Bücher mit dem Tag "apo"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "apo" gekennzeichnet haben.

14 Bücher

  1. Cover des Buches Die Tote im Wannsee (ISBN: 9783548061139)
    Lutz Wilhelm Kellerhoff

    Die Tote im Wannsee

     (82)
    Aktuelle Rezension von: RamonaFroese

    Ich hatte leider Teil 2 vor Teil 1 gelesen und war jetzt gespannt auf den 1. Teil.

    Das Buch hat gehalten, was ich mir davon versprochen habe.

    Der Schreibstil war wieder perfekt und ich freue mich auf den dritten Band

  2. Cover des Buches Dunkelmacht (ISBN: 9783864891557)
    Harald Lüders

    Dunkelmacht

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Buecherspiegel

    Aktuell und realitätsnah wirkt der Thriller von Harald Lüders „Dunkelmacht“. Es geht um alte Machtstrukturen, Seilschaften und ein nicht einsehen wollen, dass bestimmte Ereignisse nicht ohne Gewalt zu ändern wären. Die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin sind gewissen Personen beim Verfassungsschutz, hier zum Beispiel Werner Dickmann, und anderer wichtiger Behörden ein Dorn im Auge. In konspirativer Runde beschließen sie, einen Fachmann zu rekrutieren, der für sie eine Flüchtlingsunterkunft in die Luft jagen soll.
    Doch sie haben die Rechnung ohne den an sich selbst zweifelnden Journalisten Mitch gemacht. Der, angestellt bei einer Firma, die Dokumentationsfilme nach Auftrag herstellen, endlich wieder einmal seinem ureigensten Job des investigativen Journalismus nachgehen will. Lüders stellt ihn als langsam Fett ansetzenden, zu Selbstzweifeln neigenden Journalisten dar, der so gerne endlich mal wieder etwas richtig machen will. Da kommt ihm die anonym zugestellte DVD wie gerufen, auf der man sieht, wie die NSU-Mörder vor ihrem angeblichen Selbstmord gefilmt werden. Woher kommt die DVD? Und, noch wichtiger, gibt es noch mehr Material von demjenigen, der es ihm zugespielt hat?
    Der Autor beschreibt auch eine typische Flüchtlingsfamilie, Vater, Mutter, zwei Kinder, deren Flucht bis nach Deutschland, Aufnahmelager inklusive. Diese Familie soll nun Mitch für einen Fernsehsender begleiten, und es verschlägt ihn ausgerechnet in den Osten. Dorthin, wo ein bekannter Rechtsradikaler seine Fäden zieht, mit dem er noch eine Rechnung offen hat.
    Lüders führt viele verschiedene Erzählstränge langsam aufeinander zu, nach dem Motto, jeder kennt jeden über fünf Ecken. Aber es passt. Keine Figur wird vergessen, selbst der Abspann wirkt wie ein versöhnlicher Ausgleich zu der Gewalt, die sich über alle Protagonisten ausschüttet, als wären sie ein Muss in unserer Zeit.
    Ob es sich nun um das Erstarken neuer Parteien in Deutschland handelt und, in den Westen geschaut, um einen an sich unpolitischen Menschen, der einen der wichtigsten Machtposition der Welt anstrebt, der Autor lässt den Journalisten Mitch über vieles nachdenken. Die beschriebenen Seilschaften, kaum zu durchdringen, immer wieder erneuert durch nachkommendes Personal, das zusammenhält, komme was wolle, mit den üblichen Tricks aus der Schublade - so weit hergeholt ist das alles nicht. Die Schlagzeilen der vergangenen Tage und Wochen zwischen Amerika und Russland zeigen, es funktioniert noch immer, mit den neuen Techniken nun ein wenig anders, aber der Wille, überall seine Finger im Spiel zu haben und Menschenmassen zu leiten, es hört nicht auf. Aber es sind nicht zu viele Anleihen an die Realität, sondern punktuell eingestreute Tatsachen, mit dem der Autor seine Protagonisten arbeiten lässt.
    Von daher wirkt der Thriller, als könnte sich die Geschichte tatsächlich so und nicht anders abgelaufen haben. Der Schreibstil tut sein Übriges dazu, fein gesetzte Übergänge lassen den Spannungsbogen nicht zusammenfallen.

