Bücher mit dem Tag "balkankrieg"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "balkankrieg" gekennzeichnet haben.

34 Bücher

  1. Cover des Buches Blinde Vögel (ISBN: 9783839892626)
    Ursula Poznanski

    Blinde Vögel

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Eldorininasbooks

    Teil 2 dieser Reihe hat mir spannungsmäßig auf jeden Fall wieder sehr gut gefallen, wenn nicht sogar besser, als Teil 1! Irgendwie wirkten die Protagonisten auf mich viel sympathischer und ich konnte die Handlungen, was beispielsweise das Privatleben angeht, viel besser nachempfinden. Auch gefällt mir, dass die Charaktere einem immer mehr ans Herz wachsen.

    Der Ermittlungspart gefiel mir gut und es gab konstant das Gefühl der Spannung, welches an keiner Stelle wirklich abebbte und theoretisch fand ich auch die Idee, eine Facebookgruppe als zentrale Informationsquelle zu verwenden, irgendwie modern und mal was völlig anders. Leider gefiel mir hier die Umsetzung aber nicht. Es soll sich um eine Gruppe von rund 1000 Mitgliedern handeln, das Verhältnis der einzelnen Personen war hier aber meiner Meinung nach viel zu familiär, um zu einer solchen großen Gruppe zu gehören. Ich möchte gar nicht abstreiten, dass es auch zu engen Bekanntschaften kommen kann und dass man von einzelnen Personen auch weiß, was sie wann so gepostet haben, aber dass selbst von neuen Mitgliedern sofort gewusst wird, wie sie heißen und was sie komisches posten, halte ich für absolut unglaubwürdig. Außerdem scheint es ja so zu sein, dass die anderen Mitglieder, die nicht zu der engen Gruppe gehören, quasi nicht existent sind. Das war irgendwie alles etwas unpassend und nicht ganz durchdacht.

    Das Thema Lyrik gefiel mir in dem Zusammenhang nur bedingt. Ich bin einfach kein Fan von Gedichten, es sei denn, sie sind einfach und durchschaubar, aber das ist Geschmackssache.

    Die Auflösung fand ich teilweise allerdings wirklich überraschend! Ein kleiner Plotttwist war auf jeden Fall eine sehr gute Idee und ich musste auch etwas über den Umstand schmunzeln, dass ich selbst genau dachte, wie die Polizei. 

    Ich bin auf jeden Fall gespannt auf weitere Teile dieser Reihe!

    3,5 Sterne

     

  2. Cover des Buches Tödlicher Frost (ISBN: 9783518464816)
    Asbjørn Jaklin

    Tödlicher Frost

     (40)
    Aktuelle Rezension von: eskimo81
    Tromso wird in Angst und Schrecken versetzt, als ein unbekannter während der Polarnacht in einem Kuhstall ermordet, gefoltert, wird. Hängt das Verbrechen mit der Vergangenheit zusammen? Alex Winther, Journalist und ex Veteran wird auf die Story angesetzt...

    Das Buch wird im Genre Krimi geführt, was ich ein bisschen verwirrend finde. Ein Krimi fand ich nicht, eher ein historischer Abspann über den zweiten Weltkrieg mit ein bisschen Ermittlung im hier und jetzt. Ein guter Schreibstil jedoch mit so viel Brutalität, dass ich das Buch wirklich nur Scheibchenweise geniessen konnte. Auch finde ich das Buch unfertig, es ist viel zu vieles offen und unklar, wenn die letzte Seite vorbei ist. Auch das Nachwort mag nicht überzeugen, wie viel vom gesamten Abspann des Weltkrieges ist nun Realität?

    Gem. Hinweis ist der Autor und Historiker bekannt für seine Sachbücher, ich denke, auch wenn der Schreibstil sehr fesselnd und gut ist, sollte er bei diesen Büchern bleiben.

    Fazit: Ein Krimi oder doch eher ein historischer Roman? Was ist Real, was Fiktiv? Und was genau ist nun das Ende? Das Buch lässt mir viel zu viele Fragen offen als dass ich es glücklich auf die Seite legen kann...
  3. Cover des Buches Der Cellist von Sarajevo (ISBN: 9783442738922)
    Steven Galloway

    Der Cellist von Sarajevo

     (36)
    Aktuelle Rezension von: sabatayn76
    ‚Man kann nicht mehr sagen, welche Version der Lüge die Wahrheit ist. Ist das wahre Sarajevo die Stadt, in der Menschen glücklich waren, einander gut behandelt, ohne Hass miteinander gelebt haben? Oder ist das wahre Sarajevo die Stadt, wie er sie heute sieht, in der die Menschen einander töten, wo Kugeln und Granaten von den Bergen herabfliegen und die Häuser einstürzen?‘ (Seite 227)

    Ein Cellist beobachtet eines Nachmittags aus dem Fenster eine Menschenschlange, die nach Brot ansteht. Sekunden später sind 22 dieser Menschen in Folge eines Mörsergranateneinschlags tot: Freunde, Nachbarn, Fremde.

    Vierundzwanzig Stunden nach dem Anschlag setzt sich der Cellist, der in Friedenszeiten der erste Cellist des Philharmonischen Orchesters von Sarajevo war, in den Krater der Granate und spielt Albinonis Adagio - 22 Tage lang, täglich um 16 Uhr, um der Toten zu gedenken.

    Steven Galloway erzählt in ‚Der Cellist von Sarajevo‘ von der Belagerung Sarajevos, wobei es sich um eine Geschichte handelt, die teilweise auf einer wahren Begebenheit beruhrt, jedoch nicht den historisch genauen zeitlichen Ablauf der Belagerung wiedergibt, denn der Autor hat Geschehnisse aus drei Jahren in einem einzigen Monat untergebracht. Nichtsdestotrotz hat es den Cellisten, der in Galloways Roman namenlos bleibt, und den Mörsergranatenanschlag auf die Menschengruppe tatsächlich gegeben: Am 27. Mai 1992 starben dabei 22 Menschen und mindestens 70 wurden verletzt, und der Cellist Vedran Smailović spielte zu Ehren der Toten an den nächsten 22 Tagen Albinonis Adagio in g-Moll.

    Ich muss zugeben, dass ich den Einstieg ins Buch eher wirr und zu bemüht fand. Ich habe mich daraufhin auf eine wenig fesselnde Lektüre eingestellt, wurde jedoch schnell positiv überrascht. Im Verlauf zeigte sich bald, dass lediglich das erste Kapitel (‚Der Cellist‘) wenig gelungen war, dass der Roman spannend und bewegend wurde, sobald weitere Protagonisten vorgestellt wurden: Strijela, eine Heckenschützin, die nur auf Soldaten und nicht auf Zivilisten schießt, Kenan, der sich alle paar Tage auf den gefährlichen Weg durch die belagerte Stadt macht, um Wasser für sich, seine Familie und seine alte, grantige Nachbarin zu holen, Dragan, der in einer Bäckerei arbeitet und sich an ein Sarajevo erinnert, das es nicht mehr gibt, das er aber auch nicht aufgeben kann.

