Bücher mit dem Tag "bauern"
46 Bücher
- Dörte Hansen
Altes Land
(754)Aktuelle Rezension von: ratherbehappythandignifiedIn „Altes Land“ von Dörte Hansen geht es um Vera, die in jungen Jahren mit Ihrer Mutter aus Ostpreußen in das Alte Land bei Hamburg flüchtet. Vera wächst dort in einem alten Bauernhaus auf und fühlt sich unglaublich verwurzelt, aber doch nie wie angekommen in diesem Haus. In Dörte Hansen Roman erfahren wir wie Vera aufwächst, aber erhalten auch Einblicke in die Leben ihrer Nachbarn und Familienmitglieder. Das Leben für Vera nimmt noch einmal eine Wendung, als ihre Nichte bei ihr einzieht. Auch diese hat einige Erfahrungen in ihrem Leben machen müssen. Doch schweißt das die Beiden zusammen?
Mir hat „Altes Land“ an sich gut gefallen, nur fand ich es sehr schwer in die Geschichte reinzukommen. Man fühlt sich als Leser:in manchmal etwas allein gestellt, denn es werden von Anfang an sehr viele Personen genannt, die man erst einmal allein versuchen muss einzuordnen. Wir werden richtig in die Handlung reingeworfen und hat man den einen Teil sortiert, ist man schon wieder eine Zeitebene weiter. Doch wenn man hier erst einmal einen roten Faden gefunden hat, macht die Geschichte wirklich Spaß und hat einen Tiefgang, der einen wirklich in seinen Bann zieht. Im Laufe der Seiten werden dann noch weitere Figuren vorgestellt, die das Leben auf dem „Alten Land“ in humorvoller Weise einmal mehr veranschaulichen. Ich fand es insgesamt ein schönes Buch und auch jetzt, Tage nach dem Lesen, kann ich mich noch an Vera und ihre Nichte zurückerinnern und mit ihnen mitfühlen.
- Ewald Arenz
Alte Sorten
(592)Aktuelle Rezension von: Ms_ViolinSally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Erwachsene. Fragen hasst sie am meisten, vor allem die nach ihrem Aussehen.
Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeit, die auf dem Hof anfällt, problemlos zu meistern scheint. Schon beim ersten Gespräch der beiden stellt Sally fest, dass Liss anders ist als andere Erwachsene. Kein heimliches Mustern, kein voreiliges Urteilen, keine misstrauischen Fragen. Liss bietet ihr an, auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen. Für Sally ist die ältere Frau ein Rätsel. Was ist das für Eine, die nie über sich spricht, die das Haus, in dem die frühere Anwesenheit anderer noch deutlich zu spüren ist, allein bewohnt? Während sie gemeinsam Bäume auszeichnen, Kartoffeln ernten und Liss die alten Birnensorten in ihrem Obstgarten beschreibt, deren Geschmack Sally so liebt, kommen sich die beiden Frauen näher. Und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden.Dieses Buch hatte ich schon sehr lange auf meiner Wunschliste, da hier vor allem die Frauenfiguren richtig stark sein sollten. Trotzdem hat es gedauert, bis es dann auch einen Weg zu mir gefunden hat.
Die Erwartungen waren also dementsprechend hoch.
Allerdings hatte ich dann leider ziemliche Probleme in der Handlung anzukommen.Mein größtes Problem war, dass ich lange Zeit das Gefühl hatte, nicht richtig an diese beiden Frauenfiguren heranzukommen.
Erst im letzten Drittel, als wir endlich alle Fakten über Liss’ Leben erfahren, wurde es für mich immer besser und als Sally sie dann „retten“ durfte, war ich komplett gefesselt.Auch all die Dinge, die wir mal ganz nebenbei über Feld-/Bauernhofarbeit, Imkerei, übers Keltern und natürlich alte Birnensorten lernen durften, waren einfach unglaublich interessant und fesselnd.
Allerdings wurden mir einige Dinge einfach nicht ausreichend aufgeklärt. So habe ich z.B. nie verstanden, warum Sally dermaßen wütend auf alles und jeden reagieren musste und manchmal ohne Provokation komplett übertrieben aus der Haut fährt (wie z.B. bei der Kartoffelernte). Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass ihr Verhalten irgendwie nachvollziehbar wird, aber das war für mich einfach nicht der Fall.
Liss dagegen war - gerade, wenn man ihre Hintergrundgeschichte endlich kennt - viel zu wenig wütend. Ich fand es schon seltsam, dass sie Sally und ihre ständigen Ausbrüche einfach so hinnehmen kann, selbst wenn Sally alles gibt, um sie aufs Blut zu reizen.
Auch zum Ende hin wurde mir nicht alles hinreichend genug geklärt, aber zu diesem Zeitpunkt war ich so weit mit den Figuren und ihren Taten versöhnt, dass das nicht mehr so weit ins Gewicht gefallen ist.Fazit: Das ist mal wieder ein Buch von Ewald Arenz bei dem ich mir nicht sicher bin, wie ich es bewerten soll. Der Schreibstil ist mal wieder herrlich, aber zu den Figuren habe ich lange Zeit keinen richtigen Zugang finden können. Besonders zu Sally, deren Wut auf alles und jeden mir einfach nur übertrieben vorkam, da es nie eine ordentliche Erklärung dafür gab und sie mir so einfach nur extrem pubertär vorkam, dabei sollte sie eindeutig so viel mehr sein.
Erst im letzten Drittel konnten die Beiden mich endlich einfangen und sogar richtig fesseln mit ihrer Geschichte und auch, wenn mir einige Handlungspunkte nicht ausreichend geklärt wurden oder sogar nicht ganz logisch erschienen, konnte ich das Buch dann doch noch relativ zufrieden weglegen. (3,5 Sterne) - Dörte Hansen
Mittagsstunde
(285)Aktuelle Rezension von: mrs_overcityDas perfekte Buch für die norddeutsche Provinz.aber auch überall sonst absolut lesenswert! Warmherzig und mit viel Humor erzählt die Autorin die kleinen und großen Dramen eines Dorfes im Wandel.
