Bücher mit dem Tag "armenien"
23 Bücher
- Katerina Poladjan
Hier sind Löwen
(62)Aktuelle Rezension von: Julietta89Katerina Poladjans Roman Hier sind Löwen begleitet eine Restauratorin, die in einer alten Bibliothek in Armenien arbeitet und dort auf ein beschädigtes Evangelienbuch stößt. Während sie Seite für Seite rekonstruiert, entfaltet sich nicht nur die Geschichte dieses Buches, sondern auch eine tiefere Verbindung zur Vergangenheit und zur Region. Der Roman erzählt dabei zwei Geschichten: eine in der Gegenwart und eine, die in die Vergangenheit führt – in die Zeit des Genozids an den Armeniern.
Meine Leseeindrücke
Der Roman war angenehm zu lesen, mit einem klaren, oft poetischen Schreibstil, der nie aufdringlich wird. Besonders gelungen fand ich die Verflechtung der beiden Zeitebenen – Gegenwart und Vergangenheit greifen subtil ineinander und ergänzen sich atmosphärisch wie inhaltlich.
Die Protagonistin wirkte auf mich oft suchend, fast verloren – was dem Buch etwas Meditatives verlieh, zugleich aber auch Fragen aufwarf. Ihre Reise fühlte sich wie eine stille Selbstfindung an, deren Ziel mir manchmal unklar blieb. Das mag durchaus gewollt sein, ließ mich aber streckenweise orientierungslos zurück.
Ich hatte mir erhofft, mehr über die armenische Geschichte zu erfahren – zumindest in historisch-konkreterer Form. Zwar ist die Vergangenheit durch das alte Buch und durch einzelne Rückblenden präsent, doch blieb vieles eher angedeutet als ausgeführt. Das Ende empfand ich als offen – eigentlich etwas, das ich schätze – doch in diesem Fall wirkte es auf mich eher unentschlossen als bewusst offen.
Was das Buch für mich dennoch lesenswert machte, waren die Charaktere: fein gezeichnet, still, aber mit Tiefe. Es sind oft die kleinen Begegnungen und Gesten, die haften bleiben. Auch die Atmosphäre – das leise Stauben der Bibliothek, das Licht über den Hügeln Armeniens – bleibt im Gedächtnis.
Fazit
Hier sind Löwen ist ein leiser, nachdenklicher Roman über Identität, Erinnerung und die Kraft der Bücher. Wer eine dichte Handlung oder ein historisches Panorama erwartet, wird hier vielleicht weniger fündig. Wer sich aber auf ein ruhiges, literarisches Nachspüren einlassen kann, findet in diesem Buch eine feinsinnige Erzählung über das, was bleibt – zwischen den Zeilen, zwischen den Zeiten.
- Lydia Conradi
Das Haus der Granatäpfel
(29)Aktuelle Rezension von: AlinchenAls die 16-jährige Klara Peter kennenlernt, will sie ihn unbedingt heiraten. Nicht weil sie sich in ihn verliebt hat, sondern um der Starre ihres Lebens zu entfliehen. Zwei Jahre später kommt sie zu Peter nach Smyrna (entspricht der Stadt Izmir), wo die orientalische Stadt sie sofort einnimmt. Nur Peter ist ihr zu langweilig. Sie beginnt eine Affäre innerhalb der Familie und zerstört so auch die Leben anderer.
Gleichzeitig lebt der armenische Arzt Sevan Agasian in Smyrna. Während er sich in Arbeit vergräbt, wünscht sich seine Frau, dass er mehr dafür kämpft, dass es ein Land für die Armenier gibt. Ausgerechnet Klaras Vater hatte Sevan durch Zufall die Ausbildung finanziert. Er bittet ihn auf Klaras Hochzeit ein Auge auf Klara zu haben.
Der Schreibstil ist wirklich super! Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, mich in Smyrna zu befinden. Dazu die Spannungen rund um den ersten Weltkrieg bringt noch mehr Aufregung in die Story. Nach dem Klappentext hätte ich erwartet, dass Klara und Sevan sich schneller kennen und lieben lernen, tatsächlich vergeht rund die Hälfte des Buchs bis es soweit ist. Zudem war mir Klara (und auch einige andere Figuren) ziemlich unsympathisch. Dass die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt wird, hat mir jedoch sehr gut gefallen. Zwischendrin werden große Zeitsprünge vollzogen, wo ich mir lieber noch mehr Details gewünscht hätte.
Insgesamt wurde ich aber gut bis sehr gut unterhalten und mir wurde bewusst, wie wenig ich über den ersten Weltkrieg weiß.
- Elif Shafak
Der Bastard von Istanbul
(47)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannWas für ein Buch! Hier gehören eigentlich mehrere Ausrufezeichen hin. Das war’s. Das muss ausreichen. Ausreichen, um einen Lesegenuss zu beschreiben, der gleichzeitig mit einem Verstehensgewinn einhergeht.
Türken – Armenier: verdrängen, vergessen oder in der Geschichte leben, sich aus dem Weg gehen oder verstehendes Zusammenfinden?
