Bücher mit dem Tag "atombombe"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "atombombe" gekennzeichnet haben.

46 Bücher

  1. Cover des Buches Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (ISBN: 9783328102366)
    Jonas Jonasson

    Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

    (5.968)
    Aktuelle Rezension von: Petra54

    Das Buch kaufte ich trotz des seltsamen Titels, weil ich Geschichten aus Skandinavien mag und es außerdem „das beliebteste Buch des Jahres“ war. Der Klappentext macht neugierig und verspricht eine „herrlich komische Lebensgeschichte“ aus Schweden.
    Ein alter Herr flieht an seinem hundertsten Geburtstag aus dem Altenheim, was vorstellbar ist. Den Anfang fand ich lustig, doch recht schnell ging mir die schnoddrige Erzählart des Autors auf die Nerven. Es gibt mehrere Morde, die wie ein beiläufiger Witz beschrieben werden, ebenso die Weltpolitik der letzten hundert Jahre. Diese absurde Überheblichkeit ertrug ich nicht lange und brach das Lesen ab.

     

  2. Cover des Buches Winter der Welt (ISBN: 9783404169993)
    Ken Follett

    Winter der Welt

    (828)
    Aktuelle Rezension von: Japanophilie

    Die Kinder der Familien aus „Sturz der Titanen“ wachsen in einer Zeit zunehmender politischer Spannungen auf. Der Aufstieg des Nationalsozialismus, der Spanische Bürgerkrieg und schließlich der Zweite Weltkrieg bestimmen ihre Lebenswege. Erneut verbindet Ken Follett die Schicksale mehrerer Familien aus verschiedenen Ländern mit den entscheidenden politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit.

    „Winter der Welt“ setzt die Geschichte der Familien aus dem ersten Band fort, stellt nun jedoch überwiegend deren Kinder in den Mittelpunkt. Genau das machte mir den Einstieg deutlich schwerer. Viele der bekannten Figuren hatten inzwischen mehrere Kinder, die wiederum eigene Beziehungen und Handlungsstränge erhielten. Dadurch fiel es mir zunehmend schwer, alle Personen und familiären Verbindungen auseinanderzuhalten.

    Auch thematisch konnte mich dieser Band weniger begeistern als sein Vorgänger. Während meiner Schulzeit wurde der Zweite Weltkrieg in zahlreichen Fächern sehr ausführlich und wiederholt behandelt. Dadurch habe ich mittlerweile eine gewisse persönliche Abneigung gegen das Thema entwickelt. Das ist selbstverständlich kein grundsätzlicher Kritikpunkt am Roman, hat mein Leseerlebnis aber spürbar beeinflusst.

    Ken Follett gelingt es weiterhin, historische Ereignisse verständlich mit persönlichen Schicksalen zu verbinden. Der Roman zeigt unterschiedliche Perspektiven auf Diktatur, Krieg und politische Verfolgung und verdeutlicht, wie stark politische Systeme in das private Leben eingreifen können. Auch der Schreibstil bleibt flüssig und gut zugänglich.

    Dennoch fand ich die Handlung insgesamt weniger packend als in „Sturz der Titanen“. Die größere Zahl an Figuren und Beziehungen nahm der Geschichte für mich etwas von ihrer Klarheit. Während mich der erste Band sowohl historisch als auch menschlich stark interessierte, blieb ich hier häufiger auf Distanz.

    „Winter der Welt“ ist weiterhin ein umfangreicher und sorgfältig erzählter historischer Roman. Für mich konnte er jedoch weder die Übersichtlichkeit noch die Faszination seines Vorgängers erreichen.

    Für Leserinnen und Leser, die historische Romane, generationenübergreifende Familiensagas und unterschiedliche Perspektiven auf den Zweiten Weltkrieg mögen.

    3 von 5 Sternen

  3. Cover des Buches Die Analphabetin, die rechnen konnte (ISBN: 9783328100157)
    Jonas Jonasson

    Die Analphabetin, die rechnen konnte

    (734)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Zunächst ein großes Kompliment an die Übersetzerin. Es war sicher nicht einfach, diesen spielerischen Umgang mit Sprache, diese teils aberwitzigen und skurrilen Vorgänge, so zu übertragen, dass diese auch im Deutschen ihre gewünschte Wirkung entfalten. Es ist ein Genuss, diesen teils versteckten oder hintersinnig eingestreuten realen Bezügen in einer ansonsten doch sehr abgedrehten Story zu folgen. 

    Die Geschichte entfaltete ihren Reiz auch dadurch, dass die historischen Personen beim Namen genannt werden und das politische Geschehen in eine Lebenswirklichkeit hineingezogen wird, die die Distanz zu diesen Geschehnissen nicht nur verringert, sondern tatsächlich auch menschlicher und damit verstehbarer machen – unabhängig davon, ob sie sich so oder so oder auch ganz anders abgespielt haben.  Diese indirekten Anspielungen fordern geradezu nach Weiterdenken heraus. Es fällt leicht mit der „guten Seite“ zu sympathisieren (wer möchte nicht gerne, trotz aller Hindernisse, so souverän durchs Leben gehen?), wobei die „böse Seite“ durchaus auch ihren Charme hat. Es gibt also ausreichend Raum, bei guter Unterhaltung, die eigenen Gedanken spazieren zu führen.

    Da das Elend dieser Welt im Moment zuzunehmen scheint, kommt eine solche Geschichte gerade recht. Nicht als „Erlösungsgeschichte“, sondern als augenzwinkernder Hinweis: Nimm das Leben wie es kommt und mache das dir Mögliche daraus.