Es wird viel getanzt: Vom Line-Dance der 'Brinkbüll Buffalos' in Kunstleder-Cowboystiefeln bis zum letzten Schneewalzer ist alles dabei,.
- Juli Zeh
Zwischen Welten
(143)Aktuelle Rezension von: hexe83Am Anfang war es ein bisschen speziell zu lesen, denn es handelt sich "nur" um Mail oder WhatsApp Nachrichten. Aber es ging schnell und ich war mittendrin in der Diskussion von Stefan und Theresa. Was die beiden bewegt ist so aktuell im momentan Weltgeschehen und man kann so gut beide Seiten verstehen oder auch manchmal gar nicht. Erschreckend ist auch wie einem vor die Augen geführt wird was Hass-Nachrichten im Internet anstellen können.
- Ewald Arenz
Zwei Leben
(132)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannJeder Mensch lebt in seinem eigenen Kosmos aus Erfahrungen in Raum und Zeit. Insofern ist die Chance relativ groß, wenn in jungen Jahren diese Parameter noch situiert sind, dass man sich versteht und unter dem Einfluss der Hormone auch näherkommt. Haben die Jahre jedoch schon tiefere Spuren hinterlassen und die eigenen Lebensentwürfe zu bröckeln begonnen, dann nennt man das den Alltag. Und wie könnte eine solche Konstellation besser dargestellt werden als in der Enge eines Dorfes (hier Anfang der 1970er Jahre), in dem die soziale Kontrolle das Leben weitestgehend lenkt.
Hier dargestellt an den Lebensentwürfen einer jungen Frau, die nach einer Schneiderlehre auf den elterlichen Hof zurückkommt und der Pfarrersfrau aus Hamburg, die sich mit dem dörflichen Leben nicht anfreunden kann. Das Bindeglied ist der junge Sohn (bald Student) der Pfarrersfamilie. Beide Frauen möchten ein selbstbestimmtes Leben führen, insofern dem dörflichen Leben entfliehen, obwohl die Freiheit auf dem Hof mit der empfundenen Enge der „Frau Pfarrer“ zunächst wenig zu tun hat: „So leben wir immer, hier auf dem Dorf. Wir müssen mähen, wenn das Gras gewachsen ist, in die Kartoffeln, wenn der Herbst da ist. Wir tun alles, wie es kommt, und alles kommt von außen. Morgens melken und abends melken. Da kannst du nicht sagen, heute melke ich nicht, sondern geh ins Holz. Alles wird dir von außen angeschafft, und immer kannst du nur folgen.“ Doch dann führen ein Schicksalsschlag und ähnliche „Umstände“ die beiden Frauen zueinander. Es gibt für beide erkennbare Lebenswege, man muss sie nur gehen wollen …
Auf langer Strecke des Buches wird diese „hin und her“ teils berührend, teils etwas langatmig dargestellt. Im letzten Drittel allerdings wird es hochemotional, Endgültigkeiten führen an den Rand des Aushaltbaren, man ist betroffen – und das ist im Allgemeinen ein Zeichen davon, dass dieser Roman einen in Bann geschlagen hat.
- Nikolai W. Gogol
Die toten Seelen
(119)Aktuelle Rezension von: berybooksPawel Iwanowitsch Tschitschikow, ein findiger Finanzbeamter, zieht über's Land und kauft "Papierleichen" auf, verstorbene Leibeigene, deren Namen noch durch die Register geistern, weil er darin ein profitables Geschäft wittert. Nebenbei charakterisiert Gogol in dieser satirisch angehauchten Geschichte auch das Ständesystem des "alten Russlands", die lebensuntauglichen Herren der Provinzgüter und eine Welt, die es mittlerweile schon lange nicht mehr gibt (und die damals vielleicht auch schon eigentlich aus der Zeit gefallen war)
Ich habe "Die toten Seelen" sehr gern gelesen. Der Schreibstil ist nicht so sperrig, wie man vielleicht bei einem so alten Roman erwarten würde und obwohl ich natürlich keine Ahnung von der damaligen Gesellschaft habe und darum bestimmt eine Menge der Anspielungen gar nicht verstanden habe, war es trotzdem unterhaltsam und zum Teil sogar lustig, wie Gogol so ironisch und kritisch seine Charaktere beschreibt.
- Joachim B. Schmidt
Tell
(239)Aktuelle Rezension von: Ron_Robert_RosenbergEines vorweg: Für mich steht fest, dass dieser „Tell“ von Joachim B. Schmidt Schullektüre werden sollte. Welch ein genialer Einfall, eine geschichtsträchtige Sage in eine spannungsgeladene Story zu verpacken, ohne verstaubt oder belehrend zu wirken. Und dann die Sprache! Die zahlreichen wechselnden Figuren, an deren Gedanken der Leser perspektivisch teilnimmt, führen einen direkt in die grausame Welt des Spätmittelalters hinein, in die Gräueltaten der Habsburger und den Überlebensinstinkten der verarmten Bewohner in den Schweizer Kantonen. Ein brutales und zugleich rasantes Schauspiel.
