Bücher mit dem Tag "ausländerfeindlichkeit"
35 Bücher
- Juli Zeh
Über Menschen
(452)Aktuelle Rezension von: vanessablnAn diese bekannte deutsche Autorin habe ich mich spät herangetraut - eben weil man bei großen Namen auch enttäuscht werden kann. Die Inhaltsangabe klingt etwas plakativ und kitschig. Und so habe ich diesen Roman keinesfalls empfunden. Deshalb fehlen mir jetzt ein wenig die Worte, wie ich meine Meinung und den Inhalt in Worte fassen kann.
Ich begleitete die frisch ins Dorf gezogene Protagonistin aufgrund der stimmigen Details hautnah. Hals über Kopf in der Corona-Zeit von ihrem penetranten Partner getrennt, zieht sie mit Hund und dem Allernötigsten direkt von Kreuzberg nach Brandenburg. Möglichlicherweise braucht man etwas Lebenserfahrung mit den verschiedenen Lebenswelten, mit denen sie konfrontiert ist/war, um den feinen Humor zu genießen. Mir gefiel der Roman deshalb gleich auf den ersten Seiten und bis zum Schluss. Die kurzen Sätze machten das Lesen leicht und unterhaltsam. Trotz der vielen Details und gedanklichen Abschweifungen kam keine Langeweile auf - ganz im Gegenteil, denn die Details sind gut beobachtet und teils witzig. Juli Zehs Schreibstil in diesem Buch, der so einfach scheint, ist sicherlich gut ausgeklügelt. Das gilt wohl auch für andere auffällige Punkte. So erscheint Dora immer mal wieder naiv und schüchtern - und das als in der Werbebranche Tätige, wo man automatisch eine ganz andere Frau vor Augen hat. Die übertriebene Hilfsbereitschaft im Dorf gegenüber einer Fremden aus dem Westen erscheint unrealistisch. Oder doch nicht? Diese kleinen Märchenhaftigkeiten bringen beim Lesen zum Nachdenken oder Diskutieren und mich zumindest nicht zum Kritisieren. Die Kategorien, in die wir Personen oft einteilen, werden hier präzise vorgeführt und ggf. aufgebrochen. Somit ist "Über Menschen" in erster Linie "über (einzelne) Menschen" und viel mehr als einfach nur ein gut lesbares, bodenständiges, oberflächliches Lesevergnügen. Gerne würde man wissen, wie es mit den verbliebenen Personen weitergeht.
- Henning Mankell
Mörder ohne Gesicht
(1.013)Aktuelle Rezension von: Alina35„Mörder ohne Gesicht“ hat mich von der ersten Seite an gepackt. Der Fall ist spannend aufgebaut, atmosphärisch dicht und entwickelt eine stetige, fast unheimliche Sogwirkung. Die Ermittlungen wirken realistisch, die Figuren sind glaubwürdig gezeichnet und die Wendungen sitzen genau an den richtigen Stellen. Besonders beeindruckt hat mich, wie konsequent und präzise die Spannung gehalten wird – kein Durchhänger, kein unnötiger Ballast. Für mich ein fesselnder Krimi auf hohem Niveau, der zeigt, warum dieses Buch als Klassiker gilt.
- Marc-Uwe Kling
VIEWS
(541)Aktuelle Rezension von: cryingskyDieses Buch hatte ich nicht auf dem Zettel und es hat mich überrollt wie eine Dampfwalze. Überhaupt war mir Marc Uwe Kling nur aus der Ferne bekannt. Aber da er sich in seinem Podcast nicht davor scheut, für die eigenen Bücher ordentlich die Werbetrommel zu rühren, sollte mein erster Kling also sein untypischer Ausflug ins Thrillergenre werden. Und alter Berliner, geht das los: Die BKA-Ermittlerin Yasira Saad ist gerade auf einem leidlich amüsanten Tinderdate, als ein furchtbares Video in den sozialen Medien viral geht: Drei schwarzafrikanische Männer haben sich dabei gefilmt, wie sie ein sechszehnjähriges Mädchen vergewaltigen. Sofort nehmen die politischen Akteure rechts der Mitte die Chance war und entfachen eine mediale wie sprichwörtliche Hexenjagd. Yasira wird als „Quotenmigrantin“ zur leitenden Ermittlerin des Falls. Ich kann mich nicht erinnern, wann mich ein Buch das letzte Mal innerhalb weniger Seiten so lichterloh in Brand gesteckt hat. Yasira und ihr Team sind einfach nur toll, der Fall ist schrecklich und die Welt - die unsere ist - ist so verf… deprimierend, dass es fast zu sehr reinknallt. Absoluter Pageturner von vorne bis hinten. Apropos hinten: größter Kritikpunkt ist, dass das Buch so plötzlich endet, dass man schon von einem Ärgernis sprechen muss. Da fehlt einfach was. Das ist auch der Grund, warum es bei nur 4 von 5 Sternen gibt. Sorry, Marc-Uwe. Du musst das Buch schon zu Ende schreiben. Aber ansonsten: Absolute Empfehlung!