    Die Umschlaggestaltung wirkt düster mit dem an ausgehendes Feuer wirkender Schrift und durchzogener grauschwarzer Rauchschwaden. Doch dunkelgraue Schrift auf schwarzem Hintergrund, wie auf der Rückseite genutzt, lässt sich schwer lesen, da macht es fast nichts aus, dass ein kurzes Wort fehlt.

    Mehr über den Autor findet man unter www.westendverlag.de/buch/dunkelmacht/#book-author

  3. Cover des Buches Franz Josef Degenhardt (ISBN: 9783415002333)
    Heinz Ludwig Arnold

    Franz Josef Degenhardt

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  4. Cover des Buches High Times (ISBN: 9783453640337)
    Uschi Obermaier

    High Times

     (84)
    Aktuelle Rezension von: Sumsi1990
    Wer sich wie ich für alternative Lebensformen bzw. andere Lebensentwürfe interessiert und es spannend findet, wie andere Menschen (egal ob berühmt oder nicht) ihr Leben gestalten, ist mit diesem Buch jedenfalls gut beraten.

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich vor diesem Buch relativ wenig über Frau Obermaier wusste und das Buch eher wegen ihren Ausflug in die Kommune 1 gekauft habe. Als ich dieses jedoch gelesen habe, war ich Feuer und Flamme für diese Frau. Sie erzählt ungeniert und offen was und mit wem sie was erlebt hat, ist ehrlich, kompromisslos und humorvoll. Ich liebe dieses Buch, auch wenn ich dieses Leben nicht führen wollen würde und auch nicht immer jede Situation nachvollziehen oder verstehen kann.

    Auf jeden Fall wird hier ein spannender Teil eines Lebens verarbeitet, der teilweise auch etwas zum Umdenken anregt.
  5. Cover des Buches Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (ISBN: 9783518112670)
  6. Cover des Buches Die Reise (ISBN: 9783499150975)
    Bernward Vesper

    Die Reise

     (7)
    Noch keine Rezension vorhanden
  7. Cover des Buches Rückspiel (ISBN: 9783423403962)
    Ulrich Woelk

    Rückspiel

     (3)
    Aktuelle Rezension von: abschaffel
    entgegen der darstellung des klappentextes ist dieser roman mitnichten eine beschreibung des debakels der APO-generation. durch die alte gleichsetzung des ich-erzählers mit dem autor hat der rezensent kapitalen schiffbruch erlitten. vielmehr entlarvt woelk im laufe der handlung die eindimensional-kritische aversion des ich-protagonisten als folge einer weitreichenden psychogenese, die auf den ungeheuren generationenkonflikt der 60er und 70er jahre folgte. die großen sprüche seines APO-bruders sind zu hohlen phrasen einer gelähmten generation gefroren. der "kleine bruder" ist enttäuscht über die ausgebliebene revolte, über das einknicken des bruders vor der elterlichen/staatlichen gewalt, vor dem über-ich. in zweimal sieben tagen legt der kleine bruder bekenntnis ab, über seine flucht nach berlin, über seine recherche der vergangenheit des bruders, nachdem es bei dessen hochzeit, diesem inbegriff des bürgerlichen scheiterns, zu einem eklat gekommen ist, als der vater seinen späten triumph über den ehemals renitenten sohn auskosten wollte - im beisein des alten faschistischen geschichtslehrers. genial ist der kunstgriff, die rekonstruktion der ernüchternden 68er-ereignisse im taumel der stattfindenen wiedervereinigung zu spiegeln. etwas allerdings trübt den gesamteindruck. dass die handlung in rückblenden 2 erinnerungsebenen ausleuchtet ist nicht das problem, es ist eher der versuch des autors in diese handlungsdichte, die von einem ernüchternd melancholischen grundton bestimmt wird, noch eine analog verlaufende, scheiternde liebesgeschichte einzubauen. somit verliert das ende verstörend an aussagekraft. ulrich woelk, von dem wir bislang eher leichte, durchaus intellektuell anregende kost kannten, hat hier einen großen generationenroman vorgelegt, der den vergleich mit uwe timm nicht zu scheuen braucht.
  8. Cover des Buches Briefe zur Verteidigung der Republik (ISBN: 9783499141911)