    (19.11.2018)

  4. Cover des Buches NSA - Nationales Sicherheits-Amt (ISBN: 9783404179008)
    Andreas Eschbach

    NSA - Nationales Sicherheits-Amt

    (368)
    Aktuelle Rezension von: Buecherhexe

    NSA - Andreas Eschbach

    Andreas Eschbachs Roman NSA basiert auf einer ebenso faszinierenden wie beunruhigenden Grundidee: Was wäre geschehen, wenn dem nationalsozialistischen Deutschland bereits die technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters zur Verfügung gestanden hätten? Konkret entwirft Eschbach eine Welt, in der Computer, soziale Netzwerke und allgegenwärtige elektronische Überwachung schon während des Dritten Reiches existieren. Diese Prämisse macht NSA zunächst zu einem äußerst spannenden und beklemmenden Werk der Alternative History.

    Besonders zu Beginn überzeugt der Roman durch seine konsequente Ausarbeitung des Szenarios. Eschbach gelingt es eindrucksvoll, die Mechanismen moderner digitaler Überwachung mit den totalitären Strukturen des NS-Staates zu verknüpfen. Die Vorstellung, dass Gestapo und SS nicht mehr mühsam Akten durchsuchen müssten, sondern per Mausklick auf umfassende Datensätze zugreifen könnten, entfaltet eine enorme Wirkung. Gerade weil viele der geschilderten Technologien heutigen Lesern vertraut sind, wirkt die dargestellte Dystopie erschreckend plausibel.

    Auch die Figurenzeichnung ist zunächst gelungen. Die Protagonistin Helene Bodenkamp, eine talentierte Programmiererin, steht exemplarisch für Menschen, die sich in autoritären Systemen arrangieren, ohne deren Konsequenzen vollständig zu überblicken. Ihre Entwicklung verdeutlicht, wie technische Expertise und politische Verantwortung miteinander verknüpft sind – oder eben nicht. Eschbach stellt damit wichtige Fragen nach der moralischen Verantwortung von Informatikern und Technikern, die auch für die Gegenwart hochaktuell bleiben.

    Dennoch weist der Roman gerade aus Sicht der Alternative History für mich erhebliche Schwächen auf. Zwar ist die Ausgangsidee originell, doch erscheint die technische Entwicklung häufig zu wenig historisch eingebettet. Die digitale Revolution wird nahezu vollständig in die 1930er- und 1940er-Jahre transplantiert, ohne dass die tiefgreifenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Voraussetzungen ausreichend berücksichtigt werden. Dadurch entsteht stellenweise der Eindruck, dass weniger eine alternative historische Entwicklung beschrieben wird als vielmehr die heutige Gegenwart mit NS-Symbolik überzogen wird. Das eigentliche Potenzial alternativer Geschichtsschreibung – nämlich nachvollziehbar zu zeigen, wie sich historische Prozesse unter veränderten Bedingungen entwickeln könnten – wird nur teilweise ausgeschöpft.

    Hinzu kommt, dass der Roman im letzten Drittel zunehmend an Plausibilität verliert. Während die Handlung anfangs noch von ihrer beklemmenden Realitätsnähe lebt, steigert sich die Geschichte gegen Ende immer stärker in spektakuläre und teilweise abstrus wirkende Wendungen. Die Ereignisse überschlagen sich, Zufälle häufen sich, und einige Entwicklungen erscheinen eher konstruiert als organisch aus dem zuvor etablierten Szenario hervorgegangen. Dadurch büßt die Geschichte einen Teil jener Glaubwürdigkeit ein, die ihre größte Stärke ausmacht.

    Daher mein Fazit: trotz des anfänglichen spannenden Buchs, habe ich die letzten Seiten möglichst schnell hinter mich gebracht - 3 Sterne

  5. Cover des Buches Dead Zone – Das Attentat (ISBN: 9783641206130)
    Stephen King

    Dead Zone – Das Attentat

    (388)
    Aktuelle Rezension von: Kayuri

    John Smith hat als Kind einen Unfall. Nun kann er zwischendurch Sachen vorher erahnen oder sehen. Jahre später, als sich weder er noch seine Eltern an den Unfall erinnern schlägt das Schicksal zu. Nach einem Jahre andauernden Koma wacht er auf und sieht plötzlich zu vieles voraus.

    Die Geschichte ist hierbei wirklich gut geschrieben. Dennoch hatte sie einige Längen die irgendwie wenn ich das Ende betrachte nicht so recht gut gelungen sind. Die Szenen in denen die Geschichte wirklich voran getrieben wurde waren gut und einnehmend gestaltet.

    Die Charaktere gefallen mir nicht zu 100%. Dennoch kann ich beispielsweise die Beweggründe von Johnny verstehen. Auch die Art wie die Geschichte zwischen verschiedenen Ereignissen springt war gut, da man so die anderen Charaktere besser verstand bzw. Die Geschichte die sich daraus ergab nachvollziehen konnte.


  6. Cover des Buches Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer (ISBN: 9783423143745)
    Alex Capus

    Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer

    (196)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Was verbindet die drei Personen dieses glänzend verfassten Romans, in dem dennoch das Faktische anspruchsvoll die Geschichten bereichern? Drei (historische) Personen, wie sie unterschiedlicher auf den ersten Blick nicht sein könnten. Da wäre zunächst der Kunstmaler (und Fälscher) Emile Gilliéron, ein Schweizer Maler und Restaurator, der dem deutschen Archäologen Heinrich Schliemann bei der Rekonstruktion seiner Funde zur Seite steht. Gefolgt von der verkannten Sängerin Laura d’Oriano, die schließlich wegen ihrer Spionagetätigkeit zum Tode verurteilt wird. Und schließlich Physiker Felix Bloch, der am Bau der Atombombe in Los Alamos beteiligt war.

    Das Bindeglied zwischen diesen drei Personen, ist ihr jugendlicher Enthusiasmus, der ihnen zunächst die Welt zu Füßen legt. Sie alle streben ihren Leidenschaften nach (heute würde man wohl von Potentialentfaltung sprechen …), entwickeln darin Größe und – scheitern doch schließlich an ihren ursprünglichen Zielen. Mal mehr mal weniger drastisch. Die Fäden dieser drei Lebensgeschichten werden geschickt verwoben, ohne sie in eine direkte zeitliche Parallelität einzubinden. Daraus entstehen Rückblicke, die uns die Personen sehr nahebringen und es sogar erlauben, in die jeweiligen Rollen zu schlüpfen. Man ist sozusagen hautnah dabei. 