- Martin Walker
Bruno Chef de police
(277)Aktuelle Rezension von: Sanne54Nachdem ich schon sehr oft über Bruno, den Chef de Police eines kleinen Örtchens in der französischen Provinz gestolpert bin, nie aber ein Buch gelesen habe, habe ich nun doch mal einen Blick in den ersten Teil gewagt.
Und bin auch eine durchaus charmant konstruierte Geschichte gestoßen, was den namensgebenden Protagonisten und das Setting betrifft. Ein bisschen wie Rosamunde Pilcher in Frankreich. (Passenderweise kommen auch einige Engländer vor.) Bruno, dessen Rolle nicht so ganz trennscharf auf den örtlichen Polizisten festzulegen ist, hat eine große Schwäche fürs Kulinarische und die Tradition seines Perigords, wofür er sich gerne auch mal mit der EU anlegte, und ist anerkannter Teil seiner Gemeinde Saint-Denis. Obwohl kleinere Versuche gewagt werden, der Figur Tiefe zu verleihen (betrifft seine Vergangenheit in der Armee und dass er als Waise aufgewachsen ist), bleibt der überzeugte (?), aber begehrte Junggeselle sympathisch, allerdings ohne Ecken und Kanten. Das finde ich persönlich Schade.
Insgesamt wartet das Buch für mich mit zu vielen Klischees auf. Vielleicht trägt das zum "Cosy"-Gefühl bei, das diese Krimi-Reihe so erfolgreich macht, ich würde mir mehr Authentizität wünschen und weniger "Reiseführer"-Feeling. Da sind die Figuren die entscheidenden Stellschrauben, wie ich finde.Und dann macht zwischen Wochenmarkt, Kulinarik und Tennisplatz der Fall plötzlich eine überraschende Wendung. Nicht nur durch den brutalen Mord, bei dem Bruno den Ermittlern zuarbeitet, sondern auch durch den politisch-historischen Hintergrund, den der Autor einarbeitet. Hier werden interessante Themen aufgeworfen, die aber in diesem Kontext einfach zu flach und banal bearbeitet werden. Das wird der Thematik einfach nicht gerecht, weshalb ich einen zweiten Punkt abziehe. Vielleicht passen die folgenden Fälle Brunos besser zum Setting und sind nicht im Bereich des politisch-brisanten Kapitalverbrechens angesiedelt, denn das würde ihnen meiner Meinung nach besser zu Gesicht stehen.
Im Großen und Ganzen leicht lesbare Unterhaltung und ein sympathischer, spitzbübischer Protagonist, der nachvollziehbar viele Fans hat und hier aber leider in eine zu ambitionierte Story verwickelt wurde.
- Jan Weiler
Kühn hat zu tun
(106)Aktuelle Rezension von: Lilli33Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch (21. Mai 2016)
ISBN-13: 978-3499266829
Preis: 11,00 €
Spannender Krimi und mehr
Inhalt:
Kriminalhauptkommissar Martin Kühn, verheiratet mit Susanne, zwei Kinder, stolzer Besitzer eines Eigenheims, schwirrt der Kopf. In seiner Wohnsiedlung geht es drunter und drüber. Irgendwas stimmt mit dem Baugrund nicht, Neonazis bilden eine Bürgerwehr, ein kleines Mädchen ist verschwunden und hinter Kühns Garten liegt eine Leiche, aufs Übelste zugerichtet.
Meine Meinung:
Dies ist der Auftaktband der Reihe um den Münchner Polizisten Martin Kühn. Er hat mir in seiner Vielseitigkeit ausgesprochen gut gefallen. Dicht an der Seite des sympathischen, aber auch ein bisschen verschrobenen Protagonisten erleben wir einige turbulente Tage mit polizeilichen Ermittlungen, aber auch einigen privaten Problemen, wobei sich alles irgendwie vermischt.
Besonders Kühns innere Monologe vermögen zu fesseln und bringen auch die Ermittlungen voran. Was den Täter angeht, hatte ich zwar schon früh den richtigen Riecher, doch was genau dahintersteckt, hat mich letztendlich doch sehr überrascht und fasziniert.
Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung für diesen tollen Kriminalroman.
Die Reihe:
1. Kühn hat zu tun
2. Kühn hat Ärger
3. Kühn hat Hunger
★★★★★
- Arnaldur Indriðason
Frostnacht
(146)Aktuelle Rezension von: Nicole_ThoeneDas Buch liest sich ganz flüssig, nur finde ich es sehr schwierig die Namen auszusprechen von den Personen, die in dem Buch vorkommen. Dadurch liest sich das Buch ziemlich schwer. Zwischendurch wusste ich gar nicht, wer denn da jetzt gemeint ist.
Die Geschichte an sich fand ich sehr tragisch. Sie könnte tatsächlich so passiert sein. - Lana Lux
Geordnete Verhältnisse
(189)Aktuelle Rezension von: ManonaLana Lux gelingt mit Geordnete Verhältnisse ein eindringlicher Roman, der mich von Anfang an gepackt hat. Obwohl sich die Handlung im Verlauf immer weiter zuspitzt und schließlich in einem dramatischen Ende mündet, habe ich das Buch sehr gern gelesen.
Besonders beeindruckt haben mich die Figuren. Sie sind vielschichtig und sehr lebendig beschrieben – auch wenn manche von ihnen durch ihre Art nicht unbedingt sympathisch wirken. Gerade das macht sie aber glaubwürdig und menschlich. Beim Lesen spürt man förmlich, wie sich die Situation Schritt für Schritt verdichtet und die Spannung zunimmt.
Diese stetige Eskalation hat mich sehr gefesselt. Mehr als einmal hatte ich das Bedürfnis, in die Handlung einzugreifen – vor allem Faina am liebsten wachzurütteln und ihr zuzurufen, endlich ihren eigenen Weg zu gehen.
Ein Roman, der durch starke Charakterzeichnungen, emotionale Intensität und eine spürbare innere Dynamik überzeugt und noch lange nach dem Lesen nachhallt.
- Robin Alexander
Die Getriebenen
(15)Aktuelle Rezension von: HoldenDie Durchtriebenen, die Umtriebigen, die Herumtreibenden, die Angetriebenen: Hinter Merkels Flüchtlingspolitik mit dem Catch phrase "Wir schaffen das" herrschte erstaunlich viel Planlosigkeit, Belauern des politischen Gegners auf ganz hohem Niveau und erstaunlich viel Improvisation. Unglaublich, wie viele Zugeständnisse man dem Autokraten Recep Tayyip Erdogan für den EU-Türkei-Deal machen wollte, daß dieser sich zunächst prowestlich verhalten wollte und sogar den Ausgleich mit Israel anstrebte, spielt insofern keine Rolle. Getrieben und häufig rachsüchtig agiert hier fast jeder, ständig versucht einer, den anderen über den Tisch zu ziehen, und mit der Einführung des Sebastian Kurz macht bereits hier ein "Fähnlein im Wind" auf sich aufmerksam. Oder sind mit den "Getriebenen" vielleicht die flüchtenden Menschen gemeint, auf deren Rücken sich hier alles abspielt?
- Henrik Siebold
Inspektor Takeda und die Toten von Altona
(101)Aktuelle Rezension von: LejoanDas Buch zeigt, dass zwischen Deutschland und Japan ungefähr die gleiche Mentalität besteht. Die Arbeiten der Deutschen sind gewissenhaft, genau wie die der Japaner. Auch die Japaner brauchen ihre Freizeit und haben ihre Hobbys, die sehr westlich geprägt sind. Takeda, der japanische Ermittler, der nach Hamburg versetzt wurde fühlt sich in Hamburg nicht wie in einer Großstadt. Japanische Großstädte sind geschäftiger. Aber er bekommt auch sehr schnell mit, dass die Mentalität der Deutschen den der Japaner in nichts nachsteht. Während die Japaner durchaus auch mal während ihrer Arbeit oder in einem Park, in einem Kaffee, beim Essen einen Powernap halten, legen die Deutschen eher darauf Wert ihre Freizeit getaktet zu haben, und genießen zu können. Am Wochenende ihren Hobbys nachzugehen oder nach der Arbeit ihre Freizeit zu genießen. Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Das Buch selbst, welches deutlich zeigt, dass die Zuwanderung in Deutschland Probleme mit sich bringt, die nicht unbedingt nur von deutschen ausgehen In Deutschland sind sehr viele Zuwanderer zu Hause die ihre Probleme mit in das neue Land bringen und die nicht nur lernen müssen mit deutschen auszukommen sondern auch mit anderen weltweiten Religionen oder Glaubensgemeinschaften. Das Buch zeigt außerdem sehr eindrucksvoll dass Menschen eine Gratwanderung von 180 Grad durchmachen können, nur weil sie mit den Gegebenheiten in Deutschland unzufrieden sind, weil sie bemerken, dass es nicht in Ordnung ist, wenn nicht nur die Zuwanderer kommen sondern auch ihre Probleme. Deutschland selbst hat genug Probleme und braucht nicht auch noch Probleme der Zuwanderer z.B Ehrenmode oder religiös geprägte Konflikte. Die Schreibweise des Buches ist sehr gut, es lässt sich flüssig lesen es ist interessant. Es wirft Fragen auf die teilweise auch beantwortet werden. Es zeigt die Arbeitsweise und Lebensweise verschiedener Menschen. Es ist spannend. Außerdem finde ich es sehr gut, dass auch gezeigt wird wie man mit politisch bedingten Problemen umgeht, wie Menschen geschont werden weil sie politisch tätig sind, wie Menschen ihre eigenen Gedanken formen und in Taten umsetzen und sich dabei nicht von ihren Gefühlen abbringen lassen.