    Briefe zur Verteidigung der Republik

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  9. Cover des Buches Wir hatten ein barbarisch schönes Leben (ISBN: 9783462309515)
    Gretchen Dutschke

    Wir hatten ein barbarisch schönes Leben

     (15)
    Aktuelle Rezension von: honkwilliams
    Spannend und informativ. Das perfekte Hintergrundwissen für "Jeder hat sein Leben ganz zu leben"
  10. Cover des Buches Jugendsprache (ISBN: 9783872768407)
    Eva Neuland

    Jugendsprache

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  11. Cover des Buches Ulrike Meinhof (ISBN: 9783548372495)
    Jutta Ditfurth

    Ulrike Meinhof

     (13)
    Aktuelle Rezension von: Gulan
    „Es kann kein Zweifel bestehen: Ulrike Meinhof hat dieser Gesellschaft den Krieg erklärt, sie weiß, was sie tut und getan hat, aber wer könnte ihr sagen, was sie jetzt tun sollte? Soll sie sich wirklich stellen, mit der Aussicht, als die klassische rote Hexe in den Siedetopf den Demagogie zu geraten? […] Es ist inzwischen ein Krieg von 6 gegen 60 000 000. Ein sinnloser Krieg […] auch im Sinne des publizierten Konzeptes. […] Ulrike Meinhof muss damit rechnen, sich einer totalen Gnadenlosigkeit ausgeliefert zu sehen.“ (S.322)

    So formulierte es Heinrich Böll am 10.01.1972 auf dem Höhepunkt der Fahndungswelle nach der „Baader-Meinhof-Gruppe“ im Spiegel unter der Überschrift „Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?“ und bringt damit die Ambivalenz zum Ausdruck, die viele Linke Ulrike Meinhof am Ende entgegenbrachten. Die Radikalität und Gewalt der RAF wurden weitgehend abgelehnt, Baader und Ensslin als Gewalttäter verunglimpft, doch Ulrike Meinhof blieb aufgrund ihrer früheren politischen und journalistischen Verdienste ein Idol vieler Linken und ist damit eine der umstrittensten Persönlichkeiten der bundesdeutschen Nachkriegszeit. Biografin Jutta Ditfurth versucht, den Weg, der Ulrike Meinhof schließlich in die RAF brachte, nachzuzeichnen.

    1934 wurde sie in Oldenburg geboren, in einer Familie evangelischer Christen, die dem Nationalsozialismus nahestehen. Schon während des Studiums engagiert sie sich, zunächst religiös motiviert, in der Friedensbewegung und später in der Anti-Atomtod-Bewegung. Sie tritt früh dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund bei, später auch der (illegalen) KPD. 1959 beginnt sie als Journalistin bei der Zeitschrift „konkret“. Die Zeitschrift wird unter anderem durch ihre Leitartikel zu einem führenden linken Medium. In der Zeit der westdeutschen Studentenbewegung und in Reaktion auf den Tod Benno Ohnesorgs und das Attentat auf Rudi Dutschke radikalisiert sie sich zunehmend.

