Bücher mit dem Tag "asperger"
58 Bücher
- Graeme Simsion
Das Rosie Projekt
(1.480)Aktuelle Rezension von: ninzi-jh»Das Rosie-Projekt« von Graeme Simsion hat mich tatsächlich sofort angesprochen und blieb bis zur letzten Seite ganz auf meiner Wellenlänge. Ich muss dazusagen, dass ich nicht die vereinfachte Variante gelesen habe, sondern die normale. Bewerten kann ich hier aber leider nur die Ausgabe in einfacher Sprache. Die normale Version hat mir sprachlich sehr gut gefallen und ich kann nur vermuten, dass durch die Vereinfachung viel von ihrem ganz speziellen Charme verloren geht.
Erzählt wird eine sehr ungewöhnliche gewöhnliche Liebesgeschichte, denn obwohl alle möglichen Klischees bedient werden, ist dieses Buch überhaupt nicht klischeehaft. Mir gefällt, wie der Hauptcharakter eigentlich alles Erdenkliche verkehrt macht und ausgerechnet dadurch bei seiner Rosie landet, die absolut falsch und damit genau richtig für ihn ist. Er wirkt dabei echt, sehr sympathisch und schräg zugleich und hat mich stark an Dr. Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory erinnert.
Er ist anders als andere. Auch ohne exakte Diagnose wird klar, dass er wohl irgendeine Form von Autismus hat. Trotzdem - oder gerade deshalb? - wächst er über sich selbst hinaus. Dieser Grundgedanke ist schön: Jeder ist irgendwo anders, jeder beugt sich an irgendeiner Stelle Konventionen, die eigentlich gar nicht seiner Natur entsprechen. Bei ihm muss das eben auf stärkere Art und Weise passieren. Obwohl Don »anders konfiguriert« ist, wie er es nennt, ist er in der Lage, in Liebesdingen ebenso unbeholfen zu sein, wie der Rest der Menschheit.
Genau das hat mich berührt und wird mir in Erinnerung bleiben. Band 2 steht jetzt auf meiner Wunschliste...
- Romy Hausmann
Liebes Kind
(1.134)Aktuelle Rezension von: HarukiDas Buch "Liebes Kind" von Romy Hausmann stand lange in meinem Regal. Jetzt, nachdem ich es beendet habe, frage ich mich allerdings, warum ich es nicht schon früher gelesen habe.
Für mich war schon der Einstieg in das Buch außergewöhnlich: Es beginnt nämlich quasi am Ende der Geschichte. Man startet bei einer gelungenen Flucht und einem sich anschließenden Krankenhausaufenthalt. Im Verlauf des Buch erfährt man dann erst, was eigentlich im Vorfeld geschehen ist und warum es überhaupt zu dieser Flucht kam. Genau das hat mich sehr gefesselt. Ich wollte unbedingt herausfinden, wie es zu alledem gekommen ist.
Daneben hat mir die Erzählform aus verschiedenen Blickwinkeln sehr gut gefallen. Das hat ein allumfassendes Bild über die Geschehnisse ergeben. Die einzelnen Protagonisten - so empfand ich - waren sehr individuell dargestellt. Vor allem die Figur der Hannah hat mich hierbei beeindruckt. Ihre Erzählungen waren sehr intensiv, teilweise sogar verstörend.
Die Spannung war auf jeden Fall über das ganze Buch konstant hoch, wobei ich mich für das Ende doch etwas mehr erhofft hatte. Zwar muss ich gestehen, dass ich mit dem Täter überhaupt nicht gerechnet habe, jedoch wirkte die Auflösung im Vergleich zum starken Spannungsaufbau etwas zu flach. Mir hat am Ende einfach der große Wow-Effekt gefehlt.
Trotz dieses kleinen Kritikpunkts ist "Liebes Kind" für mich ein absolut lesenswerter Thriller, den ich definitiv weiterempfehlen kann.
- Gil Ribeiro
Lost in Fuseta
(237)Aktuelle Rezension von: Kathy25Leander Lost leidet am Asperger-Syndrom ... so würden es sog. neurotypische Menschen wohl formulieren. Aber so ist es eigentlich nicht - wenn Leander leidet, dann daran, wie mit Menschen umgegangen wird, die - wie er - anders sind. Ein Problem, das wir alle in irgendeiner Form kennen ...
Schon in Band 1 nimmt Leander uns Leser auf faszinierende Weise mit in seine Welt und seine Sicht der Dinge.
Es sind Vernunft, Verstand und Logik, an denen er alles bemisst und beurteilt - dennoch legt er eine erstaunliche Toleranz und sympathische Empathie an den Tag.
Ein wunderbares Buch - zum einen ein gut erzählter, spannender Krimi, zum anderen die Begegnung mit starken Charakteren, die sich im Laufe der Zeit sehr zu schätzen lernen, sich ergänzen und gemeinsam einfach mehr sind als die Summe der Individuen.
Leander ist faszinierend - ein Freund wie er fehlt mir sehr in meinem Leben. - Ethan Cross
Spectrum
(296)Aktuelle Rezension von: blue-jenAugust Burke ist anders. Irgendwie seltsam, geradezu wunderlich. Doch Burke ist auch ein Genie: Er erkennt Zusammenhänge, die allen anderen verborgen bleiben. Als es in einer Bank zu einer Geiselnahme kommt, wendet das FBI sich an ihn. Denn die Täter verhalten sich extrem ungewöhnlich und verschwinden schließlich sogar unbemerkt aus dem umstellten Gebäude. Mit Burkes Hilfe entdeckt das FBI den Zugang zu einem Geheimlabor unter der Bank - das eigentliche Ziel des Überfalls. Was haben die Räuber dort gesucht? Und haben sie es gefunden? Zusammen mit Special Agent Carter folgt Burke ihrer Spur - und bekommt es mit einem Feind zu tun, der bereit ist, tausende Menschenleben zu opfern.
Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr schwer, da die Geschichte aus mehreren Sichtweisen erzählt wird und es sehr lange braucht bis man weiß wie diese zusammenhängen. Zusätzlich sind es einige Protagonisten, bei denen man nie genau weiß wie wichtig sie sind und ob Sie wieder auftauchen, daher fand ich das Buch anfangs eher zäh als spannend.
