Bücher mit dem Tag "arbeiterklasse"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "arbeiterklasse" gekennzeichnet haben.

20 Bücher

  1. Cover des Buches Die verbotene Seite (ISBN: B08D6ZB116)
    Jamie Craft

    Die verbotene Seite

    (60)
    Aktuelle Rezension von: Lesenmachtgluecklich

    Ein interessanter, unterhaltsamer und spannender historischer Roman, der mir sehr gut gefallen hat. 

    Das damalige Frankfurt scheint für mich schlüssig dargestellt zu sein und ich werde auf jeden Fall bei meinem nächsten Besuch dort die Augen aufhalten nach den Sehenswürdigkeiten, die in diesem Buch erwähnt wurden. 

    Schön finde ich, dass der Leser einen Einblick in mehrere gesellschaftliche Schichten erhält. Der Gedanke, die Probleme der Arbeiterschicht nicht nur anzusprechen, sondern eine gutbürgerliche Tochter ausprobieren zu lassen, hat mir sehr gut gefallen. So wirkt es viel authentischer.

    Natürlich gibt es viele Geheimnisse, die es zu lüften gilt und so ist der Roman gerade zum Ende hin noch einmal richtig spannend und rasant.

    Es werden so viele gesellschaftliche Probleme angesprochen, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Hin und wieder habe ich mich gefragt, ob es wirklich nur Probleme der damaligen Zeit sind und wir sie wirklich überwunden haben. Ob dies die Autorin bezweckt hat oder es nur ein positiver Nebeneffekt ist, kann ich nicht beurteilen, freue mich aber darüber. 

    Der Schreibstil ist locker und leicht, mitunter sind die Beschreibungen der Gegend etwas ausufernd, aber auch irgendwie spannend. 



  2. Cover des Buches Von Mäusen und Menschen (Graphic Novel) (ISBN: 9783987210426)
    John Steinbeck

    Von Mäusen und Menschen (Graphic Novel)

    (353)
    Aktuelle Rezension von: Daisys_bookcorner

    4/5 🌟 "Von Mäusen und Menschen"

    Hello Bookies, wir sind wieder auf der Rory-Gilmore-Liste unterwegs. ☕️📖 Diesmal wieder ein etwas bekannteres Werk "Von Mäusen und Menschen". Das ist ein Roman, der oft als Schullektüre in den USA genutzt wird. 🏫🇺🇲 Das Buch ist sehr kurz. Ich habe ein Exemplar in Großschrift, das ca. 200 Seiten hat. Aber eigentlich wären es maximal 100 Seiten. 🧐

    Es geht um zwei Farmarbeiter: der eine geistig beeinträchtigt (Lennie), und der andere (George) kümmert sich fürsorglich um ihn. George kannte Lennies Tante Clara und hat ihr vor ihrem Tod versprochen, dass er sich um Lennie kümmert. 🤝 Der beeinträchtigte Lennie liebt es, Tiere zu streicheln, aber er schafft es nicht, seine immense Kraft zu kontrollieren. 🐁💀Dadurch gerät er oft in Schwierigkeiten. Deshalb müssen sie öfter als andere die Farm wechseln. Die beiden träumen davon, ihre eigene Farm zu besitzen, um von niemandem abhängig zu sein. 🏡💭 Damit sie, wenn z. B. ein Spiel in der Stadt ist, sagen können: "Egal, wir lassen die Arbeit liegen und gehen zum Spiel oder zum Zirkus." 🎡

    Wie man sich denken kann, gerät Lennie wegen seiner Beeinträchtigung wieder in Schwierigkeiten. Besonders als die neue Frau des Gutsherrn auftaucht und sich intensiver mit ihm unterhalten will. 👠👗💬

    Ich kann nur sagen: Das Buch hat mich literarisch auf jeden Fall sehr herausgefordert. Vor allem, weil ich viel drüber nachdenken musste und es eine ernsthafte Thematik ist. 🤯 Wer die Rory-Gilmore-Liste lesen möchte dann: Lest Von Mäusen und Menschen! 🐭🐁👥️

    XoXo Daisy 🌼

  3. Cover des Buches Das Ende von Eddy (ISBN: 9783596523573)
    Édouard Louis

    Das Ende von Eddy

    (114)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Ich bin etwas irritiert und weiß nicht genau, was ich dazu sagen soll. Es ist kein schlechtes Buch, so würde ich es niemals beschreiben, aber auch kein gutes Buch. Die erste Hälfte war lang und zäh. Ich habe Eddys Familie kennengelernt mit all ihren Facetten und Fehlern, und ich dachte, das würde zu etwas führen. Tut es nicht. Der Bruder schlägt seine Frau, die Schwester wird von ihrem Mann geschlagen, und auch wenn das schockiert, wird das wieder von dem Autor ignoriert. Wieso erwähnt er das?

    Viele Details, die er über seine Familie erzählt, spielen im späteren Verlauf gar keine Rolle. Ich kriege es zu lesen, ich bilde mir davon ein Bild und am Ende ist es egal, weil alle Figuren in den Rand gedrückt und vergessen werden. Wieso?

