Bücher mit dem Tag "außenseiter"
235 Bücher
- Leigh Bardugo
Das Lied der Krähen
(1.712)Aktuelle Rezension von: Silke-LuIn der zwielichtigen Hafenstadt Ketterdam erhält der gerissene Dieb Kaz Brekker ein verlockendes Angebot: ein nahezu unmöglicher Coup, der ihm unermesslichen Reichtum bringen könnte. Gemeinsam mit fünf sehr unterschiedlichen Verbündeten macht er sich auf den Weg, um einen gefährlichen Magier aus einem streng bewachten Gefängnis zu befreien. Doch der Plan ist riskant und verlangt ihnen alles ab.
Das Lied der Krähen hat mich einfach komplett überzeugt. Die Geschichte ist unglaublich spannend erzählt und dabei sehr atmosphärisch. Es ist eines dieser Bücher, zu denen man nicht viel schreiben muss, da es sich von Anfang bis Ende einfach gut angefühlt hat.
Besonders hervorzuheben sind die Charaktere. Jeder von ihnen bringt seine eigene Geschichte und Motivation mit, was die Dynamik innerhalb der Gruppe sehr interessant macht. Am meisten haben mich die Beziehungen zwischen Kaz und Inej sowie zwischen Nina und Matthias gefesselt. Wobei Jesper und Wylan auch sehr interessant sind, also eigentlich sind alle sechs spannend!
Kaz’ Hintergrundgeschichte ist dabei besonders intensiv und emotional. Seine Vergangenheit ist hart und traurig, und man kann seine Beweggründe wirklich gut nachvollziehen. Die Geschichte, die hinter den Handschuhen steckt, da gruselt es mich schon wieder. Ähnlich ging es mir auch bei Inej, deren Geschichte auch unter die Haut geht.
Nina mochte ich ebenfalls total gerne. Sie bringt mit ihrer selbstbewussten und humorvollen Art eine gewisse Leichtigkeit in die Handlung.
Der eigentliche Coup ist dann das absolute Highlight: clever aufgebaut, spannend umgesetzt und voller unerwarteter Wendungen. Man fiebert die ganze Zeit mit und wird immer wieder überrascht.
Für mich ist das Buch ein echtes Highlight und bekommt ganz klar 5 Sterne.
- Jay Asher
Tote Mädchen lügen nicht
(5.013)Aktuelle Rezension von: Julia92Inhalt: Als Clay aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf „Play“ – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. 13 Gründe haben zu ihrem Selbstmord geführt. 13 Personen hatten ihren Anteil daran. Clay ist einer davon …
Meinung: Es fällt mir nicht leicht, eine Bewertung zu diesem Buch abzugeben, da es sich um ein hochsensibles Thema handelt und Suizid nie die Lösung sein sollte. Hannah Baker ist eine Jugendliche, die sehr mit sich selbst zu kämpfen hat und am Ende nur noch diese Option sieht. Mit der gesamten Story hatte ich so meine Probleme.
Der Schreibstil ist weder anspruchsvoll noch besitzt er Wiedererkennungswert. Vermutlich ist das gewollt, um die Jugendlichen möglichst wahrheitsgetreu darzustellen. Erzählt wird das Buch aus zwei Perspektiven – Hannah und Clay – in der ersten Person.
Mit Hannah hatte ich so meine Probleme. Sie kam mir sehr unnahbar vor, ich fand keinen Draht, konnte nicht mal Mitgefühl entwickeln. Ihre Persönlichkeit war einfach nicht tiefgründig genug. Relativ kühl und beinahe herablassend zählt sie die Dinge auf, die andere Schüler ihr angetan haben und stellt Leute an den Pranger, die teilweise nicht mal vorsätzlich gehandelt haben. Das machte sie für mich sehr unsympathisch.
Jeder Mensch reagiert anders auf sein Umfeld und es gibt leider zu viele Opfer von Mobbingattacken und Schlimmerem. In Hannahs Fall einen Klaps auf den Po zu bekommen oder als „Mitfahrgelegenheit“ betitelt zu werden, spiegelt nicht mal ansatzweise die wahren Probleme der Gesellschaft wider. Das Buch sollte vermutlich Augen öffnen. Doch ich bin hier zwiegespalten. Die Message sollte doch sein, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und darüber nachzudenken, wozu Mobbing führen kann. Doch Hannah macht es ihren Mitmenschen nicht leicht. Sie stößt sie von sich weg, wird Zeugin einer Vergewaltigung und sieht dennoch sich selbst als Opfer. Sie verlangt permanent von allen anderen, sich in sie hineinzuversetzen, ist aber nicht eine Sekunde bereit, dasselbe zu tun.
Als sie am Ende auch noch den Vertrauenslehrer die Mitschuld an ihrem Selbstmord gibt, konnte ich beim Lesen nur noch den Kopf schütteln. Sie ist verzweifelt. Sie will Hilfe. Das behauptet sie zumindest. Doch sie lässt sich nicht helfen und läuft stattdessen davon. Ihr Lehrer bittet sie mehrere Male, zu bleiben, doch sie ignoriert dies. Ihm dann noch vorzuwerfen, nicht hartnäckig genug gewesen zu sein, ist nicht fair von ihr.
Hier war mir einfach die komplette Handlung zu gestellt. Der Autor reihte ein Ereignis um das andere und zeichnete Hannahs Persönlichkeit sehr übertrieben – meiner Meinung nach.
Das Buch war flüssig zu lesen. Immer wieder hoffte ich auf den Punkt, der das Fass zum Überlaufen brachte. Doch er kam nicht. Psychologische Hilfe wäre hier für die Protagonistin wertvoll gewesen. Stattdessen anderen die Schuld an allem zu geben, ist keine gute Message. Schade fand ich auch, dass nicht auf die Gefühlswelt der Mitschüler und der Lehrer eingegangen worden ist. Mich hätte sehr interessiert, wie sie mit dem Verlust umgehen. Auch Hannahs Eltern kommen nicht zu Wort. Die gesamte Story bezieht sich rein auf Hannahs Erlebnisse in ihrer Bubble. Das war mir etwas zu einseitig. Es fehlte an Abwechslung, an „Leben“. Clay war mir leider auch nicht sonderlich sympathisch.
Ich vergebe 2 von 5 Sternen, da das Buch ein wichtiges Thema anspricht, jedoch in der Umsetzung meiner Meinung nach nicht gelungen ist.
- Julie Kagawa
Plötzlich Fee - Sommernacht
(2.451)Aktuelle Rezension von: SeitenkinoBesonders begeistert hat mich die Figur Puck, der mit seinem Humor und seiner Loyalität sofort mein Herz erobert hat. Er bringt Leichtigkeit in gefährliche Situationen und zeigt gleichzeitig eine tiefe Verbundenheit zu Meghan. Auch Ash ist faszinierend gezeichnet, kühl und kontrolliert, aber mit spürbarer innerer Zerrissenheit. Die Spannung zwischen Puck und Ash verleiht der Handlung eine zusätzliche emotionale Ebene. Ihre komplizierte Verbindung wirkt durchdacht und alles andere als oberflächlich. Meghan wächst im Verlauf der Handlungen über sich hinaus. Ihre Gefühle sind nachvollziehbar und authentisch dargestellt. Besonders die ersten zarten Momente zwischen ihr und Ash lassen einen unweigerlich mitfiebern. Die Welt von Nimmernie ist detailreich beschrieben und wirkt lebendig. Für mich ist dieser Auftakt ein atmosphärisch dichter und emotional packender Beginn einer außergewöhnlichen Reihe.
- Ransom Riggs
Die Insel der besonderen Kinder
(2.144)Aktuelle Rezension von: jenvo82Inhalt
Als Jacobs Großvater stirbt, wird für den Jugendlichen klar, dass er die Geschichten, die ihm sein Opa zeitlebens erzählt hat, noch einmal hinterfragen muss. Angeblich war Abraham in seinen jungen Jahren nicht nur ein Waisenkind, sondern ist viel gereist und hat abenteuerliche Dinge erlebt, die er seinem Enkel in schier unglaublichen Geschichten nahebringen wollte. Vieles davon hat Jacob schon lange nicht mehr geglaubt, sei es die Erzählung von einem schwebenden Mädchen oder die wilden Verfolgungsjagden mit gruseligen Monstern.
