Bücher mit dem Tag "autobiografisch"
78 Bücher
- Stephen King
Das Leben und das Schreiben
(407)Aktuelle Rezension von: das_lesende_ich✍🏻
𝘚𝘤𝘩𝘳𝘦𝘪𝘣𝘦𝘯 𝘪𝘴𝘵 𝘷𝘦𝘳𝘦𝘥𝘦𝘭𝘵𝘦𝘴 𝘋𝘦𝘯𝘬𝘦𝘯.⁽ᵁᴺᴮᴱᶻᴬᴴᴸᵀᴱ ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ ⁻ ˢᴱᴸᴮˢᵀᴷᴬᵁᶠ⁾
💭
Mit 𝘋𝘢𝘴 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘢𝘴 𝘚𝘤𝘩𝘳𝘦𝘪𝘣𝘦𝘯 habe ich nun mein 44. Buch von Stephen King gelesen und dieses Mal keinen Roman, sondern einen Schreibratgeber. Gleichzeitig ist es bereits mein dritter Schreibratgeber insgesamt, was den Vergleich umso spannender gemacht hat.Was dieses Buch für mich besonders macht, ist der sehr persönliche Zugang. King erzählt offen von seinem Leben, seinen Anfängen als Schriftsteller, Rückschlägen, Erfolgen und auch von dunkleren Phasen. Diese autobiografischen Passagen lesen sich fast wie ein Roman und geben einen ehrlichen, oft schonungslosen Einblick in seinen Werdegang. Gerade dieser Teil hat mich besonders gefesselt.
Aber auch Kings Tipps zum Schreiben sind spannend und praxisnah. Sie wirken nie belehrend, sondern motivierend und realistisch. Statt großer Theorien geht es um Handwerk, Disziplin, Sprache und den eigenen Umgang mit dem Schreiben. Das ganze immer wieder durchzogen von Kings trockenem Humor und seiner klaren Haltung zum Erzählen.
Die Mischung aus autobiografischen Anekdoten und konkreten Schreibtipps ist hervorragend gelungen und macht das Buch sowohl für Autoren als auch für Leser interessant, die einfach mehr über Stephen King als Mensch erfahren möchten. Für King-Fans ist dieses Buch meiner Meinung nach ohnehin ein Muss.
Ein Buch, das motiviert, ohne Druck aufzubauen.
Für mich war 𝘋𝘢𝘴 𝘓𝘦𝘣𝘦𝘯 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘢𝘴 𝘚𝘤𝘩𝘳𝘦𝘪𝘣𝘦𝘯 eine sehr willkommene Abwechslung.⭐️⭐️⭐️⭐️☆,₅
(9/10) - Louisa May Alcott
Little Women
(182)Aktuelle Rezension von: xx_yyInhalt
Das Buch erzählt die Geschichte der vier March-Schwestern, die in den 1860er Jahren in Amerika aufwachsen. Ihr Vater ist im Bürgerkrieg und so wohnen sie alleine mit ihrer Mutter in eher ärmlichen Verhältnissen und unterstützen ihre Mutter, wo sie nur können. Und dennoch fehlt es den Mädchen an nichts, haben sie doch so viel Liebe füreinander. Die Mädchen haben alle eigene Interessen und Stärken und genauso haben sie auch alle eine ganz eigene Vorstellung für ihr zukünftiges Leben.
Man erfährt, wie die vier Mädchen langsam zu erwachsenen Frauen werden und versuchen, ihren eigenen Platz in der Welt zu finden.
Meinung
Louisa May Alcott schreibt über vier völlig normale Mädchen und verarbeitet in dem Werk ihr eigenes Leben. Es passiert nichts Außergewöhnliches, was das Buch so toll macht. Die Charaktere sind alle so unfassbar greifbar und liebenswürdig. Alles, was in dem Buch geschieht, ist nachvollziehbar und schlüssig.
Das Buch lässt den/die LeserIn mit einem warmen Gefühl im Bauch zurück.
Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, vor allem wenn sie in manchen Szenen den/die LeserIn direkt angesprochen hat. Jedoch gab es vereinzelte Kapitel, in denen absolut nichts passiert ist und die sich unfassbar in die Länge gezogen haben. - Ernest Hemingway
Der alte Mann und das Meer
(1.080)Aktuelle Rezension von: Bigsale3In diesem äussert kurzen Buch handelt es sich von einem alten Mann, der ein Fischer ist, aber nie mit besonders grosser Menge an Fischen heimkehrt. Er lebt in einer bescheidenen kleinen Hütte am Rande des Meeres in einem Dorf und wird ab und zu von einem Jungen besucht, der ihm ziemlich ans Herz gewachsen ist. Dieser Junge hatte ihn früher oft beim Fischen begleitet, aber seine Eltern haben ihm verboten, mit dem alten Mann zu arbeiten, weil der Mann von Unglück verfolgt sei. Er finge nicht genügend Fische bei ihm, sagten sie. Und da sie in ärmlichen Verhältnissen leben, solle er sich einen anderen Fischer suchen, mit dem er auf die See fährt.
Also fährt der alte Mann selbst aufs Meer hinaus und tut alles so, wie immer.
Doch als plötzlich ein riesiger Fisch an seinem Angelhaken anbeisst, beginnt ein Kampf, der den Mann an seine Grenzen bringt.
Meine persönliche Meinung dazu:
Während ich das Buch gelesen habe, fand ich es nicht besonders spektakulär und habe mich immer wieder gefragt, wohin das wohl führen möge.