Erst ab etwa der Hälfte fand ich das Buch dann gut, wobei schon hier absehbar war in welche Richtung es lief, aber das tat der Spannung keinen Abbruch. Die drei Hauptprotagonisten auf der Ermittlerseite gefielen mir auch sehr gut, Burke, Carter und Nic. alle drei sehr verschieden und doch haben sie ein sehr gutes team gebildet.
Die Gegenseite war für mich doch recht undurchsichtig, gerade was die Motive anging, aber auch hier waren es sehr unterschiedliche Charaktere die gut harmoniert haben.
Insgesamt war es ein gutes Buch, das anfangs etwas braucht, leider auch mit einem für mich offenen Ende.
Daher insgesamt nur 3,5 Sterne
- Graeme Simsion
Der Rosie-Effekt
(463)Aktuelle Rezension von: Igelmanu66»Ich verbrachte fast zwei Wochen mit der Lektüre von „Dewhursts Lehrbuch zu Geburtshilfe und Gynäkologie (Achte Ausgabe)“ sowie dem Studium von Internet-Videos und entschied, dass alle Theorie durch praktische Erfahrungen ergänzt werden müsse. Es war, wie ein Buch über Karate zu lesen – hilfreich bis zu einem bestimmten Punkt, aber unzureichend als Vorbereitung auf einen Kampf.«
Don Tillman, Professor für Genetik und allgemein ein wissenschaftliches Genie, hat es im Vorgänger-Band zu seiner eigenen Überraschung geschafft, eine Frau fürs Leben zu finden. Das Rosie-Projekt hatte den Asperger-Autisten vor enorme Herausforderungen gestellt, die in diesem Band allerdings noch gesteigert werden, denn Rosie ist schwanger.
Don will wie immer alles richtig machen und geht die Sache höchst engagiert und wissenschaftlich an. Was bei Rosie, die sich viele Sorgen macht, gar nicht immer gut ankommt. Kann Don überhaupt ein guter Vater sein? Nicht nur Sozialarbeiterin Lydia hat daran gewaltige Zweifel und Don, der neben dem Baby-Projekt noch versucht, die Ehen seiner besten Freunde zu retten, kommt an seine Grenzen…
Nachdem ich das Rosie-Projekt gelesen hatte, war mir klar, dass ich das Leben dieser wunderbaren Menschen weiterverfolgen wollte. Don hat mit seiner ganzen Art sofort mein Herz erobert und ich bewunderte den Mut und die Aufrichtigkeit, mit der er sich seinen Schwierigkeiten stellt. Beim Lesen konnte ich einige Male herzhaft lachen, an anderen Stellen litt ich richtig mit. Gegen Ende wurde es so spannend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen mochte. Es gibt zum Glück noch einen dritten Band und der wird bald bei mir einziehen.
Fazit: Ein wundervolles Buch, so berührend und lustig zugleich. Ich bin jetzt großer Don Tillman Fan!
- Helen Hoang
Kissing Lessons
(395)Aktuelle Rezension von: Love_Books1Als Autistin tut Stella sich nicht nur schwer mit Körperkontakt, sondern lässt sich auch ungern überraschen oder weicht von ihren Routinen ab. Alles Dinge, die das Erleben körperlicher Liebe schwierig machen oder ihm sogar im Weg stehen. Aber Stella ist eine Macherin und getriggert durch den hartnäckig von ihrer Mutter geäußerten Wunsch nach Enkelkindern beschließt sie, das Sprichwort „Übung macht den Meister“ wörtlich zu nehmen. Sie engagiert den Escort Michael für Unterrichtsstunden, um all die Dinge zu erlernen, die einem zukünftigen Partner gefallen könnten. Dass die Körperlichkeit dabei auch bei ihr Gefallen auslösen sollte, kommt ihr gar nicht in den Sinn. Doch Michael nimmt ihren Auftrag zwar an, interpretiert seine Aufgabe aber anders, als sie sich das zunächst vorgestellt hatte… Ihr Arrangement bringt sie einander näher als gedacht und entwickelt sich nach und nach zu viel mehr als beide sich eingestehen wollen.
Von der ersten Seite an zog mich der einfühlsame Schreibstil der Autorin in die Geschichte hinein. Sie schafft es, die Figuren in der ganzen Vielfalt ihres jeweiligen Wesens greifbar zu machen und holte mich über 400 Seiten hinweg durchgehend emotional ab. Das Buch beginnt recht direkt, ohne viel Vorgeplänkel, und wird auch ziemlich schnell „spicy“ (soweit Stella das in den Anfangszügen ihres Unterrichts eben zulassen kann). Die Idee, sich einen Escort als Übungslehrer für’s Küssen, Sex und Co zu nehmen, erscheint einerseits lustig-skurril, andererseits werden Stella’s Gedankengänge dem Leser so zugänglich gemacht, dass die Sache einem gleichzeitig auch irgendwie vollkommen logisch vorkommt. Ich konnte mich bis zum Ende sehr gut in Stella und auch in Michael einfühlen und habe beide Charaktere sehr geliebt.
Besonders gut gefallen hat mir außerdem, wie die beiden miteinander umgehen: unheimlich respektvoll und wertschätzend, die Grenzen des jeweils anderen respektierend, aufmerksam für die Bedürfnisse des Gegenübers und letztlich einfach liebevoll. Und zwar nicht nur Michael, der aufgrund von Stella’s Autismus besondere Sorgfalt walten lässt, sondern beidseitig! Natürlich gibt es auch Missverständnisse, kleinere Streits, und Ähnliches. Aber niemand wird ausfallend, nichts geht unter die Gürtellinie, es gibt ein Macht-Missverhältnis und auch nichts Toxisches. Diese Tatsache hat die Geschichte für mich zu einem absoluten Wohlfühlbuch gemacht und ich finde, so und nicht anders sollte jedes Paar miteinander umgehen. Wünsche mir mehr Geschichten mit diesem Vibe!
Das Thema Autismus wird meiner Meinung nach (bin kein Experte!) wunderbar in die Geschichte eingeflochten und ist natürlich die Basis aller Handlung. Aber ich mochte, dass es nie als „Problem“ der Protagonistin in den Mittelpunkt gestellt wurde, sondern einfach den Rahmen des Ganzen festlegte. Positiv finde ich auch, dass Michael ebenfalls seinen ganz eigenen Background und seine Sorgen hat. Hierdurch entspinnt sich eine verwobene Beziehung, die beiderseits spannend zu verfolgen ist.