Doch der Tod seines Großvaters wirft Fragen auf und Jacob reist gemeinsam mit seinem Vater auf die Insel Cairnholm, um Spuren aus der Vergangenheit seines Großvaters aufzuspüren. Jacob besucht das örtliche Museum und erfährt Vieles, was ihm genauso bereits erzählt wurde. Der 03. September des Jahres 1940 scheint ein enorm wichtiges Datum für Abraham gewesen zu sein und genau an diesem Tag wurde das Waisenhaus durch einen Bombenabwurf vollkommen zerstört.
Die Merkwürdigkeiten häufen sich und Jacob befürchtet, dass die wilden Erzählungen doch der Wahrheit entsprachen und keine fiktiven Geschichten waren. Spätestens als er den besonderen Kindern des Waisenhauses begegnet, die ihn die Zusammenhänge erklären, inklusive der aufwendigen Zeitschleife, die ihre Heimleiterin konstruiert hat, um ihr Leben zu schützen. Es gelingt ihm selbst von einer Seite auf die andere zu gelangen, er trifft die Freunde seines Opas, die nach 70 vergangenen Jahren immer noch Teenager sind und er muss erleben, dass es auch die Monster irgendwie geschafft haben, zu überleben …
Meinung
Von dieser Fantasy-Reihe sind bereits 6 Bände erschienen, der erste hier wurde im Jahr 2011 veröffentlicht. Trotzdem bin ich in erster Linie durch die Verfilmung darauf aufmerksam geworden. Dort geht es nicht immer kindgerecht zu, manches ist für jüngere Zuschauer eher gruselig – aber wie so oft in diesem Genre führen mich die Filme zum Buch und das geschriebene Wort gefällt mir dann eindeutig besser.
Das Buch beinhaltet viele alte Fotos, die thematisch in die Geschichte eingeflochten werden und ihr Mehrwert verleihen. Die Magie kommt nicht zu kurz aber vor allem das hochinteressante Thema der Zeitreisen. Es geht um Freundschaft, Vertrauen, Verwandlungen und Lebensaufgaben – ein kleines Universum, welches in den Folgebänden sicherlich in vielen bunten Facetten schimmern wird. Band 1 weckt auf jeden Fall mein Interesse, an dieser Reihe dranzubleiben, gerade weil mich die vielen Abenteuer von Jacob und seinen neuen Freunden gekonnt in andere Welten entführen.
Fazit
Ich vergebe gute 4 Lesesterne für einen gelungenen Reihenauftakt, der weniger Gruselelemente aufweist, als zunächst vermutet. Das magische, düstere Setting, die langsam aufziehende Geschichte, die vor Toten und Morden nicht zurückschreckt, besticht vor allem durch die Dynamik, die mit Zeitreisen einhergeht. Auch die zahlreichen Nebenfiguren werden nahbar und dadurch erhöht sich der plastische Eindruck des Buches. Trotz der dunklen Stimmung und der gefährlichen Etappen im Kampf gegen das Böse überwiegt hier die Hoffnung und ein gefeiertes Miteinander. Diese Story eignet sich sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene, sie bedient nicht unbedingt ein Klischee. Besonders toll erscheint mir das Universum, welches sich nun für die Folgebände öffnet, es gibt hier zahlreiche Ansatzpunkte für die Entwicklung der Figuren untereinander, miteinander oder auch nicht und das durch verschiedene Zeitschleifen hindurch immer wieder hinein in eine neue Welt, die es doch nicht unbedingt braucht, weil die Dinge sich in ihren Grundzügen stets wiederholen. Band 2 wird von mir definitiv noch gelesen und dann schaue ich weiter …
- Wolfgang Herrndorf
Tschick
(2.989)Aktuelle Rezension von: Giulia7Ich musste das Buch für die Schule lesen und….
Nein.Einfach Nein.
Unsere Lehrer haben das Buch total gelobt,unter anderem für seinen besonderen Schreistil.
Nun ja,dieser hat mir überhaupt nicht gefallen.Er soll wahrscheinlich ansprechend für Teenager und andere junge Leute wirken,aber für mich war er eher abstoßend 😭Ich bin während dem Lesen fast eingeschlafen und musste mich wirklich zwingen es zu beenden.
In dem Buch geht es darum,dass Maik und Tschick zusammen mit einem geklauten Auto quer durch Deutschland fahren.Das jedoch ohne Ziel und einen richtigen Plan haben sie auch nicht…
Der Spannungsbogen ist meiner Meinung nach überhaupt nicht gelungen.Die Protagonisten hatten überhaupt kein Ziel und es hat sich eher so angefühlt als ob sie eine seltsame Person nach der anderen treffen-und das total ohne Zusammenhang 🫡
Die Protagonisten an sich fand ich super unsympathisch.
Maik selbst hat meiner Meinung nach total sexistische und ekelhafte Gedanken.Klar,er kommt aus schlimmen Zuständen aber das entschuldigt gar nichts.
Frauen werden allgemein in dem Buch sehr schlecht dargestellt.Die wenigen,die wir etwas näher kennenlernen stehen in einem sehr schlechten Licht und es gibt viele Kommentare,die ich in einem Jugendbuch einfach nicht lesen will.
Zum einen gibt es Tatjana,Mikes „Schulcrush“.So wirklich einen Charakter hat sie nicht sie wird einfach nur als hübsch betitelt und über ihren Charakter erfahren wir rein.gar.nichts. 😃🤝Dann gibt es noch Mona,die Affäre seines Vaters.Über sie hat Maik sehr…interessante Gedanken 🤧🤧(„Der Pullover war so eng,dass man praktisch alle Details sehen konnte“ (S.70)).Und dann gibt es noch viele andere Frauen,die entweder komplett abgewertet und abgestempelt werden und welche,die einfach komplett asozial sind 🫡
Zitat aus Maik Klingenbergs Gedanken: „Ein Flusspferd brach vor uns durch die Büsche.Irgendwo in Deutschland,direkt an der Autobahn,in der völligen Einöde,brach ein Flusspferd durchs Gebüsch und rannte auf uns zu“ - Also nur zu Info:Das eben betitelte „Flusspferd“ ist eine Frau 🫥🫥(ach ja,Bodyshaming gibt es in dem Buch auch noch 😃👍)
Ich finde es wirklich schlimm,dass so etwas noch in der Schule gelesen wird 💀
Außerdem empfehle das Buch wirklich keinem,außer ihr wollt mal ein richtig schlechtes Buch lesen 🫠.
- Delia Owens
Der Gesang der Flusskrebse
(1.465)Aktuelle Rezension von: SchaninDer Schreibstil von Delia Owens ist sehr klar und flüssig, sodass man immer weiter lesen möchte. Die Marschlandschaft, in welcher der Roman spielt, wurde sehr bildhaft beschrieben und auch die Gefühlswelt und Einsamkeit von Kya wird sehr atmosphärisch zum Ausdruck gebracht. Mir hat es gefallen, dass verschiedene Themen in diesem Roman Platz gefunden haben: Der Leser erfährt viel über die Natur, begleitet Kya von Kindsbeinen an bis zum Erwachsenalter, und ein Kriminalfall durch den Tod von Chase ist ebenfalls Teil der Handlung. Die Zeitsprünge haben mich nicht gestört, es wurde so noch mehr Spannung erzeugt. Ich fand das Buch sehr außergewohnlich und kann es definitiv weiter empfehlen.
- Graeme Simsion
Das Rosie Projekt
(1.478)Aktuelle Rezension von: Brina_10Don Tillmann weiß, das soziale Interaktion nicht sein Fachgebiet ist. Als Professor und Forscher, der Umgang mit Analysen und rationalen Gedanken hingegen schon. Was liegt also näher als einen Fragebogen zu erstellen? Einen Fragebogen, um die perfekte Ehefrau zu finden? Don ist begeistert von seiner Idee und weiß, das sie erfolgreich sein kann. Doch dann trifft er Rosie. Rosie, die alle Fragen sprengt und sich einfach nicht um den Fragebogen schert, weil sie ein ganz anderes Ziel hat: Ihren leiblichen Vater zu finden.