    Durch die Einführung der lebendig gezeichneten Protagonisten Strijela, Kenan und Dragan gibt Galloway dem Krieg ein Gesicht und zeigt zudem, wie schnell ein Leben im Frieden zu einem Leben im Krieg werden kann, wie Normalität und Alltag von einem Tag auf den nächsten enden können. Mir haben diese Beschreibungen des Vorher und des Nachher gut gefallen und mich sehr bewegt. Und letztendlich ist der anfänglich so mühsame Roman zu einer Lektüre geworden, die ich kaum weglegen konnte und wollte.

    Am Ende seines Romans bietet der Autor noch Einblicke in die Realität, spricht von der fast vierjährigen Belagerung Sarajevos, von mindestens 10.000 Toten und weiteren 56.000 Verwundeten, von 329 Granaten, die durchschnittlich jeden Tag in die Stadt einschlugen, und von 10.000 zerstörten bzw. 100.000 beschädigten Wohnungen.

    Zusammen mit der bewegenden Geschichte, die sich ohne Weiteres genauso zugetragen haben könnte, veranschaulichen diese Zahlen, was sich vor gar nicht so langer Zeit ganz in unserer Nähe zugetragen hat. Denn Sarajevo ist viel näher, als man denkt: Von Berlin aus ist man mit dem Auto schneller in Sarajevo als in Barcelona, und eine Autofahrt nach Rom, in die Provence oder die Bretagne würde genauso lang dauern wie eine nach Sarajevo, auch wenn einem all diese Orte wahrscheinlich viel näher vorkommen als die Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas.
  4. Cover des Buches Das schönste Wort der Welt (ISBN: 9783832162191)
    Margaret Mazzantini

    Das schönste Wort der Welt

     (27)
    Aktuelle Rezension von: hannab
    Eine intensive Liebesgeschichte zu Kriegszeiten, sehr flüssig zu lesen. Mir fehlte jedoch die persönliche Rede im Buch, daran muss man sich erst gewöhnen.
  5. Cover des Buches Der lange Atem der Vergangenheit (ISBN: 9783839814277)
    Val McDermid

    Der lange Atem der Vergangenheit

     (9)
    Aktuelle Rezension von: -BuchLiebe-

    Ich habe das Hörbuch gehört und an sich hat es mir eigentlich auch ganz gut gefallen.

     

    Das Thema mit dem Balkankrieg war mir jetzt nicht so geläufig und war für mich dann doch mal etwas anderes als die sonst so typischen Krimi Themen. Das fand ich auch sehr interessant. Ich musste dann auch nochmal etwas googeln um mehr über die Hintergründe der Balkankriege zu erfahren.

     

    Die Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit und auch zwischen den Protagonisten fand ich ebenfalls sehr interessant. Das hat es spannender gemacht. Allerdings gab es in der Geschichte schon die eine oder andere Länge, so dass ab und zu doch etwas langatmig war.

     

    Die große Wende ist allerdings ausgeblieben weil man sich dann doch schon zusammen reimen konnte wie alles zusammen hängt.

     

    Die Charaktere haben gut für die Geschichte gepasst und sind auch glaubwürdig rüber gekommen.

     

    Das Hörbuch war auch gut gelesen, da kann man nix meckern.

     

    Fazit: Ein glaubwürdiger und spannender Krimi mit ein wenig Längen. Wer einen Thriller erwartet wird wahrscheinlich eher enttäuscht sein.

  6. Cover des Buches Ich bin ein Mädchen aus Sarajevo (ISBN: 9783404613205)
    Zlata Filipovic

    Ich bin ein Mädchen aus Sarajevo

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Perle
    Klappentext:
    In ihrem bewegenden Tagebuch hat die kleine Zlatas Filipovic die Jahre des hhinterhältigen Krieges in Sarajevo beschrieben. Sie beobachtet, wie die alte Stadt Opfer der Granaten wird. Wir werden Zeuge, wie immer mehr Menschen die Stadt verlassen, Strom, Gas, Wasser und schließlich auch andere Lebensmittel knapp werden. Verzweiflung und Niedergeschlagenheit machen sich breit.

    Eigene Meinung:
    Dieses Buch fand ich am Samstag in einer Bibliothek in Koblenz und las es in ein paar Stunden am Sonntag durch, es waren gerade mal 191 Seiten. Da es in große Buchstaben und Wörter geschrieben wurde, konnte man es schnell durchblättern.  Es erschien im Jahre 1993 und die Deutsche Ausgabe kam 1994 auf den Markt.

    Die Tagebuch-Einträge der kleinen elfjährigen Zlata von Ende 1991- 1993 berührten mich sehr, ich mag solche Bücher. Ich musste an Das Tagebuch der Anne Frank denken, welches ich auch vor Jahrzrhnten mal gelesen habve und auch heute wieder im Regal stehen habe. Sie nannte ihr Tagebuch: Kitty, und auch Zlata gab ihrem Tagebuch nach wenigen Tagen einen Namen und zwar: Mimmy!  Ich habe früher auch gerne Tagebuch geschrieben, daher liebe ich solche Bücher.

    Hierfür vergebe ich liebendgerne, gutgemeinte 5 Sterne!




  7. Cover des Buches Das Ministerium der Schmerzen (ISBN: 9783833304613)
    Dubravka Ugresic

    Das Ministerium der Schmerzen

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Farbwirbel

    Ein irreführender und ebenso treffender Titel ziert das Cover des 2004 erschienenem Romans von Dubravka Ugresic. 'Das Ministerium der Schmerzen' ist ein Werk über die Zerissenheit von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, sich selbst in einer neuen Sprache wiederfinden müssen und Traumata verwinden. Die Protagonistin Tanja Lucić stammt aus Zagreb, studierte dort Literaturwissenschaften und musste aufgrund der Ausschreitungen im vormaligen Jugoslawien das Land verlassen.

    Ich weiß nur, dass ich längst abgereist und noch nirgends angekommen war. - S. 16

    Auf dem Weg nach Amsterdam streift sie zuerst durch Berlin, trennt sich dort von ihrem Mann und bekommt dann das Angebot, in Amsterdam Serbokroatisch an der Universität zu unterrichten und eine Wohnung gestellt zu bekommen.

    Auf dieses Unterfangen lässt sie sich ein und handelt dabei gegen die Prinzipien eines Professors, denn sie entwickelt eine eigene Art des Unterrichtens. Ihr Studierenden sind alle Betroffene des Krieges, jeder hat seine eigene Geschichte und auch seine eigene Sprache. Um die Gruppe zusammenzubringen und auf der Suche nach ihrer Identität packen sie einen Koffer mit Texten über Jugoslawien. Dinge, die sie nicht vergessen wollen, Dinge, die sie vergessen wollen – von Rezepten bis zu Kriegserfahrungen ist alles dabei.

