Bücher mit dem Tag "antisemitismus"
189 Bücher
- Markus Zusak
Die Bücherdiebin
(4.695)Aktuelle Rezension von: LisaKIch muss gestehen, es hat ein wenig gedauert bis ich mich an den Schreibstil gewöhnt habe. Die kurzen Einwürfe von Gedanken oder der Zukunft war gewöhnungsbedürftig und anfangs irritierend. Dennoch hat mich die Geschichte sofort gefesselt: ein Mädchen das in jungen Jahren schon mit Verlust, Tot und dem alleingelassen werden zu kämpfen hat und dennoch so viel Mut, Weisheit und Liebe in sich trägt.
- Anne Frank
Gesamtausgabe
(2.752)Aktuelle Rezension von: AukjeAnne Frank, die aus einer jüdischen Familie stammt, muss während des zweiten Weltkriegs von ihrer Heimat Frankfurt am Main, 1933 mit ihrer Familie nach Amsterdam flüchten. Während dieser Zeit führt sie über zwei Jahre lang ein Tagebuch, das deutlich die Ängste und wünsche einer Jugendlichen zeigt, die in diesen schweren Zeiten aufwächst. Und wenn das nicht schon ausreicht erhält man auch noch einen guten Einblick über eine jüdische Familie, die versucht eine einigermaßen erträgliche Normalität aufrecht zu erhalten während sie versuchen zu überleben, in ständiger Angst vor den Nationalsozialisten.
Da meine 13jährige Nichte sich zurzeit mit der Zeit des zweiten Weltkriegs auseinander setzt, habe ich ihr dieses Buch gegeben und es selber nach vielen Jahren noch mal gelesen. Auch nach all den Jahren als ich es zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich wieder sehr bewegt. Nach wie vor halte ich dieses Buch wichtig, damit Jugendliche beginnen sich mit dieser Zeit zu beschäftigen, da es ein autobiografisches Buch einer Jugendlichen ist, die sie nachvollziehen können.
- Nicolas Mahler
Ulysses
(193)Aktuelle Rezension von: AQuaAchtung, bei den meisten Rezensionen hier handelt es sich um Beurteilungen des Originalwerks von James Joyce.
Das hier abgebildete Buch ist aber eine sehr freie Bearbeitung des Stoffes in Form einer graphic novel von Nicolas Mahler. Bloom heißt hier Wurmb, Ort der Handlung ist nicht Dublin sondern Wien. Mir fällt es schwer, mich auf das neue Setting und die minimalistischen Zeichnungen einzulassen.
- Luca Di Fulvio
Das Mädchen, das den Himmel berührte
(481)Aktuelle Rezension von: Engel63Luca di Fulvio @lucadifulvio_ hat die faszinierende Geschichte „Das Mädchen, das den Himmel berührte“ so lebhaft geschrieben, dass ich mich sofort darin eingebunden fühlte. Die Hauptfiguren Mercurio und Giuditta, die einen langen schwierigen Weg gehen, sich immer wieder verlieren und finden, ärmlich aufgewachsen und trotzdem sehr stark und zielgerichtet sind. Knapp 1‘000 Seiten Spannung, kribbeln, Luft anhalten, weinen oder sogar heulen, lachen und schmunzeln. Ich habe dieses herrlich Natürliche geliebt und mich sehr gut in die Figuren hinein fühlen und mit leben können. Bin begeistert wie gut Luca die Zeit aus dem 16. Jahrhundert beschreibt, Rom und Venedig kennt und sein Wissen mitteilt. Ein historischer Krimi kann nicht besser sein. Interessant wie Mercurio sich immer wieder verwandeln kann, Menschen an der Nase herumführt und seine Ziele erreicht. Die Jüdin Giuditta aus Einfachem Spezielles herstellt, das sogar die Reichen haben wollen und so der Neid der Rivalin Benedetta bis ins Unermessliche geht, unvorstellbar. Jede Seite ein Genuss und lesenswert.
- John Boyne
Der Junge im gestreiften Pyjama
(2.385)Aktuelle Rezension von: Louise_SountoulidisMit “Der Junge im gestreiften Pyjama" von John Boyne habe ich mich erneut in die Zeit des Nationalsozialismus begeben und mich meiner Angst vor den aufkommenden Emotionen gestellt.