Dieses Buch hat mich wirklich überrascht. Es war erfrischend und einfach mal etwas total anderes. Und auch, wenn Don stellenweise echt anstrengend war, war es genau diese überzogene Darstellung, die das Buch für mich so einzigartig gemacht hat.
Don und Rosie verfolgen ein gemeinsames geheimes Projekt. Und auch hier ist die Darstellung total überzogen und wahrscheinlich wenig realistisch. Aber genau das, macht es so einfach, sich auf das Buch einzulassen. Es besticht durch seinen trockenen Humor und einzigartige Charaktere.
Das Buch vereint sämtliche Klischees und regt genau deshalb dazu an, nachzudenken. Seine eigene Einstellung zu hinterfragen, andere Perspektiven einzunehmen und die Geschichte einfach auf sich wirken zu lassen. Irgendwie kann sich sicher jeder in diesem Buch ein stückweit wiederfinden und das macht es so einfach, das Buch zu mögen.
Ich habe den Schreibstil, den Humor, die Protagonisten und alles andere an dem Buch einfach sehr gemocht und freue mich schon total auf die anderen Bände.
- James Joyce
Ulysses
(194)Aktuelle Rezension von: AQuaAchtung, bei den meisten Rezensionen hier handelt es sich um Beurteilungen des Originalwerks von James Joyce.
Das hier abgebildete Buch ist aber eine sehr freie Bearbeitung des Stoffes in Form einer graphic novel von Nicolas Mahler. Bloom heißt hier Wurmb, Ort der Handlung ist nicht Dublin sondern Wien. Mir fällt es schwer, mich auf das neue Setting und die minimalistischen Zeichnungen einzulassen.
- Benedict Wells
Hard Land
(667)Aktuelle Rezension von: DankeAnke📖 Rezension: Hard Land von Benedict Wells ⭐⭐⭐⭐⭐
Manche Bücher liest man, genießt sie und stellt sie anschließend zurück ins Regal. Und dann gibt es Bücher wie Hard Land – Bücher, die einen noch lange begleiten, nachdem die letzte Seite gelesen ist.
Hard Land erzählt die Geschichte des 15-jährigen Sam, dessen Sommer 1985 alles verändert. Während seine Mutter schwer krank ist und die Familie an den Herausforderungen des Lebens zu zerbrechen droht, findet Sam zum ersten Mal echte Freundschaften, erlebt die erste Liebe, Freiheit, Verlust und die Erkenntnis, dass das Erwachsenwerden oft schmerzhafter ist, als man es sich vorstellt.
Was Benedict Wells für mich so besonders macht, ist seine Fähigkeit, mit einer unglaublichen Feinfühligkeit zu schreiben. Seine Sprache ist wunderschön, ohne jemals gekünstelt zu wirken. Er schafft es, alltägliche Momente mit einer solchen Emotionalität aufzuladen, dass sie sich tief ins Herz einprägen.
Die Figuren wirken dabei unglaublich echt. Sam, Hightower, Cameron, Kirstie und DeeDee sind keine perfekten Charaktere, sondern Menschen mit Ecken und Kanten, Ängsten und Träumen. Gerade deshalb fühlt sich ihre Freundschaft so authentisch an. Man lacht mit ihnen, leidet mit ihnen und wünscht sich irgendwann, selbst Teil dieser Gruppe gewesen zu sein.
Besonders berührt hat mich die Atmosphäre des Romans. Wells fängt dieses Gefühl eines endlosen Sommers ein – die Mischung aus Leichtigkeit und Melancholie, die entsteht, wenn man spürt, dass eine bestimmte Zeit im Leben niemals zurückkehren wird. Während des Lesens hatte ich ständig das Gefühl, selbst durch die Straßen dieser Kleinstadt zu laufen, die Musik zu hören und die Wärme dieses Sommers zu spüren.
Doch Hard Land ist weit mehr als eine nostalgische Coming-of-Age-Geschichte. Es ist ein Roman über Verlust, Abschied, Familie, Freundschaft und die Frage, wie wir mit den Veränderungen umgehen, die das Leben unausweichlich mit sich bringt. Gerade die leisen Momente haben mich tief getroffen und noch lange beschäftigt.
Auch lange nach dem Lesen denke ich immer wieder an dieses Buch zurück. An bestimmte Szenen, Zitate und Gefühle. Für mich ist das das größte Kompliment, das man einem Roman machen kann: Wenn er nicht mit der letzten Seite endet, sondern in einem weiterlebt.
✨ Fazit:
Hard Land ist ein wunderschöner, berührender und zutiefst menschlicher Roman über das Erwachsenwerden und die Menschen, die unser Leben prägen. Ein Buch voller Herz, Wärme und Melancholie, das mich nachhaltig beeindruckt hat und das ich jedem ans Herz legen würde, der Geschichten liebt, die noch lange nachhallen.
⭐ 5/5 Sterne – ein absolutes Herzensbuch. 🤍📚
- J. D. Salinger
Lektüre Kopiervorlagen: Jerome D. Salinger, Der Fänger im Roggen / Catcher in the Rye
(1.567)Aktuelle Rezension von: Trishen77"Sie hatte eine angenehme Stimme. Vor allem für Telefongespräche geeignet. Sie hätte immer ein gottverdammtes Telefon mit sich herumtragen sollen."
Seit ich auf Amazon.de Rezensionen schreibe, habe ich mich immer bemüht alle Kritikpunkte und Ansätze zu einem Buch in meine Besprechungen mit einfließen zu lassen. Nicht um mich lieb Kind zu machen, sondern weil die Summe aller Meinungen der Spiegel eines jeden Buches ist, ob sie nun zutreffen oder nicht.
Bei jedem Buch, das der amerikanische Schriftsteller J.D. Salinger geschrieben hat (es sind genau 4), fällt mir diese Taktik jedoch sehr schwer. Ich liebe seine Bücher und doch möchte ich nicht ausschließen, dass sie für manche eine eher unbeeindruckende Erfahrung darstellen können, auch wenn ich jedem ans Herz legen möchte, sie zu lesen. Mich haben diese Bücher verändert. Ich kann sie immer wieder lesen, ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert und gepackt, gehe immer wieder durch diese Prosa, die ganz ohne Manierismen und fast ohne Sorgfalt auskommt, mit einem Gefühl, als wäre alles, was dort geschrieben steht, ein Geschehen irgendwo zwischen Leben und Kunst, eine nahe und doch zugleich sehr literarische Erfahrung. Auf der Höhe der Literatur und doch in vielen Untiefen.
Der Fänger im Roggen ist nun ein ganz besonderes Werk und ich weiß nicht, ob ich es hinkriege, darüber etwas Gescheites zu schreiben. Ich bin mal wieder, nach der 4ten Lektüre, überrascht, wie schnell dieser Roman doch vorbeigeht und wie viel (in den Zwischenräumen) und zugleich wenig (an der Oberfläche) darin passiert. Doch am meisten hat mich wieder einmal die unglaubliche Nähe, die Aufrichtigkeit und Authentizität, die Empathie und der plötzliche Witz dieses Buches begeistert. Ich frage mich wie immer: Wer traut sich wirklich, so ein Buch zu schreiben, wie "Catcher in the rye" eines ist? So wahr und doch (oder deswegen) so gegen den Strom.
Eine Bekannte, der ich das Buch zu Lesen gab, meinte Holden wäre ein Außenseiter, ein Verrückter gar, ein Nihilist, ein Abgedrehter. Ich bin nicht der Ansicht. Ich glaube Holden geht einfach an der Welt kaputt (und ist nebenbei sehr viel gesünder als die meisten von uns). Aber er geht eben nicht spektakulär kaputt. Überhaupt ist nichts in diesem Buch spektakulär, äußerlich. Es ist alles ganz einfach - und doch so kompliziert. Und Salinger schafft es, dies auf den Punkt zu bringen - er hat ein wundervolles Buch darüber geschrieben, mit einer der besten, in seinen Empfindungen wirklich nachzuempfindenden Figur, die je auf den Leser losgelassen wurde. Wer glaubt, dass Kunst nicht das Leben abbilden könne, weil sie idealisiert, trickst, glättet, der sollte den Fänger im Roggen lesen.
"Aber wenn man am Leben bleiben will, muss man eben dieses Zeug mitmachen."
