Bücher mit dem Tag "ausländer"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "ausländer" gekennzeichnet haben.

37 Bücher

  1. Cover des Buches HERKUNFT (ISBN: 9783442719709)
    Saša Stanišić

    HERKUNFT

    (293)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Saša Stanišić ist ein Autor, der sich, ähnlich wie bspw. Kazuo Ishiguro, viel Zeit für seine Romane lässt. Zwischen dem ersten Roman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“, der ihn zu einem Shootingstar der deutschen Literaturszene machte, und dem zweiten Roman „Vor dem Fest“ lagen acht Jahre, zwischen dem zweiten und dem dritten Roman „Herkunft“ dann immerhin auch noch fünf (wobei hier in der Zwischenzeit auch ein schmaler Band mit Erzählungen erschien).

    Diese Langsamkeit hat etwas Sympathisches und lässt die Romane schon vor der Lektüre wie etwas Kostbares (und auch wie etwas sehr Gewissenhaftes) erscheinen. Möglicherweise ist es diesen Erwartungen und dem Sympathievorschuss geschuldet, dass ich mich mit „Herkunft“ ein bisschen schwergetan habe. Aber vielleicht zunächst zum Inhalt, auch wenn er wohl bereits jeder/m an dem Buch Interessierten durch Klappentext und andere Besprechungen bereits bekannt sein dürfte:

    Der Roman liest sich wie eine fiktionalisierte und mit Ausschmückungen versehene Biographie des Autors, mit speziellem Fokus auf die Beziehung zu seiner Großmutter und den Jahren nach der Flucht aus dem ehem. Jugoslawien in der neuen „Heimat“ Deutschland. Die einzelnen Kapitel sind kurz und Stanišić bedient sich immer wieder unverhofft schöner Sprachkapriolen, statt einfach nur einen gelungenen Stil zu pflegen und springt viel in der Zeit hin und her, was manchmal einen etwas übereifrigen Eindruck macht.

    So entsteht aus der Schilderung eines Lebens ein Gestrüpp/Geflecht von sich überlagernden Empfindungswelten, das zwar immer wieder beeindruckende Muster hervorbringt, aber auch genauso oft zu leichten Verhedderungen in der Wahrnehmung führt, zumindest bei mir war es so. Stanišić greift auf viele Register und Stilmittel zurück, sein Roman ist ein sehr agiles Konstrukt, aber manchmal wirkt es dabei nicht nur bravourös, sondern wie auf allzu flüchtigen Ideen erbaut.

    Was dabei vor allem verloren geht, ist die Anschaulichkeit. In vielen Momenten hatte ich das Gefühl, das Stanišić einem wichtigen Detail viel Mühe angedeihen lässt, dabei aber über das Ziel hinausschießt, weil das Anschauliche eben eine Frage der Balance und nicht der Kompensation ist. Es mag vermessen wirken, dass ich über einen hochverdienten Autor solch eine Kritik verhänge, aber auch wenn ich viele meiner Eindrücke relativieren kann, dieser Eindruck bleibt doch bestehen.

    Dabei ist Stanišićs Sprache keineswegs ohne Prägnanz. Vielmehr hat sie alles: Witz, Prägnanz, Ruhe, Dynamik, nur eben manchmal in für mich unpassenden Verhältnissen/Ausprägungen. So schwingt viel mit, aber wenig verdichtet sich zu einem Begriff, einem Verstehen, in das man sich begeben kann. Vielleicht ist die Erwartung, die aus dieser meiner Auseinandersetzung hervorscheint, auch einfach fehl am Platze. Vielleicht haben diese meine Erwartungen etwas mit der oben bereits genannten Aura der Sorgfalt zu tun, die (für mich) Stanišićs Romane umgibt. In jedem Fall ist „Herkunft“ ein wichtiges Buch, das mitunter auch blendend unterhält, aber auch einige Längen hat.

  2. Cover des Buches Bella Germania (ISBN: 9783596521807)
    Daniel Speck

    Bella Germania

    (214)
    Aktuelle Rezension von: Mavi

    Bella Germania ist ein Roman, der wie ein Kaleidoskop verschiedener Kulturen auf mich wirkte. Er transportiere mich auf eine Zeitreise geschichtlicher Ereignisse, die mir nahe am Herzen liegt, nämlich die eines Gastarbeiters in Deutschland. 

    Ich habe die packende deutsch-italienische Familiensaga über 600 Seiten innerhalb weniger Tage gelesen. Auf persönlicher Ebene befand ich mich auf einer kritischen Reise wegen einer Not-OP und war froh, mich in eine völlig andere Welt zurück zu ziehen. 

    Der historische Teil des Romans ist besonders gut recherchiert und beschränkt sich nicht nur auf die sozialen Aspekte der Einwanderer, sondern enthält die Kernelemente des Wirtschaftswunders in der Automobilindustrie in Deutschland und Italien. Dabei habe ich es auch geliebt eine virtuelle Spritztour mit der Iso Rivolta Gt zu machen. 🫶🛣️  

    Daniel Speck‘s eloquenter Schreibstil löst starke Emotionen in seiner Leserschaft aus und schafft die Atmosphäre im jeweiligen Land und Zeitfenster, so dass ich mir alles bildlich vorstellen konnte. 

    Die fehlerhaften und verletzlichen Charakter der Protagonisten transformieren sich glaubwürdig tiefgreifend, während sie alte Morale und Werte über Bord werfen und neue Persönlichkeitsschichten aufbauen. 