    Einzig auf den Vater konzentriert sich der Autor am meisten, aber auch der wird im zweiten Teil zu einer Randfigur degradiert.

    Der Protagonist selber hasst seine Homosexualität und er versucht, das irgendwie zu unterdrücken. Das war interessant und im zweiten Teil hatte das Buch sogar so etwas wie einen Spannungsbogen. Aber auch hier: Sobald ich etwas von dem Protagonisten erfahre, geht der Autor darauf nicht ein. Das meiste scheint keine Rolle zu spielen.

    Er will weg von seinem Elternhaus und noch weiter weg von seiner Familie und dafür kämpft der Protagonist. Ja, und irgendwie ist das auch ziemlich lasch erzählt worden.

    Der Stil ist anders und interessant, das hat mir wohl am meisten Spaß gemacht, aber sobald ich die letzte Seite gelesen habe, empfand ich nicht dieses befriedigende Gefühl von einem Abschluss, sondern eigentlich habe ich nichts empfunden. Im Grunde ist das Buch für mich eher eine Abschreckung für die nächsten Werke des Autors. Leider.

  4. Cover des Buches Rückkehr nach Reims (ISBN: 9783518473139)
    Didier Eribon

    Rückkehr nach Reims

    (49)
    Aktuelle Rezension von: Meazostro

    Eribon legt hiermit einen autobiographischen und nonfiktionalen Roman vor, der in vielen Teilen zumindest andeutungsweise in eine soziologische Analyse abgleitet. Dies thematisiert er dabei ebenso wie die Entstehung des Romans selbst im Inhalt: Eribon kehrt nach dem Tod seines Vater, inzwischen selbst im späten mittleren Alter und als Professor für Soziologie in seine Heimat Reims zu seiner Mutter zurück. Dabei erinnert er sich an seine Kindheit in ärmlichen proletarischen Verhältnissen, zeichnet verschiedene familiäre Schicksale als Paradebeispiele dieser Klassenherkunft sowie die örtliche Historie nach und beschreibt seinen eigenen Lebensweg, seine Entfremdung von Familie und Arbeitermilieu, schließlich seine von Intellektualismus und Homosexualität geprägte Identitätsbildung als Flucht und seine Karriere. Die zentralen Themen sind das unterschiedliche soziale Kapital der durch die Klassenherkunft bedingten Individuen, die Scham vor der eigenen ärmlichen Herkunft, Homosexualität als Identitäts- und Ausgrenzungsmerkmal und schließlich die paradoxe Beziehung zwischen linker Theorie und der konkreten Arbeiterschaft. Gerade für Letzteres lehnt sich Eribon explizit an Bourdieus reflexive Sozialwissenschaft an (vgl. dazu P. Bourdieu: Ein soziologischer Selbstversuch), was die Position des Buches zwischen autobiographischer Literatur und Soziologie erklärt. Dass somit theoretische Analysen einem größeren Publikum zugemutet werden, finde ich prinzipiell ebenso begrüßenswert, wie den Versuch das Medium als bereits in sich reflektiert zu präsentieren. Leider scheint Eribon sich mit diesem methodischen Ausgangspunkt  bereits zu begnügen, weshalb es den Analysen paradoxerweise an Reflexion mangelt. 

    Eribon weißt etwa zurecht auf die paradox anmutende Entwicklung einer sich selbst als links-sozialistisch verstehenden Arbeiterschaft und ihrer Vereinnahmung durch rechtspopulistische Kräfte hin, wobei nicht die politischen Inhalte, als vielmehr die Auflehnung gegen eine soziale Umwälzung des gesellschaftlichen Bewusstseins entscheidend wären – sich also letztlich die Frage stellt, ob unter heutigen Maßstäben die Arbeiterschaft je links gewesen oder dies nicht selbst bereits Teil einer verklärenden linken Theorie gewesen sei. Eribon sucht die Antwort jedoch im Versagen der linken Strömungen, dass er in der Anerkennung von individualistisch geprägten neoliberalen Paradigmen sieht, weshalb er für die Rückkehr des Klassenbewusstseins in kollektiven Forderungen plädiert – also gerade das fordert, dass er in seinem eigenen Leben tunlichst vermeiden wollte. Zwar findet Eribon den klugen Gedanken, dass die Demokratisierung ihr Versprechen an Klassendurchlässigkeit nicht halten kann, da mit ihr immer die institutionelle Verschiebung der machterhaltenden Strukturen einhergeht, jedoch stellt sich damit für mich umso mehr die Frage, wer denn jetzt die Arbeiterschaft sei, von der sich Eribon entfremdet und die er letztlich beschwört.
    Insgesamt tun sich für mich einige Ungereimtheiten auf: Die soziale Scham etwa wird, nach Eribons eigenen Beschreibungen, nicht von seinem Umfeld aus anderen sozialen Schichten befördert, sondern stets von ihm allein. Dies mag verständlich sein (angesichts des hier nicht in Zusammenhang gebrachten neoliberalen Paradigmas formeller Gleichheit und individueller Leistungsbemessung), aber der Schluss von der individual-psychologischen auf die soziologische Ebene ergibt sich daraus nicht zwangsläufig. Stattdessen wirft Eribon ihn teils mit dem Mangel an sozialem Kapital zusammen, der wesentlich einfacher nachzuvollziehen ist, aber analytisch davon zu trennen wäre – etwa die notwendige Finanzierung des Zeitraumes für eine Dissertation.  