Zu guter Letzt: Aufhänger und Inhalt der Geschichte sind natürlich etwas ganz Besonderes! Etwas in diese Richtung habe ich noch nie gelesen und werde es vermutlich auch nicht mehr (außer Helen Hoang’s Folgebände… 😉) und das macht das Buch für mich originell und einzigartig. Es wird mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben und wenn das ein Buch schafft: Was will man mehr.
Insgesamt eine absolute Leseempfehlung für alle Green Flag-Liebhaber, die Lust auf einen mal ganz anderen Inhalt haben als man sonst so liest, aber weder auf viel Gefühl noch auf eine ordentliche Portion Spice verzichten wollen.
- Laura Creedle
Die Liebesbriefe von Abelard und Lily
(46)Aktuelle Rezension von: mysmallbookshelveMit einem lachenden und einem weinenden Auge habe ich dieses Buch abgeschlossen. Mit einem lachenden, weil ich das Buch sehr genossen habe. Mit einem weinenden, weil ich die Beziehung zwischen den Hauptcharakteren sehr berührend fand. Beide sind liebevoll ausgestaltet und ich fand es sehr interessant die Welt aus ihrer Sichtweise zu erfahren. Nicht zu vergessen die Briefe, die einem sehr nah ans Herz gingen. Die Anmerkung zur historischen Vorlage ist ebenfalls sehr spannend. Alles in allem ein sehr zu empfehlenden Buch!
- Jodi Picoult
In den Augen der anderen
(286)Aktuelle Rezension von: LeseschneckeEmma ist alleinerziehende Mutter von 2 Söhnen. Jacob ihr einer Sohn hat das Asperger Syndrom. Für ihn muss alles nach einer bestimmten Routine ablaufen und Kommunikation ist schwierig. Um seine sozialen Fähigkeiten zu verbessern , bekommt er Einzelstunden von der Pädagogikstudentin Jess. Mit Jess kommt Jacob gut aus. Jacobs größtes Interesse ist Kriminologie, insbesondere Beweise sammeln beim Tatort. Er ist großer Fan von Criminal Busters und verpasst keine Folge. Doch dann wird Jess vermisst und tot aufgefunden und Jacob des Mordes verdächtigt.
Die Verhaltensweisen und Denkweisen eines Autisten werden hier sehr gut dargestellt. Auch was es für Eltern bedeutet einen Autisten großzuziehen und all die Mühen und das Nichtverstehen der Umwelt. Mich hat das Buch sehr fesseln können. Der Schreibstil ist flüssig. Es wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Aus Jacobs Sicht, aus der Sicht seines Bruders, aus Emmas Sicht und Olivers, Jacobs Anwalt.
Man bekommt auch einen guten Einblick in das Amerikanische Rechtssystem.
Allerdings fand ich das Ende zu kurz. Es war eher ein offenes Ende.
Ich kann das Buch sehr empfehlen!
- Steve Silberman
Geniale Störung
(20)Aktuelle Rezension von: LeseprofiErzählt ganz wunderbar die Geschichte und Entdeckung von ASS. Brisant. Spannend. Interessant. Notwendig für alle, die sich näher mit Autismus beschäftigen (wollen).
- Gil Ribeiro
Dunkle Verbindungen
(72)Aktuelle Rezension von: GiseLeander Lost und seine Freundin Soraia sind zusammengezogen und freuen sich auf ihre Hochzeit. Doch als in einem Golfteich eine weibliche Leiche gefunden wird und kurz darauf ein brutaler Überfall auf einen Geldtransporter stattfindet, ist es erst mal vorbei mit der Ruhe. Vor allem weil dieser Überfall an den Tod von Elias erinnert, Graciana Rosados Bruder, der bei einem ähnlichen Überfall ermordet wurde. Während Kollege Duarte bei einem Schusswechsel sein Gedächtnis verloren hat, müssen Graciana und ihre Familie sich mit den Geistern ihrer Familiengeschichte auseinandersetzen. Der Fall wartet mit einigen Überraschungen auf...
Das Buch ist der sechste Band der Reihe um den autistischen deutschen Ermittler Leander Lost, der an der Algarve einen neuen Platz für sich gefunden hat. Die Fälle sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden, wobei ich finde, dass dann sehr viel verloren geht, weil man die Entwicklung der Charaktere nicht ganz nachvollziehen kann. Mir gefällt die Figur des autistischen Ermittlers, weil er mit seinen Besonderheiten gerade in diesem Ermittlerteam seine ganz besondere Rolle gefunden hat. Zudem gibt es immer wieder humorvolle Situationen, wenn der Leser sich die Welt mit Losts Augen betrachtet. Das bleibt aber, wie auch in den bisherigen Bänden, immer sehr achtsam für Losts Besonderheiten, so dass der Schwerpunkt nach wie vor darauf bleibt, wie er mit seinen Eigenheiten zur Aufklärung des Falles beitragen kann. Und der hat es diesmal wirklich in sich, er gerät zu einem sehr persönlichen Fall für Graciana.
Auch der sechste Band der Reihe hat mich von der ersten Seite an fesseln können. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und bin schon ganz gespannt auf den nächsten Fall mit diesem besonderen Ermittlerteam von der Algarve. Ich vergebe alle 5 möglichen Sterne.
- Rudy Simone
Aspergirls
(17)Aktuelle Rezension von: Emmy_TeardropRezension ( kann Spoiler enthalten) :
Aspergirls von Rudy Simone
Standalone bei Beltz
Meinung :
Dieser Ratgeber, der sich auf Asperger bei Mädchen bezieht ist äußerst hilfreich, verschiedene Perspektiven verschiedener Mädchen, die betroffen sind, zeigen die Vielschichtigkeit einer autistischen Spektrumsstörung und die dann doch recht großen Unterschiede zu einer Spektrums Störung bei Jungen.
Die selbst betroffene Autorin Rudy Simone schreibt was sie erlebt hat, was sie durch Erfahrungen anderer bemerkt hat, was man beachten sollte, wenn man selbst betroffen ist, und was man beachten sollte, wenn man betroffene im Umfeld hat.
Zusammen mit den vielen Kommentaren junger Mädchen ergibt sich ein breiter Fächer, nicht alles trifft auf jeden zu. Das ist auf jeden Fall was ich aus diesem Ratgeber mitnehme. Empfehlenswert an alle jungen Frauen, die betroffen sind oder an Leute, die Betroffene kennen.
