Bücher mit dem Tag "aristoteles"
23 Bücher
- Jostein Gaarder
Sofies Welt
(4.495)Aktuelle Rezension von: MyrdynDer Titel verspricht, das Buch handle von der "Welt" eines fünfzehnjährigen Mädchens. Doch über Sofie erfahren wir sehr wenig, über ihre Mutter und ihre Welt fast nichts. Den Autor interessiert seine Figur "Sofie" eigentlich nicht, sie ist nur dazu erfunden worden, einem schrulligen alten Mann namens Alberto als willige Zuhörerin bei seinen Monologen über Philosophie zu dienen und sich den Kopf mit lauter Buchwissen volllabern zu lassen. Alberto seinerseits ist eine Maske des Autors Jostein Gaarder, der unbedingt ein Jugendbuch über Philosophie schreiben wollte, aber sich eine schlüssige Einführung in das Philosophieren (= Philosophie als Aktivität denkender Menschen) für junge Leser nicht zutraute. Philosophieren lernt man jedoch nicht durch einen Spaziergang durch die verwitterten, brüchigen Monumente der europäischen Philosophiegeschichte.
Die Hintergrundstory vom geheimnisvollen Mentor eines hochpubertären und doch braven, leicht manipulierbaren Mädchens, dem er eine neue Welt erschließt, ist schon ohne den verkrampften Sprung ins Metaphysische unglaubwürdig. Wenn Sofie etwa Bücher wie "Die rote Zora und ihre Bande" (von Kurt Held), "Blauvogel - Wahlsohn der Irokesen" (von Anna Jürgen) oder "Yashor - Der Hirt aus Harkin" (von Michael Morgental) gelesen hätte, dann hätte sie über die Einübung in das Philosophieren im praktischen Leben eines jungen Menschen mehr gelernt als durch die aufdringlichen Versuche eines Hobbyphilosophen, der sich fast zwanghaft eine folgsame Rezipientin für seine fast manischen oberflächlichen Expektorationen suchen musste.
- Umberto Eco
Der Name der Rose
(1.633)Aktuelle Rezension von: MH41197Man kann mir mit Recht nachsagen, dass ich historische Romane nicht mag. Das hat seine Gründe - das Genre ist meiner Ansicht nach weder Fisch noch Fleisch, meist trivial, neolibreal dazu auffordernd, sich gleichzeitig an vergangenen Brutalitäten zu ergötzen und dabei dankbar zu sein, heute in der "besseren Welt" (die - Ironie! - natürlich frei von jedem Unrecht ist ... Nicht!) leben zu dürfen, und außerdem überfüllt mit sinnentleerten Gewalt- und Sexszenen.
Mit anderen Worten: Ich hätte vielleicht nicht gedacht, dass ich jemals einem historischen Roman eine volle Punktzahl geben würde, hätte ich Umberto Ecos "Der Name der Rose" nicht gekannt. Denn dieser Roman ist in jeder Hinsicht perfekt - obwohl in vergangenem Setting.
Im Italien des Jahres 1327 reist der englische Franziskanermönch und Ex-Inquisitor William von Baskerville (eine von Ecos humoristischen Anspielungen auf andere Literaten - der Nachname ist klar aus Sherlock Holmes entlehnt) mit seinem jugendlichen deutschen Gehilfen Adson von Melk in eine abgelegene, düstere Abtei in den Appenninen, um dort an einer theologischen Debatte zwischen den zerstrittenen Mönchsorden teilzunehmen. Aufgrund seiner Berühmtheit als früherer Inquisitor - vor allem als einer, der diese Tätigkeit mehr als Richter und Detektiv, denn als Hexenverbrenner verstand -, wird William vom Abt gebeten, den sonderbaren Tod eines jungen Mitgliedes des Klosters aufzuklären. William beginnt zu ermitteln - und stößt dabei schon bald an die Grenzen der Weltbilder seiner Zeit, und zwischen die Machenschaften der Post-Kreuzzugs-Ära der spätmittelalterlichen religiösen Extremisten, die für ihre Überzeugungen zu morden und zu sterben bereit sind und jedem Andersdenkenden keinerlei Existenzrecht zugestehen - sei er Wissenschaftler, Freigeist, kritisch denkender Theologe, Katharer, Jude, Muslim ... oder einfach nur eine Frau zur falschen Zeit am falschen Ort.
Spannend ist dieser Roman allemal - aber nicht im klassischen Stil eines Krimis (der "Der Name der Rose" zweifelsohne ist), dafür ist die Handlung sehr viel dichter gepackt, fast schon eine Milieustudie eines (spätmittelalterlichen) Klosters oder: einer religiös fundamentalistischen (oder wie wir es heute nennen würden: "evangelikalen") Gesellschaft - und damit hat der Roman trotz seines fernen Themas auch noch etwas: Aktualität. Wenn wir die Extremisten in Ecos Kloster über "die Ketzer" reden hören und über den Niedergang der Welt, dann fühlt man sich nicht wenig erinnert an moderne Eiferer, deren Ersatzwort für den Begriff Ketzer "die Woken" geworden sind, wenn man die Selbstherrlichkeit des letztendlichen Antagonisten erlebt, der im Bewusstsein vollkommener Rechtschaffenheit seine Mitbrüder zu einem höheren Ziel tötete und als Kollateralschäden in Kauf nahm, so hat man die Worte von selbstgerechten, brutalen Machtmenschen wie Putin oder Netanyahu im Ohr, und mit dem Selbstmord des Antagonisten und seinem Versuch, dabei alles mit sich zu vernichten, so denkt man unweigerlich an die Selbstmordattentate des ISIS. Umberto Eco hat einen Roman in der Vergangenheit geschrieben, der uns etwas über seine Gegenwart, und aus Ecos Perspektive, der ihn in den 1970er Jahren schrieb, sogar über Ecos damalige Zukunft, die heutige Gegenwart, erzählt. Und darin besteht bereits die Genialität des Namen der Rose - und in seinem Schreibstil: Denn Eco schreibt einen Plot im Plot - macht sich selbst zum zweiten Protagonisten, der im "heute" (oder eben: in den 1970ern) die französische Übersetzung der lateinischen Niederschrift des alten Mönches Adson von Melk ins zeitgenössische Italienische übersetzt - und begibt sich in dieser Eigenschaft dann in die Haut des alten Adson von Melk, der im Rahmen seines mittelalterlich-klösterlichen Weltbildes rückblickend die Geschichte seines jugendlichen Ichs an der Seite von William von Baskerville erzählt.