All diese widersprüchlichen, diese trennenden und zugleich verbindenden Gedanken und Erfahrungen haben ihren Platz im Leben der hier handelnden Personen. Die „normalen“, die gängigen Sichtweisen zeigen sich (familiär) eingebunden im Kosmos der Megacity Istanbul (türkische Sichtweise) bzw. der Metropole San Franzisco (armenische Sichtweise). Die dynamische, auch rebellische, die suchende und verbindende Sichtweise findet in den beiden Hauptpersonen des Romans ihren herausragenden Part, unterstützt durch Menschen in ihrem jeweils eigenen Umfeld: im Café Kundera (einfach schräg, aber mit Tiefgang; schiebt die Schwere des Themas in eine lockeren, in einen quasi abgehobenen Zusammenhang ) sowie einem Internetforum, dem Café Konstantinopolis (mit der Möglichkeit auch ausgefallene aber immer nachvollziehbare Sichtweisen in das Thema einzubinden). Dies alles wird mit einer erzählerischen Leichtigkeit angeboten, die nicht nur gut unterhält und viel Wissenswertes ganz ungezwungen mitliefert, sondern auch viel Raum für eigene Gedanken (und Gefühle!) lässt.
So gibt es neben den spannungsgeladenen Schilderungen bemerkenswerte Beschreibungen zum Beispiel der Alzheimer-Krankheit („Für sie hat die Zeit längst keinen linearen Verlauf mehr; die Vorschriftzeichen, Warnleuchten und Wegweiser entlang der Autobahn der Geschichte sind verschwunden. Sie kann in alle Richtungen fahren oder nach Belieben die Fahrbahn wechseln. Oder mitten auf der Straße stehen bleiben, sich keinen Zentimeter fortbewegen, sich der Pflicht zur Weiterfahrt widersetzen, da es so etwas wie ein ‚Vorwärtskommen‘ in ihrem Leben nicht mehr gibt, nur noch eine ständige Wiederkehr einzelner Augenblicke.“) oder zu psychischen Erkrankungen („Sie ist eine kluge Frau. Wenn sie nur die Einzelteile zusammenhalten könnte. So sensibel zu sein ist ungewöhnlich, so sensibel zu sein ist großartig, so sensibel zu sein ist beängstigend. Da jederzeit alles passieren kann, hat sie nie wirklich sicheren Boden unter den Füßen. Ein Gefühl von Sicherheit oder Kontinuität gibt es für sie nicht. Alles kommt in Einzelteilen daher, die zusammengesetzt werden wollen, sich aber jedem Begriff der Ganzheit widersetzen.“). Es sind diese sanften, verstehenden Worte, die dem Buch seinen besonderen Charme mitgeben. Man muss keine Klimmzüge machen, um Dinge zu durchdringen oder zu verstehen. Dabei ist der Roman alles andere als schmale Kost, er ist auf jeden Fall eine Bereicherung für das eigene Leben.
(19.11.2018)
- Franz Werfel
Die vierzig Tage des Musa Dagh
(45)Aktuelle Rezension von: FederfeeEs ist schon etliche Tage her, dass ich das Buch zugeklappt habe, aber es beschäftigt mich immer noch. Es ist einer der besten Klassiker, den ich je gelesen habe: basierend auf Tatsachen, spannend, mit tiefgehenden Personencharakterisierungen, von immerwährender Aktualität wegen der beschriebenen gesellschaftlichen Probleme und Themen und nicht zuletzt Informationen über den Völkermord an den Armeniern.
Wie kam es überhaupt zu diesem Buch?
Franz Werfel und seine Frau Alma fielen beim Besuch einer Teppichweberei in Damaskus ausgehungert aussehende Kinder mit großen Augen auf und sie erfuhren auf Nachfrage, dass es Überlebende des Genozids der Türken an den Armeniern waren. Als Werfel zudem noch von Widerstandskämpfern hörte, die sich 53 Tage auf dem Musa Dagh (Mosesberg) verschanzt hatten, bevor sie von alliierten Schiffen gerettet wurden, ließ ihn das nicht mehr los und er begann umfangreiche Recherchearbeiten. Sein Ziel: 'das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen'. Und das ist ihm bestens gelungen, auch wenn sein Roman der Bücherverbrennung der Nazis zum Opfer fiel. Die Parallelen sind unübersehbar: 'Unterdrückung, Vernichtung von Minoritäten durch den Nationalismus …', schreib Werfel an seine Eltern.
Zum Roman
Es fängt idyllisch an: Gabriel Bagradian, ein Geistesmensch, seit 23 Jahren in Frankreich lebend und mit der Pariserin Juliette verheiratet, ein Sohn, besucht wegen des Todes seines älteren Bruders sein Heimatdorf Yoghonoluk, eines von sieben Dörfern auf der meerabgewandten Seite eines Gebirgszuges. Es ist eine wunderschöne Landschaft, der französischen Riviera ähnlich; die von Handwerkern bewohnten Armenierdörfer sind schmuck und sauber. Man muss wissen, dass die christlichen Armenier schon immer dort lebten; früher gehörte die Gegend teilweise zu Syrien, heute zur Türkei. Es ist ratsam, sich eine Karte neben das Buch zu legen, um alles verorten zu können.
Doch dann beginnt das Unglück: der Erste Weltkrieg ist in vollem Gange und 1915 verbündet sich das Osmanische Reich mit den beiden Mittelmächten gegen die Triple Entente (Vereinigtes Königreich, Frankreich, Russland). Den Armeniern werden von den Türken die Pässe entzogen, auch Gabriel Bagradian, so dass er mit seiner Familie nicht mehr weg kann. In Istanbul werden alle armenischen Intellektuellen und Geschäftsleute verhaftet, was als Beginn der Armenierverfolgung gilt. Es folgen Deportationen mit dem Ziel der völligen Vernichtung. Bagradian hatte inzwischen wegen seiner Beobachtungen und düsteren Vorahnungen begonnen, sich ein Bild von der Bevölkerung und der Ausstattung mit Waffen zu verschaffen und den Musa Dagh zu kartieren. Als es Ernst wird, beschließt der Großteil der Dorfbevölkerung in einer großen Versammlung, sich auf dem Berg zu verschanzen und Widerstand zu leisten.