- Gil Ribeiro
Spur der Schatten
(122)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannGäbe es nur mehr von dieser Sorte Krimi: exzellente Unterhaltung, vielseitige Informationen und als i-Tüpfelchen einen Ermittler der besonderen „Sorte“.
In seinem zweiten Auftritt an der portugiesischen Süd-Atlantikküste sorgt auch dieses Mal der deutsche „Austausch-Kommissar“ Leander Lost mit seinem besonderen Verhalten für mancherlei Irritationen. Allerdings hat er durch seine messerscharfen Analysen („Seine Kausalketten waren zwingend wie ein fugenloser Korridor ohne Abzweigung.“) und liebenswerten Marotten schnell die Herzen seiner portugiesischen Mitstreiter erobert.
Als Autist (Asperger) und Eidetiker (fotografisches Gedächtnis) ist er ständig auf der Suche, in seinem Gegenüber die Merkmale zu erfassen, um im menschlichen Kontakt mit „Neurotypischen“ zu bestehen („[…], war ihm das Ungesagte meist ein Rätsel. Denn es verkroch und verbarg sich ziemlich erfolgreich zwischen den Zeilen und Silben. Es schwang mit, ohne je Gestalt anzunehmen, ja, es war unsichtbar für ihn und entwand sich seinem Griff bereits, bevor er seine Hand danach ausgestreckt hatte.“). Hierzu bedient er sich der nur für sekundenbruchteile flüchtigen Gesichtsausdrücke (Mikroexpressionen) und zur Entschlüsselung des „guten Tons“ eines (fiktiven) Werks von Daniel B. Tucker: Das Kompendium sinnloser Sätze. Diese führt zu mach witzigen Dialogen und entspannt auch die kriminalistische Arbeit in einem Fall, der auch die koloniale Vergangenheit Portugals und die sich daraus immer noch ergebenden Verbindungen und den darüberliegenden Schatten (As Sombras) zum Thema hat.
Subtil werden die Fährten gelegt und Parallelschauplätze eingeflochten. Während sich die Ermittler an der Aufklärung eines Mordes an einer Kollegin abarbeiten, werden im Hintergrund bereits die Fäden für den „großen Fall“ gesponnen. Auch wenn erst im letzten Drittel die Spannungsbreme gelockert wird, heißt das nicht, dass bis dahin die Geschichte nur so dahindriftet. Nein, denn es gibt, sozusagen als Zugabe auch noch eine Liebesgeschichte – und zwar eine ganz (Sorry) entzückende, die sogar für Tränen sorgen könnte … Aber was hier rundum das Asperger-Syndrom vermittelt wird ist erstklassig – und kann helfen, diesen Menschen mit einem anderen Blick zu begegnen.
Kurz: ein erstklassiger Krimi mit vielen zusätzlichen wissenswerten Informationen.
(5.7.2020)
- Gil Ribeiro
Schwarzer August
(155)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannNein, auch dieser vierte Fall aus der Reihe „Lost in Fuseta“ hat mehr zu bieten als krimitypische Spannung, vermischt mit ein wenig Liebelei. Hier kommen ziemlich viele Facetten zusammen, ohne dass man um den Überblick ringen müsste. Insofern ein großes Kompliment an den Autor, der es erneut schafft, dem Leser die so fragile Gestalt eines Autisten mit Asperger-Syndrom mit dem notwendigen Feingefühl näherzubringen. Dieser Roman ist gleichzeitig eine Hommage an das Land, speziell die Südküste Portugals, die Algarve, mit ihren sympathischen Bewohnern. So stellt sich beim Lesen eigenständig, quasi unbewusst, ein gewisses Fernweh ein.
Menschlichkeit und Mitgefühl tragen diesen Roman bis zum Schluss. Und wer nah am Wasser gebaut ist, wird nicht umhinkommen, ein paar Tränen zu vergießen. Und das will schon etwas heißen – es sind doch nur ein paar Worte auf hellem Papier. Aber die haben es in sich …
Dieser Roman hat aber auch eine Botschaft im Gepäck, ohne diese allerdings mit erhobenem Zeigefinger zu vertreten. Es geht daher nicht nur um Geldwäsche im Zusammenhang mit Immobilien oder Waffengeschäfte und Rohdiamanten (die Bezahlweise für Warlords, die die notwendigen Geldmittel nicht bar zur Verfügung haben), nicht nur um Überfischung durch industriell betriebene Fischerei und nicht nur um blutige Stierkämpfe. Nein, bei und in Verbindung mit all diesen Dingen geht es auch darum, dass sich jemand in den Kopf gesetzt hat, die Erde ein bisschen besser zu verlassen, „als er sie vorgefunden hat.“
Und wäre dies alles nicht schon genug, so erfahren wir hier was es bedeutet, einer Liebe den Raum zu geben, den sie braucht, um überleben zu können. Fürwahr ein Meisterwerk …
(23.8.2020)
- S. K. Tremayne
Mädchen aus dem Moor
(170)Aktuelle Rezension von: Gute_NachtInhalt
Kath und Adam leben mit Lyla, ihrer neunjährigen Tochter, in einem alten Steinhaus im Dartmoor. Kath liebt das Moor und sie liebt ihre Familie.
Daher bricht für sie eine Welt zusammen, als sie nach ihrem schweren Unfall eines Tages aus der Ohnmacht erwacht und in abweisende Gesichter blickt. An das Geschehene hat sie hat kaum Erinnerung, mysteriöse Bilder und Eindrücke beginnen sie zu quälen: Verhält ihr Ehemann sich nicht seltsam aggressiv? Welches Geheimnis verbirgt ihr Bruder vor ihr? Und was ist es, das ihre sensible, ganz besondere Tochter nachts im Moor zu sehen glaubt? Verliert Kath den Verstand – oder ist sie einer furchtbaren Wahrheit auf der Spur ...
Fazit
Prinzipiell spannender Thriller, dem eine Straffung ganz gut getan hätte. So leider zu langatmig und zäh, trotz durchaus guter Handlung.