    Zu guter Letzt, spitzt sich der Spannungsbogen von Beginn zu Ende über einen Mordfall zu, wobei lang gehütete Geheimnisse über das Schicksal der Hauptprotagonistin enthüllt werden. 

    Der Plottwist am Ende hat mich vollkommen vom Hocker gehauen 😳🤯. 

    Absolute Leseempfehlung ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️. 

    Bella Germania ist nicht erste Reise mit Daniel Speck und wird auch nicht meine letzte sein. 

  3. Cover des Buches Mörder ohne Gesicht (ISBN: 9783423216470)
    Henning Mankell

    Mörder ohne Gesicht

    (1.011)
    Aktuelle Rezension von: Alina35

    „Mörder ohne Gesicht“ hat mich von der ersten Seite an gepackt. Der Fall ist spannend aufgebaut, atmosphärisch dicht und entwickelt eine stetige, fast unheimliche Sogwirkung. Die Ermittlungen wirken realistisch, die Figuren sind glaubwürdig gezeichnet und die Wendungen sitzen genau an den richtigen Stellen. Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent und präzise die Spannung gehalten wird – kein Durchhänger, kein unnötiger Ballast. Für mich ein fesselnder Krimi auf hohem Niveau, der zeigt, warum dieses Buch als Klassiker gilt.

  4. Cover des Buches Bruno Chef de police (ISBN: 9783257261219)
    Martin Walker

    Bruno Chef de police

    (276)
    Aktuelle Rezension von: Sanne54

    Nachdem ich schon sehr oft über Bruno, den Chef de Police eines kleinen Örtchens in der französischen Provinz gestolpert bin, nie aber ein Buch gelesen habe, habe ich nun doch mal einen Blick in den ersten Teil gewagt.

    Und bin auch eine durchaus charmant konstruierte Geschichte gestoßen, was den namensgebenden Protagonisten und das Setting betrifft. Ein bisschen wie Rosamunde Pilcher in Frankreich. (Passenderweise kommen auch einige Engländer vor.) Bruno, dessen Rolle nicht so ganz trennscharf auf den örtlichen Polizisten festzulegen ist, hat eine große Schwäche fürs Kulinarische und die Tradition seines Perigords, wofür er sich gerne auch mal mit der EU anlegte, und ist anerkannter Teil seiner Gemeinde Saint-Denis. Obwohl kleinere Versuche gewagt werden, der Figur Tiefe zu verleihen (betrifft seine Vergangenheit in der Armee und dass er als Waise aufgewachsen ist), bleibt der überzeugte (?), aber begehrte Junggeselle sympathisch, allerdings ohne Ecken und Kanten. Das finde ich persönlich Schade.

    Insgesamt wartet das Buch für mich mit zu vielen Klischees auf. Vielleicht trägt das zum "Cosy"-Gefühl bei, das diese Krimi-Reihe so erfolgreich macht, ich würde mir mehr Authentizität wünschen und weniger "Reiseführer"-Feeling. Da sind die Figuren die entscheidenden Stellschrauben, wie ich finde.

    Und dann macht zwischen Wochenmarkt, Kulinarik und Tennisplatz der Fall plötzlich eine überraschende Wendung. Nicht nur durch den brutalen Mord, bei dem Bruno den Ermittlern zuarbeitet, sondern auch durch den politisch-historischen Hintergrund, den der Autor einarbeitet. Hier werden interessante Themen aufgeworfen, die aber in diesem Kontext einfach zu flach und banal bearbeitet werden. Das wird der Thematik einfach nicht gerecht, weshalb ich einen zweiten Punkt abziehe. Vielleicht passen die folgenden Fälle Brunos besser zum Setting und sind nicht im Bereich des politisch-brisanten Kapitalverbrechens angesiedelt, denn das würde ihnen meiner Meinung nach besser zu Gesicht stehen.

    Im Großen und Ganzen leicht lesbare Unterhaltung und ein sympathischer, spitzbübischer Protagonist, der nachvollziehbar viele Fans hat und hier aber leider in eine zu ambitionierte Story verwickelt wurde.


  5. Cover des Buches Mit Rosen bedacht (ISBN: 9783404173631)
    Jennifer Benkau

    Mit Rosen bedacht

    (83)
    Aktuelle Rezension von: Annkathrin_Hauff

    Inhalt: Nach einem Autounfall steht Wandas Leben auf dem Kopf, denn ihr Verlobter liegt im Koma. Dabei sollte doch in zwei Wochen die Hochzeit stattfinden. Auf der Suche nach Verwandten stößt Wanda auf immer mehr Ungereimtheiten und muss sich irgendwann fragen: Wie gut kannte ich meinen Verlobten wirklich?


    Meinung: Das Buch hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Durch zwei Erzählstränge nimmt man nicht nur an den aktuellen Geschehnissen teil, sondern man erfährt auch, wie die Beziehung begonnen und sich entwickelt hat. Dabei fallen einem im Laufe der Geschichte immer häufiger merkwürdige Verhaltensweisen oder Aussagen des Verlobten auf. Mit der Wendung am Ende habe ich keinesfalls gerechnet und das Buch ist eine absolute Leseempfehlung!!