    Neben durchaus treffenden Feststellungen verfällt Eribon dem selbst bemitleidenden Narrativ, dass alle Schwierigkeiten seines Lebens letztlich auf seine Klassenherkunft zurückzuführen sind. Gleichzeitig schafft er es nicht eine glückliche Lebensentwicklung zu diagnostizieren, alle Errungenschaften scheinen ihm stets hart erarbeitet, verdient und immer noch unter Wert verkauft. Sein Stipendium ist auf seinen Status als "bester Student jemals" (er paraphrasiert seine Professoren und lässt es mal unkommentiert so stehen) zurückzuführen, seine schlechten Noten aber auf die verstockten Dozenten und sein Scheitern bei der Dissertation auf das mangelnde soziale Kapital. Seine Arbeit als Journalist sei als verachtungswürdige Arbeit bei minderwertigen Zeitungen aus materialistischer Notwendigkeit erfolgt, sein späterer Erfolg im ursprünglich gewählten Bereich der Philosophie und Soziologie eine Unausweichlichkeit gewesen, im Vergleich mit Menschen aus anderen Klassen aber viel zu spät eingetreten. Man wird den Eindruck einfach nicht los, dass er sich ein Feindbild in der Bourgeoisie imaginiert, auf den er auch seinen ganzen Selbsthass projiziert und gleichzeitig selbst der neoliberalen Idee einer individuellen Leistungsgesellschaft unterliegt. Dass die materielle Sicherung der Lebensverhältnisse unabhängig von der Klassenherkunft durch ein geisteswissenschaftliches Studium und Arbeit in dessen spezifischem Feld keineswegs garantiert ist, dass ein Leben in der Hauptstadt nicht allen möglich ist, dass man als Professor selbst zu den Spitzenverdienern gehört und dies nur einer Hand voll gleichermaßen qualifizierten Menschen durch glückliche Umstände zu Teil wird, das alles scheint Eribon nicht zu sehen. 

    Wie allein an dieser Rezension deutlich zu sehen sein dürfte, hat mich das Buch viel zum Nachdenken angeregt. Gerade weil viele kluge Gedankengänge und Beobachtungen präsentiert werden, scheint es mir so notwendig den Finger auf die blinden Flecke zu legen und die teils zu vereinfachende Darstellung anzuprangern, die sich unter dem Deckmantel der individuellen Erfahrung als unangreifbar wähnt. Für kritische Leserinnen eine absolute Empfehlung. 

  5. Cover des Buches Die kalte Mamsell (ISBN: 9783442492534)
    Elsa Dix

    Die kalte Mamsell

    (66)
    Aktuelle Rezension von: engineerwife

    Da ich im realen Leben noch nie auf Norderney war, genieße ich immer die lesetechnischen Reisen auf die Insel, die mir die Autorin Elsa Dix nun schon zum dritten Mal vermittelt hat. 

    Aber anders als ich, darf Victoria Berg in ihrem „realen“ Leben in dem Roman „Die kalte Mamsell“ bereits zum dritten Mal nach Norderney. Ihre Vorfreude ist groß, denn sie wünscht sich so sehr ihren geliebten Christian wieder zu sehen. Christian Hinrichs ist inzwischen zum Kriminalassistenten befördert worden und soll in Zukunft auf Norderney stationiert werden. Auch er sieht dem Treffen sowie natürlich seiner neuen Aufgabe freudig entgegen. Ein paar Tage bleiben ihm noch bis zum offiziellen Dienstantritt, doch dann machen ihm zwei im Eiskeller gefundene Leichen einen Strich durch die Rechnung. Auch Viktoria ist in ihrer Handlungsfreiheit auf der Insel mehr als eingeschränkt, denn sie hat ihren Vater – den gnadenlosen Oberstaatsanwalt Konrad Berg – im Schlepptau, damit der sich nach einem erlittenen Herzanfall erholen kann. Und dieser genannte Staatsanwalt macht wiederum Christians Freund Willy Küppers Himmelangst, denn wenn „der Bluthund“, wie Berg in Insider Kreisen genannt wird, Wind von Geheimnis in Altona aus der Vergangenheit bekommt, kann das böse ausgehen. Kaum über den Leichenfund informiert, macht Christian sich an die Ermittlungsarbeit, natürlich dicht gefolgt von Viktoria. Ein kleines am Tatort von ihr gefundenes Relikt ihrer Vergangenheit bringt sie zunächst aus der Fassung und lässt sie nun nicht länger ruhen …