Der Name der Rose ist ein stilistisch, thematisch, plottechnisch und handwerklich ein Werk der Superlative: Der beste und der EINZIGE historische Roman, der nicht als "Märchen für Erwachsene" daher kommt, sondern einen Plot erzählt, der in tieferer Bedeutung von der erzählten Zeit in die Gegenwart seiner Niederschrift und bis ins Heute übergreift. Der Name der Rose ist kein "alter Schinken". Keine Mittelalterromantik. Er ist relevant - damals wie heute. Und auch morgen - solange es religiösen Extremismus und Machtgefälle in der Welt gibt.
- Benjamin Alire Sáenz
Ari und Dante 1: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums
(268)Aktuelle Rezension von: ConzilieAri ist ein einsamer Teenager. Er kann nicht gut mit anderen Menschen umgehen, da ist er lieber alleine und langweilt sich. Das ändert sich, als er Dante trifft. Zwischen den Beiden herrscht sofort eine Verbundenheit.
Die Geschichte ist komplett aus Aris Sicht erzählt. Er denkt viel nach und ist oft in sich gekehrt.
Die Handlung hat mir gut gefallen, konnte mich aber nicht so mitreißen. Die Sprache ist einem Jugendbuch entsprechend etwas einfacher, so lässt sich das Buch sehr schnell weglesen.
- Irene Vallejo
Papyrus
(167)Aktuelle Rezension von: AlrikBeim Aufschlagen von Papyrus legt sich ein Sog über die Sinne: Werkstätten am Nil erscheinen vor dem inneren Auge, bleiche Rollen rascheln, und Hände falten Worte wie zarte Blätter. Die Lektüre fühlt sich an wie eine Entdeckungsreise durch eine Welt, in der Bücher nicht nur Gegenstände, sondern lebendige Brücken zwischen Zeiten sind. Vallejo schreibt mit einer Wärme, die Wissen tragbar macht; ihre Szenen sind anschaulich, voller kleiner Helden — Buchhändler, Schreiber, eine Nonne, die Schriften bewahrt — und jede von ihnen hinterlässt ein Bild, das nachklingt.
Die Verbindung von erzählerischem Schwung und fundierter Forschung beeindruckt: Fakten werden nicht trocken aufgereiht, sondern in Geschichten eingebettet, so dass das Lesen selbst zur Handlung wird. Manchmal verlangt die Fülle an Exkursen aktive Aufmerksamkeit; der rote Faden löst sich stellenweise auf, und gelegentliche Abschweifungen fordern Geduld. Genau hier liegt aber auch der Reiz: Wer bereit ist, sich treiben zu lassen, wird mit überraschenden Einsichten belohnt.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Bücher mehr sind als Information — sie sind Überlieferung, Rettung und Widerstand gegen das Vergessen. Für alle, die Geschichte fühlen möchten und Lust auf ein leidenschaftlich erzähltes Sachbuch haben, ist Papyrus ein bereichernder Schatz. Wer eine streng lineare Darstellung sucht, könnte sich stellenweise geordnetere Strukturen wünschen. Insgesamt aber hat dieses Buch den Blick auf das geschriebene Wort vertieft und lange nachklingen lassen.
- François Lelord
Hector und das Wunder der Freundschaft
(94)Aktuelle Rezension von: JorokaAuf wirklich langjährige Freundschaften kann man natürlich erst im fortgeschrittenen Alter zurückschauen. 20, 30, 40, 50 Jahre oder länger eine Freundschaft zu pflegen und immer wieder neu zu beleben, das gibt schon ein schönes, warmes Gefühl im Herzen.
Der schon allseits bekannte Glücksexperte und Psychiater Hector macht sich dieses Mal auf die Reise mit Freunden zu einem alten Freund und notiert dabei 21 Beobachtungen, was eine wahre Freundschaft ausmacht, wie z.B. schon oben genannter Satz oder auch „Wahre Freundschaft setzt man nicht für die Liebe aufs Spiel“ oder „Ein wahrer Freund ist bereit, Opfer für dich zu bringen oder sich deinetwegen sogar in Gefahr zu begeben.“ Letzten Satz wird auch Hector auf seiner abenteuerlichen Reise immer wieder zu bestätigen wissen. Denn ein alter Freund von ihm hat eine sehr, sehr hohe Summe unterschlagen und sich damit in einen überaus unzugänglichen Teil der Erde abgesetzt. Die Feinde, die er sich dadurch geschaffen hat, bedrohen auch Hector und seine Familie. Dieses Mal bleibt Hector soweit keusch und moralisch auf Linie.
Die Frage nach der Freundschaft ist eher so ein Nebenschauplatz dieses Buches. Die Handlung ist eine Mischung aus Thriller und Abenteuerreise. Sie ist locker zu lesen, manchmal ein bisschen verwunderlich, aber insgesamt nie langweilig. Sicherlich ist nun keine philosophische Abhandlung über die Freundschaft entstanden. Es sind eher Allgemeinplätze, die aber nichts desto trotz ein wenig zum Nachdenken anregen.
Bereits mein 3. Buch von Francois Lelord nach „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ und „Hector und die Geheimnisse der Liebe“. So war mir der Stil des Autors bereits vertraut.
Fazit: 3,5 von 5 Sternen. Ganz gut als Gute-Nacht-Lektüre geeignet oder als Buch zum Entspannen für den Urlaub.
- Patrik Svensson
Das Evangelium der Aale
(114)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDies ist eins der wirklich sehr wenigen Bücher, die ich abgebrochen habe.