  6. Cover des Buches Todeszone: Tatort Malmö: Thriller (ISBN: 9781720850281)
    L.C. Frey

    Todeszone: Tatort Malmö: Thriller

    (12)
    Aktuelle Rezension von: RitaM

    "Todeszone" handelt von einem Serienkiller, der seit seiner Jugend auf grausame Weise Tiere und Menschen quält und tötet.

    Der Einstieg ist mir sofort gelungen, mit den Protagonisten bin ich sofort warmgeworden, der Schreibstil ist flüssig. Die Spannung steigt von Kapitel zu Kapitel, wobei die Seiten nur so wegfliegen. Es kommt dabei zu einigen überraschenden Wendungen, die die Lesenden fragen lassen, welchen Unterschied gibt es zwischen Täter und Opfer?

    "Todeszone" ist ein sehr spannender Thriller mit einem überraschenden Ende, das mir viel Vergnügen bereitet hat.

  7. Cover des Buches Hund, Wolf, Schakal (ISBN: 9783596708819)
    Behzad Karim Khani

    Hund, Wolf, Schakal

    (58)
    Aktuelle Rezension von: sabatayn76

    ‚Er rannte vor etwas weg, nicht zu etwas hin.‘ (Seite 22)

    Nachdem Saams Mutter im Teheraner Evin-Gefängnis gefoltert und getötet wurde, flieht sein Vater zusammen mit ihm und seinem jüngeren Bruder Nima aus dem Iran und landet schließlich in Berlin.

    An der Hauptschule trifft Saam schließlich auf den Libanesen Heydar, der andere abzieht und schon früh nicht vor Gewalt zurückschreckt. Und um in dieser Umgebung nicht unterzugehen, nicht weich zu wirken und um sich zu behaupten, muss Saam schließlich auch zeigen, dass er zu allem bereit ist.

    ‚Saam war jetzt jemand. Nicht jemand, auf den man schwor. Aber jemand.‘ (Seite 107)

    ‚Saam hatte die Logik von Gewalt verstanden. [...] Er hatte es verstanden. Dieses Mal wirklich. Er konnte der nächste König sein, und wenn nicht, zumindest der nächste Terror, die nächste Furcht.‘ (Seite 109)

    Ich habe vor ein paar Monaten ‚Als wir Schwäne waren‘ von Behzad Karim Khani mit großer Begeisterung gelesen, und dieser Roman hatte mich neugierig auf Khanis Debüt gemacht.

    ‚Hund, Wolf, Schakal‘ ist brutal, explizit und sehr gelungen, hat mich mitgenommen nach Neukölln und in Saams Lebenswelt. Als Leser erfährt man hier auf überzeugende Weise, wie Saam den Weg in die Kriminalität gefunden hat, wie er dazugehören möchte und wie er aus dem Teufelskreis der Gewalt nicht mehr aussteigen kann.

    Der Roman liest sich extrem schnell - nicht nur wegen des einnehmenden Plots und der messerscharfen Sprache, sondern auch wegen des großzügigen Layouts.

    Mir hat das Ganze sehr gut gefallen, und ich freue mich schon auf das nächste Buch von Khani.

  8. Cover des Buches Das Ende der Geduld (ISBN: 9783451069123)
    Kirsten Heisig

    Das Ende der Geduld

    (83)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Jugendrichterin Heisigs Aufklärungsbuch über Jugendgewalt. Erfreulicherweise wird nicht so getan, als sei die Gewalt vom Himmel gefallen oder bestimmten Bevölkerungsgruppen immanent. Unter den äußerst negativen Lebensbedingungen, unter denen manche der Kinder aufwachsen mußten, wäre es schwer gewesen, die "Kurve zu kriegen". Daß Heisig schreibt, daß bei Heranwachsenden häufig Erwachsenenstrafrecht angewandt werde, kann ich so nicht stehen lassen. Meinem Kenntnisstand wird nur bei Trunkenheitsfahrten das allgemeine Strafrecht angewendet, weil Trunkenheitsfahrten in jedem Alter vorkämen, ansonsten wird immer Jugendstrafrecht angewandt. Im übrigen erstaunlich, in was für Bereichen sich ein Jugendrichter auskennen muß, abseits der reinen Paragraphenarbeit in StGB und JGG. Und manche der Themen, die Heisig nur kurz anreißt, sind inzwischen in den Mittelpunkt der Diskussion getreten, zB Cybermobbing, Social Media und die sog. "Ehrenmorde". 