- Graeme Simsion
Das Rosie-Projekt
(156)Aktuelle Rezension von: AlHomiIch habe das Hörbuch gekauft, weil ich gelesen hatte, dass mein Lieblingsschauspieler in der Verfilmung die Hauptrolle übernehmen soll. Ich hatte keine Erwartungen und wurde total überrascht. Allerdings frage ich mich seitdem auch, ob mit mir alles in Ordnung ist, denn bestimmte Handlungen von Don waren für mich absolut nachvollziehbar. Absolut nachvollziehbar!!!🧐🙃😂
Im Klappentext wird vom Spiegel Bestseller über den unwahrscheinlichsten romantischen Helden aller Zeiten gesprochen und das ist sowas von zutreffend! Es macht einfach Freude, dabei zuzusehen, wie Don die Frauenwelt ein bisschen mehr versteht. Seine Entwicklung sorgt manchmal für Kopfschütteln und manchmal für laute Lacher. Dabei sind wir Frauen doch gar nicht so kompliziert 😂😂
Die offizielle Variante:
Don Tillman will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: Mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist.
Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Offensichtlich ungeeignet. Aber Rosie verfolgt ihr eigenes Projekt: Sie sucht ihren biologischen Vater. Dafür braucht sie Dons Kenntnisse als Genetiker. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik.
- Veronique Kouchev
Das »Anders« gehört zu mir
(20)Aktuelle Rezension von: Luna♡Rezension
Das Anders gehört zu mir - Mein Leben mit Asperger Autismus - von : Veronique Kouchev
Verlag: Eden Books
- Werbung - Rezensionsexemplar als Printausgabe
Lovelybooks Leserunde
- Autismus Spektrum Störung - Asperger Autismus - Kindheit - Jugend - Mobbing - Schulzeit -
♡Veronique
bekommt mit 17 Jahren die Diagnose: Asperger - Autismus. Sie fühlt sich erleichtert.
Endlich weiß sie, warum sie sich anders fühlt und warum ihr Umfeld anders auf sie reagiert.
Ihre Kindheit und Schulzeit war nicht einfach, Veronique musste viel erleiden und durch machen, wurde immer wieder gemobbt, falsch verstanden und von ihren Mitmenschen abgelehnt.
Heute geht sie offen mit ihrer Diagnose auf die Menschen zu und hat dieses Buch geschrieben um Betroffenen und ihren Angehörigen Mut zu machen und zu zeigen, was hinter der Autismus - Spektrum Störung steckt.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und angenehm schnell zu lesen.
Ich war ab der ersten Seite absolut gefesselt von ihrer Lebensgeschichte und konnte mich sehr gut in die Gedanken und Gefühle von Veronique hineinversetzen.
Das Buchcover zeigt ein Foto von der Autorin, wie sie mit geschlossenen Augen und Kopfhörern auf einem Dach lehnt. Ich finde es passt sehr gut zu Veronique und ihrem Leben mit der Autismus Spektrum Störung. Denn: Menschen mit dieser Beeinträchtigung brauchen oft eine Auszeit, ganz für sich allein, Ruhe und eine Pause von allen Reizüberflutungen.
Die Innengestaltung im Buch ist etwas ganz, ganz Besonderes, denn Veronique hat all die Zeichnungen selbst gemalt. Sie ist künstlerisch sehr begabt und kann wunderschön zeichnen. Die Bilder haben die Gefühle von der Autorin nochmal sehr stark verdeutlicht und hervorgehoben.
Wer in der Kindheit oder Jugend stark gemobbt wurde und noch nicht darüber hinweg gekommen ist, könnte dieses Buch eventuell sehr stark triggern.
Die Autorin erzählt uns diese furchtbaren Ereignisse aus ihrer Schulzeit vollkommen ehrlich und ungeschönt.
Ich bin der Meinung, dass die Schuld für das Mobbing nicht nur an Veroniques "Anders sein" lag, sondern an den Personen selbst.
Warum es überhaupt zu Mobbing kommt, verstehe wer will...ich verstehe es jedenfalls nicht. Das ist wohl ein riesiges Fass an Psychologie, was man aufmachen muss um es zu begreifen.
Und ich denke auch, dass Lehrer*innen viel zu wenig dagegen tun, ich kenne das noch sehr gut aus meiner eigenen Schulzeit. Die Lehrkräfte kriegen nur einen Bruchteil davon mit, was wirklich los ist und fühlen sich selbst teilweise ratlos und überfordert mit solchen Situationen...
Ich frage mich ob Veroniques Leben anders verlaufen wäre wenn man die Diagnose früher gestellt hätte. Aber die Zeit lässt sich nicht zurück drehen.
Ich fühlte mich beim Lesen dieses Buches sehr verbunden mit der Autorin und
habe ziemlich viele Parallelen zu mir und meinem eigenen Leben entdecken können.
Ich konnte jede einzelne Seite, jedes geschriebene Wort hundertprozentig nachvollziehen und mitfühlen.
Das Buch ist sehr empfehlenswert für Autisten und ihre Angehörigen, aber auch für Menschen, die mit Betroffenen arbeiten oder für Lehrkräfte und Pädagog*inn*en
Es war sehr spannend Veronique kennen zu lernen und über ihre Autismus-Spektrum-Störung etwas zu erfahren und zu lernen.
Ich gebe dem Buch 5/5 Sterne und empfehle es sehr gerne weiter.
- Gil Ribeiro
Weiße Fracht
(113)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannWer bislang noch nie mit Autisten (Asperger-Syndrom) zu tun hatte, bekommt hier – neben krimitypischer Spannung und einigen emotionalen Momenten – einen kleinen Einblick in diese für uns „neurotypischen Menschen“ so ungewohnte Welt. Diese geschieht meist mit einem Augenzwinkern, was die Auseinandersetzung hiermit erleichtert. So erfährt man einmal mehr, dass es in jedem Kopf ein eigenes (stimmiges) Weltbild gibt, und Wahrheit wohl immer relativ bleiben wird.
Auch in diesem Fall, inzwischen der dritte „Lost in Fuseta“, geht es um Mord, möglicherweise gar um Serienmorde – in Verbindung mit Rache und schmutzigen Drogengeschäften. Die Fährten sind gelegt, manche davon führen in die Irre und selbst ganz zum Schluss gibt es noch einen Faden, der sich unbemerkt eingeschlichen hatte und noch einmal für eine gehörige Portion „Trouble“ sorgt. Was man von einem Krimi erwarten kann, wird erfüllt. Und wie schon in den vorausgegangenen Episoden bekommt man zudem einige landeskundliche Information präsentiert – und natürlich so manche Besonderheit von Leander Lost. Dieses Mal unter anderem im (überspitzten) Kontrast zu etwas tumben deutschen Ermittlern aus der Hansestadt Hamburg, die bislang die besonderen Fähigkeiten ihres (ehemaligen) Kollegen nicht einordnen konnten, stattdessen nur hämisch die Nase verzogen.
