Bücher mit dem Tag "autobiographisch"
99 Bücher
- Hape Kerkeling
Ich bin dann mal weg
(4.122)Aktuelle Rezension von: xoxo_love_booksJa so gut geschrieben. Fühle mich wie das Kind das er da beim Schreiben in dieser einen holzigen Steinhütte trifft. Guter Humor, tiefgründige Gespräche und viel Hoffnung zu finden. Bzw. wer Hoffnung bräuchten mehr davon erlangen möchte, sollte dieses Buch lesen. Ich möchte noch mehr von ihm lernen und ihn irgendwann gern einmal wieder treffen.
- F. Scott Fitzgerald
The Great Gatsby
(420)Aktuelle Rezension von: BuchBoxBirgitEin Klassiker, und er scheint eine kurze Geschichte zu erzählen: Gatsby liebt Daisy, doch als er im Krieg war hat sie einen anderen geheiratet. Jetzt treffen sie sich wieder- werden sie glücklich? Doch das ist hier nur die glänzende Oberfläche der Erzählung. Es geht um Klassengrenzen, Arm und Reich, um Beziehungen zwischen Männern und Frauen und am Ende einfach um die Sehnsucht, die uns alle vorantreibt. Erkennen wir, wann es Zeit ist, von einem Wunschtraum Abschied zu nehmen?
- Joachim Meyerhoff
Alle Toten fliegen hoch
(361)Aktuelle Rezension von: CorinaPfInhalt:
Der namenlose Protagonist möchte ein Auslandsjahr in Amerika verbingen um an einer Highschool Basekball spielen zu können. Er muss ein Aufnahmeverfahren machen und schafft es sogar. Seine Familie unterstützt ihn dabei und bald fliegt er nach Amerika. Dort lebt er bei einer Gastfamilie die ihm liebevoll aufnehmen und bis auf seinen Gastrburder auch alle mögen. Er geht auf die Highschool, lernt Mädchen kennen und kommt auch in skurile Situationen. Was das für Situationen sind müsst ihr selber lesen.
Schreibstil:
Ich habe das Buch versucht zu lesen, doch dies war leider nichts für mich. Also habe ich zum Hörbuch gegriffen, aber auch hier ich kam sehr schwer in die Geschichte. Viele meinen es ist lustig geschrieben, aber meinen Humor hat ds Buch nicht getroffen. Für mich hat es auch sehr lange dauert bis er endlich in Amerika war. Es wurde viel von der Familiegeschichte geschrieben und wie das Verhältnis zu jeden ist, eigentlich mag ich das sehr, aber es hat mich hier nicht wirklich abgeholt. Die Story die in Amerika spielt fand ich dann doch intressant auch wenn ich einige Situationen nicht ganz nachvollziehen kann z.B. darf man als Jugendlicher einfach so in ein Gefängnis in den Todestrakt spazieren. Ich fand auch das Ende war etwas skuriel und hat auch wieder nicht getroffen.
Protaognist:
Ich wurde nicht warm mit den Protagonist, er blieb mir fern. Seinen Taten waren mir manchmal nicht klar und er wirkte auch zu seinen Mitmenschen eher kühl und zurückhaltend.
Fazit:
Ich mochte den 2 Teil der Reihe deshalb wollte ich den ersten Teil auch lesen, aber leider war das Buch für mich nichts. Ich bin wahrscheinlich auch nicht die Altersgruppe für das Buch. Es wird bei mir ausziehen und es wird sicher einen anderen Leser finden der es mehr zu schätzen weiß.
- Benjamin von Stuckrad-Barre
Panikherz
(129)Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider
Benjamin von Stuckrad Barre wächst etwas abgeschirmt auf, denn seine Eltern sind typische Ökos und sein Vater Pastor. Als er von seinem Bruder abgelegte Klamotten bekommt und im örtlichen Musikladen Schallplatten entdeckt, ist er plötzlich in einer anderen Welt. Udo Lindenberg wird sein Held, sein Idol und als er heran wächst und anfängt zu arbeiten, schreibt er über Udo und er vernichtet ihn in seinen Kritiken. Sein Held fällt und Benjamin irgendwie auch. Sein Leben ist unstet und wie eine Achterbahnfahrt und er nimmt Drogen, experimentiert mit vielen Stoffen und entwickelt eine Essstörung. Aber er hat auch Höhepunkte und darf Udo treffen und lernt ihn kennen, findet in ihm einen Freund. In den USA trifft er auf einen Held der Buchbranche, Bret Easton Ellis und verbringt berauschte Nächte mit ihm und kommt doch auch wieder runter. Ein Buch mit Udo Lindeberg, über Udo Lindenberg und ein Buch von und über Benjamin von Stuckrad Barre. Er nimmt uns mit auf seinem wilden Ritt durch seine Kindheit und Jugend und sein aufregendes Erwachsenenleben und wir dürfen Backstage sein und viele Prominente treffen. Raschzustände, Sex, Angst, Neuanfang, Absturz, alles ist dabei und am Ende immer ein Udo Song.
- Joachim Meyerhoff
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
(236)Aktuelle Rezension von: Kritischer_VampirGeht Familie auch humoristisch? Ja! Das beweist Joachim Meyerhoff mit seiner Reihe „Alle Toten fliegen hoch“. Im dritten Band „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ geht der 19-jährige Joachim an die Münchner Schauspielschule und zieht kurzerhand bei seinen Großeltern ein. Dort erlebt er den ganz normalen Wahnsinn. Aber was ist bei den exzentrischen Großeltern schon normal?