    Sobald ich den Unterrichtsraum zum ersten Mal betrat, erkannte ich die Unsrigen. Die Unsirgien liefen mit einer unsichtbaren Ohrfeige im Gesicht herum. Sie hatten den schrägen Blick eines ängstlichen Hasen, eine besondere Anspannung, etwas von einem Tier, das lauert, aus welcher Richtung Gefahr drohen könnte. Die Unsrigen verrieten sich durch eine nervöse Wehmut im Gesicht, durch einen verdüsterten Blick, einen Schatten der Abwesenheit, eine kaum sichtbare innere Geducktheit. - S. 22

    Tanja und die Studierenden wachsen zusammen, verbringen viel Zeit in Cafés zusammen und lassen sich in ihre Blase fallen. Dabei wirkt Tanja stets über den Dingen schwebend, so als wäre sie in dem Geschehen nicht wirklich verwurzelt und dadurch nicht ganz dabei.

    Ein Wendepunkt der Geschichte birgt die Kritik des Institutsleiters an Tanjas Arbeit, denn diese Kritik kam von einem ihrer Studierenden. Verletzt setzt sie zum Gegenschlag an und sie unterrichtet distanziert und strukturiert die serbokroatische Literatur. Ihr geht es nicht gut damit und auch die Studierenden sind nicht zufrieden damit.

    Die Grundstimmung des Romans ist sehr tragend und beklommen. Gerade Tanja, die oft in poetischen Gedanken zum Krieg, zur Identität und zu sich selbst wiederzufinden ist, lässt diesen Eindruck entstehen. Die Sprache ist wunderschön und gleichzeitig, wie als würde man Glas essen, denn was geschrieben wird, ist hart und erschütternd.

    Ich hatte zuvor kein großes Wissen über die Zusammenhänge des Zusammenbruchs Jugoslawiens und auch jetzt bin ich durch das Buch nicht im Bilde von historischen Fakten. Das ist aber nicht der Anspruch des Romans. Es geht darum, den Axthieb in der Seele der Geflohenen zu zeigen, dass der Verlust von Heimat und Existenz unvorstellbar ist, auch wenn der Roman eine Annäherung daran gibt.

    Dennoch muss ich gestehen, das Buch hatte seine Längen. Das Thema ist mit zarten Fingerspitzen bearbeitet worden, doch zwischenzeitlich ging für mich die Verbindung von Leser und Text verloren. Nichtsdestotrotz war es ein berührendes und wenig pathetisches Buch, das mir einen Einblick in die Thematik gab und zutiefst treffend Menschlichkeit abbildet.

  8. Cover des Buches Der Rächer (ISBN: 9783328107392)
    Frederick Forsyth

    Der Rächer

     (33)
    Aktuelle Rezension von: MichaelSterzik

    Jugoslawien – der Vielvölkerstaat wurde 1990/1991 aufgelöst. Es gab schon vorher starke innenpolitische und vor allem auch sozialökonomische Spannungen und Schwierigkeiten. Besonders stark waren die nationalistischen Kräfte – die historisch gesehen sowieso voller Konflikte waren. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa spalten sich die Staaten ab und wollten jeder für sich eine autonome Führung und Regierung. Der Schrei noch „Freiheit“ wurde lauter besonders in Slowenien und Kroatien und dies führte zum Krieg auf den Balkan. 

    Der Krieg, der zweifelsfrei auch ein Bürgerkrieg war, ist kaum mit dem 1.und 2. Weltkrieg zu vergleichen. Es gab viele paramilitärische Einheiten, die manchmal wie Söldner fungierten und zahlreiche Verbrechen gerade an der Zivilbevölkerung verübten. Ethnische Säuberungen, Massaker und systematische Vergewaltigungen führten auch dazu, dass die UN reagierte und sich aktiv ins Kriegsgeschehen einmischte. Leider zu spät – manchmal zu wenig konsequent. 

    Unter den zivilen Opfern gab es mit Sicherheit auch Angehörige von Hilfsorganisationen. Und genau dieses Thema behandelt der britische Autor Frederick Forsyth in seinem Roman: „Der Rächer“. 


     Trotz der Bedenken seiner Familie reist der junge Idealist Ricky Colenso nach Bosnien, um während des Balkankrieges humanitäre Hilfe zu leisten. Bei einem Angriff auf ein Dorf wird er jedoch auf brutalste Weise ermordet. Seine Familie kann den Verlust nicht verwinden und sinnt auf Rache. Vietnamveteran Cal Dexter, Spezialist für aussichtslose Fälle, nimmt den Auftrag an. Er soll Rickys Mörder jagen und vor Gericht stellen. Was er nicht ahnt: Der Hauptverdächtige ist ein Kriegsverbrecher mit Verbindungen in höchste Kreise.(Verlagsinfo) 

    Frederick Forsyth lässt seinen „Rächer“ auf einen Kriegsverbrecher los. Ein privater Auftrag, der den Vietnamveteranen Carl Dexter vor einer gefährlichen Aufgabe stellt, denn schon längst wird der Mörder von Ricky Colenso durch die CIA gedeckt, und instrumentalisiert. Klingt dies sehr unglaubwürdig? Bedingt – vielleicht gibt es Personen, die mit ihren militärischen und geheimdienstlichen Fähigkeiten in der Lage sind solche Aktionen durchzuführen!? Fakt ist jedenfalls das die Verbindung der Geheimdienste zu terroristischen Zellen gegeben sein dürfte. Der Feind meines Feindes ist mein Freund – ein Leitspruch den sich viele Geheimdienste und Verfassungsschützer gerne annehmen. 

    Die Geschichte spielt vor dem 11. September 2001 – aber beinhaltet schon gut recherchierte Informationen zu Osama Bin Laden (OLB) und seinem Terrornetzwerk, seinen Idealen und den Versuchen der CIA diese Bedrohung kontrollieren zu können, was leider historisch betrachtet nicht gelungen ist. Frederick Forsyth beschreibt diese gefährlichen Beziehungsebenen zwischen Staaten, der Wirtschaft, der Geheimdienste und nicht zuletzt durch alte persönliche Freundschaften perfekt. Er erklärt diese komplexen Sachverhalte sehr nüchtern, aber scharf im Detail und ohne in übertriebene Klischees abzudriften. Forsyth spielt zwar mit einer fiktiven Story des personifizierten Racheengels, doch die politischen Ströme und Botschaften, sowie die Beweggründe der CIA sind leider Fakten und gut recherchiert. 