Worum geht es? Die Sage rund um Wilhelm Tell ist der Kern des Romans, ein Freiheitskämpfer und Vorreiter der Eidgenossen. Und natürlich spielt auch der Apfelschuss vom Kopf des Sohnes eine Rolle, den wohl jeder kennt. Im Mittelpunkt stehen aber ganz andere: die einfachen Bergbauern, die um ihr karges Dasein bangen müssen und um ihre Kinder, dass sie den nächsten Winter überstehen. Ebenso die Dorfbevölkerung, die von den marodierenden Soldaten des Königs gequält und ausgenutzt werden, befehligt von einem schwächlichen, aber bürgerlich gebildeten Landvogt namens Gessler. Somit ist es Wilhelms tragische Rolle, eingebettet in eine glaubwürdige und komplexere Familiengeschichte, die die gesellschaftspolitische Dimension dieser Geschichte auf noch ganz andere Ebenen hebt. Es geht um Liebe, Verrat, Schuld und Treue sowie um alle anderen großen Gefühle bis hin zum Todessehnen. Die Tragödie im Leben dieser Geschundenen macht auch nicht Halt vor Missbrauch von Klerikern, Zweckehen, Depressionen, Generationenkonflikte, Hunger und Kindersterblichkeit. Dabei gelingt es Schmidt, dem aus der Schweiz nach Island ausgewanderten Autor, mit sprachlicher Kunstfertigkeit die Idiome längst vergangener Zeiten wiederzubeleben und dem Leser diese Welt wieder authentisch vor den Augen entstehen zu lassen. Er destilliert seine Wortschöpfung auf das Mindeste. Ein wahres Meisterwerk. Ich bin mir sicher, dass es das Potenzial für einen modernen Klassiker hat.
Gerne würde ich mehr solcher Bücher lesen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieses Konzept auch auf andere Sagen übertragbar wäre, z. B. auf den Rattenfänger von Hameln, Störtebecker oder Eulenspiegel. Ach ja, der Till. Den Roman „Tyll“ schrieb bereits Daniel Kehlmann 2017, ein bunter Bilderreigen während des Dreißigjährigen Krieges. Jedoch lege ich mich fest: Joachim B. Schmidt ist mit Tell eine um Längen bessere und äußerst originelle Adaption eines leicht verstaubten Abenteuerstücks gelungen. Ein Thriller statt Heimatkunde.
- Marco Balzano
Ich bleibe hier
(279)Aktuelle Rezension von: izzy_booksDer Roman erzählt die Geschichte von Trina, die im Zweiten Weltkrieg mutig gegen die Zwangsassimilation in Südtirol kämpft. Balzano schildert eindringlich Verlust, Widerstand und tiefe Heimatliebe in einem ruhigen, einfühlsamen Stil und vermittelt zugleich die Härten jener Zeit, die persönliche Opfer und das Streben nach Identität prägen.
- Nell Leyshon
Die Farbe von Milch
(427)Aktuelle Rezension von: dunis-lesefutterVon diesem Buch hatte ich Vorfeld nur Gutes gehört. Also war ich sehr gespannt, ob mich die Geschichte aus dem vorletzten Jahrhundert genauso begeistert wie viele hier.
Mary wächst als eine von vier Schwestern auf einem kleinen Bauernhof im ländlichen England des 19. Jahrhunderts auf. Wie wir später erfahren, spielt die Geschichte 1831, denn Mary schreibt sie höchstpersönlich auf.
Ein Jahr lang schildert sie das ärmliche Leben auf dem Hof, die Brutalität, mit der ihr Vater gegen jede noch so kleine Abweichung von der täglichen Arbeit vorgeht und die scheinbare Gleichgültigkeit der Mutter, die von morgens bis abends beschäftigt ist und für Gefühle keine Zeit zu haben scheint. Mary ist anders als ihre Schwestern. Sie versucht Wärme in den Alltag zu bringen. Als jüngstes Kind, das sich auch optisch von ihren Familienmitgliedern unterscheidet, wirkt sie etwas unbeschwerter, träumt von Sonnenaufgängen und bezahlt so manch hohen Preis für die ein oder andere Flucht vom Alltag. Sie hat ein großes Herz für ihren gelähmten Großvater, der ebenfalls von den Brutalitäten seines Sohnes nicht verschont bleibt.
Als Mary von heute auf morgen ins Pfarrhaus ziehen muss. Um dort die schwerkranke Frau des Pastors zu betreuen, ändert sich ihr Leben schlagartig.
Thematisch geht es im Buch stark um Machtmissbrauch, patriarchale Gewalt und soziale Hierarchien. Selbstermächtigung von Frauen findet hier nicht statt. So werden Mary und ihre Schwestern zu arbeiten gezwungen, die das Leben der Familie am laufen halten. Eine Wahl bleibt Ihnen nicht. Männer nehmen sich was sie brauchen, egal, ob Frauen bereit sind, zu geben oder sich gar wehren. Der Ortswechsel, den die Protagonistin vornehmen muss, ist fremdbestimmt , sie zu fragen, kommt niemandem in den Sinn. Das Geld dafür kassiert der Vater. Mary nimmt das bewusst war und stellt diese Form von sozialer Gewalt auch infrage doch kann sie sich dagegen nicht auflehnen. Wenn Sie dies trotz allem versucht, bekommt sie dies sofort physisch zu spüren. Dieses fremdbestimmte Leben stört sie trotzdem stark, und sie entdeckt für sich Bildung als Möglichkeit zur Flucht. Die Allgegenwärtigkeit von Vertrauensbrüchen durch Männer macht die Perspektivlosigkeit, der sich Frauen und Mädchen gegenüber sehen sehr deutlich. In diesem Fall spürt es aber auch nicht die Solidarität unter Frauen. Freundinnen- oder Schwesternschaft fällt Resignation zum Opfer.
Leyshon bedient sich einer einfachen, oft pragmatischen Sprache, in der ein Hauch von Poesie mitschwingt. Dabei fügt sie kleine Wendungen ein, führt auf falsche Fährten und schenkt uns den ein oder anderen Twist, dessen Auflösung sie aber offen lässt. Ich finde diese Form der Textkonstruktion sehr gut gewählt. Sie baut Spannung auf, lässt uns Leser*innen mutmaßen und es bleibt trotzdem genug Raum für eigene Lösungen. Ich hatte schon die ganze Zeit eine Ahnung, wie die Geschichte ausgehen wird, und obwohl sich das bestätigt hat, habe ich aufgeregt dem Ende entgegen gefiebert. Das macht den Roman zu einer spannenden Erfahrung.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe es innerhalb eines Tages durchgesuchtet. Plot, Sprache, Setting und Konstruktion haben mich begeistert, und ich werde dieses Buch ab sofort zu meinen Highlights zählen
Eine Empfehlung für alle, die besondere Frauenfiguren mögen und raffinierte Texte zu schätzen wissen.