„Ach, diese Lücke“ ist mein erstes Buch des Autors. Aufgrund sehr guter Bewertungen und positiver Pressestimmen waren meine Erwartungen hoch, wurden jedoch enttäuscht.
Zuerst zum Positiven, der Sprache: Selbstironisch und mit Wortwitz berichtet Meyerhoff von seinen Erlebnissen an der Schauspielschule und bei den Großeltern. Meyerhoff schreibt autobiografisch mit fiktionalen Elementen, verbindet Komisches mit Tragischem. Von heiter bis wolkig. Mit guter Beobachtungsgabe und viel Humor seziert er die Menschen und seinen Alltag. Dabei besitzt er das große Talent, Alltagsmomente und Figuren so eloquent zu beschreiben, dass man schmunzeln muss.
Meyerhoff reiht Erlebnis an Erlebnis: Hier eine Anekdote, da eine Kindheitserinnerung, dort ein Alltagsmoment. Das liest sich so als hätte man ein Familienfotoalbum in einen Roman verwandelt.
Das ist unterhaltsam, aber genügt das, um 350 Seiten nicht nur zu füllen, sondern auszufüllen? Die Geschichte brilliert sprachlich, doch inhaltlich schwächelt sie. Spätestens ab der Hälfte des Romans (da wurde es für mich zunehmend fade) hätte ich mir eines gewünscht; eine interessante Handlung und nicht so viele Belanglosigkeiten (so wurde zum Beispiel dem Diebstahl eines Fotobildbandes ein ganzes Kapitel gewidmet). Stattdessen gibt es viele Wiederholungen: Peinlichkeiten an der Schauspielschule und Besäufnisse bei den Großeltern, immer im Wechsel. Die fehlende Handlung hinterlässt meiner Meinung nach tatsächlich eine entsetzlich große Lücke in diesem Roman.
Zu den Figuren: Die Großeltern sind so etwas wie der Fels in der Brandung, nicht nur für den Protagonisten, sondern auch für den Roman, denn sie halten sie Geschichte zusammen. Man hat sie beim Lesen bildlich vor Augen – den stoffeligen Philosophieprofessor und die extravagante Schauspielerin. Dabei überstrahlt die Großmutter alle anderen Figuren und scheint – auch abgesehen von allem "Diven-Glitzer" – eine interessante Frau gewesen zu sein. Demgegenüber bleiben die anderen Charaktere ziemlich blass. Vor allem Joachims Kommilitonen und Schauspiellehrer wirken auf mich wie Sketchfiguren, genauso ulkig aber auch genauso flach.
- Cheryl Strayed
Der große Trip zu dir selbst
(311)Aktuelle Rezension von: ShannonVon mir aus dürfte es gerne mehr Literatur zu wandernden Frauen geben. Diese hier ist auf der Suche nach sich selbst. Hätte ich mehr Landschaftsbeschreibung und weniger Nabelschau gehabt, wäre ich zufriedener mit dem Buch, aber alles in allem liegt hier ein lesenswertes Werk mit einer sexuell sehr selbstbewussten Frau vor, die eine für mich nicht ganz nachvollziehbare Mischung aus Proll und Intellektueller ist.
- Jon Krakauer
In die Wildnis
(410)Aktuelle Rezension von: AukjeIm August 1992 wurde die Leiche von Chris McCandless AKA Alexander Supertramp, in einem Bus in der Wildnis von Alaska gefunden. Der Journalist Jon Krakauer rekonstruiert sein Leben und seinen Wunsch die Zivilisation hinter sich zu lassen und ein Leben in der Natur, ohne Zivilisation und Konsum zu leben. Krakauer recherchierte ab Chris' Abschluss an der Uni im Sommer 1990 und dem Beginn seines Ausstiegs aus seinem bisherigen Leben bis zu seinem Tod 1992. Er interviewt dafür unter anderem seine Familie und auch Menschen die ihm während seiner Reise begegnet sind.
Obwohl man von Beginn Buches an eigentlich schon weiss wie es enden wird, rührt die Story einen zu Herzen. Ein wirklich wunderbares traurig-schönes Buch.
- Mitch Albom
Dienstags bei Morrie
(533)Aktuelle Rezension von: lili_1302„Dienstags bei Morrie“ von Mitch Albom ist eines dieser Bücher, die man leise zuklappt, weil man innerlich noch gar nicht fertig ist. Ohne zu spoilern erzählt Albom von der besonderen Beziehung zwischen ihm und seinem ehemaligen Professor Morrie, der im hohen Alter schwer erkrankt und nur noch wenige Monate zu leben hat. In gemeinsamen Gesprächen erklärt Morrie seinem früheren Studenten, wie sich diese letzte Lebensphase anfühlt, was wirklich wichtig wird, wenn alles Überflüssige wegfällt, und welche Lektionen er aus seiner Krankheit gelernt hat – immer mit dem Wunsch, dieses Wissen weiterzugeben.