Doch als ich schliesslich am Ende angelangt war und es zugeklappt hatte, war ich überrascht.
Dieses Buch hat mich Nachdenken lassen, denn eigentlich ist es sehr tiefgründig und enthält eine Lehre.
Deswegen blicke ich mit positiver Rezension auf dieses Buch zurück, da es eigentlich genial geschrieben und durchdacht wurde.
- Waris Dirie
Wüstenblume
(1.587)Aktuelle Rezension von: Chrissy87In "Wüstenblume" erzählt das somalische Model Waris ihre Geschichte. Von einer Kindheit in Somalia als Nomadin, die in der Natur Afrikas groß wird bis zur Ausreise nach London und ihren ersten Schritten als Model.
Mich hat die Geschichte sehr bewegt, besonders das Thema der weiblichen Genitalverstümmelung war sehr hart zu lesen.
Die Geschichte hat mich allerdings ab dem Punkt wo es für Waris nach London ging etwas verloren, was vielleicht auch daran lag, dass ich sie stellenweise sehr unsympathisch fand.
- Hanns-Josef Ortheil
Die Erfindung des Lebens
(153)Aktuelle Rezension von: gstIch schätze die Bücher von Hanns-Josef Ortheil. Zufällig bin ich vor vielen Jahren über „Das Element des Elephanten“ auf diesen Schriftsteller gestoßen. Schon damals erfuhr ich, dass er als Kind – ebenso wie seine Mutter - viele Jahre lang nicht gesprochen hat. Seitdem gönne ich mir immer mal wieder ein Buch von dem Schriftsteller, der gerne eigene Erfahrungen in seine Romane einbaut. So auch in „Die Erfindung des Lebens“.
Hier erzählt er von Johannes Catt, der in seiner frühen Jugend jahrelang kein Wort von sich gab und dadurch als behindert angesehen wurde. Erst als er anfing Klavier zu spielen, wurde sein Talent erkannt. Dank seines Vaters, einem Geodäten, der ihn aus der 1.Klasse nahm, um ihm die Natur nahe zu bringen, löste er sich aus der engen Beziehung zu seiner ebenfalls verstummten Mutter.Sehr gerne habe ich mich von dem Ich-Erzähler nach Rom mitnehmen lassen, wo er seine Memoiren auf Papier bannte. Er ließ mich tief eintauchen in seine Gedanken und Gefühle, und nahm mich mit in Situationen, die sein Leben beeinflussten.
Und wieder einmal hat sich gezeigt, wie sehr es sich lohnt, auch mal ältere Bücher zur Hand zu nehmen!
- Sarah Kuttner
180 Grad Meer
(157)Aktuelle Rezension von: subbiInhaltangabe des S. Fischer Verlags:
"Nachdem ihr Vater die Familie verlassen hat, ist Jule mit ihrem Bruder und ihrer selbstmordgefährdeten Mutter aufgewachsen. Als Erwachsene hat sie sich einen Alltag geschaffen, in dem sie alles nur noch irgendwie erträgt: ihren Job als Sängerin, die unzähligen Anrufe ihrer Mutter, den ganzen Hass in ihr, der sie fast verschwinden lässt. Als auch ihre Beziehung zu bröckeln beginnt, flieht sie zu ihrem Bruder nach England, auf der Suche nach Ruhe und Anonymität.
Doch dort trifft sie auf ihren Vater, der im Sterben liegt. Zaghaft beginnt Jule einen letzten Versuch, sich dem Mann anzunähern, von dem sie sich ihr Leben lang im Stich gelassen gefühlt hat."Sarah Kuttner schafft es (wieder), wie nur wenige Autor*innen, das Gefühlsleben ihrer Protagonistin Jule ehrlich und schonunglos darzustellen. Ich konnte mich dadurch super in Jule hineinversetzen. Gleichzeitig hat das Buch viele humorvolle oder eher tragikomische Momente, sodass sich beim Lesen keine "Schwere" entwickelt. Diese Balance fand ich sehr gut.
- Ferdinand von Schirach
Kaffee und Zigaretten
(185)Aktuelle Rezension von: my_waterdropWieder schön in die kleinen Welten des Alltags einzutauchen und dank Ferdinand von Schirach bleibt das Alltäglich an uns haften und begleitet uns, so dass wir noch eine ganze Weile länger über die Begebenheiten nachdenken.
Es ist ein kurzes Buch, das sich auch gut unterwegs lesen lässt. Doch es ist zu empfehlen sich bewusst auf die etwas düstere und deprimierende Stimmung einzulassen. Eine Lektüre für deren Konsum der Leser bewusst einen Zeitpunkt wählen muss. - Daniela Dröscher
Lügen über meine Mutter
(277)Aktuelle Rezension von: AQuaEine erwachsene Frau möchte etwas zurechtrücken und gleichzeitig sich selbst klarmachen: Die Reduktion ihrer Mutter zu einer dicken, nicht vorzeigbaren Frau durch den Vater kann sie nicht hinnehmen. Ist sie doch so viel mehr für sie. Aber nicht nur für sie als Tochter, eigentlich für viele Menschen im näheren Umfeld: Sie ist kreativ, zuverlässig, aufopfernd, hinreißend, klug, großzügig, warmherzig. Die Erzählerin geht zurück in ihre 8-jährige Kindheit, lauscht an Türen, sorgt sich um die Beziehung der Eltern und die Familienfinanzen. Äußerst feinfühlig erinnert sie sich an die angespannte Atmosphäre Zuhause, an die Anstrengung der Aufrechterhaltung eines Scheins, an unterdrückte Wut und Verzweiflung. Dabei streut sie immer wieder sachliche Kommentare, Gedanken und aktuelle Einschätzungen zu dem gerade erinnerten Thema ein, die typografisch vom erzählenden Text unterschieden werden. Und ganz nebenbei tauchen die Lesenden in eine Kindheit der 80er Jahre ein.