Intro:
Immer wieder ist mir „Der Junge im gestreiften Pyjama“ in der Buchwelt begegnet, sei es in den sozialen Medien oder in den Auslagen der Buchhandlungen. Dennoch habe ich mich lange, lange Zeit vor diesem Buch gedrückt. Ich hatte schlichtweg Angst davor, mich mit dessen Inhalt zu befassen. Angst vor den Emotionen, die die Thematik bei mir auslösen könnte. Wenn man das Cover sieht und den Titel liest, weiß man einfach schon vorher, dass diese Seiten viel Leid und Schmerz in sich tragen werden. Was mich dennoch dazu gebracht hat, es zu lesen? Es ist eigentlich ganz einfach: Dieses Thema ist zu wichtig, und das damit verbundene Grauen darf niemals vergessen werden! Man darf die Augen nicht davor verschließen! Und ja, so hart das in dem Moment auch sein mag, Bücher dieser Art müssen weh tun, damit man sie verinnerlicht und stets im Herzen trägt.
Also habe ich es gewagt und mich dem so leidvollen und bedrückenden Teil der deutschen Vergangenheit gestellt. Denn trotz seiner Bedeutsamkeit und Finsternis ist er aktueller denn je.
Zur Handlung:
Bruno lebt mit seiner Familie in Berlin. Sie bewohnen eine geräumige Villa und haben mehrere Angestellte. Bis sein Vater eines Tages damit beauftragt wird, die Führung eines Konzentrationslagers zu übernehmen. Bruno muss seine Freunde und sein geliebtes Zuhause zurücklassen und sich an einem neuen Ort eingewöhnen, der deutlich spartanischer ist und kaum Abwechslung bietet. Wenn man von den auf der anderen Seite des Zauns lebenden Menschen absieht, die er von seinem Fenster aus beobachten kann. Zu gern würde er sich mit ihnen unterhalten oder mit den Kindern spielen. Doch der Stacheldrahtzaun ist viel zu hoch und eine Kontaktaufnahme strengstens untersagt. Bis er eines Tages einen anderen kleinen Jungen dicht am Zaun sitzen sieht…
Die Figuren:
Die Figuren wurden äußerst lebendig und ausgereift kreiert. Sie agieren allesamt absolut authentisch und ich konnte jeden einzelnen Charakter fühlen. Den gestrengen Herrn Vater und den hasserfüllten jungen SS-Mann Oberleutnant Kurt Kotler genauso wie die beiden kleinen Jungen Bruno und Schmuel mit ihren kindlichen Blicken auf die Dinge, die sie zwar sehen und aus unterschiedlichen Gründen ängstigen, deren Tragweite aber überhaupt nicht begreifen können.
Der Schreibstil:
John Boyne hat einen sehr schön leicht zu lesenden und gut verständlichen Schreibstil. Ich bin reibungslos in die Handlung eingestiegen und konnte dem roten Faden stets gut folgen.
Der Autor hat sich extrem gut in die Sichtweise eines Kindes hineinversetzt und so den perfekten, zu den beiden Jungen absolut passenden, Blick auf das Grauen darstellen können. Authentischer Weise ist Brunos Sicht deutlich naiver und beschönigender gezeichnet worden als die von Schmuel, dessen Augen ganz andere Dinge gesehen haben.
Ich muss zugeben, dass ich für den kindlichen Blick, welcher stets mit Positivität und Zuversicht angefüllt ist, sehr dankbar war, denn das hat der Handlung etwas die Schwere genommen.
Auch hinsichtlich der Zielgruppe junger LeserInnen ab neun Jahren ist das sehr treffend gewählt, denn es sorgt dafür, dass der Roman trotz seiner Dramatik zwar erinnert und aufrüttelt, sich dabei aber nicht traumatisierend auswirkt.
Zum Setting muss ich gar nicht so viel sagen. Es ist zwar sehr bildhaft und authentisch gezeichnet worden, doch ist es kein Ort, an dem man gern verweilt. Man möchte einfach nur fliehen, und das ganz, ganz schnell.
Fazit:
Mit “Der Junge im gestreiften Pyjama” hat John Boyne ein wichtiges literarisches Werk geschaffen und mich mit einer besonderen Leichtigkeit hindurch getragen. Er hat mit ganz viel Feingefühl die Betrachtungsweise zweier Kinder dargestellt, welche sich in einer Zeit begegnen, die mit ihrem finsteren Gedankengut und den massenweise stattgefundenen Gräueltaten jedem Einzelnen mehr als nur die Unbekümmertheit zu rauben vermochte.
- Robert Seethaler
Der Trafikant
(526)Aktuelle Rezension von: MeinbuecherregalDer Trafikant von Robert Seethaler aus dem #kleinundaberverlag
🕊️
1937/1938 in Wien
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Wir begleiten Franz durch diese Zeit. Er kommt vom Dorf und fängt eine Leere in Wien bei einem Trafikanten an. Er verliebt sich unglücklich und lernt Sigmund Freud kennen.