Dieser von Gegensätzen getragene Krimi mit ausnehmend sympathischen Ermittlern und fiesen Schurken ist kurzweilig geschrieben, hält so einige Informationen bereit und besticht durch eine gelungene Mischung aus Spannung und Emotionen.
(8.4.2020)
- A. Meredith Walters
Für uns macht das Universum Überstunden
(91)Aktuelle Rezension von: Leyx3Subtile Spoiler!
Dieses Buch ist für mich ein absolutes Highlight. Ich habe mich in den Seiten verloren & bin ab Seite eins komplett in die Welt von Ellie abgetaucht. Auch wenn es eine eine emotionale Geschichte war, mit der ich auch zu kämpfen hatte, fand ich viel Komfort, vor allem zwischen Flynn & Ellie. In keinster weise sind die zwei das perfekte Paar, beide haben ihre Probleme mit denen sie zu kämpfen haben, sodass eine Beziehung manchmal unmöglich erschien. Aber genau das ist was mir so gut gefallen hat - die Authentizität der beiden zueinander. Es hat mich immer wieder umgehauen.
Für mich ein absolutes Wohlfühlbuch!< 3
- Morten Brask
Das perfekte Leben des William Sidis
(17)Aktuelle Rezension von: HerbstroseMit einem geschätzten IQ von 250 bis 300 gilt er als einer der intelligentesten Menschen der Welt, William James Sidis, geb. 1898 in New York City als Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine, gest. 1944 in Boston an einer Gehirnblutung. Der kleine Billy galt schon früh als Wunderkind, konnte im Alter von 6 Monaten sprechen, mit 18 Monaten las er bereits Zeitung, sprach mit 6 Jahren schon 10 Sprachen und entwickelte als 10jähriger seine Theorie der vierten Dimension, über die er im folgenden Jahr einen Vortrag an der Harvard-Universität hielt. Bis dahin hatte er schon vier Bücher geschrieben. Für die Schule benötigte er 7 Monate, die Highschool schaffte er in 3 Monaten und begann mit 11 Jahren das Studium der Mathematik, dem er nach Abschluss ein Jurastudium anhängte. Als Reaktion auf seine Erziehung (er wurde von seinen ebenfalls gebildeten Eltern schon sehr früh gefördert und gefordert) begann er als 16jähriger zu rebellieren, brach sein Studium ab und schloss sich einer Gruppe Sozialisten an. Bei einer Demonstration wurde er verhaftet und zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt …
„Das perfekte Leben des William Sidis“ ist der erste Roman des 1970 geborenen und in Kopenhagen aufgewachsenen dänischen Autors Morten Brask. Es gelang ihm ausgezeichnet, das Leben dieses ungewöhnlichen Mannes in eine spannende Rahmenhandlung einzubinden und dessen vermutlichen Gedanken und Gefühle zu beschreiben. Wie zu lesen ist, bezieht sich der Autor dabei auf damalige Zeitungsberichte, Biografien anderer Autoren, sowie Bücher und Briefe von Sidis selbst. In kurzen Kapiteln, zeitlich hin und her springend, berichtet Brask über verschiedene Stadien und Begebenheiten aus Sidis Leben. Wir erfahren, wie Sidis vom viel beachteten Wunderkind immer mehr zum Sonderling und Eigenbrötler mutierte, zur tragischen Figur wurde, der seine Mitmenschen oft vor den Kopf stieß und vielfach Spott und Hohn erntete. Es entsteht das Bild eines zutiefst verstörten Menschen dem man nachfühlen kann, dass er sich ein perfekteres Leben gewünscht hätte.
Heutzutage ist Sidis bei uns weitgehend unbekannt, umso lohnender ist es, dieses 2017 aus dem Dänischen übersetzte Buch zu lesen. Wer noch mehr über das einzigartige Genie William James Sidis erfahren möchte, dem empfehle ich gerne auch das ebenfalls 2017 erschienene Buch „Das Genie“ von dem deutschen Autor Klaus Cäsar Zehrer, in dem etwas ausführlicher auf die Eltern und Sidis früher Kindheit eingegangen wird.
Fazit: Ein solide geschriebenes Buch über einen genialen Menschen, dessen Handicap es war, dass er nie Kind sein durfte - berührt und stimmt sehr nachdenklich.
- Laura Baldini
Aspergers Schüler
(51)Aktuelle Rezension von: HopeandliveWir befinden uns in Wien im Jahr 1926. In der Universitätskinderklinik in Wien herrscht Aufbruchstimmung. Dort behandeln Ärzte und Psychologen Kinder, die im Bereich Autismus erkrankt und eingeschränkt sind. Für die Ärzteschaft dieser Zeit war das ein revolutionärer Ansatz, denn anstatt die Kinder mit Medikamenten ruhig zu stellen, erkannten einige wenige, darunter der bekannte KInderarzt Dr. Asperger, dass diese Kinder über ganz bestimmte Fähigkeiten verfügten und es galt den Schlüssel dazu zu finden. Jedoch war er einer der wenigen und schon die damalige medizinische Bezeichnung "autistischer Psychopath" lässt tief blicken und einiges erahnen. Wien befand sich einer speziellen Lage damals und die Schatten des Dritten Reiches und seiner willigen Helfershelfer waren schon zu sehen, für die, die sehen wollten.
Im Jahr 1932 kommt ein Junge namens Erich mit acht Jahren in die Uniklinik. Erich benimmt sich sehr auffällig, reagiert extrem auf äußere Reize und ist dennoch in der Lage komplizierte mathematische Aufgaben zu lösen. Dr. Asperger nimmt sich des Jungen an und auch Schwester Viktorine hat diesen Jungen ganz besonders ins Herz geschlossen und findet einen Schlüssel mit ihm zu kommunizieren. Doch auf Frauen und Krankenschwestern im besonderen wurde damals nicht gehört. Ebenso greifen die Warnungen der jüdischen Ärzte dort wie des bekannten Neurologen Dr. Frankl nicht und immer mehr Ärzte sehen sich gezwungen aus Österreich auszuwandern. Viktorine bewundert Dr. Asperger, der ähnliche Züge aufweist wie seine kleinen Patienten, doch verschließt lange ihre Augen vor seinem Arrangement mit den neuen NS-Machthabern und ihren Plänen mit diesen besonderen Kindern. Erich gerät mehr und mehr in Gefahr....