    Es formiert sich die Rote Armee Fraktion. Trotz einer durchaus nennenswerten Zahl an Sympathisanten lehnt aber vor allem die gemäßigte Linke diese Eskalation ab (Max Horkheimer: „So dumm kann keiner sein, um nicht zu spüren, dass sie genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie eigentlich wollen.“, S.319) Meinhof wird Chefideologin der Gruppe, verfasst die politischen Schriften der RAF. Sie nimmt an mehreren Banküberfällen und fünf Bombenanschlägen mit insgesamt vier Toten teil. Am 15.06.1972 wird sie von der Polizei verhaftet. Es folgt die umstrittene Isolationshaft in der JVA Köln-Ossenheim. 1974 beginnt schließlich der Stammheim-Prozess. Noch vor dessen Ende wird sie am 09.05.1975 tot in ihrer Zelle aufgefunden. Ihr Selbstmord wurde von zahlreichen Linken angezweifelt.

    Jutta Ditfurth verfolgt den Lebensweg von Ulrike Meinhof streng chronologisch. Nur den Beginn des Buches markiert der Wendepunkt im Leben von Meinhof: Die Befreiung Andreas Baaders am 14.05.1970 aus der Haft. In der Folgezeit waren auch durch den extremen Fahndungsdruck alle Brücken zurück abgebrochen. In diesem Zusammenhang fällt folgender berühmter Satz von Ulrike Meinhof:

    „[...]wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen, der Typ in Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden.“ (S.287)

    Ditfurth beschäftigt sich ausführlich auch mit Kindheit, Jugend und Studienzeit von Ulrike Meinhof und zeichnet dabei ein interessantes gesellschaftliches und politisches Bild der westdeutschen Nachkriegszeit. Die zunehmende Politisierung und später auch Radikalisierung von Meinhof wird durch Zeitzeugen und Meinhofs eigene Texte herausgearbeitet. Leider wird die Einbettung in den gesellschaftlichen Gesamtbezug im Laufe des Werkes etwas schwächer. Außerdem bedauerlich finde ich, dass Ditfurth am Ende auf einen reflektierenden Rückblick und Nachbetrachtung verzichtet. Zudem muss man natürlich konstatieren, dass Jutta Ditfurth selbst dem sehr linken Spektrum zuzuordnen ist und dies den Grundton des Buches bestimmt. Man hat durchgehend den Eindruck, dass Aktionen der Staatsmacht negativer dargestellt werden als die der Linksextremen und Terroristen.

    Nichtsdestotrotz ist diese Biografie auf jeden Fall lesenswert und gibt einen intensiven Eindruck einer interessanten Persönlichkeit.

  12. Cover des Buches Als Gast (ISBN: 9783895616846)
    Rudi Deuble

    Als Gast

     (5)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Übers Eis (ISBN: 9783895616891)
    Peter Kurzeck

    Übers Eis

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    INHALT: ÜBERS EIS ist eine reiche Sammlung von Erinnerungen an den Winter 1983/84 in Frankfurt am Main. Peter Kurzeck (1943-2013) arbeitete zu dieser Zeit gerade an seinem dritten Roman, als über ihm die Welt zusammenbrach: Trennung von seiner Frau, keine Arbeit, kein Geld, ewiger Winter. In dieser schwierigen Lage ist es nicht leicht, die vierjährige Tochter Carina durchzubringen, die er über alles liebt.

    FORM: Eine richtige Handlung hat das Buch nicht. Die einzelnen Szenen springen in der Zeit vor und zurück und verdichten sich erst nach und nach zu einem komplexen Abbild dieser Zeit. Kurzecks Sätze sind knapp, aber wortgewaltig. Er verstand es, den Leser innerhalb von drei Zeilen zu Boden zu schmettern und danach wieder aufzurichten. Kurzeck war ein Wortspieler, ein Poet. Er missachtete die gängigen Grammatikregeln, um noch mehr Bedeutung aus den Sätzen herauszuholen. Die auffälligste Schreibtechnik hierbei ist wohl das Weglassen (oder sagen wir: »die behutsame Verwendung«) von Verben. Manchmal vergehen halbe Seiten bevor mal wieder ein Verb auftaucht.

    ÜBERS EIS ist der erste Teil der auf ursprünglich zwölf Teile angelegten Reihe DAS ALTE JAHRHUNDERT. Bis zu seinem Tod im November letzten Jahres wurden fünf davon veröffentlicht, der sechste Teil ist für dieses Jahr in Planung.