    Dass man das Gesetz in die eigene Hand nimmt und über Ländergrenzen und Gesetzen selbst diese wissentlich bricht, ist ebenfalls wohl leider kein Hirngespinst. Geheimdienstliche „Schattenaktionen“ kann man schwerlich einen Riegel vorschieben und selbst Staatsoberhäupter können nicht und werden auch nicht aktiv über grenzwertige Aktionen informiert. 

    Neben den vielen Interna und Informationen kommt die Spannung in „Der Rächer“ nicht zu kurz. Geschickt lässt sich „Der Rächer“ menschlich darstellen – ein Lebenslauf eines Mannes, der faktisch nichts zu verlieren hat, deren Moral und Ethik individuell sind und der „Gott schütze Amerika“ ernst nimmt. Legitimierte Rache? Ein biblisches Alibi in dem man den Spruch: Auge um Auge und Zahn für Zahn  - als vollumfängliche, gesetzeskonforme Lösung ansieht? Kann man das nachvollziehen, wenn man sich in die Rolle der Familie einlebt, die ein noch junges Familienmitglied durch einen gewaltsamen Tod verloren hat?! Ja man kann – und auch das gelingt dem Autor erstaunlicherweise gekonnt, sensibel und feinfühlig. 

    Das Starke an dem Roman sind wie gesagt nicht nur die politischen und militärischen Details, sondern auch die Konzeption des „Rächers“ – der kein Superman ist – kein Rambo mit posttraumatischen Störungen, oder der wie ein altgedienter Dinosaurier alle Feinde mit viel Feuerkraft eliminiert. Bei weitem nicht – die Laufbahn, die Vita des Rächers ist realistisch konstruiert. Er könnte auch der nette, ältere Herr von Nebenan sein. 

    Frederick Forsyth Interpretation und Wertung der CIA ist nicht sehr positiv. Die Schattenmannschaft spielt ein sehr dreckiges Spiel, mit gezinkten Karten und schummeln tun sie sowieso. Es gibt hier offensichtliche und versteckte Seitenhiebe des Autors. 

    Als Kritikpunkt kann ich sagen, dass hier die Weltpolizei „USA“ seine Macht missbraucht und jedes Mittel den Zweck heiligt – Gott schütze Amerika – und seine Interessen. Andere Menschen, die bei solchen Aktionen über den Jordan gehen – sind halt Kollateralschäden. 

    Fazit 

    „Der Rächer“ ist kein Mann sieht Rot – Thriller. Ein intelligenter Roman, der den Spagat zwischen Rache und Gerechtigkeit schafft. Kein lauter, aber auch kein leiser Actionroman – sondern fundierte Schusswechsel mit einer eigens ausgestellten Lizenz zum Töten. Spannend! Das Ziel „Unterhaltungswert“ getroffen. Empfehlenswert. 

    Michael Sterzik

  9. Cover des Buches Tribunal (ISBN: 9783518465158)
    André Georgi

    Tribunal

     (75)
    Aktuelle Rezension von: eleisou
    Das Buch handelt um das Den-Haager-Kriegsverbrecher-Tribunal. Jasna Brandic, eine junge Sonderermittlerin, ermittelt für das Tribunal gegen Kriegsverbrecher im ehemaligen Jugoslawien. Als ihr Kronzeuge Jovan Oreskovic ermordet wird, ist sie verzweifelt denn sie hat es nicht geschafft den Verantwortlichen Kovac für seine Gräueltaten in Serbien von Gericht zu bringen. Denn leider hat Kovac viele Anhänger draußen die jeden Feind eliminieren. Kurz danach aber bietet sich ein weiterer Kronzeuge an und Jasna möchte diese Chance ergreifen. So kann sie ihren Fehler wieder gut zu machen und zu einer Verurteilung beitragen. Auf eigene Faust reist sie nach Belgrad um Kontakt aufzunehmen. Doch damit begibt sie sich in großer Gefahr. 
    Ein sehr realistischer Krimi in dem die Handlung schnell voran geht, ohne Zögern und ohne dass man ins Stocken gerät. Etwas zu kalt für meinem Geschmack war es schon teilweise und mir fehlte ein wenig Humor, Gefühl, eben eine kleine Mischung wie es öfters in Krimis auch vorkommt. Natürlich ist das Thema an sich sehr ernst und am Ende habe ich mitgefiebert od Jasna es letztendlich schafft ihm die gerechte Strafe zu geben. 
    Insgesamt wurde ich aber das Buch weiterempfehlen.
  10. Cover des Buches Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen (ISBN: 9783608505092)
    Hallgrímur Helgason

    Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen

     (142)
    Aktuelle Rezension von: Lilli33

    Gebundene Ausgabe: 270 Seiten

    Verlag: Tropen (1. Mai 2011)

    ISBN-13: 978-3608501087

    Originaltitel: ist mir zu mühsam auf meiner Tastatur zu suchen ;-)

    Übersetzung: Kristof Magnusson

    Preis: 20,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Dahinter steckt mehr als vermutet


    Inhalt:

    Toxic, ein kroatischer Auftragskiller muss dringend aus New York verschwinden. Am Flughafen schlüpft er in die Identität eines Fremden, der sich als Fernsehprediger auf dem Weg nach Island entpuppt. Das kleine Land mitten im Atlantik stellt Toxics Leben gewaltig auf den Kopf …


    Meine Meinung:

    Bei diesem Titel hatte ich ein urkomisches Buch erwartet, das mir laufend ein Lachen entlocken sollte. Tatsächlich konnte ich kaum einmal müde grinsen. Es war einfach nicht meins. Das heißt aber nicht, dass das Buch schlecht wäre, denn was in dieser oberflächlich anmutenden Geschichte zwischen den Zeilen steckt, ist es wert gelesen zu werden: Hier werden sinnlose Kriege angeklagt, unsere Wohlstandsgesellschaft kritisiert und vieles mehr. 


    Mir gefiel dabei die ironische (?) frauenverachtende und rassistische Teile der Geschichte nicht, auch wenn sie so überspitzt sind, dass man eigentlich nur darüber lachen kann. Ich konnte es einfach nicht.


    ★★★☆☆

  11. Cover des Buches Asphaltseele (ISBN: 9783453270206)
    Gregor Weber

    Asphaltseele

     (29)
    Aktuelle Rezension von: kaffeequeen98

    Inhalt:

    Der Protagonist Ruben Rubeck ist Kriminalkommissar und arbeitet im Frankfurter Bahnhofsviertel. Doch nicht nur beruflich, auch privat verkehrt er im Milieu. Er hat ein Alkoholproblem und geht regelmäßig in Kneipen und Bordelle im Frankfurter Bahnhofsviertel. Als es eines Abends, genau dort, zu einer Schießerei kommt, ist Rubeck vor Ort. Mit dieser Schießerei wird eine Lawine der Ereignisse los getreten, die von Ruben Rubeck einiges abverlangen. Er wird von seiner Vergangenheit eingeholt und kämpft schließlich nicht nur um sein eigenes Leben. 