Mir hat es sehr imponiert, wie das alles organisiert wurde: Anführer wählen, heimlich Vorbereitungen treffen, alles hochschaffen und schließlich dem Deportationsbefehl zuvorkommen. Oben zeigt sich dann, wie schwierig es ist, eine Gemeinschaft aufzubauen, für was alles gesorgt werden muss und welche Schwierigkeiten auftreten, nicht zuletzt solche zwischen den reicheren und ärmeren Dorfbewohnern. Es gibt Neid, Streit und Unzufriedenheit und bei einigen den Wunsch, alles für sich zu behalten. Bagradian, der einmal türkischer Reserveoffizier war, organisiert den militärischen Widerstand.
Es passieren unglaublich viele Dinge: Angriffe der Türken, erfolgreicher Widerstand, Versuche, den Armeniern zu helfen, Hunger und Krankheit, Liebe und Hass. Wir bekommen Einsicht in die politische Lage: die Verwicklungen des Deutschen Reiches und seine Mitschuld, die hier allerdings nur gestreift wird. 'Das Narkotikum des Nationalismus', schreibt Werfel an seine Eltern. In Wirklichkeit sind den Politikern und Militärs des Deutschen Reiches die Armenier völlig egal und es stehen nur die Interessen der Mittelmächte gegen die Entente und Wirtschaftliches im Vordergrund: die Bagdadbahn, die Ölfelder in Mossul, Baumwolle.
Aber die Ausgrenzung von Fremden ist ein Phänomen, das selbst auf dem Musa Dagh eine Rolle spielt. So bleibt Juliette immer eine nicht anerkannte Fremde und selbst gegen Bagradian gibt es trotz aller Verdienste Vorbehalte. Sie bleiben 'die Zugereisten, Überheblichen und Unrechten.'
Dieses Buch ist so reichhaltig, dass meine Rezension ihm leider nicht gerecht werden kann. Ich staune über Werfels Vielseitigkeit, wie er Landschaftsschilderungen, Politisches, Militärisches, Personencharakterisierungen unter einen Hut bringt und wie es nie langweilig wird.
Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Verfolgung und Vernichtung von Minderheiten, das allerdings seiner Entstehungszeit entsprechend an manchen stellen ein wenig zu pathetisch klingt. Das mindert aber in meinen Augen keineswegs seinen Wert, so dass ich gerne eine volle Lese-Empfehlung ausspreche.
- Laura Cwiertnia
Auf der Straße heißen wir anders
(59)Aktuelle Rezension von: Jana_hat_buecherKarla's Oma stirbt und das nimmt sie zum Anlass mit ihrem Vater in deren Heimatland Armenien zu reisen. Auf der Suche nach ihren Wurzeln reist sie auch in die schreckliche Vergangenheit ihrer Vorfahren und fühlt sich trotzdem gleich zuhause.
Die Autorin hat den unterschiedlichen Generationen, Tochter Karla, Vater Avi und Oma Maryam eine Stimme gegeben, die aus ihrer jeweiligen Perspektive ihr Leben und somit auch von Armenien erzählen. Prinzipiell hat mir das Buch sehr gut gefallen, es hat sich sehr gut lesen lassen, es war interessant und ich habe noch etwas zu der Geschichte der Armenier gelernt. Allerdings fande ich viele Geschichten und Nebenstränge nicht auserzählt. So hatte ich als Leser das Gefühl was verpasst zu haben. - Theo Schlaghecken
Die Verlässlichkeit des Zufalls
(8)Aktuelle Rezension von: Zuzi1989CoverEs besticht vor allem durch seine Einfachheit. Dennoch hat es irgendetwas an sich, was einem extrem neugierig darauf macht
MeinungTheo Schlaghecken hat einen flüssigen und sehr ausdrucksstarken Schreibstil. Ich war von der ersten Seite weg begeistert von diesem Werk. Wie er seine Reise beschrieben hat, war für mich einzigartig und ich wollte mich sofort auf so eine Reise begeben. Wie er seine Eindrücke, Erlebnisse, Gefühle, Ängste geschildert hat und auch noch so bildgewaltig rübergebracht hat, war für mich was Neues und ich bin froh dieses Werk lesen dürfen zu haben.
FazitEin Buch, das einem mitreißt. Es ist nicht nur ein Reisebericht, sondern vielmehr. Ein Buch voller Hoffnungen, Träume, Ängste. Ein Buch, welches anregt, mal etwas Neues zu versuchen. Danke für dieses Buch. Absolute Empfehlung von mir - Anika Mehlis
Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt
(23)Aktuelle Rezension von: ErikHuyoffVor kurzem habe ich auch "Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt" von Dr. Anika Mehlis gelesen. Das Buch ist 2025 in der Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG erschienen und als anekdotisches Sachbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.
Nur im Raumanzug darf Anika Mehlis das Habitat verlassen. Vor ihr erhebt sich ein Vulkan. Doch sie ist nicht auf dem Mars, sondern auf der Erde. Als Analog-Astronautin testet sie in der Wüste Israels und in den Bergen Armeniens Technologien für zukünftige Missionen. Sie lebt unter extremen Bedingungen und erfährt hautnah, was es braucht, um auf dem roten Planeten zu bestehen: mentale Stärke, Teamgeist und Vertrauen. Denn am Ende geht es nicht darum, den Mars zu besiedeln - sondern darum, besser zu verstehen, was es bedeutet, Mensch zu sein.