    FAZIT: Auch wenn mir das Buch gut gefallen hat, bin ich mir nicht sicher, ob ich diesen Zyklus weiter verfolgen werde. Mit dem Frankfurt der 80er Jahre kann ich nicht viel anfangen. Ich vergebe sehr gute vier Sterne.

    *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch***

  14. Cover des Buches Der Bücherprinz (ISBN: 9783941286504)
    Wilhelm Ruprecht Frieling

    Der Bücherprinz

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Ich bin ein Hammel. Ein Neidhammel! Deshalb mag ich wahrscheinlich auch keine Biografien, Autobiografien ... oder "Lebensabschnittsgeschichten" - wie das Genre (sehr vereinzelt) heute gelegentlich genannt wird. Es ist einfach schrecklich zu lesen, wie irgendwelche auf Erfolg programmierte Garagenheinis das eine oder andere Weltimperium aufbauen und aus einer verkaufsträchtigen Idee soviel Geld zaubern, dass sie zum Zählen Heerscharen von Personal benötigen. Ich mag nicht wissen, auf welchen undurchsichtigen Wegen sie das erreicht haben, wen sie neulich wieder geheiratet haben werden, wie groß ihre Pools auf dem Dach sind, wie hoch die Anzahl ihrer zahllosen weißen Westen in etwa wie zu bemessen ist oder wieviele Autos und Leichen sie im Keller stapeln. Ich will ja gar nicht so reich sein wie die, nein nein! Ich bin bloß neidisch darauf, WIE sie das geschafft haben, verdammt nochmal! Jedes Mal, wenn ich auf dem Acker stehe und meine Radieschen hacke, den Sellerie hege oder die Möhrchen pflege, wenn ich Mittagessen für die (Pflege-)Kinder zaubere, wenn ich den Abwasch tätige, die Treppe putze, Einkaufen gehe oder auf dem Scheißhaus sitze, frage ich mich erneut, wie andere das mit dem "Erfolg" auf die Reihe kriegen. Und was die alles können! Was kann ich denn eigentlich? Kuchen backen. Na fein! Nein, ich mag das nicht lesen, denn es macht mich krank. Noch schlimmer sind ja die Artgenossen, die gleich mit besonderen Fähigkeiten und Begabungen auf diese Erde gelangen. Die brauchen sich nicht durchzuboxen, nein. Die fangen sofort oben an! Ich find das echt zum Kotzen, diese Ungerechtigkeit! Die Natur ist ein Ungeheuer, ein Monster - ignorant, gleichgültig und völlig ohne Plan. Ich Volldepp habe 1974 eine Lehre als Schriftsetzer begonnen ... inzwischen haben die den Laden längst abgerissen. Dann habe ich das große Arbeits-Los gezogen, war Fahrer, Hilfsarbeiter, Sargträger, Hausmeister und heiratete dauernd, was ebenfalls nichts in die Kasse spülte, und heute erziehe und betreue ich, nachdem ich dies an meinen eigenen Kindern ausprobierte, mir amtlich zugewiesene Kinder, die niemand will. Klasse. Andere kommen mit dem absoluten Gehör auf die Welt! Was für eine Gemeinheit, denn das hätte ich bitteschön auch gerne! Warum Mozart und nicht ich? Der war zwar auch nicht reich, aber immerhin genial! Das würde mir schon genügen. Entweder reich oder genial. Beides wäre vermessen. Biografien von solchen Leuten lese ich jedenfalls schon gar nicht. Künstler ... Und dann die Orgelbauer. Auch eine ganz spezielle Gattung. Geniale Handwerker sowieso. Wie kann man nur so ein tolles Instrument bauen - erfinden, planen und zusammenschrauben? Ich flenne schon, wenn ich nur eine sehe! Ich bin ein Wurm, ein Nichts, ein Niemand. Und ich will nichts von Leuten lesen, die tausendmal gescheiter sind als ich und die einen Tatendrang auf die Matte legen, den ich mir nicht einmal