    Bewundernswert sind auch die (teil metaphorischen) Darstellungen der historischen Hintergründe, beispielsweise zum Ersten Weltkrieg: „Nach tausendfünfhundert Tagen war die Maschine [Kriegsmaschine] kurz vor Felix Blochs dreizehntem Geburtstag mangels Treibstoff ins Stottern geraten und widerwillig zum Stillstand gekommen. Seither hat sich einigermaßen ruhig verhalten, das ist wahr, aber jetzt brummt sie schon wieder; bald wird sie wieder ruckeln und rattern, und über kurz oder lang werden ihre Schwungräder wieder zu drehen anfangen und ihre Schredderzähne sich aufs Neue durch die Landschaften und das Fleisch und die Seelen der Menschen fressen. Mag sein, dass die Maschine nicht aufzuhalten ist, sagt sich der junge Mann, aber mich wird sie nicht kriegen.“

    Wieso es dann doch anders kommt, und wie Leidenschaft und Neugier für eine Sache dennoch nicht totzukriegen sind, erfährt hier eine kraftvolle Bestätigung. Immerhin erhält Felix Bloch „für seine Entdeckung der Kerninduktion“ 1952 den Nobelpreis für Physik – und diese Entdeckung „führt auf dem direkten Weg zur Magnetresonanztomographie, welche die medizinische Diagnostik in den letzten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts revolutionierte.“

    (14.9.2024)

  7. Cover des Buches Schwarzer Regen (ISBN: 9783746625188)
    Karl Olsberg

    Schwarzer Regen

    (63)
    Aktuelle Rezension von: Laudia89
    Der größte Horror wird Realität - ein tödlicher Anschlag auf eine deutsche Großstadt. Unter den zahllosen Opfern ist auch Ben, der Sohn des Ex-Kommissars Lennard Pauly. Bei einem Überwachungsauftrag stößt der Privatdetektiv auf Informationen, die ihn an der offiziellen Aufklärung des Attentats zweifeln lassen. Während das ganze Land von einem Feuer aus Hass und Gewalt verzehrt wird, sucht er nach der Wahrheit. Ist es möglich, dass die, die jetzt vom Zorn über den Anschlag profitieren, die eigentlichen Drahtzieher sind?

    Am Anfang fand ich es ein wenig verwirrend, weil von sehr vielen Nebenhandlungen erzählt wird und man versucht den Zusammenhang zu finden. ABer dies wird sehr schnell aufgeklärt. Karl Olsberg schreibt sehr flüssig und spannend. Man kann sich die Situation gut vorstellen und erlebt das ganze Gefühlschaos mit. Der Spannungsbogen ist von Anfang an gegeben und steigert sich bis zum Schluss.

    Es ist mein erstes Buch vonKarl Olsberg, aber auf keinen Fall das letzte. EIn Buch was zu empfehlen ist.
  8. Cover des Buches Tagebuch der Apokalypse (ISBN: 9783641105440)
    J.L. Bourne

    Tagebuch der Apokalypse

    (229)
    Aktuelle Rezension von: Sam_Foxtrott

    Hier ist mal einer dieser seltenen Zombie-Romane, die sich nicht über Schockeffekte definieren, sondern durch ihren Realismus. Geschrieben in Tagebuchform, wirkt das Geschehen erschreckend authentisch – als würde man die Aufzeichnungen eines echten Menschen finden, der die ersten Wochen einer globalen Katastrophe dokumentiert.

    Im Mittelpunkt steht ein namenloser Marinesoldat, der gleichzeitig Erzähler und Protagonist ist. Er ist kein strahlender Held, aber ein erstaunlich kompetenter, gut geschulter und gleichzeitig menschlich fehlerbehafteter Überlebender. Genau das macht ihn glaubwürdig.

    Besonders positiv: Selten habe ich mich nicht über einen Protagonisten geärgert. Dieser Mann weiß, was er tut – endlich mal jemand, der in einer Apokalypse logisch handelt. Er improvisiert, beobachtet, plant, sammelt Vorräte und versucht zu überleben, während die Welt in rasender Geschwindigkeit zusammenbricht.

    Die Handlung ist eher eine Abfolge von Survival-Etappen als eine klassische Heldenreise – pragmatisch, knapp, realistisch.

    Die Atmosphäre ist beklemmend, trocken, manchmal fast dokumentarisch. Die Sprache spiegelt die militärische Denkweise des Protagonisten wider: klar, pragmatisch, ohne große Emotionen.

    Ich habe eine Mischung aus Spannung, Beklemmung, unterschwelliger Traurigkeit und immer wieder einer bedrückenden Faszination empfunden. Besonders eindrucksvoll fand ich die „Environmental Storytelling“-Momente: verlassene Häuser, kleine Hinweise auf Schicksale, Abschiedsbriefe, die Untoten in Situationen, die von ihrem früheren Leben erzählen. Tragische Geschichten, die man nie ganz erfährt oder je erfahren wird - schließlich sind alle beteiligten mittlerweile (Un)tot.

    Der Roman ist bewusst trocken gehalten, und große Charakterentwicklung darf man nicht erwarten. Wer allerdings intelligente Action, realistische Survival-Strategien und eine starke Hauptfigur sucht, wird hier absolut fündig. Manchmal wünschte ich mir etwas mehr innere Reflexion – aber die nüchterne Perspektive passt perfekt zur Tagebuchform und zum militärischen Hintergrund.

    Für Fans von realistischem Zombie-Horror, Survival-Fiction und atmosphärisch-dichten Endzeitgeschichten ist Das Tagebuch der Apokalypse definitiv ein netter Snack.