- Kirsten Heisig
Das Ende der Geduld
(83)Aktuelle Rezension von: HoldenJugendrichterin Heisigs Aufklärungsbuch über Jugendgewalt. Erfreulicherweise wird nicht so getan, als sei die Gewalt vom Himmel gefallen oder bestimmten Bevölkerungsgruppen immanent. Unter den äußerst negativen Lebensbedingungen, unter denen manche der Kinder aufwachsen mußten, wäre es schwer gewesen, die "Kurve zu kriegen". Daß Heisig schreibt, daß bei Heranwachsenden häufig Erwachsenenstrafrecht angewandt werde, kann ich so nicht stehen lassen. Meinem Kenntnisstand wird nur bei Trunkenheitsfahrten das allgemeine Strafrecht angewendet, weil Trunkenheitsfahrten in jedem Alter vorkämen, ansonsten wird immer Jugendstrafrecht angewandt. Im übrigen erstaunlich, in was für Bereichen sich ein Jugendrichter auskennen muß, abseits der reinen Paragraphenarbeit in StGB und JGG. Und manche der Themen, die Heisig nur kurz anreißt, sind inzwischen in den Mittelpunkt der Diskussion getreten, zB Cybermobbing, Social Media und die sog. "Ehrenmorde".
- Ella Danz
Steilufer
(23)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeAnna Floric, Chefin eines Restaurants, vermisst einen ihrer algerischen Mitarbeiter. Gleichzeitig wird in der Lübecker Bucht eine männliche Leiche entdeckt. Das Gesicht des Toten ist vollständig zerstört, so dass eine Identifizierung zunächst unmöglich ist. Dennoch scheint der Fall klar zu sein. Dann aber gibt es neue Erkenntnisse, und Kommissar Georg Angermüller muss den Fall von einer anderen Seite erneut betrachten...
Mein Leseeindruck:
Auch dieser zweite Band der Krimi-Reihe hat mir sehr gut gefallen! Von Anfang bis Ende konnte mich die Handlung fesseln, auch wenn es vielleicht ein eher ruhiger Krimi ist. Dafür aber ist das Thema Rassismus gerade wieder aktuell - bzw. ist es wohl leider seit Erscheinen des Buches 2007 immer aktuell gewesen.
Der Kommissar Georg Angermüller ist eine interessante Figur. Mit seiner Vorliebe für gutes Essen und seiner eher gemütlichen Art ist er mir sehr sympathisch.
Man kann diesen zweiten Band der Reihe lesen, auch ohne den ersten Band zu kennen. Ich freue mich aber, dass es noch ein paar weitere Bücher der Reihe gibt, die ich auch gerne noch lesen möchte.
- Arnaldur Indriðason
Frostnacht
(21)Aktuelle Rezension von: mandalottiMir hat die Geschichte wirklich gut gefallen. Sie war spannend und auch wirklich traurig. Das Ende hat mich auch sehr überrascht und auch ziemlich entsetzt.
Gestört hat mich nur, dass immer alles geduzt wurden. Vielleicht bin ich schon zu alt und mich bringt das durcheinander.
- Hasnain Kazim
Post von Karlheinz
(28)Aktuelle Rezension von: BiblioJessJournalist Hasnain Kazim bekommt täglich hasserfüllte Mails. Wegen seiner Hautfarbe, seines Namens, und weil er sich gern und oft kritisch über heikle Themen äußert. Statt sie alle einfach zu löschen, hat er ein Experiment gestartet: Auf diese Post zu antworten. Mal schlagfertig und humorvoll oder sogar absurd, mal ernst und den Diskurs suchend.