Ein Buch das sagt: Take it or leave it und das doch im Geheimen weiß: So einfach ist es nicht. Viele Leute sehen in Holden gerne einen klassischen Antihelden (aber Held und Antiheld sind Konstruktionen der Kunst und damit wird man Holden nicht gerecht) oder einen sehr sprunghaften, sonderbaren Kerl. Aber werden wir nicht alle von denselben Dingen wie er umgetrieben? Spontane Abneigung, Verlorenheit, Daseinsjammer und oft dieses Gefühl der Oberflächlichkeit, als hätte man sich in einer Welt der Schemata und Konventionen verlaufen, aus denen stets nur das immer gleiche, beschränkte erwächst – wo man selbst doch nur ein bisschen etwas Wahres haben will? Salinger hat sich getraut diese Emotionen und Ideen am Beispiel eines Heranwachsenden wunderbar zu durchleuchten, das ganze Problem, mit der Welt klarzukommen, mit den Menschen, die alle so verschieden sind und die doch alle in einer Gleichung zusammenkommen sollen, die man Zusammenleben nennt.
Und doch ist Der Fänger im Roggen kein Manifest, keine psychologische Studie und Holden ist kein Ankläger, keine Thomas Bernhard Figur, keiner, der es sich in seiner Opposition leicht macht. Nein, auch er sucht nur seinen Platz in dem Ganzen und hält sich selbst für reichlich schwierig. Dabei zeigt sich gerade an seinem Beispiel, wie schwierig es ist, man selbst zu sein, wenn dieses selbst sich fast nirgendwo mit der Umwelt deckt und sich nicht in eine maßgeschneiderte Existenz begeben will.
Dies alles und noch mehr, verteilt und oft unscheinbar, steckt in diesem Buch.
Mancher mag meinen, es sei ein bloßer Kniff aus Stilmitteln und Vulgärsprache, wie Salinger Holden reden lässt und das sei das ganze Revolutionäre an diesem Buch. Weit gefehlt - weiter geht kaum mehr. Wer den Fänger im Roggen auf diese Dinge festmacht, wird ein großartiges Buch versäumen. Denn all diese sprachlichen Kleinigkeiten - wenn man genau hinhört, nachfühlt, sind es Signale der Seele, wie auch wir selbst sie für einen Moment oft spüren. Dinge, die einen umhauen. Die einen wütend machen. Die einen abrutschen lassen in eine plötzlich Melancholie oder Abgewandtheit. Die einen euphorisch machen oder einen irgendwie seltsam beruhigen oder gar glücklich machen. Dinge, die uns eben umtreiben, weil wir in einer Welt leben, die ständig mit uns kommuniziert und unser Selbst auch ausmacht. All das hat Salinger seiner Figur eingegeben und wenn man dies beim Lesen bedenkt, ist es wahrlich umwerfend, das er dieses Buch überhaupt geschrieben hat. Vor allem, dass er es geschrieben hat, ohne es zu kommentieren, ohne in irgendeiner Weise in Rhetorik oder Abhandlung oder Essayistik zu verfallen.
Bei allem was ich sage, möchte ich dennoch nicht verhehlen, dass dieses Buch kein Wegweiser ist oder eine wirkliche Philosophie vertritt. Holden ist nicht Salinger und selbst wenn, dann ist Holden kein Prophet. Er ist ein Mensch, ein Teenager, wie tausend andere und er spricht mit der Stimme eines solchen und nur damit. Und das, diese einfache Tatsache, macht dieses Buch letztlich (und allein schon) so lesenswert. Nichts türmt sich darüber auf, keine unterschwellige philosophische Strömung hat dieses Werk aufgeschüttet. Es ist ein Werk, das einfach erzählen will, wie das so ist, das Problem mit dem Leben, mit der Schule, mit den Mädchen, mit der Freude, mit der Liebe, mit der Angst, mit dem Glück. Man kann Salinger nur dankbar sein, dass er es geschrieben hat. Für mich und vielleicht nur für mich, ist der Fänger im Roggen eines der schönsten und eindrucksvollsten Werke, die je zwischen zwei Buchdeckeln veröffentlicht wurden. So konzentrierte Erzählkunst und doch ist es ist kein großer, erlesener Roman - es ist viel mehr als das, viel näher am Leben. Es ist Literatur, im besten Sinne.
Zuletzt zur Übersetzung: Übersetzungen sind immer so eine Sache. Ich glaube nicht, dass man Den Fänger im Roggen im Original lesen muss, auch wenn das wiederum eine ganz besondere Erfahrung ist. Die neue Übersetzung von Schönfeld finde ich auch okay, wobei mir die von Böll besser gefällt, wenn sie auch anfangs etwas verstellt wirkt. Aber in dieser Übersetzung habe ich mehr das Gefühl, dass das Werk wirklich in die deutsche Sprache übersetzt wurde und ihren Ansprüchen, ihrer Art gerecht wurde, während Schönfelds Übersetzung mehr ein Versuch ist, die Legerheit und Eigenheit der englischen Version auch im Deutschen erreichbar zu machen (aber es ist nun mal das Problem, dass diese Art im Englischen total gut kommt, mit ihrer Knappheit etc., aber im Deutschen etwas zu BAM-mäßig klingt). Sind eben zwei Konzepte, die man beide nicht aburteilen sollte. - Rainbow Rowell
Eleanor & Park
(1.181)Aktuelle Rezension von: bibliophilaraMit ein bisschen Verspätung ist endlich der Frühling auch meteorologisch bei uns angekommen, und das heißt auch immer: Zeit für Frühlingsgefühle! Deswegen hatte ich Lust auf eine luftig-leichte Liebesgeschichte. Vor einigen Jahren habe ich in meiner Lieblingsbuchhandlung einen Jugendroman gekauft, der genau das bietet, wonach ich gerade gesucht habe. „Eleanor & Park“ ist der Debütroman von Rainbow Rowell aus dem Jahr 2015, der schnell Erfolge verbuchen konnte. 2016 wurde das Buch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, und auch der Gott der Jugendliteratur selbst, John Green, äußerte sich in so hohen Tönen über „Eleanor & Park“, dass diese prompt auf das Cover gedruckt wurden: „Dieser großartige Roman erinnert mich nicht nur daran, wie es ist, jung und verliebt in ein Mädchen zu sein, sondern auch daran, wie es ist, jung und verliebt in ein Buch zu sein.“ Eine Lobeshymne von John Green ist quasi ein Ritterschlag. Inzwischen wird Rainbow Rowell aber auch oft mit Green in einem Atemzug genannt, und ist häufig die empfohlene Alternative für jene, die die überschaubaren Werke von Green schon kennen und lieben.
Der 16-jährige Park Sheridan lebt im Jahr 1986 mit seinem US-amerikanischen Vater, seiner koreanischen Mutter und seinem jüngeren Bruder Josh in Omaha im US-amerikanischen Bundesstaat Nebraska. Er fährt mit dem Schulbus zur Schule, wo Jeder seinen festen Sitzplatz hat. Der Platz neben ihm war bisher frei, worüber er ganz froh war. Nun gibt es jedoch ein neues Mädchen in seinem Jahrgang, das gezwungenermaßen den freien Platz einnimmt. Dass das der Beginn einer Liebesgeschichte ist, kann sich Park beim besten Willen nicht vorstellen.
Nachdem die gleichaltrige Eleanor Douglas nach einem Jahr Reißaus wieder in die prekären Verhältnisse ihres Elternhauses zurückkehrt, muss sie dadurch auch die Schule wechseln. Schon am ersten Schultag bekommt sie die Ablehnung ihrer Mitschüler deutlich zu spüren und landet notgedrungen neben einem kleinen, schmächtigen Jungen im Schulbus. Dass dieser Junge Park heißt und dass die Beiden mehr gemeinsam haben, als sie denkt, ahnt auch sie noch nicht.„Er versuchte nicht mehr, sie zurückzuholen.“, ist der erste Satz des Prologs, welcher ein klassisches Beispiel für eine epische Vorausdeutung ist, also hier am Anfang des Romans steht, aber eine Vorwegnahme des Ausgangs der Geschichte ist. Mit insgesamt annähernd 450 Seiten und 58 Kapiteln sind letztere recht kurz gehalten. Park und Eleanor wechseln sich als personale Erzähler im Präteritum ab, manchmal auch innerhalb der Kapitel. Der Handlungszeitraum beginnt im August 1986 und spielt etwa bis zum Ende des Schuljahres 1987.