  9. Cover des Buches Der Zweite Weltkrieg (ISBN: 9783596161133)
    Sir Winston Churchill

    Der Zweite Weltkrieg

    (17)
    Aktuelle Rezension von: Tobias_Damaschke
    Dieses Buch verbindet zwei meiner absoluten Lieblingshobbys: Lesen und Geschichte.
    Der Zweite Weltkrieg ist der Urknall der modernen Weltordnung, der folgenschwerste Konflikt des 20. Jahrhunderts, dessen Folgen bis heute überall zu spüren sind. Es gibt wohl kaum ein geschichtliches Thema, das so oft in Filmen, dem Fernsehen oder Büchern verwendet wird. Doch kaum ein Werk reicht an das von dem Mann heran, der 1940 durch seine unerschütterliche Unbeugsamkeit vielleicht das zivilisierte Europa vor den Nazis rettete.

    Winston Churchill ist eine absolut faszinierende Persönlichkeit. Sicherlich kann man ewige Diskussionen über ihn führen, viele sehen ihn kritisch und dieser Text hier soll jetzt bestimmt nicht ins geschichtswissenschafftliche abdriften. Hier gehts nämlich um eine Fähigkeit dieses Briten, die man ihm nicht absprechen kann: Er konnte verdammt gut schreiben.

    Dieses Buch ist mehr als eine bloße Zusammenfassung des Krieges aus britischer Sicht. Teilweise liest es sich wie eine Autobiographie oder Churchills Memoiren. Es gibt tiefe Einblicke in das britische Regierungs- und Parteiensystem, Einzelschicksale werden eörtert, große Borgen gespannt und Details ans Licht gebracht, die zumindest mich beim ersten Mal Lesen sehr überraschen konnten. Zudem, bedingt durch den Autoren und die Zeit, aus der das Buch stammt, ist dies hier auch ein Zeugnis des Denkens eines Menschen aus der Zeit des Imperialismus. Sobald Churchill von der "britischen Rasse" spricht, sollte man nicht den Fehler machen, aus rein modernen Augen auf das Buch zu schauen - wie jeder Mensch war Churchill ein Kind seiner Zeit und da damals andere Ansichten vorgeherrscht hatten, sollte dieser Sprachgebrauch niemanden verwundern.

    Am Ende ist dieses Buch einfach nur hochinteressant und - obwohl man ja natürlich weiß, wie alles ausgeht - stellenweise sehr spannend. Ich lege dieses Buch jedem ans Herzen, der sich für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs interessiert und auch mal einen Blick hinter die Kulissen der britischen/allierten Seite wagen will. es lohnt sich - den Nobelpreis für Literatur hat das Buch schließlich nicht aus purem Zufall gewonnen.
  10. Cover des Buches Never - Die letzte Entscheidung (ISBN: 9783404193226)
    Ken Follett

    Never - Die letzte Entscheidung

    (96)
    Aktuelle Rezension von: Karandi


    Ich muss sagen, wie schon in der Überschrift erwähnt: Die Idee des Buches ist super. Ken Follett möchte aufzeigen, wie schnell ein Krieg entstehen kann, ohne dass wirklich jemand allein die Schuld daran trägt. Dabei orientiert er sich am Ersten Weltkrieg, der zu den größten Tragödien der Menschheitsgeschichte zählt und letztlich aus einer Verkettung vieler unglücklicher Entscheidungen verschiedener Beteiligter entstand. Alle handelten unter einem Druck, dem sie nachgeben mussten, was schließlich dazu führte, dass die Welt an den Rand des Abgrunds getrieben wurde.


    Diese Thematik greift er hier in einem modernen Maßstab auf. Natürlich sind die USA involviert. Natürlich spielt China eine zentrale Rolle. Und natürlich fungiert Nordkorea als Brandbeschleuniger. Ken Follett setzt das sehr gut um. Er stellt keine der Supermächte als eindeutigen Bösewicht dar, sondern zeigt, dass beide Staatsoberhäupter Entscheidungen treffen müssen, um die Sicherheit ihrer Nation zu gewährleisten, das Gesicht ihres Landes zu wahren und die Interessen ihrer eigenen Nation zu vertreten. Außerdem zeigt er auf, dass es oft einzelne Personen oder Nebenschauplätze sind, die letztendlich Unruhe stiften und sogar großes Unglück auslösen können. In diesem Fall ist es Nordkorea, dessen Machthaber – sowohl in diesem Roman als auch in der realen Welt – fernab jeder Realität agiert und ohne zu zögern einen ultimativen Krieg beginnen würde.


    Bis zur letzten Entscheidung gerät die Welt an den Rand eines Atomkriegs, der beinahe nicht mehr aufzuhalten ist. Jetzt komme ich zu dem für mich etwas negativeren Teil: Bei einem Buch mit so einer Brisanz hätte ich mir doch etwas mehr Spannung erwartet. Wir erleben hier keinen klassischen Action-Thriller mit schnellen Szenenwechseln. Die Spannung wird vielmehr dadurch aufgebaut, dass man durch die Entscheidungen der Figuren zunehmend das Gefühl bekommt, dass der Krieg unausweichlich ist. Es ist also eher eine unterschwellige Spannung. Man muss dem Buch aufmerksam folgen und ständig hoffen, dass niemand die falsche Entscheidung trifft.


    Ich muss allerdings sagen, dass mich die Umsetzung dabei nicht komplett abholen konnte. Trotzdem würde ich das Buch jedem empfehlen, der Kriegs- oder Politthriller mag, denn alles in allem war es durchaus lesenswert. Es war mein erstes Buch von Ken Follett und auch wenn es bei mir nicht eingeschlagen ist wie eine Bombe, gehe ich dennoch davon aus, dass ich mir irgendwann noch weitere Werke von ihm anschauen werde.


    Von mir gibt es gut gemeinte 3,5 Sterne.

