Bücher mit dem Tag "aussteiger"
61 Bücher
- Jon Krakauer
In die Wildnis
(409)Aktuelle Rezension von: AukjeIm August 1992 wurde die Leiche von Chris McCandless AKA Alexander Supertramp, in einem Bus in der Wildnis von Alaska gefunden. Der Journalist Jon Krakauer rekonstruiert sein Leben und seinen Wunsch die Zivilisation hinter sich zu lassen und ein Leben in der Natur, ohne Zivilisation und Konsum zu leben. Krakauer recherchierte ab Chris' Abschluss an der Uni im Sommer 1990 und dem Beginn seines Ausstiegs aus seinem bisherigen Leben bis zu seinem Tod 1992. Er interviewt dafür unter anderem seine Familie und auch Menschen die ihm während seiner Reise begegnet sind.
Obwohl man von Beginn Buches an eigentlich schon weiss wie es enden wird, rührt die Story einen zu Herzen. Ein wirklich wunderbares traurig-schönes Buch.
- Emma Cline
The Girls
(295)Aktuelle Rezension von: NinaVeronikaDer düstere Roman „The Girls“ von Emma Cline, welcher bereits 2016 erschien, erstrahlt nun mit einem neuen Cover bei Hanser Literatur. Die Geschichte rund um Evie, Suzanne und die vielen anderen Mädchen, orientiert sich stark an dem Fall der Manson Familie, die durch zahlreiche Straftaten und Morde Bekanntheit erlangte.
So wie die Manson Familie, ist auch die Formation im Buch eine sektenartige Kommune, welche vom Anführer Russel geleitet und manipuliert wird. Dabei zeigt das Buch auf wie Sekten gezielt nach Menschen Ausschau halten, die sich in einer schweren Lebensphase befinden um diese für ihre eigenen perfiden Interessen anzulocken. So gerät auch Evie immer tiefer in einen gefährlichen Strudel aus Gehirnwäsche, Gewalt und Abkapslung vor der „anderen Welt“. Der verzweifelte Wunsch nach Zugehörigkeit und Freundschaft, verwässern die Realität und binden Evie immer stärker an eine Gruppe, die schon bald ihre ganze Grausamkeit entlädt.
Wow! Die Geschichte hat mich ab Seite 1 so sehr gefesselt, dass ich das Buch kaum weglegen konnte. Der Schreibstil war dabei zwar oft herausfordernd, weil er alles andere als einfach verständlich ist, aber hat für mich auch den Charme der Geschichte ausgemacht. Emma Cline schreibt so detailliert, intensiv und stellenweise wirklich düster, dass eine ganz bestimmte Atmosphäre erzeugt wird. Es war durchgehend spannend und durch den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit fühlte sich die Story noch greifbarer an. Dieses Buch war definitiv ein Highlight für mich!
Dieses Buch thematisiert grausame Taten und auch sexuelle Gewalt, daher möchte ich an dieser Stelle eine Trigger Warnung für das gesamte Buch aussprechen.
- Jens Henrik Jensen
Oxen. Das erste Opfer
(310)Aktuelle Rezension von: MartinchenDer ehemalige, hochdekorierte Elitesoldat Niels Oxen nach etlichen Auslandseinsätzen schwer traumatisiert. Seinen Dämonen, die ihn nachts nicht schlafen lassen, begegnet er mit Joints und Alkohol. Dann gerät er unter Mordverdacht und bekommt das gut dotierte Angebot, den wahren Täter zu finden. Zusammen mit der Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck übernimmt er die Ermittlungen. Er fördert Erstaunliches zutage, kann letztendlich jedoch nichts beweisen – aus guten Gründen.
Ich bekam den Band von einer Freundin, die sich sehr begeistert geäußert hat. Diese Begeisterung kann ich leider nicht teilen. Die ersten Seiten konnten mit überhaupt nicht überzeugen, sondern langweilten mich eher. Erst als Oxen zusammen mit Franck beginnt, nach Motiven und Tätern zu suchen, wurde der Thriller zunehmend spannender. Für mich allerdings zieht er die Spannung hauptsächlich daraus, dass ich wissen wollte, wer genau der Drahtzieher ist. Für mich gibt es auch einige Ungereimtheiten. So wie ich Oxen beschrieben habe, ist mir unklar, ob er wirklich so präzise, klar und strukturiert denkt. Seine körperlichen Fähigkeiten nehme ich ihm ab, denn er trainiert sie regelmäßig. Ich möchte jetzt nicht zu viel verraten, doch die fehlenden Beweise werden spurlos vernichtet. Dazu braucht es in der beschriebenen Art mehrere Personen, bei denen sichergestellt sein muss, dass sie absolut loyal sind.
Den zweiten Band habe ich bereits begonnen, denn ich habe eine Vermutung, die ich gern bestätigt sehen möchte.
Fazit: ein spannender Thriller, aber den Hype um Oxen kann ich nicht teilen
- Christian Kracht
Imperium
(169)Aktuelle Rezension von: Lorenz1984Die Art wie Herr Kracht Romane schreibt, ist eine ganz besondere.