  9. Cover des Buches Inspektor Takeda und die Toten von Altona (ISBN: 9783746643151)
    Henrik Siebold

    Inspektor Takeda und die Toten von Altona

    (100)
    Aktuelle Rezension von: Lejoan

    Das Buch zeigt, dass zwischen Deutschland und Japan ungefähr die gleiche Mentalität besteht. Die  Arbeiten der Deutschen sind gewissenhaft, genau wie die der Japaner. Auch die Japaner brauchen ihre Freizeit und haben ihre Hobbys, die sehr westlich geprägt sind. Takeda, der japanische Ermittler, der nach Hamburg versetzt wurde fühlt sich in Hamburg nicht wie in einer Großstadt. Japanische Großstädte sind geschäftiger. Aber er bekommt auch sehr schnell mit, dass die Mentalität der Deutschen den der Japaner in nichts nachsteht. Während die Japaner durchaus auch mal während ihrer Arbeit oder in einem Park, in einem Kaffee, beim Essen einen Powernap halten, legen die Deutschen eher darauf Wert ihre Freizeit getaktet zu haben, und genießen zu können. Am Wochenende ihren Hobbys nachzugehen oder nach der Arbeit ihre Freizeit zu genießen. Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Das Buch selbst, welches deutlich zeigt, dass die Zuwanderung in Deutschland Probleme mit sich bringt, die nicht unbedingt nur von deutschen ausgehen   In Deutschland sind sehr viele Zuwanderer zu Hause die ihre Probleme mit in das neue Land bringen und die nicht nur lernen müssen mit deutschen auszukommen sondern auch mit anderen weltweiten Religionen oder Glaubensgemeinschaften. Das Buch zeigt außerdem sehr eindrucksvoll dass Menschen eine Gratwanderung von 180 Grad durchmachen können, nur weil sie mit den Gegebenheiten in Deutschland unzufrieden sind, weil sie bemerken, dass es nicht in Ordnung ist, wenn nicht nur die Zuwanderer kommen sondern auch ihre Probleme. Deutschland selbst hat genug Probleme und braucht nicht auch noch Probleme der Zuwanderer z.B Ehrenmode oder religiös geprägte Konflikte. Die Schreibweise des Buches ist sehr gut, es lässt sich flüssig lesen es ist interessant. Es wirft Fragen auf die teilweise auch beantwortet werden. Es zeigt die Arbeitsweise und Lebensweise verschiedener Menschen. Es ist spannend. Außerdem finde ich es sehr gut, dass auch gezeigt wird wie man mit politisch bedingten Problemen umgeht, wie Menschen geschont werden weil sie politisch tätig sind, wie Menschen ihre eigenen Gedanken formen und in Taten umsetzen und sich dabei nicht von ihren Gefühlen abbringen lassen.

  10. Cover des Buches Heimaterde (ISBN: 9783746636252)
    Lucas Vogelsang

    Heimaterde

    (22)
    Aktuelle Rezension von: carathis
    Lucas Vogelsang nimmt uns mit auf eine Reise zu den Wurzeln der Menschen, ihrer Heimat, die sehr oft nicht an dem Ort liegt, wo sie leben.

    Der Klappentext hinter dem ungewöhnlichen und unglaublich schönen Cover, verriet mir, dass ich verschiedenen Menschen begegnen werde, die in Deutschland ein Zuhause haben, aber nicht unbedingt eine Heimat. Wie diese Heimaterde aber aussehen kann und ob sie als Gefühl, Stadt, bestimmte Gewohnheit oder als andere Lebewesen daherkommt, wird beschrieben und detailliert auseinander genommen. 

    Dieses Thema erschien mir überaus präsent, in den Medien und dem allgemeinen Umfeld und deswegen freute ich mir auf dieses Buch. Gegliedert ist es in verschiedene Städte bzw. deren "Brennpunkte" wie Castrop-Rauxel oder Rostock-Lichtenhagen. Dort trifft der Autor die Menschen, die teils dramatische Geschichten erlebt haben, aber oft daran gewachsen sind. 
    So trifft man zum Beispiel ein ungleiches Brüderpaar, die als Kinder durch Kontinente getrennt waren und nicht so recht in das jeweilige Land passen wollten. Doch sie fanden irgendwie wieder zusammen, zumindest so halb. Immer wieder treffen sich die Fäden aber wieder in Berlin, wo auch der Autor lebt. Und das merkt man ihm auch an.

    Die Sprache ist sehr direkt, manchmal zu derb und sprunghaft. Das muss man mögen. Es gibt auch Sätze, die man erst beim zweiten oder dritten Mal lesen  so richtig begreift, die Bilder aufnehmen, die mir manchmal die Luft nahmen. 
    "Es sind Orte wie Selbstmörder, sie halten den Zug auf, verlangsamen die Reise." 
    Solche Sätze waren mir zu krass, da wollte ich das Buch gleich weg legen. Aber die Menschen haben mich dann doch interessiert, ich wollte erfahren, was aus ihnen wurde. Und manchmal kann man die Situationen wohl auch nur so richtig darstellen, denn sie sind ab und zu hart. 

    Fazit: Da wir in Deutschland derzeit viele Menschen unterschiedlichster Herkunft aufnehmen, die teilweise hier auch eine Heimat finden möchten, bin ich der Meinung, dass Bücher wie dieses wichtig sind. Sie öffnen die Augen für die Probleme und Hoffnungen der Zugereisten. Ob man mit der Sprache zurecht kommt, muss jeder selbst feststellen, sie ist recht sachlich und direkt. Insgesamt ist es keine leichte Kost, aber die Mühe des Lesens wert. 

  11. Cover des Buches Fuck Buddies: Wilde Spiele: Erotische Phantasien (ISBN: 9783958850361)
  12. Cover des Buches Ich bin Ausländer und das ist auch gut so (ISBN: 9783962020163)
    Mahmood Falaki

    Ich bin Ausländer und das ist auch gut so

    (15)
    Aktuelle Rezension von: claireb

    Der Literaturdozent und Autor Falaki beschreibt in seinen Kurzgeschichten kurze Alltagssituationen und zeigt dabei unter anderem offene und versteckte Rassismen auf. Die vielfältigen Geschichten sind kurzweilig und humorvoll und regen zum Nachdenken an.

    Insgesamt hat Falaki einen bunten Strauß an Kurzgeschichten geschrieben - eine schöne Lektüre, die mich zum schmunzeln, lachen und nachdenken gebracht hat und mich gut unterhalten hat.