  11. Cover des Buches Der letzte Papierkranich - Eine Geschichte aus Hiroshima (ISBN: 9783038800439)
    Kerry Drewery

    Der letzte Papierkranich - Eine Geschichte aus Hiroshima

    (38)
    Aktuelle Rezension von: Buechernische

    Dieses Buch hat mich so tief berührt, dass ich es nur portionsweise, mal hier mal da eine Seite, lesen konnte und das mich nachdrücklich in meinen weiteren Gedanken begleiten wird. Wer sich mit der Geschichte und den Ereignissen rund um Hiroshima beschäftigt hat, weiß, welches Leid diese Menschen ertragen mussten. Die Autorin hat ein beeindruckendes, emotionales, tief bewegendes Werk erschaffen, das ein Band vom 6. August 1945 bis in die heutige Zeit spannt und die Grausamkeit eines einzigen kurzen Lichtblitzes und seine Folgen aus Sicht von zwei jungen Menschen erzählt. Die Geschichte wird teilweise in Haikus erzählt, begleitet von einfühlsamen, bewegenden Illustrationen der bekannten Illustratorin Natsko Seki. Ein must-read und unbedingte Empfehlung.

  12. Cover des Buches Die Republik (ISBN: 9783492070713)
    Maxim Voland

    Die Republik

    (124)
    Aktuelle Rezension von: Patchcop

    In dem Roman wird als Grundgedanke ein Szenario dargestellt, welches es zum Glück nicht gab.

    1949 zogen sich die Westmächte aus Deutschland zurück und ganz Deutschland bildete die DDR, einzige Ausnahme war Berlin, wie es geschichtlich als West-Berlin einmal war und in dem Roman als Berlin-Deutschland dargestellt wird.

    Aufgeteilt ist das Buch zunächst in drei Handlungsstränge, welche sich mit den jeweiligen Protagonisten, einem gefrusteten Ermittler der Stasi, einer aufmüpfigen Agentin des britischen MI6 und  einem französischen Dolmetscher deutscher Abstammung, der zu einer Beerdigung in die DDR reist und dort seine systemkritische Cousine kennen lernt!

    Am Anfang steht eine Giftgaswolke, welche in Berlin, sowohl Ost als auch West, viele Todesopfer hinterlässt. Darunter die Geliebte des Stasi Oberst Kuhn, welcher Rache schwört, nachdem klar ist, dass es sich um einen Anschlag handelte. Und dies bringt auch die westlichen Geheimdienste ins Rennen.

    Alles Weitere wäre jetzt spoilern!

    Sehr gut und spannend geschrieben mit stets hohem Spannungsbogen , sehr vielen Toten und gehörigen Portionen Heldenmut.

    Nicht ganz unglaubwürdig, wenn man sich die jüngere Vergangenheit anschaut. Mir hat das Buch sehr gut gefallen.

  13. Cover des Buches Wenn das der Führer wüßte (ISBN: 9783852862491)
    Otto Basil

    Wenn das der Führer wüßte

    (11)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint

    Ein Novembertag irgendwann in den 1960ern irgendwo in Deutschland. Ganz genau weiß man es nicht, denn seit Adolf Hitler sein Weltreich errichtet hat, sind viele ursprüngliche Städtenamen umbenannt worden. Die Geschichte beginnt in Heydrich, im Kyffhäusergebirge, wohin der "Ostmärker" Albin Totila Höllriegl strafversetzt wurde und nun seine Tätigkeit als Gyromant (Erdstrahlungssucher) ausübt. Er wird in eines der Parteihäuser gerufen und bekommt dort den Auftrag, in "geheimer Reichssache" nach Berlin zu reisen... 

    Auf dem Weg dorthin geschieht, was geschehen muss: "Odin ruft seinen Meldegänger nach Walhall" - "Adolf der Große" stirbt. An seine Stelle tritt Ivo Köpfler als neuer "Führer". Als bekannt wird, dass Köpfler selbst aktiv daran beteiligt war, Hitlers Dasein auf Erden zu beenden, bricht ein Bürgerkrieg aus und die Rangeleien um Macht und Einfluss beginnen. Die Turbulenzen im Reich nutzt Japan, einst Verbündeter und nun letzter verbliebener Feind des Reiches, das Germanische Weltreich mittles Abwurf einiger Atombomben zu zerstören.

    Der Tanz in den Untergang ist nicht mehr aufzuhalten und Albin Totila Höllriegl wird mit seinem VW vom direkten Weg nach Berlin abgebracht. Der durch und durch unsympathische Antiheld der Geschichte sieht sich mit einsetzenden Flüchtlingsströmen, Verstrahlung und der Flucht von Nazi-Bonzen in sichere Gefilde konfrontiert...

    1966 erschien diese wahnwitzige Satire auf das "Dritte Reich". Dieser perfide, bösartige Alternativweltroman sorgt stellenweise für Atemnot mit all seinem Pseudo-Germanismus, der Hetze, dem menschenverachtenden Fanatismus und dem teutonisch übersteigerten Bürokratiewahn. Es gibt keine einzige Figur in diesem Roman, der man Sympathie entgegen brächte. Der Autor Otto Basil (1901-1983) hatte selbst Probleme mit der Gestapo, als er 1938 den Führer verspottete. Nicht nur seine Hauptfigur Höllriegl hat eine sadistische Ader, sondern auch der Autor selbst quält den Leser gern mit seitenlangen Monologen und genussvollen Sprachwirrungen - einem interessanten "Mutterdeutsch" sowie mit einer unverständlichen Nazi-Kunstsprache. Diese Längen und Abschweifungen in der kruden Satire lassen an einen Meister dieser Kunst denken: an Quentin Tarantino. 

    Es ist interessant... trotz aller Widerlichkeit versteht es der Autor, den Leser interessiert zu halten und man hält bis zum bitteren Ende durch. Ein Lob an den "Milena"-Verlag, der dieses interessante Werk nach mehr als 40 Jahren neu auflegte und so einer neuen Leserschaft die Möglichkeit gibt, in diese faszinierende "Was wäre, wenn..."-Welt einzutauchen und einen sehr wichtigen Beitrag zur deutschsprachigen Science-Fiction lesen zu dürfen.