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Ich kann mir vorstellen, was viele an diesem Buch schätzen.
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Franz hat mit seinen Gefühlen zu kämpfen und um ihn herum verändert sich die Welt. Das fand ich interessant. Geschichte nebenbei erlesen und dadurch etwas entdecken.
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Mir war es aber leider irgendwie zu oberflächlich. Ich hätte mehr in diese Zeit eintauchen können. Für mich hat die Liebesgeschichte, wenn man sie denn so nennen mag… den Blick auf diese Zeit etwas verstellt bzw. Überlagert.
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Was ich mir aber vorstellen kann, dass das Buch nachhallt. Gerade durch das wenige erzählte und durch das viele angerissene. Das sackt und bleibt unauffällig hängen.
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Träume und Traumfetzrn in Geschichten sind leider immer noch nicht für mich. Dafür kann ich mich wirklich nicht begeistern oder schön reden 😅
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Mir wurde oft gesagt, dass dieses Buch das beste von dem Autoren sein soll. Das bedauere ich, denn ich vergebe hier 3 bis 4 Sterne und befürchte nun, dass die weiteren Werke nichts für mich sein werden.
- Umberto Eco
Der Friedhof in Prag
(171)Aktuelle Rezension von: Liebes_BuchDas Konzept des Romans ist schon originell und auch teilweise ironisch geschrieben.
Aber man hätte das ruhig auf 300 Seiten zusammenstreichen können.
Und bei Eco hab ich immer das Gefühl, mir entgeht alles, weil ich kein Historiker bin.
- Stefan Zweig
Die Welt von gestern
(116)Aktuelle Rezension von: itwt69Das Leben des Autors und Künstlers von den späten 1880-ern bis 1939: Es ist kaum verwunderlich, dass sich Stefan Zweig nach diesem ereignisreichen und niederschmetternden Erfahrungen das Leben nahm, weil er es nicht mehr ertragen konnte, was in seiner Heimat verbrochen wurde. Ein ehrlicher und intimer Blick auf die Kunstszene der ersten 4 Jahrzehnte des 20.Jahrhunderts liefert dieses Buche ebenso wie für mich neue Einblicke in die Psychologie der vom Krieg gebeutelten Menschen zwischen den Weltkriegen.
- Tonio Schachinger
Echtzeitalter
(141)Aktuelle Rezension von: Trishen77
Ich bin immer wieder verblüfft, dass Bücher, obwohl sie im Gegensatz zu anderen Medien keinen unserer Sinne direkt stimulieren, in der Lage sind, eine ganze Welt, ein Erleben wieder gegenwärtig/erfahrbar zu machen – und auch das Empfinden, das damit einherging (und -geht).
Ich habe Tonio Schachingers zweiten Roman innerhalb von zwei Tagen gelesen – und würde dennoch behaupten, dass es ein Buch ist, auf das man sich einlassen muss. Das klingt wie ein Widerspruch und ist vielleicht auch einer; aber dann einer, der für mich unterstreicht, wie gut das Buch ist.
Es erzählt die Geschichte eines Schülers (Till) an einem alteingesessenen Wiener Gymnasium und sein Erwachsenwerden im Kontext von Schikane, Verlieben, Ängsten, Wünschen, etc. (Pubertät, könnte man sagen) und Age of Empires 2. Aber es ist mehr als das. Nicht nur eine Coming-of-Age-Story, sondern auch eine gekonnt inszenierte education sentimentale.
Das zeigt sich schon im Stil, im Satzbau. Der wechselt zwischen einem gewöhnlichen Erzählduktus und einer differenzierten Ausformulierung, die auch schon mal zu verschachtelten, längeren Satzgebilden tendiert.
Das klingt mühsam, ist es aber nicht, weil diese unterschiedlichen Tempi und Intensitäten sehr gut die Gedanken- und Gefühlswelt von Till einfangen, sie in die jeweiligen Situationen und Zustände einbetten. So wird sie nahbar, eindrücklich, ruft vergleichbare Erinnerungen wach.
Man liest die Geschichte von Till und liest zugleich über Gefühle und Erlebnisse, die den Rahmen der Geschichte sprengen, so prägend ist das ihnen Zugrundeliegende. So grundlegend ist das Erleben, bevor es Erinnerung wird und doch wieder Erleben sein will.