In "Wo die Zukunft der Raumfahrt begint" beschreibt Dr. Anika Mehlis ihr Leben "als Analog-Astronautin zwischen Erde und Mars", wie der Untertitel besagt. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist zugleich Sachbuch als auch biografisches Werk, sodass ich es schlussendlich als anekdotisches Sachbuch eingeordnet habe, wird doch die Tätigkeit als Analog-Astronautin anhand der persönlichen Erfahrungen der Autorin dargestellt und mit Fotos von ihren Missionen verssehen.
So begleitet man (die spätere Dr.) Anika Mehlis nicht nur durch den mühsamen und mehrstufigen Auswahlprozess zur Analog-Astronautin, sondern auch durch die beiden Missionen in Israel und Armenien - ein Unterschied wie Tag und Nacht. Dabei lernt man durchaus auch einige persönliche Informationen über die Autorin und ganz viel Neues über die unscheinbaren Held:innen der Raumfahrt - wobei sie ja gar nicht so unsichtbar sind, wenn ich mir den beschriebenen Medienrummel um die Missionen so durchlese.
So spannend das alles auch ist - so ermüdend ist es manchmal, das Buch mit den ganzen Abkürzungen zu lesen, die den Lesefluss doch etwas beeinträchtigen, auch wenn sich der Sinn dahinter natürlich erschließt. Auch hätte ich mir an einigen Stellen noch stärkere Ausführungen gewünscht - sowohl bei den Auswirkungen der Mission auf die Autorin als auch generell über die Probleme der Besiedlung des Mars. Toll ist hingegen auch, dass die einzelnen Abschnitte mit inspirierenden Zitaten von Pionierinnen aus Wissenschaft, Forschung und Kultur beginnen, eine Rolle, die ja nun auch die Autorin innehat.
Auch die restliche Buchgestaltung vermag zu überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben solide gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover leicht geprägt und mit Klappen und farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Covermotiv und Coverrückseite werden jeweils zum Buchrücken hin krass unterbrochen, bieten aber mit den offiziellen Missionsfotos natürlich tolle Eyecatcher, die auch mit dem Inhalt in Verbindung stehen.
Mein Fazit? "Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt" ist ein zuweilen persönliches, aber immer informatives Buch über Analog-Astronaut:innen, das dieses eher unterbelichtete Kapitel der Raumfahrt in den Fokus rückt, dabei aber teils noch andere Schwerpunkte hätte setzen können. Für thematisch interessierte Leser:innen bedenkenlos zu empfehlen.
- Yanis Kostas
Tod am Aphroditefelsen
(60)Aktuelle Rezension von: clematisSofia Perikles hat ihr Studium in London abgeschlossen, nach vielen Reisen mit ihrem Vater, der als Botschafter schon die halbe Welt gesehen hat, wird ihr eine Stelle im Innenministerium in ihrer Heimat Zypern angeboten. Doch bei ihrer Ankunft am Flughafen in Larnaka gibt es erst einmal eine Überraschung: da die Kommunisten seit Kurzem an der Macht sind, wird politisch umstrukturiert und Sofia landet als Hilfspolizistin in einem heruntergekommenen Bergdorf nahe der türkischen Grenze. Ein verrauchtes Amtszimmer mit einem vor sich hin dösenden Inspektor lassen wenig Freude aufkommen bei der jungen Dame, die in Pariser Luxusmode angereist ist.
Hervorragende Wortspiele und auf den Punkt gebrachte Beschreibungen sorgen gleich zu Beginn dieses Krimis für beste Unterhaltung. Das Flair der Insel Zypern setzt Yanis Kostas in ein ganz spezielles Licht, denn als „schön“ kann man das verstaubte Dörfchen Kato Koutrafas mit seinen trockenen Brachen hinter den gänzlich verfallenen Häusern am Ortseingang wirklich nicht bezeichnen. Eine erbärmliche Armut breitet sich hier aus, die Anzahl der Schafe übersteigt jene der Einwohner beträchtlich. Doch wer länger verweilt, wird – wie auch Sofia – die Vorzüge dieses Landstriches erkennen können: ein wundervoller Blick aufs klare Meer, köstliche Speisen, die einen schon beim Lesen in Urlaubsstimmung versetzen und eine Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht. Schnell sitzt Sofia mit allen Nachbarn gemeinsam am Tisch, nur ihr Chef, Kostas Karamanlis, bleibt abweisend.
Ein Autounfall mit tödlichem Ausgang für die beiden Insassen ist dann Ausgangspunkt für Sofias Ermittlungen, welche sie in verschiedenste Teile der Insel führen, unter anderem auch in den türkischen Norden und so dem Leser die ganze Pracht Zyperns nahebringen. Politische Hintergründe, geografische Details und allerlei anderes Wissenswerte verpackt der Autor geschickt in diesen Krimi, der so viel mehr bietet als lineare Polizeiarbeit. Nein, es ist das Flair Zyperns, es sind die ausgezeichnet entworfenen Figuren, die hier durch die Handlung führen und Neugierde darauf wecken, wie es weitergeht, nachdem der Fall über interessante Spuren logisch abgeschlossen worden ist.
Ein überaus unterhaltsamer Krimi eröffnet diese neue Reihe rund um Sofia Perikles. Ich empfehle dieses Buch sehr gerne weiter und bin schon gespannt auf Band 2.