Wer gefühlt alles über Aale wissen möchte, für den ist das Buch bestimmt super und der Autor hat garantiert wirklich viel Arbeit in dieses Buch gesteckt, aber ich konnte damit leider gar nichts anfangen.
Leider hatte ich eher das Gefühl ein trockenes Fachbuch zu lesen.
- Albert Kitzler
Die Weisheit der Liebe
(98)Aktuelle Rezension von: Anni-SLiebe wird häufig zu kurz definiert. Das wird einem nach dem Buch klar. Auch wie wichtig die Liebe zu uns Selbst und zu unseren Mitmenschen ist. Nie hätte ich gedacht, was auch für gesundheitliche Folgen, durch mangelnde Liebe entstehen können.
Das Buch ist sehr spannend, geordnet, verständlich formuliert, mit Quellen und Zitaten bewiesen. Es wird verdeutlicht, wie wir Liebe zu dem Leben, der Natur, dem Klang oder zu Personen finden können. Zuerst ist das wichtigste im Einklang mit sich zu kommen. Da dies nicht so einfach ist, werden im letzten Teil Anregungen gegeben, wie wir den richtigen Weg finden können.
Ich hatte mir noch nie Gedanken gemacht, wie unser Bedürfnis der Liebe entsteht. Die Vorstellung auf einmal nackt auf die Welt zu kommen und aus seiner beliebten Umgebung getrennt, kann ich mir total Schreckenhaft vorstellen.
Herr Kitzler bringt außerdem viele lehrende Zitate hinein. Es belebt die Fakten und wird zum Teil auch bildlich besser verständlich. Das Zitat: 'Der Weise kennt keinen Streit', gefällt mir besonders.
Was mir leider nicht so gefiel, waren die Wiederholungen und ab der Mitte zog sich das Buch leider ziemlich.
- Ulf Schiewe
Der Schwur des Normannen
(60)Aktuelle Rezension von: Isar-12"Der Schwur des Normannen" ist der dritte Band der Normannensaga von Ulf Schiewe. Der junge Gilbert ist mittlerweile zum erfahrenen Kämpfer gereift und hat sich durch einen Streit von Robert Hautville getrennt. Doch nach einem Fehltritt hat er die Zuneigung seiner Geliebten Gerlaine verloren. Diese soll mittlerweile verheiratet sein. Als er sich auf den Weg zur ihr macht, erfährt er dass dies nicht so ist und er einen Sohn von Gerlaine hat. Doch angekommen in Argentano erfährt er schreckliche Neuigkeiten. Zwar kann er zum ersten Mal seinen Sohn in die Arme schließen, aber Gerlaine wurde bei einem Überfall von Sklavenjägern entführt. Gilbert will alles daran setzen sie wiederzufinden und die einzige Spur führt nach Sizilien in das Reich der Sarazenen. Mit Hilfe seiner besten Freunde und Begleiter reist er nach Süden und gerät zwischen die Fronten von Sklaverei, Machtkämpfe und Intrigen. Ulf Schiewe schreibt in diesem dritten Band seine Normannensaga im Jahr 1054 in Süditalien fort. Ausgehend von den Ereignissen in Kalabrien ziehen seine Helden nun weiter südlich nach Sizilien. Dies war nun nach Jahren byzantinischer Herrschaft in den Händen der Mauren. Aber auch Araber und Berber sind sich nicht einig und so wird die Insel von mehreren Militärführern beherrscht. Dabei setzt neben den historischen Ereignissen der Autor das Thema "Sklaverei" mit in den Mittelpunkt. In der muslimischen Welt war dies damals gang und gäbe und in Süditalien damals so manches Dorf dadurch entvölkert. Es gab einen rechten Sklavenhandel. Als Leser begleitet man dabei den Normannen Gilbert, der unbedingt seine Geliebte aus den Fängen der Skorpionkrieger befreien will, dabei aber auch selbst in Gefangenschaft gerät. Erst geschickte Handlungsweisen, teilweise glückliche Umstände und unter Einsatz normannischer Panzerreiter kommt er dabei seinem Ziel näher. Obwohl in diesem Band weniger das normannische Kampfgeschehen, sondern vielmehr Treue und Freundschaft im Mittelpunkt stehen, habe ich auch diesen Band sehr gerne gelesen. Manche Passage zog sich zwar ein klein wenig, aber in Summe gefiel mir auch dieser Band gut und ich bin neugierig wie die Saga im abschließenden vierten Band endet.
- Bobby Henderson
Das Evangelium des fliegenden Spaghettimonsters
(48)Aktuelle Rezension von: RumbuddelEin sehr überzeugendes Evangelium, verglichen mit anderen nicht so namensreich, aber dafür wissenschaftlich voll fundiert und von hohem Nährwert für Leib und Seele. Liest sich manchmal wie ein Ulk, aber das mag Absicht sein, um den Leser auf die Probe zu stellen. Ich habe jedenfalls schlimmere Evangelien gelesen. Bedenkens- und dankenswert finde ich insbes. den Teil über Kiwis.
- Albert Kitzler
Denken heilt!
(21)Aktuelle Rezension von: katze267Albert Kitzler geht in seinem Buch „Denken heilt!“ von der schon seit Jahrhunderten von Philosophen in Ost und West propagierten These aus, dass geistiges Wohlbefinden auch das körperliche beeinflusst, dass also seelisches Ungleichgewicht, geistige Belastungen wie Ängste, Sorgen, das Gefühl der Überanstrengung, heftiger Zorn , Trauer u.s.w deutliche Auswirkungen auf das körperliche Wohlbefinden haben..
Nach und nach nimmt er sich alle negativen Geisteshaltungen vor, analysiert sie und gibt anhand der klassischen Philosophielehren von Ost und West (Seneca, Platon, Konfuzius... um nur einige zu nennen) Anregungen, wie diese nicht unterdrückt sondern an der Entstehung gehindert werden sollen. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei diesen Schritt für Schritt erklärten, individuell auf das negative Gefühl angepassten Strategien nicht um Sofortmaßnahmen handelt,sondern dass die erstrebten Ziele ähnlich wie bei körperlicher Ertüchtigung nur durch kontinuierliche , möglichst tägliche Übung zu erreichen sind.