Als Erstes lernt der Leser den männlichen Protagonisten Park Sheridan kennen. Er ist ein verhältnismäßig kleiner, schlanker Junge mit grünen Augen, den seine Mitschüler aufgrund seiner koreanischen Mutter als Asiaten bezeichnen. Gelegentlich hat er mit Rassismus zu tun, so wird seine Mutter von einem Schüler fälschlicherweise als Chinesin bezeichnet oder es wird ihm nachgesagt aus dem Dschungel zu kommen, weil die Szenerie in einem Film über den Vietnamkrieg im Dschungel spielte. Sogar Parks Bruder Josh ist inzwischen größer als er, weshalb er Schwierigkeiten hat, gegen ihn im Taekwondo anzukommen. Auch in der Schule gegen den Rüpel Steve hat Park es deshalb nicht leicht, weshalb er eher ein zurückhaltender und schüchterner Schüler ist, der gerne Musik hört oder mit seinem Freund Cal abhängt.
Eleanor Douglas hat dagegen einen ganz anderen Hintergrund. Sie lebt seit Kurzem wieder bei ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihren vier jüngeren Geschwistern, beziehungsweise Halbgeschwistern, in einem sehr kleinen Haus, sodass sie sich ihr Zimmer mit all ihren Geschwistern teilen muss. Das Zimmer ist klein und so beengt, dass nicht einmal jeder ein Bett für sich alleine hat. Das einzige Badezimmer hat keine Tür, weshalb ein behelfsmäßiges Laken über den Türrahmen gespannt wurde. Eleanors Verhältnis zu ihrem Stiefvater ist sehr schlecht, da dieser aggressiv und gewalttätig ist. Eleanor hat dunkelbraune Augen, einen roten Lockenschopf und Sommersprossen. Sie ist ein durchschnittlich großes, aber pummeliges Mädchen, das aufgrund der finanziellen Not ihrer Familie kaum Kleidung besitzt. Mit zu großen Hemden, geflickten oder löchrigen Hosen oder einer Krawatte, mit der sie sich die Haare zusammen bindet, fällt sie unfreiwilligerweise auf wie ein bunter Hund. Als 16-Jährige ist sie gerade mitten in der Pubertät, hat aber zuhause keinerlei Rückzugsorte oder Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentfaltung. In der Schule ist sie den Schikanen ihrer Mitschülerinnen ausgeliefert. Kurzum, Eleanor ist eine bemitleidenswerte Figur. Dennoch fiel es mir zwischendurch schwer, mit ihr zu sympathisieren. Vermutlich aufgrund ihrer sozialen Herkunft igelt sie sich stark ein und wirkt gerade auf Unbekannte abweisend und widersprüchlich. Dies ist zwar der Tatsache verschuldet, dass sie auf sich alleine gestellt ist und kaum Rückhalt aus ihrem familiären Umfeld bekommt, es macht sie jedoch auch zu einem zwiespältigen Charakter.
Insgesamt fand ich es großartig, dass Rowell versucht neben der ersten großen Liebe auch noch ernste Themen wie Armut, Alkoholismus, Rassismus, häusliche Gewalt und Mobbing unterzubringen. Allgemein gelingt dies auch sehr gut, allerdings gibt es gerade in puncto Armut einen Aspekt, den ich Rowell nicht abkaufen kann. Dass Eleanor mit erschreckender Mittellosigkeit groß wird, wird regelmäßig deutlich. Sie besitzt keine Jacke und das Essen, das ihre Mutter kocht, besteht häufig aus Resten wie Reis und Ei oder belegtem Toastbrot, während ihr Stiefvater ein Steak aufgetischt bekommt. Im zwölften Kapitel erzählt Eleanor aber, dass es in ihrem Haushalt „kein Telefon, keine Waschmaschine, keine Zahnbürste“ gäbe. Eleanor müsse sich deswegen die Zähne mit Salz schrubben. Aber ganz ehrlich, es kann einfach nicht sein, dass vom Haushaltsgeld eine siebenköpfige Familie plus ein Hund und eine Katze durchgefüttert werden können, wobei der Stiefvater sogar noch sein Steak erhält, während für Zahnbürsten, die schätzungsweise ein Dollar das Stück kosten, kein Geld übrig ist. Vielleicht wollte Rowell auf Teufel komm raus die Armut dieser Menschen darstellen, hat dabei aber den Realitätsbezug verloren. Oder wer auch immer in der Familie Douglas für die Ausgaben verantwortlich ist, kann nicht haushalten, und macht die Familie ärmer als sie ist.
Rowell verwendet eine einfache Sprache, die sich an den Jugendslang anbiedert und nicht vor Umgangssprache wie „Wichser“, „Schlampe“ oder „Arschloch“ zurückschreckt. Gleichzeitig beweist sie aber auch, dass eine schlichte Sprache nicht gleich ein schlichter Stil bedeutet. Der Schreibstil ist zwischendurch humorvoll, aber vor allem die zarten Annäherungsversuche zwischen Eleanor und Park sind zauberhaft fein, kreativ und doch so unverkennbar, dass sich jeder Leser darin wiederfinden kann. Die aufkeimenden Emotionen zwischen den beiden Jugendlichen sind so wunderschön, ohne jemals kitschig oder klischeehaft zu werden. Auch das Tempo ist sehr gut gewählt, sodass sich das Buch angenehm lesen lässt. Dennoch blitzt gelegentlich durch, dass dies Rowells Debütroman ist, da es stilistisch noch nicht ganz ausgefeilt ist und ich leider einen fachlichen Fehler gefunden habe. In Kapitel 42 erzählt Eleanor: „seine Augen waren so grün, dass sie Kohlensäure in Sauerstoff hätten umwandeln können.“ Moment mal, Kohlensäure? Worauf Eleanor hier anspielt, ist höchstwahrscheinlich die Photosynthese, Stichwort „grün“. Dabei wird aber, wie man im Biologieunterricht lernt, Kohlenstoffdioxid (CO2) in Sauerstoff (O2) umgewandelt. Kohlensäure dagegen hat die Summenformel H2CO3 und spielt bei der Photosynthese überhaupt keine Rolle. Vielleicht ist dieser Fehler auch erst bei der Übersetzung entstanden. Jedenfalls ist es schade, dass jemand hier nicht einfach noch einmal nachgeschlagen hat.
Etwas, das quasi die Quintessenz von „Eleanor & Park“ ist, sind die zahllosen subkulturellen Anspielungen an die 1970er und 80er-Jahre. Seien es Comics, Musik, Filme oder gar Literatur und Lyrik. Während der gemeinsamen Busfahrt haben Eleanor und Park fast täglich Zeit sich über gemeinsame Interessen auszutauschen. Viele der Referenzen waren mir bekannt, seien es Bands wie „Joy Division“, „The Beatles“, „U2“ oder Comics wie „Batman“, „Fantastic Four“ oder „Watchmen“. Andere Anspielungen waren mir dagegen gar nicht bekannt, weil ich erstens ein Kind der 1990er bin und zweitens die US-amerikanische Subkultur doch manchmal Unterschiede zu der Mitteleuropas aufweist. So musste ich erst einmal recherchieren, was es mit „XTC“, „Skinny Puppy“ oder „Echo & The Bunnymen“ auf sich hat. Einerseits finde ich es ganz cool, beim Lesen nebenbei noch dazuzulernen, andererseits waren die unbekannten Referenzen manchmal zu viel des Guten, weil ich das Buch immer wieder zur Seite legen musste, um zu recherchieren, damit ich den Hintergrund der Geschichte besser verstehe, auch wenn das den Lesefluss oft unterbrochen hat.