  14. Cover des Buches Ein Ende und ein Anfang (ISBN: 9783328114918)
    Oliver Hilmes

    Ein Ende und ein Anfang

    (16)
    Aktuelle Rezension von: Bianca_Cimiotti

    Anders als gedacht, aber sehr gut geschrieben. Einiges kennt man aus dem Geschichtsunterricht oder weil man es schon wo anders gelesen hat, dennoch erfährt man auch viel Neues. Viele berühmte Namen werden erwähnt, ebenso aber auch Unbekannte. Es wir aus der Sicht der Politiker teilweise geschildert, teilweise wird aus der Sicht des "Normalsterblichen" erzählt. Der rote Faden der Erzählung ist die Geschichte Deutschlands nach Kriegsende 1945. Von Treffen der Mächtigen, ihren Verträgen. Von der Atombombeüber Japan und dessen Kapitulation.

    Das Ende war mir etwas zu abrupt. Irgendwie ... Hab ich da noch etwas erwartet das da was kommt. Es kam ziemlich plötlzlich.
    Auf jedefall erfährt man beim Lesen noch das eine oder andere Neue, was mir so nicht bekannt war. Ich kann es sehr empfehlen.

  15. Cover des Buches Sparks (ISBN: 9783596709953)
    J.R. Dawson

    Sparks

    (86)
    Aktuelle Rezension von: Sanne54

    1916: Ein kleiner Funke - fast denkt man an eine Idee - macht den jungen Edward in den Schützengräben des 1.Weltkriegs zu einem Spark mit der besonderen Fähigkeit, Menschen zu allem überzeugen zu können und Ruth, ein junges Mädchen aus New York kann durch Raum und Zeit reisen, so dass sie ihn im letzten Moment davor bewahrt, erbärmlich am Giftgas zu sterben. Nicht nur die Sparks, sondern auch ihre Begegnung wird ihr beider Leben verändern.

    1926: Zwei Zirkusse, die Schausteller Sparks, touren durch die Vereinigten Staaten. Im Mittelpunkt des Romans steht der Zirkus von Rin (ehemals Ruth), der den Menschen Freude bringen soll. Doch immer sind sie auch auf der Flucht vor dem düsteren Zirkus King. Dieses Licht und Schatten-Motiv spiegelt sich auch in der Zeit wieder, in der die Story spielt: Die 20er-Jahre als schillerndes Jahrzehnt, indem die Menschen versuchten den Weltkrieg zu vergessen und die noch größeren Schrecken des 2.Weltkriegs noch vor ihnen standen. Ich hätte es tatsächlich noch authentischer gefunden, wenn das Buch im Epizentrum der Kriege, also z.B. in Deutschland, oder auch in Frankreich, zwischen den Kriegen gespielt hätte. Hierhin führen nur Exkursionen. 

    Wie auf dem Buchdeckel angekündigt erfahren die Sparks um Rin durch ihre Freundin Mauve, die sozusagen in die Zukunft blicken kann, dass die Katastrophe eines weiteren Weltkriegs droht, den sie natürlich mit den Möglichkeiten ihrer Magie verhindern möchten. Ich war sehr gespannt, wie die Autorin dieses große Thema auflöst: Wird es in der Welt ihrer Fiktion den 2.Weltkrieg und das Dritte Reich nicht geben? Hier arbeitet sie mit einer fast philosophischen Auseinandersetzung mit dem Thema Zeit, kommt auch zu einem nachvollziehbaren, aber natürlich nicht ganz so großen, fiktionalen Ende wie es der Klappentext vielleicht verspricht.

    Die Darstellung der Zirkuswelt - auch dem Kontrast von vor und hinter den Kulissen - gelingt der Autorin gut, auch die Idee der Sparks finde ich interessant und spannend umgesetzt, v.a. mit Blick auf das Zeitreise- und Zukunftsvisionen-Motiv. Die toxische Lovestory zwischen Ruth und Edward, v.a. der "Showdown", ist ebenfalls gut gelungen; angenehm geschrieben; düster, aber nicht so düster wie man aufgrund der aufgerufenen Thematik mit den Weltkriegen vielleicht vermuten würde.


  16. Cover des Buches Dreifach (ISBN: B004ROTKRY)
    Ken Follett

    Dreifach

    (126)
    Aktuelle Rezension von: Hoffe63

    Besonders gut ist die Sichtweise der jeweiligen Hauptcharaktere. Versetzt man sich in sie hinein, kann ein Jeder für sich nachvollzogen und als richtig erachtet werden, getreu dem Motto: es gibt kein richtig oder falsch. 


    Ein riesengroßer, positiver Unterschied zu dem grottenschlechten Roman ,Never' von ihm, falls dieser überhaupt von ihm ist!

  17. Cover des Buches Die Blumen von Hiroshima. (ISBN: B0023GJ7EO)
    Edita Morris

    Die Blumen von Hiroshima.

    (21)
    Aktuelle Rezension von: Maza_e_Keqe

    Der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima ist 14 Jahre her, doch die Auswirkungen auf die Überlebenden sind für Außenstehende kaum erkennbar: Narben werden mit langen Kleidungsstücken bedeckt, unansehnliche Gesichter vor den Mitmenschen verborgen, insbesondere vor Fremden. Und die Betroffenen werden von allen anderen ob ihrer Hässlichkeit ausgegrenzt.

    Doch in Japan lässt man sich Demütigung und Schmerz nicht anmerken, trägt sein inneres Leid nicht nach außen. Alles bleibt in einem selbst.

    In der Geschichte erzählt Yuka, wie sie den Amerikaner Sam als Mieter in ihr kleines Haus aufnimmt und wie er nach und nach ihr und ihrer Familie ein Freund und Vertrauter wird. Bis er die grausame Wahrheit der Überlebenden und der Toten von Hiroshima erfährt.