Ich hatte vor ein paar Wochen Hasnain Kazim auf einer Lesung zu diesem Buch erlebt und war so angetan davon, dass ich es gerne selbst noch in Gänze lesen wollte. Ich finde, sowohl bei der Lesung als auch im Buch kommt/kam er sympathisch rüber. Streitlustig, anklagend, aber fair. Ich muss nicht bei jeder Sache hundertprozentig einer Meinung mit ihm sein, um zu schätzen, was er tut und wie er es tut. Da ziehe ich meinen Hut. Aber bei den meisten Dingen stimme ich ihm definitiv zu.Das Buch ist in Kapitel unterteilt, in denen sich die Hassmails zu einem bestimmten Thema sammeln, z.B. der Islam oder Ostdeutschland. Jedes Kapitel beginnt mit einer Einleitung vom Autor, in dem er entweder die Bezüge zu der aktuellen Situation herstellt (das Buch ist von 2018) oder seine Meinung zu bestimmten Diskursen zum Thema äußert oder einordnet, auf welche Situationen hin die folgenden Mails bei ihm ankamen (z.B. wenn er gerade einen Artikel veröffentlicht hat). So hat das Buch eine gute, übersichtliche Struktur, eingebettet in Kontext, und ist nicht nur eine lose Ansammlung an Mailverkehren. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch ein Vor- und ein Nachwort gibt es, in dem er nochmal einige Dinge loswird. Die Kernessenz des Ganzen lässt sich wohl gut in einem Satz zusammenfassen, der sich auch auf dem Klappentext findet: »Wenn wir schweigen, beginnen wir, den Hass zu akzeptieren. Also, reden wir!« Das sollte man, finde ich, sich immer wieder im Alltag vor Augen führen.
Die Mails, die Hasnain Kazim bekommt, sind (bis auf wenige Ausnahmen, wo ihm freundlich, oder sogar lobend begegnet und höflich Diskurs gesucht wird) einfach nur erschreckend. Mit wie viel Hass manche Menschen tagtäglich konfrontiert werden, sodass es für sie quasi schon normal ist. Es sollte aber nicht normal sein. Es ist nicht in Ordnung. Da wird beleidigt was das Zeug hält, teilweise bishin zu Mordfantasien. Überflüssig zu sagen, dass ich häufig sehr schockiert war. Es ist auch wichtig für weiße, westeuropäisch privilegierte Menschen wie mich mal zu erfahren, was da so der Standard ist. Der Mehrwert dieses Buches liegt dann aber vor allem in den Antworten des Autors. Manchmal lässt er sich auf deren Niveau herunter, veräppelt sie, bringt mich durch die Absurdität zum Lachen. Vor allem ist es bittersüß-herrlich, die Reaktionen der Menschen auf Hasnains Antworten zu lesen, wie sie aus dem Konzept gebracht werden. Lachen tut da manchmal echt gut, sonst wäre ausrasten oder weinen die Alternative, um das ganze zu verarbeiten.
Aber es wird eben auch nicht nur ins Lächerliche gezogen oder sich gestritten. Es sind auch viele Antworten des Autors dabei, wo er sich wirklich differenziert mit den Themen auseinandersetzt, die in den Hassmails genannt werden. Wo er Diskurse aufgreift, Dinge einordnet, ein größeres Bild aufmacht und den Leuten zeigt, dass unsere Probleme nun mal leider nicht auf simple Sätze runtergebrochen werden können. Dass vielen Menschen der Weitblick fehlt. Und was man berücksichtigen sollte, bevor man gegen irgendetwas wettert. Kann man argumentieren, dass er dabei manchmal etwas überheblich wirkt? Ja vielleicht. Aber ganz ehrlich: Bei den ganzen Deppen, die da in seinem Postfach landen, könnte ich vermutlich auch gar nicht anders.
Für mich ist Post von Karlheinz ein gelungenes Buch und das, was ich mir davon erhofft habe: EIne Mischung aus lustiger Unterhaltung, Wachrütteln und Dazulernen. 5 Sterne.
- Hannah Lühmann
Heimat
(197)Aktuelle Rezension von: estherJana zieht mit ihrem Mann Noah und ihren beiden kleinen Kindern von der Großstadt in eine Neubausiedlung auf dem Land. Sie erhoffen sich durch den Umzug mehr Lebensqualität und einen ruhigeren, naturnahen Alltag. Doch die Eingewöhnung in die neue Umgebung fällt Jana schwer: Sie ist mit ihrem dritten Kind schwanger, hadert mit der Entscheidung, die Stadt verlassen zu haben, fühlt sich von ihrem Mann unzureichend unterstützt, und auch die Kinder fremdeln mit der neuen Kita.