Eine gelungene Spurensuche und Auseinandersetzung mit Familiendynamiken und Rollenbildern.
- Helga Schubert
Luft zum Leben
(111)Aktuelle Rezension von: mimitati_555Im vorliegenden Buch sind Texte aus einem Lebenszeitraum von 65 Jahren versammelt, wie die Autorin im Vorwort schreibt. Darunter sind Erzählungen, Vorträge, Aufsätze und sogar WhatsApp-Nachrichten, was eben so zusammenkommt in dem unglaublichen Zeitraum zwischen 1960 und 2025. Als Helga Schubert mit dem Schreiben anfing, war ich also noch nicht einmal geboren, man stelle sich das nur vor!
»Mit meinen Erzählungen wollte ich mich meiner Welt vergewissern.« (Seite 9)
Das Buch von Helga Schubert mit dem Titel »Der heutige Tag: Ein Stundenbuch der Liebe« hat mich vor ein paar Jahren begeistert und sehr berührt. Ich mochte ihre Art zu schreiben, die schöne Sprache und ihre Gedankengänge gefielen mir, sodass ich sehr gespannt war auf diese Sammlung ihrer Texte. Nicht alle konnten mich überzeugen, was bei einer solchen Fülle jedoch ganz natürlich ist, aber sprachlich ist auch dieser Band einfach toll. Meine unangefochtenen Favoriten waren das Gedicht »Lebenstopf« sowie ein Text mit dem Titel »Ein Opfer der Literatur«, weniger gefallen haben mir Texte, die so persönlich sind, dass diese für mich nicht ganz verständlich waren, weil mir da der Bezug fehlte und ein Zusammenhang sich nicht erschloss. Insgesamt aber ein schöner und lesenswerter Band. Vielen Dank.
- Gesa Neitzel
Frühstück mit Elefanten
(164)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerIch habe dieses Buch damals in einer Bibliothek entdeckt, als es mir persönlich nicht gut ging – und es war genau der Anker, den ich brauchte. Gesas mutiger Schritt von Berlin in den afrikanischen Busch hat mich tief berührt und inspiriert.
Es ist kein typischer Ratgeber, aber Gesas ehrlicher und bildhafter Schreibstil gibt einem das Gefühl, selbst mit ihr im Zelt zu liegen und den Löwen zu lauschen. Sie zeigt uns, dass man seine Instinkte wiederfinden kann, wenn man nur laut genug auf sein Herz hört. Seit diesem Buch lese ich absolut alles von ihr (auch unter ihrem Pseudonym Gisele Stein!) und wurde nie enttäuscht.
Mein Fazit: Ein lebensveränderndes Buch für alle, die das Gefühl haben, festzustecken und nach dem „echten Leben“ suchen. Danke, Gesa!
- Chimamanda Ngozi Adichie
Blauer Hibiskus
(81)Aktuelle Rezension von: izzy_booksDer Roman erzählt von der jungen Kambili, die zwischen strenger religiöser Erziehung und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit aufwächst. Familiendramen, Unterdrückung und Konflikte werden kunstvoll mit der politischen Realität Nigerias verwoben. Eine eindringliche Geschichte über Selbstfindung, Widerstand und das Ringen um Identität in einer komplexen, oft restriktiven Welt.
- Haruki Murakami
Von Beruf Schriftsteller
(61)Aktuelle Rezension von: patriciahornHaruki Murakamis Werk hat mich sehr beeinflusst - das Abgleiten ins märchenhaft Surreale, der Trott des Alltags. Was mich "Von Beruf Schriftsteller" gelehrt hat, ist den Geschichten, die meinem Herzen entspringen, ungeachtet von Trends und Markt, zu vertrauen, denn wenn es mir nichts bedeutet, weil ich mich in ein Korsett zwänge, wie soll es dann andere berühren?
Murakami entdeckte seinen Stil, indem er auf Englisch schrieb und den Text auf Japanisch zurückübersetzte. Eine ungewöhnliche Herangehensweise in der traditionsbewussten japanischen Buchwelt. Er schrieb nachts, nach getaner Arbeit müde geworden, am Küchentisch. „Wenn der Wind singt" gewann sogleich einen Preis. Dies zeigt, dass das Dasein eines Autors ein gewisses Selbstvertrauen bedarf, Beharrlichkeit und in seinem Fall den Mut, Neues zu wagen.
Das Buch ist keinesfalls eine Autobiografie. Der Leser bekommt Einblicke in seinen Schriftstelleralltag, ohne dass der zurückgezogene Autor belehrt, es ihm gleich zutun. Er erzählt von seiner Karriere, ohne Skandale und mit Bescheidenheit. Und ich gönne ihm die Privatsphäre. Murakami gibt uns mit seinen Geschichten, die mit viel Fleiß und Disziplin sowie einer gehörigen Portion Fantasie entstehen, genug.
Zum Ausgleich treibt Murakami eine Menge Sport und ernährt sich gesund. Nach dem Motto: ein fitter Körper ist das Gefäß eines fitten Geistes. Durchaus etwas, das man sich zum Vorbild nehmen kann.
Disziplin sei laut Murakami der Schlüssel zum Erfolg. Auf diese Weise könne jeder von Beruf Schriftsteller sein.