    Meine Meinung:

    Wir folgen dem Protagonisten Ruben Rubeck. Er schildert die Ereignisse aus der Ich-Perspektive und in Alltagssprache. Dies hat mich einige Male schmunzeln lassen, da die Sprache perfekt zum Setting des Frankfurter Bahnhofsviertels und zu dem Charakter an sich passt. Schnell konnte ich mich in Ruben Rubeck hineinversetzen und seine Gefühle nachvollziehen. Durch die Wahl der Sprache wurde das verstärkt.

    Nachdem ich den Protagonisten auf den ersten Seiten kennengelernt habe, baute sich langsam der Spannungsbogen auf. Das Setting spielte immer wieder, gerade im Bezug auf Rubecks Alkoholkonsum, eine wichtige Rolle. Das war für mich komplett neu und interessant, da ich zuvor noch kein Buch gelesen hatte, welches im Milieu spielt. Die Dosis, in dem dies eingebunden wurde habe ich trotzdem als passend empfunden. 

    Durch einzelne Kapitel, welche als Rückblenden gestaltet waren, wurde wieder Spannung aufgebaut. Erst zum Schluss erschloss sich die Bedeutung dieser Kapitel. Außerdem erschlossen sich damit einige Handlungen von Rubeck.

    Insgesamt fand ich das Buch und vor allem die Idee der "Verdrängung" und dem "Umgang mit traumatischen Situationen" sehr gelungen. Dieser Idee hätte, meiner Meinung nach, während der gesamten Handlung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden können. Dadurch, dass sich diese Intention erst ziemlich am Ende erschließen lässt, hat der Leser nicht so viele Berührungspunkte mit der Materie. Leider hat es mir zudem etwas an Spannung gefehlt. Viele Handlungsstränge haben sich zuvor abgezeichnet. 

    Insgesamt habe ich das Buch dennoch gerne gelesen. Die 240 Seiten haben sich gut lesen lassen. Zu einem Lese-Highlight fehlte dem Buch allerdings das gewisse Etwas.

    Insgesamt erhält "Asphaltseele" von mir gute 3,5/5 Büchern ;)

  12. Cover des Buches Halids Heimkehr (ISBN: 9783833305450)
    Natasha Radojcic

    Halids Heimkehr

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Clari
    Die Welt, in die Halid nach dem Krieg zurückkehrt, ist nicht mehr dieselbe, die er verlassen hatte. Was im Dorf mit einem verlorenen Fußballspiel gegen die Serben begann, endete einst in einer handfesten Prügelei. Zuletzt wurde aus ethnischen Ressentiments der Bosnienkrieg, in dem Muslime und Christen, die lange Zeit friedlich zusammen gelebt hatten, von einem Tag auf den anderen zu Feinden wurden. Als Halid, ein Muslim, kriegsversehrt zurückkehrt, ist sein Dorf verkommen, viele Männer sind gefallen oder noch im Krieg. Er zieht rastlos durch die bekannten Strassen und Plätze, trifft auf einen früheren Kumpel Shukri, auf verarmte Zigeunerjungen und traut sich nicht nach Hause zu seiner Mutter. Auch von Mira hört er, seiner großen Liebe, die seinen besten Freund Momir, einen Christen, geheiratet hat,--oder heiraten musste? Halid treibt sich in Spelunken herum und verkehrt im Zigeunerpuff mit seinem Freund Shukri. Überall, wo er auftaucht, wird geraucht, getrunken und gespielt und er macht fleißig mit. Innerlich hat er sich abgekapselt. Es ist ein armseliges und schurkisches Milieu, das der Krieg übrig gelassen hat. Während im Dorf Argwohn, Verbitterung und Feindsseligkeit an allen Ecken spürbar ist, macht sich Halid auf, Mira zurück zu erobern. Doch es gibt da noch andere Geheimnisse und man ahnt, dass drohendes Unheil heraufzieht. Mit eindringlicher Sprache und feiner Beobachtungsgabe gelingt der Autorin punktuell das Porträt eines Vielvölkerstaates, das nur schwer zur Einigung finden kann. Sie berichtet über Brutalität, die Liebe und eine subtile Zärtlichkeit, die Halid für seinen gefallenen Freund Momir empfindet; sie spricht über die Traurigkeit und über all das Vergangene und Verlorene. Darüber hinaus bringt sie atmosphärisch herüber, wie es sich in einem Land lebt, in dem sich die Menschen in gegenseitigem Hass zerfressen, und das durch Uneinigkeit in einen Auflösungszustand gerät und in sich zerfällt. N. R. ist eine begnadete Berichterstatterin. Sie lebt seit ihrem 20. Lebensjahr in Amerika und unterrichtet an der University of Colorado und der Jesuit University New / York. Natasha Radojcic hat schon mit ihrem Roman „Du musst hier nicht leben“ 2006 ein Zeichen gesetzt, das sie als kluge Interpretin ihrer politischen Herkunft ausweist. Mit diesem Roman hat sie den ersten noch übertroffen.
  13. Cover des Buches Buick Rivera (ISBN: 9783731761167)
    Miljenko Jergović

    Buick Rivera

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Vanna
    Hasan Hujdur, ein seit Jahren im Exil in Oregon lebender Bosnier, vertreibt sich seine Zeit mit Pool-Billiard. Sein Herz gehört seinem Buick Rivera, Jahrgang 1963. Da seine Liebe uneingeschränkt dieser Schrottkarre gehört, führt dies zu ehelichen Reibereien. In einer Winternacht landet er mit seinem Buick im Straßengraben. Hilfe bekommt er ausgerechnet von einem Landsmann, dem Serben Vuko Alipur, der gerade seine Frau verlassen und um 15000 Dollar beklaut hat. Die beiden Protagonisten werden auf ihrer weiteren Reise von ihrer Vergangenheit eingeholt. „Buick Rivera“ ist der erste Roman Jergovics Trilogie über Menschen und Autos. Es ist schon 2 Jahre her, dass ich es gelesen habe, daher sind mir leider viele Einzelheiten entfallen, aber ich weiß, dass mir das Buch erstaunlicherweise nicht wirklich gefallen hat. Ich habe mehrere Wochen gebraucht, um dieses recht dünne Buch durchzulesen, obwohl ich Jergovics Werke eigentlich immer verschlinge. Ich glaube, ich habe das Buch nur deswegen nicht abgebrochen, weil ich bis zum Schluß gehofft habe, dass sich mir Jergovic so offenbart, wie ich ihn kenne. Leider hat er mich mit diesem Buch nicht überzeugt. Auch hier hat Jergovic auf seine bekannte Weise versucht, die Helden mit all ihren Gedanken und Gefühlen zu zeichnen. Meiner Meinung nach ist es ihm in diesem Buch aber nicht gelungen. In diesem Buch arbeitet Jergovic erneut die Balkansituation und den Krieg auf. Er stellt hier zwei verfeindete Seiten einander gegenüber und schickt sie gemeinsam auf die Reise. Fazit: schwierig, für Jergovic-Fans sicherlich lesenswert – möglicherweise war ich nur nicht in richtiger Stimmung für dieses Buch, ansonsten lieber andere Bücher des Autors lesen.
  14. Cover des Buches Der 2. Weltkrieg (ISBN: 9783442129645)
    Stephan Burgdorff