Auch wenn das Buch gespickt ist mit Zitaten aus bestimmt nicht leicht zu verstehenden philosophischen Überlegungen, so gelingt es Herrn Kitzler doch, diese schwierige Thematik anschaulich und für den Leser verständlich darzulegen. Zu jedem Kapitel , das jeweils einem negativen, das geistige Wohlbefinden beeinträchtigenden Gefühl gewidmet ist, gibt es eine Kurzfassung der jeweiligen mehrschrittigen Übung , passend dazu ebenfalls eine ausführlichere Erläuterung.
Ein beeindruckendes Buch, quasi eine Anleitung zur Herstellung des seelischen Gleichgewichtes mit praktischen Übungsanleitungen, die in den Alltag integriert werden können
- Bernhard Kreutner
Der Preis des Lebens
(53)Aktuelle Rezension von: SaintGermainDr. André Keller und Dr. Eva Vekete betreiben ein lukratives Geschäft mit Organhandel für Transplantationen. Unterstützung bekommen sie aus höchsten Kreisen. Der gerade degradierte Polizist und Philosoph Michael Lienhart und die Ex-Heeresmitarbeiterin Sabine Preiss bilden die österreichische Abteilung für Sonderfälle. Als allerdings eine Leiche am Wiener Zentralfriedhof beginnen sie die Ermittlungen und bekommen schon bald ebenfalls Unterstützung von hoher Ebene, da sie sich in höchste Gefahr begeben.
Das Cover des Buches ist an und für sich gut gemacht; allerdings wirkt er doch aufgrund des Themas sehr zynisch.
Der Schreibstil des Autors ist hervorragend; Orte und Charaktere werden ausgezeichnet dargestellt.
Die Ermittler und ihr Umkreis, die bei den Ermittlungen helfen, sind einfach topp. allen voran natürlich der unkonventionelle Michael Lienhart; aber auch alle anderen sind perfekt gezeichnet und bilden ein sehr interessantes Team.
Die Spannung ist teilweise actiongeladen und auf hohem Niveau. Allerdings da die Täter eigentlich schon von Anfang bekannt sind, nimmt es die Spannung etwas weg.
Genau die Stellen - speziell am Anfang des Buches - waren es auch, die dann trotz dem brisantem Thema, teilweise etwas langweilig waren.
Auch eine Spur Gesellschaftskritik und Humor tritt auf, die das Buch dann auflockern und den letzten Pfiff geben.
Über weitere Bücher der Ermittler würde ich mich sehr freuen (ein 2. Teil existiert bereits).
Fazit: Tolle Ermittler mit brisantem Fall. 4,5 von 5 Sternen
- Manfred Lütz
Wie Sie unvermeidlich glücklich werden
(13)Aktuelle Rezension von: BlueSirenDas Buch kann durch seine eingeschränkte Sicht, die unglückliche Argumentation und den übertriebenen Hype für das Christentum nicht begeistern. Die ganze Rezension gibt es auf meinem Blog. - Lars Jaeger
Wissenschaft und Spiritualität
(8)Aktuelle Rezension von: BooksAreGreatMeinung:
Mir hat dieses Buch gut gefallen. Es ist definitiv kein Buch für zwischendurch. Der Autor setzt sich detailliert mit den beiden Polen Wissenschat und Spiritualität auseinander. Durch die zahlreichen Nachweise und die sehr wissenschaftliche Sprache, erscheint es nicht nur als Sachbuch, sondern als wissenschaftliche Abhandlung des Verhältnisses zwischen den beiden Bereichen.
Mir hat gefallen, dass so viele geschichtliche Herleitungen und Details bestens recherchiert in Szene gesetzt wurden. Auch, dass zwischen beiden kein reines Exklusivitätsverhältnis besteht und sie sich vielmehr gegenseitig durchaus beeinflussen, wird herausgearbeitet.
Auch die verschiedenen Ansätze der Biologie, Psychologie, Astronomie usw. haben mich begeistert. Das Buch ist sehr vielfältig.
An manchen Stellen ist es für den Laien oder jemanden, den dieses Thema als Hobby interessiert vielleicht etwas zu ausführlich und geht über das hinaus, was ich mir erwartet habe. Was aber keinesfalls negativ ist, sondern mein Interesse verstärkt hat.
Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Es ist sehr gut geschrieben und liefert glaubwürdige Analysen sowie Fakten, die das ein oder andere anders beleuchten und mich auch ein wenig zum Umdenken gebracht haben. - Chiara Pastorini
Weise und rebellisch
(4)Aktuelle Rezension von: Elenas-ZeilenZauber‘*‘ Meine Meinung ‘*‘
Puh, Philosophie ist nicht so mein Ding und darum war ich doppelt gespannt auf das Buch. Es wurde wirklich am Anfang begonnen. Hier waren die alten Griechen zu finden, zum Beispiel Sokrates und Aristoteles, gefolgt von den Stoikern und Empiristen bis hin zu den Existenzialisten. Also eine komplette Entwicklung fokussiert auf die wichtigsten Protagonisten.
Viele Namen waren mir bekannt und die Aufmachung im Comic-Stil ist gelungen. Aber ich muss zugeben, dass mir das Buch nicht wirklich Erleuchtung verschaffte. Die „Praktischen Regeln / Tipps“ am Ende eines jeden Kapitels transportieren die Erkenntnisse der Philosophen in unseren Alltag und waren im Großen und Ganzen verständlich und realistisch. Das machte auch mir das Verständnis einfacher.
Die Comic-Bilder sind absolut toll gezeichnet und sie verdeutlichen die Texte hervorragend. Allerdings glaube ich nicht, dass alles von den jungen Lesern erkannt wird.