Titel Tod am Aphroditefelsen
Autor Yanis Kostas (Alexander Oetker)
ASIN B07D2ZJBVZ
Sprache Deutsch
Ausgabe ebook, ebenfalls erhältlich als Taschenbuch (336 Seiten) und Hörbuch
Reihe Die zypriotischen Krimis
Erscheinungsdatum 7. Jänner 2019
Verlag Atlantik
- Marc Degens
Eriwan
(5)Aktuelle Rezension von: Marieke_StahlEriwan ist eine Stadt in Armenien. Hier lebt der Autor einige JAhre mit seiner Frau. Er stellt schon schnell fest, dass dieses Land wirklich weit weg ist. Das das Leben anders ist.
Das Cover ist schlicht und spricht mich nicht unbedingt an. Es ist mir vermutlich zu langweilig. Allerdings ist es dadurch auffällig zwischen all den anderen Reiseführern (wobei ich hier keine Einordnung Eriwans in die klassische Reiseliteratur erzwingen möchte).Der Schreibstil ist locker und flüssig. Das Lesen erinnert an einen Roman. Viel Witz und Humor. Dazu immer wieder die wirklich eindrücklichen Bilder. Das Buch liest sich einfach immer eben weg.Die Bilder sind Momentaufnahmen. Nicht immer alle große Kunst, aber einfach mit einem guten Auge erfasst. Sie spiegeln einfach das Leben in diesen Gegenden wieder. Geschickt platziert bereiten sie wirklich große Freude und liefern einen Einblick in das Leben in Armenien.
Dieses Buch ist sicherlich ein Reisebericht. Es ist kein klassischer Reiseführer. Eher mit Bildband gemixt. Es ist eine Aneinanderreihung von Anekdoten und netten Geschichten die ein authentisches Bild von einem Leben in einem Land, so weit weg, zeichnen. - Christoph Kessel
Zu Gast
(6)Aktuelle Rezension von: SunshineBaby5Der Autor Christoph Kessel nimmt den Leser mit auf seine Weltreise. In elf Kapiteln beschreibt er ausführlich von seinen Reisewegen, die durch sechs Kontinente reichen. Mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln und immer wieder spannenden Routen erzählt er von den Abenteuern die er erlebt. Dem Leser bietet sich so die Möglichkeit alles hautnah mitzuerleben und sich bildlich vorzustellen. Sofort möchte man auch aufbrechen und eine Reise unternehmen. Am Anfang jedes Kapitels sind auf anschaulichen Karten die genauen Routen abgetragen, so dass man noch genauer recherchieren kann um z.B. Fotos anzusehen. Wirklich gut gemacht! Das Buch kann ich sehr weiterempfehlen! - Martin von Arndt
Tage der Nemesis
(22)Aktuelle Rezension von: ScheherazadeIn Berlin wird im Jahr 1921 ein ehemaliges türkisches Staatsoberhaupt ermordet. Dieser war in Berlin untergetaucht, da er einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an Armeniern in der Türkei war. Der Attentäter gehört wahrscheinlich zu einer Terrororganisation, die die Opfer des Genozids rächen will. Kommissar Andreas Eckart beginnt zu ermitteln und gerät zwischen die politischen Fronten in einem verfeindeten Europa.
„Tag der Nemesis“ verpackt ein sehr brisantes Thema in der Geschichte in einen packenden Thriller. Dabei gelingt es hier sehr gut historische Fakten mit Fiktion zu verbinden. Die Fakten sind dabei sehr gut in den Thriller eingearbeitet, in die Handlung wie auch in viele Dialoge. Es wird dabei nie langweilig und wirkt auch an keiner Stelle wie ein Geschichtsunterricht. Die Konflikte zu dieser Zeit werden sehr gut dargestellt und auch die Rolle von Deutschland wird verständlich erklärt.
Die Geschichte wird meist aus der Perspektive des Kommissars Eckart erzählt. Allerdings gibt es auch kurze Perspektivwechsel. Der Kommissar ist eine sehr vielschichtige Figur und dadurch sehr realistisch. Er hat im ersten Weltkrieg gekämpft und dies hat ihn gezeichnet. Er ist Morphium abhängig und war mir somit nicht immer sympathisch, allerdings waren alle seine Handlungen für mich nachvollziehbar.
Die Geschichte an sich ist sehr interessant erzählt und der Schreibstil flüssig zu lesen und passt zu dieser Zeit und den Ereignissen. Da die Verstrickungen insgesamt so vielschichtig sind, fällt es dem Leser auch schwer nur für eine Seite Partei zu ergreifen, da man die anderen auch verstehen kann. Dies macht es so spannend. Insgesamt schafft es Martin von Arndt die Spannung bis zur letzten Seite zu halten, sodass man das Buch eigentlich nicht mehr aus der Hand legen will. Von mir gibt es 5 Sterne für einen wirklich gelungenen Politthriller.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der gern Thriller liest, oder sich für diese Zeit interessiert.
- Birgit Kofler-Bettschart
"Ich habe getötet, aber ein Mörder bin ich nicht"
(10)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisDieses Sachbuch behandelt ein Verbrechen, das bis heute nicht aufgearbeitet worden ist, sondern in kleinerem Ausmaß nach wie vor geschieht: den Genozid an den Armeniern und seinen Folgen. Dieser Völkermord, der sich in den Jahren 1915-1917 ereignet hat, wird von den Armeniern selbst als Aghet (= Katastrophe) bezeichnet und ist gut dokumentiert. Die Opferzahlen schwanken, je nachdem welche Quellen herangezogen werden und betragen bis zu 1,5 Millionen Menschen.