Vorallem in diesem Roman aber, unterscheidet sich die Schreibweise von seinen anderen Werken wie Eurotrash oder Faserland.
Denn der Wahnwitz, die Brillanz der Worte, und die Beschreibung der Ereignisse, ist in so einer unglaublich fantastisch, wunderbar signifikanten Art beschrieben, wie ich es bisher noch nicht erlebt habe. Nämlich eine unbarmherzige Ironie, die mir alle paar Sätze ein Schmunzeln in Gesicht zaubert.
Andere Personen würden wohl abschrecken vor Sätzen, die eine halbe Seite lang sind, aber das nehme ich bei diesem Genuß liebend gerne in Kauf.
"Die Toten" von Kracht war mein Einstieg in die Sucht namens Christian Kracht, und ich hab tatsächlich mittlerweile 90% seiner Werke gelesen.
- Jocelyne Saucier
Ein Leben mehr
(190)Aktuelle Rezension von: peedeeDrei alte Männer leben fernab der Zivilisation in den nordkanadischen Wäldern. Sie sind von ihrem früheren Leben in die Einsiedelei geflüchtet; sie brauchen nicht viel und sind zufrieden. Doch wenig bleibt so wie es immer war, denn eine Fotografin, die einen gewissen Ted oder Ed Boychuck sucht, der 1916 die „Grossen Brände“, das Matheson Fire, überlebt hat, kommt ins Camp. Als dann noch eine Frau in ihren Achtzigern dazustösst, ist das Leben der verschworenen Gemeinschaft plötzlich ganz anders…
Erster Eindruck: Auf dem Cover des Schutzumschlages ein ausdrucksstarkes Gesicht – das gefällt mir (auch wenn ich grundsätzlich keine Schutzumschläge mag).
Dies war mein zweites Buch der Autorin, nach „Niemals ohne sie“. Jenes erste Buch hat mir leider viel Mühe bereitet, daher habe ich auch lange gewartet, bis ich zum vorliegenden Buch gegriffen habe. Und wie war es nun für mich? Hm… leider erneut schwierig.
Die Geschichte wird aus mehreren Blickwinkeln erzählt. Die drei alten Männer sind Ted, ein gebrochener Mann; Charlie, ein Naturbursche; Tom, ein Draufgänger. Jeder hat seinen Rückzugsort – sie sind zusammen allein. Als Leser:in fragt man sich gleich, was diese Männer wohl erlebt haben, bevor sie aus ihrem alten Leben ausgestiegen sind. Nach und nach lässt sich aus einzelnen Puzzlesteinen ein Bild erkennen, wenn auch ein löchriges. Ihr Bindeglied zur Zivilisation sind Bruno und Steve; letzterer leitet ein kleines Hotel in der Nähe. Was will die Fotografin mit den Informationen zu Boychuck machen? Und wer ist die zarte achtzigjährige Frau?
Die in diesem Buch behandelten Stichworte sind Alter, Selbstbestimmung, Rückzug, Freiheit, aber für mich auch Rücksichtslosigkeit, wenn einer spurlos verschwindet und sein Umfeld unwissend zurücklässt. Was will mir die Autorin mit diesem Buch sagen? Dass es jedem Menschen vergönnt sein sollte, so zu leben und zu sterben wie er mag?
Das Buch heisst im Original „Il pleuvait des oiseaux“ – einmal mehr wäre für mich die Übersetzung des Originaltitels passender gewesen als der nun vorliegende Titel.
Der Schluss der Geschichte war für mich leider unglaubwürdig. Ich kann hier nicht auf Details eingehen, da ich ansonsten spoilern würde. Von mir gibt es leider wiederum nur 2 Sterne – offensichtlich gehöre ich wohl nicht ganz zur Zielgruppe der Autorin, schade. - T. C. Boyle
Drop City
(226)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchHippies in Alaska, ein paradoxer Gedanke. Es gelang T.C. Boyle stets gut einem diese zwei verschiedenen Lebensstile näher zu bringen und Verständnis für beide alternativen Lebensarten zu erzeugen. Über die Hälfte des Buches wird in 2 Handlungssträngen (immer im Wechsel) erzählt. Auf der einen Seite ist da die Hippie Kommune welche im Drogenrausch in den Tag hinein lebt und auf der andern Seite ein Trapper im tiefen Alaska der versucht eine Frau zu finden und sein Leben zu meistern.
Die einzelnen Charaktere werden einem im ersten drittel des Buches gut näher gebracht. Der ständige Wechsel zwischen den zwei Handlungssträngen (bis die zwei -Welten- aufeinander treffen) erzeugt eine große Spannung.
Als die Kommune im Sommer in Alaska ankommt und sich in der unmittelbaren Nachbarschaft des Einsiedlers niederlässt, hat sie nicht mehr viel Zeit um sich auf den harten Winter vorzubereiten. Hier wird dem Leser das wahre harte leben in Alaska nähere gebracht.