Das Ende ist im Grunde genommen wie das gesamte Buch. Es folgt nicht dem klassischen Handlungsstrang und so wird auch der Abschluss nicht den Erwartungen jener Leser gerecht, die ein 08/15-Ende suchen. Doch gerade wegen seiner Bittersüße hat sich „Eleanor & Park“ einen Platz in meinem Herzen erschlichen.„Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell ist eine wirklich liebenswürdige Geschichte über die erste große Liebe zweier 16-Jähriger im Jahr 1986. Sie hebt sich in vielerlei Hinsicht von typischen Liebesromanen für Jugendliche ab und ist eine schöne Frühlingslektüre. Mir wird das Jugendbuch zwar in positiver Erinnerung bleiben, es ist aber nicht ganz makellos. Eleanor ist als Protagonistin manchmal schwierig, der Stil ist noch nicht perfekt und die vielen Referenzen sind für Jugendliche heutzutage wahrscheinlich nicht mehr verständlich. Auch, dass Eleanor anfangs keine Zahnbürste hat, oder der fachliche Fehler bezüglich der Photosynthese, sind relativ kleine Kritikpunkte, die in ihrer Summe aber ins Gewicht fallen. Deshalb kann ich „Eleanor & Park“ aus dem Jahr 2015 nicht mehr als drei von fünf Federn geben. Doch gerade für die Zielgruppe, Jugendliche zwischen 14-18 Jahren, ist dieser Liebesroman aus vielen Gründen empfehlenswert.
- Lauren Oliver
Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie
(1.425)Aktuelle Rezension von: knuddelbackeIch muss zugeben, eins der Bücher die mich seit langem wirklich überrascht haben. Ich fand den Klappentext eigentlich nicht sehr verlockend, da aber krank und Mangels anderer Beschäftigungsmöglichkeiten, gab ich dem Buch eine Chance. Gott sei Dank. Binnen 24 Stunden hatte ich es durchgelesen.
Zu Beginn habe ich ein bisschen gebraucht um mit den jugendlichen Figuren, dem Schauplatz Highschool und der ungewohnten Atmosphäre klar zukommen. Man selber ist nicht mehr die jüngste und hat eigentlich einen ganz anderen Alltag. Doch als Mutter einer Tochter erkennt man dann das ein oder andere wieder. Spätestens mit Lesen des Dritten Tages hatte mich das Buch erwischt. Ich fieberte mit Sam, der Hauptfigurschon sehr schnell und sehr intensiv mit. Ich frage mich, genau wie sie selbst, ob sie wieder am 12. Februar aufwachen wird? Wird Sam wieder sterben? Welche menschlichen Tragödien warten diesmal auf sie? Was wird anders laufen und natürlich die finale Frage, wie geht das Buch aus? Wird sie sterben , oder wird sie dem Tod entgehen können ?
Sam macht eine unglaubliche Entwicklung durch. Dadurch, dass sie den Tag immer wieder durchlebt ,beginnt sie sich selbst und ihre Verhaltensweisen zu reflektieren. Ein Charakterzug, der bei Jugendlichen Ihren Alters eher selten vorkommt. Das Buch präsentiert die üblichen Charaktere in der Schule , so dass die Wahrscheinlichkeit der Identifikation sehr hoch ist, auch oder gerade bei den jüngeren Lesern. Die Autorin hat denke ich ein ganz gutes Bild einer amerikanischen GegenwartsHighschool geschaffen . Ihr ist eine gute sozialkritische Analyse der aktuellen Generation mit all Ihren Facetten gelungen. Implementiert in einen spannenden Plot. Sams Vermögen zur Selbstreflektion und die damit verbundene Fähigkeit ihr eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen, Handlungen in der Vergangenheit zu bewerten und daraus zu lernen, das hat mich wirklich berührt
- Jojo Moyes
Weit weg und ganz nah
(1.910)Aktuelle Rezension von: LidenBUCH
review
Autor
Jojo Moyes
Genre des Buches:
Liebesroman
Was ist das Hauptthema oder die Message des Buches ?
Broke & Rich - Alleinerziehend
- Zufallsbegegnungen
Würde ich es weiterempfehlen?
Bedingt
Datum
28.01.2026 (10)
Bewertung
Titel
Weit weg und ganz nah
Zusammenfassung des Buches in meinen eigenen Worten:
Jess hat es nicht leicht. Seit ahren lebt sie mit ihren beiden Kindern am Existenzminimum. Ihre hochbegabte Tochter ist zu einer Olympiade eingeladen aber es fehlt das Geld für die Reise .. doch ihr Klient hat zu viel Geld über .. Dann hat ihr Auto eine Panne und sie muss mit dem Mann mitfahren, den sie zuvor bestohlen hat.
Mein Fazit zu diesem Buch:
Eine lockere Erwachsenen Romance.
Ich brauchte einen seichten Ausgleich
und das ist dem Buch gelungen. Eintach
süß für zwischendurch mit einer
nahbaren Protagonistin. Nur der andere
Protagonist war mir doch zu
klischeehaft gezeichnet - der
durchtrainierte IT Nerd mit seiner
Model Exfrau - kennen wir doch alle xD
- Antonia Michaelis
Der Märchenerzähler
(1.534)Aktuelle Rezension von: MiASelten lese ich ein Buch und wünsche mir, dass es bald endet. Hier war es leider der Fall. Ich fand die Protagonisten ziemlich schwierig. Manchmal war ich fassungslos, weil die Entscheidungen, die Anna getroffen hat, für mich überhaupt nicht nachvollziehbar waren, auch wenn die oft unter dem Deckmantel „Ich liebe ihn (trotzdem)“ passierte.
Was ich gut fand, war die Idee einer „Geschichte in der Geschichte“, was dem Buch seinen Titel gab. Allerdings hatte der Hauptstrang wenig, was mich gespannt weiterlesen las. Letztendlich habe ich das Buch nur beendet, weil ich ungern Bücher abbreche. - Stephen King
Carrie
(1.562)Aktuelle Rezension von: Lunacat.
4,75 Sterne für dieses alte Meisterwerk ♥︎
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Das war mein zweiter King und ich wollte unbedingt sein Debüt lesen - dieses Buch ist doch tatsächlich von 1974! - und wurde nicht enttäuscht! Ich habe vor, jetzt alles nach ET zu lesen!!
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Die Geschichte umfasst knapp 300 Seiten und hat mich wirklich ab Seite 50 total in den Bann gezogen. Ich wollte dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen, weil es so enorm spannend war! Die Handlung war perfekt durchdacht, ich hab enorm mitgefiebert und die Spannung war groß!
Was wird passieren? Wie endet es? Was ist überhaupt schon passiert? Ich bin durch die Geschichte geflogen!
Die vielen verschiedenen Arten von Texten im Buch waren toll eingebaut und haben mich total begeistert!
Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen!
Ich konnte sogar enorm mit Carrie mitfühlen und zwischendrin wollte ich einfach nur, dass es eine Liebesgeschichte wird... (if you know, you know :-()
Und ich war dauernd nur so "Nein, bitte nicht, nein, oh Gott, nein". Mich hat das Buch total gecatcht und ich hab es gleich als erstes Buch des Jahres weggesuchtet!
"Natürlich hab ich hier nicht die Tiefe wie in einer Romantasy" - falsch gedacht. Ja, nicht in dem Ausmaß, doch die Geschichte hat mich auch mit ihrer Tiefgründigkeit überzeugt!
Die Charaktere waren sehr spannend gestaltet und konnten mich total überzeugen! So untypisch, so "anders" und doch einfach "normale Menschen", aber richtig gut geschrieben!
Als jemand, der die Geschichte rund um Carrie noch gar nicht kannte, hat mich das Buch total geschockt!
Den Schreibstil fand ich auch toll!!! Anfangs musste ich mich kurz zurechtfinden, aber dann war ich einfach nur begeistert!
Ich MUSS mehr von King lesen!
(Ja, im Werk sind Begriffe, die heutzutage nicht okay sind, aber es im Nachhinein zu ändern, wäre auch falsch, auch wenn ich mir hierzu noch eine Bemerkung gewünscht hätte)
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Fazit:
Ein Banger zum Jahresbeginn!
- Anna Gavalda
Zusammen ist man weniger allein
(3.345)Aktuelle Rezension von: a_different_look_at_the_bookIch hatte mich sehr auf den Roman „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda gefreut. Der Klappentext versprach eine gefühlvolle Geschichte, voller Herzschmerz, aber auch mit humorvollen und warmen Momenten. Genau das habe ich mir erhofft - doch bekommen habe ich etwas völlig anderes.