Das Buch ist unglaublich feinfühlig geschrieben, ruhig, ehrlich und voller Wärme. Gerade weil es sich um eine wahre Geschichte aus Alboms Leben handelt, spürt man jede Emotion, jedes Mitgefühl. Für mich war das Lesen ein ständiges Wechselspiel aus Gänsehaut, Nachdenken und tiefer Rührung. Besonders hängen geblieben ist mir die Botschaft des Loslassens – Gefühle wahrnehmen, aber sich nicht von ihnen beherrschen lassen. Diese Worte wirken lange nach. Wieder ein wunderschönes, tiefgründiges Buch von Mitch Albom – spätestens nach diesem Buch möchte ich von Albom einfach alle Bücher lesen 😅.
- Alice Hasters
Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten
(188)Aktuelle Rezension von: ButtaEin sehr wichtiges own voice Buch einer jungen Frau, die sich nicht zugehörig fühlt, stigmatisiert und ausgegrenzt wird, aber auch viele sehr interessante und Wissenswerte Aspekte über Geschichte und Kultur über die man nichts wusste, vermutlich weil man sich ans privilegierter weißer keine Gedanken darüber macht. Wirklich interessant, gut vorgelesen und regt sehr zum Nachdenken an. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.
- Kurt Krömer
Du darfst nicht alles glauben, was du denkst
(230)Aktuelle Rezension von: birdies_buecherweltDieses Buch wollte ich schon lange lesen. Zur Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr ist es dann bei mir eingezogen… und erstmal auf dem SuB gelandet. Ich denke ja, dass man ein Buch zum richtigen Zeitpunkt lesen muss und hier sehe ich mich wieder bestätigt. Denn genau jetzt war für mich der richtige Zeitpunkt für dieses Buch.
Kurt Krömer, mit bürgerlichem Namen Alexander Bojcan, erzählt sehr offen von seinen Depressionen, seinen Erfahrungen und davon, wie sich eine Depression überhaupt anfühlen kann. Dabei wird nichts beschönigt und trotzdem ist das Buch nicht durchgehend schwer. Sein trockener Humor sorgt immer wieder für die nötige Leichtigkeit und macht die ernsten Themen dadurch nicht weniger wichtig, aber etwas leichter zugänglich.
Ich habe in diesem Buch unglaublich viel markiert. Gedanken, die mir bekannt vorkamen oder mich dazu gebracht haben, über meine eigenen Denkmuster nachzudenken. Denn vermutlich kennen wir alle diese "Problemschraube" im Kopf, die man irgendwann viel zu fest angezogen hat und die sich dann beim besten Willen nicht mehr lösen lässt.
An einigen Stellen hat mir ein bisschen der rote Faden gefehlt, es wirkte hier und da ein bisschen sprunghaft. Trotzdem nehme ich viel aus diesem Buch mit. Es ist kein Ratgeber und möchte auch keiner sein. Vielmehr ist es ein sehr persönlicher Einblick, der zeigt, wie viel im eigenen Kopf passieren kann und wie schwer es manchmal sein kann, sich aus den eigenen Gedankengängen wieder herauszufinden.
Für mich war es definitiv das richtige Buch zur richtigen Zeit und eine Leseempfehlung für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen oder vielleicht einfach einmal daran erinnert werden möchten, dass sie mit manchen Gedanken nicht alleine sind. - Thomas Melle
Die Welt im Rücken
(84)Aktuelle Rezension von: FaiditDie Berliner Zeitung schrieb in ihrer Rezension über dieses Buch, dass es u. a. zugleich "irre" komisch wäre. Ich konnte keine Komik in der Beschreibung des Lebens von Thomas Melle finden und der Autor empfand sicherlich auch nicht so während seiner Paranoia und Psychose in den manischen Phasen oder während den darauf folgenden Depressionen. Seine Manie kostete den Autor beinahe seine Existenz und die Depression über sein Verhalten in den manischen Phasen und dessen Folgen brachte ihn an den Abgrund der Lebensmüdigkeit.
Die Beschreibung des Lebens vom Thomas Melle, seiner übersteigerten Sinneswahrnehmungen, Unruhezustände, sein Irren durch diese Welt und seiner tiefen Traurigkeit, ist für einen emphatischen Leser mitunter kaum erträglich, doch zum Verstehen der Krankheit unumgänglich. "In Wahrheit sind Irre meist Opfer, die sich im Leben nicht mehr zurechtfinden, hospitalisiert oder obdachlos werden, als verknotete Nervenbündel durch die Gegend wanken und vielleicht noch vergewaltigt oder ermordet werden, selbst jedoch eher selten vergewaltigen oder morden. Oder sie sind durchschnittliche, weder hoch- noch minderbegabte Menschen, die einfach krank sind und damit zu kämpfen haben. Es ist nicht alles 'Abgrund'. Die Leute gruseln sich einfach zu gerne", so der Autor treffend in diesem Buch, das er in Selbstreflexion mit einer schonungslosen Ehrlichkeit schrieb. Doch dieses Buch ist ebenfalls nicht gruselig. Es ist einfach nur erschütternd und unglaublich wertvoll für das Verstehen dieser psychischen Krankheit..
- Max Frisch
Montauk
(156)Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerinMax Frisch hat mit "Montauk" einen autobiographischen Roman verfasst, in welchem er ein Wochenende in Montauk im Jahr 1974 beschreibt und dabei gedanklich in die Vergangenheit abschweift, aber auch einen Blick in die Zukunft wirft.Das Wochenende verbringt er mit der 31-jährigen Amerikanerin Lynn, die ihn auf seiner Lesereise begleitet und mit der er eine Affäre hat.