    Für mich gehört die Norderney Reihe von Elsa Dix mit zu den schönsten historischen Krimireihen. Die Autorin hat eine besondere Gabe ihre LeserInnen in die Vergangenheit zu entführen und sie sich darin heimisch fühlen zu lassen. Durch ihre bildhafte Art zu schreiben, setzt sich bei mir beim Lesen stets ein Kopfkino vom Feinsten in Gang. Viktoria und Christian präsentieren sich mir immer wieder aufs Neue als sympathische Protagonisten und so freue ich mich jedes Mal, wenn es wieder einen neuen Teil der Reihe gibt. Band vier wartet schon im heimischen Bücherregal auf mich und nun hoffe ich, dass es danach mit einem fünften Teil weitergehen wird. Von mir gibt es mit fünf funkelnden Sternen die absolut wohlverdiente Bestnote verbunden mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung. Während jeder Band auch als alleinstehender Fall gelesen werden kann, empfehle ich dennoch hier die Reihenfolge einzuhalten. Ach ja, und je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr könnte mir ein Urlaub auf der schönen Insel gefallen. Vielleicht im nächsten Jahr?  

  6. Cover des Buches Die Buchbinderin von Oxford (ISBN: 9783453274617)
    Pip Williams

    Die Buchbinderin von Oxford

    (27)
    Aktuelle Rezension von: MarySophie

    Handlung

    England 1914

    Immer mehr Männer ziehen in den Krieg, Arbeitsplätze werden frei, die nach und nach von den Frauen eingenommen werden. Auch die Zwillingsschwestern Maude und Peggy müssen in der Buchbinderei der Oxford University Press härter arbeiten. Sie leben im Arbeiterviertel Jericho auf einem Hausboot, auf dem sich überall Bücher und Buchseiten finden. Den Peggy träumt davon, eines Tages an der Universität zu studieren. Allerdings sagt ihr die Gesellschaft etwas anderes, außerdem ist da noch Maude, ein besonderes und verletzliches Mädchen, für das sich Peggy nach dem Tod der Mutter verantwortlich fühlt. In Oxford kommen schließlich auch belgische Flüchtlinge an, die Schwestern finden neue Freunde und erhalten in jeder Situation Unterstützung. Und Peggy scheint ihrem Wunsch nach dem Studium ein ganzes Stückchen näher zu rücken.


    Meinung

    Mich hat bei dem Roman von Pip Williams vor allem die Inhaltsangabe überzeugt. Das vermischt mit einem guten Titel und sehr hübschen Cover hat einen richtig positiven ersten Eindruck hinterlassen und bei mir den Wunsch geweckt, das Buch zu lesen. Ich finde, dass eine durchweg interessante und starke Geschichte versprochen wird, auf die ich sehr gespannt war. Aus diesem Grund habe ich mich sehr über das Rezensionsexemplar gefreut, ein ganz herzliches Dankeschön geht an das Bloggerportal von PenguinRandomhouse!


    Anfangs hat es mir der Roman schwer gemacht. Ich bin nur sehr langsam in die Geschichte hineingekommen, sie ging recht schleppend voran und auch die Sprache hat nicht so ganz meinem Geschmack entsprochen. Sowohl die Ausgangssituation, als auch die Protagonisten sind nicht greifbar gewesen, ich konnte mir sie nicht vorstellen und mich hat die Story zu diesem Zeitpunkt leider nicht gereizt. Ich musste mich stark motivieren, dass ich weiterlese und nach vielleicht 100-150 Seiten waren alle Anfangsschwierigkeiten vergessen. Zu diesem Zeitpunkt ist bei mir ein schöner Lesefluss entstanden, ich bin flüssiger mit dem Lesen vorangekommen und habe mich an die Protagonisten gewöhnt. Auch die Sprache war viel leichter, sie zeichnete bessere Bilder und leitet auf interessante Weise durch die Geschichte. Ab und an merkt man, dass einige Tatsachen und Aussagen nicht ausgesprochen werden, was je nach der Situation ganz gut passt, öfters aber auch nervt, da man selbst die Protagonisten nicht so gut kennt, wie sie sich gegenseitig. Und als Leser steht man dann ein bisschen an der Seite und wünscht sich eine Auflösung dessen, was gerade nicht ausgesprochen wird.


    Ich finde, dass der Mittelteil des Romans richtig stark ausfällt. Da passt alles, ich bin mit den Protagonisten warm geworden und die ganze Geschichte gestaltete sich einfach als interessant und abwechslungsreich, sie konnte absolut überzeugen. Woran auch die Stimmung ihren Anteil hatte, sie hat die Szenen abgerundet und einen wunderbar bodenständigen Charakter verströmt. Ich mochte es sehr, Peggy auf ihren Wegen zu begleiten und dabei Fortschritte zu betrachten. Und dann gab es aber eine Entwicklung, die für mich in eine Richtung ging, die zwar vorhersehbar war und irgendwie auch richtig. Aber ab da war die Luft dann raus. Die Spannung dahin, mir gingen manche Figuren auf die Nerven und es entstanden auch ein paar Längen. Ich habe das letzte Viertel des Buches nicht mehr so gern gelesen, es war zwar sprachlich gut geschrieben, aber das Interesse war dahin.