Schon nach wenigen Seiten wirkte die Handlung eher wie ein Wirrwarr. Ich habe das Buch gemeinsam mit @linhelest angefangen, die nach einem Viertel abgebrochen hat. Und ehrlich gesagt, konnte ich das gut nachvollziehen. Ich selbst habe weitergelesen, vor allem weil mich das Schicksal der alten Paulette nicht losgelassen hat.
Doch der Stil - ob nun von der Autorin oder durch die Übersetzung - macht es einem wirklich schwer. Ständige Zeitsprünge lassen einen oft das Gefühl haben, man hätte etwas verpasst. Zudem zieht sich die Handlung spürbar in die Länge. Viele Szenen wirken belanglos und bremsen den Lesefluss, anstatt die Figuren oder die Handlung voranzubringen.
Obwohl man durchaus Einblicke in die Vergangenheit der vier Hauptfiguren bekommt, sind sie mir dennoch nicht durchweg sympathisch geworden. Gerade Franck blieb mir trotz seines Schicksale auf Distanz.
Besonders problematisch fand ich den Umgang mit den Krankheiten der Protagonisten. Philiberts Stottern verschwindet quasi durch Camilles Unterstützung und ein wenig Schauspielerei. Camilles Magersucht wiederum wird durch die Zuwendung von Franck, dem Koch, „geheilt“. Für mich wirkt das verharmlosend und respektlos gegenüber Menschen, die mit solchen Erkrankungen über Jahre hinweg Therapien durchlaufen.Ich empfand die Darstellung als unrealistisch und verantwortungslos.
Trotz all meiner Kritik hatte das Ende eine emotionale Wirkung auf mich. Auch wenn ich es kommen sah, hat mich eine Szene tatsächlich zu Tränen gerührt. Dieser Moment konnte das Gesamtbild für mich jedoch nicht retten.
Unterm Strich bleibt es für mich ein Roman mit einer starken Grundidee, die viel Potenzial hatte, aber in meinen Augen leider nicht ausgeschöpft wurde. Statt einer berührenden und mitreißenden Geschichte bekam ich einen verworrenen Text, der mich mehr verwirrt als begeistert hat.
©2025 adlatb
- Jennifer Niven
All the Bright Places
(770)Aktuelle Rezension von: MoidlvomberchIch fand das Cover sehr interessant gestaltet und der Klappentext machten mich neugierig auf den Inhalt des Buches.
Nun ich wurde absolut nicht enttäuscht, die Geschichte fängt schon sehr gut an und so wurde ich immer weiter in den Bann gezogen,
zwischen all der Dramatik musste ich immer mal wieder schmunzeln, das Buch was für mich hoch emotional und ich habe mitgefiebert.
Ein Buch dass ich dank des sehr guten Schreib- und erzählstils nicht mehr so einfach aus der Hand gelegt habe, ich habe das Buch zimmerhalb weniger Stunden komplett ausgelesen, fand ich aber auch das Thema sehr interessant.
Ein tolles Buch das bei mir immer noch nachhallt und mir noch lange im Kopf bleibt!
ganz klare Leseempfehlung!!
- Stephen King
Der Outsider
(309)Aktuelle Rezension von: schnegge1998Dies war das erste Buch was ich von Stephen King gelesen habe. Der Klappentext hat mich total neugierig gemacht und auch die ersten Seiten waren sehr interessant. Anfangs dachte ich, ich kann gar nicht aufhören zu lesen. Ab der Buchmitte war es etwas langatmig, dennoch habe ich weiterhin an die spannung geglaubt. Man denkt es ist ein skrupelloser Killer, der sich sehr gut zu tarnen weiß. Dass er sich von dem Grauen der Opfer ernährt, ist sehr krank aber es hat das Buch spannend gemacht. Aber als es dann mit dem Verwandeln in andere Personn anfing und diese übernatürlichen Geschehen passiert sind, war ich echt raus. Als die Auflösung sich in Richtung Jack zu schlagen drohte, habe ich gedacht es wird doch noch richtig spannend. Dass es dann doch anders kam mit dieser Kreatur in der Höhle, war ich echt enttäuscht. Ich musste mich leider sehr durch die letzten Seiten quälen.
- R.J. Palacio
Wunder
(1.137)Aktuelle Rezension von: Lucie"Wunder" ist ein wirklich süßes und authentisches Buch, über einen Jungen, der mit einem entstellten Gesicht zur Welt gekommen ist und nun versucht, auf der middle schooI klarzukommen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und ist dabei so authentisch und ungeschönt, dass es einem regelmäßig die tränen in die Augen treibt!
Ich bin echt kein Mensch, der sich schnell von Büchern oder Filmen zu Tränen rühren lässt, aber dieses Buch ist einfach so bewegend und fühlt sich so real an, dass man das Gefühl hat, selbst Teil der Geschichte zu sein!
Wie man also vielleicht schon raushört kann ich dieses Buch wirklich wärmstens empfehlen!
- Jean-Paul Sartre
Der Ekel, Sonderausgabe
(276)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDa sitzt sie, die Melencolia, reglos, den Kopf auf ihre Hand gestützt, kann sich trotz ihrer Flügel nicht erheben, das Handwerkszeug um sich herum nicht ergreifen.
Hört sie das Läuten der Glocke über sich? Sieht sie die Jakobsleiter, die zum Licht mit seinem Regenbogen führt?
Mehrmals hatte ich Jean-Paul Sartres "Der Ekel" angefangen zu lesen. Aber die Sichtweise seiner Hauptfigur, Antoine Roquentin, auf die Welt stieß mich zu sehr ab, verursachte einen Ekel in mir.
Im Gegensatz zum Ich-Erzähler ergab ich mich nicht der Selbstreflexion in Form eines Tagebuchs, sondern forschte zunächst in der Entstehungsgeschichte des Romans, insbesondere in Sartres Biografie.
In seiner Kindheit war Sartre einem Wechselbad von Bezugspersonen ausgesetzt.
Sein rechtes Auge erblindete nach und nach. Die visuelle Wahrnehmung erfolgte also fortan stärker über die rechte Gehirnhälfte, über die Gefühle. "Le petit homne", das Männlein, wurde er von seinen Freunden genannt, weil er nur 1,53 m groß war.
Seine erste Liebe lernte er auf einer Beerdigung kennen. Die Treffen mit ihr frustrierten ihn.
Ein Heiratsantrag, der einer anderen Frau galt, wurde abgelehnt.
Nach Reisen am Anfang der dreißiger Jahre unterrichtete Sartre in Le Havre, wo die Wirtschaftskrise für eine gedrückte Stimmung sorgte.
Seine Doktorarbeit über die Vorstellungskraft konnte er nicht beenden. Das Meskalin, das er sich spritzen ließ, linderte seine Depressionen nicht, sondern verstärkte sie begleitet von Wahn- und Panikphasen.
Als das Manuskript seines Romans "Melancholia" 1936 abgelehnt wurde, war Sartre zwar enttäuscht, ließ sich aber nicht entmutigen. In der Fortsetzung seiner belletristischen Arbeit wurde er von seiner Lebenspartnerin Simone de Beauvoir bestärkt.
1938 erschien das Buch schließlich unter dem Titel "La Nausèe" und wurde zum Erfolg.
Mit diesem Hintergrundwissen fiel mir der Zugang zum Buch viel leichter.
Der Historiker Antoine Roquentin lässt sich nach einer mehrjährigen Forschungsreise in der fiktiven Stadt Bouville nieder.
Er arbeitet nicht an seiner Doktorarbeit, sondern forscht über einen Adligen namens Marquis de Rollebon. Daneben beginnt er ein Tagebuch, weil ihn bestimmte Ereignisse und Veränderungen verstören.
Gegenstände und Menschen lösen plötzlich eine Art Angst bei ihm aus. Ein Kieselstein, ein Stück Papier, selbst seine eigene Hand werden zu einer diffusen Bedrohung. "Ich sehe meine Hand, die sich auf dem Tisch ausbreitet. Sie lebt - das bin ich. Sie öffnet sich, die Finger spreizen und strecken sich. Sie liegt auf dem Rücken. Sie zeigt mir ihren fetten Bauch. Sie sieht aus wie ein umgefallenes Tier. Die Finger, das sind die Beinchen."