In dieser Phase der Erschöpfung und Frustration lernt sie ihre Nachbarin Kate kennen. Zwischen den beiden entsteht sofort eine tiefe Verbindung, fast eine Art Seelenverwandtschaft. Kate lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern den Traum vom glücklichen Landleben und teilt diesen Alltag täglich mit ihren Tausenden Followern auf Social Media.
Anfangs ist Jana skeptisch, doch mit der Zeit fühlt sie sich zunehmend von Kate und deren Lebensstil angezogen, der von einer sehr konservativen Geschlechterrolle geprägt ist. Sie schätzt die Gemeinschaft, insbesondere den Austausch mit anderen Nachbarinnen, und rutscht langsam, aber spürbar in die „Tradwife“-Richtung ab. Auch die Nähe zur AfD wird stärker, wobei Jana die Politik der Partei nicht hinterfragt. Stattdessen lässt sie sich zunehmend von dem Sog mitreißen, den Kate ausübt.
Parallel wächst die Entfremdung zu ihrem Mann, und auch ihre eigene Meinung übernimmt sie mittlerweile fast vollständig aus ihrer neuen Gemeinschaft. Und dennoch muss sie Jana fragen, ob die heile Welt ihrer Freundin nur eine Inszenierung ist...
Auf nur wenigen Seite (das Buch umfasst insgesamt 168) zeigt Hannah Lühmann, wie wenig es braucht, um jemanden zu manipulieren und für eigene Zwecke einzuspannen. Besonders eindrücklich ist der fließende Übergang von scheinbarer Nachbarschaftshilfe hin zu aktiver Unterstützung der AfD.
Das offene Ende des Romans lässt viele Fragen unbeantwortet und bietet Raum für Spekulationen sowie eigene Gedankengänge.
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- Tina Caspari
Kartoffelsalat und kalte Füße - oder: die Knatterbande: Pizzabande 4
(4)Aktuelle Rezension von: Pegasus1989Bei dieser Geschichte bin ich ein bisschen hin und her gerissen. Einerseits ist viel Abwechslung in diesem Fall enthalten, sodass es so schnell nicht langweilig wird. Zudem gefällt mir die versteckte Botschaft, dass nichts so ist, wie es scheint in diesem Abenteuer ganz gut.
Andererseits muss ich jedoch sagen, dass die Kinder für meinen Geschmack ein bisschen zu naiv handeln und zu stark von ihrem Tun überzeugt sind, statt mal vorher über die Konsequenzen nachzudenken. Hinzu kommt, dass dieses Abenteuer ein paar "Zufälle" zu viel meiner Meinung nach mit sich bringt.
- Herbert Dutzler
In der Schlinge des Hasses
(23)Aktuelle Rezension von: MaddinliestDer kleine Leo wächst wohlbehütet auf, leider wählt sein Vater bei der Erziehung einen sehr konsequenten und autoritären Stil, der Leo in seinem späteren Leben voll und ganz in Beschlag nimmt. Seine Mutter versucht den kleinen Leo zu schützen, aber auf Dauer gelingt ihr dies immer schlechter und zerbricht schließlich selber an der sehr unglücklichen Familiensituation. Spätestens mit dem Tod seines Vaters tritt Leo dann in seine Fußstapfen. Er hat es nicht anders gelernt und ist nicht empfänglich für Empathie oder soziale Einstellungen. Seine Beziehungen scheitern immer wieder an seinem veralteten Gesellschaftsbild, nur wird Leo mit der Zeit immer radikaler. Ein Unheil kündigt sich an, als Leo dann auch noch Kontakte zur rechtsradikalen Szene knüpft...
Der österreichische Autor Herbert Dutzler konnte mich schon mit vielen seiner Bücher in den Bann ziehen, so dass ich mit viel Vorfreude und einer entsprechend hohen Erwartungshaltung in sein neues Werk gestartet bin. Er erzählt die schicksalshafte Geschichte von Leo in einem sehr gut zu lesenden Schreibstil und arbeitet dabei mit einem ständigen Zeitenwechsel zwischen der Kindheit und dem aktuellen Leben des Hauptprotagonisten. Der Spannungsbogen wird langsam und sehr intensiv aufgebaut, da Herbert Dutzler einen sehr tiefen Einblick in das Leben von Leo gewährt, aber er zeigt damit auch auf, wie sich Wut und Hass immer mehr in Leo aufbauen und schließlich zur absoluten Eskalation führen. Ein wirklich absolut mitreißendes Psychogramm eines nach außen hin völlig kaltblütigen Killers, das mich nicht mehr losgelassen hat.