"Echtzeitalter" ist beides, ein Buch der Gegenwart und ein Buch der Wehmut. Es erzählt von einer Zeit, von der man wenig begreift, während man sie durchlebt. Und die gerade deswegen etwas Echtes hat. Wenn es denn etwas Echtes gibt, ein wahres Leben im falschen. Ein Glück, das nicht nur eine Pause-Taste ist, sondern gespielt wird, wenn man Play drückt. - Samira El Ouassil
Erzählende Affen
(26)Aktuelle Rezension von: Elenchen_hWir Menschen lieben Geschichten. Wir erzählen sie über uns selbst und andere, sie begegnen uns - natürlich - im Kino, im Fernsehen und in Büchern, aber auch in dem, was unsere Gesellschaft zusammenhält und spaltet. Die beiden Geisteswissenschaftler*innen Samira El Ouassil und Friedemann Karig widmen sich in ihrem Sachbuch "Erzählende Affen" der komplexen Frage, wie Geschichten unser Leben und unsere Gesellschaft prägen. Dabei geben sie in der ersten Hälfte des Buches viel Grundwissen zu modernen Literaturtheorien an die Hand und spezialisieren sich insbesondere auf die Heldenreise, die - wie ich lernen durfte - auf fast alle unsere Geschichten anwendbar ist. Beispiele für die Heldenreise geben sie zuhauf, von antiken Epen wie "Illias" und die "Odyssee" bis hin zu den modernen Sagen wie "Harry Potter" oder "Der Held der Ringe" ist alles dabei, leider spoilern die beiden auch gerne einmal die Enden der Geschichten. In der zweiten Hälfte von "Erzählende Affen" geht es um aktuelle Narrative der Politik, Klimakrise und Gesellschaft - und wie sie anders erzählt werden könnten, um Veränderungen anzustoßen. Ich fand Karigs und El Ouassils Thesen durchaus spannend und habe auch viel aus ihrem Sachbuch mitnehmen können, allerdings leidet das Buch für mich unter seiner Ausführlichkeit. Die zahlreichen Fußnoten und Exkurse haben meinen Lesefluss sehr gehemmt, auch sprachlich habe ich "Erzählende Affen" als viel zu akademisch und schwer zugänglich empfunden. Zudem hatte ich am Ende des Buchs das Gefühl, dass trotz der Seitenstärke und Themenfülle die nötige Tiefe verloren gegangen ist. Von mir gibt es daher nur eine Empfehlung, wenn ihr euch besonders für das Thema Macht von Geschichten interessiert.
- Alena Schröder
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
(399)Aktuelle Rezension von: pw1Ich hatte bereits den nachfolgenden Roman von Alena Schröder gelesen. Jener hatte mich auf diesen neugierig gemacht. Ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht.
Ich habe den Eindruck, dass Alena Schröder ihre Figuren am Herzen liegen. Sie gibt sich mit jeder einzelnen, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, so große Mühe, dass man sich als Leser*in in jede von ihnen hineinversetzen kann.
Die Figuren sind überhaupt ihre große Stärke. Wie sie miteinander umgehen, welche Gedanken und Gefühle sie haben. Alles ist einfach großartig geschildert.
Mit den zwei Zeitebenen, früher von den 1920er Jahren bis nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Gegenwart, schafft sie zwei ineinandergreifende Geschichten mit jeweils tollen Spannungsbögen.
Jeder Wechsel ist zugleich Cliffhanger in dem einen und Freude über die Fortsetzung der Geschichte in dem anderen Strang.
Auch das Ende hat mir total gut gefallen, mich jedoch mit ein bisschen Wehmut zurückgelassen, wie ich sie immer am Ende von großartigen Büchern empfinde, eben weil das Buch leider schon zu Ende ist.
Fazit: Empfehlenswerte Familiengeschichte im weiteren Sinne.
- Gabriele Tergit
Effingers
(41)Aktuelle Rezension von: Ana80Dieses Buch erzählt die Geschichte zweier großer jüdischer und privilegierter Familien über ein Jahrhundert deutscher Geschichte hinweg. Man erlebt sowohl den Aufstieg und das Glück der Familien und ihrer einzelnen Mitglieder mit, als auch kleineres und größeres Scheitern, Sorgen und Ängste. Alles eingebettet in die unfassbar spannenden geschichtlichen Ereignisse in Deutschland von Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts.
Gabriele Tergit hat hier ein unfassbar umfangreiches Werk verfasst. Der heute altbacken wirkende und manchmal komplizierte Schreibstil bzw. die Sprache und die vielen Personen um die es geht, haben es mir zunächst nicht leicht gemacht, in das Buch hineinzufinden. Zu Beginn war mir manchmal nicht so klar, wer gerade spricht oder denkt, was das Lesen für mich nicht leichter gemacht hat. Als ich mich dann an den Stil gewöhnt hatte, habe ich dieses Buch allerdings verschlungen. Diese geschichtlich so spannende Zeit, aus der Sicht von Menschen, die bemüht waren bei all den Schwierigkeiten ihr Leben zu Leben hat mich dann doch richtig gefesselt. Zugegeben, das Buch ist manchmal irgendwie unübersichtlich und sehr komplex, aber wer der Geschichte Zeit gibt, erlebt ein grandioses und authentisches Familienepos, bei dem man mitfühlt, schmunzelt, leidet…
Wer Lust und Interesse an diesem Abschnitt deutscher Geschichte hat sollte diesem Buch definitiv eine Chance geben. Ich kann es wirklich empfehlen!