    Yuka beschreibt sehr blumig von ihrem Leben, ihrem Schicksal und auch viele Hintergründe zur japanischen Tradition und Lebensart. Für „westliche“ Menschen ist vieles nicht nachvollziehbar, doch ich habe beim Lesen viel Verständnis für die junge Frau aufgebracht und auch ihre innere Einstellung verstehen gelernt.

  18. Cover des Buches Das Einstein Enigma (ISBN: 9783946621003)
    J.R. Dos Santos

    Das Einstein Enigma

    (80)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Der portugiesische Kryptanalyst Tomás Noronha soll ein Geheimmanuskript Albert Einsteins entschlüsseln: „Die Gottesformel“ – die vermeintliche Bauanleitung für eine billige Atombombe.

    Tatsächlich geht es jedoch um die fundamentalen Fragen nach der Entstehung des Universums, dem Sinn des Lebens und Gott. Eine spannende Reise in die Welt von Wissenschaft und Religion. Denn im Rahmen seiner Ermittlungen kommt Tomás einem der größten Rätsel der Welt auf die Spur: dem wissenschaftlichen Beweis für die Existenz Gottes. 

    Man muss sich auf das Buch einlassen und kann es nicht einfach so nebenbei lesen.

  19. Cover des Buches Countdown - Jede Sekunde zählt (ISBN: 9783426509135)
    Douglas Preston

    Countdown - Jede Sekunde zählt

    (47)
    Aktuelle Rezension von: andre-neumann

    Schnell geschriebener Thriller in typischer Preston/Child-Manier. Sehr flott und spannend zu lesen - und mit einigen Drehungen und Wendungen, die die Spannung stets hochhalten. Der Protagonist, Gideon Crew, durchlebt wieder etliche gefährliche und Action lastige Momente, bevor die finale Wendung die wahren Bösewichte entlarvt. Lesenswert!

  20. Cover des Buches Roter Rabe (ISBN: 9783423219174)
    Frank Goldammer

    Roter Rabe

    (57)
    Aktuelle Rezension von: Zahirah

    Wie schon in den vorangegangenen Teilen beschreibt Frank Goldammer großartig die historischen und politischen Hintergründe. Vor allem gelungen ist hierbei die aufgezeigte Verquickung von Geheimdiensten und der neuen Staatsmacht. Das Privatleben Hellers nimmt ebenfalls wieder einen größeren Teil der Handlung ein. So hat er diesmal unter anderem mit der Frage zu kämpfen, ob seine Karin, die eine Besuchserlaubnis zum Sohn in den Westen bekommen hat, auch wieder zu ihm zurückkommen wird. Dem Autor gelingt es meisterlich die Zeitgeschichte in eine durchaus gelungene Krimihandlung zu verpacken und die Nöte und Ängste der „kleinen Leute“ am Fall seiner Hauptfigur deutlich zu machen. Mich konnte auch dieser Teil wieder sehr gut unterhalten.

  21. Cover des Buches Eternauta (ISBN: 9783945034354)
    Héctor G. Oesterheld

    Eternauta

    (4)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint
    Diese wunderschöne Ausgabe des "Avant-Verlages" präsentiert neben einer Fülle bedrückender Informationen über den Comic-Künstler Héctor German Oesterheld samt Familie und einer ausführlichen Betrachtung des "Zeitreisenden" durch Estela Schindel auch den schön restaurierten bedeutendsten Comic Argentiniens in schwarz/weiß.
    Dieser 1957 entstandene Comic zählt auch zu den wichtigsten literarischen Werken des Landes.

    Vorliegend ist die erste Version des von Oesterheld mit dem Zeichner Francisco Solano López geschaffenen Comics von Ende der 50er Jahre.
    Der deutliche politische Unterton des Comics bringt die beiden Künstler bald in Konflikt mit der argentinischen Regierung, die sie einzuschüchtern versucht. López emigriert daraufhin 1959, Oesterheld verbleibt und veröffentlicht 1969 eine neue - mit weitaus mehr politischen Referenzen versehene - Version unter Mitwirkung des Zeichners Brecchia.

    Die Geschichte beginnt in einer Winternacht 1963, in einem Vorort von Buenos Aires, wo ein seltsamer todbringender Schneefall niedergeht (Anmerkung: es gab im 20. Jahrhundert in Argentinien weniger Schneefälle als Staatsstreiche in dem Land!), der beim geringsten Kontakt alles Lebende vernichtet. Eine Gruppe von Nachbarn überlebt diese Katastrophe. Mit Hilfe von selbst genähten Schutzanzügen und Tauchermasken sind sie in der Lage, in der sie umgebenden Apokalypse zu überleben.
    Der todbringende Schnee ist die erste Stufe einer Invasion von Außerirdischen...
    Nach und nach sammeln Juan Salvo und seine kleine Gruppe immer mehr Informationen über ihre Umgebung und die Aliens und können diese einer kleinen Restarmee der argentinischen Streitkräfte mitteilen. Gemeinsam treten die von Tod und Verderben umringten Menschen den Kampf gegen die übermächtigen Invasoren an...
    Wie bei vielen Comics jener Zeit verarbeitet diese Geschichte allegorisch die atomare Bedrohung im Kalten Krieg und ist eine Reflexion über die virulente kubanische Revolution und des US-Imperialismus jener Tage.

    Dieser hier sehr genau und äußerst spannend geschilderte Untergrundkampf Salvo's und der Seinen nimmt Oesterheld seiner eigenen Geschichte 20 Jahre später vorweg... Seine Töchter und er gehen selbst während der Militärdiktatur in den Untergrund... und verschwinden. Der Verbleib von Oesterheld's Überresten ist bis heute unbekannt...