Insgesamt ist "In der Schlinge des Hasses" aus meiner Sicht ein faszinierender Psychothriller, der die Radikalisierung in unserer Gesellschaft hinterfragt und den Leser sicherlich noch einige Zeit nachdenklich zurücklässt. Mich hat das Buch von der ersten Seite an völlig in den Bann gezogen, so dass ich es gerne weiterempfehle und als eines meiner Lesehighlights in diesem Jahr mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte.
- Linda Zervakis
Königin der Bunten Tüte
(13)Aktuelle Rezension von: HoldenLinda Zervakis` Erinnerungen an Kindheit und Jugend, geprägt durch ihre Tätigkeit im elterlichen Kiosk und der sozialen Unterlegenheit gegenüber ihren Freunden. Man ist natürlich enttäuscht und entsetzt, daß der deutsche Staat nicht in der Lage war, ein gesichertes und auskömmliches Leben einer sog. "Gastarbeiterfamilie" zu finanzieren und die Kinder quasi schon durchgängig im elterlichen Geschäft eingesetzt werden mußten. Unglaublich, daß man Kinder diesem "Trinkermilieu" aussetzen mußte, um als Familie über die Runden zu kommen. Wenn man die Autorin später in der "Tagesschau" als Sprecherin sah, konnte man das Bild von ihr natürlich gar nicht mit den präkeren Verhältnissen, wie sie im Buch geschildert werden, zusammenbringen. Und die dreckige Lache der Autorin fehlt im Buch leider auch hihi. Jammas! Und noch mal Glückwunsch zum EM-Sieg!
- Theodor W. Adorno
Aspekte des neuen Rechtsradikalismus: Ein Vortrag
(12)Aktuelle Rezension von: HoldenAdornos Vortrag von 1967 vor den österreichischen Sozialistischen Studenten, damals zum Aufstieg der NPD in Westdeutschland. Er zeigt auf, nach welchen Methoden die Extremrechten auftreten, wie plumper Lüge und Verkehrung von Täter-Opfer-Position. In der einschlägigen Presse werden manche nicht sagbare Sachen so oft angedeutet (der kumulative Effekt), bis es jedem einleuchten muß. Antikommunismus wird als gemeinsames verbindendes Element hochgehalten, dabei war der Kommunismus in Westdeutschland zu der Zeit so tot wie irgendwas. Hoch intellektuell, manches leuchtet einem erst beim zweiten Lesen ein. Und Volker Weiß, seines Zeichens Historiker, zeigt die Weitsichtigkeit der Adornoschen Analysen auf und wie die aktuelle Rechte (AFD) widerlicherseits die gleichen Rezepte gebraucht. Wir müssen Adorno und Horkheimer heute nach wie vor dankbar sein für ihre klaren Analysen, jedem demokratischen Politiker ans Herz gelegt.
- Jan Lütke
Mein heiles Stück Deutschland: Die Schicksalsgeschichte eines Deutschen mit türkischem Vater
(5)Aktuelle Rezension von: niknakInhalt:
Jan Lütke hieß früher Seyfir Özdemir und wurde in Deutschland als Sohn einer Deutschen und einem Türken geboren. Er beschreibt in seinem Buch wie er seine Kindheit und sein späteres Leben als Deutschtürke verbracht hat und mit welchen Vorurteilen er zu kämpfen hatte. Obwohl sich sein Vater vorbildlich intergriert hatte, musste er immer wieder mit Problemen kämpfen. Besonders mit dem Großvater mütterlicherseits, dem die Ausländer immer ein Dorn im Auge sind. So wird Seyfir zu Jan und er beginnt einen schweren Weg, bis er es endlich schafft auf eigenen Beinen zu stehen und eigene Entscheidungen zu treffen.
Mein Kommentar:
Dies ist eine Biographie des Autord Jan Lütke und erzählt sein Leben von Kindheit an. Dabei hat er einen ruhigen und sachlichen Schreibstil und erzählt nicht nur seine positiven Erfahrzungen sondern auch die negativen. Der Autor berichtet alles so, wie es sich ereignet hat und lässt auch die schlechten Erfahrungen nicht aus. So erfährt man zum Beispiel auch von einer Situation, in der er eine Maus gequält hat und was ihn dazu getrieben hat.