- Jarka Kubsova
Marschlande
(184)Aktuelle Rezension von: Lesens_werte_In der norddeutschen Marsch im 16. Jahrhundert hat es Gutsbesitzerin Abelke Bleken nach dem Tod des Vaters nicht leicht als junge Frau alleine einen großen Hof zu bewirtschaften. Vielen Leuten ist sie ein Dorn im Auge und wird der Hexerei bezichtigt. Fast 500 Jahre später zieht Britta Stoever mit ihrer Familie in die Marsch. Auch für sie bedeutet das Leben dort einen Umbruch und sie begibt sich auf Spurensuche.
Auf besondere Weise verwebt Autorin Jarka Kubsova in ihrem Buch die Leben dieser beiden Frauen, die trotz so vieler Unterschiede auch zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen. Die beeindruckend gut recherchierten historischen Hintergründe lassen den modernen Leser an vielen Stellen sprachlos zurück. Sprachlos, weil die Stärke dieser Frau an anderen Menschen Schwächen aufgedeckt hat, die man zu vertuschen versuchte. So wurden durch Sturheit und Blindheit damals zahlreiche hoffnungsvolle Leben zerstört und letztlich hingerichtet. Ähnlich machtlos im übertragenen Sinne fühlt sich auch Britta in ihrem heutigen Leben. Aber wie auch Abelke damals schon, gibt sie sich nicht einfach geschlagen. Dieses Buch ist eine gut ausformulierte Hymne an alle starken Frauen und die, die es noch werden können, egal aus welcher Epoche. - Isabell Schmitt-Egner
Königsfreunde
(43)Aktuelle Rezension von: Lesekatze-1407Kaum gekrönt, wird der König entführt. Doch dem Entführer kommen Gewissensbisse. Entgegen des Planes bringt er ihn bei einer Bauernfamilie unter. Die Familie - besonders deren Tochter sind nicht gerade erfreut, nehmen den König aber auf.
Der junge König findet sich mit seiner Lage ab, und in das ungewohnte Bauernleben hinein.
Schließlich überwinden Familie und Dorfbewohner anfängliche Probleme und wollen dem Jungen bei der Rückeroberung seines Thrones helfen.
Isabell Schmitt-Egners Stil ist sehr gut lesbar. Die Leser werden schnell in die immer spannender werdende Handlung hineingezogen. Die Charaktere sind glaubwürdig, auch wenn ein verwöhnter Junge etwas schnell ins bäuerliche Leben hineinfindet. Dass sich Robin, der König und die Bauerntochter ineinander verlieben, überrascht nicht wirklich.
Band 2 und die erschienene Nebengeschichte „Adam – Eine Königsfreunde-Geschichte“ lohnen sich ebenso zu lesen.
- Claudia Beinert
Revolution im Herzen
(76)Aktuelle Rezension von: BibliokateKarl Marx ist wohl den meisten ein Begriff. Von den einen Verteufelt von den anderen als Genie bezeichnet steht er mit seinem Kommunistischen Manifest wie kein anderer für Aufstand, Veränderung und Rebellion.
In ihrem Roman widmen sich Claudia und Naja Beinert dem Dienstmädchen Lenchen Demuth die bei Karl Marx und seiner Frau in Stellung geht.
Anfangs total überfordert und unglücklich ob der kalten Behandlung und der scheinbar so starken Abneigung des Hausherren gegen sie versucht Lenchen das beste daraus zu machen. Das sie von ihrem Vater, nach dessen Tod sie die Familie verlassen musste, Schachspielen gelernt hat hilft Lenchen einen Zugang zu Karl Marx zu finden. Sie Freunden sich an und aus der Freundschaft entsteht eine große Leidenschaft.
Als Lenchen ein Kind von Karl erwartet ist der Skandal vollkommen, ist Marx doch verheiratet und hat Kinder und auch die Standesunterschide scheinen riesig.
Wie soll Lenchen Jenni, Karls Frau nur jemals die Wahrheit sagen da sie doch immer so gut zu ihr war. Und wie soll sie mit der Schande du gehen die ein Uneheliches Kind mit sich bringt, wie ihre Gefühle für Karl in den Griff bekommen... Das alles Fragt sich Lenchen.
Ich fand es wirklich sehr interessant wie gekonnt die Autorinnen hier Fakt und Fiktion miteinander verschmelzen lassen und wie mitreißend und einfühlsam die Geschichte erzählt wird. Ich hatte beim Lesen das Gefühl Lenchen zu kennen und mit ihr mitzufühlen. Ihre Ängste, ihr Schmerz, ihr Leid, ihr Kampfgeist und ihre Liebe und Leidenschaft waren so gekonnt geschildert das ich wirklich teilweise das Gefühl hatte sie wäre eine Freundin.
Wirklich gelungen wurden auch die Lebensbedingungen der Menschen, die große Armut, die zwischenzeitlich auch Familie Marx betrifft, und die daraus hervorgehenden Politischen Gedanken von Karl Marx geschildert.
Für alle die sich für Marx interessieren und /oder gerne interessante Historische Romane lesen ist dieses Buch zu empfehlen.
Vielen Dank an den droemerknaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars
- Jarka Kubsova
Bergland
(94)Aktuelle Rezension von: AbnunchaIrgendwie war ich bei Heidi als ich angefangen habe zu lesen, ein Leben in den Bergen, Entbehrungsreich mit viel Arbeit, aber waren die Menschen unglücklich. Das ein oder andere Unglück hat es gegeben, aber die Menschen haben es zu der Zeit als gegeben angesehen, egal was war, es stirbt jemand, der in der Familie damals in der guten Stube aufgebahrt wurde, die Familie und oft das ganze Dorf nahm Abschied, Missernten, die Jahreszeiten die alle ihre Herausforderungen hatten, große Kinderreiche Familien, einen Hoferben und vielen anderen Dinge begegnet man in diesem Buch. Doch der Einzug des neuen macht auch nicht vor diesem Ort halt, Ferienwohnungen, Milchquoten, überleben. Rosa trotzt irgendwie all dem, macht weiter wie bisher, mit vielen Höhen und Tiefen beständig kämpft sie um ihren Hof um ihr Leben in der Natur, in den Bergen, stemmt sich gegen Fortschritt und Veränderung. Ein Buch das sehr lesenswert ist, diese Zeit sollte aufgeschrieben werden, auch mit wenig ist ein Leben möglich, man muss allerdings auch etwas dafür tun. Vielen Dank.