Die Affäre oder die Handlung auf Long Island steht dabei nicht im Vordergrund, vielmehr ist der Roman eine nach Frischs Angaben selbst aufrichtige Sicht auf sein Leben. "Montauk" ist deshalb sein persönlichstes Buch, in dem er sich selbst reflektiert.
Er erzählt von seinen Anfängen als Schriftsteller, von seiner Tätigkeit als Architekt, aber auch von seinen Ehen und den zahlreichen Reisen, die der Schweizer nach Frankreich, Italien oder eben auch die USA unternommen hat. Kritisch betrachtet er aber auch seine Berühmtheit, seinen Erfolg und den Reichtum, der ihn verblüffte.
Der Roman ist überwiegend aus der Ich-Perspektive, aber auch aus Sicht einer dritten Person geschrieben, um mutmaßlich aus der Distanz sein eigenes Verhalten objektiver und selbstkritischer betrachten zu können.
Für mich fehlte bei dem Roman ein roter Faden. Frisch scheint seine Gedanken aufgeschrieben zu haben, wie sie ihm gerade in den Sinn gekommen sind. Er selbst hatte aber auch nicht den Anspruch, dem Leser gefallen zu wollen. "Eine Literatur, die sich selbst genügt".
Ob der Titel "Montauk" so passend gewählt ist, sei dahin gestellt - zumindest gibt der Aufenthalt dort den Anlass die Liebesbeziehung mit Lynn zu verschriften und mit dem Roman gleichzeitig einen Rückblick auf sein Leben zu geben.
"Montauk" ist damit ein Buch für all diejenigen, die sich für die Person Max Frisch interessieren und mehr über sein Leben als Autor, aber auch als Mann mit seinen Beziehungen zu verschiedenen Frauen aus autobiographischer Sicht erfahren möchten. - Bruce Springsteen
Born to Run
(44)Aktuelle Rezension von: Michael_BlumAuslöser dafür, die Autobiographie "Born to run" von Bruce Springsteen zu lesen, war der aktuell in deutschen Kinos angelaufene Film zu seinem Leben (den ich auch recht gut fand!). Ich habe mich dann an die 666 Seiten herangewagt und war positiv überrascht: Das Buch ist weit mehr als eine reine Zusammenstellung der Erfolge nach den vermutbar nicht ganz so einfachen Anfangsbemühungen, sich als Künstler zu etablieren. Ich habe viel über den Menschen Bruce Springsteen erfahren, zu seiner Herkunft, zu seiner Haltung zum Leben und zu Amerika. Das Buch hat durchaus Tiefe - und hat mir, der ich eigentlich nie Fan seiner Musik war, diese doch nähergebracht. Und mit seinem Selbstverständnis zu seiner Rolle in der E-Street Band ist er wohl tatsächlich 'Der Boss'. Interessant auch, wer in den 70-ern bis 90-ern mit wem welche musikalische Beziehung gepflegt hat. Und: Der dicke Schmöker war an keiner Stelle langweilig!
- Amélie Nothomb
Metaphysik der Röhren
(106)Aktuelle Rezension von: killmonotonyDieses kleine Buch war mein erstes von Amélie Nothomb, und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht! Bisher hatte ich nur Gutes über die Autorin und ihre (vielen!) Bücher gehört und dachte, dass es womöglich nichts für mich sein könnte, aber ich wurde positiv überrascht. Die ersten drei Jahre ihres Lebens beschreibt Nothomb in einer wunderbaren, leichten Art und Weise, voller Witz und Erstaunlichkeiten. Ihre ersten zwei Jahre verbringt sie als göttliche Röhre, einzig und allein den Nahrungsaufnahme- und Verdauungstätigkeiten gewidmet, verschwendet keine Bewegung, keinen Laut an die Außenwelt, bis sie von einer Köstlichkeit namens Schokolade ins Leben gerufen wird. Plötzlich ist sie da, richtig da, ihr Bewusstsein kommt zu Tage, das Leben nimmt Gestalt an und es gibt plötzlich einen Sinn:
„Ohne mich ist diese Schokolade gar nichts. Aber in meinen Mund gesteckt, wird sie Freude. Sie braucht mich.“
Mit dieser Erkenntnis beginnt sie, sich zu regen und aus ihrer Starre herauszukommen. Sie beginnt ihre kleine Welt, ihr Zuhause, zu erkunden, und legt eine Gedankenfülle an den Tag, die mich teilweise an die „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“-Romane erinnert hat. Sie beginnt Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, wenn auch zunächst nicht so, wie sie eigentlich sind; Bei ihrem ersten Strandausflug hat sie Angst vor dem Wasser, aber das Wasser natürlich auch, es wagt sich immer ein paar Stücke vor, nur um sich dann wieder ängstlich zurückzuziehen.
Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com
- Laura Schroff
Immer montags beste Freunde
(123)Aktuelle Rezension von: Leseratte_09In „immer wieder montags beste Freunde“ berichtet Laura Schroff von ihrer außergewöhnlichen Freundschaft mit Maurice, einem Jungen aus ärmlichen Verhältnissen.