Zwischenmenschliche Konflikte unter den Hippies aber auch unter den Alaskanern bestimmen das letzte drittel des Buches. - Lucy Clarke
Das Haus, das in den Wellen verschwand
(250)Aktuelle Rezension von: buecher_t1naIch habe einige Bücher von Lucy Clarke günstig auf dem Flohmarkt bekommen. Dieses Exemplar hat sogar die Tropfen als Farbschnitt.
Zuvor hatte ich "Der Sommer, in dem es zu schneien begann" gelesen, somit ist dies mein zweites Buch von Lucy Clarke.
Zum Inhalt/Klappentext möchte ich nicht mehr viel sagen, einige andere Rezensionen hier auf Lovelybooks fassen das schon gut zusammen. :)
Somit zu meiner Meinung:
Das Thema war sehr interessant, jedoch für mich auch irgendwie anstrengend. Ich habe das Buch jedoch nicht abgebrochen, weil ich schon irgendwo wissen wollte, was jetzt passiert ist.
Das Buch wird aus Lanas Sicht in zwei Zeitebenen erzählt: "Damals" - hier geht es um das Leben auf der Jacht und im "Jetzt", ca. 8 Monate nach dem sie die Jacht verlassen hat. In beiden Zeitebenen gibt es jedoch zwischen drinnen Flashbacks, die sogar noch vor dem Ganzen in England spielen. Sorry, das hat mich schon gleich genervt.
Die Kapitel sind natürlich spannend gestaltet, teilweise ja immer von Jetzt zu Damals mit einem Cliffhanger, dass man natürlich wissen will, wie es weitergeht. Und man wusste ja, dass irgendwas schlimmes auf der Jacht passiert ist. Es hat sich dorthin aber gezogen!
Um ehrlich zu sein, kann ich mir das selber gar nicht vorstellen, mit Leuten auf einer Jacht rumzuschippern. Für ein Buch kann es aber natürlich super als Setting sein. Du bist mit mehreren Menschen, die du gerade erst kennen gelernt hast unterwegs. Es gibt keine richtige Rückzugs-Möglichkeit und auch das Meer kann tückisch sein - so wie auch Menschen.
Es hat mich aber super gestört, dass gefühlt jeder seine eigenen Geheimnisse hatte und dann einzelne Grüppchen in jeglicher Konstellation auch noch Geheimnisse hatte und keiner hat es geschafft mal mit der Wahrheit raus zu rücken. Und Lana, die das alles merkt und dem Ganzen auf den Grund gehen will, wird auch noch dargestellt, als wenn sie verrückt wäre.
Ich kam und komme damit immer noch nicht klar. Im Allgemeinen bin ich auch kein Fan von dem Thema (oder ist das auch schon langsam ein Trope) "Missverständnis" / "unklare Kommunikation". Es hätten dennoch einige Themen aus dem Weg geräumt und geklärt werden können, die gar nicht so schlimm waren ( Affäre Shell & Heinrich), weil das mit der eigentlichen Katastrophe gar nichts zu tun hatte. Es hätte zwar gegen Aarons Regel verstoßen, aber egal. Lana hätte nicht allen und jeden mit der Katastrophe verdächtigt.
Diese Lügen waren für mich echt schlimm. 😅
Klar, war das Buch irgendwo spannend, ich habe es auch relativ schnell gelesen und hätte es nicht abgebrochen. Aber "Der Sommer, als es zu schneien begann" fand ich einen Ticken besser. Vielleicht auch, weil es dort nur um eine Person ging, die gelogen hat.
Eventuell war ich einfach mit der Gruppe an Menschen auf der "Blue" überfordert. - Johanna Swanberg
Sommer ohne Plan
(38)Aktuelle Rezension von: LydisBooks"Sommer ohne Plan" von Johanna Swanberg habe ich als Buch im Hardcover bei meiner örtlichen Bibliothek ausgeliehen und unglaublich gern gelesen.
Cassi lässt sich hängen und reduziert ihr Leben mit einem Burnout auf das Nötigste. Eines Tages ist ihr alles zu viel und eine unscheinbare Werbeanzeige wird zu ihrem Ausweg, ohne zu ahnen, das sie ein planloser Sommer voller herzlicher Begegnungen und kleineren Missgeschicken bevorsteht.
Die Szenerie ist wunderbar beschrieben. Ich konnte mir Cassi von Beginn an als Person sehr gut vorstellen und fand ihre schnöde Art zu Beginn gleich sympathisch. Sie ist ungezwungen und regelrecht ausgebrochen aus einem Leben, das sie nicht erfüllt hat. Das Schwedenhaus war ebenfalls wunderbar beschrieben und die Natur sehr bildlich beschrieben, so dass ich den Wind fast spüren konnte. Cassi ist als Charakter mutig und trotz ihrer Ängste wagt sie sich hinaus, sie lässt sich kaum beeindrucken von der Meinung der Menschen um sie herum und nutzt deren Vorstellungskraft für sich.