Hmmm, das Buch ist klasse, aber ist es wirklich für Kinder ab 10 Jahren geeignet? Ein ganz klares „Jein“. Eltern sollten das Buch gemeinsam mit ihren Kindern lesen und darüber sprechen. Es kann Teenager, die sich für das Thema interessieren, neugierig auf mehr machen, aber diese Zielgruppe ist recht klein. Dementsprechend ist meine Empfehlung für Erwachsene, um einen Einstieg in dieses recht anspruchsvolle Thema zu erhalten. So gibt es von mir auch nur 4 rebellische Sterne.Feedback des jungen Lesers:
Boah, das war anstrengend. Die Philosophen reden ziemlich viel Kompliziertes. Cool, dass Papa mit mir gelesen hat und mir einiges erklärt hat. Aber er wusste auch nicht alles. Die Bilder waren cool. Aber das Buch ist anstrengend. Mama sagt, das brauche ich bestimmt später noch mal in der Schule.‘*‘ Klappentext ‘*‘
Die großen Gedanken von früher bis heute in witzigen Comics: aufmüpfig, aufwühlend und außergewöhnlich!
Entdecke die Theorien von Aristoteles, René Descartes, Karl Marx, Hannah Arendt und vielen mehr!
- Armand Marie Leroi
Die Lagune
(5)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerAristoteles lebte fast 350 Jahre vor Christus. Ich kannte ihn eher als eine Art Philosophen. In diesem Buch stellt der Autor A.M. Leroi ihn auch als eine Art Biologe, oder jemand der die Wissenschaft entwickelt hat da. Wie hat er die Wissenschaften heutzutage beeinflusst und mitgestaltet?
Der Autor beschreibt im Buch eigenes Erleben und greift diese Szenen, Beobachtungen aus der Natur, oder den Fang eines Fisches auf und geht damit auf Beobachtungen von Aristoteles zurück. Wie hat dieser die Natur beschrieben- welche Beobachtungen z.B. im Wechsel der Jahreszeiten hat er vermerkt?
Ich fand die Mischung aus modernem Stil und das übertragen auf die Aufzeichnungen von Aristoteles sehr gelungen. Es war kein trockenes Sachbuch, da hatte ich erst ein wenig Befürchtungen, aber dennoch fordert es den Leser. Für mich erinnert es sich an ein Fachbuch, denn ein unterhaltsames und informatives Sachbuch für Laien.
Manchmal spricht der Autor den Leser direkt an und er bezieht einen so in den Text ein. Dennoch empfand ich es eher als eine Art Fachbuch, für mich als Laien, war manchmal zu ausführlich und auch immer wieder etwas schwer verständlich.
Der Autor des Buches widmet sich den Forschungen Aristoteles und geht immer wieder auch auf historische Forschungen von anderen Wissenschaftlern ein. Das wird für mich alles sehr ausführlich dargestellt. Es dreht um die Politik, Wissenschaft, Philosophen, im Altertum und im Laufe der Jahrhunderte. Dieses Buch geht dabei sehr in die Tiefe.
Das Buch ist wirklich unterhaltsam geschrieben, in einem gelungenen und informativen, lebendigen Stil. Es fand es allerdings sehr textlastig. Es gibt nur wenige Zeichnungen, dafür wird sehr viel beschrieben- mir fehlte als Auflockerung vielleicht mal ein paar Fotos der Tiere, die angesprochen werden. Es tauchen aber auch hin und wieder Fotos auf. Ich mag einfach noch mehr visuelle Eindrücke in einem Sachbuch vorfinden.
Der Autor zitiert immer wieder auch ältere Übersetzungen von Aristoteles Werken. Zudem beschreibt er die Landschaft, Pyrrha, die sich auf der Insel Lesbos befunden haben soll und die Lagune, in der Aristoteles seine Beobachtungen durchführte.
Im Anhang findet sich ein technisches Glossar und ein sehr umfangreiches Verzeichnis der erwähnten Tierarten, die Unterteilung erfolgt in deutschen Namen, aristotelischen Namen und Linnescher Name. Man erfährt hier, dass die Bestimmung der aristotelischen Tiere ca. 1256 begann. Es schließt sich ein reichhaltiger Anhang an, der Aristoteles Daten und Modelle darstellt, aber in einer heutigen Form, Tabellen und Diagramme. Nun folgen noch Anmerkungen, ein Literaturverzeichnis und ein Verzeichnis der verwendeten Illustrationen, sowie ein Register.
Sehr gefallen hat mir das Lesebändchen und der hochwertige Einband des Buches, es wirkt wie aus Leinen gestaltet, das ist schon eine Art Kunstwerk.
Es ist ein Sachbuch, das wie ich finde, sehr in die Tiefe geht und wer sich mit Biologie und insbesondere auch Aristoteles Forschungen auseinandersetzen möchte, der sollte hier zugreifen. Mir war es zu ausführlich, zu weitschweifend manchmal und es enthält sehr viele Informationen und es liest sich für mich eher eine Art Fachbuch.
3,5 Sterne - Hannah Arendt
Über das Böse: Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik
(1)Aktuelle Rezension von: pardenPHILOSOPHIE FÜR FORTGESCHRITTENE...
Hannah Arendt geht in dieser Vorlesung der Frage nach, wie - nach dem beispiellosen Zusammenbruch und Versagen von Moral im Sinne von Tugend und Sitte im Nationalsozialismus - eine Ethik oder gar Natur des Guten begründbar ist. In freier Bezugnahme auf Denker wie Kant, Sokrates, Jesus von Nazareth und Friedrich Nietzsche lässt sie sich von dem Empfinden leiten, dass das "Böse" ein "Oberflächenphänomen" ist: "Das größte Böse ist nicht radikal, es hat keine Wurzeln, und weil es keine Wurzeln hat, hat es keine Grenzen, kann sich ins unvorstellbar Extreme entwickeln und über die ganze Welt ausbreiten..."