  13. Cover des Buches Ministerium der Träume (ISBN: 9783746639970)
    Hengameh Yaghoobifarah

    Ministerium der Träume

    (46)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Wenn es um Emotionen geht, ist die Autorin brutal. Es ist eine Achterbahnfahrt, die über mich weggerollt ist, die tief in meinem Inneren alles durcheinandergebracht hat und manchmal sogar so viel wurde, dass ich unmöglich weiterlesen konnte.

    Der Spannungsbogen ist da! Jedes Mal, wenn ich dachte, ich kenne nun die Figuren, tauchte eine Wendung auf, die mich förmlich weggefegt hat. Dabei hat die Glaubwürdigkeit der Figuren nicht darunter gelitten, sondern sie mir deutlich nähergebracht und vor allem Nas wurde mir so sympathisch, dass ich mir aus Herzen ein Happyend gewünscht habe.

    Auch Parvin, ihre Nichte, spielt in einer anderen Liga, die von ihrer Trauer überwältigt wird und einem Zerstörungswahn verfällt, der sie unberechenbar machte. Kaum dachte ich, ich kenne sie, machte sie etwas, was ich nicht erwartet habe. Aber so sind nun mal trauernde Menschen: Eine einzige Wandlung, die sich nicht aufhalten lassen will.

    Der Stil der Autorin ist wunderschön und schonungslos. Manche Sätze habe ich auf der Zunge zergehen lassen, manche haben mich überwältigt und manche waren so schön, dass Nicht-Weinen keine Alternative war.

    Das Ende ist etwas Trocken und weitgehend enttäuschend. Ich habe mir einen richtigen Abschluss erwartet, der die Beziehung zwischen Tante und Nichte ausbügelt. Es ist aber ein Ende, der einem Filmriss gleicht und mit dem ich mich nicht anfreunden kann. Bis zu diesem Punkt war das Buch genial, ich habe es geliebt, aber bei dem Ende lässt es einen Beigeschmack zurück, der alles ins Sinnlose verschiebt. Ich hätte mir echt ein besseres Ende gewünscht.

    Dennoch finde ich das Buch gelungen. Diese Beziehung zwischen Tante, Nichte und Oma war weitgehend interessant.

  14. Cover des Buches Auf Nelli ist Verlaß (ISBN: B002GBYZL6)
    Edith Meise

    Auf Nelli ist Verlaß

    (1)
    Aktuelle Rezension von: Buchgespenst

    Nelli verbringt zusammen mit ihren Brüdern Michael und Robert eine glückliche Kindheit. Viele Streiche und Abenteuer, ob in den Ferien auf dem Land oder in der Schule machen das Leben aufregend. Im Südafrikaner Kwasi finden sie einen guten Freund, mit dem sie ihre Leidenschaft für Sport entdecken und Zukunftspläne schmieden: gemeinsam wollen sie ein Sportsanatorium eröffnen. Damit Nelli nicht nur unter Jungs aufwächst, schicken die Eltern sie schließlich in eine Pension im Schwarzwald. Neue Freundinnen und neue Streiche warten auf sie. Doch niemals vergisst sie die Pläne, die sie zusammen mit ihren Brüdern und Kwasi geschmiedet hat. Alle arbeiten hart daran sie sich zu erfüllen.

    Eine alte Kinderbuchtrilogie, die erstaunlich moderne Themen hat. Vor allem Kwasi, der als Ausländer noch dazu mit anderer Hautfarbe, vielen Vorurteilen zu trotzen hat, ist ein Charakter, der dem Buch eine besondere Note gibt. Nelli überzeugt mit ihrer vorbehaltlosen Freundschaft und ihrer Stärke. Auch die Pensionatsgeschichte markiert nicht etwa einen Bruch in ihrer Persönlichkeit oder dass sie sich aufgeben muss; im Gegenteil: sie schließt neue Freundschaften, erweitert ihren Horizont und wird einfach erwachsen. Die Begründung für das Pensionat mag altmodisch sein, doch die Geschichte ist es nicht.

     Ich liebe dieses Buch! Es hat alles, was zu einer guten Geschichte gehört: Witz, Träume, ein bisschen Tragik und Charaktere, die man nicht vergisst. Wundervolle Illustrationen machen das Buch noch einmal so lesenswert. Eine zeitlose Geschichte, die auch heute noch unterhält und viele moderne Themen aufgreift.

     „Auf Nelli ist Verlaß“ enthält die drei Einzelbände „Cornelia ist wie ein Junge“, „Cora soll eine Dame werden“ und „Nelli hat nur Freunde“.

  15. Cover des Buches Oberkanakengeil (ISBN: 9783423206310)
    Osman Engin

    Oberkanakengeil

    (3)
    Aktuelle Rezension von: thepowerofpages

    Inhalt:

    Wie ist das Leben als Ausländer in Deutschland? Oder ist man technisch gesehen gar kein Ausländer, wenn man einen Deutschen Pass hat? Die Skinheads pöbeln da definitiv den falschen an. 
    Ob es aber so richtig ist, als Türke eine Nazi - Demo anzuführen?
    Diese und weitere Geschichten berichten von der Integration des Osman Engin in die deutsche Gesellschaft.