    Ich hätte mir gewünscht, dass das Buch einen noch stärkeren historischen Hintergrund erhält. Grob wird dieser umrissen, aber nicht so richtig in die Tiefe gegangen. Die Protagonisten waren sich des Zustandes bewusst, aber es scheint ihr Leben nicht wirklich beeinflusst zu haben. Ich finde, in dieser Hinsicht ist noch viel Platz nach oben!


    Fazit

    Ich finde, dass Titel, Cover und die Inhaltsangabe perfekt aufeinander abgestimmt sind und bei mir so viel Eindruck hinterlassen haben, dass ich den Roman unbedingt lesen wollte. Und dann war der erste Start in die Geschichte eher ernüchternd. Ein sehr schleppender, schwerer und sprachlich hölzerner Start in den Roman war nicht das, was ich mir erhofft hatte. Trotzdem habe ich mich immer wieder dazu motiviert, weiterzulesen und schließlich wurde die Geschichte richtig gut. Hat genau meinen Geschmack getroffen, die Sprache war fein, die Protagonisten haben mir gefallen. Und darauf folgte dann leider ein sehr schwaches letztes Viertel, dass mich nicht mehr überzeugen konnte. Es gab ein paar Längen und für mich war der Reiz weg. Ich habe das Buch schließlich mit einem gemischten Gefühl beiseite gelegt, es hatte echt gute Abschnitte, aber halt leider auch solche, die mir gar nicht zugesagt haben...

  7. Cover des Buches Klassenbeste (ISBN: 9783446274778)
  8. Cover des Buches Modern English Short Stories. Vol. 1 (ISBN: B0000BOHH0)

    Modern English Short Stories. Vol. 1

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Kurzgeschichten von sehr prominenten englischsprachigen Autoren wie Somerset Maugham und Dylan Thomas, aber manche Geschichten wie zB die von Thomas über einen dementen Großvater waren mir zu läppisch. Für fortgeschrittene Englischschüler oder für echte Profis.
  9. Cover des Buches Mads Mikkelsen (ISBN: 9783862654642)
    Thorsten Wortmann

    Mads Mikkelsen

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Eine tolle Biographie über einen der interessantesten Schauspieler unserer Zeit, in der man sowohl etwas Persönliches über den Mann Mads und über seine Einstellung zum Leben lernt wie auch über seinen Karriereweg mit Klassikern wie "Adams Äpfel" und "Die Jagd". Ein ganz bescheidener, bodenständiger Mensch aus einem tendenziell kommunistischen Elternhaus, der in einem sympathischen Land aufwächst, das seine Stars nicht zu groß werden läßt. Über manche Filme hätte man gern noch mehr erfahren, aber die Person hinter dem Schauspieler wird tiefschürfend präsentiert, und alles mit tollen Bildern abgerundet.

  10. Cover des Buches Shop Girls - Aufbruch in ein neues Leben (ISBN: 9783404185900)
    Rosie Clarke

    Shop Girls - Aufbruch in ein neues Leben

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Elena_is_sherlock

    Vorab: Ich habe das Buch nicht fertig gelesen. Mir haben noch etwa 50 Seiten gefehlt, als die Onleihe abgelaufen war. Die Motivation zu warten bis das Buch wieder zur Ausleihe verfügbar war, war nicht gegeben. 


    Es startet erstmal vielversprechend. Wir begleiten mehrere junge Frauen in ihrer neuen Arbeitsstelle in einem Kaufhaus. Das Setting ist super interessant und an sich waren die Figuren auch sympathisch, aber der Roman nahm einfach nie so richtig Fahrt auf. Die emotionaleren Handlungsstränge haben mich nicht abgeholt und die Ansätze der Liebesgeschichte waren nicht überzeugend. 


    Fazit: Es gab viele spannende Ansätze, aber die Geschichte dann doch eher austauschbar und langatmig. Wirklich schade. Ich werde die Reihe nicht weiterlesen. 

  11. Cover des Buches Die Pastakönigin (ISBN: 9783822505366)
    Maria Orsini Natale

    Die Pastakönigin

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Von diesem historischen Roman habe ich ursprünglich ein bisschen etwas anderes erwartet, habe aber dann in diese Familiensaga, die auch die politischen Ereignisse in Italien von Garibaldi bis Mussolini einflicht, als ziemlich interessant empfunden.  

    Das Buch schildert die Entstehung der italienischen Pasta-Industrie von einem kleinen neapolitanischen Familienbetrieb von reiner Handarbeit über die frühe Mechanisierung unter Zuhilfenahme von Knetstangen, Matrizen und Bronzeformen bis hin zur Nudelindustrie, wie wir sie von aus den Supermärkten kennen.  

    Es wird weder die harte Arbeit, das karge Einkommen noch die Anfänge der Mafia ausgespart. Anhand der Familienmitglieder zieht die regionale oder auch dei Weltgeschichte an uns Lesern vorüber. Das eine oder andere Ereignis wird nur kurz gestreift oder eben ausführlicher behandelt. 

    Fazit: 

    Wer etwas über die Entstehung der vielfältigen italienischen Pasta lesen will und über den Ideenreichtum der echten italienischen Pasta (abseits von Spaghetti oder Penne) staunt, ist hier richtig. Gerne gebe ich dieser Familiensaga mit Mehrwert 4 Sterne.