Besonders gut hat mir ihre Beziehung zum alten Pavel gefallen. Die beiden sind so unterschiedlich, doch so vertraut und können vielleicht trotz ihres Altersunterschiedes auf viel Erfahrung und Menschenkenntnis zurückgreifen. Letztlich war es auch diese Beziehung, die das Buch und seine Geschichte für mich so besonders gemacht haben. Vertrauen ohne Verurteilung und ein Füreinander-Da-Sein, ohne Plan und ohne Verpflichtungen oder erwartete Gegenleistungen.
Cassi baut sich ein neues Leben auf und auch, wenn am Ende alles in sich zusammenzufallen droht, schafft sie es sie selbst zu bleiben und neue Hoffnung zu schöpfen. Die Enttäuschung die sie erlebt überwindet sie und die Zeit heilt tatsächlich viele ihrer Wunden.
Ein schöner, humorvoller Schwedenroman, der mich sehr berührt hat und mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
So sehr, dass dies meine erste Rezi in über zwei Jahren ist. Da hat Cassi mich wohl inspiriert, mal wieder etwas zu wagen.Absolutes Herzensbuch!
Hinweis:
Liebe Johanna Swanberg,
auch wenn du diese Rezi vielleicht nie lesen wirst - ich bitte dich trotzdem:
schreib weiter, ich möchte sie alle lesen. - Deborah Feldman
Überbitten
(35)Aktuelle Rezension von: jackdeckNachdem ich das Buch „Unorthodox“
gelesen hatte, und wie viele andere, sehr begeistert war, musste ich natürlich auch „Überbitten“ lesen.
Zum einen hat sich, meiner Meinung nach, der Schreibstil stark verändert.
Natürlich entwickelt man sich weiter, aber Kilometer lange Schachtelsätze, bei denen man am Ende nicht mehr weiß um was es am Anfang ging, empfinde ich nicht als positive Veränderung.
Was mich allerdings am meisten gestört hat, war die mehrfache Betitelung von blonden Menschen mit hohen Wangenknochen, denen Frau Feldmann auf ihren Europareisen begegnet ist, als „Arier“, im negativsten Sinne. („mit genetisch bedingtem bösem Zug“) (Zitat S. 276)
Auch das ist für mich Diskriminierung.
Sehr schade, aber rassebedingte oder religiöse oder welcher Art auch immer geartet Vorurteile,
schüren immer Hass.
Ich habe das Buch nicht zuende gelesen… - Christine Thürmer
Laufen. Essen. Schlafen.
(115)Aktuelle Rezension von: LesebegeisterteAls die erfolgreiche Christine plötzlich gekündigt wird, beschließt sie den Pacific Crest Trail zu gehen. 4.277 Kilometer, 5 Monate, ca. 33 Kilometer pro Tag nur wandern. Schon alleine von diesem Satz habe ich einen Muskelkater bekommen!
Sie als unsportliche Frau, schafft diesen Trail und geht dann auch noch den Continental Divide Trail und den Appalachian Trail! Wahnsinn und Hut ab von so einer Leistung.
Sehr spannend wird erzählt, was Christine da so alles erlebt hat und was mentale Stärke bei solchen enormen Wanderungen ausmacht. Irgendwie kommt man da schon auf den Geschmack, einmal so etwas Extremes zu probieren.
Ein Abenteuerroman von einer bewundernswerten Frau die einfach ihr Ding macht. Spannend, authentisch, berührend und unterhaltsam.
- Markus Weber
Ein Coffee to go in Togo
(35)Aktuelle Rezension von: sabatayn76‚Ich zweifelte an meinem Verstand! Togo, Afrika. Mit dem Fahrrad! Aber inzwischen war es zu spät. Es gab kein Zurück.‘ (Seite 19)
Markus Maria Weber sitzt im November 2011 auf dem Weg zur Arbeit im ICE, beobachtet kaffeetrinkende Mitreisende und denkt über Kaffee, to go und Togo nach. Und da beschließt er, dass er aus dem Hamsterrad aussteigen will, dass er mit dem Fahrrad nach Togo fahren möchte. Er spricht mit seinem Chef, nimmt sich ein Jahr Auszeit, und dann geht es los.
Weber startet in Deutschland, fährt über die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, die Republik Moldau und die Ukraine in die Türkei, durch Griechenland, Vatikanstadt, Italien und Spanien. Auf dem afrikanischen Kontinent radelt er von Marokko nach Westsahara, Mauretanien, Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea, Sierra Leone, Liberia, die Elfenbeinküste und Ghana bis nach Togo.
Schon der erste Blick ins Inhaltsverzeichnis macht deutlich, dass man es hier mit einem ganz besonderen Abenteuer zu tun hat, dass man Weber bei einer unglaublichen Reise begleiten darf. Das hat mir sehr viel Lust aufs Buch gemacht, und Webers Reise ist nicht nur ein echtes Abenteuer, sondern sein Buch ist zudem richtig toll geschrieben und der Autor extrem sympathisch.