in meinen kühnsten Träumen vorzustellen vermag. Ich kann das nicht lesen, weil es mich krank macht. Was soll ich täglich in den Spiegel schauen und mich fragen, ob ich statt dem Elternabend gestern (im Halbschlaf) beizuwohnen, nicht besser einen Materietransmitter hätte erfinden sollen? Nein, mich bringen solche Bücher nur auf dumme Gedanken und zudem das klapprige Gestell meiner selbstgebastelten Existenzberechtigung ganz erheblich ins Schwanken. Na gut. Es gibt Ausnahmen. Und eine solche hat mir jetzt der Frieling untergejubelt. Völlig unerwartet und einfach so. Manchmal passiert so etwas im Leben und man sollte dankbar dafür sein. Ebenfalls einfach so. Das Buch habe ich selbstverständlich sofort gelesen. Nun habe ich mir, wie gewöhnlich, Notizen gemacht, doch die Flut der Eindrücke ist aus dem Ruder gelaufen. Ich weiß jetzt nicht mehr wo vorne und hinten ist. Zudem würde das jetzt viel zu lange dauern und den gegebenen Rahmen sprengen. Deshalb suche ich nach einem Ansatz, um das Buch dem gemeinen Volk angemessen vorstellen zu können. Ich habe viele. Zu viele. Und deshalb wähle ich unter diesen vorhandenen Türen einfach eine aus. Ze fix, jetzt kann ich gar nicht mehr erkennen, was ich da wieder zusammengekritzelt habe ... ach ja, da steht "Gemeinsamkeiten", "Ideen", "chronologische Abfolge"! Ich glaube, ich lege einen Schwerpunkt auf die Gemeinsamkeiten. Mal was Neues. Also, aufgemacht die Tür ... Jetzt habe ich endlich jemanden gefunden, der auch schon mit 17 Jahren das Elternhaus verlassen hat. Ja, ist denn das zu fassen? Ich will jetzt gar nicht damit anfangen, weshalb, wieso und warum, denn Ungeliebtheit ist auch so ein unsägliches Thema. Längst hat man sie überwunden, aber irgendwo in den Katakomben des biologischen Speichermediums nagt es immer noch. Doch gemeinsam Erlebtes kann auch heilende Wirkung entfalten wenn man erfährt, dass man nicht alleiniges Opfer war. Zum Beispiel was den täglichen Kleinkrieg in Sachen lange Haare betraf und welcher zu einem tätlichen Angriff mit Schere eskalierte. Wie lästerte Hans Dieter Hüsch 1968 so treffend: "... ihr Frisör hat sich wohl den Arm gebrochen...". Übermotivierte Väter brauchen solch indirektuelles Textgut nicht und nehmen die Sache selbst in die Hand! Während Wilhelm im sanften Schlaf heimtückisch seiner Haarpracht beraubt wurde, geschah es bei uns am hellichten Tag. Die Verbalattacken meines Vaters waren beendet. Er griff an. Wie von Sinnen startete er einen brutalen Frontalangriff mit Tapeziererschere. Ich dachte, mein letztes Stündlein hat geschlagen. Da half nur noch die Flucht. Die Verfolgungsjagd führte die rasende Meute durch Flur und Kinderzimmer, und gipfelte in einem kapitalen Doppelhechtsprung (gestanden!) aus dem Fester hinaus auf den Balkon und einer handfesten Keilerei. Ich siegte! Was die Scheinheiligen uns verbieten wollten, fanden wir im Versandhauskatalog. Nette Bildchen, die uns anzogen, die wir aber zunächst nicht verstanden. Antworten lieferte nicht das Erziehungspersonal sondern der ewige "Sommer" auf den einzigen Seiten der BRAVO, die uns wirklich interessiert haben! Dann gab es noch diese frühreifen Früchtchen, die uns nicht nur auf eindrucksvolle Weise (etwas) vorführten, sondern auch den Tatbestand des vorzeitigen Abgangs endgültig definierten. Nebenbei bemerkt würde ich diesen bezaubernden Schlampen