     

     

  12. Cover des Buches Ein Prolet erzählt (ISBN: B003CP5IE8)
    Ludwig Turek

    Ein Prolet erzählt

    (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches The Pearl. Die Perle, englische Ausgabe (ISBN: 9780141394688)
    John Steinbeck

    The Pearl. Die Perle, englische Ausgabe

    (19)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Mit "Die Perle" ist John Steinbeck eine wunderbare Neubearbeitung einer alten Sage gelungen. Obwohl diese Story nun auch schon älter ist, so ist es doch immer noch sehr aktuell. Reichtum, Familie, Ehre und Ehrlichkeit sind die großen Themen. Hochgenuß! 

    Kno und seine Familie stehen am Scheideweg und setzen alles auf eine Karte.

  14. Cover des Buches Manifesto - Warum ich niemals aufgebe (ISBN: B09PZ24291)
  15. Cover des Buches Endspiel (ISBN: 9783453432895)
    Chuck Hogan

    Endspiel

    (12)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Ein Highlight im Thriller-Genre: Die Vorlage für Ben Afflecks Film "The Town", der auch als äußerst gelungen gilt: Doug MacRay ist Kopf einer Verbrecherbande, die sich in Boston ihren Lebensunterhalt mit Bankeinbrüchen und Geldtransporterüberfallen verdient, in Boston offenbar Familientradition seit Generationen. Eigentlich denkt er nur ans Aufhören und will dem "Gewerbe" den Rücken kehren, als er sich in eine Filialleiterin verliebt, die seine Bande als Geisel nahm. Beide kommen sich näher, ohne das sie wüßte, wer er tatsächlich ist...Gleichzeitig bietet das Buch fundierte Hinweise auf Techniken des Überfalls und der Spurenverwischung ebenso wie auf das Milieu, in dem die Gangster leben, und in dem sich immer mehr die verhaßten "Yuppie-Ärsche" breitmachen, die sie so verachten. Ganz großes Kino, für mich einer der besten Thriller aller zeiten. Aber wer hat das blöde Buchcover erfunden?
  16. Cover des Buches Königin der Bunten Tüte (ISBN: 9783499630873)
    Linda Zervakis

    Königin der Bunten Tüte

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Linda Zervakis` Erinnerungen an Kindheit und Jugend, geprägt durch ihre Tätigkeit im elterlichen Kiosk und der sozialen Unterlegenheit gegenüber ihren Freunden. Man ist natürlich enttäuscht und entsetzt, daß der deutsche Staat nicht in der Lage war, ein gesichertes und auskömmliches Leben einer sog. "Gastarbeiterfamilie" zu finanzieren und die Kinder quasi schon durchgängig im elterlichen Geschäft eingesetzt werden mußten. Unglaublich, daß man Kinder diesem "Trinkermilieu" aussetzen mußte, um als Familie über die Runden zu kommen. Wenn man die Autorin später in der "Tagesschau" als Sprecherin sah, konnte man das Bild von ihr natürlich gar nicht mit den präkeren Verhältnissen, wie sie im Buch geschildert werden, zusammenbringen. Und die dreckige Lache der Autorin fehlt im Buch leider auch hihi. Jammas! Und noch mal Glückwunsch zum EM-Sieg!