- Anton Cechov
Die Dame mit dem Hündchen
(39)Aktuelle Rezension von: Estel90Inhalt:
"Die Dame mit dem Hündchen" ist Anna Sergejewna, die aus der Provinz kommt und am Strand von Jalta dem Bankangestellten Dmitri Gurov auffällt, der daraufhin den Hund, einen Spitz, im Restaurant zu sich lockt. Auf diese Weise kommt er mit Anna ins Gespräch. Eigentlich soll sie nur eine weitere seiner zahlreichen Affären werden, aber Anna wird mehr. Obwohl beide verheiratet sind - die jeweiligen Ehepartner sind in der Heimat geblieben - verlieben sie sich ineinander.
Gurov merkt jedoch erst, als Anna abgereist ist und er selbst sich wieder daheim befindet, was sie ihm eigentlich bedeutet. Und auch Anna scheint ihr anfängliches schlechtes Gewissen - weil sie nie eine Frau sein wollte, die ihren Mann betrügt - durch die Intensität ihrer Gefühle zu überwinden: Als Gurov sie in ihrer Heimat aufsucht, finden sie erneut zueinander.
Mein Eindruck:
"Die Dame mit dem Hündchen" gehört zu den populärsten Werken der russischen Literatur und ich verstehe vollkommen, warum das so ist. Die Geschichte an sich ist zwar sehr kurz, aber dafür wunderschön und das leicht offene aber optimistische Ende lässt hoffen, dass die zwei Liebenden trotz aller Hindernisse ein gemeinsames Leben führen können.
Die wirklich zauberhaften Illustrationen lassen die Geschichte noch lebendiger wirken und das Essay von Bernhard Schlink zu diesem Klassiker gibt einen tieferen Einblick in die Handlung - vor allem in die Symbolik von beispielsweise dem Hündchen.
Fazit:
Wer sich für russische Werke, insbesondere russische Klassiker, interessiert, ist mir diesem Büchlein wirklich gut beraten. Die Gestaltung des Buches rundet das alles perfekt ab und so eignet es sich auch perfekt als Geschenk.
5 von 5 Sternen.
- Stephanie Rapp
Die Gehilfin des Buchdruckers
(17)Aktuelle Rezension von: SeilerSeiteUnter den vielen Büchern, die aktuell zum Reformationsjubiläum erscheinen und Luther und andere wichtige Persönlichkeiten in den Blick nehmen, erzählt dieser Roman die Geschehnisse aus einer etwas anderen Perspektive. Der Leser nimmt die Auswirkungen der neuen Lehre Luthers aus den Augen der einfachen Bauern wahr. Im Vordergrund steht dabei das Schicksal der Familie von Lisbeth und Lucas Strom, die als Leibeigene im fiktiven Laubenheim in der Pfalz leben.
Beginnend im Jahr 1496, wird zunächst die Beziehung von Lisbeth und Lucas geschildert. Erst im dritten Teil, nach gut 300 Seiten, beginnt der Handlungsstrang, den der Titel verheißt. Die Tochter von Lisbeth und Lucas, Lena, wird die Magd des Buchdruckers Peter Schöffer. Nun folgt die Geschichte Lenas Verbleib an ihrer neuen Arbeitsstelle in Worms. Dabei kreuzen sich immer wieder die Wege der Familie Strom und ihrer adeligen Grundherren. Im Jahr 1525 eskaliert die angespannte Lage von Altgläubigen und Anhängern der neuen Lehre und die Bauernaufstände beginnen. Detailreich wird das Mitwirken von Lenas Vater und Bruder in den Kämpfen beschrieben. Doch Lena trägt selbst ein großes Geheimnis mit sich herum, das ihr als unverzeihliche Sünde erscheint. Schließlich kommen Vater und Sohn gesund zur Familie zurück, Lena beichtet ihr Vergehen und erfährt Vergebung und sie leben, so könnte man überspitzt sagen, glücklich bis an ihr Lebensende.
Wie bereits gesagt, befasst sich der Roman aus einer spannenden und nicht allzu häufig anzutreffenden Perspektive mit den Ereignissen der Reformation. Wie erfuhren die einfachen Bauern von der neuen Lehre und wie wurde dadurch ihr Weltbild beeinflusst? Man erfährt viel über den Glauben der damaligen Zeit, die allgegenwärtige Angst vor dem Tod und der Hölle und wie diese Furcht das Alltagsleben beeinflusste. Auch das Handwerk des Druckens wird mit vielen Fakten beschrieben.
Doch hat man von Beginn an den Eindruck, dass den Protagonisten eigentlich nicht wirklich etwas Schlimmes geschehen kann. Sie entkommen stets größerem Unglück und am Ende ist die ganze Familie glücklich vereint. Die Gehilfin des Buchdruckers erscheint erst im letzten Drittel des Buches und erfährt nach ausführlicher, über mehrere Kapitel reichender Beschreibung ihrer großen Schuld, in wenigen Worten Absolution. Damit werden die Spannungsfäden in einem etwas seichten Happy End aufgelöst.