In diesem Buch kann er seine Erfahrungen und Erlebnisse aufarbeiten und somit seiner Familie seine Sicht der Dinge darlegen.
Als Leser bekommt man einen guten Eindruck, was ihm im Leben alles widerfahren ist und mit welchen Problemen er zu kämpfen hatte. Ich finde es interessant und faszinierend zu lesen, wie er sich dennoch durchgekämpft und nie aufgegeben hat. Leider hat er keine Beziehung mehr zu seinem Vater, sodass man nicht viel über seine türkischen Wurzeln erfahren hat, was mich auch noch interessiert hätte.
Außerdem hat er meiner Meinung nach ein wenig zu genau seine ganzen Arbeitsplätze beschrieben, was sicher nicht so notwendig gewesen wäre und beim Lesen recht langatmig war.
Mein Fazit:
Alles in allem eine interessante Biographie, die sicher mithilft sein Leben besser zu verstehen und zu verarbeiten, aber stellenweise langatmig zu lesen war. Trotzdem war es interessant zu erfahren, mit welchen Vorurteilen und Problemen ein deutsch - türkischer Junge zu kämpfen hatte.
Ganz liebe Grüße,
Niknak - Nazan Eckes
Guten Morgen, Abendland
(11)Aktuelle Rezension von: HoldenFräulein Üngörs Aufruf zu gegenseitiger Toleranz und Annäherung, eingebettet in ihre persönliche Familiengeschichte in Deutschland. Wie schon eine Rezensentin vor mir geschrieben hat, sind die Passagen über ihre Familie, der schwierige Neuanfang ihres Vaters in Deutschland und das glückliche Familienleben sehr berührend und herzergreifend, andere Passagen wie ihr Neid auf die immer hübsche Heidi Klum in Modemagazinen oder ihre Frustration über ihre deutsche Fernsehproduzentin Petra eher nichtssagend und stehen der Message eher im Wege. Ein Buch also mit Licht und Schatten, Frau Eckes hat die Anfeindungen und Herabsetzungen, denen man ausgesetzt war, sicherlich eher noch heruntergespielt. Seit 2010 hat sich sicher nicht all zu viel geändert, inzwischen haben wir mit Herrn Özdemir aber den ersten türkischstämmigen Bundesminister. Es bleibt also noch viel zu tun, Entscheidungsträger bitte lesen! Und mit dem Dolmus bin ich auch schon gefahren, aber daß man sich da ducken muß, war mir neu!
- Harald Schmidt
Auch Entführen will gelernt sein
(13)Aktuelle Rezension von: Obst4Im Fitnesstudio und den gewünschten Entführen - doch alles läuft komplett anders als geplant. Klingt erst mal richtig lustig wenn es denn lustig geschrieben wäre. Stattdessen wird das, eigentlich ernste Thema Geiselnahme, ernsthaft beschrieben. Nun gut, dann ist es eben kein Humorvolles Buch - ist ja auch okay - doch dann werden, zwanghaft künstlich „lustige“ Szenen eingebaut die ich irgendwie überhaupt gar nicht lustig fand bzw. in der Szenerie total unpassend sind.
ich hatte mir etwas wie Friedrich Kalpenstein oder Tommy Jaud erhofft - die wirklich absolut meinen Humor treffen, dieses leider gar nicht.
Hat mir leider nicht gefallen. Wer auf bizarren Humor steht der kann es ja mal versuchen. - Anja Reschke
Und das ist erst der Anfang
(5)Aktuelle Rezension von: Holden"Reschke lesen" würde Gauland wahrscheinlich sagen. ScholzWeilRhein sprechen schon wieder von der Begrenzung der "illegalen Migration", als könnte ein Mensch illegal sein, als ob sog. "Armuts-" bzw. "Wirtschaftsflüchtlinge" nicht auch verständlicherweise alles tun würden, um ihrer elendigen Lage zu entkommen, als könnte man zwischen "guten" und "Schlechten" Flüchtlingen unterscheiden. Ursula von der Leiden will sich erneut zur Kommissionspräsidentin wählen lassen und will verstärkt gegen "Schleuserkriminalität" vorgehen, wo man doch legale Wege in die EU (Stichwort "Botschaftsasyl") gar nicht zuläßt. Wie in diesem Fall Ursache und Wirkung verdreht werden, läßt sich dem Buch auch sehr gut entnehmen, besonders klarstellend durch die Verdrehung des Strafrechts, die mir als (ehemaligem) Juristen natürlich besonders übel aufstößt. The same old story.