Das Gute bzw. das Bedürfnis, Gutes zu tun, erscheint hingegen als die ursprünglichere Kraft, als naturgegebene Energie, als genuiner Instinkt. "Und natürlich ist es auch dieses Mehr an Kraft (Nietzsche), diese extravagante Großzügigkeit oder der 'überströmende, verschwenderische Willen', der Menschen dazu veranlaßt, Gutes tun zu wollen und es gerne zu tun. Was bei den wenigen und bekannten Menschen, die ihr ganzes Leben dem 'Gutes-Tun' gewidmet haben, wie Jesus von Nazareth oder der heilige Franziskus von Assisi, am offenkundigsten ist, ist sicher nicht Sanftmut, sondern eher eine überfließende Kraft, vielleicht nicht des Charakters, sondern schon ihrer Natur." (Hannah Arendt)Ein befreundetes Buchgesicht hat vor Jahren einmal behauptet, es gebe keine weiblichen Philosophen. Unverschämtheit, dachte ich, und wollte unbedingt den Gegenbeweis antreten. Nun, Hannah Arendt ist solch ein Beweis - auch wenn sie sich selbst einmal nicht als Philosophin, sondern als Dozentin für "politische Theorie" bezeichnet hat (Interview mit Günter Gaus im ZDF vom 28.10.64).
Nun, bislang habe ich eher ÜBER Hannah Arendt gelesen, die v.a. auch durch ihre Beschäftigung mit dem Eichmann-Prozess in Jerusalem bekannt wurde: 'Ein Bericht von der Banalität des Bösen'. Diese Äußerung sorgte für große Aufregung, und Hannah Arendt wurde deswegen vielfach heftig angegriffen. Diese hier vertonte Vorlesung wurde im Kontext der Eichmann-Debatte vor Studenten gehalten. Wer dieser Vorlesung folgt, wird am Ende zumindest eine Vorstellung davon haben, wie Arendt auf den Begriff der 'Banalität des Bösen' kam.
Erst einmal vorweg: es wird mir nicht möglich sein, hier detailliert wiederzugeben, welche Inhalte, Querverweise, Kernpunkte Hannah Arendt in dieser Vorlesung alle anspricht. Deutlich wird: sie hat sich intensiv mit allen Denkern/Philosophen der Vergangenheit auseinandergesetzt und greift hier auf deren Theorien und Erkenntnisse ausführlich zurück. Vielfach geht es um genaue Definitionen von Begrifflichkeiten (das Wollen, das Denken, das Gewissen usw.) - denn nur wenn sehr deutlich ist, welcher Begriff welche exakte Bedeutung hat, kann man sich über deren Funktion und Auswirkung klar werden.
Arendt baut hier eine logische Kette auf, die deutlich macht, von welchen Faktoren ein Mensch in seinem Handeln geleitet wird - und wo zwangsläufig Probleme auftreten (können). Die Philosphin bietet hier zudem und sozusagen nebenher einen Überblick über die Geschichte der Moralphilosophie. Sokrates, Platon, Aristoteles, Jesus, Paulus, Augustinus, Kant und Nietzsche werden hier beleuchtet und von Arendt argumentativ bestätigt oder auch widerlegt.
Vereinfacht ausgedrückt, verortet Arendt v.a. die Gedankenlosigkeit und die Weigerung der Menschen, Verantwortung zu übernehmen und Umstände überhaupt auch nur zu beurteilen als Kern des Bösen. "Das größte begangene Böse ist das Böse, das von Niemanden getan wurde, das heißt, von menschlichen Wesen, die sich weigern, Personen zu sein."
Dieses zugrunde gelegt, wird deutlich, dass Eichmann und die Geschichte des Nationalsozialismus mit seiner Entmenschlichung der Politik und Gesellschaft nur ein Beispiel für das Böse in der Welt sein kann. Davor und seither lassen sich zahllose weitere Beispiele festmachen, und unsere heutige Grundhaltung des Wegschauens und des Mitläufertums, der Abstumpfung gegenüber täglich neuen 'bad news', der von Politikern vorgelebten Kultur der Nicht-Verantwortlichkeit lässt nichts Gutes für die Zukunft ahnen.
Keine leichte Kost, schon gar nicht in der Hörbuchversion. Hier gilt es, die gesamte Zeit über höchst konzentriert zu bleiben, denn ansonsten - fängt man den Abschnitt besser von vorne an, weil der Zusammenhang ansonsten verloren geht. 5 Stunden und 58 Minuten dauert die Lesung von Axel Grube, der ausgesprochen langsam liest, was mich zunächst irritierte, dann aber durchaus sinnvoll erschien, da die gelesenen Sätze erst einmal verarbeitet werden wollten...
Ob nun als Hörbuch oder in der Print-Version - dies ist Philosophie von nicht nachlassender Aktualität.
© Parden - Theophrast
Charaktere
(1)Aktuelle Rezension von: TrotatIch muss ein schlechter Mensch sein. Davon bin ich seit der Lektüre von Theophrasts "Charaktere" überzeugt. In 30 Kapiteln beschreibt der griechische Gelehrte und Aristoteles-Schüler negative Charaktereigenschaften. So beispielsweise den Flegel, der im Theater an den falschen Stellen klatscht und in Pausen rülpst, oder den Ungelegenen, der einem gerade ausgepeitscht werdenden Sklaven erzählt, dass sein Sklave sich nach derlei Hieben erhängt hätte.
Die überspitzt dargestellten Charaktere in dieser Satire sind jedoch keine Figuren und stehen (von den Einleitungssätzen abgesehen) in keinerlei Zusammenhang zueinander. Aus diesem Grund fällt es leicht, sich in nahezu jeder schlechten Charaktereigenschaft selbst ein wenig wiederzufinden. Ich bin daher wohl kein schlechterer Mensch als ihr. 😉
Ich bin zufällig über dieses Werk gestolpert, als ich nach Inspiration für einen eigenen Text gesucht habe. Empfehlen kann ich es allen, die sich für die Alte Schule interessieren und gerne einmal etwas eher (stilistisch) experimentelles Lesen. Auch wenn man nach 2.300 Jahren nicht mehr jeden Joke versteht, musste ich an einigen Stellen herzhaft lachen.