Die besuchten Länder sind - vor allem in Afrika, aber auch teilweise in Europa - bisweilen ungewöhnlich und eher weniger bekannt, so dass ich hier sehr gerne mitgereist bin, viel Neues erfahren habe, Land und Leute kennenlernen durfte.
Weber hat seine Reise vor 13 Jahren unternommen, und die Welt hat sich seither recht stark verändert: die Corona-Pandemie, die immer extremeren Auswirkungen des Klimawandels, der Krieg in der Ukraine, der immer ausgeprägtere Rechtsruck in unzähligen Ländern. Die Reise in die Vergangenheit empfand ich aber nicht als störend, sondern als spannend.
Das Buch enthält ein paar Fotos, meist in s/w. Ich persönlich hätte mich sehr über mehr Fotos, vor allem in Farbe, gefreut, um diese ungewöhnliche Reise noch lebendiger erleben und noch besser begleiten zu können. Aber das ist nur eine kleine Anmerkung, auch ohne diese Fotos ist das Buch eines meiner Lieblingsbücher 2024.
- Dieter Moor
Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht. Lieber einmal mehr als mehrmals weniger
(140)Aktuelle Rezension von: Monalisa73Dieter Moor erzählt auf humorvollste Weise, wie er und seine Frau Sonja von der Schweiz nach Brandenburg ziehen und dort im Dorf Amerika neue Wurzeln schlagen auf einem Bauernhof und neue Menschen kennen- und schätzen lernen.
Mitzuerleben, wie die beiden sich sämtlichen Herausforderungen in der neuen Heimat stellen, gibt dem Leser selbst Mut etwas durchzustehen, was er sich vorher so vielleicht nicht vorstellen konnte.
Es ist wunderbar einzutauchen in die Gedankengänge vom Protagonisten, vor allem wenn sein "kleiner Schweizer" anderer Meinung ist. Es ist auch eine wundervolle Hommage an seine Frau, was mich besonders berührte. Ebenso faszinierend fand ich die Vergleiche zwischen der Mentalität der Schweizer und der Brandenburger.
Für mich war die Geschichte zu lesen, ein wenig Kindheitserlebnisse Revue passieren lassen, da ich in der DDR aufgewachsen bin.
Ein wirklich lesenswertes Buch.
- Marina Gessner
The Distance from me to you
(71)Aktuelle Rezension von: NikkenikDieses etwas unscheinbare Schmuckstück habe ich von meiner Lieben Buchhändlerin bekommen.
Zu Anfang hat mir gleich das schlichte Cover gefallen, dass mit den Bergen, den Bäumen, dem Zelt und dem Herz irgendwie gleich mein Interesse geweckt hat. Als ich dann den Klappentext gelesen habe, wusste ich schon, dass dieses Buch etwas Besonderes wird.Als ich dann Angefangen habe zu lesen, bin ich gleich super in die Geschichte hinein gekommen. Der Schreibstil war sehr einfach und dadurch sehr gut und schnell zu lesen.
Ich lernte gleich zu Anfang Kendra kennen und muss sagen, dass ich ab dem ersten Moment wusste, dass Sie etwas Besonderes ist. Mit Ihrer Willensstärke, ihrer Organisation und Ihrem ganzen Wesen hat sie mich in dem ganzen Buch beeindruckt. Sie ist sich, bis auf einem Fehler, immer treu geblieben und hat immer Ihr Ziel vor Augen gehabt.
Auch gleich sympathisch war mir Sam. Er ist in vielerlei Hinsicht genau das Gegenteil von Kendra, aber dennoch ein guter Mensch. Beiden haben Irgendwie Ihr „Päckchen“ zu tragen und ich bin wirklich froh, dass die beiden aufeinander gestoßen sind.An Action, Emotionen und Mut hat es mir in diesem Buch nicht gefehlt. Es war auch nicht Klischeehaft oder vorhersehbar. Es war spannend und ich war bei einigen Stellen echt sehr aufgeregt, was als nächstes passieren wird. Ich hatte ab ungefähr der Hälfte des Buches echt Apokalyptische Gedanken und bin froh, dass die Autorin so ein super Ende gefunden hat.
Fazit: Mit diesem Buch vermittelt uns die Autorin, das wir uns immer treu belieben und nicht von unserem Weg abweichen sollten. Hört auf euer Herz.
Mich hat dieses Buch sehr geflasht und ich bin froh, diese Geschichte in die Hände bekommen zu haben. - Nic Jordan
Away
(32)Aktuelle Rezension von: Vanessa_HinzFangen wir mal beim optischen an, ich finde es sieht aus wie eine Urlaubs Lektüre und man bekommt direkt Spaß beim lesen. Was ich nicht so klasse finde, ist das die Schriftart viel zu klein für mich ist und zu nah beieinander.
Ich finde man kann sich gut in sie hineinversetzen und es liest sich als würde meine beste Freundin mit was erzählen und macht selber Lust auf reisen. Ich mag die Protagonistin Nic sehr gerne und habe das Buch gerne gelesen.Das Buch hat mir gezeigt, dass ich mehr in den Tag rein leben sollte und nicht alles hundert mal hinterfragen sollte, sondern einfach mal tun muss!