Autorin Dr. Birgit Kofler-Bettschart betrachtet in ihrem Buch, das keine leichte Kost ist, die Vergeltungsaktionen der einer Gruppe überlebender Armenier in den Jahren 1919-1922, die als „Operation Nemesis“ bekannt sind. Aus der Diaspora heraus wollen die Mitglieder der Gruppe die Drahtzieher des Völkermordes zur Rechenschaft ziehen, die Weltöffentlichkeit auf dieses Verbrechen aufmerksam machen und Anerkennung desselben. Denn in der Türkei, dem Nachfolgerstaat des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg werden die Verantwortlichen auf Betreiben der Alliierten zwar vor Gericht gestellt und auf Grund der Beweislage in Abwesenheit verurteilt. Da sich die Angeklagten durch Flucht ihrer Verantwortung entzogen haben, können die (Todes)Urteile nicht vollstreckt werden, zumal sich Deutschland, wie auch andere Länder weigert, die Drahtzieher auszuliefern.
Wenig später ist außer den Armeniern niemand mehr an einer Sühne des Genozids interessiert. Hier greifen nun die Mitglieder der Geheimorganisation ein und beginnen den Aufenthalt der rund 100 Schuldigen auszuforschen. Die gefährliche Reise führt die Attentäter und deren Helfer durch zahlreiche Länder Europas bis hin in den Kaukasus. Akribisch werden acht Männer auf der Liste ausgeforscht und am helllichten Tag getötet.
Soghomon Tehlirjan (1897-1960) erschießt am 15. März 1921 den in Berlin lebenden ehemaligen Innenminister Talaat Pascha. Im anschließendem Prozess, aus dem das Titel gebende Zitat stammt, wird Tehlirjan freigesprochen. Grund: Auf Grund der erlittenen Traumata, Tehlirjan hat 85 Familienmitglieder in den Massakern verloren, wird ihm Unzurechnungsfähigkeit bescheinigt. Denn für Tehlirjan ist es kein Verbrechen, einen verurteilten Massenmörder zu töten.
Meine Meinung:
Die Autorin hat akribisch recherchiert und neben amtlichen Quellen auch die Biografien der Mitglieder der „Operatin Nemesis“ herangezogen. Das Buch belegt, dass der Massenmord während des Ersten Weltkriegs an den Armeniern durch die Osmanen systematisch organisiert worden ist. Die Weltöffentlichkeit, allen voran die mit dem Osmanischen Reich verbündeten Achsenmächte, also das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn, haben weggeschaut und sich mit dem Hinweis auf „innere Angelegenheiten eines Reiches“ abspeisen lassen. Das Wissen um Deportationen, Todesmärsche, Massaker und andere Gräueltaten wirken wie eine Blaupause für den Genozid an den Juden im NS-Staat und anderen Völkermorden in der Zukunft.
„Es soll ein Verbrechen sein, dass Tehlirjan einen Menschen ermordet hat, aber kein Verbrechen, mehr als eine Million Menschen zu töten? Das passt nicht zusammen.“ (Raphael Lemkin/ „Vater“ der Genozid-Konvention).
Es ist dem Juristen und Friedensforscher Rapahel Lemkin (1900-1959) zu verdanken, dass die Genozid-Konvention ins Leben gerufen worden ist. Zunächst scheitern Lemkins Versuche den Völkerbund für ein entsprechendes Abkommen zu gewinnen. Vor allem das nationalsozialistische Deutschland ist dagegen. Eine Weltkrieg und einen Massenmord von bislang unvorstellbarem Ausmaß setzt sich Lemkin bei den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen durch: Am 12. Dezember 1948 wird die internationale Ächtung und Bestrafung derartiger Verbrechen beschlossen.
„Es stellt jede Handlung, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“ unter Strafe. Verbrechen gegen sozial oder politisch definierte Gruppen fallen - mit Rücksicht auf die Sowjetunion - nicht darunter.
Leider kommt die nunmehrige Republik Armenien, die nach dem Zerfall der UdSSR ihre Unabhängigkeit erklärt hat, nach wie vor nicht zur Ruhe. Umgeben von Autokraturen, die mehrheitlich muslimisch sind, wie Türkei, Aserbeidschan und dem Iran sowie von Georgien, liegt es im Zentrum von einer äußerst instabilen Umgebung und wird nach wie vor Opfer von Massakern und Vertreibungen - Stichwort Berg Karabach. Der Massenexodus der Armenier hält bis heute an.
Das Buch liest sich trotz der Schilderung der brutalen Wirklichkeit sehr gut. Die Autorin hat bis ins kleinste Detail recherchiert und so lernt man die einzelnen Akteure kennen. Sehr gut hat mir gefallen, dass sie das weitere Schicksal der Mitglieder der Operation Nemesis dargestellt hat. Am Ende des Buches kann man noch das Interview mit der Armenien- und Genozid-Expertin Dr. Tessa Hofmann lesen.
Die Autorin stellt die komplexen Zusammenhänge in der langen Leidensgeschichte des armenischen Volkes sehr sachlich und anschaulich dar.
Fazit:
Diesem hervorragend recherchierten und verfassten Buch, wider das Vergessen gegen den Völkermord an den Armeniern durch die Türkei, der von ihr nach wie nicht nicht als Verbrechen anerkannt wird, 5 Sterne.
- Asya Kyburz
Lebenssinn - Eine Armenierin findet ihre Bestimmung
(1)Aktuelle Rezension von: Daniel_KyburzEine Lebensgeschichte, die ins Herz spricht und keinen unberührt lassen wird. Wenn man erfahren will, wie eine erfolgreiche Integration gelebt werden kann, erfährt man hier ein wunderbares Beispiel! - Patrick Bambach
Per Anhalter durch den Nahen Osten
(15)Aktuelle Rezension von: BeiterSonjaDas Cover gefällt mir.