- Karin Slaughter
Cop Town
(227)Aktuelle Rezension von: coffee2goDie Autorin hat mit Cop Town einen Genre-Mix versucht, indem sie Elemente eines Thrillers, für das sie ja bekannt ist, mit denen eines historischen Zeitportraits verbindet und zusätzlich interessante Charaktere einbaut, somit eine sehr gelungene Kombination. Als Leser*in wird es durch die wechselnden Perspektiven nie langweilig, obwohl das Buch einen längeren Umfang aufweist. Themen wie Sexismus oder Rassismus und Polizeigewalt werden von der Autorin geschickt eingebracht, das kenne ich auch schon aus früheren Büchern von ihr.
Die Geschichte rund um den Polizistenmorden ist spannend aufgebaut und konstruiert und hat noch mehr im Hintergrund als man zuerst ahnt, je tiefer man gräbt, umso mehr Details kommen zum Vorschein. Das Thema wird komplex betrachtet und auch aufgelöst und somit bleibt der Spannungsbogen konstant hoch. Die Sprache ist direkt und ausdrucksstark und an manchen Stellen auch brutal und schonungslos.
- Susanne Abel
Was ich nie gesagt habe
(287)Aktuelle Rezension von: einbisschenbuechereiSusanne Abel hat mich mit ihrem zweiten Teil der Gretchen-Reihe erneut umgehauen. Im Mittelpunkt steht Toms Vater Konrad und die Geheimnisse, die seine Vergangenheit umgeben. Schritt für Schritt lichtet sich der Schleier über Konrads Kindheit im Krieg und die Schicksalsschläge, die seine Familie ertragen musste.
Wie schon in ihren vorherigen Werken beweist Susanne Abel ihr Talent, gekonnt zwischen den Zeiten zu wechseln. Ihr Schreibstil ist fesselnd und vermittelt die Geschichten mit unglaublicher Intensität. Auch dieses Mal geht es um die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs und deren weitreichende Folgen bis in die Gegenwart.
Ich kann Susanne Abels Bücher nur wärmstens empfehlen. Ich freue mich schon sehr auf ihr nächstes Werk.
- Emanuel Bergmann
Der Trick
(165)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderMosche ist fünfzehn und Rabbinersohn und fühlt sich doch zu einer anderen Welt hin gezogen. Nach einem Zirkusbesuch im Jahre 1934 will er zum Zirkus und er hat sich nicht nur in die Welt unter der Zirkuskuppel verliebt. Er will mitfahren mit dem Halbmondmann und vor allem will er dessen Assistentin näher kommen. Er packt seine Koffer und der Zirkus zieht Richtung Deutschland.
Max Cohn ist zehn Jahre alt und lebt in Los Angeles. Das Jahr 2007 macht ihn nicht glücklich, denn seine Eltern wollen sich scheiden lassen. Er will aber, dass sie sich wieder richtig lieben und sie endlich wieder eine richtige Familie sind. Max findet eine alte Platte und darauf zaubert der große Zabbatini und genau beim Liebeszauber, hängt die Nadel. Es gibt nur eine Lösung für den Jungen, er muss den Zauberer finden und er muss für seine Eltern den Liebeszauber sprechen.
Emanuel Bergmanns Buch ist eine Wucht, ein ganz großer Wurf. Es ist ein Stück Geschichte, eine große und eine kleine Liebesgeschichte und vor allem ist es voller Magie und das Buch entwickelt einen ganz besonderen und speziellen Zauber. „Der Trick“ ist bewegend und mit vielen Facetten.
- Gunnar Kaiser
Unter der Haut
(45)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchEin geheimnisvoller Mann, Josef Eisenstein, ist Mäzen und Verführer, nicht im sexuellen, sondern ideologischen Sinne. Eines jungen Mannes. Jonathan Rosen. Zusammen gabeln sie junge Mädels auf. Jonathan beschläft sie. Eisenstein ist Voyeur
Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an wie eine Klinge berührt, die leicht über meine Haut fährt mit einem gewissen Druck..... und mir über die mehr als 500 Seiten durchweg Gänsehaut verschafft. Die unterschwellige Spannung ist grandios in drei Erzählsträngen verflochten. 1969, die beiden ungleichen Männer lernen sich kennen und ein spezieller und für Jonathan unvergesslicher Sommer in New York nimmt seinen Lauf. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, als Josef Eisenstein geboren wird, und eine Kindheit einen Menschen prägt. Und dann 1990, als sich Jonathan auf den Weg macht, um die wahre Geschichte seines alten Freundes aus dem Sommer 1969 aufzudecken.
