Felix Ventura selbst ist ein Findelkind, das dem Antiquar Fausto Bendito Ventura, in einer Kiste mit dem mehrbän-digen Werk „Die Reliquie“ von Eca de Queirós, vor die Tür gestellt wurde. Felix Ventura ist ein Albino. Diese fehlerhafte Pigmentation und dazu die Erzählung durch einen Tiger-Gecko geben der ganzen Geschichte eine besondere Prise an Exotik und Zauber.


    Die große Herausforderung stellt sich ein, als ein Kunde ihn mit einer ganz und gar echten, überprüfbaren neuen Iden-tität mit Dokumenten und Fotos,und nicht nur einer er-dachten Ahnengalerie beauftragt. So wird  José Buchmann „geboren“: 52 Jahre alt, Kriegsfotograf, aus einer Provinz-stadt im Süden des Landes. Sein Vater, ein Großwildjäger und Führer von Jagdgruppen,  heiratete eine amerikanische Künstlerin.  Wir erleben mit, wie dieser José Buchmann sich materialisiert und sich auf die Suche nach seinem wahren Leben begibt. 

    Die weibliche reale Protagonistin ist Ángela Lúcida, in Luan-da geboren und aufgewachsen: Als Kind habe sie ununter-brochen Regenbogen gezeichnet, bis sie ihre ersten Fotos machte und viel reiste. Sie könne bestimmte Orte, wo auch immer in der Welt, allein am Licht erkennen: sei es Lissabon, Rio oder Berlin, Malaysia, Goa, Skandinavien oder Gizeh. Ihr Lieblingsmotiv seien Wolken. 

    Die Werbung des Felix Ventura um sie: wenn er könnte, würde er für sie einen Teppich aus Rosenblüten entrollen. Ein Orchester aus Singvögeln wollte er dirigieren, während am Himmel ein Regenbogen nach dem andere sich entfal-tete.


    Das Buch endet mit einem Aufbruch in ein neues Leben und mit dem Tod des Gecko, der der eigentliche Erzähler dieses angolanischen Romans ist. Der uns die verschiedenen Figuren näher bringt.  Der uns zu Zeugen seiner Träume und Traumgespräche werden lässt. Von dem wir etwas über die Wirren des langjährigen Bürgerkriegs in diesem afrika-nischen Land erfahren.  Doch wer war Eulalio, bevor er sich als Gecko reinkarnierte? Nur ein schüchterner, wenig abenteuerlustiger Bibliothekar? 

    Der Roman wirft verwirrende Fragen auf und lässt den Leser verwirrt zurück. Man muss sich einlassen können auf diese ungewöhnliche Geschichte. Aber dann wird man belohnt mit einer feinen Sprache, einer überbordenden Phantasie und etwas Aussergewöhnlichem: einer Lektüre jenseits der üblichen Normen. 










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