  17. Cover des Buches Maud Martha (ISBN: 9783328112242)
    Gwendolyn Brooks

    Maud Martha

    (10)
    Aktuelle Rezension von: Ruth

    Als 2021 der 1948 auf Sansibar geborene Autor Abdulrazak Gurnah den Literaturnobelpreis bekam, kannte ihn hierzulande kaum jemand, Das hat sich, nachdem nun vier Romane von ihm auf Deutsch vorliegen, mittlerweile geändert. „ Die Abtrünnigen“ erschien schon 2006 auf Deutsch und liegt nun in einer Neubearbeitung vor.
    „ Es ist eine Geschichte darüber, dass eine Geschichte viele Geschichten enthält und dass sie nicht uns gehören, sondern Teil der zufälligen Strömungen unserer Zeit sind. Und es ist eine Geschichte darüber, wie wir uns in Geschichten hineinverstricken und für alle Zeit darin gefangen bleiben.“ so heißt es im Roman.
    Abdulrazak Gurnah erzählt uns hier nicht nur von der Geschichte Sansibars, seiner früheren Heimat, sondern er erzählt sehr viele Geschichten : von den Menschen, die dort lebten und von solchen, die weggingen und auch die Geschichte von zwei unglücklichen Liebespaaren.
    Es beginnt im Jahr 1899 in einer kleinen ostafrikanischen Küstenstadt. Der Krämer Hassanali findet frühmorgens einen weißen Mann, einen Mzungu, auf den Stufen der Moschee. Er nimmt ihn mit zu sich nach Hause und kümmert sich um ihn. Der Weiße, ein Orientalist namens Martin Pearce, verliebt sich dabei in die Schwester des Krämers und die sich in ihn. Eine verbotene Liebesbeziehung beginnt, die natürlich zum Scheitern verurteilt ist. Pearce wird nach England zurückkehren und Rehana mit einem Kind zurücklassen.
    Hatten wir es bisher mit einem auktorialen Erzähler zu tun, der bilderreich und detailliert das bunte Leben der verschiedenen Kulturen aufblättert, so erfahren wir in einem sog. „ Gedanklichen Zwischenspiel“ wenig von der eigentlichen Liebesgeschichte. Hier spinnt ein Ich- Erzähler verschiedene Möglichkeiten durch, wie es zu dieser unerlaubten Beziehung zwischen einem Kolonialbeamten und einer Einheimischen kommen konnte.
    Im zweiten Teil überspringt der Roman eine Generation und wir sind nun in den frühen 1960er Jahren auf Sansibar.
    Auch hier entwickelt sich eine Liebe, die nicht sein darf und zwar zwischen dem jungen Studenten Amin und der etwas älteren geschiedenen Jamila. Sie ist die Enkelin Rehanas und deren Ruf als gefallene Frau haftet Jamila immer noch an. Rashids Eltern sind strikt gegen die Beziehung ihres Sohnes zu dieser selbstbewussten Frau mit fragwürdigem Hintergrund. Sie verbieten ihm jeglichen weiteren Kontakt und Amin als folgsamer Sohn hält sich daran. Es bricht ihm zwar das Herz, doch sich auflehnen gegen die Wünsche und Erwartungen der Eltern vermag er nicht.
    Im dritten und letzten Teil des Romans kommt Rashid, der jüngere Bruder Amins, als Ich- Erzähler zu Wort. Er war es auch, der sich in dem „ Zwischenspiel“ seine Gedanken machte.
    Rashid hat es, kurz vor der Unabhängigkeit Sansibars, mit einem Stipendium nach England geschafft. Er studiert in London, promoviert, macht Karriere als Hochschullehrer und wird nie mehr in seine Heimat zurückkehren.
    Dort erlebt die Familie nach der Revolution einen gesellschaftlichen Absturz. Der Vater verliert seine Arbeit als Lehrer; es folgt ein Leben in Armut und Angst.
    Doch auch Rashid hat mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen. Ihm schlagen in England Missachtung und offener Rassismus entgegen. „ Aber die erste Lektion, die mir in London erteilt wurde, war, mit der Geringschätzung der anderen leben zu lernen….Wie viele Menschen in ähnlichen Umständen begann ich mich selbst mit wachsender Abneigung und Unzufriedenheit zu betrachten, begann mich, mit ihren Augen zu sehen.“
    In der Figur des Rashid hat Gurnah eigene Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitet.
    „ Desertion“ heißt der Roman im Original. „Fahnenflucht“ bringen wir mehr mit Krieg und Militär in Verbindung , deshalb ist der deutsche Titel „ Die Abtrünnigen“ treffend. Abtrünnig verhalten sich hier viele. Nicht nur die Liebenden verlassen einander wegen kolonialem Denken oder falsch verstandenem Ehrenkodex. Auch Rashid fühlt sich als Abtrünniger, als er seine Heimat für immer verlässt. Und letztendlich verhält sich England abtrünnig, als es seine Kolonie unvorbereitet in die Freiheit entlässt.
    Abdulrazak Gurnah hat auch hier wieder einen komplexen Roman vorgelegt. Dabei zeichnet er ein breites Panorama seiner Heimatregion vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Unabhängigkeit in den 1960er Jahren. In vielen Bildern und Episoden lässt er die vergangene Welt lebendig werden, dieses Vielvölkergemisch mit seiner unterschiedlichen Kultur und Lebensart. Und später erlaubt er uns einen tiefen Einblick in familiäre Strukturen und den Alltag auf Sansibar Mitte des 20. Jahrhunderts.
    Dabei vermeidet er Schwarz-Weißzeichnungen. Es gibt nicht nur bei den Kolonisatoren Verbote und ein Menschenbild, das dem persönlichen Glück im Wege steht. Auch einheimisches Standesdenken und das Verbot, Grenzen zu überschreiten, verhindern ein erfülltes Leben.
    Bei den Engländern zeigt er offenen und brutalen Rassismus, bringt aber mit Pearce einen Gegenentwurf ins Spiel. Ihn zeichnet er als Menschen, der der ihm fremden Kultur offen und mit Respekt entgegentritt und der mit Scham das Treiben seiner Landsleute beobachtet. „ Ich glaube, wir werden unser Tun in Ländern wie diesem mit der Zeit in immer weniger heldenhaftem Licht sehen,…, wir werden uns für manches schämen, was wir getan haben.“
    Gurnah packt keineswegs belehrend, sondern sehr organisch sehr viel Informationen über den gesellschaftlichen und politischen Hintergrund in die spannenden Familien- und Liebesgeschichten .
    Dabei spielt er mit unterschiedlichen Erzählformen. Er lässt den Ich- Erzähler vom letzten Kapitel als den auktorialen Erzähler vom