- Leandra Moor
Irmas Enkel
(86)Aktuelle Rezension von: Marry22Das Buchcover gefällt mir sehr gut und passt perfekt zum Inhalt des Buches.
Die Autorin Leandra Moor schreibt in Ihrem neu aufgelegten Buch über das Leben von Helene und ihren drei Kindern, die sie alleine großziehen musste, da ihr Mann im ersten Weltkrieg gefallen ist.
Leider schlägt das Schicksal erneut zu und es bricht der zweiter Weltkrieg aus, wo ihre Söhne an die Front müssen und sie mit ihrer Tochter Anni, der Schwiegertochter und den beiden Enkelkindern alleine ums Überleben kämpfen.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist sehr angenehm, die Charaktere werden alle sehr authentisch dargestellt.
Während des Lesens habe ich alle Emotionen miterlebt, vor allem mit Helene und Anni gelitten, gefreut, gehofft und mich auch geärgert.
Ich kann das Buch definitiv weiter empfehlen.
- Anika Decker
Wir von der anderen Seite
(210)Aktuelle Rezension von: supersusiRahel Wald, Drehbuchautorin für Komödien wacht langsam aus einem Koma auf und versucht zu begreifen, wo sie ist und dass sie im Bett liegt und gewaschen wird, dass sie es ist, die an x Schläuche angeschlossen ist und warum es um sie rum überall piepst. Mit viel Humor schildert sie ihre Rückkehr ins Leben und ihre Nachforschungen, was passiert ist, ihren Frust über ihren Körper und der mangelnden Auskunftsfreude der Ärzte. Eine große Unterstützung dabei ist ihre Familie, aber letztlich muß sie allein mit allem fertig werden.
Ich habe viel gelacht in dem Buch, weil es so herrlich geschrieben ist. Allein das Zitat im Klappentext hat mir schon gefallen : "Zum ersten Mal sehe ich mich im komplett im Spiegel. Ich bin dünn und bucklig, meine Muskeln sind verschwunden, meine Haut ist gelb von der angeschlagenen Leber. Irgendjemandem sehe ich ähnlich. Wem denn nur? Dann fällt es mir ein: Ich sehe aus wie Mr. Burns von den Simpsons ! Immerhin immer noch Körbchengröße C." Aber auch im Buch gibt es noch viele Stellen.
Klare Leseempfehlung
- Carolin Emcke
Wie wir begehren
(29)Aktuelle Rezension von: NespavanjeCaroline Emcke hat mit „Wie wir Begehren“ ein einfach zu lesendes Essay geschrieben. Auch wenn es zunächst um Sex und Sexualkunde in den Siebziger Jahre geht, also hauptsächlich über eine physikalische und heterosexuelle Anleitung, ist es doch mehr als ein schnödes Aufklärungsbuch. Es geht um die Entdeckung des eigenen Begehrens, dass nicht immer heterogen ist, und dazu nimmt sie Bezug und zeigt wie wichtige queere Vorbilder sind. Sie erzählt aber auch über die soziale Ausgrenzung, die sie nach ihrem Coming-out erlebt hat. Auch auf einen Schulkollegen kommt die Autorin immer wieder zurück, der sich, kaum achtzehn, das Leben genommen hat. Ihre Gedanken kreisen immer wieder um ihn, weshalb er ausgeschlossen wurde aus der Schulgemeinschaft. Und weshalb er dort stand. War Daniel womöglich homosexuell und konnte sich nicht so ausleben wie er wollte?
Wenn man bedenkt, dass fast 30 Prozent der lesbischen, schwulen und bisexuellen LGB-Heranwachsenden versuchen sich das Leben zu nehmen, lässt daraus schließen, dass noch immer zu wenig über das Begehren und die sexuelle Identität aufgeklärt wird. Ein Schritt in die richtige Richtung ist dieses couragierte Essay allemal.
- Jennette McCurdy
I'm Glad My Mom Died
(39)Aktuelle Rezension von: abc_buchstabensalatich gebe zu, ich bin insgesamt kein Fan von Autobiografien.
Aber Jenettes Lebensgeschichte hat es in sich und ist es definitiv wert gehört und gelesen zu werden!
Sie spricht konkret aus, was es mit einem macht, wenn die eigene Mutter toxisch ist, wie das Showbiz funktioniert und zerstörerisch auf einen so jungen Menschen einwirkt, wie man von außen betrachtet alles haben kann und von innen heraus leer und ungeliebt ist.
Viele Themen haben mich sehr mitgenommen. Gerade Jenettes Essstörungen haben mich tief berührt, weil ich im engsten Freundeskreis mit ansehen musste, was dies bedeutet, wie hilflos und machtlos man danebensteht.
Und dann ist da ihre Mutter. Einerseits lieben sich Janette und sie aufrichtig, gleichzeitig macht Jenette diese Liebe auch krank, denn diese Mutterliebe ist toxisch.
Auch hier musste ich viel weinen, weil ich selber Krebs habe, weil ich selber eine Tochter habe und ich es schwer aushalte, wie ihre Mutter ihre Krankheit als Erpressung gegenüber ihren Kindern einsetzt.
Ich selber kann Menschen, wie Jenette, nur versprechen, es besser zu machen.
Ich wünsche dieser jungen und voller Talenten steckenden Frau, nur das Beste und hoffe, dass sie ihr Leben meistern wird, einen Weg findet, ihre Erfahrungen auch weiterhin zu verarbeiten und einfach glücklich sein kann (ohne sich betäuben zu müssen).