Seitenzahl: 544
Format: 13,8 x 19,2 cm, gebunden
Verlag: SCM Hänssler - Annegret Held
Armut ist ein brennend Hemd
(5)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisDieses Buch ist der zweite Band einer Familiengeschichte aus dem Westerwald. Die Autorin nimmt uns mit in die Jahre 1806 bis 1848. Wir begleiten Finchen aus dem fiktiven Örtchen Scholmerbach über rund fünfzig Jahre ihres harten Lebens, das von unzähligen Schwangerschaften, Hungersnöten, Entbehrungen, Missernten und marodierenden Soldaten geprägt ist.
Der Autorin gelingt der zeitliche Spagat zwischen den Napoleonischen Kriegen und der Revolution von 1848. Dazwischen liegt der Ausbruch des Vulkans Tambora, der in vielen Teilen der Welt eine kleine Eiszeit verursacht hat und in weiterer Folge für Missernten und Hungersnöten verantwortlich ist. Doch den armen, von ihren Lehensherren abhängigen Bauern kann es egal sein, warum die Kartoffel auf dem Acker verfaulen und ihnen nur wenig zum (Über)Leben bleibt.
Der Schreibstil ist schnörkellos. Zahlreiche Dialoge sind im Dialekt geschrieben, was das eine oder andere Mal nicht ganz leicht zu lesen ist. Mich persönlich nervt die Marotte die Dialoge nicht mit Redezeichen zu kennzeichnen viel mehr. Das kostet den 5. Stern.
Fazit:
Eine schnörkellose Beschreibung des Elends der Bauern (nicht nut im Westerwald) in der ersten Hälfte der 19. Jahrhunderts, der ich gerne 4 Sterne gebe.
- Jean Feyder
Mordshunger
(3)Aktuelle Rezension von: savannaZu diesem Buch sollte man sich besser keine Knabbereien zurechtlegen, denn sie werden einem im Halse stecken bleiben. Die sehr komplexen und weltumspannenden Themen Hunger und Unterernährung stehen im Mittelpunkt der Neuerscheinung „Mordshunger. Wer profitiert vom Elend der armen Länder?“. In Form eines populärwissenschaftlichen Fachbuches widmet sich der luxemburgische Autor Jean Feyder einer Fülle brisanter Aspekte rund um die weltweite Ernährungssicherheit. Als ständiger Vertreter Luxemburgs bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf und als Vorsitzender des Komitees für die am wenigsten entwickelten Länder der Welt sind ihm die Ausmaße des weltweiten Hungers leider nur zu gut bekannt. Als Aufhänger für sein hochaktuelles Buch nutzt Feyder die sogenannten Millenniums-Entwicklungsziele, an Hand derer die Anzahl der Hungernden und Unterernährten bis zum Jahr 2015 um die Hälfte reduziert werden sollen. Die Tendenz bis heute zeigt jedoch, dass der Hunger in der Welt tatsächlich leider sogar noch zugenommen hat. Die Finanzkrise der vergangenen Jahre hat in mehreren Regionen der Welt eine Ernährungskrise nach sich gezogen, die auch mit den Massen internationaler Hilfsgüter kaum abzumildern ist. Die Effektivität und Zukunft der internationale Entwicklungszusammenarbeit wird von Feyder ebenso kritisch unter die Lupe genommen, wie eine ganze Reihe internationaler Akteure, die im Zusammenhang mit dem weltweiten Hungerproblem überhaupt irgendetwas ausrichten könnten. Um zu verhindern, dass täglich (!) rund 25.000 Menschen an den Folgen von Hunger und Unterernährung sterben, sind zweifellos gewaltige politische Anstrengungen nötig. „Mordshunger“ bringt dem Leser unerbittlich ein herrschendes Problem globalen Ausmaßes nahe, welches man in seinem typischen Alltag mit gut gefülltem Kühlschrank nur allzu gern verdrängt. Das Themenfeld 'Hunger' an sich ist schon schwere Kost für einen Leser, der wahrscheinlich in seinem ganzen Leben noch nie Hunger gelitten hat. Hinzu kommt, dass Feyder die Hintergründe des Hungerproblems mit einer Reihe von Zahlen belegt, die dem Buch den Charakter von Fachliteratur verleihen. Die Fülle an aktuellen Fakten und die Verbitterung über herrschende Ungerechtigkeiten verlangt vom Leser über alle Kapitel hinweg vollste Aufmerksamkeit. Dennoch lohnt die Lektüre sehr: Die Gründe und Lösungswege zum Thema Hunger sind wahrscheinlich in keiner anderen Form derzeit so prägnant und hochaktuell zusammen gestellt worden. - Barbara Lukesch
Bauernleben
(14)Aktuelle Rezension von: Diana182Das Cover zeigt den sympathisch und offen schauenden Landwirt Wisi Zgraggen. Auf den ersten Blick wirkt dieses Bild recht idyllisch und nicht weiter auffällig. Doch wenn man genauer hinsieht, staunt man nicht schlecht, denn dieser Mann hat sich wirklich zurück ins Leben gekämpft. Diese Geschichte machte mich neugierig.
Der Einstig in das Buch gelang recht schnell. Wir blicken durch die Augen der Autorin und sind direkt mit Gast am Hof der Familie.
Durch die flüssige und detaillierte Ausdrucksweise bekommt man viele Eindrücke geliefert und erhält schnell Bilder und Emotionen, die auf den Leser wirken.
Mittig sind viele private Fotos abgebildet, welche die Geschichte zusätzlich in Szene setzen. Diese habe ich ebenso gern betrachte, wie ich die mitreißende Geschichte der Familie gelesen habe.
Wisi Zgraggen zeigt deutlich auf, das man alles schaffen kann, wenn man nur will und hart für seine Ziele kämpft. Dieses Buch macht optimistisch und motiviert direkt mit, sich für seine Träume stark zu machen.
Ich habe die Familie sehr gern kennen gelernt und sie ein Stück durch ihr Leben begleitet. Daher vergebe ich sehr gern eine Lesempfehlung! - Günter Krieger
Richarda von Gression - Die Königin
(39)Aktuelle Rezension von: ScribaDer letzte Teil der Trilogie um Richarda von Gression las sich spannend und ist ein würdiges Ende der Gression Saga von Günter Krieger. Alle Dinge um Richarda und ihre Eremiten klären sich und sie finden ein gutes Ende. Eigentlich bekommt jeder, was er verdient, das macht den dritten Teil der Saga sehr sympathisch. Sogar eine große Überraschung wartet auf den Leser.