- Wilhelm Schmid
Vom Glück der Freundschaft
(2)Aktuelle Rezension von: BuchgespenstFreundschaft bedeutet für jeden Menschen Glück und Zufriedenheit. Wir können uns gar nicht vorstellen ohne sie zu sein und diejenigen, die keine Freunde haben, stehen am Rande der Gesellschaft. Doch Freundschaft ist viel mehr als ein Beitrag zum persönlichen Wohlbefinden und ein Zeitvertreib für laue Sommerabende. Wilhelm Schmid beleuchtet die soziale Funktion dieses Konstrukts und seinen Wandel im Laufe der Geschichte. Er zitiert Aristoteles und Cicero, unterscheidet zwischen verschiedenen Graden der Freundschaft und geht auch auf das moderne Phänomen der Internet-Freundschaften ein, die er als neue Spielart mit eigenen Funktionen betrachtet.
Komprimiert auf 95 Seiten lässt sich Schmids philosophischen Ausführungen sehr gut folgen. Anspruchsvoll und doch verständlich führt er den Leser durch die Zeiten und den zeitlosen Aspekt der Freundschaft, die für das soziale Gefüge der menschlichen Gesellschaft in vielen Facetten von großer Bedeutung ist.
Ein hochinteressantes Büchlein, das neugierig auf die Basistexte des Autors macht. Hier sind seine wesentlichen Theorien auf den Punkt gebracht und trotz der wenigen Seiten sehr gut abgerundet. Eine tolle Einführung in ein komplexes Thema. - Carlo Rovelli
Die Wirklichkeit, die nicht so ist, ...
(6)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDas Buch „Die Wirklichkeit, die nicht so ist, wie sie scheint: Eine Reise in die Welt der Quantengravitation “ entstand auf Anfragen aus Carlo Rovelllis Umfeld, berichtet der Professor für Theoretische Physik in seinen Vorbemerkungen. „Aber ich zögerte mit dem Projekt noch immer, weil ich das Buch im Kopf noch nicht vor mir ‚sah. Wie sollte ich eine Welt ohne Raum und Zeit erklären? Als ich 2012 nachts auf einer langen einsamen Fahrt von Italien nach Frankreich unterwegs war, wurde mir klar, dass sich die gegenwärtigen Veränderungen der Begriffe von Raum und Zeit nur dann verständlich erläutern ließen, wenn man die Geschichte von Anfang an erzählt: beginnend mit Demokrit über den ganzen Weg bis hin zu den Raumquanten.“
Von vier Teilen widmet Rovelli einen den „Wurzeln“. Im zweiten erklärt er die Relativitäts- und Quantentheorie. Den dritten Part nannte er „Quantenraum und relationale Zeit“ und den vierten „Jenseits von Raum und Zeit.“
Auffällig ist, dass die philosophisch-literarischen Texte den Formeln in diesem Physikbuch den Rang ablaufen. Lukrez besingt die Atome ebenso zauberhaft wie Dante das Universum. Rovelli schreibt: „Ich weiß nicht, ob dem jungen Einstein auf den intellektuellen Streifzügen, mit denen er seine Zeit in Italien verbummelte, das Paradies begegnet ist und ob die entfesselte Phantasie des großen Dante seine Intuition, dass das Universum endlich und zugleich unbegrenzt sein könnte, direkt beeinflusst hat. Aber unabhängig davon zeigt dieses Beispiel meiner Ansicht nach, dass große Wissenschaft und große Dichtung ähnlich visionär sind und bisweilen zur selben Intuition gelangen können.“
Wer die Relativitätstheorie endlich einmal verstehen möchte, hat hier gute Chancen. Zuerst erläutert der Autor die ausgedehnte Gegenwart, um den Leser behutsam daran zu gewöhnen, dass Uhren unterschiedlich gehen. „Je weiter diese Gegenwart vom Leser entfernt ist, desto länger dauert sie … Fachlich gesprochen, hat Einstein erkannt, dass eine ‚absolute Gleichzeitigkeit‘, also eine Menge von Ereignissen im Universum, die alle ‚jetzt’ stattfinden, nicht existiert.“
Die Allgemeine Relativitätstheorie erklärt Rovelli unter anderem wie folgt: „Die Sonne krümmt den Raum um sich herum, und die Erde umrundet die Sonne nicht deshalb, weil sie vermittels einer mysteriösen Kraft über eine Entfernung hinweg von ihr angezogen wird, sondern weil sie der Krümmung des Raumes folgt … Aber nicht nur der Raum, sondern auch die Zeit ist gekrümmt. Einstein sagt voraus, dass die Zeit auf der Erde in der Höhe schneller vergeht als weiter unten … Weil Zeit nichts Absolutes und Festes ist. Je nach Masse in ihrer Umgebung dehnt oder verkürzt sie sich: Wie jede Masse verformt die Erde die Raumzeit und lässt Uhren in ihrer Nähe langsamer ticken.“
Max Planck betrat noch vor Albert Einstein im Jahr 1900 die Bühne. „Um seine experimentellen Ergebnisse in eine Formel zu packen, bedient er sich eines Tricks: Er stellt sich vor, dass das elektromagnetische Feld in ‚Quanten‘, also Energiepäckchen oder -bausteinen, unterteilt sei. Planck nimmt an, dass der Zuschnitt, also die Größe der Päckchen, von der Frequenz der elektromagnetischen Wellen (also der Wärme) abhänge. Für Wellen der Frequenz f nimmt Planck an, dass jedes Quantum, also jedes Päckchen, eine Energie habe von: E = hf. In dieser Formel, der ersten der Quantenmechanik, ist h eine neue Konstante. Diese Planck-Konstante oder dieses Planck’sche Wirkungsquantum, wie sie heute heißt, bestimmt, wie viel Energie in jedem ‚Energiepäckchen’ für das Licht mit der Frequenz (Farbe) f steckt.“
Den Entdeckungen von Werner Heisenberg hat Rovelli im Jahr 2021 ein ganzes Buch gewidmet. Es heißt „Helgoland: Wie die Quantentheorie unsere Welt verändert“. Im vorliegenden Werk schreibt er kurz und bündig: „Elektronen existieren nicht dauerhaft, sondern nur dann, wenn sie wechselwirken. Sie materialisieren sich an einem Ort, wenn sie mit etwas anderem zusammenstoßen. Real existieren sie nur als ‚Quantensprünge‘ von einer Umlaufbahn zur anderen: Ein Elektron ist eine Gesamtheit an Sprüngen von einer Wechselwirkung zur nächsten. Wenn es nicht gestört wird, befindet es sich nirgendwo.“
Rovellis Ziel ist eindeutig. Er möchte , möglichst schnell, Relativitäts- und Quantentheorie vereint sehen. Sein Forscherdrang lässt ihn zunächst auf dem Weg von Italien nach Frankreich die zulässige Geschwindigkeit überschreiten. Er wiederholt diesen Fehler, indem er in seinem Buch ethische Einwände überspringt, um rasch seine Vision zu verwirklichen. Der Name Robert Oppenheimer fällt nicht in seinem Werk und dem Abwurf der Atombombe widmet er lediglich zwei Zeilen. Mehrmals erwähnt er das CERN, die Europäische Organisation für Kernforschung in seinen Ausführungen, aber nicht, dass CERN im Jahr 2023 circa 1,27 Milliarden Euro verschlungen hat, während immer noch jeder elfte Mensch auf diesem Planeten hungert.