Die zufällige Begegnung der erwachsenen, erfolgreichen Laura mit dem Straßenkind Maurice führt zu einem Aufeinandertreffen sehr unterschiedlicher Welten und durch ihr Engagement gibt Laura Maurice die Chance auf ein Leben, welches er wohl ohne diese Begegnung nicht hätte erreichen können.
Im Grunde ist es eine wunderbare Geschichte, die dazu aufruft, immer mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und hinter die Fassaden von Menschen zu blicken. Nur, weil Maurice aus ärmlichen Verhältnissen kommt, sollte dies nicht zu Rückschlüssen auf seine emotionale und auch geistige Intelligenz führen. Gerade die Person des kleinen Jungen im Buch hat mich beeindruckt. Laura Schroff dagegen weniger. Sie bricht in das Leben des Jungen ein, scheint zunächst Verantwortung zu übernehmen und lässt ihn dann doch, als sie ihren Mann Michael kennenlernt, im Stich. Auch finde ich es wenig erwachsen, wie sie sich Michael unterordnet und nicht bereit ist, für ihre Verantwortung für Maurice einzutreten. Vielmehr ist das Buch eine für mich viel zu intensive Selbstdarstellung der Person Laura und ihres „Gutmenschseins“.
Es ist kein Buch, welches ich empfehlen kann, auch wenn es die Aufforderung enthält, den Blick für andere Menschen nicht zu verlieren. Und nur wegen dieses Denkanstoßes gibt es gut gemeinte 2 Sterne
- Elke Heidenreich
Alles kein Zufall
(49)Aktuelle Rezension von: gagijuIch bin ein großer Fan von Elke Heidenreich und liebe eigentlich alle ihre Bücher, fast egal, zu welchem Thema und aus welchem Genre.
So geht es mir auch mit diesem.
Hier werden kleine Anekdoten oder auch nur Gedankensplitter in alphabetischer Ordnung zu den unterschiedlichsten Themen zusammen gestellt, und ich habe es mir als Geschenk gemacht, jeden Tag genau einen davon zu lesen, was mir immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Elke Heidenreich versteht es, auf ihre wirklich unnachahmliche Art zu den banalsten, aber auch zu sehr schwierigen Begriffen ihre Gedanken zu übermitteln, die immer von tiefer Klugheit und sehr subtil eingesetztem Humor gekennzeichnet sind.
Dieses Buch ist ein zeitloses Geschenk für einen selbst oder für alle lieben Menschen.
- Karl Ove Knausgård
Träumen
(46)Aktuelle Rezension von: BibliomaniaKarl Ove Knausgard ist mittlerweile 20. Ihm steht die Welt offen, er möchte Schriftsteller werden und hat einen der wenigen Plätze in der Akademie für Schreibkunst in Bergen ergattert. Dort wohnt auch sein Bruder Ynve, was vielleicht mit einer der Gründe für Karl Ove war, dorthin zu gehen. In Bergen breitet sich das ganze Leben vor ihm aus: Er ist verliebt und findet seine erste Freundin, entdeckt andere sexuelle Gelüste, und kann sich voll und ganz dem Schreiben widmen. Doch die Landung auf dem Boden der Tatsachen ist hart. Eine Beziehung zu haben, kann ziemlich schwierig sein, immer nur Kritik für die eigenen literarischen Ergüsse zu kassieren demotiviert, immer der jüngste zu sein, macht einen klein und da Knausgard ein zutiefst verunsicherter Mensch ist, deren Meinung der anderen ihm viel zu viel bedeutet, macht er sich selbst kaputt. Seine Alkoholexzesse sind ausschweifend, ständig ist er betrunken, taut dann erst richtig auf und stellt ziemlich dumme Sachen an. Aber er kann auch Erfolge verzeichnen: Er ist ein groß gewachsener, attraktiver junger Mann, bringt seinen ersten Roman heraus, wird in der Presse gefeiert und für Interviews in Radio und Zeitung gebucht. Er beginnt seine Ehe und lernt die Sicherheit und das Wohlfühlen in einer Beiziehung kennen. Er trifft neue Leute, mit denen er so etwas wie Freundschaft schließt, aber nie den Abschluss schafft, spielt endlich in einer eigenen Band und erlebt den Rausch auf einer Musikbühne. Knausards Leben ist voller normaler Momente und doch sind sie es nicht. Dieses Leben nimmt mich jedes Mal wieder gefangen und muss einfach immer weiter lesen und lesen. Oft regt er mich auf, wenn er weinerlich ist, oder sich permanent sagt, dass andere etwas besseres verdienen als ihn, wenn er sich nicht zusammenreißen kann und seine Freunde und Partner betrügt. Wenn er den Mund hält, weil er nichts sagen kann und sich selbst ständig klein macht. Und doch geht ein Sog von seinem Leben aus, dem ich mich nicht entziehen kann. Es gibt nur noch einen Teil in seiner sechsbändigen Romanbiografie und ich werde jetzt schon traurig, wenn ich daran denke, dass sein Leben bis in die Gegenwart erzählt sein wird und es keine weitere Biografie mehr gibt. Immer wieder überrascht mich seine Offenheit, denn er ist beileibe kein Mensch, dem alles gelingt, der immer gut drauf und nett zu seinen Mitmenschen ist. Er hat viele dunkle Seiten und dass er sie unverblühmt und aufrichtig erzählt, fordert einen Mut, den ich wirklich bewundere. Ein großartiges Werk!