Sehr gelungen und lesenswert, auch wenn ich mir gelegentlich etwas mehr Details am Ende gewünscht hätte.
Lesevergnügen. - Dörte Hansen
Mittagsstunde
(51)Aktuelle Rezension von: engineerwifeIm ersten Moment war ich überrascht, als beim Starten dieses Hörbuchs die tiefe und eindringliche Stimme der bekannten Schauspielerin Hannelore Hoger erklang. Ich stellte mich innerlich schon auf anstrengende Hörstunden ein. Umso verwunderter war ich schließlich, als ich gar nicht genug kriegen konnte davon … vom platten Schnack, der mich über elf Stunden lang unterhielt …
Auf Basis des Buches der Schriftstellerin Dörte Hansen, die ich schon aus ihrem ersten Roman „Altes Land“ kannte, erzählt Frau Hoger die Geschichte eines kleinen Dorfs im hohen Norden nahe Husum, wie es seinesgleichen in den 50er, 60er, 70er Jahren in ganz Deutschland zu finden gab. Die Dorfstraße war holperig, große Bäume spendeten im Sommer Schatten, es gab einen kleinen Laden, in dem man einkaufte und die Welt schien in Ordnung, denn alles ging seinen Gang und jeder wusste um seinen Platz im Leben. Es gab wenig Aufregendes zu erleben. Die Highlights im Jahr waren runde Geburtstage und Jubiläen, die im alten Dorfkrug bei Familie Feddersen gefeiert wurden. Ella und Sönke Feddersen, inzwischen beide in den Neunzigern, leben noch immer dort, unterstützt von ihrem Enkel Ingwer, der sie an den Wochenenden besuchen kommt. Um sie und das Dorf dreht sich der Roman. Und um das Erreichen der Gnadenhochzeit. Ach ja, und ein wenig auch um Ingwer, der sich mit seinen fast fünfzig Jahren fragt, ob er alles richtig gemacht hat im Leben …
Der oft nüchterne und dennoch fast ein wenig magisch anmutende Rückblick auf ein dörfliches Leben, das immer mehr zu verschwinden droht, hat mich fasziniert. Es ist ein ruhiges Buch aber nie langweilig. Der starke Dialekt aus dem Norden weckte in mir so manche Erinnerung an Sommerurlaube an der Ostsee bei Oma und Opa in Friedrichsort an der Ostsee, wo für uns Kinder die Welt auch noch in Ordnung war. Ich sortiere dieses Hörbuch gedanklich in die Kategorie „Lieblingsbuch“ und vergebe hierfür die verdiente volle Punktzahl. Bin schon gespannt, was sich Dörte Hansen als nächstes ausdenken wird. Ich werde auf jeden Fall wieder dabei sein!
- Tommie Goerz
Im Tal
(29)Aktuelle Rezension von: S_MaltIch liebe es, wenn mir ein Buch in die Hände fällt, welches sich dann als ein kleiner Schatz erweist.
Ich habe IM TAL wirklich genossen - Story und Schreibstil des Autoren waren genau auf meiner Wellenlänge.
Toni (Anton) Rosser wird 1897 in einem Tal in der Fränkischen Schweiz geboren. Seine Kindheit ist geprägt von der Kaltherzigkeit und der Gewalt seines cholerischen und jähzornigen Vaters. Seine Mutter ist gestorben, als er erst vier Jahre alt war (wie man später erfährt bei einem tragischen Arbeitsunfall). Somit lebt er mit seinem Vater - und in ständiger Angst vor diesem - allein auf dem maroden Hof; jeder kindliche Fehler mündet in brutalen Bestrafungen durch seinen Vater.
…Aber das Gewitter ist da. Steht in der Tür, schnauft, sieht sich um. Sieht, dass kein Holz da ist, hört die Stalltür drüben klappern, riecht die angebrannten Kartoffeln. Sieht den Toni am Fenster stehen, träumen. Und entlädt sich…
Der einzige Mensch, der mit ihm ab und an redet, ist Marga, eine Nachbarin; doch auch sie muss sich vor Tonis Vater und seinen Gewaltausbrüchen in Acht nehmen. Toni erfährt von Marga die Umstände über den Tod seiner Mutter - sowie ein schreckliches Geheimnis, in welchem sein Vater eine Rolle spielt.
Toni wächst heran, besucht die Schule, findet jedoch keinen Anschluss bei seinen Mitschülern, die ihn meiden,
…»Mit dem geh ich nicht«, sagt er zu seiner Mutter, »der kommt ausm Tal«, und wartet, bis der Toni weg ist…
Schließlich geht er bei einem Metzger in die Lehre - er übersteht das töten der Tiere, das Blut, die Innerreien dadurch, dass er sich ganz in sich zurück zieht; eine Methode, die ihm auch in der Schule schon geholfen hat.
Nach einiger Zeit erlebt er jedoch eine böse Überraschung in Bezug auf seine Tätigkeit beim Metzger. Sein Leben gerät ein weiteres Mal ins Wanken - er beschließt, seinem Vater und dem brutalen Leben zu entfliehen. Er läuft weg und wird Soldat. Doch das Soldatenleben ist noch sehr viel brutaler - denn der erste Weltkrieg ist ausgebrochen und so durchlebt er die unmenschlichen Stellungs- und Grabenkämpfe an der Front.
Doch er überlebt und kehrt zurück.
Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, da es noch einige Wendungen gibt, die der Leser selbst erleben sollte. Nur soviel, er erfährt noch eine sehr unglückliche Liebe, in welcher die Tochter von Marga eine entscheidende Rolle spielt - und landet schließlich auch an der Front des zweiten Weltkrieges.
Das Buch beginnt 1968 - mit dem Tod von Toni und es endet mit seinem Tod.