    Wenn man um diese tragische Geschichte weiß, besticht und fesselt dieser Comic mit seiner detailgetreuen und langsamen Darstellung und Erzählung noch mehr. Man fiebert mit Juan Salvo und seinen Mitkämpfern - freut sich über jede Information, die sie gewinnen und jeden kleinen Erfolg, den sie gegenüber den mächtigen Invasoren erringen... und ist betroffen, wenn es einen herben und verlustreichen Rückschlag gibt.
    Juan Salvo ist kein Superheld, sondern ein Mann, der nur gemeinsam mit seinen Freunden stark ist - ein kleiner Held in der Gruppe.
    Der Comic wird zu einem starken Plädoyer für Solidarität und Humanismus.
    Er ist aber auch eine Parabel auf die politische Lage: Juan Péron wurde 1955 durch einen Militärputsch abgesetzt und eine jahrzehntelang andauernde Instabilität im Lande folgte.

    Ein außerordentliches Werk - eine uneingeschränkte Empfehlung!
  22. Cover des Buches Mystery mit Miss History (ISBN: B0DTT1LJ3R)
    Melina Hoischen

    Mystery mit Miss History

    (14)
    Aktuelle Rezension von: SternchenBlau

    „Miss History“ gefällt mir als Instagram-Kanal wirklich sehr gut und so wollte ich auch das Buch von Melina Hoischen lesen. Die Lektüre geriet häufig kurzweilig, manchmal aber auch oberflächlich. Der Aspekt der größen „Mystery“ wurde für mich persönlich häufig zu sehr betont, so dass ich es als unsachlich empfand. Für mich ist „Mystery mit Miss History“ leider das Beispiel dafür, dass was auf SocialMedia funktioniert, noch lange nicht ein gutes Buch ausmacht.

    Insgesamt zwölf Mysterien stellt Hoischen vor. Kasper Hauser, Mona Lisas Lächeln, „Märchenkönig“ Ludwig II., das verschwundene Bernsteinzimmer und eine mögliche Päpstin Johanna sind für mich dabei eher Klassiker, die ich über die Jahre immer mal wieder in unterschiedlicher Form behandelt gelesen oder gesehen habe. Ob das Buch damit für die Leser*innenschaft massentauglicher gemacht werden sollte oder das wirklich für die Autorin die spannendsten Fälle sind, kann ich nicht zu beurteilen. Auf alle Fälle setzte bei mir so ein gewisser Ermüdungseffekt ein. Das mag bei anderen Lesenden anders wirken, die entweder zu diesen Fällen noch nicht so viel wissen, oder sich gerne mal die Fälle aus Sicht von Melina Hoischen erzählen lassen. In der Konsequenz gefallen mir die Andeutungen nicht, dass alles doch irgendwie ganz anders gewesen sein könnte. Das ergibt ein Geraune, das ich persönlich schwierig finde.

    Das ergibt dann auch so Flapsigkeiten, wie wenn die Nazi-Selbstbezeichnung „3. Reich" übernommen wird, oder in Bezug auf das Bernsteinzimmer dann von „deutscher Handwerkskunst“ gesprochen wird (das ist unpräzise und folgt zudem der Logik der Nationalsozialist*innen). Oder die Formulierung „Mord verjährt bekanntlich nicht“, das ist längst nicht in allen Ländern so. Etwas albern fand ich dann, als Hoischen damit kokettiert, die Dechiffriermethoden nicht zu verstehen (in Kontext mit dem Zodiak-Killer).

    Eigentlich hatte ich vorher gedacht, dass Hoischen Kunstgeschichte studiert hatte. Ihre historischen Einordnungen waren mir manchmal zu fix passiert. Vielleicht fehlt mir da als Kulturhistorikerin etwas der Kontext. Für die Rezi hatte ich nochmal nachgeguckt und Wikipedia führt unter Hoischens Studium BWL und Marketing auf. Vielleicht liegt es auch daran.

    Das Buch habe ich als ungekürzte Lesung der Autorin gehört. Nach einer ersten Einhörphase muss ich sagen: Die Lesung ist allerdings supergut gelungen. Ich höre Hoischen einfach total gerne zu.

    So gerne ich Hoischens Reels gucke, das überträgt sich für mich leider nicht in Buchform. 3 von 5 Sternen.

  23. Cover des Buches Coup D'Ètat - Der Staatsstreich (ISBN: 9783865523358)
    Ben Coes

    Coup D'Ètat - Der Staatsstreich

    (18)
    Aktuelle Rezension von: Armillee

    Ein Drittel habe ich geschafft zu lesen. Die Handlungen sind für mich als Frau sehr brutal gewesen. Eine totale Männerwelt, in der Frauen nur eine untergeordnete Rolle spielen.

    Es gibt sicher Fans dieses Genres, besonders da ich dieses Thema sehr aktuell finde. Was ist, wenn ein Land plötzlich ohne Strom auskommen muss. Kommunikation, Versorgung der Menschen, Verteidigung und Koordinierung, um nur ein paar Probleme zu erwähnen.

    Ein spannendes und umfassendes Thema. Nur eben nicht mein Ding

  24. Cover des Buches Der letzte Wohnsitz Gottes (ISBN: B072JQCHGB)
    Jens Bühler

    Der letzte Wohnsitz Gottes

    (14)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    „Der letzte Wohnsitz Gottes“ hat mich wirklich überrascht. Alternative Romane zum 3. Reich sind nicht selten, aber selten wirklich gut. Dieses Buch aber bietet gut ausgearbeitete Charaktere, realistische Lebensläufe in einem seit Jahrzehnten existierenden faschistischem Deutschland und vor allem eine Handlung der es gelingt, anfangs etwas zusammenhanglos wirkenden Geschehnisse in ein Finale zu bündeln, das einfach Sinn macht.

    Keiner der Nazis ist dumpf böse, kein anderer Protagonist simpel gut. Jeder verfolgt eine Agenda, jeder ist von Erfahrungen und Einrücken seines Lebens gezeichnet und getrieben.

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