  18. Cover des Buches Mohr und die Raben von London (ISBN: 9783359024842)
    Vilmos Korn

    Mohr und die Raben von London

    (8)
    Aktuelle Rezension von: LovelyBasti

    In diesem historischen Roman „Mohr und die Raben von London“, spielt Karl Marx eine zentrale Figur. Der Autor entführt uns in das düstere London des 19. Jahrhunderts, wo Armut und Ausbeutung den Alltag der Arbeiterklasse prägen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Schicksalsgemeinschaft zwischen Marx und dem dreizehnjährigen Joe Kling, dessen Familie in erbärmlichen Verhältnissen lebt. Joe, der unter fürchterlichen Bedingungen in einer Baumwollspinnerei arbeitet, auf der einen, sein Bruder Billy als Anführer der „Rabenbande“ auf der anderen Seite und Marx und seine Familie als vermeintlich Reiche, verdeutlicht die Geschichte die sozialen Unterschiede und Lebensweisen zur damaligen Zeit und deren unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag, auf Bildung und soziale Strukturen. Die Darstellung der Solidarität zwischen den Klassen ist authentisch und gibt dem Leser einen tiefen Einblick in die sozialen Probleme der Zeit. Eine spannende Lektüre, die ich gern noch einmal gelesen habe.

  19. Cover des Buches Die Arbeiter (ISBN: 9783630877402)
    Martin Becker

    Die Arbeiter

    (14)
    Aktuelle Rezension von: _leserin_

    Diesen autofiktionalen Roman habe ich tieftraurig empfunden. Die Eltern des Autors zählten noch zu jener Gruppe von Menschen, die es heute so eher nur mehr selten gibt: richtige Arbeiter*innen. 

     

    Sie üben körperlich anstrengende Berufe aus, und das für eine geringe Bezahlung. Trotzdem gönnen sie sich ein paar Tage Urlaub an der Nordsee. Fahren dorthin mit ihrem alten, gebrauchten Auto. Natürlich wohnen sie nicht direkt am Strand – zu teuer, einen Fußmarsch müssen sie zurücklegen, um ans Meer zu kommen. „Schön haben wirs“, versichern sich die Eltern selbst, nicht nur nach dem Urlaub, immer wieder empfinden sie das wenige hart Erarbeitete als kleines Glück. Ein Reihenhaus haben sich die Eltern gekauft, weil sie was Eigenes besitzen wollten – noch nach ihrem Tod war der Kredit aber nicht abbezahlt. 

     

    Der Vater trinkt gern seine Bierchen und Schnäpse, vom Charakter ist er ein eher wortkarger, wütender Mensch. Die Mutter, sitzt daheim hinter der Nähmaschine, sie macht für den Quelle-Versand die Änderungsschneidereien. 

     

    Aber es wird auch von einer Liebe in der Familie geschrieben, die beim Lesen zu Herzen geht. Hier wird nicht umarmt oder geküsst. Liebe drückt sich in der Familie anders aus. Martin Becker erzählt vom Qualm der Zigaretten im Auto, wie der Vater dennoch der Mutter die Zigaretten anzündet und sie ihr hinhält. Vom Vater, der sich um seine Frau selbst kümmern möchte, und sie nicht den Ärzten und Krankenschwestern überlassen will. Und dann doch total überfordert ist. 

     

    Die Mutter wird ohne alt geworden zu sein krank und erholt sich nie mehr, auch der Vater verstirbt viel zu früh –  aber beide passen genau in den Referenzbereich der Statistik, der angibt, das Arbeiter*innen so mit 65 Jahren sterben. 

     

    Martin Becker hat zum Teil gelitten unter seiner Herkunft, unter dem oft wütenden Vater und unter seiner Adoptivschwester, die im Rollstuhl sitzt. Geniert hat er sich für sie und wollte, wenn er mit der Mutter durch die Straßen der Kleinstadt ging, so tun als gehöre sie nicht dazu. Martin Becker wollte der Tristesse einfach entkommen.

     

    Ich habe den Roman deswegen so traurig gefunden, weil der Vater hart arbeitet, um seiner Familie ein bisschen was zu bieten, ein paar Tage Urlaub, einen Fernseher, ein eigenes Haus, obwohl nie genug Geld da war. Und am Ende sterben die Eltern viel zu früh und konnten nicht mal ordentlich die Pension genießen. Der Roman vermittelt eine eigene Stimmung, wie ich sie selbst kenne aus meiner Zeit des Aufwachsens in den 1980er Jahren. Ich konnte so viele Parallelen zu jener Zeit  identifizieren, vermutlich ist das der Grund, warum ich von diesem Roman so begeistert bin. 

     

  20. Cover des Buches Hafenlichter (ISBN: 9783492056656)
    Jens Eisel

    Hafenlichter

    (9)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Kurzgeschichten von den Menschen, die man sonst nicht sieht in der glänzenden Metropole, warmherzig und häufig mit einem Schuß Optimismus am Ende. Genau hingeschaut, manchmal fragt man sich., ob man auch an der Stelle der einen oder anderen Figur sein könnte, wenn manches im Leben anders gekommen wäre. Mit gelungenen Auslassungen an wichtigen Stellen, so daß sich der Leser das Ende der Geschichten zusammenreimen muß. "Hamburg meine Perle lala..."

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