Im Jahr 1986 macht sich die junge englische Studentin Sarah auf den Weg nach Wien um an ihrer Doktorarbeit an der Wiener Universität zu der Arbeit von Dr. Asperger zu recherchieren und zu schreiben. Auch sie verehrt Dr. Asperger und der Leser erfährt auch langsam, dass es dafür einen sehr persönlichen Grund gibt. Jedoch führen ihre Recherchen sie in eine ganz andere Richtung als gedacht und Sarah erfährt durch den angehenden Journalisten Stefan einiges über die Klinik am Spiegelgrund und warum es für viele Kinder mit Einschränkungen die letzte Station ihres Lebens war. Ihr Idol Dr. Asperger wird mehr und mehr vom Sockel gestürzt und ihre Recherchen bringt sie mit Menschen zusammen, die diese dunkle Zeit mit allen Verlusten, die sie mit sich brachte, noch erlebten und sie erfährt etwas über Erich.....
Laura Baldini hat einen ganz außergewöhnlichen Roman über Wien damals und heute geschrieben und sie gibt diesen ungesehenen und ungeliebten Kindern von damals ein Gesicht. Es ist schrecklich wie zu dieser Zeit mit dem sogenannten "unwerten" Leben umgegangen wurde und wie wenig Menschen sich auf ihre Seite stellten. Da drängt sich mir der Vergleich mit unserer Gegenwart heute auf, in der Abtreibungen bist zum neunten Monat immer mehr Gehör finden und erlaubt werden, auch hier wird sogenanntes "unwertes" Leben einfach vernichtet. Für den Leser schwer auszuhalten und sich dennoch ein Beispiel an Menschen wie Viktorine zu nehmen, die im Stillen Widerstand geleistet hat und immer bestrebt war, es den Kindern so gut wie möglich zu machen. Ihre Rolle hat mich dennoch sehr beeindruckt. Zugleich versteht es die Autorin dem Leser die Stadt Wien einfach lieb zu machen und zählt so viele Orte auf, die ich schon besucht habe und vorhabe sie bei meinem nächsten Aufenthalt zu besuchen.
Sehr lesenswert!
- Jeff Cohen
Eine Leiche auf Abwegen
(16)Aktuelle Rezension von: Thomas_Lawall
Samuel Hoenig hat ein Problem. In gewisser Weise. Das Problem ist, dass er sich gar nicht mit Problemen befassen will (und es in jenem speziellen Fall auch gar nicht kann). Lösen kann er sie schon gar nicht, weshalb er sein Unternehmen dementsprechend benannt hat. Es nennt sich "Fragen beantworten". Für alle Leserinnen und Leser, die Samuels ersten "Fall" bereits kennen, ein alter Hut.
Für den Rest der Leserschaft aber ebenso neu wie erstaunlich, denn schnell wird klar, dass Jeff Cohen hier eine Geschichte aufrollt, die sich von anderen des Genres grundlegend unterscheidet. Dem aufmerksamen Beobachter wird aber ebenso schnell auffallen, dass der Klappentext die Wahrheit etwas verdreht. Der schon genannte Fall kann ja eigentlich gar kein solcher sein, denn bereits auf Seite 21 lässt der Autor seinen Hauptdarsteller ausführen, dass er nicht nur keine Probleme lösen möchte, sondern auch keineswegs daran denkt, irgendwelche "Fälle" zu übernehmen. Er beantwortet lediglich Fragen.
Allein die Bemühungen, dies seiner "Kundschaft" klar zu vermitteln, bereitet ein ungewöhnliches Lesevergnügen. Deren Abschweifungen und Sonderwünschen begegnet Samuel mit einer geradezu selbstverständlichen Vehemenz und Beharrlichkeit seine ganz klar definierten Ansichten betreffend, was er nicht zuletzt einem gewissen Syndrom zu verdanken hat. Herr Dr. Asperger hätte seine Freude daran.
Der Wiener Kinderarzt (*18. 2. 1906; †21. 10. 1980) ging nicht unbedingt davon aus, dass es sich um eine Krankheit im üblichen Sinne handelt, eher von einer Abweichung der Norm. Samuel Hoenig ist selbstverständlich ähnlicher Ansicht und er dreht den Spieß sogar um. Er definiert sich als "Träger einer neurologischen Besonderheit", weshalb auch nicht er ein Mensch mit seltsamen, unverständlichen Verhaltensweisen ist, sondern alle anderen!
Aus diesen scheinbar unüberbrückbaren Gegensätzen ergibt sich eine ganze Reihe urkomischer Situationskomik, indem Samuel jedes Wort und jeden Satz wörtlich nimmt. So nebenbei entlarvt er unsinnige Redensarten, die wir im tagtäglichen Sprachgebrauch längst übernommen haben, ohne den eigentlichen Sinn und Zweck einmal zu hinterfragen.
Das Angebot, ihm den "Rücken freizuhalten", kann er beispielsweise weder verstehen noch nachvollziehen und antwortet auf die entsprechende Frage mit der für ihn ganz selbstverständlichen Logik: "Meinen Rücken? Sollte ich nicht nach vorn gehen?" Unbegreiflich sind ihm auch Dinge wie ein trockener Martini, denn wie sollte eine Flüssigkeit "trocken" sein?
Auf Minenspiel reagiert er gar nicht und zwischenmenschliche Interaktionen sind ihm ebenso unbegreiflich. Freundschaften einzugehen ist ihm nicht möglich, wobei der Begriff "Ehe" in diesem Zusammenhang den Gipfel der Unverständlichkeit darstellt. Dass starke Gefühle für einen anderen Menschen existieren und man dann auch noch sicher ist, "dass er oder sie jeden verbleibenden Moment des eigenen Lebens dem anderen widmen möchte", ist "irrational und unwahrscheinlich" (was die Scheidungsrate bestätigt).
Seine Beobachtungsgabe ist deshalb frei von jeder Emotion und damit ungestört sachbezogen. Für unabdingbare Dinge im emotionalen Bereich hat er ja seine Mitarbeiterin Janet Washburn, die ihm die eine oder andere Hilfestellung im Dschungel der Gefühle jener Personen leisten kann, die es im Rahmen seiner Ermittlungen, die letztlich zur Beantwortung einer bestimmten Frage führen sollen, zu verstehen gilt.