Gunnar Kaiser schafft eine so unglaubliche Atmosphäre, die in den verschiedenen Erzählsträngen durch die spezifische Sprache der Zeit und auch im Buch durch die unterschiedlichen Schriften deutlich gemacht wird.Absolut lesenswert
- Daniel Speck
Piccola Sicilia
(168)Aktuelle Rezension von: StolliPiccola Sicilia von Daniel Speck ist der direkte Nachfolger von Bella Germania und hat mich erneut mitgerissen, die teilweise sehr bedrückenden Stimmungen, insbesondere in Tunis, waren ganz tief zu spüren.
Die Charaktere waren sehr gut beschrieben, ich konnte mich gut einfühlen. Gerade Yasmina war sehr negativ aber das war wohl so gewollt.
Der Schreibstil wunderbar, ich konnte das Buch oft nicht aus der Hand legen.
Wie in anderen Rezensionen war auch für mich das Ende einfach zu offen aber dies soll ja in Jaffa Road aufgeklärt werden.
- Volker Kutscher
Märzgefallene
(112)Aktuelle Rezension von: pw1Das ist nun schon der fünfte Teil der Gereon Rath Reihe. Ich bin auch ehrlich gesagt ganz froh, dass der noch nicht verfilmt worden ist. Dann würde wieder etwas anders umgesetzt werden, aber ich finde es genau so richtig, wie es im Buch ist.
Obwohl hier wirklich ein sehr dunkler Abschnitt unserer Geschichte dargestellt ist, konnte ich diesen Roman kaum aus der Hand legen.
Die Kriminalgeschichte war besonders spannend und ich habe bis zum Schluss nicht gewusst, wie die Auflösung sein könnte.
Im Vergleich zu den bisherigen Romanen der Reihe ist dieser wiederum anders konzipiert. Ich staune und bin begeistert, wie vielseitig Volker Kutscher schreibt. Kein Schema nach dem Motto "Kennst du einen, kennst du alle".
Und ganz nebenbei bekommt man ein Stück Geschichte mit.
Ich freue mich wieder auf den nächsten Teil, den ich bestimmt auch bald lesen werde.
- Michael Lüders
Wer den Wind sät
(45)Aktuelle Rezension von: HoldenMichael Lüders beschreibt, was die amerikanische Außenpolitik (häufig durch die CIA und unter Unterstützung bestimmter Think tanks und Journalisten) im Nahen Osten angerichtet hat. Und dem ja auch häufig folgend leider die Europäische Union und die deutsche Regierung. Oft hat man die ausgestreckte Hand zur Kompromissfindung ausgeschlagen, frühzeitig die Welt in "gut" und "böse" unterteilt und sich pragmatschen Lösungen verschlossen, oft auf kosten von Zehntausenden Menschenleben. Teilweise wurde eine erfolgreiche Friedensstiftung durch die USA untergraben, auch in Fällen wie der Hamas oder Irans, was daran liegt, daß die USA ein Interesse an dem dauerhaften Krieg haben, in dem wir uns gegenwärtig befinden, man einseitig auf wirtschaftliche Vorteile der US-Wirtschaft setzt (Big Oil und die Motivation zu George W. Bushs völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Irak) oder indem man zu einseitig auf Israel im Nahen Osten schaut. Natürlich fragt man sich, was die gewählten deutschen Politiker zu dem Ganzen gesagt haben, man möchte Namen und konkrete Aussagen wissen, genauso wie das, was gewisse Medien geschrieben haben. Idles singen in "War" von den "stone-faced liars", Brody Dalle trug ein "The CIA"- T-Shirt auf der Bühne (natürlich als Kritik), beides mit Recht. Ein aufwühlendes Buch, zur Pflichtlektüre empfohlen.
- Deborah Feldman
Überbitten
(35)Aktuelle Rezension von: jackdeckNachdem ich das Buch „Unorthodox“
gelesen hatte, und wie viele andere, sehr begeistert war, musste ich natürlich auch „Überbitten“ lesen.
Zum einen hat sich, meiner Meinung nach, der Schreibstil stark verändert.
Natürlich entwickelt man sich weiter, aber Kilometer lange Schachtelsätze, bei denen man am Ende nicht mehr weiß um was es am Anfang ging, empfinde ich nicht als positive Veränderung.