- Margaux Fragoso
Tiger, Tiger
(48)Aktuelle Rezension von: FeelblackPuh...
Also erstmal sollte sich jeder bewusst sein ob er so ein Thema lesen kann oder es auslässt. Ich kam zu dem Buch weil es im Buch wilde Tiger erwähnt wurde, was ich auch bereits gelesen habe. Schaut da gern in die Rezensionen.
Einem Buch 5 Sterne zu geben obwohl die Geschichte einen immer mit einem gewissen Brechreiz lesen lässt ist makaber.
Aber dieses Buch ist so wahnsinnig wichtig. Es ist deshalb so wichtig weil es zeigt wie Kindesmissbrauch entstehen kann und von vielen Menschen gedeckt wird.
Es zeigt das erschütternde Versagen zweier Erziehungsberechtigten (das Wort Eltern haben sie nicht verdient) die systematisch mit sich selbst beschäftigt waren und absolut keinerlei Sinn für das Wohl von Margaux hatten. Wie kann man so blind und Verantwortungslos durch die Welt gehen?
Das Buch ist wirklich gut geschrieben und zeigt wie ein Täter mit Gehirnwäsche und Tricks, die nicht gleich auffallen, sabotierte, manipulierte und zerstörte.
Ich ziehe meinen Hut vor dieser Frau und hoffe das sie irgendwann sagen kann, dass sie jetzt glücklich sein darf und ist. Und der Kreislauf durchbrochen wird.
- Nick Hornby
Fever Pitch
(183)Aktuelle Rezension von: EvieReadsWenn du ein Sportfan bist, besessen von Spielern, Statistiken und Trivia, musst du dieses Buch lesen. Wenn du Schwierigkeiten hast, anderen zu erklären, die deine Obsession nicht verstehen können, dann musst du sie dazu bringen, dieses Buch zu lesen.
Ich wollte das mehr mögen. Nick Hornby hat einen ausgezeichneten Schreibstil, ist sehr witzig und erforscht eine ungewöhnliche Sucht, die eines besessenen Sportfans.Was mich interessiert hat, war die Wirkung seiner Obsession auf Nicks Beziehungen: seine Eltern, erweiterte Familie, Freunde und Freundinnen. Hornby zeigte davon einige Einblicke und die Interaktionen waren faszinierend, aber dann würde er wieder zurückkehren, um irgendein Tor zu beschreiben, oder ein Spiel, das wegen Regen abgesagt wurde, oder irgendeine andere belanglose Angelegenheit und ich wäre gelangweilt.
"Fever Pitch" ist ein interessanter Blick auf eine Sucht. Die meiste Zeit scheint Nick noch nicht einmal das Anschauen von Arsenal zu genießen. Das Stadion ist alt, die Menschenmenge ist oft gefährlich (es gibt mehrere Berichte von Personen, die bei diesen Spielen zu Tode gedrängt oder getrampelt wurden), die Tickets teuer, und die Auswirkungen auf seine Gesundheit sind beängstigend. Anscheinend muss man, um Fußballfan zu sein, viel rauchen, trinken und fettiges Essen essen. Er verliert Freunde, macht mit Mädchen Schluss, und verpasst Familienveranstaltungen, weil er bei jedem einzelnen Heimspiel von Arsenal sein muss. An einem Punkt findet er einen Therapeuten, was nicht allzu überraschend ist. Sein Glück an den Erfolg oder Misserfolg anderer zu knüpfen, ist nie eine gute Idee. - Salih Jamal
Briefe an die grüne Fee
(73)Aktuelle Rezension von: AnjaScDas Buch ist eine Auflistung aus dem Leben des namenlosen Ich-Erzählers und erinnert mich stark an Tagebucheinträge. Er rekapituliert sein Leben, während er oben auf dem Dach sitzt. Wir erfahren nur das, was uns der Protagonist wissen lassen möchte und können bei allem anderen nur mutmaßen. Egal ob es um die tatsächlichen Ereignisse geht oder um die Dinge, die die anderen Beteiligten wohl erlebt haben.
Auf Instagram habe ich unter „Kurz und bündig“ bereits geschrieben:
„Das Buch ist tragisch, es ist manchmal ganz laut, es ist vulgär und dann ist es wieder ganz leise und poetisch. Es ist kraftvoll und beschönigt nichts. Es ist pornös!Das Buch ist wirklich dreckig, es ist direkt und es ist genau das, was wir als Großstandkinder erlebt haben um uns herum: Nutten, Dreck, Suff und Drogen. Was für einen selbstherrlicheren Mist wir getan haben und unbezwingbar haben wir uns gefühlt… Genau wie der Ich-Erzähler in diesem Buch, gut vielleicht nicht genau so.
Das habe ich dem Autor geschrieben, als ich das Buch beendet habe und ich möchte Euch diese Sätze nicht vorenthalten, denn so geht es mir immer noch:
Du nimmst keinen Blatt vor den Mund. Beschreibst Exzesse so präzise, dass man als Leser weiß: Das ist scheisse was Du machst, aber trotzdem feiert man das ein oder andere!
Was Du mit den leisen Tönen im Hintergrund beschreibst, das ist die Seele. Das Gefühl. Die Veränderung. Das, wie der Protagonist fühlt.