Hier hörte ich Klänge von Franz Kafkas "Verwandlung". Zwei Seiten weiter, als Roquentin seine Hand mit dem Messer attackiert, erinnerte ich mich daran, dass Vincent van Gogh sein Ohr oder ein Teil davon abgeschnitten hatte.
"Sein Hemd aus blauer Baumwolle hebt sich fröhlich von einer schokoladenfarbenen Wand ab. Auch das verursacht den Ekel. Oder vielleicht: das ist der Ekel." Immer wieder spielen Farben eine Rolle im Roman. Eine Wirkung des Meskalins, wie ich nachgelesen habe.
Im Stilmittel der Beschreibung werden Edmund Husserl und auch Martin Heidegger transparent, mit denen sich Sartre 1933 in Berlin beschäftigt hatte. Auch andere Denker schimmern in seinen philosophischen Überlegungen durch. Vor allem aber nimmt Sartre an diesen Stellen sein theoretisches Hauptwerk "Das Sein und das Nichts" vorweg.
"Es gibt jetzt also Leute, die mich erkennen, die denken, nachdem sie mich scharf angesehen haben: 'Der da gehört zu uns'", schreibt er auf Seite 107 im Roman. Fünf Jahre später heißt es: "Wenn es einen andern gibt, wer er auch sei, wo er auch sei, was immer seine Bezüge zu mir sein mögen, auch wenn er auf mich nicht anders als durch das bloße Auftauchen seines Seins einwirkt, ich habe ein Außen, ich bin eine Natur; mein Sündenfall ist die Existenz des anderen; und die Scham ist – wie der Stolz – die Wahrnehmung meiner selbst als Natur, wenn auch eben diese Natur mir entgeht und als solche unerkennbar ist."
Auf Seite 159 erlebte ich, wie Sartre die Gedanken René Descartes und die von Martin Heidegger weiter vorantrieb beziehungsweise berichtigte.
"Mein Denken, das bin ich: deshalb kann ich nicht aufhören. Ich existiere, weil ich denke ... und ich kann mich nicht daran hindern zu denken. Sogar in diesem Moment - es ist gräßlich, wenn ich existiere, so, weil es mich graut zu existieren. Ich bin es, ich bin es, der mich aus dem Nichts zieht, nach dem ich trachte ..."
Als Roquentin schließlich im Park eine Wurzel erblickt, erkennt er die Sinnlosigkeit der Existenz: "Das Wesentliche ist die Kontinguenz. Ich will sagen, daß die Existenz ihrer Definition nach nicht die Notwendigkeit ist. Existieren, das ist dasein ... Alles ist grundlos, dieser Park, diese Stadt und ich selbst ... Wie lange dauerte die Faszination? Ich war die Wurzel des Kastinienbaums. Oder vielmehr, ich war ganz und gar Bewußtsein ihrer Existenz. Noch losgelöst von ihr - da ich mich ihrer ja bewußt war - und dennoch in ihr verloren, nichts anderes als sie."
Dass Roquentin nach dieser Erkenntnis nicht mehr in der Schlammstadt sein Leben als Historiker fortsetzen wollte, konnte ich gut nachvollziehen. Am Ende (er)findet er sich neu als Romancier.
Albrecht Dürers Melencolia und Sartres Roquentin sind gezwungen innezuhalten. Niedergedrückt, aber mit wachem Blick erkunden sie nun die Phänomene dieser Welt. Sie stellen Fragen und finden Antworten. Die Erde ist keine Scheibe mehr. Vor der Melencolia liegt eine Kugel. Ein großer Polyeder trennt Himmel und Erde. Eine Wurzel ist nicht mehr Funktion, sondern grundlos existent wie der Mensch.
Roquentin ergreift am Ende die Feder, um seiner Existenz einen Sinn zu geben. Ob es der Melencolia mit ihrem Zirkel gelingen wird, einen Kreis um die geteilte Welt zu ziehen, um so Himmel und Erde zu versöhnen?
Vera Seidl
- Ewald Arenz
Alte Sorten
(610)Aktuelle Rezension von: MaRayneErstmal vorab: Ich habe nichts mit Garten- oder Feldarbeit am Hut. Das letzte Mal, das ich in einem Obstbaum gehockt habe, war als kleines Mädchen im Kirschbaum von meinem Opa. Das ist schon ein paar Jahre her. Obwohl ich ein absolutes Dorfkind bin, konnte ich Gartenarbeit oder den Arbeiten auf einem Bauernhof nichts abgewinnen. Ich bin diejenige, die wegrennt, wenn sie einen Regenwurm oder Käfer sieht.
So... und jetzt erklärt mir mal, warum ich seit diesem Buch richtig Lust habe in der Erde rumzubuddeln oder etwas anzupflanzen?! Das ist doch verrückt! Aber diese Geschichte ging sowas von ins Herz. Ganz viele wunderschöne Eindrücke und tiefgründige Gedanke schwirrten beim Lesen in meinem Kopf herum. Das frühe Aufstehen mit einer Tasse warmen Tees mit Honig, das Gefühl von Händen in der Erde beim Ausgraben einer Kartoffel und der Geschmack von Sonnenlicht. Es klingt so verdammt kitschig, aber ich habe das so sehr gefühlt.
Die Geschichte von Liss und Sally hat mir so viel gegeben und mich noch mehr fühlen lassen. Es war so eine unerwartete und wunderschöne Entwicklung, das will ich momentan noch nicht loslassen. Und obwohl ich das Buch bereits vor einigen Tagen beendet habe, schwirren mit die Eindrücke immer noch ununterbrochen im Kopf herum.
Das Buch ist eine absolut Leseempfehlung! Und das obwohl ich selbst mir dieses Buch vermutlich niemals empfohlen hätte. Das passt gar nicht in mein Genre oder zu meinen Interessen. Dennoch habe ich alles daran geliebt! Buchclub sei Dank ♥
- Nele Neuhaus
Im Wald (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 8)
(643)Aktuelle Rezension von: reading_squirrel3.5 Sterne
Vermutlich ist meine Erwartungshaltung einfach falsch. Für mich sind Nervenkitzel à la Andreas Gruber und raffiniert aufgelöste, ineinander verstrickte Fälle, wie man sie aus dem Norden kennt, ein unverhandelbares Muss bei Krimis. Ich muss gestehen, dass ich in diesem Buch beide Punkte etwas vermisst habe.
Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis Leben in die Geschehnisse kommt und ich musste teils ziemlich mit mir selbst ringen, um weiterzulesen. Dann steht aber auf einmal plötzlich alles Kopf - lieben wir! Ansonsten sind die Kapitel angenehm gegliedert und nicht zu lange; Man erhält in den einzelnen Kapiteln Einblicke aus unterschiedlichsten Sichtweisen, was ich von anderen Autoren so nicht kenne und wiederum den eher laschen Spannungsbogen etwas hoch zieht. Das Ermittlerduo harmoniert gut, auch wenn es für mich jetzt nicht unbedingt die einprägsamsten Hauptfiguren sind.
Ich möchte die Reihe zu einem späteren Zeitpunkt definitiv weiterverfolgen, ungeachtet dessen, dass mir dieser Teil nicht so hundertprozentig zugesagt hat.
- Siri Pettersen
Die Rabenringe - Odinskind (Bd. 1)
(206)Aktuelle Rezension von: VoldaronAnfangs wusste ich nicht, was ich von dem Buch erwarten soll, aber nach einer Weile konnte ich es nicht mehr zur Seite legen. Die Story ist in einem nordischen Setting angesielt, das an die Wikinger-Zeit erinnert. Der Cliff-Hanger zum Schluss sorgt dafür, dass ich umgehend den zweiten Band lesen werde!
- Emily Bold
Silberschwingen - Erbin des Lichts
(435)Aktuelle Rezension von: loveAmaroSuper leichter Lesestil, bin sofort abgetaucht und konnte mich gleich in die Protagonistin rein versetzten. In dieses hinundher der Gefühle. Was ist richtig was ist falsch, wem kann man vertrauen wem nicht.
Es plätschert auch nicht dahin, bleibt durch und durch spannend.
Band 2 sofort bestellt. Will unbedingt wissen wie es weitergeht ❤️