…Toni Rosser stirbt im Februar neunzehnhundertachtundsechzig mit einundsiebzig Jahren. Die Umstände seines Todes scheinen klar, im Totenschein vermerkt der Arzt »Herzstillstand«, zu den Umstehenden sagt er »Altersschwäche, Unterernährung, Verwahrlosungszustand« und zuckt dazu mit den Schultern….
Dazwischen erzählt der Autor das Leben von Toni, beginnend mit seiner Kindheit. Und dies in so einer starken Konzentration von klaren Sätzen und kurzen Kapiteln. Der Leser begleitet Toni durch sein karges und brutales Leben, welches er zumeist einfach nicht versteht. Doch entwickelt sich hier kein das Leben hinterfragender Zweifler, sondern einfach ein Mensch, der schon zu früh zuviel Gewalt erlebt hat und dieser einfach nicht entkommt. Ein Leben geprägt von harter Arbeit, von Verzicht und Enttäuschung.
Man leidet mit Toni, stolpert mit ihm über die Schlachtfelder des Krieges und seines gesamten Lebens - und sieht immer wieder, dass er nichts daran hätte ändern können; man hat in seiner Situation einfach nie einen andere Lösung für in parat.
Mich hat das Buch sehr bewegt - und mir gleichzeitig sehr gut gefallen.
Von mir gibt es 5/5 Sternen.
Und eine Empfehlung geht raus an alle, denen nüchterne Lebensgeschichten aus dieser Zeitepoche gefallen.
Wer Oliver Twist oder die Adaptation Demon Copperhead mochte - oder auch der Friedhofswärter (im selben Verlag erschienen), dem wird dieses Buch sicher gefallen.
- Susan Hill
Stummes Echo
(27)Aktuelle Rezension von: schokoloko29Es geht um eine Familie, die in einemBauernhof eine ländliche Gegend in Groß Britanien lebt. Es wird das einfache, harte Leben auf dem Land beschrieben. Wie die Familie sich um die Tiere und den Hof kümmert. Wie die einzelnen Kinder dann ausziehen und sich ihr eigenes Leben aufbauen. Mit Ausnahme von May. Sie ist mit einem Stipendium nach London gegangen, um zu studieren und dann bekam sie Panikattacken. Sie wurde dann wieder nach hause geschickt und blieb dann auf dem elterlichen Hof.
Darüber hinaus geht es auch um Frank, der ein Buch über seine Kindheit schrieb. Er schrieb das Buch so, dass jeder in diesem Buch erkannt wird. Und er schrieb über eine Kindheit, die gekennzeichnet war mit Gewalt und Freiheitsberaubung. Seine Geschwister können mit diesen Anschuldigungen nichts anfangen, da sie fest der Meinung sind, dass Frank dies ausgedacht habe. Franks Buch wird ein Erfolg und seine Geschwister werden von der Dorfgemeinschaft gemieden und ausgegrenzt. Als die Mutter stirbt kommt es zur ersten Konfrontation mit Frank.
- James Rebanks
Mein Leben als Schäfer
(15)Aktuelle Rezension von: PostboteImmer wenn ich viel Stress in der Arbeit hatte, dachte ich, ich werde im nächsten Leben Schafhüterin. Da gehts sicherlich ruhiger zu.
Pfeiffendeckele. Nachdem ich Rebanks Buch gelesen hatte, bin ich anderer Meinung.
Der Lebensbericht eines Schäfers hat mich sehr neugierig gemacht, vor allem weil ich Schafe über alles mag.
James Rebanks, ein traditioneller Schäfer aus dem Lake District, England, erzählt hier wunderbar, echt und tief verbunden zur Natur über sein Leben und seine Arbeit mit den Tieren. Nicht zu vergessen die getreuen Hirtenhunde, die einer der wichtigsten Rollen spielen.
Der Lake District (auch die Fells genannt) sind seit Jahrhunderten reines Schafzuchtrevier. Mittlerweile hat sich der Tourismus dort Nischen eingerichtet, nicht immer zur Freude der Schäfer.
Doch man hat sich arangiert.
Wenn man die Geschichten von James liest, meint man gar man ist mit ihm Mittendrin beim Schafe zählen, scheren, füttern und einfach mal bei einer lieben Streicheleinheit. Er erzählt wer die meisten Schafe schert, und vor allem wie man die Tiere dabei anpackt. Vor allem war ich beeindruckt auf was man alles acht geben muss, wenn die Weiblein ihre Lämmer werfen. Hier beginnt für den Schäfer ein reiner Spiesrutenlauf. Ganz wichtig dabei, wie ist das Wetter, wie stabil ist die Mutter und vor allem können sich beide sofort selbst versorgen nach der Geburt. Oft gehts um Minuten.
Interessant war zu lesen, wie man einen guten Hirtenhund hinbekommt. Hier hat sich James mal einen Fehler erlaubt, doch das war ihm eine Lehre.
Super toll fand ich, geschrieben im schönen Erzählstil, des Autors, wer ist hier DER oder Die schönste im ganzen Land.
Gemeint sind Zuchtschafe, Böcke und Weiblein, die auf Prämierungen Schönheitspreise gewinnen. Nicht nur das, gemeint sind Charakter, Aussehen, Stabilität der Verfassung, gute Zähne, Fell und gar die Klauen müssen stimmen. Solche Gewinner bringen Geld und vor allem gute Gene in die nächste Zucht.
James erzählt zu dem von seinen Ahnen, seinen Eltern und plaudert auch über seine eigene Familie, die alle eins waren. Schafzüchter.
Schön fand ich das er die Liebe zu Büchern fand und er sich zu einem Studium in Oxford entschied.
Doch seine größte Leidenschaft, die Schafzucht, würde er mit nichts auf der Welt tauschen.
Mit so viel authentischkeit hat er auch sein Buch geschrieben.
Volle Leseempfehlung
5 Punkte