Eine Autobiografie, die ihrem Hype, meiner Meinung nach, absolut gerecht wird.
Das Cover mögen einige anstößig finden, es bringt die Sache aber auf den Punkt. Mir gefällt das morbide in Kombination mit den fröhlichen Farben.
Denn wenn ich eines weiß dann:
Wir müssen alle leben und sterben… es wird Zeit, dass wir uns mit beidem aussöhnen. Jenette ist hier bereits einen Schritt weitergekommen.
Im übrigen möchte ich noch erwähnen, dass dieses Hörbuch erstklassig und wunderbar vorgetragen wurde durch Dagmar Bittner . Vielen Dank für deine wundervolle Stimme!
- Ferdinand von von Schirach
Kaffee und Zigaretten
(19)Aktuelle Rezension von: wortfegerLauschen, lauschen ... ich mochte gar nicht mehr aufhören. In unzähligen Episoden erzählt Ferdinand von Schirach mitten aus dem Leben, von nebenan oder von solchen, die rausgefallen sind: intelligent, berührend, vielschichtig. Was bleibt, wenn nichts mehr da ist? Wenn Kunst absurd wird oder Glücksmomente vorbeiziehen, und zu spät als solche erkannt werden? Gekonnt gelesen von Lars Eidinger ein echter Hörgenuss.
- Matthias Matschke
Falschgeld
(25)Aktuelle Rezension von: JorokaDer Autor schreibt über seine Kindheit und Jugend bis einschließlich seines 20. Lebensjahrs. Er ist tatsächlich in der Nähe von Darmstadt in einem kleinen Dorf aufgewachsen, am Rande des Odenwalds. Doch die Handlung stimmt nicht mit den sonstigen Lebensdaten, die man auf Wikipedia lesen kann, überein. So liegt hier wohl eine teil-fiktive Autobiografie vor.
Ich habe mich für das Hörbuch, vom Autor selbst gelesen, entschieden. Es ist eine ungekürzte Fassung mit fast 7 Stunden Laufzeit. Schnell bin ich darüber gestolpert, wie er im Verlauf immer wieder betont: Ich bin Matthias Matschke, als ob sich dessen beständig selbst versichern müsste. Ganz am Ende ergab das für mich aber auch einen Sinn.
Da ich selbst in Darmstadt wohne, war es für mich auch eine Reise zu bekannten Orten, wie z.B. zum Café Chaos, das es heute noch gibt, doch in einer Zeit, zu der ich noch nicht in Darmstadt gelebt habe.
Der Autor schaffte es, mich tief zu berühren. Dabei war es zweitrangig, dass er sich den Handlungsverlauf ausgedacht hat. Im Verlauf kommen dabei nicht nur die Sonnenseiten des Lebens zur Sprache.
Matthias Matschke verstand es, mich mit seiner Sprache und mit seiner Stimme einzufangen.
Fazit: Wurde positiv überrascht
- David Gilmour
Unser allerbestes Jahr
(13)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderJesse hat die Schnauze voll von der Schule und will einfach nur leben. Seine Eltern leben getrennt und seine Mutter meint, dass er einen Mann an der Seite braucht und sie zieht er zu seinem Vater. David ist Filmexperte, Kritiker, Journalist und schlägt seinem Sohn einen gewagten Handel vor. Finger weg von Drogen und keine Konflikte mit dem Gesetzt, dafür darf Jesse daheim bleiben und bekommt seine Bildung durch seinen Vater. Es werden Filme geschaut, Klassiker der Filmgeschichte, Trash, vergessene Perlen, eben alles was die Filmwelt hergibt und so lernt Jesse auf höchst unkonventionelle Art und Weise Werte des Lebens kennen und sein Vater bringt ihm einiges fürs Leben bei. Kann dieser Weg zu einer umfassenden Bildung führen? Wird Jesse als erwachsener Mann in der Arbeitswelt bestehen können?
David Gilmour hat eine einfühlsame Vater Sohn Geschichte geschrieben und nimmt uns mit in die faszinierende Welt der Filme und lässt uns doch so einiges über das Leben lernen und er vermittelt Gefühle und Stimmungen auf wunderbare Weiße.
- Candy Bukowski
Wir waren keine Helden
(43)Aktuelle Rezension von: Wortmagie„Wir waren keine Helden“ von Candy Bukowski wurde mir 2016 vom Verlag edel & electric zur Rezension angeboten. Mein Grund, dieses Angebot anzunehmen, scheint ein wenig banal: in der Inhaltsangabe ist die Rede von einem Punker. Aufgrund meiner eigenen Vergangenheit mit bunten Haaren, glänzenden Nieten und schweren Stiefeln werde ich da stets hellhörig. Ich hoffte auf einen Roman, mit dem ich mich identifizieren konnte und der mich an meine wilden Jahre erinnerte. Vermutlich brauchte ich deshalb sehr lange, um mich für die Lektüre bereit zu fühlen. Ein Nostalgietrip verlangt eben die richtige Stimmung.
Als der Punker Pete vom Himmel fällt, ändert sich für Sugar alles. Überzeugt, erwachsen zu sein, verlässt sie ihr Kaff im Nirgendwo und stürmt der weiten Welt entgegen, in der Liebe, Schmerz, Traurigkeit, Hoffnung und vollkommenes Glück auf sie warten. Sie reitet die Wellen des Lebens, wird brutal unter Wasser gedrückt und taucht doch jedes Mal wieder auf. Sie ergreift Chancen, scheitert, traut sich, zu springen, um herauszufinden, ob sie fliegen kann und begreift irgendwann, dass Durchschnittlichkeit auf ihre Fragen keine Antworten bietet. Sie kämpft, um ihren Platz im verwirrenden Gefüge des Universums zu finden. Aufgeben ist keine Option. Denn Helden geben niemals auf.