mittels Zeitmaschine gerne noch einmal begegnen. Allerdings mit dem Wissen und der Ausdauer von heute! Denn jetzt kennen wir die Bedienungsanleitung (so einigermaßen) ... Weitere Gemeinsamkeiten fand ich in der Unlust des Autors, dem Staat dienenderweise an der Waffe etwas zur Hand zu gehen. Also, das war ja auf keinen Fall drin. Ok, Wilhelm ging nach Berlin aber ich wollte aus der Wiesbadener WG nicht weg. Selbstverständlich wurde ich als Verweigerer anerkannt und aus einer übermütigen Laune heraus verweigerte ich den Ersatzdienst gleich auch noch. Leider besiegelte dieser Schritt dann den Auszug aus der geliebten WG (später sollte es eh eine ungleich viel interessantere geben), denn um das Ziel zu erreichen, musste ich eine gravierende Änderung der Familienverhältnisse in Angriff nehmen. Ich heiratete. Mit 19. Im dritten Lehrjahr. Prompt wurde ich als Ersatzdienstverweigerer anerkannt. Die Ehe klappte übrigens ganz gut. Wir waren das Traumpaar der Szene. Satte zwei Jahre später - und das waren wirklich satte Jahre - folgte dann die Scheidung. Ich war 21 und endlich frei wie ein Vogel. Aber nicht sehr lange. Wilhelm Ruprecht Frieling heirate erstmals mit 22. Auch das war zu früh, hat aber immerhin etwas länger "gehalten" ... Einen zentralen Berührungspunkt und eine Art Seelenverwandtschaft finde ich in der Begeisterung für Michelangelo Antonionis Film "Blow up". Während Wilhelm den vernünftigen Weg wählte, nämlich eine Fotografenlehre beim Berliner "Lette-Verein", stürmte ich die Wohnung eines befreundeten Fotografen, ließ mir alles erklären und kaufte am nächsten Tag den ganzen erforderlichen Krempel von Kamera über Vergrößerer, Chemie, Schalen bis zur Film-Entwicklerdose. Klar, aus wem etwas geworden ist und wer es nicht geschafft hat ... In jungen Jahren galten wir beide als Gammler, Langhaarige und rauschgiftsüchtige Assoziale. Licht- und arbeitsscheu, wie das halt einmal so ist mit langen Haaren und kurzem Verstand. Die ständigen Auseinandersetzungen zu Hause waren uns ein Gräuel, doch hartnäckig verweigerten wir jede Anpassung. Das wäre Verrat gewesen. Dem 15jährigen Wilhelm brachte das einen gut zweimonatigen Zwangsurlaub in der Jugendpsychiatrie Bad Hamm ein, welchen seine werte Frau Mutter zu organisieren gedachte. Mit mir hatte man wohl Ähnliches im Sinn, schaltete aber dummerweise einen Intelligenztest vor, der alle weiteren Türen öffnen bzw. schließen sollte. Die intrigante Nummer ging aber nach hinten los, da ich die zweistelligen Quotient-Erwartungen um ein Vielfaches zu überbieten wusste. Den wunderbaren VW-Käfer betreffend verbinden uns wiederum zwei ähnliche Begebenheiten. Während der eine ein geliehenes Modell an einen Betonpfeiler setzte, krachte der andere mit seinem eigenen gleich am ersten Tag gegen ein parkendes Fahrzeug. Was weiter noch zu erwähnen wäre ist nicht von Belang, denn wen sollte z.B. interessieren, dass wir beide vom Syndrom der Sauklaue befallen sind oder was noch viel schlimmer ist: wir haben beide ein dünnes Fell! Mir brachte das nie etwas ein, aber gewissermaßen hat Wilhelm Ruprecht Frieling diesem indirekt den Beginn seine Karriere als Privatverleger zu verdanken ... So, Moment mal. Entschuldigung. Das ist hier jetzt völlig aus dem Ruder gelaufen. Ich will zudem keineswegs den Anschein erwecken, eine eigene Bio verfassen zu wollen - ja bin ich