Der Naturfreund Heisenberg plädierte bei seiner Forschung immer für den Blick auf das Ganze. Jenen gilt es nicht zu verlieren, wenn im Folgenden die Schleifen-Quantengravitation untersucht wird.
Die Welt wird jetzt mit einem Spinnennetz durchzogen. Die Knoten der Fäden bilden den Raum, die Linien verbinden die einzelnen Rauminhalte. „Als wichtigste Vorhersage prognostiziert die Loop-Theorie, dass der Raum kein Kontinuum und damit auch nicht unendliche Male teilbar ist, sondern aus ‚Raumatomen‘ besteht … Zwischen Photonen, also den Quanten des elektromagnetischen Feldes, und den Knoten des Graphen, also den ‚Raumquanten‘, besteht ein entscheidender Unterschied. Photonen existieren im Raum, während Raumquanten den Raum selbst ausmachen … Im kleinsten Maßstab ist der Raum ein waberndes Gewimmel aus Gravitationsquanten, die wechselseitig aufeinander einwirken, alle gemeinsam auf die Dinge einwirken und sich in diesen Wechselwirkungen als Spin-Netzwerke, als Quantenkörnchen in wechselseitiger Beziehung, manifestieren …“
Folgerichtig gibt es keine Prozesse in der Zeit, sondern die Prozesse, genauer die Erzeugung von Wärme, bringen die Zeit hervor. Es gibt nur noch „eine quantisierte ‚Wolke‘, in der alle möglichen Raumzeiten und alle möglichen Wege ‚zusammen existieren‘.“
Nachdem die Welt vollständig auf Quantenfelder reduziert ist, begibt sich Rovelli im vierten Teil gänzlich ins Jenseits von Raum und Zeit. In der Nähe des Urknalls schwelgt er in der „wimmelnde Wolke aus Wahrscheinlichkeiten“, schaut sich die Fluktuationen der kosmischen Hintergrundstrahlung an, begeistert sich an den Gravitationswellen der Schwarzen Löcher, lässt die Uhr zunächst am Ereignishorizont immer langsamer gehen, wirft sie dann in den Schlund des Ungeheuers, um sich daran zu erfreuen, wie sie in einer fernen Zukunft wieder ausgespien wird, ohne dass merklich Zeit vergangen ist. So in Fahrt geraten schafft er schließlich die Unendlichkeit ab.
In den letzten Kapiteln seines Werkes wendet sich der Autor der Information zu, unter der „das Maß für die Anzahl der Auswahlmöglichkeiten einer Gegebenheit“ zu verstehen ist. Er berichtet von Ludwig Boltzmann, der den Zusammenhang zwischen zunehmender Entropie und abnehmendem Informationsgehalt aufgedeckt hatte. „Dank Boltzmanns Genie wissen wir: Der Begriff der Wärme ergibt sich aus der Tatsache, dass wir nur mit Mittelwerten zahlreicher Variablen wechselwirken. Das Konzept der thermodynamischen Zeit besteht darin: Auch der Zeitbegriff entspringt der Tatsache, dass wir nur mit
‚makroskopischen’ Variablen, also den Mittelwerten vieler mikroskopischer Variablen, interagieren … Die Zeit ist eine Auswirkung der Tatsache, dass wir die physikalischen Mikrozustände der Dinge außer Acht lassen. Die Zeit ist die uns fehlende Information. Sie ist unser Unwissen.“
Die Bedeutung der Information habe zuerst John Wheeler erkannt, den Rovelli als Vater der Quantengravitation bezeichnet. Den Titel seines Buches „It from bit“ übersetzt er zunächst wörtlich: „‚Das Es aus dem Bit‘, wobei ein Bit die minimale Informationseinheit bildet, also die kleinste Auswahlmöglichkeit, bestehend aus der Alternative zwischen einem Ja und einem Nein. Dabei steht das ‚It‘ für ‚jedes beliebige Ding‘. Der Slogan bedeutet also ungefähr: ‚Alles ist Information‘.“
Weniger informiert zeigt sich der Naturwissenschaf(f)tler im letzten Kapitel, in welchem er den Glauben und die Religionen auf die Variablen Unkenntnis, Angst und Beruhigung im marxistisch-leninistischen Sinne reduziert und dabei nicht nur den Pantheismus eines Baruch Spinoza übersieht, sondern auch die Wechselwirkung zwischen dem Glaubenden und dem Geglaubten, was mit moralischen Konsequenzen einhergeht.
Was ist dem noch hinzuzufügen? Ein Dank für ein äußerst verständliches Physikbuch.
Vera Seidl
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