Ich bin zwiegespalten. Wie bereits erwähnt, hoffte ich, mich mit „Wir waren keine Helden“ identifizieren zu können. Einerseits konnte ich das – und andererseits auch wieder nicht. Es ist kompliziert. Obwohl die Leser_innen die Protagonistin des Romans unter dem Namen Sugar kennenlernen, wurde für mich schnell deutlich, dass es sich bei diesem Buch um eine Art Autobiografie handeln muss oder es zumindest starke autobiografische Züge aufweist. In einem Interview bestätigte Candy Bukowski diesen Eindruck; sie erklärte: „Candy und Sugar sind eins. In jung und gereift“. Candy alias Sugar wuchs in einem kleinen Dorf in Westdeutschland auf und verbrachte den Großteil ihrer Jugend in einer abgeranzten Kneipe, in der man es mit dem Jugendschutz nicht so genau nahm. Mit 17 zog sie Zuhause aus und entschied sich für eine Ausbildung zur Buchhändlerin. „Wir waren keine Helden“ fokussiert allerdings weniger die harten Fakten ihres Lebens, sondern konzentriert sich auf Candys/Sugars emotionale Erlebenswelt. Ihre Beziehungen stehen im Mittelpunkt, sowohl ihre romantischen und freundschaftlichen Beziehungen, als auch ihre Beziehung zu sich selbst. Bukowski sorgt selbstverständlich für den nötigen Kontext, damit ihre Leser_innen verstehen, welche Begegnungen in welcher Lebenssituation eine Rolle für sie spielten, doch meist bleibt sie vage und beschränkt sich auf das absolute Mindestmaß an Informationen. Für ihre Geschichte ist es kaum von Bedeutung, wann sie wo lebte und welchen Beruf sie dort ausübte, entscheidend sind die Menschen und Gefühle, die sie in ihren Lebensabschnitten begleiteten. Candy/Sugar ist eine Stehauffigur, die sich trotz herber Rückschläge niemals davon abhalten lässt, ihr Bedürfnis nach einem freien, wilden Leben zu erfüllen. Diese Autobiografie versprüht ungeheure Lebenslust, nahezu unstillbaren Lebenshunger und darin erkannte ich mich durchaus wieder. In diesem Sinne konnte ich mich also definitiv mit „Wir waren keine Helden“ identifizieren. Was mir jedoch Schwierigkeiten bereitete, war der große Altersunterschied. Candy Bukowski wurde 1967 geboren und ist demzufolge 22 Jahre älter als ich. Sie könnte meine Mutter sein. Diese Spanne ist zu weit, als dass wir viele Berührungspunkte hätten. Ich kann nicht nachempfinden, wie es war, Anfang bzw. Mitte der 80er ein Teenager zu sein und ihre Erfahrungen in der Zeit, als ich jugendlich war, sind von einem erwachsenen Blickwinkel geprägt. Uns trennt eine ganze Generation, wodurch ich ihre stellvertretende Protagonistin Sugar eher objektiv betrachtete, als eine intensive persönliche Bindung zu ihr aufzubauen. Außerdem muss ich zugeben, dass ich ihren Schreibstil als übertrieben literarisch empfand. Ihre verschleiernde blumige Poetik, die ab und zu durch provozierende Direktheit aufgebrochen wird, erschien mir zu abgehoben und lyrisch. Wie alle Leser_innen weiß auch ich einen bildhaften, üppigen Schreibstil zu schätzen, doch Candy Bukowski überschritt die Grenze zum Gekünstelten, als wollte sie ihrem Werk mehr Gewicht verleihen, als es eigentlich hat. Letztendlich handelt es sich eben doch „nur“ um die Geschichte eines Lebens, die trotz aller unkonventioneller Pfade lediglich eine außergewöhnliche, einmalige Biografie unter vielen ist. Candy Bukowski ist genauso einzigartig wie ich, wie ihr, wie jeder Mensch auf der Welt. Ihr Schreibstil vermittelte mir, dass sie sich selbst als besonders besonders sieht, obwohl sie das vielleicht gar nicht beabsichtigte. Dadurch wirkte „Wir waren keine Helden“ leicht pathetisch, womit ich bloß bedingt zurechtkam.
„Wir waren keine Helden“ ist ein sehr ehrlicher Seelenstrip, der die Grenzen zwischen Autobiografie und Fiktion im Ungewissen lässt. Obwohl sich der Generationenunterschied als schwierig erwies und ich Candy Bukowskis Schreibstil etwas affektiert fand, erkenne ich uneingeschränkt an, dass sie sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst ist und ihr (emotionales) Leben in diesem Roman schonungslos offenlegt. Das erfordert Mut und verdient meinen Respekt. Sie ist zweifellos eine beeindruckende Frau, deren furchtlose Bereitschaft, außerhalb der Norm zu denken und zu leben, zu scheitern und dennoch immer wieder aufzustehen, bemerkenswert ist. Nichtsdestotrotz ist „Wir waren keine Helden“ meiner Ansicht nach ein Buch, das man lesen kann, aber nicht muss. Wer Interesse an Autobiografien hat und gern Einblicke in die Lebensweise anderer Menschen erhält, ist hier an der richtigen Adresse. Wer hingegen lieber zum klassischen Roman greift, sollte vielleicht noch einmal überlegen, ob eine andere Lektüre eventuell passender ist.