Was mich allerdings am meisten gestört hat, war die mehrfache Betitelung von blonden Menschen mit hohen Wangenknochen, denen Frau Feldmann auf ihren Europareisen begegnet ist, als „Arier“, im negativsten Sinne. („mit genetisch bedingtem bösem Zug“) (Zitat S. 276)
Auch das ist für mich Diskriminierung.
Sehr schade, aber rassebedingte oder religiöse oder welcher Art auch immer geartet Vorurteile,
schüren immer Hass.
Ich habe das Buch nicht zuende gelesen… - Maxim Biller
Sechs Koffer
(80)Aktuelle Rezension von: Sanne54Der Großvater wird in Russland wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen hingerichtet, als Beweis dient, dass er mit Westgeld am Flughaften, auf wem Weg nach Prag, aufgegriffen wurde. Der Enkel, der später mit der Familie in den Westen flieht, versucht herauszufinden, welches Familienmitglied die Schwarzmarktgeschäfte des Großvaters verraten und ihn so an den KGB verraten hat. War es die Tante, die zuerst mit dem Vater und dann mit dem inhaftierten Onkel liiert war, der Onkel, der in der Haft geplaudert hat usw.? Dadurch, dass es sich um eine russisch-jüdische Familie handelt, fließen auch Erfahrungen aus dem Nationalsozialismus und Antisemitismus in der sowjetischen Gesellschaft mit ein. Der Roman spielt zu großen Teilen in Prag.
Das Spiel mit Verdächtigungen und Zweifel hat mir gut gefallen, auf der sprachlichen Ebene ist es nicht so ganz mein Geschmack, aber das Schonungslose und manchmal auch etwas Gesichtslose passt ganz gut zum totalitären sowjetischen System, in der die Individualität nicht im Mittelpunkt steht. Irgendwie läuft es auch auf die Frage heraus, ob man ohne illegale Geschäfte (wie der Großvater) oder ohne Verrat in einem solchen System überhaupt bestehen konnte ... Und was es mit einem Menschen macht, wenn selbst innerhalb einer Familie Vertrauen fatal sein kann.
Könnte auch eine gut Grundstory für einen Thriller sein, ist hier aber als Familiengeschichte erzählt.
- Alexa Hennig von Lange
Die karierten Mädchen
(148)Aktuelle Rezension von: Leseschneckchen555Die Autorin Alexa Hennig von Lange habe ich durch ihre schönen Beiträge auf Social Media kennengelernt. Sie erzählt in ihren Videos aus ihrem Alltag und von ihren Büchern. Es macht sehr viel Freude ihren geistreichen Erzählungen zu lauschen. Deshalb war ich sehr gespannt auf ihre Romane, in denen sie von ihrer Großmutter erzählt, die im Alter von achtzig Jahren beginnt, ihre Lebensgeschichte auf Tonbänder zu sprechen. Die Großmutter kann nichts mehr sehen und so gibt sie auf diese Art ihr Leben an ihre Nachkommen weiter. Ihre Enkelin bringt diese schließlich zu Papier.
Die Geschichte startet mit Klara im betagten Alter, im Buch ist sie bereits neunzig Jahre, wie sie ihren Alltag meistert und wie sie schließlich die Idee beschleicht, all ihre Erinnerungen festzuhalten und auf zahlreiche Kassetten aufzunehmen. Wir starten mit ihren Erinnerungen in den dreißiger Jahren, noch kurz bevor die Nationalsozialisten die völlige Macht über das Volk übernehmen. Zwar habe ich schon viele Bücher zu den Kriegs- und Nachkriegsjahren gelesen, doch der Beginn allen Übels war mir noch nicht so geläufig und deshalb sehr spannend.
Klara ist eine junge Lehrerin, die die Chance bekommt, in einer Heilanstalt für tuberkulosekranke Kinder zu arbeiten. Sie soll fünfzehn junge Mädchen in Hausarbeit- Gesundheit- und Ernährungslehre unterrichten und noch dazu für die Organisation des Heimes sorgen. Die Zeiten sind schlecht und Arbeitsplätze sind rar. Daher ist diese Anstellung ein wahrer Segen, aber auch viel Arbeit für die junge Frau. Doch Klara stellt sich als eine äußerst tüchtige und qualifizierte Arbeitskraft heraus und übernimmt im Heim immer mehr Verantwortung. Eines Tages wird ein jüdisches Baby zu ihnen gebracht, dem sich Klara annimmt. Von Anfang an scheint das Kind Klara als ihre Bezugsperson zu sehen und auch Klara entwickelt immer mehr Gefühle für das kleine Mädchen namens Tolla. Die Jahre ziehen dahin. Tolla wird mittlerweile von allen als Klaras Kind angesehen, was gleichzeitig aber auch eine immer größere Gefahr bedeutet.