    Der 2. Weltkrieg

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  15. Cover des Buches Mutterland (ISBN: 9783518456040)
    David Albahari

    Mutterland

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Aldawen
    Der Ich-Erzähler, vor einigen Jahren aus seiner serbischen Heimat vor dem ausbrechenden Bürgerkrieg nach Kanada geflüchtet, greift dort zu einem Stapel Tonbänder, den er mitgebracht hat. Entstanden sind diese Bänder kurz nach dem Tod seines Vaters, und seine inzwischen gleichfalls verstorbene Mutter erzählt darauf ihr Leben. Das Abhören der Bänder trägt den Erzähler zum einen in seinen Erinnerungen zurück, zum anderen überlegt er ständig, wie er es literarisch verwerten kann und diskutiert dies auch regelmäßig mit seinem schriftstellernden Freund Donald. In der Auseinandersetzung mit dem Leben und den Ansichten seiner Mutter muß der Erzähler auch seine eigene Position definieren. Die Erinnerungen der Mutter wären sicher interessant gewesen, hätten sie einen bedeutenderen Anteil an diesem – wohl zumindest in Teilen autobiographischen – Roman. Leider unterbricht Albahari seine eigene Erzählung ständig mit zwei Dingen, die mich vor allem auch wegen der Häufigkeit ihres Vorkommens in diesem schmalen Band wirklich genervt haben. Da ist zum ersten sein Kokettieren mit dem Satz „Wenn ich doch nur schreiben könnte, dann ...“ – ja, wenn er so fest davon überzeugt ist, es nicht zu können, dann soll er es doch lassen rollen Zum zweiten waren es die permamenten Rückgriffe auf das, was sein Freund Donald wohl zu etwas sagt oder meint oder vielleicht auch nur meinen könnte. Ich glaube ohne weiteres, daß die Versetzung in ein anderes Land, durch die einem die Muttersprache und damit ein beträchtlicher Teil der Ausdrucksfähigkeit geraubt wird, nicht einfach ist, aber dieses Verhalten, fast in Form eines vorauseilenden Gehorsams bloß keine Meinung anzunehmen, die der Donalds widersprechen könnte, das ging mir doch zu weit. (Im übrigen habe ich auch spätestens nach der zweiten Erwähnung die Lage des Restaurants auf der Flußinsel, in dem er sich mit Donald trifft, hinreichend begriffen, eine weitere gefühlt dutzendfache Wiederholung war wirklich nicht nötig.) Durch diese „gestalterischen“ Mittel bleibt leider der serbische Teil der Erzählung weitestgehend auf der Strecke, die paar Schlaglichter, die die Tonbandaufnahmen der Mutter zu liefern vermögen, sind leider nicht mehr als eben das: Schlaglichter. Zusammenhänge, die die Geschichte dieser Region oder auch nur deren Auswirkungen auf eine normale Familie erhellen könnten, werden so nicht deutlich. Schade, hier wurde viel Potential verschenkt.
  16. Cover des Buches Hintermänner (ISBN: 9783222135217)
    Werner Stanzl

    Hintermänner

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis
    Werner Stanzl lässt seinen charmanten, aber doch bodenständigen Commissario in seinem zweiten Fall ermitteln.

    Als in einem Kühllaster eine tief gefrorene Frauenleiche gefunden wird, ahnt Commissario Bruno Vossi noch nicht das gesamte Ausmaß der Verbrechen, die mit diesem Mord in Zusammenhang stehen.

    Kriegsverbrechen im Jugoslawienkrieg, die Beinahe-Pleite der österreichischen Montana-Maritim-Bank, ein umtriebiger Kärntner Landeshauptmann, der Landeshaftungen für die Bank abgibt sowie mehrere Kleinkriminelle all das spielt in diesem Krimi eine bedeutende Rolle.

    Wer die eine oder andere Begebenheit aus den Nachrichten zu kennen glaubt, liegt nicht ganz falsch. Autor Werner Stanzl hat sich Anregungen aus der Wirklichkeit geholt. Als Österreicherin sind mir die echten Akteure natürlich bekannt.

    Gespickt mit humorvollen Passagen z.B. dieser hier: „.. Roberto, ohnedies immer ganz süditalienische Eleganz, hatte ein paar Spritzer Brillantine mehr im Haar“ (S.135) erzählt der Autor eine Geschichte von Wirtschaftskriminalität und Kriegsverbrechen. Geschickt sind die historischen Details in die Geschichte eingewoben.

    Die Charaktere haben Ecken und Kanten. Vossis Team setzt sich aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen, die jedoch gut miteinander können. Teamgeist wird groß geschrieben.

    Fazit:

    Ein vielschichtiger Krimi, dem ich gerne wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.


  17. Cover des Buches Getto (ISBN: 9783944359250)
    Veselin Gatalo

    Getto

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    In diesem Buch steht ein großes Gebiet im Balkan im Zentrum des Geschehens. Es wurde ummauert und zu einem Gefängnis für die allerschlimmsten Verbrecher. Die Gefangenen werden dort sich selbst überlassen, in Mitten der Überreste der Bevölkerung die dort einst lebte. Der Protagonist ist Vuk welcher bereits in diesem Ort geboren wurde. Seine einzigen Freunde seine Hündin Chica und Eremit Dumo. Allz anderen leben sich in die sich gegenseitig umbringen.
    Der Charakter Vuk ist wirklich gut beschrieben. Auch die Beschreibungen des Gefängnisses und der Kampf ums überleben wird sehr authentisch und nachvollziebar dargestellt. Die Handlung ist sehr spannend und durch die guten Beschreibungen ist man schnell in dem Geschehen drinne. Ein sehr spannendes Buch mit einem interessanten dystopischen Szenario.