Die Reise, die in den Briefen oder ( wie ich es empfunden habe ) Tagebucheinträgen beschrieben wird, ist wie ein Feuerwerk. Mal der Lichtstreif der Rakete am Himmel und dann wieder nur die schwarze verbrannte Hülse. Ich bin abgestoßen und fasziniert zu gleichen Teilen von dem namenlosen Protagonisten. Du weckst all das und doch ist man am Ende ausgesöhnt.Deshalb ist das Buch etwas besonderes.
Von mir bekommt „Briefe an die grüne Fee“ von Salih Jamal 4,5 von 5 möglichen Punkten und eine klare Empfehlung.
- Nora Krug
Heimat
(46)Aktuelle Rezension von: PantoffeltierDie deutschstämmige New Yorker Illustratorin und Autorin Nora Krug erkundet in diesem Album ihre Wurzeln. Nora, die mit einem Juden verheiratet ist, fragt sich vor allem, wie sich ihre Großeltern/Verwandten im zweiten Weltkrieg verhalten haben.
Dabei ist ein ganz persönliches Werk entstanden, in dem sie von schönen Kindheitserinnerungen, von Scham und Schuldgefühlen erzählt. Und manchmal bleiben auch einfach Lücken dort, wo sich Spuren verlaufen. Besonders die Aufmachung hat mich überzeugt. Es entstehen Collagen aus Notizen, Fotos, Dokumenten, Zeichnungen. Man hat das Gefühl in einer Art Tagebuch zu blättern.
Für mich gab es keine großen Erkenntnisse darüber, wie sich Deutsche im Nationalsozialismus verhalten haben, aber mir gefiel der sehr persönliche Ansatz der Autorin. Man versteht schon sehr gut ihre Zweifel und Scham und warum sie ihre Familiengeschichte erkunden möchte, bzw. davor auch teilweise zurückschreckte.
Eine sehr schöne, persönliche Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte der Autorin und den Schuldgefühlen einer nach dem Krieg geborenen.
- Joachim Meyerhoff
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke. Live
(28)Aktuelle Rezension von: KaJaJoachim Meyerhoff bearbeitet in diesem Roman seine Jugend und den Beginn seiner Schauspielkarriere.
Joachim bewirbt sich etwas halbherzig an der Schauspielschule. Hauptsache raus aus der Heimat. Doch irgendwie gelingt es ihm, aufgenommen zu werden. Aufgrund mangelnder finanzieller Möglichkeiten zieht er zu seinen Großeltern. Hier nimmt er uns mit in den unfassbar absurden Alltag mit seinen Großeltern und auf der Schauspielschule, wo er zunächst täglich zu scheitern scheint. Der Unterricht an der Schauspielschule ist geprägt von Peinlichkeiten und persönlichen Demütigungen. Erst spät erkennt Meyerhoff sein Talent und beginnt zu glänzen.
Dieser Roman ist mit soviel Witz geschrieben, manche Anekdoten sind so absurd, dass man kaum fassen kann, dass sie wahr sind. Er erzählt mit soviel Liebe von seinen Großeltern und deren Marotten. Diese Hörspielfassung ist vom Autor selbst gelesen. Wer könnte besser die sprachlichen Feinheiten seiner Großmutter betonen und imitieren? Man hat als Hörer das Gefühl, mit Meyerhoff am Tisch zu sitzen. Die Erzählung wird nie langweilig. Ich habe die meiste Zeit sehr viel gelacht und am Ende auch sehr gerührt.
- Didier Eribon
Rückkehr nach Reims
(49)Aktuelle Rezension von: MeazostroEribon legt hiermit einen autobiographischen und nonfiktionalen Roman vor, der in vielen Teilen zumindest andeutungsweise in eine soziologische Analyse abgleitet. Dies thematisiert er dabei ebenso wie die Entstehung des Romans selbst im Inhalt: Eribon kehrt nach dem Tod seines Vater, inzwischen selbst im späten mittleren Alter und als Professor für Soziologie in seine Heimat Reims zu seiner Mutter zurück. Dabei erinnert er sich an seine Kindheit in ärmlichen proletarischen Verhältnissen, zeichnet verschiedene familiäre Schicksale als Paradebeispiele dieser Klassenherkunft sowie die örtliche Historie nach und beschreibt seinen eigenen Lebensweg, seine Entfremdung von Familie und Arbeitermilieu, schließlich seine von Intellektualismus und Homosexualität geprägte Identitätsbildung als Flucht und seine Karriere. Die zentralen Themen sind das unterschiedliche soziale Kapital der durch die Klassenherkunft bedingten Individuen, die Scham vor der eigenen ärmlichen Herkunft, Homosexualität als Identitäts- und Ausgrenzungsmerkmal und schließlich die paradoxe Beziehung zwischen linker Theorie und der konkreten Arbeiterschaft. Gerade für Letzteres lehnt sich Eribon explizit an Bourdieus reflexive Sozialwissenschaft an (vgl. dazu P. Bourdieu: Ein soziologischer Selbstversuch), was die Position des Buches zwischen autobiographischer Literatur und Soziologie erklärt. Dass somit theoretische Analysen einem größeren Publikum zugemutet werden, finde ich prinzipiell ebenso begrüßenswert, wie den Versuch das Medium als bereits in sich reflektiert zu präsentieren. Leider scheint Eribon sich mit diesem methodischen Ausgangspunkt bereits zu begnügen, weshalb es den Analysen paradoxerweise an Reflexion mangelt.