- Cory Doctorow
Walkaway
(24)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchDie Welt des Buches ist scheinbar nur einen Wimpernschlag von unserer entfernt. Die Technologie ist der unseren überlegen, aber durchaus denkbar und glaubhaft. Die Gesellschaft unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht sonderlich von der heutigen.
Aber dies ist die Welt, auf die wir sehenden Auges zusteuern: die sozialen Ungerechtigkeiten sind eklatant, Klimawandel und Umweltverschmutzung haben große Teile der Erde unbewohnbar gemacht. Eine sehr kleine Gruppe ‘Zottas’ (obszön reiche Menschen) regiert die Welt, während die Ärmeren sich einlullen lassen von den sozialen Medien und der Suggestion, auch sie könnten Zottas werden, wenn sie sich nur eifrig genug im Hamsterrad abstrampeln.
Dies ist eine Welt kurz vor der Katastrophe, dem Zusammenbruch aller Werte. Der Supergau des Kapitalismus. - Peter Wark
Meeresgrab
(16)Aktuelle Rezension von: Booky-72Martin Ebel lebt seit Jahren auf den Kanaren in La Palma ein gutes Leben. Jahrgangstreffen sind eigentlich nicht so seins. Aber dieses Mal reist er nach Deutschland und nimmt teil. Im Nachhinein ein Fehler.
Justus, einer seiner Schulfreunde von damals hat die spontane Idee, ihn in La Palma zu besuchen. Martin sagt ja, doch das war ein schwerer Fehler. Aus seiner Ruhe wird das blanke Chaos.
Einbruch, Verfolgung, Justus wird niedergeschlagen und so weiter. Als er im Meer ertrinkt, oder vielleicht auch nur angeblich, beginnt Martin zu begreifen und stellt Nachforschungen an. Auch nicht ganz ungefährlich für ihn selbst.
Interessante Charaktere an einem schön beschriebenen Schauplatz, allgemein gute Geschichte.
- Thomas Käsbohrer
Die vergessenen Inseln
(3)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDas Buch „Die vergessenen Inseln“ von Thomas Käsbohrer, Segler aus Leidenschaft, verknüpft persönliche Erfahrungsberichte und die Reise mit einem kleinen Boot von Insel zu Insel im Mittelmeer mit literarischer Kunst, wie sie sonst in Romanen zu finden ist.
Thomas Käsbohrer war Verleger, nach einer abrupten Trennung nach 22 Jahren wurde die Sehnsucht nach dem Meer übermächtig und er nutzte die berufliche Zwangspause, um sich ganz dem Segeln zu widmen. Nach vielen Jahren, in denen er immer wieder zur See zurückgekehrt ist und zu seinem Boot Levje, das eine wortwörtlich tragende Rolle in seinem Buch spielt, fasst er seine Reisen und die erlebten Geschichten in einem Buch zusammen.
Das Mittelmeer ist jedem bekannt, viele haben schon die ein oder andere Insel dort besucht, sind an der Festlandküste am Strand entlangspaziert, haben sich vielleicht gefragt, was noch alles so da draußen ist, hinter dem Horizont. „Die vergessenen Inseln“ ist ein Buch, das genau diese Frage beantwortet. Der Autor ist vertraut mit den Inseln des Mittelmeeres, er segelt von Insel zu Insel, wohin der Meltemi ihn treibt. Und doch ist dieses Buch etwas Besonderes und längst kein beiläufiges Abarbeiten von Routen und Inselnamen im Mittelmeer. Es ist erst recht kein Ich-bezogenes Abenteurerbuch, das Stationen der Befindlichkeit runterreißt. Denn das, was Käsbohrer antreibt, ist ihm als gelerntem Historiker nicht auszutreiben: die Neugier auf die Welt – und darauf, wie sie wurde, was sie ist.
Allein der Titel hat mich schon neugierig gemacht: Was ist damit gemeint, „vergessene“ Inseln? Praktisch jedes Gewässer ist kartographiert heute, was wurde vergessen? Nichts, nicht direkt: Die Namen der Orte sind da, Beschreibungen, Fotos, alles schön und gut. Was aber vergessen ist, ist die Seele der Inseln. Ihre Geschichte, ihre Wurzeln, ihre Kultur. Woher die Menschen kommen, die auf ihnen leben, wie sie sich ein Zuhause gebastelt haben, dort mitten im Meer. Nicht nur Inseln sind Schauplatz in diesem Buch, auch andere Küstenorte entlang des Mittelmeeres sind vertreten. Ich dachte mir – „Inseln“ soll vielleicht auch „Oasen“ bedeuten, Orte, die von anderen getrennt sind, einzigartig sind, Ruhepunkte inmitten der Wasserwüste des Mittelmeeres.