Vielen Dank an den Verlag edel & electric für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!
- Frank Pulina
Das Curaçao-Komplott - Hinter Gittern im Paradies - Autobiografischer Roman
(16)Aktuelle Rezension von: Nicoles-LeseeckeDanke an den Autor für das bereitgestellte RezensionsexemplarMit dem Hintergrundwissen dass es sich hier um die eigene Geschichte des Autors handelt, stieg ich voller Neugier in das Buch ein. Ich wurde nicht enttäuscht der Schreibstil ist flüssig und so interessant gestaltet, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte und so viel zu schnell am Ende angelangt war. Am Ende ließ es mich fassungslos und erschüttert zurück. Erschüttert darüber, wie schnell Gesetze dazu führen, das man unschuldig verdächtigt und verhaftet wird.
Fazit
Der Autor hat sich hier viel Mühe gegeben einen Teil seiner Lebensgeschichte fesselnd zu verfassen. - Barbara von Wulffen
Von Nachtigallen und Grasmücken
(2)Aktuelle Rezension von: ElinCorinthEs ist nicht ganz leicht, die Struktur des Buches wiederzugeben, welches sich aus fünfzehn Kapiteln zusammensetzt. Die ersten drei beschreiben die Kindheit und die Jahre des Biologiestudiums in München. Das dritte Kapitel widmet Barbara von Wulffen unausgesprochen dem Menschen, der ihre Leidenschaft für die Vögel weckte und zu ihrem Mentor in Sachen Vogelkunde wurde. Walter Wüst, der Münchner Gymnasiallehrer und Vorsitzende der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern, hielt während Barbara von Wulffens Biologie- und späterem Germanistikstudium einen Lehrauftrag für Vogelkunde an der Münchner Universität. Seine vogelkundlichen Exkursionen in und um München waren für sie der Beginn einer ornithologischen Lehrzeit, die ein Leben lang anhalten würde.
Das Porträt Walter Wüsts lässt nicht nur ihre Bewunderung spüren, es wird – wenn auch erst nach mehrmaligem Lesen der nachfolgenden Kapitel – deutlich, was Barbara von Wulffen so wichtig an der Begegnung mit ihm war. Walter Wüst verstand es, sich verzaubern zu lassen, ohne analysieren zu wollen. Ihm ging es um die“ sinnliche Unmittelbarkeit der Naturerfahrung“ (wie es der Klappentext formuliert) und nicht um die unersättliche Tiefgründigkeit biologischer Forschung.Und überhaupt, die Biologie! In den Kapiteln vier und fünf schreibt sie von „Anschauung“ und dem „Angeschaut werden“. Es geht um die Frage, was Leben denn nun ist, um Betrachtungsweisen und Ansichten über die Essenz des Lebens, denn schließlich beschäftigt sich die Biologie mit nichts anderem. Es sind die mit Abstand schwierigsten Kapitel des Buches und es bleibt kein Zweifel offen darüber, wie unbefriedigend alle bisherigen Ansätze und Theorien für die Autorin sind, welche erklären wollen, woher das Leben stammt, wie es sich entwickelte und warum es das überhaupt tat. Je detaillierter die Forschung, umso weniger greifbar wird der Lebensbegriff. Sind Gene Leben, Aminosäuren in Doppelhelixstrukturen? Die Frage treibt sie um und der horror vacui, dieser Antrieb des immer weiteren und tieferen Vordringens in die Beschaffenheit der Dinge, bis sie ihre Gestalt völlig verlieren, geistert durch das Kapitel, weil es eben nicht sein kann, dass hinter einer Antwort auf eine Frage eine neue Frage lauert, auf die es keine Antwort gibt. Die Wissenschaft als Zersetzerin der Schönheit des Existierenden.
In diesen beiden Kapiteln, die sich dem Leser so kompliziert darstellen, wie es die Lebensphase, von der sie erzählen, für die Autorin gewesen sein muss, spürt man förmlich den frappierenden Unterschied zwischen der Nüchternheit und Distanziertheit der wissenschaftlichen Forschung und dem, worum es Barbara von Wulffen ging, als sie entschied Biologie zu studieren. Der Wunsch nach sinnlicher Erfahrung des Lebens, nach dem, was es im Betrachter auslöst und auch, es zu verstehen in seinem Woher und Wohin und Warum, konnte durch ein Biologiestudium nicht erfüllt werden.
Im Verlauf der nun folgenden Kapitel fließen autobiografische Elemente mit einer höchst unterhaltsamen Mischung aus Geschichte, Tradition, Kultur, Kunst und Gegenwart zusammen, die – und das ist das Schöne daran – auch auf die ornithologische Entwicklung im deutschsprachigen Raum bezogen sind.
Da geht es um die Beizjagd, ein Reizthema, dessen sich die Autorin durchaus bewusst ist, doch dem sie sich umso ausführlicher widmet, indem sie diese Jagdtradition in der Wildnis Anatoliens miterlebt, sie bis zurück zu Kaiser Friedrich II. umschreibt, und mit den heutigen Praktiken vergleicht. Gerade hier findet sich ein interessantes Stück Naturhistorie, denn die Beobachtungen und Niederschriften Friedrichs II. (1194-1250) sind für das 13. Jahrhundert erstaunlich exakt, was nicht zuletzt daran lag, dass der Kaiser es sich nicht nehmen ließ, selbst zu beobachten und forschen und den vermeintlichen Forschungsstand zu kritisieren statt lediglich das bereits niedergeschriebene zu übernehmen.