    Rezension:

    Also zunächst einmal: ich habe mir wirklich viel Mühe gegeben den Inhalt des Buches irgendwie interessant zusammenzufassen, denn ich habe dieses Buch gar nicht gemocht.
    Es ist anstrengend, langatmig und überhaupt nicht witzig. 
    Osman Engin versucht hier allem Anschein nach Humor zu beweisen und witzige Geschichten aus seinem Alltag auf Papier zu bringen, er scheitert meiner Meinung jedoch kläglich. Die meisten dieser Geschichten sind total aus der Luft gegriffen; kein normaler Mensch erlebt so etwas. Gerade das Beispiel, dass ich in der Inhaltszusammenfassung genannt habe, dass Herr Engin eine Nazi - Demo anführt, ist total daneben. Wenn das Buch schon den Untertitel "Geschichten aus dem deutschen Alltag" trägt, dann will ich sowas doch bitte auch lesen und nicht irgendwelche Fantasiegeschichten. Sollte ich mich jedoch täuschen, und Herr Engin hat das alles wirklich erlebt, nehme ich das natürlich sofort entschuldigend zurück! 
    So, nächster Kritikpunkt: Die Tatsache, dass er seine Frau die ganze Zeit "Frau" nennt. Ich bin ja nun wirklich nicht empfindlich, was solche Sachen und so ein bisschen Chauvinismus will auch mit Humor genommen werden, aber doch nur in Maßen. Also in dieser Geschichte ist das alles total nervig. 
    Auch die Tatsache, dass sein Sohn absolut linksradikal ist, seine Tochter lesbisch und die kleine Tochter schreibt seine Bücher sind bestimmt lustig gemeint, gehen aber total nach hinten los und verwirren. 
    Viel mehr muss und kann ich leider zu diesem Buch auch nicht sagen, das war für mich wirklich kein Lesevergnügen, ich habe mich durchquälen müssen. 


  16. Cover des Buches Tomorrow Land (ISBN: 9783751207195)
    Antonia Michaelis

    Tomorrow Land

    (21)
    Aktuelle Rezension von: Jessica_E

    "Tomorrow Land" von Antonia Michaelis und Peer Martin zeichnet eine erschreckend realistische und dystopische Zukunftsvision Europas. Es werden die aktuellen Entwicklungen aufgegriffen und das Worst Case Szenario weiterentwickelt. Die Handlung spielt im Jahr 2084 (schön, genau 100 Jahre nach Orwells 1984 😁), Deutschland ist nicht nur wieder geteilt, auch die Diktatur hat sich wieder durchgesetzt. Es wird vor allem durch die Figur Aaron Martin (bestimmt ein zufälliger Name) immer wieder berichtet, was zwischen 2025 und 2084 passiert ist und wie es so weit kommen konnte. Dabei werden sehr viele Themen aufgegriffen: Migration, Angst vor Überfremdung, Vorurteile und Ausgrenzung, Leugnung des Klimawandels mit einer daraus folgenden Klimakatastrophe, autoritäre Strukturen, Überwachung, Sexismus resultierend aus konservativen Weltanschauungen, Gefahr von Atomwaffen und KI. Und genau da liegt für mich eins der Hauptprobleme des Buches. Es wird sehr viel angerissen und gefühlt durchgeritten. Das Buch hat ein ungemeines Tempo, 320 Seiten und so viele schwierige Themen, da kann leider nicht viel Tiefe entstehen. Auch die Figuren bleiben durch die Geschwindigkeit eher flach und teilweise sehr stereotyp. Eine wirkliche Verbindung zu den Charakteren konnte ich leider nicht aufbauen. Der Story hätten weniger Themen und mehr Seiten gutgetan. 

    Trotzdem ist "Tomorrow Land" brandaktuell und eine direkte Mahnung, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Für jüngere Leser ein spannendes und lehrreiches Buch. Für eingefleischte Dystopie-Fans aufgrund der fehlenden Tiefe nur bedingt geeignet. 

  17. Cover des Buches Steilufer (ISBN: 9783839233009)
    Ella Danz

    Steilufer

    (22)
    Aktuelle Rezension von: Sternenstaubfee

    Anna Floric, Chefin eines Restaurants, vermisst einen ihrer algerischen Mitarbeiter. Gleichzeitig wird in der Lübecker Bucht eine männliche Leiche entdeckt. Das Gesicht des Toten ist vollständig zerstört, so dass eine Identifizierung zunächst unmöglich ist. Dennoch scheint der Fall klar zu sein. Dann aber gibt es neue Erkenntnisse, und Kommissar Georg Angermüller muss den Fall von einer anderen Seite erneut betrachten...

    Mein Leseeindruck:

    Auch dieser zweite Band der Krimi-Reihe hat mir sehr gut gefallen! Von Anfang bis Ende konnte mich die Handlung fesseln, auch wenn es vielleicht ein eher ruhiger Krimi ist. Dafür aber ist das Thema Rassismus gerade wieder aktuell - bzw. ist es wohl leider seit Erscheinen des Buches 2007 immer aktuell gewesen.

    Der Kommissar Georg Angermüller ist eine interessante Figur. Mit seiner Vorliebe für gutes Essen und seiner eher gemütlichen Art ist er mir sehr sympathisch.

    Man kann diesen zweiten Band der Reihe lesen, auch ohne den ersten Band zu kennen. Ich freue mich aber, dass es noch ein paar weitere Bücher der Reihe gibt, die ich auch gerne noch lesen möchte.