irre? Was ich damit sagen will: Ich habe mein zweites Buch von Wilhelm Ruprecht Frieling gelesen. Es ist die herzerwärmende "Lebensabschnittsgeschichte" eines Menschen, der sich einst mit einem Seesack voller Träume auf den Weg machte. Ein Mensch, der auszog, um sich selbst zu finden, der Neuland nicht nur betrat, sondern regelrecht erfunden hat und der trotz Höhenflügen samt Abstürzen immer auf dem Teppich geblieben ist. Weit war der Weg, steinig und voller Schlaglöcher. Seine unangepasste Jugend führte ihn, nach zwei gescheiterten Fluchtveruchen aus der Familie, nach Berlin, wo er sich als Tagelöhner seinen Lebensunterhalt verdiente und in WGs lebte. Mühsam waren die ersten Gehversuche mit Artikeln und Fotos für verschiedene Zeitungen. Nach der Ausbildung zum Fotografen erfolgte ein kurzer Ausflug in die Welt der Modefotografie. Der rasende Reporter arbeitete sich unermüdlich zum Chefredakteur und Blattmacher (Berliner Senioren-Post) hoch und wurde schließlich DDR-Korrespondent. Über den Posten des leitenden Redakteurs des Brancheninformationsdienstes "Film intern" entwickelte sich Frieling zum "Hofnarr der Berliner Kunstszene". Die ungeheure Vielfalt seiner Interessen führten bald zu seinem ersten Buch, einer aufwändig recherchierten Dokumentation mit dem Namen "Deutsche Dörfer neu entdeckt". Das Sachbuch erreichte eine Auflage von insgesamt einer Million Exemplaren. Weiter ging es mit einem 500seitigen Reiseführer für den ADAC-Verlag und später mit einer völlig neuartigen Idee, den illustrierten Stadtführern. Den Anfang machte das "Handbuch der Berliner Musikszene". Es war ein voller Erfolg, denn Stadtführer für bestimmte Zielgruppen waren 1983 völlig unbekannt. Es folgte der Stadtführer für Behinderte und die Idee für "Berlin okkult". Die Idee war gerade erst geboren, schon gingen 32. 000 Bestellungen beim frisch gegründeten Verlag "Frieling & Partner GmbH" ein, und das, obwohl noch keine einzige Zeile des Buches geschrieben worden war! Solche und ähnlich spannende Geschichten führen bis zur Idee und Herstellung des ersten Bezahlbuches, dem Lyrikband eines 90-jährigen Zahnarztes, dem es somit gelang, sich seinen Lebenstraum vom eigenen Buch noch kurz vor seinem Tod zu erfüllen. Das sprach sich schnell herum und es entstand das Buch "Autor sucht Verleger". Später drehte Frieling den Buchtitel um und verwendete "Verlag sucht Autoren" als Slogan für eine völlig neue Verlagsphilosophie. Das kam einem Erdrutsch gleich, denn Tausende von Autoren konnten und duften nun endlich ihr Glück selbst in die Hand nehmen ... Wilhelm Ruprecht Frieling ist einer, der Bücher liebt und immer lieben wird. Bedingungslos. Seine Reise und Entwicklung zum Verleger ist ebenso aufregend wie lebensnah und bodenständig be- und geschrieben. Wenn ich verstanden haben sollte, was er mit diesem Werk ausdrücken will, müssen wir alle im Grunde nur zwei Dinge tun - unseren Stern finden und ihm folgen. Und Frieling tut das mit einer Sprache, die aus purer Liebe zum Wort entstanden ist. Am Anfang wusste er noch nichts vom Zauber und der Magie der Sprache. Sein Leben begann in Oelde. Das war dort, wo sich der Kupferschmied Hermann Hilger am 30.3.1908 eines folgenschweren Furzes entledigt hat, der weltweite Beachtung finden sollte ... © Thomas Lawall - www.querblatt.com
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