Am Anfang gibt es eine Karte, wo man als Leser die Reise mit verfolgen kann.
Der Schreibstil ist im Tagebuch - Stil. Finde ich persönlich gut, daher hat man das Gefühl mit dabei zusein. Den Mut die Strecke komplett zu trampen und bei Leuten zu übernachten, welche ich nicht kenne - Couchsurfing - finde ich mutig. Gerade in gewissen Ecken auf der Strecke.
Ich hätte gerne mehr erfahren über manche Orte bzw. von der Bevölkerung, Fotos fehlen auf jeden Fall. Das macht einen guten Reisebericht aus. Es gibt am Ende einige Fotos aber für einen Reisebericht zu wenig.
- Nicholas Shakespeare
Die Erbschaft
(12)Aktuelle Rezension von: Giselle74Andy Larkham erbt zufällig ein Vermögen. Zunächst genießt er seinen ab sofort sorgenfreien Zustand, aber dann tauchen doch Fragen auf. Wer ist dieser Mensch, der einem Wildfremden 17 Millionen vererbt, nur weil dieser zur rechten Zeit am rechten Ort war? Er beginnt nachzuforschen...
Der Roman hat im Groben drei Teile: im ersten erleben wir den sorgen- und schuldenbelasteten Andy, im zweiten gondelt er durch die Weltgeschichte und der dritte Teil erzählt die Lebensgeschichte seines Gönners.
Ich habe diesen Roman in einem Atemzug gelesen, einfach, weil er so gut geschrieben ist. Dabei ist er nicht frei von Mängeln: das Herzstück ist die Lebensgeschichte von Christopher Madigan und bevor diese erzählt werden kann, erfahren wir viel über Larkham, zu viel für meinen Geschmack. Besonders der zweite Teil blieb eher bläßlich, worin aber eventuell auch eine gewisse Absicht steckt. Aber dann folgt eine Lebensreise von Armenien über Australien nach London. Grandios geschrieben und bildgewaltig. Mit schönen Frauen, bösen Schurken und der Weite des australischen Outbacks. Und ich habe gelesen und gelesen und gelesen und zum Schluß habe ich ernsthaft überlegt, wieder von vorn zu beginnen. Weil ich mich nicht trennen wollte.
Stattdessen werde ich mir jetzt andere Bücher von Nicholas Shakespeare zulegen: seine Chatwin-Biographie etwa und "Der Obrist und die Tänzerin". Und hoffen, daß sie einen ähnlichen Zauber versprühen...
- Emma Wagner
Wir. Für immer.
(51)Aktuelle Rezension von: roman_tisch_Rezension: Wir. Für immer. – Emma Wagner
„Wir. Für immer.“ ist ein Roman der Autorin Emma Wagner und erschien 2017 Im Anschluss zu seinem Vorgänger „Du. Für immer.“.
Mit einem Schlag ist alles anders. Gestern noch schien ihre Welt in Ordnung, doch auf einmal steht Sophie vor den Scherben ihres Lebens. Ein Trümmerhaufen, der sowohl ihre Zukunft, als auch ihre Vergangenheit in Frage stellt.
Zu erfahren, dass ihre Mutter nur auf dem Papier eines ihrer Elternteile ist, tut weh. Wer war ihre leibliche Mutter? Ist Blut demnach wirklich dicker als Wasser?
Völlig aufgewühlt und auf der Suche nach Antworten entschließt Sophie sie zu finden. Sie muss erfahren, wieso man sie als Baby hergab. Doch ihr Weg, der sie nach Argentinien führt, hält mehr für sie bereit, denn neben all den Antworten, stößt sie auf eine Geschichte.
Eine Geschichte, die nicht nur ihr eigenes Leben verändert hat.
„Wir. Für immer“ ist ein wunderschöner Roman, der den Leser in das Leben zwei ganz unterschiedlicher Frauen wirft.
Liana, die Protagonisten der Vergangenheit, ist eine junge Frau, deren Träume und Wünsche von der Gesellschaft verspottet und verboten werden. Tag für Tag kämpft sie sich durch das Leben. Auch Sophie fängt an zu begreifen, dass es mehr ist, was sie sich vom Leben erhofft und so müssen Beide im Laufe des Buches lernen, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen und folgenschwere Entscheidungen treffen.
Wie weit geht man für Sehnsucht, Liebe und Hoffnung? Kann man seiner ganzen Vergangenheit seinem ganzen Leben und seiner ganzen Familie von heute auf morgen den Rücken kehren?
„Tu, was du willst, es ist mir egal (…) [i]ch habe keine Tochter mehr.“ S.295
Sätze wie diese zogen mich voll in ihren Bann und sorgten dafür, dass ich unbedingt erfahren wollte, wie es weitergeht. Auch durch den Wechsel der beiden Zeiten, der immer dann stattfindet, wenn es gerade richtig spannend ist, bleibt das Interesse an beiden Geschichten bis zum Schluss bestehen. Aufgrund von Emma Wagners metaphorischem und bildhaftem Schreibstil, verliert man sich zwischen den Zeilen und ich finde, das vor allem die Kapitel der Vergangenheit eine ganz eigene, zauberhafte und historische Atmosphäre mit sich bringen.
„Wir für immer“ erhält von mir fünf von fünf Sterne. Der komplette Verlauf, all die Zusammenhänge und die ganzen Zeitsprünge sind unfassbar gut ausgearbeitet. Man merkt, wie viel Recherche hinter diesem Buch stecken muss und ich hätte niemals mit solch einem Ausgang der Geschichte gerechnet.