Die Erzählungen von Klara haben mich sehr berührt und auch im Nachgang beschäftigt. Ich konnte ihre verzwickte Lage und ihre Zweifel an der Politik sehr gut nachempfinden und doch konnte Klara nicht öffentlich zu ihrer gesunden Einstellung stehen. Denn es bedeutete Lebensgefahr für sie und ihre Lieben. Die junge Lehrerin, so selbstbewusst, diszipliniert und stark sie auch rüberkam, zeigte sehr viel Gefühl und blieb ihrer Überzeugung treu. Nur äußern durfte sie diese nicht öffentlich, daher umging sie viele Themen sehr geschickt. Das Heim und die Art, wie Klara es leitete, kam sehr liebevoll, idyllisch und behütet rüber. Es entwickelten sich im Lauf der Jahre enge Freundschaften. Ebenso schön mitanzusehen war es, wie sich zwischen Klara und einem jungen Lehrer aus der Stadt eine besondere Liebesbeziehung entwickelte. Mit Gustav hatte Klara einen Menschen gefunden, der genau so dachte wie sie und zu ihr stand, egal was auch kommen sollte.
Die Geschichte wird so fesselnd und intensiv erzählt, dass ich den Eindruck bekam, das Geschehen live mitzuerleben. Ich konnte deutlich spüren, wie grausam und bedrückend es war, all das, was den Menschen angetan wird, mitanzusehen, ohne darauf reagieren zu können. Bücher wie dieses, geben uns sehr wichtige Botschaften für die Zukunft mit auf den Weg und ich bin sehr froh, dass ich es gelesen habe. Auf die Fortsetzung dieser Geschichte, die bereits erschienen ist, bin ich sehr gespannt.
- Willi Fährmann
Es geschah im Nachbarhaus
(51)Aktuelle Rezension von: Emmy_TeardropEs ist ein dünnes Buch , dass dann doch recht viele Themen beinhaltet. Diskriminierung gegenüber Juden schon vor dem zweiten Weltkrieg. Legenden um Blut und Wein zum Passah- Fest. Lügen , Armut, Verzweiflung. Abwendung der Freunde. Ständige Angst. Kein Leben wie man es leben möchte, soviel ist klar. Menschen machen Fehler. Es war ein Fehler Jean Seller zu ermorden ( das ist kein Spoiler, erfährt man schon auf der ersten Seite) Es war ein Fehler Waldhoffs dafür verantwortlich zu machen. Ich persönlich gebe Mehlbaum und seinem Sohn die Schuld.
- Silvia Tennenbaum
Straßen von gestern
(15)Aktuelle Rezension von: schokoloko29Es geht hier um die jüdische Familie Wertheim, die in Franfurt am Main lebt und von der Judengasse (welches früher das jüdische Ghetto war) aufgestiegen sind zum frankfurter Westend. Sie haben eine gut gehende Firma, die Wollprodukte verkauft und handelt.
Es geht eigentlich um die vier Brüder Eduard, Siegmund, Gotthard und Nathan und deren Familie und Schicksale. Wobei eigentlich Nathans Familie mehr im Vordergrund steht. Diese Schicksale sind mit der deutschen Geschichte eng verbunden.
Es wird gut beschrieben, wie sie alle zusammen Weihnachten feiern und wie sie dem jüdischen Glauben und seine Riten immer weniger interessiert und praktiziert. Es werden eher die Menschen mit Argwohn betrachtet, wenn diese sie weiter aus üben. Auch wird gut der Snobismus dieser Familie beleuchtet. Sie halten sich für etwas besseres und für die eigenen Kinder müssen die Eheanwärter schon etwas darstellen. Die Religionsangehörigkeit spielt da nicht so eine große Rolle.
Dies ändert sich durch die Machtergreifung Hitlers. Es wird genau beschrieben, wie sich Teile der Familie in Sicherheit bringt und wie drei Mitglieder in Konzentrationslager gelangten und starben.
Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen. Zwar habe ich eine Zeit gebraucht um mit den einzelnen Familienmitglieder vertraut zu werden. Auch das behäbige Erzählen hat mir etwas Geduld eingefordert. Doch das Buch ist wirklich lesenswert. Da es wirklich sehr gut die damalige Zeit wider gibt und auch wie gut die deutschen Juden sich einfach in Deutschland assimiliert hatten. Sie fühlten sich eigentlich mehr deutsch als jüdisch.