Eribon weißt etwa zurecht auf die paradox anmutende Entwicklung einer sich selbst als links-sozialistisch verstehenden Arbeiterschaft und ihrer Vereinnahmung durch rechtspopulistische Kräfte hin, wobei nicht die politischen Inhalte, als vielmehr die Auflehnung gegen eine soziale Umwälzung des gesellschaftlichen Bewusstseins entscheidend wären – sich also letztlich die Frage stellt, ob unter heutigen Maßstäben die Arbeiterschaft je links gewesen oder dies nicht selbst bereits Teil einer verklärenden linken Theorie gewesen sei. Eribon sucht die Antwort jedoch im Versagen der linken Strömungen, dass er in der Anerkennung von individualistisch geprägten neoliberalen Paradigmen sieht, weshalb er für die Rückkehr des Klassenbewusstseins in kollektiven Forderungen plädiert – also gerade das fordert, dass er in seinem eigenen Leben tunlichst vermeiden wollte. Zwar findet Eribon den klugen Gedanken, dass die Demokratisierung ihr Versprechen an Klassendurchlässigkeit nicht halten kann, da mit ihr immer die institutionelle Verschiebung der machterhaltenden Strukturen einhergeht, jedoch stellt sich damit für mich umso mehr die Frage, wer denn jetzt die Arbeiterschaft sei, von der sich Eribon entfremdet und die er letztlich beschwört.
Insgesamt tun sich für mich einige Ungereimtheiten auf: Die soziale Scham etwa wird, nach Eribons eigenen Beschreibungen, nicht von seinem Umfeld aus anderen sozialen Schichten befördert, sondern stets von ihm allein. Dies mag verständlich sein (angesichts des hier nicht in Zusammenhang gebrachten neoliberalen Paradigmas formeller Gleichheit und individueller Leistungsbemessung), aber der Schluss von der individual-psychologischen auf die soziologische Ebene ergibt sich daraus nicht zwangsläufig. Stattdessen wirft Eribon ihn teils mit dem Mangel an sozialem Kapital zusammen, der wesentlich einfacher nachzuvollziehen ist, aber analytisch davon zu trennen wäre – etwa die notwendige Finanzierung des Zeitraumes für eine Dissertation.Neben durchaus treffenden Feststellungen verfällt Eribon dem selbst bemitleidenden Narrativ, dass alle Schwierigkeiten seines Lebens letztlich auf seine Klassenherkunft zurückzuführen sind. Gleichzeitig schafft er es nicht eine glückliche Lebensentwicklung zu diagnostizieren, alle Errungenschaften scheinen ihm stets hart erarbeitet, verdient und immer noch unter Wert verkauft. Sein Stipendium ist auf seinen Status als "bester Student jemals" (er paraphrasiert seine Professoren und lässt es mal unkommentiert so stehen) zurückzuführen, seine schlechten Noten aber auf die verstockten Dozenten und sein Scheitern bei der Dissertation auf das mangelnde soziale Kapital. Seine Arbeit als Journalist sei als verachtungswürdige Arbeit bei minderwertigen Zeitungen aus materialistischer Notwendigkeit erfolgt, sein späterer Erfolg im ursprünglich gewählten Bereich der Philosophie und Soziologie eine Unausweichlichkeit gewesen, im Vergleich mit Menschen aus anderen Klassen aber viel zu spät eingetreten. Man wird den Eindruck einfach nicht los, dass er sich ein Feindbild in der Bourgeoisie imaginiert, auf den er auch seinen ganzen Selbsthass projiziert und gleichzeitig selbst der neoliberalen Idee einer individuellen Leistungsgesellschaft unterliegt. Dass die materielle Sicherung der Lebensverhältnisse unabhängig von der Klassenherkunft durch ein geisteswissenschaftliches Studium und Arbeit in dessen spezifischem Feld keineswegs garantiert ist, dass ein Leben in der Hauptstadt nicht allen möglich ist, dass man als Professor selbst zu den Spitzenverdienern gehört und dies nur einer Hand voll gleichermaßen qualifizierten Menschen durch glückliche Umstände zu Teil wird, das alles scheint Eribon nicht zu sehen.
Wie allein an dieser Rezension deutlich zu sehen sein dürfte, hat mich das Buch viel zum Nachdenken angeregt. Gerade weil viele kluge Gedankengänge und Beobachtungen präsentiert werden, scheint es mir so notwendig den Finger auf die blinden Flecke zu legen und die teils zu vereinfachende Darstellung anzuprangern, die sich unter dem Deckmantel der individuellen Erfahrung als unangreifbar wähnt. Für kritische Leserinnen eine absolute Empfehlung.
- Alison Bechdel
Fun Home
(45)Aktuelle Rezension von: dominonaIch fand den Stil des Comics sehr interessant und auch das Thema ist eher ungewöhnlich. Es ist eine Suche nach der Vergangenheit und sich selbst in ihr hin zu Identität und Verständnis für familiäre Verwicklungen.
Im späteren Verlauf hat mich der Comic leider verloren, weil es mir zu sehr um Nebensächlichkeiten ging, aber die Zeit war nicht verschwendet.