  18. Cover des Buches Königin der Bunten Tüte (ISBN: 9783499630873)
    Linda Zervakis

    Königin der Bunten Tüte

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Linda Zervakis` Erinnerungen an Kindheit und Jugend, geprägt durch ihre Tätigkeit im elterlichen Kiosk und der sozialen Unterlegenheit gegenüber ihren Freunden. Man ist natürlich enttäuscht und entsetzt, daß der deutsche Staat nicht in der Lage war, ein gesichertes und auskömmliches Leben einer sog. "Gastarbeiterfamilie" zu finanzieren und die Kinder quasi schon durchgängig im elterlichen Geschäft eingesetzt werden mußten. Unglaublich, daß man Kinder diesem "Trinkermilieu" aussetzen mußte, um als Familie über die Runden zu kommen. Wenn man die Autorin später in der "Tagesschau" als Sprecherin sah, konnte man das Bild von ihr natürlich gar nicht mit den präkeren Verhältnissen, wie sie im Buch geschildert werden, zusammenbringen. Und die dreckige Lache der Autorin fehlt im Buch leider auch hihi. Jammas! Und noch mal Glückwunsch zum EM-Sieg!


  19. Cover des Buches Die gelbe Perlenkette (ISBN: 9783944329062)
  20. Cover des Buches Mein heiles Stück Deutschland: Die Schicksalsgeschichte eines Deutschen mit türkischem Vater (ISBN: 9781549575198)
    Jan Lütke

    Mein heiles Stück Deutschland: Die Schicksalsgeschichte eines Deutschen mit türkischem Vater

    (5)
    Aktuelle Rezension von: niknak
    Inhalt:
    Jan Lütke hieß früher Seyfir Özdemir und wurde in Deutschland als Sohn einer Deutschen und einem Türken geboren. Er beschreibt in seinem Buch wie er seine Kindheit und sein späteres Leben als Deutschtürke verbracht hat und mit welchen Vorurteilen er zu kämpfen hatte. Obwohl sich sein Vater vorbildlich intergriert hatte, musste er immer wieder mit Problemen kämpfen. Besonders mit dem Großvater mütterlicherseits, dem die Ausländer immer ein Dorn im Auge sind. So wird Seyfir zu Jan und er beginnt einen schweren Weg, bis er es endlich schafft auf eigenen Beinen zu stehen und eigene Entscheidungen zu treffen.

    Mein Kommentar:

    Dies ist eine Biographie des Autord Jan Lütke und erzählt sein Leben von Kindheit an. Dabei hat er einen ruhigen und sachlichen Schreibstil und erzählt nicht nur seine positiven Erfahrzungen sondern auch die negativen. Der Autor berichtet alles so, wie es sich ereignet hat und lässt auch die schlechten Erfahrungen nicht aus. So erfährt man zum Beispiel auch von einer Situation, in der er eine Maus gequält hat und was ihn dazu getrieben hat.
    In diesem Buch kann er seine Erfahrungen und Erlebnisse aufarbeiten und somit seiner Familie seine Sicht der Dinge darlegen.
    Als Leser bekommt man einen guten Eindruck, was ihm im Leben alles widerfahren ist und mit welchen Problemen er zu kämpfen hatte. Ich finde es interessant und faszinierend zu lesen, wie er sich dennoch durchgekämpft und nie aufgegeben hat. Leider hat er keine Beziehung mehr zu seinem Vater, sodass man nicht viel über seine türkischen Wurzeln erfahren hat, was mich auch noch interessiert hätte.
    Außerdem hat er meiner Meinung nach ein wenig zu  genau seine ganzen Arbeitsplätze beschrieben, was sicher nicht so notwendig gewesen wäre und beim Lesen recht langatmig war.

    Mein Fazit:
    Alles in allem eine interessante Biographie, die sicher mithilft sein Leben besser zu verstehen und zu verarbeiten, aber stellenweise langatmig zu lesen war. Trotzdem war es interessant zu erfahren, mit welchen Vorurteilen und Problemen ein deutsch - türkischer Junge zu kämpfen hatte.

    Ganz liebe Grüße,
    Niknak
  21. Cover des Buches Mein Recht zu rocken (ISBN: 9783743133433)
  22. Cover des Buches Ein fesches Dirndl (ISBN: 9783839223635)
    Zdenka Becker

    Ein fesches Dirndl

    (21)
    Aktuelle Rezension von: awogfli
    Dieses Werk ist ein Zeitgeistroman über Integration. Jetzt habe ich so überhaupt keine Probleme mit Zeitgeist, wenn sich dahinter viel Tiefe verbirgt, wenn aber nur ein bisschen auf modern und moderat an der Oberfläche gekratzt wird, langweile ich mich sehr schnell.

    Wie die Autorin selbst in vielen Interviews anführt, hat die Geschichte autobiografische Züge.

    Die Protagonistin Bea verliebt sich Hals über Kopf noch zu kommunistischen Zeiten in einen Österreicher, heiratet ziemlich schnell und zieht von Bratislava nach Wien. Die Anfangszeit ist hart, denn Zdenka Becker kommt schnell auf den Knackpunkt jeder Integrationsgeschichte: die Sprache. Bea hat einige Schwierigkeiten in der neuen Umgebung, aber sie will sich unbedingt integrieren. Wie eine Verrückte paukt sie manisch diese Sprache, die ihr anfangs so fremd ist. Gleichzeitig hat sie riesengroßes Heimweh, kein Heimweh nach Bratislava, sondern danach, ihre Muttersprache zu sprechen. Der böhmische Markt in Wien ist dabei eine kleine Hilfe, aber Tschechisch ist eben auch nicht ihre Muttersprache und Heimat, es wirkt nur wie ein Placebo.