- Grikor Chalatianz
Armenische Bibliothek: Märchen und Sagen aus Armenien
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Peter Heather
Die letzte Blüte Roms
(12)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerLange habe ich gezögert, mir dieses Buch zuzulegen, doch nun hat die Wissenschaftliche Buchgesellschaft eine kostengünstigere Paperback-Ausgabe herausgegeben. Und vorweg: ja, die Anschaffung und Lektüre hat sich gelohnt.
Peter Heathers Studie "Die letzte Blüte Roms. Das Zeitalter Justinians" stellt im Schwerpunkt die Regierungsjahre (525-565 n.Chr.) dar, eine Zeit, in der es kurze Zeit so aussah, als könne das alte römische Reich wiederaufleben. Gut ein halbes Jahrhundert nach dem Untergang des Weströmischen Reiches eroberte das Byzantinische (Oströmische) Reich in den Vandalenkriegen die reichen nordafrikanischen Provinzen zurück, um danach dem Gotenreich in Italien den Garaus zu machen, einem langwierigen, verlustreichen, aber letztendlich von Erfolg gekröntem Unterfangen. So gesehen kann man tatsächlich von der letzten Blüte Roms sprechen. Aber was war der Preis dafür? Und war es ein Programm, dem Justinian folgte? Das sind die beiden Leitfragen, denen Heather in seiner Studie nachgeht. Die Antworten sind ambivalent. Was die Frage nach dem Programm betrifft, so beantwortet sie Heather mit einem klaren Nein. Jusinian war weniger ein Gestalter als ein Getriebener, wie so viele seiner Vorgänger und auch Nachfolger musste er ständig seine Daseinsberechtigung als Kaiser nachweisen und sich gegen potentielle Mitbewerber durchsetzen. Dazu brauchte es Erfolge, um so mehr, als dass das Regime beim Nika-Aufstand am Rande des Abgrundes stand. Verluste/ausbleibende Erfolge in den Auseinandersetzungen mit den Persern an der Ostgrenze, religiöse Spannungen wegen des Konzils von Calchedon, in dem es um die Frage der göttlichen und menschlichen Natur Jesus ging, die aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar sind, entluden sich in diesem Aufstand der Zirkusparteien, der buchstäblich in letzter Sekunde niedergeschlagen wurde. Und damit beginnt das bis heute bekannte uralte Spiel: Um von innenpolitischen Problemen abzulenken, wird ein Krieg inszeniert. Und da traf es sich eben gut, dass die Perser sich auf einen längeren Waffenstillstand einließen und dass Nachfolgestreitigkeiten im Vandalenreich den Byzantinern Anlass zum Einschreiten gab. Und da das mit eher unklarem Auftrag gestartete Herr gleich nach der Landung in Nordafrika große Erfolge erzielte, beschloss der verantwortliche Feldherr Belisar, gleich das Königreich der Vandalen zu zerschlagen und dem römischen Reich wieder einzugliedern. Damit war der nächste Schritt fast vorprogrammiert, der über Sizilien nach Italien, wobei auch hier die Auseinandersetzungen um die Nachfolge Theoderichs den Vorwand für das Einschreiten der Byzantiner abgaben.Selbstredend verschafften diese militärischen Erfolge Justinian den Rückhalt in seinem Reich, den er brauchte, auch um die nach wie vor schwelenden relgiösen streitereien zu beenden.
Was die Frage nach dem Preis betrifft: es war ein verdammt hoher. Unzählig ist die Zahl der durch die Kriege Getöteten oder Versklavten, was allein schon den wichtigsten Aspekt darstellt. Rein ökonomisch betrachtet vielen die Reichtümer vor allem Nordafrikas an Byzanz, nur müssen die zuvor aufgewendeten Kosten für die militärischen Aktionen dagegen gerechnet werden. Und nicht nur das, Byzanz war nicht (mehr) in der Lage, seine militärische Präsenz an allen Fronten stark zu halten. Von Norden drangen imer wieder fremde Völker zu Raubzügen ins Reich ein, aber in seinen Auswirkungen weitaus schlimmer, die Perser nutzen das Fehlen der im Westen eingesetzten Truppen, um das den Osten des Byzantinischen Reiches zu bedrängen, ein Unterfangen, der zum Untergang der damaligen Weltstadt Antiochia führte. Die Provinzen konnten zwar letztendlich von Byzanz gehalten werden, aber nur, um unter den Nachfolgern Justinians gut hundert Jahre später endgültig verloren zu gehen. Makabrerweise war dies eine Folge des Jahrhunderte langen Dauerkrieges zwische den Römern und den Persern, der letztlich beide Mächte so sehr auszehrte, dass sie den durch den Aufstieg des Islam befeuerten Arabern nichts mehr entgegenzusetzten hatten. Das alles ist nicht Justinians Schuld, wie Heather mehrfach betont. Aber muss man sich nicht auch fragen, ob die Eroberungskriege im Westen nicht doch langfristige Auswirkungen hatten, in dem Sinn, dass die damaligen Verluste eben doch zu einer Schwächung nicht nur des Militärs führte. Aber damit geraten wir in den Bereich der Spekulation.
Kleines Bonmot am Rande, Heather zieht in seiner 2018 erstmals in Großbritannien veröffentlichten Sudie des Öfteren Paralellen zu heute, mein Lieblingszitat ist auf S. 93, wo über den Vorgänger und Onkel Jusitnians heißt: Justin konnte auf ein paar außergewöhnliche erfolgreiche Monate zurückblicken (was mehr ist, als zum Beispiel Donald Trump je von sich wird behaupten können). Dem ist nichts hinzuzufügen.
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