  18. Cover des Buches Die Winter im Süden (ISBN: 9783423139212)
    Norbert Gstrein

    Die Winter im Süden

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Ruth_liest
    In seinem Roman "Die Winter im Süden" zeichnet Norbert Gstrein literarisch die Spuren nationalsozialistischer Verbindungen zwischen Kroatien und Argentinien auf. Ein österreichischer Polizist außer Dienst sucht neue Hoffnung in Argentinien. Er findet eine Anstellung als Sicherheitsbeamter bei einem Herrn mit zweifelhafter Vergangenheit und junger Familie. Der alte Mann ist gebürtiger Kroate und hat das Ende des 2. Weltkrieges genutzt, um zu verschwinden. Seine Flucht vor der neuen Gesellschaftsordnung in Yugoslawien nach 1945 ist auch eine Flucht vor seiner ersten Frau und seiner Tochter. Die Wirren des Balkankrieges führen ihn zurück in die alte Heimat. Gemeinsam mit den Kämpfern von einst will er sich in den Balkankrieg einmischen. Sein Vermögen reicht aber nicht, um in Zagreb ernst genug genommen zu werden. So sucht er per Anzeige nach seiner Tochter und gleichzeitig hintertreibt er jede Begenung mit ihr. Seine Tochter lebt seit dem Ende des 2.Weltkrieges in Wien. Sie steckt Mitten in einer Ehe- und Lebenskrise, die sie ausgerechnet in ihrer Geburtsstadt Zagreb zu Beginn des Bürgerkrieges verbringt. Das ihr Vater lebt, ist ein Schock für Sie. Und natürlich versucht sie, ihn zu treffen. Alle Romanfiguren wirken seltsam losgelöst und einsam. Einzig der alte Kämpfer scheint einen Sinn im Leben zu entdecken, wobei er sinnlos mit den Menschen in seiner Umgebung spielt. Er hat nichts von seiner Boshaftigkeit, seinem Rassismus als faschistischer Krieger verloren. Geradezu hilflos stehen ihm die anderen Figuren im Roman entgegen. Besser gesagt, sie stehen ihm nicht entgegen, sie entziehen sich ihm. Ein treffendes Bild für die Mehrheit der demokratischen Gefüge von heute. Hanser Verlag 2008
  19. Cover des Buches Die Verjagten (ISBN: 9783827500250)
    Jan M. Piskorski

    Die Verjagten

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Caastorb
    Das Buch sollte jeder gelesen haben, der sich mit der derzeitigen Flüchtlingskrise näher beschäftigen möchte. Es behandelt die Flüchtlingsbewegungen in Europa im 20 Jahrhundert. Jeder Europäer sollte sich bewusst sein, daß die Erfahrung erzwungener Flucht im großem Umfang etwas ursprünglich Europäisches ist. Europa hat im letzten Jahrhundert Flüchtlingsbewegungen erlebt, wie kein anderer Kontinent. Insgesamt reden wir hier von 80 Millionen Vertriebenen, die ihre Heimat verlassen mussten, ihr Hab und Gut verloren und meist in einer neuen Umgebung mit nichts neu anfangen mussten.
    Der Autor Jan M. Piskorski beginnt in seinem Buch mit den Säuberungen zwischen Christen und Muslimen im Umfeld des Osmanischen Reiches. Diese Konflikte des 19. und 20. Jahrhunderts verursachten bis zu drei bis vier Millionen muslimischen Flüchtlinge. Danach vergifteten die ersten beiden Balkankriege das Klima der Staaten auf europäischem Boden. Die erste große Flüchtlingsbewegung verursachten die Österreicher zu Beginn des Ersten Weltkriegs. 800.000 Serben flüchteten und nahmen ihren tödlichen Fluchtweg über den Berg Cakor, der den Beinamen "Berg des Todes" erhielt. Jan M. Piskorski sieht den Beginn der ethnischen Säuberungen in Europa im Balkan. Dort entstanden Nationalstaaten in höchst kondensierter Form. Mit dem Ersten Weltkrieg kam es im Osmanischen Reich zu dem ersten großen Pogrom: Die Ermordung von 800.000 Armeniern und der Flucht der restlichen 1.2 Millionen in die Nachbarstaaten. Der Erste Weltkrieg selbst verursachte weitere Millionen Vertriebene in den Frontgebieten. Allein sechs Milionen Russen zwang die Zarenarmee bei ihrem raschen Rückzug nach Osten zur Umsiedelung. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Grenzen neu gezogen. Zum Beispiel wurden bei dem Lausanner Vertrag zwischen der Türkei und Griechenland alleine fast zwei Millionen Menschen zwangsumgesiedelt. 
    Einen Schwerpunkt legt Jan M. Piskorski auf die Vertreibungen in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs. Die Radikalisierung durch den Krieg und der wachsende Nationalismus forcierten die Entstehung des Nationalsozialismus und seinen groß angelegten Plänen für ethnische Säuberungen. Neben der Vertreibung und Ermordung von Millionen von Juden wollten die Nationalsozialisten mit dem Generalplan Ost in Polen 30-65 Millionen Menschen zwangsumsiedeln. Viele Millionen Flüchtlinge entstanden während des Kriegsverlaufs. Millionen von Kriegsgefangene sahen ihre Heimat teilweise erst Jahrzehnte später. Der Krieg durchmischte den Kontinent, wie noch nie ein Krieg zuvor. Und auch der Zerfall Jugoslawiens versursachte 4-5 Millionen Flüchtlinge. Das Buch endet mit den Flüchtlingsbewegungen im Zuge des Kosovo-Krieges, der Zypernkrise und Vertreibungen in der Türkei.
    Jan M. Piskorski verwendet eine Vielzahl von Verweisen auf Sekundarliteratur. An Hand von unzähligen Berichten, Texten und Romanen macht er uns bewusst, welches Elend die Vertriebenen erleiden mussten. Romane von Autoren wie Remarque, Wiechert, Allende, Solschenizyn, Lenz und Werfel werden zitiert und mit den damaligen Vorgängen reflektiert. Immer wieder taucht im Text das Symbol des Schlüssels auf. Der Schlüssel des eigenen Hauses ist für die Vertriebenen die Hoffnung auf die Wiederkehr in das eigene Heim - in den meisten Fällen eine unerfüllte Hoffnung. Manchmal mussten Hauseigentümer die Schlüssel ihrer Häuser stecken lassen. Sie hatten 30 Minuten Zeit, um das Wichtigste mitzunehmen. Die neuen Eigentümer fanden Häuser vor, wo noch die warme Suppe auf dem Mittagstisch stand. 
    Immer wieder lässt Jan M. Piskorski persönliche Details von seiner Familiengeschichte in das Buch mit einfließen. Er ist polnischer Professor für Vergleichende Geschichte Europas an der Universität Stettin und engagiert sich für Menschenrechte. Seine Familie war direkt von den Vertreibungen in Polen betroffen. Sein Vater engagierte sich nach dem Krieg für die Belange von Polen in Österreich und gründete den Verlag "Polnische Schrift und Polnisches Buch", den sein Sohn später übernahm. 
    Das Lesen des Buches erfordert etwas an historischem Hintergrundwissen. Andererseits ist es für jeden zu empfehlen, der sich bewusst machen möchte, was es bedeutet, Flüchtling zu sein, welches schwerwiegende Entscheidung es ist, seine Identität aufzugeben, sein Heim zu verlassen und in eine ungewisse Zukunft zu gehen - erzwungenermaßen  oder freiwillig. Piskorski nennt drei Gründe, die uns in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg großteils Frieden beschert haben:
    1. der psychische Schock, den die zwei blutigen Weltkriege bei uns ausgelöst haben
    2. die relative schwäche von Europa - große Entscheidungen trafen immer Washington und Moskau
    3. die einmalige wirtschaftliche Blüte ab 1950

    Grundsätzlich sind wir alle potentielle Flüchtlinge. Nur dank des historischen Zufalls leben wir sicher in warmen Häusern und kennen keinen Hunger, keine Angst um unsere Nächsten und keine ständige Flucht. 