Seine Hauptperson charakterisiert Jeff Cohen durch einen ebenso kauzigen, wie spitzfindigen Schreibstil, der zudem nicht nur umständlich und verschraubt wirkt, sondern regelrecht aus der Amtssprache abgeleitet wirkt und herrlich verstaubte Formulierungen ("Dieser Möglichkeit eingedenk ...") ebenso berücksichtigt. Im Gegensatz dazu steht Samuel Hoenigs hochmodernes Arbeitsgerät. Die allzu oftmalige Erwähnung des Markennamens grenzt an Schleichwerbung.
"Sie haben wirklich Nerven", könnte man ihm vorwerfen. Samuel würde auch das befremden, denn schließlich haben die alle Menschen. Es kommt sehr oft vor, dass man an solchen Stellen eine spontane Denkpause einlegen muss. Die nächste Floskel im realen Leben wird dann womöglich vorab erst einmal auf die Goldwaage gelegt ...
Jeff Cohen hat also ein ebenso nicht alltägliches wie nachhaltiges Szenario entworfen und wer auf der Suche nach einem völlig aus der Reihe tanzenden Kriminalroman ist, wird mit "Eine Leiche auf Abwegen" fündig werden. - Katja Montejano
Zerrspiegel
(146)Aktuelle Rezension von: nadine_imEin brutaler Überfall stürzt das Leben der neunzehnjährigen Jazz in einen Abgrund voller Angst und Grauen. Gleichzeitig verschwinden ihre Mutter und Schwester - die Polizei steht vor einem schier unlösbaren Rätsel. Wurde die Familie Zielscheibe eines perversen Serienkillers oder steckt ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit hinter dem schrecklichen Geschehen? Ein gefährliches Katz- und Mausspiel zwischen Jazz und dem wahnsinnigen Mörder beginnt. Sein Plan ist Rache! Ihr Plan ist, zu überleben!
Zum Aufbau, es wird abwechselnd aus der Sich von Jazz und dem Täter berichtet, dadurch schafft es die Autorin die Leser am Ball zu behalten, denn nur Jazz ihre Ansicht wäre für dieses Buch nicht mitreißend genug gewesen, da sie wirklich emotionslos dargestellt wird und eine lange Zeit im Buch auch nichts passiert bis am Ende wieder ein starker Höhepunkt folgt.
Also haben wir Spannungen am Anfang und am Ende des Buches, in der Zwischenzeit liest man meiner Meinung schnell Jazz ihre Kapitel durch um schnell wieder zu den Gedanken des Täters zu gelangen. Dort ist die Emotionslosigkeit, oder ab und zu die Wut recht fesselnd.
Jazz leidet am Asperger Syndrom, leider wird darauf nicht groß aufgebaut und teilweise widerspricht sich das auch in ihrer eigenen Sprache... zudem gibt es ein paar Textstellen wo Jazz Dinge erklärt die wie wortwörtlich aus dem Internet kopiert klingen, ich weis nicht ob das Teil des Syndroms ist, weil man die Dinge einfach übernimmt, oder ob es nicht anders geschrieben wurde.
Man kann sich nicht wirklich mit ihr identifizieren, da sie ja nun wirklich nicht von Emotionen sprüht, also fehlt auch die Empathie.
Und dann wird noch eine Liebesgeschichte reingeworfen, die entweder besser ausgebaut hätte werden sollen, oder eben nicht vorkommen sollte. Es ist so als würde man den Inhalt nur auffüllen wollen, trotzdem ist es schön, dass Jazz nicht mehr alleine ist und sich selbst überwinden kann!
Leider war das Ende dann irgendwie nicht so brutal wie ich es mir vorgestellt habe und vor allem gegen Ende noch schnell mit Fakten aufgefüllt um die Geschichte besser zu erläutern...
Trotz der paar Schreibfehler und den oben erwähnten Dingen ist das Buch an einigen Stellen spannend und für Zwischendurch nicht schlecht! Also von mir 2.5-3 Sterne!
- Niah Finnik
Fuchsteufelsstill
(65)Aktuelle Rezension von: Faina44Teilweise gab es Stellen die sehr langatmig waren, aber für mich ist es ein sehr informatives Buch gewesen. Es hat mir sehr gefallen das es anschaulich von der Lebensweise und den Empfindungen gesprochen wurde. Sie hat bestens beschrieben wie wir unsere Umwelt wahr nehmen. Das hab ich so auch noch nicht erlebt. Vieles in diesem Buch hab ich mir angenommen und verstehe jetzt einiges besser. Ich bin mit 2 außergewöhnlichen Elternteilen aufgewachsen, selber auch betroffen und meine 3 Kinder ebenfalls, wir sind alle sehr verschieden und ich wollte immer alles verstehen können. Dieses Buch hat einen großen Teil dazubei getragen. Vielen Dank 💐
Leider gibts nur Eins von der Autorin. 😔
- Judith Visser
Mein Leben als Sonntagskind
(110)Aktuelle Rezension von: Henny16Über einen Lesetipp erfuhr ich von diesem Buch. Ich gebe es zu, die über 600 Seiten ließen mich zögern, hielt ich das durch? Aber ja, schnell fing mich die Geschichte von Jasmijn Vink ein und ließ mich nicht mehr los. Ich begleitete sie ihre ganze Kindheit über bis zum Erwachsenwerden, staunte über ihre findigen Ansichten und fühlte mit ihr, wenn Ablehnung spürbar wurde und das Anderssein sich nicht verstecken ließ. Normale Alltagssituation wurden zur Herausforderung und die Sehnsucht nach Rückzug, Ruhe und Alleinsein übermächtig. Doch allein war sie nie, auch wenn sie keine Stadtbummel unternahm, nicht auf Partys ging, Familienbesuche mied, ausschließlich in ihrem Zimmer aß und sich generell von Menschen fernhielt. Ihre beste Freundin war Senta - eine Hündin. Später kam eine Klassenkamerdin dazu, die sich nicht abwimmeln ließ und Jasmijns Sonderbarkeiten akzeptierte. Ihr gelang es mit der Zeit, Jasmijn ab und zu aus ihrem Schneckenhaus zu locken. Besonders in der Pubertät half sie Jasmijn bei der Sache mit den Jungs und so kam es zu einer ersten sachten Liebesbeziehung. Für mich war es sehr spannend, in die Welt und Gedanken von Jasmijn einzutauchen. Ein tolles Buch!