In anderen Kapiteln widmet sich die Autorin der vielseitigen Faszination, die Vögel auf Menschen auslösen. Wie einen Fächer entfaltet sie religiöse und kulturelle Aspekte von den Weisheitsvögeln Odins aus den nordischen Göttersagen über die Vogelorakel der Griechen und Römer bis hin zur Botenrolle von Vögeln im jüdisch-kabbalistischen Denken.
Sie stellt Olivier Messiaen vor, jenen Organisten und Komponisten, dem die menschengemachte musikalische Welt zu eng wurde und der sich dem Gesang der Vögel zuwandte und Musik von entrückter Schönheit komponierte.
In den Beschreibungen Barbara von Wulffens – und darin liegt zweifelsfrei ihre Stärke – wird das Buch lebendig. Meisterhaft schildert sie die unterschiedlichsten Situationen, Personen und Epochen. Ihr Schreibstil ist einfach großartig, was sich nicht nur in der mutigen Ignoranz der obersten Schreibregel wiederspiegelt, keine langen Sätze zu machen. Im Gegenteil, die Sätze ufern aus wie die Zeitspannen, die sie umschreiben. Sie führen den Leser durch die Panoramen von Gebirgen, Hochebenen, Steilhängen, Tälern, durch Teeplantagen und Dörfer. Die Worte rieseln nur so dahin und einmal ins Lesen vertieft, ergeben sich einfach keine Abbrüche, keine Unstimmigkeiten, die einem das Zuklappen des Buches erleichtern würden.
Es ist ein Lesebuch, episch und fundiert, ein in Prosa geschriebenes Sachbuch mit einem weiten Radius um die Themen Biologie, Ornithologie und Naturhistorie. Die Sprache ist anspruchsvoll und genau darin schön, keine schnell dahin geschriebenen Gedanken, sondern bedächtig und bis ins Detail geschnitzte Worte. Darin findet sich auch der Titel wieder und das schöne Buchcover mit seiner zarten, fragilen Grasmücke, nur ein Hauch von Leben, schwer zu finden und doch, wenn es gelingt, zutiefst beglückend.
Eine ausführliche Rezension mit weiteren Features gibt es hier: https://treibholzinsel.de/2019/05/11/von-nachtigallen-und-grasmucken-von-barbara-von-wulffen/
- Adele Neuhauser
Ich war mein größter Feind
(14)Aktuelle Rezension von: AnnarenaIch war mein größter Feind von Adele Neuhauser habe ich mir gekauft, weil mich der Buchtitel sofort angesprochen hat. Die Autobiografie ist sehr angenehm geschrieben, ein Schreibstil, bei dem man immer weiter lesen möchte.Ich habe dieses Buch als sehr mutmachende Erzählung empfunden. Adele Neuhauser erzählt wie doch alles immer wieder weitergeht, egal wie düster manche Situation gerade aussieht. Absolute Empfehlung! Sehr authentische und ehrliche Einblicke in ihre Gedanken & das Leben.
- Kathinka Engel
Chapters unfinished
(60)Aktuelle Rezension von: belli4charlotteMit Chapters Unfinished liefert Kathinka Engel den Abschluss der Badger‑Books‑Reihe – und auch wenn dieser Band für mich nicht der stärkste ist, hat er mich insgesamt gut unterhalten. Die Geschichte lebt vor allem von der reizvollen Gegensätzlichkeit zwischen Coulter, dem kontrollierten Zahlenmenschen, und Evie, der chaotischen neuen Assistentin, die sein geordnetes Leben gründlich durcheinanderwirbelt. Das klassische „Haters to Lovers“-Setting funktioniert hier besonders gut, weil Engel beide Perspektiven nutzt und so die inneren Konflikte der Figuren greifbar macht.
Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig, lebendig und voller pointierter Dialoge, die die Dynamik zwischen Coulter und Evie authentisch einfangen. Gerade die emotionalen Szenen – allen voran jene rund um Coulters Familie – stechen heraus und zeigen, wie viel Tiefe in seiner Vergangenheit steckt. Diese Momente gehören für mich zu den stärksten des Buches.
Trotzdem hatte ich mit Coulters Verhalten an einigen Stellen meine Schwierigkeiten. Sein kontrollierter Perfektionismus kippt gelegentlich ins Herablassende, was ihn für mich weniger sympathisch wirken ließ. Auch Evie, die ich grundsätzlich mochte, hat gegen Ende Entscheidungen getroffen, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Zudem wurde das „typisch Evie“ etwas zu oft bemüht, was ihren Charakter stellenweise eindimensional wirken ließ.
Der Spice‑Anteil ist höher als in den vorherigen Bänden – für manche sicher ein Pluspunkt, für mich war er anfangs etwas zu präsent und nicht immer organisch eingebettet. Dennoch trägt die körperliche Anziehung spürbar zur Entwicklung der Beziehung bei, ohne die emotionale Ebene völlig zu überlagern.
Alles in allem ist Chapters Unfinished ein unterhaltsamer, gefühlvoller Abschluss der Reihe, der mit Humor, Leidenschaft und einigen wirklich starken Szenen punktet. Auch wenn nicht alles für mich funktioniert hat, habe ich das Buch schnell gelesen und mochte die Grundidee sehr. Für Fans von Workplace‑Romance und gegensätzlichen Charakteren ist es definitiv einen Blick wert.
Fazit: Ein emotionaler, stellenweise holpriger, aber insgesamt überzeugender Abschluss – solide vier Sterne.