„Die vergessenen Inseln“ vermittelt ein Lebensgefühl, das man leider schnell vergisst, wenn man nicht mehr am Meer ist. Salzgeruch in der Luft, Gischt im Gesicht, die Füße zwischen Sand und Brandung eingegraben. Man segelt mit Thomas Käsbohrer übers Meer, spürt das Rollen der See unter seinem Boot Levje, und legt mit ihm an – in Venedig, in Kreta, in Malta, in Kythira. Und plötzlich fliegt die Zeit rückwärts, es ist hundert Jahre, dreihundert Jahre früher in der Zeitrechnung, alte Geschichten werden neu erzählt. Sagen und Legenden kommen wieder zum Vorschein, zwischendrin entdeckt Käsbohrer Kultur und Cuisine der Küsten und ihrer Bewohner in der modernen Zeit. In neun Monaten haben sich unzählige Geschichten angesammelt und würde man selbst neun Monate durch das Mittelmeer segeln, hätte man selbst vielleicht ebenso viele zu erzählen – nur nicht so treffend.
Das ist es, was mich an dem Buch so fasziniert: Die Perspektive. Nichts, was man hier liest, kann man genau nachreplizieren, es ist immer anders. Das hat das Meer und alles, was es berührt, eben so an sich. Man wird mit hineingerissen in die Erlebnisse, man springt durch die Zeit und sehnt sich danach, selbst übers Meer zu fahren. Und abgesehen von dem literarischen, erzählenden Teil des Buchs ist es bis zum Rand gefüllt mit nautischem Wissen, historischen Hintergründen und Fakten, die man nur wissen kann, wenn man selbst Fuß auf diese Orte gesetzt hat.
„Die vergessenen Inseln“ ist für mich das ideale Buch, mit dem Kopf mal aus dem Alltag rauszukommen und in Gedanken, naja – Segel zu setzen.
- Alex Garland
Der Strand
(229)Aktuelle Rezension von: WuestmanAlex Garland hat einige Szenen in dem Buch, die normalerweise als langweilig anzusehen wären. Doch durch die tiefe der Charaktere entfaltete sich ein spannungsgeladenes Buch. Ich habe das Buch mittlerweile 3x gelesen und entdecke jedesmal etwas Neues. Die Gesellschaftsform, die sich an dem Strand entwickelt hat, sieht in erster Linie idyllisch und harmonisch aus. Der Schein trügt aber und je tiefer man in das Buch und die Psyche der Beteiligten eindringt, umso heftiger wird der Widerspruch in dem Idyll. Auch der Schreibstil hat mich mitgenommen. Er wirkt einfach, ist aber genau deshalb umso schwieriger und gut lesbar.
- Josh Bazell
Schneller als der Tod
(50)Aktuelle Rezension von: mandalottiAn sich ist die Geschichte schon nicht schlecht. es gibt Spannung, Witz und Dramen, aber man jagt einfach so durch Pietros Leben und alles ist irgenwie verrückt und teilweise auch irgendwie unlogisch und abgedreht.
Wenn man mal was verrücktes zwischendurch will ist es ganz ok.
Aber ich muss sagen: Es ist super gelesen von Christoph Maria Herbst. Die Stimme passte wirklich super zu Pietro.
- Thorsten Kirves
Der Aussteiger
(19)Aktuelle Rezension von: Soulbooks_foreverStille. Unendliche, intensive Stille herrscht gerade in mir.
Thorsten Kirves hat mich mit seinem Krimi 'Der Aussteiger' voll erwischt. Und zwar frontal, ohne zu bremsen!
Eindringlich, ruhig, hochgradig spannend und eindrucksvoll begleitet man als Leser den Kommissar Tom Simon neu der Aufklärung eines Mordes, der so viele Tücken, Geheimnisse und Rätsel vereint, dass man in jedem Kapitel einen neuen Verdächtigen im Kopf hat. Und denn bis zum Ende nicht darauf kommt, wer warum dieses Verbrechen begangen hat.
Es ist erstaunlich, was der Autor hier mit seinen Worten impliziert und dem Leser mit auf den Weg gibt. Neben dem Fall, den Tom und seine Kollegin Mira lösen müssen, gibt es einige Nebenschauplätze, die eine entscheidende Rolle in den Leben der Protagonisten spielen und sie zu dem machen, was sie heute sind.
Für mich ist dieses Buch ein echtes Krimihighlight und ich kann nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen! - Antje Wagner
Hyde
(100)Aktuelle Rezension von: BeaSwissgirlMein Leseeindruck subjektiv, aber spoilerfrei ;)
Dieses Buch lag schon etwas länger auf meinem SUB, da ich es unbedingt im November lesen wollte..., denn jaaa ich bin schon ein bisschen ein Jahreszeitenleser ;) Nun war es endlich soweit und ich habe es definitiv nicht bereut.
Es ist nicht mein erstes Buch der Autorin, aber schon ewig her seit dem Letzten...
Ich mag ihre Schreibweise denn sie ist stilistisch perfekt, bildhaft, atmosphärisch und leicht poetisch angehaucht.
Es wird aus der Sicht der Protagonistin Katarina in der ICH- Form erzählt und wir springen während dem Lesen laufend von der Gegenwart in die Vergangenheit, ohne dass dies irgendwie klar deklariert wurde. Zwar für mich Anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, trotzdem toll gemacht, da es der Geschichte einen gewissen Touch verleiht.
Katarina wurde wirklich hervorragend ausgearbeitet, sehr authentisch, als würde man von einer echten Person lesen. Sie wirkt unnahbar, geheimnisvoll, faszinierend, wie von einem anderen Stern und wir als Leser erfahren nur häppchenweise mehr über sie und ihr vorheriges Leben. Das Buch lebt von der Protagonistin, weitere Charaktere, die für die Geschichte eine Rolle spielen bleiben Statisten, was aber überhaupt nicht schlimm war.
Ich gestehe ich benötigte zu Beginn etwas Zeit in der Geschichte anzukommen, danach war ich aber absolut gefesselt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Diese düstere, mystische, rätselhafte Atmosphäre, diese dauernde Beklemmung...dazwischen aber auch wunderschöne, warme Herzensmomente. Die Autorin legt gekonnt Spuren anhand einzelner Puzzleteile und hält die Spannung konstant hoch, jedoch nie reisserisch oder übertrieben.
Wer ungewöhnliche, besondere Bücher liebt, ähnlich denen von Antonia Michaelis ( z.b. " Der Märchenerzähler" " Solang die Nachtigall singt") wird hier sicher in den Genuss kommen.
Ich vergebe hiermit 4,5 Sterne
- Mariette Lindstein
Die Sekte - Dein Albtraum nimmt kein Ende
(28)Aktuelle Rezension von: PrinzesschnVor 15 Jahren hat Sofia Bauman die Sekte für immer verlassen und ein neues Leben begonnen. Sie ist jetzt glücklich verheiratet und hat eine Tochter. Doch als ein Sturm ihre Besitztümer zerstört und ihre Familie vor dem Ruin steht, taucht der zwielichtige Sektenführer Franz Oswald auf und macht ihr ein teuflisches Angebot: Er wird ihr finanziell helfen, wenn sie ihm verrät, wer der leibliche Vater ihrer Tochter Julia ist. Als Sofia schweigt, nimmt Oswald heimlich Kontakt zu Julia auf, die von ihm angezogen wird und ihm auf eine abgelegene Insel folgt. Sofias Albtraum ist noch nicht vorbei: Nach all den Jahren muss sie zurückkehren, um ihre Tochter vor der Sekte zu retten.
Blöderweise hab ich den Fehler gemacht, die beiden vorherigen Bände nicht zu lesen. Im Nachhinein war es unklug, das Buch dennoch zu lesen, da viele Zusammenhänge und Charaktereigenschaften wahrscheinlich besser nachvollziehbar gewesen wären, hätte ich die vorherigen Bände gelesen.
Für mich war die Protagonistin Sofia an vielen Stellen unfassbar naiv. Es wurde zwar immer wieder darauf hingedeutet, dass Franz Oswald ein füchterlicher Mensch ist, dennoch hat sie sich immer wieder bereitwillig auf ihn eingelassen. Eigentlich müsste sie ihn doch besser kennen, all seine Facetten kennen und müsste wissen, dass sie sich mit ihm nicht einlassen dürfte. Daher hätte ich erwartet, sie wäre viel schneller stutzig oder hellhörig geworden. Vor allem in Bezug auf ihre Tochter, der sie gefühlt Narrenfreiheit gibt, obwohl an vielen Stellen durchschimmert, dass sie vermutet, dass etwas im Argen ist. Da hätte ich mir gewünscht, dass sie ein authentischer Charakter ist, der sich an seinen Erfahrungen bedient.
Trotzdem hat mich die Geschichte unglaublich fasziniert. Die Darstellung der Sekte, der Manipulation, des Machtmisstrauchs – das waren alles interessante Aspekte, zu denen ich gerne Einblicke bekommen habe. Wahrscheinlich ist es der Tatsache geschuldet, dass es sich um den dritten Band handelt, aber an vielen Stellen hätte ich mir mehr Einblicke gewünscht, anstatt nur an der Oberfläche zu kratzen.
Dennoch war es eine faszinierende Geschichte mit einer sehr bedrückenden Atmosphäre, die ich gern gelesen habe.
- Sylvain Tesson
In den Wäldern Sibiriens
(21)Aktuelle Rezension von: Petra54Man sollte meinen, dass ein Tagebuch über sechs Monate mit täglichen Eintragungen langweilig und zumindest peinlich ist. Das ist in diesem Buch nicht der Fall.
Sylvain Tesson beschreibt seinen Alltag mal mit einem einzigen Satz und ein anderes Mal verwendet er eine sehr blumige Sprache wie: "Ich laufe über den Kuchen eines nördlichen Gottes" oder "Ich trinke die Locken an der Brust des Himmels".
Für mich waren die Begegnungen mit ebenfalls in der Taiga lebenden Russen und die Beschreibungen deren Lebensart besonders interessant.