    Nach Hause kann Bea nicht so einfach. Erstens, weil der eiserne Vorhang diese sehr kurze, nicht mal einstündige Reise (80 Kilometer) von Bratislava nach Wien schwierig macht und weil sich ihre Familie zweitens extrem schäbig verhält. Alle fordern gierig Geschenke, die sich Bea einfach nicht leisten kann, da ihr Mann noch studiert und das Paar mittellos ist. Sogar ihre Eltern und die Schwester wollen nicht verstehen, dass Bea die Konsumgüter, die sie fordern, selbst nicht besitzt und sie ihnen nicht aus Geiz vorenthält. In dieser Situation verliert die Protagonistin ein zweites Mal ihre Heimat.

    Witzig ist auch das Bonmot, dass bei der Einbürgerung in Österreich früher alle Tschechoslowaken zuallererst amtlich von allen Hatscheks im Namen befreit wurden. Wahrscheinlich deshalb, weil es diese einfach nicht auf der österreichischen Schreibmaschinentastatur gab.

    Nach und nach überwindet Bea alle Probleme und lebt sich in Wien ein. Bis zu diesem Zeitpunkt hat mir die Story sehr gut gefallen, gibt aber vom fehlenden Dramafaktor durch die relativ friktionsfreie Eingliederung in die Gesellschaft, nur genug Stoff für eine Kurzgeschichte her.

    Dann vollzieht die Handlung eine totale Vollbremsung und beginnt in einer Schleife von vorne, da Bea nach Niederösterreich aufs Land zieht und keinen Dialekt spricht. Hier wird erneut der Faktor Sprache bemüht und ich muss leider anmerken, dass hier etwas zu stark klischeehaft konstruiert wird, wie Leuten, die nur Hochdeutsch sprechen, in der Provinz begegnet wird. Abgesehen davon ist die redundante Handlung, auch wenn sie realiter genau so passiert ist, einfach nur langweilig.

    Da das beschauliche Landleben und dessen Dramafaktor für eine weitere Romanhandlung nur bedingt tauglich ist, wird ein neues Element eingeführt. Durch Beas Unterrichtstätigkeit – sie lehrt Deutsch als Fremdsprache – werden der eigenen Integrationsbiografie nun weitere nicht so gelungene fremde Lebensläufe gegenübergestellt. An sich erachte ich das als eine gute Idee, wenn die Ausführung nicht so an der Oberfläche schwimmen würde. Bea konstatiert, beschreibt und beurteilt aus der Ferne die Symptome eines Flüchtlingstraumas, fragt aber auch nie genau nach, was tatsächlich passiert ist. Flucht ist eben nicht Auswanderung, dieser riesengroße Unterschied wird durch den Plot nie herausgearbeitet, sondern beide einfach nur nebeneinandergestellt. Diese mangelnde Tiefe in der Integrationssicht hat mich am meisten geärgert.

    Symptomatisch dafür ist die Geschichte der Tschetschenin Maka, die in ihrer Heimat kein Kopftuch tragen musste, jetzt in Österreich aber schon. Man fragt sich als Leserin sofort: Warum? und natürlich wenn man sich mehr mit der Materie beschäftigt hat auch: Welches Kopftuch? Denn Kopftuch ist nicht Kopftuch. War es das politische, genannt Hijab oder nur eine Schaila? Oder sogar eine Al-Amira …? Tja, Bea fragt nie nach dem Warum, und deshalb bleibt uns auch der Roman all diese Antworten schuldig. Sehr undifferenziert, sehr oberflächlich, sehr ärgerlich.

    Fazit: Schade! Das Setting hatte viel Potenzial zu einem grandiosen Roman, scheitert aber an flacher Mittelmäßigkeit, Undifferenziertheit und Stereotypen. Nicht schlecht, aber auch nicht gut, diese Geschichte. In Niederösterreich würde man sagen: „Ned Fisch, ned Fleisch.“

  23. Cover des Buches Fremd+Land (ISBN: 9783867409599)
  24. Cover des Buches Guten Morgen, Abendland (ISBN: 9783404606771)
    Nazan Eckes

    Guten Morgen, Abendland

    (11)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Fräulein Üngörs Aufruf zu gegenseitiger Toleranz und Annäherung, eingebettet in ihre persönliche Familiengeschichte in Deutschland. Wie schon eine Rezensentin vor mir geschrieben hat, sind die Passagen über ihre Familie, der schwierige Neuanfang ihres Vaters in Deutschland und das glückliche Familienleben sehr berührend und herzergreifend, andere Passagen wie ihr Neid auf die immer hübsche Heidi Klum in Modemagazinen oder ihre Frustration über ihre deutsche Fernsehproduzentin Petra eher nichtssagend und stehen der Message eher im Wege. Ein Buch also mit Licht und Schatten, Frau Eckes hat die Anfeindungen und Herabsetzungen, denen man ausgesetzt war, sicherlich eher noch heruntergespielt. Seit 2010 hat sich sicher nicht all zu viel geändert, inzwischen haben wir mit Herrn Özdemir aber den ersten türkischstämmigen Bundesminister. Es bleibt also noch viel zu tun, Entscheidungsträger bitte lesen! Und mit dem Dolmus bin ich auch schon gefahren, aber daß man sich da ducken muß, war mir neu!

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