    "Solange auf dein Haus keine Bombe fällt, so lange denkst du, daß es nie dazu kommen wird"

    Das Buch zeigt, daß bis heute keine Lösung für Flucht und Vertreibung von Menschen gefunden worden ist. Es gibt noch kein Rezept für die nahtlose Integration von Einwanderern anderer Kulturkreise. Einerseits drängt der Mensch dazu, sich zu vermischen. Es zieht ihn hin zum Fremden. Die Durchmischung ist auch gut für die Wirtschaft und die Produktivität. Andererseits beginnt in wirtschaftlich schlechteren Zeiten der Verdrängungswettbewerb. Die nicht Angepassten werden ausgesondert.
  20. Cover des Buches Den Finger am Abzug (ISBN: B0088IIH38)
    Mark E. Carter

    Den Finger am Abzug

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Das Handwerk des Tötens (ISBN: 9783446234956)
    Norbert Gstrein

    Das Handwerk des Tötens

     (17)
    Aktuelle Rezension von: awogfli
    Eigentlich habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut, da mich das Thema Balkankrieg und die Rolle der Kriegsberichtserstatter sehr interessiert. Auch kann der Autor Gstrein excellent mit der Sprache fabulieren, dennoch bin ich gar nicht begeistert von diesem Werk. Die Handlung ist derartig verkausuliert und indirekt aufgebaut, dass die Geschichte wirklich mühsam und nichtssagend wird. Der Ich Erzähler kennt jemanden, der den Journalisten Allmayer kennt und reflektiert durch diesen Mittler als Beobachter die Story. Haha das ist wie bei den Großstadtmythen der Freund einer Bekannten, Cousine... hat diese Geschichte erlebt. Für mich scheint es so, dass Gstrein sich dadurch davor drückt, seine Meinung ins eigene Werk einfließen zu lassen, er versteckt sich hinter dieser unsäglichen mittelbaren Konstruktion, verschleiert und bezieht gar keine Position, nicht mal eine ausgewogene mit Argumenten von allen Seiten. Das ist extrem feige, ärgert mich und bringt die Handlung auch gar nicht in Schwung. Erst auf Seite 249 als der Mittler und der Ich-Erzähler gemeinsam nach Ex-Jugoslawien fahren, bekommt die Geschichte ein bisschen mehr Tempo. Manche Autoren sind unfähig, in ihren Romanen dem Leser eine Botschaft zu vermitteln, Gstrein wäre fähig aber drückt sich - so ein Weichei! Die drei Sterne gibt es für das Thema und die sehr gute sprachliche Ausarbeitung.
  22. Cover des Buches Y (ISBN: 9783351036409)
    Jan Böttcher

    Y

     (24)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Autor: Jan Böttcher
    Titel: Y
    Gattung: Roman, Erzählung, Familiengeschichte
    Erschienen: 2016
    Gelesene Ausgabe: aufbau, 2016
    ISBN: 978-3-351-03640-9
    Gelesen auf: Deutsch
    Gelesen im: Dezember 2016

    Zum Buch:
    Ein in Berlin lebender Autor sieht sich einer neuen Geschichte gegenüber, als der Freund seines Sohnes verschwindet, nämlich der Geschichte von Lekas Eltern. Denn auf der Suche nach ihrem Sohn, trifft er auf Jakob Schütte, erfolgreicher Computerspieldesigner und Vater ohne Sohn. Schnell erfährt er ausführlich von seiner großen, unglücklichen Liebe zu seiner albanischen Schulfreundin Arjeta.  Jahre nach dem Schulabschluss werden sie ein Paar, bis Arjeta mit ihrer Familie zurück nach Albanien geht. Als Jakob ihr nachreist, beginnen sie erneut eine Beziehung aus der Leka entsteht, doch Arjeta will nicht mit dem frisch gebackenen Vater zusammenleben und heiratet erneut. Und Jakob kehrt nach Deutschland zurück. Ihr Sohn ist nur das einzig Zeugnis der Liebe zwischen dem Kosovo und Deutschland.
    Leider bin ich etwas zwiegespalten, einerseits erzählt Böttcher spannend und anschaulich von "Kosova" - wie es nach dem Krieg weiterhin im Chaos versinkt, nur ein Provisorium bleibt, auch was der Krieg mit Menschen anstellt, auch Generationen später. Andererseits ist die Handlung an sich furchtbar zusammengestoppelt, bemüht und nicht ganz rund. Dennoch ein berührendes Buch über die Grausamkeit der Menschheit und den Folgen eben dieser.


    Eine der Lieblingsstellen
    Zitat: "Klar, ich konnte die Frau zu diesem Zeitpunkt nicht als Künstlerin betrachten, sah sie nur durch Jakob Schüttes Augen, in harten märchenhaften Konturen: die Kindesentzieherin, die Mutter mit Stiefmutterherz."[1]

    Stil und Sprache: wechselnd Umgangssprachlich und beschreibend poetisch
    Zitat: "Rrustem starrte in den Straßenkrater, nach einer Weile sagte er: "Mein Job, weißt du, wir registrieren Waffen" "Ich dachte, für einen Job muss man Leute schmieren."[2]

    Schlüssigkeit der Handlung: Rekonstruiert aus Gesprächen, die Lebensgeschichten zweier Menschen

    Das hat mir gefallen: Das Wissen über den Kosovo, das man nebenher mitbekommt.
    Das hat mir nicht gefallen: Die vielleicht nicht ganz durchdachte und teilweise etwas wirre Geschichte.

    In One Sentence: Leider etwas hölzerne statt poetische Liebesgeschichte.
    Sterne: 3

     


    [1] S.137
    [2]
    S.111

  23. Cover des Buches 1914 - 2014 - Die unheimliche Aktualität des Ersten Weltkriegs (ISBN: 9783877631386)
  24. Cover des Buches Mit dem Rücken zur Welt (ISBN: 9783875362213)
    Asne Seierstad

    Mit dem Rücken zur Welt

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks